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Full text of "Der Gottesfreund vom Oberland, eine erfindung des Strassburger Johanniterbruders Nikolaus von Löwen .."

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DEE  GOTTESFßEUND 


VOM  OBERLAND 


EINE  ERFINDUNG  DES  STßASSBURGER 
JOHANNITERBRUDERS  NIKOLAUS  VON  LÖWEN. 


MIT  12  SCHRIFTrAFELN  IN  LICHTDRUCK. 


VON 


KARL  RIEDER.  '^ 

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INNSBRUCK. 

V^BBLAG  DER  WAGNEE'schen  üNIVEBSITlTS-BUCHHANDLÜNÜ. 

1905. 


THB  SBW  YORK 
PUBLIC  LIBRARY 

AjjrOB,  IXNOX  AN» 
TILDKN  rOUrUATlOHB 


Alle  Rechte  vorbehalten. 


»RUCK  DER  WAGNEK'»«"^  UNIVERSITÄTS-BUCHDKITKEKEI. 


GEHEIMRAT  D«  v.  WEECH 

DIREKTOR  DES  QROSSH.  GENERÄL-LANDESARCHIYS  ZU  KABLSRUHE 

D^  R  ALBERT 

STADTARCHIVAR  ZU  FREIBURG  I.  BR. 


DEN  FÖBDEREBN  MEINER  STUDIEN 


IN  DANKBARKEIT  GEWIDMET. 


Vorwort. 


Der  Erforschung  des  deutschen  Predigtwesens  und  der  deutschen 
Mvstik  des  Mittelalters  war  seit  meinen  Universitätsstudien  meine 
ganz  besondere  Aufmerksamkeit  gewidmet.  Gibt  es  doch  gerade 
tuf  diesem  Gebiete  noch  hunderte  von  Fragen,  die  der  Erledigung 
harren,  während  es  andererseits  nach  Tagen  trockener  und  ab- 
spannender Berufsarbeit  nichts  schöneres  und  erquickenderes  gibt, 
als  sich  in  den  herrlichen  Inhalt  unserer  deutschen  Prediger  und 
Mystiker  zu  vertiefen  und  sich  geistig  zu  erholen  an  dem  Wunder- 
brunnen, der  hier  in  so  edler,  bilderreicher  und  zu  Herzen 
dringender  Sprache  fließt  Nur  äußere  Umstände  haben  mich  bis 
jetzt  genötigt,  mit  dem  Erscheinen  meiner  Arbeiten  über  Berthold 
von  Regensburg  zurückzuhalten,  da  von  anderer  Seite  gerade 
der  Bertholdforschung  einige  neue  Studien  gelten,  deren  Ab- 
schluß noch  abzuwarten  ist.  Mit  umso  größerem  Eifer  wandte 
ich  mich  darum  der  Gottesfreundlrage  zu,  als  bei  der  Bearbeitung 
der  Konstanzer  Bischofsregesten  die  Frage  an  mich  herantrat,  ob 
überhaupt  und  inwieweit  Bischof  Heinrich  von  Brandis  mit  dem 
Gottesfreund  im  Oberland  jenen  geheimnisvollen  Verkehr  unter- 
hielt, von  dem  uns  die  sogenannten  Gottesfreundschriften  zu  er- 
zählen wissen.  Ein  umfassendes  historis(*hes  Material  lag  mir  in 
den  Regesten  zur  Beurteilung  dieser  Frage  vor;  aber  nirgends 
fand  sich  auch  nur  eine  Spur,  welche  die  Annahme  eines  der- 
artigen Verkehrs  auch  nur  annähernd  wahrscheinlich  gemacht  hätte. 
Von  selbst  sab  ich  mich  daher  genötigt,  auf  die  QueWeiv  dAfc'&e& 


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Berichtes  zurückzugehen.  Je  mehr  ich  jedoch  die  Gründe  abwogt 
welche  Denifie  vor  allem  in  dem  Kampfe  gegen  Schmidt,  Jundt 
und  Preger  ins  Feld  führte,  umso  mehr  kam  ich  zur  Erkenntnist 
daß  auf  dem  bisherigen  Wege  zu  keiner  endgültigen  Lösung  zu 
gelangen  sei,  bis  der  Einblick  in  den  Text  mich  auf  den  großen 
Widerspruch  führte,  der  zwischen  den  anonymen  Traktaten  und 
ihren  Überschriften  bestand.  Dadurch  wurde  sofort  klar,  daß  wir 
es  nur  mit  einer  Fiktion  Nikolaus  von  Löwens  zu  tun  haben 
können,  der  ihm  vorüegende  anonyme  Traktate  interpolierte  und 
mit  eigenen  Zutaten  und  Überschriften  versah,  die  bei  näherem 
Zusehen  das  gerade  Gegenteil  von  dem  besagten,  was  die  Traktate 
für  sich  betrachtet  besagen  sollten.  Diese  Überzeugung  bestätigte 
sich,  als  es  mir  gelang,  die  Handschriften  selbst  einzusehen, 
wobei  gerade  die  an  den  wichtigsten  Stellen  vorgenommenen 
Korrekturen  zu  erstmaliger  griindlicher  Untersuchung  der  Hand- 
schriften neuen  Ansporn  gaben.  Das  Resultat,  das  ich  in  zwei  Auf- 
sätzen der  Zeitschrift  für  die  Geschichte  des  Oberrheins  (NF.  Bd.  17 
(1902),  205 ff.;  480 ff.;)  kurz  zu  skizzieren  gedachte,  war  denn  auch 
ganz  überraschend.  Da  bekam  ich  mitten  in  meinen  Arbeiten 
von  Straßburg  aus  die  Nachricht,  daß  Professor  Strauch  in  Halle 
seit  längerer  Zeit  sich  gleichfalls  mit  der  Gottesfreuiidfrage  be- 
schäftige. Sollte  der  Altmeister  in  der  Geschichte  der  deutschen 
Mystik  nicht  meine  ganze  Arbeit  entwerten  und  alle  weitere  Zeit 
und  Mühe,  die  ich  darauf  zu  verwenden  gedachte,  unnötig  machen  ? 
Ich  mußte  darauf  schlechtweg  mit  Ja  antworten,  da  es  mir  un- 
möglich schien,  daß  jemand,  der  die  Handschriften  näher  besehen, 
nicht  auf  den  Kernpunkt  aufmerksam  werden  sollte,  um  den  sich 
jede  weitere  Untersuchung  der  Gottesfreundfrage  in  Zukunft  drehen 
müsse.  Schon  bereit  das  Manuskript  zurückzuziehen,  belehrten 
mich  die  liebenswürdigen  Briefe  Strauchs  sowie  dessen  bald  darauf 
erscheinenden  beiden  Aufsätze  über  das  Neun  Felsenbuch  wie  den 
Schürebrand-Traktat,  daß  ich  auf  dem  bisherigen  Wege  ruhig 
meine  Studien  fortsetzen  könne,  ja  sie  zeigten  sogar,  wie  unbe- 
dingt notwendig  es  sei,  in  der  einmal  eingeschlagenen  Richtung 
weiter  zu  forschen.  Das  vollständige  Resultat  dieser  Studien  lege 
ich  nun  den  Fachkreisen  zur  Beurteilung  vor.  Sie  gründen  ein- 
mal auf  einer  soliden  Grundlage,  die  zuerst  durch  eingehende 
Untersuchung  sämtlicher  hier  in  Betracht  kommenden  Handschriften 


IX 

geschaffen  werden  mußte  und  allein  geschaffen  werden  konnte; 
sie  rücken   sodann  die   Gottesfreundfrage  in  eine  ganz  neue  Be- 
leuchtung durch  die  eingehende  Darstellung  der  Gründungsgeschichte 
des  Hauses  zum  Grünenwörth  in  Straßburg,  das  allein  uns  die  soge- 
nannten Gottesfreundschriften  übermittelt;  sie  geben  schließlich 
in  den  Beilagen  einen  Text,  auf  dem  fernere  Untersuchungen  ohne 
Fehltritte  weiter  bauen  können.  Gerade  auf  die  Herstellung  dieses 
Textes  wurde  große  Sorgfalt  verwendeL    Die  Anwendung  ver- 
schiedener Druckgröße  und  die  dadurch  zutage  geförderte  Heraus- 
schälung des  ursprünglichen  Textes  vom  überarbeiteten  wird  auf 
den  ersten  Blick   erkennen  lassen,  wie  unbrauchbar  die  Text- 
poblikationen  von  Schmidt  und  Jundt  für  weitere  Untersucliungen 
sind,  und  welche  Anforderungen  andererseits  an  den  Herausgeber 
ähnlicher  Texte  gestellt  werden.   Die  Abhandlung  will  sodann  eine 
scharfe    Scheidelinie    gezogen    wissen    zwischen    den    anonym- 
mystischen Traktaten  und  den  Veränderungen,  die  Nikolaus  von 
Löwen  an  denselben  stufenweise  vorgenommen  hat,  um  sein  Ziel 
zu  erreichen :  Rulmann  als  Gottesfreund  und  dessen  Werk  als  Aus- 
fluß des  Rates  von  Gottesfreunden  hinzustellen.    Letzteren  Punkt 
allein  will  die  Arbeit  Schritt  für  Schritt  verfolgen,  während  sie 
auf  die  Frage  nach  Entstehungszeit  und  Verfasser  der  anonymen 
Traktate  nicht  eingehen  wollte,  weil  diese  Frage  für  die  soge- 
nannte Gottesfreundfrage  durchaus  belanglos  ist,  und  nicht  ein- 
gehen konnte,  weil  dazu  die  notwendigen  Vorarbeiten  fehlen. 
Auch  gebe  ich  gerne  zu,  daß  in  vorliegender  Untersuchung  viel- 
leicht der  eine  oder  der  andere  Punkt  einer  Vertiefung,  Erläu- 
terung oder  Verbesserung  bedürftig  ist;  das  wird  aber  derjenige 
nicht   befremdlich   finden,   der  die  Schwierigkeiten  bedenkt,  die 
in  einer   so  verwickelten  Frage  zuerst  aus  dem  Wege  geräumt 
werden  mußten,  bevor  an   eine  auch  nur  einigermaßen  verständ- 
liche Abliandlung   zu   denken   war.    Schließlich   dürfte   die   Ab- 
handlung auch  einen  willkommenen  Beitrag  zur  allgemeinen 
Quellenkritik  bilden,  da  gerade  das  Brief  buch  ein  bis  jetzt 
einzig  dastehendes  Beispiel  bietet,   wie  es  dem  Historiker  nur  an 
der  Hand  der  Originalhandschrift   möglich   ist,   zur  Lösung  des 
Problems  zu  gelangen,  während  keine  Abschrift  und  kein  Druck 
hier  des  Rätsels  Dunkel,  das  bis  jetzt  über  dem  Briefbuch  lagerte, 
zu  erhellen  imstande  ist    SoJJte  darum  vorliegenAe  SVwÖAfc  ^^ 


X 

und  dort  in  den  historischen  Seminarien  zu  Übungen  Verwen- 
dung finden  können,  so  wäre  meine  Mühe  reich  belohnt 

Eine  solche  Arbeit  aber,  die  neben  den  eigentlichen  Berufs- 
geschüflen  gleichsam  nur  als  eine  Blume  am  Wege  gepflückt 
werden  konnte,  hätte  in  so  kurzer  Zeit  nicht  erscheinen  können, 
wenn  ich  nicht  mancherseits  liebevolle  Förderung  erfahren  hätte. 
Gerade  dem  Entgegenkommen  der  Vorstände  des  Straßburger 
Bezirksarcliivs,  der  Straßburger  Universitätsbibliothek  und  des 
Stadtarchivs  habe  ich  es  zu  danken,  daß  ich  die  Handschriften 
in  den  Räumen  des  Großherzoglichen  General-Landesarchivs  zu 
Karlsruhe  in  aller  Muße  und  mehrmals,  vor  allem  aber  während 
des  Druckes  benützen  konnte.  Ebenso  bekannt  ist  auch  die 
Liberalität  der  Bibliotheken  zu  Freiburg,  München,  Einsiedeln  usw. 
Wenn  die  Ausstattung  des  Werkes  so  gediegen  bezeichnet  werden 
muß,  so  verdanke  ich  dies  der  altrenommierten  Wagner'schen 
üniversitäts-Buchdruckerei  in  Innsbruck,  die  dieses  Jahr  ihr 
350jähriges  Jubiläum  gefeiert  hat.  Sie  scheute  keine  Kosten, 
dieses  Buch  reich  und  gadiegen  auszustatten.  Verbindlichster  Dank 
gebührt  auch  Herrn  üniversitätsprofessor  Dr.  Panzer  in  Freiburg, 
der  in  zuvorkommendster  Weise  die  Korrekturbogen  des  II.  Teiles 
einer  Durchsicht  unterzog.  Zu  besonderer  Freude  gereicht  es  mir 
.schließUch  dieses  Werk  zwei  Männern  widmen  zu  können,  die  auf 
meine  wissenschaftliche  Weiterbildung  so  vorteilhaft  eingewirkt 
haben.  Mögen  sie  dieses  Werk  als  ein  Zeichen  der  Dankbarkeit 
entgegennehmen  für  die  Förderung,  die  ich  von  ihnen  bei  meinen 
wissenschaftlichen  Arbeiten  stets  erfaiiren  habe. 

Rom,  den  4.  November  1904. 

Der  Verfasser. 


Inhalt. 


Seite 

Vorwort VII 

Die  benutzten  Handschriften  und  Urkunden  .  .  .  XY 
Erklärung  der  verwendeten  Abkürzungen  .  XXII 
Ergänzungen  und  Berichtigungen XXIII 

I.   Teil. 
Abhandlung. 

I.  Die  Geschichte  der  Gottesfreundfrage      .       .        .       .       i 

Der  Qottosfreand  im  Oberland  nach  den  MemorislbQchorn  den 
Straßburger  Johanniterhauses  3.  Die  Stellung  der  Straßburger 
Chronisten  zu  diesem  Berichte  5.  Erste  Ansätze  einer  kritischen 
Behandlung  der  Gottesfreundfrage  9.  Die  Gottesfreundfrage  im 
19.  Jahrhundert,  die  Auffassung  von  Schmidt,  Denifle,  Prcger, 
Jundt,  Strauch  usw.  9.     KOckblick  und  Ausblick  1:$. 

II.  Die  MemorialbQcher  von   Griinenwörth  nach  Entstehung 

und  Verfasser. 

A.  Die  Memoriale  im  Einzelnen. 

1.  Das  Große  Deutsche  Memorial  .         .         .         .         .15 

Boschreibung  der  Originalhaudscbrift  15.  Inhalt  16.  Ent- 
stehungsart 17.  Entstehungszoit  20.  Verfasser  'l:i,  Zweck  25. 
Vorlagen  26.     Schrift  26. 

2.  Das  Pflegermemorial 27 

Name  und  Zweck  27.  Inhalt  28.  Entstehungszoit  'M.  Quellen 
und  Vorlagen  31.     Verfasser  32. 

3.  Das  erste  lateinische  Memorial  oder  die  zwei  ,, Übrig- 
gebliebenen Lateinbücher'* 33 

Das  zweite  Übriggebliebene  Lateinbuch  33-39.  Beschreibung 
der  Handschrift  33.  Inhalt  34.  Entstehuugsart  34.  Name 
und  Zweck  36.   Yorligen  37.     Der  Redaktor  der  EanilscWxlt  1i^ . 


xn 

Seite 
Entstehungszeit  39.  Das  orstc  übriggebliebene  Lateinbuch  40-44. 

Äaßere  Gestalt  40.  Inhalt,  aas  späterer  Abschrift  teilweise 
rekonstruiert  41.  Verhältnis  des  ersten  zum  zweiten  Übrig- 
gebliebenen Lateiubuch  43.     Entstehuugszeit  und  Verfasser  44. 

4.  Das  Große  Lateinische  Memorial         ....       45 

Unterschied  des  Großen  Lateinischen  Memorials  Tom  Ersten 
Lateinischen  Memorial  45.  Inhalt  teilweise  rekonstruierbar  46. 
Entstehungszeit  und  Verfasser  47. 

5.  Das  Kleine  Deutsche  Memorial  .  .48 

Inhalt  48.     Entstehungsart  49.     Entsteh ungszoit  50. 

6.  Das  Briefbnoh 50 

Beschreibung  der  Handschrift  50.  Name  und  Zweck  52. 
Inhalt  52.  Entstehungsweise  54.  Entstehungszeit  59.  Quellen 
und  Vorlagen  60.     Verfasser  61.     Schrift  62. 

7.  Das  Meistermemorial        .         .         .         .  .62 

Inhalt  62.     Zweck  und  Entstehungszeit  63. 

8.  Das  erweiterte  Pflegermemorial  .  .64 

Inhalt  65.     Vorlagen  67.     Eutstehungszeit  und  Verfasser  67. 

9.  Das  Bruderschaftsbuch 68 

B.  Die  Memoriale  in  ihrer  gegenseitigen  Abhän- 
gigkeit   69 

Ihr  Kedaktor  ist  Nikolaus  von  Löwen  70.  Ihro  Entstehuugs- 
zeit fällt  nach  Rulmanns  Tod  70.  Ihre  zeitliche  Aufeinander- 
folge 71. 

lil.  Die  Memorialbflcher  von  GrOnenwörth  nach  ihren  einzelnen 
Bestandteilen. 

1.  Die  aszetisch- mystischen  Traktate      ....       74 

Die  sechszehn  ersten  Traktate  75.  Die  Angaben  Nikolaus  Ton 
Löwens  über  ihre  Deutung  und  Herkunft  75.  Die  kritische 
Untersuchung  dieser  Angaben  an  den  zwölf  Traktaten  des  Gottes- 
freundes 78,  an  den  vier  Traktaten  Rulmanns  81.  —  Der  Traktate 
zweiter  Teil :  die  lateinisch-deutschen  Traktate  83.  Das  Zwei- 
Maunenbuch  84.  Das  Moisterbuch  92.  Das  Buch  von  den 
Neun  Felsen  98.  —  Der  Traktate  dritter  Teil  106.  Verhältnis 
der  Traktate  zu  einander  107.  Ihre  Vorlagen  nachgemesen  an 
der  Offenbarung  des  Gottusfreundes  in  der  Christnacht  110, 
am  Sendschreiben  112,  an  Ruisbroks  BrautlaufbQchloin  114. 
ScUluÜorgebuis  120. 

2.  Die  Chronik  oder  die  GründuDgsgeschichte  des  Hauses 

zum  Grünen wörth    .         .         .         .         .         .         .121 


xm 

S«ite 
Die   Geschichte    von  GrQnonwörth   in    der  Überlieferung   des 

Nikolaus  von  Löwen :  Die  Überlieferung  der  Chronik  in  den 
▼erschiedonon  UrkundenbQchem,  ihre  ursprüngliche  und  Qber- 
arbeitete  Qestalt  122.  Quellen  und  Zweck  der  Chronik  126. 
—  Die  Hofstätte  Ton  Qrünenwörth  zu  Straßburg  im  Lichte  der 
Zeitgeschichte :  Gründung  Ton  Grünenwörth  durch  Werner  TOn  Hüne- 
burg 130.  Grünen wOrths  Terschiedene  Besitzer  131.  Die  Er- 
neuerung  durch  Rulmann  Merswin  133.  Dessen  Verhalten  gegen 
Altdorf  136.  Erste  Bauperiode  140.  Die  Übergabe  Ton  Grünen- 
wörth an  die  Johanniter,  der  Pflegerbrief  142.  Zweite  Bau- 
periode 150.  Der  Pflegereid  151.  Die  Traktate  betrachtet  im 
Lichte  der  Chronik  153.  Die  Stiftung  zweier  Legate  für  Spital 
und  Jakobsmesse  durch  Heinrich  Blankhart  von  Löwen  157. 

3.  Die  sogenannton  Yiten  der  beiden  Stifter  des  Johanniter- 
hanses  .         .         .         .         .         .         .         .         .104 

Die  Vier-Jahre  Rulmann  Merswins  in  ihrer  verschiedenen  Über- 
lieferung 165.  Das  Fünf-Mannenbuch  in  seiner  Überlieferung  171. 
Vergleich  der  beiden  Viten  mit  den  Traktaten :  mit  dem  Zwei- 
Mannenbuch  175,  mit  den  Neun  Felsen  179,  mit  den  ührigen 
Traktaten  181,  mit  der  Chronik  188.  —  Die  sogenannten  Auto- 
graphen in  ihrer  liußeren  Erscheinung  189. 

4.  Die  Briefe  .         .  .         .193 

Die  Datierung  der  Briefe  103.  Der  Inhalt  der  Briefe  198. 
Briefabschnitte,  welche  zweimal  im  Briofbiich  wiederkehren  198. 
Briefe  welche  sowohl  im  ßricfbuch  wie  in  den  MemorialbOchem 
stehen  199.  Brief  G-10  von  den  Plagen  der  Christenheit  201. 
Die  drei  daraus  folgenden  Briefe  205.  Die  Briefe  Ton  der 
GrQndungsgeschichte  des  Hauses  206,  von  doi*  Baugeschichte  208, 
Ton  drei  Brüdern  210,  von  dem  Johannitermeister  210,  Ton 
Kulmann  211,  die  Begleitbriefe  zum  Moisterbuch  und  Fünf- 
Mannenbuch  213.  der  Brief  an  den  Ijesemeister  Johann  von 
Schäffolsheim  216,  die  Briefe  Nikolaus  von  LOwens  an  den 
Gottesfreund  und  dessen  Antwort  219.  —  Die  Reihenfolge  der 
Briefempfiknger  224. 

5.  Die  Bogleittexte  der  Briefe         .  .         .         .226 

Der  Titel  des  Briefbuchs  226.  Die  Einleitung  zum  Briefbuch: 
Niederlassung  und  Romfahrt  der  Gottesfrei inde  227.  Ermah- 
nung 230.  Auf  der  Suche  nach  den  Gottesfreunden  230.  Der 
heimliche  Bote  Ruprecht  232.  Die  „letzte  Ermahnung"  Rul- 
manns  233.  Der  Schürebrand-Traktat  235.  Das  Briefl)uch  im 
Vergleich  mit  den   übriijen  Memorialbüchern  244. 

€.  Die  von  Nikolaus  von  Löwen  geschriebenen  \]rk\mdftxv   .    "l^*^ 


XIV 


S«ite 


Dio  sogenannte  Bestätigungsurkundo  Konrads  Ton  Braunsberg 
Ober  die  drei  MemorialbQcher  249.  Der  Pflegorbrief  Tom  Jahre  1371 
und  der  Pflegereid  Tom  Jahre  1893  251.  Die  Urkunden  über 
die  St.  Jakobsmesse  251.  Die  Arbeitsweise  Nikolaus  Ton 
LOwens  251. 

7.  Einwände  nnd  ihre  liösnng 

Die  Täuschung  der  Mitwelt  durch  Nikolaus  von  LOwou  leicht 
möglich  253.  Die  der  Fiktion  zu  Qrunde  liegenden  historischen 
(demente  255.  Die  frühere  Johanniterbibliothek  and  ihre  Reich- 
haltigkeit an  mystischen  Traktaten  256.  Ein  Brief  Heinrichs 
von  Nördlingen  über  die  Merswin  an  Margaretha  Ebner  258. 
Eine  Bittschrift  an  den  Papst  um  absolutio  plcnaria  in  mortis 
oi-ticulo  259. 

IV.  Schlussergebnis 

Die  Dichtung  des  Nikolaus  von  Löwen  und  ihre  Erklärung  2C0. 
Entstehung  und  Zweck  der  Dichtung  268.  Charakter  Nikolaus 
von  Löwens  267.  Charakter  Rulmann  Merswius  267.  Gottes- 
freund und  Gottosfreunde  269. 


25^ 


26a 


II.  Teil. 
Textbeilagen. 

I.  Das  Große  Deutsche  Memorial 

II.  Das  zweite  „Übriggebliebene  Lateinbuch" 

III.  Das  Briefbuch 

IV.  Das  Pflegermemorial      .... 

V.  Das  erweiterte  Pflegermemorial    . 

VI.  Das  erste  ,|Obriggebliebene  Lateinbuch" 
VII.  Urkunden 

Glossar      


3* 
48* 
64* 
158* 
210* 
225* 
237* 

244* 


Die  benutzten  Handschriften  nnd  Urkunden. 

Bezirksarchly  Straßbarg. 

1.  Urkunden  der  Abteilung  H  1352flf.,  soweit  sie  Grünen wörth  be- 
treffen. 

2.  Kopialbücher  H  1616-1618. 

3.  Handschriften : 

H  2185:  Briefbuch.  Original  Perg.  (Beschreibung  S.  50ß.). 

H  2184:  De  novem  Bupibus.  Original  Perg.  (Beschreibung  S.  33ff.). 

H  1383:  Drei-Pflegermemorial.  Kopie  des  15.  Jahrh.  Papier 
i^  14|21  cm.  132  Bll.  Erstes  nnd  letztes  Blatt  auf  dem  Deckel  aufgeklebt. 
1 1  Lagen  zu  je  6  Doppelblättern.  Auf  dem  Außendeckel  rot :  Kloster  ziim 
Grunenwerde.    Schreiber  der  Handschrift:  Komtur  Amandus. 

H2190:  Erweitertos  Pflegermemorial.  Kopie  des  16.  Jahrh. 
Perg.  4®  16  21  cm.  121  Bll.  Am  Anfang  und  am  Schluß  der  Handschrift 
je  2  Bl.  herausgeschnitten.  Von  einer  Hand  schön  gloichmilßig  geschrie- 
ben. Gepreßter  Originaleinband  mit  2  Schließen.  Früher  Eigentum  des 
Si  Margaretenklosters  zu  Straßbnrg. 

UnlTersitJtts-  und  Landesbibliothek  zu  Straßburg. 

LalsOß*:*)  Großes  deutsches  Memorial.  Älterer  Titel: 
■ß««  von  den  dreyen  Urkund- Bücher  von  unserem  Stifter  Rulman  Mer- 
«Ärrem.    Original  Perg.    (Beschreibung  S.  1 5  ff.). 

L ^epm  665:  Neun  Felsen:  Rulmanni  Merschwin,  FundcUoria Domus 
8t,Johanni8  de  9  Rupibua  autographua,  Or.  Pap.  59  Bl.  14|21  cm.  Ein- 
band 18.  Jahrhunderts.  Der  apostolische  Notar  Joseph  Schweigheuser  er- 
g^zte  die  dem  Büchlein  fehlenden  Seiten.  Herausgegeben  von  Schmidt: 
Das  Bnch  Yon  den  neun  Felsen  von  dem  Straßburger  Bürger  Rulman  Mer- 
swini352.  Leipzig  1859.  Schmidt  ergänzte  die  fehlenden  Stellen  nach 
einer  Handschrift  des  1 4.  Jahrhunderts.  Auf  der  Innenseite  des  vorderen 
I^^kels  ist  das  Ex  libris  K.  Schmidts ;  unten  daran  eine  Bemerkung  Schmidts : 

*)  Diese  Signatur  ist  noch  nicht  ondgültig  festgestellt. 


XVI 

„1858.  Vente  Engelhardt."  Auf  der  ersten  Seite  oben:  „M.  Engelhard" 
Schmidt  bemerkt  dann:  „Original,  6crit  en  1352  de  la  main  m^me  de  Bai- 
mann  Merswin,  et  conserv6  apr^  sa  mort  ä  la  maison  de  S.  Jean.  1 1  feoillet 
arrache  de  ce  pr^ciense  yolame  ont  6t6  remplac^s  au  18*  si^cle  d'aprös  la 
copie  da  traite  ins^röe  dans  le  grand  Memorial  de  la  maison  de  S.  Jean . .  • . 

Darauf  von  anderer  Hand :  ^Notandum  daß  Ori^nale  dieses  Buchs  Ton  den 
Neun  Felsen  mit  Rulman  Merschwin  deß  Stifters  eygener  Hand  geschriben  ist  b9  1708 
in  der  Commenda  zu  Schlettstadt  gefunden  und  den  23.  Juli  wider  nach  StraOburg 
gebracht  worden,  aber  zu  bedauern,  daß  biß  10  Blätter  daron  verlohren,  welche 
jedoch  auß  disem  gegenwärtigen  Kxemplar  Ton  Wort  zu  Wort  wieder  ersetzt  worden 

scindt.**  ,,Note  de  Schweighaeuser  dans  Texemplaire  du  grand  Memorial  ia 
folii),  parchemin  (1865).*'  Diese  hier  angezogene  Notiz  steht  auf  einem 
Zettel  im  Großen  Deutschen  Memorial  Bl.  132^    Bl.  1  folgt  die  Vorrede 

Schweigheusers:  ^«Benigne  Lector.  Praesentem  hunc  librum  de  Novem  Rupibus 
iutitulatum  a  bonae  memoriae  D.  Ruluianno  Merschwin,  piissimo  fundatore  Domas 
nostrae  ad  Viridem-lusulam  rulgo  Grünen  werde  nuncupatae,  divino  impnlsu  manu 
sua  propria  scriptum  esse  nemo  dubitaverit,  qui  eins  characterem  contulerit  cum 
alio  similis  formae  libello  in  octo  foliis  ctiam  sua  manu  propria  conscripto  atque 
in  originali  hodiedum  existente  in  alio  libro  germauico  in  folio,  dicto  ,daß  BriefT- 
büchlin.'  Quod  etiam  ipsemet  Rulmannus  fuerit  ille  homo,  quocum  Dens  hoc  in  libro 
de  NoTem  Rupibus  adoo  familiariter  conversatus  fuit,  constat  tum  ex  ipso  illius  textu 
collato  cum  dicto  libello  Qnatuor  annorum.  tum  etiam  ex  mox  sequeuti  prologo  idem 
indubitato  asserente.  Quod  vero  in  hoc  scriptum  non  nominaverit,  id  tribuendum  est 
profundae  illius  humilitati,  quam  undique  promicare  qui  vis  facilo  videbit.  xVnimadTertet 
ctiam  lector,  ad  quantam  ritac  perfectionem  et  intimum  cum  Deo  familiaritatem  iam 
tunc,  id  est  triginta  ante  boatum  suum  obitum  annis,  ascenderit,  tot  et  tantis  supor- 
uaturalibus  donis  et  illustrationibus  a  Deo  auctus,  quales  praecipui  in  Ecclesia  sancti 
divino  muncre  iuerunt  consecuti.  ünum  summopore  dolemus,  quod  plura  hinc  iude 
folia  huius  libri  de  Novem  Rupibus  (prout  et  alia  sanctissima  eiusdem  manuscripta) 
iuterieriut,  quao  tarnen  nos  ex  dicto  libro  McMUoriali  de  verbo  ad  verbum  supplcvimus. 
Eostat.  ut  le<'tor  praefati  Rulmanni  in  capite  et  calce  huiusco  libri  contentis  monitis 
s»»  conformet.** 

L  germ  642:  Zwei  Mannen  Buch:  Der  Gottesfreund  im  Oberland, 
Original  Perg.  12^.  Herausgegeben  und  beschrieben  von  Lauchert,  Des 
Gottesfreundes  im  Oberland  [  Rulmann  Merswin's]  Buch  von  den  zwei 
Mannen.    Bonn  1896. 

L  als  109:  Necrologium  des  Johanniterhauses  zum  Grü- 
nen wörth.  Perg.  fol.  73  BIL,  angelegt  zu  Beginn  des  15.  Jahrhunderts. 
Lederband  mit  5  Messingbuckeln  und  zwei  Messingschließen.  Die  Hand- 
schrift zerfällt  in  3  Teile : 

a)  Bl.  1-61,  das  eigentliche  Necrologium  mit  Einträgen  von   1382 
bis  1783. 

b)  Bl.  62-66  Verzeichnis  von  Schenkungen  an  das  Kloster. 

c)  Bl.  67-69  Ordnung  betr.  Abhaltung  verschiedener  Jahrzeiten. 


xvir 

L  als  96:  Erstes  lateinisches  Memorial  nnd  Pflegerme- 
morial:   Stiftung  zum  Grünenwerde.  Pap.  fol.  399  Bll.  Titel  (Seite  1): 

,1.  Tom.  Abschrift  und  Übersotzuu;  deß  sich  bei  der  Custoroy  befiadlichen  in  alt 
teutsch  beschriboneu  Momorial-  oder  Verkundbuchs  von  dem  Ursprung,  Anfang  und 
Über^bang  des  Klosters  zum  Grünen  werde  zu  Straßburg  an  den  ritterlichen  St.  Johann 
Ordens  endlich  gekommen  sagend,  auch  einiger  Kapitleu  auU  dem  boy  obgomelter 
Costorey  auch  sich  befindlichen  Idteiuischen  Memorial  oder  Verkündbuch  von  uban- 
gezogener  Blatery  handlend,  deren  Matery  sich  in  dem  obgesagton  teutschon  nicht 
iMUnden  und  doch  merkwürdig  soind  zum  Unterricht  und  Erbauung  aller  gegenwartig 
oad  künftigen  Konrentual  Priestercn  dißes  Hauses  St.  Johanns  Ordens  in  Straßburir« 
mit  einem  Zusatz  alles  dessen,  was  sich  hernach  vom  Ltitherthumb  her  biß  auf  da*^ 
Jahr  1727  mit  demselben  Hauß  weiters  zugetragen.  Abgoscbrib<.>n,  übersetzt,  be- 
sckriben  von  F.  Franc.  Joseph  Ignatius  Goetzman'),  Custoden  dises  üauses.  und  voll- 
eodet  in  der  Wochnn  vor  Allerheiligen   1745.** 

Auf  Seite  1*  folgt  folgender  Bericht:  Es  befinden  sich  boy  der  Custorey 
ein  teutsch    und  ein  lateinisch    sogenante  Memorial  Bücher,  welche  .den  Anfang,  Ur- 

» 

spnng  und  Fortgang  der  Stiftung  dos  Hauses  zum  Grünonwerde,  wie  auch  waß  sich 
w^n  denen  Stifteren  merkwürdiges  ztigetragen  weitläufig  und  umständlich  beschribeu : 
deß  teotschen  waren  vier  gleich  lautende  Exemplaria  verfertiget :  drei  wurden  denen 
drei  weltlichen  PÜegcren  jedem  eines  zu  Händen  gestellt,  das  vierte  dem  Oberistcn 
Meister  und  Großprioren  in  teutschon  Landen  St.  Johann  Ordens,  wovon  das  bei 
der  Custorey  vorwahrte  ein  Abschrift  ist.  Wie  denn  nun  diß  erst  gemelte  teutsche 
Memorial  die  Materien  nicht  nach  der  Ordnung  der  Zeit,  wie  eins  auf  das  andern 
erfolgt  ist,  besclireibt,  hingegen  auch  das  Lateinische  viel  merkwürdiges  anziehet,  «a 
sich  in  dem  teutschon  nicht  befindet,  so  hab  ich  hier  alles  nach  der  orduun?  ge- 
setzt, so  doch,  daß  ich  die  völlige  Capitul  des  teutschon  Memorials  außschreibo.. 
welche  die  Sach  na«h  Ordnung  beschreiben,  und  wo  ich  die  Capitul  andere  versetze, 
so  liehe  ich  sie  an  mit  Anzug  deß  Blats,  und  wo  ich  mit  eigenen  Worten  rede,  s<» 
wtze  ich  meine  wort  zwischen  ein  parentesis  also  ( ),  und  fange  nun  nach  gegebenem 
obigem  Bericht  an  daß  toutscho  Memorial  abzuschreiben  mit  dessen  eigenen  werten." 

Lals  740.  Johanniter  Chronik:  Succincta  commendae  ordin is 
Preabyterorum  sancii  Johannis  Baptistae  Hierosolymitani  Ärgentinae  olim 
od  Viridem-lnsulam  vulgo  zum  Grünen  Wörth^  modo  ad  sanctum  Marciim, 
nolüia  ex  libris  publicia  veteribusque  monumentis  excerpta  a  Josepho 
^weigheuaer,  notario  apostolico  in  Curia  episc.  Ärgentinensi  immatricu- 
^.  .^»«0  reparatae  salutis  1764,  Pap.  4®  212  S.  Abschriften  davon 
sind  Lals  273;  741;  1016. 

Stadtarchiv  Straßburg. 

I.Handschrift  B  54(VDG68):  Erweitertos  Pflegermemorial: 
^ndation  des  Johanniterhauses  zum  GrünenwÖrth^  dessen  Ordnung  und 
Bräuche,  Copie  18.  Jahrh.  Pap.  4^,  stimmt  mit  Handschrift  H  2190 
^  Straßburger  Bezirksarchivs  überein. 

*)  Gdtzmann  ist  geboren  169^],  legte  im  Jahre  1712  Profeß  ab  und  starb  am 
1*.  Anpist  1770. 


XVUI 

2.  Urkunden  der  Abteilungen  GUP.  35,  37;  VDÖ  67;  KuN  9; 
PfThG  7 ;  Hosp.  Arch.  I,  43  fasc.  2. 

UnlTersItätsblbliothek  Freiburg  L  Br. 

Hs.  Nr.  93.  Johanniter  Chronik:  Commendae  ordinis  jFV«9- 
bytei'orum  aancti  Joannis  Bapiistae  Hierosolymitam  Argentinae  olim  ad 
Vtridem-lnsulam  vulgo  zum  Grünen  Wörth,  modo  ad  sanctum  Marcum,  no- 
titia  ex  Hbria  publicis  veterihusque  monumentis  magno  labore  exeerpta  a 
Joseph 0  Schweigheuaer,  notario  apostolico,  Argentinae  a®  1769, 
Stimmt  nberein  mit  den  von  Schweigheaser  stammenden  Hss.  der  Strafi- 
barger  Universitätsbibliothek. 

Hs.  Nr.  470:  4^  Pap.    1465.    79  Bll.  2  spaltig. 

Auf  dem  Deckel :  Diss  puch  gehört  in  dz  kloster  zu  Medingen  Prediger 
Ordens.  Daraufist  ein  Brief  PfeiiSers  eingeklebt:  „Seinem  lieben  Freunde 
Fr.  Karl  Griesbaber  in  Bastadt  sendet  dise  handschrift,  enthaltend  „das  buch 
von  den  neun  felsen  von  Boulman  Merswin'S  als  erwünschte  ergänzung  des 
memorialbuches  des  Johanniterhauses  zum  Grünenwerd  in  Straßburg,  be- 
gleitet von  den  herzlichsten  grüßen  zum  christgeschenke.  Stuttgart  am  1 9.dec. 
1844.   Franz  Pfeiffer  aus  Solothurn.^' 

Auf  der  Innern  Seite  des  I.Blattes  von  Pfeiffers  Hand :  „Das  buch  von 
deu  neun  felsen.  Dieses  buch,  das  früher  fälschlich  dem  Souse  beigelegt 
wurde,  hat  zum  Verfasser  den  Straßburger  bürger  Buolmann  Merswtu, 
der  es  im  jähre  1352  auf  gütlichen  befehl  niederschrieb.  Die  näheren  an- 
gaben findet  man  in  dem  deutschen  memorialbuche  des  von  Boulmann  ge- 
stifteten Johanniterhauses  zum  Grünenwerd  bei  Straßburg  (hs.  auf  pergament 
in  4®  vom  jähre  1437  bl.  29^  ff.),  worin  auch  das  leben  Ruolmann's  erzählt 
wird.  In  demselben  memoriale  hat  sich  noch  ein  anderes  buchlein  von  Boul- 
mann erhalten :  „von  den  vierjören  slnes  anevöhenden  leben  s** 
(bl.  24»  bis  33^).  vgl.  über  ihn  Schmidt,  Job.  Tauler  S.  177  ff.  Pfeiffer.** 

Bl.  P.  Folgt  dann  der  Text  mit  der  Oberschrift:  Send  die  IX  felsen. 
AUepin  cristen  menschen  nemend  war  diser  warer  lere ....  Der  Traktat  be- 
ginnt :  In  dem  namen  unsers  liebenn  herren  Jesu  Christi  miessent  alle  unser 
werk  voUendenn  und  volbraucht  werden.  Es  geschach  zu  ainen  zitten  inn 
ainem  advent  vor  dem  hochzit  unsers  hern  gebart  anainer  morgenstund 
frotre,  dz  ain  mentsch  ward  ermant,  dz  er  gar  schwind  solt  gm  an  sin 
haimlichistu  stät,,,  Schluß  mit  der  Jahreszahl  1352:  und  dieser  mentsch 
begert  auch  nit  anders  dann  zu  lidende  biss  in  den  tod,  Amen. 

Diss  buch  ward  geendet  am  frittag  vor  sant  Johannes  tag  zu  Singechten 
im  LXV  [14 65]  jare,  do  es  sibne  schlug  nauch  vesper. 

Dise  geschrift  ist  do  beliben  \  0  wol  fro  ich  waz 

Malis  Miller  haut  sij  geschriben.     !  do  ich  schrib  Deo  gratias. 

Darauf  folgen  noch  eine  Reihe  Verse. 

Schluß :  0  du  torne  weit, 

wer  sich  an  dich  lant,  der  velt. 


I 


XIX 

Die  Handschrift,  dem  Kloster  Medingen  in  Schwaben  gehörend«  kam 
1844  in  den  Besitz  Ton  Franz  Pfeiffer,  welcher  sie  aus  der  Bibliothek  des 
zn  Berlin  gestorbenen  SchnWorstehers  Blenz  durch  Kauf  erworben  hatte. 
Pfeiffer  schenkte  sie  seinem  Freonde  Karl  Orieshaber,  der  seine  Handschriften 
testamentarisch  der  Universitätsbibliotkek  zu  Freibnrg  vermachte.  Nach- 
fonckimgen  nach  dem  in  obigem  Briefe  erwähnten  „Memorialbach''  waren 
leider  erfolglos. 

Hs.  Nr.  194:  Pap.  4«  saec.  XIV|XV. 

a)  Rot :  Dis  ist  van  sant  Marien  MagdcUenen  und  von  sant  Marthen 
und  90ff  Lazaro.  Anfang :  Sancta  Maria  Magdalena  und  sancta  Martha 
und  Lazarus  die  worent  von  hohem  edelm  künglichem  gesiechte . . . 

b)  Nach  diesem  Traktat  folgt  ohne  Überschrift  das  Meisterbach: 
In  dem  iare,  do  man  zalt  von  goties  gehurt  M^ccc^  xl  und  vij  jar,  in  dem 
Men  iare  do  geschach  es,  das  ein  meisier  der  heiligen  geschrifft  in  einer 
ttat  vü  gebrediget  hat  ttnd  man  hört  in  ouch  gar  gern . . .  Schluß :  Vnd  do 
es  tag  wart  do  sehreib  er  zestunt  wider  hinder  sich  dem  priol  und  den  hrn- 
dem  allen  einen  briefe  und  schreib  in  allen  die  tvort,  wie  er  mit  im  geredt 
hatte.  Nun  daz  mr  alle  dem  lieplichen  mynnerichen  bilde  linsers  liehen 
herren  Jesu  Christi  nachvolgende  tverdent,  dar  zu  helffe  uns  die  ewip  war- 
hiit,  Amen, 

c)  Rot:  Hie  vahet  an  von  dem  hochgezit  aller  lieber  glohiger  seien  tag 
Und  des  ersten  die  epistel :  Bruder  also  wir  getragen  hant  das  bilde  der 
irdenseheit,  also  tragent  wir  ouch  bilde  der  himmelscheit . . .  (Abhandlung 
aber  die  Seelen  im  Fegfeuer). 

d)  Unvermittelt  folgt  dann  das  dritte  bis  dreizehnte  Kapitel  des  Zwei- 
Mannenbuchs.  Rot :  Das  dritte  cappittel  ist  die  erste  frage  von  hinder  rede^ 
olso  der  elter  den  jungen  fragete. 

Aber  uf  ein  andere  zit  do  fugte  es  got,  das  aber  dise  zwey  menschen 
zu  Samen  kament  und  wurdent  aber  mit  einander  redende.  Do  sprach  der 
dter  zit  dem  jungen.  Sag  mir  lieher  frtint ...  Im  1 3.  Kapitel  steht  hinter 
dem  Wort  dem  „jungen^  der  Zusatz :  Rulmans  geselle. 

Schluß  ohne  Jahreszahl:  Daz  wir  alle  gerechte  gelossene  nachvolger 
uierdeni,  des  helffe  uns  got,  Amen, 

Am  Schlüsse  des  Buches  steht  die  Notiz:  Dis  buch  geh)rt  zu  saut 
^m  ze  FHburg  in  Brisgowe, 

Hs.  Nr.  467,  4°  Pap.  Aus  dem  Nachlaß  von  Fr.  Karl  Grieshaber. 
^fessor  zu  Rastatt.  Gehörte  dem  Johann iterhaus  zum  Grünonwörtli.  14. 
Jahrh.  Mit  Einträgen  des  beginnenden  1 7.  Jahrh.  Die  Handschrift  enthält ; 

a)  Bl.  1-3.   Regeln  des  Johannitermeisters  Raymundus.    Darunter: 

In  primis  iabeo,  ut  oinaes  fratres  ad  semcium  pauporum  veniontcs  tiia  <iue 
Promittant  deo  per  manam  sacerdotis  ot  per  librum  teneant  cum  dei  auxilio  :  scilicot 
CMütatem  et  obedienciam,  boc  est  quodcumque  prccipitur  eis  a  inagistris  suis,  et  sine 
proprio  rirere,  qnia  bec  tria  reqniret  deus  ab  eis  in  nltimo  certauüno.  Kt  n<»n 
iwrant  amplias  ex  debito  nisi  panem  et  aquam  atque  vestiinontum  quc  eis  proinit- 
^tur...  Darauf  später:  Et  si  vivons  iacoloinis  proprietatem  habuonl  Vit  vwa^sxiw 


XX 

suo  cdaverit  ac  postea  saper  eum  ioTentum  fuerit,  ipsain  pocuniam  ad  collum  eias 
ligetur  er  per  hospitale  Jherusalem  Tel  per  alias  domus  ubi  permanserit  dacatur  nudas 
et  yerberetur  a  clerico  si  clericus  est,  qui  perpetravit;  si  Tero  laicus,  ab  aliqao 
fratre  Terberetor,  et  quadraginta  dies  ieianans  quarta  et  sexta  feria  in  pane  et  aqua. 

b)  £1  3^:  Confirmacio  regole  prescripte.  Bestätigung  obiger  Regel 
durch  Bouifaz  YIIL,  welcher  dieselbe  in  einigen  Punkten  abänderte.  Die  alte 
Bestätigung  der  Regel  war  bei  der  Belagerang  zu  Akkon  zugrunde  gegangen. 
Die  Bestätigungsbulle  trägt  das  Datum:  Dat.  Laterano  VII.  id.  apr.» 
pontif.  a.  6. 

c)  Bl  4^ :  Bulla  per  quam  transmissa  est  regala  prescripta  de  partibus 
transmarinis  magistris  et  fratribus  Alamannie. 

Frater  Gwilhelmus  de  Castro  Novo . . .  D.  Accaron  non.  novembr.  a.  1 2 53. 

d)  Bl  5^-7*:  Incipit  ordo  ad  recipiendum  fratrem  in  ordinein  sancti 
Johannis.  Unter  den  Fragen  steht  auch:  Will  du  an  eigenschafi  leben? 
Der  Schwur  lautet :  Ich  gib  mich  got  utid  aant  marien  siner  würdigen  müter 
und  dem  heiigen  sant  Johans  dem  touffer  und  unsem  herren  den  siechen, 
dz  ich  alle  dag,  die  ich  lebe,  ir  kneht  M  sin,  und  globe  küscheit  zu  hcUtende 
7nit  der  helfe  gottes  und  on  eigenschaft  zu  lebende  und  einem  sollichen  obern 
gehorsam  sin,  den  mir  denn  got  gii, 

e)  Bl  7^-8^:  Incipit  ordo  ad  recipiendum  personam  ad  fraternitatem 
maiorem.  Schwur :  Ich  opfer  und  gib  got  siner  tourdigen  muter  sant  Marien 
und  dem  heiligen  herm  sant  Johans  dem  touffer  disem  heiligen  orden  und 
disen  brudern  dis  huses  minen  üb  und  min  gut,  dz  ich  nü  hob  oder  hamoch 
gewinnen  mag  und  enpfohe  die  gross  bruderschaft  dis  heiligen  ordens  und 
globe  dem  orden  und  disem  huse  truwe  und  worheit  zu  leistende  und  sinen 
nutz  zu  fürderende  und  sifien  schaden  zu  wendende,  als  fer  ich  das  weiss 
und  kan  on  minen  schaden  und  on  geverde, 

f )  Bl  8^- 1 0*  rot :  Incipit  ordo  ad  recipiendum  personam  ad  fraterni- 
tatem minorem.  Rot:  Primo  interroget  prespiter  personam  dicendo:  Be- 
geret  ir  zu  kummen  in  die  klein  bruderschaft  des  heiligen  ordens  sant 
Johans  baptisten,  so  sullent  ir  globen  dem  selben  orden  getruwe  zu  nn,  sinen 
schaden  zu  wendende  und  sinen  nutz  zu  fürderende  on  uweren  schaden  wid 
on  alle  geverde,  und  demselben  orden  üch  zinshaft  zu  machende  ierlich  die 
u'ile  ir  lebent  etwas  von  uwerem  gut,  so  vil  ir  minne  habent  oder  gnode,  und 
etwas  zu  besetzende  noch  uwerem  tode  zu  einer  gedechtniss. 

Rot :  Wenne  eins  das  globt,  so  sol  der  priester  im  bieten  das  crütz  an 
dem  mantel  es  zu  küssende  und  sol  denn  zu  im  sprechen :  ümb  die  gelühde 
die  ir  unserm  orden  hant  geion,  so  machent  wir  üch  teilhaftig  alles  des 
gutes,  so  in  unserm  orden  geschiht,  so  wit  die  weit  ist,  und  des  applos, 
so  unser  vetter  die  bobest  gegeben  hant  den^  die  unser  bruderschaft  entpfohent 
und  sich  dar  in  tünt  schriben,  also  hie  noch  geschriben  stot. 

Darauf  Aufzählung  der  Ablässe.  Weiterhin  Bl.  11*:  Aufzählung  der 
Fest-  und  Fasttage,  welche  im  Orden  gefeiert  werden.  Bl.  16^-27^:  Strafen 
auf  die  verschiedensten  Vorgehen. 


XXI 

Bis  hieher  Schrift  des  14.  Jahrh.  Dann  folgt  von  der  Hand  der  Straß- 
barger  Handschrift  H  2190  des  Bezirksarchivs : 

a)  Welcher  uff  gebnrende  weiß  begert  bei  ans  ein  Donat  zu  werden, 
der  soll  sich  uff  volgende  fragen  erklären. 

b)  Ordnung  der  pfleger  des  hanses  zum  Grünenwörth. 

c)  Weichennassen  ein  jede  perspn,  so  in  den  ritterlichen  St.  Johanm- 
orden  zu  kommen  begert,  soll  beschaffen  und  qaalificirt  sein. 

d)  Schluß:  Ordnung  der  herren  Commendatoren: 

1.  Fr.  Heinricus  Wolffach  commendator  f  1404,  3.  April. 

2.  Fr.  Erhardus  Thome  f  1426,  28.  Januar. 

3.  Fr.  Johannes  de  Ehenheim  f  1439,  10.  Sept.  usw. 

Hof-  und  Laudesbibliothek  Karlsruhe. 

St.  Georg  80:  Meister  buch.  Pap.  4^  aus  dem  Jahre  1425.  Be- 
nfitzt von  Denifle  in  der  Schrift  „Taulers  Bekehrung",  Straßburg  1879. 

Hof-  und  Staatsbibliothek  Mfinehen. 

C^.  818:  Busbruch  geistl.  Brautlauf;  Predigten;  Gebete. 
Pap.  12^  15.  Jahrhundert  (l44l),  enthält  unter  anderm  den  Traktat:  Von 
^  fürkummenen  gnoden.   ßl.  1-23. 

Elosterbibliothek  zu  Eiusiedeln. 

Die  Incunabel  Nr.  448  enthält  neben  Sosos  Predigten  Bl  14 2' ff.  auch 
^eNeun  Felsen,  ohne  irgend  einen  Hinweis  auf  Bulmann  als  Verfasser 
derselben. 

ErzbisehOfliehes  Archir  Freiburg  i.  Br. 

Dasselbe  enthält  eine  Beihe  Urkunden,  welche  Grunenwörth  be- 
treffen und  aus  dem  Nachlaß  des  (1876  t)  Pfarrers  Haid  von  Lautenbach 
bei  Oberkirch  stammen.  Der  Anregung  des  Herrn  Stadtarchivars  Dr.  Albert 
zu  Freiburg  habe  ich  es  zu  verdanken,  daß  ich  darunter  zwei  für  dieGottes- 
freandfrage  wichtige  Urkunden  fand,  welche  im  Laufe  der  Abhandlung  näher 
werden  behandelt  werden. 

Wegen  der  Dorsualnotizen  wurden  auch  sämtliche  im  Grossh.  General- 
Luidegarehiv  zu  Karlsruhe  beruhenden  Urkunden  der  Abteilung  Grftnen- 
wörth-Straßburg  durchgesehen.  Nachforschungen  nach  weiteren  Hand- 
schriften der  Memoriale  waren  von  keinem  Erfolg  begleitet. 


XXII 


Erklärung  der  verwendeten  Abkürzungen. 


Bezeichnung  der  Handschriften : 
A  =^  Großes  Deutsches  Memorial,    UniTersitäts-    u.  Landesbibliothek    zu  StraÜburg. 
B  =  Briefbuch,  Hs.  H  2185  des  Straßburger  BezirksarchiTs. 
C  =  Zweites   Übriggebliebenes  Lateinbuch,   Hs.  H  2184  des   Straßburger    Bezirks- 

archiTS. 
D  =  Pflegormemorial,  Hs.  H  1383  des  Straßburger  BezirksarchiTS. 
E  =  Erweitertes  Pflegermemorial,  Hs.  B  54  des  Straßburger  Stadtarchirs. 
F=  Erweitertes  Pflegermemorial,  Hs.  H  2190  des  Straßburger  Bezirksarchivs. 
Q  :=  Erstes  Lateinisches  Memorial,  L  als  96  der  Straßburger  UniTersitätsbibliothek. 
H  =  Zwei-Mannenbuch,  L  germ.  642  der  Straßburger  Universitätsbibliothek. 
J  ■=  Neun   Felsenautograph,    L  germ.  665  der   Straßburger    Universitätsbibliothek» 

Sonstige  Abkürzungen : 
GDM.  =  Großes  Deutsches  Memorial. 
KDM.  =  Kleines  Deutsches  Memorial. 
LM.  =  Lateinisches  Memorial. 

MB.  =  Meisterbuch,  Ausgabe  von  Schmidt  unter  dem  Titel :    Bericht  von  der  Be- 
kehrung Taulers.     Straßburg  1875. 
5MB.  =:  FQnf-Mannenbuch. 
2MB.  =  Zwoi-Mannenbuoh. 

NvB.  =  Nikolaus  von  Basel,  Ausgabe  von  Schmidt,  Wien   1886. 
NvL.  =  Nikolaus  von  Löwen. 
NF.  =  Neun  Felsen,  Ausgabe  von  Schmidt,  Leipzig  1859. 
VJ.  =  Yier-Jahre  Rulmann  Merswins  bei  Schmidt  Gottesfr. 
Schmidt,  Gottesfr.  =-  Schmidt,    Die  Gottesfroundo   im    14.  Jahrhuudert,  Jena  1854. 
Lauchert  =  Lauchert,  Des  Gottesfreundes  Buch   von  den  zwei  Mannen,  Bonn  1896. 

Das  Verzeichnis  der  benutzten  Literatur  siehe  in  den  Anmerkungen  zu  Seite  5-14. 

Wo  in  der  Abhandlung  nach  Sternchenpagination  zitiert  wird,  sind  darunter 
stets  die  Textbeilagen  des  zweiten  Teils  zu  verstehen.  Ks  bedeutet  also  1S*24  = 
Seite  18*  des  zweitou  Teiles  Zeile  24. 


xxin 


Berichtigungen  und  Ergänzungen. 


^.  24  lies :  de  Loranio. 

3*20  ist  gemeltze  zu  Unrecht  iu  geameltze  korrig^iert  worden. 

13*18  goltfargel  ist  eine  Zusammensetzung  aus  gcUfar  und  gel  -=  goldfarbig  gelb. 

00*6-13  sollt«  Petit  gedruckt  sein  statt  Garmond,  da  dieser  Abschnitt  zum  eigent- 
lichen Traktat  gehört. 

99*  anm.:  statt  40-100*5  Ues:  38-100*5. 

126*  anm.  24  lies:  hier  beginnt  dio  vierte  Lage. 

149*38  lies:  clösterlin. 

180*14  ret'kündung  des  engeis  sollte  in  Petit  gedruckt  sein. 

187*10  und  bis  stiffters  sollte  in  Petit  gedruckt  sein.  Die  einfache  Überschrift 
siehe  162*31  anm. 

197*25  anm.  lies:   Parenthese. 

S.  210%  225*,  237*  sind  die  Überschrifts-Nummern  falsch  gezahlt. 

210*25  lies:  wart  statt  war, 

21  ri  lies  siner  statt  sine. 

212*33  lies:  ine  statt  iemer. 

215*10  lies :  das  lischt  der  übernatürlichen  gnaden, 

215*21  lies:  fromde,  dem  menschen  den  heiligen  geist. 

224*7  lies:  erfordern,  nach. 

Zu  234*31  anm.  vgl.  229*18  anm. 

235*18  lies :  da  dünkte  mich. 

236*1  lies:  Es  fehlt. 


I.  Teil. 


Abhandlnng. 


RMw  I. 


I. 


Die  Geschichte  der  Gottesfreundfrage. 


Um  die  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  lebte  nach  dem  Berichte 
gleichzeitiger  Quellen:  der  ürkundenbücher  des  Johanniterhauses 
zum  Grünenwörth  in  Straßburg,  im  „Oberlande"  ein  gottbegnadeter 
Laie,  allen  und  überall  bekannt  durch  sein  Wirken,  aber  niemanden 
seinem  Namen  nach;  man  nannte  ihn  nur  „den  Gottesfreund  im 
Oberlande."    Als  Sohn  einer  reichen  Familie  konnte  er  sich  in 
seiner  Jugend  allen  Freuden  der  Welt  hingeben  und  mancherlei 
Ausschweifung  sich   erlauben.    Doch  die  Gnade  Gottes  wandelt 
ihn  plötzlich  um,  er  entsagt  der  Welt,  zieht  sich  in  die  Einsam- 
keit zurück  und  sammelt  eine  Anzahl  gleichgesinnter  Genossen  um 
sich  in  der  Absicht,  ganz  den  Übungen  der  Frömmikeit  zu  leben. 
Visionen,  die  ihm  zuteil  werden,  zeigen  ihm  sein  Arbeitsfeld  und 
r^fen  ihn  aus  der  stillen  Eüisamkeit  hinaus  auf  den  Kampfplatz 
der  durch  die  menschlichen  Leidenschaften  erregten  Welt. 

Am  ausführlichsten  gedenken  die  ürkundenbücher  der  Be- 
ziehungen des  Gottesfreundes  zu  Straßburg  und  dem  neu  gegrün- 
deten Johanniterhause  zum  Grünenwörth.    Schon  im  Jahre  1346 
liatte  der  Gottesfreund  einen  unbenannten  Meister  der  hl.  Schrift, 
einen  berühmten  Prediger  —  man  dachte   sich  später  darunter 
»lohannes  Tauler  zu  Straßburg  — von  seinem  Stolze  bekehrt 
^nd  zu  einem  innerlichen,  mystischen  Leben  angeleitet.    Und  als 
20  Jahre  später  die  Johanniter  in  Straßburg  sich  niederzulassen 
sedachten,  da  ist  der  Gottesfreund  vom  Oberlande  die  Seele  bei 
der  Gründung  des  Hauses  und  bei  allen  folgenden  Unternehmungen 
der  Johanniterbrüder.    Seinem  Einfluß  ist  es  zuzuscbreVb^Uv  ^^^ 


Rulmann  Merswin  gerade  den  Johannitern  die  eben  erst  von  den 
Benediktinern  zu  Altdorf  erworbene  Hofstätte  zum  Grünenwörth 
einräumt  und  sie  aus  eigenen  Mitteln  vollständig  umwandelt,  um 
daraus  einen  Prachtbau  als  Wohnung  für  die  Johanniter  herzu- 
stellen. Ein  enges  Freundschaftsband  schlingt  sich  in  der  Folge 
um  Rulmann  Merswin  und  den  Gottesfreund  vom  Oberlande.  Was 
nur  immer  Rulmann  plant  oder  unternimmt,  das  tut  er  erst,  wenn 
er  den  großen  Gottesfreund  vom  Oberlande  darüber  um  Rat  ge- 
fragt hat.  Sie  eröffnen  sich  selbst  ihre  geheimsten  Herzensange- 
legenheiten, und  als  sie  gefunden,  daß  ihr  beider  Lebensgang  soviel 
Gemeinsames  aufweise,  ermuntern  sie  einander,  ihr  Leben  nieder- 
zuschreiben. Sie  tun  es:  Rulmann  Merswin  in  dem  „Büchlein 
von  den  Vier-Jahren  seines  anfangenden  Lebens",  der  Gottesfreund 
in  dem  sogenannten  „Fünf-Mannenbuch."  Als  Berater  in  allen 
wichtigen  und  schwierigen  Fällen  sendet  der  Gottesfreund  Rul- 
mann Merswin,  dem  Straßburger  Johanniterkomtur  sowie  den 
Brüdern  des  dortigen  Johanniterhauses  durch  einen  heimlichen, 
nur  Rulmann  bekannten  Boten  Briefe  und  verschiedene  erbauliche 
Schriften,  indem  er  ihnen  sein  und  seiner  Genossen  Leben  und 
Wirken  als  Beispiel  vor  Augen  stellt.  Aber  so  innig  auch  der 
Verkehr  Rulmann  Merswins  mit  dem  Gottesfreunde  war,  so  offen- 
barte Rulmann  doch  den  Brüdern  des  Hauses  zum  Grünenwörth 
nichts  von  seinem  eigenen,  gottgeweihten  Leben;  erst  nach  seinem 
Tode  finden  die  Brüder  in  einem  verschlossenen  Kästchen  die 
Lebensbeschreibung  von  den  „Vier-Jahren"  und  bewundern  die 
Demut  ihres  großen  Stifters,  der  nicht  wollte,  daß  jemand  bei 
seinen  Lebzeiten  von  seinem  beschaulichen  Leben  Kunde  erhielte. 
Doch  des  Gottesfreundes  Wirken  ist  auf  Straßburg  allein  nicht 
beschränkt  Seine  Wirksamkeit  erstreckt  sich  bis  nach  Ungarn 
und  ItaUen.  Er  macht  nicht  halt  vor  den  Türen  der  Edlen  und 
Ritter,  nicht  vor  dem  Palaste  des  Papstes.  Allen  Ständen  der 
Menschen  hält  er  freimütig  in  Schrift  und  Wort  einen  Spiegel 
vor  und  seine  Gegenwart  bewirkt  allüberall  die  Abkehr  von  der 
eitlen,  vergänglichen  Welt  und  die  gänzliche,  ungeteilte  Hingabe 
an  das  innere,  mystische  Leben  mit  Gott.  —  So  berichten  in 
kiu*zen  Zügen  die  ürkundenbücher  des  Johanniterhauses  zum 
Grünenwörth  in  Straßburg,  dessen  Stifter  Rulmann  Merswin  ge- 
wesen ist. 


Ein  Mann  und  noch  dazu  ein  Laie,  der  eine  solche  Rolle 
spielt  im  geistigen  Leben  des  14.  Jahrhunderts,  der  wie  eine 
heilige  Katharina  von  Siena  in  allem  Freimute  dem  Papste  und 
seiDen  Bestrebungen  entgegentritt,  dessen  Andenken  muß  doch, 
sollte  man  meinen,  gewiß  auch  in  andern  historischen  Quellen 
überliefert  sein.  Oder  sollte  diese  große  Wirksamkeit  eines  Laien, 
von  dem  die  größten  Theologen  und  Prediger  jener  Zeit  sich  wie 
Kiader  leiten  und  führen  lassen,  nur  in  den  Urkundenbüchem 
des  Straßburger  Johanniterhauses  und  sonst  nirgends  ihre  Spuren 
zurückgelassen  haben? 

Suchen  wir  auf  diese  Frage  zunächst  Aufschluß  bei  den 
elsässischen  Chronisten.  Denn  je  geheimnisvoller  die  Gründung 
des  Johanniterhauses  zu  Straßburg  ist,  um  so  mehr  ist  zu  er- 
warten, daß  sie  einen  Niederschlag  bei  den  Chronisten  gefunden 
hat,  die  in  erster  Linie  die  Geschichte  der  Stadt  Straßburg  in 
den  Kreis  ihrer  Betrachtung  zogen. 

Jakob  Twinger  von  Königshofen  (gest.  1420),  der  die 
Gründung  des  Johanniterhauses  durch  Rulmann  Merswin  miterlebt, 
und  wie  kein  Zweiter  in  anziehender  und  lehrreicher  Weise  alle 
wichtigen  Stadtereignisse  verzeichnet  hat,  berichtet  über  Grünen- 
wörth  zu  Straß  bürg  ebenso  einfach  wie  kurz:  „Der  Johanneser 
hus  zürn  Grünenwerde  wart  gemäht  zum  ersten  von  hem  Wern- 
her  dem  Marschalke  in  ere  der  heiigen  drivaltikeit,  das  geistliche 
dümherren  do  soltent  sin.  donoch  kam  es  in  der  Johanneser  hant 
zäDoroltzheim,die  sattent  einen  münch  oder  bruder  dar  lange 
zit  damoch  koment  die  Johanneser  dar  noch  gotz  gebürte  1371  jor, 
und  her  Rulman  Merswin  mähte  us  der  alten  kirchen  eine  nuwe 
J^irche  und  kor  und  bleip  bi  den  Johannesern  untz  an  sinen  dot,"  ^) 

Jakob  Twinger  von  Königshofen  weiß  also  nichts  von 
dem  beschauUchen  Leben  Rulmanns,  nichts  von  dessen  Verkehr 
°üt  einem  Gottesfreunde  vom  Oberlande,  kurz  nichts  von  all' 
dem,  was  die  Urkundenbücher  des  Johanniterhauses  von  dem 
Gottesfreunde  erzählen. 

Zu  den  elsässischen  Chronisten  können  wir  auch  den  Domini- 
^^er  Johannes  Meyer  (gest.  1485)*)  rechnen,  der  sich  große 

*)  Chroniken  der  deutschen  Städte  Bd.  IX,  732/3. 

*)  t}ber  ihn  handelt  PoterAlber.t,  Jobannes  Meyer,  ein  oberdeutscher  Chronist 
dw  «Önfxehnteii  Jahrhunderts.  (Ztsch.  f.  Gesch.  des  Oberrheins  KF.XIU,  'iVo-'i^^>. 


Verdienste  um  die  Reform  der  Dominikanerklöster  im  15.  Jahr- 
hundert erworben  hat  und  wegen  seiner  umfangreichen  chroni- 
stischen Tätigkeit  beachtenswert  ist.  In  dem  Leben  der  Marga^ 
reta  vonKenzingen  erwähnt  er  ausführlich  deren  Beziehungen 
zu  einem  Gottesfreunde  und  zwar  zu  demselben  Grottesfreunde,  der 
Rulmann  Merswins  heimlicher  Freund  und  Berater  war.*)  Hier 
haben  wir  also  das  erste  Zeugnis  eines  CJhronisten,  der  von  der 
Existenz  des  Gottesfreundes  vom  Oberlande  und  dessen  Verhältnis 
zu  dem  Straßburger  Johanniterhause  überzeugt  ist.  Diese  Nach- 
richt wäre  von  größtem  Wert  für  uns,  wenn  sie  unabhängig 
von  den  Urkundenbüchern  der  Johanniter  zu  Straßburg  gewonnen 
wäre.    Das  ist  jedoch  nicht  der  Fall.    Der  zeitweilige  Aufenthalt 


*)  U.  Denifle,  Das  Leben  der  Margaretha  ron  Keuzingen  (Ztschr.  f.  deutsches 
Altertum  Bd.  19  (1876),  483/484):  „Wie  dise  swoster  Margreth  zfl  dem  grossen  gotes 
fründ  iu  Oberland  kam,  der  ir  riet  in  predigerorden  gen  Underlinden. 

.  .  darumb  schied  dise  frow  Margretha  uss  dem  selben  land  und  gedacht,  wz 
yr  nun  z&  tun  wer.  also  kam  yr  in  yr  gomutf  wie  sie  solt  gon  zu  dem  grossen  frund 
gotes,  der  mit  sinen  balgen  gesellen  lebt  in  Oberland  in  dem  gebirg,  von  dem  selben 
hallgen  man  gotes  hatt  sy  nun  uss  der  masen  vil  gutz  hören  sagen,  wie  er  von 
kinthait  uf  got  andechtiklich  gedienet  hat  und  nun  rast  alt  wer  und  in  allen  got- 
lichen  sachen  von  den  guaddu  des  bälgen  gaists  gar  wol  erfaren  wer.  und  es  ist 
och  in  der  warhait  also  gewesen,  won  diser  selig  gotesman  ist  der  fünf  lialger  man 
ainer  gewesen,  von  den  dz  selb  büchlin  von  den  v  manon  sagt,  ja  er  ist  der  vol- 
komes  gewesen  under  in,  als  mau  an  dem  selben  buchli  merckct.  er  ist  diser  halg 
man,  der  dem  maister  der  balgen  goschrifft  prediger  ordens  dz  tugentrich  abc  lert 
nach  zall  der  buchstaben  und  ainen  selgen  menschen  uss  im  machet.  Küdolffs 
Merswins  haimlichor  fründ  ist  er  gewesen  und  ym  mit  rat  und  dat  hilflich  ist 
gewesen,  dz  dz  gaistlich  leben  zu  saut  Johanes  zu  dem  Grünen  berg  zu  Strasburg  [I] 
gestiflFt  ward,  und  vil  ander  übernatürlicher  grosser  hocher  gotlicher  sachen  hat  got 
der  her  durch  disen  sinen  lieben  fründ  gewürckt,  also  denn  zu  guter  mass  in  latin 
und  in  tusch  geschribeu  ist  in  dem  selben  erwirdigen  gotz  husz. 

Zu  disem  balgen  man  kam  mit  grosser  arbait  diso  selig  frow  .  .  . 

Mucht  hie  yemant  gedencken :  wie  kon  dz  gesin,  dz  der  fründ  gotes,  den  man 
nemt  R  u  d  o  1  f  f  M  c  r  s  w  i  n  (s)  haimlichor  fründ  und  gesell,  der  man  iu  Oberland, 
by  den  ziten  diser  swoster  gelebt  hat,  sitem  mal  dz  mau  doch  von  ym  iu  geschriflft 
find,  dz  er  in  aller  haligkeit  gelebt  hat  lange  zit  vor  in  siner  wol  mugenden  jugent, 
do  man  zailt  anno  domini  M  cccl  jar,  do  au  jubel  jar  zu  Rom  wz  by  bopst  Clemens 
ziten :  da  ist  zu  wissen,  dz  diser  ballig  gotz  fründ  lang  in  diser  zit  lebt  und  uss 
der  masz  alt  ward,  als  ym  got  solichs  vor  kund  hatt  geton,  dz  er  dar  iuu  gelasen 
S'Olt  sin;  er  ward  gar  vil  mer,  dz  ich  was  zu  sagent,  denn  über  ic  jar  alt.** 

Das  ganze  Kapitel  zeigt,  daß  es  nach  der  Schablone  der  sug.  Gottesfreund- 
traktate  verfaCt  ist.     Was  bleibt  dann  noch  Historisches  an  dem  Berichte? 


Johannes  Meyers  in  Dominikanerinnenklöstern  des  Elsaß,  haupt- 
Schlich  aber  seine  langjährige  Tätigkeit  als  Beichtvater  im  Kloster 
J^delhausen  bei  Freiburg  i.  B.,  wo  die  Mystik  eine  überaus  hohe 
^Pflege  gefunden  hat,  und  wo  man  Abschriften  der  angeblichen 
Schriften  Rulmann  Merswins  und  des  Gottesfreundes  besaß,  ^)  setzten 
ihn  in  die  Lage,  von   genannten   Urkundenbüchern  und   ihrem 
Inhalte  Kenntnis  zu  erhalten.    So  übernimmt  Johannes  Meyer 
ohne  Wissen  und  infolge  dessen  ohne  alle  Kritik  deren  Angaben, 
und  verwandelt  den  Verkehr  Margaretas  mit  „Gottesfreunden" 
zu  einem  solchen  mit  „dem  Gottesfreunde^S  von  dem  die  Straß- 
burger Urkundenbücher  so  vieles  erzählen.    Da  es  aber  höchst 
unwahrscheinlich  war,  daß  dieser  Gottesfreund  noch  zu  Marga- 
retas Zeiten  gelebt  hat,  sieht  sich  unser  Chronist  gezwungen, 
alle  etwaigen  Bedenken  durch  den  Hinweis  auf  das  außerordent- 
lich hohe  Alter  des  Gottesfreundes  hinwegzuräumen.    So  würde 
man  fehlgehen,  wenn   man   aus   seinen   Angaben    irgendwelche 
Schlüsse  für  die  Existenz  oder  gar  die  Lebenszeit  des  Gottes- 
freundes ziehen  wollte. 

Die  gleiche  Abhängigkeit  von  den  erwähnten  Urkundenbüchern 
zeigt  sich  bei  Jakob  Wimpfeling  (gest  1528).^)    Dieser  gibt 

*l  Dieses  bezeugt  Nikolaus  yoq  Löwen  139*19.  Seine  Nachricht  wird  bestätigt 
«iarch  die  Handschrift  Nr.  194  der  Freiburger  Universitätsbibliothek,  welche  aus 
<}en  Freiborger  Kloster  St.  Klara  stammt.  Außerdom  kannte  Johannes  Meyer,  wie 
«r  selbst  zugibt,  die  lateinischen  wie  deutschen  Memorialbücher  der  Johanniter  zu 
Straßburg. 

*)  Jacobi  Winiphelingi,  Catalogus  episcoporum  Argentinensium  ad  ses- 
loiseculum  desideratus.  restituit  Johannes  Michael  Moscherosch.  Argeutorati  1651. 
^'  96:  ^Sab  hoc  Lamb^rto  [episcopo]  anno  Christi  septuagesimo  primo  post  mille- 
simtini  et  trecentesimum  Joannitae  in  domum  viridis  insulae,  vulgo  zu  dem  Grienen- 
Werd,  Argentinae  in  subnrbano  currificum  recoepti  sunt:  quae  dudum  a  Wemhoro 
S€Qe8calco  Hunenbergensi  anno  millesimo  ducontesimo  tricesimo  tertio  pro  canonicis 
^^Solaribas  fundata  eiusque  ecclesia  anno  paulo  post  quinquagesimo  secundo  deo  di- 
eata  perhibetnr.  Verum  postquam  aliquot  annos  domus  illa  in  manibus  vel  canoni- 
cornm  regularium  vel  monachorum  ordinis  sancti  Benedicti  fuisset,  sensim  cum  ipsa 
f^lisione  deftcere  coepit.  Tum  Rulmannus  Delphinus  lingua  nostra  Merschwin  civis 
•^Dtoracensis  saeculi  pertaesus  et  in  amore  Dei  fervescens  fundum  patrimoniique 
^^iptrtem  pro  ampliftcandis  loci  illius  aediüciis  tradidit  Joannitis  sacordotibus  Chri- 
stique  ministris.  Fnit  Bulmannus  ille  miris  visionum  revelationumque  gratiis  illastratus. 
^P^cola  quaedsm  scripsit  (licet  in  Germanica  lingua)  devotis  admodum  utilia  et  ad 
coiit«mplationem  aptissima:  cum  piis  fratribus  eodem  in  loco  pie  rixlt  foeliciter 
»pud  ipsM  reqniescens  .  .  .* 


8 

uns  in  seinem  „Catalogus  episeoporum^^  einen  kurzen  Überblick 
über  die  Vorgeschichte  des  Johanniterhauses  zu  Straßburg  und 
vervollständigt  das  Lebensbild  Rulmann  Merswins.  Er  weist  vor 
allem  hin  auf  die  geheimnisvollen  Visionen  und  Offenbarungen 
Rulmanns  und  empfiehlt  allen  die  Lesung  seiner  hinterlassenen 
Schriften,  die  für  gottinnige  Seelen  nützlich  und  wertvoll  sind. 

Jakob  Twinger  von  Königshofen  auf  der  einen,  Jakob 
W  i  m  p  f  e  1  i  n  g  auf  der  anderen  Seite  bilden  die  Quellen,  aus  denen 
alle  späteren  elsässischen  Chronisten  schöpfen.  Neues  über  den 
Gründer  und  die  Gründung  des  Johanniterhauses  wissen  weder 
Maternus  Berler  noch  Sebastian  Büheler,  weder  Jakob 
Trausch  noch  Johann  Wencker^)  noch  auch  der  berühmte 
Daniel  Schöpflin^)  zu  erzählen,  nur  Grandidier*)  zeichnet 
noch  einige  weitere  Züge  zum  Bilde  der  Gründungsgeschichte  von 
Grüiienwörth,  doch  auch  sie  beruhen  ganz  auf  den  Nachrichten 
der  genannten  ürkundenbücher.*) 

So  weisen  uns  alle  elsässischen  Chronisten  auf  die  Memorial- 
oder Urkundenbücher  des  Straßburger  Johanniterhauses  und  deren 
kritische  Untersuchung,  wenn  wir  uns  ein  selbständiges  Urteil 
über  die  Gottesfreund-  und  Rulmann  Merswin-Frage  bUden  wollen. 

Von  den  Geschichtsschreibern,  welche  sich  mit  Ordensgeschichte 
befassen,  sei  hier  nur  Helyot^)  erwähnt,  der  in  unserer  Frage 
sich  ausschließhch  auf  Urkunden  stützt.  In  nüchterner  aber  durch- 
aus zuverlässiger  Darstellung  berichtet  er  die  Gründung  von 
Grünenwörth  und  betont  vor  allem  die  Ausnahmestellung,  welche 
dieses  Haus  in  der  Wahl  des  Komtur  beansprucht,  was  auf  eine 
besondere  Bestimmung  Rulmann  Merswins,  des  Stifters,  zurück- 
zuführen sei.  Daß  Rulmann  aber  mystische  Traktate  geschrieben 
oder  ein  besonders  gottgeweihtes  Leben  geführt  habe,  ist  ihm 
unbekannt. 


^)  L.  Dacheux,  Les  Clirouiques  Strasburgeoises  de  Jacquos  Trausch  et  de  Jeaa 
WcDcker.  IV,  3;  V,  97,  123. 

2)  Schöpflin,  Alsatia  illustrata.  Koliuar   1751/Gl.  II,  296,  622. 

')  Grandidier,  Oeuvres  historiques  inedites.  Kolmar  1865  flf.  III,  21  ;  IV,  249. 

*)  Vgl.  Tor  allem  Ingold,  Nouvelles  oeuvres  inedites  de  Grandidier  V  (1900), 
25  ff.  Tgl.  auch  L.  Laguille,  Histoiro  de  la  prorince  d'Alsace.  Strassbourg  1727 
S.  307.  Walther  Strobel,  Vaterländische  Geschichte  des  Elsasses.  Straßburg 
1841  ff. 

*)  Holyot,  Hi3toire  des  ordres  monastiques  III,  115. 


Den  ersten  Ansatz  zu  einer  kritischen  Behandlung  der  Gottes- 
freundfrage  finden  wir  bei  Qu6tif-Echard  in  den  „Scriptores 
Ori  Praedicatorum.^^  i)  Hier  handelte  es  sich  um  die  Untersuchung 
der  Frage,  ob  Tauler  der  im  Meisterbuch  genannte  und  von 
dem  Gottesfreunde  bekehrte  Meister  der  HeiUgen  Schrift  sei.  Die 
Frage  wird  verneint,  und  die  ganze  Erzählung  des  Meisterbuchs 
als  Parabel  aufgefaßt,  aber  das  gewonnene  Resultat  zu  weiteren 
Schlüssen  und  Folgerungen  nicht  verwertet 

Mit  dem  Aufleben  der  germanistischen  Studien  wurde  auch 
der  üottesfreundfrage  erneute  Aufmerksamkeit  gewidmet  Erst 
von  den  vierziger  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  an  kann  man  darum 
von  einer  systematischen  Behandlung  der  genannten  Frage  reden, 
deren  nähere  Entwicklung  zu  verfolgen  sehr  lehrreich  ist  Den 
Anstoß  dazu  gab  der  in  vieler  Hinsicht  um  die  deutsche  Mystik 
verdiente  Straßburger  Professor  Karl  Schmidt  In  den  Jahren 
1839-66  veröffentUchte  er  aus  den  ürkundenbüchem  des  Johan- 
nilerhauses  in  fast  ununterbrochener  Reihenfolge  ausgewählte 
Schriften  des  Gottesfreundes  und  Rulmann  Merswins,  denen  zum 
Teil  ergänzende  Darstellungen  und  Untersuchungen  beigegeben 
wurden.«)  In  kurzer  Zeit  hatten  S  c hm  idt's  Ansichten  über  den 
Goltesfreund  vom  Oberland  und  dessen  geheimnisvolles  Wirken 
den  Siegeslauf  durch  die  deutsche  Literatur  gehalten.  Wacker- 
nagel und  Lütolf,   Denifle   und  Preger»)   standen  zuerst 


')  Quetif  et  Echardf  Scriptores  ordiois  Praedicatorum.   Paris  1719.  I,  677. 

*)  K.  Schmidt,  Über  den  wahren  Verfasser  des  dem  Mystiker  Suso  zuge- 
scbribenen  Buches  von  den  neun  Felsen  (Ztschr.  f.  hist.  Theologie  1839.  II,  61).  — 
Denelbe,  Plaintes  d*un  laXque  allemand  du  quatorziöme  siecle  sur  la  decadence  de  la 
cbreüente.  Strasbourg  1840.  —  W.  Röhrieb,  Die  Gottesfreunde  und  die  Winkeler 
MJ  Oberrhein  (Ugon's  Zeitschr.  f.  hist.  Theologie  1840,  2.  Heft,  118  ff.).  —  Karl 
Scbmidt,  Johannes  Tauler.  Hamburg  1841.  —  Derselbe,  Die  Gottesfreunde  im 
^^'  Jabrhundert,  Historische  Nachrichten  und  Urkunden  (Beiträge  zu  theol.  Wissen« 
■Khafton  T.  Rouss  u.  Cunitz),  Jena  1854.  —  Derselbe,  Bulmau  Merswin,  le  fondateur 
de  la  maison  de  St.  Jean  de  Strassbourg  (Revue  d'AIsace)  1856.  —  Derselbe:  Niko- 
ns von  Basel  und  die  Gottesfreunde  (Basel  im  14.  Jahrhundert)  Basel  1856.  — 
^n«lbe:  Das  Buch  yon  den  Neun  Felsen  von  dem  Straßburgor  Bürger  Rulman 
Menwin  1352,  nach  des  Verfassers  Autograph  herausgegeben.  Mit  einem  Facsimile 
^OQ  Kerswins  Handschrift.  Leipzig  (Hirzel)  1859.  —  Derselbe:  Nikolaus  von  Basel 
Üben  and  ausgewählte  Schriften.  Wien  1866. 

^  W.  Wackernagel,  Die  Gottesfreunde  in  Basel  (Beiträge  zur  vaterländischen 
^•«Aichte  n.  Bd.  111  ff.)     Basel  1843.  —  W.  P reger,  YorarbeitÄiv  zu   ömvii  Qi<i. 


10 

ganz  auf  seiner  Seite.  Es  dauerte  geraume  Zeit,  bis  die  histo- 
rische Kritik  erwachte,  um  die  Fehler  nach  und  nach  gutzu- 
machen, die  allein  Schmidt  verschuldet  hatte,  indem  er  ohne 
jedes  kritische  Verständnis  bei  der  Edition  einzelner  Schriften 
eine  ganz  willkürliche  Auswahl  getroffen  und  Rubriken  und  Text, 
ohne  eine  Anmerkung  beizufügen,  nach  eigenem  Gutdünken  ver- 
änderte. So  war  es  kein  Wunder,  wenn  alle  Forscher,  die  per- 
sönlich keine  nähere  Einsicht  in  die  Handschriften  nehmen  konnten, 
auf  Irr-  und  Abwege  geführt  wurden.  Schmidt  hatte  sodann 
dem  Gottesfreunde  im  Oberlande,  dessen  Namen  während  fünf  Jahr- 
hunderten niemand  kannte,  den  Namen  „Nikolaus  von  Basel** 
beigelegt  und  ohne  die  Bedenken  von  Qu^tif-Echard  in 
den  Scriptores  Ord.  Praedicatorum  oder  die  Ausstellungen  von 
Pischon^)  zu  beachten,  den  in  den  Urkundenbüchern  des 
Johanniterhauses  unbenannten  Meister  des  Meisterbuches  abermals 
mit  Johannes  Tau  1er  identifiziert. 

Gegen  Schmidt's  Annahme,  daß  der  Laie  Nikolaus  von 
Basel  mit  dem  Gottesfreunde  vom  Oberlande  identisch  sei,  ver- 
hielt sich  zunächst  Preger  ablehnend  (1869).  Ihm  stimmte 
Denifle  bei,  der  Pregers  Untersuchung  noch  erweiterte  und 
vertiefte  (1870,  1876).  Für  den  Beweis  stützen  sich  Preger 
wie  Denifle  unter  anderm  auf  die  obenerwähnte  Notiz  Johan- 
nes Meyer's  in  seinem  Leben  der  Margareta  von  Ken- 
zingen,  deren  Wert  jedoch  durch  unsere  obigen  Ausführungen 
eine  wesentlich  andere  Beleuchtung  erfahren  hat.  So  richtig  aber 
sonst  der  Beweis  Preger's  und  Denifle's  geführt  war,  so  ließ 
sich  Schmidt  doch  nicht  von  seiner  ursprünglichen  Ansicht  ab- 
bringen.    Im  Jahre  1875  veröffentlichte  er  abermals  einen  Traktat 


schichte  der  deutschen  Mystik  im  13.  und  14.  Jahrh.  (Zeitschr.  f.  hist.  Theologie  1869 
I,  100;  137).  —  H.  Denifle,  Der  Gottesfreund  im  Oherlande  und  Nikolaus  von 
Basel  [Hist.  polit.  Blatter  Bd.  75  (1870)].  —  Horman  Rabergh,  Nikolaus  of 
Basel,  2  akademische  Abhandlungen.  Helsingfors  1870/1872.  —  W.  Wackern  agel, 
Kleine  Schriften  (Leipzig  1873).  II,  146-188.  —  A.  J  u  n  d  t ,  Histoire  du  PantheifJme 
populaiiO  au  moyen  ago  et  au  seizi^me  siöclu.  Paris  1875.  —  A.  Lütolf,  Tübinger 
theolog.  Quartalschrift  4  (1876),  580-582.  —  Derselbe,  Die  Gottesfreunde  im  Oher- 
lande [Jahrb.  f.  Schweizer  Geschichte  Bd.  1  (1876iJ.  —  H.  Denifle,  Das  Leben 
der  Margaretha  von  Kenzingen  (Ztschr.  f.  deutsches  Altertum  Bd.  19  (1876)]. 

*)  P  i  s  c  h  0  n ,  Über  Johannes  Taulsr  (von  der  Hagen,  Neues  Jahrb.  der  Berlin. 
Gesellschaft  f.  deutsche  Sprache)  Berlin   1836.  I,  277. 


11 

mit  der  Überschrift:  „Nikolaus  von  Basel  Bericht  von  der  Be- 
kehrung Taulers."  1)  So  unscheinbar  diese  Edition  war,  so  bil- 
dete sie  doch  den  Anlaß,  die  vollständige  Umwälzung  der  von 
Schmidt  vertretenen  Ansicht  über  den  Gottesfreund  vom  Ober- 
lande herbeizufuhren.  Diese  Umwälzung  vollzog  sich  in  den 
Jahren  1879—1881  und  zwar  durch  die  trefflichen  Arbeiten 
Denifle's,  die  er  in  den  „Quellen  und  Forschungen  zur  Sprach- 
und  Kulturgeschichte'*  und  in  der  „Zeitschrift  für  deutsches  Alter- 
tum und  deutsche  Literatur**  niedergelegt  hat. 2)  Was  Denifle 
hier  der  gelehrten  Welt  geboten  hat,  gehört  ohne  Zweifel  mit  zu 
dem  Besten,  was  die  neuere  historisch-kritische  Methode  geleistet 
hat  Sein  Resultat,  zu  dem  er  Schritt  für  Schritt  geführt  wurde, 
lautete:  Tauler  ist  nicht  der  unbenannte  Meister  des  Meister- 
buchs, der  Gottesfreund  vom  Oberlande  hat  überhaupt  nicht 
existiert,  Rulmann  Merswin  ist  vielmehr  der  Verfasser  der  frag- 
lichen Schriften  und  der  Schöpfer  der  Gestalt  des  Gottesfreundes. 
Ruhnann  Merswin  ist  darum  ein  Betrüger,  der  seine  ganze  Um- 
gebung betrogen  und  zum  besten  gehalten  hat 

Wäre  Denifle  wie  Schmidt  und  nachher  Jundt  in  der 
Lage  gewesen,  die  in  Frage  kommenden  Handschriften  näher  zu 
untersuchen,  so  würde  ohne  Zweifel  schon  damals  die  ganze  Gottes- 
freundfrage  ihre  richtige  und  endgiltige  Lösung  gefunden  haben. 
So  aber  mußte  sich  D  e  n  i  f  1  e  auf  die  völlig  unzuverlässigen  und 
unvollständigen  Texte  Schmidt's  stützen,  und  darum  dürfen  wir 


')  Karl  Schmidt,  Nikolaus  vou  Basel  Bericht  von  der  Bekehrung  Taulers. 
S^burg  1875. 

*)  Heinrich  Seuso  Denifle,  Taulers  Bekehrung  kritisch  untersucht  (Quellen 
°Qd  Forschungen  zur  Sprach-  und  Kulturgeschichte  der  germanischen  Völker,  herausg. 
'•Scherer  Bd.  36,  1879).  —  A.  Jundt,  Los  amis  de  Dieu  au  quatorzieme  siecle. 
Paris  1879.  —  Denifle,  Antikritik  gegen  A.  Jundt,  Les  amis  de  Dieu  (Hist.  pol. 
ßlitter  Bd.  84,  797  ff.)  1879.  —  J.  Baechtold,  „Gottesfreund**  |Allgem.  deutsche 
lie   Bd.  9  (1879)].    —    M.  Rieger,    Die  Gottosfreundo    in  dem  Mittelalter. 

)erg  1879.  —  Denifle,  Die  Dichtungen  des  Gottesfreundes  im  Oberlande 
(Zeitschrift  für  deutsches  Altertum  und  deutsche  Literatur  NF.  Bd.  12.  1:3).  1880. 
18S1. —  L.  Tohlor,  Die  Sprache  des  Gottesfroundes  im  Oberland  (Anzeiger  f. 
Schweizer  Geschichte  1830  S.  224-245).  —  Denifle,  Merswins  Betrug  in  der 
Gottesfreundfrage  [Deutsche  Literatur  Zeitung  1  (1880)  Sp.  244/5J,  —  W.  Proger, 
*olm»nMer«win  [Herzoges  Roal-Encyklopädio  13  (1884),  102-105J.  —  Ph.  Strauch, 
^BUUi  Merswin  |Allg.Doutsche  Biographie  21   (1885),  459-4t)8\. 


12 

uns  nicht  wundern,  wenn  seine  Untersuchungen  nicht  zum  richtig« 
Ziele  führten. 

Durch  D  e  n  i  f  l  e's  Arbeiten  wurde  zunächst  das  Werk  J  u  n  d  t 
Les  amis  de  Dieu  antiquiert,  als  es  kaum  das  Tageslicht  e 
blickt  hatte,  trotzdem  in  einem  beigefügten  Epilog  Denifle 
Beweise  zu  widerlegen  versucht  wurde.  Bald  darauf  sah  si< 
Jundt  selbst  genötigt,  seine  Ansicht  über  den  Gottesfreund  vo 
Oberlande  und  seine  Genossen  aufzugeben,  aber  nur  um  eii 
noch  unglücklichere  Hypothese  aufzustellen,  i)  Es  fiel  ihm  : 
schwer,  Rulmann  Merswhi  für  einen  Betrüger  zu  halten,  wo  do< 
alle  Schriften  so  deutlich  die  Sprache  der  Ehrüchkeit  zu  red< 
schienen.  So  faßte  er  Rulmann  Merswin  als  einen  Geisteskrank« 
auf,  der  an  die  Existenz  des  Gottesfreundes  geglaubt  und  zi 
Verwirklichung  seiner  fixen  Ideen  ein  bemitleidenswertes,  in  Wal 
befangenes  Leben  geführt  hat. 

Einen  neuen  Ansturm  gegen  D  e  n  i  f  1  e's  Resultate  untemah 
Preger  im  dritten  Bande  seiner  Geschichte  der  deutschen  Mystik. 
Was  jedoch  Preger  hier  Neues  bot,  war  keineswegs  imstand 
die  viel  gründlicheren  Studien  De nifl e's  umzustoßen,  wenn  die 
auch  in  mancher  Hinsicht  eine  Berichtigung  durch  Preger  e 
fahren  haben.  Denifle's  Anschauung  drang  vielmehr  in  al 
Darstellungen  zur  deutschen  Literaturgeschichte  ein  und  die  b' 
deutendsten  Gelehrten  nahmen  dieselben  an.  Nach  seinem  Vo 
gange  haben  sich  Philipp  Strauch  und  Fr.  Lauchert  b 
dingungslos  gegen  Preger  ausgesprochen. ») 

So  verschiedenartig  nun  auch  die  angeführten  Studien  üb« 
die  Gottesfreundfrage  sind,  so  haben  sie  doch  z  w  e  i  Hauptpunk 
mit  einander  gemeinsam: 

1.  Alle  bisherigen  Untersuchungen  haben  die  Gottesfreum 
frage  als  eine  für  sich  bestehende  Frage  behandelt,  losgelöst  v( 
der  Geschichte  des  Johanniterhauses  zu  Straßburg,  obwohl  d 
ganze  Tätigkeit  des  Gottesfreundes  aufs  innigste  mit  der  Geschieh 


*)  A.  Jundt,  Kulman  Merswin  ot  Tarui  de  Dieu  de  l'Oberland.     Paris   1811 
*)  Wilhelm  Preger,    Geschichte  der    deutschen  Mystik.     III.  Teil  (Taul 
Per  Gottesfreund  vom  Oberlande.     Merswin).     Leipzig  189G. 

*)  Ph.  Strauch,  Kritik  über  Pregcrs  Geschichte  der  deutschen  Myst 
Bd.  3.  (Deutsche  Literatur-Zeitung  1893  Sp.  717  ff.).  —  Fr.  Lauchert,  I 
Gottesfreundes  [=  Ruluiau  MerswinsJ   Buch  von  den  zwei  Mannen.  Bonn   1896. 


13 

von  Grunenwörth  zusammenhängt,  und  wir  nur  durch  die  Me- 
morial- oder  ürkundenbücher  dieses  Hauses  Kenntnis  von  dem 
Leben  und  den  Schriften  des  Gottesfreundes  vom  Oberlande  und 
seinen  Beziehungen  zu  Rulmann  Merswin  haben. 

2.  Allen  bisherigen  Untersuchungen  fehlte  es  an  einem  festen 
Untergründe,  der  erst  durch  eingehende  Untersuchung  der  ge- 
nannten Handschriften  und  ihrer  Überlieferung  geschaffen  werden 
muß.  Weder  der  vollständige  Inhalt  noch  Zweck  und  Zeit  der 
Entstehung  der  Handschriften  oder  auch  die  Frage  nach  deren  Ver- 
fasser ist  jemals  gründlich  und  im  Zusammenhang  behandelt 
worden.  Ohne  aber  hier  zuerst  Klarheit  geschaffen  zu  haben, 
werden  alle  Untersuchungen  über  einzelne  Textbestandteile  der 
Handschriften  wie  z.  B.  über  das  Meisterbuch  oder  die  Neun  Felsen, 
mehr  oder  minder  mangelhaft,  ja  sogar  fehlerhaft  sein  müssen. 

Auf  diese  empfindlichen  Lücken  in  der  Behandlung  der  Gottes- 
freundfrage  hat  der  Verfasser  vorliegender  Studie  zuerst  in  zwei 
Äufeätzen  in  der  Oberrheinischen  Zeitschrift  aufmerksam  gemacht^) 
und  zugleich  in  kurzen  Strichen  das  neue  Resultat  gezeichnet: 
Nicht  Rulmann  Merswin  ist  der  Betrüger  und  der  Erfinder  der 
Gestalt  des  Gottesfreundes  vom  Oberlande,  sondern  dessen  ver- 
trauter Schreiber  N  i  k  o  1  a  u  s  vonLöwen,  der  durch  seine  nach 
dem  Tode  Rulmanns  vorgenommenen  Fiktionen  und  Fälschungen 
Stifter  und  Stiftung  von  Grunenwörth  verherrlichen  und  die  Brü- 
der durch  Hinweis  auf  das  erhabene  Vorbild  ihres  Stifters  zu 
einem  gottesfürchtigen  Leben  aneifern  wollte.  Gleichzeitig  hatte 
Strauch  die  Frage  aufs  neue  aufgegriffen,  um  durch  Veröffent- 
lichung und  Erläuterung  einzelner  Traktate  den  Weg  zur  end- 
gültigen Lösung  zu  ebnen.*)  Wenn  sein  Weg  nicht  zum  ge- 
wünschten Ziele  führen  kann,  so  liegt  der  Grund  wie  bei  allen 
übrigen  Untersuchungen  darin,  daß  dabei  vorausgesetzt  wird,  was 

')  Karl  Rieder,  Zur  Frage  der  Gottesfreuiide.  I.  Rulinaii  Merswin  oder  Niko- 
'*ös  Ton  Laufen?  IL  Bischof  Heinrich  IIL  von  Konstanz  und  die  Gottesfreuude. 
IZeitßchr.  f.  Gesch.  des  Oberrheins  NF.  17  (1902),  205,  480J. 

')  Philipp  Strauch.  Zur  Gottesfreundfrage.  I.  Das  Neunfelsenbuch.  [Zeitschr. 
Ueutsche  PhUologrie  Bd.  XXIV  (1902),  235-3111.  IL  Schürebrand.  Ein  Traktat 
^  dem  Kreise  der  Straßburger  Gottesfrounde.  Herausgegeben  von  Ph.  Strauch. 
(Sonderabdruck  aus  der  Festgabe,  der  germanistischen  Abteilung  der  47.  Versammlung 
deutscher  Philologen  und  Schulmänner  in  Halle  zur  Begrüßung  dargebracht.)  Halle 
^i«»jer)  1908, 


14 

erst  bewiesen  werden  muß,  daß  nämlich  Rulmann  Merswin  wirk- 
lich irgend  einen  Anteil  an  der  Abfassung  der  sog.  Gottesfreund- 
schriften  hat.  Die  folgende  Untersuchung  wird  zeigen,  daß  vod 
irgend  welchem  Anteil  Rulmann  Merswins  an  der  Abfassung  odei 
Interpolation  der  sog.  Gottesfreundschriften  und  darum  von  einer 
Fälschung  Rulmanns  überhaupt  nicht  die  Rede  sein  kann,  und 
sie  wird  klarlegen,  wie  es  kam,  daß  Rulmann  Merswin,  der  Stiftei 
dei  Johanniterhauses  zum  Grünenwörth,  als  Gottesfreund  ausge- 
geben wurde,  der  mit  andern  Gottesfreunden  in  heimlichem  Ver- 
kehre gestanden,  ihre  Schriften  abgeschrieben  und  an  andere  weiter 
verbreitet  habe.  Der  Weg  dazu  soll  zunächst  durch  die  Unter- 
suchung der  in  Frage  kommenden  Memorialbücher  gebahnt  werden,  i) 


')  Meine  kurzen  Aufsätze  haben  von  den  Kritikern  eine  ganz  verschiedene  Auf- 
nahme erfahren :  Strauch  steht  meinen  Ausführungen  äußerst  skeptisch  gegen- 
über, vgl.  Schürebrand  S.  55.  —  Kothe,  Kirchliche  Zustände  Straßburgs  im  vier- 
zehnten Jahrhundert.  Ein  Beitrag  zur  Stadt-  und  Kulturgeschichte  des  Mittelalters. 
Froiburg  (Herder)  1903.  S.  87  urteilt:  Die  Behandlung  der  Frage  durch  Riedel 
und  die  bisher  beigebrachten  Gründe  allgemeiner  Art  sind  in  hohem  Maße  ansprechend; 
„von  großer  Bedeutung  für  die  neue  Ansicht  wird  es  sein,  die  Unechtheit  der  in 
Betracht  kommenden  Urkunde  des  Konrad  von  Brunsberg  aus  dem  Jahre  1385  über- 
zeugend nachzuweisen.**  Damit  hat  K  o  t  h  e  ganz  richtig  die  Notwendigkeit  betont, 
dal)  zuerst  auf  historisch-kritischem  Woge  der  Boden  für  eine  erfolgreiche  philogisch- 
sprachliche  Untersuchung  geobuet  werden  muß.  —  Lucian  Pfleger,  hält  in  seinei 
Rezension  Ober  Kothos  Arbeit  meine  Ausführungen  „bis  auf  ausführlichere  Begründung 
doch  noch  zu  problematisch**  (Historisches  Jahrbuch  1903  II.  S.  402).  lu  zustim- 
mendem Sinne  sind  sodann  die  Besprechungen,  welche  Hans  Kaiser  meinen  Skizzen 
in  der  Historischen  Zeitschrift  LXXXIX,  89,   351,  541    angedeihon  läßt. 


IL 

Die  Memorialbücher  von  Grüneiiwörth  nach 
Entstehung  und  Verfasser. 


A.  Die  Memoriale  im   Einzelnen. 
L  Das  Große  Deutsche  Memorial. 

a)  Die  Handschrift  des  Großen  Deutsehen  Memorials  in  einem 
Ledereinband  des  18.  Jahrhunderts  enthält  nach  moderaer  Nume- 
rierung 280  Pergamentblätter.  Die  Höhe  eines  Blattes  beträgt  29, 
die  Breite  20  Va  cm.  Das  Corpus  der  Handschrift  besteht  aus  23 
Lagen  (Bl.  7-275)  zu  je  6  Doppelblättern,  denen  vorn  (Bl.  1-6) 
%  Lage  mit  3  Doppelblättern  und  am  Schlüsse  (Bl.  276-280) 
5  Blätter  beigefügt  sind.  Nach  dem  ursprünglichen  Plane  des 
Schreibers  umfaßte  die  Handschrift  bloß  i|a  +  11  Lagen,  d.  h.  die 
Blätter  1-130.  Später  fügte  der  Schreiber  noch  einen  2.  Teil, 
Bl.  131-280  oder  Lage  12-23  +  5  Bll.  hinzu. 

Jede  Seite  des  Pergamentblattes  ist  liniiert  und  enthält  43  Zeilen 
über  den  noch  deutlich  erkennbaren  Linien.  Die  Blätter  7-9"^  haben 
J6  53  Zeilen,  weil  hier  der  Schreiber  mit  dem  ihm  zur  Verfügung 
stehenden  Räume  rechnen  mußte.  Am  Anfange  der  Handschrift 
stehen  die  Buchstaben  ziemlich  weit  auseinander,  während  sie 
später  etwas  enger  zusammen  gerückt  sind. 

Die  Handschrift  ist  in  der  sog.  gothischen  Schrift  und  im  all- 
gemeinen sehr  sorgfältig  und  schön  geschrieben.  Korrekturen, 
'üe  durch  Auslassen  von  Wörtern  notwendig  wurden,  sind  am 
Rande  beigefügt,  Fehlerhaftes  radiert  oder  übergeschrieben,  Doppel- 
wörtep  ein&ch  durchstrichen. 


16 

Die  Rubriken  sind  mit  roter  Farbe  gemalt  und  die  Anfangs- 
buchstaben innerhalb  des  Textes  in  üblicher  Weise  rot  unter- 
strichen d.  h.  durchstrichen.  Auf  der  Vorderseite  jedes  Blattes 
steht  oben  in  der  Mitte  eine  römische  Zahl  in  Rotschriit  Diese 
Zahl  bezeichnet  im  ersten  Teile  der  Handschrift  (Bl.  10-130)  die 
Nummer  des  Traktats  (I-XVI),  der  auf  den  betreffenden  Blättern 
enthalten  ist;  im  zweiten  Teile  dagegen  (Bl.  130*^ ff.)  die  Kapitel- 
zahl des  betreffenden  Traktats. 

Die  Handschrift  enthält  einige  kunstvoll  ausgeführte,  wertvolle 
Initialen:  Bl.  1^  das  Bild  des  hl.  Jakobus  in  das  Anfangs-D  ein- 
gemalt; Bl.  2»,  2**  und  4^  je  ein  kleineres  verziertes  D.  Auf  Bl.  5^ 
ist  das  Wappen  der  Herren  von  Hüneburg  gemalt  Auf  Bl.  6* 
(Titelblatt  der  Hs.)  befindet  sich  ein  großes  gemaltes  D  mit  dem 
Johanniterwappen:  weißes  Kreuz  in  rotem  Feld.  Die  ganze  Seite 
ist  in  roter  Farbe  geschrieben  und  mit  verschiedenen  Farben 
umrahmt  In  die  Verzierung  ist  das  Wappen  Rulmann  Merswins 
und  der  Johanniter  eingefügt  In  der  gleichen  Weise  wie  6*  ist, 
6^  (Urkunde  des  Konrad  von  Braunsberg  1385)  umrahmt  und  mit 
gemalter  Initiale' W  geschmückt. 

In  späterer  Zeit  wurde  auf  die  Innenseite  des  Vorderdeckels 
das  „Ex  libris"  des  Johanniterhauses  aufgeklebt,  das  eine  Ge- 
samtansicht des  Straßburger  Johanniterhauses  von  Grünenwörth 
vor  seiner  Zerstörung  im  Jahre  1633  darstellt 

Im  18.  Jahrhundert  wurde  die  Handschrift  neu  gebunden, 
wobei  die  Seiten  beschnitten  wurden,  so  daß  die  ursprüngliche 
Lagenzählung  nicht  mehr  zu  erkennen  ist  Nur  auf  der  Rückseite 
einiger  Blätter  unten  links  sind  noch  einige  arabische  Zahlen  (1-6) 
erkennbar,  welche  ursprünglich  zur  Zählung  der  Blätter  der  ein- 
zelnen Lagen  dienten. 

b)  Dem  Inhalte  nach  zerfällt  das  Große  Deutsche  Memorial 
in  seiner  jetzigen  Gestalt  in  drei  Teile,  die  sich  in  folgendem  Schema 
übersichtlich  darstellen  lassen. 

I.  Geschichtliche  Einleitung,  Bl.  1-5  (3*1'14*14): 

a)  1-4*   C^*  1-12*4):    Heinrich  Blankhart  von   Löwen   be- 
treffend. 

b)  4^-5^  (12*0-14*  14):  Werner   von  Hüneburg   betreffend. 


17 

IL  Hau pt teil:  19  Mystische  Traktate,  Bl.  6«-262  (14*16-43*6): 

1.  6^'9^(14*  16-23*34) :  Vorbemerkungen  zum  ganzen  Hauptteil. 

a)  6*  (14*16-15*3):  Titel  des  Buchs. 

b)  6^  (15*4-16*10):  Urkundliche  Beglaubigung    desselben 
durch  Konrad  von  Braunsberg. 

c)  7*-9*  (17*1-23*34):    Spezielle  Einleitung   und  Inhalts- 
verzeichnis des  Hauptteiles. 

2.  Erster  Teil:  9^-130*  (24*1-35*17):  16  Traktate  mit  kurzer 

Einleitung. 

a)  9^-106^  (24*10-32*15):  12  Traktate  des  Gottesfreundes 
vom  Oberlande,  welche  er  Rulmann  Merswin  sandte. 

b)  106^-130*  (32*16-35*17):  4  Traktate  Rulmann  Merswins. 

3.  Zweiter  TeU:    130^.262t>  (35*19-43*6):    3  Traktate   mit 

kurzer  Einleitung. 

a)  130^-192'  (36*15-39*35):  Neun  Felsen. 

b)  192^-229»  (39*36-42*2):  Zwei-MannenbucL 

c)  229^-262^  (42*4-43*6):  Meisterbuch. 

4.  Dritter  Teil:  262»>-274^  (43*9-45*9):  Nachtrag:  4  Traktate. 

a)  262*>-272»  (43*9-36):  Traktat  des  Gottesfreundes  vom 
Oberlande,  den  er  Rulmann  Merswin  sandte. 

b)  272*-273»  (44*1-18):  „NüUliche  letze". 

c)  273*-273*>  (44*20-36) :  Gebet  zum  Leiden  unsers  Herrn. 

d)  273^-274»>  (44*37-45*9):  Warnende  lere  Taulers. 

Hl.  Schluß:  Gedichte,  Bl.  274»'-280^  (45*10-47*30): 

1.  274^-276*  (45*11-35):  Ermahnung  und  Gebet  in  Reimen. 

2.  276*  Nachtrag  (46*1-12):  Tod  Konrads  von  Braunsberg. 

3.  277^-280^  (46*14-47*30):  Zwei  Gedichte  im  Anschluß  an 
zwei  Gemälde  vom  jüngsten  Gericht. 

c)  Ihrer  Entstehungsart  nach  bildet  den  ersten  und  ur- 
sprünglichen Teü  der  Handschrift  Bl.  7^-130^  (17*1-35*17),  d.h.  die 
16  Traktate  mit  Einleitung  und  Inhaltsverzeichnis.  Jedoch  begann 
der  Schreiber  nicht  mit  Bl.  7*  (17*1),  sondern  ließ  zunächst  in 
der  1.  Lage  Bl.  7^-9*  frei  und  begann  mit  Bl.  9^  (24*1),  d.  h. 
öiit  dem  Text  der  Traktate,  um  bis  Bl.  130^  (35*17)  durchzu- 
sehreiben, wozu  insgesamt  11  Lagen  Pergament  notwendig  waren. 
J^  blieben  von  der  11.  Lage  Bl.  130^  und  131  noch  unbe- 
sehrieben.   Dann  beschrieb  der  Schreiber  Bl.  7»-9^  (n*l-2S*'i%V 


18 

welche  das  Inhaltsverzeichnis  und  die  Einleitung  zu  den  so  ge- 
schriebenen 16  Traktaten  enthalten.  Aus  Furcht,  der  freigelassene 
Raum  dieser  2^|2  Blätter  könnte  für  das  umfangreiche  Inhaltsver- 
zeichnis nicht  ausreichen,  mußte  der  Verfasser  ziemlich  enge 
schreiben  und  liniierte  darum  die  Seite  statt  der  sonst  üblichen 
43  Zeilen  mit  55  Zeilen.  Der  Platz  reichte  jedoch  so  reichlich, 
daß  noch  %  des  Blattes  9*  leer  blieben.  Wie  aus  einer  Bemerkung 
auf  Bl  130^  (35*24)  deutlich  hervorgeht,  ging  die  ursprüngliche 
Absicht  des  Schreibers  dahin,  die  Handschrift  hiermit  zu  beendigen. 
Das  Ganze  hätte  demnach  11  Lagen  umfaßt  oder  seinem  Inhalte 
nach  16  Traktate  mit  Einleitung  und  Inhaltsverzeichnis.  Höchst 
wahrscheinlich  war  die  Handschrift  in  diesem  Umfange  auch  einmal 
gebunden  und  mit  einem  gemalten  Titelblatt  versehen,  das  jedoch, 
ganz  anders  lautete  und  lauten  mußte  als  das  jetzige.  Dieses 
Titelblatt  auf  Bl.  6  (14*16-16*10)  hatte  mit  der  ursprünglichen 
Handschrift  nichts  gemein;  seine  Entstehung  werden  wir  weiter 
unten  kennen  lernen. 

Einige  Jahre  später  änderte  der  Schreiber  seinen  Plan  und 
fügte  den  ersten  16  Traktaten  noch  drei  weitere,  sehr  umfang- 
reiche hinzu :  das  Buch  der  Neun  Felsen,  das  Zwei-Mannen-  und 
das  Meisterbuch.  Er  tat  dies,  wie  er  selber  schreibt,  deswegen, 
damit  die  für  das  Johanniterhaus  zu  Straßburg  so  wichtigen  drei 
Traktate  „von  unahtsamkeit  deste  minre  verogesset  und  ouch  nüt 
verlorn  werdent  und  den  brüdern  underzogen  von  uslihendes  wegen'*- 
(35*26).  So  beginnt  er  auf  Lage  12  (Bl.  132*;  38*14)  den  zweiten. 
Teü  der  Traktate  und  schreibt  in  einem  Zuge  bis  262^  (43*6)- 
also  die  Lagen  12-22,  wobei  von  der  22.  Lage  Bl.  263  frei  ge- 
blieben wäre.  Die  übrig  gebliebenen  Seiten  der  11.  Lage, 
die  Bll.  130^-131^  (35*19-38*13),  benützte  der  Schreiber  zu  einer 
kurzen  Einleitung  für  die  drei  folgenden  Traktate  und  ließ  dann 
auf  Bl.  130^-131^  (36*19-37*43)  das  Inhaltsverzeichnis  des  ersten 
Traktats,  der  Neun  Felsen,  folgen.  Immerhin  waren  aber  auf 
Bl.  131^  noch  ^Ij  der  Seite  unbeschrieben.  Dieser  leere  Raum 
wurde  später,  d.  h.  nach  Vollendung  des  zweiten  Teils  der  Hand- 
schrift —  es  ist  das  für  die  Kritik  der  Neun  Felsen  ein  wichtiges 
Moment  —  benützt,  um  die  Bemerkung  hinzuzufügen,  daß  Rul- 
mann  Merswin  der  Verfasser  der  Neun  Felsen  sei,  wie  aus 
der  Vergleichung   dieses  Traktats  mit  dem  Büchlein  der  „Vier 


1^ 

Jahre  des  anfangenden  Lebens"  hervorgehe  (38*1-13).    Nachdem 
die  drei  Traktate  fertig  gesehrieben  waren,  wurden  die  Titel  dieser 
drei  Traktate  dem  allgemeinen  Inhaltsverzeichnis  Bl.  9*  (23*29) 
beigefügt     Dadurch,  daß  der  Schreiber  von  seinem  ursprüng- 
lichen Plane  abwich  und  einen  zweiten  Teil  von  Traktaten  bei- 
fügte, war  manches  in  der  Einleitung  BL  7*  (17*fr.)i  die  ja  m*- 
sprunglich  nur  für  den  ersten  Teil  der  Traktate  berechnet  war, 
nicht  mehr  zutreffend;  es  wurden  Rasuren  und  Korrekturen  not- 
wendig, wie  sie  noch  sehr  deutlich  in  der  Handschrift  zu  erkennen 
sind  (19*2  u.  19*16).    Diese  Korrekturen  sind  für  die  Kritik  umso 
wichtiger,  als  sie  gerade  an  solchen  Stellen  vorgenommen  wurden, 
ducch  welche  die  Deutung  und  Lösung  der  Gottesfreundfrage  zum 
größten  Teil  bedingt  ist. 

Allein  damit  war  die  Handschrift  noch  nicht  abgeschlossen. 
Aus  Gründen,  die  der  Schreiber  nicht  angeführt  hat,  und  die  wir 
auch  anderweitig  nicht  ermitteln  können,  ließ  der  Verfasser  den 
drei  genannten  Traktaten  des  IL  Teils  noch  einen  Nachtrag  von 
vier  Traktaten  folgen,  von  denen  der  erste  nach  den  Angaben  des 
Schreibers  vom  Gottesfreunde  selbst  herrührt,  die  andern  jedoch 
Personen  zum  Urheber  haben,  die  mit  Rulmann  Merswin  bekannt 
und  befreundet  waren.  Diesen  vier  Traktaten  darf  die  Bezeichnung 
ßines  Nachtrags  deswegen  beigelegt  werden,  weil  ihre  Titel 
in  das  allgemeine  Inhaltsverzeichnis  Bl.  9^  (23*34)  nicht  aufge- 
nommen wurden,  obwohl  daselbst  für  diesen  Zweck  noch  genügend 
Raum  vorhanden  gewesen  wäre.  Die  vier  Traktate  umfassen  die 
BIL  262^-274^  (43*9-45*9)  d.  h.  die  übrig  gebliebenen  Seiten  der 
22.  and  die  ganze  23.  Lage. 

Den  Schluß  der  Handschrift  bildet  eine  Ermahnung  und  Gebet 
In  Reimen  Bl.  274^-276*  (45*11-38).  Wie  wir  bei  den  weiter 
öoch  zu  besprechenden  Handschriften  sehen  werden,  ist  es  eine 
besondere  Vorliebe  des  Verfassers,  seine  Werke  mit  einem  Ge- 
dichte zu  schließen. 

Was  sonst  in  der  Handschrift  noch  folgt,  verdankt  dem  bloßen 
Zufall  seine  Entstehung,  so  vor  allem  die  Gedichte  über  zwei 
GemäWe,  auf  denen  das  jüngste  Gericht  dargestellt  war  Bl.  277^-280^ 
(46*14-47*30).  Die  Kritik  hat  nur  noch  den  nach  Vollendung 
der  Handschrift  geschriebenen  Eintrag  auf  Bl.  275*  (46*1-11)  zu  be- 
achten, der  das  Lob  des  verstorbenen  Ordensmeisters  der  loViaivKv\ÄT> 


2T) 

des  Konrad  von  Braunsberg,  verkündet.  Bl.  276^  ist  unbeschrieben 
und  scheidet  so  in  bezeichnender  Weise  das  eigentliche  Schluß- 
gedicht (Bl.  274^-276*)  von  den  zwei  anderen  Nachtragsgedichten 
(Bl.  277»-280»>). 

Nachdem  in  dieser  Weise  die  ganze  Handschrift  vollendet 
war,  fügte  ihr  der  Schreiber  vorn  >|g  Lage  oder  6  Pergament- 
blätter hinzu,  benützte  davon  Bl.  6'  (14*16)  zu  dem  schön  ge- 
malten und  verzierten  Titelblatt  und  6^  (15*4)  zur  Abschrift  einer 
Urkunde  Konrads  von  Braunsberg  aus  dem  Jahre  1385.  Voraus- 
geschickt sind  geschichtliche  Vorbemerkungen  (Bl.  l-5*)i  welche  teils 
die  Stiftung  einer  Jahrzeit  durch  Heinrich  Blankhart  von  Löwen 
und  dessen  Frau  Luitgard  zum  Inhalte  haben:  Bl.  1^-4*  (3*- 12*4), 
teils  die  Vorgeschichte  des  Straßburger  Johanniterhauses  und 
das  Leben  des  Werner  von  Hüneburg  behandeln:  Bl.  4^-5* 
(12*5-14*14).  Die  ganze  Seite  5*>  (14*15)  füllt  das  gemalte  Wappen 
des  genannten  Marschalls  Werner  von  Hüneburg.  Nochmals  sei 
hervorgehoben,  daß  dieser  Teil  der  Handschrift  Bl.  l*-6^  (3*-16*) 
mit  dem  ursprünglichen  Plane  des  Schreibers  nichts  zu  tun  hatte; 
seine  Entstehung  verdankt  er  vielmehr  einem  wohldurchdachten 
Plane,  der  sich  im  Schreiber  erst  nach  und  nach  zu  jener  Klar- 
heit und  Bestimmtheit  ausgebildet  hat,  wie  sie  das  eigentliche 
Titelblatt  (Bl.  6)  verrät. 

d)  Um  ein  sicheres  Ergebnis  über  die  Entstehungszeit  der 
Handschrift  zu  gewinnen,  muß  man  die  oben  ausgeführte  Art  der 
Entstehung  wohl  im  Auge  behalten.  Jeder  Teil  der  Handschrift 
muß  als  ein  Ganzes  für  sich  betrachtet  und  darf  mit  keinem 
andern  Teil  vermengt  werden.  Mag  man  nun  den  Hauptteil  der 
Handschrift,  die  Vorbemerkungen  oder  den  Schluß  ins  Auge  fassen, 
so  ist  der  Terminus  post  quem  der  Entstehung :  der  Tod  Rulmann 
Merswins,  über  allen  Zweifel  erhaben.  Näherhin  gelten  folgende 
Sätze: 

1.  An  die  Anlage  der  Handschrift  kann  vor  dem  Jahre  1378 
nicht  gedacht  worden  sein. 

Auf  Bl.  7*>  (19*37  ff.)  wird  ausdrücklich  bemerkt,  Rul- 
mann Merswin  habe  alle  die  deutschen  Bücher,  wie  sie 
hier  geschrieben  seien,  30  Jahre  lang  verborgen  gehalten^ 
erst  etwa  4  Jahre  vor  seinem  Tode,  d.  h.  um  das  Jahr  1378 
konnte  er  diese  Bücher,  von  seinem  Gewissen  dazu  genötigt^ 


31 

nicht  mehr  verbergen;  er  eröffnete  sie  den  Brüdern  des 
Johanniterhauses  und  schrieb  sie  selber  in  Wachs,  damit 
die  Brüder  sie  abschreiben  könnten.  Diese  Nachricht  findet 
ihre  Bestätigung  durch  zwei  weitere  Bemerkungen.  Bl.  46* 
bringt  die  Einleitung  zu  dem  Traktate  über  die  Klausnerin 
„Ursula".  Diesen  Traktat  schrieb  aber  ,3uleman  den  bru- 
deren  zu  dem  Grünenwerde  mit  sin  selbes  hant  in  eine  wahs 
tofele...  des  iores  do  men  zalete  von  gottes  gebürte  drit- 
zehenhundert  sibentzig  und  süben  iare"  (26*13).  Und  von 
dem  folgenden  Traktate,  dem  Leben  zweier  heiliger  Kloster- 
frauen, berichtet  der  Schreiber,  Rulmann  Merswin  habe 
ihn  den  Brüdern  geschrieben  „mit  sin  selbes  hant  in  eine 
wahs  tofele...  des  iores  do  men  zalete  von  gottes  ge- 
bürte dritzehen  hundert  sibentzig  und  ahte  iore"  (26*35). 
Diese  Daten  aus  dem  ursprünglichsten  Teile  der  Hand- 
schrift genügen,  um  klar  zu  beweisen,  daß  der  Schreiber 
vor  dem  Jahre  1378  an  die  Anlage  der  Handschrift  noch 
gar  nicht  gedacht  haben  kann. 
2.  Der  älteste  Teil  der  Handschrift  kann  vor  Rulmanns  Tode 
d.  h.  vor  August  1382  nicht  vollendet  und  auch  vor  August 
1382  nicht  begonnen  worden  sein. 

Auf  Bl.  7*  (17*4),  7^  (20*2),  8^  (23*8),  122^  (34*7)  etc. 
wird  überall  von  dem  Tode  Rulmann  Merswins,  des  Stifters 
des  Straßburger  Johanniterhauses,  gesprochen.  Nun  starb 
aber  Rulmann  nach  völlig  zuverlässigen  und  übereinstim- 
menden Quellen  am  18.  Juli  1382  (188*25);  dieser  Teil 
kann  demnach  vor  August  1382  nicht  vollendet  gewesen 
sein;  oder,  wenn  wir  den  Anfangstermin  ins  Auge  fassen: 
Einleitimg  7*-9*  und  der  letzte,  16.  Traktat  des  ersten,  ur- 
sprünglichen Teiles  der  Handschrift  müssen  erst  nachdem 
Tode  Ruhnann  Merswins  begonnen  worden  sein.  Wenn 
aber  Einleitung  und  Schluß  des  ältesten  Handschriften- 
Bestandteils  erst  nach  Rulmanns  Tode  in  Angriff  genommen 
wurden,  dann  wird  es  keine  zu  kühne  Behauptung  sein, 
wenn  wir  sagen,  der  ganze  erste  Teil,  d.  h.  alle  16  Trak- 
tate, und  demzufolge  die  ganze  Handschrift  nach  ihrem 
ersten,  wie  ihrem  zweiten  Teil  ist  erst  nach  Rulmann 
Merswins  Tode  geschrieben  worden. 


22 


3.  Die  Handschrift  kann  in  ihrem  ersten  Hauptbestandteile 
vor  dem  21.  Januar  1385  vollendet  gewesen  sein. 

Auf  der  Rückseite  des  jetzigen  Titelblattes  BL  6** 
(15*4)  steht  die  Abschrift  einer  Urkunde  Konrads  von 
Braunsberg,  die  das  Datum  vom  21.  Januar  1385  trägt 
In  dieser  Urkunde  spricht  Konrad  von  Braunsberg  von  drei 
Urkundenbüchern  des  Johanniterhauses,  welche  ihm  als 
vollendet  vorlagen  und  deren  sorgfältige  Aufbewahrung 
er  dem  Küster  des  Johanniterhauses  wie  den  Pflegern 
desselben  ans  Herz  legen  will.  Nach  der  Ansicht  des 
Schreibers  (14*16)  ist  aber  eines  dieser  drei  Urkunden- 
bücher  das  hier  in  Frage  kommende  Große  Deutsche  Me- 
morial. Ist  also  die  erwähnte  Urkunde  acht,  d.  h.  ist  sie 
wirklich  im  Januar  1385  ausgestellt  worden,  dann  mußte 
das  Große  Deutsche  Memorial,  d.  h.  genauer  der  erste 
Teil  desselben,  im  Januar  1385  vollständig  geschrieben 
gewesen  sein.  Wie  wir  aber  weiter  unten  noch  genauer 
sehen  werden,  beabsichtigte  der  SchreÜDcr  dieser  Urkunde 
nur  die  Leser  durch  dieselbe  irrezuführen,  und  so  beweist 
sie  nur,  daß  der  älteste  Teü  der  Handschrift  vor  1385 
geschrieben   sein  kann. 

4.  Das  Große  Deutsehe  Memorial  ist  in  seiner  jetzigen  Ge- 
stalt nicht   vor    1391    vollendet  gewesen. 

Da  die  Urkunde  auf  Bl.  6^  eine  Abschrift  eines  an- 
geblich am  21.  Januar  1385  ausgestellten  Originals  ist,  so 
folgt  daraus,  daß  die  der  Handschrift  später  vorgesetzte  halbe 
Pergamentlage  nicht  vor  dem  Ausstellungsdatum  ge- 
schrieben sein  kann.  Noch  genauer  läßt  sich  die  Zeit 
aus  Bl.  1^  (4*39  ff.)  bestimmen.  Dort  erwähnt  der  Verfasser 
die  Stiftungs-Urkunde  einer  Jahrzeit,  welche  am  24.  Sep- 
tember 1372  ausgestellt  und  uns  noch  im  Original  erhalten 
ist.  Diese  Urkunde,  heißt  es  dann  weiter,  fanden  „die 
brüd^re  donoch  über  nüntzehen  ior  geschriben  in  dem 
latine  Urkunde  buche''  (15*2).  Diese  Angabe  führt  uns 
demnach  ins  Jahr  1391.  Um  diese  Zeit,  jedenfalls  nicht 
vorher,  ist  die  erste  halbe  Lage  und  damit  auch  die  Ab- 
schrift der  Urkunde  des  Konrad  von  Braunsberg  ge- 
schrieben.    Desgleichen  folgt  daraus,  daß  die  ganze  Hand- 


23 

Schrift  des  Großen  Deutsehen  Memorials  in  ihrem  ersten 
wie  zweiten  Teile,  so  wie   sie  uns  heute  noch  vorliegt, 
nicht  vor  1391  vollendet  sein  konnte.    Da  ferner  die  Hin- 
zufügung des  zweiten  Teils  der  Handschrift  mit  der  Bei- 
Tugung  der  ersten  halben  Lage  in  innerm  Zusammenhange 
steht  (vgl.  15*25  ff.),  so   ist  klar,  daß  die  schon  im  Jahre 
1385  ausgestellte  Urkunde  Konrads  von  Braunsberg  nicht 
das  Große  Deutsche  Memorial  in  seiner  jetzigen,  erst  ums 
Jahr  1391  vollendeten  Gestalt  im  Auge  haben  konnte.    In 
das  Jahr  1391  führt  uns  auch  noch  ein  gelegentlicher  Ein- 
trag auf  Bl.  276*,  der  die -Todesnachricht  des  Konrad  von 
Braunsberg  (f  11.  Dezember  1390)  bringt;  dieser  Eintrag 
kann   demnach  nicht  vor  diesem  Datum,    doch  vielleicht 
gleichzeitig,  möglicherweise  auch  erst  geraume  Zeit  später 
geschrieben  sein. 
Als  sicheres  Ergebnis    dürfen    wir    festhalten:    Das  Große 
Deutsche  Memorial  umfaßte  ursprünglich  nur  die  jetzigen  16  ersten 
Traktate  (Bl.  9^-130»),  welche  sicher  nach  1382,  d.  h.  nach  Rul- 
nianiis  Tode,  und  vielleicht  zwischen  1382  und  1385  geschrieben 
sind.    Auf  diesen  Teil  des  Großen  Deutschen  Memorials  konnte 
die  Urkunde  Konrads  von  Braunsberg  —  ihre  Ächtheit  einst- 
weilen vorausgesetzt  —  Anwendung  finden.     Um  das  Jahr  1391, 
erlitt  die   Handschrift   eine   Veränderung   dadurch,   daß  ihr  ein 
neuer  zweiter  Teil  hinzugefügt  wurde.    Die  Folge  war,  daß  Titel 
und  Einleitung  der  Handschrift  —  die  jetzige  erste  halbe  Lage 
umfassend  —  ebenfalls  umgeändert  werden  mußten.    Die  ganze 
Umwandlung  vollzog  sich  demnach  nach  dem  Tode  Konrads  von 
Braunsberg,  dessen  obengenannte  Urkunde  darum  auch  auf  das 
völlig  umgestaltete  Große  Deutsche  Memorial  keine  Anwendung 
mehr  finden  konnte. 

e)  Schrift  und  Inhalt,  Anlage  und  Durchführung  der  Handschrift, 
die  trotz  der  verschiedenen  auseinanderzuhaltenden  Bestandteile 
durchaus  einheitlich  und  nach  einem  ganz  bestimmten  Plane  an- 
gelegt ist,  lassen  keinen  Zweifel  daran,  daß  nur  eine  Person  als 
Redaktor  angenommen  werden  kann. 

Schon  ein  flüchtiger  Blick  in  den  Inhalt  der  Handschrift 
muß  jeden  überzeugen,  daß  ein  Bruder  des  Johanniterhauses,  der 
die  Geschichte  von  Grünenwörth  von  den  Tagen  der  GtVÄvd\Äv% 


an  durch  Rulmann  Merswin  persönlich  miterlebte,  der  in  inniger 
Beziehung  zu  Heinrich  Blankhart  von  Löwen  noch  mehr  aber 
zu  Rulmann  Merswin  stand  und  diesem  in  den  Tagen  seiner  letzten 
Krankheit  hilfreiche  Dienste  leistete,  der  Redaktor  des  Großen 
Deutschen  Memorials  gewesen  sein  muß.  Dieses  ist  aber  kein 
anderer  als  Nikolaus  von  Löwen.  Er  selbst  führt  sich  in 
der  ersten  Person  als  Schreiber  der  Handschrift  ein  BL  1^  (4*17); 
2*  (6*14).  Noch  deutlicher  spricht  die  Stelle  10*24,  wo  es  heißt: 
„alse  ich  brüder  Clawes  von  Löfene  ir  executor  (des  Heinrich  Blank- 
hart von  Löwen  und  dessen  Frau)  wol  weis  und  mir  von  in 
beiden  us  güteme  getruwende  uf  mine  consciencie  befolhen  wart, 
daz  mich  öch  zu  diseme  schribende  getrungen  het"  An 
andern  Stellen  führt  sich  Nikolaus  von  Löwen  in  der  dritten 
Person  ein:  Bl.  3»  (9*12);  4*  (11*18);  5*  (13*29)  und  nennt  als 
seine  Verbündeten  „brüder  Qawes  Läpp"  und  „brüder  Heintze 
von  Andelo",  welche  neben  Nikolaus  von  Löwen  die  ersten  und 
ältesten  Konventbrüder  des  Johanniterhauses  zum  Grünenwörth 
waren.  Seinen  kurzen  Lebenslauf  erzählt  Nikolaus  von  Löwen 
selbst  in  seiner  Autobiographie,  welche  uns  am  Schlüsse  des  Bhef- 
buchs  (156*26  ff.)  erhalten  ist.  Keine  andere  Geschichtsquelle  weiß 
sonst  etwas  über  ihn  zu  berichten  und  selbst  das  Totenbuch  des 
Johanniterhauses  hat  unter  dem  3.  April  nur  den  kurzen  Eintrag : 
„Ob.  frater  Nicolus  de  Löfen,  primus  conventuaUs  huius  domus, 
ao.  d.  1402.  hie  sepultus".  Um  so  dankbarer  müssen  wir  sein,  daß 
er  uns  wenigstens  die  wichtigsten  Daten  seines  Lebens  überliefert 
hat.  Wir  verdanken  dies  dem  Umstände,  daß  er  selbst  großen 
Wert  darauf  legte,  bei  den  Johannitern  von  Grünenwörth  nicht 
vergessen  zu  werden.  Darum  schrieb  er  seine  Autobiographie 
nicht  allein  an  das  Ende  des  Brief buchs,  sondern,  wie  er  selbst 
sagt,  auch  in  „etliche  andere  Bücher"  (157*15). 

Wenn  er  von  sich  spricht,  nennt  er  sich  überall  „Claus 
von  L ö f e n e"  oder  lateinisch  „Nicolaus  de  Lovania".  Seine 
Heimat  ist  demnach  Löwen  in  der  Provinz  Brabant.  Geboren  am 
19.  Mai  1339  kam  er  mit  20  Jahren  unter  die  Tuchlaube  vor 
dem  Straßburger  Münster  zu  Heinrich  Blankhart  von  Löwen, 
der  eines  Todschlags  wegen  die  Heimatstadt  hatte  verlassen  müssen 
und  sich  als  Tuchhändler  in  Straßburg  niederließ.  Sieben  Jahre 
war  Nikolaus  von  Löwen  in  seinen  Diensten  als  Schreiber  für 


25 

kaufmännische  Zwecke.  Am  17.  Oktober  1366  trat  er  in  der- 
selben Eigenschaft  in  die  Dienste  Rulmann  Merswins,  eines  ebenso 
angesehenen  wie  reichen  Straßburger  Kaufmanns.  Nicht  lange 
darauf  änderte  er  Beruf  und  Lebensstellung.  Mit  Rücksicht  auf 
die  Erwerbung  der  Hofstätte  zum  Grünenwörth  durch  Rulmann 
tritt  er  in  den  geistlichen  Stand,  wird  am  13.  Dezember  1366 
Äkoluth,  am  19.  Dezember  1366  Subdiakon  (epysteler),  am  12.  Juni 
1367  Diakon  und  am  18.  September  desselben  Jahres  Priester. 
Am  anderen  Tage  feierte  er  seine  Primiz  in  der  Kirche  der 
Karthäuser  zu  Straßburg.  In  der  Folgezeit  ist  sein  Leben  aufs 
engste  mit  Rulmann  und  der  Geschichte  von  Grünenwörth  ver- 
bunden. Als  darum  Rulmann  die  Hofstätte  zum  Grünenwörth 
den  Johannitern  überläßt,  wird  er  selbst  Johanniter,  am  Tage 
Johannes  des  Täufers  1371,  um  so  eine  Stütze  für  Rulmann  und 
dessen  Pläne  bilden  zu  können,  wie  wir  später  des  weiteren  sehen 
werden. 

f)  Den  Zweck,  den  der  Redaktor  bei  Anlegung  der  Hand- 
schrift verfolgte,  hat  er  selbst  in  der  Einleitung  angegeben :  jeder- 
mann sollte  aus  ihrem  Inhalte  ersehen,  daß  die  Gründung  des 
Straßburger  Johanniterhauses  „ein  sonderlich  userw^elt,  gnodenrich 
werg  gottes"  (17*15)  ist,  und  darum  „die  löbeliche  wirdikeit 
und  den  tröstlichen  fruhtberen  anstadel  dis  huses  zu  dem  Grünen- 
werde" (17*14)  anerkennen.  Vor  allem  sollten  die  Brüder  des 
Hauses  ihre  beiden  Stifter,  Rulmann  Merswin  und  den  Gottes- 
freund vom  Oberlande,  nie  vergessen,  durch  die  Gott  so  Wunder- 
bares gewirkt  hat  Daneben  haben  aber  auch  die  Brüder  in  den 
Schriften,  die  beide  Stifter  ihnen  hinterlassen  haben,  das  beste 
Vorbild  für  ihr  eigenes  Leben,  ein  jeder  nach  seiner  natürlichen 
Anlage  und  seinen  geistigen  Bedürfnissen.  Bei  Geistlichen  wie 
Laien  soll  darum  die  Liebe  zum  Johanniterhause  immer  mehr 
wachsen,  auf  daß  sie  alle  würdige  Nachfolger  bilden  der  „mine- 
richen,  erlühteten"  Stifter  ihres  Hauses. 

Nikolaus  von  Löwen  verfolgt  also  mit  dem  Großen  Deutschen 
Memorial  in  seiner  vollendeten  jetzigen  Gestalt  einen  zweifachen 
Zweck,  einen  historischen:  Gründer  und  Gründung  von  Grünen- 
wörth zu  verherrlichen,  und  einen  asketischen:  den  Brüdern 
des  Hauses  ein  Beispiel  für  alle  Lebenslagen  vor  Augen  zu  stellen. 
Deswegen  sollte  auch  diese  Handschrift  zu  „einem  ewig^^ti  ^otvö- 


26 

rial"  (14*36)  auf  der  Hofstätte  zum  Grünenwörth  bleiben,  dessen 
persönliches  Eigentum  sich  niemand  anmaßen  dürfe. 

g)  In  Anbetracht  der  verschiedenen  Teile,  aus  welchen  das 
Große  Deutsche  Memorial  zusammengesetzt  ist,  muß  man  wol 
beachten,  welche  Vorlagen  Nikolaus  von  Löwen  zu  den  ein- 
zelnen Teilen  benützte. 

Der  erste  älteste  Teil  spricht  von  einem  Lateinischen  Memo- 
rial, dessen  Inhalt  des  nähern  angegeben  ist  (17*25  flf)-  Dieses 
Lateinische  Memorial  ging  dem  Großen  Deutschen  Memorial  zeit- 
lich und  sachlich  voraus,  da  sein  Inhalt  den  Untergrund  für  das 
nun  folgende  Große  Deutsche  Memorial  bilden  mußte.  Ohne  das 
Lateinische  Memorial  wären  die  Schriften  des  Großen  Deutschen 
Memorials  nicht  verständlich,  da  die  Geschichte  des  Johanniter- 
hauses  sowie  das  Leben  der  beiden  Stifter,  Rulmann  Merswins 
und  des  Gottesfreundes  vom  Oberlande,  zum  vollen  Verständnis 
ihrer  Schriften  notwendig  war. 

Der  später  hinzugefügte  zweite  Teil  des  Großen  Deutschen 
Memorials  erwähnt  bereits  „drei  gemeine  memorial  bücher"  (36*7), 
d.  h.  außer  dem  Lateinischen-  und  Großen  Deutschen  Memorial 
noch  ein  „kleines  deutsches  buch"  (35*26),  dessen  Inhalt  wir  aus 
14*29  ff.  (vgl.  12*4;  14*4)  erfahren.  Es  enthielt  alle  Materien  des 
Ersten  Lateinischen  Memorials  ausgenommen  Neun  Felsen,  Zwei- 
Mannenbuch  und  Meisterbuch,  hat  aber  dafür  „drei  artikel"  mehr, 
welche  die  drei  Gelübde  Keuschheit,  Gehorsam  und  Armut  be- 
handelten, die  im  Lateinischen-  wie  im  Großen  Deutschen  Me- 
morial fehlten.  Ist  in  der  Folge  von  den  drei  Urkundenbüchern 
des  Johanniterhauses  die  Rede,  so  sind  darunter  stets  das  Erste 
Lateinische-,  das  Große-  und  Kleine  Deutsche  Memorial  zu  ver- 
stehen. 

Der  jüngste  TeU  des  Großen  Deutschen  Memorials  endlich  — 
die  angefügte  erste  halbe  Pergamentlage  —  spricht  neben  den 
drei  genannten  Urkundenbüchern  bereits  von  „ettlichen  anderen 
büchern"  (6*23;  14*5).  Ihr  Name  und  Inhalt  wird  jedoch  weiter 
nicht  angegeben.  Im  Laufe  der  Untersuchung  wird  deutlich  werden, 
welche  „bücher^*  darunter  zu  verstehen  sind. 

h)  Um  jedermann  ein  Urteü  über  die  Schrift  des  Großen 
Deutschen  Memorials  zu  bieten,  sind  zwei  Schriftproben  am  Ende 
des  Buches  beigegeben :  Schrifttafel  Nr.  IX  u.  X. 


27 

Als  eigenhändige  Schrift  Nikolaus  von  Löwens  ist  sicher  die- 
jenige anzusehen,  in  welcher  er  in  der  ersten  Person  von  sich  spricht, 
also  Nr.  IX.  Mit  dieser  identisch  ist  der  Abschnitt  aus  dem  Text 
des  Zwei-Mannenbuchs  Nr.  VIII.  Einen  etwas  anderen  Schrift- 
charakter weist  Nr.  X  auf,  wo  der  Schreiber  das  Bestreben  zeigt, 
die  Buchstaben  in  IX  und  VIII  etwas  eckiger  zu  gestalten. 
Nach  den  Grundsätzen  der  Paläographie  wird  man  aber  auch 
diese  demselben  Schreiber,  d.  h.  Nikolaus  von  Löwen  zuschreiben 
müssen.  Auch  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  Nikolaus  von  Löwen 
sich  beim  Schreiben  der  Hilfe  anderer,  etwa  seiner  beiden  Ge- 
nossen, des  Nikolaus  Zorn  gen.  Läpp  und  des  Heinrich 
von  And  lau  bedient  hat. 


2.  Das  Pflegermemorial. 

Das  Pflegermemorial  liegt  uns  nicht  mehr  wie  das   soeben 
betrachtete  Große  Deutsche  Memorial  im  Original,  sondern  in  einer 
Abschrift  des  15.  Jahrhunderts  vor  (Hs.  D  =  H  1383  des  Straß- 
burger  Bezirksarchivs),  die,  soweit  durch  Schriftvergleichung  fest- 
zustellen ist,  von  dem  Straßburger  Johanniterkomtur  Amandus 
Schmalriem  herrührt.    Leider  hat  dieser  seine  Vorlage  nicht 
beschrieben,  wir  können  aber  an  der  Hand  des  Großen  Deutschen 
Memorials  seine  urprüngliche  Anlage  leicht  erkennen. 

Den  Namen  „Pflegermemorial*'  trägt  die  Handschrift  von  der 
Bestimmung,  die  sie  zu  erfüllen  hatte.  Ein  dem  Straßburger 
Johanniterbause  eigentümUches  Institut  waren  drei  Laienpfleger, 
welche  über  das  weltliche  Gut  des  Klosters  zu  wachen  hatten 
und  in  allen  äußeren  und  innern  Angelegenheiten  des  Klosters, 
vor  aUem  bei  der  Wahl  des  Komturs  einen  großen  Einfluß  aus- 
übten. Wie  nun  das  Große  Deutsche  Memorial  in  erster  Linie 
für  die  Brüder  von  Grünenwörth  bestimmt  war,  so  sollten  auch 
die  drei  Pfleger  des  Hauses  jeder  ein  ürkundenbuch  zu  Händen 
haben,  um  stets  an  die  „gnadenreiche  Würdigkeit"  des  Hauses  ge- 
mahnt zu  werden.  Es  wurden  darum  drei  wörtlich  gleichlautende 
Elxemplare  (160*33)  angefertigt,  die  afles  enthielten,  was  für  jeden 
Pfleger  von  der  Gründungsgeschichte  und  dem  Leben  der  Stifter 
zu  wissen  notwendig  war.  Nach  dem  Tode  eines  Pflegers  war 
es  die  Aufgabe  der  beiden  andern,  dafür  Sorge  zu  Ira^^xv^  di^& 


28 

dessen  Memorial  seinem  Nachfolger  eingehändigt  wurde  (161*12  ff 
Ein  Band  der  Liebe  und  Eintracht  sollte  so  die  drei  Pfleger  un 
schlingen,  damit  sie  stets  das  Wohl  der  Hofstätte  zum  Grünenwörl 
im  Auge  hätten  und  das  Haus  in  jener  Ordnung  aufrecht  erhielte) 
wie  sie  durch  die  beiden  Stifter,  Rulmann  Merswin  und  seine 
heimlichen  Freund  vom  Oberlande,  bestimmt  wurde.  Wie  beii 
Großen  Deutschen  Memorial  wurde  demnach  der  Verfiasser  d( 
Handschrift  bei  ihrer  Anlage  von  einem  zweifachen  Gesichtspiml 
geleitet,  von  einem  historischen:  den  Pflegern  die  Kenntnis  de 
Gründungsgeschichte  zu  übermitteln,  und  von  einem  praktisct 
asketischen:  die  Eintracht  der  Pfleger  untereinander  und  ihi 
Liebe  zum  Johanniterhause  in  Ansehung  des  Lebens  der  beide 
glorreichen  Stifter  immer  mehr  zu  fördern.  Der  Verfasser  d€ 
Handschrift  hebt  noch  besonders  hervor,  daß  die  drei  Pflegei 
memoriale  einer  frommen  Stiftung  ihr  Dasein  verdanken  (161*5 
damit  das  Haus  „in  aller  der  wirdekeit  und  ordenung^^  gc 
halten  werde,  „als  es  uß  dem  heiigen  geist  in  grossen  mirackel 
durch  die  fründ  gottes  angehaben  und  gemeint  ist"  (161*10). 

Den  Inhalt  des  Pflegermemorials  können  wir  in  drei  groß 
Abschnitte  zerlegen,  von  denen  der  eigentliche  HauptteU  in  dr( 
Unterabteilungen  oder  „Materien"  zerfällt.  In  übersichtliche 
Weise  läßt  er  sich  wie  folgt  zusammenstellen: 

I.  Vorbemerkungen. 

1.  Werner  von  Hüneburg  betreffend  (158*1-159*7). 

2.  Bemerkung  über  die  vier  Memoriale :  das  der  drei  Pflege 
und  das  des  „Obersten  Meisters"  (159*8-160*4). 

II.  Hauptteil. 

Einleitung:  a)  Gedicht  (160*5-24); 

b)  Titel  des  Buchs  (160*25-161*28); 

c)  Inhaltsverzeichnis  (161*29-163*39). 

Hauplteil:  1.  Materie:  Kapitel  1-13,  Gründungsgeschichte  des  Jo 

hanniterhauses  (164*1-190*22). 

2.  Materie:  Kap.  14-16,  Lebensbeschreibung  Rulmann 
oder  das  Büchlein  von  den  Vier-Jahrei 
seines  anfangenden  Lebens  (191*-198*). 


29 

3.  Materie:  Kap.  17-23,  Lebensbeschreibung  des  Gottes- 
freundes vom  Oberlande  und  seiner  Ge- 
nossen oder  das  „Fünf  -  Mannenbuch** 
(199*-206*33). 

Schluß :  Kap.  24,  Bestätigungsurkunde  des  KonradvonBrauns- 
berg  über  die  drei  Memorialbücher  (207*3  ff). 

III.  Nachträge: 

1.  Nachtrag:  Kap.  25-29  (207*6-208*12). 

a)  Kap.  25:  Komtur  Heinrich  von  VVolfach  bestätigt  die 
durch  Heinrich  Blankhart  von  Löwen  erfolgte  Stif- 
tung der  St.  Jakobsmesse; 

b)  Kap.  26:  die  über  die  St  Jakobsmesse  gesetzten  Pfleger 
erwählen  drei  neue  Pfleger:  1388; 

c)  Kap.  27:  Notiz  über  die  zwei  „Übriggebliebenen  Latein- 
bücher** ; 

d)  Kap.  28:  Ordnung  für  die  Abhaltung  der  St.  Jakobsmesse; 

e)  Kap.  29:  Eid  der  drei  Pfleger:  1393. 

2.  Nachtrag:  Kap.  30-33  (208*13-209*31). 

a)  Kap.  30:  Geschichte  von  Heinrich  Blankhart  von 
Löwen,  dessen  Todschlag  und  Sühne- Wallfahrt; 

b)  Kap.  31 :  Rechtfertigung  über  die  Verwendung  des  von 
Heinrich  Blankhart  gestifteten  Geldes; 

c)  Kap.  32:  Abschnitt  aus  dem  Pfleger-Brief:  1371; 

d)  Kap.  33:  Schluß:  Alles  ist  von  Bulmahn  Merswin  so  ge- 
ordnet 

Im  großen  und  ganzen  erblicken  wir  in  der  Anlage  des  Pfleger- 

oiemorials  ein  getreues  Abbild  des  Großen  Deutschen  Memorials, 

^enn  wir  auch  nicht  mehr  im  stände  sind  genau  zu  bestimmen, 

^f^m  und  wie  die  einzelnen  Teile  der  Handschrift  nacheinander 

geschrieben  wurden.    Auch  in  der  äußern  Form  schließt  es  sich 

an  das  Große  Deutsche  Memorial  an.    Der  Titel  des  Buchs  war 

ganz  in  roter  Farbe  geschrieben,  ebenso  das  dem  Titelblatt  vor- 

aasgehende  Gedicht     Über  jeder  Seite    stand  wie    im  Großen 

Dentschra  Memorial  jedesmal  die  Zahl  der  darauf  geschriebenen 

Materie.   Alle  diese  Einzelheiten  sind  in  der  in  Frage  kommenden 

Kopie  des  15.  Jahrhunderts  beibehalten  worden.    Em^  rw^\\Ä^ 


30 

wesentlich  gleichlautende  aber  spätere  und  unvollständige  Abschrift 
des  Pflegermemorials  ist  uns  in  der  Handschrift  G  =  L  als  96 
der  Straßburger  Universitätsbibliothek  erhalten.  Sie  kann  uns  zur 
Kontrolle  des  Textes  dienen,  da  sie  auf  eine  andere  Vorlage  als 
Handschrift  D  zurückgeht.  In  G  zählt  das  Inhaltsverzeichnis  31  Ka- 
pitel, während  vom  zweiten  Nachtrag  c)  und  d)  fehlt  Auch  die 
„Auszüge  aus  dem  Memorial"  bei  Karl  Schmidt  (Gottesfr.  34) 
sind  keineswegs  Auszüge  aus  dem  weiter  unten  zu  besprechenden 
Kleinen  Deutschen  Memorial,  sondern  einem  Exemplar  des  Pfleger- 
memoriais  entnommen. 

Wie  die  drei  Pflegermemoriale  des  nähern  zu  einander  sich 
verhalten  haben,  ist  leider  nicht  mehr  zu  bestimmen,  da  alle 
Originale,  die  Schmidt  zum  Teil  noch  vorlagen,  spurlos  ver- 
schwunden sind.  Darum  lälit  sich  auch  die  Frage,  ob  alle  drei 
Pflegerbücher  außer  den  drei  gleichlautenden  Materien  von  der 
Gründung  des  Hauses  und  den  Lebensbeschreibungen  der  beiden 
Stifter  auch  dieselben  Vorbemerkungen  und  Nachträge  hatten, 
wohl  aufwerfen  und  erwägen,  aber  nicht  bis  ins  einzelne  beant- 
worten. Aus  der  Vergleichung  von  D  mit  G  (und  EF)  sehen  wir 
nur,  daß  gerade  wie  das  Große  Deutsche  Memorial  auch  die 
Pflegermemoriale  in  beständigem  Flusse  begrifl*en  sind  und  erst 
nach  und  nach  ihren  jetzigen  Inhalt  und  Gestalt  annahmen.  So 
zeigen  einige  Pflegermemoriale  im  16.  Kapitel  zwei  Einschie- 
bungen  (195*39  und  197*7),  von  denen  die  eine  von  dem  Neun 
Felsenbuch,  die  andere  vom  Zwei-Mannenbuch  handelt.  Götz- 
mann's  Vorlage  hatte  diese  Parenthesen  nicht;  Karl  Schmidt 
spricht  Gottesfr.  7 1  nur  von  einer  Parenthese.  (Ob  er  die  andere 
nicht  übersehen  hat?)  Handschrift  D  und  die  noch  späteren  Me- 
moriale  haben  beide.  Das  wird  genügen,  um  jeden  zu  überzeugen, 
daß  auch  die  Pflegermemoriale  wie  das  Große  Deutsche  Memo- 
rial erst  aUmählich  ihre  vollendete  Gestalt  erhielten.  Den  Grund- 
stock bildeten  die  drei  Materien:  Gründungsgeschichte  des  Johan- 
niterhauses  und  die  Lebensbeschreibungen  der  beiden  Stifter,  um 
die  sich  andere  Materien  gruppierten,  welche  sich  teils  auf  Wer- 
ner von  Hüneburg,  teils  auf  Heinrich  lilankhart  von 
Löwen  und  seine  Stiftung,  oder  auf  andere  Urkundenbücher, 
die  der  Obhut  der  Pfleger  anvertraut  waren,  bezogen.  Unzweifel- 
haft gehörte  der  „zweite  Nachtrag"  nicht  zu  dem  ursprünglichen 


31 

Plane  der  Handschrift;  darum  wurden  auch  diese  Kapitel  in  das 
allgemeine  Inhaltsverzeichnis  zu  Anfang  des  Pflegermemorials  nicht 
aufgenommen,  eine  ähnliche  Erscheinung,  wie  sie  auch  das  Große 
Deutsche  Memorial  S.  19  zeigt.  Dagegen  mag  vielleicht  mancher  auf 
den  ersten  Blick  geneigt  sein,  den  „ersten  Nachtrag"  (Kap.  25-29) 
als  noch  zum  Hauptteil  gehörig  zu  betrachten.    Allein  auch  diese 
Kapitel  sind  unter  den  Begriff  „Nachtrag''  zu  rechnen,  da  aus  der 
Sldle  159*9-12  und  116*29  ff.  deutlich  zu  ersehen  ist,  daß  das 
Pflegermemorial  übereinstimmend  mit  dem  noch  zu  besprechenden 
Memorial  des  Johannitermeisters  ursprünglich  nur  auf  24  Kapitel 
veranlagt  war,  dem  nach  und  nach  andere  Kapitel  folgten,  zunächst 
das  von  den  „Übriggebliebenen  Lateinbüchern"  handelnde  25.  Ka- 
pitel (119*31),  welches   in  D  bereits  an  die  27.  Stelle  gerückt 
ist  (207*27). 

Da  im  1.  und  13.  Kapitel  des  Pflegermemorials  die  näheren 
umstände  vom  Tode  Rulmann  Merswins  berichtet  werden,  kann 
die  Handschrift  in  ihrem  Hauptteile  (Kap.  1-24)  erst  nach  1382 
und  näherhin  nach  Kapitel  24  erst  nach  1385  angefertigt  sein. 
Weilerhin  enthalten  die  Kapitel  26  (207*14)  und  29  (208*13)  Ab- 
Schriften  von  Urkunden.  Davon  trägt  die  erste  das  Datum:  1388 
April  4,  die  zweite:  1393  Juni  23.  Das  Pflegermemorial  kann 
demnach  in  seiner  jetzigenGestalt  erst  nach  dem  23.  Juni  1393 
vollendet  sein. 

Als  Quellen,  auf  die  sich  das  Pflegermemorial  beruft,  setzt 
^  voraus  „drie  nrkundbücher,  die  zu  dütsch  und  zu  latin  in  dem- 
selben huse  zu  dem  Grünenwerd  sint  under  des  obersten  meisters 
gebott  und  verbüntnüß  ewigUch  do  zu  bliben  in  besorgung  und 
geheltniß  eins  custers"  (160*28;  206*35).  Eines  der  erwähnten 
drei  ürkundenbücher  ist  aber  das  Große  Deutsche  Memorial,  dessen 
hhalt  wir  bereits  kennen. 

Im  Pflegermemorial  wie  im  Großen  Deutschen  Memorial  finden 
wir  übereinstimmend: 

in  der  Einleitung  die  Bemerkungen  über  das  Grab  Wer- 
bers von  Hüneburg  (vgl.  158*1-159*7  mit  12*55fr.), 

Kap.  24  ^  Urkunde  Konrads  von  Braunsberg, 

Kap.  28  =  Statuten  der  St.  Jakobsmesse, 

Kap.  30  =  Leben  Heinrich  Blankharls  voxvLö^^xv. 


32 

Alles  übrige  begegnet  uns  hier  zum  erslenmale.  Wenn  darum 
die  Stellen  160*28  und  206*35  richtig  sind,  welche  besagen,  daß 
der  Text  des  Pflegermemorials  bloß  ein  Auszug  aus  den  drei 
Memorialbüchern  des  Johanniterhauses  sei,  dann  müssen  sich  die 
übrigen  Teile  in  zwei  weiteren  ürkundenbücher  finden.  Diese  aber 
sind  dieselben,  von  denen  auch  das  Große  Deutsche  Memorial 
redet:  das  Lateinische-  und  das  Kleine  Deutsche  Memorial. 

An  anderer  Stelle  (159*9  AT.)  erwähnt  das  Pflegermemorial  das 
sogenannte  „Meistermemorial",  das  als  „viertes"  aber  dem  Texte 
nach  gleichlautend  mit  den  drei  Pflegermemorialen  bezeichnet  wird. 
Endlich  handelt  das  27.  Kapitel  von  „zweien  überblibenden  latinin 
büchern,  die  ouch  in  dem  huse  zum  Grünenwerde  süit"  (207*27). 
So  werden  hier  die  „etlichen  anderen  Bücher',  von  denen  der 
jüngste  Teil  des  Großen  Deutschen  Memorials  sprach,  näher  be- 
stimmt als  Pflegermemoriale,  Meistermemorial  und  Übriggebliebene 
Lateinbücher,  mit  denen  wir  uns  in  den  folgenden  Kapiteln  be* 
schäftigen  werden. 

Da  die  ganze  Anlage  des  Pflegermemorials  mit  dem  Großen 
deutschen  Memorial  übereinstimmt  und  dieses  als  Quelle  vor* 
aussetzt,  ist  man  schon  daraus  berechtigt,  auf  denselben 
Redaktor  zu  schließen.  Unzweideutig  werden  die  Schreiber 
genannt  in  der  Stelle:  „darumb  hant  dieselben  ersten  priester 
von  sant  Johans  orden  die  götlichen  Urkunde  und  Wortzeichen 
und  all  die  löuffe,  damit  diß  huß  ernuwert  worden  ist  ouch  in 
diß  buch  geschriben  eigentlich  und  in  aller  wise  als  si  von 
anegenge  gegen wurticlich  dabi  worent  und  es  selber  sohent" 
(183*39  ff.).  Eine  ähnliche  Stelle  kehrt  195*39  und  197*7  wieder. 
Diese  drei  ersten  Priester  St.  Johanns-Ordens  sind  aber  nach 
158*23 ff.  Claus  Zorn  gen.  Läpp,  Heintz  von  Andlau  und 
Nikolaus  von  Löwen,  der  sich  aus  Bescheidenheit  inuner 
zuletzt  nennt.  Der  Redaktor  des  Pflegermemorials  wie  des  Großen 
Deutschen  Memorials  ist  demnach  Nikolaus  von  Löwen,  der 
entweder  allein  oder  mit  Unterstützung  der  beiden  andern  er- 
wähnten Brüder  des  Straßburger  Johanniterhauses  die  Pfleger- 
memoriale angelegt  hat. 


3a 


3.  Das  Erste  Lateinische  Memorial  oder  die  zwei  „Übrig- 
gebliebenen Lateinbüclier^^ 

In  seinem  ällesten  Bestandteil  spricht  das  Große  Deutsche 
Memorial  von  einem  lateinischen  Urkundenbuche,  das  in  allen 
übrigen  Memorialbüchern  stets  „das  erste"  Memorial  des  Johan- 
niterhauses  genannt  wird  und  dessen  Inhalt  17*25  ff.  genau  an- 
gegeben ist.  Wäre  diese  Handschrift  noch  auf  uns  gekommen,  so 
würde  die  Gottesfreundfrage  erheblich  leichter  zu  lösen  sein.  So 
aber  waltete  über  dieser  Handschrift  ein  eigenartiger  Unstern. 
Sie  ist  teilweise  schon  dem  wohldurchdachten  Plane  des  Niko- 
laus von  Löwen  zum  Opfer  gefallen,  indem  er  aus  der  einen 
Handschrift  zwei  neue  bildete  und  sie  mit  dem  Namen  „die 
beiden  übriggebliebenen  Lateinbücher**  belegte.  Von  diesen  beiden 
übriggebliebenen  Lateinbücher  ist  nur  das  eine  noch  im  Original 
erhalten,  das  zudem  bloß  den  kleinsten  Teil  des  ursprünglichen 
Buchs  bildete.  Doch  auch  den  ungleich  wichtigeren  und  größeren 
Teil  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  können  wir,  wenigstens 
teilweise,  wieder  herstellen,  wenn  auch  der  Weg  dazu  schwierig 
und  umständlich  ist. 

Beginnen  wir  zunächst  mit  dem 

zweiten  ÜbriggebHebenen  Lateinbueh. 

a)  Beschreibung.  Die  Handschrift  H  2184  des  Straßburger 
Bezirksarchivs,  in  welcher  uns  das  zweite  der  beiden  „überbli- 
benen  latine  bücher'*  im  Original  erhalten  ist,  ist  mit  einem  Ein- 
band versehen,  dessen  Deckel  von  Holz  mit  rotem  Leder  überzogen 
ist.  Auf  der  Außenseite  des  hinteren  Deckels  beflndet  sich  in 
Einern  Rahmen  aus  Messingleistchen  ein  Pergamentstreifen,  durch 
ilarienglas  geschützt»  mit  den  Worten :  „Der  zweyger  überblibener 
laüne  bücher  eins  von  den  nun  feilsen,  das  die  drie  weltlichen 
PBegere  uslihen  mögent,  alse  indewendig  zu  aller  hinderst  in 
^tsche  geschriben  stot"  Die  Handschrift  besteht  nach  moderner 
Numerierung  aus  50  Pergamentblättem.  Ihrer  ursprünglichen  Ent- 
stehung nach  zählte  sie  4  Lagen  zu  je  6  Doppelblättem,  jetzt 
^'•2-49  (50*  1-6 1*40);  diesen  4  Lagen  wurde  am  Anfang  und 
Schluß  je  ein  Pergamentdoppelblatt  beigefügt,  von  denen  je  eines 
^^  den  Deekel  aufgeklebt  wurde.    Die  Dlätter  sind  Z\  cm  Yv^^iV^ 


34 

22  cm  breit  zahlen  je  43  Liniea  und  zeigen  im  übrigen  denselben 
Schriftcharakter,  Schreibweise,  Initialen  etc.  wie  das  Große  Deutsche 

Memorial 

b*  Inhalt.     L  Einleitendes: 

1.  BL  !•:  Deutscher  Prolog  zu  den  Neun  Felsen  (48*1-24). 

2.  BL  1*:  Grabmal  Werners    von   Hüneburg   betr.  in 

deutscher  Sprache  (48*^-49*8). 

3.  BI.  1*:  Lateinischer  Prolog  zu  den  Neun  Felsen  (49*9-39). 

n.  Hauptteil  (in  lat  Sprache): 

1.  BL  2*-46'»  (50*1-55*13)  Buch  von  den  Neun  Felsen  mit 
Prolog  und  Inhaltsverzeichnis  der  einzelnen  KapiteL 

2.  BL  46M9»  (55*14-60*19)  Nachtrag:  Abschriften  dreier 
Kapitel  aus  einem  lateinischen  Urkundenbuch : 

a)  „Kap.  86*^:  Inhaltsangabe  .des  Traktats  von  zwei   15* 

jährigen  Knab^i; 

b)  „Kap.  87^:  Briefe  betr.,    welche   der  Gottestreund  an 

Rulmann  Merswin  sandte; 

c)  „Kap.  88"^ :  Leben  eines  Bruders  Ulrich  aus  dem  Bene- 

diktinerorden. 

|IIL  Schluß  ^in  deutscher  Sprache): 

1.  BL  49*-50»>  (60*20-63' 4) :  Bemerkung  über  die  „Übrig- 
gebliebenen Lateinbücher*^  =  Kap.  27  des  Pflegermemorials. 

2.  BL  50^:  Über  das  Wappen  des  Werner  von  Hüneburg 
(63  5-25). 

Gemälde:  Wappen  des  Werner  v.  Hüneburg. 

c)  Entstehungsart  der  HandschrifL  Den  ursprüng- 
lichsten Teil  der  Handschrift  bildet  BL  2M6^  d.h.  das  Buch 
von  den  Neun  Felsen  in  lateinischer  Sprache.  Dazu  waren  dem 
Schreiber  4  Pergamentlagen  zu  je  6  Doppelblätter  notwendig,  von 
denen  jedoch  noch  ein  Teil  des  BL  46^\  sodann  die  Blätter  47, 
48,  49  unbeschrieben  blieben. 

Das  Neun  FeLsenbuch  ist  ein  in  sich  abgeschlossenes  Ganzes 
mit  eigenem  Prolog  und  Inhaltsverzeichnis.  Ohne  einen  Grund 
anzugeben  —  wohl  nur  um  die  leeren  Seiten  der  4.  Lage  auszu- 
füllen —  fügte  der  Schreiber  den  Neun  Felsen  drei  Kapitel  hinzu, 
die  er  ohne  jede  Veränderung   aus   einem  anderen  lateinischen 


35 

Buch  herübernahm,  in  welchem  dieselben  die  Kapitel  86-88  bil- 
deten. Selbst  die  Kapitelüberschriften  behielt  der  Schreiber  unver- 
ändert bei  und  setzt  auch  beim  88.  Kapitel  die  Kapitelzahl  Ixxxviij 
oben  in  die  Mitte  der  betreffenden  Seite,  eine  Methode,  wie  wir 
sie  schon  beim  Großen  Deutschen  Memorial  kennen  gelernt  haben. 
Um  nun  aus  diesen  vier,  einer  früheren  Handschrift  entnommenen 
Lagen,  eine  neue  bilden  zu  können,  fügte  der  Schreiber  noch 
vom  und  hinten  je  ein  Doppelblatt  bei,  wovon  je  ein  Blatt  auf 
den  Deckel  aufgeklebt  wurde.  Auch  diese  Blätter  waren  beide 
schon  für  eine  andere  Handschrift  bestimmt  gewesen.  Auf  dem 
Blatte  am  Schlüsse  der  Handschrift  (Bl.  50)  befand  sich  ursprüng- 
lich eine  gemalte  größere  Initiale  und  eine  Rubrik;  beide  wurden 
ausradiert  und  der  jetzige  Text  darüber  geschrieben.  Auf  dem 
Blatte  am  Anfange  der  Handschrift  —  ursprünglich  auf  dem  Deckel- 
blatte aufgeklebt,  jetzt  aber  losgelöst  —  steht  der  Schluß  einer 
Papstbulle :  Ablaß  für  Beiträge  zu  einem  Kirchenbau  dd.  Perusie  X. 
kal.  juUi,  pontificatus  nostri  anno   primo.    Dann  folgt  ein  freier, 

für  eine  Initiale  bestimmter  Raum,  alsdann  die  durchs trichene  Rubrik: 
CeDtesimnm  nonum  capitnlam  tractat  de  origine  et  inicio  düecti  sancti  Johan- 
ois  Jherosolomitani.  et  ibidem  eciam  sunt  omnes  indnlgencie  metriücate  ex 
bullis  et  priyilegiis,  qne  in  Avinione  et  in  aliis  capitalibas  conyeutibas  in 
Oallia  ordiuis  sancti  Jobannis  Jberosolomitani  quesitis  et  lectis  a  fratre  Jo- 
hanneMerckelin  commendatorisinHerbipoli  vicem tenentis,  quiqnidem 
Jobannes  Merckelin  eisdem  temporibus  conventnalis  frat^r  fait  inBodeis, 
qnando  idem  Carmen  metricum  fecit  et  rogavit  fieri  perJacobamBega- 
1  e  m  ex  notis  et  antenticis  testimoniis  qaibns  bene  credendum  est.  Qai  qni- 
dem  Jacobus  Regalis  longo  tempore  moratas  est  in  Avinione  et  ibidem 
malta  privilegia  et  ballas  nostri  ordinis  perlegit  ea  propter  et  ordinis  liber- 
tates  sibi  bene  constiterunt.     Auf  der  folgenden  Seite  dieses  Blattes 

steht  oben  in  der  Mitte  rot  die  Zahl  Cviiij;  am  Rande  der  ersten 
beschriebenen  Zeile:  C/>,  was  die  Kapitelzahl  bedeuten  soll;  dann 
beginnt  das  durch  die  oben  angeführte  Rubrik  bereits  angekün- 
digte Gedicht  des  Jakobus  Regalis:.  De  thesauris  summi  regis. 
Das  alles  zeigt  deutlich,  daß  dieses  erste  Blatt  ursprünglich  einen 
Teil  und  zwar  das  108.  und  109.  Kapitel  eines  lateinischen  Buchs 
bildete,  wohl  desselben,  aus  dem  die  obenerwähnten  Kap.  86-88 
stammen.  Nachdem  in  dieser  Weise  die  beiden  Anfangs-  und 
Schluß-Blätter  hergerichtet  waren,  wurde  jeweils  das  leere  Blatt 
derselben  in  folgender  Reihenfolge  beschrieben: 


*k* 


w 


36 

I,  3  (Bi.  1^):  Lateinischer  Prolog. 
III,  1   (Bl.  49*-50^  Rest  der  4.  Lage  und  erstes    beige- 
fügtes Schlußblatt):  Bemerkung  über  die  zwei  Latein- 
bücher. 
I,  1  (Bl.  la):  deutscher  Prolog. 

ni,  2  (BL  50^):  Wappen  der  von  Hüneburg. 
I,  2  (Bl.  1»):  Grab  Werners  von  Hüneburg. 

Diese  Reihenfolge  ergibt  sich  aus  dem  Schriftcharakter,  da 
sich  gegenseitig  III,  1  und  I,  1  sowie  III,  2  und  1,  2  entsprechen. 
Zum  gleichen  Ergebnisse  kommt  man,  wenn  man  die  sachlichen 
Gründe,  wie  sie  aus  dem  Inhalte  der  einzelnen  Abschnitte  zu 
entnehmen  sind,  in  Erwägung  zieht.  Den  Schluß  der  Handschrift 
bildet  das  gemalte  Wappen  Werners  von  Hüneburg  in 
derselben  Ausführung  wie  Bl.  5^  des  Großen  Deutschen  Memorials 
Um  die  Malerei  zu  schonen,  mußte  davon  Abstand  genommen 
werden,  dieses  Blatt  vom  Deckel  loszulösen.  Die  Rubrik,  von 
welcher  60*24  spricht,  daß  sie  zuvörderst  in  dem  übriggebliebenen 
Lateinbuch  stehe  „mit  eime  florierten  H'-,  findet  sich  Bl.  1^  (49*9). 
In  der  Mitte  der  Initiale  H  ist  das  Wappen  Rulmann  Merswins : 
ein  schwarzes  Merschwein  in  gelbem  Felde,  gemalt. 

d)  Name  und  Zweck:  Seinem  ganzen  Inhalte  nach  zeigt 
das  Übriggebliebene  Lateinbuch  ein  buntes  Gemisch  der  verschie- 
densten Teile.  Woher  diese  Erscheinung?  Zum  Teile  gibt  uns 
schon  der  Titel  des  Memorials  auf  diese  Frage  Aufschluß,  noch 
mehr  aber  der  Inhalt  der  Rubriken:  I^ ;  Ig  und  111^.  Darnach  ent- 
hält vorliegendes  Memorial  solche  Teile,  die  „übrig  geblieben" 
(60*23)  sind,  also  ursprünglich  für  ein  anderes  ürkundenbuch 
bestimmt  waren.  Und  zwar  bildete  das  Buch  der  Neun  Felsen  sowie 
„die  andern  Materien  und  Kapitel",  d.  h.  die  Kap.  86-88,  einen  Teil 
eines  lateinischen  Memorials  („una  parlicularum  pertinencium  in 
lalinum  memorialem  librüln").  Noch  genauer  wird  der  Grund 
angegeben,  warum  gerade  der  Hauptbestandteil  der  Handschrift, 
die  Neun  Felsen,  „übrig  geblieben"  sind  —  „manserunt  remanentes 
et  extra  stantes",  wie  der  lateinische  Ausdruck  dafür  lautet  (49*15). 
Der  Grund  war,  weil  der  lateinische  Text  „ettewas  missehillet 
dem  tütschen  an  abgebrochenen  worten  und  zügeleiten  glosen  us 
der  geschrift"  (48*2)  —  quia  Über  haruin  novem  rupium  in  verbis 


37 

non  ex  loto  cum  vulgari  theutonico  concordat,  prout  eadem  verba 
a  sui  principio  a  spiritu  sancto  processerunt"  (49*13). 

Beide  lateinischen  Bücher  waren  zum  Ausleihen  bestimmt  an 
solche  Personen,  die  „gerne  latine  lesent  und  nüt  minne  haut  zu 
tütschen  büchern  und  ouch  gerne  die  weit  flühent  und  ir  leben 
bessertent"  (60*27).  Auch  über  diese  Bücher  sollten  die  drei  Pfleger 
freies  Verfugungsrecht  haben.  Sie  können  sie  ausleihen  „wo  und 
weihen  lüten  sü  truwent  das  es  nütze  sige  und  fruht  bringe" 
(60*35),  nur  muß  es  ihre  Sorge  sein,  daß  die  Bücher  wieder  zu- 
rückgegeben werden.  Der  Verfasser  der  Handschrift  vergißt  wei- 
terhin nicht,  die  drei  Pfleger  auf  die  „Würdigkeit**  des  Hauses 
aufmerksam  zu  machen  und  sie  zu  ermahnen,  in  Eintracht  unter 
einander  das  Haus  in  jener  Ordnung  aufrecht  zu  halten,  wie  die 
erlauchten  Stifter  des  Hauses  es  angeordnet  haben ;  denn  die  Pfleger 
sind,  gleichsam  die  drei  Pfeiler,  auf  denen  das  ganze  Haus  steht, 
und  darum  sollten  sie  die  Brüder  oder  den  Orden  „nüt  trengen 
noch  besweren  mit  keinre  fremder  unzimelicher  vorderunge*' 
(62*28),  was  dem  Pflegerbrief  widersprechen  und  Veranlassung 
gäbe,  daß  „der  orden  deste  ungewilliger  und  widerspenlger  würde 
die  schuldigen  artickele  des  besigelten  briefes  zu  haltende,  darus 
ouch  danne  entspringe  und  ufstünde  nit  und  blost  und  zweyunge 
und  manigerlei  unfride  und  vientliche  ufsetze"  (62*35),  wodurch 
der  von  den  erlauchten  Stiftern  des  Hauses  eingeführte  Gottes- 
dienst gestört  und  das  Haus  dem  Verfall  entgegen  ginge. 

So  zeigen  Inhalt  und  Entstehungsweise  der  Handschrilt  deutlich, 
daß  wir  es  hier  nicht  mit  einem  einheitlichen  Gebilde  zu  tun 
haben.  Um  so  wichtiger  ist  es  deswegen  für  die  Beurteilung  der 
Handschrift, 

e)  die  Vorlagen  kennen  zu  lernen,  auf  denen  sie  fußt. 

Schon  oben  haben  wir  gesehen,  daß  der  Hauptbestandteil  der 
Handschrift,  die  Neun  Felsen,  einen  Teil  eines  lateinischen  Memo- 
rials bildeten,  dort  aber  herausgenommen  wurden,  weil  sie  mit  dem 
deutschen  Text  nicht  überemslimmten.  Ein  deutscher  Text  der 
Neun  Felsen  begegnete  uns  auch  im  Großen  Deutschen  Memorial 
Auch  dieser  deutsche  Text  war  ursprünglich  nicht  für  das  Große 
Deutsche  Memorial  bestimmt,  da  die  Neun  Felsen  nur  in  lateinischer 
Sprache  geschrieben  bleiben  sollten  (35*24).    Aus  dieser  Ersctv^v- 


nung  kann  man  wohl  mit  Grund  den  Schluß  ziehen,  daß  beides: 
die  Herausnahme  des  lateinischen  Textes  aus  dem  Lateinisehen 
Memorial  und  die  Hinzufüguug  des  deutschen  Textes  in  das  Große 
Deutsche  Memorial  in  einem  ursächlichen  und  zeitlichen  Zusam* 
menhang  steht,  d.  h.  die  Umwandlung  des  Großen  Deutsschea 
Memorial  fällt  zeitlich  mit  der  Umwandlung  des  Ersten  Lateinischen 
Memorials,  aus  welchem  die  beiden  Übriggebliebenen  Lateinbücher 
gebildet  wurden,  zusammen.  Doch  das  lateinische  Exemplar  der 
Neun  Felsen  sollte  nicht  allein  im  Ubriggebltebenen  Lateinbuch 
sein  Dasein  fristen,  es  wurde  nochmals,  aber  jetzt  nach  der 
deutschen  Vorlage,  in  das  „grosse  latine  memoriale  buch  des  huses 
zu  dem  Grünenwerde*'  geschrieben. 

Der  Verfertiger  der  Handschrift  erwähnt  ferner  „die  drei 
ürkimdenbücher  des  Hauses  zum  Grünenwörth",  worunter  nur 
die  im  Großen  Deutschen  Memorial  aufgeführten  verstanden  werden 
können:  Das  Lateinische-,  Große  Deutsche-  und  Kleine  Deutsche 
Memorial.  Auch  lagen  ihm  die  Pflegermemoriale  bereits  vor,  deren 
Inhalt  wir  kennen  und  deren  27.  Kapitel  mit  Ausnahme  des  Ein- 
gangs  und  einiger  kleineren  Textveränderungen  aus  dem  vor- 
liegenden Übriggebliebenen  Lateinbuch  stammt 

Die  Bemerkungen  über  das  Grab  und  das  Wappen  Wer- 
ners von  Hüneburg  haben  wir  bereits  im  Großen  Deutschen 
Memorial  vorgefunden.  Der  Verfasser  erwähnt  außerdem,  daß  diese 
Bemerkungen  stehen  auf  dem  „aller  ersten  vorgonden  blat  in  dem 
tatschen  Urkunde  buche"  (63*17),  während  auf  der  Rückseite 
dieses  „ersten  Blattes"  das  Wappen  des  von  Hüneburg  gemalt 
sei.  Im  Großen  Deutschen  Memorial  finden  wir  dieses  Wappen 
nicht  auf  der  Rückseite  des  „ersten  Blattes",  sondern  Bl.  5^; 
ebenso  stehen  die  sich  darauf  beziehenden  Stellen  nicht  auf  dem 
„ersten  Blatte"  des  Großen  Deutschen  Memorials,  sondern  BL  4**-5*. 
Darnach  sind  entweder  die  fünf  ersten  Blätter  des  Großen  Deutschen 
Memorials  erst  nach  dem  Übriggebliebenen  Lateinbuch  an  Stelle 
anderer  Blätter,  deren  erstes  das  Wappen  der  Hüneburg  trug, 
getreten,  oder  aber  das  hier  angezogene  „tütsche  Urkunde  buch" 
ist  —  was  das  wahrscheinlichere  ist  —  das  „Kleine  Deutsche 
Memorial"  oder  das  „dritte"  Urkundenbuch  des  Johanniterhauses, 
da  wir  aus  14*4  wissen,  daß  auch  „in  dem  kleinen  Urkunde  buche 


39 

und  in   etlichen  andern  büchern"  das  Wappen  der  Herren  von 
Hüneburg  gemalt  war. 

f)  Der  Redaktor  der  Handschrift.  Aus  dem  schon 
oben  gemachten  Hinweis,  daß  die  Handschrift  in  ihrem  Äußern 
dieselbe  Ausstattung  zeigt  wie  das  Große  Deutsche  Memorial:  in 
Schrift,  Kapiteleinteilung,  Zahl  der  Zeilen,  Ausruhrung  der  Ini» 
tialen  usw.,  und  beide  auch  ihrem  Inhalt  nach  in  einem  ge- 
wissen Verhältnis  zu  einander  stehen,  folgt  notwendig,  daß  der 
Redaktor  beider  identisch  sein  muß.  Dies  ist  aber  nie- 
mand anders  als  Nikolaus  von  Löwen.  57*27  spricht  der 
Verfasser  von  einem  Briefe,  den  ein  Kaufmann  eigenhändig  an 
einen  von  den  Priestern  geschrieben  hat,  „qui  primo  Viridem-In- 
sulam  inhabitaverunt'.  Unter  den  „ersten  Priestern  des  Johanniter- 
hauses"  nennt  sich  aber  immer  NikolausvonLöwenim  Bunde 
mit  Claus  Zorn-Lapp  und  Heintz  von  Andlau.  Ebenso 
ist  59*22  von  einem  Briefe  die  Rede,  welchen  ein  alter  Mönch 
von  Altdorf  „uni  Johannitarum  commoranti  in  Viridi-Insula**  ge- 
schrieben hat.  Gleich  darauf  folgt  die  Abschrift  dieses  Briefes 
mit  der  Adresse:  Frater  Burghardus,.  fratri  Nicholao  sa- 
lutem."  Der  Brief  ist  also  an  Nikolaus  von  Löwen  gerichtet, 
der  als  Redaktor  des  ganzen  Übriggebliebenen  Lateinbuchs  an- 
zusehen ist. 

g)  Entstehungszeit.  Die  Handschrift  selbst  bietet  keine 
sicheren  Anhaltspunkte  dafiir,  wann  ihr  Hauptbestandteil,  das  Buch 
der  Neun  Felsen,  entstanden  ist.  Dies  werden  wir  erst  dann  ge- 
nauer feststellen  können,  wenn  wir  jenes  lateinische  Memorial 
und  seine  Entstehungszeit  kennen,  dem  die  Neun  Felsen  ent- 
nommen sind.  Dagegen  können  nach  Bl.  48^  (59*25)  die  Kapitel 
86-88  nicht  vor  1385  geschrieben  sein.  Berücksichtigt  man  noch, 
daß  in  den  der  Handschrift  später  beigefügten  Blättern  bereits 
von  den  drei  Urkundenbüchern  des  Johanniterhauses  (60*23)  und 
den  drei  Pflegermemorialen  (61*2)  die  Rede  ist,  dann  wird  man 
die  Entstehungszeit  des  Übriggebliebenen  Lateinbuchs  nach  1390 
ansetzen  dürfen,  also  in  dieselbe  Zeit,  in  welcher  auch  das  Große 
Deutsche  Memorial  seine  Umwandlung  erfahren  hat. 

Neben  dem  eben  beschriebenen  Memorial  bestand  noch  ein 
anderes  mit  gleichem  Titel,  aber  verschiedenem  Inhalt.  Wir  be- 
zeichnai  es  als 


40 

Das  erste  Übriggebliebene  Lateinbuch. 

Es  war  angelegt  in  derselben  „forme  und  grosse"  (60*21), 
wie  das  genannte,  hatte  aber  doppelt  soviel  Sexteraionen,  zählte 
also  im  ganzen  8  Lagen  oder  96  Pergamentblätter.  Von  seinem 
Inhalte  wird  gesagt,  es  enthalte  „die  ernuwerunge  und  der  Stifter 
leben  und  die  andern  materien,  ...  die  überblibent  an  den  drien 
Urkunde  büchern  des  huses  zu  dem  Grünenwerde".  An  einer 
andern  Stelle  heißt  es,  es  handle  „von  der  ernuwerunge  und 
der  Stifter  leben  und  den  andern  materien,  die  des  huses  wür- 
dikeit-  bewerent"  (48*20).  Demnach  enthielt  das  erste  Übrig- 
gebliebene Lateinbuch  zunächst  „die  ernuwerunge",  d.  h.  die  Grün- 
dungsgeschichte des  Johanniterhauses;  sodann  „der  Stifter  leben", 
d.  h.  das  Büchlein  von  den  Vier-Jahren  und  das  Fünf-Mannen- 
buch,  im  ganzen  also  die  drei  Materien  (Kap.  1-23)  des  oben 
besprochenen  Pflegermemorials.  In  sofern  ist  es  richtig,  wenn 
Nikolaus  von  Löwen  sagt,  daß  „dise  zwey  überblibene  latine  bücher 
boncordierent  und  gliche  hellent  in  allen  den  materien,  alse  es  die 
vorgeschriebenen  drie  weltlichen  pflegere  zu  tütsche  geschrieben 
haut  ir  iegelicher  in  eime  sundern  buche"  (61*1).  Allein  das  erste 
Lateinbuch  enthielt  auch  noch  „andere  materien,  die  des  huses 
würdikeit  bewerent".  Welches  diese  Materien  waren,  wird  nir- 
gends genauer  angeführt.  Wir  wissen  nur,  daß  sie  in  den  „drien 
Urkunde  büchern"  standen.  Weiterhin  läßt  sich  aus  dem  zweiten 
Lateinbuch  schließen,  daß  auch  das  erste  vorn  eine  Rubrik  ent- 
hielt mit  einem  florierten  H.  (60*25),  in  welcher  der  Grund  genannt 
war,  warum  es  „übrig  geblieben"  ist,  und  am  Schlüsse  die  „Ord- 
nung*'  der  Übriggebliebenen  Lateinbücher  desselben  Inhalts,  wie 
das  zweite  Übriggebliebene  Lateinbuch  (48*23). 

Auf  „die  andern  Materien"  des  ersten  Übriggebliebenen  La- 
teinbuches führt  uns  die  Handschrift  L  als  96  der  Straßburger 
Universitätsbibliothek.  Bei  der  Benützung  dieser  Handschrift  für 
unsere  Zwecke  ist  jedoch  große  Vorsicht  notwendig,  da  Götzmann 
—  der  Verfasser  der  Handschrift  —  neben  dem  hier  in  Frage 
kommenden  ersten  Lateinbuch  —  bei  ihm  kurz  Lateinisches 
Memorial  genannt  —  noch  andere  deutsche  Urkundenbücher  des 
Johaimiterhauses  benützte,  bald  Stücke  des  einen,  bald  solche  des 
andern  exzerpierte,  bezw.  aus  dem  Lateinischen  ins  Deutsche  über- 


41 

setzte  und  zu  all  dem  selbst  noch  Zusätze  und  Erläuterungen  in 
Parenthesen,  die  nur  zu  leicht  ausgelassen  werden  konnten,  bei- 
fügte. Für  uns  kommt  es  zunächst  darauf  an,  den  Inhalt  des  von 
Götzmann  benützten  „Lateinischen  Memorials"  kennen  zu  lernen, 
da  wir  daraus  den  Beweis  zu  erbringen  haben:  das  von  Götz- 
mann benützte  Lateinische  Memorial  ist  kein  anderes  als  das  erste 
Cbriggebüebene  Lateinbuch. 

Götzmann  erwähnt  in  keiner  Weise  den  Titel  seiner  lateini- 
schen Vorlage.  Er  spricht  in  seinem  Vorworte  nur  von  einem 
Lateinischen  Memorial  und  stellt  ihm  ein  Deutsches  Memorial 
gegenüber.  In  allen  Stücken,  in  welchen  das  lateinische  und 
deutsche  übereinstimmten,  folgte  er  dem  deutschen,  nur  diejenigen 
Kapitel,  welche  allein  in  seiner  lateinischen  Vorlage  standen,  über- 
setzte er.  Das  von  Götzmann  benützte  „Deutsche  Memorial"  kann 
nach  den  Angaben  Götzmanns  nur  eine  Abschrift  eines  der  Exem- 
plare des  Pflegermemorials  gewesen  sein.  Daneben  erwähnt  Götz- 
mann noch  das  „Bruderschaftsbuch"  und  den  „Liber  \itae"  oder 
das  Totenbuch  des  Johanniterhauses. 

Das  Lateinische  Memorial  trug  auf  dem  Rücken  das  Biblio- 
thekszeichen A,  das  Pflegermemorial  das  Zeichen  C,  das  Bruder- 
schaftsbuch das  Zeichen  F,  während  Götzmann  das  Bibliotheks- 
zeichen des  „Liber  vitae"  oder  Nekrologiums  nicht  angibt.  Diese 
vier  Bücher  waren  die  einzigen,  welche  Götzmann  bei  Beginn 
seiner  Arbeit  kannte.  Bald  jedoch  wurde  er  auch  auf  das  Große 
Deutsche  Memorial  aufmerksam,  das  nach  seinen  Angaben  mit  B 
bezeichnet  war.  Sobald  er  nun  inne  geworden,  daß  dieses  deutsche 
in  manchen  Materien  mit  dem  lateinischen  übereinstimmt,  erspart 
er  sich  die  Mühe  des  Ubersetzens,  um  nun  dem  Großen  Deutschen 
Memorial  zu  folgen.  Sein  von  ihm  benutztes  Memorial  hatte  näher- 
en folgenden  Inhalt  (225*1  ß".) : 

I.)  Kap.  1-12(?):    Gründungsgeschichte    des    Hauses   (nach 

deutscher  Vorlage). 

U.)  Kap.  13-24:  Meisterbuch  (nach  lateinischer  Vorlage). 

a)  13:  Begleitbrief. 

b)  14-19:  Meisterbuch. 


42 

c)  20-23:  Vier  Predigten: 

20 :  Predigt  auf  St.  Gertrud. 
21:        „        „  Sonntag  Judica. 
22:        „        ,,    das  hl.  Altarsakrament 
23:  Klausnerinnenpredigt 

d)  24:  Schluß:  Tod  des  Meisters. 

III.)  Kap.  25-28 :  Buch  von  den  Vier  Jahren. 

a)  25:  Vorwort,  (lateinische  Vorlage?) 

b)  26-28:  Text  der  Vier  Jahre  (deutsche  Vorlage). 

IV.)  Kap.  29-31: 

a)  29 :  Strafung  Rulmann  Merswins  (lateinische  und 

deutsche  Vorlage). 

b)  30:  Vogehiest  (lateinische  Vorlage). 

c)  31:  Ermahnung  an  die  Brüder  (lateinische  Vor -^ 

läge). 
V.)  Kap.  32-38 :  Fünf-Mannenbuch  (nach  deutscher  Vorlage). 

VI.)  Kap.  39-51:  Zwei-Mannenbuch  (lateinische  und  deutsche 

Vorlage). 

VII.)  Schluß:  Nachtrag,  den  Götzmann  mit  den  Worten  einfuhrt: 
„Nach  dem  51.  Kapitel  im  lateinischen  folgt  die  Beschreibung  des 
Lebens  der  heiligen  Jungfrauen  und  Martyrin  Quitaria.  Nach  diesem 
folgt  ein  kurzer  Begriff  von  der  Stiftung  und  Ordnung  des  Hauses  zum 
Grünen-Wörth  und  Ermahnung  an  selbs  Hauses  Brüder  und  die 
drei  Pfleger  auf  deutsch  und  sodann  folgende  deutsche  Reime: 
„Alle  menschen  die  cristen  namen  hant .  . . .". 

Demnach  bestand  Götzmanns  Exemplar  des  Memorials  aus 
51  Kapiteln,  dem  ein  Nachtrag  folgte.  Prüfen  wir  nun,  ob  dieser 
Inhalt  mit  den  Angaben  übereinstimmt,  den  wir  bereits  vom  ersten 
Übriggebliebenen  Lateinbuch  kennen.  Es  enthält  Kapitel  1-12: 
die  Gründungsgeschichte;  Kapitel  25-28  und  32-38:  das  Leben 
der  beiden  Stifter  und  aulJerdem  noch  „andere  Materien",  von 
welchen  man  mit  vollem  Recht  den  Ausdruck  gebrauchen  kann» 
daß  sie  des  „Hauses  Würdigkeit"  bewähren,  also  alle  jene  Mate- 
rien, die  im  zweiten  Lateinbuch  als  Inhalt  des  ersten  Übriggeblie- 
benen Lateinbuchs  angegeben  sind.  Wenn  sodann  Götzmann  noch 
„einen  kurzen  Begriff  von  der  Stiftung  und  Ordnung  des  Hauses . . . 
auf  deutsch"   anführt,    so    dürfen  wir    darin  die  Stelle  60*26  ff. 


43 

verstehen.  Das  Gedicht :  „Alle  Menschen  . . ."  bildet  den  Schluß ;  es 
isturw  bereits  aus  dem  Pflegermemorial  bekannt  (160*5).  Nur  eine 
Lebensbeschreibung  der  hl.  Quitaria  ist  uns  bis  jetzt  nicht  be- 
gegnet, sie  korrespondiert  aber  mit  dem  88.  Kapitel  des  zweiten 
Lateinbuchä  (59*19),  das  die  Lebensbeschreibung  eines  heiligen 
Mannes  zum  Gegenstande  hat.  So  liegt  denn  der  Schluß  nahe: 
Götzmann's  lateinische  Vorlage  ist  das  erste  Übriggebliebene  La- 
teinbueh.  Noch  deutlicher  wird  dieser  Schluß,  wenn  wir  näher 
eine  Bemerkung  Nikolaus  von  Löwens  über  die  beiden  Übriggeblie- 
benen Lateinbücher  ins  Äuge  fassen.  Mit  aller  Klarheit  betont 
er,  daß  beide  Übriggebliebenen  Lateinbücher  „über  blibent  an  den 
drien  Urkunde  büchern  des  huses  zu  dem  Grünenwerde''  (60*23),' 
oder  mit  andern  Worten:  Beide  Übriggebliebenen  Lateinbücher 
bildeten  ursprünglich  Bestandteile  der  drei  Urkundenbücher;  diese 
sind  aber  das  Lateinische-,  das  Große-  und  das  Kleine  Deutsche 
Memorial.  Von  diesen  dreien  scheiden  sofort  das  Große-  und 
das  Kleine  Deutsche  Memorial  aus,  da  sie  nur  Stücke  in 
deutscher  Sprache  enthalten.  Es  bleibt  nur  noch  das  Erste 
Lateinische  Memorial,  dessen  Inhalt  im  Großen  Deutschen  Memo- 
rial genau  wiedergegeben  ist  (17*25).  Eine  Vergieichung  dieses  In- 
halts mit  demjenigen  der  beiden  Übriggebliebenen  Lateüibücher  zeigt 
nun  vollständige  Übereinstimmung.  Damit  wäre  der  Beweis  erbracht: 
Erstes  Übriggebliebenes  Lateinbuch  +  zweites  Übriggebliebenes 
Lateinbuch  =  Erstes  Lateinisches  Memorial;  aufgelöst  lautet 
diese  Formel:  das  Erste  Lateinische  Memorial,  das  zeitlich  und 
sachlich  die  Grundlage  aller  späteren  Memorialbücher  bildet,  wurde 
von  Nikolaus  von  Löwen  in  zwei  Teile  geteilt;  aus  dem  einen 
Teil  (Kapitel  1-51)  wurde  das  erste  Übriggebliebene  Lateinbuch, 
aas  den  Neun  Felsen  dagegen  das  zweite  übriggebliebene  Latein- 
buch gebildet  und  beide  mit  Zusätzen  und  Nachträgen  versehen. 
Wir  haben  oben  das  Große-  und  das  Kleine  Deutsche  Me- 
morial von  unserer  Betrachtung  ausgeschieden,  aber  auch  wenn 
man  diese  zu  Hilfe  nimmt,  so  bleibt  der  Ausdruck  Nikolaus 
von  Löwens  zu  Recht  bestehen,  daß  beide  Übriggebliebenen  Latein- 
bücher übrig  geblieben  sind  „an  den  drien  Urkunde  büchern'S  da 
ja  das  Kleine  Deutsche  Memorial  nur  eine  Übersetzung  des  latei- 
nischen bildete  und  auch  im  Großen  Deutschen  Memorial  manche 
Bestandteile  des  Lateinischen  Memorials  wiederkehren. 


44 

Um  Mißverständnissen  vorzubeugen,  sei  noch  darauf  hinge- 
wiesen, daß  mit  dem  von  uns  gewählten  Ausdrucke  „erstes  und 
zweites  ÜbriggebUebenes  Lateinbuch"  keine  zeitliche  Aufeinander- 
folge ausgedrückt  werden  soll.  Beide  entstanden  als  „Übriggeblie- 
bene Lateinbücher"  zu  gleicher  Zeit  und  zwar,  wie  des  näheren 
am  zweiten  Übriggebliebenen  Lateinbuch  bewiesen  wurde,  nach  1390. 

Vor  dieser  Zeit  bildeten  dieselben  ein  Ganzes,  das  wir  als 
das  älteste  lateinische  Memorial  bezeichnen  müssen.  Für  die 
ganze  Gottesfreundfrage  ist  demnach  seine  Textgestalt  von  der 
größten  Wichtigkeit  Was  jedoch  Götzmann  aus  demselben  mit- 
teilt, ist  sehr  wenig.  Der  lateinischen  Vorlage  folgt  er  sicher 
in  Kapitel  13-24  (Meisterbuch);  in  Kapitel  30  (Vogelnest)  und 
39  (Erstes  Kapitel  des  Zwei-Mannenbuchs).  Kapitel  31  allein 
ist  lateinisch  erhalten,  alles  andere  nur  in  Übersetzung.  Kapitel  25 
und  29  endlich  sind  eine  Mischung  des  lateinischen  und  deutschen 
Textes;  dabei  bietet  das  29.  Kapitel  die  größten  Schwierigkeiten, 
da  Götzmann  an  verschiedenen  Stellen  aus  demselben  Auszüge 
bringt.  Kapitel  1-12  (Chronik  des  Hauses),  26-28  (Vier-Jahre), 
32-38  (Fünf-Mannenbuch)  dagegen  sind  dem  Pflegermemorial  ent- 
nommen. In  Kapitel  40  folgt  er  vollständig,  in  41-50  auszugs- 
weise dem  Großen  Deutschen  Memorial;  außerdem  stammen  einige 
Zusätze  aus  dem  Bruderschaftsbuch.  Aus  allem  ist  ersichtUch, 
wie  schwer  es  fällt,  irgendwelche  zwingende  Schlüsse  aus  dem 
Text  des  Ersten  Lateinischen  Memorials,  wie  Götzmann  ihn  über- 
liefert, zu  ziehen.  Ein  sicherer  Fiihrer  wird  Götzmanns  Text  nur 
da  sein,  wo  derselbe  gegenüber  dem  der  späteren  Memorialbücher 
ein  Minus  aufweist. 

Wie  die  übrigen  Meniorialbücher  ist  auch  das  älteste  oder 
das  Erste  Lateinische  Memorial  erst  nach  dem  Tode  Rulmann 
Merswins  angelegt  worden,  es  erzählte  ja  an  verschiedenen  Stellen 
vom  Tode  Rulmanns.  Ebenso  steht  außer  Zweifel,  daß  Nikolaus 
von  Löwen  sein  geistiger  Urheber  ist,  denn  das  erste  Übriggeblie- 
bene Lateinbuch  stimmte  mit  dem  zweiten  in  Größe  und  Gestalt 
und  in  der  ganzen  Anlage  überein,  kann  demnach  auch  nur  den 
gleichen  Urheber  haben  wie  letzteres,  das  ist  Nikolaus  von 
Löwe  n. 


45 


4.  Das  Große  Lateinische  MemoriaL 

Das  Erste  Lateinische  Memorial,  das  allen  übrigen  Urkunden» 
büchern  des  Johanniterhauses  zeitlich  wie  sachlich  voranstand, 
hatte  dem  Plane  Nikolaus  von  Löwens  weichen  müssen.  Es 
wurde  seiner  fdlirenden  Stellung  enthoben  und  mit  dem  Namen 
„übriggebliebene"  Lateinbücher  belegt  An  seine  Stelle  trat  ein 
anderes  Memorial  mit  verbessertem,  der  deutschen  Vorlage  ent- 
sprechenderem Text.  Dieses  Urkundenbuch  ist  das  „Große  Latei- 
nische Memorial".  Mit  voller  Klarheit  wird  von  den  Neun 
Felsen  gesagt,  weil  sie  mit  dem  deutschen  Text  nicht  überein- 
stimmten, wurden  sie  „anderwerbe  in  das  grosse  latine  memoriale 
buch  des  huses  zu  dem  Grünenwerde  geschriben  von  worte  zu 
Worte  glich  dem  tütschen,  alse  es  us  dem  heiligen  geiste  kum- 
men  ist"  (48*4).  Der  Ausdruck  „grosses  latine  memoriale"  begegnet 
uns  hier  zum  erstenmale. 

Was  für  ein  Urkundenbuch  darunter  zu  verstehen  sei,   ist 
die  Frage,  die  uns  beschäftigt.    Dabei  müssen  wir  festhalten,  daß 
die  Neun  Felsen  ursprünglich  ein  Teil  des  Ersten  Lateinischen 
Memorialbuchs  waren.    Man  könnte  nun  zunächst  denken,  daß 
dieser  Teil  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  dort  herausgenom- 
men und  abermals,  nur  in  anderem  Wortlaute,  in  das  gleiche 
Erste  Lateinische  Memorialbuch  eingefügt  wurde.     Dann  müßte 
das  hier  erwähnte  „grosse  latine  memorial"  mit  dem  Ersten  La- 
teinischen Memorial  identisch  sein.    Das  könnte  jedoch  nur  dann 
der  Fall  sein,  wenn   die  übrigen  Teile  des  Ersten  Lateinischen 
Memorials  intakt  geblieben  wären.    Allein  das  Ergebnis  des  vor- 
hergehenden Kapitels  zeigte  uns,  daß  wie  aus  dem  letzten  Teil 
des  Ersten  Lateinischen  Memorials,  den  Neun  Felsen,  das   eine 
übriggebUebene  Lateinbuch  gestaltet  wurde,  so  wurde  aus  den 
übrigen  Teilen  das  andere  Übriggebliebene  Lateinbuch   gebildet 
und  dessen  Materien  analog  den  Neun  Felsen  „anderwerbe  in  das 
grosse  latine  memorial"  übertragen.    Daraus  folgt  aber,  daß  das 
ngroße  latine  memorial"  ein  von  dem  Ersten  Lateinischen  Memo- 
rial verschiedenes  Urkundenbuch  sein  muß.    In  diesem  Sinne  ist 
der  Text  des  lateinischen  Prologs  der  Neun  Felsen  zu  interpre- 
tieren.   Dort  heißt  es:  „Hü  quatuor  sexterni  de  novem  rupibus 
cum  alüs  sequentibus  materiis  et  capitulis  fuerunl  uua  patlVcM- 


46 

larum  pertinenciutn  in  latinum  memorialem  librum"  (49'*'9).  Das  will 
besagen:  Die  beiden  Teile  des  zweiten  Übriggebliebenen  Lateinbuchs, 
die  Neun  Felsen  und  die  übrigen  Kapitel  (Kapitel  86-88)t  bildeten 
Bestandteile  eines  lateinischen  Memorials.  Nun  unterliegt  e&  keinem 
Zweifel,  daß  die  Kapitel  86-88  Bestandteile  eines  lateinischen 
Memorials  mit  wenigstens  88  Kapitel  waren.  Dieses  aber 
kann  nicht  mit  dem  Ersten  Lateinischen  Memorial  identisch 
sein,  dem  die  Neun  Felsen  entstammen,  denn  dieses  zählte  bloß 
61  Kapitel  +  Neun  Felsen.  Ebensowenig  kann  man  bezweifeln, 
daß  die  Kapitel  86-88  lediglich  in  das  zweite  Übriggebliebene  Latein- 
buch geschrieben  wurden,  um  dessen  leeren  Platz  auszufüllen, 
keineswegs  deswegen,  weil  sie,  wie  die  Neun  Felsen,  mit  der 
autentischen  deutschen  Vorlage  nicht  übereinstimmten.  Nikolaus 
von  Löwen  hätte  darum  das  Erste  Lateinische  Memorial  von 
jenem  unterscheiden  müssen,  dem  die  Kapitel  86*88  entstammen. 
Er  wirft  aber  beide  zusammen  und  benennt  beide  mit  dem  allge- 
meinen Ausdruck  „latinus  memorialis  liber*s  fährt  aber  dann  fort, 
nur  von  den  Neun  Felsen  zu  reden,  die  nach  verbessertem  Text 
„in  prenominatum  primum  scilicet  memorialem  librum^^  geschrieben 
wurden.  Im  Zusammenhange  mit  der  vorausgegangenen  Erörte- 
rung kann  mit  diesem  Ausdruck  nur  jenes  lateinische  Memorial 
gemeint  sein,  dem  die  Kapitel  86-88  entstammen,  d.  h.  das  „grosse 
latine  memoriale  buch".  Wir  haben  demnach  folgenden  einfachen 
Vorgang:  Nikolaus  von  Löwen  zerteilt  das  Erste  Lateinische 
Memorial  in  zwei  Teile  und  nennt  sie  erstes  und  zweites  Übrig- 
gebliebenes Lateinbuch.  Alsdann  legt  er  ein  neues,  textlieh  ver- 
bessertes Großes  Lateinisches  Memorial  an,  dessen  Inhalt  sich  im 
allgemeinen  mit  dem  Inhalt  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  deckt, 
fügt  später  jedoch  mehrere  Materien  und  Kapitel  hinzu,  sodaß  im 
Gegensatz  zum  ursprünglichen  Kleinen  Lateinischen  Memorial  ein 
„grosses  laline  buch''  entsteht. 

Von  diesem  Großen  Lateinischen  Memorial  kennen  wir  be- 
reits Kapitel  86-88,  welche  uns  dem  ganzen  Wortlaut  nach  erhalten 
sind  (55*14  ff.).  Diese  Kapitel  geben  uns  außerdem  einige  andere 
Anhaltspunkte  über  Inhalt  und  Gestalt  des  Großen  Lateinischen 
Memorials.  Wie  das  Pflegermemorial  war  es  in  „Materien*'  ge- 
schieden, von  denen  das  86.  Kapitel  die  „zehnte  Materie"  bildet. 
Weiterhin  wird  uns  der  Inhalt  vom  6.  und  9.  Kapitel  angedeutet. 


47 

Es  sind  Teile  der  Gründungsgesehichte  des  Hauses,  wovon  das 
6.  Kapitel  von  dem  Sakristeibau  handelt  —  „sacristia  que  post 
idem  tempus  edificata  est  cum  alio  novo  edificio  sicut  prescriptum 
est  in  sex to  capitulo"  (60*18) — , während  das  9.  Kapitel  die  große 
Würde  und  Heiligkeit  betont,  in  welcher  das  Johanniterhaus  ge- 
baut und  bis  auf  die  Zeit  des  Nikolaus  von  Löwen  geführt  wurde  — 
^ocus  Viridis-Insule  in  magna  sanctitate  ab  antiquo  usque  ad 
tempora  ista  deductus  est  et  inhabitatus  prout . . .  duo  antiqui 
octogaaarii  sacerdotes  de  Altdorf. . .  testificantur  nono  capitulo 
haius  presentis  libri'^  (59*26). 

Das  zweite  Übriggebliebene  Lateinbuch  fuhrt  uns  weiterhin  auf 
den  Inhalt  des  109.  Kapitels,  welches  das  Gedicht  des  JacobusRegalis : 
i,De  thesauris  summi  regis"  brachte  (oben  S.  35).  Wir  dürfen  an- 
nehmen, daß  mit  diesem  Gedichte  das  Große  Lateinische  Memorial 
schloß,  da  sich  darin,  wie  wir  auch  sonst  schon  gesehen  haben, 
<üe  Vorliebe  des  Nikolaus  von  Löwen,  mit  einem  Gedicht  den 
Abschluß  der  Handschrift  zu  bilden,  zeigt. 

Noch  auf  anderem  Wege  ist  es  uns  ermöglicht,  einen  Ein- 
blick in  Anlage  und  Inhalt  des  Großen  Lateinischen  Memorials  zu 
gewinnen.  Die  Handschrift  F,  die  wir  später  noch  genauer  zu 
besprechen  haben  werden,  spricht  von  „Bullen  und  Privilegien"  für 
die  Bruderschaft  des  Johanniterhauses,  welche  in  dem  „latinen 
urkundebuch"  geschrieben  stehen,  gezogen  „usser  dem  registro 
des  erwürdigen  geistlichen  herren  bruder  Cunrades  von  Brunsperg" 
(221*36).  Femer  wird  daselbst  die  Bulle  des  Papstes  Honorius 
nUna  cum  fratribus"  erwähnt,  die  „von  worte  zu  worte  ganz  ge- 
schrieben [ist]  in  dem  sehs  und  hundertsten  capitel  des  latinen 
Urkunde  buchs  zu  dem  Grünenwerde".  Ebenso  wird  kurz  darauf 
bestätigt,  daß  das  Große  Lateinische  Memorial  das  Gedicht  des 
Jacobus  Regalis  enthielt  (222*33). 

Aus  all  diesem  erhellt  zur  Genüge,  daß  an  Stelle  des  ersten, 

ältesten  lateinischen  Memorials  ein  anderes  trat,  das  nach  Inhalt 

und  Umfeng  mit  Recht  „das  grosse  latine  buch"  genannt  wird, 

da  es  wenigstens  109  Kapitel  und  mehr  als  10  Materien  enthielt. 

Über  seine  Entstehungszeit  und  seinen  Verfasser  kann  nach 

dem  Vorausgehenden  kein  Zweifel  bestehen.    Es  entstand  nach 

den  drei  Memorialbüchem  des  Hauses,  d.  h.  nach  1390,  und  geht 

wie  alle  übrigen  Memoriale  auf  Nikolaus  von  Löwen  zuT'\ieV.. 


48 

5.  Das  Kleine  Dentsche  Memorial 

Wie  in  der  Vorrede  zum  Großen  Deutschen  Memorial  aus- 
geführt ist,  war  das  Kleine  Deutsche,  allgemein  als  das  „dritte 
Urkundenbuch"  des  Johanniterhauses  bezeichnet,  eine  wörtliche 
Übersetzung  des  „Ersten  Lateinischen  Memorials"  (14*29).  Nur  fehlten 
das  Buch  von  den  Neun  Felsen,  das  Zwei-Mannenbuch  und  das 
Meisterbuch.  Es  enthielt  demnach  im  wesentlichen  die  drei  Mate- 
rien :  Gründungsgeschichte,  das  Buch  von  den  Vier-Jahren  und 
das  Fünf-Mannenbuch ;  außerdem  noch  drei  Artikel  oder  Ab- 
schnitte über  die  Ordensgelübde:  Armut,  Keuschheit  und  Gehor- 
sam, welch  letztere  im  Lateinischen  Memorial  nicht  standen.  Daß 
das  Kleine  Deutsche  Memorial  nur  eine  Übersetzung  des  Ersten 
Lateinischen  Memorials  ist,  wird  bestätigt  durch  das  Briefbuch. 
Dort  ist  davon  die  Rede,  daß  „die  hinderste  stroffunge"  Rulmanns 
im  Lateinischen  Memorial  das  29.,  im  Deutschen  Memorial  dagegen 
das  18.  Kapitel  bildet  (146*25),  was  sich  an  unserm  vorliegenden 
Kleinen  Deutschen  Memorial  bewahrheitet,  wie  folgende  Inhalts- 
übersicht zeigt: 

I.  Gründungsgeschiehte,  Kapitel  1-13  [statt  11  oder  12  des 
Lateinischen  Memorials.] 

II.  Leben  Rulmann  Merswins,  Kapitel  14-20: 

a)  Vorwort:  Kapitel  14. 

b)  Text:  Kapitel  15-17. 

c)  Stratung  Rulmanns:  Kapitel  18. 
dj  Vogelnest:  Kapitel  11). 

ej  Ermahnung  an  die  Brüder:  Kapitel  20. 

111.  Fünf-Mannenbuch,  Kapitel  21-27. 

Nachträge:  Kapitel  28:  Begleitschreiben  zum  Meisterbuch  und 
Sakramentspredigt,  die  Ordensregel  (Pflegerbrief?), 
drei  Abschnitte  über  Armut,  Keuschheit  und  Ge- 
horsam und  zuletzt   der  Stiftungsbrief  der  Frau 
Luitgard  von  Löwen  über  zwei  Ewigliehter:  1382 
März  12. 
Wie  wir  in  den   verschiedenen   vorausgehenden  Memorialen 
gesehen  haben,  zeigt   sich  auch   hier  die  Erscheinung,  daß   das 
Kleine  Deutsche  Memorial  im  Laufe  der  Jahre  mannigfache  Ände- 


49 

rangen  und  Zusätze  erfahren  hat  Daher  kommt  es,  daß  die  Grün* 
dungsgeschichte  statt  12,  13  Kapitel  umfaßt,  und  daß  das  28.  Kapitel 
des  „andern  kleinen  tütsehen  memoriale  büches"  (42*14)  den 
Brief  zum  Meisterbuch  sowie  die  Sakramentspredigt  enthält,  welche 
in  der  lateinischen  Vorlage  Teile  des  MeisterbuchsJ  waren.  Den 
Schluß  bildete  der  Stiftungsbrief  der  Frau  Luitgard  von  Löwen 
über  zwei  Ewiglichter  vom  12.  März  1382,  von  dem  es  im  Großen 
Deutsehen  Memorial  heißt,  daß  er  „zu  hinderste  in  dem  kleinen 
Urkunde  buche"  (12*4)  geschrieben  steht. 

Das  Kleine  Deutsche  Memorial  war  noch  nicht  vorhanden, 
als  Nikolaus  von  Löwen  den  ersten  Teil  des  Großen  Deutschen 
Memorials  anfertigte.  Erst  der  zweite  Teil  spricht  von  ihm.  Seine 
Entstehung  erklärt  sich  auf  folgende  Weise: 

Nachdem  Nikolaus  von  Löwen  den  ältesten  Teil  des  Großen 
Deutschen  Memorials  vollendet  hatte,  wollte  er  zur  Ergänzung 
dieses  Memorials  eine  Übersetzung  des  Ersten  Lateinischen  Me- 
morials bieten  mit  Ausnahme  der  Neun  Felsen,  des  Zwei-Mannen- 
und  des  Meisterbuchs.  Diese  drei  Traktate  brauchte  er  nicht  zu 
übersetzen,  da  jedes  derselben  in  einem  eigenen  deutschen  Büchlein 
im  Johanniterhause  vorhanden  war  (18*7 ;  19*7,24).  Eingehender 
berichtete  darüber  „die  rubericke  zu  aller  vorderst  in  dem  kleinen 
tütschen  buche'*  (35*24).  So  entstanden  die  ersten  27  Kapitel  des 
Kleinen  Deutschen  Memorials,  dem  einige  Nachträge  folgten,  die 
teils  dem  Meisterbuch  (Kapitel  28),  teils  andern  Traktaten  ent- 
nommen waren.  Bei  näherem  Zusehen  wurde  jedoch  Nikolaus 
von  Löwen  gewahr,  daß  der  lateinische  Text  der  Neun  Felsen, 
des  Zwei-Mannenbuchs  imd  Meisterbuchs  mit  den  vorhandenen 
deutschen  Büchern  nicht  übereinstimmte;  darum  zerlegt  er  das 
lateinische  in  die  „zwei  übriggebliebenen  Lateinbücher*'  und 
v^ollständigt  die  Sammlung  der  Traktate  des  Großen  Deutschen 
Memorials  durch  Hinzufügung  der  drei  Materien:  Neun  Felsen, 
Zwei-Mannenbuch  und  Meisterbuch.  Dadurch  entstand  der  zweite 
Teil  des  Großen  Deutschen  Memorials.  Nur  beim  Meisterbuch 
ließ  er  das  Begleitschreiben  und  die  Sakramentspredigt  weg,  da 
er  dieselben  schon  dem  Kleinen  Deutschen  Memorial  beigefügt  hatte. 

Der  Vergleich  des  Kleinen  Deutschen  Memorials  mit  dem 
^egermemorial  endlich  zeigt,  daß  es  mit  letzterem  wohl  in  den 
drei  Materiea:  Gründungsgeschichte  und  den  beiden  SüileT-\jfc\i«v\^ 


50 

nicht  jedoch  in  der  Anzahl  der  Kapitel  oder  deren  Wortlaut  über- 
einstimmt, aber  es  bildet  die  Vorlage  zu  den  drei  Pflegermerao- 
rialen  und  dem  Meistermemorial. 

Wie  das  Große  Deutsche  Memorial  ist  auch  das  Kleine 
Deutsche  Memorial  erst  nach  dem  Tode  Rulmanns  entstanden, 
kann  in  seinem  Hauptteile  vor  1385  vollendet  gewesen  sein,  hat 
aber  erst  in  den  neunziger  Jahren  seine  vollendete  Gestalt  erhalten. 


6.  Das  Brief bnch. 

Wer  in  der  Erklärung  des  sogenannten  Briefbuchs  allein  auf 
die  Auszüge  angewiesen  ist,  welche  KarlSchmidtin  seinem  „Niko- 
laus von  Basel"  und  in  den  „Gottesfreunden"  ediert  hat,  muß 
unumwunden  gestehen,  daß  er  vor  ein  unauflösbares-  Rätsel  ge- 
stellt ist.  Glücklicherweise  ist  das  Original  der  Handschrift  dem 
bei  der  Belagerung  Straßburgs  ausgebrochenen  Brande  entronnen. 
An  der  Hand  dieses  Originals  gilt  es  nun  ganz  neu  aufzubauen. 
Wir  werden  bald  sehen,  wie  das  Dunkel,  das  bisher  über  dem 
Briefbuch  lagerte,  sich  lichtet.  Auf  der  andern  Seite  wird  diese 
Untersuchung  aber  auch  zeigen,  wie  verantwortungsvoll  die  Arbeit 
dessen  ist,  der  ähnliche  Handschriften  wie  das  Briefbuch  ganz 
oder  im  Auszuge  zu  veröffentlichen  gedenkt. 

a)  Das  „Brief buch"  ist  uns  in  der  Handschrift  H  2185  des  Be- 
zirksarchivs zu  Straßburg  erhalten.  Die  Handschrift  zählt  nach  neue- 
ster Nummerierung  83  Bll.  Um  dem  Einband  einen  besseren  Halt 
zu  geben,  wurde  wie  im  ersten  Übriggebliebenen  Lateinbuch  je 
ein  Pergamentblatt  am  Anfang  und  Ende  der  Handschrift  bei- 
gefügt und  auf  der  Innenseite  des  Deckels  aufgeklebt.  Beide 
Blätter  wurden  von  mir  losgelöst.  Dabei  zeigte  sich  die  aufge- 
klebte Seite  des  vorderen  Blattes  als  unbeschrieben.  Auf  der 
nich taufgeklebten  Seite  dagegen  steht  ein  Bruchstück  von  einer 
Urkunde  Papst  Urbans  [VI.?],  worin  dieser  den  Propst,  Kantor 
und  Thesaurar  [von  StraßburgJ  beauftragt,  dem  Heinrich  ge- 
nannt B.  von  Ettenheim  bei  der  Erwerbung  einer  vom  Papste 
reservierten  Pfründe  behilflich  zu  sein.  Die  freie  Seite  des  am 
Schlüsse  der  Handschrift  angebrachten  Pergamentblattes  enthält 
die  eigenhändige  Lebensbesehreibung  des  Nikolaus  von  Löwen. 
Die  Rückseite  dieses  Blattes  ist  mit  Namen  einiger  Straßburger 


51 

Familien  beschrieben,  die  für  unsere  Zwecke  nicht  in  Betracht 
Jkonunen. 

Das  Corpus  der  Handschrift  besteht  aus  6  Lagen,  von  denen 
die  erste  Lage  3  Doppelblätter,  die  Lagen  2-6  je  6  Doppelblätter 
zählen.  Spuren  der  ursprünglichen  Lagenzählung  sind  nicht  er- 
kennbar. In  die  Handschrift  sind  außerdem  zwei  selbständige 
Büchlein  eingefügt:  das  Fünf-Mannenbuch  und  die  Vier-Jahre. 
Ersteres  ist  in  der  Mitte  der  ersten  Lage  angebracht  und  füllt 
jetzt  BL  4-11.  Das  Büchlein  von  den  Vier-Jahren  Rulmann  Mer- 
swins  dagegen  ist  in  der  Mitte  der  dritten  Lage  eingenäht,  jetzt  auf 
BL  33-44.  Diese  zwei  Büchlein  werden  wir  einstweilen  außer 
Betracht  lassen,  da  wir  weiter  unten  auf  sie  zurückkommen  müssen. 

Zu  der  Handschrift  wurde  teils  Pergament,  teUs  Papier  ver- 
wendet. Bei  der  ersten  Lage  sind  die  beiden  äußeren  Blätter  aus 
Pergament,  das  mittlere  Papier;  bei  der  Lage  2-4  besteht  je  das 
äußerste  und  das  innerste  aus  Pergament,  wodurch  die  dazwischen- 
liegenden Papierblätter  sehr  gut  geschützt  wurden;  bei  Lage  5 
nnd  6  endUch  ist  nur  das  mittlere  ein  Pergamentblatt. 

Das  Pergament  wie  das  Papier  ist  liniiert:  die  Pergament- 
blätter durchschnittüch  zu  35  Zeilen,  die  Papierblätter  dagegen 
niit  39-41  Zeilen.  Auf  die  Anfertigung  dieses  Memorials  wurde 
bei  weitem  nicht  jene  Sorgfalt  verwendet,  die  wir  bei  den  bisher 
betrachteten  Memorialbüchern  gefunden  haben.  An  Stelle  des 
Pergaments  tritt  das  bilUgere  Papier.  Und  auch  die  wenigen 
för  das  Briefbüchlein  verwendeten  Pergamentblätter  sind  sehr 
schlecht  und  minderwertig.  Das  ist  um  so  auffallender,  als  sein 
Inhalt  für  das  Johanniterhaus  stets  von  der  größten  Bedeutung 
Qnd  lebendigstem  Interesse  sein  mußte. 

Auch  in  der  Verwendung  von  Initialen  ist  das  Brief  büchlein 
sehr  sparsam.  Das  einzige  bemalte  Blatt  der  Handschrift  stammt 
^03  einem  anderen  Memorial  und  wurde  nur  zufälUg  hier  ange- 
fögt  (154*35).  Desgleichen  ist  die  Schrift  im  Gegensatz  zu  den  an- 
deren Urkundenbüchern  des  Johanniterhauses  sehr  flüchtig.  Viele 
Korrekturen  finden  sich,  vor  allem  von  Blatt  57  an.  Der  Original- 
änband  besteht  aus  einem  Holzdeckel,  der  mit  weißem  Leder 
üb^zogen  wurde  in  derselben  Größe  und  Ausstattung,  wie  der 
Einband  des  zweiten  ÜbriggebUebenen  Lateinbuchs.  Auf  der  Außen- 
seite des  hinteren  Deckels  ist  ein  kleiner  länglicher  Pei^am^tiV- 

4* 


52 

streifen  aufgeklebt  und  mit  den  Worten  beschrieben:  „Disist< 
Briefebüchel".  Die  noch  vorhandenen  Spuren  weisen  dar 
hin,  daß  dieser  Pergamentstreifen  ehemals  mit  Messingstäbcl 
umrahmt  und  mit  Marienglas  geschützt  war ;  wir  haben  demn; 
in  diesem  Punkte  dieselbe  Erscheinung  wie  beim  zweiten  Übi 
gebliebenen  Lateinbuch  (siehe  oben  S.  33). 

b)  Die  Handschrift  trägt  den  offiziellen  Titel  „Briefebüchei'S  Br 
büchlein,  und  zwar  deswegen,  weil  in  ihm  „versammelt  sint  i 
die  missyven,  die  der  liebe  verborgene  gottesfrünt  in  Oberli 
Rüleman  Merswines  unsers  Stifters  seligen  heimelicher  geselle^ 
zu  mole  herabe  geschriben  het  den  priestern  und  personen  zu  d 
Grünenwerde"  (64*1).  Betrachtet  man  jedoch  den  Inhalt  der  gan: 
Handschrift,  so  kann  man  diesen  Titel  keineswegs  als  zutreffe 
bezeichnen,  denn  von  den  83  Blättern  ist  nicht  einmal  der  dr 
Teil  mit  Briefen  beschrieben.  Mehr  als  zwei  Drittel  ist  bunt  dur< 
einander  gewürfelten  hihalts.  Ebensowenig  sind  hier  „alle"  Bri 
gesammelt,  welche  der  Gottesfreund  oder  Rulmann  je  geschriel 
haben,  denn  in  diesen  Briefen  wird  auf  verschiedene  andere  Bri 
verwiesen,  welche  nicht  im  Briefbuch  stehen. 

Der  Zweck,  den  die  Handschrift  zu  erfüllen  hatte,  war 
erster  Linie  ein  aszetisch-praktischer.  Überall  klingt  ( 
aszetische  Moment  durch:  die  Ermahnung  zum  Gehorsam,  Arm 
Einigkeit,  Abgeschiedenheit  und  anderm.  Daneben  sollte  die  Hai 
Schrift  Priestern  und  Laien  des  Grünenwörth  auch  erzählen  „\ 
den  werken  gottes  und  ettelicher  frömeder  offenborunge  und  \ 
maniger  leige  geschiht  ires  [der  Gottesfreunde]  und  ouch  unsi 
gebuwes,  wie  sich  die  verlöfTen  hant  sider  der  zit,  daz  dis  t 
zu  dem  Grünenwerde  wart  zu  dem  ersten  angefangen  zu  ( 
nuwende  (64*6). 

c)  Um  einigermaßen  eine  Übersicht  über  den  bunten  I  n  h  8 
des  Briet büchleins  zu  gewinnen,  kann  man  nicht,  wie  bisher, 
erster  Reihe  nach  sachlichen  Gesichtspunkten  vorgehen,  sonde 
nach  den  einzelnen  Lagen.  Darnach  besteht  sein  Inhalt  aus  f 
genden  Teilen: 

I.  Teil:  Lage  1  u.  2;  BL  1-26. 

1.  Erste  Hälfte  der  ersten  Lage:  Geschichtliche  Einle 
tung:  Der  Gottesfreunde  Aufenthaltsort  und  Romrei 
(Oo*n-'69''ll}. 


53 

2.  Einschiebsel  in  der  Milte  der  Lage:  Fünf-Mannenbuch. 

a)  Einleitung  und  Brief:  Bl.  3  (69*12-71*22). 

b)  Text  des  Fünf-Mannenbuchs :  Bl.  4*-ll*  (71*23). 

c)  Schlußwort  und  Nachtrag:  BL  11^  (71*28-72*32). 

3.  Zweite  Hälfte  der  ersten  Lage  und  ganze  zweite  Lage: 
Zehn  Briefe  mit  Schlußermahnung:  Bl.  12*-26^ 

a)  Zehn  Briefe:  Bl.  12»-25*  (73*1-99*37), 

a)  Brief  1-5:  Haus  und  Brüder  von  Grünenwörth  betr. 

Bl.  12^-17^  (73*1-84*19). 
ß)  Brief  6-10:  „Öme,  pflogen,  ufslag"  betr.;  Abschied  von 

den  Brüdern:  Bl.  17^-25*  (84*20-99*37). 

b)  Schluß: 

Ermahnung    auf   Grund    der    vorausgehenden    Briefe. 
Schlußworte:  „Das  widervare  uns  allen.  Amen"  {99*38- 

103*13). 

IL  Teil:    Lage  3;     BL  27-46. 

1.  Erste  Hälfte  der  Lage:  Brief  11-15:  BL  26»>-32a: 

a)  Brief  11-12:  an  den  Komtur:  BL26^-29a('iOc^i4.i08*7;. 

b)  „  13:     „     „        „      :Bl.  29^-32^  (108*8-114*3). 

c)  „    14-15 :  Auszüge.  Nachtrag :  BL  32^  (114*4-115*12). 

2.  Einschiebsel  in  der  Mitte  der  Lage. 

a)  Vorwort  zu  den  Vier-Jahren:  Bl  32^  (115*13-116*23). 

b)  Text  der  Vier-Jahre :  BL  33»-40^. 

c)  Prolog  zum  Meistermemorial  und  25.  Kapitel  des  Pfleger- 
memorials: Bl.  4^-44^  (116*24-120*6). 

3.  Rest  der  Lage:  Brief  16  u.  17:  BL44»-46^  (120*7-125*24). 
Nachtrag:  Pflegereid:  BL  46^  (125*25-126*23). 

IIL  Teil:  Lage  4;  BL  47-58. 

I.Brief  18-20  Nikolaus  von  Löwen  betreffend:  BL  47^-51^ 
(126*24-137*20). 

2.  Ermahnung  und  bist.  Nachrichten  über  die  Gottesfreunde : 
Bl  bl^'bb^  (137*21-148*22)  mit  Brief  21  als  Nachtrag: 
Nikolaus  von  Löwen  betreffend  (Bruchstück):  BL  55^-56* 
(148*23-149*16). 


54 

IV.  Teil:  Schluß  der  4.  Lage;  Lage5;  BL56*-70. 
Traktat  „Sehürebrand" :  Bl.  56»-70*  mit  den  histo- 
rischen Bemerkungen  über  „Beerenberg'*  Bl.  70^-71* 
und  Bloveldes  Regeln:  U^-n^  (149*17-151*11). 

V.  Schluß:  Lage  6:  Varia;  BL  71»-82^ 

1.  Figuren  und  Gedichte  des  Meistermemorials:  BL  73*-73^ 

(151*12-153*26). 
2-  Warnung,    die  Reue    nicht  zu  verschieben:   BL  74*-75^ 

(153*27-154*7). 

3.  Brief  22:  Nikolaus  von  Löwen  betr.,  auf  freiem  Platze 
nachgetragen:  BL  75^  (154*8-34). 

4.  Gedicht  auf  Jesu   Namen.     Gemaltes  Initial:  BL  76'-80^ 
(154*35-155*5). 

5.  Namen    der    drei    Pfleger    mit    vorausgehender    Rubrik: 
Bl.  80^-81*  (155*6-30). 

6.  Begleitbrief  des  Meistermemorials :  Bl.  82»  (155*31-156*25). 

7.  Lebensbeschreibung    des  Nikolaus  von  Löwen  (156*26- 
157*29). 

d)  Mit  zu  den  interessantesten  Kapiteln  in  der  Untersuchung  der 
Gottesfreundfrage  gehört  die  Betrachtung  der  Entstehungsweise 
des  Briefbuchs.  Sie  bietet  Momente,  welche  auch  für  die  allge- 
meine Quellenkritik  von  größtem  Werte  sind. 

Für  unsere  Zwecke  kommen  zunächst  nur  die  vier  ersten 
Lagen  der  Handschrift  in  Betracht;  mit  den  übrigen  Lagen  werden 
wir  uns  nur  insoweit  beschäftigen,  als  es  für  Klarlegung  unserer 
Frage  wichtig  ist. 

Aus  der  Handschrift  sind  zunächst  auszuscheiden: 
1.  Die  durchaus  selbständigen  Teile.  Dahin  gehören:  a)das 
Fünf-Mannenbuch  und  das  Büchlein  von  den  Vier-Jahren  Rulmann 
Merswins.  Ersteres  ist  in  der  Mitte  der  ersten  Lage  eingefügt 
(jetzt  Bl.  4-11) ;  letzteres  in  der  Mitte  der  dritten  Lage  (jetzt  Bl.  33-40). 
Beiden  geht  je  eine  Einleitung  voraus,  welche  sich  über  Inhalt 
und  Herkunft  des  eigenhändig  geschriebenen  Büchleins  verbreitet 
b)  Bl.  4P-44*  (116*27).  Nach  dem  Buch  von  den  Vier-Jahren  folgen, 
die  zweite  Hälfte  der  dritten  Lage  einleitend,  einige  Bestandteilet 
welche  Abschriften  aus  anderen  bereits  vorhandenen  ürkunden- 
büchem  bilden,  und  zwar  zunächst  der  Prolog  zu  dem  Memorialbuch 


55 

des  obersten  Meisters  samt  Inhaltsangabe,  darauf  das  25.  Kapitel 
des  Pflegermemorials,  welches  sich  über  die  zwei  Übriggebliebenen 
Lateinbücher,  ihren  Zweck  und  Bestimmung  verbreitet.  Warum 
diese  Materien  in  das  gegenwärtige  Briefbuch  abgeschrieben 
wurden,  gibt  der  Verfasser  nicht  an.  Zu  erklären  aber  ist  die 
Erscheinung  nur,  wenn  schon  vor  diesen  Kapiteln  das  Brief  buch 
abgeschlossen  sein  sollte,  so  daß  diese  Materien  eine  Art  Nach- 
trag gebildet  hätten,  wie  wir  ähnliches  bei  den  bereits  besprochenen 
Urkundenbiichem  sahen. 

2.  Die  späteren  Zusätze.  Als  solche  lassen  sich  teils 
durch  den  verschiedenen  Schriftcharakter,  teils  aus  inneren  Gründen 
leicht  erkennen: 

Bl.  11^  (72*16):  i,Dis  ist  eine  roberike'^  Dieses  Gedicht  aus 
dem  Meisterraemorial  kann  erst  nach  dem  „Clorerbüchlin"  (149*17) 
geschrieben  worden  sein,  da  auf  dieses  hier  Bezug  genommen  wird. 

Bl.  46*^  (125*25):  Pflegereid:  diente  zur  Ausfüllung  des  leeren 
Raumes  am  Ende  der  dritten  Lage. 

Bl.  75^  (154*8) :  Brief  22.  Schreiben  des  Gottesfreundes  an  Niko- 
laus von  Löwen,  Abschrift  des  Fünf- Mannenbuchs  betr.;  womit  eben- 
falls der  noch  unbeschriebene  Raum  auf  BL  75*^  ausgefüllt  werden 
soDte.  Zu  den  späteren  Zusätzen  können  endlich  auch  die  Namen 
der  Pfleger  Bl.  80^  und  bl  (185*611.)  gerechnet  werden. 

3.  Bereits  anderwärts  benützte  Blätter.  Dazu  ge- 
hören: Bl.  76»-80^  (154*35-155*5),  ursprüngHch  Bestandteile  eines 
anderen  kostbaren  Urkundenbuchs,  wie  aus  der  prachtvollen 
Initiale  geschlossen  werden  kann.  Da  der  Text  jedoch  viele 
Korrekturen  notwendig  machte,  wurden  diese  Blätter  aus  dem 
ursprünghchen  ürkundenbuch  entfernt,  jedenfalls  aufs  neue  dort- 
hin geschrieben,  der  Text  mit  den  Korrekturen  jedoch  dem  Brief- 
buch als  Anhang  beigefügt. 

Nach  diesen  allgemeinen  Erörterungen  ist  es  möglich,  des 
nähern  an  die  Untersuchung  der  Entstehungsweise  heranzutreten. 
Schon  aus  der  Übersicht  des  Inhalts  sind  die  einzelnen  Teile  der 
Handschrift  und  ihre  Entstehung  in  etwa  zu  erkennen.  Es  gilt 
hiar  nur,  die  Beweise  für  jene  schematischen  Aufstellungen  zu 
»bringen. 

Der  erste  Teil  der  Handschrift  umfaßt  Lage  1  und  2  oder 
Bl.  1-26  und  bildet  ein  in  sich  abgeschlossenes  Ganzes.    Ab%^- 


56 

sehen  von  dem  Einschiebsel  des  Fünf-Mannenbuchs  samt  Zugehör 
besteht  er  aus  einer  Einleitung,  einem  Hauptteil  mit  10  Briefen 
und  einer  Schlußermahnung  an  die  Johanniterbrüder  auf  Grund 
dieser  Briefe.  Man  könnte  sich  keinen  einheitlicheren  Teil  denken 
als  diesen,  und  dennoch  folgen  auf  der  dritten  Lage  neue  Briefe ! 
Nikolaus  von  Löwen  muß  also  seinen  Plan  geändert  haben,  sehen 
wir  zu:  wie  und  wann? 

Das  Wahrscheinlichste  ist,  daß  der  Schreiber  seine  Hand- 
schrift mit  der  zweiten  Hälfte  der  1.  Lage  begann,  d.  h.  mit  den 
eigentlichen  Briefen,  die  sachlich  in  zwei  Unterabteilungen  zerfallen: 
Brief  1-5  und  6-10.  Eine  Schlußermahnung  auf  Grund  dieser 
Briefe  schließt  sich  in  schönster  und  natirlichster  Weise  daran  an. 
Alsdann  wurde  die  Einleitung  geschrieben,  für  welche  dem  Ver- 
fasser die  zwei  ersten  Blätter  der  1.  Lage  zur  Verfugung  standen, 
während  das  dritte  Blatt  dieser  Lage  für  die  Vorbemerkungen 
zum  Fünf-Mannenbuch  reserviert  war.  Erst  dann  verfertigte  er 
die  Rubriken  zu  der  Einleitung,  zu  den  einzelnen  Briefen  und  der 
Schlußermahnung,  hatte  aber  inzwischen  den  Plan  gefaßt,  den 
bereits  geschriebenen  Briefen  einige  neue  auf  der  nun  folgenden 
3.  Lage  "hinzuzufügen.  Das  geht  zur  Genüge  aus  der  Rubrik  zu 
Brief  6-10  (84*36)  hervor,  wo  bereits  auf  den  11.  Brief,  der  den 
noch  leeren  Raum  der  2.  Lage  und  das  erste  Blatt  der  3.  Lage 
ausfüllt,  verwiesen  wird. 

Dieser  Brief  ist  nach  Aussage  Nikolaus  von  Löwens  wie  die 
Briefe  6-10  einer  der  „letzten  Briefe",  welche  der  Gottesfreund 
an  Rulmann  Merswin  und  an  den  Komtur  gerichtet  hat  Er 
handelt  von  demselben  Gegenstand  wie  6-10,  aber  dennoch  schreibt 
ihn  Nikolaus  von  Löwen  nicht  vor  die  Schlußermahnung  zu 
den  fünf  Briefen  (6-10),  wo  er  sa(;h-  und  zeitgemäß  hingehört, 
sondern  beginnt  mit  ihm  eine  neue  Serie.  Diese  Erscheinung  ist 
nur  erklärlich,  wenn  er  seinen  ursprünglichen  Plan  änderte,  be- 
vor er  sämtliche  Rubriken  des  ersten  Teils  schrieb.  Neu  ist 
ja  eine  solche  Methode  bei  Nikolaus  von  Löwen  nicht;  wir 
haben  ähnliches  schon  beim  Großen  Deutschen  Memorial,  dem 
Pflegermeniorial  und  vor  allem  bei  den  beiden  Übriggebliebenen 
Lateinbiichern  gefunden.  Und  in  dieser  Weise  allein  ist  auch 
das  Briefbueh  zu  verstehen.  Das  Material  schwUlt  Nikolaus  von 
Löwen  gleichsam  unter  den  Händen  an,  ein  einmal  geschriebener 


Brief  ruft  neue  Gedanken  hervor  und  weckt  den  Entschluß,  weitere 
zu  schreiben,  ohne  daß  sich  der  Verfasser  selbst  über  die  Gründe 
dazu  Rechenschaft  geben  kann.  Noch  deutlicher  zeigt  dies  der 
Inhalt  der  3.  Lage. 

Nachdem  in  der  angeführten  Weise  der  erste  Teil  der  Hand- 
schrift vollendet  war,  begann  Nikolaus  von  Löwen  mit  dem  IL  Briefe 
auf  dem  noch  unbeschriebenen  Platze  der  zweiten  Lage  (Bl.  26^) 
und  schrieb  die  ganze  erste  Hälfte  der  3.  Lage  durch  bis  Bl.  32^ 
{115*13).  Diese  Seite  war  von  vornherein  dem  Vorwort  zu  den 
Vier-Jahren  vorbehalten.  Die  Folge  war,  daß  die  zwei  voran- 
gehenden Briefe  14  und  15,  sollten  sie  noch  in  der  ersten  Hälfte  der 
Lage  Platz  finden,  nur  auszugsweise  wiedergegeben  werden 
konnten  und  außerdem  enge  aneinander  geschrieben  werden 
mußten.  Jedem,  der  die  Handschrift  in  die  Hand  nimmt,  wird 
<iiese  Erscheinung  auf  den  ersten  Blick  in  die  Augen  fallen.  Dies 
alles  geschah  aber  nur  deswegen,  weil  damit  das  Briefbuch  ein 
zweites  mal  abgeschlossen  werden  sollte.  Oder  sollte  es  nicht 
auffallend  sein,  daß  im  letzten  Brief  des  ersten  Teils,  wie  in  dem 
des  zweiten  Teils  beidemale  der  Gottesfreund  Abschied  nimmt, 
<iort  von  Rulmann  Merswin,  hier  von  Nikolaus  von  Löwen? 
Hier  schreibt  er  an  Nikolaus  von  Löwen:  Nehmt  es  mir  nicht  übel, 
»iWan  ich  üch  nu  nüme  schribe  noch  nieman,  ez  sige  dan  rede- 
^che  notdurft;  und  ir  bedürffent  sin  öch  von  der  gnaden  gottes 
nüme*'  (115*7);  dort  aber  bemerkt  der  Gottesfreund  Rulmann  Mer- 
swin: da  wir  nicht  mehr  zusammen  kommen  können,  „so  enmahtdu 
mir  noch  ich  dir  mit  me  früntUche  briefe  geschriben"  (96*33).  Ebenso 
bedenklich  ist  e^,  daß  die  Schlußbriefe  des  ersten  Teils  als  „die  aller 
andersten  briefe"  (84*33)  bezeichnet  werden,  die  der  Gottesfreund 
ftn  das  Johanniterhaus  schrieb.  Das  gleiche  heißt  es  aber  auch 
vom  12.  Brief:  „Dis  ist  der  aller hinderste  brief,  den  der  liebe  goltes- 
frönlherabe  schreip  dem  commendüre  zu  dem  Grünenwerde"  (105*8), 
^d  ebenso  ist  der  15.  Brief  „die  hinderste  missive'  (1 14*22^  des  Got- 
tesfreundes. Also  Gründe  genug  für  die  Annahme,  daß  die  Briefe  nach- 
-öinander  entstanden  sind  und  zwar  nicht  nach  einem  einheitlichen, 
sondern  bloß  zufällig,  sich  ergebenden  Plane,  je  nachdem  der  Platz 
^6r  Handschrift  dafür  reichte  oder  nicht.  So  handelt  aber  niemand, 
^^r  bereita  vorhandene  Briefe  einfach  zu  ordnen,  abzuschreiben 
^  alleofolls  noch  mit  einer  Einleitung  zu  versehen  hall^.  ?iO>\VÄ 


58 

die  Handschrift  hier  nicht  abgeschlossen  werden,  so  sind  die 
darauf  folgenden  Einträge  aus  dem  Meister-  und  Pflegermemorial 
ganz  unverständlich.  Diese  Teile  können  nicht  schon  fertig  aus 
einer  anderen  Handschrift  herübergenommen  worden  sein,  denn 
sonst  könnten  sie  nicht  auf  das  Briefbuch  ausdrücklich  Bezug 
nehmen  (118*40).  Sie  sind  vielmehr  mit  der  Anlage  des  Brief  buchs 
erst  geschrieben  worden,  nur  dazu  bestimmt,  den  unbeschrie- 
benen  Rest  der  3.  Lage  auszufüllen.  Nikolaus  von  Löilren  bricht 
aber  damit  bald  ab  und  trägt  abermals  zwei  Briefe  (16  und  17) 
in  die  Handschrift  ein,  die  ganz  treffend  die  3.  Lage  schließen 
sollten.  Immerhin  blieb  auf  der  letzten  Seite  (Bl.  46^)  der  3.  Lage- 
noch  etwas  Platz  frei,  auf  welchem  später  der  Pflegereid  nach* 
getragen  wurde,  der  ebenso  wie  die  vorausgegangenen  Materien 
aus  dem  Meisterbuch  und  dem  Pflegermemorial  mit  dem  Briefbucb 
eigentlich  nichts  zu  tun  hat. 

Eine  nicht  geringere  Regellosigkeit  herrscht  im  dritten  Teil 
oder  in  der  4.  Lage  der  Handschrift.  Es  folgen  zunächst  drei  Briefe 
(126*24 ff.);  alle  drei  betreffen  Nikolaus  von  Löwen.  Der  erste  ist 
an  den  Gottesfreund  von  Nikolaus  von  Löwen  gerichtet,  die  beiden 
andern  sind  Briefe  des  Gottesfreundes  an  Nikolaus  von  Löwen. 
Die  diesen  Briefen  folgende  Ermahnung  mit  historischen  Notizen 
über  Rulmann  Merswin  und  die  Gottesfreunde  würde  den  Ge- 
danken nahelegen,  dal]  hier  endlich  das  Brief  buch  seinen  Abschluß 
gefunden  hätte.  Doch  gleich  darnach  folgt  abermals  ein  Brief  de& 
Gottesfreundes  im  Auszuge  als  Nachtrag  (148*23).  Darauf  geht 
der  Schreiber  zu  verschiedenen  Traktaten  über,  die  im  bunten 
Durcheinander  aufeinanderfolgen,  und  bei  denen  wir  nur  sagen 
können,  daß  sie  lediglich  dem  Zufall  und  der  Laune  des  Schrei- 
bers ihre  Entstehung  verdanken,  aber  mit  dem  Briefbuch  und 
seinem  Zwecke  j-chlechterdings  in  keinem  Zusammenhang  stehen. 
Doch  unversehens  stoßen  wir  mitten  unter  diesem  verschieden- 
artigen Inhalt  abermals  auf  einen  Brief  des  Gottesfreundes  an 
Nikolaus  von  Löwen  (154*8).  Sein  Inhalt  ist  nicht  unwichtig,, 
denn  er  handelt  von  dem  Fünf-Mannenbuch  und  der  Anweisung, 
in  welcher  Weise  es  Nikolaus  von  Löwen  abschreiben  sollte. 
Man  hätte  also  erwarten  dürfen,  daß  dieser  für  das  Fünf- 
Mannenbuch  so  wichtige  Brief  auch  an  jenem  Platze  des  Brief- 
buchs  steht,  wohin  er  gehört:  in  der  ersten  Lage  des  Brief  buchs. 


5^ 

beim  Text  des  Fünf-Mannenbuchs.  Warum  er  dort  seinen  Platr 
nicht  fand,  werden  wir  später  sehen;  für  jetzt  genügt  es  festzu- 
stellen, daß  sich  dieser  Brief  seiner  Schrift  nach  als  späterer 
Nachtrag  erweist,  nur  in  das  Briefbuch  geschrieben,  weil  nach 
Vollendung  desselben  auf  Bl.  75^  noch  ein  unbeschriebener  Raum 
übrig  war. 

Die  ganze  Anlage  des  Briefbuchs  ist  demnach  keine  ein- 
heitliche, obwohl  die  Einleitung  wenigstens  von  einer  gewissen 
Einheit  spricht.  Wenn  dort  von  einer  Unordnung  in  der  Reihen- 
folge der  Briefe  gesprochen  wird,  ab  der  „nieman  irren  sol  in  vür- 
witziger  zwifelunge"  (65*4),  so  wollte  der  Schreiber  damit  bloß  die 
Unordnung  in  der  Datumsfolge  der  Briefe  des  ersten  Teils  recht- 
fertigen, da  der  Schreiber  hier  absichtlich  der  chronologischen 
die  sachliche  Ordnung  vorgezogen  habe;  denn  e3  ist  durch  die 
Anlage  der  Handschrift  nicht  notwendig  bedingt,  daß  die  Einlei- 
tung sich  auch  auf  die  Briefe  der  3.  und  4.  Lage  beziehe.  Sie 
hat  ihre  volle  Geltung  für  die  Briefe  der  ersten  zwei  Lagen,  da 
diese  Briefe  wohl  eine  sachliche,  aber  keine  chronologische  Reihen- 
folge  aufweisen. 

Man  könnte  versucht  sein,  noch  auf  eine  andere  als  die 
obige  Weise  die  Entstehung  der  Handschrift  zu  erklären.  Es  ist 
ja  eine  vielfach  beobachtete  Erscheinung,  daß  bei  Anlegung  einer 
Handschrift  mehrere  Schreiber  zu  gleicher  Zeit  tätig  sind  und 
jeder  seine  Lage  beschreibt,  oder  auch  daß  ein  einzelner  Schreiber 
zu  gleicher  Zeit  an  verschiedenen  Lagen  schreibt,  die  später  zu 
einem  ganzen  vereinigt  werden.  Allein  diese  Entstehungsart  ist 
bei  dem  Briefbuch  vollständig  ausgeschlossen.  Das  Brietbuch 
weist  in  seiner  Schrift  nur  eine  einzige  Hand  auf,  und  auch  die 
einzelnen  Lagen  sind  nicht  zu  gleicher  Zeit,  sondern  nacheinander 
beschrieben  worden.  Das  zeigt  der  Übergang  von  Lage  eins  auf 
zwei  mid  zwei  auf  drei  deutlich,  ebenso  ninmit  die  4.  Lage  Be* 
zog  auf  die  schon  vollständig  geschriebenen  vorausgehenden  drei 
Lagen  (140*15). 

e)  Wenn  wir  uns  nach  der  Entstehungszeit  der  Hand- 
schrift umsehen,  so  führen  schon  die  allerersten  Blätter  des  Brief  buchs 
Rulmann  Merswin  als  verstorben  ein.  Das  Brief  buch  ist  demnach 
erst  nach  dem  Tode  Rulmanns  geschrieben.  Weiterhin  ist  der 
erste  Brief  an  den  Komtur  des  Jobanniterhauses  gericYüBt,  ,A^ 


«0 

^ozwmofe  brüder  Heinrich  von  Wolwasch" (73*17)  war.  Auai 
diesem  Ausdrucke  geht  zur  Genüge  hervor,  daß  zur  Zeit  der  Anle- 
gung des  Brief  buchs  Heinrich  von  Wolfach  nicht  mehr  Komtur  zu 
Straßburg  war;  nicht  aber  folgt  daraus,  daß  er  schon  gestorben 
ivar.  Heinrich  von  Wolfach  kehrte  nämlich  um  das  Jahr  1390 
in  das  Johanniterhaus  zu  Freiburg  i.  Schw.  zurück,  aus  dem  er 
nach  Straßburg  versetzt  worden  war. ')  An  seiner  Stelle  erscheint 
im  Juli  1392  urkundlich  zum  erstenmal  „Erhard  Thoman, 
komtur  zu  Straßburg".  Auf  die  Zeit  nach  1390  verweisen  uns 
auch  die  Stellen  139*17,  30;  140*28,  wo  die  Jahre  1389  und  1390, 
und  72*19;  117*9;  156*8,  wo  Konrad  von  Braunsberg  als 
verstorben  erwähnt  ist. 

Die  drei  nach  Anlegung  des  Brief  buchs  noch  lebenden  Pfleger, 
welche  155*20  genannt  werden,  sind:  Johann  vonKageneck, 
Nikolaus  Jung  und  Adam  Löselin.  Johann  von  Kageneck 
ist  zum  erstenmal  als  Pfleger  genannt  im  Jahre  1390,  Nikolaus 
Jung  ums  Jahr  1392.  Beide  sind  1408  noch  am  Leben.  Adam 
Löselin  erscheint  zum  erstenmal  im  Jahre  1406.  Wie  lange  er 
vorher  schon  sein  Pflegeramt  ausübte,  steht  nicht  fest,  da  das 
Todesjahr  seines  Vorgängers  Paul  Mosung,  der  als  Pfleger 
ums  Jahr  i;>93  erscheint,  unbekannt  ist.  Diese  Angaben  fuhren 
uns  also  auf  die  Jahre  1392-1408.  ^) 

Bei  Anlage  des  Briefbuchs  muli  ferner  Nikolaus  von  Löwen 
(gest.  1402)  noch  am  Leben  gewesen  sein,  wie  die  Lebensbeschrei- 
bung 157*24  beweist,  auch  wenn  sie  nicht  eigenhändig  geschrie- 
ben wäre. 

Fassen  wir  alle  Punkte  zusammen,  so  ist  die  Abfassungs- 
-zeit  des  Brief  buchs  in  die  Jahre  i;>90-1402  zu  verlegen. 

f)  Außerdem  setzt  das  Brief  buch  eine  Reihe  anderer  ürkunden- 
bücher  als  seine  Quellen  und  Vorlagen  voraus,  ist  also  der 
^eit  nach  auch  von  diesen  abhängig. 

*)  Nach  140*83  waro  Heinrich  von  Wolfach  schon  im  Jahre  1389  zu  Froi- 
burg  gewesen.  Kr  erscheint  urkundlich  zum  letztenmal  13S9  Juli  20  (Straßburger 
U-B.  VII,  702).  Sein  Nachfolger  Krhard  Thoman  wird  1392  Mdrz  6  noch  als 
,,frater''  und  Kouventual  des  Johannitorhauses  bezeichnet  (U-B.  VII,  730),  und  er- 
scheint als  Komtur  erstmals  1392  Juli  30  (l'-B.  VII,  749). 

*)  Eine  Zusammenstellung  der  Pfleger  enthält  die  Hs.  G  S.  284  ff.,  der  die 
-obigen  Daten,  welche  nach  Kopb.  1618  des  StraCburger  Bczirksarchirs  geprüft 
vrurden,  entnommen  sind. 


61 

So  werden  die  „drü  Urkunde  bücher  dez  huses  zu  der» 
Grunenwerde^*  genannt  64*17;  73*4;  116*36;  119*29.  Es  sind 
darunter  verstanden  das  Lateinische,  das  Große  Deutsche  und  das 
Kleine  Deutsche  Memorial.  Von  dem  lateinischen  Urkundenbuch 
wird  außerdem  der  Inhalt  des  29.  Kapitels  angegeben  (146*25)t. 
welches  mit  den  Angaben  Götzmanns  übereinstimmt.  Auch 
dort  bildet  die  „hinderste  früntliche  vermanunge  und  minesame 
stroffiing  und  letze"  Rulmann  Merswins  das  29.  Kapitel.  Mit  dero 
29.  Kapitel  des  Lateinischen  Memorials  korrespondierte  das  18.  Ka-^ 
pitel  des  Kleinen  Deutschen  Memorials.    (Siehe  oben  S.  48). 

Die  drei  Pflegermemoriale  werden  angeführt  117*3;  119*32  v 
139*37  und  der  Text  des  25.  Kapitels  mitgeteilt 

Von  den  zwei  Übriggebliebenen  Lateinbüchern  spricht  das 
Briefbuch  119*34. 

An  den  verschiedensten  Stellen  (116*27  ff.)  wird  sodann  das. 
.iMeisterbuch"  oder  das  Meistermemorial  genannt,  dessen  Inhalt 
wir  noch  näher  zu  betrachten  haben. 

So  geben  uns  alle  diese  Stellen  sichere  Anhaltspunkte  für 
die  Entstehungszeit  des  Briefbuchs,  denn  es  ist  klar,  daß  es  erst 
nach  den  bisher  behandelten  Urkundenbüchern  verfaßt  sein  kann 
und  zwar  schon  in  seinem  ersten  Teü  nach  1390,  in  seinen  übrigen 
Teilen  erst  nach  den  Pflegermemorialen,  dem  Meistermemorial 
und  den  beiden  Übriggebliebenen  Lateinbücher. 

g)  Der  innige  Zusammenhang,  in  welchem  das  Briefbuch  mit 
den  andern  Memorialbüchern  des  Johanniterhauses  steht,  zeigt». 
daß  es  auch  denselben  Verfasser  hat  wie  die  übrigen  ür- 
kundenbücher.  Schon  die  ganze  äußere  Gestalt  des  Briefbuchs 
stimmt  mit  dem  zweiten  Übriggebliebenen  Lateinbuch  vollständig, 
öberein,  so  daß  beide  ein  und  denselben  Urheber  haben  müssen^ 
Audi  die  Entstehungszeit  des  Briefbuchs  spricht  nicht  dagegen,  da 
es  noch  vor  dem  Tode  Nikolaus  von  Löwens  geschrieben  ist.  Und 
was  hätte  die  eigenhändige  Lebensbeschreibung  Nikolaus  von 
Löwens  am  Schlüsse  des  Briefbuchs  für  einen  Zweck,  wenn  er 
daran  keinen  Anteil  hätte?  Daß  diese  Lebensbeschreibung  aber 
eigenhändig  ist,  wird  niemand  bezweifeln  können.  In  der  ersten 
Person  spricht  Nikolaus  von  Löwen  ferner  von  sich  149*27  ^ 
wo  er  seine  Anwesenheit  auf  dem  Beerenberge  bei  Winterthur 
erwähnt    An  verschiedenen  anderen  Stellen   sodann  etseYiÄxvV 


•62 

^ein  Name,  und  dieser  allein  von  allen  Brüdern,  in  der  dritten 
Person.  Wie  oft  wird  nicht  in  der  Einleitung  zum  Briefbuch, 
5odann  wieder  138*15  ff.  betont,  daß  Nikolaus  von  Löwen  all 
sein  Wissen  von  Rulmann  Merswin  habe,  der  ihn  über  diese 
Dinge  unterrichtete.  Aus  all  dem  erhellt  zur  Genüge,  daß  Niko- 
laus von  Löwen  der  geistige  Urheber  des  Brief  buchs  ist,  nicht  jedoch 
in  dem  Sinne,  daß  er  nur  die  Anlegung  des  Brief  buchs  veranlaßt 
und  den  Text  desselben  durch  andere  hätte  schreiben  lassen, 
sondern  er  hat  das  Briefbuch  auch  selbst  geschrieben,  wie  es 
die  Schrift  des  Briefbuchs  zu  beweisen  imstande  ist, 

h)  Zur  Beurteilung  der  Schrift  sind  dieser  Abhandlung  drei 
Schriftproben  in  photographischer  Wiedergabe  beigegeben.  Ab- 
gesehen von  dem  Fünf-Mannenbuch  und  dem  Büchlein  von  den 
Vier-Jahren,  deren  [Schriftzüge  besonders  zu  behandeln  sind,  sind 
im  Brieibuch  zwei  Schriftarten  zu  unterscheiden: 

In  Schrift  1  ist  die  eigenhändige  Lebensbeschreibung  ge- 
schrieben (156*26);  sodann  die  Nachträge:  11^  (72*16)  J)is  ist 
eine  roberike"  und  Bl.  75**  (154*8):  Brief  des  Gottesfreundes  an 
Nikolaus  von  Löwen.  Von  derselben  Hand  ist  das  Datum  der 
Briefe  auf  Bl.  16^  (81*23),  19^  (88*31),  29*  (108*7),  44^  (122*12), 
51^  (137*20)  nachgetragen;  von  ihr  stammen  auch  alle  Korrek- 
turen in  den  Traktaten  von  Bl.  56  an. 

In  Schrift  II  ist  alles  übrige  geschrieben.  Ein  eingehender 
Vergleich  beider  Schriften  zeigt,  daß  beide  Schriftzüge  von  einer 
Hand  stammen  müssen.  Jedoch  stammen  beide  aus  verschie- 
dener Zeit  und  sind  mit  verschiedener  Federhaltung  geschrieben. 
Daher  erklärt  sich  der  Eindruck  des  Verschiedenartigen,  den  die 
Schriften  im  ersten  Augenblick  auf  den  Leser  machen. 


7.  Das  MeistermemoriaL 

Pflegermemorial  und  Briefbuch  setzen  uns  instand,  den  In- 
halt des  Meistermemorials  festzustellen,  das  weder  im  Ori- 
ginal noch  in  Abschrift  auf  uns  gekommen  ist. 

Neben  den  drei  Pflegermemorialen  wird  das  Meisterbuch  als 
„viertes^^  Memorial  bezeichnet  und  sein  Inhalt  im  allgemeinen 
dahin  bestimmt,  daß  es  „glich  sprechend-'  sei  ,.in  allen  worten  und 
materien*'  mit  dem  Pflegermemorial  (159*10).  An  anderer  Stelle  wird 


63 

€s  einfach  eine  „abgeschrift  eigentliche  von  worte  zu  worte  des 
memorials  der  drier  weltlicher  pflegere"  (117*2)  genannt;  nur  Titel, 
Prolog  und  Rubriken  mußten  selbstredend  sachgemäß  verändert 
werden. 

Der  Prolog  zum  Meistermemorial  ist  uns  im  Pflegermemorial 
sowie  in  etwas  abweichender  Form  im  Brief  buch  erhalten  (1 16*39 ; 
159*15;  220*30). 

Wie  das  Pflegermemorial,  war  das  des  Meisters  in  drei  Ma- 
terien geteilt  —  Gründungsgeschichte  und  der  Stifter-Leben  — 
und  zählte  24  Kapitel.  Das  24.  Kapitel  enthielt  die  Urkunde  Kon- 
rads von  Braunsberg  von  1385.  Als  Schluß  folgte  eine  Ermah- 
nung an  aUe  künfligen  Meister  in  einem  Gedichte  (72*16).  Das  Meister- 
memorial  war  besonders  kostbar  angelegt  und  mit  prächtigen  „Figu- 
ren*' bemalt  (151*12),  deren  Sinn  beigefügte  Gedichte  auslegten.  Die 
Gedichte  sind  im  Briefbuch  angeführt  und  berichten  Einzelheiten 
aus  der  Geschichte  des  Hauses,  so  die  Übergabe  desselben  an 
den  Johanniterorden  durch  Rulmann,  die  Vision  des  Gottes- 
freundes über  den  Bau  des  Klosters  usw.  Ebenso  enthält  das 
Briefbuch  den  Widmungsbrief,  mit  welchem  die  Johanniterbrüder 
das  Memorial  dem  obersten  Meister  überreichten  (155*31 ;  220*22). 
Man  hat  bisher  allgemein  angenommen,  daß  dieses  Meistermemorial 
für  den  ersten  Ordensmeister  KonradvonBraunsberg  angelegt 
worden  sei.  Allein  der  Dedikationsbrief  selbst  sowie  eine  Stelle  in 
dem  noch  zu  behandelnden  erweiterten  Pfleger memorial  (220*14) 
zeigen  deutlich,  daß  der  betreffende  oberste  Meister  weder  Konrad 
von  Braunsberg  noch  sein  Nachfolger  Friedrich  von  Zollern,  sondern 
«rst  des  letztern  Nachfolger  Hesso  Schlegelholz  war.  Als  dieser  zum 
Johannitermeister  der  deutschen  Provinz  bestimmt,  bei  Antritt 
seines  Amtes  von  „Rodis"  herüberkam,  wurde  ihm  das  Meister- 
Daemorial  überreicht,  damit  er  aus  ihm  ersehen  möge,  daß  das 
nOrdenshus  zu  dem  Grünenwerde  von  den  sunderlichen  fründen 
gotlz  in  großer  heilikeit  und  in  guter  erberkeit  mit  geworen  rede- 
lichen  Urkunden  gestiftet  ist  worden"  (156*5).  In  Anbetracht  dessen 
sollte  er  dann  das  Haus  in  derselben  Ordnung  regieren,  wie  es  die 
Stifter  und  seine  Vorfahren  gemeint  haben  (156*23). 

Außerdem  fiigt  der  Widmungsbrief  noch  die  Bemerkung  bei, 
^  Konrad  von  Braunsberg  „öch  ein  memorial  hette  und  haben 
Volte  glich  disem  selben  buch''  (156*18).  Diese  Angabe  toou  '^^dödö. 


C4 

vor  einer  kritischen  Betrachtung  nicht  standhalten,  denn  in  jener  Zeit 
gab  es  noch  kein  Meistermemorial,  da  die  Pflegebücher,  welche 
dem  Meisterbuch  zeitlich  vorausgiengen,  erst  nach  dem  Tode  des 
Konrad  von  Braunsberg  entstanden  sind.  Darum  erwähnt  auch 
das  Große  Deutsche  Memorial  noch  nichts  von  einem  Meister- 
memorial, das  dem  ersten  Johannitermeister  vorgelegen  hätte,  ob-» 
wohl  gerade  der  angebliche  Bestätigungsbrief  Konrads  von  Brauns- 
berg über  die  drei  Urkundenbücher  des  Johanniterhauses  Nikolaus 
von  Löwen  darauf  hätte  führen  können. 

Ihrer  Glaubwürdigkeit  wird  obige  Bemerkung  auch  beraubt 
durch  den  Zusatz,  daß  ein  solches  Memorial  zu  Konrad  von  Brauns- 
bergs Zeiten  nicht  so  notwendig  war  wie  jetzt  (15G*20),  weU  in  gegen- 
wärtigen Zeiten  die  Meisterschaft  zu  leicht  die  Gründungsweise 
und  die  Herkunft  der  dem  Johanniterhause  zum  Grünenwörth 
eigentümlichen  Statuten  vergessen  könnte. 

Wie  die  Pflegermemoriale,  so  verdankt  auch  das  Meistermemo- 
rial einer  „frommen  Stiftung"  seine  Entstehung  (117*17),  d.  h.  die 
Herstellungskosten  der  Handschrift  trug  nicht  das  Johanniterhaus, 
sondern  eine  Privatperson  stiftungsweise.  Die  Aufsicht  über  dieses 
Memorial  war  den  drei  Pflegern  übertragen,  welche  bei  jedem 
Wechsel  in  der  Meisterschaft  dafür  Sorge  zu  tragen  hatten,  daß 
der  jeweilige  Nachfolger  in  den  Besitz  desselben  gelangte  (159*24  ff.). 

Da  das  Meistermemorial  einerseits  die  drei  Pflegerbücher  zur 
Voraussetzung  hat  und  andererseits  auf  den  Amtsantritt  des  Hesso 
Schlegelholz  hin  angefertigt  wurde,  fällt  seine  Entstehungszeit 
nach  1391,  aber  vor  das  Jahr  1399,  da  in  diesem  Jahre  Hesso 
Schlegelholz  urkundlich  zum  erstenmale  als  „meister  in  allen  lutschen 
landen"  erwähnt  wird^). 

8.  Das  erweiterte  Pflegermemorial. 

Eine  Art  Nachlese  zu  allen  vorhandenen  Urkundenbüchern,  den 
lateinischen  wie  deutschen,  bildet  das  erweiterte  Pflegermemo- 
rial, wie  wir  es  nennen  wollen  (210^11.).   Wir  besitzen  davon  noch 

M  Hesso    Schlegelholz    erscheint    erstmals    als    ..meister    zu    tütschen    landen" 

1:399   Juni  30:    Kojib.  IGlö,    Straßburtror    Bozirksarchiv;     ebenso   1399   August  21: 

Straßburger  U-B.  VII,   802.   —   138«  Mai  28   wird  er    urkundlich    aufgeführt  als :    zu 

dJNen  zyten  castellan  zu  Rudis,  couim»»ndür  zu  Rotwilre,  vorziten  .  .  .  coDimendür  und 

pfleg'or  dt'S  Inisos  zi'i  Stetzstat  und  zu   Bergheim  (Kopb.  H)18  Bl.  81*). 


65 

zwei  spätere  Abschriften,  von  denen  die  eine  in  der  Handschrift 
H  2190  des  Straßburger  Bezirksarchivs,  die  andere  in  der  Handschrift 
B  54  des  dortigen  Stadtarchivs  erhalten  ist.  Obwohl  beide  vollständig 
miteinander  übereinstimmen,  so  schöpfte  doch  nicht  eine  aus  der 
andern,  sondern  beide  gehen  auf  das  Original  zurück,  nur  be- 
hielt B  54  den  altertümlichen  Dialekt  besser  bei  als  H  2190. 

Was  dieses  Memorial  ursprünglich  für  einen  Titel  trug,  ist 
uns  nicht  bekannt.  Erweitertes  Pfleger memorial  kann  man  es 
deswegen  nennen,  weil  es  die  Pflegermemoriale  samt  dem  Meister- 
memorial zur  Voraussetzung  hat  und  in  seinem  Inhalt  sich 
durchweg  an  dieselben  anlehnt,  jedoch  der'  Zeit  entsprechend,  in 
der  es  entstanden,  gegenüber  erstem  viele  Zusätze  und  Erweite- 
rungen des  Textes  aufweist.  Eine  Übersicht  über  seinen 
Inhalt  wird  dies  am  besten  klar  machen. 

A.  Erster  Teil. 

1.  Einleitung:  Spitalbau  betr.  (210*  1-211*3). 

2.  Hauptteil: 

a)  1.  Materie: 

Gründungsgeschichte  des  Johanniterhauses. 
Zusatz  in  Kapitel  9 :  Brief  des  Hesse  Schlegel- 
holz vom  25.  Juni  1401  u.  Traktat:  „Werg 
dererbermde"  (211*4-213*16). 

b)  II.  Materie: 

Vier-Jahre  Rulmann  Merswins. 

Zwei  Parenthesen  in  Kapitel  16:  betr.  Neun 

Felsen  und  Zwei-Mannenbuch  (195*39  und 

W7*7J, 

c)  III.  Materie: 

„Hinderste  strolfunge"  Rulmann  Merswins 
mit  Prolog  (213*20  ff'.). 

d)  IV.  [III!]  Materie: 

Fünf-Mannenbuch  mit  selbständiger  Einlei- 
tung (Wi^l  Spalte  2). 

3.  Historischer  Epilog: 

„Dise  vorgeschribenen  lieben  freunde  . . ." 
(218*12-220*8).    . 


Nachtrag ; 

1.  Urkunde  Konrads  von  Braunsberg  über  die  dre) 
Urkundenbücher  von  1385. 

2.  Pflegereid  von  13'.tü. 

3.  Selilußbemerkung  undltegleilbrief  zumMeistermenio« 
rial  des  Hesse  Selilegelliolz  samt  Prolog  (220*11  ff.^ 

B.  Zweiter  Teil. 

1.  Ordoung  der  Mindern-Bruderschaft  (221*1). 

2.  Ordensprivilegien,  dem  „Register  Konrads  von  Brauns- 
berg'- entnommen  {221*36). 

3.  Übersetzung  des  Gedicbles:  De  thesauris  summi 
regis. 

4.  Gedicht  über  Privilegien  der  Mindern-BrudersohaiL' 

5.  Text  des  Gedichtes:  De  thesauris  summi  regis. 

6.  Traktat  für  eüie  „Gottesminnerin"  mit  der  Mahnuiig,J 
aic'h  zu  Grunde  zu  lassen  und  von  allem  abzn^. 
scheiden  (22y4). 

7.  Pflegerstatut  aus  späterer  Zeit  (223*20). 
Das  vorliegende  Memorial   labt  sich  demnach  in  zwei 

trennte  Teile  scheiden.  Der  erste  Teil  hatte  die  drei  Pfleger^ 
memoriale  zur  Vorlage,  wie  aus  dem  Schlüsse  des  ersten  Teils 
hervorgeht  ^le  dise  vorgeschribenen  materien  von  der  stilttmg 
und  der  Stifter  leben  des  huses  zu  dem  Grünenwerde",  heißt  es 
220*11,  tiSint  geschriben  us  der  drier  weltlicher  pflegere  memoriale 
bücher".  Der  erste  Teil  besteht  aus  einer  kurzen  Einleitung  über 
den  Spitalbau,  ein  Auszug  ans  dem  Großen  Deutschen  Memo- 
rial 7*34  ff.  Diese  Einleitung  steht  nur  in  Handschrift  B  54;  die 
entsprechenden  Blätter  von  H  2190  sind  herausgeschnitten. 

Darauf  folgt  der  Hauptteil  mit  den  aus  dem  Pflegerbueh  be- 
kannten Materien:  Gründungsgeschichte  und  der  beiden  Stifter 
Leben,  jedoch  mit  selbständigen  Zusätzen  in  Kapitel  9  und  16  des 
Pllegermemorials.  Ein  selbständiger  Abschnitt  ist  auch  die  „bm- 
dtfste  stroSunge"  Rulmanns,  die  in  keinem  der  Pflegermemoriale 
steht  Sie  ist  dem  Kleinen  Deutschen  Memorial  entnommen,  wo 
sie  das  18.  Kapitel  und  die  „dirte  materie"  bildete,  wie  wir  aus  dem 
Briefbuch  wissen  (146*27).  Darum  wurde  auch  hier  die  letzte  Er- 
mahnung  Rulmanns  als  „dritte  Materie"  eingefligt.     Demgemä0 


nmi 

laiLl 

ing,.] 

j 


67 

hätte  der  Schreiber  das  nun  folgende  Fünf*Mannenbueh  als  ^vierte 
Materie"^  bezeichnen  müssen,  er  bezeichnet  es  aber  als  ,4ritte*^ 
Materie,  weil  das  Fünf*Mannenbuch  in  den  Pflegermemorialen  wie 
in  dem  Meistermemorial  stets  die  ,4ritte  Materie^  bildeta  So 
sklayisch  hielt  sich  also  der  Schreiber  an  seine  früheren  Vorlagen! 

Den  Epilog  endlich  (218*12)  finden  wir  im  Briefbuch  wieder, 
jedoch  mit  einigen  Text-Abweichungen.  Die  Nachträge  dagegen 
sind  teils  den  Pflegermemorialen,  teils  dem  Briefbuch  entnommen. 

Der  zweite  Teil  der  Handschrift  hat  ein  lateinisches  Memo« 
rial  zur  Vorlage,  das  wenigstens  106  Kapitel  zählte.  Wir  haben 
früher  (S.  47)  darauf  hingewiesen,  daß  dieses  das  „Große  Latei- 
nische Memorial'^  sein  muß,  dessen  Schluß  das  109.  Kapitel  mit 
dem  Gedichte:  „De  thesauns  summi  regis^^  bildete.  Auch  dieses 
Gedicht  findet  sich  in  vorliegendem  Memorial  wieder  und  zwar 
UH  lateinischen  Urtext  wie  in  deutscher  Übersetzung.  Das  Ge- 
dicht über  die  „Privilegien  der  Mindem-Bruderachaft'*  ist  nur  eine 
Nachbildung  des  ersteren  und  stammt  wohl  aus  dem  Bruder^ 
schaftsbuch.  Den  Schluß  des  Memorials  bilden  Statuten  für  die 
drei  Pfleger. 

Als  seine  Vorlagen  bezeichnet  das  erweiterte  Pfleger- 
memorial  zunächst  die  drei  Urkundenbücher  des  Johanniterhauses 
inj  allgemeinen  219*13,  222*31;  sodann  die  drei  Pflegermemoriale 
200*13;  das  Memorial  des  obersten  Meisters  220*15,  27;  das 
Große  Lateinische  Urkundenbuch  221*35  0,  das  Brief  büchlein  218*25, 
219*2  und  das  Bruderschaftsbuch  221*19. 

Da  vorliegendes  Memorial  alle  genannten  Urkundenbücher 
wenigstens  in  ihren  Hauptteilen  zur  Voraussetzung  hat,  kann  es 
auch  erst  nach  diesen,  also  erst  nach  1393,  entstanden  sein.  Noch 
genauer  läßt  sich  die  Zeit  bestimmen,  da  die  erste  Materie  eine  Ur- 
l^unde  des  obersten  Meisters  Hesse  Schlegelholz,  vom  25.  Juni  1401 
^lauert,  enthält  Um  diese  Zeit  muß  also  das  erweiterte  Pfleger- 
'Demorial  entstanden  sein,  jedenfalls  noch  vor  Nikolaus  von  Löwens 


^j  Ebenso  wird  das  Große  Deutsche  Memorial  bei  der  Aufzäbluug  der  Ablässe 
«rwihnt:  „ouch  gii  hobest  Honoi'ius  an  dem  catfritage,  an  des  heiigen  crätzsa 
^^  m  dem  herbeste  und  an  dem  vocabde  fest  dri  stunt  in  dem  jare  xl  jor  und 
^  ceLrm$H  in  einer  sunderept  bullen,  ist  von  irorte  zu  irm-te  ganz  gesckriben  in 
^  Sihs  ufid  hundersten  capiteJe  des  latinen  Urkunde  buchs  zu  dem  Grünenwerde 
^'^  anevokende:     Üna  cum  fratribus  nostris  cardinalibu».^^    S'\ft\ift  o\>e»w^,  k\. 


68 

Tod  (gest.  3-  April  1402).  Ob  Nikolaus  von  Löwen  das  Buch 
noch  eigenhändig  geschrieben  oder  durch  einen  andern  hat  ab- 
schreiben lassen,  liiUl  sich  freilich  nicht  bestimmen.  Lange  Zeit 
war  fiir  dessen  Anfertigung  keineswegs  erforderlich,  da  sein  Inhalt 
mit  geringen  Au.'inahmen  nur  eine  neue  Zusammenstellnug  schon 
vorhandenen  Materials  ist,  so  dali  es  gut  in  der  Zeit  vom  Juni 
1401  bis  April  1402  vollendet  werden  konnte.  An  einer  Stelle 
yerrät  sich  der  Verfasser  deutlich,  wo  er  von  dem  Schwüre  spricht, 
den  die  Mitglieder  der  Mindern-Bruderschaft  schwören  muUten, 
„alse  ein  erwürdiger  comendure  zu  Klingenowe  und  zu  Bubecon 
genannt  bruder  Wernher  Schurer  mit  sin  selbes  munde  seile  bruder 
Claus  von  Löfene,  eime  convente  briider  zu  dem  Griinenwerde  zu 
Strasburg  desselben  sante  Johanns  ordens,  in  den  ziten,  do  ime 
die  bruderschaft  wart  bevolhen  anzuschribende* 
(22  mo). 

Diese  Stelle  zeigt  deutlich,  dali  auch  das  erweiterte  PQeger- 
memorial  vor  dem  Tode  Nikolaus  von  Löwen?  angefertigt  wurde; 
denn  wjre  dieses  Memorial  erst  nach  dem  Tode  des  Nikolaus  von 
Löwen  geschrieben  worden,  und  hätte  es  jemanden  anders  als  ihn 
zum  geistigen  Urheber,  so  hätte  der  Verfasser,  der  unter  allen 
Umständen  ein  StraÜbui^er  Johanniterbruder  sein  mull,  an  ge- 
nannter Stelle,  dem  allgemeinen  Brauche  entsprechend,  nicht  ver- 
fehlt, Nikolaus  von  Löwen  als  ,.selig",  d.  h.  als  verstorben  zu  be- 


9.  Das  Broderschaftsbnch. 

Neben  diesen  Memorialbüchem  befand  sich  im  Jobanniter- 
haus  zu  Strallburg  noch  ein  Bruderschaftsbuch,  in  dem  alle  Per- 
äonen eingetragen  waren,  welche  der  grollen  oder  kleinen 
Bruderschaft  des  Hauses  angehörten.  Zur  großen  Bruderschaft 
wählten  diejenigen,  welche  sich  mit  Leih  und  Gut  dem  Johanniter- 
haus  verschrieben.  Wir  können  sie  als  eigentliche  „Ptründner" 
des  Hauses  bezeichnen,  Ihr  Gelöbnis  bei  der  Aufnahme  findet 
sich  in  der  Handschrift  Nr.  467  der  Freiburger  Universitätsbiblio- 
thek!). Die  kleine  Bruderschaft  dagegen  umfaßte  alle,  welche  all- 
jährlich dem  Johanniterorden  ein  bestimmtes  Opfer  gaben   und 

'J  }ldherei  lieba  ob«D  iu  dem  K&pitel  ,Dio  beuQtiteD  üandschnnea  und  Urkuodsn.*' 


69 

versprachen,  auch  in  ihrem  Testamente  das  Johanniterhaus  be- 
denken zu  wollen.  Bei  ihrer  Aufnahme  gelobten  sie  darum,  dem 
Orden  treu  zu  sein,  seinen  Schaden  zu  wenden  und  seinen  Nutzen 
zu  {ordern  und  sich  lebenslänglich  „zinßhaft^^  zu  machen,  auch 
„etwas  zu  besetzende  noch  [ihrem]  tode  zu  einer  gedehtnis". 
Darauf  wurden  sie  aller  guten  Werke,  die  im  Orden  geübt  wurden, 
teilhaftig,  ebenso  aller  Ablässe,  welche  je  die  Päpste  dem  Orden 
verliehen  haben  und  noch  verleihen  werden. 

Diese  Bruderschaft  verdankt  ihre  Einführung  Nikolaus  von 
Löwen,  der  auf  den  Rat  des  Johanniterkomturs  von  Klingnau; 
Bruder  Werner  Schurers,  dieselbe  auch  im  neu  gegründeten 
Hause  zum  Grünenwörth  einführte.  Er  legte  demgemäß  auch  das 
Bruderschaftsbuch  in  der  Weise  an,  daß  jede  Person  nach  dem 
Anfangsbuchstaben  ihres  Namens  auf  das  betreffende  Blatt  der 
alphabetisch  registrierten  Handschrift  eingetragen  wurde.  Dem 
Namen  folgte  eine  kurze  Skizze  des  Lebens  samt  Au&ählung 
der  dem  Hause  etwa  erwiesenen  Wohltaten  oder  zugewendeten 
Gaben  (221*19  ff.). 

Von  dem  Bruderschaftsbuch  erfahren  wir  auch  durch  Götz- 
mann,  der  aus.  ihm  einige  Auszüge  bringt^). 

Aus  dem  Bruderschaftsbuch  heraus  erwuchs  nach  dem  Tode 
Nikolaus  von  Löwens  die  Anlage  eines  Nekrologs,  dessen  wir  be- 
reits in  einem  früheren  Abschnitte  gedacht  haben^). 


B.  Die   Memoriale  in  ihrer  gegenseitigen 

Abhängigiceit. 

Nachdem  wir  des  näheren  das  Material  unserer  Untersuchung 
^d  dessen  Inhalt  einer  Prüfung  unterzogen  haben,  ist  es  ange- 
bracht festzustellen,  wie  die  einzelnen  Urkundenbücher  sich  zu 
einander  verhalten.  Es  wird  dies  zugleich  die  Übersichtlichkeit 
erhöhen  und  vor  Fehlschlüssen  bewahren. 


')  Hs.  G  S.  SQlH,  Paruacb  stund  im  Bruderschaftsbuch,  welches  das  Biblio- 
^'^«ksieicheii  -F  trüg,  am  17.  Blatt  der  Ordoungsbrief  dos  Hosso  Schlogelholz  vom 
2ö.  Juni  1401.        • 

*)  Vgi  obep  dAS  KapitpJ ;  ^Die  henützton  Handschriften  und  l^Tkun^^^.'* 


70 

1.  Der  Redaktor  sämtlicher  für  die  Gottesfreundfrage  in  Be* 
tracht  kommenden  Urkundenbücher  des  Jobanniterhauses  ist 
Nikolaus  von  Löwen.  Diesen  Fundamentalsatz,  der  aus  der 
bi^rigen  Untersuchung  gewonnen  wurde,  sei  hier  vorangestellt, 
weil  er  auf  einen  Schlag  mit  sehr  vielen  Irrtümern  aufräumtt 
welche  bisher  über  die  Gottesfreundhandschriften  in  Umlauf  war^i. 
Ob  Nikolaus  von  Löwen  alle  Urkundenbücher  eigenhändig  ge* 
schrieben  oder  beim  Schreiben  die  Unterstützung  seiner  zwei  Ge- 
nossen, des  Nikolaus  Zorn  und  Heintz  von  Andlau  fand,  sei 
dahingestellt  Ersteres  ist  wahrscheinlicher  als  letzteres.  Mit 
Sicherheit  läßt  sich  vorerst  nichts  feststellen,  da  der  größere  Teil 
der  Memorialbücher  verloren  ist.  Und  selbst  wenn  alle  Hand-» 
Schriften  noch  vorhanden  wären,  würde  man  auf  dem  Wege  der 
Schriflvergleicbung  allein  schwerlich  zu  einem  sichern  Ergebnis 
gelangen,  da  die  sog.  gothische  Schrift,  in  der  die  Urkundenbücher 
geschrieben  sind,  zu  wenig  individualistisch  ausgebildet  ist,  um 
etwa  zwei  oder  drei  verschiedene  Hände,  die  zu  gleicher  Zeit  und 
am  gleichen  Orte  schreiben,  erkennen  zu  lassen.  Auch  sind  die  noch 
vorhandenen  Originalhandschriften  keineswegs  in  einem  Zuge  ge- 
schrieben ;  sie  bestehen  vielmehr  aus  verschiedenen,  mehrere  Jahre 
auseinanderliegenden  Teilen,  die,  wenn  auch  von  derselben  Hand 
geschrieben,  doch  mit  den  Jahren  veränderte  Schriftziige  auf- 
weisen müssen.  Die  Möglichkeit  also,  daß  Nikolaus  von  Löwen 
alle  Urkundenbücher  ohne  fremde  Hufe  geschrieben  hat,  wird  des- 
halb kaum  bestritten  werden  können.  Selbst  bei  der  Annahme,  daß 
Nikolaus  von  Löwen  erst  im  Jahre  1390  mit  der  ersten  Hand- 
schrift begonnen  hat,  konnte  er  in  zwölf  Jahren  die  neun  aufge- 
führten Urkundenbücher  vollendet  haben,  umsomehr,  da  dieselben, 
wie  wir  noch  genauer  sehen  werden,  großenteils  nur  Abschriften  von 
bereits  vorhandenem  Material  sind,  das  geschickt  verteüt  und  an- 
einander gereiht  wurde. 

2.  Alle  Urkundenbücher  des  Johanniterhauses,  welche  mit  der 
Gottesfreundfrage  zusammenhängen,  sind  erst  nach  dem  Tode 
R  u  1  m  a n n  M  e  r  s  w  i  n  s  angefertigt  worden.  Daß  damit  die  Frage, 
welchen  Einfluß  Rulmann  Merswin  auf  den  Inhalt  dieser  Urkunden- 
bücher ausübte,  aufs  innigste  niitberührt  wird,  ist  einleuchtend. 
Wohl  wird  man  aus  dieser  Tatsache  nicht   ohne   weiteres  den 

Schluß  ziehen  dürfen :  also  hat  Rulmann  Merswin  mit  dem  ganzen 


•71 

Inhalt  der  Handschriften  nichts  zu  schaffen.  Aber  dieser  Umstand 
wird  doch  die  Behauptung  derer  in  Frage  stellen,  die  da  sagen, 
Ruimann  Merswin  ist  allein  der  Fälscher  der  Gottesfreund- 
sehriften,  umsomehr,  wenn  wir  sehen,  daß  erst  ein  Jahrzehnt  nach 
Rulmanns  Tode  die  wichtigsten  Bücher  —  man  denke  nur  an 
das  Briefbuch  —  entstanden  sind.  Die  beiden  angeführten  Thesen 
bilden  demnach  die  feste  und  unerschütterliche  Basis,  auf  dem 
wir  die  Gottesfreundfittge  aufbauen,  um  dadurch  zur  richtigen 
Lösung  zu  gelangen. 

3.  Wenn  man  die  zeitliche  Aufeinanderfolge  der  Hand- 
schriften bestimmen  will,  so  ist  wohl  im  Auge  zu  behalten,  daß  von 
önem  Nacheinander  derselben  nicht  in  dem  Sinne  die  Rede  sein 
kann,  als  ob  erst  nach  völliger  Vollendung  des  einen  Urkunden- 
buches  das  andere  in  Angriff  genommen  warde.  Die  einzelnen 
ürkundenbücher  laufen  vielmehr  nebeneinander  her,  und  von 
einem  Nacheinander  kann  jeweils  nur  bei  dem  ersten,  ur- 
sprünglichen Teil  der  Handschriften  die  Rede  sein.  In  diesem 
Sinne  bilden  die  beiden  Memoriale:  das  Erste  Lateinische-  und 
das  Große  Deutsche  Memorial  die  Grundlage  aller  anderen  später 
angelegten  ürkundenbücher  des  Hauses  zum  Grünenwörth.  Beide 
batten  einen  ganz  verschiedenen  Inhalt,  aber  einen  Inhalt,  der 
sieb  gegenseitig  ergänzen  sollte.  Davon  war  das  eine  Urkunden- 
buch  in  lateinischer,  das  andere  in  deutscher  Sprache  abgefaßt, 
ein  Umstand,  der  die  Benützung  des  lateinischen  Memorials,  das 
zum  Verständnis  des  Großen  Deutschen  Memorials  doch  durch- 
aus notwendig  war,  den  Laienbrüdern  des  Johanniterhauses  un- 
niöglieh  machte.  In  seiner  Fürsorge  für  alle  Brüder  faßte  darum 
Nikolaus  von  Löwen  den  Entschluß,  diesem  Mißstand  abzuhelfen. 
Er  übersetzte  das  lateinische  Memorial,  aber  zunächst  nur  die 
Materien,  welche  für  die  Geschichte  des  Johanniterhauses  am 
wichtigsten  waren.  Das  waren  die  drei  Stücke:  Gründungsge- 
scbiehte  und  die  Viten  der  beiden  Stifter:  das  Büchlein  von  den 
Vier-Jahren  und  das  Fünf-Mannenbuch.  So  entstand  das  dritte 
der  ofBziellen  Ürkundenbücher,  das  Kleine  Deutsche  Memorial. 
Als  Anhang  brachte  dasselbe  den  Begleitbrief  zum  Meister- 
buch sowie  die  Sakramentspredigt,  beides  Abschnitte  aus  dem 
sogenannten  Meisterbuch.  Alle  drei  Memorialbücher  konnten 
in  ihrer  ursprünglichen,  einfachen  Gestalt  in  den  Jahren  \^%^-\?>%b 


ang^ertigt  seio.  Da  vollzog,  sieh  im  letzten  Dezemiium  des 
14.  Jahrhunderts  ein  vollständiger  Uniäcliwung,  der  sich  in  ganz 
.nogewöbnlicben  und  seltsamen -Manipulalionen,  die  Nikolaus  von 
tiSwea^aaden  bereits  bestehenden  Haiidscliriften  vornimmt,  kund 
gibt  Wie  von  ungdahr  wurde  Nikolaus  von  Löwen  imie,  dali 
dCT  Text  des  lateinischen  Memorials  mit  dem  deuLscheu  Texte. 
wie  er  aus  dtan  Munde  des  Gotleafreundes  hervorging,  nicht  mebr 
übareinstimmte.  Er  zerteilte  darum  da^  lateinische  Memorial,  da^ 
bisher  die  erste  Rolle  gespielt  hattf,  in  zwei  liücher  und  benannte 
ue  mit  dem  Namen  t^übriggebliebciu"'  Laleinbiicher.  So  ward 
das  Erste  Lateinisdie  Memorial  seines  uri^priin^lichen  Wertes  be- 
raubt  und  a«f  die  Seite  gesetzt,  wit-  es  schon  im  Wort  „übrig- 
gi^^ben'*  deatUch  genug  ausgedriickt  i^t,  und  wodurch  Nikolaus 
yoD  Löwea  seine  ganze  Tätigkeit  aurdeckt.  Dal)  solche  Vorgänge 
nicht  ohne  Einfluß  auf  dm  ursprünglichen  Text  des  Grollen-  und 
des  Kleinen  Deutschen  Memorials  blieben,  ist  leicht  erklärlich.  Auih 
sie  erfuhren  mannigfache  yeräaderungen.  Dem  Großen  Deutschen 
Memorial  wurde  ein  zweiler -Teil  mil  neuem  Titelblatt  beigenigt 
nnd  an  dem  älteren  Teil  maon^&che  und  nicht  unwichtige  Ände- 
rungen durch  Rasuren  und  Korrekturen  voryenummen.  Gleiche 
Vorgänge  werden  sich  an  dem  Text  des  Kleinen  Deutschen  Me- 
morials abgespielt  haben,  wenn  wir  dieselben  auch  nicht  mehr 
feststellen  können,  da  die  Originalhandschrift  verloren  gegangen  ist 
An  Stelle  des  Ersten  Lateiuischen  Memorials  trat  nun  eine 
lieue  verbesserte  und  vermehrte  Auflage,  das  Grolle  Lateinische 
Memorial.  Auch  das  Kleine  Deutsche  Memorial  hatte  eine  ver- 
besserte aber  gekürzte  Auflage  in  den  drei  Pflegermemorialen  er- 
halten, zu  deren  SchaiTung  äullere  geschichtliche  Vorgänge,  die 
sich  ums  Jahr  1393  im  Johanniterhause  abspielten  und  weiter 
unten  zu  besprechen  sind,  den  Anlali  gegeben  haben.  Während 
die  ersten  drei  Urkundenbücher  zunächst  nur  Tür  die  Brüder  des 
Hauses  und  zu  historischen  Zwecken  bestimmt  waren,  sollten  die 
drei  Pflegerqiemoriale  mehr  praktischen  Zwecken  dienen,  um  in 
den  drei  Pflegern  jene  Gesinnung  gegen  das  Haus  wach  zu  halten, 
wie  es  der  ausdrückliche  Wunsch  und  das  Verlangen  der  gott- 
seligen Stifter  des  Johanniterhauses  von  Anfang  an  gewesen 
war.  Ein  ums  Jahr  1399  eingetretener  Weclisel  im  Amte  des 
Johannitermeisters  in  deutschen  Landen  gab    den  Anlaß,    auch 


73 

diesem  ein  den  Pflegermemorialen  gleichlautendes  Exemplar  zu 
\^idmen,  um  seine  Sympathien  zu  gewinnen  und  jeden  Eingriff  in 
die  ganz  eigenartigen  Konstitutionen  des  Hauses  zu  verhüten. 
Auch  diese  vier  Memoriale  erleiden  im  Laufe  der  Zeit  mannig- 
fache Abänderungen  und  Zusätze  vor  allem  vom  25-31.  Kapitel 
ihres  Inhalts. 

Um  die  gleiche  Zeit,  d.  h.  zwischen  1394  und  1400,  denkt 
Nikolaus  von  Löwen  auch  daran,  die  allerwichtigsten  Schriften 
der  beiden  Stifter  des  Hauses,  des  Gottesfreundes  vom  Oberland 
und  Rulmann  Merswins,  ihre  eigenhändigen  Lebensbeschreibungen 
und  ihren  Briefwechsel,  in  einem  eigenen  Ürkundenbuch,  dem:  er 
den  Namen  Brief  buch  beilegt,  zu  sammeln.  Damit  hatte  Nikolaus 
von  Löwen  sein  Ziel  erreicht,  zwar  spät  und  in  der  regellosesten 
Aneinanderreihung,  von  der  das  Briefbuch  Kunde  gibt,  aber  immer 
noch  vor  dem  Ende  seines  Lebens.  Ja  er  hatte  sogar  noch  die 
Muße,  das  Große  Lateinische  Memorial  teils  auszuziehen,  teils  zu 
übersetzen,  um  daraus  das  erweiterte  Pflegermemorial  zu  schaffen. 
Es  war  wohl  eines  seiner  letzten  Werke.  Der  Tod  nahm  ihm 
im  April  1402  die  Feder  aus  der  Hand,  die  er  niit  so  vielem 
Fleiße  Jahre  hindurch  als  Sekretär  Heinrich  ßlankharts  von 
Löwen  wie  Rulmann  Merswins  geführt  hatte. 


in. 

Die  Memorialbücher  von  Grünenwörth  nadi 
ihren  einzelnen  Bestandteilen. 


So  verschiedenartig  auch  die  Namen  und  die  (xestalt  der 
ürkundenbücher  des  Straßburger  Johanniterfaanses  sind,  so  Ußt 
sich  doch  ihr  Hauptinhalt  in  vier  Gruppen  susammenfessen. 
Diese  sind: 

1.  Die  Chronik  oder  die  Gründungsgeschichte  von  GrOnea- 
wörth  zu  Straßburg. 

2.  Die  angeblich  eigenhändigen  Viten  der  beiden  Gründer  des 
Hauses:  des  Gottesfreundes  und  Rulmann  Merswins. 

3.  Verschiedene  aszetisch-mystische  Traktate,  angeblich  verfallt 
von  den  genannten  Gründern. 

4.  Der  sog.  Briefwechsel  des  Gottesfreundes  vom  Oberiand 
mit  StraUburg. 

Um  einen  sicheren  Untergrund  für:  die  folgende  Untersuchung 
zu  gewinnen,  behandeln  wir  zuerst  die  Traktate,  weil  man  von 
ihnen  aus  am  besten  beurteilen  kann,  von  welchen  Gedanken  sich 
NUcolaus  von  Löwen  bei  seinen  Arbeiten  leiten  ließ. 


l.  Die  aszetisch-mystischen  Traktote. 

Bei  den  Traktaten  können  wir  unterscheiden:  solche,  welche 
nur  in  deutscher  Sprache,  und  solche,  welche  sowohl  in  latei- 
nischer als  deutscher  Sprache  von  Nikolaus  von  Löwen  in  die 
ürkundenbücher  gesclmeben  wurden.  Ihrer  zeitlichen  Entstehung 
nach  zerfallen  sie  in  drei  Abschnitte. 


75 

a)  Der  Traktate  erster  Teil.  Der  erste  Teil  der 
deutschen  Traktate  —  16  an  der  Zahl  —  ist  im  Großen  Deutschen 
Memorial  enthalten,  wo  sie  den  ältesten  Bestandteil  der  Hand- 
schrift bilden.  Bei  der  kritischen  Behandlung  dorsdben  ist  der 
eigentliche  Text  dieser  Traktate  von .  den  Rubriken  und  einleiten* 
den  Bemerkungen  streng  zu  scheiden,  da  diese  insgesamt  von 
Nikolaus  von  Löwen  stammen.  Dies  ist  umsomehr  im  Auge  zu 
behalten,  weil  die  einleitenden  Rubriken  sich  auf  Dinge  beziehen, 
welche  für  die  Kritik  sehr  wichtig  sind,  nämlich  auf  die  Herkunft 
und  Deutung  der  Traktate. 

Die  16  deutschen  Traktate  stehen  im  Großen  Deutschen  Me- 
nwrial  in  folgender  Reihenfolge  (20*29 ff.): 

1.  Zwei  fünfzehnjährige  Knaben. 

2.  Der  gefangene  Ritter. 

3.  Zwei  Klausnerinnen:  Ursula  und  Adelheid. 

4.  Zwei  hl.  Klosterfrauen  im  Baiernland. 

5.  Die  geistliche  Stiege. 

6.  Die  geistliche  Leiter. 

7.  Das  Fünklein  in  der  Seele. 

8.  Eine  „letze"  fiir  einen  jungen  Ordensbruder. 

9.  Von  einem  eigenwilligen  weltweisen  Manne. 

10.  Eine  dem  Gottesfreund  in  der  Christnacht  zuteilgewordene 
Offenbarung. 

11.  Ein  junger  Weltmann,  der  Deutschordensherr  wurde. 

12.  Eine  Warnungstafel  des  Gottesfreundes. 

13.  Das  Bannerbüchlein. 

14.  Die  drei  Durchbrüche. 

15.  Die  sieben  Werke  der  Barmherzigkeit. 

16.  Von  der  zuvorkommenden  Gnade. 

Von  einer  Wiedergabe  ihres  Inhaltes  kann  hier  abgesehen 
werden ;  man  müßte  nur  wiederholen,  was  J  u  n  d  t  bereits  sehr  aus- 
führlich behandelt  hat.^)  Außerdem  ist  der  größte  Teil  der  Trak- 
tole gedruckt,  so  daß  sich  jedermann  ihren  Inhalt  vergegenwär- 
tigen kann. 

Nikolaus  von  Löwen  läßt  in  seinen  einleitenden  Bemerkungen 
keinen  Zweifel  daran  aufkommen,  daß  nach  seiner  Ansicht  allen 


')  Vor  allem  in  seinem  Werke:    Rulman  Merswia  et  Tarai  de  Dieu    de  TOber- 
^.    Paris  1890. 


7« 

Trakten  wirkliche  Erlebiii»se:zu  Grunde  liegen.  Die  Perstonäi, 
die  genannt  sind,  sind  historische  Personen  und  die  Worte  und 
Taten,  die  von  ihnen  beschrieben  werden,  sind  wirklich0,  greif- 
bare Geschehnisse.  An  erster  Stelle  steht  unter  den  genanten 
Personen  der  Gottesfreund  vom  Oberland,  Rtümann  MerswlAs 
heimlicher  Geselle,  wie  er  immer  genannt  wird,  der  gerade  so  .wie 
Rulmann  Merswin  eine  historische.  Persönlichkeit  gewesen  seu 

Auf  die  Frage,. wen  die  Traktate  zum  Verfasser  .baben,.a&ft- 
wortet  uns  Nikolaus  von  Löwen  ganz  schlagfertig:  alle  Traktate 
stammen  von  den  beiden  Stiftern  des  Hauses  (22*1),  und  zjnrar 
näherhin  Nr.  1-12  vom  Gottesfreund  im  Oberland,  13-16  dag^en 
von  Rulmann  Merswin,  der  sie  jedoch  nur  auf  An^gung  des 
Gottesfreundes  geschrieben  h^t  (22*4).  Freilich  kamen  den  Bfüdem 
des  Johanniterhauses  die  Schriften  des  Gottesfreundes  (Nr..  1-12) 
nicht  unmittelb^  von  ihm  zu,  sondern  durch  Vermittlung  Rul- 
manns.  Rulmann  aber  erhielt  sie  in  den  ersten  ..Jahren  ^seines 
anfangenden  Lebens^S  d.  h.  nach  Nikolaus  von  Löwen  in  den  Jahrm 
1348-1352.  Dreißig  Jahre  behielt  sie  sodann  Rubnaim  im  QesitEe, 
ohne  sie  auch  nur  einem  der  Brüder  zu  zeigen.  Erst  yier,:Jahre 
vor  seinem  Tode  schrieb  er  sie  den  Brüdern  .auf  Wachsti^eh, 
ließ  aber  alle  Orts-  und  Personennamen  weg  und  verbrannte 
darauf  sofort  die  Originale  (19*35  ff.)- 

Fragen  wir  Nikolaus  von  Löwen  weiter  um  die  Deutung, 
welche  Stellen  in  den  Traktaten  von  dem  Leben  und  Wirken 
des  üottesfreundes,  welche  von  Rulmann  Merswin  handeln,  dann 
lautet  die  Antwort  ganz  bestimmt  und  zuversichtlich:  Men  soU 
üllewegent  in  denselben  bücJieren  verston  in  dem  Niderlender^  RuU' 
wan  Merswines  namme  und  bi  dem  Öberlender  eines  heinielichen 
gesellen  namme,  des  lieben  frnnt  gottes  in  Oberlant,  wo  und  wie 
dicke  es  iergent  in  allen  disen  bücheren  und  materien  geschrtben 
stot  (24"4).  Das  ist  zeitlich  die  erste  Deutung,  die  uns 
Nikolaus  von  Löwen  mitteilt.  Doch  bald  darauf  verbessert  er  sich 
selber.  Was  er  hier  mit  apodiktischer  Sicherheit  geschrieben, 
radiert  und  tilgt  er  wieder  aus,  um  uns  dafür  in  der  nach  Vol- 
lendung der  16  Traktate  geschriebenen  Vorrede  eine  andere  un- 
bestimmtere Deutung  zu  geben.  Da  heißt  es,  daß  in  den  Trak- 
taten enthalten  sei,  was  die  beiden  Stifter  von  %r  selbes  leben  und 
übunge  geschriben  hant  und  ouch  von  den  sünderlichen  erlühtef^n  gottes 


77 

(runden,  die  sie  wol  bekantent  (20*26;  17*7).  Darnach  hätten  wie 
also  in  den  Traktaten  das  Leben  und  die  Taten  der  beiden  Stifter 
wohl  von  dem  Leben  und  Wirken  ihrer  bekannten  Freunde  zu 
scheiden.  Prüfen  wir  daraufhin  die  Traktate,  so  sagt  uns  Niko- 
laus von  Löwen,  daß  in  Nr.  1  unter  dem  Sohn  des  reichen  Kauf- 
manns der  Gottesfreund  vom  Oberland  zu  verstehen  sei ;  in  Nr.  2 
ist  der  ungenannte  Berater  des  Ritters  in  seinen  9  Jahren  der 
Gottesfreund.  In  Nr.  5  und  10  werden  die  dort  erzählten  Offen- 
barungen dem  Gottesfreund  zugeschrieben;  in  Nr.  6  ist  der  eine 
der  Sprechenden  der  Gottesfreund,  dagegen  sind  unter  den  anderen 
auftretenden  Personen  nicht  mehr  Rulmann  Merswin,  sondern  dem 
Gottesfreund  und  durch  den  Gotteslreund  auch  Rulmann  bekannte 
Freunde  und  Freundinnen  zu  verstehen  i). 

Aus  diesen  Ausführungen  schon  wird  jeder  erkannt  haben, 
worauf  es  bei  unserer  Untersuchung  allein  ankommt.  Es  handelt 
sich  lediglich  darum,  ob  die  Deutung,  welche  uns  Nikolaus  von 
Löwen  von  den  Traktaten  gibt,  die  richtige  ist  oder  nicht. 
Aber  ist  denn  Nikolaus  von  Löwen  nicht  glaubwürdig?  wird  man 
fragen.  Haben  wir  überhaupt  Grund,  seine  Glaubwürdigkeit  in 
Zweifel  zu  ziehen,  wo  er  Rulmann  Merswin,  durch  dessen  Hand  alle 
Traktate  gingen,  doch  so  nahe  stand  und  darum  am  besten  von 
ihm  ihre  Deutung  und  Herkunft  erfahren  konnte?  Ganz  gewiß,  denn 
was  Nikolaus  von  Löwen  über  die  Deutung  der  Traktate  bringt,  das 
kann  von  vornherein  nicht  den  Anspruch  eines  sicheren  Wissens^ 
sondern  bloß  den  einer  subjektiven  Meinung  machen.  Sagt 
er  doch  selber,  daß  Rulmann  Merswin,  von  dem  in  letzter  Linie 
alle  Traktate  stammen,  den  Brüdern  aus  lauterer  Demut  weder 
rinen  Namen  noch  irgend  eine  Deutung  der  Traktate  geoffenbart  hat. 
Darum  übergab  er  den  Brüdern  auch  nicht  die  Original-Traktate, 
sondern  schrieb  sie  selber  in  Wachs  tafeln,  in  denen  er  alles 
wegließ,  was  irgend  eine  Person  hätte  verraten  können,  und  ver- 
brannte sofort  die  Originale  (20*6  ff.)-  Sind  diese  Angaben  richtig, 
^nn  können  die  Deutungen  Nikolaus  von  Löwens  im  letzten 
Grunde  bloß  subjektiver  Art  sein.  Nikolaus  von  Löwen  konnte 
Qach  seinen  eigenen  Angaben  selbst  nie  mit  Sicherheit   sagen, 


*)  Sehr  lehrreich  ist  es,  daraufhin  die  Rubriken  der  einzelnen  Traktate  24*10  tf. 
°^t  dem  InhaltSTerzeichnis  20*29  ff.  zu  rergleichcu. 


78 

welche  von  dw  irielen  in  den  Traktaten  als  Gottesfireonde  ein- 
gefiihrten  Personto  gerade  der  gansE  bestimmte  Gottesfreund 
Rulmann  Merswins  GeseUe,  war.  Darum  haben  alle  Deatnqgs- 
versnche  Nikolaus  von  Löwens  nur  soviel  Werti  als  GrQnde  fii 
sie  sprechen.  Die  nähere  Unt^nuchung  aber  wird  uns  nicht  blof 
von  der  Unrichtigkeit  der  Angaben  des  Nikolaus  von  Löwen  Ob» 
sengen,  sondern  auch  klariegen,  daß  er  nicht  etwa  durch  Ruimami 
Herswin  getäuscht  wurde,  sondern  aus  ganz  bestimmten  Zweckei 
von  sich  aus  zu  den  vorgetragenen  Deutungvonnichen  gegrifibn  bat 

Fassen  wir  zunächst  die  zwölf  ersten  Traktate  ins  Auge 
die  nach  Näolaus  von  Löwen  von  einem  ganz  bestimmten, 
wenn  auch  unbenannten  Gottesfreund  im  Oberland  stammen  und 
von  Begebenheiten  aus  dessen  Leben  erzählen,  die  ihm  wirklicli 
widerfahren  sind. 

Diesen  Angaben  Nikolaus  von  Löwens  gegenfiber  zeigt  ein« 
nähere  Untersuchimg  dieser  Traktate: 

Die  Traktate  können  nicht  das  Leben  und  Wirken  einet 
Gottesfreundes,  d.  L  des  Gottesfireundes  vom  Oberland  e^ 
zählen,  weil  die  betreffenden  Angaben  sich  gegenseitig  wider- 

sprechen. 

Um  die  ganze  Tragweile  dieses  Satzes  richtig  zu  verstehen, 
muß  man  im  Auge  behaltcD,  daß  nach  Nikolaus  von  Löwen  dei 
Gottesfreund  sein  Leben  in  den  meisten  Traktaten  selber,  und  zwai 
kurz  nacheinander  (1348-1352),  beschreibt.  Eine  Selbstbiographie 
wird  und  kann  aber  nie,  falls  sie  auch  nur  irgendwie  auf  Wahrheil 
Anspruch  erheben  will,  widersprechende  Dinge  von  sich  enthalten 
und  das  noch  bei  Momenten,  die  in  dem  Leben  eines  Menschen 
von  größter  Bedeutung  gewesen  sind. 

Nehmen  wir  doch  nur  die  erste  Deutung  Nikolaus  von  Löwem 
an,  daß  an  allen  Stellen,  an  denen  von  dem  „Oberländer"  in  dec 
Traktaten  die  Rede  ist,  Rulmann  Merswins  heimlicher  Geselle,  ir 
dem  ,.Niederländer"  dagegen  Rulmann  Merswin  selber  zu  ver- 
stehen sei,  so  bekommen  wir  vom  Gottesfreund  wie  von  Rul- 
mann Merswin  eine  Biographie,  wie  man  sie  ungereimter  nichl 
denken  könnte.  Eines  weiteren  Nachweises  bedarf  es  gar  nicht 
da  schon  bei  oberflächUchem  Lesen  der  Traktate  die  offener 
Widersprüche  kundbar  werden ;  außerdem  hat  schon  Denifle  dies 


79 

bis  ins  einzelne  nachgewiesen^).  Wir  brauchen  aber  auch  auf 
Nikolaus  von  Löwens  Angabe  gar  kein  großes  Gewicht  zu 
legen,  da  er  ja  selbst  von  seiner  ursprünglichen  Deutung  abging 
und  zwar  allein  £uis  dem  Grunde,  weil  von  dem  Niederländer  = 
Rulmann  Merswin,  Dinge  berichtet  werden,  die  gar  wenig  als  Züge 
zu  dem  von  ihm  beabsichtigten  „Heiligenbilder^  passten.  In  der 
Folge  sieht  Nikolaus  von  Löwen  völlig  von  Rulmann  ab.  Von 
jetzt  an  spricht  der  Gottesfreund  in  den  Traktaten  nur  von  sich 
und  Freunden,  die  ihnen  beiden,  dem  Gottesfreund  und  Ruhnann, 
wohl  bekannt  waren.  Das  ist  die  zweite  Deutung  Nikolaus  von 
Löwens,  die  nicht  minder  ungereimt  ist  als  die  erste,  denn: 

Die  zwölf  Schriften  können  und  wollen  nicht  wirkliche 
Erlebnisse  erzählen.  Sie  sind  lediglich  aszetisch-mystische Trak* 
täte,  eingekleidet  in  die  ansprechende  Form  fingierter  Beispiele. 

Auch  dieser  Fundamen talsatz  bedürfte  keines  weiteren  Be- 
weises, wenn  es  nicht  so  schwer  fallen  würde,  sich  von  dem 
Banne  zu  lösen,  in  den  seit  Nikolaus  von  Löwen  alle  verwickelt 
wurden,  die  die  Gottesfreundfrage  behandelten.  Nur  Denifle  hat 
mit  einem  Schlage  den  Knoten  durchhauen  und  mit  großer  Schärfe 
den  Nachweis  geführt,  daß  wir  in  allen  Traktaten  keine  Menschen 
von  Bein  und  Bhit,  sondern  Schablonenmenschen  vor  uns  haben, 
die  gleich  Puppen  im  Marionettentheater  sich  aufführen,  kommen 
öQd  gehen,  wie  man  es  gerade  wünscht.  Betrachten  wir  nur 
einmal  die  zwölf  Traktate  in  ihrem  Aufbau. 

Die  ersten  vier  Traktate  stimmen  in  ihrem  ganzen  Aufbau 
voUständig  überein.  Wie  in  Nr.  1  und  2  die  beiden  Knaben  und 
die  zwei  Edelknechte  handeln,  so  handeln  in  Nr.  3  und  4  die 
beiden  Klosterfrauen.  Ihre  Bekehrung,  Visionen,  Übungen,  Ver- 
suchungen u.  s,  w.  kehren  fast  mit  denselben  Worten  wieder. 
Weiterhin  bilden  zusammengehörige  Stücke  Nr.  5  und  6,  die 
geistliche  Stiege  und  Leiter.  In  Nr.  7,  8,  9,  11  ist  der  Grund- 
ton  der  gleiche:  Gespräch  eines  Weltmannes  mit  einem  Alt- 
vater, der  ihm  den  Weg  zu  einem  vollkommenen  Leben  weisL 
Nr.  10  und  12  endlich  handeln  von  den  Plagen,  die  Gott  über 
^Je  Menschen  wegen  ihrer  Ungerechtigkeit  sendet.  Daneben  bieten 


')  Denifle,  Die  Dichtungen  des  Gottesfreiindes  im  Oberlands.     2.  Die  Proteus- 
"*tar  des  Gott^sfreandes  (Zeitschr.  f.  deutsches  Altertum  24  Ub80\,  ^ÄC)«.V 


80 

aber  die  einzelnen  Traktate  unter  sich  wieder  unzählige  Anklänge 
und  Übereinstimmungen,  vor  allem  dann,  wenn  die  eine  Person  der 
andern  ihr  Leben,  ihre  Versuchungen  und  Frömmigkeitsübungen 
erzählt.  Eine  so  weitgehende  Ähnlichkeit  ist  aber  bei  wirklichen 
Erlebnissen,  die  zu  verschiedener  Zeit  und  an  verschiedenen  Orten 
sich  abspielen,  schlechterdings  undenkbar.  „Trifft  man  schon  in 
der  Natur  um  uns  herum  nicht  zwei  Blätter  an,  welche  sich  voll- 
kommen gleichen,  so  noch  viel  weniger  zwei  Menschen,  zwei 
Charaktere  von  derselben  Beschaffenheit  und  Naturanlage.  Und 
wie  es  im  natürlichen  Leben  ist,  so  auch-  im  übernatürUchen. 
Die  Gnade  zerstört  nicht  die  Natur,  sondern  vervoUkomnmet  sie, 
heißt  der  alte  Satz.  Man  lese  nur  die  verschiedenen  Viten  jener 
Heiligen,  die  historisch  verbürgt  sind,  welcher  Mannigfaltigkeit 
begegnet  man  da!  Kein  Charakter,  ist  er  auch  in  derselben  Ge- 
sellschaft wie  ein  anderer  gebildet,  wiederholt  sich  in  derselben 
Weise.  Mögen  aber  solche  Charaktere  so  oder  anders  geartet 
sein,  immer  sind  es  greifbare  Gestalten  von  Fleisch  und  Bein. 
In  den  Schriften  des  Gottesfreundes  erhalten  wir  gerade  den  gegen- 
teiligen Eindruck.  Vor  allem  begegnen  wir  dort  keiner  einzigen 
Durchschnittsfigur;  ein  jeder  Charakter  zeigt  sich  zu  einer  ge- 
wissen Zeit  wie  mit  einem  Schlage  in  der  höchst  erreichbaren 
Vollendung.  In  den  Ubergangsstadien  findet  sich  im  großen  und 
ganzen  keine  Abwechslung  .  .  .  Immer  haben  wir  Automaten  vor 
uns,  Gott  spielt  ihnen  gegenüber  den  Mechaniker.  Es  sind  nicht 
lebensfiihige  Menschen,  nicht  greifbare  Gestalten,  .  .  es  sind  mit 
einem  Worte  Phantasiegebilde ').^'  Mit  diesen  Worten  hat  Denifle 
ganz  trelTend  die  Gestalten  der  Traktate  gekennzeichnet.  Es  sind 
Phantasiegebilde,  aber  sie  sollten  und  wollten  auch  nach 
dem  Plane  des  Verfassers  nichts  anderes  sein.  Es  ist  nur  die 
ihnen  später  von  Nikolaus  von  Löwen  gegebene  Deutung,  die  bis 
jetzt  ihren  wahren  Charakter  verdunkelt  hat.  Das  wahre  Wesen 
dieser  Schriften  ist  in  den  Worten  ausgedrückt:  es  sind  aszetisch- 
mystische  Traktate.  In  ihrem  innersten  Wesen  wollen  diese  Trak- 
tate den  Widerstreit  der  Well-  und  Gottesiiebe  im 
Menschenherzen  darstellen,  und  zwar  nicht  in  trockener,  schul- 
mäßiger   Form,     sondern    in    anziehender,     greifbarer    Sprache. 


^)  Ehvüihd  S.   4  74. 


81 

Dafür  wählte  der  Verfasser  höchst  geschickt  und  geistreich  die 
Dialog-  und  Briefform.  Er  läßt  die  Menschen  vor  unsem  Augen 
gleichsam  vorüberziehen,  läßt  sie  sprechen  und  handeln,  in  Fehler 
und  Laster  fallen,  um  sie  gleich  darauf  zu  den  höchsten  Höhen 
des  geistUchen  Lebens  zu  erheben.  Als  Beispiele  wählte  sich  der 
Verfasser  Menschen  aus  allen  Ständen:  Kaufleute,  Ritter,  Edel- 
knechte, Klosterfrauen  und  Ordensbrüder,  Beichtväter  und  Meister 
der  Heiligen  Schrift  haben  mit  der  Weltliebe  zu  kämpfen  und  be- 
dürfen der  Führung  und  Beratung  heüigmäßiger,  mit  Gott  ver- 
einigter Menschen,  der  „Gottesfreunde'S  um  selbst  „Gottesfreunde'*  zu 
werden  und  endlich  zu  jener  Stufe  zu  gelangen,  wo  die  Seele 
von  allen  äußern  Hindernissen  entledigt  und  keines  andern  Führung 
mehr  bedürfend,  allein  mit  Gott  verkehrt  im  übernatürlichen 
Schauen.  Das  sind  die  aszetisch-mystischen  Wahrheiten,  die  in 
den  Traktaten  verkörpert  sind. 

Im  engsten  Zusanunenhang  damit  stehen  andere  Gedanken, 
die  in  diesen  Schriften  so  oft  wiederkehren :  weü  die  Menschen 
statt  zur  reinen  Gottesliebe  sich  auCzuschwingen,  sich  immer  mehr 
in  die  Weltliebe  verstricken  und  auf  die  Warnung  der  gottver- 
vereinigten  Seelen,  der  „Gottesfreunde",  nicht  hören,  darum  kommt 
Gott  mit  seinen  Plagen,  um  die  Menschen  mit  Hungersnot,  Pest 
nnd  üngewitter  heimzusuchen^). 

So  sehen  wir  also  einen  offenen  Widerspruch  zwischen  dem 
Charakter  der  zwölf  Traktate  und  der  Deutung  des  Nikolaus  von 
Löwen.  Seine  Behauptungen  sind  unrichtig.  Die  Traktate  er- 
zählen nicht  vom  Leben  und  Wirken  des  Gottesfreundes  und 
seiner  Freunde,  weü  sie  von  vornherein  keine  wirklichen 
Erlebnisse  berichten  wollen.  Wenn  aber  Nikolaus  von 
Löwen  in  diesem  Punkt  so  unzuverlässig  ist,  so  werden  wir  ihm 
kein  größeres  Vertrauen  bei  seinen  Angaben  über  die  Herkunft 
<ler  Traktate  entgegenbringen  können,  wie  sich  später  zeigen  wird. 

Weder  aus  der  Rubrik  noch  aus  dem  Inhalt  des  13.  Trak- 
tats (32*16)  ist  zu  ersehen,  daß  mit  ihm  eine  neue  Abteilung  von 

^)  Maq  u^g  ja  geteilter  Meinung  sein,  ob  die  Form,  in  welche  diese  Gedanken 
«intekleidet  sind,  unter  allen  Umstanden  gelungen  ist,  ob  es  nicht  Beschränktheit 
^^rit,  wenn  alle  Gestalten  nach  einem  Schema  so  mechanisch  vorgefflhrt  werden. 
^W  nitii  darf  anch  nicht  an  die  mittelalterlichen  Literaturwerke  den  Maßstab  unserer 
^«otiien  Zelt  anlegen. 


82 

▼ier  Traktaten  beginnt,  die  Ruimann  Merswin  zum  VerfiBisser 
haben.  Nur  die  Vorrede  Nikolaus  von  Löwens  belehrt  uns  dar* 
über  und  zwar  mit  dem  charakteristischen  Zusätze :  wm  [B$UmanJ 
sehreip  oder  schriben  müste,  das  hei  er  also  gar  verborgen  under 
andere  materien  und  het  etteliche  geschrift  andern  goUesfrunden 
und  lerem  zügdeii  und  in  ire  buchere  vermüschet  von  groewr 
grunddoser  demütikeii  wegen,  das  er  woUe  von  allen  menschen  un^ 
bekant  sin  und  von  niemanne  erhaben  (22*5).  Nach  Nikolaus  von 
Löwen  ist  also  die  schriftstellerische  Tätigkeit  Rulmanns  nur 
eine  kompilatorische,  er  nimmt  „bucher^  nicht  mehr  allein  von 
dem  Gottesfreund  im  Oberland,  sondern  von  unbekannten  und 
bekannten  Gottesfreunden  und  Lehrern  und  vermischt  sie 
bloß  mit  seinen  eigenen  liebeglühenden  Worten.  So  haben  wir 
also  nicht,  wie  in  Nr.  1-12,  Originaltraktate,  sondern  bloß  Kompi- 
lationen schon  vorhandener  mystischer  Traktate  vor  uns.  Wie 
die  Traktate  des  Gottesfreimdes,  so  schreibt  Ruimann  auch  seine 
eigenen  Schriften  den  Brüdern  in  Wachs  (.33*8)i  und  zwar  in  den 
Tagen  seiner  letzten  Krankheit,  offenbart  aber  den  Brüdern  vor 
seinem  Tode,  daß  Gott  ihn  genötigt  habe,  diese  Traktate  zu 
schreiben  (34*6,  23*18).  Für  Nr.  13  und  14  hat  Nikolaus  von 
Löwen  die  Quellen  nicht  genannt,  die  ihnen  zu  Grunde  liegen. 
Er  betont  in  Nr.  14  bloß,  daß  Ruimann  Merswin  die  dort  be- 
handelten Materien  selber  geschrieben  habe  und  ^  auch  vermüschete 
mit  »inen  inbrünstigen  hitzigen  zügeleiten  minne  warten  (22*21). 
Des  näheren  besteht  der  14.  Traktat  aus  mehreren  Teilen,  deren 
Quellen  Denifle  aufgedeckt  hat\).  Traktat  15  besteht  aus  drei 
Teilen:  von  den  sieben  Werken  der  Barmherzigkeit;  von  den  sieben 
Gaben  des  hl.  Geistes;  von  der  Vorbereitung  zum  Empfang  der 
hl.  Kommunion.  Nach  Nikolaus  von  Löwen  stammt  der  erste  Teil 
US  eines  Juristen  buch,  der  zweite  usser  eime  anderen  buche,  das 
die  bewerten  lerer  gemäht  hant ;  der  dritte  Teil  endlich  ist  ein 
Zusatz  Nikolaus  von  Löwens  selber  (33*22  if.).  Traktat  16  ist  der 
Hauptsache  nach  dem  Bninldf  bücheUn  des  Bruder  Johanse  von 
Bi'isehruch,  des  waltpriesters  in  Brohant  entnommen. 

Diese  Geständnisse  Nikolaus  von  Löwens   sind  für   uns  von 
der   größten  Wichtigkeit.     Aus   ihnen   erfahren  wir  deutlich,  daß 

•)   DüiiiÜe,  Taulers  Bekehrung'  S.  3W  u.  I;i7  tt'.  —   Vd.  auch  Strauch,  Zur  Gottes- 
fr^-und frage  I  (Zeit>chr.  f.  deutsche  Philolu'sno   34.  "235  ff.). 


8S 

die  Traktate  auf  bewährte  Lehrer  und  ^Gettesfreunde^  unter  an^ 
derm  auf  Johannes  Ruisbrock  zurückgehen  und  angeblich  anter, 
der  Haad  Rulmanns  nur  einige  Textänderungen  erfahren  haben. 
Die  erste  Angabe  Nikolaus  von  Löwens  ist  unzweiielhaft  richtig, 
da  UB0  von  Traktat  14  und  16  die  Urquelle«!  bekannt  sind,  wäh- 
rend es  noch  nicht  gelungen  ist,  diejenigen  von  13  und  15  auf- 
zudeckea    Dagegen  muß  die  zweite  Angabe  Nikolaus  von  Löwens 
noch  geprüft  werden,  ob  Rulmann  Merswin  irgend  «ine  schrift- 
slellerische,  wenn  auch  nur  kompilatorische  Tätigkeit  an  Traktat 
13-16  zuzuschreiben  ist.    Ein  nicht  hoch  genug  anzuschlagendes 
Hilfsmittel  bei  dieser  Prüfung  ist  das  Geständnis  Nikolaus  von 
Löwens,  daß  er  selber  zu  den    angeblich  von  Rulmann  über- 
kommenen Traktaten  Zusätze  gemacht  habe.  Jedoch  wird  diese 
Frage  erst  vollständig  klar  werden,  wenn  wir  diejenigen  Traktate 
b^rachtet  haben,  welche  den  zweiten  Teil  des  Großen  Deutschen 
Manorials  bilden.    Es  sind 

b)  die  lateinisch-deutschen  Traktate.    Die  bisher 

behandelten  Traktate  haben  nach  Nikolaus  von  Löwen  nur  im 

Großen  Deutschen  ^Memorial  Aufnahme  gefunden.    Anders  verhält 

es  sich  mit  den  drei  Traktaten,  welche  den  zweiten  Teil  des  Großen 

Deutschen  Memorials  bilden :  dem  Meisterbuch,  dem  Zwei-Mannen- 

buch  und  den  Neun-Felsen.  Diese  drei  Traktate  waren  auch  ein 

Bestandteil  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  und  sollten  nach  dem 

ursprünglichen  Plane  Nikolaus  von  Löwens  niemals  ins  Deutsche 

übertragen  werden.     Außerdem  waren  noch  alle  drei  Traktate 

im  Johanniterbause  jeder  für  sich  m  einem  besonderen  deutschen 

Büchlein  vorhanden.    So  heißt  es  vom  Meisterbuch:  alse  [gerade 

so  wie  das  lateinische]  dasselbe  buch  seit,  das  wir  öch  zu  tütsche 

hont  von  worte  zu  warte  noch  dem  latine  (18*6);  vom  Zwei-Mannen- 

buch:   Und  dasselbe   buch  von  den  zweien  menschen,  die  fünf  iore 

des  lieben  frunt  gottes  anefang  in  Öberlant,  hant  wir  in  guter  texste  (!) 

geschrift  zu  tütsche  geschriben  [in  eime  sundern  büchelin,  das  Rül- 

mans  was,  das  er  selber  schriben  tet  noch  dem  exemplar,  das  ime 

gegeben  wart  von  sime  heimelichen  gesellen  dem  lieben  gottes  fründe 

in  öberlant  ....  Und  darzü  ist  es  in  dein  ersten  (lateinischen)  buche] 

gantz  und  gerwe  von  worte  zu  worte  zu  latine  geschriben  glich  als 

das  tütsch  seit  (18*35).    Von  den  Neun   Felsen  endlich  bemerkt 

Nikolaus  von  Löwen:    Das  buch  von  den  nun  veihen  ist  oucK  zu 


84 

kUine  geschriben» :  .  von  tvarte  zu  worte  glich  ais  mr  es  ouch  in 
Misch  hani  (19*22). 

Gelingt  es,  diese  drei  Büchlein  oder  wenigstens  eines  der- 
selben aufzufinden,  dann  sind  wir  in  den  Stand  gesetzt,  drei  Texte 
miteinander  vergleichen  zu  können :  den  lateinischen  Text,  wie  er 
im  lateinischen  Memorial  enthalten  ist,  den  deutschen  Urtext  des 
besonderen  Büchleins  und  eine  zweite  deutsche  Abschrift,  welche 
uns  im  Großen  Deutschen  Memorial  votüegt  Aus  diesen  Ver- 
gleichen können  wir  dann  auch  am  besten  die  Arbeitsweise  des 
Nikolaus  von  Löwen  kennen  lernen. 

a)  Das  Zwei-Mannenbuch. 

Nach  Nikolaus  von  Löwen  stammt  das  Zwei-Mannenbuch 
vorti  Gottesfreund  im  Oberland,  alse  er  es  selber  geschriben  gap 
unserme  lieben  Stifter e  Rüleman  Merstvine  (18*32)  und  zwar  vor 
dem  Jahre  1352.  Rulman  wieder  schrieb  es  nach  dem  Exemplar, 
das  ime  gegeben  wart  von  sime  heitnelichen  gesellen  dem  lieben  gottes 
frunde  in  Öberlant  (19*3)  in  ein  besonderes  Büchlein,  während  es 
Nikolaus  von  Löwen  nach  diesem  Exemplar  ins  Lateinische  und 
später  wieder  ins  Deutsche  übertrug. 

Nach  Nikolaus  von  Löwens  Deutung  ist  der  eine  von  den 
zwei  in  diesem  Büchlein  geschilderten  Menschen  der  Gottesfreund 
im  Oberland,  dem  die  großen  Mirakeln  widerfuhren  in  den  ersten 
fünf  Jahren  seines  anfangenden  Lebens  (IS'^IQ).  Nicht  so  deut- 
lich erfahren  wir,  wer  der  andere  Mensch  gewesen  ist,  dem  die 
grosse  trngyiisse  und  tcntruwe  widerfür  von  dem  valschefi  einsidde 
(19*12),  da  gerade  an  dieser  entscheidenden  Stelle  eine  ganze  Zeile 
ausradiert  ist.  Wir  begegnen  also  hier  derselben  Erscheinung, 
wie  wir  sie  bei  der  Deutung  des  ersten  Teils  der  Traktate  beob- 
achtet haben.  Nikolaus  von  L()wen  war  sich  selber  nicht  klar 
über  diese  so  wichtigen  Dinge  und  darum  tilgt  und  verbessert 
er,  was  ihm  früher  als  sichere  Tatsache  gegolten  hat.  Ebenso 
wichtig  ist  aber  das  Zugeständnis,  daß  in  dem  von  Rulmann  Mer- 
swin  geschriebenen  Exemplar,  dem  besonderen  Büchlein,  die  beiden 
auftretenden  Menschen  nur  als  der  eine  und  andere  ohne  weiteren 
Zusatz  angeführt  werden,  während  Nikolaus  von  Löwen  in  dem 
lateinischen  Memorial  den  Menschen  mit  den  fünf  Jahren  zur 
besseren  „Unterscheidung"  den  Jüngern^  den  andern  dagegen  den 


8& 

aliem  nennt  (19*1 7),  um  endlich  im  Großen  Deutschen  Memorial 
auch  diese  noch  unbestimmte  Benennung  durch  den  Zusatz  zu 
Yerdeutlichen:  Btämann  Merswines  heimelicher  geseUe  (41*17).  Um 
dieses  Geständnis  in  seiner  stufenmäßigen  Entwicklung  deutlich 
ZQ  machen,  sollen  hier  beide  Texte  nebeneinander  gestellt  werden. 


I.Teil  des  Memorials. 

„Und  das  men  derselben  menschen 
ODderscheit  an  dem  nammen  künne 
wissen  and  yerston,  dammb  ist  in  dem 
latine buche  der  mensche  mit  den 
f üü f  i  0  r  e  n ,  unser  lieber  frünt,  ge- 
nennet  der  jüngere  und  der  ander 
nensche  mit  den  sibentzehen  ioren 
ist  genennet  der  elter"  (l9*17). 


2.  Teil  des  Memorials^ 

Und  umb  das  men  den  onderscheit 
dirre  zweyer  nienschen  kunne  wissen 
und  gemercken,  darumb  so  ist  der 
liebe  gottes  frünt  in  Öber- 
lant,  Bülman  Merswines  un- 
sers  Stifters  heimelicher  ge- 
selle, genennet  in  disem  buche 
der  jünger  und  der  ander  mensche 
ist  genennt  der  elter,  der  dem  iünge- 
ren,  dem  vorgenannten  lieben 
gottes  früude  in  Öberlant, 
widerumb  seite  von  sime  lebende'' 
(41*3). 

Bei  der  näheren  Prüfung  der  Angaben  des  Nikolaus  von 
Löwen  kommt  uns  ein  glücklicher  Zufall  sehr  zu  statten.  Denn 
einen  Zufall  kann  man  es  nennen,  daß  die  angebliche  Urschrift 
Rulmann  Merswins  vom  Zwei-Mannenbuch  noch  erhalten  ist.  Es 
ist  die  Handschrift  Cod.  germ.  642  der  Straßburger  Universitäts- 
und Landesbibliothek,  die  Friedrich  Lauchert  herausgegeben  hat^). 
In  ihr  finden  wir  alle  Merkmale,  die  Nikolaus  von  Löwen  in  den 
obigen  Ausführungen  von  seiner  Vorlage  angegeben  hat.  Durch- 
weg werden  die  beiden  Menschen  „der  eine''  und  „der  andere" 
genannt  ohne  weiteren  Zusatz.  Das  Büchlein  enthält  keinen  Titel 
und  kein  Vorwort,  sondern  beginnt  mit  den  einfachen  Worten: 
In  gottes  namen  amen.  Es  beschach  uffe  eine  zit,  daz  ein  mensche 
groser  krancheit  an  sin  selbes  nature  befant .  .  .  Nirgends  ist  die 
Rede  von  dem  „Gottesfreund  im  Oberland";  der  eine  redet  den 
andern  bloß  an  mit  den  Worten:  nu  lieber  frünt,  oder:  ach  lieber 
frünt  gottes.  Nirgends  wird  im  ursprünglichen  Text  gesagt,  daß 
der  Gottesfreund  vom  Oberland  dasselbe  Ruhnann  Merswin  ge- 
sandt habe,  noch  auch  ist  das  Jahr  genannt,  wann  es  entstanden  ist. 


')  Fr.  Lftachert,    Des  Gottesfreundes    im  Oberland  [=  Rulmann  Merswins^ 
Baeh  ron  den  zwei  Mumen.     Bonn  1896, 


Nur  zwei  Einträge  am  Schtusae  klärea  nos  flbw  msBßcffleiä  aoC 
Der  erste  besagt,  daÜ  das  Bach  der  Gematlin  Rulmann  Merswins 
gehörte;  leer  dis  bück  findet,  der  sol  wissen^  das  es  ist  frouwe 
Gertrut,  Büleman  Merswins  wih,  und  sol  es  ir  durch  got  ni'd  ror- 
bekeben  «nd  sol  es  ir  widder  gehben.  Darnach  mülSte  Hulmann 
dieses  Büelilein  vor  1370  geschrieben  haben,  —  wenn  er  &£. 
wie  Nikolaus  von  Löwen  behauptet,  geschrieben  hat  —  da 
3fflne  Frau  Gertrud  in  diesem  Jahre  gestorben  ist.  Der  zweite, 
gleich  darauffolgende  Eintrag  stellt  dieses  Büchlein  als  Eigentum  der 
Johanniter  dar:  Dis  hüch  ist  des  kuses  und  der  brüdere  zu  dem 
Qrünemeerde  saute  Johans  Orden  und  ist  in  worden  von  iren  stif- 
iem:  Rüleman  Merswine  und  sime  genellen  dem  lieben  erlühteie» 
goites  fründe  in  Oberlant,  durch  den  üch  got  dise  selben  gnode»' 
riehen  wertf  unirckete.  Darumb  sol  dtsselbe  buch  dem  husr  zu  dem 
Oräneniverde  nieman  in  keiner  wise  niemer  etipfüren  noch  abege- 
itiehm  oder  vorbehaben;  er  veÜet  anders  in  ungenode  der  Iteiligen 
Trivaltikeit  und  der  himelhinigin  Marien,  der  müter  gottes,  und 
aller  Patronen  dezselben  golzhuse»  und  tempels  zu  dem  Grinentcerde, 
die  sA  darumb  pflogende  wurdent  in  zit  und  in  ewikeit,  ulse  sunder 
allen  zwivel  tcol  zu  glöbende  ist.  Dieser  Eintrag  slammt  mit  aller 
Sicherheit  TOn  Nikolaus  von  Löwen,  da  die  Schrift  mit  der  im 
Großen  Dentschen  Menwrial  identisch  ist').  Seine  Angaben  hier 
bedürfen  also  derselben  Prüfung  wie  diejen^en  im  Großen  Deutschen 
Memwial. 

Der  Urtext  des  Zwei-Maoneobuchs  bietet  nicht  den  ge- 
ringsten Anhaltspunkt  für  die  von  Nikolaus  von  Löwen  später 
ausgesprochene  Deutung,  hn  Gegenteil,  der  Urtext  bildet  einen 
vollständig  anonymen  Traktat,  der  so  wenig  wie  die  Traktate  des 
ersten  Teils  wirkli<^e  Erlebnisse  beschreiben  will,  während  auf  der 
andern  Seite  die  lebensfrische  Form,  in  welcher  die  aszetisch- 
mystischen  Wahrheiten  ausgedrückt  sind,  förmlich  dazu  herau»- 
fordmi,  den  dort  voi^eführten  Personen  Menschen  der  G^en- 
wart  unterzuschieben.  Darum  beginnt  die  Deutung  'bereits  in 
diesem  Texte  von  zweiter  Hand,  welche  gegen  Ende  des  Büch- 
leins über  die  Worte  der  eine  und  der  andere,  der  jüngere  und 
der  ältere  setzt,  ein  paar  Seiten  später  zu  der  Benennung  der 

')   Vgl.  Dia  SchriftUfelD  Nr.  7  u.  B. 


87 


jüngere  den  Beisatz  macht  RMmannes  geselle,  um  aber  sofort 
wieder  diese  Deutungen  auszuradieren  *).  Was  hier  begonnen  wurde, 
wird  im  lateinischen  Text  weitergeführt  Hier  verschwindet  im 
Tat  die  Benennung  der  eine  und  der  andere  vollständig,  an 
ihre  Stdle  treten  durchweg  die  Worte  der  ältere  und  der  jüngere, 
die  aber  noch  ebenso  unbestimmt  sind,  wie  der  eine  und  der 
mtere.  Die  dritte  und  letzte  Stufe  in  der  Entwicklung  bietet 
endlich  der  Text  des  Großen  Deutschen  Memorials.  Hier  erst 
ist  die  unbenannte  Person,  der  jüngere^  durch  den  Zusatz  Kai- 
man Merewines  heimeUcher  geselle  unzweideutig  bestimmt  Die 
Gegenüberstellung  der  drei  Texte  wird  dies  am  besten  veran- 
sdianlichen. 


1. 

Besonderes  deutsches 
B  fl  e  h  1  e  i  n. 

In  f otte«  namen.  Amen. 

Es  besckach  äffe  eine  zit, 

du  ein    mensche    groser 

^itDcheit  an  sin  selbes  na- 

tore  befant,  und    was  daz 

u  einer  morgen   stunden 

Krfrago,  also  er  sin  emesch- 

Udi  gebet  pflag  zu  tönde. 

Bnd  do  dirre  mensche  der 

baocheit  gewar  wart,    do 

stänt  er  von  sime  gebette 

Bf  und  wolte   der  naturen 

XQ  iMlfe  kumen  und  wolte 

uch  ürgon   und  st&nt  dch 

of  and   gieng  hinweg   und 

gieng    uffe     eine     Strosse. 

Und  do  er  uffe  die  strosse 

kam,  do  siht  er,    wie   ein 

nenscke  gegen  ime  gonde 

kuMt,  desMlben  menschen 

er  Tor  Jangen    ziten    mit 

groter  begirde  begeret  bette 

z&  sehende  nnd    5ch  ette- 

wu  heimeUcher  worte  mit 


Erstes  Lateinisches 
Memorial. 

Es  waren  zwei  brOder 
und  freunt  im  Elsaß,  der 
eine  wäre  in  der  weit  wohl 
und  eines  glücklichen  Stands 
und  geehrt,  doch  waro  sein 
lebenswandel  dem  anderen 
unbekant,  bis  daß  sie  un- 
gofehr  zusamen  komen  und 
einander  ihren  lebenslauf 
erzeilt,  da  sprach  der  jün- 
gere zu  dem  älteren  also  ... 
(235*6). 


8. 

Großes  Deutsches 
Memorial. 

In  gottes  nammen.  Amen. 

Es  beschach  uf  eine  zit, 
das  ein  mensche  B&lemaa 
Merswinos  unsers  Stifters 
heimeUcher  geselle,  der  in 
diseme  b6che  genennet  ist 
der  iüngere,  an  einre  morgen 
stunden  gar  früge,  also  er 
sin  emestlich  gebet  pflag 
zu  tünde,  grosser  krangheit 
an  sin  selbes  nature  bcfant. 
und  er  stunt  uf  von  sime 
gebette  und  wolte  zu  helfe 
sinre  naturen  sich  orgon. 
und  ging  enweg  uf  eine 
Strosse  und  sach,  wie  ein 
mensche  kam  gegen  ime 
gonde,  der  in  diesem  büiche 
genennet  ist  der  eitere,  des 
er    vor   langen   ziten    mit 

grosser   begirde   begeret 
bette  zu  sehende  und  euch 
ettewas  heimelicher  worte 
mit  ime  z&  redende,     und 


1)  Zum  erstenmale   ist  über   ander   mensche   etwas  Übergeschriebenes    wieder 
wegradiert  BJ.  67^  (Lanchert  43,3;  rgh  ebenda  44,to :  48  anm.). 


ime  li   redeods.     t'nd  do 

samineiie  kanmat .  .  .  . 

do  sprach  äer  aadet 
menacha  wlderambu  .... 
(Lsacbert  3.  l|. 


iungori)  uad  der  allere,  i 


da  sprBL-h  der  ilingei 
KnUluBDue^  g«se11i!,    Hid 
be  tu   dem  alMrsn  . 
■r.tt.]. 

Dali  diese  TextveränderuDgen  nur  auf  Nikolaus  von  Löwe 
zurückzululiren  sind,  wäre  selbst  dann  über  jeden  Zweifel  ei 
haben,  wenn  er  es  auch  nii.-ht  so  ausrdhrlieh  in  den  von  ihi 
stammenden  Rubriken  belont  hätte,  wie  wir  oben  gesehen  habet 

Auch  diese  Rubriken  machen  eine  der  Zeit  entsprechend 
Entwicklung  durch.  Die  älteste  deutsehe  Vorlage  hatte  keir 
Überschrift,  Die  Rubrik  des  ältesten  lateinischen  Textes  v 
nicht  mehr  sicher  zu  bestimmen,  einmal  weil  Götzmann  selber  i 
dieser  Rubrik  nachträglifhe  Korrekturen  anbringt,  und  sodann  we 
mit  der  Möglichkeit  zu  reclinen  ist,  dall  bereits  ähnliche  nact 
trägliche  Korrekturen  schon  in  .seiner  Vorlage  vorhanden  warei 
die  fiir  uns  nicht  mehr  zu  erkennen  sind.  Nach  Götzmann  lautel 
die  Überschrift: 

Nun  fulgt  das  gespräck  zwischen  des  Rulmann  Merschweit 
heimlichem  freunt  in  Oberland  wohnend  und  von  eim  ander 
guten  freunt  von  ihrem  eigenen  leben  und  Offenbarung,  w^hes  gt 
sprach  obgemelter  Rulmann  Merschweins  heimlicher  freunt  selbt 
geschriben  und  dem  Rulmann  Merschwein  schriftlich  geschickt.  1 
disem  gespräch  wird  der  heimliche  freunt  und  freunt  gottes  dt 
jüngere  genannt   und  der   ander   der  älter   und  fangt   also   an 

Es  waren  zwei  brüder  und  freunt  im  Elsaß .  . . ') 

Über  von  eim  andern  schrieb  Gölzmann  Rulman  seinem 
selbst  steht  über  einem  ausradierten  Worte;  über  ander  steht  But 
man.  Auffallend  ist  jedenfalls  die  Korrektur  an  den  Stellen,  wo  c 
sich  um  die  Deutung  handelt,  wer  unter  dem  „andern"  Mensehe 
zu  verstehen  sei.  Götzmann  hätte  hier  in  seiner  ÜbersetzuD 
wohl  nichts  korrigiert,  wenn  nicht  die  Korrekturen  schon  in  de 
lateinischen  Vorlage  vorbanden  gewesen  wären,  aber  dort  in  de 
umgekehrten  Form,  wie  es  sieh  leicht  psychologisch  erklären  laß 
In  der  lateinischen  Vorlage  lautete  demnach  die  Stelle:  das  getpräc 

•)  BaaSsehntt  G  Bl.  13".     Vgl.  23*"89  IT, 


89 

zwischen  des  Bulman  Merschweines  heimlichem  freund  in  Oberland 
wohnendund  Rulmann  seinem  gtUenfreund  selbst  von  ihrem  eigenen 
leben  . . .  Dieser  Wortlaut  würde  vollständig  mit  der  allgemeinen 
Bemerkmig  des  Großen  Deutschen  Memorials  übereinstimmen,  daß 
in  allen  Traktaten  unter  „dem  einen"  —  dem  Oberländer  —  Rul- 
manns  heimlicher  Freund,  unter  „dem  andern"  —dem  Niederländer — 
dagegen,  Rulmann  selber  zu  verstehen  sei  (24*4).  Sie  stimmt 
außerdem  zu  der  Bemerkung  Götzmanns,  der  sieh  auf  ein  mit  C 
bezeichnetes  Meinorialbuch  beruft,  das  unter  „dem  einen"  Rulmann, 
unter  „dem  andern"  deu  Gottesfreund  verstanden  wissen  wollte  i). 
AÜein  Nikolaus  von  Löwen  korrigierte  diese  Stelle  später,  weil  er 
sah,  daß  seine  Deutung  den  erhabenen  Stifter  des  Hauses  in  ein 
ganz  ungünstiges  Licht  bringen  würde,  da  Rulmann  dann  jener 
Mensch  gewesen  sein  müßte,  dem  die  grosse  trugnisse  und  untruwe 
wider  für  von  dem  valschen  einsiedele.  Es  besteht  also  ein  innerer 
Zusammenhang  zwischen  beiden  Korrekturen  an  den  gleichen 
Stellen,  zwischen  der  hier  und  jener  des  Großen  Deutschen  Memo- 
rials (19*15).  Beide  zeigen,  daß  der  Schreiber  der  Handschrift  — 
und  dies  war  Nikolaus  von  Löwen  —  über  so  wichtige  Dinge  sich 
selbst  anfangs  nicht  klar  war,  beziehungsweise  mit  sorgsamem 
Bedacht  die  Widersprüche  später  zu  entfernen  suchte,  in  die  er 
sich  mit  seiner  Deutung  notwendigerweise  verwickeln  mußte. 

Völlig  bestimmt  lautet  dann  die  Rubrik  erst  im  zweiten  Teil 
des  Großen  Deutschen  Memorials  (40*31-41*16). 

Die  Deutungsversuche  Nikolaus  von  Löwens  können 
demnach  keinen  Anspruch  auf  Wahrheit  machen.  Werden  nun 
seine  Angaben  über  die  Herkunft  des  Zwei-Mannenbuchs  glaub- 
würdiger sein? 

Das  älteste  lateinische  Memorial  betönt,  daß  Rulmann  dieses 
Buch  von  dem  Gottesfreund  erhalten  habe.  Das  Große  Deutsche 
Memorial  sodann  gibt  nähere  Auskunft  über  das  Verhältnis  der 
drei  Exemplare  zu  einander.  Darnach  schrieb  Rulmann  das  be- 
sondere deutsche  Büchlein  nach  dem  vom  Gottesfreunde  erhal- 
tenen Exemplar  (19*3).  Nach  Rulmanns  Texte  dagegen  schrieb 
Nikolaus  von  Löwen  das  Zwei-Mannenbuch  einmal  in  das  Erste 
Uteinische  Memorial  gantz  und  gerwe  von  warte  zu  warte  .  .  .  glich 


')  Vgl.  40*  anm.  zu  Zeile  32. 


als  das  tüfsch  seit  flyT)  tmf  äpSter 
deutschen  Exemplar  in  den  zweiten  Teil  des  Großen  Deutschpi 
Memorials.  Prüfen  wir  dagegen  unabhängig  von  den  Angabei 
Nikolaas  von  Löwens  das  gegenseitige  Verhältnis  der  drei  Texti 
zn  einander,  so  ist  richtig,  dati  das  Zwei-Mannenbuch  des  Grofiei 
Deulschen  Memorials  als  Vorlage  das  besondere  Büchlein  halte 
Dies  bestätigt  auc-h  Lauchert,  wenn  er  schreibt:  „Die  Vergletchunj 
unseres  Textes  mit  dem  von  K.  Schmidt  veröffenthchten  zeigt,  dal 
wir  es  hier  (im  besonderen  Büchlein)  mit  dem  Originaltext  zu  tui 
haben,  von  dem  der  Text  bei  Schmidt  eine  Bearbeitung  ist;  eim 
Bearbeitung,  die  sich  zwar  nur  auf  wenige  Äußerlichkeiten  er- 
streckt, in  diesen  aber  immerhin  willkürlich  eingreift"').  Eine  freit 
Erfindung  Nikolaus  von  Löwens  ist  schon  die  erste  Kapitelsiiber 
B(*rift;  „die  für  die  übrigen  Kapitel  ihm  vorliegenden  hat  er  nacl 
seinem  Ermessen  omgesiaUet  und  za  weiterer  Verdeutlichung  er 
weitert  und  dabei  die  Kapitel  gezählt"«).  Wie  schon  erwähnt 
sind  die  übrigen  eigentlichen  Textabweichungen  gering.  Sie  be- 
stehen  nur  darin,  daß  Nikolaus  von  Löwen  an  allen  Stellen,  ii 
weichen  in  seiner  Vorlage  die  beiden  als  sprechend  auftretende 
Personen  als  der  eine  und  der  andere  eingeführt  sind,  zum  besserer 
Verständnis  dafür  überall  der  euere  und  der  jüngere,  R^«man« 
geselle  einsetzt. 

Ganz  anders  verhält  es  sich  dagegen  mit  dem  lateimscbei 
Text  (235*6 ff).  Die  Übersetzung,  die  Götzmann  davon  gibt,  st^ 
es  auBer  Zweifel,  daß  der  lateinische  Text  keine  Übersetzung  vm 
Worte  zu  worte  tat .  .  .  glich  als  das  tiUsch  s»f.  Die  Abweichungen 
sind  zu  groß,  als  daß  man  die  Angabe  Nikolaos  von  Löwens  retta: 
könnte.  Im  Gegenteil,  Nikolaus  von  Löwen  schreibt  das  Zwei- 
Mannenbuch  gerade  deswegen  später  in  das  Große  Deutsche  Me- 
morial, weil  er  gefunden  hatte,  daB  der  lateinische  Text  des  Ersten 
Lateinischen  Memorials  eben  nicht  mit  dem  Text  übereinstimmt 
wie  Rntmann  denselben  angeblich  eigenhändig  in  das  besonder 
Büchlein  geschrieben  hatte.  Nikolaus  von  Löwen  benutzte  also  bei 
Anlage  seiner  Memorialbücher  zwei  völlig  verschiedene  Vorlageo. 
eine  lateinische  und  eine  deutsche;  die  deutsche  Vorlage  fuhrt 


91 

er  aitf  Ruhnaim  znr&ck,  über  die  Herkunft  der  lateinischen  schweigt 
er  sich  völlig  aus,  was  soviel  bedeuten  will  als:  Nikolaus  Yoa 
Löwens  Angaben  über  die  Herkunft  der  Handschrift  sind  so 
wenig  glaubwürdig,  wie  diejenige  von  seiner  Deutung.  Rulmann 
kann  das  Zwei-Mannenbuch  nicht  von  dem  Gottesfreund  er- 
halten, das  Originalexemplar  verbrannt  und  den  Brüdern  des  Jo- 
haaniterhauses  dafür  ein  eigenhändig  geschriebenes  Exemplar 
übergeben  haben,  denn  sonst  könnte  Nikolaus  von  Löwen  neben 
dem  deutschen  Text  nicht  ein  völlig  davon  abweichender  latei* 
nischer  Text  vorgelegen  haben,  den  er  anfänglich  als  identisch  mit 
dem  dentschen  ansah,  um  erst  später  wie  von  ungefähr  auf  die 
Verschiedenheit  au&nerksam  zu  werden! 

Hat  aber  Rulmann  vielleicht  doch  das  besondere  Büchlein 
geschrieben?  Der  Eintrag  auf  der  letzten  Seite  desselben  spricht 
nur  davon,  daß  die  Johanniterbrüder  dasselbe  von  Rulmann  „er- 
halten haben^s  eine  Angabe,  die  durchaus  richtig  sein  kann,  so 
lange  man  den  ersten  Eintrag,  der  das  Büchlein  als  Eigentum  von 
Rulmanns  Frau  bezeugt,  aufrecht  erhalten  will.  Mit  dem  Aus- 
druck: das  Zwei-Mannenbuch  ist  inen  [den  Johanniterbrüdern] 
worden  van  iren  Stiftern,  ist  aber  nicht  besagt,  daß  Rulmann 
dises  Büchlein  geschrieben  habe,  obwohl  Nikolaus  von  Löwen 
disen  Umstand  als  wichtig  genug  hätte  ansehen  müssen,  um  ihn 
ausdrücklich  hier  zu  erwähnen.  Von  einer  „eigenhändigen"  Schrift 
bricht  nur  das  Große  Deutsche  Memorial:  das  er  [RidmannJ 
selber  schriben  tei  noch  dem  exemplar,  das  ime  gegeben  wart  ton 
shne  heimeliehen  gesdlen,  dem  lieben  gottesfrunde  in  öberlant  (19*2). 
Allein  diese  Stelle  steht  auf  Rasur  und  wurde  erst  nach  Vollendung 
des  zweiten  TeUs  des  Großen  Deutschen  Memorials  geschrieben, 
während  alle  früheren  Bemerkungen  über  das  Zwei-Mannenbuch 
davon  nichts  wissai.  Die  Stelle  ist  also  nur  ein  Beweis,  wie  un- 
zuverläsag  Nikolaus  von  Löwen  gerade  da  ist,  wo  er  für  die  Wahr- 
heit seiner  Angaben  einstehe  sollte.  Nicht  zu  verwundern  ist 
dannn,  daß  er  mit  seiner  Angabe:  der  lateinische  Text  stimme 
mit  dem  deutschen  völlig  überein,  später  in  Widerspruch  gerät 
Er  hatte  an  der  gleichen  Stelle  vergessen,  die  nächste  Zeile  auch 
noch  amszuradieren,  so  daß  der  Widerspruch  ungelöst  stehen  bliebt 

So  können  Nikolaus  von  Löwens  Angaben  über  Herkunft 
und  Deutung  des  Zwei-Mannenbuehs  keinen  Anspruch  aut  Q(\dL\iSE>- 


würdigkeil  machen.  Das  Zwei-Mannenbuch  berichtet  weder  wfflt 
lieh  geschehene  Ereignisse,  noch  stammt  es  von  n^em  Gottes 
fi[^und",  der  Rulmanns  Freund  gewesen  sein  soll. 

ß)  Das  Meisterbuch. 
NdL'h  den  Angaben  Nikolaus  von  Lowens  im  Lateiniäche 
Memorial  und  im  ersten  Teil  des  Großen  Deutschen  Memorial 
stammt  das  Meisterbuch  vom  Gottesfreund  im  Oherland,  der  e 
im  Jahre  1369  den  Weltpriestern  von  Griinenwörtii  mit  einem  be 
sondern  Begleitschreiben  sandte,  Angaben,  welche  im  zweiten  Te 
des  Großen  Deutschen  Memorials  (42*4 ff.)  noch  näher  erläuter 
sind.  Eine  Gegenüberstellung  beider  Texte  wird  auch  hier  Gleich 
heit  und  Verschiedenlieit  am  besten  veranschaulichen. 


1.  Teil  des  deatsche: 
rials. 


Item  das  buch,  iu  dem  die  '>borsta 
zile  gescbribäD  stot,  das  der  liebe 
gottes  friint  in  öberlant  mit  dem 
selben  briefe  den  weltlichen  priestern 
harabe  sante,  wanne  er  selber  der 
leye  was,  der  den  gnissen  meister 
der  hi^iligen  gescbriftwiseteand  leite, 
das  er  kam  af  den  weg  der  worheit 
und  ein  erlühteter  übematiirlidier 
begnodeter  gottea  frnni.  wart,  alse 
das  selbe  buch  seit,  das  wir  'ich  zu 
tütscbe  hant,  von  worte  zA  werte  noch 
dem  latine  (lS*l)., 


Die  dirte  materie  dis  hinderste- 

teiles  ist  de^  meisters  buch  mit  dei 

a,  b,  c.  der  drie  und  zweutzig  buch 

Stäben,  das  der  liebe  gottes  front  i: 

öberlaot  Bülman  Merswins  ge 

seile,  des  selben  meisters  geistliche 

sun  und  getrnwer  rotgebe,  in  eim 

bapira  mit  sin  selbes  hant  geschribe^ 

bcrabe  sante  und  oucb  gar  eine  gno 

den  riebe  besserliche  missive,  eine: 

seadebrief,  denbnidern  zä  dem  Qrn 

nenwerde  in  den  ziten.  du  die  weit 

liehen  priestere  die  kircbe  besungen 

nnd  regiertent  us  benömnnge    tui' 

gunste  des  bobestes,  vor  dem  es  ii 

erwürben  wart  des  iares,  <lo  roen  zait 

von  guttes  gebiirte  dritzehenhunder 

iar  sehtzii:  und  nun  lar  (42*4). 

Damach  ist  es  keine  Frage,  daß  Nikolaus  von  Löwen  io 

Meisterbuch  eine  Darstellung  wirklicher  Erlebnisse  erblickt   Dabe 

ist  der  Gottesfreiind  der  leye,  der  den  grossen  meister  der  heüiffei 

yeackrift  wisete  und  lerte,  das  er  kam  uf  den  weg  der  teorJieit . . 

Nirgends  aber  in  allen  Urkundenbüchern   von  Grunenwörlh  is 

auch  nur  eine  Deutung  versucht  worden,  wer  der  im  Memorial 

buch    auftretende  große    meister   der    heiligen  gesckrift    gewesei 

sei.  Später  Tauler  darunter  zu  verstehen,  war  ebenso  unb^runde 


i.Teildas  deutschen  Hemo 

rials. 


93 

UDd  fußte  auf  demselben  Fehlschlüsse,  wie  das  Verfahren  in 
den  Deutungsversuchen  Nikolaus  von  Löwens. 

Wie  das  Zwei-Mannenbuch  war  femer  auch  das  Meisterbuch 
nach  Nikolaus  von  Löwen  in  drei  Exemplaren  vorhanden:  in  einer 
deutschen  ürvorlage,  einer  wörtlich  damit  übereinstimmenden  latei- 
nischen Fassung  und  einer  zweiten  deutschen  Abschrift 

Wenn  wir  diese  Angaben  Nikolaus  von  Löwens  auf  ihre  Richtig- 
keit prüfen  wollen,  so  wird  die  erste  Frage  auf  die  deutsche 
Ürvorlage  des  Meisterbuchs  hinauslaufen  müssen.  Allein  bei  ihrer 
Losung  sind  wir  keineswegs  so  glücklich,  wie  beim  Zwei-Mannen- 
buch; denn  es  ist  bis  jetzt  keine  für  sich  bestehende  Handschrift 
des  Meisterbuchs  bekannt  geworden,  die  eine  Beziehung  zum 
Johanniterhause  zu  Straßburg  aufgewiesen  hätte.  Auch  der  latei- 
nische Text  des  ersten  lateinischen  Memorials  ist  nicht  mehr 
vorhanden,  sondern  nur  die  von  Götzmann  angefertigte  Übersetzung 
desselben  (225* ff.).  Die  zweite  deutsche  Bearbeitung  endlich 
Hegt  uns,  wie  schon  bekannt,  im  zweiten  Teil  des  Großen  Deutschen 
Memorials  vor,  womach  Schmidt  das  Meisterbuch  ediert  hat^. 

Vergleichen  wir  die  beiden  letztern  noch  erhaltenen  Texte 
miteinander,  so  zeigt  der  lateinische  —  soweit  die  deutsche  Über- 
setzung es  noch  beurteilen  läßt  —  mit  dem  deutschen  Überein- 
stimmung mit  Ausnahme  der  Rubriken  und  einiger  Textzusätze, 
die  jedoch  nicht  bloße  Äußerlichkeiten,  sondern  für  die  Lösung 
der  Gottesfreundfrage  von  der  größten  Bedeutung  sind. 

Schon  in  der  Gegenüberstellung  der  beiden  oben  mitgeteilten 
Rubriken  wird  man  das  Bestreben  des  Nikolaus  von  Löwen  er- 
kennen können,  die  Beziehungen  des  Gottesfreundes  zu  Rulmann 
Merswin  mit  der  Zeit  immer  klarer  und  bestimmter  hinzustellen. 
Das  gleiche  zeigt  sich  in  den  Kapitelsüberschriften: 


Lateinisches  Memorial. 

Das  14.  capitel  des  lateinischen 
Memorials  erzeilt,  wie  der  vielgelibte 
Weltliche  freund  gottes  im  Oberland 
^inen  magister  in  der  gottsgelehrtheit 
^nchte,  er  sollte  eine  hoch  gestu- 
^«rte  predig  thnn;  so  er  auch  gleich 


Deutsches  Memorial. 

Item  das  erste  capitel  seit  den 
anevang  desselben  büches,  wie  der 
liebe  gottes  frunt  in  Öberlant,  R  ü  l- 
mans  geselle,  der begnodete leye 
was,  der  us  göttelicheme  tribene  wol 
drisslg  milen  weges  für  zu  diseme 


*}  SebmMt,    Nikolaus    von  Basol   Beriebt   ?on    der  Bekehning  Taulers.     Straß- 
^ö'»  1875. 


9* 


gethau 


I  Ton  24  paukten  eines  toLI- 
k (im eo eil  leben s.  Dieser  üreaatgi 
schreibt  wie  folgt: 

ImNamenGottesÄmen . ,  (22  f 


selben  ineist«re  der  beiligen  greschi 
Qitd  in  bat  atah  eine  hob»  v^rndnfti 
bredige,  die  der  meister  üch  zähs 
darooch  tet  yun  vier  und  zwent: 
Btnclten  eines  volle  kam  meneB  lebf 
des  (42*20), 
Die  lateinische  Vorlage  hatLe  demnach  noch  gar  keinen  Hi 
weis  darauf,  datt  der  im  Meisterfmeh  au/tretende  Goltesfreu. 
ein  Freund  Hulmann  Merawins  gewesen  ist,  und  doeh  stamm 
beide  Kajuteisüberschriften  von  Nikolaus  von  Löwen. ')  Die  übrig 
Kapitelsüberschriften  sind  im  lateinischen  wie  im  deutschen  Exei 
plar  die  gleichen.  Sie  bestehen  einfach  in  der  Kapitelzahl  oh 
weiteren  Zusatz.  Die  InhaltsaDgabe  bei  Schmidt  S.  1/2  ist  ga 
das  Werk  Nikolaus  von  Löwens.  Beachtenswert  ist,  daü  er  ( 
wo  von  dem  Laien  die  Rede  ist,  die  Worte  RiUmans  gest 
beifügt  aber  nicht  überall,  sondern  nur  bei  der  Inhaltsanga 
von  Kapitel  1.  2  und  10,  dagegen  nicht  bei  3  und  5,  wo  m 
diesen  Zusatz  ebenso  erwarten  würde.  Es  ist  darum  leicht  denkbi 
daß  in  der  deutschen  Urvorlage,  wie  es  auch  in  der  lateinisch 
tatsächlich  zubitFt,  gerade  diese  Zusätze  fehlten. 

Soweit  sich  die  beiden  Texte  des  Meisterhuchs  selbst  m 
einander  vw^leichen  lassen,  stimmen,  wie  schon  erwähnt,  bei 
überein,  mit  Ausnahme  jener  charakteristischen  Zusätze,  die  i 
auch  im  Zwei-Mannenbuch  gefunden  haben. 


Lateinisches  Hemorial. 

Im  namen^tte3.  Amen.  Im  jähr 
dreizehenhnndert  viertiig  sechs  wäre 
in  einer  gewissen  ststt  ein  magister, 
der  in  selbiger  statt  predig  und  ein 
grollen  Kulauff  hatte;  uod  das  volk 
ihn  gern  bürte  predigen,  so  daß  man 
viel  stuDd  weit  von  diesem  prediger 
redete,  dessen  rnhin  ancbbis  za  einem 
gewissen  weltlichen  weit  Ton  diser 
statt  entlegen  käme,  diser  weltliche 
wurde  drei  nacht  nacheinander  im 
schlaffermabnt.daBerhingeheD  sollte 
in  dise  statt,  disen  prediger  hOroa 


Deutsches  HemorisL 
In  gottes  namen.  Amen.  In  d 
iare  do  man  zaite  von  gottes  gebä 
dritiehenhiiiidert  iar  viertzig  nnd  st 
iare,  in  demselben  iare  do  geschi 
es,  das  ein  meister  der  heiligen  | 
Schrift  in  einer  stat  tu  brediende  wi 
nnd  man  borte  in  ooch  gerne,  « 
das  man  über  tII  milen  von  sii 
lere  seite.  Dis  wart  ein  leye,  i 
gnadenricher  man,  d«r  lieba  gott 
fnintin  Oberlant,  Rülotan  Mersmi 
unser»  Stifters  geselle,  gewar.  und 
wart  zu  drin  molen  in  dem  slaSe  • 


I  itm  Sendbriof  £25*16-226*.^  spriclit  iiicht  da«ef«n, 
n  dieser  Faisung  aicbt  urspranglich  ist. 


91^ 


piidigeD.  er  gienge  also  hin  in  dise 
statt  80  gegen  30  stand  von  seiner 
wonnng  entlegen  wäre ...  (226*  1 1). 


manet,  er  solte  goa  in  die  stat,  de 
der  meister  was  and  solte  in  hören 
bredien.  NA  was  die  stat  in  eime 
andern  lande  wol  drissig  milen  von 
ime ;  doch  gedofate  dirre  man,  EM» 
mana  geadU,  der  solt  rehte  do  hin 
?aren  . .  .  (42*28). 
Aus  dies^  Gegenüberstellung  ergibt  sich  die  Arbeitsweise 
Nikdaus  von  Löwens  wieder  von  selbst  Zum  besseren  Ver- 
stäadnis"^  fugt  er  einem  anonymen  Traktat  seine  ganz  zweck- 
entsprechende Deutung,  die  zudem  keinen  großen  Scharfsinn  er- 
forderte, hinzu.  Zieht  man  demnach  im  Meisterbuch  alles  ab, 
was  sicher  von  Nikolaus  von  Löwen  stammt,  so  bleibt  ein  ebenso 
einfacher  Text  übrig  wie  bei  der  ürvorlage  des  Zwei-Mannen- 
buchs.  Für  die  ürvorlage  des  Meisterbuchs,  die  nicht  mehr  vor- 
handen ist,  bilden  andere  Handschriften  uns  einen  gewissen  Ersatz. 
Solche  Handschriften  gibt  es  in  großer  Anzahl^),  die  keineswegs 
alle  den  gleichen  Text  bieten,  die  aber  alle,  soweit  sie  nicht 
direkt  auf  das  Große  Deutsche  Memorial  zurückgehen,  darin  über- 
einstimmen, daß  sie  die  für  die  Gottesfreundfrage  wichtigen  Zu- 
sätze Biimanns  geselle  usw.  nicht  enthalten.  Ebenso  fehlt 
jede  Einleitung,  die  besagt,  daß  das  Meisterbuch  von  dem  Gottes- 
freund  im  Oberland  herstammt,  und  daß  er  es  den  Weltpriestern 
MGrünenwörth  gesandt  habe;  kurz  es  fehlen  alle  jene  Zusätze 
über  Deutung  und  Herkunft,  die  wir  als  das  Werk  Nikolaus  von 
Löwens  erkannt  haben.  Wie  das  Zwei-Mannenbuch,  so  beginnt 
der  Urtext  des  Meisterbuchs  direkt  mit  der  Erzählung:  In  gottes 
«ftwtfn.    Amen,     In  dem  iar,  do  man  zaU  ...    Es  kann  nun  hier 


0  Sie  sind  aufgezählt  bei  Denifle,  Taulers  Bekehrung  97  ff.  —  Priebsch, 
Putsche  Handschriften  in  England  U,  124  nr.  146  erwähnt  eine  bisher  unbekannte 
^'  des  Meisterbuchs  ex  a.®  1488.  Sie  gehörte  in  das  Kloster  Mediingen,  Prediger 
''^dens:  „Es  liegt  ein  bisher  unbenutzter  Text  des  Meisterbuchs  ror  .  .  .  Unsere 
^Msiing  stellt  sich  zu  der  der  Grazer  Hs.  M  (Denifle  S.  98-100),  indem  sie  gleich 
^«er  drei  Predigten  unterdrückt  und  mit  ihr  in  der  Form  des  Nachworts  zur  Braut- 
Pfö^iigt  übereinkommt.  Schmidts  Abdruck  gegenüber  erscheint  der  Londoner  Text 
D»ehr(ach  gekürzt,  die  Bezeichnung  des  Laien  als  der  liebe  gotes  frünt  in  Oberlant, 
«M^wa»  Merswines  geselle  fehlt  durchwog,  die  Bauer  des  neuen  Lebens  des  Meisters 
^gt  11,  nicht  9  Jahre  n.  s.  w.**  Der  Traktat  beginnt:  In  goUes  namen  amen. 
*»  dem  jar  do  man  zalt  von  gottes  gehurt  tusent  und  drewhundert  jar  und 
'^Jar . . .  geaehaeh  das,  das  ain  maister ...  in  ainer  stut  vil  bredigen  voo%  . .  • 


nicht  meine  Aufgabe  sein,  Alter  und  Herkunft  des  Me 
zu  beätimmen  oder  zu  untersuchen,  welcher  von  den  üb 
Texten  der  ursprüngliche  ist.  Für  die  Gollesfreundfra 
es  festgestellt  zu  haben:  als  NikoSaus  vuq  Löwen 
dem  Tode  Rulmaiins  an  die  Zusammenstellung  der  I 
biicher  des  Johanniterhauses  machte,  da  lag  ihm  ein 
Meisterbuchs  vor,  der  vor  das  Jahr  13(i9,  also  in  die  1a 
ging,  wo  der  Johanniterorden  von  Grünenwörlh  noch  n 
genommen  hatte.  Wie  dieser  Text  näher  beschaffen  w) 
I  wir  nicht.  Wenn  wir  jedoch  die  Arbeitsweise  Nik( 
LÖwena  beim  Zwei-Mannenbuch  seiner  Vorlage  gegenül 
Iraeht  ziehen,  so  können  wir  mit  ziemhcher  Sicherh 
daß  Nikolaus  von  Löwen  mit  Ausnahme  der  auf  RuId 
swin  sich  beziehenden  Zusätze  und  den  Kapitelsüb« 
nichts  geändert  hat. 

Sehr  vieles  spricht  dafür,  dali  das  Meisterbuch  ii 
der  literarischen  Tätigkeit  des  Nikolaus  von  Löwen 
größere  Rolle  spielte  als  später.  Deon  auffallend  ist, 
Meisterbuch  im  Ersten  Lateinischen  Memorial  an  zwe 
stund  vor  den  Vier-Jahren  und  dem  Fiinf-Mannenbi 
fallend  ist  femer  die  Angabe  Nikolaus  von  Löwens,  d< 
freund  habe  es  herabgesandt  in  ^me  bapire  mit  sin  i 
gesckribetij  ein  Ausdruck,  der  ähnlich  beim  Fünf-Mi 
wiederkehrt  (vgl.  71*28  ff.)-  Auffallend  ähnlich  sind  auch 
Stellen  82*21-26  u.  70*7-17  in  dem  Begleitbrief  zum  M 
wie  zum  Fiinf-Mannenbuch.  Sollte  das  Meisterbuch  bi 
wesen  sein,  einmal  dieselbe  Rolle  als  „Autograph"  zu  s 
das  Fünf-Mannenbuch  ?  Wenn  es  seine  Bedeutung  späi 
so  liegt  der  Grund  wohl  darin,  dall  Nikolaus  von  L 
dem  im  Meisterbuch  erwähnten  Meister  der  hl.  Schrift  i 
fangen  konnte,  wenn  er  versucht  hätte,  ihn  in  irgend 
Ziehung  zu  Ruimann  Merswin  zu  bringen. 

Im  Großen  Deutschen  Memorial  ferner  fehlen  gege 
latemischen  Vorlage  einige  an  und  für  sich  selbständige, 
Nikolaus  von  Löwen  zum  Meisterbuch  gehörende  Slüc 
Stücke  hatte  Nikolaus  von  Löwen  nicht  ins  Große  Deu 
morial,  sondern  m  das  Kleine  Deutsche  Memorial,  das  n 
vorhanden  ist,   geschrieben,   nämlich   das   Begleitschre 


97 

Meisterbuch  und  die  Sakramentspredigt  (42*13).  Mit  dem  Begleit- 
schreiben werden  wir  uns  näher  bei  der  Behandlung  der  Briefe 
befassen.  Die  Einleitung  zur  Sakramentspredigt  im  lateinischen 
Memorial  ist  aber  für  die  Auffassung  des  Meisterbuchs  sehr  lehr- 
reich (227*16).  Sie  besagt,  daß  der  Gottesfreund  die  Sakraments- 
predigt einem  weltlichen  Priester  zum  Grünenwörth  gesandt  hat 
und  zwar  ein  halbes  Jahr  nach  Ankunft  des  Meisterbuchs. 
Die  Abfassung  des  Meisterbuchs  und  der  darin  enthaltenen  Pre- 
digten fallen  also  zeitlich  nicht  zusammen;  denn  wenn  dies  bei 
der  Sakramentspredigt  der  Fall  ist,  warum  sollte  es  nicht  auch 
bei  der  Klausnerinnenpredigt  und  den  andern  zutreffen?  Darnach 
wäre  das  Meisterbuch  nur  eine  Kompilation  verschiedener,  jedoch 
aus  demselben  Verfasserkreis  stammender  Stücke.  Jetzt  begreift 
man  auch,  wie  in  vielen  Handschriften  gerade  die  Predigten  fehlen, 
oder  wie  andere  wieder  einen  wesentlich  gekürtzlen  Text  enl- 
balten»).  Der  Text  des  Meisterbuchs  im  Großen  Deutschen  Me- 
morial ist  nur  einer  von  den  vielen,  die  schon  vor  1370 
im  Umlauf  waren,  aber  von  niemandem  herstammen,  der  mit 
Rulmann  Merswin  jenen  heimlichen  Verkehr  unterhielt,  von  dem 
Nikolaus  von  Löwen  uns  fälschlicherweise  berichtet. 

Während  ferner  Nikolaus  von  Löwen  in  der  Einleitung  betont 
bat,  das  Meisterbuch  sei  den  Priestern  von  Grünenwörth  gesandt 
worden,  spricht  er  hier  bloß  von  „einem  weltlichen  Priester 
zum  Grünenwörth.-'  Es  liegt  auf  der  Hand,  daß  Nikolaus  von 
Löwen  unter  diesem  einen  Priester  sich  selbst  verstanden  wissen 
wollte,  denn  er  war  zu  jener  Zeit  tatsächlich  als  Weltpriester 
im  Dienste  Rulmanns  auf  der  Hofstälte  zum  Grünenwörth. 

Aus  allem  dem  ergibt  sich  der  Schluß,  daß  die  Angaben 
Nikolaus  von  Löwens  über  Deutung  und  Herkunft  des  Meister- 
buchs keinen  Glauben  verdienen.  Der  Gottesfreund  vom  Ober- 
lid beschreibt  hier  nicht  Ereignisse  aus  seinem  Leben,  weü  das 
Meisterbuch  von  vornherein  keine  wü*klichen  Erlebnisse  erzählen 
^;  darum  stammt  es  auch  nicht  von  dem  unbekannten  Gottes- 
freund, der  in  heimlichem  Verkehr  mit  Rulmann  Merswin  ge- 
standen sein  soll  Den  Fälschungen  Nikolaus  von  Löwens  liegen 
vielmehr  zwei  völlig  anonyme  Urtexte  zu  Grunde,  ein  lateinischer 


')  Siehe  näheres  bei  Veniße  a.  a.  o, 
l. 


h 


and  ein  deutscher,  an  aenen  er' von  Stute  zu  Stufe  Üär^ 

erläuternd  alle  jene  Veränderungen  vornimmt,  wie  wir  sie  ac 
Hand  der  ürkundenbüdier  verfolgen  konnten. 

■[)  Das  Buch  von  den  Neun  Felsen. 

Wahrend  das  Zwei-Mannenbuch  wie  das  Meisterbuch  di 
auf  den  Gottesi'reund  zurückgeht,  haben  die  Neun  Felsen  i 
Nikolaus  von  Löwen  Rulmann  Merswin  zum  Verfasser.  Fre 
sehrieb  es  Rulmann  Merswin  nur  gezwungen,  da  er  aus  Dt 
nicht  wünschte,  dali  jemand  von  seinen  Visionen  erfahre,  di 
den  Neun  Felsen  geschildert  sind.  Sie  entstanden  im  Jahre  ] 
zu  gleicher  Zeil  mit  den  Vier-Jahren,  Rulmanns  eigenbanc 
Lebensbeschreibung  (19*22;  38*1;  4«*6;  49'25). 

Die  Neun  Felsen,  die  uns  jetzt  im  Übriggebliebenen  Lal 
buch  erhalten  sind,  bildeten  zuerst  einen  Bestandteil  des  Er 
Lateinischen  Memorials,  wo  sie  am  Schlüsse  ihren  Platz  gefui 
hatten.  Für  die  Kritik  ist  es  wieder  wichtig,  die  Entwick 
zu  verfolgen,  welche  die  Neun  Felsen  unter  der  Hand  Nikolaus 
Löwena  durchgemacht  haben.  Sieht  man  zunächst  von  dem  ' 
der  lalPini-^ch™  Fa^^sung  ah,  sn  bielet  lirr  ganze  Text  auch  r 
die  geringsten  Anhaltspunkte  dafiir,  dalt  er  jemals  zu  Ruin 
Merswin  in  Beziehung  gestanden  hat.  Die  ursprünglichste  lateini: 
Rubrik  hat  diesen  Traktat  als  anonym  aufgefaßt,  denn  d 
lautete  nur:  Incipit  prologus  in  libmin  qui  intytulatur  de  tu, 
rupihus  (50*1).  Dem  fügte  Nikolaus  von  Löwen  in  einem  ; 
teren  Stadium  hinzu  ||j  ctus  Bülmattnus  Merswin  fundator  m 
[instrumenlumj  dei  fore  oportebat  coactus  hoc  scribere  sicut  pti 
eredmdum  per  quam  pltira  et  diversa  teatimonia  que  in  pre. 
libro  sunt  presct-ipta  (50*3).  Dieser  Zusatz  zur  Rubrik  ist  i 
den  Rand  hinausgeschrieben,  weil  der  freigelassene  Platz  d 
nicht  reichte"),  ein  deutlicher  Beweis,  dalS  sie  urprünglich  n 
beabsichtigt  war,  obwohl  wir  nur  aus  ihr  erfahren,  daU  Rulm 
die  Neun  Felsen  gesehrieben  habe.  Um  jedoch  der  Wahr 
Zeugnis  zu  geben,  beginnt  Nikolaus  von  Löwen  nicht  lange  m 
her  den  Zusatz  wieder  auszuradieren;  es  gelingt  ihm  bloU 

')  Siehe  Schritttaftl  Nr.  11.  Strauch  etuTilmt  die-e  so  nithlLje  Kom 
Hiebt  (ZeitSL'hr.  f.  d-ut-ili«   PtiLlologie  31.  2631. 


99 

ersten  Worte,  während  er  die  übrigen,  um  das  Pergament  nicht 
zu  beschädigen  mit  blauer  Farbe  durchstreicht,  ein  Zeichen,  daß 
die  Annahme  der  Autorschaft  Rulmanns  nach  Nikolaus  von  Löwen 
selbst  höchst  zweifelhaft  ist^).  Die  erste  Entwicklungsstufe  in 
den  Neun  Felsen  bietet  also  nicht  nur  keinen  Anhaltspunkt  für 
die  Autorschaft  Rulmanns,  sondern  schließt  diese  im  Gegenteil 
völlig  aus.  Denn  alle  übrigen  Angaben,  die  als  Einleitung 
im  Übriggebliebenen  Lateinbuch  stehen,  können  hier  noch  nicht 
in  Betracht  kommen,  weil  sie  wie  das  ganze  ÜbriggebUebene 
Lateinbuch  erst  in  einem  späteren  Stadium  der  Entwicklung 
entstanden  sind. 

Auf  ein  zweites  und  zwar  deutsches  Exemplar  der  Neun 
Felsen  weisen  uns  die  Worte  Nikolaus  von  Löwens,  wenn  er  von 
dem  lateinischen  Exemplar  spricht,  daß  es  im  Ersten  Lateinischen 
Memorial  geschrieben  stehe  von  worte  zu  worte  glich  als  wir  es 
«ttcA  in  futsch  hant  (19*23).  Im  Straßburger  Johanniterhause  war 
demnach  außer  dem  Text  des  Großen  Deutschen  Memorials  ein 
besonderes  deutsches  Büchlein  der  Neun  Felsen  vorhanden.  Nim 
berichtet  uns  Schmidt  von  dreien  solcher  Büchlein*),  von  denen 
er  das  eine  als  Autograph  Merswins  bezeichnet,  während  er 
von  einem  andern  sagt,  daß  es  auf  Pergament  geschrieben  und 
*us  der  zweiten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts  stanmie.  Ersteres 
ist  uns  noch  in  der  Handschrift  L  germ.  665  der  Straßburger 
Cniversitätsbibliothek  erhalten^),  letzteres  nur  noch  aus  einigen 
Brachstücken  bekannt,  welche  Schmidt  zur  Ergänzung  des  soge- 
nannten Autographentexts  mitteilt.  In  ihm  dürfen  wir  ein  Ana- 
logon  finden  zu  dem  Pergamentbüchlein  des  Zwei-Mannenbuchs 
(Hs.  U)^  was  Format  (12^)  und  Ausstattung  anlangt.  Wie  dieses, 
hatte  auch  das  Neun  Felsenbüchlein  keine  Überschrift  noch  irgend 
einen  andern  Hinweis,  in  dem  die  Autorschaft  Rulmanns  ausge- 
sprochen wäre*). 

Die  Hs.  L  germ.665  dagegen  galt  bisher  als  Autograph  Mer- 
swins, weil  sie  mit  der  Schrift  der  Vier-Jahre,  die  ebenfalls  von 
Mepswin  eigenhändig  geschrieben  sein  sollen,  vollständig  überein- 

'}  Diö  Korrektur  ist  auf  dieselbo  Weise  ausgeführt  wie  '24 "4. 

')  Schmidt,  Tauler  S.  180  anm.  u.  Neun  Felsen  S.  IV. 

^1  Vgl.  Strauch,  Zeitschrift  f.  d.  Philologie  34,  258. 

"•l  Siehe  im  xweiten  Teil  die  J/iuierkungen  zu  Seite  SO^-o:)*. 


stimmL  Leider  fehlenm^m  sögMannien  Aulograph  einige  Blätter, 
vor  allem  am  Anfange,  die  Tür  unsere  Untersuchung  selip  wichtig 
wären.  Wir  werden  aber  in  der  Annahme  nicht  fehl  gehen,  dall 
ebenso  wie  der  lateinische  Text  und  das  Pergamentbüchlein,  auch 
das  sogenannte  Autograph  nicht  besagte,  daU  Rulmann  die  in 
den  Neun  Felsen  geschilderten  Visionen  selbst  erlebt,  oder  daö  er 
der  Verfasser  der  Neun  Felsen  ist»). 

Einen  dritten  deutseben  Text  des  Neun  Felsenbucbs  über- 
liefert uns  endlich  der  zweite  Teil  des  Grollen  Deutschen  Memo- 
rials. Er  entstand  gleichzeitig  mit  der  Umwandlung  des  Ersten 
Lateinischen  Memorials  in  die  beiden  Übriggebliebenen  Laleiu- 
büeher.  Wiihrend  Nikolaus  von  Löwen  noch  im  ersten  Teil 
des  Grollen  Deutschen  Memorials  behauptet  hat,  das  der  lateinische 
Te.\t  dem  deutschen  von  woiie  zu  worle  <jlich  sei,  merkt  er 
CUR,  daü  dcts  latine  bück  von  den  min  veilsen  ettewas  tnissehilUt 
dem  li'itschen  an  abei/ebrochenen  icorten  und  zügeleiten  glasen  ut 
der  geschrift  (48*2).  Darum  zerteilt  er  das  Erste  Lateini.scbe 
Memorial  und  schreibt  die  Neun  Felsen  nach  der  deutseben  Original- 
vorlage in  den  zweiten  Teil  des  Grollen  Deutschen  Memorials,  und 
in  laieiniseher  Übersetzung  in  da-  neu  an.Liefertiste  grosae  ladti' 
memoriaU  bück  des  huses  zu  dem  Grünenwerde  . .  .  von  worte  zi 
toorte  glich  dem  tütschen^  als«  e»  us  dem  heiligen  geiste  kummen  wu 
und  sü  Rülman  Merswin  sckriben  müsle  (48'''4).  Dem  deutschen 
Text  des  Großen  Deutschen  Memorials  lag  darum  nach  Nikolaus 
von  Löwens  eindeutig  bestimmten  Worten  die  richtige  von  Rul- 
mann stammende  Bearbeitung  der  Neun  Felsen  zu  Grunde.  Niniml 
man  alle  Behauptungen  Nikolaus  von  Löwens  unbe-'^ehen  hin. 
dann  muß  man  demgemäß  annehmen,  dal)  der  Text  des  Großen 
Deutschen  Memorials  nur  eine  Abschrift  des  sogenannten  Auto- 
graphs  darstellt,  wie  es  auch  bis  jetzt  die  allgemein  herrschende 
Ansicht  war.  Folgerichtig  muß  man  weiterhin  annehmen,  daü 
nicht  nur  die  im  Johanniterhause  zum  Grünenwörth  vorhandener 
anderen  Handschriften  der  Neun  Felsen,  sondern  auch  alle  übrigen 
wo  immer  heute  aufbewahrten  Neun  Fel,sen-Tex  le,  soweit  sie  dl« 


■|  Daü  die  Us.  iiicbt  v 
fefGlirt  n  erden. 


iol 

längere  Textrezension  bieten,  in  ihrem  letzten  Grunde  auf  das 
sogenannte  Merswin-Autograph  zurückgehen^). 

Betrachten  wir  zunächst  die  zu  Grünenwörth  entstandenen 
deutschen  Texte,  wobei  zur  leichteren  Übersicht  nachstehende 
Siglen  eingeführt  seien.  Wir  bezeichnen  das  sogenannte  Auto- 
graph der  Neun  Felsen  mit  o,  die  von  Schmidt  zur  Ergän- 
zung des  Autographs  benützte  Handschrift  {Cod.  E 152,  aas  der 
zweiten  Hälfte  des  14,  Jahrhunderts,  Perg.,  klein  8^  oder  12^)  mit 
f  und  endlich  den  Text  des  Großen  Deutschen  Memorials  mit  y- 
Wenn  Nikolaus  von  Löwens  Angaben  nun  richtig  sein  sollen, 
dann  muß  sich  das  Handschriftenverhältnis  so  gestalten,  daß  a 
die  Vorlage  von  ß  wie  y  bildet,  während  y  entweder  direkt 
von  a  oder  durch  Vermittlung  von  ß  aus  a  abgeleitet  wäre. 
Die  Textvergleichung  zeigt  aber  gerade  das  entgegengesetzte  Ver- 
hältnis. 

Zur  Bestimmung  dieses  Verhältnisses  kommen  vor  allem  die 
Anmerkungen  bei  Schmidt,  NF.  S.  19  und  122  in  Betracht.  Die 
erste  zeigt,  daß  a  die  Kapitelsüberschriften  des  Rügenbuchs  zu 
Unrecht  weggelassen  hat,  während  sie  stehen  müßten,  wie  die 
analogen  Rubriken  bei  Schmidt  S.  10,  15,  64,  80,  85,  88,  94, 
97,  100,  104,  108,  147  beweisen;  ß  wie  y  hat  darum  den 
richtigeren,  ursprünglicheren  Text,  der  nicht  erklärt  werden  kann, 
wenn  ß  wie  y  ^^s  a  abgeleitet  sind  2).  W^as  Schmidt  ferner  in 
der  Anmerkung  S.  122  in  ß  —  und  hier  stimmt  abermals  y  mit 
?  überein  —  als  Zusatz  zu  der  von  ß  benützten  Vorlage  a 
bezeichnet,  ist  tatsächlich  kein  Zusatz,  sondern  auch  hier  hat  a 
einen  weniger  glücklichen  Text  als  ß  und  y?  was  wieder  nicht 
erklärt  werden  kann,  wenn  ß  und  y  aus  a  abgeleitet  sind.  Freilich 
sucht  Strauch  gerade  diese  Abweichung  durch  Homöoteleuton 
zu  erklären»),  allein  mit  wenig  Erfolg,  wovon  die  Gegenüber- 
<ler  verschiedenen  Texte  jeden  leicht  überzeugen  kann. 


M  Das  nimmt  auch  Strauch  an,  a.  a.  o.  S.  259. 

')  Vgl.  Straoch,  Das  Neunfelsenbuch  S.  267  zu  anm.  19,1. 

^)  Ebenda  S.  268  anm.  122,82:  „Nach  sehhm  ist  mit  gleicher  Tinte,  mit 
^^r  das  Ganze  geschrieben,  ein  verweisendes  Kreuz  (yC,)  gesetzt,  zum  Zeichen,  daß 
'^«r  etwas  ausgefallen  ist ;  ein  Nachtrag  ist  in  der  jetzigen  Gestalt  des  sog.  Auto« 
S^phs  nicht  Torbanden,  doch  mag  bemerkt  werden,  daß  das  diesem  (48.)  Blatte  vor- 
^Qiffoliende  (47.)  wie  folgende  (49.)  Blatt  fehlt  und  nur  von  junger  Hand  de%  1%.  ^%. 


hornDiba  »til  got  nül 
banfigSD,  iv-  er  di'-b  irelle 
Mccen  lA  dirr«  esseil  e- 
svbaft,  du  nü3t  üi'h  in  ilsn 
urepran«  lelboi  sebheii. 


NA  dun  uf  dien«  ii 
{genuadsifli.  Di 

b«rcan  unii  tptSL-b 


Bsmiab  wil  gnC  niit 
beDÜgi'ii.  dl)  et  dich  «eil« 
isDtZtfti  ift  dirro  geielle- 
sch&ft,  du  mü>l  ODcli  in 
den  urBpruoE  lolbei  Babeu. 

D«i  meritcbs  cprach : 
ich  bdtizu  lisp  mins,  dite 


K»r    I 


Fn'iuiade  rede,   das  du  apri- 

ciiader  iu   dan  urspruag 
lossun  Gelisu. 

IIbs  diu  und  drUiii;sU 
cspitel  lail.  wie  der  Totje- 
oaate    ineiiBclte    nirt    be- 


Dur  mtnsiiba  erscbrnc 
Ton  gründe  sias  bcrtzea 
und  sprscb  .  .  .'I 


igitur  >pud  deum  nou  ia- 
convauieas  bis  eat  adopeki 
f|[iia  babltatucus  Fum  in- 
«olis  haluE  fupi<  jia,  sad 
eciam  in  dcl  ftintsl«  prlo' 
dpi  am  iutfnduceDdas. 

Houo  dilil :  o  domio» 
Don  aum  di^Lius  illonu» 
cobabitaciona  quintominns 
rastro    apei-iei    eonWoipla- 


Consei]UBiil«r    sequi tar 
qaoniudo  hie   homo  ik  de» 

introire  Foiitale  priadpinui— 
Capltuluia  dacimiiru. 

Re&puliijo  diTiuK  dLUb 


it  laMUectam  afis 


Ule  prlDclplum. 
Max  booio  omi 


Würe  die  Auslassung  in  der  ersten  Spalte  durch  Homöote — 
leutoo  (sehhen)   zu  erklären,  dann  Mtte  a  weilerfahren  müssen^*- 

mit:  Die  atitwuHe  sjji-acii,  udec  mili    Di:i-  »miiischc  cmchi-ai/,  keines " 

falls  aber  mit:  Nu  dün  uf  diene  inren  vgen.  Mag  demnach  dupch^^ 
das  verweisende  Kreuz  im  sog.  Autograph  die  Stelle  in  etwa^^^ 
verbessert  worden  sein,  so  kann  trotz  der  Verbesserung  weder  ^^ 
noch  Y  seinen  Text  aus  «  abgeleitet  haben.    Die  Folge  ist,  daEI^^ 

eigiknzt,   rurliügt.     Das    wus  Schmidt   in    der  Amnerli.  ä.  I-ä   als  Zusatz   bezeicbnet^^'*' 
&t«ht  in  almtUcheii  (voD  mir  fett  K»druckt|  Hss.  und  Druckun  des  kfinaren  Trakt»tt=— ^' 
MerswlDS  Voila^e.  auch  in  CKmin.:  es   iiandult  sich  im   so;,  .tutograph    also  Dur  u^^^*" 
eiueu    lufilUigen  Ausfall,    herbaigofabrt  durch  Homiiululeuton,  der  nacbttiglicb  IDSI       "^ 
merzt  »erden  sullta.     DaB  dies  geschehen.  UBt   sich  jetzt   nicht   mebr   feststallan  '^^- 
')  ß  stimmt  mit  I  rollstindig  flbarein    mit  Ausnahme   der  Kapitelsüberscbrie^fc; 


103 

a,  d.  h.  das  sogenannte  Autograpb,  nicht  der  Urtext  und  darum 
auch  nicht  eine  selbständige  Arbeit  Rulmanns  sein  kann.  Nikolaus 
von  Löwen  gerät  also  mit  sich  selber  in  einen  unlösbaren  Wider- 
spruch, wenn  er  behauptet:  y  ß  sei  von  Wort  zu  Wort  nur  eine 
Abschrift  von  a. 

Femer  kann  ß  nicht  y  zur  Vorlage  haben,  schon  deswegen 
nicht,  weil  in  ß  die  y  eigentümlichen,  den  Text  der  Neun  Felsen 
erläuternden  Zusätze,  durch  welche  die  Neun  Felsen  als  Werk 
Rulmanns  ausgegeben  werden,  fehlen.  Diese  hätte  aber  kein 
Angehöriger  des  Straßburger  Johanniterhauses  in  ß  weggelassen, 
wenn  y  die  Vorlage  gewesen  wäre.  Umgekehrt  läßt  sich  jedoch 
•f  als  Ableitung  aus  ß  leicht  verstehen.  Soweit  wir  den  noch 
erhaltenen  Text  bei  Schmidt  i)  vergleichen  können,  stimmt  y  auch 
nütß  wörtlich  überein;  nur  die  Rubriken  hat  Nikolaus  von  Löwen 
dem  Großen  Deutschen  Memorial  entsprechend  geändert. 

Ebenso  läßt  sich  a  als  Ableitung  von  ß  erklären,  wenigstens 
hat  Schmidt  nirgends  eine  größere  Abweichung  von  a  und  ß  be- 
merkt^),  während  auf  der  anderen  Seite  der  noch  überlieferte  Text 
von  ß  vollständig  mit  a  übereinstimmt.   So  sind  denn  aus  ß,  dem 
anonymen  Traktat  der  Neun  Felsen,  im  Grünenwörth  zwei  ver- 
schiedene  deutsche  Textrezensionen   der  Neun  Felsen  geflossen: 
TUnda,  und  zwar  zeitlich  zuerst  7,  später  erst  a;  denn  wenn 
Nikolaus  von  Löwen  in  dem  Augenblicke,  als  er  den  Text  ins  Große 
deutsche  Memorial  übertrug,  das  Autograph  a  schon  bekannt  ge- 
wesen wäre,  wäre  es  undenkbar,  daß  er  nicht  a,  das  so  laut  ge- 
priesene Autograph,  zur  .Vorlage  gewählt  hätte.    Tatsächlich  hat 
6f  aber  a  nicht  gewählt,  darum  kann  a  als  Autograph  Rulmanns 
^och  nicht  vorhanden  gewesen  sein,  d.  h.  a  ist  erst  nach  1390 
^gefertigt,  darum  keine  selbständige  Arbeit  Rulmanns  nochr  viel 
Weniger  Autograph,  da  Rulmann  bereits  1382  gestorben  ist. 

Zu  dem  gleichen  Ergebnis  führt  uns  die  im  Johanniterhause 
ß^chriebene  lateinische  Textrezension.  Diese  gehörte,  wie  wir 
S^sehen  haben,  dem  ältesten  Teile  aller  Memorialbücher  an.  Sie 
^st  aber,  wie  Nikolaus  von  Löwen  selbst  zugibt,  eine  von  Johann 


')  Mit  dem  Text  seiner  Neunfolsouaus^be  vgrl.  au«;h  «len  Text  bei  SchmiJt, 
^^ttler  S.  216-219. 

')  Die  oben  S.  102  behandelte  Abweichung  läßt  sich  nicht  durch  Homöoteleuton, 
^'^Qdern  durch  freie  Bearbeitung  des  Textes  erklären. 


]U4 

von  Schäirolsheiin  augeferLigte  Überarbeitung  einer  deutscher 
Vorlage,  Mit  den  oben  betrachteten  deutsehen  Rezensionen  stimm' 
sie  dem  Inhalte  nach  völlig  überein,  zeigt  jedoch  durchaus  da: 
Bestreben,  den  deutschen  Text  zu  kürzen.  Insofern  behält  Niko- 
laus von  Löwen  Recht,  wenn  er  sagt,  dall  die  lateinische  Fassunj 
«Iwas  misBeheüet  der  deutschen  an  abegebroclu-nen  warten  (48*2l 
weniger  richtig  ist  aber,  daß  sie  mit  Stellen  der  hl.  SchriT 
„glossiert"  sei  (49^21).  Solche  Glossen  treten  nur  veremzelt  ad 
so  dal!  sie  kemeswegs  den  Grund  bilden  konnten,  die  Neun  Felsei 
abermals  und  zwar  jetzt  nach  dem  deutschen  Büchlein,  alse  e. 
US  dem  heiligen  geiste  kummm  ist  und  sü  Ridman  Merawin,  d^. 
Stifter  . .  .  schriben  müsle  (48*5),  in  das  Grolle  Lateinische  MemO' 
riai  zu  schreiben.  Wie  ist  es  nun  zu  erklären,  dali  Nikolau; 
von  Löwen  in  seine  fiir  die  ganze  Geschichte  von  Grünenwörll 
und  seines  Stifters  gewiü  wichtigen  Memorialbücher  eine  lateinisch* 
Rezension  aufnehmen  konnte,  die  mit  dem  angeblich  von  Rui' 
mann  stammenden  Text  nicht  übereinstimmte,  wenn  es  wirkhd 
wahr  ist,  daü  Ruimann  der  Verfasser  der  Neun  Felsen  ist?  Um 
wie  wäre  es  möglich,  daß  Nikolaus  von  Löwen  die  Abweichungei 
des  lateinischen  Textes  von  dem  deutsehen  erst  so  spät  gemeri; 
hätte,  wenn  Nikolaus  von  Löwen  von  vornherein  der  Autorschaf 
Ruimanns  sich  bewußt  gewesen  wäre,  und  wenn  nicht  diese  Über- 
zeugung sich  erst  im  Laufe  der  Zeit  gebildet  hätte?  Sagt  ei 
doch  im  ersten  Teil  des  Großen  Deutschen  Memorials  noch,  dei 
lateinische  Text  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  stimme  toi 
worte  zu  worte  mit  dem  deutschen  übetein  (19'24),  während  da: 
einige  Jahre  später  angelegte  Übriggebliebene  Lateinbuch  bemerkt 
daü  die  lateinische  Rezension  ettewas  missekUlet  dem  tatschen  at 
abegibrochenen  warten  und  zu  geleiten  glonen  us  drr  schrift  {48*S 
und  49-21)! 

Von  einer  Autorschaft  Ruimanns  wissen  auch  alle  übriger 
bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Handschriften  der  Neun-Felsen  nichts ') 
Mag  man  die  kürzere  oder  die  längere  Textgestalt  betrachten 
so  stimmen  sie  bei   aller  sonstigen  Verschiedenheit  doch  darii 


■|  Mit  grfiBtcr  üBulikvniitais  sind  diese  Handschriften  L«i  Strsucli.  Das  Naun 
felsonbui'b  S.  äSG  If.  und  2ö8  IT.  zusammengestellt.  Leider  t^iad  jedocU  send*  di< 
Uoniente   auGeracbt   galassen    trordeD,    die    die  AiitorGclmft  Kulmatins   an   den  Stirn 


105 

Überein,  daß  keine  derselben  Rulmann  als  Verfasser  nennt,  d.  h. 
mit  andern  Worten :  in  der  ganzen  Reihe  der  Neun  Felsen-Uber- 
lieferung  behauptet  Nikolaus  von  Löwen  allein  die  Autorschaft 
der  Neun  Felsen  durch  Rulmann  Merswin. 

Auf  die  Unhaltbarkeit  der  Angaben  Nikolaus  von  Löwens 
weisen  uns  auch  die  dem  Text  selbst  entnommenen  Gründe,  die 
bereits  Denifle  ausgeführt  hat^).  Sie  zeigen  die  Übereinstimmung 
der  Gedanken  in  den  Neun  Felsen  mit  den  dem  Gottesfreund  zu- 
geschriebenen Traktaten  in  so  auffälliger  Weise,  daß  man  unmöglich 
zwei  Personen,  dort  Rulmann  und  hier  den  Gottesfreund  als  Ver- 
fasser annehmen  kann.  Eine  nur  oberflächliche  Einsicht  in  den 
Inhalt  der  Neun  Felsen  genügt  aber  auch,  um  jeden  zu  überzeugen, 
daß  die  Neun  Felsen  wie  die  sämtlichen  übrigen  Traktate  gar  keine 
wirklich  erlebten  Visionen  schildern  wollen.  Der  Verfasser  be- 
diente sich  dieser  Bilder  nur,  um  mittelst  derselben  verschiedene 
sehr  herbe  Wahrheiten  in  ansprechende  Form  einzukleiden.  Niko- 
laus von  Löwen  dagegen  suchte  es  durch  geschickte  Schachzüge 
zu  erreichen,  an  und  für  sich  anonyme  Traktate,  die  keine  wirk- 
lichen Erlebnisse  berichten  wollten,  umzudeuten  und  sie  ganz 
bestimmten  Personen,  hier  Rulmann  Merswin  und  dort  dem  Gottes- 
freund  unterzulegen. 

Es  kann  hier  nicht  meine  Aufgabe  sein,  auf  die  Textgestalt 
der  Neun  Felsen  des  weiteren  einzugehen  2)  und  etwa  nochmals  zu 
untersuchen,  ob  am  Ende  nicht  doch  die  längere  Textgestalt  die 
Ursprüngliche  ist,  die  kürzere  nur  eine  Ableitung  aus  ihr;  oder 
8ar  die  Vermutung  zu  beweisen,  daß  die  Neun  Felsen  aus  verschie- 
denen, früher  getrennten  Teilen  zusammengeschmolzen  w^urden^), 
geradeso  wie  das  Zwei-Mannenbuch,  das  Meisterbuch,  Traktat 
^J*.  2,  14,  15  und  16  aus  verschiedenen  von  einander  unab- 
'^ängigen  Teilen  bestehen.     Begnügen  wir  uns  vorerst  mit  dem 


n  Zeitschrift  für  doutsches  Altertum  24,  518-521. 

*)  Ich  beschränke  mich  absichtlich  auf  die  zu  Grüncnwörth  ontstandoiion  \oun- 
'^Uenrezensionea,  denn  soriel  neues,  gediegenes  Material  auch  Strauch  in  stnuer 
^^handlang  über  die  Neun  Felsen  beigebracht  hat,  mu(3  die  ganze  Frage  dorli  nocli- 
^8  untersucht  werden. 

'l  So  auch  Strauch,  Nounfelseubuch  S.  280  ff. :  «Wir  werden  kaum  in  der 
^^hme  fehl  gehen,  daß  hier  Themata  mit  einander  verbunden  sind,  die  ursiirüng- 
^^^  ge8ond«»rt  nebeneinander  bestanden.** 


unumslölllichen  Resullate:  ebensuwenig  wie  beim  Zwei-Mannen- 
buch  und  Meisterbuch  sind  die  Angaben  Nikolaus  von  Löwens 
über  Deutung  uod  Herkunft  der  Neun  Felsen  irgendwie  beweis- 
und  annebinbar.  Denn  die  Neun  Felsen  bilden  für  sich  betraehtel 
einen  Traktat,  von  dem  uns  weder  Entstehungszeit  noch  Verfasser 
bekannt  sind.  Die  Neun  Felseu  berichten  ferner  keine  wirklichen 
Erlebnisse  Rulmanns,  noch  stammen  sie  von  ihm,  sonst  müJiie 
Nikolaus  von  Löwen,  der  ja  erst  nach  Rulmanns  Tode  alle  ür- 
kiindenbücher  anlegte,  sich  über  Deutung  und  Herkunft  dieses 
Traktates  ,völlig  klar  gewesen  sein,  ohne  Jenes  unsichere  Tasten 
und  Sueben  nach  Klarheit,  bei  dem  er  sich  zuletzt  in  unlösbare 
Widersprüche  verwickelt,  wie  es  die   ürkundenbücher  verraten. 

Die  Traktate  des  zweiten  Teiles:  Zwei-Mannenbuch  wie  Neun- 
Felsen  und  Meisterbuch  stimmen  demnach  darin  überein,  dali  ihre 
erste  Fassung  in  den  Memorialbüchern  lateinisch  war.  Diese  latei- 
nische Fassung  stimmte  nach  Nikolaus  von  LÖwens  früheren  Angaben 
wörtlich  mit  einem  deutschen,  separat  gebundenen  Text  übereil» 
(18*7,  19*1;  19*2S},  nicht  mehr  aber  zur  Zeit  der  Umwandlung, 
des  Großen  Deutschen  Memorials  und  des  Ersten  Lateinischen 
Memorials.  Deswegen  schreibt  er  alle  drei  Traktate  nochmals 
in  den  zweiten  Teil  des  Großen  Deutschen  Memorials,  aber  jetzt 
wörtlich  nach  den  deutschen  Vorlagen,  von  denen  wir  diejenige  des 
Zwei-Mannenbuchs  wie  der  Neun  Felsen,  nicht  aber  die  des- 
Meisterbuchs  kennen,  nämlich  nach  den  Handschriften  F  u.  Cod.  C 
152.  Diese  in  Format  und  Ausstattung  übereinstimmenden  Büchlein« 
die  keinerlei  Hinweise  auf  Rulmann  Merswin  besaßen,  bildeten  die- 
Vorlagen  zur  deutschen  Rezension  im  Grollen  Deutschen  Memo- 
rial wie  zur  verbesserten  des  Großen  Lateinischen  Memorials,  das 
leider  nicht  mehr  erhalten  ist, 

c)  Der  Traktate  dritter  Teil.  Zu  Beginn  des  Große» 
Deutschen  Memorials  hat  Nikolaus  von  Löwen  hervorgehoben  = 
im  lateinischen  wie  im  ersten  Teile  des  Großen  Deutschen  Memo- 
rials sind  alle  Bücher  niedergeschrieben,  welche  die  beiden  Stifter 
den  Brüdern  des  Johanniterhauses  hinterlassen  haben.  Trotzdem 
findet  Nikolaus  von  Löwen,  allerdings  erst  zehn  Jahre  nach  Rul- 
manns Tode,  noch  einige  Traktate  (4.^*9  IT.),  die  nach  ihm  gleich- 
falls von  den  beiden  Stiftern  stammen  und  darum  als  Nachtrag 
im  Großen  Deutschen  Memorial  ihren  Platz  gefunden  haben.  Für 


107 

uns  ist  vor  allem  der  erste  und  letzte  von  besonderer  Wichtigkeit. 

Der  erste,   der  ouch  Bülman  Merswine,   iinserme  Stifter,   in  8ime 

ersten  kere  herabe  geschriben  [wart]  von   sime  heimelichen  gesellen, 

dem  lieben  gottes  fr  linde  in  o6er/an<  (43*17),  enthält  die  Belehrung 

eines  jungen  sündhaften  Priesters  durch  einen  alten  Klosterbruder, 

der  ihn  auf  den  Weg  der  Vollkommenheit  weist.  In  der  Schilderung 

der  Verzückung,  welche  dem  Priester  während  des  Essens  zuteil 

wird,  kehren  dieselben  Gedanken  wieder  wie  im  vierten  Traktate 

von  den   beiden  Klosterfrauen   im  Bayernland.     Dieselbe   Rolle, 

welche  dort  die  Priorin  spielt,  spielt  hier  ein  alter  Klosterbruder. 

Lassen  wir  die  von  Nikolaus  von  Löwen  stammende  Einleitung  weg, 

so  haben  wir  nicht  die  geringsten  Anhaltspunkte  dafür,  daß  der 

Gottesfreund  im  Oberland  denselben  Rulmann  Merswin  gesandt 

hat  Es  ist  ein  durchaus  anonymer  Traktat,  der  mit  den  Worten 

b^nnt:     Es  beschach  in   einen  ziten^   das  ein  iunger  brüder   in 

eime  closter  was  . .  .  (43*19).    Sein  Inhalt  ist  aszetisch-mystisch, 

eingekleidet  in  die  Gesprächsform  zwischen  einem  alten  und  einem 

jungen  Klosterbruder,  um  dieselben  Gedanken  zum  Ausdruck  zu 

bringen,  wie  die  Traktate  Nr.  7,  8,  9  im  ersten  Teil  des  Großen 

Deutschen  Memorials. 

Der  zweite  und  dritte  Traktat  enthält  Gebete  und  Beleh- 
ningen für  alle  diejenigen,  welche  von  Gott  auf  den  Weg  der  Voll- 
kommenheit geführt  werden.  Ersterer  stammt  nach  Nikolaus  von 
Löwen  von  dem  Beichtvater  einer  Jungfrau,  denselben  bihter  RuU 
^*^,  unser  Stifter,  grosliche  minuete  und  vil  sinre  lieimelicheite 
*^«(44*7);  beim  zweiten  ist  kein  Verfasser  angegeben.  Dagegen 
Wgt  der  vierte  und  zugleich  letzte  Traktat  den  Namen  des  be- 
rühmten Tauler.  Dieser  schrieb  ihn  eime  sime  liehen  f runde  in 
^wi  zUen^  do  die  grossen  erschröckenlichen  ertbidemen  alle  koment 
(45*1),  und  zwar  im  Jahre  1356.  Dieser  Traktat  enthält  manche 
Ähnlichkeiten  mit  dem  zehnten  Traktat,  der  ebenfalls  von  den 
^'finftigen  pflogen  gottes  handelt.  Wer  der  Freund  war,  an  den 
Tauler  diesen  Traktat  gesendet  hat,  hat  Nikolaus  von  Löwen  nicht 
angegeben. 

d)  Vergleicht  man  alle  Traktate  miteinander,  5>o 
ergeben  sich  manigfache  Übereinstimmungen,  aber  noch  mehr 
^Verschiedenheiten,  die  zuletzt  auf  offenen  Widerspruch  hinaus- 
laufen. 


108 

Wir  haben  bei  allen  Traklalen  gesehen,  daß  die  Deutui 
Nikolaus  von  Löwens  eine  durchaus  unrichLige  und  verfehlte  i; 
k  Alle  Traktate  sind  ihrem  Wesen  naeh  anonyme  Traktate,  redi 
immer  nur  von  einem  GotLesfreund,  einem  jüngeren  Brude 
einem  alleren  Bruder  usw..  spielen  aber  niemals  auf  eine  In 
stimmte  Person  an,  deren  Lebensschieksale  sie  etwa  beschreibt 
woIHen. 

Weiterhin  war  genau  das  Bestreben  des  Nikolaus  von  Löwf 
zu  verfolgen,  diese  Traktate  in  irgend  eine  Beziehung  zu  dt 
(.beiden  Stiftern  des  Hauses"  zu  bringen.  Dabei  war  es  seil 
ursiirüngliffcte  Ansicht,  dall  überall,  wo  in  den  Traktaten  vr 
„dem  einen"  oder  ,. andern"  die  Rede  ist,  unter  „dem  einen"  dt 
Gotte.^tVeund  vom  Oberland ')  —  dessen  Name  uns  nirgends  g( 
nannt  ist  —  unter  „dem  andern"  Bulmann  Merswin  selber  ve; 
standen  werden  müsse.  Das  war  die  Deutung  der  ersten  12  Tral 
täte  und.  soweit  eine  Nachprüfung  möglich  ist,  auch  diejeni| 
der  lateinischen  Traktate.  Die  Ungereimtheiten,  die  dadurch  en 
standen,  waren  aber  doch  zu  groli,  als  dati  sie  Nikolaus  ve 
Löwen  hätten  entgehen  können.  Vor  allem  hätte  Rulmann  M« 
swin  eine  LebensroJle  gespielt,  die  wenig  geeignet  gewesen  war 
sein  Leben  den  Brüdern  als  nachahmenswert  vor  Augen  zu  stelle 
Nikolaus  von  Löwen  tilgt  darum  überall  diese  Deutung;  beha 
unter  dem  „einen"  den  Gottesfreund  vom  Oberlande  bei,  dessc 
Leben  und  Wirken  ja  doch  niemand  nachzuprüfen  vermocht 
und  fertigt  aus  dem  „andern-'  einen  ebenso  unbekannten  Freur 
des  üol teefreundes.  Für  Rulmann  aber  wurde  dadurch  Eraa 
geschaffen,  daß  die  Traktate  teils  dem  Gottesfreund,  teils  Rulmac 
Merswin  als  Verfassern  zugesehrieben  wurden.  Daß  die  letzten 
nicht  auf  Huimann,  sondern  auf  andere  uns  teils  bekannte,  tei 
no(.'h  unbekannte  Verfasser  zurückgehen,  gibt  Nikolaus  von  Löwe 
selber  zu,  und  wie  wenig  er  selbst  von  der  Autorschaft  Rulmaoi 
bei  dem  lateinischen  Texte  der  Neun  Felsen  überzeugt  war,  bewei: 
seine  in  der  Prolog-Rubrik  vorgenommene  Rasur,  wodurch  di 
ursprüngliche  anonyme  Gestalt  der  Neun  Felsen  wieder  hergestel 

'  I  Zu  der  ba^timiiiteu  deutsi:lieD  .Vusdruik^wcisu ;  der  Guttetfreund  im  Obu 
lund  luai:  ilie  lateinisilm  Farm :  amicus  dei  giipei-Haturtüiii  i-iel  lioigetmgea  bsbei 
lii  ■  ja  Iwi  ilur  (  h.'rstUiinK  mit  bcslimriitom  «i«  iiiiWstiiniiit<ini  Artikel  wiudorfajelie 


wurde.  Von  Stufe  zu  Stufe  können  wir  sodann  Nikolaus  von 
Löwen  bei  seiner  Deutung  verfolgen.  Bei  dem  ersten  Teil  der 
Traktate  beruht  die  ganze  Deutung  in  den  von  Nikolaus  von 
Löwen  stammenden  Rubriken.  Die  gleiche  Erscheinung  be- 
gegnet uns  bei  den  lateinischen  Traktaten  und  bei  dem  dritten  Teile 
der  deutschen  Traktate.  Im  Text  selbst  finden  wir  keinerlei 
Zusätze.  Ganz  anders  bei  den  Traktaten  im  zweiten  Teile  des 
Großen  Deutschen  Memorials;  hier  ist  auch  der  Text  verändert,  wie 
wir  es  eingehender  beim  Meisterbuch  und  Zwei-Mannenbuch  ge- 
sehen habend).  Das  eine  stellt  eben  eine  zeitlich  frühere,  das 
andere  eine  zeitlich  spätere  Entwicklung  in  dem  Gedankengang 
des  Nikolaus  von  Löwen  dar. 

Alle  Traktate  des  ersten  Teils  wurden  angeblich  vom  Gottes- 
freund in  den  Jahren  1349-52  anRulmann  gesandt,  der  sie  30  Jahre» 
also  bis  1378-82,  verborgen  hielt.  Die  Johanniterbrüder  erfuhren 
also  erst  in  den  letzten  Lebensjahren  Rulmanns  vom  Gottesfreunde 
wie  von  seinem  Verkehr  mit  ihm  —  das  Meister  buch  aber  und 
damit  auch  das  Zwei-Mannenbuch  wie  die  Neun  Felsen  sind  den 
weltlichen  Priestern  von  Grünenwörth  schon  vor  1370  bekannt. 
Irgend  ein  Grund,  die  Traktate  des  ersten  Teils  den  Brüdern  zu 
verheimlichen  und  die  des  zweiten  ihnen  bekannt  zu  geben,  kann 
nicht  vorliegen,  da  der  Inhalt  der  letztern  von  dem  der  erstem  in- 
den  Grundgedanken  derselbe  ist.  Alle  Traktate  des  ersten  Teils 
schickt  der  Gottesfreund  direkt  an  Rulmann  —  das  Meisterbuch 
dagegen  an  die  weltliehen  Priester,  ohne  daß  einer  Vermittlung 
Rulmanns  Erwähnung  geschähe.  Alle  Traktate  des  ersten  Teils 
übergibt  Rulmann  den  Brüdern  auf  Wachs  geschrieben  —  das 
Zwei-Mannenbuch  dagegen  ist  schon  vor  1370  als  besonderes  von 
Rulmann  selbst  auf  Pergament  geschriebenes  Büchlein  im  Besitze 


')  lu  derselben  Weise  hatte  Nikolaus  von  Lowon  auch  dou  NeuulVlseutext 
'39*17)  etwa  so  gestalten  müssen :  Es  heschach  in  einen  ziten  in  eime  udvtniim 
^^  dem  hochgezite  unsers  lieben  herum  yehurt  an  einer  morgen  stunden  fruge^ 
"<**  tin  tnenschi,  Rtdman  Merswine^  unser  stiftery  wart  rermanet  .  .  .  Eiuo  solche 
'ilschung  mochte  aber  Nikolaus  von  Löwen  selbst  zu  plump  vorgekommen  sein.  Dou 
?*iu!en  amfangreicben  Traktat  in  die  erste  Person  zu  übertragen,  wie  er  es  spater 
^  den  Vier-Jahren  getan  hat,  in  der  Form :  e^  heschach  .  . .  daz  ich  wart  ver- 
*^f>nä.,,  mochte  auch  seine  S'-hwierigkoit  haben.  So  zieht  Nikolaus  von  Löwen 
vor,  dem  Leser  zu  beteuern,  man  möge  sunder  zwivel  glouben,  daß  Gott  die  Nouu 
^«Imq  dufch  Rulmann  habe  schreiben  iassen. 


der  Frau  Rulmanns,  ■ 

des  Gotlesfreundeä  Eigentum  der  weltlichen  Priester  viin  Grünen- 
wörtli,  das  Neun  Felsen-Buch  endlich  ehenraüs  von  Rulmann 
eigenhändig  geschrieben.  Das  alles  sind  unlösbare  Widersprüche, 
wenn  Nikolaus  von  Löwens  Angaben  richtig  sind:  lösbar  aber, 
wenn  zwischen  der  Anlage  der  einzelnen  Handschriftenbesland- 
teile  und  den  in  ihnen  ausgesprochenen  Gedanken  ein  ursäch- 
licher Zusammenhang  besteht,  d.  h.  wenn  Nikolaus  von  Löwen. 
weicher  der  geistige  Urheber  der  Handschriften  ist,  auch  der  Erßuder 
der  in  Rubriken  und  Text  ausgesprochenen  Deutung  und  Herkunft. 
der  Traktate  ist.  Denn  solche  Widersprüche  zwischen  dem  ersten 
und  zweiten  Teil  der  Ti'aktate  könnten  nicht  vorhanden  seüi, 
wenn  der  Plan  zur  Anlage  der  Handschrift  in  Nikolaus  von  Löwea 
von  vornherein  lest  vorgezeichnet  gewesen  wäre. 

Allen  Traktaten  lagen  ferner  Vorlagen  zu  Grunde,  deren, 
niihere  Beschaffenheit  wir  hei  den  Traktaten  des  zweiten  Teils: 
Meisterbuch,  Zwei-Mannenbueh  und  Neun  Felsen  ^'enau  kennen 
gelernt  haben.  Dali  das  gleiche  hei  den  übrigen  der  Fall  ist,  soll 
hier  noch  besonders  nachgewiesen  werden. 

Den  deutlichsten  Beweis  dafür  liefert  uns  Traktat  10:  die  Offen- 
barung, welche  „einer  Kreatur,  einem  Menschen"  —  so  im  Texte; 
in  der  Rubrik  Nikolaus  von  Löwens  dagegen:  dem  lieben  GotUs- 
fründe  in  Oberlant  (30*10)  —  in  der  Christnacht  1356  von  dea 
„Plagen"  Gottes  zuteil  wurde.  Dieser  Traktat  war  in  einem  beson- 
deren Büchlein  geschrieben,  welches  K.  Schmidt  noch  vorgelegea 
und  dessen  Text  er  in  seinem  Werke  über  Johannes  Tauler  S.  2iJ0ff. 
und  auch  separat  herausgegeben  hat.  Er  bezeichnete  dieses  Büchlein 
als  „Cod.  E  987  in  16"  der  ehemaligen  Straßburger  Johanniter- 
bibtiothek.  —  Auf  der  Decke  dieses  Manuskriptes  steht  von  einer 
spateren  Hand,  dall  das  Schreiben  im  lateinischen  Memoriale  des 
Johanniterhauses  cap.  XXIX.  fol.  3  als  von  dem  Laien  herrührend 
angeführt  war,  in  einer  Stelle,  die  mit  den  Worten  anfing:  Huic 
eliam  lai/co  supernaturali  modo  etc.'^  Dieses  Düchlein  nun  bildete 
Für  Nikolaus  von  Löwen  die  Vorlage  zum  10.  Traktat  des 
Grollen  Deutschen  Mejnorials;  denn  die  Textvergleichung  be- 
stätigt die  vollständige  Übereinstimmung  zwischen  beiden  Texteo. 
Von  ollenkundigen  Schreibfehlern  abgesehen,  zeigt  der  Text  des 
•Oroßen  Deutschen  Memorials  gegenüber  der  bei  Schmidt  gedruckten 


111 


Rezension  nur  eine  einzige  Variante,  die  aber  bei  näherem  Zu- 
sehen unsere  obige  These  nur  bestätigt. 


Vorlage. 

Schmidt,  Tauler  229. 

so  wil  er,  daz  wir  mit  ime  nnd  bi 
ime  in  sins  vatter  riche  ewikliche 
Qnser  wonunge  do  mit  ime  habende 
sint. 


Großes  Deutsches  Memorial. 

Schmidt,  Nikolaus  von  Basel  197. 

so  wil  er,  das  wir  mit  ime  nnd  bi 
ime  in  sins  vatter  riche  ewicliche 
unser  wonunge  habent  und  do  mit 
ime  wonende  sind. 


Die  Einsicht  in  die  Handschrift  BI.  101*  belehrt  uns,  wie  das 
Große  Deutsche  Memorial  zu  dieser  Variante  kam.  Die  Stelle 
lautete  ursprünglich,  durch  Schreibfehler  hervorgerufen:  unser 
wonunge  do  mit  ime  uomnde  sind.  Um  den  Fehler  zu  verbessern, 
fügte  der  Schreiber,  da  mit  wonunge  die  Zeile  schloß,  an  dem 
Rande  an:  habent  und.  Beide  Texte  stimmen  also  vollständig 
miteinander  überein. 

Der  im  ersten  Teil  des  Großen  Deutschen  Memorials  er- 
scheinende Traktat  war  demnach  als  besonderes  Büchlein  im  Besitze 
der  Johanniter  1).  Dieses  Büchlein  war  in  Straßburg  schon  im 
Jahre  1356  bekannt  —  Nikolaus  von  Löwen  läßt  es  erst  in  den 
Jahren  1378-82  durch  Rulmann  bekannt  werden.  Dieses  Büchlein 
hatte  keine  Anfangsrubrik  —  die  Rubrik  des  Großen  Deutschen 
Memorials  ist  das  Werk  Nikolaus  von  Löwens.  Dieses  Büchlein 
^'ar,  wie  der  Schluß  besagt,  von  einem  unbekannten  Gottes- 
freund Tauler  gewidmet  —  nach  Nikolaus  von  Löwen  aber  von 
dem  nur  Rulmann  Merswin  bekannten,  allen  übrigen  Personen 
unbekannten  Gottesfreund  Rulmann  selbst  gewidmet.  Die  Arbeits- 
weise Nikolaus  von  Löwens  tritt  also  hier  völlig  klar  zu  Tage: 
€r  benützt  bei  Anlage  des  Großen  Deutschen  Memorials  bereits 
vorhandene,  im  Umlauf  sich  befindende  anonyme  Traktate  und 
l^ringt  sie  durch  geschickt  gewählte  Rubriken  in  Beziehung  zu 
Rulmann  Merswin,  dem  Stifter  von  Grünenwörth.  Die  Worte, 
<lie  in  seiner  Vorlage  am  Schlüsse  standen,  setzt  er  in  seiner 
Abschrift  mit  zweckentsprechenden  Änderungen  als  Rubrik  an  den 
Anfang  des  Traktats. 

Zu  erwägen  bleibt  noch,  ob  der  Schluß  des  Büchleins  ur- 
sprünglich oder  vielleicht  nur  ein  späterer  Nachtrag  ist.     Da  das 


M  Vgl.  80*10  ff.  und  dif  Anmerkung  zu  ;jO*l'K 


111  I 

Büchlein  aus  dem  14.  Jahrhundert  stammt,  im  Besitze  der  Johan- 
niter war  und  die  Vorlage  Nikolaus  von  Uiwens  bildete,  ist  es 
unmöglich,  dall  ein  Johanniterbruder  nach  Vollendung  des  Großai 
Deulst:hen  Memorials  irgend  einen  solchen  Zusatz  hätte  machen 
können.  Denn  seit  der  Anlage  des  Großen  Deutschen  Memorials 
war  die  ganze  Tradition  in  die  festen  Wege  gebannt;  das  Send- 
schreiben an  die  Christenheit  stammt  von  dem  Gottesfreund  im 
Oberland,  der  es  Rulraann  gesandt  hat.  Wohl  aber  ist  es 
möglich,  daü  die  Schlultworle  vor  Anlegunf;  des  Grollen  Deutsehen 
Memorials  dem  in  allen  Punkten  anonym  erscheinenden  Traktat 
vielleicht  von  Nikolaus  von  Löwen  selbst  hinzugefügt  wurden. 
P'reilich  fand  er  es  nach  Rulraanns  Tode  für  besser,  die  gleichm 
Worte  entsprechend  dem  Zwecke,  den  er  verfolgte,  ainngemäll  zS  4 
andern.  Aulierdem  sorgte  die  auf  der  Decke  des  Memorials  stehend^  I 
Notiz  dafür,  daü  trotz  des  anderslautenden  Schlusses  niemand  1 
der  Herkunft  durch  Kulmann  zweüelle.  Merkwürdig  ist  sodaiu 
dali  der  letzte  Traktat  des  Großen  Deutschen  Memorials  (44*37)i* 
der  mit  dem  ebengenannten  nach  Entstehungszeit  (1356)  und  Inhalt 
vielfach  übereinstimmt,  nach  Nikolaus  von  Löwfen  von  Tauler  ver- 
falit  ist.  Beide  standen  also  ursprünglich  nii;ht  in  Beziehung  zu 
Ftulmann,  sondern  zu  Tauler;  ersterer  war  ihm  von  einem  Freund. 
gesandt,  letzteren  sendet  er  einem  seiner  Freunde.  Hat  sich, 
hier  Nikolaus  von  Löwen  nicht  abermals  in  seiner  Arbeitsweisa 
verraten  V 

Ahnlich  verhält  es  sich  mit  Traktat  12  {31*7).  Auch  hier  ist 
es  sehr  lehrreich  zu  verfolgen,  wie  sich  bei  Nikolaus  von  Löwen 
der  Übergang  von  einem  unbekannten  Goltesfreund  zu  dem  Gottes- 
freund im  Oberland  vollzieht.  Das  Gebet,  so  lautet  der  Schluß 
wart  einem  tceltUcken  natiirlkken  man  (/eieret  und  undenoit^ 
von  einte  heiligen  erlühteten  gottes  friindel^iVü)  zur  Zeit  der  Rom- 
fahrt und  der  grollen  Plagen,  die  Gott  über  die  Mensehen  sandte- 
Der  Laie  wurde  durch  dieses  Gebet  sehr  gebessert  und  bat  darum 
den  ungenannten  Gottesfreund,  das  er  in  dis  gebet  Hesse  abeschribe», 
das  er  es  sinen  guten  (runden  gebe  zu  lerende,  das  lui  sich  sin 
ouch  underieiindent  und  detton  gebessert  wiirdent  —  eine  Formel,  die 
auch  bei  den  andern  Traklaten  vorkommt  und  darum  hier  nichts 
besonderes  sagen  will.  Darauf  geht  der  Text  weiter:  In  der- 
selben  wise  und  meinunge,  d.  h.  damit  andere  Menschen  gebessert 


113 

■ 

würden,  het  es  auch  ein  begnadeter  übernatürlicher  gottes  frunt, 

demnach  ein  anderer  als  der  obengenannte  Gottesfreund,  vor  vid 

ioren  von  verren  landen^  also  nicht  yom  Oberland,  har,  d.  h. 

nach  Straßburg,  geschriben  und  gesendet  ie  zu  den  ziten,  so  unser 

herre  die  cristenheit  mit  sterbotten   oder  mit  anderen  erschrocken^ 

liehen  pflogen  ane  greif,     und  ist  noch  nie  eigentliche  und  dumeh-- 

Wdiche  verkündet  worden  noch  des  lieben  got  minnenden  f rundes, 

also  eines  dritten,  jetzt  bestimmten  Gottesfreundes,  begirde  und 

meinunge.     darumb  het  er  (der  Gottesfreund)  es  nü  aber .  . .  har^ 

d.  h.  nach  Straßburg,  verbotschaftet  in  der  Meinung,  daß  es  gerade 

jetzt  im  Jahre   1381  verkündet  werde.    In  einfacheren  Worten 

ausgedrückt  besagt  aber  die  Stelle  nichts  anders  als:  das  Gebet 

entstand  ums  Jahr  1350  zur  Zeit  der  Jubelfahrt  und  des  großen 

Sterbens.    Seit  jener  Zeit  ging  es  von  Hand  zu  Hand,  und  wer 

es  betet,  der  handelt  nach  dem  Willen  aller  gottliebenden  Seelen, 

der  Gottesfreunde,  vor  allem  jetzt  im  Jahre  138  li  wo  Gott  die 

Qiristenheit  aufs  neue  mit  Plagen  heimgesucht  hat.     Gleichwohl 

überschreibt  Nikolaus  von  Löwen  den  Traktat  mit  den  Worten: 

^  ist  eine  tafele  des  lieben  frünt  gottes  in  Öberlant  ,  .  .,  während 

er  in  Wirklichkeit  ein  anonymes,  schon  längst  auch  in  Straßburg 

verbreitetes  Gebet  benützt,  mit  seinen  Zusätzen  versieht  und  ihm 

eine  besondere  Empfehlung  dadurch  mit  auf  den  Weg  gibt,  daß 

ßf  es  als  kostbare  Sendung   des  Gottesfreundes  vom  Oberland 

darstellt 

Wie  die  Vorlage  zum  Zwei-Mannenbuch  hatten  auch  die 
Vorlagen  der  Traktate  des  ersten  Teils  entweder  keine  oder  eine 
durchaus  einfache  Überschrift  Diese  ursprüngliche  Überschrift 
finden  wir  noch  in  Traktat  3:  Dis  ist  von  Urselen  einre  heiligen 
(^losenerin  leben  (26*18);  und  etwas  verändert  in  Nr.  8:  Dis  ist 
9^  eine  gute  letze,  alse  sü  eime  iungen  brüder  in  eime  orden 
p^  9ime  eitern  gegeben  wart  (29*1)  .  .  .  Ähnlich  in  Traktat  9 
{29*22). 

Daß  die  sogenannten  Traktate  Rulmanns  (32*16  ff.)  auf  längst 
'bekannte  Schriften  bewährter  Autoren  wie  Johannes  Ruisbrock, 
Seuse,  Bischof  Albrecht  und  andere  zurückgehen,  hat  die  Kritik 
schon  erkannt ;  Nikolaus  von  Löwen  gibt  es  auch  selbst  zu,  ja  er 
Diußle  dies  tun,  wenn  nicht  seine  Fälschungen  zu  plump  ausfallen 
sollten.    Hier  konnte  Nikolaus    von  Löwen  nicht  sag^exv,   öly^^^ 

BMtrJ.  % 


114 

Traktate  hätten  Rulmann  zum  Ver£Bisser,  da  dies  in  damaliger 
Zeit  jeder  wissen  konnte,  und  darum  würdigt  er  Rulmann  zum 
Interpolator  herab,  der  die  einzelne  Stücke  nur  zusammenstellte 
und  mit  wenigen  Zutaten,  „seinen  inbrünstigen  Worten^,  versah. 
Aber  auch  diese  Behauptung  Nikolaus  von  Löwens  ist  unrichtig. 
Nikolaus  von  Löwen  arbeitete  hier  nicht  anders  als  bei  den  vor- 
hergehenden Traktaten,  wie  es  eingehender  an  dem  16.  Traktat, 
der  dem  Brautlaufbüchlein  Ruisbrocks  entnommen  ist,  gezeigt 
werden  soll. 

Die  Münchener  Hof-  und  Staatsbibliothek  besitzt  eine  Abschrift 
der  Vorlage,  welche  Nikolaus  von  Löwen  zu  dem  16.  Traktat 
benützt  hat    Diese  Handschrift  (Cogm.  818)  aus  dem  15.  Jahr- 
hundert stammend,  beginnt  mit  dem  Prolog  (BL  1^) :  Dis  iti  gar 
eine  gewore  fruhtbere  nütze  lere,  genummen  usser  dem  tmefangi 
des    brtUhuf   büchdinSy    das    ein    lieber    heiliger   wdttpriesUr   tu 
Brobant  sckreip,  heissei   brüder  Johannes   Busebruch;  und    eamU 
es  herus  in  Öberlani  den  goUes  frunden  des  jubd  iores  do  men 
sxdete  von  gottes  gebürU  xiii^  und  l  ior  und  vohet  alsüs  ane...  Der 
nachfolgende  Traktat   stimmt,    von  offenkundigen  Flüchtigkeiten 
abgesehen,  wörtlich  mit  dem  Text  des  Großen  Deutschen  Memo- 
rials überein.     Am  Schlüsse  jedoch  steht  die  Bemerkung:  DU 
is  dz  buch  von  der  fürkummenen  gnoden  und  von  der  verdienlichen 
gnoden,  in  dem  och  geschriben   stont  die  vij  goben   des   h.  geistes, 
dazu  der  liebe  Stifter  Rülman  Merswin   von  goite  betwungen  wart* 
dz  er  dieselbe  bück  schriben  müst  in   sinen    aller   hindersten    such- 
tagen...  (34*24  anm.),  genau  so,  wie  die  Einleitung  Nikolaus 
von  Löwens   im   Großen   Deutschen   Memorial  lautet.     Was  hier 
also  Einleitung  ist,  ist   dort   Schlußbemerkung.     Wir  haben   also 
hier  denselben  Fall  wie  beim   besonderen  Büchlein  (Hs.  H)  des 
Zwei-Mannenbuchs  und  wie  beim  oben  betrachteten  SendschreibeO^i 
wo  Nikolaus  von  Löwen  dem  in  einem  besondern  Büchlein  stehende^ 
anonymen  Traktat  durch  eine  am  Schlüsse  zugefügte  Bemerkung 
seine  Deutung  auf  Rulmann  und  den  Gottesfreund  gibt. 

Beide  Texte  (Cogm.  818  =  A,  und  Großes  Deutsches  Memo- 
rial =  B)  gehen  darum   auf  dieselbe  Vorlage  X  in  der  Formel 

/\  zurück.     Dieses  X   nimmt  in   den  Gottesfreundschriflen   die- 
selbe  Stellung   ein,   wie  die  noch  erhaltene  Vorlage   des  Zwei- 


115 

Manna[ibuchs.    Das  Verhältnis  der  Handschriften  umgekehrt  b^ 

B 

stimmen  zu  wollen  durch  die  Formel  x  d.  h.  so,  daß  A  direkt  oder 

I 

A 

durch  Vermittlung  einer  oder  mehrerer  X  aus  B  geflossen  ist, 
geht  nicht  an,  da  in  diesem  Falle  völlig  unaufgeklärt  bliebe,  aus 
weldiem  Grunde  der  Abschreiber  die  im  Großen  Deutschen  Me- 
morial stehende  Rubrik  Nikolaus  von  Löwens  an  den  Schluß 
setzte.  Verständlich  aber  ist  —  und  wir  haben  ja  anderweitige 
Analoga  —  daß  Nikolaus  von  Löwen  eine  früher  an  den  Schluß 
des  ihm  vorliegenden  besondem  Büchleins  gesetzte  Bemerkung 
später  als,  Rubrik  verwendet,  ohne  zu  beachten,  daß  der  Inhalt 
der  einen  Rubrik  den  der  andern  Lügen  straft 

Die  Vorlage  X  läßt  sich  noch  genauer  bestimmen  aus  der 
weitem  Bemerkung  Nikolaus  von  Löwens:  der  Anfang  des  16.  Trak- 
tates sei  genommen  us  dem  brutlaußücMein.  Nun  besaß  die  Straß- 
burger Johanniterbibliothek  mehrere  Handschriften  von  Ruisbrocks 
Brautlaufbüchlein,  deren  zwei  bei  Ullmann  xx^)  folgendermaßen 
beschrieben  sind: 

„Unter  den  Straßburger  deutschen  Handschriften  ist  die  älteste 
(Co4  B.  152  in  12®  auf  Pergament,  aus  der  zweiten  Hälfte  des 
U.  Jahrhunderts,  ursprünglich  der  mystischen  Bibliothek  des 
Slraßburgerischen  Johanniterhauses  angehörend)  bei  weitem  die 
vorzüglichste  unter  allen  bekannten  oberdeutschen  Hss.  Sie  ist 
ohne  Titel  und  Inhaltsverzeichnis,  und  nicht  in  Bücher  oder 
Sektionen  abgeteilt,  sondern  nur  in  85  Kapitel,  deren  fortlaufende 
Ziffern  von  etwas  späterer  Hand  über  die  Seiten  geschrieben 
sind.  Die  Kapitelabteilung  entspricht  jedoch  fast  durchaus  der 
^insrigen,  auch  da,  wo  man  eine  von  dieser  abweichende  bei  Surius 
fadet  Das  Ende  von  Nr.  84  und  85  ist  abgerissen  und  fehlt. 
Der  Dialekt  ist  der  oberrheinische. 

Eine  zweite  Hs.  (Cod.  B.  138  in  4P  auf  Papier,  Seiten  mit 
2  CoL,  aus  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jahrh.)  gibt  im  Ganzen  die- 
selbe Übertragung,  nur  mit  einzelnen  Abweichungen,  indem  nament- 
Bch  ältere  Ausdrücke  mit  späteren  vertauscht  sind.  Ein  voran- 
stehendes Inhaltsverzeichnis  enthält  dieselben  85  Überschriften, 
^h  mit  einer  andern  Numerierung.    Am  Schlüsse  steht :  Die  ist 


')  Ullmaoii,  Vier  Schriften  ron  Job,  Eusbrock  in  niederdeutscYiei  ^^t^OcL<i. 


'die  gezierde  des^  göüichen  bruüofes:  Amen.  Finüo  •  libro  sü  laus 
et  gloria  cristo.  Amen,  Anno  damini  Mccc^  Ixxxx^  in  vigüia  beati 
Mathei  ap^stoli  et  ewangeliste.  Deo  gratias.  Die  Jahrzahl  muß  sich 
auf  eine  frühere  Abschrift,  nach  welcher  diese  gemacht  wurde, 
beziehen;  vielleicht  war  dieselbe  der  Cod.  B.  152  und  hat  dessen 
abgerissenes  Ende  die  Jahrszahl  enthalten/V    Soweit  Ullmann* 

-  Mag  die  letztere  Vermutung  zutreffen  oder  nicht,  so  zeigt 
diese  Stelle  wenigstens^  daß  zu  derselben  Zeit,  da  Nikolaus  von 
Löwen  seine  Urkundenbücher  anlegte  (um  1390)  bereits  Vorlagen 
des  BrauÜaufbüchleins  vorhanden  waren,  aus  welchen  er  seinen 
Text  schöpfen  konnte.  In  der  etwas  „spätem  Hand",  welche  die 
Kapitelzahlen  1-85  fortlaufend  über  die  Seiten  schrieb,  erkennt 
man  unschwer  die  Arbeitsweise  Nikolaus  von  Löwens,  der  über- 
all bei  der  Anlegung  seiner  Handschriften  so  verfuhr.  Dieser  Hand- 
schrift entnahm  nun  Nikolaus  von  Löwen  den  Anfang  des  16.  Trak- 
tats, wie  die  Textvergleichung  unzweifelhaft  sicherstellt 

Nikolaus  von  Löwen  bildet  zunächst  die  Überschrift  bei  Uli- 
mann  8,1-3  selbständig.  —  8,4  der  lateinische  Spruch  fehlt.  Aisdana 
stimmt  der  Text,  abgesehen  von  Zusätzen  oder  Auslassung  einiger 
Worte,  von  3,4-5,i;  5,i-6,5  fehlt  durch  Homöoteleuton  (Giristus} 
hervorgerufen.    Die  Schrift  des  Großen  Deutschen  Memorials  zeigt, 
daß  hier  der  Schreiber  mit  etwas  blasserer  Tinte  neu  einsetzte,  so 
daß  ein  Übersehen  leicht   zu   erklären   ist.     Alsdann   stimmt  de^ 
Text  wieder  von  6,5-10,2;   nur  hat   die  Abschrift  Nikolaus   vo* 
Löwens   im   Großen   Deutschen  Memorial   keinerlei   Kapitelsübe«^' 
Schriften.   —    10,r,-ll,s   ist   im   Großen   Deutschen  Memorial   ul:*^ 
auszugsweise  wiedergegeben.    Diese  Abweichung  beginnt  an  de*^ 
selben   Stelle,   an   welcher   bei    Ulimann   S.  151    angemerkt  is  ^ 
„10,:i  diese  Kapitelabteilung  ist  ofVenbar  falsch,   findet  sich  aucT^' 
nicht  in  Str.  1"  (=der  Straßburger  Handschrift  Cod.  B.  152).    D« 
Übergang  von  Ullmann  10,1,-2  lautet  im  Großen  Deutschen  Mem« 
rial   Bl.  123^:    iind  hiemitte   so   endet  die   furkomene  genode   ur-^ 
beginnet    die    andere   verdienliche  genode,    in   der   ouch    entspHn^^^ 
ein  grosser  gantzer  friger  /iville  und  denne  mohte  icol   neher  denr^ 
in  eime  ougen  blicke  minne  darzü  springen^   das  got  die   sele   ette" 
was  fnrhasser    vereiniget    in   der   minne  .  .  .     11. 7    entspricht   iiD 
Großen  Deutschen  Memorial:    und  ouch   danne  gotte  welle  genüg 


117: 

iufi  noch  eines  b^cheideneti  bikters  rot  und  oüch  denne  alle  tigende 
ane  vohen  und  zu  beginnende. 

Darauf  geht   das  Große  Deutsche  Memorial  seine  eigenen 

Wege.    Es  beginnen  Auszüge  aus  dem  zweiten  Buche  des  Braüt- 

laufbüchleins,  wie  schon  der  Übergang  El.  124*  zeigt:     Welre 

memcheznü  harzü  kommet  und  die  vorrede  des  ersten  cappitels 

dis  biichelins  wol  verstet  und  es  ouch  wol  geleret  und.gelebät 

kä,  denne  so  ist  gotte  wol  zu  getruwende^   das  er  nutenlot  noch 

gdossen  mag,  er  sende  eime  solichen  gutwilligen  ruungen  ane  vohen^ 

im  menschen  ein  vaste  grösser  übernatürlicher  lieht  und  stürtzet 

in  in  deLS  übernatürliche  lieht  der  frölichen  goben  des  iubüierendes 

des  heiligen   geistes  . . .  mit  Anklängen    an  üllmann  57,i5-5949. 

BL  124^  beginnt  alsdann:   Dis  ist  das  andere  cappittel  dis 

hieheilins,  das  do  wiset  und  seit  von  dem  frölichen  jubilierende  .\  » 

schließt  125*:  das  ist  das  erste  werg  sinre  nuwen  Zukunft  in  dirre. 

<«uleren  wisen.     Nu  sprichet  Christus  geistliche  in  disen  menschen: 

jßang  wf^  noch  der  wise,   alse  ich  dir  zöge  =  Ullmann  60t29  ff. 

Diese  Überschriften  zeigen  deutlich,  daß  immer  wieder  auf  die 

Auslegung  des  Ruisbrock'schen  Textes  und  zwar  auf  Cod.  B.  152 

zurückgegriffen  wird.    Bl.  126*  heißt  es  weiter:  nü  ein  solicher 

^f^ensche,  der  dise  wise  armüt  des  geistes  durch  gangen  und  demü» 

^Hdiche  und  geUssenliche  durch  litten  het^  der  ist  nü  rerre  bas  dran 

^  höher  ufkummen,  danne  er  fioch  ie  kam,  wanne  er  ist  gotte 

^  getuUigen  Udetide  herren  ettewas  noch  gegangen.     Get  er  nü 

ßr  iich  one  hinder  sich  sehen  und  oue  von  keren  und  lidet  es  alse 

^^«,  alse  es  got  haben  wil,  damoch  schenket  er  ime  über  alle  sinnc'^ 

^*ßfe  Vernunft  die  siben  goben  des  heiligen  geistes.    Weleme  menschen^ 

^h  die  selben  siben  goben  des  heiligen  geistes  von  gotte  geschencket 

^^dent,  der  ist  selig,  das  er   ie  geboren  wart,  wanne   ei*  befindet 

^'l^oliche  übernatürliche  wundsr^  die  über  menschliche  sinne  sint; 

^onne  von  alsolichen  Sachen  nüt  [126^]  zu   redende  ist  und  un-^ 

^nchenliche  sint. 

Hie  hebe  ich  ane  von  den  siben  goben  des  heiligen  geistes  zu 
^ende,  alse  rerre  man  es  zu  worten  bringen  kan  mid  us  gesprechen 
^;  nochdem  mich  es  ouch  die  heilige  geschrift  bewiset. 

Die  erste  gobe  . . .  folgt  die  Abhandlung  über  die  sieben  Gaben 
^  heiligen  Geistes  bis  Bl.  130*,  verwandt  mit  Ulimann  112-123. 


HS 

Das  Ganze  ist  also  im  Anfang  eine  wörtliche  Abschrift  des 
Brautlaufbüchleins,  dessen  spätere  Teile  mehr  oder  minder  selb- 
ständig verarbeitet  werden.  Als  Vorlage  aber  diente  die  im 
Johanniterhause  sieh  betmdUche  Hs.  Cod.  R  152'),  worauf  auch  die 
Lesearten,  soweit  sie  bei  Ullmann  wiedergegeben  sind,  hinweisen. 
Vgl.  ülimann  S.  157 IT.  Leseart  zu  70,i7.ai;  Um;  114,eo;  115.1 ; 
116,ä;  122,3u;  123,«,3s  usw. 

Der  16.  Traktat  ist  demnach  nur  ein  bald  mehr  bald  weniger 
wörtticlier  Auszug  aus  dem  bekannten  Traktate  Johanns  Ruis- 
brocka,  den  Nikolaus  von  Löweu  zunächst  in  ein  besonderes 
Büchlein  mit  der  durchaus  richtigen  Rubrik  34*18-22  schrieb. 
Inwieweit  die  Jahreszahl  1350  als  Äbfassungszeit  richtig  ist,  sei 
noch  dahingestelll.  Aber  von  den  Bemerkungen,  die  diesen  Traktat 
Butmann  zuschrieben,  stand  noch  nichts  in  diesem  Büchlein.  Des- 
wegen setzt  Nikolaus  von  Löwen  zunächst  eine  „Erklärung»  an 
den  Schluß  des  Büchleins,  womach  dieser  Auszug  Rulmann  zum 
Verfasser  habe,  der  freilich  aus  „Demut"  seinen  Namen  niciil 
habe  nermen  düi-fen.  Und  damit  in  Zukunft  niemand  mehr  an 
dieser  Behauptung  zweifle,  schreibt  er  diesen  Traktat  zum  zweiteit- 
male  ab,  nun  m  die  ofiizielle  Sammlung  der  sogenannten  Goltes- 
freundschriften,  wobei  die  Schlußbemerkong  als  Hauptsache  in 
den  Anfang  gerückt  wird. 

Allen  Traktaten  lag  fernerhin  eine  lateinische  Urrorlage  xK 
Grunde,  die  mit  der  jetzigen  deutschen  Überlieferung  nicht  übet- 
einstimml&  Wir  wissen  das,  wie  oben  näher  aosgeTührt  word«; 
vom  Meisterbach,  Zwei-Mannenhuch  und  den  Neun  Felsen,  mit 
aller  Sicherheit,  da  zum  Teil  beide  Überlieferungen  uns  noch 
erhalten  sind.  Das  gldche  war  aach  bei  dem  ersten  Teile  der  Trak' 
täte  der  Fall.  Es  »ei  hier  besonders  auf  eine  Stelle  im  S.  Traktat 
verwiesea,  wo  der  Schluß  lautet  (39*7):  Nu  vü  lieber  »uh,  di$0 
Utze,  die  ich  dir  hie  geschrieben  habe  mit  der  helfe  gölte»,  da  bitt  (te*- 
nüt  aÜeiiie  intie  gemeinet,  do  sint  auch  andere  menschen  ittne  g^^ 
nteinti,  die  ouck  dinne  lertnde  tcerdent.    wanne  ich  ein  alter  mo** 


')  Schmidt,  £tudeB  lur  1e  DirsticiBme  kUenand  an  XIV^  aUcle  0 
de  racBd«mle  lojaie  des  sciences  mor&Iea  et  poliUques  de  l'lnst'itut  de  Frwieg.  Tod  H- 
Miaati  dUtngera.  Paria  1817)  crw&lint  S.  438  folgsnde  SliDaturan  toa  d«m  im  3b*V-. 
boTVir  *I<^D[iitorhiiaB  sich'  baflndUcben  BOchlain :  B  148  in  ^;  B  1S2  Ai  tl*f 
B225  in  i°. 


119 

Uli  und  nüi  lange  in  dirre  zit  hüben  sol,  dammb  so  habe  ich  auch 
mmne,  das  ich  dise  letze  hinder  mir  losse.  harumbj  vid  lieber 
»un,  so  bitte  ich  du^  bi  gehorsamme^  das  du  bi  mine  lebende 
nieman  van  mir  sagest  und  auch  dise  letze  usser  latine  zu 
tütsche  sckribest.  Wer  sü  danne  bedürfende  unirt^  er  sigepfaffe 
oder  letfe,  dem  lieh  su  tUsa  das  ich  nüt  darmitte  vermddet  werde. 
Auch  Traktat  16  war  außer  deutsch  noch  lateinisch  vorhanden*). 

Ferner  werden  wir  nicht  fehlgehen,  wenn  wir  die  große  Mehr- 
zahl der  von  Nikolaus  von  Löwen  gesammelten  mystischen  Traktate 
anf  einen  einzigenVerfasser  zurückrühren.  Das  verlangt  ihre 
stilistische  wie  inhaltliche  Übereinstimmung^).  Wir  müssen  uns  aber 
einstweilen  mit  dem  Ergebnis  begnügen,  daß  der  Verfasser  dieser 
Traktate  wie  die  Zeit  ihrer  Entstehung  uns  noch  völlig  unbekannt 
sind.  Wohl  weist  in  der  Uberiieferung  Nikolaus  von  Löwens 
der  9.  Traktat  auf  das  Jahr  1338;  der  3.  auf  1346;  der  5.  und 
12.  anf  1350;  der  6.  auf  1357  hin;  wohl  ist  nach  Nikolaus  von 
Löwen  der  8.  Traktat  im  Jahre  1345  abgefaßt,  die  Neun  Felsen 
im  Jahre  1352,  der  10.  sowie  letzte  Traktat  im  Jahre  1356,  das 
Mftstörbuch  endlich  im  Jahre  1369;  allein  die  Richtigkeit  dieser 
Angaben  muß  doch  erst  durch  eingehende  Untersuchung  jedes 
einzahlen  Traktates  sicher  gestellt  werden.  Denn  es  ist  leicht 
njögüch,  daß  alle  diese  Jahreszahlen  im  Laufe  der  Zeit  von  ver- 
schiedenen Händen  Veränderungen  erfahren  haben.  Bemerkenswert 
ist  immerhin,  daß  nach  obigen  Angaben  alle  Traktate  um  die 
Mitte  des  14.  Jahrhunderts  abgefaßt  sind,  was  mit  der  Bemerkung 
Nikolaus  von  Löwens  im  Einklang  steht,  Ruimann  habe  alle  Trak- 
tote  in  den  Jahren  1348-1352  vom  Gottesfreund  als  Geschenk 
Ehalten. 

Schließlich  darf  als  sicher  gelten,  daß  alle  Traktate  vor  1370, 
^^  bevor  Grünenwörth  durch   Ruhnann  zu  einem  Johanniter- 


«)  Vgl.  Engolhardt,  S.  347  ff. 

*)  Ihrem  Charakter  nach  gehören  sie  in  die  Klasse  der  großen  mittelalterlichen 
^^gendensamralungen,  nur  ist  die  Form,  in  der  die  Legenden  eingekleidet 
^Uid,  Ton  den  Alteren  Vorlagen  rerschieden.  Sehr  lohnend  wOrde  es  sein  an  der 
^^d  der  Legenda  aurea,  des  Gäaarius  von  üeisterbach,  des  Thomas  Gantipratanus, 
^^  Yinzenz  Ton  Beaurais  and  anderer  die  gegenseitigen  Berührungspunkte  aufzudecken. 
^^  Besnltat  wflrde  flberraschend  sein.  Ein  ähnliches,  sehr  lehrreiches  Beispiel  bietet 
^  Krebs,  die  MTstik  in  Adelhausen.  Eine  vergleichende  Studie  über  die  Chronik  der 
-^Qna  Ton  Monziogen.     (Festgabe  fflr  Finke  1904). 


hause  umgewandelL  wurde,  schon  im  Besitze  der  weltlichen  Priester  ' 
d.  h,  des  Nikolaus  von  Löwen  waren,  wie  das  Meisterbueb,  das 
Zwei-Manneiibueh  und,  diesem  entsprechend,  Traktat  16  zeigen, 
auch  wenn  Nikolaus  von  Löwen  noch  so  sehr  beteuert,  dal3  Rul- 
mann  Merswin  alle  Traktate  erst  in  seiner  letzten  Krankheit 
d.  h.  in  den  Jahren  1378-1382  geschrieben  und  ihre  Herkunft  den 
Brüdern  geoffenbart  hat. 

Zieht  man  alle  vorliegenden  Momente  in  Betracht,  so  wird 
das  SchluÜergebnls  dieses  Abschnittes  tauten  müssen:  als 
Nikolaus  von  Löwen  die  beiden  ersten  Memortalbücber,  das 
Lateinische  und  Grölte  Deutsche,  anlegte,  waren  ihm  die  darin  ge- 
sammelten Traktate  bekannt  in  der  Form  anonymer,  auf  Pergament 
geschriebener  Traktate,  von  denen  jeder  für  sii-h  besonders  ge- 
bunden war.  Nikolaus  von  Lüwen  kannte  diese  Traktate  in  zwei- 
facher Version,  in  lateinischer  wie  deutscher.  Die  einen  schrieb 
er  darnach  in  das  lateinische  Memorial,  die  anderen  in  den  ersten 
Teil  des  GroÜen  Deutschen  Memorials.  Beide  Versionen  hielt  er 
ursprünglich  fiir  identisch,  sieht  aber  später,  daß  sie  dem  Wort- 
laut nach  verschieden  sind.  Darum  schreibt  er  die  noch  fehlenden 
deutschen  Traktate  in  den  zweiten  Teil  des  Großen  Deutsehen 
Memorials  und  übersetzt  die  deutschen  Traktate,  denen  er  nun 
den  Vorzug  gibt,  ins  Lateinische  und  bildet  aus  ihnen  Teile  des 
Großen  Lateinischen  Memorials.  Die  zeitlich  zuerst  geschriebenen 
lateinischen  Traktate  dagegen  setzt  er  außer  Kurs  und  verwandelt 
sie  zu  den  „Übriggebliebenen  Lateinbüchem."  Parallel  nüt  diesra 
Vorgängen  sucht  er  die  anonymen,  mystisch-aszetischen  Traktate 
in  wirkliche  Erlebnisse  umzudeuten  und  ihnen  eine  Beziehung  zu 
dem  Stifter  des  Johanniterhauses,  ßulmann  Merswin,  zu  geben, 
der  nachweisbar  weder  irgend  einen  der  Traktate  verfaßt,  noch 
kompiliert  oder  auf  Wachstafeln  geschrieben  hat.  Diese  Versuche 
sind  anfänglich  unklar  und  unsicher,  ja  vielfach  widerspruchsvoll 
läutern  sich  aber  von  Stufe  zu  Stufe,  wie  wir  es  an  der  Haod 
der  verschiedeneD,  zeitlich  getrennten  Teile  der  Urkundenbücher 
verfolgen  können.  Das  alles  beweist,  daß  derjenige,  der  die  Ur- 
kundenbücher angelegt  hat=  Nikolaus  von  Löwen,  auch  der  Schöpfer 
des  Gedfuikens  ist:  Rulmann  ist  ein  GottesCreund,  lebt  wie  ein 
Gottesfreund,  steht  in  regem  Verkehr  mit  Gottesfreundea  und 
sdir&bt  Schriften  wie  ein  Gottesfreund. 


121 

Die  weiter  sich  ergebende  Frage  nach  dem  tieferen  Grunde 
dieser  Manipulationen  beantwortet  uns  die  Betrachtung  der  Grün-* 
dungsgesdiichte  des  Straßburger  Johanniterhauses. 


2.  Die  Chronik  oder  die  Gründungsgescliichte  des  Hauses 

zum  Grflnenwörth. 

a)  Die  Geschichte    von    Grünenwörth    in    der    Über- 
lieferung des  Nikolaus  von  Löwen. 

Die  Chronik  von  Grünenwörth  zu  schreiben,  war  das  erste 
Bestreben,  das  Nikolaus  von  Löwen  die  Feder  in  die  Hand  drückte. 
Sie  bildet  darum  auch  den  ersten  Bestandteil  des  lateinischen 
Memorialbuchs,  fand  ihre  Übersetzung  in  dem  Kleinen  Deutschen 
Memorial  und  ihre  Fortbildung  in  den  Pflegermemorialen  und  dem 
Meisterbuch-  Auch  das  Große  Lateinische  Memorial  wie  das  er- 
weiterte Pflegermemorial  enthielten  dieselbe.  Von  nicht  zu  unter- 
schätzender Bedeutung  wäre  es,  wenn  wir  alle  diese  Urkunden- 
bücher  noch  besitzen  würden,  da  wir  an  der  Hand  derselben  genau 
<üe  Entwicklung  verfolgen  könnten,  welche  die  Chronik  des  Hauses  im 
lAufe  der  Jahre  in  den  einzelnen  Memorialbüchern  genommen  hat 
So  aber  hat  das  Schicksal,  das  über  diesen  Urkundenbüchern  waltete, 
^ders  verfugt  und  uns  nur  noch  spärliche  Reste  übrig  gelassen, 
AUS  denen  wir,  wenn  auch  mit  Mühe,  einige  für  die  Gottesfreund- 
frage  wichtige  Punkte  feststellen  können. 

Außer  in  den  oben  genannten  Memorialbüchern  ist  die  Chronik 
^on  Grünenwörth  noch  im  Drucke  zum  Teil  bei  K.  Schmidt  unter 
dem  Titel :  „Stiftung  des  Straßhurger  Johanniterhauses  durch  Bul- 
^n  Merswin  und  die  Gottesfreunde.  Auszüge  aus  dem  Memorial'^ 
überliefert  Schmidt  beschreibt  mit  keiner  Silbe  das  genannte 
Memorial.  Der  Vergleich  mit  den  anderen  Urkundenbüchern  er- 
gibt, daß  seine  Auszüge  nicht,  wie  man  von  verschiedenen  Seiten 
genommen  hat,  dem  Kleinen  Deutschen  Memorial,  sondern  einem 
^ßf  verschiedenen  Pflegermemoriale,  vermutlich  dem  erweiterten 
Pfiegermemorial  entnommen  sind.  Auch  ist  der  Text  an  manchen 
Stellen  so  verderbt,  daß  man  nur  auf  eine  schlechte  Abschrift  eines 
vorhandenen  Textes  schließen  darf,  wenn  nicht  die  Fehler,  wie 
^  Allerdings  sehr  wahrscheinlich  ist,  Schmidt  zuzurechnen  «vsA, 


I 


122 

Vom  ursprünglichen  lateinischen  Text,  wie  er  sieb  im  Ersten 
Laleinischeii  Memoria!  vorfand,  kennen  wir  nur  einige  von  Gölz- 
mann  gelegenllich  hingeworfene  Bemerkungen,  die  jedoch  Rir  di& 
Kritik  von  gröUter  Bedeutung  sind. 

Vergleicht  man  die  verschiedenen  Überliefertmgen  miteinander, 
so  ergibt  sich  folgendes : 

Die  deutsche  Chronik'}  war  in  13  Kapitel  eingeteilt,  so  vor 
allem  in  den  Pllegermemorialen  und  seinen  Ableitungen;  im  Ersten 
Lateinischen  Memorial  dagegen,  also  zeitlich  dem  jiltesten  Teile, 
enthielt  die  Chronik  bloU  1 1  oder  12  Kapitel*!),  d.  h.  die  älteste  Vor- 
lage und  ihre  Ableitungen  umfaUte  weniger  Kapitel  als  die  späteren 
deutschen  Bearbeitungen.  Ferner  zeigen  sich  bei  dem  deutschen 
Texte  Schwankungen  in  den  Kapitelsüberschriften,  indem  die  eine 
Überiieferung  nur  die  einfachen  Kapitelsübepschriflen  hat:  Diß  ist 
das  erst  capittel  usw.,  andere  die  Kapitel  nicht  zählen  oder  den  Ru- 
brikentext im  Vergleich  zu  den  andern  kürzen  beziehungsweise 
erweitern.  Ob  aber  diese  Verschiedenheiten  nur  dem  Abschreiber 
zuzuschreiben  sind,  oder  auf  Nikolaus  von  Löwen  selbst  zurück- 
I  gehen,  wird  man  bei  dem  jetzigen  Stand  der  Überlieferung  iiidiL 
mit  Sicherheit  entscheiden  können. 

Soweit  sich  aus  den  überlieferten  Stucken  erkennen  läßt, 
stimmt  die  deutsche  Version  der  Chronik  in  den  Pflegermemorialen 
mit  den  von  ihnen  abgeleiteten  ürkundenbüchem  überein,  nur 
bat  im  erweiterten  Pflegermemorial  das  9.  Kapitel  eine  größere 
Einschaltung  erfahren.  Allein  die  Frage  nach  dem  Verhältais  der 
einzelnen  deutschen  Versionen  zu  einander  ist  für  unsereZwecke 

>)  Den  Text  dar  Cbronik  siehe  im  2.  Teil  Ui'S. 

>)  QotiDUDa  ist  hier  mit  sainon  Angaben  niclit  ganz  zureilässig.  Seit«  IH 
heißt  es :  in  deni  12.  eaplUl  ät»  latimücktn  und  im  13.  capiUl  des  tatUAot 
memorifäs  Stehtl  am  *nä  ru  Uten,  teer  Bulman  Merschitein  ffeweten.  äStt* 
Molte  unter  dag  erste  capitel  iein  laiUtt  wie  folgt ;  Diser  Bulman  MerdeJivem  eil* 
und  betior  er  seinen  frommen  icandtl  angefangen,  wäre  er  ein  uterel  und  handeil- 
mann.  =  18S'14.  S.SIT  da|:flgen  :  Nun  folgt  auf  das  end  der  btsekre^ung  oOm 
detsen,  was  »ieh  mü  Bulman  Merschtcein  bis  1383  zugetragen,  die  beadutibmif 
de»  ende  etintt  lebent,  so  in  dem  lateinischen  dae  !!'•  [verheuert  aas  IS),  «• 
lutschen  aber  das  13.  capitü  ist  und  lautet  also:  Auf  icievielfliltige  und  fremd* 
uieis  unser  lieber  kerr  und  gott  vidfältige  vtrenterung  belcränkung,  Iritde  ttnd 
trObsal  aber  das  haus  gum  OrUnen  W*rth  hat  lotsen  körnen,  iH  nidU  Mtf 
,CT(  beschreSten  =^  187'21. 


12$ 

Ton  keiner  Bedeutung;  yiel  wichtiger  ist  zu  untersuchen,  wie  sich 
der  Text  des  Ersten  Lateinischen  Memoriab  zu  dem  des  spätem 
Pflegennemorials  und  seinen  Abzweigungen  verhält. 

Schon   a  priori  können  wir  eine  Übereinstimmung   beider 
UberBefemngen,  der  lateinischen  mit  der  deutschen,  aussehließen,, 
da  ja  das  Erste  Lateinische  Memorial  nur  deswegen  in  die  Reihe 
der  „übriggebliebenen"  Bücher  gestellt  wurde,  weil  der  ursprüng- 
liche lateinische  Text  mit  dem  späteren  deutschen  nicht  überein- 
stimmte.   Das  bestätigt  auch  Götzmann  durch  seine  Nachricht^ 
daß  die  Chronik  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  wahrscheinlich 
nur  11,  sicherlich  höchstens  12  Kapitel  statt  der  jetzigen  13  um- 
faßte.   Wenn  aber  ganze  Kajritel  in  der  ürvorlage  fehlten,  so  ist 
man  auch  zur  Annahme  berechtigt,  daß  auch  der  Text  der  11 
oder  12  Kapitel  in  manchen  Punkten  anders  lautete  als  dar  der 
entsprechenden  deutschen,  selbst  wenn  auch  nur  —  den  Traktaten 
analog  —  aus  dem  einen  Gottesfreund  „der  Gottesfreund  vom 
Oberlande^^  mit  dem  charakteristischen  Zusätze  Rülmanm  gesMe 
geworden  wäre*). 

Eine  nähere  auf  dieser  Wahrnehmung  aufgebaute  Analyse- 
dw  Chronik  wird  uns  noch  einige  weitere  Anhaltspunkte  für  ihre 
BeurteUung  bieten. 

Die  ersten  4  Kapitel  der  Chronik  behandeln  die  Vorge- 
schichte des  Johanniterhauses  zum  Grünenwörth,  denen  man 
die  vier  kurzen  Überschriften  geben  könnte: 

Kap.  1:  Die   Gründung   von   Grünenwörth   durch  Marschall 

Werner  von  Hüneburg. 
Kap.  2:  Grünenwörth  unter  den  Regularkancmikem. 
Kap.  3:  Grünenwörth  unter  den  Benediktinern  zu  Altdorf 
Kap.  4:  Grünenwörth  unter  den  von  Rulmann  Merswin,  den* 
zweiten  Stifter,  angestellten  Weltpriestern. 


0  inffallend  ist,  daß  im  Großen  Lateinischen  Memorial  die  Kapitel  eine  andere- 
°^U«  einnehmen  als  in  der  erhaltenen  deutschen  Überlieferung.  So  handelte  im  Latei- 
^^*^^  das  6.  Kapitel  (60*18)  rem  Sakrlsteiban :  im  Deutschen  das  8 ;  das  9.  Kapitel 
(o9*26)  Yon  der  großen  WOrde  des  Johanniterhauses  zum  GrQnenwörth :  im  Deutschea 
^^S'^^  daa  11.  Die  Kapitelzahl  ist  demnach  um  zwei  Kapitel  vorschoben.  Fehltea 
"*  IftteinUcben  die  jetzigen  Kapitel  6  und  7  ?  doch  wohl  schwerlich,  da  ja  Kapitel  6^ ' 
^^^eltüggt«  der  Chronik  Ist. 


124 

Mit  dem  5.  Kapitel  beginnt  der  zweit«  Teil  der  Chronik:  die 
Geschichte  von  Grünenwßrth  unter  den  Jolianmtern  vom 
Tage  der  Gründung  durch  Rulmann  Merswin  bis  zu  dessen  Tode. 

Kapitel  5  gibt  Antwort  auf  die  wichtigste  Frage  der  ganzen 
Chronik:  warum  hat  Rulmann  Merswin  die  Hofstätle  von  Grünen- 
wörth  den  Johannitern  überlassen?  Das  6.  Kapitel  enthält  eine 
Abschrift  der  Süftungsurkunde,  das  7-  ganz  entsprechend  die 
Bestätigungsbulle  des  Johannitermeislers  Raimund  Berengar. 
Kapitel  Ö-IO  erzählen  von  den  verschiedenen  baulichen  Verän- 
derungen (betreffend  Kirche,  Spital  und  Gartenaniage),  die  unter 
Rulmann  Merswin  vorgenommen  wurden,  im  11.  Kapitel  werden 
die  Quellen  aufgezählt,  welche  die  Wahrheit  aller  vorhergehenden 
Kapitel  beweisen.  Das  12.  Kapitel  berichtet  von  den  Schickaals- 
sehlägen,  die  über  Grünenwörth  durch  die  Überschwemmung  im 
Jahre  1374,  die  KngländereinTätle  im  darauffolgenden  Jahre  und 
den  Plan  der  Stadt,  die  neue  Ringmauer  durch  den  Garten  der 
Johanniter  zu  führen,  hereinbrachen,  was  zu  mannigfaltigen  Ver- 
wicklungen mit  dem  Straßburger  Stadtregiraent  führte.  Den 
passenden  AbschluU  iindet  die  Chronik  mit  der  Erzählung  des 
Todes  des  Slifters  und  einem  Überblick  über  sein  ganzes  Leben, 

Geht  die  Kritik  auf  den  jetzigen  Text  der  einzelnen  JOq)itel 
näher  ein,  so  wird  sie  schon  aus  inneren  Gründen  manches  ent- 
fernen können,  was  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  auch  in  der  ersten 
lateinischen  Vorlage  nicht  stand.  Schon  die  Überschrift  des  1.  Ka- 
pitels ist  im  Zusammenhange  mit  den  übrigen  Kapiteln  nicht 
logisch;  sie  fehlte  entweder  ganz,  wie  die  Handschrift  B  54 
bezeugt,  oder  lautete  bloß :  Das  erste  capUel  seit,  wie  das  hua  ssA 
dem  GrvneHwerde  von  aUer  w(  harkommen  utid  in  dem  Ursprünge 
ffestifftet  worden.  Sodann  ist  der  Anfang  des  ersten  Kapitels.  (164*6- 
165*23)  ganz  auszuscheiden.  Dieser  Teil  mag  einmal  den  nach- 
träglichen Titel  der  Chronik  gebildet  haben,  die  wir  ursprünglit^ 
für  sich  bestehend  betrachten  müssen.  Daraufhin  weist  der  Eingang: 
Dia  ist  die  ernuwerunge  des  kuses  und  der  wonunc/e  zu  dem  Oritten- 
aerde  und  seit . . .')  Den  Schluß  dieses  Titels  bildeten  die  Worte: 

I)  Man  Teifleiche  dimit  dea  Titel  das  Pfle^rmemorials :  Dia  itt  di*  ktt 
<indervng  und  »ihm  ttiftunf  dea  clost4rs  zii  dtm  Grittemeerd. . .  (160*85),  odet 
dan  lltel  tat  OroGaD  DaoUchaD  Uamorials :  Di»  i»t  der  dritr  Urkunde b&dur  tiM ... 
0*'iB). 


125 

. .  also  die  iiochgonde  rede  wol  heweret  und  hezxiget,  die  do  seit 
von  dem  Ursprünge  und  von  dem  ende  alle  die  werg,  die  got  do-" 
miUe  gewurcket  het,  womit  schon  auf  das  Folgende  als  selbstän«^ 
digen  Teil  hingewiesen  wird.  Demnach  hätte  das  erste  Kapitel 
ohne  oder  mit  der  oben  erwähnten  einfachen  Überschrift  begonnen: 
Der  idler  erste  ursprtifig  und  anevang  unsere  kirchefi  und  dez  alten 
gAuwes  zu  dem  Grünenwerde  beschach  der  heiligen  trivaÜikeit  zu 
eren  umbe  die  zit,  alse  man  zcdte  von  gottes  gebürte  ölf hundert  ior 
und  fünfzig  ior,  durch  den  erwirdigen  wolgeboren  weltlichen  herren 
kern  Marschalk  Wernher  von  Hüneberg  ...  d.  h.  mit  denselben 
Worten  wie  der  betreffende  Eintrag  im  Großen  Deutschen  Memo- 
rial (12*6),  der  meiner  Ansicht  nach  den  Anfang  des  alten  Wort- 
lauts wiedergibt.  Kapitel  2  und  3  bieten  für  die  Kritik  keinerlei 
Beanstandung.  Kapitel  4  schloß  mit  den  Worten :  do  man  zalte  von 
gottes  geburte  dritzehenhundert  sehtzig  und  siben  iore  (169*2).  Was 
nachfolgt,  ist  ein  äußerlicher  Zusatz,  der  nicht  in  den  Zusammen- 
hang hineinpaßt,  jedoch  mit  dem  Anfang  des  1.  Kapitels  und  den 
Ausführungen  im  5.  Kapitel  viele  Berührungspunkte  bietet.  Das 
5.  Kapitel,  das  den  Kernpunkt  der  ganzen  Chronik  bildet,  ist  zwar 
nur  wenig  überarbeitet,  aber  mit  solchen  Zusätzen  versehen,  die 
dem  Kapitel  einen  ganz  andern  Sinn  beilegen.  Kapitel  6  und  7 
geben  in  richtiger  Weise  zwei  Urkundenabschriften  wieder,  wälu^end 
das  8.  Kapitel  wieder  zum  größten  Teil  umgearbeitet  und  ergänzt 
wurde.  Den  Grundstock  desselben  bildet  einleitend  die  Apologie 
des  Pflegerbriefes,  sodann  die  Nachrichten  über  den  Bau  des 
Chores  und  der  Sakristei.  Kapitel  9  ist  noch  in  seiner  ursprüng- 
lichen Gestalt  erhalten,  ebenso  hat  Kapitel  10  nur  kleine  Ver- 
änderungen erfahren.  Dagegen  paßt  Kapitel  11  nicht  in  den 
Zusanunenhang;  das  ganze  Kapitel  trägt  den  Charakter  eines 
Nachwortes,  das  ursprünglich  auf  der  letzten  Seite  der  in  sich  ab- 
geschlossenen Chronik  seinen  Platz  gefunden  haben  mag.  Es  ist 
gleichsam  die  Zusammenfassung  der  geschilderten  Tatsachen  und 
^eist  auf  die  Zeugnisse  hin,  die  für  die  Wahrheit  des  Erzählten 
"^en.  Kapitel  12  ist  nicht  zu  beanstanden,  ebenso  das  letzte, 
13.  Kapitel,  welches  von  dem  Tode  Rulmanns  handelt,  wenn  auch 
^  demselben  am  Schlüsse  einige  Veränderungen  vorgenommen 
^^«L  Eis  wird  nicht  nötig  sein,  besonders  darauf  hinzuweisen^ 
^  diese  Scheidong  von  ursprünglicher  und  überaTbevlelet  Qvtoxäl 


nicht  das  Produkt  reiner  Willkür,  sondern  in  der  Chronik  selbst  be- 
gründet und  der  Arbeitsweise  Nikolaus  von  Löwens,  wie  wir  sie 
bei  den  Traktaten  gefunden  haben,  konform  isL  Wenn  sodann 
tiötzmann  die  Chronik  des  t)rsten  Lateinischen  Memorials  einmal 
mit  1 1,  das  anderemal  mit  12  Kapiteln  berechnet,  so  will  es  mir 
bedijiiken,  dall  dieses  Schwanken  in  seiner  Angabe  daher  rührt, 
daß  im  lateinischen  die  Kapitel  der  Chronik  nicht  gezählt  waren'). 
Auf  alle  Fülle  i?t  man  aber  berechtigt,  wenigstem!  eines  oder 
auch  noch  ein  zweites  Kapitel  von  der  uns  überlieferten  Chronik 
mit  13  Kapiteln  zn  streichen  oder  je  :;weL  Kapitel  in  eines  zu- 
.sammenzuziehen.  Ich  scheide  darum  Kapitel  11  ganz  aua.  Es 
liUlt  sich  am  besten  mit  den  Einschaltungen  im  Büchlein  von  den 
Vier-Jahren  vergleichen  (vgl.  195*39  u.  197*7)  und  schon  der  Aus- 
'druck  OMCA  m  lUß  buch  setzt  eine  Mehrzahl  von  Büchern  voraus. 
während  doch  das  lateinische  Memorial  urspünglicb  das  erste 
Memorialbuch  war  und  das  einzige  sein  sollte.  Kapitel  1,  5,  8 
dagegen  boten  einen  wesentlich  einfacheren  Text,  in  dem  von  dem 
Gottesfreund  im  Oberland  noch  keine  Rede  war.  Dieser 
fache  Text  ist  mit  Sicherheit  noch  in  Kapitel  1  und  5  zu  erkeniu 
dagegen  nicht  mehr  in  Kaj>il.el  8  und  11, 

Je  nachdem  wir  nun  die  ursprüngliche  oder  die  überarbeitele 
<]estalt  der  Chronik  ins  Auge  fassen,  müssen  wir  auch  die  Frage 
nach  den  von  Nikolaus  von  Löwen  benützten  Quellen  ver- 
schieden beantwortea  Als  Quellen  der  ursprünglichen  Gr«atalt 
•dienten  ihm  die  Haustraditioneo,  die  ihm  durch  Erzählungen  alter 
Benediktiner  des  Klosters  Altdorf^  das  vor  Rulmami  im  Besitze 
von  Grünenwörth  war,  vermittelt  wurden  (183*25  u.  13*5),  sodaon 
die  Urkunden  des  Hauses  und  all  das,  was  er  selbst  als  Bundes- 
genosse Rulmanns  miterlebt  hat  Die  Urkunden,  auf  welche  sich 
Nikolaus  von  Löwea  an  verschiedenen  Stellen  beruft,  die  er 
wörtlich  auszieht  oder  inhaltlich  wiedergibt,  sind  ims  größtenteils 
noch  im  Original  erhalten,  oder  in  Abschriften  in  den  Koinal- 
büchem.  An  den  Originalurkunden  ist  noch  heute  zu  erkeimeD, 
welches  Interesse  Nikolaus  von  Löwen  diesen  Urkunden 
brachte,   wie   er  sie  ordnete,  verwertete  und  verarbeitete. 


■)  Dunit  stimmt  Oberetn,   lUG   ttach   die   Inhaltuagibo   im  GroGaD  DaatMbM 

Jlatooiitl  TOD  «iMr  lUpitaleinMiluDg  oicbU  «eiQ  (17'S5ff.). 


127 

genügte  ihm  nicht,  die  Urkunden  nach  bestimmten  Gesichtspunkten 
zu  ordnen  und  darnach  auf  der  Rückseite  zu  signieren,  er  machte 
gleich  auf  die  Rückseite  das  Regest,  bald  ein  kürzeres  bald  ein 
längeres,  je  nachdem  die  Wichtigkeit  der  Urkunde  es  zu  fordern 
schien.  So  bilden  die  Urkunden  des  Hauses  die  feste  und  sichere 
Grundlage  seiner  Darstellung  und  die  Nachprüfung  muß  durch- 
weg Nikolaus  von  Löwen  das  Zeugnis  ausstellen,  daß  alle  seine 
Angaben  in  dieser  Hinsicht  zuverlässig  sind. 

Auf  der  anderen  Seite  liegt  der  Plan  Nikolaus  von  Löwens, 
deQ  er  bei  der  Abfassung  der  Chronik  hatte,  klar  zu  Tage.  In  zwei 
Abschnitten  wollte  er  die  Vorgeschichte  wie  die  Geschichte  des 
Johanniterhauses  zum  Grünenwörth  bis  zum  Tode  Rulmanns  be- 
schreiben. Darum  schildert  er  im  ersten  Teil  in  großen  Zügen 
die  Besitzwandlung,  welche  das  Haus  im  Laufe  der  Zeit  durch- 
gemacht hat,  von  den  Tagen  der  Gründung  durch  Werner  von 
HOoeborg  bis  zum  Kaufe  durch  Rulmann  Merswin.  Der  zweite 
Teil  dreht  sich  um  die  drei  Punkte:  Stiftungsbrief  (Kap.  6,  7)< 
Bau  der  Kirche,  des  Spitales  und  Klosterhofes  (Kap.  8-10)  und 
zuletzt  um  die  äußeren  Schicksale,  die  Grünenwörth  durch  die 
Naturgewalt  oder  vonseiten  der  Stadt  erUtten  (Kap.  12).  Dem  geht 
«Is  Einleitung  (Kap.  5)  die  Erzählung  der  Übergabe  von  Grünen- 
wörth an  die  Johanniter  durch  Rulmann  voraus,  während  der  Tod 
des  Säftars  die  Chronik  sachgemäß  schließt.  Jedermann  wird  zu- 
geben müssen,  daß  diese  EinteUung  durchaus  logisch  und  methodisch 
ist,  während  die  Stellen,  die  vom  Gottesfreund  und  seiner  ge- 
^^^ioHiisvollen  Einwirkung  auf  Rulmann  handeln,  nur  rein  äußer- 
lich dem  ursprünglichen  Texte  einverleibt  erscheinen.  Hätte  Ni- 
kdaus  von  Löwen  von  Anfang  an  an  den  Grottesfreund  gedacht, 
^^osk  hätte  die  Chronik  eine  ganz  andere  Gestalt  und  eine  ganz 
Andere  Eünteüung  erhalten  müssen.  Wie  einfach  ist  zum  Beispiel 

• 

u»  4.  Kapitel  beschrieben,  wie  Grünenwörth  von  den  Bene- 
^tinem  von  Altdorf  an  Rulmann  Merswin  überging.  Und  in 
v^hem  Gegensatz  dazu  stehen  dann  auf  einmal  die  grossen 
*^en  trücke  und  die  guten  Wortzeichen,  durch  die  die  beiden 
Stifter,  die  ganz  unvermittelt  auftreten,  zu  dem  Kaufe  gezwungen 
^'^eiL  Was  ursprünglich  dem  Geiste  Nücolaus  von  Löwens 
vorschweben  konnte,  war  höchstens  der  Beweis,  daß  die  Grün- 
dung eines  Johanniterhauses  m  Straßburg  ein  Werk  des  \)1.  (j^v&V.^^ 


I 


128 

ist,  da  ohne  übernatürliche  llilffi  die  Schwierigkeiten  nicht  häi 
überwunden  werden  können,  die  sich  einem  solchen  ünternehi 
in  damaliger  Zeit  in  den  Weg  stellten.  Eine  solche  Anschau 
ist  für  die  damalige  Zeit  nichts  Außergewöimliehes,  umson: 
da  der  Christ  alles,  was  geschieht,  als  Ausfluii  des  göttlic 
Willens  ansiebt,  ohne  den  nichts  geschehen  kann,  ja  ohne 
nicht  einmal  ein  Haar  von  dem  Haupte  fallt. 

Dieser  Gedanke  weht  uns  auch  noch  unverfiiischt  in 
ursprünglichsten  Teilen  der  Chronik  entge;;en.")  Aufden  Gott 
freuiidkommt  Nikolaus  von  Löwen  erst  durch  i 
Traktate,  die  denn  auch  die  neue,  aber  spätere  Quelle  für 
Stellen  bilden,  in  denen  der  Gottesfreund  vom  Oberland  und  st 
Genossen  erscheinen.  Hier  ist  darum  Nikolaus  von  Löwen  kein 
"wegs  schöpferisch  tätig,  er  übernimmt  bloJ  die  Gedanken 
Traktate,  die  er  zu  wirklichen  Erlebnissen  umstempelt.  So  g 
gleich  zu  Beginn  der  Chronik  die  Erzilhlimg  von  den  grot 
aweren  trücken  in  der  airistnacht  und  den  wortreichen,  die  ai 
im  4.  Kapitel  so  unvermittelt  wieder  anklingen  und  darum  ol 
l^jeden  Schaden  für  den  Zusammenhang  ausgemerzt  werden  könn 
auf  dieselbe  Traktatvnrlage  zurück  wie  die  analogen  Stellen 
Briefe  Nr.  1  (76*29  ff.)  und  Nr.  7  (88*1  ff-),  Gedanken,  welche 
Chronik  ursprünglich  etwas  durchaus  Fremdes  waren;  denn  m 
dem  ganzen  Aufbau  der  Chronik  wäre  es  allein  logisch  i 
naturgemäß  gewesen,  daß  der  Anfang  des  1.  Kapitels  in  den  Beg 
des  4-  Kapitels  hinein  verarbeitet  worden  wäre.  Daß  der  Seh 
des  4.  Kapitels  lediglich  ein  ungeschickter  späterer  Zusatz 
ersieht  man  auch  daraus,  daß  er  denselben  Gedanken  von  d 
huß  der  flucht  (169*7)  enthält,  wie  das  5.  Kapitel  (170*16);  i 
stehen  diese  Worte  im  5.  Kapitel  in  logischem  Zusammenha 
während  sie  am  Ende  des  5.  Kapitels  keinen  Sinn  haben,  i 
Zusätze  des  5.  Kapitels,  bei  denen  von  dem  Gottesfreund 
Rede  ist,  beruhen  auf  der  einfachen  Manipulation,  wie  wir 
bei  den  Traktaten  bereits  zur  Genüge  kennen  gelernt  hab 
Diese  Zusätze  erfüllten  vollkommen  ihren  Zweck  und  darum  dür 
wir  uns  auch  nicht  wundem,  wenn  wir  von  den  geworen  urkünd 
die  der  Gottesfreund  vom  Oberlande  herabgeschrieben  haben  £ 

')  Vgl.  168"19;  168*34;  170*15;  nä'B  usw. 


129 

(170*9  ff.)i  ^^  ^^™  Brief büchlein  und  auch  in  den  andern  Memo- 
rialbücherü  nichts  finden.  Ebenso  ist  nicht  bekannt,  daß  der 
Gottesfreund  irgend  welche  Abneigungen  (170*31)  gegen  die 
Johanniter  gehabt  hätte,  die  Stelle  1 33*18  flf.  spricht  vielmehr  eher 
iur  die  gegenteilige  Gesinnung.  Viel  wichtiger  war  Nikolaus  von 
Löwen  später  die  Apologie  des  Pflegerbriefes  zu  Anfang  des 
8.  Kapitels,  die  ursprünglich  nur  die  sachgemäße  Überleitung  vom 
7.  zum  8.  Kapitel  bildete,  wie  ja  auch  die  Überschrift  des  8.  Ka- 
pitels nur  auf  den  Kirchenbau  hinweist.  Darum  kehrt  auch  die 
Stelle  177*26  ff.  in  den  Briefen  wieder  (134*19  ff.),  nur  versteht 
Nikolaus  von  Löwen  in  den  Briefen  den  Pflegerbrief  d.  h.  die 
eigentliche  Stiftungsurkunde  des  Johanniterhauses,  während  in 
der  Chronik  dem  Zusammenhang  nach  mit  dem  Ausdruck  des- 
idhen  hriefes  ein  ahegeschrift  (177*25)  nur  die  Bestätigungsurkunde 
des  Püegerbriefes  verstanden  werden  kann!  Man  ersieht  daraus 
wieder,  wie  rein  äußerlich  diese  Gedanken  den  Traktaten  entlehnt 
und  der  Chronik  eingefugt  sind.  Daß  der  Schluß  des  8.  Kapitels 
auf  die  Briefe  und  damit  auch  auf  die  Traktate  zurückgeht,  gibt 
Nikolaus  von  Löwen  selbst  an  (179*11),  während  der  ursprüng- 
liche Inhalt  des  8.  Kapitels  nur  vom  Sakristei-  und  Kirchenbau 
und  den  Zwistigkeiten  handelte,  die  zwischen  Komtur  und  Rul- 
niann  anläßlich  der  Bauart  entstanden  waren.  Diese  Reibereien 
bildeten  denn  auch  den  Grund  der  gänzlichen  Umarbeitung  dieses 
Kapitels.  Rulmanns  Starrsinn  mußte  gerettet  und  beschönigt 
werden,  und  dazu  half  als  Dens  ex  machina  „der  Gottesfreund 
vom  Oberland". 

Die  weiteren  Zusätze  am  Ende  des  10.  und  ini  13.  Kapitel 
sind,  wie  Nikolaus  von  Löwen  ausdrücklich  betont,  den  Vier- 
Jahren  Rulmann  Merswins  entnommen  (183*17;  190*5),  einem 
löystisehen  Traktate,  mit  dem  wir  uns  später  eingehender  be- 
schäftigen werden. 

Die  angeführten  Gründe  allein  würden  genügen,  um  uns  zu 
^^rzeugen,  daß  wir  uns  die  Chronik  des  Hauses  in  ihrer  ur- 
sprünglichen Gestalt  etwa  analog  dem  Zwei-Mannenbuch  als  ein 
anders  gebundenes  lateinisches  oder  deutsches  Büchlein  Vorzü- 
gen haben,  in  welchem  sie  nur  11  oder  auch  12  Kapitel  ura- 
lte und  noch  keinen  Hinweis  auf  den  Gottesfreund  enthielt, 
^ter  dessai  Einfluß  RüImann  bei  der  Gründung  von  Grünenv^'otV^i 

IMrX  ^ 


gehandelt  haben  soll.  Eine  solche  Deutimg  gaben  der  Chromk 
spätere  Bemerkungen,  welche  auf  freiem  Platze  am  Schluß  oder 
Anfang  der  Chronik  in  bestimmter  Absicht  angefügt  wurden. 
Diese  Bemerkungen  kamen  beim  abermaligen  Abschreiben  als 
eigene  Kapitel,  wie  bei  Kapitel  11,  oder  als  Zusätze,  wie 
bei  Kapitel  1  und  4,  in  den  Text  der  Chronik  hinein,  was  gleich- 
zeitig ein  Überarbeiten  der  Kapitel  5,  8,  10,  13  notwendig 
machte. 

Diese  Ergebnisse  werden  noch  bestätigt,  näher  erläutert  und 
vor  allem  tiefer  begründet,  wenn  wir  die  Hofstätte  zum  Grünen- 
wörlh  im  Lichte  der  Zeitgeschichte  betrachten,  wie  sie  sich  un- 
abhängig von  den  von  Nikolaus  von  Löwen  angefertigten  Memo- 
rialbücherii  aus  den  noch  vorhandenen  Urkunden  sowie  aus  den 
allgemeinen  kirchlichen  Verhältnissen  der  Stadt  Straßburg  wie 
denen  des  Johanniterordens  ergibL 

b)  Die  Hofstätte  von  Griinenwörth  zu  Straßburg  im 
Lichte  der  Zeitgeschichte. 

Zu  verschiedenenmalen  hatte  Griinenwörth  seinen  Besitzer 
gewechselt,  bis  zu  jenem  Augenitlicke,  als  es  Rulmann  Merswin 
den  Johannitern  einräumte  und  damit  zu  neuem  Aufschwang 
verhalf  Die  erste  Kunde  führt  uns  in  die  Mitte  des  12.  Jahr- 
hunderts  und  verweist  uns  auf  den  Marschall  Werner  von  Hüne- 
burg als  Stifter  des  Hauses  •).  Was  Nikolaus  von  Löwen  über  ihn 
berichtet,  ist  nicht  anzuzweifeln,  denn  die  ständige  Tradition  im 
Kloster  betrachtete  ihn  als  Stifter  des  Hauses,  und  seine  Grab- 
stätte, die  sich  im  Griinenwörth  befand,  gab  der  Tradition  inuner- 
währende,  nie  versiegende  Nahrung.  Im  steten  Kampfe  mit  der 
Stadt  Strasburg  zeigte  Werner  die  Natur  eines  „Wüterichs",  d«n 
nichts  heilig  war  und  der  gegen  seine  Feinde  keine  Schonung 
kannte. 

Doch  die  Stadt  zeigte  sich  seinen  Angriffen  gewachsen,  Werner 
unterlag  und  sah  sich  genötigt  Frieden  zu  schUeßen.  Dieser  äußve 
Friede  brachte  ihm  auch  den  Frieden  des  Herzens;  in  Gesinnung 

1)  V^.  12*5 :  iS'ib.  t^ber  Hat  GeschUchC  ran  HOnebui^  od*r  ron  HaawbMf 
Tgt.  J.  Ruei*r,  Chronik  dor  Stedt  und  Luidgcbaft  ScbalThftQUD.  SohsSk.  ISBi-H 
JI,  796-800.     Ebmto  Cltnß,  Eltt.-topoir.  Wortocbuch  dsa  EIsu«m.     9.4»7f.  i 


131 

Hnd  Lebenswandel  tritt  eine  Änderung  ein,  gleich  der  des  hl  Paulus, 
die  sich  in  guten  Werken,  vor  allem  in  der  Gründung  eines 
Klosters  kundgab.  Zwischen  der  Breusch  und  dem  St  Marga- 
retheokloster  außerhalb  der  Mauern  der  Stadt  war  ein  unbebautes, 
sumpfiges  Gebiet,  mit  Recht  genannt  „Grüne- Wörth''.  Diesen  Platz 
ersah  er  sich  zu  dem  neuen  Kloster  aus.  Der  hL  Dreifaltigkeit 
sollte  es  geweiht  sein,  und  Augustinerchorherren  wurden  mit  dem 
Gottesdienst  beauftragt.  Diese  Verhältnisse  mochten  bis  in  die 
erste  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts  bestanden  haben,  wenigstens 
finden  wir  noch  1226  einen  Prior  B.  an  der  Spitze  des  Drei- 
fitltigkeitsklosters  ^).  Jedoch  seine  ungünstige  Lage  vor  den  Mauern 
der  Stadt,  die  es  bei  allen  Kriegsläuften  der  Schädigung  und  Be- 
raubung aussetzte,  war  Schuld,  daß  zu  verschiedenen  Zeiten 
Armut  und  Not  im  Kloster  einzog,  so  daß  es  schließlich  seine 
Selbständigkeit  nicht  mehr  behaupten  konnte.  Es  wurde  zu  einer 
Propstei  des  Klosters  Marbach  umgewandelt  Nicht  so  leicht 
wollten  aber  die  Pröpste  ihre  Selbständigkeit  aufgeben;  ständige 
Besitzstreitigkeiten  zwischen  dem  Abt  Heinrich  von  Marbach  und 
dem  Propste  Gerhard  nötigten  Bischof  Berthold  von  Straßburg 
die  Propstei  vom  Kloster  Marbach  zu  trennen  und  erstere  seiner 
eigenen  bischöflichen  Leitung  zu  unterstellen »).  Um  die  finanzielle 
Lage  des  Klosters  zu  heben,  inkorporierte  der  Bischof,  der  all- 
gemeinen Gewohnheit  der  damaligen  Zeit  entsprechend,  demselben 
den  Kirchensatz  von  Alt-St.  Peter  zu  Straßburg  s)  und  erteilte  allen, 
die  die  Klosterkirche  besuchten  und  Almosen  spendeten,  Ablaß*). 

')  Im  Jahre  1225  gibt  der  Straßbarger  Marschall  Werner  seine  Ansprüche  auf 
«ine  Mfihle  in  Otterswörth  zu  Ounsten  des  Straßburgors  Spitals  auf.  Vermittler  in 
4em  Tergleich  war  unter  anderm  B.  prior  sancte  Trinitatis  (Straßb.  Ü-B.  I,  161). 
*)  1250,  Sept.  20 :  Da  zwischen  dem  Abt  Heinrich  von  Marbach  und  dem  Propst 
^hard  schon  mehrmals  Besitzstreitigkeiten  entstanden  waren,  trennt  Bischof  Heinrich 
^6  Propstei  der  hl.  Dreifaltigkeit  zu  Straßburg  vom  Kloster  Marbach  und  unterstellt 
Propst  and  Chorherren  der  Dreifaltigkeitskircbe  seiner  bischöflichen  Leitung.  (Straßb. 
ÜB.  I,  258). 

*)  Straßb.  U-B.  I,  201.  —  1274,  Oktober  4  geben  Abt  und  Konvent  des  Klosters 
Altdorf  dM  ihnen  von  weiland  bischof  Berthold  Obertragene  Patronatsrecht  der  Kirche 
Alt-St.  Peter  xn  StraBburg  dem  Bischof  von  Straßburg  wieder  zurück.  Sie  begründen 
die  Zurückgabe  damit,  daß  ihnen  von  dem  Patronatsrechte  kein  Yorteil  erwachse,  da 
schwere  Strdtigkeiten  wegen  gen.  Kirche  sich  zu  erheben  scheinen,  welche  dem  Kloster 
|roßeo  Schaden  verarsachen  konnten.  (Straßb.  U-B.  II,  23). 
«)  EbMdA  I,  271. 


1S2 

Doch  alle  dieae  Mittel  versagten:  die  Zahl  der  Klo3terbriider  wurde 
immer  geringer,  die  Not  immer  grÖÜer,  danim  vereinigte  Bischof 
Heinrich  von  StraUburg  im  Jahre  1264  das  Kloster  mit  dem 
Bencdikünerkloater  zu  Altdorfi),  nachdem  er  den  Brüdern  die  Er- 
laubnis erteilt  hatte,  die  Benedilttinerregel  anzunehmen,  eine  Mall- 
regel, die  bald  darauf  von  Urban  IV.  wie  Klemens  IV.  die  päpstliche 
Genehmigung  erhielt^).  Man  hatte  erwarten  können,  daß  jetzt  eine 
neue  hoffnungsvollere  Zeit  für  Grüuenwörth  anbreche.  Doch  es 
kam  anders.  Die  ganze  Regierungsweise  der  Benediktiner  von 
Altdorf  war  nach  Nikolaus  von  Löwen  nichts  anderes  als  eine 
„Ruchlosigkeit"  gegen  die  Hofstätte,  die  den  Verfall  anstatt  aufzu- 
halten, nur  noch  beschleunigtes),  jn  der  Schilderung  des  KJoster- 
lebens  wie  es  Nikolaus  von  Löwen  erzählt,  finden  wir  nur  einen 
Wiederschein  der  Zustände,  die  allmühüch  das  ganze  Klosterleben 
StralShurgs  zu  Beginn  des  14-  Jahrhunderts  ergrilTen  halte*).  Die 
Hofstütle  von  GriinenwÖrth  war  gleichsam  zu  einer  „Tafeme" 
geworden  und  die  Kirche  stand  da  „eilend  und  öde"  wie  eine 
Sciheune,  als  Magazin  für  alte  Fässer,  aber  ohne  jeden  Gottesdienst. 
Die  Worte  Nikolaus  von  LÖwens  sind  keineswegs  übertrieb«i. 
Sie  erhalten  ihre  voHe  Bestätigung  dun'h  den  Bischof  von  Straö- 
burgs).  Die  Gebäude  waren  ia  der  Tat  dem  Verfalle  nahe,  darum 
war  dringende  Hilfe  notwendig.  Doch  woher  sollte  sie  kommen? 
Das  Mutterkloster  Altdorf  war  selbst  Inder  schlimmsten  fmanziellen 
Lage.  Es  hatte  selbst  nicht  genug  Leute,  um  den  Gottesdienst 
r^elmäßig  halten  zu  können,  geschweige  denn,  daß  es  von  setn«i 


')   1S61,  F«biuar  30  |U-B.  I.  415). 

>)  ISm.  Mal  15,  Orriota.  Papst  Urbaa  IV.  bastAtigt  die  Einverleibung  dM  StnB' 
burgor  Draifamskeitsklostsrs  io  dio  Benediktinembtej  iki  MUorl.  (SttaUb.  V-B.  I,  4851. 
—  istin,  AuRusC  IS.  Papet  Klsmens  IV.  bestAtigt  die  durch  (Jrban  Tollzogeao  Inkor- 
poration des  ßruihltisliviuklnstors  .^ugustiiiorordeus  ia  das  Kloster  .Mtdorf  Benediktille^ 
Ordens.  D.  Parusii  15.  kal.  sapt,,  a.  1.  _LitUras  felicis."  —  Or.  Beziiksarch.  StraObucf 
(H  135B').  —  Köcksaits  tou  Nikolaus  von  Uwon:  Dia  ist  tint  confimtacio  alti 
bcbal  Urban  und  Bohent  ilemtna  »in  nachkamen  gebeut  dem  apptte  «inil  dem 
oonvrnle  sii  Altdorf  über  der  heiligen  TriraltekeiUleirchr  zä  dem  Orüntitverdt 
ZH  8lro»burg  .  .  ,,  rfo  $i  ditselbr  leoHunge  enphingetit  und  inttommt  nm  tetUi 
Augustinus  orden  aiHonici  rei/ulares. 

•|  Vg!.  W.  Kutho,  Kirchliche  Ziistinde  SttBÜburgs  im  14.  Jahrb.  Fteihurj  1M8. 
')  Vgl.  die  Urlriindo  239  "10  ff. 


Brüdern  einige  auswärts  hätte  senden  können.  Die  Engländer- 
einfälle ^)  hatten  seine  Finanzkraft  erschöpft,  es  erklärte  sich  darum 
selbst  vor  dem  Bischof  als  unvermögend,  der  Notlage  von  Grünen- 
wörth  abzuhelfen.  Warf  man  sein  Augenmerk  auf  andere.  Bene- 
diktinerklöster in  oder  außerhalb  der  Straßburger  Diözese,  so 
fand  man,  daß  sie  ebenso  unfähig  waren  hier  Wandel  zu  schaffen; 
kurz  es  fand  sich  niemand,  der  für  einen  regelmäßigen  Gottes- 
dienst im  Grünenwörth  Sorge  tragen  wollte,  weil  eben  die  Mittel 
für  den  Unterhalt  von  Priestern  fehlten.  Das  war  der  Zustand 
von  Grünenwörth,  alsRulmann  Merswin  sich  dieser  Hofstätte 
erbarmte  und  sie  an  sich  zog.  Und  wenn  nun  Rulmann  Mer- 
swin diesen  verrotteten  Zuständen  neues  Leben  einzuhauchen 
imstande  war,  wenn  aus  der  alten  zerfallenen  Hofstätte  unter 
seiner  Leitung  ein  neues  Prachtgebäude  entstand,  wenn  an  Stelle 
eines  heruntergesunkenen,  nicht  mehr  lebensfähigen  Ordens  ein 
anderer  lebenskräftiger  und  das  geistige  Leben  befruchtender  trat, 
sollte  man  es  Nikolaus  von  Löwen  verargen,  wenn  er  diese  Um- 
wandlung einem  besonderen  Eingreifen  Gottes  zuschreibt,  und 
Rulmann  Merswin  als  das  Werkzeug  hinstellt,  durch  den  Gottes 
Geist  so  Wundervolles  geschaffen  hat?  Eine  andere  Frage  aber 
ist,  ob  Rulmann  sich  in  der  Tat  von  jenen  erhabenen  und  hehren 
Motiven  leiten  ließ,  von  denen  Nikolaus  von  Löwen  berichtet 
Die  ganz  nüchterne  Betrachtung  der  nun  folgenden  Vorgänge  auf 
Grund  der  vorhandenen  Urkunden  wird  uns  die  richtige  Antwort 
von  selbst  finden  lassen. 

Wir  haben  schon  oben  der  Urkunde  Bischof  Johanns  von 
Straßburg  vom  17.  August  1366  gedacht,  in  welcher  zu  Anfang 
der  trostlose  Zustand  von  Grünenwörth  in  beredten  und  ergreifenden 
Worten  geschildert  ist.  Dieser  Notlage  abzuhelfen,  so  fährt  ge- 
nannte Urkunde  weiter,  entschloß  sich  ein  wohlhabender  und 
gottesfurchtiger*)  Laie  und  Bürger  der  Stadt  Straßburg,  Rulmann 
Merswin.  Das  Mittel  dafür  wäre  ganz  einfach  gewesen.  Rulmann 


I)  Ober  die  Engländereinfälle  vpl.  H.  Witte,  Straßburg  zur  Zeit  des  ersten 
■Engl&ndereinfaUs  1865  (Ib6.  Els.-Lothringen.  13  [1897]  8-55.  —  Königshofen  (Chro- 
Jiiken  der  deattchen  St&dte  XI,  814). 

*)  Der  Aasdmck  hämo  devotus  (240*1)  ist  in  diesem  Zusammenhange  rein 
iormelhaft  and  hat  keine  weitere  Bedeutung  für  die  Beurteilung  des  Charakters  von 
^Rolmaim  Merawin. 


■        184 


durfte  nur  die  zerfeUenen  Gebäude  aus  seinem  veraogeii  i 
herstellen  und  dem  Kloster  Altdorf  soviel  sichere  jährliche  Ein- 
künfte zuweisen,  die  zum  Unterhalt  einiger  Mönche  notwendig 
waren.  Das  wäre  eine  lautere  Tat  ohne  jeden  Egoismus  ge- 
wesen, die  dem  frommen  Sinn  Rulmanns  alle  Ehre  gemacht  hätte. 
Doch  davon  war  Rulmann  Merswiu  weit  entfernt.  Die  Sympathien 
der  Slratlburger  Patrizier  waren  den  Klöstern  der  Stadt  keines- 
wegs günstig,  und  so  dachte  denn  au('h  Rulmann.  „dal3  es  viel 
besser  und  angebrachter  wäre,  daü  man  mit  seinem  Vermögen 
arme  Leute  unterstütze,  um  sie  dadurch  vor  dem  Hungertode  zu 
schützen,  als  dal!  man  neue  Klöster  damit  baue;  gut  gebaute 
Klöster  gäbe  es  ja  genug  in  der  Christenheit,  leider  finde  man  darin 
wenig  gottminnende,  andächtige  Personen"  (164*27).  Wie  trefflich 
hat  damit  Nikolaus  von  Löwen  die  wahren  Gedanken  Rulmanns 
verraten !  So  war  auch  einstens  die  Gesinnung  eines  Judas, 
der  die  Wohltätigkeit  gegen  die  Armen  vorschützte,  in  der  Tal  aber 
aus  dem  Geld  nur  fiir  sich  selbst  Vorteil  ziehen  wollte.  Rulmann 
hatte  gesehen,  wie  die  Müllenheim  bereits  auf  einer  früheren  Hof- 
stätle  des  Klosters  Allerheiligen  eine  neue  Kü-che  als  Familien- 
gotteshaus und  BefiPäbriisstätle  jiehauf,  dort  für  ihr  See!en)ieil 
ständige  Kaplaneien  gestiftet  und  sich  das  erbliche  Patronatsrecht 
zugesichert  hatten»).  Desgleichen  hatte  sich  die  FamÜie  der  Zorn  an 
der  Nordoslseite  der  Kirche  Jung-Sl.  Peter  eüie  eigene  Begräbnis- 
kapelle erbauen  lassen*).  Sollte  es  nun  nicht  den  Ruhm  der 
Familie  Merswm  vergrölJern  helfen,  wenn  sie  dasselbe  erreichte, 
nur  in  groliartigerer,  der  Macht  ihres  Geldes  entsprechender 
Weise?  Geeignet  und  passend  dazu  war  ohne  Zweifel  die  dem 
Verfalle  nahe  Hofstätte  von  GrünenwÖrth.  Aber  wie  konnte 
Rulmann  das  volle  Verfügungsrecht  über  dieses  Kloster  samt 
Kirche  und  Friedhof  erhalten,  wo  nach  geltendem  kirchlichen 
Rechte  Kirchengui  nicht  oder  nur  unter  ganz  besonderen  Um- 
ständen, immer  aber  nur  mit  Gutheißung  des  apostolischen  Stuhles 
in  Laienhände  übersehen  konnte?  Und  selbst  wenn  dies  ermöglicht 
wurde,  wird  das  Kloster  Altdorf  so  leichthin  ein  stattliches 
Besitztum  aus  den  Händen    geben?     Das    waren  also  Schwie- 


■)  Vgl.  Käthe,  Kircblicbe  ZutUndo  StraUbuigs  im  14.  Jithrh.  S.  S3. 

*;  £t.anda  S.  93.     Von  Granen*ötth  handelt  Koth«  S-  85 If,  nnd  S.  lofit 


rigkeiten,  die  überwunden  werden  mußten.  Solcher  Schwierig- 
keiten gab  es  weder  bei  den  Zorn  noch  bei  den  Müllenheim,  -denn 
bei  ersteren  bandelte  es  sich  bloß  um  den  Neubau  einer  Seiten- 
kapelle bei  Jung-St.  Peter;  Heinrich  von  Müllenheim  dagegen 
kaufte  für  seinen  Zweck  eine  dem  Kloster  Allerheiligen  gehörige 
Hofetätte  zu  Straßburg,  auf  der  früher  bloß  ein  Oratorium  stand, 
dessen  Dienst  einige  Sackbrüder  besorgten.  Dieses  Oratorium  war 
zerfallen,  die  Sackbrüder  hatten  den  Gottesdienst  aufgegeben  ^)  und 
nun  baute  Heinrich  von  Müllenheim  eine  ganz  neue  Kirche  aus 
seinem  eigenen  Gelde,  behält  sie  aber  nicht  zu  Eigentum,  sondern 
überträgt  sie  „Gott  .dem  Allmächtigen,  der  allerseligsten  Jungfrau 
und  allen  Heiligen*^  zu  vollem  Eigentum,  ut  ecdesia  seu  capeUa 
sab  iure  rei  ecdesiastice  inantea  censeatur^).  Bei  Rulmann  Mer- 
swin  dagegen  handelte  es  sich  um  eine  noch  bestehende  Kirche 
samt  Friedhof  und  Konventgebäude,  über  die  ein  eigentlicher^ 
kirchlich  approbierter  Orden  das  Eigentumsrecht  besaß.  Daran  das 
Eigentumsrecht  zu  erwerben,  konnte  Rulmann  im  Ernste  nie  denken. 
Was  er  erstrebte  und  erstreben  konnte,  war  nur  das  freie  Be- 
nützungsrecht dieser  Kirche  mit  dem  Konventgebäude  zu  erlangen, 
oder  Kirche  samt  Konvent  und  Friedhof  auf  ewig  zu  mieten. 
Dazu  mußte  aber  vor  allem  das  Kloster  Altdorf,  abgesehen  von 
der  Gutheißung  der  rechtmäßigen  Obern,  seine  Zustimmung  er- 
leüen.     Sehen  wir  zu,  wie  Rulmann  Merswin  diese  erlangte. 

Um  seinen  Verhandlungen  ewigen  Bestand  zu  sichern,  ver- 
band sich  Rulmann  mit  seinem  Bruder  Johannes  Merswin,  jenem 
Bankier  des  Straßburger  Bischofs,  dessen  Geld  in  Straßburg  eine 
Großmacht  bildete»).    Der   andere  Verbündete  war  Heintzemann 


')  Übor  den  Zustand  dieses  Oratoriums  berichtet  uns  die  im  II.  Teil  S.  243*ff. 
beigegebeno  Bittschrift,  deren  Inhalt  kultur-  wie  rechtsereschichtlich  auch  für  unsere 
Frage  Ton  größter  Bedeotung  ist. 

>)  StraBbarger  U-B.  III  nr.  1254;  vgl.  damit  die  Urkunden  III  nr.  1166,  1181  ; 
V  nr.  347. 

")  Kothe  S.  86  und  die  Register  zu  den  yerschiedonen  Bänden  des  Straßburger 
U-B.  Aach  dem  Johanniterhaus  gegenüber  spielt  sich  Johann  Merswin  als  Groß- 
pondbesitser  auf.  —  1372,  Oktober  31 :  Johan  Merswin^  Burggraf  zu  Straß- 
hurg,  verkauft  dem  Komtur  und  Konvent  des  Hauses  zum  Orünenwörth,  St  Johann 
(frdene,  näher  benannte,  meist  im  Kolmarer  Bann,  liegende  Güter  um  1800  fl.  baar^ 
Gegeben  an  aUer  heütgen  obent  1372.  —  Or.  Bezirksarch.  Straßburg  (H.  1445).  Es 
tiegeim  der  Aussteller,  Heintzeman  Wetzet,  ritter,  und  Rideman  Mtnxcin^  bürgere^ 


13« 

WeUel,  der  bereits  zweimal  Städlemeister  in  Straßburg  gewe 
luid  darum  in  Straßburg  zu  den  angesehensten  und  einUußreichs 
Familien  gehörte.^)  Für  den  Fall,  daß  einer  der  drei  stürbe,  soll 
jeweils  die  beiden  Überlebenden  einen  dritten  wählen.  So  i 
alles  darauf  berechnet,  dem  Werke  Ruimanns,  der  nur  als  \ 
ireter  eines  Verwandtschaftsbundes  handelte,  ewige  Dauer 
sichern  (240*30). 

In  Aobetracbt  der  oben  geächilderten  Notlage  von  Grün 
wörth  trug  nun  Rulmann  dem  Bischof  von  StraÜburg  vor, 
wolle  zur  Aufreehterhaltung  des  Gollesdieiisles  Grünenwc 
durch  Weltpriester  versehen  lassen  und  diesen  soviel  sieb 
Einkünfte  aus  seinem  Vermögen  zuweisen,  als  zu  ihrem  Um 
halte  notwendig  wären.  Sollte  ihm  diese  Vergünstigung  n: 
für  immer  gewahrt  werden  können,  so  vorerst  wenigstens 
einige  Zeil*).  Abt  und  Konvent  von  Alldorf  sowie  der  Bisehof 
StraUburg  erteilen  Rulmann  beziehungsweise  dessen  Verlret 
die  erbetene  Erlaubnis  auf  zwölf  Jahre;  wälirend  dieser  Xeit  sol 
Rulmann  erlaubt  sein,  den  Gottesdienst  durch  Weltpriester  \ 
sehen  zu  lassen,  deren  Auswahl  in  der  freien  Hand  Rulma 
liegen  soll,  sofern  sie  nur  den  kanonischen  Gesetzen  entsprec 
und  einen  erprobten,  ehrbaren  Lebenswandel  führen.  Dafür  äl 
nimmt  aber  Rulmann  eine  zweifache  Auflage :  1.)  für  den  Uni 
halt  dieser  Weltpriester  und  für  die  zum  Gottesdienst  notwendi 
Utensihen  zu  sorgen  und  2.)  den  gesamten  Gebäudekomplex 
Grünenwörth  zu  renovieren  beziehungsweise  in  gutem  Bauzusta: 
zu  erhalten. 

Für  die  erste  Auflage  hat  Rulmann  nach  Ablauf  der  zwölf  Ja 
von  niemandem  irgend  eine  Entschädigung  zu  verlangen.  0 
zur  Einsprache  berechtigt  zu  sein,  sollten  auf  einen  eventue 
Antrag  hin  die  Weltpriester  Grünenwörth  ohne  weiteres  räut 
und  wieder  den  Benediktinern  überlassen.  Hätte  nun  Rulm: 
seinen  idealen  Smn  besser  zeigen  können,  als  dadurch,  daß 
auch  in  Bezug  auf  die  zweite  Auflage  auf  alle  Entschädigi 

and  »cheffeU  zu  Stroiburg.  Ibre  äieESl  sind  erhalten.  .Vuf  der  Kackssite 
varbUQte  BemeikunK  Nikolaus  von  LOwaus. 

')  Vgl.  StraGburger  U-B.  im  Kegiatet. 

*)  Vgl.  in  der  Urkunde  ^iO'i  S..  decun  WurClaut  für  das  Falgaoda  toq 
Bcboeidender  Bedeutung  isC. 


137 

verzichtet  hätte?  Lesen  wir  die  Lobeshymnen  Nikolaus  von 
Löwens,  so  müßten  wir  solches  von  vornherein  annehmen.  Doch 
wie  ganz  anders  handelte  Rulmann  in  Wirklichkeit!  Urkundlich 
ließ  ersieh  zusichern:  Abt  und  Konvent  von  Altdorf  sind,  sobald 
sie  die  Vergünstigung  nach  Ablauf  der  zwölf  Jahre  widerrufen, 
verpflichtet,  Rulmann  beziehungsweise  seinen  Bevollmächtigten  alle 
Baukosten  zu  ersetzen,  über  deren  Höhe  sie  dem  Eide  Rul- 
manns  Glauben  schenken  müssen,  ohne  Rechnungsablage  zu  fordern. 

Welche  Härte  lag  nun  gerade  in  der  letzten  Bestimmung! 
Sie  war  dazu  angetan,  das  Kloster  Altdorf  ständig  unter  dem 
Daumen  zu  halten.  Denn  was  hätte  es  für  Rulmann  für  eine 
Bedeutung  gehabt,  Weltpriester  als  Kapläne  nach  Grünenwörth 
zu  setzen  mit  dem  ausgesprochenen  Zweck,  für  seine,  seiner 
Vordem  und  Nachkommen  Seelenruhe  zu  beten,  solange  das 
Kloster  Altdorf  noch  die  Möglichkeit  besaß,  sobald  es  ihm  be- 
liebte, die  Priester  wieder  zu  entfernen  und  mit  den  eigenen 
Mönchen  Grünenwörth  zu  beziehen?  So  wäre  ja  das  ganze 
Projekt  Rulmanns  und  seiner  Verbündeten,  ein  eigenes  Familien- 
Gotteshaus  und  Begräbnisstätte  mit  dem  erblichen  Patronat  über 
die  hiefür  einzusetzenden  Kapläne  sich  zu  erwerben,  rein  Uluso- 
risch  geworden.  Daß  sie  es  nicht  wurde,  dafür  sorgte  die  bei- 
gefugte, an  Härte  jedes  menschliche  Recht  übersteigende  Klausel. 
Denu  wie  sollte  es  dem  Kloster  Altdorf  nach  menschlichem  Er- 
messen möglich  gewesen  sein,  nach  Ablauf  der  zwölf  Jahre  die 
&ukosten  zu  zahlen,  wo  es  nicht  einmal  imstande  war,  dem 
Mutterkloster  mit  eigenen  Mitteln  aufzuhelfen?  Und  würden  sich 
^cht  endlose  Zwistigkeiten  in  der  Bestimmung  der  Summe  des 
^  bezahlenden  Geldes  ergeben  haben?  So  lange  aber  die  Summe 
^cht  bezahlt  war,  solange  hatte  Rulmann  auch  das  freie  Be- 
nutzungsrecht des  Klosters. 

Doch  Rulmann  war  mit  dieser  Bestimmung  nicht  zufrieden, 
^hon  am  2.  Januar  1367  sollte  sich  noch  eine  günstigere  Gele- 
genheit bieten,  das  Kloster  Altdorf  zu  einem  willenlosen  Werk- 
^ng  ia  Rulmanns  Hand  zu  machen  ^).   Rulmann  lieh  dem  schwer 

1)  Straßburger  U-B.  Y  nr.  744.  Auf  der  RQcksoite  des  Originals  (Straßb.  Bezirks- 
*«•».  H  1852)  steht  von  Nikolaus  von  Löwens  Hand :  1367.  [Diser  hrief  Beitj  dz 
^^^*9Mn  Mer$win  dem  appete  und  dem  convente  zu  ÄUdorf  »ante  Benedickien 
^^^^  ffduhen  hei  fünf  hundert  marg  eilbers,  die  er  niemer  von  in  yfHeiacKen 


138 

bedrängten  Klosler  5o0  Mark  Silber,  um  dessen  augenblicklicher 
Notlajje  aufzuhelfen.  Es  moclite  überhaupt  nicht  das  erstemal 
sein,  daß  Rubnann  auf  diese  Weise  dem  Kloster  seine  „Freund- 
schaft" bewies,  sonst  würde  die  betreffende  Urkunde  Rulmann 
nicht  als  specialis  amwus  des  Klosters  Altdorf  bezeichnen.  Die  Not- 
lage des  Klosters  Altdorf  war  groß.  In  feierlicher  Sitzung  beraten 
Abt  und  Konvent,  wie  dem  trostlosen  Zustande  abzuhelfen  sei.  „Die 
Engländereinrälle  haben  das  Kloster  verwüstet",  so  berichtet  die 
Urkunde,  „und  die  Fruchtbarkeit  der  Felder  auf  Jahre  liinaus  ge- 
schädigt. Innerhalb  der  Straltburger  Mauern  hat  das  Kloster 
keinen  Hof,  um  in  KriegsRillen  dort  Hab  und  Gut  in  Sicherheil 
zu  bringen.  Für  den  Anbau  der  verwüsteten  Felder  fehlt  das 
Geld  und  die  Arbeiter;  auch  Kostbarkeiten  besitze  das  Kloster 
nicht,  um  sie  zur  Abhilfe  in  der  Not  verpfiinden  zu  können." 
In  dieser  Notlage  lieh  ihnen  Hulmann  r»00  Mark  Silber.  Wie  hätte 
hier  Rulmann,  der  ..Gottesfreund",  abermals  seine  wohltätige  Ge- 
sinnung im  Werke  zeigen  können,  wenn  er  aus  Liebe  zu  den 
Ordensleuten  dem  Kloster  diese  500  Mark  unverzinslich  und  un- 
widerruflich geschenkt  hätte!  Statt  dessen  wird  folgendes  ver- 
einbart: Rulmann  beziehungsweise  seine  Nachkommen  sollen  das 
dem  Kloster  Altdorf  geliehene  Geld  erst  dann  zurückfordern,  wenn 
das  Kloster  ersterem  das  freie  Renützungsrecht  von  Grünenwörth 
kündigt.  Diese  Kündigung  darf  aber  nicht  vor  30  Jahren  erfolgen. 
Im  Falle  der  Kündigung  rauli  das  Kloster  an  Rulmann  alle  wäh- 
rend dieser  30  Jahre  laufenden  Baukosten  bezahlen  samt  den 
500  geliehenen  Mark  Silber,  die  er  sich  als  besorgter  Geldmann 
überdies  durch  ein  Pfand  sichern  lieÜ.  Damit  war  die  Schwierig- 
eit,  jemals  den  Vertrag  mit  Rulmann  aufzulösen  und  den  Welt- 
priestern Grünenwörth  zu  entziehen,  ganz  bedeutend  gewachst, 
während  Rulmann  seinem  Ziele  einen  merkliehen  Schritt  näherkam, 
umsomehr  da  diese  Urkunde  die  bischöfliche  Bestätigung  erhielt 

«ol,  eg  teere  dtnne  dz  sii  [den]  Qrünenwerdt  wider  hahrn  iroltent,  ifc  sü  dodi 
in  drittig  ioren  noch  der  date  die  bi-iefee  tiin  niit  ensölleni;  domock  möUent 
iii  wot  die  hovegCal  irider  an  eich  losen  mit  den  fünf  hundert  [marg  undj  mä 
ailen  dem  koilen,  der  do  zirAtchent  an  dieselbe  /lorestat  rerbuictn  und  gewit 
trete.  Doch  iel  Bäleman  Metsiciii  »int  males  einer  andern  beredungen  und  tmee 
etoigen  Jtouffe*  mit  in  [Obereinkomea,  der]  diaen  grgenwertigen  britf  tötet  »ni 
Mrefidog  mnehet. 


13» 

Näher  besehen  war  diese  Urkunde  jedoch  nur  eine  Schein- 
Urkunde,  die  man  dem  Bischof  vorlegen  konnte,  während  eine 
gleichzeitige,  geheime  Abmachung  zwischen  Rulmann  und  dem 
Kloster  Altdorf  in  Wirklichkeit  gelten  sollte  i).  In  dieser  Urkunde 
war  die  Kündigungsfrist  auf  100  Jahre  angesetzt  und  von  selten 
Altdorfs  das  Versprechen  beigefügt,  sobald  Rulmann  beziehungs- 
weise seine  Nachfolger  es  verlangen,  wolle  das  Kloster  um 
Genehmigung  beim  Papste  nachsuchen,  damit  aus  der  zeitlichen 
Leihe  eine  ewige  (ein  ewig  ding)  würde.  Damit  hatte  Rulmann 
sein  eigentliches  Ziel  erreicht.  In  seinem  Belieben  stand  nun  das 
freie  ewige  Benützungsrecht  der  Kirche  von  Grünenwörth  mit 
Konventgebäude  und  Friedhof,  wenn  auch  das  Kloster  Altdorf 
dem  Namen  nach  noch  das  Eigentumsrecht  besaß.  Aber  auch 
dieses  Eigentumsrecht  suchte  Rulmann  zu  einem  rein  illusorischen 
herabzudrücken  und  zwar  dadurch,  daß  er  die  sämtlichen  Be- 
sitzungen des  Klosters  Altdorf,  die  an  Grünenwörth  anstießen, 
durch  Kauf  zu  vollem  Eigentum  erwarb.  Dieser  Kauf  vollzog  sich 
am  29.  November  1367  und  betraf  2  Höfe,  7  Häuser  samt  Hof- 
raite,  3  Gärten  und  2  Weingärten  mit  allem  Zubehör,  lauter  zu- 
sammenhängende Güter,  welche  an  den  Burggraben  der  Stadt 
Straßburg,  an  den  Graben  des  St.  Margarethenklosters  und  hinten 
an  die  Breusch  stießen»).  Ausdrücklich  von  dem  Kaufe  ausge- 
nommen waren  das  Kloster,  Kirche  und  Friedhof  und  alle  anderen 
geweihten  Orte  und  Dinge,  welche  an  oben  genannte  Güter  an- 
stießen (monasterio  seu  ecclesia   ac  cimeterio   et  aliis  locis  et  rebtcs 


I)  Ebenda  nr.  745.  Auf  der  RQckseite  des  Originals  (StraCb.  Bezirksarch.  H  1352) 

steht  von  der  Hand  des  Nikolaus  von  Löwen :    1367,  In  disem  hriefe  het  sich  der 

9ppei  und  def  convente  zu  AUdmf  versprochen,   daz   sü  die  wonunge  zu  detn 

Orünenwerde  vor  hundert  ioren  nut  an  sich  lösen  söUent;  und  soUent  auch  gehen 

einen  bette  brief  an  den  hobest,  daz  er  ein  ewig  ding  darus  mache,   alse  euch 

hesehehen  ist,  daz  der  bebest  sint  moles  eine  huüe  darüber  gegeben  het  Rtdemanne^ 

Merswme,  der  es  donoch  eiceJUiche  kaufte  utnbe  die  von  Alidorf,   De^'selbe  kouf^ 

briwf  und  auch  die  bulle  disen  gegenwertigen  brief  totent  und  kreftelos  machent. 

«)  Straßburger  U-B.  V  nr.  767.  —  Auf  der  Rückseite    des    Originals  (H  1352) 

Ton  der  Hand  des  Nikolaus  von  Löwen :  1367,  Dis  ist  der  kouf brief  alse  RvUeman 

Mempin  umb  die  von  Altdarf  kaufte  die  hovestat  und  die  hüser  zu  dem  Ordnen" 

werde  nut  600  pkunden  und  zehen  phunden,  dazu  der  ertcirdige  her  bisehof 

Jokame  m&  Stroeburg  sinen  willen  het  gegeben.    Zu  beachten  ist,  daß  die  Familie 

Manwia  telu»!!  Mher  in  der  N&be  ron  Grflnenirörth  Oater  besaß,  Stta^\>.  \3-^.  \\\,^^v 


■consecratU  inter  preacripta  bona  sitia  ac  eiadetn  contUjuia  et  annfxäs 
dumi^xxat  exceptia).  Der  Kaufpreis  betrug  60  U^  und  die  Kauf- 
handlung war  vom  ßischoi'  zu  StraLSburg  gulgeheilien.  Was  nützte 
nun  den  Benediktinern  zu  Altdorf  noch  Kloster,  Kirche  und  Fried- 
hof zum  Grünenwörth,  wenn  sie  alle  anstoUenden  (jüter  unwider- 
ruflich an  depjenigen  veräulierten,  dem  sie  schon  zuvor  das  freie 
Yerfiigungsrecht  über  das  Kloster  auf  ewige  Zeiten  zugeslanden 
hatten?  Das  alles  war  geeignet,  die  Rechlsbegriffe  mit  der  Zeit 
zu  verwischen,  d.  h.  das  Kloster  Altdorf  vollständig  auf  die  Seite 
au  schieben  und  Ruimann  als  Eigentümer  von  ürünenwörlh  mit 
allem  Zubehör  anzusehen.  Es  dauerte  nur  vier  Jahre  und  dieser 
Zustand  war  eingetreten. 

Unterdessen  aber  hatte  Rubnann  bereits  mit  der  Renovalion 
der  Kirche  und  des  Klosters  begonnen  (168*28).  Die  Kirche  wurde 
höher  gebaut  und  mit  einem  neuen  Dache  und  steinernem  Turme 
versehen.  Die  Altare  in  der  Kirche  erhielten  andere  Plätze,  nur 
■der  Hochaltar  blieb  unversehrt.  Das  Grabmal  Werners  von  Hüne- 
hurg  (13*12),  das  sich  in  einer  Nische  unter  dem  hintersten  Glas- 
Xenster  befand,  wurde  zerschlagen,  die  Steinsärge  zu  AUarplatten 
verwendet,  das  Wappen  der  Hiineburg  mit  einem  Gemiilde  über- 
malt, das  die  Auferstehung  des  Herrn  abbildete,  und  dement- 
sprechend an  Stelle  von  Werners  Grab  das  heilige  Grab  angebrachL 
Man  sieht  daraus,  wie  radikal  Rubnann  bei  seiner  Renovation  zu 
Werke  ging.  Auch  eine  neue  Kapelle  zu  Ehren  der  11000  Jung- 
frauen wurde  gebaut,  die  bereits  am  25.  November  1367  einge- 
weiht werden  konnte  (169*2) ').  Damit  war  die  Bedingung  geschaffen, 
dali  von  Ruimann  eingesetzte  Weltpriester  den  Gottesdienst  im 
Grünenwörth  wieder  aufnehmen  konnten.  So  gründete  denn  Rui- 
mann zu  seinem  und  seiner  Vorfahren  Seelenheil  vier  Kaplaneien,  die 
er  durch  vier  Weltpriester  versehen  ließ*).  Einer  dieser  Weit- 
et Gani  bemwkenswart  ist  die  Begrandung  7';IS  uz  neüteai  gitttUche»  »r- 
Jeütidtg,  aUe  er  und  atidert  goltta  fründe  in  denselben  eilen  meiitdttU.  Vam 
,Gottesfieund  im  Oberluid'  ist  da  aJsu  noch  k«iDe  Kedü : 

*|  StralJbur^r  U-B.  V  dt.  798,  Auf  dnr  ROckaiite  dati  OriEiDile  Toa  dar  Bind 
4ea  XikolauB  tun  Lauen :  1368.  Item  bobegt  Urban  hei  in  dieer  buUen  erloubel 
Räiananne  Mersirine  vi«f  leeltiiehe  cappdon  [godetdietui]  ru!eklith4  zu  haÜtuA 
und  zd  verstkrnde  uf  dtr  hoveitat  xa  dem  Qr&nenwerdt,  di4  d*r  haligmt  tri- 
fdtikeiU  kitche  in  erat  halten  aüUent  mit  eimt  IMetichtH  gottet  dienttU. 


141 

Priester  war  Nikolaus  von  Löwen,  der  frühere  Sekretär  Rulmänns^ 
dem  dadurch  ein  dauernder  und  angenehmer  Lebensunterhalt  ge- 
sichert war.  In  ihm  hatte  Rulmann  zugleich  einen  Priester,  auf  den 
er  sieb  verlassen  konnte  und  der  stets  die  Interessen  Rulmanns  ver- 
treten sollte.  Die  Namen  der  übrigen  Priester  sind  nicht  bekannt.^ 
Dieser  Zustand  dauerte  jedoch  nicht  lange.  Mochten  es  die  Schwie- 
rigkeiten gewesen  sein,  geeignete  Weltpriester  zu  erhalten,  die  in 
allem  den  Wünschen  Rulmanns  entsprachen,  oder  mögen  ver- 
schiedene Klöster  nun  ihr  Augenmerk  auf  das  neu  erbaute 
Griinenwörth  gerichtet  haben,  wir  sehen  Rulmann  bald  in  Ver- 
handlungen mit  dem  Orden  der  Augustiner,  Prediger  und  Zister- 
zienser wegen  der  Überlassung  von  Griinenwörth  (169*19).  Am 
meisten  Aussicht  mochten  die  Zisterzienser  gehabt  haben,  denen 
Peter  von  Kaisersberg  dicht  neben  der  St.  Margarethenkapelle  ein 
eigenes  Haus  gebaut  hatte  (8*1).  Jedoch  alle  Verabredungen  zer- 
schlugen sich,  weil  kein  Orden  auf  die  Bedingungen  eingehea 
konnte,  die  Rulmann  stellte,  ja  stellen  mußte,  wenn  er  seine  mit 
Schlauheit  und  Klugheit  gewonnene  Position  nicht  preisgeben  wollte. 
Nur  ein  einziger  Orden  fand  sich  bereit,  auf  Rulmanns  Bedingungen 
einzugehen,  der  Orden  der  Johanniter.  Die  Lage  der  Johanniter 
war  keineswegs  besser  als  die  der  anderen  Klöster  in  und  um 
Straßburg,  weder  finanziell  noch  moralisch.  Die  Statuten,  welche 
der  Johannitermeister  Konrad  von  Braunsberg  auf  dem  General- 
kapitel zu  Heimbach  im  Jahre  1363  erließ,  lassen  uns  deutlich 
genug  erkennen,  daß  die  alte  Ordenszucht  auch  bei  den  Johan- 
nitern längst  geschwunden  war  (237*).  Sodann  umfaßte  die  ganze 
Balei  „Oberland"  im  Jahre  1367  nur  46  Häuser  mit  288  Personen 
(123  Priester;  21  Schwestern;  144  Laien),  so  daß  auf  ein  Haus^ 
durchschnittlich  6  Personen  kamen  i).  Der  Mangel  an  Personal 
zeigte  sich  demnach  hier  so  gut,  wie  in  den  andern  Klöstern»»). 
Aber  es  war  nicht  die  Notlage  des  Johanniterordens,  die  Rul- 
mann zu  Herzen  gegangen  wäre  oder  gar  die  Vorliebe  Rulmanns 
ßr  denselben,  die  gerade  diesem  Orden  die  Benützung  von  Grünen- 
^orlh  einräumte.    In  Rulmanns  und  seiner  Verbündeten  Augen 


')  Eine  Übersicht  Ober  die  yerschiedenon  Klöster  der  Balei  Oberland  und  ihrer 
^'^'^en  gibt  ein  Papierheftchen  Straßburger  Bezirksarchiv  H  1363. 

*)  Dieser  ICangel  an  Personal  machte  Nikolaus  von  LOwen  später  schwere  Sorgen. 
^*^*«»;  18BM8. 


waren  alle  Orden  gleich  viel  oder  besser  nichts  wert,  und  Niko- 
laus von  LÜwen  hat  die  Gesinnung  deutlich  gezeichnet,  wenn  er 
ron  Hulmann  und  seinen  Verbündelen  schreibt:  sie  kettend  aUe 
gar  wenig  ntj/nnen  zu  den  persotien  in  aande  Johans  ordeii  und 
misse  rielenl  in  sa  gr&sseliche  an  irme  wandele  und  worent  in  also 
gar  widderzeme  inirme  sinne,  das  sie  das  vestekliche  in  sich  sattetü..., 
ebe  sie  iren  willen  iemer  darin  wolteiU  gegeben,  das  der  Grüne- 
wert den  Jühansern  wurde,  so  wolt^it  sie  e  nl  lieher  eneel^tt,  das 
er  verhrante  (170*31).  Demnach  konnte  sich  Rulmann  mit  irgend 
einem  Orden  nur  insoweit  einlassen,  als  er  seine  Pläne  zu  ver- 
wirklichen versprach.  Dieä  taten  die  Johanniter.  Wie  es  dazu 
kam,  zeigt  uns  der  sogenannte  Pflegerbrief  oder  der  Vertrag, 
den  Rulmann  Merswin  am  12.  Januar  1371  feierlich  mit  dem 
Johannitermeister  in  deutschen  Landen,  Kunrad  von  ßraunsberg. 
abschloß  (172*12).  Es  war  ein  feierlicher  Vertrag,  geschlossen 
im  Beisein  des  Johannitermeisters  und  der  Komture  zu  Vülingen, 
Basel,  Kolmar,  Dorlisheim,  Sulz  und  Schlettstadl  sowie  mit  Gut- 
heiüung  der  elsäßiachen  Konvente  von  Dorlisheim,  Kolmar,  Rheinau 
und  Schlettstadt.  Dadurch  sollte  der  Vertrag  seine  ewige  Geltung 
auch  äußerlich  dokumentieren. 

Dieser  Vertrag  hat  folgenden  Inhalt: 

Die  Leistungen  Rulmanns:  Rulmann  übergibt  dem  Jo- 
hanniterorden  zu  Händen  des  Johannitermeisters  Konrad  von 
Braunsbei^  das  Kloster  zum  GrünenwÖrth  samt  Kirchen  >),  Häusern 
und  Gärten  mit  allem  Zubehör;  außerdem  eine  jährUche  Rente 
von  50  Pfund*)  StraÜburger  Pfennige  zum  Unterhalt  des  Chor-  und 
Gottesdienstes  durch  die  Johanniterpriester. 

Die  Leistungen  des  Johanniterordens: 

Der  Johanniterorden  erkennt  Rulmann  Merswm,  Heintzemann 
Wetzel  und  Johannes  Merswin  beziehungsweise  deren  Nachfolger 
als  „Pfleger"  von  Grjinenwörth  an,  darum  darf 

1.  ohne  Zustimmung  der  drei  weltlichen  PDeger  kein  Ordens- 
oberer  der  Johanniter  zum  Grünenwörth  gehörende  Güter  ver- 
kaufen, vertauschen  oder  verpfänden,  vielmehr  muß 

■)  BemerkBasMort  IbI,  iUQ  sich  Bulm&na  in  dieser  Urkunds  (ne'SO)  b«mb 
aU  £i|:etitümei'  dar  K  i  r  c  b  a  botnchtet. 

■)  Diese  di«DteD  dem  Uaterhalt  der  Tier  Weltpriester  (  4  tatl  1£).  Vgl.  abM 
die  Bebe  siner  Pries terpfrUnde  4*35  u.  Kotha  S.  115/116. 


143 

2.  jeder  Komtur  alljährlich  vor  den  drei  Pflegern  und  den 
Brüdern  des  Hauses  Rechnung  über  die  Verwaltung  ablegen.  Hat 
ein  Komtur  das  Kloster  in  seiner  Verwaltung  geschädigt,  so  soll 
die  Meisterschaft  ihn  entlassen  und  mit  dem  Rat  der  Bruder  einen 
anderen  an  seine  Stelle  setzen. 

3.  Auf  Verlangen  der  drei  Pfleger  müssen  die  Brüder  von 
Grünenwörth  Pfründner  aufnehmen,  es  seien  Ritter  oder  Knechte, 
Laien  oder  Priester,  welche  in  Grünenwörth  fem  dem  Lärme  der 
Welt  üir  Leben  beschließen  wollen.  Die  Pfründner  leisten  dem 
Hause  bestinunte  Beiträge,  erhalten  Wohnung  und  Lebensunter- 
halt und  unterstehen  dem  Komtur  des  Hauses  in  der  Einhaltung 
der  Ordnung.  Ausschluß  eines  Pfründners  aus  dem  Hause  unter- 
steht in  letzter  Linie  den  Pflegern. 

4.  Kein  Bruder  oder  Laie  soll  in  das  Haus  aufgenommen 
werden,  er  sei  denn  zwantzig  Jahre  alt  Das  Vorschlagsrecht  für  Auf- 
nahme der  Ordenspriester  kommt  den  drei  Pflegern  zu,  ohne  deren 
Willen  die  Meisterschaft  niemanden  in  genanntes  Kloster  setzen 
l^ann,  aber  immer  soviel  setzen  muß,  als  die  Pfleger  verlangen; 
nur  Priore,  Komture  oder  Verwalter  eines  selbständigen  Hauses 
sind  vom  Vorschlagsrecht  der  drei  Pfleger  ausgenommen. 

5.  Das  Bestrafungs-  oder  event.  Ausschlußrecht  eines  Bruders 
aus  dem  Hause  haben  die  Ordensobern. 

6.  Grünenwörth  soll  durch  keinerlei  Steuern  oder  Abgaben 
von  Seiten  des  Ordens  belastet  werden,  auch  dann  nicht,  wenn 
von  Papst  oder  Kaiser  den  Johanniterhäusern  insgesamt  solche 
Abgaben  auferlegt  werden.  Dagegen  bezahlt  Grünenwörth  jährlich 
6  fl.  an  die  oberste  Meisterschaft  zu  Rhodis. 

7.  Im  Falle  irgend  ein  Ordensoberer  oder  ein  Johanniter- 
bruder  einen  Artikel  der  vorgenannten  Satzung  übertritt,  soll  auf 
Antrag  der  Pfleger  der  Komtur  des  Hauses  innerhalb  eines  Mo- 
nates Abhilfe  schaffen;  tut  dieser  es  nicht,  so  soll  die  strittige 
Angelegenheit  dem  Komtur  zu  Dorlisheim  vorgelegt  werden,  der 
innerhalb  eines  Monates  für  Abhilfe  Sorge  zu  tragen  hat.  Im 
Falle  der  Rechtsverweigerung  auch  von  dieser  Seite,  können  die 
Pfleger  ohne  weitere  Appellation  sofort  die  sämtUchen  Güter  von 
Grünenwörth  —  Kirche  und  Friedhof  ausgenommen  ^)  —  an  sich 

*)  174*87  Ufit  wieder  das  alte  Eigentomsrecht  des  Klosters  Altdorf  an  Kirche 
und  Mtdhof  ron  OrOnenwOrth  zam  Vorschein  kommen. 


144 

ziehen.  Vor  dieser  Maßregel  s{)!I  den  Jobanniterorden  kein  päpst- 
liches oder  kaiserliches  Privileg,  kein  Stadt-  oder  Landrechl,  kein 
Land-  oder  Burgfriede  schirmen, 

8-  Im  Falle  einer  der  drei  genannten  Plleger  stirbl,  sollen 
die  beiden  andern  einen  dritten  wählen;  können  sie  sicli  nicht 
auf  einen  dritten  einigen,  so  gibt  der  Komtur  des  Jnhanniterhauses 
znm  GriinenwÖrth  den  Ausschlag. 

Nachdem  so  der  .lohanniterorden  sich  Rulmann  gegenüber 
verpflichtet  hatte,  erfolgte  zwei  Monate  darauf,  am  23.  März  1371, 
die  eigentliche  Übergabe  von  Grünenwörth  an  die  Johanniter.') 
Vor  dem  Richter  des  Strallburger  Hofes  beurkundet  Rulmann, 
daß  er  zu  seinem  und  seiner  Vorfahren  Seelenbeile  dem  johanniter- 
orden  zu  Händen  Koiirads  von  Braunsberg  das  Patronatsrecht 
der  Kirche  zum  GriinenwÖrth  sowie  das  Eigentumsrecht*)  an 
jenen  Häusern,  Hofstiitten  und  Gärten,  welche  er  von  dem  Kloster 
Altdorl' gekauft  hat,  unwiderrull  ich  schenke,  Aulierdem  verpflichtet 
sieh  Rulmann  mit  Unterpfand  all  seines  beweglichen  wie  unbe- 
weglichen Gutes  zur  Zahlung  einer  jährlichen  Rente  von  50  ff 
StraÜburger  Pfennige  an  den  Komtur  des  Johanniterhauses.  Die 
oben  genannten  Abniachungeii  zwischen  den  Johannitern  und 
Rulmann  werden  in  der  endgültigen  Schenkungsurkunde  mit  keiner 
Silbe  erwähnt;  ebenso  wenig  die  Zustimmung  des  Klosters  Alt- 
dorf. Diese  Schenkung  erhielt  am  22.  Februar  1372  durch  Bischot 
Lambert  von  Straüburg  die  bischöfliche  Genehmigung^),  nachdon 
der  Pflegerbrief  bereits  am  20.  Oktober  1371  durch  den  obersten 


I)  Stratburgflr  V-D.  V  nr.  956.  —  Or,  Beiirksarch.  StrallburB  (H.  i:Jö3).  Auf 
dar  Rüokteito  oben  (lerblaDt) ;  donacio  datii  per  Iti'ätnanH  Mfrurin.  Unton  diru 
von  der  Hand  \iliolaus  ron  LOweos:  1371.  Dtt  i9t  der  gift  brief,  alse  BiHema» 
Mertmin  daz  hit»  zit  dem  Gränenteerde  gap  nantt  Johane  orden  m  gegniteartv- 
ktit  dt»  ei-wiirdigen  geisllkhen  htrren  brüder  Cünratea  tun  Brunaptrg,  meiittr 
in  Ihittgchen  landen,  daz  mich  biachof  Lamprfkl  besietiget  het  mit  »im«  rigem 
ingetigde,  daz  er  gekencket  het  an  eine  sünderlichc  glich  hellende  copit  disttlbtit 
briefes. 

*l  Hier  let  also  genau  iHiKeheo  PHtrana.tB-  und  Eig« atomare cbt  nalerecbiaden. 
')  Or.  StraGburgar  BezirksarchlT  [ü  135^1.  Auf  der  Knckseite  ron  Nikok» 
von  Löwen ;  Bis  iel  eine  confiniiacion,  alse  bischof  Lamprcht  bettttiget  htt  tanti 
Johans  orden  dz  hu»  zu  dem  Gr&nenirerde,  dz  in  gap  R'deman  Mtrttcm  •■ 
eimt  Ȋnderen  briefe,  baigelt  mit  der  . , .  ingesigel  an  des  bitchore*  gerlMte,  der 
do  j/lich  hellet  dirre  confirmaeion. 


145 

Meister  der  Johanniter,  Raimund  Berengar,  gutgeheißen  und  be- 
stätigt worden  war  (176*1). 

So  hatte  denn  Rulmann  alles,  was  er  erstrebte,  nur  in  viel 
vorteilhafterer  Weise  als  früher.  Jetzt  hatte  er  nicht  mehr  für 
die  Anstellung  der  genügenden  Anzahl  Priester  zu  sorgen,  er 
durfte  aus  den  Johanniterpriestem  die  tauglichsten  und  tüchtigsten 
nach  seinem  Belieben  aussuchen,  die  Johanniterobern  hatten  in 
allem  seinen  Wünschen  nachzukommen.  Für  den  Unterhalt  sowie 
ßr  die  richtige  Besorgung  des  Gottesdienstes  hatte  nicht  mehr  Rul- 
raann,  sondern  der  Johänniterorden  Sorge  zu  tragen,  und  so  war  er 
sicher,  daß  Chor-  und  Gottesdienst  ständig  und  pünktUch  abge- 
halten würden.  Durch  die  Übergabe  von  Grünenwörth  an  die 
Johanniter  war  der  Straßburger  Bischof  ganz  auf  die  Seite  ge- 
schoben, der  bei  der  Einsetzung  von  Weltpriestern  immer  ein 
Wort  mitzusprechen  hatte  und  den  Plänen  Rulmanns  gefährlich 
werden  konnte.  Aus  diesem  Grunde  werden  auch  die  Artikel 
des  Pflegerbriefs  dem  Bischof  gegenüber  n  i  e  erwähnt.  Der  un- 
sichere Begriff  des  Eigentums  an  Klosterkirche  und  Friedhof  von 
Grünenwörth,  und  der  Schein,  ein  Laie  sei  Eigentümer  desselben, 
war  geschwunden,  zwar  nicht  auf  rechtlichem,  aber  auf  faktischem 
Wege.  Das  Kloster  Altdorf  verschwindet  vollständig  aus  der  Ge- 
schichte von  Grünenwörth  und  hat,  soviel  bekannt  ist,  später 
niemehr  einen  Rechtsanspruch  auf  Grünenwörth  erhoben.  So  sehr 
hatten  sich  die  Rechtsbegriffe  innerhalb  vier  Jahren  verwischt,  daß 
der  Johänniterorden  Rulmann  als  alleinigen  Eigentümer  ansah, 
von  dem  sie  Grünenwörth  zu  eigen  empfangen  konnten.  Ander- 
seits hatte  diese  Übergabe  nach  außen  keineswegs  etwas  Auf- 
fallendes, denn  Grünenwörth  war  und  blieb  dadurch  Kirchengut. 
Und  dennoch  hatten  Laienhände  eine  Gewalt  darüber,  wie  Rul- 
ßiann  sie  nicht  größer  wünschen  konnte. 

Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  Grünenwörth  durch  diese  Ver- 
f^ungskonstitution  viele  und  große  Vorteile  andern  Klöstern 
gegenüber  erwuchsen.  Sie  diente  einmal  dazu,  das  Kloster  finan- 
ziell auf  der  Höhe  zu  halten.  Kein  Gut  konnte  ja  veräußert, 
verschenkt  oder  verpfändet  werden  ohne  Zustimmung  der  drei 
^eger.  Die  jährliche  Rechnungsablage  und  Kontrolle  verhinderte 
jedes  Zurüc^ehen,  jede  Mißwirtschaft.  Dazu  kam,  daß  die 
^i  Pfleger  Männer  waren,  die  Jcaufmännisch   gebildet  xxtvöl  not 


146 

allem  in  der  neu  aufötrebenden  Geldwirtsehafl,  die  so  vielen  Klöstern 
neben  der  Bedrückung  des  Adels  den  Todesstoli  verheizt  hatte, 
durchaus  erfahren  waren.  Die  Wirkung  dieser  IrelTlichen  BesÜm- 
raung  blieb  denn  auch  nicht  aus.  Daa  Haus  zum  Grünenwörüi 
wurde  in  der  Tal  zum  festen  finanziellen  MitLeipunkt  der  übrigen 
elsässiächen  Häuser.  Je  tiefer  die  andern  sanken,  umsn  höher 
stieg  von  Jahr  zu  Jahr  der  Stern  des  StraÜburger  Jnbanniter- 
hauses,  in  dessen  Glänze  sich  andere  sonnten.  Das  Haus  zu  Rheinau. 
ein  Glied  desjenigen  zuDorhsheim,  war  das  erste,  dasGrünenwörlh 
einverleibt  wurde');  bald  folgte  das  Johanniterhaus  zu  Schlett- 
stadt  nach*).  Um  die  Finanzkrall  des  Klosters  zu  erhöhen,  war 
das  Haus  auch  abgesehen  von  eine.n  jährliehen  Beitrage  von 
aller  Steuer  befreit,  die  so  oft  auf  anderen  Klöstern  lastete. 

In  den  drei  Pflegern  halle  das  Kloster  ferner  eine  gute  lie- 
präsenlation  nach  aulien.  Die  drei  Pflegerb  ildeten  eine  unüber- 
treffliche Schutzwehr  gegen  alle  Übergrüfe  vonseiten  des  Bischob, 
des  Adels,  vor  allem  aber  der  Stadt.  Denn  sie  gerade  war  keines- 
wegs dem  Kloster  günstig  gesinnt.  Das  zeigte  sich  schon  bei  dem 
Engländereinfall  1375  (185*26).  Zur  Sicherheil  der  Stadt  wollte  der 
Rat  alle  Gebäude  auHerlialb  der  Stadimauer  abbrechen  oder  nieder- 
brennen lassen,  um  den  Engländern  jeden  festen  und  sichern 
Hinterhalt  zu  nehmen.  Diese  Maßregel  traf  auch  ein  zerfollenes 
Haus  von  Grünenwörth.  Schon  waren  Wellen  um  das  Haus  auf- 
getürmt, um  Feuer  zu  legen.  Die  Johanniter  trugen  sie  aber 
heimlich  hinweg  und  kehrten  sich  nicht  um  Zorn  und  Drohung 
des  Rates.  Die  Beilegung  des  Zwistes  schreibt  Nikolaus  von 
Löwen  einer  übernatürhchen  Wirkung  zu ;  wir  werden  nicht  fehl- 
gehen, dabei  an  ein  Eingreifen  der  drei  Pfleger  zu  denkea 
Ähnlich  wird  der  Fall  gelegen  sein,  als  die  Stadt  im  Jahre  1380 
Miene  machte,  die  neue  Ringmauer  mitten  durch  den  Garten  der 
Johanniter  zum  Grünenwörth  zu  fuhren  (18ö*26).  In  solchen  Fällen 
wäre  das  Kloster  rettungslos  der  Willkür  des  Rates  ausgesetzt  ge- 
wesen, wären  ihm  nicht  drei  Männer  zur  Seite  gestanden,  die  im 
Leben  der  damaligen  Stadt  selbst  eine  bedeutende  Rolle  spielteo- 

i|   1:174,  Jauuar  20  :  Sttalll>ureer  l'-B.  VU,  -169  iir.  Ittly. 

'1  ):I91t,  Juni  30  inkonioi'iurte  Hesse  Scbles'cllioli  ilas  Baus  zu  ScblcitUtid  c 
tle]n  zu  Strasburg.  Das  Glied  zu  SrIileU-tadt,  De'Kheim  Kamt  dem  lern |taltu>f,  )iatt>^ 
Konmd  ron  BraunsUorf  bereits  im  Jahre   13S8  GiünanivOrih  eingefügt. 


147 

und  dadurch  in  der  Lage  waren,  alles  Unheil  abzuwenden.  Durch 
das  alles  erhalten  die  Ausfuhrungen  Kothe's  über  das  Verhält- 
nis zwischen  Kloster  und  Bürgerschaft  der  Stadt  Straßburg  im 
W.Jahrhundert')  eine  neue  Beleuchtung  und  Bestätigung,  wie  denn 
auch  im  Jahre  1381  das  Johanniterhaus  sich  der  Stadt  gegen- 
über verpflichten  mußte,  auf  alle  Kollekten  und  Ablässe  zu  Gunsten 
des  neu  erbauten  Spitals,  das  in  den  Augen  der  Stadt  dem  alten 
Stadtspiial  nur  Konkurrenz  machen  konnte,  zu  verzichten  2). 

Weiterhin  offenbart  sich  in  dem  Pflegerbrief  ein  hoher,  sitt- 
licher Ernst,  um  den  verrotteten  Zuständen  im  Klosterleben  Straß- 
burgs  abzuhelfen.  Wie  wichtig  war  nicht  die  Bestimmung,  es 
dürfe  niemand  unter  zwantzig  Jahren  aufgenonmien  werden !  Da- 
durch war  ein-  für  allemal  dem  Übelstand  abgeholfen,  daß  der  hohe 
Adel  seine  minderjährigen  Söhne  mit  Pfründen  in  Grünenwörth 
versorgte.  Außerdem  mußte  ständig  eine  bestimmte  Anzahl  Priester 
in  Grünenwörth  vorhanden  sein,  nicht  zu  viel  aber  auch  nicht 
zu  wenig,  so  daß  das  Kloster  vor  allen  unnötigen  Ausgaben  be- 
wahrt blieb.  Solcher  Priesterpfründen  gab  es  anfangs  vier,  die 
im  Laufe  der  Jahre  durch  weitere  Stiftungen  anwuchsen 3).  Daneben 
erstrebte  Rulmann,  noch  strenge  Klausur  für  die  Brüder  einzuführen 
(182*20).  Darum  stellte  er  den  luxuriösen  Klostergang  her  und 
versah  den  Garten  und  das  Haus  mit  allen  Annehmlichkeiten, 
mit  Brunnen  und  Badestuben,  die  der  Erholung  dienen  konnten. 
Allein  die  Meisterschaft  ging  auf  eine  solche  Bestimmung  mit 
Rücksicht  auf  die  Zeit-  und  Ordensverhältnisse  nicht  ein,  sie  er- 
achtete dieselben  als  nicht  zum  Frieden  dienend.  Waren  so  der 
Vorteile  für  das  Johanniterhaus  durch  die  Konstitution  Rul- 
öianns  viele,  so  waren  doch  die  Nachteile  für  den  Johanniter- 
orden  noch  viel  bedeutender,  denn  im  Grunde  genommen  durch- 
schnitt der  Pflegerbrief  den  Nerv  jedes  Ordenslebens.    Das  zeigte 

')  Kothe  S.  67  ff. 

*)  Straßbarger  Ü-B.  VII,  580  nr.  2005.  Das  Original  (Straßburger  Stadtarchiv 
^>  lad.  67)  ist  Yon  Nikolaus  von  Löwons  Hand  geschriebou. 

^  Dio  ersten  vier  stiftete  Rulmaun,  die  fQnfte  (quinta  missa  debeat  appellari) 

^'^"^hu  Zorn-Lapp,  der  spätere  PÜoger  am  7.  Sept.  1377  (U-B.  VII,  522  nr.  1801): 

^  Sechste  und  siebente  (que  misse  appellari  dobeant  scxta  ot  septima)  am  4.  August 

^'^'S  Heinrich  ron  Ändlau  und  seine  Frau  Agnes  (U-B.  VII,  534  nr.  1845).  In  diesem 

^^maenhanff  ist  f&r  die  angeblich  bereits  am  24.  September  gestiftete  St.  Jakobs- 

"'*'•«  (Ü-B.  Vn,  449  nr.  1544)  keiw  PJatz.     NÄheres  darüber  uuteiv. 

\0* 


sich  zunächst  in  der  Aufnahme  von  Pfründnem,  moch^f  esTäien 
oder  Priester  sein.  Dadurch  kam  zu  den  eigen Üic-hen  Ordensbrüdern 
ein  driltes  dem  .lohanniterorden  fremdes  Element,  das  das  Ordens- 
leben mehr  slören  als  fordern  konnte.  Nicht  umsonst  klagt 
Nikolaus  von  Löwen  an  verschiedenen  Stellen  über  die  Unruhe, 
die  solche  Pfründner  in  das  Haus  bringen  (128*10:  I69'I2).  Frei- 
lich, lügt  er  bei,  könne  und  dürfe  man  sich  diesem  Mißstand 
niL-ht  entziehen,  weil  Rulmann.  der  Stifter,  dies  so  augeordnet 
haha  Bedenklich  wurde  aber  diese  Bestimmung,  wenn  Fraueuj- 
personen  als  Pfrimdnerinnen  autgenommen  wurden,  wie  dies  bei 
Bertba  Wetzet,  der  Frau  Konrads  zu  der  Megede,  der  Fall  war. 
Man  merkt  Nikolaus  von  Löwen  deutlich  die  Verlegenheit  an. 
dieses  Zugestündnis  zu  rechtfertigen  {181*12).  Heintzemann  Wetzet 
und  Konrad  zu  der  Megede,  beide  zu  diesen  Zeiten  Pfleger,  werden 
es  ihrer  Verwandten  zulieb  ohne  den  Willen  der  Brüder  so  anzu- 
ordnen ^ewutit  haben.  Für  den  vornehmen  Bürger  oder  Ritter 
mochte  es  angenehm  sein,  ein  Haus  zu  wissen,  in  dem  er  ruhig 
seine  alten  Tage  verleben  konnte,  bedient  von  Ordensbrüdern, 
die  von  Anfang  an  selber  auf  den  Adel  der  Geburt  und  der 
Gesinnung  den  grüliten  Wert  ;ielegt  hatten  und  deren  Ordens- 
statuten nicht  jene  Strenge  atmeten,  wie  die  andern  Klöster, 
Ihnen  sollte  es  „ein  Haus  der  Flucht"  ( 169*7)  sein,  wo  sie  ihren 
Pfennig  ehrbar  zehren  könnten.  Darum  machte  auch  Rulmann  von 
dieser  Wohltat  Gebrauch;  anfangs  wohnte  er  bei  den  Brüdern, 
baute  sich  aber  zwei  Jahre  vor  seinem  Tode  eine  eigene  Wohnung 
neben  der  Kirche,  weil  sein  Leiden  ihn  an  der  Bewegung  hinderte, 
er  aber  dennoch  die  hl.  Messe  hören  wollte  (183*1).  Noch  mehr 
jedoch  wurde  die  Ordensdisziplin  durch  die  drei  Pfleger  durch- 
brochen und  aufs  tiefste  gcfiihrdet.  Welche  Macht  war  ihnen 
nicht  über  das  Kloster  gegeben!  Im  Grunde  genommen  leiteten 
und  regierten  sie  GrünenwÖrtb ').  Sie  waren  die  drei  Pfeiler,  auf 
denen  das  Haus  ruhte  (62*10),  der  Komtur  war  nur  das  willen- 
lose Werkzeug,  um  den  Willen  der  Pfleger  zu  errüllen,  in  der  Auf- 
nahme und  Entlassung  der  Brüder  und  Priester,  in  den  Einnahmen 
und  Ausgaben  und  in  allen  äußern  Angelegenheiten.   Den  Ordens- 


149 

Obern  war  nur  die  Strafgerichtsbarkeit  und  die  Absetzung  des 
Komturs  vorbehalten.  Nirgends  aber  im  ganzen  Pflegerbriefe  ist 
bestimmt,  was  die  Pfleger  nicht  tun  dürfen,  nur  was  der  Orden 
den  Pflegern  gegenüber  zu  tun  schuldig  ist.  So  konnten  sie  sich, 
ohne  den  Widerspruch  der  Obern  fürchten  zu  müssen,  in  alle 
Angelegenheiten  des  Hauses  einmischen,  denn  sie  hatten  ein  sicher 
wirkendes  Mittel,  die  Obern  zur  Nachgiebigkeit  zu  zwingen:  sie 
durften  ihnen  nur  die  Güter  entziehen  und  dadurch  die  Ordens- 
brüder gleichsam  auf  die  StralJe  setzen. 

So    nahm  Grünenwörth    eine   Ausnahmestellung    ein    unter 
allen  übrigen  Johanniterhäusern.   Das  Kloster  trug  bloß  den  Namen 
Johanniterhaus,  war  aber  in  der  Tat  nur  ein  Pfründnerhaus  tür 
vornehme   Straßburger  Familien,  dessen  Direktion   in  der  Hand 
dreier  Pfleger  lag,  die  sich  aber  zur  Ausführung  ihrer  Pläne  der 
Johanniterbrüder  mit  ihrem  Scheinkomtur  bedienten.  Von  diesem 
Gesichtspunkte  aus  werden  wir  nun  verstehen,  warum  Rulmann 
nül  Augustinern,  Zisterziensern  und  Dominikanern  verhandelte, 
kein  Orden  aber  auf  die  artikele  der  heredunge  eingehen  konnte. 
Darum  legte  Rulmann  auch  soviel  Wert  darauf,  den  Pflegerbrief 
^^ht  nur   von   dem   Johannitermeister    sondern    auch  von  den 
Komturen  der  Häuser  in  Oberdeutschland  und  von  den  Konventen 
der  Johanniterhäuser  im  Elsaß  bestätigen  zu  lassen.    Hatten  sie 
die  dem  Johanniterorden  völlig  fremde  Konstitution  von  Grünen- 
wörth anerkannt,  so  konnten  sie  niemals  dagegen  Einsprache  er- 
heben   oder    Grünenwörth    von    dem    Johanniterverband    aus- 
scheiden. Gelang  es  Rulmann  noch,  die  Zustimmung  des  obersten 
Meisters  zu  gewinnen,  dann  konnten  von  keiner  Seite  Einsprüche 
gegen  die  das  Ordensleben  im  Grünenwörth  regelnden  Statuten 
erhoben  werden.    Diese  Bestätigung  zu  erlangen  war  deswegen 
Rulmanns  eifrigstes  Bestreben,  der  Weg  dazu  mußte  abermals 
durch  Schlauheit  und  Hinterlist  (177*21)  gebahnt  werden,  dadurch, 
daß  man  dem  obersten  Meister  den  Wortlaut  des  Pflegerbriefs  nicht 
zu  wissen  tat,  sondern  nur  im  allgemeinen  verlangte,  er  möge 
die   Stiftung   in   aller  der  wise,  gedinge  und   beredunge   (176*30) 
bestätigen,   alse  dem  ordene   von  Rülmanne   namhaftikliche  usge- 
dinget  ist,  da  diese  Bedingungen   keineswegs   ividder  götliche  ere 
und , Widder  gesetzede  des  ordens  (177*24)  wären. 


150 

Auf  diese  Weise  ist  die  Hofstätte  von  Griluen*örtli  io  den 
Besitz  des  Johanniterordens  übergegangen.  Es  begann  die  zweite 
Bauperiode,  welche  mit  dem  Bau  eines  Armenspitals  eingeleitel 
wurde.  Der  Johannitermeister  Konrad  von  Braunsberg  iiatle  die 
Forderung  einen  Spitalbaues  an  Rulmann  gestellt;  so  verlangten 
es  die  Konstitutionen  des  Johanniterordens,  der  in  der  Pflege 
der  Kranken  ein  Hauptziel  seiner  Tätigkeit  sah.  Allein  kaum 
waren  d.e  Räume  vollendet,  als  man  das  Spital  wieder  niederzu- 
reilien  begann  samt  der  Kapelle  zu  Eliren  der  llOOO  Jungfraueo 
und  dem  tiir  die  Zisterzienser  bestimmten,  an  Grünenwörth  angren- 
zenden Hause  (9*26).  An  ihre  Stelle  sollte  der  schöne  gewölbte 
Chor  treten,  wie  es  der  Wunsch  des  Komturs  und  des  Konventes 
gewesen  war.  Schon  war  das  Fundament  gelegt  und  das  Gebäude 
bis  zur  ebenen  Erde  autgetührt.  als  Rulmann  wieder  alles  ab- 
brechen lieü  (178*18  ff.)  und  den  Neubau  der  Kirche  mit  dem  be- 
schlossenen Ghor  begann  ussewemliy  lier  sicibo^ene  tut  der  alten 
kirc}ieH,  die  ouch  tlomilte  yew'Uert  ist.  Auch  dieser  Bau  schaut« 
schon  aus  dem  Boden  heraus,  als  sich  auf  einmal  zwischen  dem 
Komtur,  dessen  Geduld  durch  Rulmanns  Vorgehen  auf  eine  harte 
Probe  gestellt  war.  und  Rulmann  DilTerenzen  zeigten,  bei  denen,  wie 
vorauszusehen  war,  Rulmann  Sieger  blieb ').  Zum  erstenmale  hatten 
sich  hier  die  großen  Nachteile  der  Pflegerinstitution  geoffenbart. 
Eine  solche  Institution  war  eben  nur  für  den  Augenblick  berechnet 
und  berücksichtigte  ideale  Zustände,  wahrend  in  ihr  wie  von 
selbst  die  Keime  innerer  Zerwürfnisse  lagen,  die  im  Laufe  der 
Zeit  immer  stärker  sich  entwickeln  und  vermehren  mullten.  Es 
lag  ja  auf  der  Hand,  daß  der  Johanniterorden,  der  nur  der  Not 
gehorchend,  nicht  dem  eigenen  Triebe,  sich  zu  dem  Vertrage 
herbeigelassen  hatte,  mit  allen  Mitteln  erstreben  muüte,  das  lästige 
Joch  der  drei  Pfleger  abzuschütteln.  Und  ebenso  war  voraus- 
zusehen, dalf  die  drei  Pfleger  dahin  strebten,  immer  mehr  ihre 
Machtbefugnisse,  denen  ja  im  Pdegerbrief  keine  Sehranke  gezogen 
war,  zu  erweitern.  Das  gegenseitige  Zusammenwirken  endlich 
von  Pflegern  und  Ordensnbern  in  der  Besetzung  von  Stellen  oder 
in  der  Entlassung  von  Brüdern  und  Pfründnern  aus  dem  Hause,  bot 


151 

in  sich  schon  Zündstoff  genug  zu  gegenseitigen  Reibereien.  So- 
lange nun  Rulmann  in  dem  Hause  wohnte,  war  die  Gefahr  noch 
gering,  denn  sein  Wille  entschied  bei  jeder  Meinungsverschieden- 
heit. Viel  gefährlicher  mußte  sich  jedoch  die  Sachlage  gestalten, 
sobald  die  durch  Rulmann  beherrschte  Tradition  im  Hause  durch 
den  Wechsel  der  Ordensobern  einerseits  und  durch  den  der 
Pfleger  andererseits  immer  schwächer  wurde.  Das  zeigte  sich 
denn  auch,  als  Rulmann  und  seine  Mitpfleger  gestorben,  und 
Johannitermeister  wie  Komtur,  die  beim  Pflegerbrief  seinerzeit 
mitgewirkt  hatten,  in  ihrem  Amte  wechselten.  Den  besten  Einblick 
in  diese  Verhältnisse  gibt  uns  der  sogenannte  Pflegereid  vom  Jahre 
1393  (125*25),  der  unwiderleglich  zeigt,  wie  schwer  damals  schon, 
faium  10  Jahre  nach  Rulmanns  Tode,  die  Pflegerinstitution  ge- 
fährdet war.  Der  Stadt  Strasburg  wie  der  Meisterschaft  des 
Johanniterordens  waren  ettelkhe  puficte  und  aHickele  (125*37) 
des  Pflegerbriefs  sehr  unangenehm,  die  sie  darum  zu  beseitigen 
trachteten.  Allein  die  Pfleger  wehrten  sich  festiglich  und  brachten 
es  mit  Hilfe  bewährter  Lehrer,  die  um  authentische  Auslegung 
des  Pflegerbriefs  ersucht  wurden,  dahin,  daß  die  Meisterschaft 
wie  die  Stadt  den  Pflegerbrief  anerkannten.  So  ist  der  Pfleger- 
eid gleichsam  ein  Notschrei,  um  in  Zukunft  aflen  Zwist,  alle 
Angriffe  auf  die  von  Rulmann  dem  Hause  gegebene  Institution 
zu  beseitigen*).    Allein  auch  so  hätte  das  Haus  die  Krisis  nicht 

'l  DaÜ  noch  später    der  Pnogerbriof   dorn  .Johannitorordcn    ein  Dorn    im  Auge 
*»r.  zeigt  eine  Verhandlung  auf  dem  Straf^burgor  Generalkapitel  vom  Jahre  1417.  — 
1417,  Oktober  2.     Bruder  Hugo  von  Montfort,    Meister    in  deutschen  Landen,    beur- 
kundet, daß  Erhard  Thomann,  Komtur,  und  dio  Brüder  des  Johanniterhauses  zu  Straß- 
borg,    auf   dem  Kapitel    zu  Strasburg   vorgebracht    haben :     Konrad   von  Braunsberg, 
Meister  in  deutschen  Landen,  habe  zugegeben  und  angeordnet,  daß  jeder  Komtur  des 
Straßbarger  Johanniterhaasos  alljährlich  vor  den  BrQdern  und  drei  LaienpÜegern  Rechnung 
ablegen  mösse :    stellt  sich    dabei  heraus,    daß  dieser    das  Haus    geschädigt   hat,    so 
müsse  er  abgesetzt   und    mit  Zustimmung    der  Brüder    ein    anderer    gewählt  werden. 
Um  allen  Streitigkeiten  vorzubeugen,  wird  obige  Bestimmung  näherhin  dahin  erklärt : 
sobald  ein  Komtur  des  Hauses  stirbt,  soll  der  jeweilig?  Ordonsmoister  genanntes  Haus 
einem    andern  Komtur    übergeben    mit  Rat   und  Wahl    der  Brüder    des   gen.  Hauses. 
Data  sabbato  post  festum  b.  Michahelis  arch.  in  capitulo  nro.  Argentine  colebrato  1417. 
Die  entscheidende  Stelle  lautet:    Conradus  de  Brunsperg  olim  prioi'  ptno- 
ratus  [AlamannieJ  per  sucts  litteras  indulsefü  et  ordinaverft,  qiwd  quilibet  com- 
mendaior  domus  Arg.  singulis  annis  racionem  swe  computacionem  facere  debeat 
eoram  untpersis  fratribus  et  tribus  gnbernatoribu8  laicis  domus  tnemorate ;  H  %\ 


152 

überstanden,  auch  s;)  wäre  die  Pflegerinstitutioii  ihrer  äicherr 
und  baldigen  Aullösung  entgegengegangen,  wenn  Nikolaus  von 
Löwen  nicht  der  Reiter  in  der  Not  gewesen  wäre  Er  war  ja 
stets  das  gefügige  Werkzeug  Rulmanns  gewesen;  auf  Rulmanni 
Wunsch  bin  wurde  er  Weltprie^ter,  um  nach  Rulmanns  Willen 
Grünenwörtb  vorstehen  zu  können ;  und  als  die  Johanniter  von 
der  Hofstätle  Besitz  ergreifen,  vers|»ürt  Nikolaus  von  Löwen  soforl 
Beruf  zuiu  Ordensieben,  um  auch  hier  die  hiteressen  Rulmanns 
vertreten  zu  können.  Und  er  hat  diese  Interessen  auch  ver- 
treten, denn  er  hat  den  Hauptanteil  an  der  Abfassung  des  Pfleger- 
briefe3(l371)');  seinen  Geist  alraet  am;hderPt!egereid(1393).  Wirö 
er  nun  nicht  alles  wagen,  um  die  ihm  ans  Herz  gewachsene,  weil 
von  ihm  und  Rulmann  stammende  Plleger-Institution  zu  retten; 
Er  wuHte  zu  gut,  daß  mit  dem  Pdegereid,  der  sein  eigenes  Werk 
in  Schrift  und  Wartlaut  isl^),  nicht  alle  Bedenken  gegen  die  lästige 
Nebenregierung  der  drei  Pfleger,  welL'he  den  Obern  wie  der  StadI 
Strallburg  ein  Dorn  im  Auge  waren,  verschwunden  sein  konnten 
Moralische  Stützen  haben  nouh  immer  weiter  gereicht  als  phy- 
sische Gewalt,  Darum  entschliellt  sich  Nikolaus  von  Löwen  zui 
Dichtung  des  Gotlesfreundes.  Nicht  auf  einmal  freilich 
ist  sie  ins  Leben  getreten;  schon  vor  der  Krisis  in  den  neunziger 

comprHum  fuerit  quod  Ijisf  dotnuni  daiiijmifieavfri't,  quod  tunc  amoeeri  debtai 
ft  Kiius  aHtt-  siibalitui  cum  consitio  ningnloriim  fralrum  eiusdem  dornus.  El  lu 
futurie  ttmporibu»  nulla  discordia  necque  et-ror  oriantur  ft  iit  nciam  domui 
onlfdicta  in  »ua  ivra  ardii  aciaae  et  statu  religimo  permoHtat  de  consilio  prr- 
ceptofitm  giipradictorum  predicta  clariiiB  declararüniia  in  hunc  modum  eideliert, 
giiod  quandocunqiie  contigerit  couimeitdatorem  eiugdem  dutitus  mori  «t  di«m  tUMV 
ctdudtre  extreninm,  quod  tunc  noa  ei  umna  aucccMoi-ea  noatri  debetnus  cmntnil- 
Irrt  eandnn  doiiium  qiiotiena  caau»  occiirerit  um'  tüttri  eitm  euntttio  et  elfcciont 
frati-iim  domue  pitseriple.  —  Obige  Yerfüjuag  bost.ltigt  uutar  dmu  i.  Oktober  14i6 
Br.Lilai  Pbilibert  Ae  Nulbacu,  oberster  JofaaDUitorordenitiiiaister.  Die  papstliciie  Be- 
etutigung  erhalteu  ähsa  .UiiiaFhuiigen  uut«r  dem  lö.  April  1133.  IKopiu  Beiirks- 
arcbir  U  i:l.'il|.  —  KiugerQckt  iii  eiu  NotariatsiuEtruiuent  vuii  14:ii  :  Or.  Builrkearcb. 
StroChurg  |U  13ri4|.  Diu  Urliuude  zeigt  ziitileicb.  wie  die  Pfleger  sich  imniür  mcbr 
Befugaisse  mizuoiguen  suctiteii.  Die  ii  i « i  t  i  v  e  □  Pflicbtoii  dvr  Pdeger  nerdea  ',iS:r30  S- 
bestimmt,  dio  nls  Ergütiiuag  des  Pttegeibripfcs  unzuBehaii  sind.  Ober  deren  Eutst«huD;«- 
zeit  ich  aber  nichts  uähereit  ausfindig  machen  konnte. 

')  Der  Pflcgorbrief  ist  Tgn  Nikuisns  von  Lünen  eis;eub«ndig  gcsobrieben.    Siben» 

')  Vgl.  Sciitifttfltel  Xr.  -1. 


153 

Jahren  waren  die  Fäden  angezettelt,  es  bedurfte  jetzt  nur  sie  weiter 
zu  spinnen  und  in  richtiger  Weise  zu  einem  einheitlichen  Gebilde 
zu  verweben.  Diese  Entwicklung  in  ihren  einzelnen  Phasen  zeigt 
uns  am  besten  die  Chronik.  In  ihrer  ursprünglichen  Gestalt 
drückt  sie  nur  den  Gedanken  aus:  die  Wiederherstellung  der 
zerfallenen  Hofstätte  zum  Grünenwörth  und  noch  mehr  die  Über- 
gabe derselben  an  die  Johanniter  ist  ein  Werk  der  hl.  Dreifaltig- 
keit, die  zur  Ausführung  ihrer  Pläne  sich  Rulmanns  bediente,  ihn 
innerlich  erleuchtete  und  antrieb  das  gottgefällige  Werk  auszu- 
führen. Und  Rulmann  folgte  dieser  inneren  Anregung,  der  bei  der 
Gründung  von  Grünenwörth  nicht  sich,  sondern  in  allem  nur  die 
Ehre  Gottes  im  Auge  hatte.  Wer  aber  stets  Gottes  Ehre  zu  be- 
fördern sucht,  der  ist  ein  Gottesfreund.  So  ward  Rulmann  zum 
«Gottesfreund'-.  Dadurch  nimmt  er  keine  andere  Stellung  in  der 
Geschichte  von  Grünenwörth  ein  als  der  erste  Stifter  des  Hauses, 
Werner  von  Hüneburg,  durch  den  Gott  ebenfalls  seine  Werke 
wirken  wollte.  Auch  dieser  folgte  der  Gnade  Gottes  und  wurde  aus 
einem  „Wüterich"  ein  „Gottesfreund"  i).  In  diesen  Gedanken  liegt 
demnach  noch  keine  Fälschung  vor.  Es  ist  eine  ideale,  der  Wü'k- 
lichkeit  freilich  nicht  entsprechende  Darstellung  der  Gründungs- 
geschichte von  Grünenwörth,  die  von  dem  christlichen  Gedanken 
ausging,  daß  alle  große  Unternehmungen  eines  Menschen  und 
dessen  Erfolge  in  letzter  Linie  auf  Gott  zurückzuführen  sind. 

Eine  Weiterbildung  erfahren  diese  Ausführungen  durch  den 
ersten  Teil  der  Traktate.   Nikolaus  von  Löwen  hält  den  Gedanken 
fest:  Rulmann  ist  ein  Gottesfreund,  um  darauf  nun  alles  weitere 
aulzubauen.  Und  was  war  natürlicher  als  die  Auflassung:  Rulmann 
als  Gottesfreund  steht  im  Verkehr  mit  andern  Gottesfreunden,  liest 
ihre  Schriften,   schreibt  selbst    solche    und  führt   ein   ähnliches 
gnaden-  und  wunderreiches  Leben  wie  sie.  Von  diesem  Gedanken 
ist  jener  allgemeine  Satz  Nikolaus  von  Löwens  beeinflußt:  in  all 
diesen  Traktaten  sollt  ihr  unter  dem  einen  Gottesfreund  Rulmann 
selber,  unter  dem  andern  dagegen  seinen  intimen  Freund  vom  Ober- 
land verstehen  (24*4).  Damit  leitete  Nikolaus  von  Löwen  bewußt 
und  absichtlich  eine  falsche  Interpretation   ein,  die  sich  dahin 


«)  Vgl.  14*12  ;  aro  :  46*7  :  149*20  :  lG:ri5  :  209*6  imd  im  Glossar  unter  dem 
Wort  «Oottesfreund.*- 


steigerte,  (iall  er  RLitmanii  Schriften  ;!uschrieb,  die  er  niemali 
geschrieben,  interpoliert  oder  gar  verfalit  hat.  Fortan  steht  das 
ganze  Tun  imd  Lassen  Ruimanns  unter  dem  Schulze  seines  ,4ieber 
heimlichen  Freundes  im  Oberland".  Ihn  fragt  er  bei  den  wich- 
tigsten Entscheidungen  seines  Lebens  um  Hat.  Und  was  wän 
wichtiger  gewesen  als  die  Wiederherstellung  von  Grünenwörth 
was  bedeutungsvoller  als  der  Pjlegerbrief,  der  für  alle  Zukunf 
dem  Hause  und  seiner  ganzen  Einrichtung  als  Richtschnur  dienet 
sollte?  Darum  verbindet  Nikolaus  von  Löwen  in  der  ersten  Über 
arbeitung  seiner  Chronik  den  Namen  Ruimanns  mit  dem  Naraei 
seines  heimlichen  Freundes  im  Oberland,  der  überall  durch  Ra 
und  Tat  auf  Ruimann  einwirken  mulite  'j.  Daneben  verfolgte  Nikolaui 
von  Löwen  in  den  Memorialbüehern  den  durchaus  praktische) 
Zweck,  seine  Mitbrüder  zum  Streben  nach  höherer  Vollkommenhei 
anzueifern.  Deswegen  behauptet  er:  Ruimann  habe  noch  va 
seinem  Tode  alle  Schriften,  die  er  ihnen  in  den  Meirorialbüchen 
nun  vorlegt,  selber  geschrieben  und  gleichsam  als  letztes  hebe 
Angedenken  den  Brüdern  des  Hauses  hinterlassen,  damit  sie  nacl 
seinem  Beispiel  den  Geist  eines  höheren,  übernatürlichen  Lebeni 
stets  in  sich  wach  erhallen. 

So  hatte  Nikolaus  von  Löwen  auf  Kosten  der  Wahrheit  dii 
Stiftung  und  den  Stifter  von  Grünenwörth  verherrlicht,  ein« 
Fälschung,  die  umso  milder  zu  beurteilen  sein  wird,  als  Nikolau: 
von  Löwen  ja  mit  allen  Fasern  seines  Herzens  an  der  Stiftunj 
Ruimanns  hing,  dem  er  seine  Lebensstellung  wie  den  Lebens- 
unterhalt verdankte. 

Damit  hülle  die  Fiktion  Nikolaus  von  Löwens  sicherlich  ihrei 
Abschluß  gefunden,  wenn  nicht  die  Zeitumstände  ihn  zu  weiterer 
Sirhrilten  genötigt  hätten.  Von  den  neunziger  Jahren  at 
wird  darum  Nikolaus  von  Löwen  zum  Apologeten  des 
Ptlegerbriefs  sowie  seiner  über  Ruimanns  Leben  früher  aufgestellten 
apodiktischen  Thesen.  Abermals  kamen  ihm  hier  die  mystischer 
Traktate  zu  Hilfe,  deren  Gedanken  er  nur  zu  übernehmen  und 
auszuführen  brauchte, 


155 

Unter  diesem  EinfluÜ  erhält  darum  das  Erste  Lateinische  Me- 
morial eine  ganz  andere  Gestalt,  oder  besser,  es  wird  als  veraltete 
Anschauung  über  Rulmann  und  seine  Stiftung  außer  Kurs  gesetzt ; 
jetzt  wird  dem  Großen  Deutschen  Memorial  der  zweite  Teil  bei- 
gefügt; jetzt  entstehen  die  Pfleger memoriale,  von  denen  weder 
Rulmann  noch  dessen  Mitptleger  etwas  wußten;  jetzt  erhält  auch 
der  dritte  Johannitermeister  seit  der  Erneuerung  von  Grünenwörth 
sein  eigenes  Meistermemorial,  wie  es  weder  Konrad  von  Brauns- 
berg noch  dessen  Nachfolger  besaß,  nur  um  jene  Szenen  zu  ver- 
hüten, wie  sie  beim  Regierungsantritt  seines  Vorgängers  sich 
ereigneten:  lauter  Beweise,  daß  Nikolaus  von  Löwen  nichts  anderes 
bezweckte,  als  in  den  neuen  Pflegern  und  den  neuen  Ordens- 
obern die  Tradition  aufrecht  zu  erhalten,  wie  sie  Rulmann  be- 
gründet hatte,  damit  niemand  es  wage  den  Stiftungsbrief  anzutasten, 
auf  dem  Grünenwörth  ganz  aufgebaut  ist  So  hatte  denn  auch 
die  Chronik  des  Johanniterhauses,  wie  sie  in  ihrer  älteren  Gestalt 
im  Ersten  Lateinischen  Memorial  enthalten  war,  die  zweite  Um- 
arbeitung und  Erweiterung  erfahren  müssen.  Aber  wie  unge- 
schickt ist  Nikolaus  von  Löwen  dabei  verfahren !  Schon  oben  ist 
darauf  hingewiesen  worden,  daß  die  Zusätze  im  ersten  und  vierten 
Kapitel  rein  äußerlieh  angefügt  sind,  während  wir  die  dort  ausge- 
sprochenen Gedanken  —  wenn  ursprünglich  —  sicher  zu  Anfang 
des  vierten  Kapitels  hineingearbeitet  erwarten  müßten. 

Von  dem  Standpunkte  der  Apologie  aus  ist  dann  auch  leicht 
erklärlich,  wie  ein  ganz  neues  Kapitel,  das  11.,  beigefügt  wurde, 
ohne  daß  es  in  den  Zusammenhang  von  10  und  12  paßt,  aber 
den  gleichen  Zweck  verrät,  von  dem  auch  der  Pflegereid  (1393) 
spricht    Denn   ausdrücklich   wird  hier  als  Zweck   der   Chronik 
bezeichnet:  das  die  ere  gottea  und  sine  gnadenrichen  wer ck  und  der 
gute  götlirh  anefang  der  erbern  gesellschaft   de  sie   minner   ab» 
gange  und  zerstört  werde  von  unser n  nachkamen  (183*33)  und 
ebenso,  daß  die  Brüder  nicht  ., wankelmütig"  werden.    So  begreift 
man  auch,  daß  das  8.  Kapitel  eine  besondere  Umänderung  erfahren 
mußte,  da  die  ursprünglich  geschilderten  Zwistigkeiten  zwischen 
Rulmann  und  Komtur  nicht  zum  Bilde  des  „Gottesfreundes''  paßten, 
to  den  Anfang  dieses  Kapitels  kam  als  neuer  Bestandteil  die  Be- 
hauptung herein:  der  Pflegerbrief  ist  deswegen  einzuhalten,  weil 
er  gemacht  ist  mit  rote  der  erluchteten  goftei*f runde  und  etteliclxev 


15G 

ffelerter  iiiriateiiHnr/er  in  {in*S3)'-)-  Darnach  würde  man  annehmen, 
Rulmann  habe  diesen  Brief,  bevor  derselbe  seine  Vertragsgütigk^t 
erlangte  (d.  h.  vor  Januar  1371),  oder  wenigstens  vor  der  Be- 
stätigung durch  den  obersten  Meister  der  Johanniter,  an  die  Gottei- 
freunde  geschickt,  ohne  deren  Rat  Rulmann  ja  keinerlei  sache  gerne 
enden  wolle  (177*29).  Nach  Nikolaus  von  Löwen  sendet  aber  Rul- 
mann diesen  Brief  erst  nach  dessen  Bestätigung  durch  Raimund 
Berengar  an  die  Gottesfreunde*),  ein  deulUches  Zeichen,  dali  solche 
Gedanken  der  urspriingliclien  Chronik  fremd  waren  und  jetzt  aus 
apologetischer  Tendenz  eingefügt  wurden.  Dal)  den  Gottesfreunden 
die  artikele  des  briefes  alle  gar  wolgerielent{\Tl*50),  ist  unter  solchen 
Umständen  selbstverständlich.  Jeder  Widerspruch  wäre  ja  rein 
illusorisch  gewesen.  Die  darauf  folgende  Ermahnung  an  die  Pfleger 
(177*35  ff.)  zeigt  deutlich,  data  dieser  Einschub  nur  für  das  Ffleger- 
buch  bestimmt  war,  darum  im  Ersten  Lateinischen  -  oder  Kleinen 
Deutschen  Memorial  noch  nicht  stehen  konnte. 

Die  ursprüngliche,  einfache  Gestalt  der  Chronik  hat  demnach 
eine  zweifache  Umarbeitung  erfahren*),  jedeämal  bedingt  mid  be- 
einflullt  durch  die  Zeitumstände  und  im  Anschluß  an  Gedanken, 
wie  sie  die  anonym-my.stischen  Traktate  enthiellen:  das  erstemal 
unter  dem  Gedanken,  Rulmann  ist  ein  Gottesfreund  und  handelt 
wie  ein  Gottesfreund ;  das  anderemal  unter  dem  Einilusse,  den 
Pflegerbrief  gegen  alle  Anfeindungen  sicher  zu  stellen. 

Dali  in  den  Jahren  1390-1.193  in  der  Geschichte  von  Grünen- 
wörth  ein  Wendepunkt  eingetreten  ist,  die  den  Tendenzen  Niko- 


')  Zu  boHcbUu  ist  auch,  ilall  iin  FQnf-Miiniii>Dbiich  uur  von  eine  ui  JiirisUii 
ilie  Kade  ist  (SOr:)"),  wie  es  KTlJS  rielitiB  »nsegeben  ist.  Ein  paar  Zeilon  dsmuf 
red<:t  jadocli   Xilcoluua   villi  Loneii    GCboii   van   Jiiristnii  (177*33i: 

»I  Doli  mit  dai»  Wort  „Briet"  (17""->.j|  das  «iBemsl  dur  Bbs  ts  tiir»u|s- 
brief  des  Kuiiiiund  HeriiaifU',   das  iiLdureiiinl    der   l'f  Ic  git  rb  rl  o  f   rerEtaiideu   i^t. 

1)  Wir  haben  aas  demnach  die  Chronik  zuiiiUbat  als  separat  Kebundenas  Büchiein 
vorzustollen,  dessen  cinraohor  Te:it  im  Ersten  Liteiniscban-  und  dorn  Ton  ihm  abfc- 
leiteteu  Kleinen  Deutschen  Memorial  seiue  erste  und  in  den  Pfleger  nie  in  urialen  seiue 
zHcitu  Überarbeitung  erfabien  bat.  Vielleicbt  wurde  die  erste  CberaibeitiiDE  aurli 
erst  im  Kleinen  Deut^ehen  MeiiiDrial  vorguuonimen  und  darnach  eiiii|[e  Stellen  im 
Ersten  Latein  Ischen  Meiueriai  ausradiert  und  verbessert.  wAbrend  das  separat  gebun- 
dene HQchleiit  Hie  da>  Er»ite  Lateinischem  Memorial  ursprnii  glich  den  einfachen 
Teit  i'nthitOten.      Auch  die-e   Antiohmo    itiidert    nichts    an  den    "bigen  Ausfilbning«!. 


157 

laus  von  Löwens  eine  ganz  andere  Richtung  gaben,  zeigen  auch 
die  Vorgänge,  welche  sich  anläßlich  der  sogenannten  St.  Jakobs- 
messe abspielten  1). 

Die  Stiftung  dieser  Messe  knüpft  an  den  Namen  Heinrich 
Blankharts  von  Löwen  an,  in  dessen  Diensten  Nikolaus  von 
Löwen  gestanden  hatte.  Zur  Sühne  eines  Mordes  hatte  Blankhart 
eine  Wallfahrt  nach  Santiago  diCompostela  zu  unternehmen  gelobt, 
die  jedoch  wegen  der  Unsicherheit  der  Wege  nicht  ausgeführt 
werden  konnte.  Mit  päpstlichem  Dispens  vom  Gelübde  entbunden, 
wurde  ihm  die  Verrichtung  anderer  guter  Werke  als  Ersatz  auf- 
erlegt An  verschiedenen  Punkten  zeigt  sich  auch  in  der  Folge- 
zeit seine  Mildtätigkeit  zur  Ehre  Gottes  und  zum  Wohle  der  Armen 
und  Kranken^).  So  vermacht  er  unter  anderm  dem  Spitale  zum 
Grünenwörth  eine  jährliche  Gülte  von  4  U  4>^  deren  Nutznießung 
vorerst  Nikolaus  von  Löwen  zeit  seines  Lebens  haben  sollte.  Auf 
seinem  Todbette  hatte  er  ferner  Nikolaus  von  Löwen  zu  seinem 
Testamentsvollstrecker  ernannt  und  ihm  eine  Summe  zur  Stiftung 
einer  Messe  zu  Ehren  des  hl.  Jakobus  übergeben,  die  eine  jähr- 
liche Rente  von  8Ä/^  abwarf.  Allein  nach  seinem  Tode  (11.  Ok- 
tober 1371)  ergaben  sich  in  der  Durchführung  dieser  beiden 
Legate  mannigfache  Schwierigkeiten. 

Einmal  wurde  kurz  nach  dem  Tode  des  Heinrich  Blankhart 
das  Spital  zum  Grünenwörth  niedergerissen  und  die  Kranken  auf 
den  Aussterbeetat  gesetzt  (9*26),  da  fürderhin  keüie  Kranken  mehr  in 
(iriinenwörth  untergebracht  werden  sollten.  Wie  und  wozu  sollten 
öun die  Stiftungsgelder  verwendet  werden?  Wohl  sollte  sie  Nikolaus 
von  Löwen  genießen,  solange  er  lebe,  wer  aber  nach  seinem  Tode? 
Mit  dem  Rate  „bewährter  Lehrer's  und  mit  Zustimmung  der  Frau 
des  Heinrich  Blankhart  von  Löwen  wurden  die  4  9»/^  jährlich 
den  Brüdern  zu  pietancien  übergeben  und  eine  genaue  Ordnung 
dafür  festgesetzt  (9*36  ff.)-  Da  veränderte  sich  die  Sachlage  aber- 
mals, als  im  Jahre  1381  ein  neues  Spital  gebaut  wurde^),  und  so 
*'e  Stiftung  des  Heinrich  Blankhart  aufs  neue  wieder  auflebte, 
^s  ist  nun  begreiflich,  daß  die  Brüder  das  einmal  zu  pietancien 
'stimmte  Geld  nicht  so  leicht  aus  der  Hand  geben  wollten.  Doch 

')  Für  die  fol^nde  Darstellung  vgl.  3*1   12*4 ;  208*10,  10,  28  ff. 
*)  Vgl.  ans  anm. 
*)  Vgl.  10*18  anm. 


I5U 

half  wieder  der  Hai  eines  der  grölilen  Lelirer,  des  Johann  von 
Siihäffolsheim,  der  ron  gnoden  und  von  gesckrlft  ein  richsinniger  leol 
wissender  lei-er  utid  leaemeister  (ll*i)  gewesen  ist.  Sein  Ral  ging 
dahin,  daß  die  4  ^  ^  eime  spitlal  zu  dem  Grünenuierde  eicidicli 
hlihen  soUe  den  armrn  dih'ftigen  zu  diensfe  noch  des  gebers  erste  be- 
girdv  und  iiingester  willt(l\*7).  Die  Begehrlichkeit  der  Brüder  mußte 
also  einem  das  Gewissen  verpflichtenden  Rale  eines  Goltesgelehrten 
zum  Opfer  fallen,  mag  nun  die  Erzählung  Nüolaua  von  Löwens  auf 
Wahrheit  beruhen,  oder  mochte  er  selbst  den  guten  Ral  ge- 
geben haben,  um  die  Stiftung  seinem  ursprünglichen  Zwecke  wieder 
zuzuführen'). 

Auch  bei  der  Durchführung  der  St.  Jakobsmesse  kam  es  zti 
Verwicklungen  mit  den  Johannilerbrüdern,  die  wir  zunäehsl  nach 
der  Darstellung  des  Nikolaus  von  Löwen  verfolgen  wollen.  Die 
gestiftete  Jahresrenle  von  S  ^  ^  reichte  zum  Unterhalt  eines 
eigenen  Kaplans  nicht  aus,  da  die  übliche  niederste  Taxe  12  ff  4 
betrug.  Von  vornherein  weigerten  sich  darum  die  Johanniter  einen 
eigenen  Priester  zur  Persolvierung  dieser  ungen  igeod  dotierten 
Pfründe  einzusetzen.  EsgelangjedochNikolaus  von  Löwen,  die  Frau 
Heinrich  Blankharts,  Luitfiard,  zu  bewegen,  die  fehlende  Summe 
zu  ergänzen,  so  dall  die  Stiftang  am  24.  September  1372  ihre  recht- 
liche Gültigkeit  vor  dem  Richter  des  Straßburger  Hofes  erhalten 
konnte  (5*1).  Zur  Aulrejhterhaltung  dieser  Stiftung  waren  drei 
weltliche  Pfleger  bestimmt:  Kuno  gen.  Gürteler,  Wilhelm  genannt 
Gürteler  und  Friedrich  gen.  Büchsener.  Im  Laufe  der  Jahre  waren 
an  Stelle  des  verstorbenen  Kuno  und  Friedrich  Klaus  Büchsener 
und  Klaus  Schmalriem  getreten,  die  jedoch  am  4.  April  1388  ihr 
Pllegeramt  den  gemeinen  Pflegern  des  Hauses  übergaben^*).  Die 
Gründe  für  diese  Maliregel  sind  wohl  zu  beachten:  Wir  hanl  alle 
drge,  heißt  es,  einheUeklicke  anegesehen  abelehssikeit  und  sumems2t 
itnsevre  nochkutnmen,  also  das  wir  vörhlent,  das  steh  vtUihte 
nach  uns   nif.man   me  bektimbere  oder   underwinde  die 

')  .\urralleui1  Ist,  dail  all«  Si-bwierlglctiten  stvta  mit  rote  der  bfirerletten  Ifrer 
('r33:  11 '10)  aus  dem  Wage  Evr&umt  wecdea.  Das  lüGt  ilatuiir  echlioQea,  dal)  diex 
steruritypo  F»rmcl  nur  fluo  ai]OiiFm-iii.vstischi.'ti  Truktateii  vutl«hiit  ist,  «o  ahnlicIiL' 
Aiitidrüclie  retacbiadsnonial  rnTkn^iimen. 

')  StrallbiirBer  U-B.  VH,   «7»  iir.  SSriS,    eino  U.liuiiilc,   die    oichl   im  Ori^niJ 


159 

wesse  zu  hanthabende  utid  die  pflegere  zu  ursohssende  noch 
des  torgenanlen   Heinrich   Blanghartes  von  Lofen  seligen   hegirde 
und  meinunge  in  aller  heredunge  desselben  besigelten  latine  bHefes, 
darumb  so  hant  tcir  einmüfikliche  gekosen  und  gewelet  die  drye 
erbern  weltlichen  pflegere  des . . .  huses  zu  dem  Grünenwerde.     Die 
AufrechterhaltuDg  der  ursprünglichen  Ordnung  im  Johanniterhause 
war  also  das  Motiv,  das  bei  dieser  Veränderung  mitwirkte  und 
die  Befugnisse  der  Pfleger  von  Grünenwörth  aufs  neue  steigerte. 
Wie  notwendig  es  war  für  die  Aufrechterhaltung  dieser  Messe 
Sorge  zu  tragen,  sollte  sich  einige  Jahre  später  deutlich  zeigen. 
Im  Jahre   1391   nämlich  kam  Nikolaus  von  Löwen  wegen  der 
St  Jakobsmesse  in  neue  Kollision  mit  seinen  Brüdern  (6*1).  Diesmal 
handelte  es  sich  um  die  Frage,  in  welcher  Weise  und  nach  welchen 
Rubriken  die  Stiftung  des  Heinrich  Blankhart  zu  persolvieren  sei. 
Nikolaus  von  Löwen  hatte  soeben  das  lateinische  Memorial  voll- 
endet (5*2)  un(f  war  dabei  auf  die  Bestimmungen  des  Stiftungsbriefes 
aufmerksam  geworden.  Diese  Bestimmungen  schienen  ihm  bisher 
nicht  erfüllt  zu  sein,  und   so  trat  er  mit  dem  Hinweis  auf  den 
früher  beschworenen  Stiftungsbrief  mit  neuen  Anforderungen  vor 
die  Brüder,  die  nicht  ohne  weiteres  auf  diese  Forderungen  ein- 
zugehen bereit  waren.    Denn  das  Stiftungsgeld,  das  nach  kirch- 
lichen Bestimmungen  nicht  angegriffen  werden  durfte,  war  längst 
nicht  mehr  vorhanden,    l^ulmann  Merswin  hatte  es  zum  Bau  des 
großen  und  prächtigen  Klosterganges  verwendet  (9*  15).  Die  Stimmen 
der  Unzufriedenheit  wurden  darum  immer  lauter,  als  ob  die  Brüder 
nüt  der  Persolvierung   der  St.  Jakobsmesse  wohl  die  drückende 
Last  aber  keinen  Nutzen  hätten,   und  so  erhob  sich  die  Frage, 
ob  man  überhaupt,  und  wie  man  eventuell  verpflichtet  sei,  den 
Willen  des  Stifters  zu  erfüllen.    In  dieser  kritischen  Lage  erholt 
sich  Nikolaus  von  Löwen  abermals  den  Rat  eines  geistlichen  gelerten 
pfaffen  kartüser  ordens  (6*4),   der  die  Entscheidung   fällt,  man 
müsse  in  allen  Dingen    den  Anordnungen  des   Testamentsvoll- 
streckers, d.  h.  des  Nikolaus  von  Löwen,  Folge  leisten.    Darum 
verfertigt  Nikolaus  von  Löwen  mit  Hilfe  des  Karlhäusers  durch 
der  brüdere  friden  willen  eine  Tafel,  die  in  der  Sakristei  ange- 
bracht wurde,  und  auf  welcher  die  Regeln  für  die  Abhaltung  ge- 
nannter Stiftung  genau  bestimmt  waren  (6*39).  Ferner  wies  Ni- 
kolaus von  Löwen  die  Brüder  darauf  hin:  niemand  \\ä\X^  ^tvitvdi 


100 

»ch  zu  beklagen,  als  genieüe  er  die  ^tiflang  nicht,  da  der  mi 
8tiflungsgeld  erbaute  Klostergang  sunäeiihfie  der  naturen  eing. 
behtlf  und  ufenthalt  ist  aller  tirüdfre  (9*21),  Aber  gauz 
sehen  von  der  den  Jtihannitern  obliegenden  Rechlspfliclil  s 
die  Brüder  schon  aus  LiebesptÜcht  gegen  die  ständige  Abhf 
der  St.  Jakobsmesse  keinen  Widerstand  leisten,  da  deren  £ 
Heinrich  Blankhart  von  Löwen,  wiihrend  seines  Lebens  Gr 
wörth  stets  nur  Wohltaten  erwiesen  habe. 

So  halte  auch  hier  die  Tatkraft  Nikolaus  von  Löwem 
Sieg  davongetragen.  Es  waren  ledigiiuh  moralische  Alitte 
er  anwandte,  um  den  Brüdern  das  Gewissen  zu  schärfen, 
dritten  Unbeteiligten  iUiit  er  die  Streitfrage  entscheiden, 
nach  der  ganzen  Sachlage  nicht  anders  urteilen  konnte 
der  Testamentsvollstrecker  habe  das  imbeschränkte  Recht, 
die  Durchführung  Bestimmungen  zu  treffen.  Damit  warer 
Anordnungen  Nikolaus  von  Löwens  sanktioniert  und  die  Ji 
niter  im  Gewissen  verpQichlet,  diesen  Anordnungen  nachzukoQ 

Allein  diese  ganze  Darstellung  fordert  die  Kritik  zur  I 
Prüfung  heraus,  ob  sie  überhaupt  auf  Wahrheit  Anspruch  mi 
kann.  An  dem  Wohltätigkeitssimi  Heinrich  Blankharls  ist  fr 
nicht  zu  zweifeln,  da  dieser  durch  die  Stiftimgen  vom  22. 
tember  1371  (8*13  anm.)  aulier  Zweifel  gestellt  ist.  Aber  a 
liegt  die  Frage,  ob  er  auch  in  der  Tat  die  Sl  Jakobsmess 
stiftet  hat.  An  der  Erzählung  Nikolaus  von  Löwens  fällt  zun 
die  Bemerkung  auf,  Heinrich  Blankhart  habe  keine  Zeit  g( 
die  Stiftung  selber  zu  vollführen,  w  >  er  doch  kurz  zuvo 
22.  September  1371  zu  eime  rehten  selgerete  eine  Anzahl 
Stiftungen  macht.  Der  j^anze  Stil  tungs Vorgang  der  St.  Jakobsi 
beruht  demnach  auf  dem,  was  sich  zwischen  Heinrich  Blan 
(gest.  11.  Oktober  1371)  und  dessen  früherem  Sekretär,  Nik 
von  Löwen,  an  dem  Todbette  abspielte,  also  ein  Vorgang,  bei  d 
Annnahme  wir  ganz  auf  die  Glaubwürdigkeit  Nikolaus  von  Li' 
angewiesen  sind.  Ebenso  auffallend  ist,  dalt  die  Brüder  voi 
Stiftungsurkunde  der  Messe  und  der  Art  ihrer  Ausführung  neui 
Jahre  lang  nichts  wußten  und  auch  glaubten,  daß  man  in  Zu 
an  diese  Urkunde  sich  nicht  halten  werde.  Nicht  minder  aul 
ist  das  Benehmen  Rulmann  Merswin?,  der  das  Stiftungsgeld 
Baa  der  Kirche  und  des  langen  Ganges  verwendete,  statt  i 


161 

nutzbarem  Gute  anzulegen.     Das  alles  legt  den  Gedanken  nahe, 
daß  der  Revers  des  Johanniterhauses  vom  24.  September  1 372, 
durch  den  die  Stiftung  ihren  urkundlich  beglaubigten  Ausdruck 
findet,  eine  Fälschung   Nikolaus   von  Löwens  sei.     Inhaltlich 
freilich  bietet  die  Urkunde  zur  Beanstandung  keinen  Anlaß,  aber 
merkwürdig  ist  doch,  daß  an  dem  angeblichen  Original  alle  Siegel 
fehlen,  und  daß  statt  dessen  an  den  Siegeleinschnitten  einer  in 
der  bischöflichen  Kanzlei  ausgefertigten  Urkunde    von  Nikolaus 
von  Löwens  Hand   die  Namen  der  einzelnen  Personen  stehen, 
deren  Siegel  an  der  Urkunde  hängen  sollten.  Eine  zweifache  Mög- 
lichkeit wäre   nun   denkbar:   die  Urkunde   ist  entweder  in   der 
bischöflichen  Kanzlei    nicht    ausgestellt    worden,    sondern    nach 
Schrift  und  Inhalt  ein  Fabrikat  Nikolaus  von  Löwens ;  oder  aber : 
die  Urkunde  ist  zwar  in  der  bischöflichen  Kanzlei  geschrieben, 
aber  wegen  des  Widerstandes  der  Brüder,  von  dem  Nikolaus  von 
Löwen  berichtet,  nicht  ausgefertigt,  d.  h.  nicht  besiegelt  worden. 
Im  innigsten  Zusammenhange  mit  der  Stiftungsurkunde  steht 
die  Urkunde  vom  4.  April  1388  (207*14  ff.)i  in  welcher  der  Wechsel 
der  Meßpfleger  eintritt.    Eine  Prüfung  dieser  Urkunde  auf  ihre 
Echtheit  oder  Unechtheit  ist  zur  Zeit  unmöglich,  da  das  Original 
nicht  bekannt  ist    Möglich  aber  wäre  es,  daß  wir  es  nur  mit 
einer  rückdatierten  Urkunde  zu  tun  haben,  die  gleichzeitig  mit 
dem  Pflegereid  (1393)  entstanden  ist.  Ihr  Inhalt  wenigstens  ent- 
hält dieselben  Gedanken,  wie  5*1-6*3  und  125*29  ff.  Die  ganzen 
Maehenschaflen  Nikolaus  von  Löwens  wären  dann  lediglich  aus 
dem  Bestreben  zu  erklären,  auch  dem  Wohltäter  von  Grünenwörth, 
der  bei  seinen  Lebzeiten  mehr  als  1 300  fl.  dem  Hause  zugewendet 
hattei)  und  mit  dem  Nikolaus  von  Löwen  einstens  so  eng  verbunden 
^ar  wie  mit  Rulmann,  dem  er  auch  denselben  Beistand  an  seinem 
Tode  leistete  wie  später  Rulmann,  ein  Denkmal  der  Pietät  zu 
^tzen,  das  in   der  Stiftung   einer   mit  besonderer  Feierlichkeit 
^angenen  Jahrzeit  seinen  ideal  schönen  Ausdruck  fand.    Dazu 
l^onnte  Nikolaus  von  Löwen  die  Johanniterbrüder  moralisch  umso 
n^ehr  verpflichten,  weil  empfangene  Wohltaten  zur  Dankbarkeit 
verbinden,  imd  er  annehmen  konnte,  daß  auch  dem  Willen  des 
^'erstorbenen   nicht  entgegengehandelt  würde.     Drang   Nikolaus 


')  6*86. 

L  u 


von  Löwen  anfangs  mit  seinem  Vorhaben  nicht  durcli,  so  konnte 
es  ihm  20  Jahre  später  mit  Hilfe  einer  erfundenen  Urkunde  viel 
besser  gelingen,  da  Ja  niemand  die  Richtigkeil  zu  prüfen  imstande 
war.  Die  einzige  Schwierigkeit,  die  man  vorbringen  konnte,  war 
nur  die,  daß  kein  Stillungskapital  vorhanden  war;  allein  Nikolaus 
von  Löwen  verweist  seine  Brüder  darauf,  daß  sie  ja  alle  die 
Wohltaten  des  Stifters  tagtäglich  in  dena  SL-hönen  Bau  der  Kirche 
und  des  Kreuzgauges  genielSen,  für  die  Rulmann,  „der  erleuchtete. 
ühernatiirUch  große  Gottesfreund"  (209*6),  das  Geld  verwendete.  Die 
letzten  Bedenken  entfernte  dann  wiederum  der  Hat  eines  gar  erlern 
geistlichen  gelerten  pfaffen  karti'tser  ordena  (6*4),  der  sie  im  letzten 
Grunde  doch  wieder  an  das  „Gewissen"  Nikolaus  von  Löwens 
verwies.  Historisch  an  den  Ausführungen  Nikolaus  von  Löwens 
wiire  demnach  nur,  dal)  Heinrich  Blankharl  samt  seiner  Frau 
Luilgard  ein  Wohltäler  des  Klosters  war,  der  noch  auf  seinem 
Todbetle,  jedoch  ohne  nähere  Bestimmung,  Nikolaus  von  Löweu 
eine  größere  Geldsumme  übergeben  ließ,  das  Hulmann  Merswiii 
zum  Bau  des  Hauses  verwendete.  Nikolaus  von  Löwen  aber  glaubte 
seiner  Anhänglichkeil  an  seinen  früheren  Lehrmeister,  der  Uim 
noch  kurz  vor  semem  Tode  eine  jährli(;he  Renie  von  4  (?  -^  aa«- 
warf,  keinen  schönern  Ausdruck  verleihen  zu  können,  als  wenn 
er  alle  Brüder  aneiferte  für  die  Seelenruhe  des  Verstorbenen  zu 
beten,  was  am  besten  durch  Abhaltung  einer  feierlichen  Jahrzeil 
geschehen  konnte'). 

Alle  diese  Vorgänge  stehen  in  engstem  Zusammenhange  mil 
der  Anfertigung  der  Memorialbücher,  denn  erst  dadurch  wurden 
die  Brüder  auf  ihre  neuen  Verpflichtungen  aufmerksam.  So  ver- 
bindet sich  mit  dem  Angriff  auf  den  Pllegerbrief  gleichzeitig  der  auf 
die  Bestimmungen  der  Stifter  überhaupt.  Die  ganze  Institution  des 
Hauses  ist  wenige  Jahre  nach  Huhnanns  Tod  gefährdet;  die  Obern 


■l  Von  iem  ^  t.  Jakobsaltar  lipricht  iio<:h  lUa  Urkunde  tou  13SS  üinli 
(11'  snm.  ii),  KobsL  jedoi^h  mit  in  Betrncht  zu  zieti«a  ist,  daG  auch  diese  Vitaai» 
von  Nikolaus  von  LOwen  oigvnhandig  gHSchrieban  ist.  Das  AnDiiersar  beieicluct 
ihn  ainfacb  als  ,altar«  upu^tuloruin"  (10'  aam.  T|.  Diu  Cbruntk  erwähnt  von  di»" 
Stiftune  nichts  (vgl.  1S0*6).  EiH  gawichtigos  ZeuBnis  für  die  fAlschende  D»f 
Btellung  Nikolaus  von  Lowens  ist  der  Umstand,  ilati  dio  St.  Jakobsmeiaa,  ^> 
zeitlich  nacli  der  Stiftung  Kulmaans  kouiuieii  sollta.  in  die  Reihe  der  urkuDdlich  p- 
stiftetea  Fhanäea  nicht  hiiieinpallt  (vgl.  obeu  S.  14  7   Aum.  i). 


163 

3  Brüder  wollen  die  Last  abschütteln,  die  ihnen  durch  ihre 

auferlegt  wurda  Wenn  es  ihnen  nicht  gelang,  so  ist 
lein  Nikolaus  von  Löwen  zuzusehreiben,  der  die  vorhan- 
Urkundenbücher  zu  einer  Apologie  der  Institutionen  des 

umgestaltete,  die,  wie  wir  noch  sehen  werden,  ihren  Höhe- 
im  Briefbuch  und  in  der  Anfertigung  der  beiden  eigenhän- 
iTiten  der  Stifter  erreichte.  Die  Ursachen  der  angeführten 
Tigkeiten  jedoch  gehen  in  ihrem  letzten  Grund  auf  Rul- 
nirück,  der  dem  Hause  eine  unerträgliche  Institution  in  dem 
brief  aufbürdete,  mit  Stiftungsgeldern  nach  freiem  Ermessen 
te,  ebenso  wie  er  das  alte  Spital,  zu  dessen  Gunsten  Hein- 
m  Löwen  em  Legat  vermacht  hatte,  abbrach,  ohne  sich 

zu  künmiem,  wie  die  dafür  gemachten  Stiftungen  ander- 
verwendet  werden  sollen.  Erst  als  Rulmann  von  der  großen 
rulst,  d.  h.  der  Wassersucht  heimgesucht,  dem  Tode  nahe, 
i  war  das  Pflegeramt  zu  versehen,  und  bereits  andere 
''  an  seine  Stelle  getreten  waren,  drängt  der  Johanniter- 
r  abermals  zum  Bau  eines  Spitals,  das  der  neue  Pfleger 
J  von  der  Megede  erbauen  ließ.  Von  einer  Mitwirkung 
iner  Zustimmung  Rulmanns  ist  keine  Rede  mehr.  Von  der 
engen  und  schmerzhaften  Krankheit  erlöste  ihn  der  Tod  am 
li  1382,  das  Haus  zum  Grünenwörth  in  Institutionen  ver- 
ä,  die  den  Keim  der  Auflösung  in  sich  selbst  trugen  und 
lenschenalter  überdauert  hätten,  hätte  nicht  Nikolaus  von 
^  der  unzertrennliche  Freund  Rulmanns  im  Leben  wie  in 

hartem  Todeskampfe,  dem  von  Rulmann  ins  Leben  ge- 
Q  Werke  neben  den  Memorialbüchern  auch  durch  die  Chronik 
anses  eine  moralische  Stütze  gegeben,  welche  den  unwider- 
en  Beweis  für  den  Schlußsatz  liefert:  der  Verfasser  der 
literchronik,  d.  h.  Nikolaus  von  Löwen,  ist  der  Schöpfer  des 
kens :  Rulmann  Merswin  handelt  bei  dem  Kaufe  von  Grünen- 

bei  Übergabe  desselben  an  die  Johanniter  und  vor  allem 
estsetzung  der  Konstitutionen  des  Hauses  im  Pflegerbrief 
n  Rat  des  unbekannten  Freundes  im  Oberland.  Diese  Be- 
mg  kann  unmöglich  auf  irgendwelche  Einwirkung  Rulmanns 
gehen,  da  sie  erst  nach  dem  Tode  Rulmanns  entstanden 
IT  Reife  gebracht  durch  die  Zeitverhältnisse,  welche  die 
Verfassung  des  Hauses  gefährdeten,  und  genälül  notl  (sxw 


Hchauungen,  wie  sie  in  den  damaligen  mystischen  Traktaten,  die 
von  „Gottesfreunden"  sprachen,  niedergelegt  waren. 


3.  Die  sogenaniiteD  Viten  der  beiden  Stifter  des  Johanniter- 
hauäes. 

Schon  oben  wurde  nachgewiesen,  dali  die  im  Grollen  Deutschet» 
Memorial  vereinigten  Traktate  von  Nikolaus  von  Löwen  als  wirk- 
liche Lebensbeschreibungen  ausgegeben  werden,  ohne  daß  sie 
es  in  Wirklichkeit  sind  oder  auch  nur  sein  wollten.  Diese  Cm— 
deulung  hat  ihnen  die  absichtliche  Verfälschung  Nikolaus  von 
Löwens  beigelegt,  die  in  üirer  Entwicklung  von  Stufe  zu  Stufe 
sich  klärt  und  offenbart.  Im  innigsten  Zusammenhang  mit  diesen. 
Traktaten  stehen  nach  Form  und  Inhalt  die  sogenannten  Viten  der 
beiden  Stifter  von  Grünenwörth,  Rulmann  Merswins  und  des  so- 
genannten Gottesfreunds  vom  Oberland,  oder  das  „Büchlein  von  den 
Vier-Jahren  des  anfangenden  Lebens''  und  das  „Fünf-Mannenbuch." 

Alle  Traktate  des  Großen  Deutschen  Memorials  stammea 
nach  Nikolaus  von  Löwen  zwar  von  dem  Goltesfreund  oder  Rul- 
mann Merswin;  kein  Traktat  ist  jedoch  als  Autograph  in  den 
Besitz  der  Johanniter  gekommen,  da  Rulmann  alle  Originale  ver- 
brannte und  deren  Inhalt  auf  Wachstafeln  schrieb.  Die  Vier-Jahre 
und  das  Fiinf-Mannenbuch  dagegen  durften  die  Johanniterbrüder 
nach  Nikolaus  von  Löwen  als  teures  Andenken  selbsthändig  auf- 
bewahren und  als  solche  sind  sie  auch  uns  noch  im  Briefbuch 
erhalten.  Mit  dieser  althergebrachten,  von  Nikolaus  von  Löweo 
heraufbeschworenen  und  verteidigten  Ansicht  hat  Denifle  ener- 
gisch aufgeräumt,  der  die  angeblichen  Viten  der  beiden  Stifter 
als  bewulite  Fälschungen  Rulmann  Merswins  hingestellt  hat.  Allein, 
soviele  Gründe  auch  auf  seiner  Seite  zu  sein  scheinen,  die  Goltes- 
freundfrage  ist  damit  noch  keineswegs  gelöst.  Unberührt  von 
den  Erörterungen  früherer  Forscher,  betrachten  wir  demnach  die 
sogenannten  Viten  in  dem  Zeugnisse  Nikolaus  von  Löwens,  in 
ihrem  Zusammenhang  mit  den  Traktaten  des  Großen  Deutschen 
Memorials  und  in  ihrem  Selbslzeugnis. 

a)  W'o  immer  wir  die  Viten  der  beiden  Stifter,  die  Vier-Jahre 
und  das  Fiinf-Mannenbuch,  antreffen,  erscheinen  sie  stets  bei- 


165 

sammen  und  zwar  immer  zuerst  die  Vier-Jahre,  darauf  das 
Füüf-Mannenbuch.  Beide  bildeten  einen  Bestandteil  des  Ersten 
Lateinischen  Memorials  und  erscheinen  außerdem  im  Kleinen 
Deutsehen  Memorial,  in  den  Pflegerbüehern,  dem  Meisterbuch, 
überall  als  Abschriften  Nikolaus  von  Löwens,  als  Auto- 
graphe  dagegen  im  Brief  buch  und  zwar  hier  zuerst  das  Fünf- 
Mannenbuch,  später  erst  die  Vier-Jahre. 

Will  man  die  Auffassung  Nikolaus  von  Löwens  über  die 
Vier- Jahre  näher  bestimmen,  so  empfiehlt  es  sich  von  den  Be- 
merkungen des  Großen  Deutschen  Memorials  auszugehen,  um  eine 
möglichst  sichere  Grundlage  zu  erhalten.  18*8-12  spricht  Niko- 
laus von  Löwen  von  einem  Buche,  das  unser  lieber  Stifter  Rüle^ 
nan  Merstvin  noch  sime  tode  mit  sin  selbes  geschrift  w%d  under 
^me  eigenen  ingesigele  lies  hinder  ime  geschriben  vinden  von  den 
fTüen  vier  ioren  sines  anevohenden  lebendes,  alse  er  sich  von  der 
u}dt€  zu  gotte  kerte.  Deutlich  ist  hier  klargelegt:  die  Vier-Jahre 
behandeln  nach  ihrem  Inhalte  wirkliche  Erlebnisse  Rulmanns  und 
zwar  die  „vier  ersten  Jahre  seiner  Bekehrung*^;  die  Vier-Jahre 
fanden  die  Brüder  erst  nach  seinem  Tode  und  zwar  versiegelt; 
die  Vier-Jahre  sind  eigenhändig  von  Rulmann  geschrieben. 

Es  sei  hiebei  kein  Wert  darauf  gelegt,  daß   in  dem  oben 
angeführten    Satze    die    gesperrten    Worte    auf   Rasur    stehen, 
da  durch  etwa  anderslautende  Worte  der  Sinn  kaum  geändert 
werden  dürfte.  Eine  Erweiterung  erfahren  die  obigen  Sätze  durch 
die  Stelle   18*32-35.    Hier  wird  der  Grund  angegeben,  warum 
ßulmann  das  Büchlein  von  den  Vier-Jahren  schrieb:  er  war  dazu 
genötigt  vom  Gottesfreund,  der  ihm  als  Gegengabe  für  die.  Vier- 
Jahre  das  Zwei-Mannenbuch  übergab.    Auch  der  Zeitpunkt,  wann 
Rulmann  die  Vier-Jahre  verfaßte,  ist  im  Zusammenhange  mit  den 
Neun  Felsen  19*27  noch  näher  angegeben;  es  ist  das  Jahr  1352. 
An    anderer    Stelle    betont  Nikolaus    von  Löwen    ausdrücklich, 
daß  die  Brüder  von  Grünenwörth  nicht  ahnten,  daß  ihr  Stifter 
ein   solicher  tisgenomener  gnodenricher  erlühteter  gottesfrünt  war, 
alse  es  befunden  wart  noch  sime  tode  in  dem  buche  von  den  vier 
ioren   »Ines   anefanges  (20*9-15).    Dies  ist  kurz  zusammengefaßt 
die  Ansicht  Nikolaus  von  Löwens  über  die  Vier-Jahre  im  Großen 
Deutschen  Memorial. 


■  16ß 


Die  Vier-Jahre  stände  aber  Rudi  im  Ersten  Lateimschen 
Memorial,  das  ja  zeitlich  dem  Grollen  Deutschen  Memorial  vor- 
ansteht. Da  für  diese  Untersuchung  jedoch  zur  Zeit  kein  Original 
mehr  vorhanden  ist,  sondern  nur  die  spiirlichen  Auszüge  Götz- 
manna, so  sind  drei  Möglichkeiten  immer  im  Au^e  zu  behalten: 
entweder  Götzmann  überliefert  uns  tatsächlich  den  getreuen  Wort- 
laut des  Ersten  Lateinischen  Memorials,  oder  er  überliefert  uns 
zwar  den  getreuen  Wortlaut,  der  aber  im  Lateinischen  Memorial 
nicht  der  m^sprüngliche  war,  sondern  über  Rasur  stand;  oder 
endlich  Götzmann  verbindet  mit  dem  Text  des  Lateinischen 
Memorials  seine  eigenen  durch  die  später  entstandenen  Memoriale 
beeinflullten  Anschauungen,  welche  den  ursprungtichen  Text  des 
Lateinischen  Memorials  im  Smne  der  späteren  Memoriale  ergänzen- 
Schon  aus  dieser  theoretischen  Erwägung  wird  man  die  Schwie- 
rigkeit zu  erkennen  vermögen,  hier  zu  voller  Klarheit  durchzu- 
dringen. Zunächst  kommt  die  Stelle  228*9ff.  in  Betracht:  Das 
25.  capitd  handlet  von  einer  vorred  von  dem  iebenslauf  der  ersten 
vier  jähren  Rulman  Merschweins,  unseres  Stifters,  wie  er  seihst 
schriftlich  nach   seinem  tod  hinterlassen   i»ii   anfang   seines  lebens. 

Dieses  buch  irird  einifjeru-fiiihetitlei  dastehen  der  zweien  stifferen 
des  hauses  zum  Grünenwert .  .  .  Mit  dem  letzten  Satze  beginnt 
nach  Götzmann  die  Vorrede,  während  das  Vorhergehende  zum 
Rubrum  gehört.  Rubrum  und  Anfang  der  Vorrede  stimmen  aber 
nicht  zusammen.  Denn  wenn  man  sich  fragt,  welches  Buch  das 
leben  der  zweien  Stifter  des  hauses  zum  Grünenwert  betitelt  wird, 
so  muß  man  darunter  nach  dem  Rubrum  notwendig  die  Vier- 
Jahre  verstehen,  während  der  Anfang  der  Vorrede  auf  das  Zwei- 
Mannenbuch  schließen  läßt.  Ja  dieses  allein  kann  und  muß, 
wie  sich  aus  dem  ganzen  weiteren  Zusammenhang  ergibt,  unter 
„diesem  Buch"  verstanden  werden.  Entweder  hat  nun  Götz- 
mann das  Rubrum  aus  dem  ihm  vorliegenden  Pflegerbuch  ent- 
nommen und  denigemäli  vielleicht  auch  die  Vorrede  in  etwa 
umgemodelt;  oder  aber  Nikolaus  von  Löwen  hat  schon  den  ur- 
sprünglichen Text  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  später  aus- 
radiert und  umgearbeitet,  so  daß  der  jetzt  verstummelt  seheinende 
Text  zum  Vorschein  kommt.  Mag  dem  aber  sein,  wie  ihm  wolle, 
in  der  heutigen  Überlieferung  spricht  das  Erste  Lateinische  Me- 
morial  von  den  Vier-Jahren  inhaltlich  genau  so  wie  das  Große 


167 

Deutsche  Memorial :  sie  enthalten  die  Lebensbeschreibung  Rulmanns 
von  den  vier  ersten  Jahren  seines  bekehrten  Lebens ;  sie  wurden 
nach  seinem  Tode  als  eigenhändige  Schrift  Rulmanns  gefunden 
und  zwar  mit  silberner  pittschaft  an  einem  Riemen.  Eines  aber 
betont  hier  Nikolaus  von  Löwen  gegenüber  dem  Großen  Deutschen 
Memorial  ausdrücklich,  daß  alles  wahr  sei,  was  in  den  Vier- 
Jahren  geschrieben  stehe:  Rulmann  hat  auch  bei  Verlust  seiner 
seel  vor  seinem  tod  bekennt^  das  aUes  wahr  seie,  so  darin  geschriben 
und  beschriben  stehet  (229*26).  Diese  Betonung  der  Wahrheit  des  In- 
haltes finden  wir  in  keinem  einzigen  der  kurz  nach  dem  Ersten  La- 
teinischen Memorial  entstandenen  Memoriale,  obwohl  eine  solche 
Betonung  der  Wahrheit  in  den  Pflegebüchem  den  Pflegern  gegen- 
über viel  mehr  angebracht  war  als  im  Ersten  Lateinischen  Me- 
morial. So  scheint  doch  diese  Stelle  ein  Beweis  dafür  zu  sein, 
daß  man  es  in  der  Überlieferung  Götzmanns  schon  mit  einer  und 
zwar  sehr  späten  Umarbeitung  zu  tun  hat. 

Die  Vier- Jahre  finden  wir  dann  in  den  Pflegebüchem  sowie 
dem  Meisterbuch,  überall  mit  dem  einfachen  Hinweise  Nikolaus 
von  Löwens,  daß  es  das  Buch  sei,  das  man  hindei-  Rülman  Mer^ 
swin  dem  stifßer  geschriben  fandt  von  den  vier  joren  sins  anfohen^ 
den  lebens;  oder  etwas  erweitert:  das  man  kinder  Rülman  Mer- 
swine  dem  stiffter  geschriben  fand  under  sin  selbes  ingesigel 

(191*). 

Im  Gegensatze  zu  dieser  einfachen  Ausdrucksweise  steht  die 
Einleitung,  welche  Nikolaus  von  Löwen  den  Vier- Jahren  im  Brief- 
buch vorausgeschickt  hat  (115*13).  Hier  sind  die  bisherigen  Ge- 
danken in  voller  Breite  ausgeführt;  hier  betont  Nikolaus  von 
Löwen,  daß  es  das  eigenhändige  Schriftstück  Rulmanns  sei,  das 
man  nach  seinem  Tode  fand  in  eime  beslossen  kensterlin  und  sin 
eigen  süberin  ingesigel  ussewendig  an  dem  cooperiorio  hangende. 
Auch  die  Zeit  der  AufBndung  gibt  er  näher  an:  es  war  umbe 
sani  Marien  Magdalenen  dag  anno  1382^  während  das  Übrige  bis 
zur  Ermahnung  mit  den  Gedanken  228*13 ff.;  18*32;  19*25;  38*1; 
195*39  übereinstimmt.  Ganz  neu  jedoch  ist  die  Erweiterung  der 
bisher  ausgeführten  Gedanken  mit  dem  Hinweise,  daß  das  im 
Briefbach  voriiegende  acht  Papierblätter  umfassende  Exemplar  die 
eigenhändige  Schrift  Rulmanns  sei.  Warum  Nikolaus  von 
Löwas  das  Vorhandensein  dieser  eigenhändigen  SdatSSl  ^täV 


im  Briel'bucli,  in  den  friUieren  Memorialeii  dagegen  nirgends 
erwähnt,  ist  nur  dann  zu  begreifen,  wenn  das  im  Briefbucli  ein- 
gefügte Buch  der  Vier-Jalire  auch  erst  in  und  mit  dem  Brief  buch 
entstanden  ist,  d.  h.  wenn  die  Vier-Jahre  weder  die  Lebensbe- 
schreibung noch  die  eigenhändige  Schrift  Rulmanns  sind,  sondern 
Nikolaub  von  Löwen  ihr  Fälscher  ist. 

Lag  nämlich  die  eigenhändige  Lebensbeschreibung  Rulmanns 
bereits  vor,  als  Nikolaus  von  Löwen  das  Erste  Lateinische  .Me- 
morial, das  Große  Deutsche  und  das  Kleine  Deutsche  Memorial 
anfertigte,  dann  ist  es  unbegreiflich,  wie  er  die  eigenhändige 
Lebensbeschreibung  seines  Stifters  nicht  eüiem  dieser  drei  Bücher 
beigebunden  hat.  da  Nikolaus  von  Löwen  ursprünglich  nur  diese 
drei  Bücher  anlegen  wollte  und  erst  durch  die  Zeitumstände 
tnach  1390)  gezwungen  wurde,  die  Pllegebüi/her  und  das  Brief- 
buch zu  verfertigen.  Das  ist  doch  nur  erklärbar,  sei  nochmals 
wiederholt,  wenn  das  sogenannte  Autograph  erst  mit  der  An- 
legung des  Briefbuehs,  d.  h,  zwischen  1390  und  1400  entstanden  isi. 

Zu  dem  gleichen  Ergebnis  gelangt  man,  wenn  man  den  Test 
der  Vier-Jahre  in  den  verschiedenen  Überlieferungen  miteinander 
vergleicht.  Der  Text  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  ist  eben- 
sowenig bekannt,  wie  derjenige  des  Kleinen  Deutschen  Memorials. 
Man  kann  deswegen  nur  den  Text  der  Pflegebücher  mit  dem  de# 
Briefbuehs  vergleichen.  In  den  Pilegebüeliern  beginnen  die  Vier- 
Jahre  übereinstimmend  mit  den  Worten:  In  </oltes  uamen.  amen. 
Alle  lieben  ernten  menschen  söüetit  it-issi?«  {191*15).  Den  gleichen 
Anfang  hat  das  erweiterte  Pfiegermemorial.  Das  Autograph  im 
Brief  buch  dagegen  beginnt  mit  der  Beteuerung:  Allen  d«n  si 
kiint  getan,  die  dis  bücheUn  lesent  oder  herent  lesen,  was  heran  ge- 
schrihben  stot,  dan  es  also  ist  und  liiter  icorheit  ist.  und  das  be- 
hebe ich  bi  der  gi'ingensten  ferlhe.  also  ich  usser  der  zit  gesckeidfU 
bin;  und  zu  eitne  gereluen  geworen  worzeihen,  so  sol  men  finden 
hangende  min  eij/in  ingesigel  an  eime  riemen   an  dieseme  bi'ickeli«. 

In  gottes  nammen.  amen.  Alle  Hebe  crislon  menschen,  ir 
säüeiit  rirwor  wissende  sin  .  .  .  Ferner  hat  das  Briefbuch  keine 
Überschriften,  wie  die  Pflegebücher;  ihr  Urheber  ist  Nikolaus  von 
Löwen.  Dagegen  bringt  ein  Teil  der  Pflegebüt:her  im  16.  Kapitel 
zwei  Parenthesen;  davon  hat  der  Text  Götzmanns  keine,  Schmidt 
die  zweite,  die  Handschrift  1)  u,  i.'  zwei.  Sie  gehören  nicht  zum 


169 

Text  der  Vier-Jahre,  sondern  sind  nachträgliche  Einschaltungen  Ni- 
kolaus von  Löwens  (195*39  u.  197*9).  Sonst  stimmt  der  Text  der 
Abschrift  mit  dem  sogenannten  Original,  abgesehen  von  den  sprach- 
lichen Eigentümlichkeiten,  inhaltlich,  aber  keineswegs  dem  W  o  r  t- 
laut  nach  überein.  Das  Original  hat  zunächst  ein  Plus  in  seinem 
Anfange.  Einen  ähnüchen,  jedoch  viel  kürzeren  und  in  seinem 
Zusammenhange  auch  anders  aufzufassenden  Gedanken  findet  man 
im  Ersten  Lateinischen  Memorial  (229*26).  Hier  aber  nicht  im 
Text  als  Worte  Rulmanns,  sondern  in  der  Vorrede 
als  Worte  Nikolaus  von  Löwens:  er  hat  auch  bei  vertust 
seiner  seel  vor  seinem  tode  bekennt,  das  alles  war  seie,  so  darin 
geschriben  und  be^chriben  stehet.  Darnach  würde  man  schließen, 
Rulmann  habe  den  Brüdern  die  Wahrheit  seiner  Lebensbeschrei- 
bung noch  vor  seinem  Tode  beteuert,  wie  er  ilmen  noch  un- 
mittelbar vor  dem  Tode  die  andern,  dreißig  Jahre  lang  geheim  ge- 
Wtenen Traktate  übergeben  hat.  Nach  dem  Anfang  des  Originals 
dagegen  ist  diese  Deutung  ausgeschlossen;  hier  wurde  ihnen  die 
Beteuerung  der  Wahrheit  erst  mit  der  Auffindung  des  Büchleins 
bekannt,  während  sie  vorher  nicht  ahnten,  daß  Rulmann  ein  so 
großer  Gottesfreund  war.  Daß  beide  Texte  in  Zusammenhang 
miteinander  stehen  müssen,  ist  einleuchtend.  Welcher  von  beiden 
ist  nun  der  ursprüngliche?  Schöpft  Nikolaus  von  Löwen  seine 
Vorrede  aus  dem  sogenannten  Autograph,  oder  das  sogenannte 
Autograph  aus  der  Vorrede  Nikolaus  von  Löwens?  Ist  die  An- 
gabe Nikolaus  von  Löwens  richtig,  daß  die  Vier-Jahre  Autograph 
Rulmanns  sind,  so  muß  Nikolaus  von  Löwen  in  der  Vorrede  des 
Lateinischen  Memorials  aus  ihm  geschöpft  haben;  läßt  sich  aber 
das  Gegenteil  nachweisen,  dann  können  die  Vier-Jahre  auch  nicht 
Autograph  Rulmanns  sein. 

Es  ist  ein  allgemein  anerkannter  psychologischer  Grundsatz : 

wenn  jemand  etwas  durch  Abschrift  überliefert,  was  ihm  teuer 

und  lieb  ist,  so  überUefert   er  es  mit   aller  Sorgfalt,  ganz,  ohne 

jede   Auslassung    und    ohne  jede   Zutat.     Ein   teures   Andenken 

mußte  aber  für  Nikolaus  von  Löwen   wie  für  die  andern  Brüder 

von    Grünenwörth    die    eigenhändige    Lebensbeschreibung    ihres 

Stifters  sein,  umso  mehr  als  dieser  seine  Lebensbeschreibung  bei 

Lebzeiten  so  geheim  gehalten  und  mit  silbernem  Siegel  versehen 

hatte.    Nikolaus  von  Löwen  durfte  also  beim  Abscbteibexi  \\\e\\\a 


weglassen,  was  in  ihr  geschrieben  stand.  Nun  fehlt  aber  in  all 
seinen  Abschriften  der  Anfang:  eine  völlig  unbegreifliche 
Eracheinung,  wenn  diese  Abschriften  nach  Ruimanns  Original  an- 
gefertigt worden  sind,  fider  mit  andern  Worten,  wenn  diese  „eigen- 
händige" Lebensbeschreibung  vor  Anlegung  der  Pflegebücher  schon 
vorhanden  war.  Ist  aber  die  ,, eigenhändige"  Lebensbesehreibung 
erst  mit  Anlegung  des  Briefbuchs  entstanden,  dann  läiU  sich 
leicht  erklären,  wie  Nikolaus  von  Löwen  einen  Zusatz  beifügen 
konnte,  der  zuerst  in  kürzerer  Fassung  in  einer  seiner  Vorreden 
stand,  und  später  in  den  Text  selbst  übernommen  wurde,  um  die 
Wahrheit  des  Inhalts  zu  bekräftigen  und  vor  jedem  Zweifel  sicher 
zu  stellen').  Nikolaus  von  Löwen  gibt  also  etwas  als  eigenhändige 
Schrift  Ruimanns  aus,  was  in  der  Tat  keine  solche  ist;  Nikolaus 
von  Löwen  ist  ein  Fälscher.  Doch  eine  eingehendere  Test- 
vergleichung  zeigt  noch  viel  ergiebigere  Früchte.  Bezeichnet  man 
den  Text  der  Ha.  D  mit  Bi  denjenigen  von  E  mit  p,  das  Auto- 
graph endlich  mit  -j,  so  müüte  —  in  der  Voraussetzung,  daß 
Nikolaus  von  Löwens  Aussagen  über  die  Vier-Jahre  wahr  sind  — 
a  und  ß  entweder  direkt  oder  indirekt  aus  •(  geflossen  sein.  Die 
Vergleichung  vnn  a,  j3  und  -f.  wie  sie  in  den  Kolumnen  191*-198* 
wiederjiegeben  sind,  wird  aber  jeden  von  dem  Gegenteil  über- 
zeugen. Denn  nach  den  Grundsätzen  über  Testvergleichung  ist 
es  nnmSglich,  daß  a  oder  ß  aus  ^  geschöpft  bat.  Das  gegen- 
seitige Verhältnis  der  Texte  stellt  sirh  vielmehr  so,  daß  y  aus  o. 


'l  Süllto  Nikol&us  Yim  Uwen  diuson  .Viifaiig  der  Vier-Jahre  nur  dar  Vorreda 
Tftulurs  xui  Nachfolgung  den  sniien  Lobuns  Jesu  catuoninioii  haben,  die  „n&ch  Cod.  A  89 
der  abemaliEea  Jo  h  ann  i  tu  rbi  b  1  i  otb  ek"  (Suhiuidt,  Taiilur  2l\)  also  baftsn  ; 
In  ihr  eiligen  iciahtU  iinurs  htiren  Jheau  Christi  ttillrnl  ivistrn  alle,  die  ilifr 
büchdin  Ifsent  oder  hürent  Itsen,  wie  dal  diar  nochgetchribea  lere  gatitz  lätfrtf 
einttütlije  wnrheit  M,  »o  iit  »i  dm'h  gar  aorglich  allen  den  zu  leaendg  und  «i 
icisende,  die  ir  selbes  nii(  irUleklichen  zi\  male  rerzigen  .  .  .  Hne  »ielfache  Utt 
HitrÜkhe  t'beru  in  Stimmung  luit  AusdrQiikaa  und  äätzen,  die  bi^  jetzt  Tauler  lafi- 
si!hri«beii  werden,  zeigt  üicli  auch  sou'it  in  den  Ale nioriilbil ehern  und  Traktaten  ite« 
Jahanntt«rhauDes.  Laicht  iinil  bequem  kann  man  sich  darabor  oriontieran,  «ean  mia 
dks  atn  Scblusse  des  11.  Teiles  beiEeicebene  Glussai  mit  K.  Schmidt,  Histariscfaet 
Wort«rbui'h  der  eUäs!isi:hea  Mundart  iSttaUb.  ]DÜ1|  verglaicbt  Srbuiidt  benfltit« 
nach  S.  .\IV  zu  seinem  Glossar  zwei  Abscbriften,  die  er  -nach  Cud.  A  89  und  C^d. 
A  SS  der  ehemaliien  J  i>  han  u  it«  r  bl  b  I  i  n  tb  ek  zu  .Straßburg"  angefertigt  hatt*. 
iTfls  far  Wijjfore  ^jiriichlichB   UnttrsuchungeTi   wohl  /u  beachten  ist. 


171 

direkt  oder  durch  Vermittlung  von  ß  hervorgegangen  ist,  d.  h. 
aber:  bei  Anlegung  des  Pflegermemorials  wußte  Nikolaus  von 
Löwen  noch  nichts  von  einer  Lebensbeschreibung,  die  als  „Auto- 
graph" Rulmanns  in  Grünenwörth  aufbewahrt  worden  wäre. 

Nicht  zu  übersehen  sind  ferner  die  Schlußsätze  der  Vier- 
Jahre.  Ganz  korrekt  ist  der  Schluß  in  a  und  ß,  nicht  aber  der 
in  y;  |denn  der  gegenüber  der  Fassung  von  a  und  ß  charakte- 
ristische Zusatz  in  y-  wnrf  lies  es  gesehrihhen  finden  noch  mime 
*)(/«  beweist  deuüich,  daß  das  sogenannte  Autograph  erst  nach  Rul- 
manns Tod  geschrieben  wurde.  So  hat  Nikolaus  von  Löwen  sich 
selbst  verraten,  indem  er  den  einfachen,  durchaus  richtigen  und  in 
den  übrigen  Traktaten  in  ähnlicher  Weise  wiederkehrenden  Ge- 
danken i)  seiner  Vorlagen  a  und  ß  zu  verdeutUchen  suchte,  um 
jeden  Zweifel  an  der  Wahrheit  seiner  Aussagen  abzuschneiden.^) 

Zu  gleichem  Resultat  führt  die  Betrachtung  des  Fünf- 
Mannenbuchs.  Auch  dieses  fand  sich  im  Ersten  Lateinischen 
Memorial  Kap.  32-38,  ohne  daß  man  jedoch  imstande  wäre,  über 
Robra  oder  Textgestalt  etwas  festzustellen,  da  Götzmann  hier 
ganz  dem  deutschen  Text  des  Pflegerbuchs  folgt.  Die  erste  Nach- 
richt von  dem  Fünf-Mannenbuch  findet  man  zeitlich  im  Großen 
Deutschen  Memorial.  Hier  bestätigt  Nikolaus  von  Löwen,  daß  das 
Fünf-Mannenbuch  einen  Teil  des  Ersten  Lateinischen  Memorials 
Mdete,  und  fügt  hinzu,  daß  es  das  Buch  sei,  das  uns  derselbe 
9^ite8  frunt  in  Öberlant  ouch  schreip  zu  eime  gehesserlichen  exem- 
plar  von   sin  selbes  leben   und  von   aller  sinre  briider  leben,  die 


')  Die  Ausdrücke  noch  dem   tode  finden    oder  hinder   sich  finden  lassen  ge- 
hören zum  aUgemeinen  Sprachgebrauch  der  anonym-mystischen  Traktate ;  vgl.  205*32. 
'iD  4.  Traktat  heißt  es :  Und  were  es  aber,  das  si  sich  nüt  woUent  lassen  begnügen 
[>Blt  einigen  En&hlongen  von  ihrem  Leben  |  so  sprechent,  ir  weUent  uwerme  bihter 
S^futrsam  8in,  und  dem  weUent  ir  uicer  leben  sagen,  das  er  es  abe  schribe,  wenne 
^  dtnne  ersterbent,  das  men  es  denne  doch  hunder   üch  fünde.  GDM.  Bl.  64b. 
hnüt  hin  eröffnen  die  beiden  Klosterfrauen  dem  Konvent  ihre  Verzückung.    Ähnlich 
im  7.  Traktat :  kum  aber  Hiber  drige  tage  herwider,  so  sol  ich  dir  es  alle^  sagen 
ftiid  gesehriben  gehen,  aber  mit  alsolicher  gedinge,   das  du  mir  gelobest^   diewüe 
das  ich  lebe,  dfts  du  deheiner  creaturen  niemer  gesagest,  das  ich  dir  es  geschriben 
gAen  habe.  0DM.  Bl.  82^. 

*)  Die  Alt  und  Weise,  wie  Nikolaus  von  Löwen  bei  der  Erweiterung  seiner  Vor- 
lage Terfohr,  ist  ohne  alles  weitere  durch  die  Gegenüberstellung  dos  DreispaHen-Textea 
klar  und  bedarf  hier  keiner  näheren  AosfOhrung. 


173 

do  obenan  hi  einander  wonent  in  einre  geseüescbaft  (18*24). 
Nach  Nikolaus  von  Löwen  slammt  also  dieses  Buch  vom  Gottes- 
&euDd  und  behamlelt  sein  wie  seiner  Brüder  wirkliches  Leben. 
Ganz  kurz  sind  sodann  die  Überschriften  des  Pflegerbuchs.  Die 
Hauptüberschrifl  lautet  bloß:  die  dritt  mntierie  von  den  fi'oiff 
mannen  in  Oberlant  und  seit  diß  capitel  von  dem  ersten  manne 
(199*1  ff.).  Erst  beim  letzten  Kapitel  erlähren  \rir  von  Nikolaus 
von  Löwen:  dieses  Kapitel  seit  von  dem  fünften  manne  in  ober- 
lant itnd  dm'  was  Rülman  Merswins  des  stiffters  heimlicher  geaelle 
(204*26)').  Im  ganzen  ist  es  alsiT  sehr  wenig,  was  Nikolaus  von 
Löwen  in  den  zuerst  entstandenen  Meraorialbüchern  von  dem 
Fünf-Mannenbuch  zu  sagen  weiß.  In  aller  Ausführlichkeit  dagegen 
spricht  von  ihm  das  Briefbuch.  Hier  gehl  dem  Fünf-Manoenbueh 
zuudchst  ein  Brief  voran,  datiert  um  Pfini;sten  1377,  in  welchem 
vor  allem  Nikolaus  von  Löwen  den  Auftrag  erhielt,  das  Fünt- 
Mannenbuch  in  besserem  Deutseh  abzuschreiben  (69*24  ff.).  Ein  Vor- 
wort (139*12^.)  betont  ausdrücklich,  daß  die  vier  dem  Briefbuch 
angehän^ften  Bogen  die  eigenhändige  Schrift  des  Gottes&eundes  seien. 
die  Ruprecht,  der  angebliche  Diener  des  Gottesfreundes,  Rulniaun 
brachte,  der  es  den  Brüdern  wieder  um  Pfingsten  1377  übergeben 
hat.  Noch  ausführlicher  handelt  das  Nachwort  (71*2ölT-)  vom 
Fünf-Mannenbuch.  Nochmals  betont  Nikolaus  von  Löwen,  daß 
dieses  das  Buch  sei,  welches  der  Gollesfreimd  eigenhändig  ge- 
schrieben habe,  um  daran  die  Mahnung  zu  knüpfen,  dieses  Buch 
recht  sehr  in  Ehren  zu  halten.  Was  den  Inhalt  betrifft,  so  weist 
Nikulaus  von  Löwen  hier  von  selbst  darauf  hin,  daß  das  „eigen- 
händige" Fünf-Mannenbuch  ettewie  vil  heimelicher  rede  und  artickele 
enthaltt',  welche  in  keime  buche  uiergent  anderswo  geschrieben  sint. 
Über  den  Grund,  warum  diese  Artikel  fehlen,  unterrichten  die 
Worte:  wenne  si'i  niemanne  zügekörtnt  deniie  uUeine  »rnvenl  dem 
hnse  und  den  bivderen  hie  ^ü  dem  firiinenwerde  {72*6fi.),  da  der 
Gotlesfreund  dieses  fjanz  besonders  in  einem  Briefe  so  angeordnet 
habe.  Ähnliche  Gedanken  kehren  in  der  Vorrede  des  erweiterten 
Pllegermemorials  wieder  (199*  2.  Spalte), 

'I   Hior  acfaluiiii   wir  nlsu  zum  rrsli^uiiml  uUas   von   dor  Buziehuag  des  Gottes- 


173 

Vergleicht  man  den  Text  des  Briefbuchs  mit  dem  der  Pflege- 
bücher, so  findet  man  die  Angaben  Nikolaus  von  Löwens  bestätigt. 
Das  Äutograph  enthält  im  letzten  Kapitel  einen  Zusatz,  der  in 
Schmidts  Ausgabe  3\'a  Druckseiten  umfaßt  (vgl.  205*39 ff.)  und 
der  Hauptsache  nach  eine  Ermahnung  an  die  Brüder  zum  Ge- 
horsam in  sich  schließt,  sowie  sich  zu  hüten  vor  allen  wibes  nawme 
und  vor  der  werlte.  Angesichts  dessen  erhebt  sich  auch  hier  wieder 
die  wichtige  Frage,  welcher  Text  der  ursprüngliche  ist :  derjenige  der 
Pflegebücher  oder  der  des  sogenannten  Autographs  ?  Ist  ferner  der 
Grand,  den  Nikolaus  von  Löwen  für  die  Auslassung  der  genannten 
Stelle  in  den  übrigen  Memorialbüchem  angibt,  stichhaltig  oder 
nicht?  Die  nähere  Nachprüfung  ergibt  zunächst  auf  die  letzte 
Frage  ein  entschiedenes  Nein.  Denn  die  Fortsetzung  des  Textes 
nach  dieser  Ermahnung  enthält  die  gleichen  Ermahnungen,  zu 
streiten  wider  die  Unreinheit  und  die  Versuchungen  des  bösen 
Feinds,  Ermahnungen,  die  ebenfalls  nur  für  die  Brüder  gelten. 
Man  hat  es  denmach  in  dem  Autograph  nicht  mit  einem  ursprüng- 
lichen Text  zu  tun,  der  in  den  Abschriften  ausgelassen  worden 
wäre,  sondern  mit  einer  Einschaltung,  die  eine  Erweiterung  des 
ursprünglichen  Textes  der  Memorialbücher  darstellt,  um  der  in  den 
Grondzügen  schon  ausgeführten  Ermahnung  kräftigeren  Nach- 
druck zu  geben.  Daraus  ergibt  sich  aber,  daß  das  Fünf-Mannen- 
buch  nicht  ein  Autograph  des  angeblichen  Gottesfreundes  sein 
kann,  sondern  zeitlich  erst  nach  den  Memorialbüchem  in  und 
mit  der  Entstehung  des  Briefbuchs  zustande  gekommen  ist. 

Wäre  ferner  Nikolaus  von  Löwen  das  sogenannte  Auto- 
graph des  Fünf-Mannenbuchs  bei  Anlegung  der  Memorialbücher 
schon  vorgelegen,  dann  hätte  er  keinen  Grund  gehabt: 

1)  den  „eigenhändigen^^  Begleitbrief  im  Brief  buch  wegzulassen 
nnd  sich  mit  der  Abschrift 'zu  begnügen; 

2)  seine  Angaben  über  die  Herkunft  des  Fünf-Mannenbuchs 
ün  Großen  Deutschen  Memorial  wie  den  Pflegebüchern  auf  die  ein- 
fachste Form  herabzudrücken;  denn  nirgends  erwähnt  er  hier, 
daß  das  Fünf-Mannenbuch  noch  eigenhändig  vorhanden  sei,, 
wie  er  es  beim  Meisterbuch,  Zwei-Mannenbuch  und  den  Neun 

Felsai  tot  (19*1); 

3)  die  Ermahnung  (205*39)  an  die  Brüder  wegzulassen,  obwohl 
die  gleichen  Ermahnungen  nicht  nur  in  dem  angeblich  ^^VivarXi^Xi 


Text,  sondern  schon  in  der  Chronik  des  Hauses  und  an  den  verschie- 
densLen  Stellen  der  übrigen  Memorialbücher')  in  extenso  wieder- 
kehren. Alles  dies  läLlt  sich  nur  erklären,  wenn  das  sogenannte 
„Original"  erst  in  und  mit  dem  Briefbuch  entstanden,  also  kein 
„Original"  ist,  d.  h.  wenn  es  den  ursprüDglichen  fälschenden  Ge- 
danken Nikolaus  von  Löwens  erweitern,  vertiefen  und  vor  jedem 
Zweifel  an  der  Kchtheit  sicher  stellen  suUte.  Daß  Nikolaus  von  Löwen 
gerade  hier  diesen  Zusatz  einfügte,  hatte  seinen  ganz  bestimniten 
Zweck,  auf  den  das  sogenannte  Autograph  schon  dadurch  hin- 
weist, dalt  es  die  wichtigen  Worte  (206*5-11)  umrahmt.  Diese 
Einfassung  genannter  Worte  kann  nur  auf  den  zurückgehen,  der 
das  sogenannte  Autograph  geschrieben  hat,  da  die  gleiche  Tinte 
zu  beiden  verwendet  wurde.  Sie  hatte  keinen  Sinn,  wenn  sie 
vom  Gottes  freund  vorgenommen  wurde,  ist  aber  wohl  zu  be- 
greifen, wenn  sie  von  Nikolaus  von  Löwen  stammt,  dem  viel 
daran  lag,  jedermann  zu  überzeugen,  daß  es  eitel  Mühe  sei,  dem 
Guttesireund  und  dessen  Gesellschaft  auf  die  Spur  zu  kommen, 
oder  das  Verhältnis,  wie  es  angeblich  zwischen  Rulmann  und  den 
Gottesfreunden  bestand,  fortzusetzen.  Ebenso  ist  der  Gedanke 
205*39 IT.:  „ihr  werdet  mein  volles  Leben  erst  dann  finden,  wenn 
Rulmann  länger  lebt  als  ich",  wohl  als  nachträgliche  Erläuterung  zu 
den  Worten  205*36-38  zu  verstehen,  unmöglich  aber  ist  eine  Er- 
klärung für  den  Grund  zu  fmden,  der  Nikolaus  von  Löwen  bewogen 
haben  könnte,  gerade  diese  Worte  in  den  Hss.  D  und  £  wegzu- 
lassen. Würde  nun  der  Autographentexl  mit  dein  Texte  der  Pfleger- 
memoriale  auch  an  allen  übrigen  Stellen  wörtlich  übereinstimmen, 
so  würde  die  behandelte  gröliere  Einschaltung  doch  allein  genügen 
für  den  zu  beweisenden  Salz:  Der  Text  der  Pllegermemoriale 
gehl  dem  Text  des  sogenannten  Autographs  zeitlich  voran,  oder 
das  sogenannte  Autograph  schöpft  aus  dem  Pilegermemorial,  nicht 
umgekehrt. 

Die  eingehendere  Vergleichung  der  drei  Kolumnen  (199*11'.) 
w,  ß,  f,  womit  die  drei  Texte  der  Kürze  halber  wieder  bezeichnet 
werden  mögen,  werden  aber,  wie  ich  hoffe,  zur  Evidenz  be- 
weisen, daß  weder  a.  noch  ß  direkt  oder  indirekt  auf  f  zurück- 
gehen können,  wie  sie  es  müßten,  wenn  Nikolaus  von  Löwens 

I)  Vgl.  ,-,8";ia,    184"U,  2;(2'24  uml  Juiidt.   KuIdimi  S.  130,  Uli. 


175 

Angaben  die  Wahrheit  enthielten.  Der  Text  von  y  ist  viehnehr 
nur  eine  Ableitung  und  künstlich  angefertigte  Erweiterung^)  des 
Textes  a  durch  Vermittlung   des  y  näher   stehenden   Textes  ß. 

Weder  die  Vier-Jahre  noch  das  Fünf-Mannenbuch  sind  demnach 
von  den  Personen  geschrieben,  die  Nikolaus  von  Löwen  als  Ver- 
fasser derselben  ausgibt,  beide  sind  vielmehr  eine  Fälschung  von 
Nikolaus  von  Löwen,  der  beidemal  ihm  vorliegende  anonyme  Trak- 
tate —  denn  das  sind  im  Grunde  genommen  die  Vier-Jahre  wie 
das  Fünf-Mannenbuch  —  erweiterte,  umdeutete  und  schließlich 
als  Äutographen  ganz  bestimmter  Personen  ausgab. 

b.  Dieses  Resultat  wird  noch  bekräftigt  durch  den  Vergleich 
der  Viten  mit  den  übrigen  Traktaten. 

Das  Buch  von  den  Vier-Jahren  bringt  Nikolaus  von  Löwen 
zunächst  und  in  erster  Linie  in  Vergleich  mit  dem  Zwei-Mannen- 
buch.  Der  Gottesfreund  im  Oberland,  berichtet  Nikolaus  von 
Löwen,  gab  Rulmann  diesem  Buch  als  seine  eigenhändige  Lebens- 
beschreibung, während  ihm  Rulmann  dafür  seine  Lebensbeschrei- 
bung, die  Vier-Jahre,  gegeben  hat.  Jenes  erzählt  von  den  fünf 
ersten  Jahren  des  Gottesfreundes,  dieses  von  den  vier  ersten 
Jahren  Ruhnanns^).  Schon  dieses  Schema  muß  von  vornherein 
als  etwas  Gekünsteltes  auffallen,  umsomehr,  als  die  Darstellung 
der  Bekehrungsart,  der  Visionen,  der  Versuchungen  fast  genau 
übereinstimmt.  Wir  wissen  schon,  warum  in  diesen  „Lebens- 
beschreibungen'* alles  so  schematisch  verläuft,  weil  das  Zwei- 
Mannenbuch  in  Wirklichkeit  keine  Lebensbeschreibung  sein  will, 
sondern  nur  von  Nikolaus  von  Löwen  so  gedeutet  wurde.  Der 
Schluß  liegt  nahe,  daß  es  sich  geradeso  bei  den  Vier-Jahren  ver- 
halte, daß  auch  diese  von  vornherein  keine  Bekehrungsgeschichte 


')  Dies  tritt  in  dem  mitgetoiltcQ  Text  dor  dritten  Spalte  nicht  so  sehr  zu  Tage, 
da  die  eigentliche  Abweichung  der  Texte  erst  gegen  die  Mitte  jeden  Kapitels  beginnt. 
Sollte  das  bloßer  Zufall  und  nicht  schlaue  Berechnung  sein,  um  äußerlich  die  Nicht- 
flbereinstimmang  zu  rerdeckenV  Besonders  auffallend  ist  das  II.  Kapitel,  dessen  Text 
in  f  bis  zum  Tollendeten  Unsinn  gegenüber  der  einfachen  Vorlage  erweitert  ist.  Daß 
vir  es  djurom  nar  mit  einer  künstlichen  aber  auch  plumpen  Mache  zu  tun  haben,  liegt 
Auf  der  Hand. 

*)  Einen  ähnlichen  Austausch  zweier  sogenannter  Viten  wird  im  Traktat  von 
den  zwei  fQnfeehnj&hrigen  Knaben  erzählt:  so  schribent  och  darzu,  tvie  ir  diae  fünf 
»or  gdAet  hant  und  gmt  mirs  . , .  also  wai-t  dem  gaties  frunde  von  dem  ritUr 
*«  gutkrift  tmd  er  trug  si  mit  ime  heim  und  las  8».  GD^.  B\.  ^0^  =  ^x^.  \^^ 


1T6 

gebea  wollten,  aber  von  Nikolaus  von  Löwen  ffir  seine  ganz  TO- 
stimmten  Zwecke  als  solche  ausgegeben  wurden. 

Ungemein  wichtig  ist  sodann  die  Bemerkung  19*211.,  dall  das 
Zwei-Mannenbuch  Nikolaus  von  Löwen  vorlag  in  g&ler  texste  ge- 
Schrift  zä  tütsche  geschrihen  in  eime  sundern  buchelin,  dfis  Hülmans 
was,  das  er  selber  schriben  tet  noch  dem  ej:emplar,  das  inte  gegeben 
wart  von  sime  heimelichen  gesellen  dem  lieben  gottesfründe  in  Öberhnt. 
Ich  will  hier  nicht  mehr  betonen,  daß  diese  Stelle  erst  geschrieben 
wurde,  nachdem  der  zweite  Teil  dem  Grolien  Deutschen  Memorial 
beigefügt  war.  Aber  diese  Stelle  zeigt  doch  unzweideutig,  daß  naeh 
dem  Tode  Rulmanns  noch  andere  angeblich  „eigenhändige"  Schriften 
Ruimanns  vorhanden  waren,  vor  allem  das  Zwei-Mannenbueh, 
das  jetzt  noch  die  Handschrift  L  germ.  642  der  Straflburger  Uni- 
versitätsbibliothek enlhält.  Sind  also  die  Ausführungen  Nikolaus 
von  Löwens  richtig,  dann  müssen  die  Vier-,fahre  des  Briefbuchs 
sowie  die  genannte  Handschrift  des  Zwei-Mannenbuchs  von  der- 
selben Hand,  nämlich  von  Rulmann  Merswin  geschrieben  sein.  Leider 
ist  durch  paläographischen  Vergleich  hier  nicht  zum  Ziele  zu 
kommen.  Denn  die  Vier-.lahre  sind  in  llüehtiger  Kurrentschrift, 
das  Zwei-Mannenbuch  dagegen  in  gotischer  Schrift  geschrieben; 
beide  können  von  einer  Hand  geschrieben  sein,  müssen  es 
aber  nicht').  Sicher  dagegen  lallt  sich  bestimmen,  daU  dieselbe 
Hand,  welche  die  Bemerkung  auf  der  letzten  Seite  des  Zwei- 
Mannenbuchs  schrieb,  auch  die  früher  erwähnten  Bemerkungen: 
liülmannes  geselle  usw.  über  den  Text  des  Zwei-Mannenbuchs  gesetzt 
hat.  Von  derselben  Hand  stammt  aber  auch  das  Buch  von  den 
Vier-Jahren,  ä)  Daß  dies  die  Schrift  Rulmanns  sei,  sagt  zwar  Niko- 
laus von  Löwen,  aber  diese  Versicherunfi;  ist  erst  noch  zu  prüfen. 

Nach  dem,  was  Nikolaus  von  Löwen  von  der  schriftstellerischen 
Tätigkeit  Rulmanns  berichtet,  ist  es  ausgeschlossen,  dall  dieser 
die  übergeschriebenen  Bemerkungen  in  lls.  H  hinzugefügt  hat, 
denn  Rulmann  Heß  ja  nach  Nikolaus  von  Löwen  absichtlich  die 
Namen  ans  und  verbrannte  die  Originale.  Dieser  Zweck  wäre 
vollständig  vereitelt  worden,  wenn  er  nachtriigUch  wieder  ir» 
seiner  Abschrift  seinen  Namen  hinzugefügt  hiitte,  um  ihn  wieder 


'1   Vgl.  Schrifttarel   > 
')   Vgl.  Sclirrfttafc)  > 


177 

einzelnen  Stellen  auszuradieren,  an  andern  stehMi  zq  lassea. 
«  Bemerkungen  können  demnach  nur  von  einer  andern  zweiten 
d  stanomeo,  von  der  dann  auch  die  Vier<Jahre  wie  die  Be- 
kung  am  Schlüsse  des  Zwei-Mannenbuchs  stammen  müaaeQ. 
.  daß  dies  Nikolaus  von  Löwen  igt,  zeigen  deutlich  all  jeoe 
lipulaüonen,  welche  er  mit  dem  Zwei-Mannenbuch  vorgenommen 
bis  er  zu  jener  Deutung  gelangt  war,  welche  seinen  Zwecken 
besten  entsprach.')  Diese  Manipolationen  wären  völUg  uq- 
tändhch,  wenn  Rulmann  die  Handschrift  H  seihst  geschrieben 
mit  seiner  eigenen  ühei^eschhebenen  Deuttmg  versehen  hätte; 
a  hätte  ja  Nikolaus  von  Löwen  nicht  so  lange  nach  einer 
immten  Deutung  zu  suchen  brauchen,  wenn  diese  ihm  schon 
'h  seine  Vorlage  deutlich  gegeben  gewesen  wäre. 
Vei^eicht  man  endlich  die  Schrift  des  Zwei-Maonenhuchs 
dem  zweiten  Eintrag  am  Schlüsse'),  so  ist  höchst  wahrscbein- 
daß  beide  von  ein-  und  deraelbea  Hand  stammen,  das  Zwei- 
cenbuch  nur  etwa  20-30  Jahre  früher  als  die  Schlußbemerkung, 
aber  die  Schrift  der  Schlußbemerkung  sicher  identisch  ist  mit 
im  Großen  Deutschen  Memorial  schreibende  Hand,  dieses 
'  die  Hand  Nikolaus  von  Lowens  ist,  so  ist  damit  die  Wahr- 
önliehkeit  gegeben,  daß  Nikolaus  von  Löwen  anch  das  Zwei- 
nenbucb  geschrieben  hat  und  zwar  zu  der  Zeit,  als  er  noch 
Schreiber  in  Rulmanns  Diensten  stand^). 
Höchst  auffallend  ist  es  auch,  daJ3  Nikolaus  von  Löwen  die 
^Jahre  so  sehr  in  Ehren  gehalten  wissen  will,  während  er  ander- 
I  das  angeblich  „eigenhändige"  Zwei-Mannenbuch  im  Grunde 
V»ges3enheit  verschwinden  läßt,  da  sich  später  nirgends  wieder 
Erinnerung  an  diese  „eigenhändige"  Schrift  Rulmanns  findet: 
dt  begreifhch,  wenn  weder  das  Zwei-Mannenbuch  noch  die  Vier- 
re  Autograpbe  Rulmanns  sind.  Und  selbst  die  Scblußbemerkung 
angeblichen  Original  des  Zwei-Mannenbuchs  ist,  trotzdem  sie 
Dach  1382  entstanden  ist,  Eehr  kühl  gehalten,  keineswegs  den 
(KD  Lobeshymnen  auf  Rulmann  entsprechend.  Dies  alles  ver- 


')  »aha  oben  S.  84. 

1  V|L  S«llimtBr*l  .Vr.  7  u.  8  mit  9  u.  10. 

1  Warn  uieb  NIkoUns  ron  Ltwan  Bi.  H  (sichrSabea  hat,  lit  duilt  noch  lue« 
tktvitMn,  iaB  «T  »ch  dir  Vartkiier  de«  Tr^itak*  Ul. 


178 

stiirkt  den  Beweis,  dali  die  Vier-.lahre  nicht  von  Bulmann  ge- 
schrieben sind. 

Weilerliin  erklärt  Nikolaus  von  Löwen,  das  Zwei-Matmenbuc!i 
entlialte  die  Lebensbesehreibung  des  Gitlesfreundes.  Aber  aucli 
das  Fünf-Mannenbueh  bringt  das  Leben  des  Gottesfreundes  und 
zwar  im  letzten  Kapitel.  Man  mag  aber  dieses  letzte  Kapitel 
prüfen,  wie  man  will,  von  einer  Lebensbeschreibung  wird  man 
sehr  wenig  fmden.  Nach  langer  Entschuldigung  heiUt  es  endli(;li: 
„ich  lasse  euch  wissen,  alles  was  die  Brüder  geiitten  haben,  das 
habe  auch  ich  gelitten,  ebenso  habe  ich  auch  alle  übernatürlichen 
Freuden  empfunden  wie  sie."  Darauf  erzählt  der  angebliche 
GoUesfreund  noch  eine  Verzückung,  welche  derjenigen  St.  Paui? 
I  ähnlich  war,  um  dann  zu  schlieÜen:  Ach  ril  lielan  mine  frÜHl, 
»cA  furhte  kk  hahbe  es  zu  ril  gemäht  ton  mir  selhar  zu  schribandt' 
Im  Gegensatz  dazu  berichtet  das  Zwei-Mannenbuch  ui  groUer 
Ausführlichkeit  voti  dem  angeblichen  Leben  des  Gottesfreundes 
Wollen  diese  Angaben  Nikolaus  von  Löwens  Anspruch  auf  Glaub- 
würdigkeit erheben,  dann  ist  es  ein  unlösbares  Rätsel,  wie  der 
angebliche  Goltesfreund  den  .lohanniterbrüdern  wohl  das  Fünf- 
mannenbuch  als  „Anlograph"  hinterliilU  mit  dem  ausdrücklichen 
Auftrag  an  Nikolaus  von  Löwen,  dasselbe  in  besseres  Deutsch 
abzuschreiben,  während  das  Zwei-Mannenbuch,  das  ja  nach  Niko- 
laus von  Löwen  das  Leben  des  Gottesfreundes  viel  ausführlicher 
erzählt,  den  gleichen  Brüdern  nur  in  einer  Abschrift  Rulmanus 
mitgeteilt  wird  und  dazu  noch  ohne  jeden  AufschluU  darüber, 
wer  unter  „dem  einen"  und  „dem  andern'-  der  im  Zwei-Mannen- 
buch auftretenden  Personen  gemeint  sei.  So  wird  die  Verbindung, 
in  welche  Nikolaus  von  Löwen  das  Zwei-Mannenbuch  mit  dem 
Leben  Rulmanns  und  des  angebliehen  Gottesfreundes  bringt,  nicM 
nur  für  die  Vier-Jahre,  sondern  auch  für  das  Fünf-Mannenbucb 
verhängnisvoll.  So  wenig  darum  das  Zwei-Mannenbuch  das  Leben 
des  Gottesfreundes  erzählt,  wie  wir  oben  nachgewiesen  habfli. 
so  wenig  erzählt  dasselbe  das  Fünf-Mannenbueh.  Nikolaus  von 
Löwen  hat  ersterem  jene  irreführende,  auf  Täuschung  des  LeseM 
berechnete  Deutung  gegeben,  geradeso  ist  es  beim  Fünf-Manoen- 
buch.  Und  so  wenig  die  Vier-Jahre  das  Autograph  Rulmawiä 
sind,  ebensowenig  ist  das  Fünf-Mannenbueh  die  eigenhändig' 
SchriÜ.  des  Gottesfreundes. 


17» 

Id  nicht  minder  groDe  Verlegenheit  bringt  man  Nikolaus  von 
Löwen  mit  seinen  Angaben,  wenn  man  die  Vier-Jahre  den  Neua 
Felsen  gegenüberstellt  Nikolaus  von  Löwen  setzt  beide  inZusam- 
menhang  mit  einander  19*22;  38*1;  48*2;  49*25;  !16*8;  196*3, 
Stellen,  welche  inhaltlich  scheinbar  das  Gleiche  besagen.  Nikolaus 
Ton  Löwen  betont  hier  überall,  daß  die  Neun  Felsen  Rulmann 
Mefswin  zum  Verfasser  haben,  und  daß  Rulmann  es  ist,  dem 
diese  Vision  zuteil  wurde  usw.  Die  Neun  Felsen  schrieb  Niko- 
laus von  Löwen  in  das  Lateinische  Memorial,  das  später  in  die 
Übriggebliebenen  Lateinbiicher  umgestaltet  wurde,  und  in  das  Große 
Deutsche  Memorial  >).  In  19*22,  zeitlich  der  ersten  Mitteilung, 
spricht  er  davon,  dal3  der  lateinische  Text  von  worte  zu  worle 
gliek  sei,  als  wir  es  auch  in  tülach  hant.  In  der  späteren  Nach- 
richt dagegen  erfährt  man  das  gerade  Gegenteil  Quia  liher  harum 
«xem  mpium  in  verfne  non  ex  toto  cum  vulgari  theutonico 
toneordat,  prout  eadem  verba  a  sui  prtncipio  a  spiritu  sancto 
procegaerunt,  darum  seien  sie  directe  secundum  vulgare  theutonicum 
aofs  neue  in  ein  anderes  lateinisches  Memorial  geschrieben  worden 
—  zwei  Nachrichten,  welche  nicht  miteinander  in  Einklang  zu 
bringen  sind,  wenn  Nikolaus  von  Löwen  das  mit  dem  Ausdrucke 
tulffare  theutonicum  benannte,  von  Rulmann  eigenhändig  geschrie- 
bene Exemplar  bei  Abfassung  des  Großen  Deutschen  Memorials 
Torgelegen  hat.  Denn  das  Autograph  der  Neun  Felsen  mußte 
Nikolaus  von  Löwen  geradeso  in  Ehren  halten  wie  das  der  Vier- 
Jahre,  da  jene  wie  diese  nach  Nikolaus  von  Löwen  von  dem 
übernatürlichen  Leben,  vor  allein  von  den  Visionen  erzählen, 
welche  Rulmann  zuteil  geworden  sind.  Statt  dessen  nimmt  aber 
Nikolaus  von  Löwen  in  das  Erste  Lateinische  Memorial  einen  latei- 
nischen, von  Johann  von  SchäJTolsheJm  völlig  umgearbeiteten  Text 
auf^  und  merkt  die  Nichtübereinstimmung  von  Autograph  und 
lateinischem  Text  erst  lange  Jahre  später,  d.  h.  bei  der  Anlegung  des 
tweiten  Teiles  des  Großen  Deutschen  Memorials.  Eine  solche  schrift- 
stelleriscbe  Tätigkeit  wäre  unmöglich,  wenn  Nikolaus  von  Löwen 


')  V(l.  duu  oben  S.  98'106  und  10t)  Aomeik.  1,  womit  ichon  von  selbst  b«- 
oinM  i*t,  d&B  du  anieblicha  .AutoE'''ph''  dei  VioT'Jfthre  nicht  Ton  Rulmta  st&aiuit. 
^n  Ist  DButliebkeit  vacen  In  einer  so  verwlckelcen  Frage  rolgeD  n&chstabende  Aui- 


ISO 

bei  Anlegung  des  Ersten  LaleiHisi:hen  Memorials  ein  deutsches  ' 
^Autograph"  Rulmanns  vorgelegen  wäre. 

Sodann  tritt  die  weitere  Frage  an  uns  h^-an:  wanio]  sam- 
melt denn  nicht  Nikolaus  von  Löwen  einfach  alle  „eigenhäs- 
digen"  Schriften  Rulmannä  oder  des  tji.iltesfreundes:  die  Neun 
Felsen,  das  Fünf-Mannenbuch  und  Zwei-Mannenbuch  in  einem 
Geheimbuche  von  Grünenwörth,  warum  übersetzt  er  sie  zuerst 
ins  lateinische,  um  erst  viel  später  zu  betonen,  wie  all  diese 
„eigenhändigen"  Schriften  In  Ehren  zu  halten  seien?  Ja  ins  latei- 
nische Memorial  nimmt  Nil^olaus  von  Löwen  sogar,  ohne  es  selbst 
KU  merken,  umgearbeitete  Texte  auf,  welche  mit  den  ur- 
sprunglichen Eingebungen,  wie  sie  Rulmann  vom  hl.  Geiste  em- 
pfmij,  nicht  mehr  übereinstimmten,  an  welche  schon  Menschen- 
hand ihre  zersetzende  Tätigkeit  angesetzt  hat!  Das  ist  nur  be- 
greiflicli,  wenn  diese  Texte  erst  später  von  Nikolaus  von  Löwen 
zu   „eigenhändig   geschriebenen  Erlebnissen"  umgedeutet  wurden. 

Man  beachte  sodann  die  Gründe,  welche  Nikolaus  von 
Löweu  iin  Zusammenhange  mit  den  Vier-Jahren  anführt,  um 
Rulmann  als  Verfasser  der  Neun  Felsen  zu  erhärten.  Er  weist 
darauf  hin,  dali  beide  gliche  hellenl  an  demüttt/en  uorten,  an  iVi- 
brünatiffen  minnen  und  an  übernatürlichen  grossen  wunderlichgH 
wercken  und  gaben  göltet  und  dali  beide  zu  gleicher  Zeit  ge- 
sehrieben und  vollendet  worden  seien,  nämlich  im  Jahre  13Ö2, 
wie  die  Daten  der  beiden  Bücher  beweisen.  Aber  das  sind  im 
Grunde  genommen  doch  sehr  schwache  Beweise.  Nikolaus  von 
Löwen  hätte  eine  viel  bessere,  durchschlagende  Begründung  ge- 
habt, wenn  er  nur  darauf  hingewiesen  hätte,  daü  beide  SchrifleD, 
die  Vier-Jahre  und  die  Neun  Felsen,  wie  jeder  durch  den  Augen- 
schein sich  überzeugen  könne,  von  ein  und  derselben  Hand  ge- 
schrieben seien.  Das  mültte  man  auch  im  Zusammenhange  mit 
1 1&*8  fr.  erwarten,  umso  leichter  als  er  das  „eigenhändige"  Exem- 
plar Rulmanns  so  gut  wie  das  angebliche  Autograph  dw  Vier-Jahre 
dem  Briefbuch  hätte  beifügen  können.  Paläographisch  ist  es  ja 
über  jeden  Zweifel  erhaben,  dali  die  sogenannten  Autographen  der 
Neun  Felsen  wie  der  Vier-Jahre  von  einer  einzigen  Hand  her- 
rühren. Nun  betont  aber  Nikolaus  von  Löwen  nicht  au  ein^ 
einzigen  Stelle,  dali  ihm  zu  seinen  Abschriften  die  Neun  Felsen 
ah  „Autograph"  Rulmanns  vorgelegen  haben.    Dieses  Schweigen 


181 

Über  die  Neun  Felsen  wäre  im  Zusammenhange  mit  den  beredten 
Aosfühningai  über  die  Vier-Jahre  unerklärlich,  wenn  die  Neun 
Felsen  und  damit  auch  die  Vier-Jahre  ursprünglich  als  „eigen- 
händige Lebensbeschreibungen"  Rulmanns  im  Johanniterhause 
ram  Griinenwörth  aufbewahrt  worden  wären.  Im  Gegenteil,  wie 
die  Vier-Jahre  und  das  Fünf-Mannenbuch  als  Autographe  den 
Text  der  Pflegermemoriale  zur  Voraussetzung  haben,  so  hat  auch 
das  Neun  Felsen-Autograph  den  Text  des  Großen  Deutschen  Memo- 
rials zur  Voraussetzung,  wie  wir  oben  schon  nachgewiesen  haben. 
Sollte  Nikolaus  von  Löwen  etwa  nur  verhindert  worden  sein,  auch 
die  Neun  Felsen  wie  die  Vier-Jahre  und  das  Fünf-Mannenbuch 
als  „Autograph"  weiter  auszubeuten? 

Daß  weder  die  Vier-Jahre  noch  das  Fünf-Mannenbuch  wirklich 
Erlebtes  berichten,  zeigt  endlich  ihr  Verhältnis  zu  den  übrigen 
Traktaten.  Schon  Denifle  hat  dieses  Verhältnis  zur  Genüge  dar- 
getan i),  wofür  noch  eine  Menge  anderer  Parallelstellen  beigebracht 
werden  könnten.  Sie  alle  würden  aber  das  Resultat  Denifles  nur 
noch  verstärken,  nicht  aber  verändern.  Deniile  nimmt  Rulmann 
als  Verfasser  beider  Viten  an,  der  hier  nur  kompilatorisch 
tätig  war.  Nach  dem  Vorausgegangenen  müssen  wir  jedoch  Rul- 
mann Merswin  völlig  ausscheiden,  werden  aber  anderseits  auch 
nicht  soweit  gehen  dürfen  und  nun  Nikolaus  von  Löwen  als  Kom- 
pilator,  als  eigentlichen  Verfasser  der  beiden  Viten  bezeich- 
nen. Die  äußere  und  innere  Gestalt  der  beiden  sogenannten  Viten 
zeigt  vielmehr  deutlich,  daß  sie  demselben  Verfasser  angehören 
wie  die  übrigen  Traktate,  während  sich  die  ganze  Tätigkeit  Niko- 
laus von  Löwens  auf  die  gleichen  Manipulationen  beschränkt,  wie 
wir  sie  bei  den  andern  Traktaten  genau  verfolgen  konnten. 

I^itssen  wir  nur  einmal  beim  Fünf-Mannenbuch  alles,  was 
sieber   von  Nikolaus  von  Löwen  stammt:  Vorwort,  Einleitung, 

')  Zrttochrift  für  deutsches  Altertum  XXIV,  ibOe.,  *b4ff.,  495,  507  IT.,  OKI. 
Dah«r  itamnit  auch  du  harte  Urteil  i.  a.  C.  ^^.  495  :  ..es  wird  souiit  klar  sein,  daD 
daa  Ftnf-ManDBDbnch  ein  miserables  Machwerk  ist,  betrachten  wir  es  nun  iin  GruBan 
BBd  QaBian,  oder  in  den  alnielnen  Teilen,  oder  In  Beiug  auf  andere  SebrifteD.  Alls« 
Sndat  lieb  d«ilD  koaMntriart :  ichabloum&BiKa  Arbeit,  WideraprDcha,  Fiktiooen  und 
FbantHlecabUda,  UnmOtliehkaltea,  die  gaoie  Ooseilaohart  hangt  in  der  Luft  Dod  liat 
keinan  Boden  auf  der  Erde,  keine  einiiie  Oeatalt  ist  «reirbar,  keine  besiut  Fleisch 
Dsd  Beia."   Du  DrMl  wird  loCurt  anders  lauten,  wenn  man  bedenkt,  daQ  die  IrskUte 


18S 

Rubrizierung  bei  Seite  und  betrachten  wir  den  einfachen  Text 
des  Fünf-Mannenbuclis  l'iir  sich,  so  haben  wir  einen  völlig  ano- 
nymen Traktat  vnr  uns,  der  denselben  Zweck  wie  die  übrigen 
verfolgt:  das  Gegenspiel  von  Welt-  und  Gottesliebe  darzu- 
stellen. Nikolaus  von  Löwen  allein  deutet  die  hier  im  Bilde  aul- 
tretenden  und  handelnden  Personen  als  historische  Persönlichkeiten 
und  zwar  als  die  Gesellschaft  der  fünf  auch  ihm  unbekannten 
Gotlesfreunde.  Dieses  Schema  des  Fiinf-Mannenbuchs  findet  sich 
schon  im  6.  Traktat,  wo  der  eine  daselbst  auftretende  Gottes- 
freund fiinfe  übernatMiche  erlülitete  geivore  goties  friinde  (JR.  144) 
kennt  und  auch  gar  viel  von  ihrem  Leben  zu  erzählen  weiß,  um 
dann  zu  schheüen:  ach  viel  livber  friini  gotf-es  nü  habe  ick  dir 
OKch  widerumbe  von  den  verborgenen  frvnden  gottes  geaeü,  die  ich 
von  der  gnaden  gottes  bekennende  bin  trnd  sü  ouch  i«  heimdicheit^i 
t«lber  ril  mit  mir  geret  hanf  (GDM.  Bl.  81*  =  JR.  145).  Von  fünf 
üoltesfreunden  rodel  auch  der  8.  Traktat:  viel  lieber  sun,  ich 
getoube  das,  und  fürest  du  zu  fünf  grossen  gottesfrüiiden  und  ittje- 
licheme  ditie  sacke  fiirleitesl  .  .  .  so  geloube  ick,  das  sii  dich  denne 
alle  fünfe  nüt  gelich  wisetent .  . .  (GDM.  Bi.  88/89).  Ein  ähnliches 
Stück  findet  sich  im  14.  Traktat.  Hier  fordert  Meister  Eckhart 
den  Gottesfreund  auf,  ihm  sein  und  seiner  Brüder  Leben  zu  er- 
zählen. Der  Gottesfreund  beginnt:  ir  soüent  wissen  und  solte  ich 
unser  drier  leben  von  iegelicheme  mit  sunderheite  sagen  oder  schriben, 
so  kette  ick  von  iegelicheme  wol  ein  gantzes  •bück  ßl  zu  schri- 
bende,  eine  immer  wiederkehrende  Phrase  (vgl.  VJ.  65,  68,  75 ; 
NvB.  127,  101,  194,  195;  MB.  1],  14;  NF.  9).  Unter  seinen  Brüdern 
befindet  sich  auch  ein  Konrad,  der  ist  also  gar  süsse  senftmutig 
und  ingenuntmen,  das  er  zu  vil  ziten  verzogen  wurt  also,  das  er 
von  dirre  zit  nüt  enwes  (GDM.  Bl.  117");  vgl.  dazu  202*41  ff. 
Der  dritte  Bruder,  Michel,  der  ist  ouch  gar  atzümole  ein  süsser 
mensche  .  .  .  Aber  ton  mime  lebende,  fährt  der  Gottesfreund  weiter, 
do  kan  ick  tich  nüzümole  wol  von  gesagen,  wanne  das  eine,  das 
mich  ettewas  wundert,  das  got  so  grosse  wunder  durch  mich  armen 
sünder  gewürcket  het:  also  genau  so  wie  im  Fünf-Mannenbuch, 
Wenn  dieses  im  letzten  Kapitel  von  der  Verzückung  Pauli  erzählt, 
so  kehren  auch  diese  Gedanken  fast  wörlHch  im  7.  Traktat  wieder: 
das  merke  an  dem  lieben  sancte  Faidus,  do  er  sprttch:  ich  weis 
ei/ien  menschen,  der  wart  verzucket  in  den  dirten  himel,   aber   obe 


183 

das  in  dem  übe  teere  oder  orte  den  lip,  das  weis  ich  nät  (GDM. 
Bl.  86'');  vgl.  MB.  55;  NF.  146;  NvB.  131/2,  194.  Nikolaus  von 
Löwea  brauchte  demoach  das  Fünf-Marmenbuch  nicht  erst  zu 
verrassen,  er  brauchte  nur  den  Ter t igen  Traktat,  der  mit  den 
übrigen  demselben  Verfasserkreis  angehöri,  herüberzunehmen 
und  mit  den  zweckentsprechenden  Rubriken  zu  versehen,  dann 
hatte  er  ein  Lebensbild  der  Gottesfreundgeaellschaft  im  Oberlande. 
Im  Gegensatz  zu  den  übrigen  Traktaten  gibt  er  Jedoch  das  Funf- 
Mannenbueh  als  „eigenhändige"  Schrift  des  Gottesfreundes  aus, 
um  seiner  Ausführung  über  die  Existenz  des  Gottesfreimdes  mehr 
Glauben  zu  geben,  dies  aber  erst  bei  Anlegung  des  Briefbuchs, 
also  in  einer  Zeit,  in  welcher  die  Institutionen  des  Hauses  von 
den  verschiedensten  Seiten,  wie  wir  früher  ausgeführt  haben,  an- 
gefochten wurden. 

Auf  gleiche  Weise  ging  Nikolaus  von  Löwen  bei  den  Vier-Jahren 
zu  Werke.  Auch  diese  sind  nur  ein  Teil  eines  aszetischen  Trak- 
tates, nämlich  die  fingierte  Selbsterzählung  eines  Bekehrungsbildes, 
wie  die  andern  Traktate  derartige  Stücke  in  Menge  aufweisen'). 
Nikolaus  von  Löwen  brauchte  in  diesem  fertigen  Traktat  höchstens 
die  dritte  Person  in  die  erste  zu  verwandeln«)  und  nach  „ich"  den 
Namen  „Rulmann"  zu  setzen;  dann  war  der  anonyme  Traktat, 
den  vorher  niemand  für  eine  wirkliche  Lebensbeschreibung  ge- 
halten hätte,  zu  der  Lebensbesehreibung  Rulmanns  geworden. 
Um  aber  seiner  Deutung  auch  hier  einen  über  allen  Zweifel  er- 
habenen Beweis  beizufügen,  erklärt  er  die  Schrift  der  Vier-Jahre 
im  Briefbuch  als  „eigenhändige  Schrift  Rulmanns",  obwohl  sie 
erst  mit  dem  Briefbuch  entstanden  ist,  also  zu  einer  Zeit,  wo 
den  übrigen  Brüdern  jede  Kontrolle  darüber  unmöglich  war,  ob 
Nikolaus  von  Löwen  dieselbe  in  der  Tat  nach  Rulmanns  Tode 
gefunden  habe  oder  nichts). 

Auf  diese  Weise  erklärt  sich  sehr  leicht,  wie  der  ursprüng- 
liche Gedanke  Nikolaus  von  Löwens,  Rulmann  als  Gottesfreund 

')  Vgl.  Denlfl«,  a.  a.  0.  i&fi  tr. 

'J  Der  WeohMl  tob  direkttr  and  indirektsi  Kade  kouiiiit  aui^b  oft  euiz  uptoi- 
DitUlt  in  deo  tndem  Tt»ktHt«a  lor;  Tgl.  NvB.  193. 

*)  Gefanllbei  den  fiUhsroa  Traktaten  ist  in  beiden  noKehlicbea  ...lutOKrapbea" 
nur  dmi  ftat  eiganartig,  daß  der  Teit  der  «infachen  Vorlags  in  olTeakundig  gekatistaltar 
JlftclM  «rwaltart  wird.  Daa  lullte  In  d«n  Brnd«m  rnn  rarnbenia  den  Eindiuck  das 
.aohAimniHaUMi-'   ArwMkBn. 


auszugeben,  im  Laufe  der  Zeit  immer  mehr  und  immer  deat- 
licher  hervorlritt,  anfangend  mil  den  kurzen  prügnanteü  Worten 
des  Großen  Deutschen  Memorials  bis  zu  den  weitschweifigen 
Auslüliriingen  des  Briefbuchs,  eine  Eri^cheinung,  die  voUständig 
unverstäiidJich  wäre,  wenn  Nikolaus  von  Löwen  von  Anfang 
an  die  angeblich  „eigenhändigen"  Schriften  Rulmaans  und  des 
Gottesfreundea  vorgelegen  hätten.  Zu  der  Zeit,  als  Nikolaus  von 
Löwen  das  Briefbuch  anlegte,  hatte  er  die  übrigen  „eigenhändigen" 
Schriften  Rutmanns,  die  Neun  Felsen  und  das  Zwei-Manaenbuch, 
vergessen,  da  es  ihm  zu  jenem  Zeitpunkte  nur  darauf  ankam  nucli 
zu  retten,  was  zu  retten  war,  wobei  das  Wichtigste  das  schon 
früher  von  Nikolaus  von  Löwen  proklamierte  Dogma  war:  Rul- 
mann  war  ein  Gotlesfreund,  lebte  und  bandelte  wie  ein  üottes- 
freund  und  stand  in  schriftlichem  ununterbrochenem  Verkehr  mil 
einem  ganz  bestimmten,  nur  aller  Welt  unbekannten  Gottesfreund, 
wovon  jetzt  die  eigenhändigen  Schriften  beider,  die  Vier-Jahre  und 
das  Fiinf-Mannenbuch,  jeden  überzeugen  konnten. 

Auf  den  ersten  Blick  könnte  man  demnach  versucht  sein,  die 
Angaben  Nikolaus  von  Löwens  über  Rulmann  auf  eine  wunderbare, 
klug  berechnete  Schlauheit  zunickzuführen.  Die  Sache  liest  jedoch 
viel  einfacher,  als  man  schlechthin  glauben  möchte.  Wie  nämlich 
Nikolaus  von  Löwen  durch  eine  einfache  Umdeutung  der  anonymen 
Traktate  denselben  historisches  Leben  eingehaucht  hatte,  so  ent- 
nirnrnt  er  auch  dem  Gedankenkreis  der  Traktate  alle  seine  An- 
gaben, um  sie  auf  Rulmann  zu  übertragen.  Der  einfache  Gedanke: 
Rulmann  ist  ein  Gottesfreund,  der  wie  alle  wahren  Gottesfreunde 
der  Welt  entsagt  und  dafür  des  himmlischen  Trostes  teilhaftig 
wird,  gestaltet  sich  unter  dem  Einllull  der  Traktate  in  Nikolaus 
von  Löwen  zu  immer  ansprechenderem  Leben.  In  den  Traktaten 
wird  geschildert,  wie  der  Weltmann  nach  seiner  Bekehrung  mil 
den  wahren  Gottesi'reunden  in  stetem  Gedankenaustausch  bleibt 
und  sich  in  allem  nach  ihren  Anordnungen  richtet'):  auch  der 
Held,  den  Nikolaus  von  Löwen  feiern  will,  Rulmann  Merswin, 
tut  dies.  Hier  wird  geschildert,  wie  wahre  Gottesfreunde  sich 
gegenseitig  ihr  eigenes  Leben  erzählen,  darauf  übereinkommen, 
das    Erzählte    niederzuschreiben    und    diese    Viten    gegenseitig 

')  Itelege  dafür  .-iahe  S.  i4"-45",  oben  S.  171  amn.   1   u.  untoii  S.   186,  ISI. 


185 

auszutauschen,  um  stets  zum  gottiunigeD  Leben  ermuntert  zu 
werden,  dieselben  aber  niemandem  zeigen,  auch  jeden  Namen 
auslassen  und  erst  nach  ihrem  Tode  zur  Erbauung  anderer  finden 
lassen:  was  Wunder,  wenn  Nikolaus  von  Löwen  alle  diese  Ge- 
danken aur  Rulmann  Merswin,  den  Stifter  von  Grünenwörth,  dem 
w  wie  seine  Brüder  soviel  verdankte,  überträgt  ?  Wie  man  das 
Leben  der  zwei  Klosterfrauen  er^t  nach  ihrem  Tode  Bind  (GDM. 
Bl.  64''),  so  auch  dasjenige  Rulmanns;  und  wie  man  im  Kloster  bei 
Lebzeiten  nicht  wuüte,  wie  begnadigt  beide  waren  (Bl.  69'*),  so  wußten 
es  auch  die  Johanniterbrüder  von  Rulmann  nicht.  Allein  Nikolaus  von 
Löwen  fällt  bei  den  Vier-Jahren  insofern  aus  der  Rolle,  als  er  Rul- 
mann in  den  anonymen  Traktat  der  Vier-Jahre  seinen  eigenen  Namen 
und  zwar  schon  im  Jahre  1B52  einsetzen  läUt,  obwohl  dies  durch- 
aus den  in  den  Uhrigen  Traktaten  ausgeführten  Gedanken,  die 
überall  die  Anonymität  betonen,  widerspricht.  Er  wollte  eben 
die  Lebensbeschreibung  Rulmanns  durchaus  sicherstellen  and 
jede  andere  Deutung  ausschlielien  und  darum  fügte  er  hier  den 
N'ainen  Rulmann  ein,  wie  er  auch  bei  dem  Zwei- Mannenbuch 
die  Worte  „der  eine"  und  „der  andere-'  durch  Beifügung  der 
Worte  Mulmans  geselle  eindeutig  bestimmt  hat.  Die  Traktate  ent- 
halten ferner  vielfach  den  Gedanken,  dalt  irgend  ein  Bekehrter 
nur  einen  ganz  bestimmten  Teil  seines  l^bens  schreiben  dürfe 
und  später  nicht  zu  weiteren  Offenbarungen  über  sein  inneres 
geistiges  Leben  gezwungen  werden  solle.  Dieser  Gedanke  ent- 
springt dem  Bewußtsein,  dali  niemand  von  sich  und  seinem  Leben, 
am  allerwenigsten  von  den  aulierordentlichen  Gnadengaben  viel 
VDD  sich  reden  machen  solle.  Eine  solche  Versicherung  wird 
nun  aach  Rulmann  zuteil,  der  sich  in  aller  Demut  wehrte,  sein 
Leben  zu  schreiben,  obwohl  mit  dem  Jahre  1352  nach  Nikolaus 
Ton  Löwen  Rulmanns  schriftstellerische  Tätigkeit  nicht  abgeschlossen 
war.  Wenn  femer  Nikolaus  von  Löwen  Rulmann  alle  vom  Gottes- 
freund  erhaltenen  Originale  verbrennen  läßt,  die  Namen  in  der 
Abschrift  dagegen  ausläßt,  so  geschieht  dies  wieder  in  Anlehnung 
an  die  Traktate.  Die  gleichen  Gedanken  kehren  im  Zwei-Mannen- 
buch  genau  so  wieder  (vplLauchertS.  15/16:61/62;  89/90)')-  Auch 

')  Glrar  daa  Verbremiaii  Ton  Uaudsctiiiften,  welche  dio  eiiine  Lelieuabi^BchreibunK 
cnthialtsn    rfl.  ObrissDi    anch    Heinrich   Seuae»  Verbalten   lüiepeubrock  '  ü.  l^i(B|. 


18R 

die  Auflbriierung,  einige  Traktate  abzuschreiben  oder  sie  vor 
Lateinischen  ins  Deutsche  zu  iil>er3etzen,  findet  sich  in  den  Trak 
taten  (29*12).  Wir  dürfen  uns  darum  nicht  wundern,  wenn  Niko 
laus  von  Löwen  diese  Aufforderung  von  sich  verstand  und  sie 
„vom  Gottesfreund"  angetrieben  fühlte,  die  Urkundenbücher  de 
Jolianniterhauses  zu  verfassen.  Und  so  läBt  sich  eine  Überein 
Stimmung  der  Traktate  mit  den  Augabeo  Nikolaus  von  Löwen 
bis  ins  einzelne  nachweisen.  Nikolaus  von  Löwen  arbeitel  nict; 
selbständig,  sondern  entnimmt  alle  seine  Gedanken  den  ihm  voi 
liegenden  Traktaten,  verarbeitet  und  interpoliert  sie,  kommt  abc 
auch  dadurch  vielfach  in  Widerspruch  mit  sich  selbst,  was  e 
dann  durch  nachträgliche  Korrekturen  auszugleichen  sucht,  ohn 
dal!  es  ihm  üljei'al!  gelingt,  die  Spuren  davon  zu  verwischei 
Zum  Ueweise  obiger  Ausführungen  seien  noch  einige  Stelle 
angeführt,  die  zeigen,  daÜ  der  Gedanke:  Ruhnann  schreibt  at 
Anregung  des  Gottesfreundes  sein  Leben,  hält  es  aber  geheii 
und  lälit  es  die  Brüder  erst  nach  seinem  Tode  in  einem  v« 
scliiossenen  Kensterlein  finden,  keineswegs  im  Garten  Nikolau 
von  LÖwens  gewachsen,  sondern  bereits  in  den  von  ihm  benutzte 
Traklaten  in  aller  Ausführlichkeit  vorhanden  sind. 

Meiäterbuch:  „Do  sprach  der  meistor:  Ich  geloube,  das  die  zit  ga 
Dohe  si,  das  mich  got  nsser  der  zit  haben  wil.  und  darnmb  Ueber  auu,  S' 
ist  mir  gar  trösthche,  das  du  hie  hi  mime  ende  sott  sin,  und  bitte  dich,  da 
du  do  nemest  die  bletter  der  bappire,  do  itine  wirst  du  vindeude  geschribei 
alle  die  wort,  die  du  vi!  zites  mit  mir  ^cret  best,  und  ouch  alle  oiine  entwarte 
die  icb  ouch  in  vil  Worten  mit  dir  redende  was  und  darzü  ouch  von  mimt 
lebende,  was  wunders  got  mit  mir  armen  unwirdigen  menschen,  sime  armen 
unwirdigen  knebte,  geton  liet;  und  lieber  sun  duncket  es  dich  giU  sin  und 
git  dir  es  got  zu  tiinde  (261'')  so  mache  ein  biicheliii  drna.  Do  sprach  dei 
man,  Rulmans  geseiie.  Herre  der  meistor  so  habe  ich  uwerre  bredien  fünft 
abegeschriben  und  duncket  es  üch  gut  sin,  so  wil  icb  sü  derzütün  schribei 
und  wil  ein  büchelin  von  uweren  wegen  drus  machen. 

Do  sprach  der  meister:  ach  lieber  sun,  das  bitte  ich  dich  und  mane 
dich  gottes  alse  hohe,  alse  ich  dich  in  göttelicher  minnen  gemanen  mag  odei 
sol,  das  du  von  minen  wegen  nüt  schribest  noch  minon  nammen  nüt  drai 
nennest,  wonne  wissest,  es  ist  min  nüt  und  wil  sin  bi  inime  lebende  mit  wissot 
und  wil  sin  euch  noch  mime  tode  nüt  wissen,  wanne  wissest,  got  der  hat  ei 
durch  mich  armen  wurm  gewürket;  des  ist  es  onch,  es  ist  min  nüt,  es  ist 
gottes.  Und  Laramb  lieber  sun,  wilt  du  es  scbriben  und  duncket  es  diel 
denne  nutzber  sin  unserme  ebenmenschen  zu  helfe,  so  tu  es,  und  ist  mir  liep 
.^bi'r  lieber  sun  schrip  es  also,  das  mit  nüle  minen  nammen  dinno  nenues' 


rebte  alse  oi'te  du  iliiien  nammeii  nenaast.  Du  magst  wol  drin  schriben  „der 
meistcr";  and  darzi'i  soll  du  mit  niitodisuolbebücbolinhie  in  dirr«  stat  lossen 
lesen  anders  meo  würde  es  merckeude,  das  ich  es  were,  da  seit  es  mit  dir 
lieimindia  lant  füren."  GDM.  BL2617'*.  Schmidt,  Bekehr.  TaDlers61/62. 
Sodann  Traktat  Nr.  2:  S.  25*23  ff.;  Nr.  4:8.27*4  ff.;  Nr.  7:8.28*21  ff.; 
Sr,8:  S.  29*7 ;  Nr.  9 : 8. 29*26  ff. 

Traktat  14:  „Meister Bckehart  lieber  vatter,  ir  nissent  wol  alles,  das 
ich  och  geselt  habe,  das  die  wort  alle  in  bihte  verswigen  solle ot  b Üben  also, 
das  es  bi  mime  lebende  nieman  von  mir  befinden  sol.  Do  sprach  meister 
Mebart,  lieber  herre,  ich  bitte  üch,  das  ir  mir  erloubent  diso  ding  abe  zu 
schdbeade,  also  das  men  es  nüt  von  üch  befinden  mag,  wanne  wissent,  ich 
wsis  Personen  den  es  gar  nütze  wurt  sinde . . ."    GDM.  Bl.  1 1 7^ 

Desgleichen  .sprach  Ursula,  als  sie  im  Sterben  lag,  zn  Adelheid:  „Liebes 
biit  Adelheit,  beslüs  die  türo  aho,  das  du  alleine  hie  inne  bi  mir  bist,  und 
sprach  do  2Ü  mir:  nü  nim  den  slüssel  und  gang  über  das  kensterUn, 
1^0 rindest  da  alles  min  leben  inne  geschriben,  do  nieman  von 
«eis  denne  da  nnd  ein  man,  der  noch  me  weis  wenne  da.  and  des  wonange 
ist  in  tatschen  landen,  doch  nüt  gar  verre  hinnan.  des  namme  and  in  weler 
sUter  wonet,  vindest  du  i'ich  geschriben.  und  liebes  kint  Adelheit,  wanne 
ich  erstirbe,  so  lo  nüt,  was  es  kostet,  so  sende  einen  gerittenen  endellichen 
^ten  nach  ime  and  schrip  euch  alles  din  leben,  alse  da  mir  antze  har  ge- 
seit  nnd  geoffenboret  hesL  unser  beides  leben,  alse  da  mir  untze  bar  gescit 
UDd  geoffenboret  best,  unser  beider  leben,  gip  ime  mitteinander  geschriben, 
'inue  er  es  wol  von  welsche  zil  tütsche  bringen  kann,  denne  so  weis  er  "ich 
*<'!,  wenne  er  es  hinabe  in  Niderlant  senden  sol."  Jandt,  Amis  S.  388- 

Diese  wenigen  Beispiele  zeigen  zur  Geniige,  daß  die  Vier- 
Mre  wie  das  Fünf-Mannenbucli  mit  den  übrigen  Traktaten  einen 
einheitlichen  Gedanken  verfolgen  und  darum  auch  wohl  auf  den- 
^selben  Verfasser  zurückzuführen  sind.  Die  Übereinstimmung  in 
andern  Dingen  hat  Denifle  durchgeführt,  auf  die  schon  verwiesen 
wurde.  So  versteht  man  dann  auch,  wie  die  beiden  „Autographen ' 
tos  Brtefbuch  geraten  und  nicht  den  früher  und  prachtvoll  ange- 
fertigteß  Memorialbücbern  beigebunden  wurden.  Denn  es  ist  doch 
Dur  eine  Ausflucht  Nikolaus  von  Löwens,  wenn  er  als  Grund  an- 
führt: loiewol  dis  gegenaertige  buch  Rülemannes  umers  Btifters 
Üben  und  auch  das  rorgonde  buch  ihr  fünf  manne  leben  zu  tütsch 
und  zi  UUine  in  den  drien  Urkunde  büchern  und  in  andern  buchern 
manigvaUeelichc  gesekr'iben  sint,  noch  danne  so  saÜent  die  zwei 
bappirine  büchere,  der  erste  stam  und  Ursprung,  ire  eigene  hant 
und  ir  selbes  geschriß,  uf  di&er  hofestat  zu  dem  Grünenwerde  bliben 
und  gar  erwirdedich  gehalten  werden  glich  einte  keiltüme  in  der- 
ttlhti  «MniMUHnre  Uli   Seh   in   tlix    hri^fhürh^li.«.  (i«Viiin,il.en 


sini  (115*29),  was  man  wohl  begreifen  könnte,  wenn  Nikolaus  von 
Löwen  das  Briefbnch  gleichzeitig  mit  den  übrigen  Urkundenbüchem 
angelegt  oder  wenigstens  anzulegen  beabsichtisl  hätte.  Auch  der 
Hinweis  darauf,  daü  das  ßriefbuch  und  damit  auch  die  Viten 
der  beiden  Stifter  zu  den  Geheimbüchern  des  Johanniterhauses 
gehörten,  welche  an  niemanden  ausgeliehen  werden  sollten,  kann 
nicht  als  stichhaltig  angesehen  werden,  denn  daxu  gehörten  auch 
die  drei  Memorialbücher,  die  gleichfalls  nur  für  die  Brüder  be- 
stimmt waren  und  auswärts  nicht  aui-geliehen  werden  sollten 
(vgl.  14*35;  lö"!-"»)').  Auch  müllte  dann  das  Brief  buch  als  kost- 
barstes Buch  schon  in  seiner  üuDeren  Anlage  eine  feine,  pracht- 
volle Gestalt  aufweisen,  die  der  prachtvollen  Anlage  der  drei 
Memnrialbücher  in  nichts  nachstehen  durfte. 

Erklärlich  ist  dann  ferner,  wie  Nikolaus  von  Löwen  im  ersten 
Teil  des  Grollen  Deutschen  Memorials  zuerst  Bulmann  alle  Ori- 
ginalschriften verbrennen  lälJt,  während  das  Fünf-Mannenbuch  im 
Jahre  1377  als  eigenhändige  Schrift  des  Gottesfreundes  den  Brüdern 
eingehändigt  wurde;  wie  Nikolaus  von  Löwen  Ruimarm  alle  Trak- 
tate auf  Wachs  schreiben  läßt  und  zwar  in  den  letzten  Jahren 
seines  Lebens,  während  die  späteren  Traktate  schon  vor  dieser 
Zeit  und  zwar  in  schöner  eigenhändiger  Schrift  auf  Pergamenl, 
wie  das  Meisterbuch  und  Zwei-Mannenbuch,  den  Brüdern  bekannt 
waren,  während  wieder  andere,  ho  die  Vier-Jahre,  erst  nach  dem 
Tode  Bulmanns  aufgefunden  wurden.  So  begreift  man  auch,  wie 
die  erst  in  und  mit  dem  ttriefbuch  entstandenen  beiden  ,^uto- 
graphen"  gegenüber  den  früher  entstandenen  „Abschriften"  Text- 
zusätze aufweisen,  und  wie  gerade  diese  Stellen  die  Wahrheit 
der  von  Nikolaus  von  Löwen  aufgestellten  Thesen  bekräftigen'). 

Von  diesem  Standpunkt  aus  fällt  auch  auf  die  Anlegung 
der  Chronik  neues  Licht,  Wie  diese  zeigt,  war  es  keineswegs 
die  Absicht  Nikolaus  von  Löwens  ein  Leben  Rulmanns  zu  schreiben. 

■)  Zum  AusIeihuLL  waron  tiur  die  zwei  .Übriggebliebenen  Latsinbacber"  bostimmt 
(60'29). 

'I  Sebr  viol  spiicht  dafQr,  ilall  SikoUus  von  LOwen  zunAcbst  nur  bosbsithtigt 
liattc,  dni  FDiif-Maiiiienbuch  ab  ..Vutograph"  auszugsben.  Darum  wurde  dieses  auch 
in  den  ersten  Teil  des  firierbnchs  aurgenummen,  führend  diu  Vier-Jabre  aret  urischeD 
don  spAter  ents  tan  deueii  dritten  und  riarten   Teil   der  Briefe  lu  »tsbea 


Er  begoügt  sich  mit  ganz  wenigen  und  kurzen  NoLizenM.    Kurz 
nach  Bulmanns  Tode  konnte  eben  Nikolaus  von  Löwen  noch  kein 
ideales  Lebensbild  des  Verstorbenen  sehreiben;  noch  kannte  alle 
Welt  dessen  Lehen  zu  gut  und  es  mag  ihr  nicht  anders  er- 
gangen sein   als   den  Brüdern:  solange  Bulmann   am  Leben  war, 
^aüle  Biemand,  dal!  er  ein  so  grotJer  tiottesl'reund  war.    Ganz 
«ndere  war  die  Sachlage,  als  Nikolaus  von  Löwen  10-20  Jahre 
nach  dem  Tode  Rulmanns  mit  einer  Lebensbeschreibung  auftrat 
Und  dazu  mit  einer,  die  meistens  in  inneren  Vorgängen  sich  ab- 
spielt.   Letztere  konnten  doch  von  niemandem  kontrolliert  werden 
Vind  dadurch,  daß  Nikolaus  von  Löwen  dieselbe  noch  auf  so  selt- 
aame  Weise  aufgefunden  sein  laut,  war  wieder  niemand  imstande, 
seine  Angaben  einer  Prüfung  unterziehen  zu  können. 

Ähnlich  verhält  es  sich  mit  dem  Leben  des  „Gottes&eundes" 
Und  seiner  Gesellschaft  Die  Chronik  sowie  die  Memorialbücher 
melden  von  dem  Gottesfreunde,  seinem  Aufenthaltsorte  und  seinen 
Crüdem  keine  Einzelziige,  erst  bei  Anlegung  des  Briefbuchs  sieht 
sich  Nikolaus  von  Löwen  genötigt,  dieser  Gesellschaft  Leben  und 
(iestalt  zu  geben,  wie  wir  später  noch  genauer  sehen  werden. 
c)  Zu  demselben  Ergebnis  gelangt  man,  wenn  man  die  Vier- 
Jahre  und  das  Fünf- Mannen  buch  rein  äulierlich  betrachtet'}. 
Beide  Viten  sind  auf  ganz  gleiches  Papier  geschrieben.  Die 
Struktur  ist  dieselbe  nur  mit  dem  Unterschiede,  dali  das  Fünf- 
Mannenbuch  Längsstruktur,  die  Vier- Jahre  Querstruktur  aufweisen. 
Das  erklärt  sich  dadurch,  daü  dasselbe  Papier  zum  Funf-Mannen- 
buch  in  Quart-  (30/20  '|,  cm),  zu  den  Vier-Jahren  in  Oktavformat 
(20*|i/15  cm)  verwendet  wurde.  Wären  die  Angaben  Nikolaus 
Ton  Löwens  richtig,  dann  wäre  eme  solche  auffallende  Überein- 
stimmung in  Benützung  des  Papiers  unmöglich,  es  mußte  nur 
sein,  daß  der  reiche  Kaufmann  Merswin  nicht  nur  die  fertigen 
Schriften  vom  unbekannten  und  „armen"  Gottesfreund  erhalten  hat, 
sondern  auch  das  Papier  von  ihm  bezog.  Das  zu  den  Viten  ver- 
wendete Papier  weist  keine  erkennbaren  Wasserzeichen  auf,  welche 

■)  Zieht  maD  Id  Kipital  lä  (IBT*)  alles  ab,  wai  lichei  den  Vier-Jafaren  eat- 
Islint  ist,  10  bleiben  als  hiatorisoh  bei;laulil(ta  ChantlEtanDKe  Kulinanna  sehr  neDige  Obrii. 

*)  Auf  Innven  GrDadeD  htl  scbon  Deaifle  nachgewiaaen,  daS  beide  auf  elaen 
Verfoaaer  iDiflBktehan  mOsaen,  nie  »ben  betuut  wurde.   Er  irrt«  nur,  »enn  er  darunter 


ein  gutes  Hilüsmittet  gewesen  wären,  die  Gleichhüt  des  Pakten 
noch  schärfer  nachzuweisNi.  Dagegm  ist  das  xu  dem  Briefbuch 
sonst  verwendete  Papier  versdiieden  von  dem  der  sogenannten 
eigenhändigen  Viten.  Dieses  ist  stärker  imd  besser  als  jenes. 
In  beiden  Vitea  sind  die  Seiten  unten  mit  römischm  Zahlra 
gezählt,  welche  mit  derselben  Tinte  geschrieben  wordai,  wie 
die  dazu  gehörigea  Viten.  Diese  Zahlen  stimmen  in  ihrem  Sdirifl- 
charakler  unter  sich  sowohl  wie  mit  den  in  dem  Text  Terwandten 
Zahlen  (vgl.  191*21 ;  198*3?)  iiberein,  so  daU  sie  und  damit  auch 
die  Viten  selbst  nur  von  einer  Hand  geschrieben  sein  köuiea 
In  beiden  Viten  stehen  sodann  die  genannten  Zahlen  an  derselben 
Stelle:  die  ungeraden  am  inneren,  die  geraden  dagegen  am  äußeren 
Rande.  Bei  den  Vier-Jahren  wie  beim  Fiinf-Hannoibuch  nnd 
die  Seiten  von  oben  bis  unten  besdirieben,  so  daß  kein  freier 
Raum  übrig  bleibt  In  beid^i  ist  die  Kapiteleinteilung  die  gleiche: 
der  Schreiber  beginnt  mit  einer  neuen  Zeile  ohne  jede  Über- 
schrift; was  von  der  vorhergehenden  Zeile  unbeschrieben  ist, 
wird    mit   einem  Scimörkel  ausaefüUl,    in  der    aleichen   Weise 


BuchsiabeQ  des  Alphabets  beider  Viten  photographierea  und 
nebenemanderatellea  lieD>).  Er  hat  nur  den  richtigen  Schluß 
nicht  daraus  gezogen.  Denn  die  Gegenübers  lellung  beider  Alpha- 
bete zeigt  zur  Genüge  die  Übereinstimmung  in  den  Buchstaben. 
Die  ganze  Kunst  des  Schreibers  bestand  darin,  das  er  das  Fünl- 
Mammenbuch  im  Gegensatze  zu  der  einfachen  Schrift  der  Vier- 
Jahre  mit  den  Terschiedensten  Schnörkeln  versah.  So  vor  allem 
die  OTj  n,  8  und  t. 

Auf  die  Sprache  der  beiden  Viten  brauche  ich  nicht  ein- 
zugehen,   da  die  in  beiden  auftretenden  Verschiedenheiten  auf 
die  bewußte  Fälschung  des    Schreibers  zurückzuführen,    im 
Grunde  genommen  aber  rein   äußerlich   sind,  wie  das  ständig 
wiederkehrende  a  der  Endungen,  die  Verdopplung  der  Kooso- 
Qaaten  oder  der  Vokale  usw").    Auch  hier  kann  der  Schreiber 
seine  Fälschung  nicht  verbergen,  wie  die  Korrekturen  des  Fünf- 
JUannenbuchs  ganz  deutlich  zeigea   Ich  führe  nur  an  geatost  korri- 
giert in:  geatosan  (Bl.  11");  gegenmertigen  ziten  korrigiert  in:  gegen- 
wertigen  sorclichen  xüani^VW^).  Der  Korrekturen  im  Fünf-Mannen- 
buch  sind  nur  wenige,  obwohl  man  deren  eine  größere  Anzahl  er- 
'Warten  dürfte,  da  Nikolaus  von  Löwen  ausdrücklich  im  Begleit- 
brief betont,  daß  das  Füni-Mannenbuch  in  kurzer  Zeit  und  sehr 
rasch  vom  Gottesfreund  geschrieben  werden  mulite  (70*10).  Nikolaus 
■von  Löwen  will  mit  dieser  Bemerkung  vor  allem  die  sonderbare 
Schrift  des  Fünf-Mannenbuchs  erklären  und  sich  selbst  rechtfer- 

')  Du  gUicho  Eiporlmsat  kOnaU  uiaii  auch  But  das  Briatbuch  ■anendsn  und 
«irmlne  Buchstaben  dasMlben  dan  sogutianoMa  AuCngraphea  gegsnnberstellea.  Als 
HeiiJUt  «llrde  sich  auch  hier  Tdlliira  ÜboreiDBUmmaiiE  der  Buchstaben  er^ben,  wia 
ich  mir  an  Terschisdenen  Stallen  des  Briefbuchs  angenierkt  habe. 

*)  Wer  d&min  vetsuchea  wollte,  grammatikalische  Kegeln  ■ufzugtalleu,  wDrde 
lehr  in  die  Irre  getohrt  werden.  Rein  äuBerlich  ibt  docli  nur  der  regalluse  Wechsel 
iü  der  Anwendung  von  gleichwertigeu  Konsonanten;  füri  vir;  gedochthe:  gedockte; 
Icnmff :  kroftic :  eranc  ;  Irranekeü :  krangkeil :  krankeil :  eiancheit ;  ron:  fon.  WUl- 
kOrlich«  Xndsning  der  Vokale  e  in  a;  et  statt  e;  A  in  i*  usw.  e,  ü,  S  usw.  Ver^ 
doppluag  der  Konaonanten,  ParÜilpialumachraibDugen  statt  des  einrachen  Verbs,  Ana- 
kolntba,  ZaidcktaUen  rom  enftUsnden  in  den  Qesprachstoa  (ifl.  Schmidt,  NtB.  108 
Zril«  !8 ;  IST  Zeile  19).  Wie  er  seine  Vortage  erweiterte,  loigt  doutlich  eine  Korrektur 
auf  81.  3b  de»  FOnC-Uanneubuchs :  nii  stant  uf  in  allei-  MfrX  namme  uni  irkiUe 
dieh  A»  d*r  bäten  de»  kotiert  »a*ger»,  rranne  falle  die  leiüe  das]  du  aUo  diiat, 
10  idrat  du  mm  man  ni*mtr.     Das    In  |  ]  Oosetite   ist   in   der  Handschritt   abe.- 


litten,  dall  er  dieses  Buch  in  die  Memorialbücher  in  Abschrift 
aufDahm. 

Aulfailend  ist  sodann,  daU  beide  Viten  je  ein  Büchlein  von 
16  Seiten  umfassen  und  dali  beide  keinerlei  Spuren  aufweisen, 
datl  sie  vor  dem  EinbefLen  in  das  Brief  buch  selbst  scboo  geheftet 
waren.  Das  alles  beweist  zur  Ijenüge,  dalä  beide  Viten  nicht  von 
zwei  verschiedenen  Personen,  die  eine  vom  Gottesfreund,  die  andere 
von  Hulinann  geaehrieben  sein  können,  sondern  daß  beide  von 
ein  und  derselben  Hand  stammen,  welche  sie  gleichzeitig  mit 
Anlegung  des  Briefbuchs  anfertigte.  Das  aber  ist  Nikolaus  von 
Löwen. 

Auf  dieselbe  Si^hrift  führt  uns  noch  das  sogenannte  Neun 
Felsen-Autograph'),  sowie  der  erste  Eintrag  in  der  11s.  H  des  Zwei- 
Mannenbuohs*).  Wollte  man  die  St-hriftzüge  Nikolaus  von  Löwen 
absprechen,  weil  sie  dem  äulleren  oberflächlichen  Anschein 
nach  von  der  Schrift  des  Briefbuchs  und  der  eigenhändigen  Lebens- 
beschreibung Nikolaus  von  LÖwens  verschieden  sind,  dann  müllte 
man  doch  auch  berücksichtigen,  dall  Nikolaus  von  Löwen  ein 
Schreiber  von  Beruf  war  und  darum  in  mehreren  Schrifl- 
arten  schreiben  konnte.  Ebenso  ist  wohl  zu  erwägen,  wann 
Nikolaus  von  Löwen  irgend  eine  Schrift  schrieb.  Jedermanns 
Schrift  ändert  sich  ja  im  Laufe  der  Zeiten  und  die  Schrift  der 
Jugend  ist  nicht  die  des  Alters. 

Die  ganze  äuliere  Gestalt  der  Vier-Jahre  (wie  des  Fünf- 
Mannenbuehs)  entspricht  also  nicht  den  Erwartungen,  wie  wir 
es  an  eine  eigenhändige  Lebensbeschreibung  zu  stellen  gewohnt 
sind,  und  dazu  noch  an  eine  solche,  die  mit  so  vieler  Sorgfalt 
geheim  gehalten  und  sogar  mit  silbernem  (!)  Siegel  verschlossen 
war.  Die  Ausstattung  ist  ganz  gewöhnlich,  die  Schrift  flüchtig, 
die  Seite  von  oben  bis  imten  beschrieben,  ohne  auch  nur  den 
geringsten  Rand  frei  zu  lassen  —  ein  Zeichen,  das  die  Unglaub- 
würdigkeit  der  Angaben  Nikolaus  von  Löwens  noch  deutlicher 
darzutun  imstande  ist. 

Alles  zusammen  aber  ist  ein  unwiderlegbarer  Beweis  da- 
für, daß  Nikolaus  von  Löwen  der  Schöpfer  des  Gedankens  ist: 

'I  Dan  sugcimmite  Naunrelfien-Autogrnph  ist  auf  »ndaroi  Pnpier  Koschrieben  »ll 
ilio  livldan  sugeriaiintoii  AiitOKTAphun  der  Vjtjtii.     llio  Schrift  sli«r  Ut  dio  [Itictac 
'i  \'g\.  Schrifttafel  4  u.  b. 


193 

Rulmann  Merswin  ist  ein  Gottesfreund,  schreibt  wie  Gottesfreunde 
seine  eigenhändige  Lebensbeschreibung,  läßt  sie  aber  aus  großer 
Demut  erst  nach  seinem  Tode  zur  Erbauung  anderer  finden. 


l 


4.  Die  Briefe. 

Wenn  der  Gottesfreund  vom  Oberland  nicht  existierte,  und 
wenn  Nikolaus  von  Löwen  eine  Beziehung  Rulmanns  zu  diesem 
Gottesfreunde  nur  fingiert  hat,  dann  ergibt  sich  daraus  von  selbst, 
dal)  Nikolaus  von  Löwen  auch  der  Erfinder  des  Briefwechsels 
zwischen^Rulmann  und  dem  Gottesfreund  ist,  von  dem  das  Brief- 
buch uns  zu  erzählen  weiß.  Allein  das  darf  uns  nicht  der  Pflicht 
entheben,  auch  an  den  Briefen  den  näheren  Nachweis  zu  liefern, 
daß  sie  im  Grunde  genommen  nur  Abschnitte  aus  mystischen 
Traktaten  sind,  die  Nikolaus  von  Löwen  zu  Briefen  umgedeutet 
und  seinen  Zwecken  entsprechend  interpoliert  hat.  Die  Briefe  sind 
darum,  weil  schablonenhaft,  weder  nach  ihrer  Datierung  noch 
nach  ihrem  Inhalt  zuverlässig,  gestatten  aber  doch  von  Zeit  zu 
Zeit  einen  Blick  auf  den  historischen  Hintergrund,  auf  dem  die 
Rktion  Nikolaus  von  Löwens  sich  aufbaut.  Den  Beweis  dafür  werden 
wir  aber  nur  dann  mit  Erfolg  führen  können,  wenn  wfr  stets 
die  ganze  Anlage  des  Brief buchs,  wie  sie  oben  S.  50  ff.  behandelt 
wurde,  im  Auge  behalten,  dabei  zwischen  den  einzelnen  Teilen 
eine  scharfe  Scheidelinie  ziehen,  bei  jedem  einzelnen  Teil  wieder 
die  Rubriken  und  die  eigentlichen  Brieftexte  als  zwei  getrennte 
Bestandteile  behandeln,  um  so  schließlich  den  innem  Zusammen- 
bang des  Briefbuchs  mit  den  übrigen  Memorialbüchem  des  Straß- 
burger Johanniterhauses  richtig  würdigen  zu  können. 

Eine  der  sichersten  Quellen  für  die  historische  Forschung 
Wdet  ein  ausgedehnter  Briefwechsel,  dessen  Datiemng  in  erster 
Linie  zuverlässig  ist.  Eine  solche  Quelle  könnten  auch  die  Briefe 
des  Gottesfreundes  sein,  wenn  der  Historiker  sich  auf  ihre  Daten 
▼erlassen  könnte.  Eine  nähere  Nachprüfung  jedoch  wird  uns  über- 
zeugen, daß  sämtliche  Daten  der  sogenannten  Gottes- 
freundbriefe  einer  teils  willkürlichen,  teils  berech- 
neten Erfindung  des  Nikolaus  von  Löwen  ihre  Ent- 
ziehung verdanken«  Den  Ausgangspunkt  für  diesen  Beweis  bilden 
^ei  Absdmitte  des  13.  Biiefes  (110*23-111*7  u.  U2*42-\\?>n^^ 


die  inhaltlich  je  mit  einem  entsprechenden  Ab^choiLte  in  Brief 
Nr.  1  (76*29-77*13)  und  6  (85*21-37)  übereinsLimmen.  Die  über- 
sieht wird  folgendes  Schema  zu  erleichLera  imstande  sein: 

Nr.  1:  1377  juli  13.  Komtur.  1  Nr.  6:  1375  april  23.  Komtur. 
Nr.  13:  1377  april  23-  Komtur.  |  Nr.  13:  1377  aprü  23.  Komtur. 
Es  kehren  demnach  im  13.  Briefe  zwei  Abschnitte  wieder,  vin 
denen  der  erste  den  dritten  Abschnitt  in  einem  selbständigen  Briefe, 
der  zweite  dagegen  einen  Brief  für  sich  bildet,  von  denen  aber 
beide  ein  anderes  Datum  tragen  als  der  13.  Diese  VersL-hiedenheit 
könnte  man  zunächst  durch  eine  unbewußte  Wiederholung  früherer 
Gedanken  zu  erklären  geneigt  sein;  allein  dann  wäre  die  fast 
wörtliche  Übereinstimmung  von  je  zwei  der  genannten  Abschnitte 
doch  mehr  als  sonderbar  und  psychologisch  nicht  erklärbar.  Die 
wörtliche  Übereinstimmung  lüllt  nur  auf  eine  absichtliche  Wieder- 
holung beziehungsweise  worthche  Abschrift  derselben  Vorlage 
schliebeo  und  mütlte  als  solche  in  einem  wirklichen  Briefweehiel 
m^jtiviert  sein.  Diese  Motivierung  gibt  uns  auch  Nikolaus  von 
Löweu  in  seiner  Rubrik  zum  13-  Briefe,  die  mit  einem  Sehlage 
das  Rätsel  der  Wiederholung  zu  lösen  imstande  ist.  Dort  heilJt  es 
(108*14)  usser  diser  selben  missiven  (d.  h.  der  dreizehnten,  datiert 
1377  April  23)  smt  zwene  simie  (=  Abschnitt  7(i*29rf.  u.  85*21  IT.) 
vorgeschrihen  in  dis  gegenwertige  hriefbücheUn.  Nikolaus  von  Löwen 
ist  es  demnach,  der  bereits  zwei  Abschnitte  des  13,  Briefes  unter 
Brief  1  und  6  aufgenommen  hat,  obwohl  er  weder  im  1.  noch  im 
6.  irgend  eine  Bemerkung  beifügt,  dali  beide  Teile  aus  einem 
Briefe  andern  Datums  stammen,  im  Gegenteil  ausdrücklieh  (73*5) 
betont:  due  aelbe  miasne  (d  b  Brief  1  datiert  1)77  Juü  13)  seit 
drie  sinne,  und  (So  18)  <lru  lOr  i  i  dem  hejinnt  der  zweier  bebesU 
Vrban  und  Cle  neun  (d  h  I  h  >  "Vpril  23)  to  Kam  ein  brief.  in  dein 
wart  dem  cpmnttnJiite  gfschrilen  unter  an  lern  warten  alsas.  Die 
Daten  der  Briefe  stehen  demna<.h  zu  einander  m  unvereinbarem 
Gegensatz,  sind  aber  erklirbar  wenn  \ikolaus  \on  Löwen  die 
Briefe  selbst  datiert  ha  und  \erotandlii.h  dann  wenn  man  berück- 
sichtigt, dali  IJritf  1  und  h  der  t  rsjtt-n  Ent  tehung  phase,  Brief  13 
dagegen  der  dritten  angehört,  Nikolaus  von  Löwen  aUo  weder 
im  1.  noch  im  6,  Brief  schon  an  die  Anfertigung  des  13.  gedacht 
hat,  den  er.  ohne  den  Widerspruch  zu  merken,  unter  einem  anderen 


19t 


Datum  vom  Qottesfreund  geschrieben  sein  ließ,  als  die  beiden 
Briefe  1  und  6. 

Das  Schablonenhafte  der  Datierungen  zeigt  sich  noch  deut-* 
lieber^  wenn  wir  die  folgenden  Tabellen  einer  genaueren  Durch- 
sicht unterziehen: 

1.  Reihenfolge  der  Briefe  Im  Brief  buche. 


Nr. 


1.  Teil  > 


0 

1 
2 

3 
4 

5 
ß 

7 

8 

9 

10 


2.  Teil 


\    12 


I.  Teil  <  i    1 


4.  Teil 


{; 


3 
4 
5 

6 

7 


5.  Teü 


18 
19 
20 
21 

22 


1377  circa  mai  17 

1377  Juli  \:i 
1377  aug.  1 

1377  nov.  22 

1378  febr.  19 
1369  Jan.  29 
1375  april  23 

1379  febr.  18 

1379  april  16 

1380  febr.  22 
1380  april  4 

1379  juni  1 
1380  april  20 

1377  april  23 

[1377]  kein  Datum 

1377  april  23 

1377  märz  12 
[1363]  kein  Datum 

[1371]  kein  Datum 
[1371]     „        „ 
[1377  febr.  20]  Nachtrag 
[1371]  kein  Datum 

1377  circa  mai  17 


Adressat 


Brüder 

Komtur 
Bulmann 

Bruder 

Komtur 
Weltpriester 

Komtur 

Komtur 

Komtur 
Bulmann 
Bulmann 

Komtur 
Komtur 

Komtur 

Komtur 

Nikolaus  von  Löwen 

Komtur 
Job.  V.  Schäffolsheim 

Gottesfr.  von  NvL. 
Nikolaus  von  Löwen 


t1 


91 


Nikolaus  von  Löwen 


Sdieiden  wir  zunächst  die  Begleitschreiben  zum  Fünf-Mannen* 
buch  (0)  und  dem  Meisterbuch  (5),  sowie  den  Brief  an  Johann  von 
Schäffolsheim  (17),  den  einigen,  der  nicht  zu  Grünen wörlh  hiBeri€- 
hung  8t6htf  au8f  dann  zeigt  sieh  in  den  beiden  Hälilerv  d^^  Y.  "1^^^^ 


196 

je  eine  sireng  chronoiogisfhe  Ordnunj;  von  1-4  und  6-10.  Diese 
t^hrouülogisehe  Ordnung  richtet  sich  aber  wieder  naeli  dem 
Inhalt  der  beiden  Teile,  von  denen  die  erste  Hälfte  von  detn 
Bau  und  den  innern  Zustanden  des  Hauses  handelt,  die  zweite 
dagegen  vnn  den  „Plagen"  und  den  Bemühungen  der  Goltes- 
freunde  dieselben  aufzuhallen.  Chrunologisch  ist  ferner  die  An- 
ordnung im  2.  Teil  der  ISriefe,  während  die  Daten  des  3-  Teil» 
alle  gleich  sind.  Dem  5.  Teil  der  Briefe  fehlte  ursprünglieli  jede 
Datierung.  In  den  Bubriken  setzte  sie  Nikolaus  von  Liiwen  ins 
Jahr  1S71,  während  das  Datum  des  20.  Briefes  im  AnschluD  aa 
Brief  Iß  ins  Jahr  1377  zu  setzen  war.  Die  Datierung  der  Briefe 
ist  also  ganz  abhängig  von  dem  Teile,  den  sie  im  Briefbuch  ein-* 
nehmen,  d.  h.  aber:  derjenige,  der  das  Brief  buch  angelegt  hat, 
mult  auch  der  selbständige  Erfinder  der  Datumszeilen  der  Briefe 
sein.  Dabei  lieli  sich  Nikolaus  von  Löweii  von  dem  GedankeOi 
leiten,  alle  Briefe,  welche  der  Hauptsache  nach  von  dem  Bau 
des  Hauses  und  seiner  inneren  Einrichtung  handeln,  in  die  Jahrft 
1377/8  zu  setzen,  die  Briefe  von  den  Plagen  und  dem  Schisma 
dagegen  in  die  Jahre  1379/80.  Das  zeigt  deutlich  eine  Übersicht  den 
Daten  in  der  zweiten  Tabelle  |S.197).  Mit  diesem  allgemeinen  Satz' 
stehen  zunächst  nicht  die  drei  Briefe  18, 19,21  des  5- Teils  in  Wider- 
spruch, da  Nikolaus  von  Löwen  dieselben  ihrem  Inhalte  nach  und  ent- 
sprechend dem  Teile,  in  welchem  sie  stehen,  mit  keinem  anderen 
Datum  versehen  konnte,  wollte  er  sich  nicht  offenkundiger  chro- 
nnlogischer  Widerspriiuhe  schuldig  machen,  da  das  Datum  dieser 
Briefe  durch  seinen  Eintritt  in  den  Jnhaiuiiterorden  bedingt  war. 
Auch  der  6-  Brief  bestätigt  nur  die  oben  aufgestellte  allgemeine 
l-ie^;el,  da  er  seinem  Charakter  nach  als  .,Prophezie",  zu  dem  ihn 
Nikolaus  von  Löwen  in  seiner  Hubrik  gestempelt  hat,  und  im  An- 
shiuss  an  die  Stelle  8(5*18  ärü  ior  oihr  me.  um  diese  Jahre 
vorausdatiert  werden  mulite.  Damit  steht  auch  der  ä  Brief  nicht 
im  Widerspruch,  da  dieser  Brief  im  Briefbui:li  nicht  zum  ersten- 
mal aufgezeichnet  wurde,  sondern  bereits  einen  Bestandteil  des 
lateinischen  Memorials  bildete  und  nach  seinem  Charakter  als 
Begleitbrief  zum  Mcislerbuch  in  seiner  Datierung  von  den  Angaben 
abhängig  war,  die  Nikolaus  von  Löwen  über  die  Zeit  der  Sendung 
des  Meisterbuchs  in  den  Memorialbürhern  bereits  aufgestellt  hatte. 
In  den  Memorialbüchern  aber  gibt  Nikolaus  von  Löwen  überein- 


197 


Stimmend  die  Zeit  an :  als  die  weltlichen  Priester  hie  inne  zu  dem 
Grunenwerde  wonetent  unde  die  ktjrche  hesungent  sub  anno  domini 
miUesimo  cctfi  Ixix.  (ll'^SOff.)  Eine  andere  Datierung  als  1369  war 
demDach  unmöglich.  Unaufgeklärt  allein  bleibt  einstweilen  das 
Datum  des  Briefes  an  Johann  von  SchäfTolsheim.  Vielleicht  mag 
hier  das  Todesjahr  des  Adressaten  mitgewirkt  habend).  Das  Datum 
ist  auch  hier  weniger  von  Bedeutung,  da  das  Jahr  1363  nur  das 
Werk  des  Rubrikators  ist,  während  der  Brief  an  sich  kein  Datum 
trägt 

II.  Chronologische  Reihenfolge^). 


Teil 

Nr.                  Datam 

Adressat 

4 

17 

[1363]  kein  Datum 

Johann  v.  SchäfTolsheim 

I 

5 

1369  Jan.  29 

Weltpriester 

P 

18 

;i37l]  kein  Datum 

Nikolaus  von  Löwen 

V 

19 

1371] 

f>       >♦ 

>»         ♦»       » 

U 

21 

[1371] 

n           » 

»>         »7  •     »> 

1* 

6 

1375  april  23 

Komtur 

{! 

20 

[1377  febr.  20] 

Nikolaus  von  LOwen 

16 

1377  märz  12 

Komtur 

|3 

13 

1377  april  .23 

Komtur 

V 

14 

[1377] 

Komtur 

U 

15 

1377  april  23 

Nikolaus  von  Löwen 

' 

{- 

U 

1377  circa  mai  17 

Brüder 

22 

1377  circa  mai  17 

Nikolaus  von  Löwen 

1 

1377  juli  13 

Komtur 

2 

1377  ang.  1 

Rulmann 

3 

1377  nov.  22 

Brüder 

< 

4 

1378  febr.  19 

Komtur 

7 

1379  febr.  18 

Komtur 

i    * 

8 

1379  april  16 

Komtur 

2* 

Jl 

1379  juni  1 

Komtur 

< 

{;: 

9 

1380  ft'br.  22 

Rulmann 

10 

1380  april  4 

Rulmann 

2* 

12 

138 

0  april  2u 

Komtur 

')  Ober  den  AdressatoQ  näheres  festzostellen,  ist  nicht  gelungen.  Glöckler, 
^^•chiebte  des  BUtoms  Straßburg  I.  209  bringt  die  einzige  aber  nicht  zu  prüfende 
Niduieht,  daß  Br.  Johann  von  Schaftolsheim  im  Klostergarten  der  Augustiner,  denen 
*^  iHthÖrtif  im  Jahre  1874  eine  hl.  Grabkapelle  habe  erbauen  lassen. 

^  DIt  Britfe,  wflIcJi«  ron   deu  Plagen  handeln,    sind  mit  StemcYiQii   i ^t«Q>i«ti. 


1Ö8 

Die  zweite  Tabelle  gibt  uns  feruer  Aiiföcliluli  über  die  Daten 
der  Hriele  16  und  20,  welche  beide,  wie  es  aui;h  die  Rubriken 
deuLlii.^b  betonen,  die  Homfalirl  behandeln,  demnacb  mit  den  früheren 
Angaben  Nikolaus  von  Löwens  im  Anfange  des  Briefbuehs  nii'ht 
in  Widersprui'h  treten  durlteri.  Beide  aber  waren  wieder  ihrem 
Inhalte  nafh,  der,  wie  wir  später  poch  sehen  werden,  einfach  aus 
den  Traktaten  herübergenoinmen  war,  „um  Oslern"  1377  anzu- 
setzen, so  dali  wir  das  Datum  Febrnar  20  und  März  12  erhailan. 

Ähnlieb  ist  das  Verhältnis  von  Brief  0  und  22.  welche  beide 
vom  Fiinf-Mannenbuch  und  dessen  Abschrift  handeln  und  danim 
auch  beide  das  lateinische  Datum:  Datum  circa  feüum  Penlhe- 
co&les  a.  d.  1377  tragen,  während  alle  übrigen  Briefdaten  deulseh 
sirid.  So  wirkte  auf  die  Datierung  der  Briefe  ihr  Inhalt  offenkundig 
ein  und  zwar  nairh  den  zwei  grolien  Gesichtspunkten :  alle  Briefe, 
welche  den  Bau  und  die  innere  Einrichtung  des  Hauses  behandeln, 
in  die  Jahre  1377|8,  diejenigen  dagegen,  welche  von  den  durch  das 
Schisma  hervorgerufenen  Plagen  sprechen,  in  die  Jahre  137'.' SO 
zu  setzen.  Zu  beidem  aber  gehörte  kein  grolter  Scharfsinn,  da 
erst  im  Jahre  1377  die  eigentliche  umgeslaltende  Bautätigkeit  vm 
Grnnenwörlh  begann,  anderseits  aber  die  Briefe  vor  Rulmanns 
Tode  geschrieben  sein  mullten.  Wir  brauchen  darum  uns  nicht 
mehr  zu  wundern,  wenn  der  Gottesfreuud  vor  dem  Jahre  1377 
nur  mit  Nikolaus  von  Löwen  verkehrt,  erst  im  Jahre  1377  mit 
Rulmann,  dem  Komtur  und  den  Brüdern  des  Johanniterhauses. 
da  auch  die  TrakLale  im  ersten  Teil  des  Grolien  Deutschen  Memorials 
erst  im  Jahre  1377  !f.  den  Brüdern  von  Rulmann  geofTenbart 
wurden.  Es  entsprechen  sieh  demnach  der  erste  Teil  des  Grolien 
Deutschen  Memorials  und  der  erste  Teil  des  Brielbuchs  vollständig. 
Selbst  in  der  Wahl  der  Monate  zeigt  sich  ein  gewisses  Schema, 
da  die  Monate  Februar,  März,  April  vorherrschen.  Solch  scha- 
blonenhafte Arbeit  läilt  sich  aber  wieder  nur  dann  begreifen, 
wenn  derjenige,  der  das  Briefbuch  geschrieben,  auch  die  Daten 
der  .sogenannten  Briefe  erfunden  hat;  icli  sage  der  sogenannten 
Briefe,  da  wir  im  Briefbuch  überhaupt  keinen  wirklichen  Brief- 
wechsel vor  uns  haben,  wie  uns  der  Inhalt  der  Briefe  zeigen  wird. 

Vergleichen  wir  zunächst  den  Inhalt  der  Abschnitte,  welche 
im  Briefhuche  selber  zweimal  wiederkehren.  110*23-11 1*7  = 
7d'^20-77*V3  zeigt  einmal,  dali  beide  Stellen  auf  ein  und  dieselbe 


199 

Vorlage  zurückgehen  müssen,  und  erklärt  anderseits,  wie  der 
Schreiber  der  Briefe  gearbeitet  hat.  Schon  die  Einleitung  ist  ent- 
sprechend der  Stellung  der  beiden  Briefe  sachgemäß  geändert: 
Vä  lieber  frünt,  heißt  es  in  dem  einen,  ich  müs  üch  noch  me 
iogeti  von  tromen,  weil  eben  ein  Traum  bereits  voranging  und  ein 
anderer  folgt.  Im  ersten  Brief  dagegen  lautet  die  Einleitung: 
tu  lieber  frunt,  ich  müs  üch  och  sagen  von  eitne  trome.  Die  anderen 
Textunterschiede,  die  ebenfalls  nicht  unwichtig  sind,  seien  einst- 
weilen übergangen,  um  nur  noch  auf  den  Schluß  aufmerksam  zu 
machen.  Der  Schluß  des  13. Briefes:  111*5  es  were  bis  offenborunge 
findet  sich  nicht  77*10.  Statt  dessen  lautet  der  Schluß  im  I.Briefe: 
«>irf  wißent  ril  lieber  min  frünt.,.  Das  ist  aber  der  wörtliche 
Schluß  eines  anderen  Abschnittes  im  13.  Briefe  (112*4-7)! 

Ähnlich  verhält  sich  der  Text  von  85*21-37=112*42-113*19. 
Auch  hier  ist  der  Eingang  seiner  Stellung  entsprechend  abge- 
ändert 113*11  und  rüffent  bis  getruwende  fehlt  85*30,  während 
anderes  wieder  unwesentlich,  aber  für  die  Arbeitsweise  des  Brief- 
schreibers ganz  charakteristisch  geändert  ist.  Nikolaus  von  Löwen 
übernimmt  also,  wie  er  es  auch  in  der  Rubrik  108*14  bestätigt,  be- 
stimmte ihm  vorliegende  Textabschnitte  und  verändert  sie  sinngemäß, 
um  daraus  Briefe  mit  eigenem  Datum  zu  formen.  Nikolaus  von 
Löwen  ist  also  nicht  bloß  für  ihre  Datierung,  sondern  auch  für 
ihren  Inhalt  verantwortlich  zu  machen. 

Einige  Briefe  kehren  dann  nicht  nur  im  Brief  buch,  sondern  auch 

in  den  übrigen  Memorialbüchern  wieder,  wie  es  auch  Nikolaus  von 

Löwen  zu  Anfang  des  Brief buchs  andeutet  (64*17).    So  Brief  Nr.  2 

im  achten  Kapitel  der  Chronik,  dessen  Textunterschiede  179*14 ff. 

genau  angegeben  sind.    Besonders  zu  beachten   sind  die  beiden 

fehlenden  Stellen  77*36   daz   du   hinabe  zu  Strozburg  geschriben 

hesi  und  79*16  Rulman  du  solt   wißen,   daz  Rupreht  dirre  tage 

eins  bi  mir  waz . . .  Beide  Stellen  durch  Homoöteleuton  zu  erklären, 

wird,  wenn  man  die  Arbeitsweise  Nikolaus  von  Löwens  an  andern 

Stellen  berücksichtigt,  schwerlich  angehen,  umso  weniger,  da  mit 

Handschrift  D  und  E  auch   G   übereinstimmt.     Von  besonderer 

Bedeutung  ist  aber  die  Datumszeile,   die  in  beiden  Briefen 

▼  erschieden  lautet;  denn  St.  Peterstag  (179*26)   ohne  Zusatz 

ist  der  29.  Juni,  während  St,  Peterstag  sinre  lidigunge  (79*^2^^  d^t 

1.  August  ist 


Der  Begleitbrief  zum  Meisterbuch  ferner  fand  sich  schon  im 

13,  Kapitel  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  (225*121?.),  der, 
nach  der  ÜberseUung  Götznianns  zu  ^c-hHeßen,  mit  Ausnahme  des 
Datums  mit  Brief  Nr.  5  t82*lSfl'.J  übereinstimmt.  Wenn  wir  im 
Datimi  keinen  Ubersetzungs-  beziehungsweise  Sehreibfehler  Götz- 
manns vor  uns  haben,  ist  das  eine  Datum  i84''8)  mit  1369  Januar  29 
aufzulösen,  das  andere  dagegen  (225*14)  mit  1369  Februar  ö. 

Wichtiger  an  diesem  Briete  sind  die  Bemerkungen,  mit  weU:hen 
Nikolaus  von  Löwen  denselben  begleileL  Im  Ersten  LateinlsL-hen 
Memorial  wird  der  Brief  einfach  als  ein  Sendschreiben  bezeichnet, 
im  Briefbuch  dagegen  heiflt  es  ausdrü(;klich,  daß  dies  der  erste 
Brief  war,  den  der  Gottesfreund  den  Brüdern  von  Grünenwörth 
sandte.  Warum  Nikolaus  von  Löwen  dies  nicht  im  Ersten  Latei- 
nischen Memorial  belont,  iat  nicht  einzusehen.  Hier  eine  Bemerkung 
über  die  Briefe  des  Gottesfreundes  einzufügen,  wäre  ja  umso  not- 
wendiger gewesen,  als  der  Leser  vom  „Briefsehreiben"  des  Goltes- 
freundes  noch  nichts  erfahren  halle.  Anders  lautet  auch  der 
Nachsatz  Nikolaus  von  LÖwens  im  Briefbuch  (84*11)  und  im 
Ersten  Lateinischen  Memorial  (225*16). 

Ausdrücklich  hebt  Nikolaus  von  Löwen  ferner  hervor,  daß 
Brief  samt  Meisterbuch  direkt  an  die  Brüder  gesandt  wurden;  von 
irgend  einer  geheimen  Vermittlung  Rulmanns  ist  nicht  die  Rede. 
Die  Brüder  müssen  also  schon  Un  Jahre  13(39  genau  über  den 
Absender  des  Buches  unterrichtet  gewesen  sein,  während  sie  nach 
andern  Angaben  Nikolaus  von  Löwens  erst  10  Jahre  später  über- 
haupt etwas  von  den  Selu-iften  des  Gotteslreundes  durch  Rulmann 
erfuhren.  Das  lallt  sich  nur  verstehen,  wenn  wir  im  Ersten  La- 
teinischen Memorial  die  ursprüngliche  Deutung  Nikolaus  von  Löwens 
vor  uns  haben,  welche  später  ihren  Zwecken  entsprechend  eine 
Veränderung  erfahren  niulile.  In  diesem  Zusammenhange  erhält 
auch  die  Einleitung  zum  22.  Kapitel  des  Ersten  Lateinischen  Me- 
morials eine  neue  Beleuchtung,  wo  betont  wird,  dal)  derselbe  Guttes- 
freund  im  Oberland  —  der  im  Meisterbuch  als  von  Nikolaus  von 
Löwen  fingiert  auftritt  —  einetn  welllichen  priester  zum  Grünen- 
wörth  die  Sakramentspredigt  ein  halbes  Jahr  nach  Ankunft  des 
Meisterbuchs  übersandte  (227*16).  Dieser  weltliche  Priester,  das 
ist  Nikolaus  von  Löwen,  steht  also  ebenfalls  im  Jahre  1369  im 
direkten  Verkehr  mit  dem  Goltesfreund. 


201 

Ein  weiterer  Brief  handelt  vom  sogenannten  „Vogelnest"  und 
steht  sowohl  im  Ersten  Lateinischen  Memorial  (232*15)  wie  im 
Briefbuch  (80*5),  beide  wiederum,  soweit  es  die  Übersetzung  Götz- 
maons  erkennen  läßt,  dem  Inhalte  nach  übereinstimmend.  Daß  jedoch 
der  Gottesfreund  uf  siner  Metzer  vart  war,  als  er  diesen  Brief  schrieb, 
erfährt  man  nur  aus  dem  Briefbuch,  das  Erste  Lateinische  Me- 
morial weiß  davon  noch  nichts.  232*15  heißt  es  für  diaes  mahl, 
im  Brief  buch  80*5:  zu  diser  vart,  eine  Änderung,  die  Nikolaus 
von  Löwen  vorgenommen  hat,  wozu  er  79*37  in  der  Rubrik 
den  Kommentar  liefert:  do  er  uf  siner  Metzer  vart  waz,  also  die 
torgonde  missive  wiset.  Wir  haben  also  hier  nur  eine  Deutung 
Nikolaus  von  Löwens  vor  uns,  die  in  ihm  durch  79*5  hervor- 
gerufen wurde.  Wenn  der  Gottesfreund  vom  Oberlande  damals 
uf  siner  Metzer  vart  war,  dann  hätte  er  auch  leicht  bei  seinem 
auserlesensten  Freunde  Rulmann  in  Straßburg  ankebren  können, 
um  mündlich  zu  erfahren,  wer  unter  den  „Vögeln^*  zu  verstehen 
sei,  wo  dem  Gottesfreund  doch  die  Deutung  so  große  Schmerzen 
bereitet  und  er  den  Bruder  Johannes,  der  demgemäß  auch  mit 
bei  der  Metzer  Fahrt  sein  mußte,  um  Rat  frug.  Auch  ließ  der 
Gottesfreund  bei  diesem  Briefe  etwas  lange  auf  sich  warten,  da 
ihm  die  Vision  am  21.  Oktober  bereits  zuteil  wurde,  dieselbe  aber 
erst  am  22.  November  nach  Straßburg  schrieb. 

Wenn  schon  die  bisherigen  Ausführungen  den  Beweis  erbracht 
haben,  daß  der  Text  der  sogenannten  Briefe  unter  Nikolaus  von 
Löwens  Hand  eine  Änderung  erfuhr,  so  wird  uns  der  Vergleich 
der  Briefe  mit  dem  Text  der  Traktate  zu  dem  weiteren  Ergebnis 
führen,  daß  Nikolaus  von  Löwen  eine  Anzahl  der  ihm  vorliegenden 
Texte  in  bestimmter  Absiebt  zu  Briefen  umgemodelt  hat  Das 
zeigen  am  klarsten  die  Briefe  Nr.  6-10.  Alle  fünf  stimmen  darin 
überein,  daß  sie  von  den  Plagen  erzählen,  welche  Gott  Vater 
über  die  Welt  schicken  wird,  um  seinen  Sohn  zu  rächen.  Sogleich 
wären  diese  Plagen  eingetreten,  wenn  die  Gottesfreunde  den  himm- 
lischen Vater  nicht  um  einen  ufslag  angegangen  und  so  durch 
ihr  gemeinsames  Gebet  die  drohenden  schrecklichen  Plagen  auf- 
gehalten hätten.  Derselbe  Gedanke  kehrt  aber  auch  zu  verschie- 
denenmalen  in  den  bereits  behandelten  Traktaten  wieder. 

Von  der  Not  der  Christenheit,  den  sorglichen  Zeiten  und 
dem  ufdag^  den  die  Gottesfreunde  erbitten,  handelt  TraVL\aA.  %  no\i 


ioi 

der  Klausnerin  Ursula  (Jundt,  Les  amis  388),  Traktat  5:  die  geist- 
liflie  Stiege  (Jundt,  Rulman  128).  Traktat  12:  die  lorde  des  Gottes. 
Freundes,  vor  allem  auuh  der  von  Tauler  stammende  4-  Traktat 
des  dritten  Teiles  (44*37).  Der  Ausdruck;  Es  steht  nörglieh  in  der 
Zeit  oder  i)i  der  Christenheit  (85*33,  86*10)  kehrt  unzähligemal 
in  den  Traklaten  wieder  NF.  14,  15.  18.  144,  Hb;  NvB.  244,  187. 
188,  190,  197,  202|3,  272;  MB.  35.  usw.  —  Von  dem  wdltcisen, 
richsinniffen  herrm  (86*14)  wissen  aui'h  die  Traktate  zu  berichten 
(29*20 IT.).  LauchßPt  IJOIT.  —  Zu  Noe  (86*2l>)  und  Jonas,  dem  Pro- 
jjheten,  den  Gott  zu  einem  Lügner  machte  (86*30;  100*31)  vgl. 
NF.  52,  6(1.  62,  120;  NvB.  190.  —  Lerf^r  uf  dem  s/»i(87*10;  10.^*4) 
vgl.  MB.  37  das  yotles  wort  uffe  dem  släle  hredigende.  —  87*10 
uzfaren  zu  den  creoturen  vgl,  MB,  50:  under  die  Heiden  raren 
Schmidt,  Gotteafr.  71.  —  Die  Ermahnung  zur  Einkehr  87*12  ist 
in  den  Traktaten  etwas  ganz  gewöhnliches.  —  87*:?0  unter  die 
criatenheii  i/eteitl  werden  (vgl.  99*4)  wirkte  auf  die  Erweiterung 
des  Fiinf-Mannnenbuchs  ein  (205*39  IT,),  NvB.  133.  ~  87*25  alue 
gar  sirglich  als  es  nu  in  der  zit  »tot  NvB.  187,  NF.  7,  14,  17  und 
oben.  —  87*;iO  beten  vor  dem  Schlafengehen  vgl.  31*9  IT.  Das 
übt  aui-h  der  Kaufmann  NvB.  81.  —  87*33  raten  ussn-  ffoltelirh^ 
minne  und  uz  aller  er isteiil icher  truwe  gehört  ZU  den  allgemeinen 
Phrasen  der  Traktate;  vgl.  NvB,  197.  —  Mit  88*1  beginnt  dann 
die  Serie  der  Visionen,  deren  regelmäßige  Begleiterscheinungen 
die  großen  sweren  trncke  (88*2,  164*11.  93*15)  und  die  «'ortmcA*« 
(88*24)  sind').  Außerdem  ist  das  seltsame,  daß  dabei  zwei  oder 
mehr  Personen  stets  dasselbe  empfinden;  krank  werden,  wenn 
sie  der  Vision  nicht  glauben,  und  mit  einem  Schlage  wieder  gesund 
sind,  sobald  sie  ihr  Glauben  schenken.  Zu  Wortzeichen  (88*23, 
78*36,  92-15  vgl.  Jundt,  Les  amis  389:  NvB.  85,  86,  126,  155,  241; 
Schmidt,  Gottesfr.  65,  69;  Jundt,  Histoire  du  Panthöisme  22.'>- 
—  88*24  (vgl,  78*42)  uf  eine  atiint  gesunt  werden  vgl,  Lauchert 
11.M2-  —  89*35  winde-sgeidse  ^Laucherl  m.t:,.  —89*37  rinster- 
ni/Äe  NvB.  178,  2,ö0.  —  90*9  stimme  Jundl,  Les  Amis  376,  390: 
NvB.  82,  214,  146,  148,  166,  208,  209.  219;  MB.  12,  13.  —  90^24 

'I  I>it.se  ^1-.!  noti  tiDduD  ilire  uicrkH  iriliggu  Pariülelen  in  den  Le|[eDilaDEi>iuai- 
1iing:i.ii  (las  MitWIaICuts  auf  <)ie  «lu  uigeiiL  Vrb,.it  eiiizugolicii  hiltte.  Vi^iooeii  der 
MutUr  Gottes  <iclie  \itaa   fntciini  kd    KeichertI   ■;    41   ^M:    l'.ll  <^  II.    Der  bl.  Kathi- 


203 

das  schöne  Licht  verschwindet  -  Juadt,  Las  Amis  391.  —  90*30 
nieman  hievon  sagent  NvB.  126, 180,  164,  174,  206;  MB.  9.  —  Zu 
90*34  vgl.  87*30.  —  91*28  beginnt  wieder  eine  Vision  mit  den 
Wahrzeichen,  der  Stimme  usw.  Diese  Visionen  finden  vor  allem 
an  Weihnachten  statt  (77*3).  —  91*33  da^  ich  weder  reht  schlief 
noch  reht  enwachete  =  77*27.  Dasselbe  tut  auch  der  Gottesfreund 
der  geistlichen  Stiege,  dem  eine  schöne  Frau  im  Lichte  erschien 
und  mit  ihm  sprach  \).  —  92*6  beschach  daz  die  drie  naht  alles 
glich  =  MB.  50  beschach  mir  dise  vermanunge  zu  drien  stunden  alUs 
in  dem  sloffe  rehte  in  einer  wisen  rehte  geliche;  vgl.  76*39,  92*18*). 
—  92*15  Visionen  ist  nüt  wol  zu  glaubende  =  WO* \^^),  —  92*22 
wanne  in  nut  duhte,  daz  er  wirdig  tvere  zu  alsoUchen  großen  goites 
frtniden  zu  varende  vgl.  90*1,  114*1,  131*36.  —  Zu  93*20121 
Vgl  88*314.  —  Die  Gedanken  93*29  vor  disen  ostem  varen 
kehren  ähnlich  bei  der  Rorafahrt  wieder  =  121*22-26.  —  93*26 
nüt  tasten  =  121*31.  —  Zu  dem  Ausdruck  krankes  haupt,  und  na- 
iuren  krank  (93*26  u.  121*25)  vglLauchert  17,,> ;  MB.  23;  NvB.  164, 
237.  —  Zu  Paulus  93*31  und  seiner  Verwendung  in  den  Traktaten 
vgl.  NF.  146;  MB.  55  =  SchluiJ  des  6MB.;  NvB.  131,  132,  194.  — 
Zu  94*  1 1  es  erschienen  ihm  vil  herlicher  frowen  in  gar  köstlichem 
guldime  gewande  vgl.  NvB.  210:  dokoment  zu  mir  die  alhr  schonesten 
minnetiklichfstenjungfrowen.  —  Zu  94*18  «cA  beswere  üch\g\.  77*31; 
NvB.  89;  Lauchert  65,.32.  —  Zu  94*24  vgl.  90*9.  —  94*27  ich  bin 
ein  bott-e  =  90*13.  —  Nach  94*29  If.  bittet  die  Mutter  Gottes  um 
einen  Aufschlag ;  ähnlich  NF.  144,  wo  der  Sohn  den  himmlischen 
Vater  bittet.  —  95*9  der  brief  gefellet  uns  ußer  moßen  wol  gibt 
AnlaÜ  zu  den  Gedanken  134*2011.  —  Wie  der  Brief  abgeschrieben 
wird  rehte  von  worte  zu  warte  (95*13),  so  schreibt  auch  der  Gottes- 
freund  di^  Predigt  des  Meisters  von  worte  zu  worte  rehte  alse  su 
der  meister  geseit  hette  (MB.  7).  —  95*30  IT.    hat  seine  Parallele 


')  Die  Visionen  nach  der  Mette,  im  Halbschlaf  ist  Kigeutum  aller  derartigen 
lefendariBchen  Erf&hlungen :  vgl.  Vitae  fratrum  S.  187  $  IV. 

*)  Eine  dreimalige  gleiche  Erscheinung  „per  tridum"*  siehe  Vitae  fratrum  S.  6*2. 
Ähnlich  Jondt,  Rolman  127 :  zwei  Gottesfreunde  offenbaren  einander  ihr  Loben  und 
was  ir  heider  offenbofunge  des  selben  tagt^  rehte  glich  eins  und  wurdent  beide 
bettiset  also  das  su  beide  under  sich  in  grosser  demütiger  minnender  gdossenhfit 
soUent  gan  äU$  sA  oush  betcistt  worden  in  der  visiunen  dei  troumes. 

>)  Ibnlieb  TiMiler»  yi^ehfolgung  des  armen  Intens  Jesu  be\  ^c^mU\.^  1«i\x\^t  "iX^. 


bei  Laudiert  S.  6|7.  —  95*42  teerffmt  den  hrief  in  rfoa  fiir  = 
Lauchen  S.  löjie.  —  Zu  96*33,  ;i7'45.  98*11,  10«*1  nüt  mr 
züsamene  kummen  vgl  die  ganz  übereinsLiinmendeti  Gedanken  bei 
Lauehert  91-  —  In  dem  sonderbaren  herabgefallenen  Uriefe  (98*33) 
endlich  kehren  die  Gedanken  der  NeunFelscn  wiederM.  —  99*lHr 
findet  sich  wöpLlich  bei  Jundt.  Les  amis  388;  99*21  wörtlich 
ebenda  S.  377.  —  Von  den  6  Werken  der  tiarroherzigkeit  (99*28) 
handeln  auch  Lauehert  24,i;  NvB.  99,  163.-99*30=97*19,  nur 
sind  an  der  ersten  Stelle  die  Laien  unter  den  Gottesfreuaden  ge- 
meint, was  97*19  auf  Huhnann  übertragen  wird*). 

Damit  sind  wir  am  Ende  jener  fünf  Briefe  angelangt,  die 
auch  Nikolaus  von  Löwen  als  eine  Einheit  aufgefaUt  wissen  will, 
wenn  er  betont,  daß  es  die  fiinf  aller  hinderslen  hriefe  sind,  die 
der  Gotlesfreund  an  Ruimann  oder  den  Komtur  geschrieben  hat 
(84*33).  VVir  kennen  jetzt  auch  aus  den  oben  mitgeteilten  Parallel- 
stellen ihren  Charakter;  es  sind  keine  wirklich  geschriebenen  Briefe, 
sondern  gleich  den  Traktaten  in  anschaulicher  Form  wieder- 
gegebene Belehrungen  über  Gebiete  des  geistlichen  Lebens.  Wir 
wissen  damit  auch  die  Quelle,  dem  die  Briefe  entstammen:  anonyme 
mystische  Traklate  demselben  Iiihalls  wie  die  Traktate  dnr  Me- 
morialbücher; und  wir  werden  sc-h  m  daraus  schlielien  dürfen, 
dal!,  wie  die  Traktate,  so  auch  die  Briefe  unter  Nikolaus  von  Löwens 
Hand  dieselbe  Verwandlung  durchmachten  und  zwar  nüherhin 
in  der  Weise,  daU  Nikolaus  von  Löwen  seinen  Traktat-Vorlagen 
bestimmte  Abschnitte  entnahm,  ihnen  ein  Datum  beifügte  und 
ihren  Sinn  durch  Rubrizierung  und  geschickte  Textinterpolation 
nälicr  bestimmte.  Für  diese  Arbeitsweise  haben  wir  auch  die 
autentische  Hestiitigung,  wenn  er  sagt;  alle  die  vorgescbribenen 
roherkktn  haut  die.  brüdere  zu  di-m  Grünenucrde  (d.  Ii.  Nikolaus 
von  Löwen)  ..  hie  zu  geschrihen  ini'l  i/fordeitt,  umbe  daz  man  den 
sin  und  meinunge  der  liehen  gottezfri'inde  und  diser  geyemter- 
tigen  hriefe  und  m<dvrien  deute  eigenlicher  reiatan  und  ge- 
merken  kihine  na  und  hieituch  ewidiche  (99*38iT.)-  Um  zum 
richtigen  Verstündnis  der  „Briefe"  zu  kommen,  müssen  wir  uns 


"^fiilirlielior  ftciianilclt  we.di'Li,  Uu?t  a' 


205 

also  von  der  Deutung  Nikolaus  von  Löwens  losmachen  und 
wir  haben  wieder  einfache  Abschnitte  von  Traktaten  desselben 
Inhalts  und  derselben  Form  vor  uns,  wie  sie  uns  schon  im  Großen 
Deutschen  Memorial  begegnet  sind.  Die  fünf  aller  hindersten 
hriefe  vor  allem  entstammen,  wie  Nikolaus  von  Löwen  weiter 
bezeugt,  einem  Buche,  das  von  der  uz  gerechenten  hindersten  zit, 
vdgarüer  dem  ome  handelte  (84*20).  Diese  bücher  von  dem  ome 
(10ö*:^O)  erzählten  vor  allem  von  dem  künftigen  großen  getrenge 
der  heiigen  kirchen,  hatten  also  denselben  Inhalt  wie  der  12.  Traktat 
(31*8),  die  Neun  Felsen  oder  der  4.  Traktat  des  dritten  Teils 
im  Großen  Deutschen  Memorial  (44*37)^). 

Aus  dem  Inhalt  dieser  Traktate  wächst  nun  zunächst  wie 
voa  selbst  die  den  fünf  Briefen  folgende  Ermahnung  Nikolaus  von 
Löwens  heraus  (100*6-103*14)  und  sodann  die  Briefe  11-13;  denn 
denselben  Charakter  wie  die  behandelten  Briefe  tragen  zunächst 
Brief  11  und  12,  die  Nikolaus  von  Löwen  selbst  mit  den  vorher- 
gehenden fünf  in  Beziehung  bringt  (vgl.  84*35  u.  105*12).  Sie  sind 
demnach  ebensowenig  „Briefe''  wie  die  vorhergehenden.  Wir  ver- 
stehen aber,  wie  Nikolaus  von  Löwen,  obwohl  er  das  Briefbuch 
mit  dem  ersten  Teil  abschließen  wollte,  noch  weitere  „Briefe''  bei- 
fügt, weil  die  in  den  Büchern  von  dem  ome  hinterlegten  Gedanken 
wie  von  selbst  zu  einer  Weiterbildung  mit  spezieller  Anwendung 
auf  das  Haus  drängten,  und  wir  erkennen  jetzt  auch,  warum 
der  12.  Brief  die  Bezeichnung  der  edler  hinderste  brief  (105*8)  und 
das  Datum  1380  April  20  erhält,  obwohl  Nikolaus  von  Löwen 
bereits  früher  betonte,  daß  die  fünf  Briefe  6-10  auch  die  -aller 
hindersten  hriefe  sind  (84*33),  die  der  Gottesfreund  geschrieben  hat 

Der  6.  Brief  ferner  führt  uns  auf  den  13.  Brief,  da  ersterer 
nur  ein  Abschnitt  des  letzteren  bildet  (108*20 ff.;  112*42  =  85*21). 


1)  Zu  den  Plagea  Tgl.  Strauch,  Margaretha  Ebner  und  H.  ▼.  Nördlingon  S.  267. 
Brief  53  Tom  Jahre  1349:  mein  liebii  mutttr  Margareta,  ich  hit  euch,  das  ir  uns 
gebent  ewem  getruwen  rttt,  als  ir  mit  eicer  getrüufen  bete  in  got  bfifindent^  sunder- 
Ucken  van  d/tr  voreht  der  plaug  der  sunderlich  der  frunde  unaers  heren,  die  da 
künftig  sint  nahe  geistlicher  sag  in  drien  jaren  und  nach  der  ander  sag  in 
zehen  jaren,  die  swerlichen  rallett  sfMent,  als  ich  euch  auch  geschriben  hob  van 
den  gewerten  praphecien  sani  Hildegart,  da  sie  meinet,  das  ein  gotzfriund  den 
emdem  vorhin  gewamen  aal,  wie  man  sich  in  den  künftigen  plaugen  stmder  rer- 
ierbm  ke^tm  suk. 


-*    ■»<.'. 


-2(16 

So  sind  demnach  erwiesenermallen  von  den  dreiundzwaozig  acht 
Hriefe  nur  Abs.-hnitle  aus  Traktaten,  welche  der  Verfertiger  am 
BrieibuL-hes  zu  Briefen  umgewandelt  hal 

Wird  es  sich  nicht  geradeso  mit  den  andern  „Briefen'-  ver- 
halten ¥  Kin  groUer  Wert  ist  in  den  Briefen  auf  die  Grün- 
dungsgeschich Le  des  Johannilerhauses  zum  tiriinenwürth  ge- 
legt, sonst  wäre  nicht  dieselbe  Geschiebte  zweimal  aufgenfimraen 
(76*29=110*23).  In  etwas  anderer  Weise  gibt  die  Gründung  von 
Grünenwörth  der  7-  Brief  (88*1  fl'.)  wieder.  Allein  beides  sind  nur 
Schablonen-Erzählungen  von  Visi-men,  wie  sie  zu  Dutzenden  in 
den  Traktaten  vorkommen.  Die  Visionen  wiederholen  sich  mehrere 
Nüchte  hintereinander,  vgl.  NvB.  124  mit  1)2*6.  finden  vor  allem 
in  der  Weihnachlsnacht  statt  (77*4  =  91*29).  von  einander  entfernt 
wohnenden  Personen  wird  dieselbe  Vision  zuled  (76*39  =  92*1»; 
88*4  =  9ä*20),  denen  zur  besseren  Glaubhaftigkeit  Wahrzeichen 
folgen  (77*10  erliiutert  durch  88*24  =  78*42  und  Lauehert  ll.ai). 
Das  Schablonenhafte  wird  noch  deutlicher  durch  einen  Vergleich 
mit  den  Visionen  77*21  ff.,  8ü*5ff,  91*28  und  109*29.  Das  eine 
mal  findet  sie  statt  in  des  lieben  saut  DijotiUius  naht  (76*32). 
das  anderemal  in  der  naht  des  lieiien  »ante  Jacobes  (77*221,  das 
drittemal  in  der  naht  der  lieben  eüf  fusent  megde  (80'6),  ein  viertes- 
mal  zu  winnakten  in  der  heiigen  crishiaht  (91*29  ^  77*3),  das  fiinfte- 
mal  endlich  in  der  naht  umer  lieben  fr'wen  (109*30),  immer  aber 
nacheinemS:hema:  77*27  ^91*32;  77*31  =  94*18:  geradeso  machte 
Ursula  ein  knitze  für  sich  .lundt,  Les  amis  373;  77*35  =  90*13-  Das 
erste-  Wahrzeichen  77*42  ist  ähnlich  der  plötzlichen  Heilung  im 
Zwei-Mannenbuch.  Lauchert  ll.^i;  das  zweite  ühntich  dem,  das 
dem  Juden  im  Fünf- Mannen buuh  zuteil  wird:  iin  in  der  ander 
naht  do  wart  imme  abber  zti  vimtonde  gehban,  also  dass  er  das 
wissan  sultc,  das  an  dem  xxiij  dage,  do  wurt  ein  man  van  ferren 
fremmeden  landen  her  zu  dir  kümende  und  wurt  sagende  alles  das 
du  in  der  messen  gesehhen  hast,  und  dasselba  das  hi  dir  dan  abber 
ein  pewor  worzeiehen  eins  geteoren  urkandes  sin  (NvB.  126)').  Im 
14.  Traktat  erhält  Eckhard  als  Wahrzeichen,  daß  am  Mittag  derjenige 
zn   ihm  ins  Haus  kommen  wird,  den  er  erwartet.     Ferner  ist 


207 

79*25 = 92*15/16 = 1 10*  19.  -Der  ganze  Aufbau  der  Vision  des  3.  Briefes 
(80*5)  entspricht  der  Vision  von  den  sieben  Staffeln  bei  Lauchert  56f 
den  Traktaten  von  der  geistlichen  Leiter  und  Stiege  oder  der 
Fisch-  und  Feben-Vision  in  dem  Neun  Felsenbuch.  —  81*8 
wird  zur  Deutung  Bruder  Johann  gefragt,  gerade  wie  92*8  AT.« 
während  anderen  Orts  Ruprecht  diese  Stelle  vertritt  (74*6)*  Der 
Rat  (81'*21),  das  Brieflein  zu  verbrennen,  ist  identisch  mit  dem 
des  Engels  95*42,  beide  aber  ähnlich  Lauchert  15,25  ff.  —  Der 
zweite  Abschnitt  des  1 3.  Briefes  endlich  hat  eine  auffallende  Parallele 
im  Zwei-Mannenbuch:  und  do  ich  in  dirre  übunge  aber  wol  uffe 
drüsig  dage  gesin  was^  do  wart  ich  aber  von  mir  selber  verzucket 
und  wart  gefüret  in  den  aller  schönesten  minnenclicheeten  kor,  der 
ukein  also  gar  durchglestig,  also  obe  er  mit  fineme  (goJde)  durchs 
schlagen  were;  und  was  der  kor  rol  liehter  schöner  engele  und 
under  den  engein  die  heiligen  zwdf  holten  (Lauchert  KXüff.);  und 
noch  mit  deutlicheren,  ja  fast  wörtUchen  Anklängen  (Lauchert  12,iol  '• 
^  wart  gefüret  in  ein  garzümole  schönes  lichtes  minnencliches  hus 
und  daz  waz  inwendig  also  gar  glestig  von  lichte,  das  ich  den  schin 
kumme  erliden  möhte;  und  was  das  hus  alles  sament  vol  schöner 
^nnemdicher  iunchfrowen,  und  hettent  die  alle  schöne  rote  rosen 
^ppel  uf  irme  hobete^);  die  Jungfrauen  mit  ihren  roten  rosen 
^ppel  uf  iren  höubtern  (109*42)  erinnern  auch  an  die  zwei 
Jungfrauen  mit  ihren  rosen  schappeln  im  4.  Traktate.  —  Zu  109*44 
obo  das  ich  den  schin  gar  käme  erliden  mühte  vgl.  Lauchert  8,-27/28 
das  ich  ir  ange^ihte  kume  erliden  möhte,  —  1 10*9  do  ich  zu  mir  selber 
tarn,  do  stund  ich  geswinde  uf  von  dem  bette  und  viel  uffe  mine 
tnu  und  gedohte  »  Lauchert  23,i:  in  diesen  gedenken  stünt  ich 
gar  geswinde  von  dem  bette  uf  und  fiel  vor  dem  bette  uffe  mine 
htu  und  sprach  (vgl  Lauchert  4,ii).  —  110*19  endlich  ist,  wie 
schon  oben  erwähnt,  der  gleiche  Gedanke  wie  92*15il6  und  79*25. 
Alles  was  demnach  über  die  Gründungsgeschichte  von  Grünen- 
wörtb  berichtet  wird,  ist,  weil  schablonenhaft,  unglaubwürdig. 
Wollen  wir  den  Charakter  dieser  Stücke  erkennen,  dann 
müssen  wir  uns  abermals  in  unsern  Gedanken  von  den  Fesseln 
losmachen,  in  denen  uns  Nikolaus  von  Löwen  durch  seine  Ru- 


I)  Bi»  Alnttehe  Kaj^elien-VitioQ  liehe  Caesarias  Ton  Huistorbach  Über  7^  cap.  8^ 
dUr  ftoeh  ftr  dM  QMfe  ao  ParallelsteJioii  aehr  eigiebig  Ut. 


208 

briken  und  seine  Textinterpolationen  zu  halten  versucht.  Lassen 
wir  einmal  in  der  Viaion  109*29-110*22  den  kleinen  Zwischen- 
satz H)9*34;3ö:  icde  ich  bi  Rüiemanne  zu  dem  Grünemcerde  letre 
weg,  SU  haben  wir  eine  einfache,  in  iihnücher  Weise  öfters  wie- 
derkehrende Visionsepzähiung  der  Traktate  vor  uns;  und  setzen 
wir  als  Gegenprobe  in  die  oben  mitgeteilte  Stelle  bei  Laucherl 
12,10  nach  minnenclkhex  hus  etwa  den  Zusatz  uiid  wart  mir, 
wif  daz  ich  bt  Rühmanne  zu  dem  Grünenwerde  icere,  so  werden 
wir  in  demselben  Banne  der  Gedanken  festgehalten  werden,  in 
dem  uns  Nikolaus  von  Löwen  durch  seine  Interpolation  fiefesseU 
hält.  Was  aber  Nikolaus  von  Löwen  in  den  oben  behandeilen 
Briefen  von  der  Griindungsgeschichte  erzählt,  kehrt  fast  mit  den- 
selben Worten  im  ersten  Kapitel  der  Chronik  wieder  {164*6-165*:J3). 
was  uns  aufs  neue  berechtigt,  diese  Teile  aus  der  upspriinglichen 
Textgestalt  der  Chronik  auszuscheiden. 

iJarnach  wird  auch  jeder  Versuch  vergeblich  seiüi  irgend  eine 
Ordnung  in  die  Abschnitte  zu  bringen,  welche  von  der  Bau- 
geschichte des  Johanniterhauses  handeln.  Eine  Vergleichuog 
dieser  Abschnitte  wird  auch  hier  das  Schablonenhafte  dartun. 
In  Betracht  kommen  die  Abschnitte  70*27-37;  73*19-74*23 1 
77*21-79*34;  97*34-41;  108*24-109*28:  111*8-112*7;  112*1^2-41: 
114*9-18;  114*3132;  121*34-122*10. 

Der  1.  Brief  (73*19j  wie  der  13.  Brief  (111*22)  sprechen  von 
zweite  sinite  dez  gebiiwes,  d.  h.  von  der  Meinungsverschiedenheil, 
welche  sich  anläßlich  des  Baues  zwischen  Ruimann  und  dem  ivTiii- 
tur  herausstellle.  Beide  Briefe  tragen  verschiedene  Daten.  Der 
ersle  das  Datum  1377  Juli  13,  der  zweite  das  Datum  i37i  April  23- 
Dem  Uang  der  Ereignisse  nach  sollten  sie  gerade  das  umge- 
kehrte Datum  tragen,  d.  h.  der  13.  miilite  später  als  der  1. 
geschrieben  sein,  da  der  Gottesfreund  im  1,  Brief  noch  voll- 
ständig in  Unkenntnis  über  die  Din,!;e  ist,  die  der  13.  Brief  be- 
reits behandelt  (7;t*23-2ö}.  Und  welch  ver.-?ehie(lene  Rolle  spielt 
niclit  der  Gottesfreund  in  beiden  Briefen!  Im  13.  zeigt  er  sieh 
in  Bausachen  ganz  w<ilil  unterrichtet,  hn  1.  dagegen  veriallt 
er  sich  ganz  auf  den  Rat  Ruprechts  (74*4-8),  der  ihm  das 
Fal.'-che  rät,  bis  die  Vision  in  der  .lakobusnacht  dem  Gottesfreund 
den  rechten  Sinn  des  Baues  eingibt  (77'21ll'.).  Das  alles  wäre 
nbcr   nk-lü   notwendig    gewesen,    da   ja    nach    dem    Anfang   des 


209 

13.  Briefes  der  Komtur  selbst  geneigt  war,  von  der  Hartnäckig- 
keit, mit  der  er  auf  seiner  Meinung  bestund,  abzulassen  (108*29  ff.). 
Im  2.  Brief  stellt  sich  der  Gottesfreund  unter  anderm  auch  des- 
wegen auf  Rulmanns  Seite,  weil  der  Bau  über  vier  hundert  guldin 
weniger  koste  als  der  Bau,  den  der  Komtur  aufzuführen  beabsich- 
tigte (79*19).  Im  13.  Briefe  dagegen  würde  er  Rulmanns  Mei- 
nung selbst  dann  vertreten,  wenn  auch  der  Bau  druhundert  giUdin 
oder  vierhundert  guldin  (\ll*A\)  mehr  kosten  würde  als  die  Bauart 
des  Komturs.  Über  diese  Widerspräche  brauchen  wir  uns  nicht 
mehr  zu  verwundem,  wenn  wir  bedenken,  daß  Brief  1  und  2  dem 
ersten  Teil  des  Brief  buchs,  der  1 3.  dagegen  dem  dritten  Teil  ange- 
hört, in  welchem  Nikolaus  von  Löwen  nochmals  die  früheren 
Gedanken  aufgreift,  verschiedene  Abschnitte  aus  ihm  vorliegenden 
Traktaten  herausgreift,  sie  regellos  aneinanderreiht,  ohne  sich  der 
Ungereimtheiten  recht  bewußt  zu  werden.  Und  wäre  trotzdem 
in  jemandem  ein  Zweifel  aufgestoßen,  so  war  der  Schluß  des 
Briefes  durch  seine  Phrasen,  die  in  den  Grottesfreundtraktaten 
ähnlich  wiederkehren,  geeignet,  jeden  Zweifel  abzuschwächen 
(113*37-114*2). 

Auch  bei  der  Behandlung  der  Baugeschichte  des  Hauses  be- 
durfte es  keiner  großen  selbständigen  Arbeit  Nikolaus  von  Löwens. 
Die  Gedanken  des  Baues  lagen  ihm  schon  in  den  Traktaten  vor, 
wie  uns  vor  allem  der  zweite  Abschnitt  des  1.  Briefes  bezeugt 
Dieser  ist  nichts  anderes  als  ein  Teil  eines  uns  verloren  ge- 
gangenen Traktates.  Ähnliche  Gedanken  sind  im  Traktat  von 
Ursula  und  Adelheid  enthalten,  denen  die  Klause  von  den  Eigen- 
tümern mit  Freuden  überlassen  wurde  (Jundt,  Les  amis  369). 
Die  drei  Brüder  entledigen  sich  alles  Eigentumes  (75*43  ff.),  wie 
auch  der  Gottesfreund  in  Genua  getan  hat  (93*2),  wie  es  Ursula 
tut  (Jundt,  Les  amis  367),  der  Ehemann  (NvB.  1141115)  und  der 
Domherr  im  Fünf-Mannenbuch  (NvB.  119)^).  Von  dem  Bau  der 
Gottesfreunde  sprechen  ferner  die  Stellen  107*41-108*5;  1 34*2526 
und  136*15-17,  was  aufs  neue  die  Annahme  rechtfertigt,  daß  die 
Gedanken  von  einem  Klosterbau  auserlesener  Gottesfreunde,  in 
dem  sie  sich  einschließen,  um  Grottes  Strafe  aufzuhalten,  in  Trak- 
taten eingestreut  waren  (vgl.  89*5-10),  welche  zu  Nikolaus  von 


UepUehes  gui  ywgUiche  aach  MB.  14,  und  16*^1. 


Löwen-s  Zeiten  in  deo  Klöstern  handachiifllieh  verbreitet  waren. 
Die  behandelten  Abschnitte  wirkten  dann  wieder  auf  die  Ümge- 
ölaltung  der  Chronik  ein,  wie  es  das  fj.  Kapitel  (177*tr.)  zeigt  und 
das  11.  Kapitel  ausdrücklich  bealätigt  (184*10). 

Nach  dem  Wunsche  des  Goltesfreundes  sollten  die  Johanuiter- 
brüder  ursprünglich  eine  gute  finanzielle  Hilfskrall  in  drei  Brü- 
dern finden,  die  sich  anfangs  in  Grünenwörth  aufnehmea  lassen 
wiiUteii.  Wie  viel  dem  Gultesfreund  an  diesen  Brüdern  lag,  zeigt 
sich  schon  darin,  dali  er  ütretwegen  einen  eigenen  Brief,  den  vierten, 
an  den  Komtur  achrieb.  Im  ersten  (75*30-76*28},  vierten  (81*33- 
82*5),  dreizehnten  (112'11-13),  seehszehnten  (121*40)  Briefe  ist 
dein  Inhalte  nach  von  denselben  Brüdern  die  Hede.  Allein  auob 
hier  zeigt  sit;h  der  olTene  Widerspruch,  da  in  Brief  lö  vom  12. 
März  1377  als  aussichtslos  bezeichnet  ist,  daU  die  Priester  nach 
Grünenwörth  kommen,  im  13.  dagegen  vom  23-  April  1377  di« 
Aussicht,  diese  Priester  mit  den  reichen  Gütern  zu  erlialten.  in 
nächste  Nähe  gerückt  ist  Dieser  Widerspruch  erkiürt  sich  einmal 
dadurch,  dali  der  13.  Brief  dem  3-  Teile  des  Brief  buehes,  der  16. 
dagegen  dem  4.  Teile  angehört,  und  er  wird  anderseits  umso 
verstündliclicr.  weil  die  drei  Vlriider  überhaupt  nur  als  Schabion 
von  dem  Vert'ertiger  des  Brietbuchs  her  übergenommen  wurden. 
Denn  gerade  in  der  D  r  e  i  z  a  h  1  steckt  das  Schablonenhafte : 
87'''2Ö:  liulmann  und  ich  mit  drien  unseni  hrüdern.  89*13: 
dirre  litlen  goites  friimle  der  worent  drie  prie-4ere.  128*20: 
((■i>  hant  drie  erbere  güthertzlge  einfaltiye  priedere  In  uns  ton 
saute  Johans  orden.  133*22:  ich  bekenne  in  unserme  lande  drie 
prieatere  dez  Ordens,  da:  t/ar  ijüthertsige  sKuse  priesfere  sint.  (Vgl. 
dazu  70*28  vur  driijen  ioren.  T6'-20  "ol  drü  ior.  92*6  drif  nalit. 
(0^20  drie  laffe  alle  tage.  86*18  dni  ior  oder  me.  105*36=  94*33 
dni  ior  einen  tifdnij  usw.). 

Nicht  minder  versagt  vor  der  Nachprüfung  die  Stellung, 
weiche  der  Johannitermeisler  in  den  Briefen  einnimmt,  der  als 
ein  ireltwiser  richxiinüger  herre  (86"14)  charakterisiert  wird.  Fast 
dei-  ganze  siebente  Brief  (86*13-87*42),  sodann  der  11.  und  wieder 
der  grüUte  Teil  des  1:;.  Briefes  handeln  von  ihm.  Da  alle  drei 
Briefe  den  Traktaten  über  die  Plagen  entnommen  sind,  brauchen 
wir  keinen  weiteren  Versuch  /m  mai.:hen,  die  Stollen  auf  die  reale 
Wirklidiked  za  prüfen.    Die  Rolle  des  rat;iebcnden  Gottesfreundes 


2U 

ist  dieselbe  wie  bei  den  aufgetauchten  Zweifeln  über  die  Art  und 
Weise,  die  Kirche  von  Grünen wörth  zu  bauen.    Hier  wie  dort  ist 
sein  Rat   kein  gleichbleibender.     Was    er  früher  geraten,    das 
widerruft  er  später  (106*1  =  79*14).    (Vgl.  105*30  ff.  nait  78*23Ä; 
105*36  dini  ior  mit  73*20  und  86*18;  87*41(42  =  88*12  =  76*45). 
Auch  brauchte  es  keinen  großen  Scharfsinn,  die  Partien  der  Trak- 
tate von  dem  „Meister^^  auf  den  Johannitenneister  zu  deuten,  denn 
von  einem  „Meister'^  handelt  ja  das  ganze  Meisterbuch,  von  der 
Unordnung,  in  welcher  die  Ämter  versehen  werden  (106*27  fif.), 
^as  Neun  Felsenbuch  und  die  Standespredigt  des  Meisters  (MB.  35  fif.)i 
von  dem  weltwisen  richsinnigen  herren  (86*14;  vgl.  auch  86*27  mit 
83*2  und  104*12),  das  Zwei-Mannenbuch  (Lauchert  60  fif.)'  ebenso 
Traktat  9  (29*20)  usw.    Auch  die  Anrede:  herre  der  commendüre 
im  Meisterbrief  (106*27)  ist  der  Anrede:  herre  der  meister  des 
Meisterbuchs  nachgebildet. 

Schablonenhaft  ist  in  diesem  Zusammenhange  ferner  die 
Mahnung  an  den  Komtur,  die  Leute  in  den  Predigten  vor  den 
Plagen  zu  warnen.  (Vgl.  70*20;  104*41-105*5;  105*4  lere  üf 
dem  etül  =  87*10  lerer  uf  dem  etül;  113*11-13  fehlt  85*32; 
133*16  :=  MB.  2)3:  ich  eolte  gon  in  die  stat,  do  der  meister  ioan 
und  solle  in  hören  bredien  .  .  .  und  horte  sine  bredie  und  sine  lere 
zu  fünf  molen). 

Werden  nun  nach  all  dem  die  Stellen  über  Rulmann  zu* 
verlässiger  und  der  Wirklichkeit  entsprechender  sein  ?  Die  Visionen 
und  die  damit  verbundenen  großen  sweren  trücke  können  wir  ja 
von  vornherein  streichen,  an  einen  Brief austausch  zwischen  Gottes- 
freund und  Rulmann  ist  auch  nicht  zu  denken,  da  Nikolaus  von 
Löwen  ja  ihm  vorliegende  Traktatabschnitte  gleichzeitig  mit  der 
Anlage  des  Brief  buchs  zu  Briefen  umgeformt  hat.  An  einem  wirk- 
lich stattgefundenen  Briefwechsel  zwischen  Komtur  und  Rulmann, 
wobei  Rulmann,  um  seine  Pläne  durchzusetzen,  diese  Briefe 
erfunden  hätte,  wird  doch  niemand  im  Ernste  testhalten  können, 
der  auch  nur  oberflächlich  ihren  Inhalt  betrachtet.  Mit  Ratschlägen, 
die  man  heute  gibt  und  morgen  widerruft,  die  vielfach  geradezu 
lächerlich  sind  (vgl  81*18;  107*31),  wird  niemand  seinen  eigenen 
Starrsinn  durchzusetzen  vermögen,  erst  recht  nicht,  wenn  er  sich 
etwa  auf  einen  jedermann  unbekannten  Gottesfreund  vom  Ober- 
lande  benifiKi  Würde.    Und  doch  handelte  es  sic\\  \ueT  \xm  d^fe 


312 

tealstCD,  ins  tägliche  Leben  tief  einschneidende  Dinge:  Häuser- 
bau,  Amtsealsetzung,  Abfall  im  Schisma  usw.  An  ein  solches 
Spiel  konnte  Rulmanu,  und  hätte  er  auch  als  gewandter  Geschäfts- 
mann nie  gedacht.  Ganz  anders  konnte  man  über  diese  Din^e 
schreiben,  als  zwanzig  Jahre  über  dem  iiäuserbau  verslricheii  waren, 
der  Johannitermeister  imd  Rulmann  tot,  der  Komtur  nicht  mehr 
im  Amte  war.  Dafiir  waren  auch  Schablonen  gut  genug,  wenn 
sie  nur  nicht  offenkundig  der  Wahrheit  ins  Gesicht  sehlugen  oder 
wenigstens  infolge  ihrer  Unfaübarkeit  und  Vieldeutigkeit  nicht 
na^^hgeprüll  werden  konnten.  Diese  Schablonen  boten  dem  Niko- 
laus von  Löwen  die  Traktate  auch  da,  wo  er  den  Gottesfreund 
von  Rulmann  verabschiedet  und  Rulmann  selber  ein  zurück- 
gezogenes Leben  in  seinem  an  die  Jobann  iterkirche  angebauten 
stüiielin  führen  lälit  (9lj*20-98*ü7).  Schon  der  Wunsch  Rulinanns 
aller  creaturen  lidig  ?h  stun  (96*23)  ist  der  Zentralgedanke,  um 
den  sich  die  Traktate  drehen:  der  Kreatur  abscheiden  und  sich 
immer  mehr  mit  Gott  vereinigen.  Der  förmliche  Abschied  sodann, 
der  in  den  Worten  ausgedrückt  ist:  huruwb  «*  md^ent  teir  mit 
uitserre  heder  geijenwertike'U  nüt  me  zäsatnene  kummen,  so  ennaht 
du  mir  noch  ich  dir  niH  nie  fnintliche  briefe  tfeschrieben  (|lfi*vtäir. 
und  97*43  IT.)  kehrt  ähnlich  am  Schlüsse  des  Zwei  Mannenbuchs 
wieder:  A'k  taye  inir^  lieber  frünt,  sollen  irir  zwei  einander  uhu» 
losaeit,  daz  wir  in  dirre  zit  niemer  liiMlich  wort  me  züsummene 
gereden  söllent'^  Do  sprach  der  itmler  mensche:  io,  es  iat  nu  die 
zil  kamen,  daz  wir  alle  lüsÜichi>.  reden  lossen  sölleni,  die  wir  vor- 
moles  geübet  hanl.  (Lauchert  ül.iH'.,  vgl  dazu  den  Abschied  des 
Güttesfreundes  vim  Nikolaus  von  Liiwen  lir)*7-ll  und  den  vom 
Komtur  108*1-5).  Wenn  ferner  der  Gollesfreund  Ruimann  das 
KinschheUeu  (y(i*41  ---  108*2]  erst  erlauben  will,  wenn  er  iibernalitr- 
liehe  ifeziigniße  (l.)()*-i3)  hat,  so  gibt  Johann  \)-i*\\  dem  Goltes- 
Ireund  einen  ähnlichen  Rat:  lont  es  also  hlil/en  titils  an  die  zit, 
daz  irir  nterre  irurtzeichen  befiiident.  Den  liat,  alles  zu  verkaufen, 
kiimmeni  und  slitben  (97*12).  und  beim  Grünenworth  zu  wohnen 
in  einem  sti'ibHiii  nohe  an  der  kirchen  (/ele_fr:nj  linden  wir  in  ent- 
S|irechender  Weise  im  Traktat  vom  gefangenen  Ritter:  nü  do 
dise  dinij  alle  bes'-hohenf  noch  des  gefangenen  rilters  rol,  do  fürte 
in  do  der  herre  in  ein  i/ar  schöne  hau  und  garten^  das  er  helle  in 
der  stiit  nohe  hi  den  Oarf üssen  und  sprach :   wie  will  du  roten,  was 


213 

ich  mit  diseme  schönen  dinge  tun  solt  do  sprach  der  gefangene 
ritter:  aoUe  ich  üch  danne  roten,  so  riete  ich  üch,  das  ir  herabe 
ton  der  bürge  zügent  in  dis  schöne  gemach,  so  hortent  ir  und  die 
frowe  messe  und  bredige  zu  den  barfüssen,  wanne  ir  woUent 
(NvB.  162).  Die  Aufforderung  an  der  mittewochen  und  an  dem 
fritage  zu  dem  sunnentage  (97*19)  das'  hl.  Sakrament  zu  em- 
pfangen, ist  die  gleiche  Aufforderung,  wie  sie  auch  in  dem  vom 
Himmel  herabgefallenen  Brief  an  die  Laien  unter  den  Gottes- 
freunden ergeht  (99*29).  Ebensowenig  entspricht  der  Wirklich- 
keit, daß  Rulmann  sich  vor  xxx  ioren  entwonet  hat  noch  dem 
nahtmole  collacie  zu  trinckende,  schon  deswegen,  weil  die  Zahl  30 
hier,  wie  oben  die  Zahl  3,  rein  schablonenmäßig  gebraucht  wird^). 
Der  Satz  endlich:  gib  sü  (die  Gulden)  alle  dem  commendüre  und 
den  brüdem  zu  letze,  daz  sü  unser  gedenckent,  und  gib  in  die 
guldin  in  der  wise  also  daz  sü  an  die  kirche  verbuwen  werdent 
(97*33  ff.)  fmdet  seine  Illustration  durch  die  Art  und  Weise,  wie 
Rulmann  das  angebliche  Stiftungsgeld  des  Heinrich  Blankhart  von 
Löwen  an  den  gebu  der  kirchen  verwandte  (9*15  ff.)-  Alles  in 
allem  aber  zerfließt  der  ganze  Abschnitt,  der  von  Rulmann  handelt, 
in  eine  rein  schablonenhafte  Erzählung,  die  mehr  oder  minder 
wörtlich  einem  Traktate  vom  Charakter  derjenigen  des  Großen 
Deutschen  Memorials  entnommen  isL 

Eine  besondere  Bedeutung  beanspruchen  die  sogenannten 
Begleitbriefe  zum  Meisterbuch  und  Fünf-Mannenbuch :  Briet 
5  und  0,  mit  welchem  Brief  22  in  Verbindung  steht.  So  verschieden- 
artig auch  die  Zeit  ist,  in  der  sie  angeblich  geschrieben  wurden 
—  der  erste  ist  im  Jahre  1369,  die  beiden  andern  im  Mai  1377 
geschrieben  —  so  zeigen  sie  doch  gerade  in  den  Partien,  die 
ausschließlich  von  dem  Meisterbuch  bezw.  Fünf-Mannenbuch  han- 
dein,  eine  auffallende  Ähnlichkeit  Ich  denke  an  die  Abschnitte 
82*20-25  im  Vergleiche  mit  70*7-17.  Diese  auffallende  Überein- 
stimmung in  den  Gedanken  und  doch  wieder  die  Widersprüche, 
die  sich  aus  einer  gegenseitigen  Vergleichung  ergeben,  beruhen 
gewiß  nicht  auf  Zufall.  Die  Priorität  kommt  dem  Brief  5  zu, 
der  sich  ja  schon  im  Ersten  Lateinischen  Memorial  vorfand,  aber 
ebenso  wenig  wie  die  übrigen  bisher  betrachteten  Briefe  als  ein 


>)  Yi^  Stnuich,  Anzeiger  fOr  deutsches  Altertam  VI,  "äOl  uuai  Vm'^^^XftV^V^. 


21« 

Brief  im  heutigen  Sinn  des  Wortes  aufgefallt  sein  will').  Der  grüß 
Teil  des  Briefs  befatil  sich  gar  nicht  mit  dem  Meisterbueh,  w 
man  es  eigentlich  von  einem  „Sendschreiben-  erwarten  solll 
Es  sind  allgemein  gehaltene  Ermahnimgen,  die  irgend  welch* 
asketischen  Traktaten  entstammen  und  vnn  der  Gnade  Gotti 
handelten.  Diesem  Briefe  ist  nun  der  Begleitbrief  zum  Fun 
Mannenbuch  nachgebildet,  der  nur  den  Zweck  hat,  die  sonderba; 
Schrift  des  Fünf-Mannenbuchs  zu  erklären,  die,  wie  wir  oben  g 
sehen  haben,  auf  Nikolaus  von  Löwen  zurückgeht.  Die  Gedankt 
zu  Eingang  des  Briefes  sind  dem  Anfang  des  Fünf-Mannenbucl 
entnommen.  Die  Plu-ase:  dtiz  ich  «s  kunte  an  ein  gantzes  meß 
blich  geedtriben  möhfe  htthen  (69*36),  kehrt  ähnlich  wieder  in  d( 
Vier-Jahren  bei  Schmidt,  Gotte=fr.  ti5,  68,  75;  NvB.  194,  127  u. 
—  Zu  69*38  MiJ  iper  es,  duz  es  becchehe,  das  ui€er  brüder  eiti 
eUrtoliche  gnade  wurde  vgl.  die  Parallelstelle  im  gefangenen  Ritli 
25*3011'-  —  Zu  70*4  got  ist  sine  fri'tnde  gar  ungelich  infiirende  v( 
die  Parallele;  goi  der  wiirket  und  fi'iret  in  gar  vil  und  i»  yt 
maniger  hande  verborgener  wiae  dne  fri'int  und  eins  shs  und  d\ 
andere  so,  m/m  er  selber  wol  iiekeiittende,  iraa  ein  iegelichgr  menx, 
liden  inl.  Der  weitere  Gedankengang  des  Briefes  ist  dann  dun 
zwei  Abschnitte  unterbrochen  (70*18-37),  von  denen  der  ers 
vom  bredien  hören  (vgl.  Lauchert  09 IF.,  83  IT.),  der  zweite  vo 
Bau  handelt,  wie  schon  oben  in  anderm  Zusammenhange  au 
gefiihrl  wurde.  Der  natürliche  Gedankengang  wird  erst  mit  70*5 
wieder  aufgenommen,  aber  in  einer  Weise,  die  den  Ausfiihrungf 
des  22.  Briefes  diametral  entgegengesetzt  ist.  Dies  ist  eigen 
lieh  der  wichtigste  Brief  des  ganzen  Briefbuches,  da  er  das  „Auti 
graph"  des  Fiinf-Mannenbuchs  retten  sollte  und  auch  reiten  würd 
wenn  er  keine  Erfindung  Nikolaus  von  Löwens  wäre.  Auffalle! 
muli  schon  sein,  dall  das  Künf-Mannenbuch  als  Autograp 
dagegen  die  beiden  Begleitbriefe  nur  in  Abschrift  erhalten  sin 
Nicht  minder  seltsam  ist  die  Stellung  de^  :i2.  Briefes,  der  er 
nach  Vollendung  des  ganzen  Briefbuchs  auf  dem  freien  Plat; 
von  Bl.  75''  nachgetragen  wurde,  während  man  ihn  in  unmilte 
barer  Verbindung  mit  dem  ersten  Briel   erwarten  würde,  umsi 


215 

mehr,  da  er  denselben  Gegenstand  behandelt  und  zudem  noch 
direkt  an  denjenigen  gerichtet  war,  der  das  Briefbuch  anfertigte. 
Wenn  aber  Nikolaus  von  Löwen  einmal  die  Briefe  in  einem  Brief- 
bach sammeln  wollte,  dann  müßte  ein  Übersehen  dieses  Briefes 
seinerseits  doch  wohl  ausgeschlossen  sein.    Außerdem  birgt  der 
Brief  selbst  eine  ganze  Reihe  von  Widersprüchen  in  sich.    Im 
15.  Brief,  der  hindersten  missiven,  vom  23.  April  1377  bedeutete 
der  Gottesfreund  Nikolaus  von  Löwen,  daß  er  weder  ihm  noch 
sonst  jemanden  schreiben  werde,  ez  sige  dan  reddiche  notdurft 
(115*7  ff.).    Trotzdem  schickt  der  Gottesfreund  ein  paar  Wochen 
später  einen  neuen  Brief,  nämlich  den  22.  um  den  17.  Mai  1377! 
Desgleichen  kam  der  Gottesfreund  nach  154*11  ff.  mit  Rulmann 
vor  den  Fasten  1377,  d.  h.  vor  dem  ersten  Tage  des  Februar, 
überein,  keine  Briefe  mehr  zu  schreiben.   Allein  zu  allererst  hält 
sieh  der  Gottesfreund  nicht  an  dieses  Abkommen,  weil  er  glaubte, 
es  hege  für  ihn  ein  ernesüicher  redelicher  Grund  zum  Schreiben 
Tor.   Rulmann  dagegen  hält  dies  nicht  für  einen  ernstUchen  Grund 
und  schreibt  deswegen  dem  Gottesfreund  diser  seihen  faden f  d.  h.  vor 
dem  29.  März  1377  einen  Brief,  in  dem  er  unter  anderm  um  eine 
Lebensbeschreibung  der  Gottestreunde  im  Oberlande  für  die  Brüder 
zum  Grünenwörth  bittet.    Obwohl  der  Gottesfreund  auf  diesen 
Brief   selbstverständlich  wieder    antworten   muß,   da   Rulmanns 
Begehren   doch   eine   emestUche  redeliche  suche  ist,    schreibt  er 
am   23.  April  1377   (Brief  15)    an  Nikolaus    von  Löwen,    daß 
er  in  Zukunft  weder  ihm  noch  sonst  jemandem  schreiben  würde, 
um  gleich  darauf  im  Mai  1377  den  Brüdern  das  Fünf-Mannen- 
buch  samt  zwei  Begleitschreiben,  eines  an  die  Brüder,  eines  an 
Nikolaus  von  Löwen,  zu  übersenden  I    Diese  Widersprüche  lösen 
sich  mit  einem  Schlage,  wenn  man  im  Auge  behält,  daß  Nikolaus 
von  Löwen  das  Datum  des  ersten  Begleitbriefes  zum  Fünf-Mannen- 
buch   schon  festgestellt  hatte,  ehe  er  an  die  Anfertigung  der 
übrigen  Briefe  dachte,  und  daß  der  22.  Brief  seiner  Stellung  im 
Briefbuch  entsprechend  die  letzte  freie  Erfindung  Nikolaus  von 
Löwens  ist,  dem  er  dasselbe  Datum  geben  mußte,  wie  dem  Be- 
gleitbrief zum  Fünf-Mannenbuch,  auch  wenn  es  ihm  nicht  gelang, 
die  Widersprüche  zu  lösen.  Wenn  endlich  154*26  ff.  der  Gottes- 
freand    Nikolaus   von  Löwen    auffordert,    das  „Autograph^^    für 
sieh  2a  behalten,  die  Abschrift  dagegen  den  Brüdern  txx  %^^tl, 


216 

SO  steht  dies,  wie  SL'hon  erwähnt,  im  Gegensatz  zu  den  Gedanken 
70*3811.,  nai-h  denen  die  Brüder  das  Autngraph  dem  Komtur 
geben  sollen,  der  es  ihnen  nach  freiem  Ermessen  ^zurückgeben 
oder  aber  auch  behalten  kann,  mag  dies  den  Brüdern  reclit  sein 
oder  nicht.  Das  alles  erklärt  sich  dadurch,  daß  wir  in  den 
„Brieten"  nur  eine  schablonenmäliige  Arbeit  Nikolaus  von  Löwens, 
aber  keinen  wirklichen  Briefwechsel  vor  uns  haben.  So  lösen 
sich  auch  die  Widersprüche,  die  zwiscbeu  dem  Begleitschreiben 
zum  Meisterbuch  und  dem  zum  Füni-Mamienbuth  bestehen.  Jenes 
schrieb  der  Gottesl'reund  angeblich  im  Jahre  1369  innerhalb 
vier  Tage  und  in  reinem  elsässisehen  Dialekte.  Zu  diesem  dagegen 
—  in  seinem  Umlang  nicht  einmal  halb  so  groll  wie  das  Meister- 
budi,  aber  acht  Jahre  spater  (1.377)  geschrieben  —  braucht  er  fdiif 
Tage,  hat  aber  inzwischen  den  elsüssischen  Dialekt  vergessen,  so 
dali  die  Sprache  ein  Mischmasch  verschiedener  Dialektformen  dar- 
stellt und  der  Sinn  oft  uuverstündlich  ist.  Wenn  Nikolaus  von 
Löwen  diese  Briefe  gefälscht  hat,  so  ist  dies  leicht  verständlich,  da 
ihm  alles  darauf  ankam,  gerade  die  unnatürliche  Schrift  des  FUnf- 
Mauiienbnchs  zu  erklären  und  zu  rei^htfertigen. 

Einen  ganz  eigenartigen  Briet  stellt  Nr.  17  (i 22*35  ff.)  dar.  wel- 
cher nach  Nikolaus  von  Löwen  an  den  Lesemeister  Johann  von 
Schällolsheim  gerichtet  war.  Dieser  war  Bistumsvikar  in  geistlit-hen 
Sachen  des  Slraßburger  Bischofs  und  m  ichte  wohl  in  dieser 
Eigensi-haft  bei  der  Übernahme  von  Grünenwörth  durch  Rnlmann 
ein  Wort  mitgeredet  haben.  Nikolaus  von  Löwen  spriclit  von 
einem  „engen  Gewissen",  das  dem  Lesemeister  eigen  war.  Wenn 
dieser  Ausdruck  nicht  abermals  schablonenhaft  ist,  so  könnte  man 
darin  eine  Anspielung  aul  die  Sciiwierigkeilen  erklicken,  welche 
der  Verkauf  eines  Klosters  an  einen  Laien  kiruhenreuhtlicli  mit 
sich  brachte.  Der  Brief  selbst  trügt  kein  Datum.  Das  Datum, 
welches  Nikolaus  von  Löwen  in  der  Rubrik  (122*26)  angibt,  ist 
darum  nicht  näher  zu  prüfen.  Wichtig  aber  ist,  daß  nach  diesem 
Briefe  dieser  Lesemeister  im  Besitze  des  Zwei-Mannenbuchs  war 
und  dasselbe  gelesen  hatte  und  zwar  schon  im  Jahre  1363,  noch 
ehe  also  Rulmann  an  den  Kauf  von  Grünenwörth  gedacht  hatte; 
denn  die  Stelle  (l:^:(*:i)  herre  der  lesemeister,  gat  der  het  i'tch  tÜ 
diiii/es  durch  midi  sui  armes  ije^'^irdin  an  eime.  l/riefe  geschrihen, 
fO  haut  ir  ''ck  nnegesehen  an  eime  Oiicltelin  fi'inf  jore  mins 


*217 

anefohenden  lebenden  kann  nur  vom  Zwei-Mannenbuch  ver- 
standen werden.  Wir  sehen  also  Johann  von  SchäfTolsheim  im 
Besitze  eines  lateinischen  Exemplars  der  Neun  Felsen  (Hs.  C), 
sowie  im  Besitze  des  Zwei-Mannenbuchs.  Ebenso  besaß  Gertrud 
von  Bieteaheim,  Rulmauns  Frau,  das  Zwei-Mannenbuch  schon 
vor  1370  in  einem  schön  geschriebenen  Pergamentbüchlein  (Hs.  Ä). 
Dann  aber  sind  die  Angaben  Nikolaus  von  Löwen  unrichtig :  Rulmann 
habe  erst  am  Ende  seines  Lebens  die  übrigen  Traktate  in  Wachs 
geschrieben,  welche  doch  mit  den  Neun  Felsen  und  dem  Zwei- 
Mannenbuch  in  innigstem  Zusammenhange  stehen  und  kein  an- 
deres Thema  behandeln  als  diese.  Begreiflich  aber  erscheinen 
diese  Widersprüche,  wenn  derjenige,  der  die  Memorialbücher  und 
da$  Brief  buch  anlegte,  auch  der  Erfinder  dieser  Gedanken  ist, 
so  daU  jeweils  einem  bestimmten  Abschnitte  der  Memorialbücher 
auch  ein  bestimmter  Gedankengang  entspricht,  welcher  s.ch  mehr 
und  mehr  klärt,  je  weiter  Nikolaus  von  Löwen  in  der  Anlegung 
seiner  Memorialbücher  fortschreitet.  Der  ganze  erste  Abschnitt 
des  Briefes  123*8-124*2  handelt  von  der  Gnade  des  hl.  Geistes 
und  ist  demselben  Gedankenkreis  wie  der  16.  Traktat  entlehnt  — 
Zu  I22*'36ff.  do  rette  got  der  heiligtist  die  worheit  durch  Kayfas,  der 
^w  Sünder  waz,  also  mag  er  och  wol  durch  mich  armen  mnder 
^^en,  waz  er  wil  vgl.  MB.  16:  warzu  geloubent  ir  denne  och  nut, 
ias  der  heilige  geist  durch  mich  armen  »ander  zu  üch  reden  mag? 
^f  rette  doch  die  worheit  durch  Cayphas,  der  och  ein  minder  was. 
Ähnlich  im  Ursula-Traktat  (Jundt,  Les  amis  369)  und  den  Neun 
Felsen  10.  —  Der  Ausdruck  gezowelin  kehrt  in  gleicher  Anwendung 
MB  19;  NF.  6;  NvB.  278  wieder.  —  Zu  123*7  mü  kurtzen  unl^e- 
Mceten  warten  vgl.  Jundt,  Les  amis  372 :  und  worent  die  wort  alse 
gar  bedecket,  das  ich  sü  mit  wol  verston  künde.  Der  gleiche  Aus- 
druck kehrt  immer  wieder,  wenn  es  sich  um  die  Unterredung  eines 
Beichtvaters  mit  dem  Beichtkinde  handelt  —  Der  Ausdruck  die 
Gnade  Gottes  muß  ein  alse  gar  reines  leres  fas  haben  (123*22), 
kehrt  inhaltlich  ähnlich  wieder  136*2 :  Der  hl.  Geist  kann  in  kein 
Herz  einkehren,  er  finde  denn  ein  leeres  Herz.  —  Zu  123*44  one 
^warwnbe  vgl  83*26,  wie  überhaupt  die  ganze  Stelle  83*7-33 
^  aui&ülende  Ähnlichkeit  mit  123*  aufweist  —  In  beiden  Ab- 

r schnitten  ist  auch  auf  den  hl.  Paulus  verwiesen.  Über  die  Ver- 
weDdnog  des  hL  Paulus  in  den  Gottesfreundschn(leiivg\.^\B.V6\.\i^- 


218 

194.  279;  NF.  14ß;  jundt,  Les  amJs  381,  384,  394,  398;  MB. 
55  u.  a.  —  Zu  123*27  wir  bahettt  nu  die  heilge  geachrift  zu  hilfi 
vgl,  1 15*10,  —  Im  zweiten  Abschnitt  geht  dann  der  Brief  zur  Armi 
des  Geistes  über,  von  der  auc-h  der  Iti.  Traktat  redet,  und  über  d 
eigens  im  Kleinen  Deutschen  Memorial  gehandelt  war  (14*31 
Der  einzige  Absatz,  der  von  geschichtlichen  Vorgängen  redet,  i; 
der  dritte  124*20-42,  allein  die  Ausdrüi-ke  sind  so  allgemein  uti 
darin  so  unfallbar,  daü  jede  Nachprüfung  versagt.  Aspiratione 
nach  fremden  Bischofssitzen  hatten  ja  verschiedene  Stratlburg« 
Bischöfe,  von  denen  hier  Lambert  von  Burne  (1371-1375)  un 
Friedrich  U.  von  Btankenheim  (1375-13!>3j  in  erster  Linie  in  B< 
tracht  kämen.  Der  Ratschlag  aber  des  Guttesfreundes  gehört  i 
dieselbe  Kategorie,  wie  der  Rat  beim  Bau  des  Hauses  oder  beii 
Ausbruch  des  Schisma,  d.  h.  man  ist  nach  dem  Rate  so  klu 
wie  vorher.  Der  Text  dazu  ist  eben  derselben  Gattung  vn 
Traktaten  entnommen,  wie  derjenige  der  obengenannten  AbschnitI 
vom  Klosterbau  und  Siihisma.  Zu  seiner  ursprünglichen  Gesta 
kommen  wir,  wenn  wir  nach  unser  f^rre  den  Zusatz  der  bischt 
ci/n  Strazbiirg  weglassen.  Über  eines  aber  klärt  uns  dieser  AL 
srhnitt  mit  aller  Deutlichkeit  auf,  wn  die  Heimat  des  Briefsteller 
zu  suchen  ist.  Die  trüberen  Gottesfreundforscher  haben  an  alle 
möglichen  Einsiedeleien  in  den  Tälern  der  Schweiz  angeiiocht  un 
nach  der  Wohnung  der  Gotlesfreunde  gefragt.  Man  halte  dafii 
nicht  sn  viel  Scharfsinn  aufzuwenden  brauchen,  denn  dieser  Brit 
besagt,  dal3  wir  diesen  brief?;chreibenden  Gottesfreund  im  Strallburge 
Bistum  zu  suchen  haben.  Der  StraHburger  Bischof  ist  sein  Herr 
wie  es  klar  aus  den  Worten  hervorgeht:  wanne,  wissent  daz  rii 
war,  daz  unser  herre  von  Strazburg  clteiraz  werbende  i' 
gesin  noch  dem  blstiim  zi'i  lOMe  (124*35).  Ein  Schreibfehler  U 
hier  ausgeschlossen,  da  an  der  analogen  Stelle  124*21  das  Wor 
unser  von  Nikolaus  von  Löwen  zweimal  geschrieben,  aber  da 
einemal  getilgt  wurde.  Der  „Briefsciireibende  Gottesfreund"  is 
aber  nicht  blotl  im  Bistum  Straliburg  wohnhaft,  sondern  er  is 
auch  ein  Johanniter,  da  er  an  mehreren  Stellen  den  „Meister* 
—  nach  Nikolaus  von  Löwen  den  Johannitermeister  —  wie  dei 
Bischol  seinen  Herrn  nennt;  103''21  "■  snllent  unserm  kern 
dem  meist  er  Luntlitn,  ebenso  104*25;  105*26;  106*7  u.a.  AuUer- 
dem  wohnt  dieser  Johanniter  zu  Straliburg.  worauf  der  aus  Ver- 


219 

sehen  geschriebene  Ausdruck  hie  nidenan  zu  Strozburg  (76*40|41) 
hinweist  (vgl.  damit  77*4  u.  110*34).  Auch  auf  diesem  Wege  be- 
stätigt sich  demnach,  daß  niemand  anders  als  der  Johanniter- 
brader  Nikolaus  von  Löwen  der  Redaktor  der  sog.  Briefe  ist 

Der  letzte  Abschnitt  endlich  spricht  von  Küntzelin,  dem  Beicht- 
sohn des  Johann  von  Schäffolsheim.    Will  man  dabei  an  eine 
geschiehthche  Persönlichkeit  denken,  so  läge  am  nächsten,  dar- 
unter Kuntzo  von  der  Megede,  den  Erbauer  des  Spitals,  zu  ver- 
amten.    Viel  wahrscheinlicher  ist  jedoch,  daß  hier  dieser  Name 
nur  schablonenmäßig  gebraucht  ist,  wie  überhaupt  die  sonst  noch 
in  den  Gottesfreundschriften  vorkommenden  Namen :  Johann,  Ru- 
precht und  Konrad.  Wichtig  sind  nur  wieder  die  Widersprüche, 
die  dieser  Abschnitt  aufdeckt.    Alle  Briefe  gehen  ja  nach  andern 
Stellen  Nikolaus  von  Löwens  direkt  durch  Rulmann,  der  sie  direkt 
döi  Adressaten  übergibt.    Hier  aber  ist  Johann  von  Schäffolsheim 
im  Besitze  eines  Briefes,  der  an  sein  Beichtkind  adressiert  ist, 
in  dem  zudem  noch  der  Name  steht,  während  es  sonst  Gewohn- 
heit der  Gottesfreunde  ist,  die  Namen  auszulassen.    Bei  125*13 
^nd  wißent  und  ginge  mir  sin  vetter  abe  setzte  der  Schreiber 
J^it  neuer  Feder  und  Tinte  em,  was  den  Gedanken  nahe  legt, 
daß  Nikolaus  von  Löwen  den  Brief  schon  mit  den  Worten:  den 
^(d  gar  liep  het  beschließen  wollte.  Seltsam  ist  wenigstens,  daß  er 
l^er  wieder  zu  Ende  einer  Lage  den  Gottesfreund  von  Johann 
>on  Schäffolsheim  Abschied  nehmen  läßt,  wie  er  an  ähnlichen 
Stellen  Abschied  genommen  hat  von  Rulmann  (96*20  ff.  —  es  ist 
^er  ^hinderste  Briefe*),  vom  Komtur  (108*1  ff.  —  es  ist  der  „aller- 
Itoderste  Brief")  und  von  Nikolaus  von  Löwen.  (115*7  ff.  —  es 
i^t  abermals  der  „hinderste  Brief-),   also  Schablone  über  Scha- 
tilone,  was  unbegreiflich  wäre,  wenn  man  in  dem  Verfasser  der 
Briefe  Rulmann  zu  erblicken  hätte  oder  wenn  jemals  die  Briefe 
^larauf  berechnet  gewesen  wären,  zu  Rulmanns  Lebzeiten  eine 
^ealpolitische  Rolle  zu  spielen.  So  beweist  aber  die  Stellung,  welche 
^ie  vier  Abschiedsbriefe  einnehmen,  schon  iür  sich  unsere  These: 
^ur  deijenige  ist  der  Erfinder  der  Gottesfreundbriefe,  der  das  Brief- 
tmch  selbst  angelegt  hat,  das  ist  Nikolaus  von  Löwen. 

Aitf  Nikolaas  von  Löwen  als  deutlichen  Verfasser  dieser  Briefe 
fähreo  HOS  endlich  die  Briefe  18  und  19,  bei  denen  wir  zum 
^ntouDil  etwas  festen  Boden  [iir  unsere  Untersuchung  g^v^Vsmföiv. 


Nr.  18  ist  der  einzige  Brief,  der  an  den  GuttesCreund  gesebriebeo 
wurde;  Nr.  19  die  AntworL  des  GolLesfi-eundes  auf  diesen  Briet 
Beide  Briefe  setzt  Nikolaus  von  Löwen  in  den  Rubriken  ina 
Jabr  1371.  Auch  seinem  Inhalte  nach  muH  Nr.  18  nacb  März  23 
{die  Johanniter  sind  schon  im  Besitz  von  Grünenwörth)  aber  vor 
Juni  24  (Nikolaus  von  Löwen  ist  noch  kein  Johanniter)  geschriebea 
sein.  Die  Antwort  auf  diesen  Brief  erfolgte  ebenfalls  vor  Juni  24. 

Brief  18  setzt  voraus,  dall  Nikolaus  von  Löwen  schon  länger 
mit  dem  Gottetfreund  verkehrt,  da  er  wenigstens  drei  Briefe  schon 
von  diesem  empfangen  hat  ( 127*28).  Der  18- Brief  ist  das  eigentliche 
Werk  Nikolaus  von  Löwens,  aus  ihm  ist  dai'Uiii  auch  der  Brief- 
stiel Nikolaus  vonLöwens  genau  zu  erkennen.  Nikolaus  von  Löwen 
versichert  zunächst  dem  Gnttesfreund  seinen  Gehorsam,  da  et 
sich  ihm  ganz  zu  Grunde  lassen  will.  Dann  geht  er  zu  den 
IvJngen  über  die  Johanniter  über.  AnstoH  erregt  ihm  zunächst 
der  Ablal),  den  die  Johanniter  sich  erworben  und  der  zu  viel 
wellliuh  Volk  ins  Kloster  zog  (128*li-24),  sodann  das  weltliche 
Benehmen  der  Priester  im  Gottesdienst  und  Kleidung  (128*25-35} 
I2'.)*(j-I5  vgl.  damit  die  Urkunde  S.  237*)  und  nicht  minder  die 
geringe  Anzahl  der  Priester,  über  welche  der  Johannilerorden  zn 
verfügen  hatte  (128*39).  Dagegen  gefüllt  ihm  über  alle  Mallen 
die  eine  Bestimmung  des  Pflegerbriefs  (129*28  fT.),  daü  ohne  der 
drei  Pfleger  Willen  kein  Ordensbruder  dem  Hause  zum  Grünen- 
wörth gerieben  oder  genommen  werden  könne,  während  er  sonst 
sehr  fürchtet,  dall  alle  übrigen  Bestimmungen  des  Pflegerbriefs  in 
die  Brüche  gehen  möchten,  weil  man  schwerlich  solche  Pfleger 
linden  würde,  wie  Rulmann  und  IJeJntzemann  Wetzel;  wsnne  so 
die  2u:enn  uhegoiit,  so  ist  oiicii  deiuie  //nisUrhr  zu  fvrhlende  <iif 
ffi'äfi  amhkli(/c  ijötUche  oi-deiiitiiife  und  mtrinuiige.  die  wir  ieljeiU 
ane  gerne  anefiiiffenl  und  och  eines  teites  anegefanijen  hatit^  die  werde 
och  abegonde  von  tage  zii  taije  ieraer  duz  mevfie  led.  Das  liege 
eben  in  der  Zeitströmung,  weiine  leider,  wie  wol  und  wie  krefteclicht 
man  alte  geintdche  ding  ordenl  und  verbindet,  so  niminet  es  doch  alles 
ton  tage  zii  tage  ine  abe,  wenne  es  :i'i  nimet  (129*87). 

Man  finde  keine  Priedter,  so  lautet  die  weitere  Klage,  welche 
Liebe  zum  Grünenwörth  hätten  und  selbst  jene,  welche  Anfangs 
grollen  Kifer  gezeigt  ballen,  verlielien  das  Haus  wieder,  wie  vor 
aUem  rfa^  tfeispiel  zweier  Brüder  zei^je.  denen  man  zur  Aufnahme 


•121 

nach  GriinenwörLh  half,  welche  aber  ebenso  schnell  wieder  aus- 
traten. So  ist  er  abermals  Id  Furcht,  dall  das  Haus  niemer  me 
7(1  friden  noch  zu  roUekumener  »tetikeit  gelangen  könnte.  Mit  der 
Versicherung  der  'freue  schließt  Nikolaus  von  Löwen  seinen  Briel 
und  dem  Wunsche,  in  die  Gesellschaft,  der  Gottesfreunde  einzu- 
trelen,  um  allen  Miihsalen  ein-  für  allemal  enthoben  zu  sein. 

Punkt  für  Punkt  gehl  dann  der  Gottesfreund  im  19.  Briefe 
auf  das  Schreiben  Nikolaus  von  Löwens  ein,  um  alle  seine  Be- 
denken zu  zerstreuen.  Schon  der  allererste  Absatz  setzt  den 
Kardinal punkt  an  den  Anfang:  an  der  Existenz  der  Gottesfreund- 
gesellschaft  im  Oberland  ist  nicht  zu  zweifeln,  und  ihre  Liebe  zum 
(irünenwörlh  ist  so  groU,  dali  sie  selbst  für  die  Johanniterbrüder 
in  den  Tod  gingen.  Die  volle  Zustimmung  der  Gottesfreunde  findet 
TOT  allem  der  Pflegerbrief,  wie  ja  überhaupt  die  ganze  Grün- 
dung von  GrünenwÖrtli  mit  rote  dez  heiligen  geistes  angefangen 
Wurde.  Hier  kehren  demnach  dieselben  Gedanken  mit  denselben 
Worten  wieder,  die  in  der  Chronik  verwendet  wurden  (134*4011. 
=  16ff"19fT.).  Besondere  Furcht  bereitete  es  Nikolaus  von  Löwen, 
man  möchte  ihn,  wenn  er  in  den  Johanniterorden  trete,  nach 
Rulmanna,  seines  lieben  Meisters,  Tode  in  andere  iiauser  senden 
und  ihm  dort  ein  Amt  übertragen,  obwohl  er  sich  dafür  nicht 
tauglich  dünkt  (ia<l*39if.  und  135' 15  ff.).  Auch  hier  tröstet  der 
Goltesfreund  Nikolaus  von  Löwen,  da  Bulmann  das  gewiß  ver- 
hindern wird,  wie  er  auch  bei  der  Aufnahme  Nikolaus  von  Löwens 
in  den  Orden  aul'  den  Rat  des  Gottesfreundes  bestiinmle  Bedin- 
göBgen  stellte  (129*16fr.  u.  Iü4*12!r.).  Als  einzige,  anscheinend 
fiislorische  Persönlichkeit  tritt  im  19.  Briefe  ein  „Herr  Jakob-  auf, 
fier  loonete  etwenne  zii  SiUtze  und  ick  [der  Gottesfreund]  habe  etle- 
«tnne  sine  sermone  f/ehöret,  daz  er  mir  wol  gefiel.  Haben  wir  es 
hier  nicht  mit  einer  Phrase  zu  tun,  worauf  der  Ausdruck:  sine  ser- 
moite  gehöret  wohl  hindeuten  könnte,  so  kommen  nach  dem  Anni- 
Tersar  folgende  drei  Einträge  in  Betracht:  5.  August:  obiit  f ruter 
Jacobm,  primus  prior  huius  domtis.  [Todesjahr  fehlt.] ;  —  30.  AW.  : 
obiit  frater  Jacobus  Pfowe,  conventualis  huius  doinus,  a<*.  d.  1426. 
hie  sepiUtu»;  —  S.  Nov.:  obiit  frater  Jacohus  Kalt,  conventualis 
kuiue  domua,  a'.  d.  1430.  hie  aepultus.  Das  natürlichste  wäre,  hier 
an  den  ersten  Prior  des  Hauses  zu  denken,  der  möglicherweise 


wurde.  Alles  übrige  sind  Ermahnungen  im  Stile  der  Gottesfreuod- 
schriften,  ?.u  denen  mit  Leichtigkeit  Parallelatellen  in  den  Trak- 
taten gefunden  werden  können.  Ausdrücklich  erwähnt  ist  das 
Meisterbuch  (134*6.7),  das  demnach  Nikolaus  von  Löwen  schon 
im  Jahre  l:(7l  bekannt  sein  mußte,  während  die  übr^en  Traktate 
alle  erst  in  den  Jahren  1378-L382  von  Ruhnaon  den  Brüdero 
aur  Wachstafeln  übergeben  wurden. 

Audi  die  Ermahnung  zum  Gehorsam  ist  bei  Nikolaus  von 
Löwen  auf  keinen  fruchtbaren  Boden  gefallen,  denn  so  sehr  « 
den  Guttesfreund  seüier  Ergebenheit  versichert,  handelt  er  doch 
nach  seinem  eigenen  Willen.  Nach  129*16ff.  hatte  ihm  der  Gottes- 
freund geraten,  nur  unter  gewissen  urkundlich  zugesicherten  Be- 
dingungen in  den  Johanaiterorden  einzutreten;  das  will  Nikolaus 
von  Löwen  nicht,  er  hätte  sonst  keinen  Frieden  im  GtewisseQ 
mehr.  Sofort  ändert  nun  der  GotLesfreund  seine  Ansicht  und 
entschuldigt  sich  noch,  er  habe  es  anders  gemeint  (134*12  IT.  u. 
135*15 ff.)!  Desgleichen  riet  ihm  der  Gottesfreund,  erst  dann  bd 
lic.n  .loliannitfrn  zum  Griinftriwörlh  e. 


223 

dieser  Briefe,  auch  wenn  sonst  gar  keine  anderen  Gründe  vor- 
liegen würden,  zum  Fälscher  stempeln,  weil  er  sich  selber  einen 
Brief  an  den  Gottesfreund  noch  vor  Rulmanns  Tode  schreiben 
läßt,  den  er  erst  nach  dessen  Tode  und  zwar  gleichzeitig  mit 
der  Anlage  des  Briefbuchs  verfaßt  hat    Bei  diesem  Brief  gibt 
es  nicht  den  Ausweg  die  Schuld  der  falschen  Datierung  und  des 
mißverständlichen    Inhalts    auf   einen    Irrtum    des    Abschreibers 
zurückzuführen,   da  der   Verfasser  des   18.  Briefs  unzweideutig 
Nikolaus  von  Löwen  ist,  und  sein  Inhalt  erst  auf  die  Vorgänge 
hinweist,  wie  sie  sich  nach  unserer  obigen  Betrachtung  (S.  150  ff.) 
in  den  Jahren  1390-1400  in  Grünenwörth  abspielten.  Hier  zeigte 
sich  erst  der  üble  Zustand,  in  welchen  Rulmann  das  Johanniter- 
haos  durch  die  Bestimmungen  des  Pflegerbriefs  gebracht  hat   Wie 
Nikolaus  von  Löwen  darum  in  den  früheren  Briefen  die  Gründungs- 
und Baugeschichte  von  Grünenwörth  verteidigt  hat,  so  hier  vor  allem 
die  Artikel  des  Pflegerbriefs,  der  seine  feierliche  Sanktion  durch  den 
Gottesfreund  vom  Oberland  erhält.  Der  Johanniterorden  hatte  wenig 
tüchtige  Priester  aufzuweisen,  und  diese  waren  zu  jfreiheitlich  ge- 
sinnt, um  sich  dem  Regimente  der  Pfleger  unterzuordnen.    Daher 
das  Angstgefühl    Nikolaus    von    Löwens,    Grünenwörth   möchte 
gar  nicht  genug  Leute  erhalten,  die  den  Absichten  des  Stifters 
entsprächen  und  die  gestifteten  Messen  persolvierten.    Nikolaus 
von  Löwen  mochte  nicht  am  wenigsten  unter  solchen  Zuständen 
2u  leiden  haben.  Weder  die  Priester  noch  die  Pfleger  entsprachen 
den  Anschauungen,  welche  er  und  Rulmann  bei  der  Stiftung  des 
Hauses  gehabt  hatten.    Daher  sein  Wunsch,  nicht  mehr  länger 
2a  leben  und  in  die  Gesellschaft  der  Gottesfreimde  aufgenommen 
2u  werden.     Man  mochte   auch   daran  gedacht  haben  —  der 
Brief  läßt  deutlich  darauf  schließen  —  Nikolaus  von  Löwen  aus 
Grünenwörth  hinwegzutun  und  ihm  ein  Amt  in  einem  anderen 
Hause  zu   übertragen,    obwohl   er   sich  nicht    entfernen  lassen 
wollte,  da  er  glaubte,  hier  in  diesem  Hause  eine  hohe  Mission 
füllen  zu  müssen,  um  allen  ,.Schaden  und  Gebresten''  abzu- 
wenden (130*41),  umso  mehr  da  er  nur  Gottes  Lob  und  Ehre 
darin  suche  (135*36).    Dann  könnte  man  die  Anlage  des  Brief- 
bachs als  eine  Art  Selbsthilfe  auffassen,  die  den  Namen  „Fälschers 
den  wir  Nikolaus  von  Löwen  beilegen  müssen,  in  milderem  Lichte 
erscheineQ  ließe. 


Eiri  den  vorhergehenden  Briefen  ähnliches  Tema  behandelt 
in  seinem  Hauptabsi'hnilt  Brief  20;  die  Klage  Nikolaus  von  Löwens, 
daß  er  zii  vil  zit  gerihte  gon  inüste  (136*38)  und  zwar  vor  das 
weltliche  wie  geistliche  Gericht,  Vielleicht  ist  damit  auf  die  Pro- 
zesse angespielt,  die  einst  Rulmann  mit  dem  Komtur  deä  Baues 
wegen  zu  führen  hatte,  oder  auf  die  Prozesse,  die  Nikolans  von 
Löwen  wegen  der  St.  Jakobsmesse  und  anderer  Dinge,  deren  Einzel- 
heiten URS  nicht  überliefert  sind,  mit  den  Brüdern  zu  führen  hatte 'l. 
So  lassen  uns  gerade  diese  Briefe  einen  Bhck  in  die  Verhiiltnisse  des 
Johanniterhauses  tun  und  beleuchten  damit  das  Bild,  das  Nikolaus 
von  Löwen  bereits  in  der  Chronik  gezeichnet  hat.  Auch  andere 
Stellen  in  den  Briefen  lassen  die  beri'ihrten  üblen  Zustände  erkenne-n. 
Die  Ordnung  in  der  Kirche  lieli  viel  zu  wünschen  übrig  (Vgl- 
70*22-^6  u-  74*17  mit  128*27  ff.),  eine  Ermahnung  zum  Gehorsam, 
Demut  und  Frieden  (8iJ*27)  mochte  bei  den  Brüdern  nicht  minder 
angebracht  sein.  Darum  sollte  es  auch  die  Hauptsorge  des  Meisters 
sein,  vor  altem  darauf  zu  sehen,  gute  Priester  heranzuziehen,  da 
ea  nichts  nütze  viele  Häuser  zu  haben  aber  schlechte  Priester 
(87*40;  76*45;  88*1111.,  114*36,37;  112*8-21).  immerhin  ist  bei 
der  Übertragung  dieser  allgemeinen  Ermahnungen  auf  das  Johan- 
niterhaus  zum  Grünenworth  grolle  Vorsicht  anzuwenden,  da  diese 
größtenteils  ganz  schabloneomäüig  aus  andern  mysliscben  Traktaten 
ausgeschrieben  sind. 

Nai-h  den  obigen  Ausführungen  wird  man  auch  nicht  mehr 
die  Reihenfolge  der  Bricf-ümpfänger*)  befremdlich  finden. 

An  Kulmann  sind  von  den  22  Briefen  nur  drei  adressiert, 
die  siimüich  im  ersten  Teil  unters^ebrachl  sind.  Zehn  Briefe 
dagegen  erhält  der  Komtur,  fünf  Nikolaus  von  Löwen,  die  Johan- 
nileriiriider  zwei,  wiihrond  je  ein  Brief  an  Johann  von  Schäflols- 
heim  und  die  Weltpriesler  von  Griinenwörth  gerichtet  ist.  Dabei 
beginnt  die  Korrespondenz  am  frühesten  mit  Johann  von  SchäiTois- 
heim,  am  spiUcslen  erst  mit  Kuhnann  1  inid  zwar  an  einem  Punkte, 
wo  mau  es  am  wenigsten  erwarten  würde,  mit  Brief  2,  der  natur- 
gemiili  als  Widerruf  vom  1.  Briefe  an  den  Komtur  gerichtet  sein 
miillte.     In  gleicher  Weise  ^iollten  audi   die  Briefe  It  und  10.  da 

'1   Vd.   (ibri)(Oiis    :iliiitii:lii;    tiuilatikan    iih-:i    ilu-s    yi'rihti-    im    jafaiigi-'imu    üi"" 
Nvß.  Hil  IT..  ilaiui  die   Nvuii   Fi:U<!ii   u.  :>. 
=)  ainliu  Talidk  111  S.  -l-i:.. 


225 

sie  ja  nur  die  Fortsetzung  von  6-8  sind,  an  den  Komtur  gerichtet 
sein.  So  beruht  auch  die  Bestimmung  der  Empfänger  auf  einer 
gewissen  Willkür,  die  Nikolaus  von  Löwen  als  Verfasser  der  Briefe 
deutlich  verrät 

III.  ßeihenfolge  nach  £iiipf8iigerii. 


Teil 

Nr. 

Datum 

Johann  y.  Schäffolsheim 

4 

17 

Fl  363] 

Weltpriester  zum  Grunenwörth 

1 

5 

1369  Jan.  29 

5 

18 

1371 

kein  Datum      1 

5 

21 

[1371] 

kein  Datum      1 

Nikolaus  von  Löwen 

5 

20 

[1377  febr.  2  o]  Nachtrag 

3 

15 

1377  april  23 

22 

1377  circa  mai  17 

1 

6 

1375  april  23 

4 

16 

1377  märz  12 

3 

13 

1377  aprü  23 

3 

14 

[1377] 

Komtur 

1 
1 

1 
4 

1377  juli  13 

1378  febr.  19 

1 

7 

1379  febr.  18 

1 

8 

1379  april  16 

2 

11 

1379  juni  1 

2 

12 

1380  april  20 

Johanniterbrüder 

1 

0 
3 

1377  circa  mai  17 
137  7  nov.  22 

■ 

1 

2 

1377  aug.  1 

Rolmaiin 

1 

9 

1380  febr.  22 

1 

10 

1380  april  4           1 

Wie  die  Chronik  und  der  beiden  Stifter  Leben,  beweisen 
demnach  auch  die  Briefe,  daß  sie  in  ihrem  letzten  Grunde  auf 
den  zurückzuführen  sind,  der  das  Briefbuch  angelegt  hat,  auf 
Nikolaus  von  Löwen. 

Neben  den  vier  oben  (74)  aufgeführten  Ilauptgruppen  bean- 
spruchen noch  einige  andere  Materien  eine  eingehendere  Behand- 
Jiing,  die  am  besten  in  diesem  Zusammenhang  besprochen  werden. 


\h 


5.  Die  Begleitteit«  der  Briefe. 

Dar  Titel  des  ßriefbuchs  (64*1-15)  besagt,  daß  in  der« 
Briefbüchlein  alle  Briefe  aulbewahrt  sind,  die   der  Gottesfreu»« 
jemals  Rulniann  oder  den  Priestern  von  GriinenwÖrth  jüeschrieb»  ■ 
hat.     Allein  im  Teste  der  Briefe  wird  an  den  verschiedenal^i 
Stellen   auf  Briefe  verwiesen,  die  man  vergebens  im   Briefbucs] 
sucht.     Sie  miiliten  also  verloren  t^ejiangen  sein.     So  sind  BrieC 
an  Rulmann  erwühnt:  79*I3|14;  89*16;i7;  104'24|l'5;  107*3»J4O 
125*8|9;  134*17;i8;  137*17;  154*14'15;  154'30- 70*1G!17.    A.B 
den   Komtur:   89*20;  103*27;   106*1;   106*7   usw.     Nicht   eimnal 
alle  an  Nikolaus  von  Löwen  gerichteten  Briefe  des  Gottesfreundes 
sind  aufgenommen:  127*8;  127*28;  129*16:  130*45;  149*5,  und 
diese   durfte   Nikolaus   von   Löwen   doch   am   allerwenittsten  ver- 
gessen! Ebenso  auflallend  ist,  daß  nur  ein  einziger  Brief  erhalteo 
ist,  der  an  den  Goltesfreund  gerichtet  ist,  und  doch  halten 
Komtur  wie  Rulmaiui  gewili  ihre  Konzepte  sorgsam  aufbewahii 
Wir  werden  uns  aber  über  diese  Ungereimtheiten  nicht  mehr 
wundern,    wenn    wir    in    Nikolaus    von    Löwen    den    Verfasier 
dieser  Briefe  sehen,  der  ganz  willkürlich   die  Adressaten  gewühll 
hat.     Unter   allen    missi/vfn    (64*2)    wollte   ei-    auch   urrtprüniilii'h 
nur  die  ersten    10  bezw.   11   Briefe  verstanden  haben.    DaruiQ 
weil!    der  Titel    des    Briefbuchs    noch    nichU    von    einem  Brief 
an  Johann   von  SchäiTolsheim,  sondern   nur  von   den  Briefen,  di* 
den    prieslern    und   personen    si'i    dem    Griinenwerde    (64*5)   S^ 
schrieben  sind;  darum  ist  auch  als  unterste  Zeitgrenze  das  Jalir 
1366    (64*15)    angegeben,    während    der   Brief  an    Johann  von 
Schäitblsheim  ins  Jahr  1363  gesetzt  wurde,    Der  zweite  AbschniH 
(64*16-60*71  erklärt  daim  den  Zweck,   den    die  ersten   10  Briefe 
verfolgen.     'Aa  den  Briefen   der  drei  Memorialbücher,   in  welche 
nur  die  notdürftigsten  Sinne  geschrieben  wurden,  sollten  sie  die 
Er).'änzung  bilden,  d.  h.  sie  sollten  den  Guttesfreundgedanken  nühff   I 
erlihitern  und  vertiefen,  und  über  jeden  Zweifel  stellen,  dali  der 
Goltesfreund   vor   allem   auf  den  Bau    des  Hauses   einen   groUeo   , 
EinfluU  ausgeübt  hat.   Von  diesen  10  bezw.  11  Briefen  gilt  au'-ii 
dali   sie   nai'ii    malfrien   geordnet   sind  (Brief  1-5  u.  Brief  6-10)i   j 
und  datl  für  ihre  Reihenfolge   niclit  der  <  hronnlogisohe,   sondern  . 
'/er    sachliche  Ge^i' btspimkt   matigfbcnd    war.     Bei    den    Maclii-  J 


227 

Dationen,  die  Nikolaus  von  Löwen  mit  diesen  Briefen  vorgenommen 
hat,  werden  wir  es  auch  nicht  mehr  unnütz  finden,  wenn  er 
ausdrücklich  betont,  daß  niemand  an  den  Briefen  „vürwitzig  zwei- 
feln" (65*4)  solle. 

Die  eigentliche  Einleitung  zum  Brief  buch  beschäftigt  sich 
mit  der  Geschichte  der  Gottesfreunde,  ihrer  Niederlassung  und 
Romfahrt.  Sie  wird  gleich  zu  Beginn  mit  dem  Fünf-Mannen- 
huch  in  Verbindung  gebracht  (65*91 10).  Nach  den  früheren  Aus- 
fiihrungen  ergibt  sich  aber  von  selbst  daraus,  daß  wir  weder  in 
der  Geschichte  der  Niederlassung  noch  in  der  Romfahrt  mit  wirk- 
lichen Erlebnissen,  sondern  mit  einer  Fiktion  Nikolaus  von  Lö- 
tens zu  rechnen  haben. 

Sollte  man  an  die  Existenz  der  Gottesfreunde  glauben,  dann 
mußte  Nikolaus  von  Löwen  vor  allem  darauf  bedacht  sein,   den 
Gottesfreunden  eine  Wohnung  anzuweisen.   Daß  nun  ihre  Nieder- 
lassung in  dieselbe  Zeit  fällt,  wie  die  Niederlassung   der  Welt- 
priester in  Grünenwörth,  wird  so  nicht  mehr  auffällig  erscheinen. 
-Auch  konnten  die  Johanniterbrüder  im  Jahr  1390  die  Wahrheit  dieser 
Erzählung  nicht  in  Zweifel  ziehen,  da  angeblich  alles  auf  den  münd- 
liehen Berichten  Rulmanns  beruht,  wie  er  sie  Nikolaus  von  Löwen 
zu  einer  Zeit  gegeben  hat,  wo  die  Johanniter  Grünenwörth  noch 
nicht  bewohnten.     Und   gerade  auf  diesen   Punkt  legt  Nikolaus 
von  Löwen  großen  Wert,  sonst  hätte  er  nicht  in  jedem  Abschnitte 
wiederholt,  was  er  hier  erzähle,  erzähle  er  so,   wie  es  Bulman 
Mer stein  selber  seile  hruder  Clauaen  von  Lofe7i,   Ihrem  Inhalte  nach 
erinnert   die    ganze   Niederlassungsgeschichte    an    die   Legenden, 
wie  sie  bei  Klostergründungen,   bei  dem  Aufkommen  von  Wall- 
fahrtsorten oder  bei  Reliquienüberfiihrungen  so  mannigfaltig  über- 
liefert sifid^).    Ein  schwarzes  Hündchen  weist  den  Gottesfreunden 
den  Weg;  wo  es  stehen  bleibt,  ist  der  Ort  für  ihre  Niederlassung. 
Nikolaus  von  Löwen  brauchte  dabei  nicht  einmal  selbständig  zu 
arbeiten,  sondern  er  konnte  auch  diese  Geschichte  aus  den  Trak- 
taten   herübernehmen.     Ahnliche  Parallelstellen   finden   sich  vor 
allem  im  Ursula-Traktat.     Die  Gottesfreunde  verlassen  die  Stadt, 
um  io   der  Einsamkeit  sich   aller  lidiged   uml   abgescheidenlichest 
halten  zu  können.     Dasselbe   tut  auch  Ursula  (Jundt,  Les   amis 


*)  Tfl.  ftoeh  Grimm,  Mythologie*  904  ff. 


Z2S 

36!J!3ß6).  Die  Gottesfreundfl  folgen  dem  Hündchen  durc^'^ff^uH^ 
durch  studm,  iititz  dm  sn  komenl  uf  einen  hf.rg,  der  im  Lande  der 
Herzoge  von  Österreich  gelegen  ist  —  ähnlich  heißt  es  bei  Ursula: 
ao  künde,  ich  dir,  das  du  uf  standest  und  fangest  enweg  das  innt 
uf  in  frömede  lant;  und  gang  alse  lange  und  aUe  verre  uf  sie 
berge,  untze  das  du  klimmest  in  ein  lant,  das  ist  tcdsck  und  kMnitt 
des  Herren  lant  ron  Berne  (a.  a.  o.  S,  366).  AUo  giiigent  aü  dnt 
lant  ismerme  uf  hin  zu  berge  (ebenda  S.  368).  Die  Gottesfreunde 
beraten  sieb,  wie  ihnen  die  Hotstatt  werden  möt-hte  —  Ursula 
berät  sich  mit  ihrer  Gefiihrtin  Namens  Sophie  (Vye)  und  sendet 
diese  fort,  um  zu  sehen,  wem  die  Klause  gebore,  und  wie  sie  ihi 
Eigentum:  werden  möchte  (a.  a.  o.  S.  369).  Der  Bote  eiidUch» 
der  ein  ganzes  Jahr  im  Gefängnis  lag,  erinnert  an  den  Tralita. 
vom  gefangenen  Ritter, 

Viel  deutlicher  sind  noch  die  Quellen  aufzudecken,  aus  denei 
Nikolaus  von  Löwen  bei  der  Romfahrt  sehopfie.   Er  selbst  git> 
an,  daß  die  Erzählung  auf  den  Briefen  beruhe,  welche  der  Gölten 
freund    herabe   achreip    Rtdmannt   Merswine    und   bräder   Claus^r 
von  Liifene  (66*34135).     bi  der  Tat   reden  auch   die   den  Briefe 
zuaruTide  lick-enden  Traktate  vielfach    von    ..F'ahrten"   der  Gntlp^ 
freunde,  die  diese  unternehmen,  um  die  Menschen  zu  bessern,    Vo. 
allem  erzählte  das  b/ich  ron  dem  öme  von  der  Fahrt  der  dreizebn 
Gottesfreunde  ins  Gebirge.    Andere  wieder  von  einer  Fahrt  nach 
Strallburg  (79*1),  nach  Metz  (79*5.37),  uacb  Köln  (I24*:il),  oder 
zum  Bischof  oder   dein  Rate  der  Stadt  (74*.  u.  75*).     Die  Rooi- 
fahrl  ist   also   nur  eine  Ergänzung   zu   diesen  Gedankenreiheo. 
Von  ihr  handelt  eingehend  der  16-  Brief,  der  seiner  ganzen  An- 
lage nach  mit  der  Fahrt  der  Goitesfreunde  ins  (Sebirge  überein- 
stimmt (vgl.  92*93*  mit  121*).     Die  Zeit   der  Fahrt  ins  Gebirge 
ist  Ostern,   die   Zeit  der  Romfahrt   ebenfalls.     Beidemal   ist  der 
Gottesfreund  in  der  naturen  kräng.   Vor  beiden  Fahrten  ermahnl 
der  Gottesfreund  Rulmann,  er  möge  nicht  zu  viel  fasten.    Allein 
die  Gottesfreunde  unternahmen  nach  Nikolaus  von  Löwen  nicht 
bloß  im  Jahre  1377  eine  Homfahrl  zu  Papst  Gregor,  sondern  be- 
absichtigten noch  eine  zweite  im  Jahre  1379,  aus  der  aber  .,mclits 
geworden  ist"  (103*26IT.).     In  Wirklichkeit  fand  aber  eine  Rio- 
tahrt  weder  im  Jahre  1377,   noch   1379  statt,   da  diese  Daten  ja 
nur  eine  freie  Üriindnng  Nikolaus  von  Löwens  sind,  der  bestimmte 


229 

Abschnitte  in  den  Gotlesfreundtraktaten,  welche  von  einer  Rom- 
fahrt  redeten,  auf  einen  ganz  bestimmten  Papst  übertrug  und  da- 
durch eine  fingierte  Erzählung  zu  einer  historischen  stempelte. 
Wundern  wir  uns  also   nicht  mehr,  daß  die  ganze  Romfahrt- 
geschichte (66*29  ff.)  bei  der  Nachprüfung  an  der  Wirklichkeit  in 
nichts  zerfließt,  wie  es  Denifle  so  treffend  nachgewiesen  hat').  Die 
ganze  Erzählung  zeigt  denn  auch  viele  Parallelstellen  mit  den  andern 
Traktaten,  so  vor  allem  mit  dem  Meisterbuch:  „Wie  der  Gottes- 
freund dort   von   Gott    ermahnt   30  Meilen  weit   geht,   um   den 
Meister  zu  bekehren,  so  macht  er  hier   von  Gott  ermahnt  die 
weite  Reise  nach  Rom,  um  den  Papst  zu  bessern.    Mutalis  mu- 
tandis  leuchten  in  den  Unterredungen  mit  dem  Meister  und  dem 
Papste   ganz   dieselben  Momente   hervor.    Und   wie   der  Meister 
schließlich   durch  seine  Predigten  im  Geiste  des  Gottesfreundes 
dessen  Bestrebungen  anerkennt  und  bestätigt,   so  erkennen  auch 
der  Papst  durch  die  Bulle  und  später  der  Bischof  durch  seine 
Briefe  die  Tendenzen  des  Gottesfreundes  an  und   besiegeln  sie." 
B)euso  wurde  in  Rom  „der  bekannte  Römer  für  den  frommen 
alten  Mann  so  eingenommen,  daß  er  ihm  ein  Pferd  schenkte,  wie 
im  Buche  vom  gefangenen  Ritter  der  Burgherr  dem  gefangenen 
-Ritter,  nachdem  dieser  ihn  bekehrt  hatte 2).^^   Vgl.  zu  69*3  und  ga^ 
darzü  dem  leigen  ein  gar  gut  zeltende  pfert  NvB.  162:  und  der  herre 
wdte  nüt  enbern,  er  miisste  nemmen  mi  gut  zeltende  pferd.  —  68*3: 
beze  an  den  munt=  NvB.  127:  becze  an  minan  bagken;  MB.  10:  d^ 
meüter  umbving  in  und  gap   ime   das  betze   an   sinen   backen,   — 
68*15116  entspricht  im  gefangenen  Ritter,  NvB.  162:  Heber  herre  nü 
gefU  mir  urlop,  wenne  es  ist  nü  zit . . .  we?ine  ir  min  bedarf ent  und 
mich  gerne  hetteivt,  so  walte  ich  gerne  zu   üch  kummen  und  walte 
ich  gerne  gehorsam   sin^    wozu  ir  min  bedarf  ent:  ähnlich  MB.  25. 
—  Zu  68*2ul30  vgl.  MB.  24;  Jundt,   Les  amis  386.  —  Zu  67*5: 
erbot  es  in  gar  wol  vgl.  NvB.  152:  da  nam   der   herre  die  zwene 
rifiere  und  fürte  si  zu  tische  und  bot  es  in  gar  usser  mossen  wol^). 
Damit  wäre  der  Beweis   erbracht,  daß  Nikolaus  von  Löwen 
in  der  Erzählung  von  der  Niederlassung  wie  der  Romfahrt  der 
Gottesfreunde  sich  aufs  engste  an  die  Abschnitte  anonymer  Trak- 


*)  Zeitsehr.  f.  deutsch.  Altertum  24  S.  301  824. 

*)  Denifle  a.  a.  o.  S.  323. 

*)  Ebenda  finden  sich  noch  andere  Parallelstollon. 


täte  angelehnt,  sie  hocngT  wäHreeEemliaräat  geringen  Verände- 
rungen wörtlich  ausgeschrieben,  aher  dureh  seine  Interpolationen 
zu  historischen  Vorgängen  umgedeutel  hat 

Der  erste  Teil  der  Briefe  schliellt  ganz  entsprechend  mit 
einer  Ermahnung  (lOO'efT.),  indem  noohmals  alle  Gedanken 
ziiaararaengefalit  werden,  von  denen  vor  allem  Brief  0-10  han- 
delten. 101*7fF.  hat  eine  auffallende  Übereinstimmung  mit  der 
Stelle  des  Ursula-Traklales ;  Nii  liebes  kinl  Ädelhcit,  ich  mm  »och 
me  mit  dir  reden.  Du  bist  noch  iung  und  wurst  noch  in  kurtzen 
ioren  sehende,  wie  got  die  kristenheit  in  manigerhaud«  wise  mit 
Piloten  anegriffeiid«  wurl,  mit  rit  grossen  sterbotlen,  mit  üherftmif 
der  icaeaere,  mit  ertbidemen,  mit  mwaeicoAss«  der  frühte,  dovon 
oarh  türunge  kummen  miig,  und  danneii  von  vil  zwegunge  »lui 
kriege  ufdonde  teerdent,  darus  «trite  icerdenl,  utui  vil  lütes  sii  lau 
und  zu  sei«  verderbent.  Und  werdet^  auch  stritbere  houbetlo» 
unbekante  lüte  ufstonde,  die  der  cristenheüe  in  manige»  laiidti 
vil  WC  werdenf  lünde^).  {Jundt,  Les  arais  388).  Von  dieseu  PI&gtD 
redet  auch  das  12.  Kapitel  der  Chronik  (184"24ff.)  in  aller  Aus- 
führlichkeit Wichtig  ist  ferner,  daÜ  \0i'22B.  die  Briefe  ti-10  in 
Verbindung  gebracht  werden  mit  der  Offenbarung  in  der  Christ- 
naeht  l;!ö6  d.  h.  mit  Traktat  10.  Dort  aber  wird  diese  Offen- 
barung dem  lieben  gottesfriinde  in  Oberlaiil  (80*10),  hier  jedoch 
ettelichen  disen  selben  gotlesfriinden  (102*23)  zuteil,  wodurch  die 
Deutungsversuche  Nikniaus  von  Lc5wens  aufs  neue  klar  zuta^s 
treten. 

Das  Brielbucb  in  seiner  jetzigen  Gestalt  schüelit  mit  dem 
historischen  Nachwort  137*2111.,  das  an  den  vergeblichen 
Bemühungen  der  Straliburger  Johanniter,  die  Gottesfreunde  auf- 
zusuchen, jeden  von  der  Unmiiglichkeit  überzeugen  sollte,  den 
Gottesfreunden  auf  die  Spur  zu  kommen.  Allein  dieses  historische 
Nachwort  pallt  bei  näherem  Zusehen  gar  nicht  in  das  Briefbuoh 
und  war  auch  ursprünglich  nicht  für  dasselbe  bestimmt.  Schon 
der  Ansehlult:  dise  corge&chribenen  liehen  f runde  gottes  ist  un- 
logisch. Noch  mehr  der  Hinweis  darauf,  dall  sie  „auch  des 
Hauses  Stifter  und  der  Brüder  Freunde"  gewesen  sind.  Und  waä 
soll  si^blielUiL'h  die  Bemerkung,  die  Gottesfreunde  haben  ,4n  aller 


J 


231 

Heimlichkeit,  viel  minnesamer  Briefe"  geschrieben,  wo  doch  das 
ganze  Briefbueh  dafür  den  handgreiflichsten  Beweis  erbringen  sollte? 
Ihrer  ursprünglichen  Stellung  nach  bildeten  diese  Teile  das  histo- 
rische Nachwort  zu  den  Viten  der  beiden  Stifter,  Rulmann  Merswins 
und  des  Gottesfreundes  im  Oberland,  wie  wir  es  im  erweiterten 
Pflegermemorial  noch  finden  (218*12(1.).  Im  Anschlüsse  an  diese 
Viten  hatte  Abschnitt  137*21-32  allein  einen  Sinn,  nicht  jedoch 
im  Briefbuch.  Dortliin  paßte  auch  sehr  gut  die  Erwähnung  des 
Fünf-Mannenbuchs  (139*20).  Auch  die  Stelle  218*23-26  erweist 
sich  als  die  ursprüngliche,  während  139*35-140*1  daraus  ab- 
geleitet ist,  denn  zweimal  sind  hier  die  briefe  erwähnt  (139*37 
briefe  und  140*1  eiteliche  materien  dis  gegenwertigen  bt'«;he8).  Ver- 
gleicht man  den  Text  des  Briefbuchs  mit  dem  des  erweiterten 
Pflegermemorials,  so  kann  man  ganz  deutlich  die  Absicht  Niko- 
laus von  Löwens  verfolgen,  den  Grundgedanken  der  Unauffind- 
barkeit der  Gottesfreunde  im  Briefbuch  zu  erweitern.  Ganz 
charakteristisch  ist  der  Vergleich  von  138*15-19  mit  der  Leseart 
218*18.  Auch  der  Zusatz  140*10-14  sollte  nur  dazu  dienen,  die 
Wahrheit  der  Erzählung  Nikolaus  von  Löwens  zu  erhärten.  Darauf 
läuft  auch  die  ganze  Erzählung  140*15-141*7  hinaus,  die  im  An- 
schlüsse an  die  vorausgegangenen  Briefe  weitere  Beispiele  der 
ünauffindbarkeit  der  Gottesfreunde  bringt.  Mit  einer  gewissen 
Schlauheit  sind  diese  Beispiele  gewählt,  denn  jedermann  mußte, 
wenn  er  die  Briefe  gelesen,  an  den  Bischof  von  Konstanz  denken, 
der  den  Gottesfreunden  im  Oberland  so  hilfreich  bei  dem  Bau 
ihres  Klosters  zur  Seite  stand,  und  nicht  weniger  an  den  Komtur 
Heinrich  von  Wolfach,  an  den  die  meisten  Briefe  gerichtet  waren, 
und  der  dazumal  noch  am  Leben,  wenn  auch  nicht  mehr  in 
ürönenwörth  w^ar.  Wenn  Nikolaus  von  Löwen  dem  gegenüber 
betonte,  daß  nicht  einmal  der  Komtur  „die  lieben  Gottesfreunde 
finden  konnte'S  so  sollte  und  mußte  dies  alle  weiteren  Bedenken 
niederschlagen. 

Daß  diese  Abschnitte  eine  Erfindung  Nikrjlaus  von  Löwens 
sind,  zeigt  sich  schon  darin,  daß  er  bei  der  Suche  nach  den 
Gottesfreunden  selbst  die  größte  Rolle  spielt.  „Ehrbare  Ix'Ute  von 
Straßburg^  ziehen  aus,  die  Gottesfreunde  zu  suchen,  sie  finden 
sie  nicht  Nikolaus  von  Löwen  nennt  auch  ihre  Namen  nicht; 
um  so  eindringlicher  betont  er  jedoch,  daß  Kulmaim  M(*.rHmu  ^"h 


ihm  so  gesagt  liabe.  Ebensowenig  uennt  er  die  Namen  der  „zwei 
ehrbaren  Boten"  (139*9),  die  nath  Rulmaniis  Tode  den  gleielieii 
vergeblichen  Versuch  machten.  Nikolaus  von  Löwen  ist  demnach 
die  einzig  historisch  beglaubigte  Persönlichkeit  bei  den  Unter- 
suchuDgsfahrten,  der  freilich  ebensowenig  wie  die  andern  die 
Gotteaireunde  finden  konnte.  Man  glaube  aber  nicht,  dati  der 
Grundgedanke:  die  Gottesfreunde  sind  unaufündbar,  weil  sie  selbst 
unbekannt  bleiben  wollen,  etwa  eine  Erfindung  Nikolaus  von 
Löwens  ist.  Nikolaus  von  Löwen  verwertet  aut'h  hier  bloß  die 
Gedanken  der  Traktate,  die  olle  von  dem  „ünbekannlbleibeii- 
reden  (vgl.  27'6;  2\>'i2:  29*32;  30*1;  Lauchert.  90,3i). 

Üer  Vermittler  aller  Briefe  vom  Gotteafreund  an  Rulmann  ist 
der  heimliche  Bote  Ruprecht.  Nun  erinnert  dieser  Name  schon 
an  die  volkstümliche  Gegtalt  jenes  Boten,  der  in  der  Weihnachtszeit 
im  Gefolge  des  Christkinds  erscheint,  utn  seine  Gaben,  gute  oder 
schlimme,  auszuteilen.  Der  Name  dieses  Boten  ist  demnach  von 
vornherein  unlatlbar,  Unrichtig  ist  es  auch,  daß  Ruprecht  und 
dieser  allein  sämtUche  Briefe  (137*30)  Rulmann  überbracht  habe; 
denn  wie  aus  der  Stelle  74*18|20  und  79*1|13  her\*orgeht.  ver- 
kehrte angeblit-h  aulSer  Hupreeht  noi*h  ein  anderer  Bote  mit 
Rulmann.  Ebenso  unrichtig  ist,  dali  die  Briefe  nur  durch  Rul- 
manns  Ilitnde  gingen,  der  sie  den  Personen  überantwortete,  an 
welche  sie  gerichtet  waren  (137*31|32),  wenigstens  erhält  Johann 
von  Schülfolsheim  vom  Gottesfreund  den  Auftrag,  einen  Brief  an 
Küntzelin  aufzubewahren  und  hei  seiner  Rückkehr  von  Köln  zu 
übergeben  (125*llf.).  Auch  war  es  unnötig,  wenn  nicht  gerade 
widersinnig,  den  Komtur  des  Johanniterhauses  aufzufordern,  den 
empfangenen  Brief  Rulmann  vorzulesen  (107*40),  wemi  die  Briefe 
durch  Rulmanns  iland  gegangen  wären.  So  verwickelt  sich  Niko- 
laus von  Löwen  im  Bestreben,  die  Art  und  Weise  zu  erklären, 
in  der  der  Gottesfreund  mit  Rulmann  zu  verkehren  pflegte,  selbst 
m  \\  idersprucht.  Das  Wii  htigste  aber  war  ihm,  jeden  von  der 
Lnim)r,liLhkeU  zu  überzeugen,  jeinals  die  Wohnung  der  Gottes- 
fieunde  auffinden  zu  können.  Anstatt  den  Gottesfreund  in  dieser 
/citlichkeit  7\i  suchen,  sollten  die  Brüder  hier  vielmehr  ihrem 
Ratf  folgen,  dann  werden  sie  auch  in  der  Ewigkeit  sicher  einstens  1 
mit  ihnen  vereinigt  sein  (141*80".),  Damit  setzt  Nikolaus  von  I 
Liin  en  seiner  h  dischung  die  Krone  auf  und  gibt  sieh  zugleich  als     I 


233 

denjenigen  kund,  der  seine  in  den  Meniorialbüchern  niedergelegten 
Ideen  auch  bei  andern  zu  verbreiten-  sucht  (139*36)^). 

Die  besprochenen  Partien  des  Briefbuchs  enthalten  ferner 
einen  Auszug  aus  einer  Schrift  Rulmanns,  die  Nikolans  von  Löwen 
als  Jetzte  Ermahnung'-  Rulmanns  bezeichnet.  Sie  bildete 
einen  Teil  des  lateinischen  wie  des  deutschen  Memorials  und  zwar 
dort  das  29.  Kapitel  und  die  vierte  Materie,  hier  das  18.  Kapitel 
und  die  dritte  Materie.  Wir  finden  denn  auch  diese  letzte  Er- 
mahnung im  29.  Kapitel  des  Ersten  Lateinischen  Memorials  wieder 
(230*10  ff.),  welches  dem  18.  Kapitel  des  nicht  mehr  erhaltenen 
Kleinen  Deutschen  Memorials  entsprach.  Von  da  ging  sie  eben- 
falls als  „dritte  Materie"  in  das  erweiterte  Pflegermemorial  über 
(213*20  ff.).  Im  Brief  buch  folgt  zunächst  ein  Auszug  (142*36-143*36 
entspricht  214*23-216*3),  darauf  der  eigentliche  Text  (143*36- 
146*20  entspricht  216*3-217*30  u.  230*22  il'.j.  Auch  einen  äulioren 
Unterschied  finden  wir  zwischen  dem  Text  des  erweiterten  Pfleger- 
memorials und  dem  des  Brief buchs:  dieser  ist  in  bestimmte  Ab- 
schnitte eingeteilt  —  gecapUelieret  —  jener  steht  an  einer  materien 
ungeteilet  und  nüt  f/ecapifelieret  (146*24).  Nach  Nikolaus  von  Lciwon 
stammt  dieser  Traktat  von  Rulmann  selb.^t,  d(;r  ihn  den  Brüdrirn 
um  Lichtmeß  1382,  also  in  seinem  Todesjahre,  als  letztes  Andcjnken 
auf  eine  Wachstafel  geschrieben  gab.  Ebenso  bestimmt  behauptet 
Nikolaus  von  Löwen,  dal)  die  in  diesem  'i'raktat  als  sprechend 
eingeführte  Person  niemand  anders  als  Iiulrnann  selber  sei,  wie 
dies  eine  Vergleichung  dieses  Traktats  mit  den  Vier-Jahren  l>eweise. 
Anderseits  muß  er  aber  auch  zugestehen,  daß  f^ulmann  hier  nur 
mit  bedecketen  icorten  (143*36;  von  ihm  selber  schreibe,  und  daß 
er  sich  nicht  nennen  wollte  unfze  noch  nime  iodn  044*23;.  An 
anderer  Stelle  sagt  er  wieder,  Bulmanns  Name  sei  wohl  genannt 


')  Johaun  ron  Bolseuheira.  Propst  zu  YA\%*-\\tf.x%.  <:r-':h'jifit  in  *\\\m:x  V.tV\%\A*\ 
l'tll  April  23  (Staatsarcb.  Lr-izerL  fa-j':.  »Ir;».  ',oIIr/;  NjkolaK  ron  l/tW'-.u  »Uh  -^nu/.ti 
St«Ue  ftas  dem  Verkehr  Heinrich  >,*:  ,\k'  mit  \y*tiii'A*im'\.u'.  vfm  i't'th'-uU-.itu  Uf.rUii-r 
genommen  haben?  Etwas  ihLlkb«s.i  findet  ».ich  w«:fitariti;rt4  in  <:in^ni  K^Ui\*>y^  «lor 
Dominikanerprorinziale.  ü*;d  i^uiz.  Ui^V/irf:  4  i  p«nrn«;i<rn<;  \i*',fki  .y[*://:h'}U  hat..  t)',ti 
heißt  es  S.  289 :  A*^.  d.  IS'jH  [-^i^]  >/r.  h'irihUomdu<  ton  lu'd^^-nhflfn,  mHnUr 
gMieher  kunttt  und  ein  nelujfr  man,  D*nr  nwUhtid  rMt-r  hr.  Ihinfich  HfUM 
MimI  ifit^r  tdUr  prorinzial  tear^nd  €innn/Ur  gar  Hfh  un/l  fj^hfim  und  ftUchrr 
Hner  hüehergap  tater  Heinrich  dem  yr'/zinzial  zk  ut/er  Heften  un/I  zu  über  harren 
•cfkf  MÜ  beworen  bff  wmder  ieiAzuch^  >Au:herf  die  er  fffm^uthet  hui. 


in  den  Vier-Jahren,  nicht  aber  in  dieser  liimiersten  htze  (145*15V 
Trotz  alledem  sei   zu  glauliendej  daß  er   (Kulmann]  seiher  ira» 
lier  lideniie  mensche,  den  er  inen  za  eime  exemplar  in  dise  mlnnent- 
liclie  warnutvje  gesetzrt  kH  (-JlS'Sl).     Wir   werden  dies  Nikolau» 
von  Löwen  jedoch  umso  weniger  glauben,  als  er  diese  ..letzte 
Ermahnung"  in  Verbindung  bringt  mit  den  Vier-Jahren  (217*35l, 
dem  Zwei-Mannenbuiih  ('217*41),  dem  Meisterhuch  (218*1),  der 
OlVenbarung,  die  dem  Golte?freund  in  der  Christnachf  zuteil  wurde 
=  Traktat    10  (231*3),  und    dem  Büchlein  von  zwei   fünfzehn- 
jährigen  Knaben  ^  Traktat    1    (231'9).     Ein   näherer  Vergleich. 
zeigt  denn   auch   die   Übereinstimmung   dieser   Traktate   mit   der 
„letzten    Ermahnung"   nach    Form    und  Inhalt,   woraus   wir   den. 
Strhlull  ziehen  können,  daß  wir   in  der  ..letzten  Ermahnung  Rul- 
manns"  ebenso   wenig   eine  Erzählung    wirklicher  Erlebnisse   vor" 
uns  haben,  wie  in  den  genannten  Traktaten,  sondern  einen  anonym- 
mystischen  Traktat,  der  demselben  Verfasserkreis  angebörl   wie  ^^ 
jene.     Nikolaus  von  Löwen  ist  es  wieder,   der  diesen   anonymen  -^ 
Traktat  auf  Ruhnann  deutet  und  ihn  den  Brüdern  dnreh  Rulmann  -^ 
unmittelbar  vor  dessen  Tode  zustellen  läÜt.  Ganz  deutlich  springt     — 
die  Arbeitsweise  Nikolaus  von  Löwens  ins  Auge,  wenn  wir  den  -^ 
Text  des  Briefbuchs  (143*;i6- 146*20)  mit  dem  des  Pflegermemo-    — 
rials  (216*3-217'30)  vergleichen.  -^ 


Pfleger  memoria!. 


11  [rr. 
rehten 
grosse 


icllje 


:iiscb  iietle  guit  ei 
gesworen,  das  ur  k 
u  sümle  nieuierme  w 


aber  uiich  ikm  joro,  do  kam  aber 
gottmit  silier  äuuilerbercngnoili?!!  iu 
einer  anileren  wise,  dieselbe  giiüde  er 
OQch  iiiemaiiae  git,  danne  den  er  ette- 
was  n-blo  tvol  g-etruwet . . . 


Briefbnch. 
Diser  aelbf  raeiische.  Ridman  Mtr- 
sifin,  unser  Stifter,  wie  doch  tr  sieh 
nüt  nennen  iiolle  untze  noch  simt 
tode,  also  Mi  sin  anevang  der  okr 
iore,  sin  aribes  hant  und  ffeaehrifl, 
bewerft  und  diaer  maierien  glithet, 
wii'  daz  er  gutte  bette  eineu  rehten 
eit  gBSwoni,  das  er  keine  große  swere 
siinde  niemer  mo  wolle  getfln . , . 

alsii  vant  dirro  menscbe,  Bülrnan 
Merswin,  anders  ndt  ic  ime  . . . 

aber  nocb  dem  jore  do  kam  aber 
got  mit  siner  snnilerberen  gnoden  in 
eine  ander  wise  zii  unserm  lieben 
Stifter  RMman  üeratrine,  ijenenntt 
in  ct«u  >'w-  ioren  !fins  ersten  anfangts 


dieselbe  verdienliche  gnode,  die  er 
<3isein  selben  menschen  anderwerbe 
sab . . . 


und  do  er  vil  zites  and  lange  in 
tliseme  grossen  lidende  der  manig- 
\raltigen  grossen  unreiDen  bekorangen 
^as  gesin . . . 


235 

und  nüt  in  diser  hindersten  leize,  die- 
selbe gnode  er  och  niemanne  git 
denne  den  er  ettewas  rehte  wol  ge* 
truwet . . . 

dieselbe  verdienliche  gnode,  die  er 
diseme  selben  menschen,  Rnlman 
Merawine,  unserme  Stifter^  ander- 
werbe gap . . . 


und  do  diser  mensche,  Rulman 
Merswin  unser  lieher  Stifter,  vil  zites 
und  lange  in  diseme  großen  lidende 
dirre  manigvaltigen  großen  unreinen 
bekorungen  waz  gesin . . . 

Wie  bei  dem  Zwei-Mannenbuch  hat  Nikolaus  von  Löwen 
demnach  zum  „besseren  Verständnis"  auch  dieses  Traktats  das 
unbestimmte  diser  me fische  näher  erläutert  und  durch  den  Zusatz 
Mulm  an  Merswin  eindeutig  bestimmt.  Und  damit  man  ihm  vollen 
Glauben  schenke,  betont  er  nachdrücklichst,  Rulmann  habe  sich 
nur  aus  Demut  nicht  öffentlich  nennen  wollen  (143*31,  217*37). 

Aber  nicht  nur  der  Text,  sondern  auch  die  Rubriken  werden 
in  den  verschiedenen  Memorialb'üchern  eine  Wandlung  durch- 
gemacht haben,  bis  zu  jener  Deutlichkeit,  von  der  das  erweiterte 
Pflegermemorial  Zeugnis  gibt.  Die  Rubrik  zum  29.  Kapitel  des  latei- 
nischen Memorials  (230*10)  hat  Gölzmann  nicht  überliefert.  Das 
erweiterte  Pflegermemorial  (213*20)  hat  zwei  Überschriften.  Viel- 
leicht lautete  die  ursprüngliche  Rubrik :  Dis  cappittel  ist  die  dirite 
tnaterie  und  seit  von  der  hindersten  stroffungen  und  Warnungen,  die 
Jiülman  Mersivin  us  gütlichem  tribende  den  hr ädern  schriben  muste. 
In  ähnlicher  Weise  klingt  diese  Überschrift  im  Brief  buch  (143*33- 
36)  an. 

Den  Schluß  der  vierten  Lage  wie  die  ganze  fünfte  Lage 
des  Brief buchs  umfaßt  ein  Traktat,  der  den  Namen  „Schüre- 
brand" führt  (149*17ff.),  mit  dem  Briefbuch  und  seüiem  Zweck 
jedoch  in  keinem  Zusammenhang  steht.  Vor  kurzem  hat  ihn  Pro- 
fessor Philipp  Strauch  in  Halle  herausgegeben i).  In  seiner  Aus- 


*)  Strauch :  SchQrebrand.   Ein  Traktat  aus  dem  Kreise  der  Straßburger  6otte&- 
f^onde.    Haue  1908. 


gäbe  folgt  Strauch  wolil  dem  Text  des  Rriefbmihs,  nicht  aber  in 
der  Anordnung  der  einzelnen  kleineren  Abschnitte.  Hier  bevor- 
zugt er  die  Reihenfolge  zweier  Handscbriften  vod  St.  Gallen,  welche 
hundert  Jahre  jünger  sind.  Leider  Uef  er  dabei  Gefahr,  durch  ein 
solches  Verfahren  die  Gottesfreundfrage  für  den  Uneingeweihten 
nur  noch  mehr  zu  verwickeln.  Denn  wie  die  bisherigen  Unter- 
suchungen gezeigt  haben  werden,  ist  es  nicht  gleichgültig,  wo 
und  in  welcher  Reihenfolge  irgend  ein  Text  im  Briel'buch 
oder  auch  in  den  übrigen  Meraorialbachern  steht.  Und  die  Will- 
kür, mit  welcher  schon  Karl  Schmidt  den  Text  der  Memorial- 
bücher  und  vor  allem  den  des  Briefbuchs  behandelte,  trug  mit 
Schuld  daran,  daß  die  Lösung  der  Gottesfreundfrage  sich  so  lange 
hinauszog.  Nachdem  aber  der  Sehürebrand  einmal  gedruckt  ist,  J 
werde  ich  mich  in  der  Numerierung  der  einzelnen  Abschnitte  w 
Strauchs  Ausgabe  anschließen.  I 

Nikolaus  von  Löwen  hatte  diesen  Traktai  mii  Nr.  81  gan*  m 
sachgemäß  geschlossen,  da  aber  am  Ende  der  Lage  noch  freier  J 
Raum  war,  benützte  er  diesen  zu  drei  für  sich  stehenden  Ein-  ' 
trägen  ( =  55,  56,  65).  welche  die  geistige  Armut  behandeln  und  ^< 
einen  durchaus  einheitlichen  Gedanken  verfolgen.  Mit  dem  fol-  — 
genden  Abschnitt,  der  auf  dem  letzten  Blatte  der  5-  Lage  stellt,,»- 
ändert  sich  die  bisherige  Darstellung.  In  drei  weiteren  Abschnitten,  •!- 
welche  jedoch  mit  den  drei  vorhergehenden  einer  Gedankenreihe,  .«- 
derjenigen  der  geistigen  Armut  nämlich,  dienen,  nimmt  die  Dar-  — 

Stellung  historische  Färbung  an  in  der  Erzählung  von  selbst  Er 

lebtem,  deren  wichtigste  Stellen  lauten: 


Hl]  Anoo  liomini  13fj7  in  den 
ziton,  do  unser  klosler  zu  dem  ersten 
anegefangKii  wart  xü  ernuweiide,  di' 
was  ich  in  eime  wulde  bi  Winterlur, 
heißet  der  Rerenberg.  bi  gar  erbem 
priesteni    eins    ordens    beiße nt    die 


B.  C. 

Ich  bin  vor  ziten  als  man  zalt  nacl^j 
Christus  pcbnrt  MCCC  und  lirij  Jon; 
selber  gewesen    in    ainem  wald  bS 


daz  ich  selber  sacb,  wenne  ich  wol 
iviij  Wochen  bi  in  und  mit  lu  wonete 
und  wandelte  in  irrn^'  cl^sterlin  ge- 
nant Unsere  frowen  ztUe  iu  dem  Rer- 


daz  ich  selber  sach. 


237 


"berge,  die  wile  ich  noch  do  ein  welt- 
lich schaler  was  and  wenig  gedoht 
hette  waz  asser  mir  oder  nz  anserme 
hnse  werden  solte . . . 


do  ich  noch  do  ein  janger  weltlicher 
Schüler  was . . . 


In  Sollicher  getrnwer  fruntlichen 
warnnng  and  och  dick  and  vil  mit 
grossem  ernst  alle  aigenschaft  wider- 
raten und  abgesprochen  ist  von  unsern 
Stiftern,  den  grossen  ubernatarlichen 
gottesfründen  and  eriahten  personen, 
das  ich  noch  kain  min  conventbruder 
naigklichait  dar  zu  haben  mngen  von 
rehter  angstporkait  unser  concientz, 
so  wir . . . 


G4]  In  solicher  getruwer  frünt- 
licher  minuen  und  meinungen  ouch 
ansere  lieben  stiftere,  die  heiligen 
großen  gottesfrunde,  uns  vil  und  dicke 
mit  großeme  ernste  alle  eigenscbaft 
widerroten  und  abegesprochen  hant, 
daz  anser  keinre  von  rohter  augest- 
berkeit  in  siner  conciencien  neigli- 
cheit  dar  zu  haben  oder  gewinnen 
mag,  so  wir  iren  begirlichen  minnen- 
deu  ernst  ansehent . . . 

Alle  drei  Abschnitte  füllen  den  Rest  der  letzten  Seite  der 
5.  Lage  sowie  die  erste  Seite  der  6.  Lage.  Auf  der  zweiten  Seite 
der  6.  Lage  beginnt  der  Schreiber  mit  der  Rubrik  (Abschnitt  81): 
Dis  vorgeschribene  (/egenwertige  biichelin  genant  des  heiigen  geistes 
minneglünsenden  ganeisterlins  schurebrant  het  corrigieret . . .  Das 
ist  im  Briefbuch  der  Zusammenhang,  in  welchem  die  drei  „histo- 
rischen" Abschnitte,  wie  ich  dieselben  nennen  möchte,  stehen. 

Zwei  Fragen  fordern  nun  eine  Beantwortung: 

1.  Wer  spricht  hier  von  sich  in  der  ersten  Person? 

2.  Gehören  die  drei  Abschnitte  61,  62,  64  notwendig  zum 
Schürebrand-Traktat  Ist  demnach  derjenige,  auf  den  diese  drei 
Abschnitte  zurückgehen,  auch  der  Verfasser  des  ganzen  Traktats? 

Aus  der  Jahreszahl  1367  und  dem  Beisatz:  do  unser  kloster 
zu  dem  ersten  anegefangen  wart  zu  ernuwende  folgt  mit  Sicherheit, 
daß  sich  hier  ein  Konventbruder  des  Johanniterhauses  zum  Grünen- 
wörth  als  Sprecher  einfuhrt,  denn  derselbe  Ausdruck  kehrt  ebenso 
in  der  Chronik  des  Johanniterhauses  wieder.  Er  spricht  dann 
von  utisern  lieben  stifteryi^  den  heiligen  großen  gottes  f runden,  was 
ebenfalls  auf  Rulmann  Merswin  und  den  Gottesfreund  im  Ober- 
land bezogen  werden  kann.  Außerdem  war  der  Sprechende  damals 
noch  ein  weltliclier  schüler  und  weilte  als  solcher  18  Wochen  auf 
dem  Beerenberge  bei  Winterthur.  Nun  ist  der  geistige  Urheber 
der  Chronik  des  Hauses  wie  des  Briefbuchs  Nikolaus  von  Löwen, 
und  so  liegt  es  von  vornherein  nahe,  auch  au  di^a^i  ?i\.^<^  ^u 


[  238 

ihn  zu  denken.  Nikolaus  von  Löwen  hat  ferner  das  Briefbuch 
eigenhändig  gesehrieben,  er  konnte  sich  im  Jahre  1367  noch  ein 
melilicher  schi'der  nennen  im  GegensaUe  zu  seiner  späteren  Ordens- 
Zugehörigkeit.  Er  wußte  damals  noch  nicht,  was  aus  ihm  nnd 
Griinenwörth,  dem  er  nach  seinen  Ausdrücken  schon  damals 
angehören  muUte,  werden  solle.  Er  konnte  sieh  vor  seiner 
Diakonataweihe,  die  er  am  1:.'.  Juni  1367  empfing,  ganz  wolii 
18  W'oohen  auf  dem  Beerenberge  auflialten,  vielleicht  gerade  zur 
Vorbereitung  auf  diese  Weihe, 

Diese  neue  Kloslergriindung  ist  durch  die  in  den  Regesten 
der  Biscliöfe  von  Konstanz  verarbeiteten  Urkunden  hinreichend 
belegt').  Bischof  Heinrieh  vonBrandis,  der  sehrottinlvlingnau  ver- 
weilte, hat  ihm  seine  besondere  Sorgfalt  zugewandt»).  Er  hat  den 
Brüdern  die  Ordensregel  bestätigt,  ilmen  die  Erlaubnis  gegeben, 
für  den  Bau  ihres  Klosters  in  der  ganzen  Diözese  eine  Kollekle 
zu  veranstalten,  und  liat  selbst  ihre  Kirche  und  Kloster  geweiht 
Der  damalige  Prior  Ueinrit'h  von  Linz  war  nach  Nikolaus  von 
Löwen  ein  gar  mnderlicher  großer  begnodeter  gottesfrünt,  dem  tjat 
tä  großer  IteimlickeU  offenbarte. 

Dazu  kommt  noL^h,  dall  Heinrich  Blankhart  von  Löwen  unter 
dem  22.  September  1371  dem  Prior  und  Konvent  sä  tiiiner  frowen 
zelle  in  dem  Berherge  10  ff  4  ^u  einer  Jahrzeit  vermacht  {H*Vd  aiim,). 
Gewinnt  diese  einfache  Nachricht  nicht  an  Bedeutung,  wenn  Niko- 
laus von  Löwen,  der  ehemalige  Schreiber  Heinrich  Blankharls  von 
Löwen,  einmal  selbst  bei  den  Steigern  auf  dem  ßeerenberg  weilte  V 
Also  Gründe  genug,  um  Niknlaus  von  Löwen  als  Verfasser  der 
historischen  Abschnitte  zu  bezeichnen,  umso  mehr,  als  kein  an- 
derer der  s|iiiteren  Konvenlbriider  schon  im  Jahre  1367  mit 
Grünenwörth  in  Beziehung  stand  ^1.  Nikolaus  von  Löwen  konnte  sich 
aucli  vor  dem  18.  September  13()7  wohl  wdükher  schiilflr,  nicht 
aber  weltlicher  priexf er  nennen,  einfarh  deswegen,  weil  er  erst  am 
18- September  1367  zum  Priester  geweiht  wurde.   Wenn  Slr.iuch 


I)   Vfc-I.  lUedor,  Züitsdirift  rat  G«sdi.  de-  Oborrlidiis    i:,«llt. 
-')  Viclleicbl    orkUreu   sicli   ilaraus   die  ötelleii    im    Kriufbucli   niiu  Konsiama 
Hi-^oh"t  IHO'ilff.K 

■■)   liuiuit  sind  diu   Kiiiw.md«  Strnuthä  gugmi    iiiainu  in    dar  Zeit^clirii't    tär  lio- 


239 

als  weiteren  Gegenbeweis  anführt,  daß  die  dem  Briefbuch  ange- 
fügte „Autobiographie  Nikolaus  von  Löwens  von  anderer  Hand- 
geschrieben ist  als  der,  die  sonst  im  Briefbuche  tätig  war",  daß 
demgemäß  Nikolaus  von  Löwen  wohl  die  Autobiographie,  nicht 
aiber  das  Briefbuch  geschrieben  hat,  so  ist  ganz  richtig,  daß  beide 
Schriften  auf  den  ersten  Blick  einen  verschiedenen  Charakter  auf- 
"weisen;  prüft  man  jedoch  beide  Schriften  genauer,  so  flndet  man, 
daß  beide  Schriften  von  einer  Hand  stammen,  wie  sich  jeder  durch 
die  hier  beigefügten  Facsimilia  selbst  überzeugen  kann.  Die  Schrift 
des  Briefbuchs  ist  sorgfältiger  und  mit  gerader  Federhaltung  ge- 
schrieben, die  der  Autobiographie  dagegen  flüchtiger  und  mit 
steiler  Federhaltung.  Zu  bedenken  ist  dann  auch,  daß  wir,  wie 
schon  bemerkt,  in  Nikolaus  von  Löwen  einen  geübten  Schreiber 
^or  uns  haben,  der  in  mehreren  Schriftarten  zu  schreiben  ver- 
stand. Auf  alle  Fälle  dürfte  es  sehr  schwer  fallen,  aul  paläo- 
^raphisehem  Wege  den  strikten  Beweis  zu  erbringen,  daß  Niko- 
laus von  Löwen  nicht  beide  Schriften  gesclirieben  haben  könne^). 
Obwohl  nun  Nikolaus  von  Löwen  als  Verfasser  der  histo- 
:rischen  Partien  bezeichnet  werden  muß,  so  ist  damit  noch 
keineswegs  der  Schluß  gerechtfertigt,  daß  er  konsequenterweise 
auch  der  Verfasser  des  ganzen  Traktats  ist.  Wer  die  Arbeits- 
kreise Nikolaus  von  Löwens  bis  hieher  verfolgt  hat,  wer  femer 
die  Stellung  bedenkt,  welche  diese  drei  Abschnitte  im  Brief- 
buch einnehmen  —  Ende  der  5.  Lage  — ,  der  wird  zugeben 
müssen,    daß   diese   Abschnitte   auch   ohne   den   vorausgehenden 


')  Ebeaso  irrt  Strauch,  wenn  or  in  der  Anmerkung  S.  öo  ausführt:  ^Nikolaus  sagt  in 
{»einer  Autubio^aphio,  er  habe,  auf  dall  mau  jetzt  und  in  Zukunft  seiner  nicht  rer- 
gä6o,  diese  Lebensdateu  auch  in  etliche  ändert;  hucher  eingetragen.  Wenn  das  richtig 
ist  —  und  warum  sollte  man  es  bezweifein  ?  —  Dann  kann  keine  der  suust  noch 
rorhandenen  Handschriften,  die  sich  auf  das  Johanniterhaus  zum  GrünenwOrth  be- 
ziehen, hiefflr  in  Betracht  kommen,  denn  nur  das  Briefbuch  hat  jene  Aufzeichnungen.** 
Hier  ist  wohl  richtig,  dal5  die  vorhandenen  Memorialbücher  die  Autobiographie  Niko- 
lans  Ton  LOwens  nicht  enthalten,  ist  damit  aber  aur-h  bewiesen,  daß  diese  noch  Tor- 
handenen  Memorialbachor,  unter  die  etlichen  andern  hucher  fallen,  von  denen  Niko- 
laus Ton  Löwen  sprichi  V  Es  gab  eben  noch  eine  groHo  Anzahl  «anderer  Bücher^  die 
auf  Xikolaas  Ton  LOweu  zurückzuführen  sind,  die  uns  nicht  mehr  erhalten  sind,  die 
aber  die  Lebensdaten  Nikolaus  von  Löwens  enthalten  konnten.  Sicher  wissen  wir, 
daß  das    nicht    mehr   erhaltene  Bruderschaftsbuch    die  Autobiographie    Nikolaus    ron 


T  x....^.-     «^Akl^lA. 


:;4ü 

TrakLaL  als  elwas  für  sich  Bestehendes  betrachtet  werden  köimen. 
Trotzdem  brauchen  aber  die  in  den  genannten  Abschnitten  ans- 
gefiihrten  Gedanken  keineswegs  als  eigenes  geistiges  Produkt  Niko- 
laus von  Löwens  angesehen  üu  werden.  Wie  wir  es  ja  schon 
Öfters  verfolgen  konnten,  lehnt  sich  Nikolaus  von  Löwen  an  seine 
Vorlagen  fast  sklavisch  an,  soweit  nicht  seine  Zwecke- eine  Um- 
formung des  Textes  verlangen.  Wieweit  er  dies  hier  getan  hat, 
wird  jedoch  mit  den  vorerst  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  sehr 
schwer  zu  entscheiden  sein. 

Sofern  man  allein  die  Überlieferung  des  Traktate  im  Brief- 
buch betrachtet,  steht  demnach  auller  Zweifel,  daß  Nikolaus  von 
Löwen  der  Verfasser  des  Schürebrand-Traktates  nicht  zu  sein 
braucht,  ebenso  wie  Clau^  von  Blofelden  tatsächlich  dessen  Ver- 
fasser nicht  ist,  wenn  auch  auf  der  anderen  Seite  ebenso  fest- 
steht, dall  Nikolaus  von  Löwen  in  den  historischen  Partien  als 
Sprecher  auftritt^). 

Strauch  jedoch  hat  diesen  Text  in  Vergleidi  mit  zwei 
St.  Galler  Handschrilten  gebracht,  die  er  zum  Unterschied  dea 
Briefbuchs  (  =  A)  mit  B  und  C  bezeichnet,  in  welchen  die  dreE" 
historischen  Abschnitte  eine  ganz  andere  Stellung  einnehmen. 
Obwohl  beide  Handschriften  100  Jahre  später  geschrieben  sind  als 
das  Briefbuch,  so  hält  Strauch  die  Reihenfolge,  welche  diese 
Handschriften  in  ihren  einzelnen  Abschnitten  einhalten,  für  richtiger 
als  die  des  Brief'buchs.  Bei  der  Vergleichung  der  drei  Hand- 
schriften können  wir  C  von  vornherein  ausschalten,  da  dieses  ent- 
weder auf  dieselbe  Vorlage  zurückgeht  wie  B  oder,  was  das 
wahrscheinlichste  ist,  bloli  eine  Abschrift  von  B  ist.  Wie  ver- 
hält sich  nun  A  zu  BV 

Lasicn  wir  zunächst  alle  Varianten  des  Textes  B  beiseite, 
von  denen  auch  Strauch  nicht  zu  ent^^cheiden  wagt,  auf  wen  sie 
zurückgehen,  so  stimmen  A  und  B  in  der  Reihenfolge  der  Ab- 
schnitte 1-Ö4  v(illst;indi|;  überein.  Dann  aber  gehen  beide  aus- 
einander. In  A  folgt  nach  Abschnitt  54:  57-(»(>,  03,  l>(i,  (J7,  73-81, 
öö,  5().  t;5.  i)l,  61',  04,  >i-2-a4.  (»9-72,  8ö,  08.  Welche  der  beiden 


i 


241 

ist  die  beste  Reihenfolge?  Nach  Strauch  diejenige  von  B.  In  B 
herrsche  in  diesen  Kapiteln  eine  „leidlich  systematische  Folge  der 
einzelnen  Abschnitte",  in  A  dagegen  „Willkür  und  Unordnung". 
Die  nähere  Nachprüfung  ergibt  nun,  daß  in  A  wie  B  der  Über- 
gang  von  54/57  bezw.  54/55  gleich  unverständlich  ist.  Der  Über- 
gang von  60  auf  63  in  A  besser  als  der  von  60/61  in  B.  Der 
Übergang  in  A  von  63/66  schlechter  als  der  von  63  64  oder 
65:66;  von  67  auf  73  schlechter  als  67/68  oder  72^73;  von 
81/55  schlechter  als  81/82;  von  5665  gerade  so  gut  wie  56  57, 
aber  schlechter  als  64/65;  von  65/61  schlechter  als  60/61;  von 
62/64  gerade  so  gut  als  62/63;  von  64/82  schlechter  als  04/65; 
von  84/69  schlechter  als  63/64;  von  72/85  schlechter  als  72/73; 
von  85/68  so  gut  wie  67/68. 

Diese  Probe  zeigt  deutlich,  daß  die  Reihenfolge  in  B,  wenn 
auch  nicht  gut,  so  doch  tatsächlich  besser  ist  als  A.  Darum  konnte 
Strauch  mit  Recht  in  der  Aufeinanderfolge  der  einzelnen  Ab- 
schnitte B  vor  A  bevorzugen.  Wie  erklärt  sich  aber  die  Unordnung 
in  A  ?  Strauch  nimmt  an,  es  handle  sich  in  A  „um  eine  nachträgliche 
Anfügung  auf  Grund  einzelner  Blätter,  die  in  Unordnung  geraten 
waren",  was  sich  um  so  leichter  verstehen  ließe,  „als  wir  an- 
nehmen dürfen,  daß  einzelne  Abschnitte  ursprünglich  wohl  als  in 
sich  abgeschlossene  Apostrophen  an  die  Klarissen  gedacht  waren". 
Zu  diesem  Erklärungsversuch  sieht  sich  Strauch  genötigt,  wenn  er 
als  Verfasser  des  Traktats  einen  Johanniterbruder  annehmen 
will.  Allein  die  Verwirrung  in  A  läßt  sich  auf  andere  und  zwar 
viel  einfachere  Weise  erklären,  wie  sie  allein  mit  der  Entstehung 
des  Briefbuchs  im  Einklang  steht. 

Nikolaus  von  Löwen  hatte  mit  Nr.  54  den  ihm  vorliegenden, 
dem  Verfasser  nach  unbekannten,  inhaltlich  zusammenhängenden 
und  einheitlichen  Traktat  ins  Brief  buch  übertragen  und  fürs 
erste  abgeschlossen.  Als  er  später  wieder  von  neuem  begann, 
—  mit  diesem  Abschnitt  setzt  die  gleiche  Hand, 
jedoch  mit  anderer  Tinte  ein  —  war  es  ihm  klar,  daß  er 
mit  dem  ihm  noch  zur  Verfügung  stehenden  Platze  rechnen  müsse, 
wenn  er  den  ganzen  Traktat  noch  auf  dem  freien  Platz  der 
5.  Lage  unterbringen  wollte.  Deswegen  schreibt  er  statt  der  bishe- 
rigen 39  Zeilen  42{43  auf  die  Seite,  läßt  jeweils  einige  aufeinander 
folgende  Kapitel  aus,  nämlich:  5556;  6162;  64.6b;  6%-"^^  \mä 


dadurch  bis  zum  Schlüsse  des  Traktafs  (81,)  zu  ^elaogeii,  und 
kürzt  an  den  verschiedensten  Stellen  den  Text  seiner  X'orlage,  um 
sie  später  wieder  zu  ergänzen,  wie  die  nachlrägliclien  Korrekturen 
in  diesem  Traktale  deutUch  beweisen.  Da  iedoch  nach  Abschnitt 
81  noch  ziemlich  leerer  Platz  auf  der  5.  Lage  blieb,  so  beginnt 
er  nach  81  einfach  wieder  mit  den  ersten  zwei  ausgelas- 
senen Abschnitten  55,  56,  fügt  Urnen  65  an,  damit  sie  eine  Eüiheit 
bilden,  um  auf  der  letzten  Seite  der  5.  und  der  ersten  Seile  der 
6-  Lage  mit  den  drei  ebenfalls  einheitlichen  historischen  Abschnitten, 
welche  er  jedoch  umarbeitete  und  mit  einem  eigenen  Schlüsse 
versah,  zu  schlielien.  Kein  Schluß  konnte  auch  wirkungsToUer  sein 
als  der  durch  die  drei  historischen  Abschnitte  gebildete.  Denn 
hier  lälit  er  nochmals  die  Mahnung  zur  Einfachheil  und  Besitz- 
losigkeit zusammen  und  beweist  es  seinen  Brüdern  durch  die 
eigene  Erfahrung  und  durcli  die  Mahnung  von  Gottesfreunden,  mit 
denen  er  schon  bei  Beginn  des  Baues  von  Grünenwörth  verkehrte. 
Die  Unordnung  ist  also  nur  eine  scheinbar  zufällige,  in  Wirkhch- 
keit  eine  klug  berechnete  Mai3regel  des  Schreibers,  Nikolaus  von 
Löwen. 

So  hatte  er  alle  Kapitel  des  Traktats  von  l-ß7  untergebracht, 
es  fehlten  ihm  nur  noch  68-72  als  Nachtrag,  sowie  die  nicht 
streng  zum  Traktat  gehörenden  Regeln  des  Claus  von  Blofelden. 
Auf  der  2-  Seite  der  6-  Lage  beginnt  Nikolaus  von  Löwen  darum 
in  der  früheren  Zeilenzahl  mit  den  Regeln  des  Claus  von 
Blofelden  und  schiebt  zwischen  die  Regeln  [82-84]  und  deren 
Schlull  [85]  die  noch  fehlenden  Abschnitte  69-72  ein,  von  denen 
er  68  entweder  übersehen  oder  absichtlich  ausgelassen  hat.  Dieser 
Abschnitt  palit  auch  sehr  schön  zu  85,  da  in  beiden  die  Auflor- 
derung,  in  der  Jugend  Sitte  und  Einkehr  zu  lernen,  weil  man  es 
im  Alter  nicht  mehr  so  leicht  lernen  kann,  in  den  Vordergrund 
trilti).  Nur  so  ist  auch  erklärlich,  warum  die  Abschnitte  72  und 
68  in  A  je  einen  eigenen  SchlulS  haben,  der  in  R  fehlt,  ebenso 
warum  Nikolaus  von  Löwen  gegenüber  U  den  Eingang  von  85 
veränderte.  Alle  diese  Erscheinungen  sind  bei  der  Annalime 
Strauchs  nicht  erklärbar,  so  tiefsinnig  auch  sein  Erklärungsver- 

i|  Hui  dar  UnorJiiiiiig,  die  jcLoii  in  ilcr  Vuilaje  Xikulaiiä  vüu  Lüwoqs  herrsclil. 


243 

«uch  scheinen  mag;  denn  würden  dem  Schreiber  bloß  einzehie 
Abschnitte  des  Traktats  vorgelegen  haben,  welche  in  Unordnung 
gerieten,  so  könnte  die  „Unordnung^^  nicht  so  regelmäßig  aus- 
gefaUen  sein. 

Von  vornherein  dachte  Nikolaus  von  Löwen  auch  nicht  daran, 
den  ganzen  Traktat  in  das  Briefbuch  aufzunehmen,  wie  vor 
allem  aus  den  zv:ei  im  Briefbuch  durchs  trichenen  Abschnitten, 
welche  nach  44  folgen,  zu  ersehen  ist  Der  erste  Abschnitt  ist 
zusammengesetzt  aus  Teilen  von  Abschnitt  ö7,  60  und  63,  d.  h. 
Nikolaas  von  Löwen  will  schon  nach  Abschnitt  44  seinen  Traktat 
dem  Ende  zuführen,  schreibt  darum  ein  paar  Sätze  aus  57  ab, 
dann  aus  60  und  63  und  bUdet  aus  diesen  dreien  einen  einzigen 
Abschnitt,  während  er  den  Rest  von  63  zu  dem  folgenden  Ab- 
schnitt benützte.  Unmittelbar  darauf  tilgt  er  beides  wieder,  um 
in  der  richtigen  Reihenfolge  mit  45  fortzufahren.  Beide  durch- 
strichene  Stellen  stehen  außerdem  am  Ende  einer  Seite.  Schon 
nach  Abschnitt  44  wollte  demnach  Nücolaus  von  Löwen  das 
Verfahren  einschlagen,  das  er  tatsächlich  nach  Abschnitt  54  nicht 
durch  Zufall,  sondern  in  kluger  Berechnung  eingeschlagen  hat 
Daraus  ergibt  sich  aber  der  weitere  Schluß,  daß  beide  Fassungen 
des  Traktates  A  und  B  auf  ein  und  dieselbe  Vorlage  zurückgehen 
müssen,  welche  auch  die  drei  historischen  Partien  enthielt,  die 
jedoch  von  B  derart  verändert  wurden,  daß  aus  ihnen  allein, 
wäre  A  unbekannt,  kein  Schluß  auf  den  Ort  und  die  Person  des 
Sprechers  mehr  gezogen  werden  könnte.  In  dieser  Vorlage  stan- 
den überall  die  Namen  „Franziskus  und  Clara^s  was  im  Gegen- 
satz zu  Strauch  (S.  60)  als  ursprünglich  anzusehen  ist,  da  nur 
diese  Namen  dem  Zweck  des  Büchleins  entsprechen.  Daß  A  dafür, 
aber  nicht  durchweg,  die  beiden  Johannes  einsetzt,  ist  leicht  er- 
klärlich, auch  wenn  Nikolaus  von  Löwen  den  Traktat  nicht  ver- 
faßt, sondern  bloß  aus  vorhandenen  Vorlagen  abgeschrieben  und 
interpoliert  hat 

Vermutlich  stund  der  Schürebrand  ganz  oder  zum  Teil  be* 
reits  in  einem  der  übrigen  Memorialbücher  des  Johanniterhauses, 
vrenigstens  spricht  das  Kleine  Deutsche  Memorial  (14*31)  von  drei 
Artikeln:  Armut,  Keuschheit  und  Gehorsam,  die  gleich  nach  den 
Ordensregeln  geschrieben  stehen.  Von  Armut,  Keuschheit  und 
fidiorsam    handelt    aber   auch   größtenteils    der    ^:^\a^t«xi^- 


344 

Traktat.  AuUerdem  ßndet  sich  ein  ähnlicher  Traktat  im  erwei- 
terten Pflegemiemorial  (223*4  ff.).  Mag  nun  diese  Vermutung 
zutreffen  oder  nichl,  ao  wird  auch  durch  sie  die  Frage  nach  dem 
Verfasser  einstweUen  noch  ungelöst  bleiben  müssen,  da  die  drei 
bekannten  Handschriften  A.  B  und  C  nicht  geniigen,  um  aus  ilineo 
ein  auL-h  nur  einigermalJen  begründetes  Urteil  über  den  Verfasser 
zu  sewinnen.  Für  die  Gottesfreundfrage  ist  aber  auch  die  Kennt- 
nis des  Verfassers  von  nebensächlicher  Bedeutung ;  die  Hauptsache 
ist  der  bereits  geführte  Nachweis,  dalt  Nikolaus  von  Löwen  der- 
jenige ist.  der  sich  in  Abschnitt  61  als  Sprecher  einführt,  mag 
er  nun  diesen  ganzen  Traktat  aus  verschiedenen  früher  getrennten 
Abschnitten  zusammengesetzt  oder  nach  einer  fertigen  \oriage 
nar  abgeschrieben  und  seinen  Zwecken  entsprechend  veränclert 
haben. 

Ziehen  wir  nun  in  kurzen  Strichen  das  Schlußergebnis, 
80  zeigt  sich,  datS.  so  rütsellial't  das  Briefbuch  im  Anfange  auch 
zu  sein  scheint,  sich  doch  an  der  Hand  unserer  Betrachtung  das 
Dunkel  lichtet.  Der  Zauberachlüssel  zu  dessen  Verständnis  ist 
allein  die  Entstehungsweise.  Wer  aucli  nur  ein  Stück  aus  dem 
Zusammenhang  herausreilU,  um  es  für  sicli  zu  betrachten,  oder 
gar  mit  andern  ebenso  unsicheren  Handschriften  zu  vergleiclien, 
wird  niemals  zu  einem  befriedijjenden  Ergebnis  gelangen  k'*innen. 

Wie  den  Memorialbüchern  insgesamt,  so  liegen  auch  dem 
Text  des  Briefbuchs  bereits  vorhandene  mystische  Traktate  zu- 
grunde. In  beiden  erreicht  Nikolaus  von  Lüwen  seinen  Zweck 
durch  Umdeutung  dieser  Traktate,  nur  geht  er  dabei  im  Brief- 
buch viel  weiter,  als  in  den  Memorialbüchern.  Das  Briefbueli  ist 
der  konsequente  Ausbau  der  früheren  Gedanken,  denen  Nikolaus 
von  l,üwen  im  unbestimmten  Drange,  den  Stifter  des  Hauses  zu 
verherrlidien,  gefolgt  war.  die  er  nun  aber  angesiclits  der  Zeit- 
umstände vor  jedem  Zweifel  scliützen  mulS.  Gegen  alle  Einrich- 
tungen, die  Hulmann  zu  Grünenwörth  getroffen  liat,  sieht  Niko- 
laus von  Lüwen  Feinde  sich  erheben,  die  er  abzuwehren  sich 
verpflichtet  sieht.  Und  in  diesem  Kampfe  greift  er  gleichsam  nach 
jedem  Strohhalm,  wenn  es  nur  für  den  Augenblick  Hilfe  zu 
bringen  versprach.  Es  ist,  als  ob  ein  Gedanke  den  andern  her- 
vorruft, die  ohne  systematische  Ordnung  im  Briefbuch  nieder- 
gesfhrieben  werden.    Darum  dieser  Mangel  an  Einheitlichkeit  im 


245 

ganzen  Briefbuch,  den  Nikolaus  von  Löwen  selber  genugsam  em^ 
pfand,  was  ihn  auch  bewog,  sich  in  diesem  Punkte  zu  rechte 
fertigen  (65*2). 

Wenn  in  den  Memorialbüchern  Rulmann  zu  einem  Gottes- 
freund gestempelt  wurde,  der  mit  dem  fingierten  Gottesfreund 
in  Schriftenaustausch  stand,  so  sehen  wir  Rulmann  hier  mit 
dem  Gottesfreund  vom  Oberland  in  regelmäßigem  Brief austausdi, 
in  denen  er  sich  in  allen  Fällen  Rats  erholt,  welche  ihn,  sein 
Haus  zum  Grünenwörth  und  dessen  Brüder  betrafen. 

In  den  Memorialbüchem  hat  Nikolaus  von  Löwen  die  ano-* 
nymen  Traktate  zu  wirklichen  Lebensbeschreibungen  umgedeutet: 
denselben  Traktaten  entnimmt  er  seine  Gedanken,  um  sie  zu 
Briefen  umzuwandeln.  Und  was  war  folgerichtiger  als  dies?  An 
den  verschiedensten  Stellen  wird  ja  in  diesen  Traktaten  von  einem 
Briefaustausch  von  Gottesfreunden  geredet  So  heißt  es  im 
7.  Traktat  (28*27):  harwnb  lieber  smw,  nim  disen  brief  und  schrip 
in  selber  abe  an  ein  kleines  büchelin^  d(M  du  enweg  gelihen  makt, 
$eo  du  truwest  reht  zu  tunde;  und  behep  du  disen  brief  und  übe 
dich  und  lere  vaste  in  diseme  brief e  ,  . .  Ähnlich  im  Zwei-Mannen- 
buch  (Lauchert  90,  i):  ich  schreip  edle  die  wart,  die  wir  zwei  miU 
einander  geret  hettent  an  einen  brief ^  und  die  briefe  habe  idi  alle, 
do  alles  daz  ane  stot,  das  wir  von  anegenge  unze  her  uffe  dis$ 
stunde  miteinander  geret  hant;  und  dunkel  es  dich  gut,  so  wöUe  tcA 
usser  den  brief en  allen  ein  büchelin  machen  der  cristenheite  zu  hdfe^). 
Damit  war  für  Nikolaus  von  Löwen  das  Vorbild  des  „Briefbüch- 
leins'* schon  gegeben.  Ebenso  ist  in  den  Traktaten  die  Rede 
von  einem  heimlichen  Briefaustausch:  und  Ursela  die  gap 
den  beginen  einen  brief,  das  das  sü  den  über  ahte  tage  und  nüt  e 
matter  und  müter  soUent  mit  eime  fromeden  botten  entwurten,  also 
das  SU  sdber  nüt  vermeldet  möhtent  werden  (Jundt,  Les 
amis  368).  Außerdem  hatte  Nikolaus  von  Löwen  ein  Vorbild 
2um  Briefbuch  im  Briefbüchlein  Seuses')  oder  in  dem  Heinrichs 

1)  Vgl.  aach  MB.  1 5  :  also  wart  diseme  Heiden  ein  brief  durch  mich  gc- 
nekriben,  dae  er  »u  erisfeme  glauben  kam.  Freilich  ist  aoch  zu  beachten,  daU 
Mkolaus  Ton  LOiren  den  Ausdruck  brief  in  ganz  anderem  Sinne  gebraucht  als  die 
Traktate. 

*)  IHepenbroek^  457  ff. :  Dies  lehre  ist  ausgelesen  aus  den  gemeinen  brief  en, 
4k  Mr  üiener  der  ewigen  tceisheit  seiner  geistlichen  tochter  imd  cm<ieren  %«iM«r 
gekUkken  kinder  sandU. 


1  Nördlingen ') 

ch  Nikolaus  von  Löwen  einen  Briefwechsel  zwischen  Hiiimann 
id  seinem  heimlichen  Freunde  fingiert.  Zudem  ist  der  Text  der 
ralitate  so  ansprechend,  dalS  aus  ihm  unschwer  die  Briefform 
egossen  werden  konnte.  Ich  greife  aufs  Geratewohl  zu  den 
fihon  erwähnten  Beispielen  eine  Stelle  aus  dem  gefangenen  Ititter 
Heraus  (NvB.  163):  VU  lieber  heimeliclifr  friint  minre.'  du  solt 
wissende  sin,  das  der  gefangene  ritter  des  morgens  rf-hte  friige 
zä  mir  »ante  und  tet  mich  mit  i/rosseme  emeste  bitten,  das  ich 
es  iüterliehe  durch  got  tun  solte  und  zii  ime  kämmen  solle.  Lieber 
hnmelicher  fn'ml  minre,  do  soll  du  wissen,  das  es  mich  gur  ulsü- 
mole  friimde  kette;  und  wart  gedenkende:  solt  du  sü  deme  gon, 
der  dich  also  gar  übäe  hasset?...  Man  braucht  diesem  Text  nur 
die  Überschrift  zu  geben:  „Brief  des  Ijottesfreundes  an  seinen 
heimlichen  Freund  Bulmann",  ihm  ein  Datum  beizufügen,  und 
wir  haben  grolitenteils  ganz  genau  die  Manipulation,  wie  sie  Ni- 
kolaus von  Löwen  im  Briefbueli  ausgeführt  hat  (vgl.  99*38lT.). 

In  den  Memorialbiicliern  erfahren  wir  bestimmt,  daU  Rul- 
mann  die  Originale  verbrannt  und  die  Namen  ausgelassen  bat: 
hier  finden  wir  verschiedene  Namen  in  den  Briefen.  Dort  ein- 
halten wir  Auskunft  darüber,  wann  und  wie  Rulmann  oder  der 
Gottesfreund  den  Brüdern  die  Traktate  übergeben  hat:  liier  von 
all  dem  iiichtö,  wenüyleicii  vorausgesetzt  ist,  dali  Rulmann  vom 
Jalire  1363  an  in  Briefverki^hr  mit  dem  (.lottesfreund  steht,  der 
des  letzteren  Briefe  den  Adressaten  direkt  übermittelt,  was  wieder 
voraussetzt,  dal!  diese  bereits  von  einem  solchen  Verkehr  Rul- 
manns  mit  dem  üottesfpeund  Kenntnis  haben  muDten.  Im  tiegen- 
satz  sodann  zu  den  Memorialbüchern,  die  nur  die  apodiktischen 
Behauptungen  enthalten :  dies  oder  jenes  ist  so  oder  so  aufzu- 
fassen, unter  dem  einen  ist  der  Gotlesfreund,  unter  dem  andern 
Rulmann  zu  vorstehen,  sucht  Nikolaus  von  Löwen  hier  seine  Be- 
hauptungen viel  überzeugender  und  einsclimeiehelnder  dur^ll 
fingierte  Briete  zu  erhärten. 

in  der  Chronik  hatte  er  erzählt,  wie  Bulinann  vom  (iottes- 
freund   geleitet    wurde  bei    der  (jründunj:    des  Hauses,    bei   dem 


247 

Baue  und  der  Einrichtung  der  Kirche ,  bei  den  Statuten  des 
Hauses,  dem  Pflegerbrief:  das  alles  erhält  hier  seine  Stütze  durch 
fingierte  Briefe.  In  den  Memorialbüchem  hatte  er  erklärt,  zwei 
Traktate  seien  die  Lebensbeschreibungen  Rulmanns  und  des 
Gottesfreundes  samt  seiner  Gesellschaft:  hier  führt  er  diese  Viten 
dem  Leser  als  „eigenhändig"  vor  Augen,  fügt  im  Vorwort  und  noch 
mehr  im  Nachwort  eine  Bekräftigiuig  ihrer  Echtheit  bei,  wodurch 
jeder  Zweifel  ausgeschlossen  werden  sollte.  Darum  sucht  er  auch 
dem  Gottesfreund  und  seiner  Gesellschaft  eine  bestimmte  Woh- 
nung zu  geben,  ganz  im  Anschluss  an  die  Vorgänge  beim  Bau 
in  Grünenwörth.  Wie  das  Johanniterhaus  zum  Grünenwörth 
aus  besonderer  Eingebung  des  hl.  Geistes  gestiftet  ist,  so  finden 
auch  die  Gottesfreunde  ihre  Wohnung  auf  wunderbare  Weise;  sie 
durften  nur  der  Leitung  des  hl.  Geistes  folgen.  Der  Übergang  der 
alten  Hofstätte  von  den  Benediktinern  auf  Rulmann  macht  Schwierig- 
keit bei  der  kirchlichen  Behörde,  bei  der  Stadt  und  jedenfalls  auch 
an  der  römischen  Kurie  —  nicht  so  der  Bau  des  Hauses  der 
Gottesfreunde,  wo  Papst,  Bischof  und  Volk  wie  auf  einen  Schlag 
alles  gutheißen,  was  die  Gottesfreunde  nur  wollen:  eine  verdeckte 
Mahnung  an  Volk  und  Brüder,  mit  den  baulichen  Einrichtungen 
Ton  Grünenwörth,  wie  sie  Rulmann  Merswin  im  Gegensatz  zu 
Komtur  und  Brüdern  getroffen  hatte,  zufrieden  zu  sein.  Und  da 
Nikolaus  von  Löwen  einmal  in  der  Einleitung  zum  Briefbuch  den 
Gottesfreunden  eine  Wohnung  angewiesen  hatte  und  demgemäß 
leicht  jemand  auf  den  Gedanken  kommen  konnte,  diesen  Wohnort 
auch  zu  erforschen,  läßt  er  die  ganze  Gesellschaft  der  Gottes- 
freunde ebenso  rasch,  wie  er  sie  ins  Dasein  gerufen,  von  der 
Welt  wieder  verschwinden,  und  den  Boten  Rulmanns,  der  den 
Vericehr  mit  den  Gottesfreunden  vermittelte,  sterben;  das  alles 
wieder  im  Anschluss  an  Gedanken,  wie  sie  in  den  ihm  vorlie- 
genden Traktaten  hinterlegt  waren.  Freilich  ist  es  nicht  mehr 
möglich,  für  alle  Einzelheiten  auch  den  historischen  Beleg  zu 
bringen;  aber  das  ganze  Brief  buch  hat  doch  den  Zweck,  die 
Stiftung  des  Hauses  in  ein  helleres  Licht  zu  setzen,  als  dies  in 
den  Memorialbüchem  geschehen  war. 

So  erreicht  Nikolaus  von  Löwen  auch  im  Brietbuch  jenen 
historischen  Zweck,  den  er  bereits  in  den  Memorialbüchem 


:!4K 

verfolgLe:  den  Gründer  umi  die  ürUndmig  des  Hauses  zum  Grünen- 
wörth  zu  verherrlichen. 

Noüii  deutlicher  tritt  aber  hier  der  asketische  Zweck  in 
den  Viirdergrund,  Dafür  liatte  das  13uch  von  den  „Plagen  Gottes", 
welche  alle  diejenigen  trilTl,  die  ^ich  der  Welt  nicht  abkehren. 
Nikolaus  von  Löwen  gulc  Dienste  geleistet  Besitzlosigkeit,  Ein- 
fftcliheit  in  der  Kleidun;/,  Zurüekgezogenheit  von  der  Welt  sind 
die  Mahnungen,  welche  Nikolaus  von  Löwen  in  dem  Briefbuch 
mit  starken  Akkorden  anschlägL  Solche  Ermahnungen  hatten  die 
Brüder  notwendig,  welche  in  ihrem  t'reiheitsdrange  sich  nicht  an 
die  von  Kulmanii  dem  Hause  gegehene  Ordnung  halten  wollten. 
Dazu  kamen  die  kirchenpoUtisehen  Wirren,  welche  von  vielen 
als  Strafgericht  Gottes  wegen  der  Bosheit  der  Menschen  angesehen 
werden  mochten').  Mitten  in  diesen  Wirren  steht  nun  Nikolaus 
von  Löwen  und  muiJ  zusehen,  wie  das  ganze  Fundament,  auf  dem 
das  Haus  zum  Grünenwörth  aufgebaut  ist.  zusammenÄuatürzen 
droht  1 129*38).  Gerne  möchte  er  die  alte  Ordnung  aufrecht  er- 
halten, allein  das  Alter  macht  ihm  bereits  Beschwerden  und  der 
Todesengel  kündigt  sich  ihm  an,  und  doch  wäre  er  dem  Hause 
noch  so  notwendig  (l.'i0"-tl'42)-  Und  so  greift  er  zur  Fälschung 
des  Briefbuch5,  um  an  seinem  Lebensabend  den  Brüdern  noch 
ernste  Mahnungen  und  Warnungen  unter  Androhung  von  Gottes 
Strafgericht  ans  Herz  zu  legen,  aber  nicht  in  seinen  eigenen 
Worten,  sondern  in  denen  von  Gottesfreunden,  wodurch  ihre 
Wirkimg  eine  ungleich  nachhaltigere  werden  sollte. 

Wie  die  Memnrialbiicher  insgesamt,  so  erbringt  also  auch 
das  Uriefbuch  den  vollen  Beweis  für  die  These:  nur  derjenige 
kann  der  Trheber  der  im  Briefbueh  niedergelegten  Gedanken 
sein,  der  das  Briefbuch  seihst  angelejit  hat:  Nikolaus  von  Löwen. 


0.  Die  von  Nikolaus  von  Löwen  gescliriebeDeo  Urkunden. 

In  der  Einleitung   zum  Grollen  DiiUlschen  Memorial  (l6*4iT.l 
iindet  ^ielt  die  Abschrift  einer  Urkunde,  welche,  von  dem  Johan- 


),  groi;«  Stciblk 

hkcit.   Krankheiten.    CbcrschBBminuu? 

it  aU  NikoUii«  ' 

von  Lüweii   das  ütiefbuch   anlegte  (Tjl. 

StÄdWli,  77a,  S 

.;S7  IT.),  was  gar  lubbaft  an  die  .Flagau* 

249 

nitenneister  Konrad  von  Braunsberg  ausgestellt,  die  Obsorge  über 
drei  Memorialbücher  dem  Küster  von  Grünenwörth  über- 
tragt, damit  sie  zu  eime  ewigen  memoriale  im  Hause  für  alle  Zeiten 
aufbewahrt  werden.  Unter  den  drei  genannten  Memorialbüehem 
können  nur  das  Erste  Lateinische,  das  Große  Deutsche  und  das 
Kleine  Deutsche  Memorial  verstanden  werden.  Von  der  besagten 
Urkunde,  die  ich  in  der  Oberrheinischen  Zeitschrift  von  vorn- 
herein als  Fälschung  Nikolaus  von  Löwens  hingestellt  hatte,  fand 
sich  nirgends  ein  Original,  nirgends  eine  von  den  Memorialbüehem 
unabhängige  Abschrift,  als  ein  glücklicher  Zufall  mich  vor  kurzem 
die  Originalurkunde  im  Erzbischöflichen  Archiv  zu  Freiburg  finden 
ließ,  deren  treue  Wiedergabe  in  den  Schriftbeilagen  (Nr.  12)  mit- 
geteilt ist. 

Nehmen  wir  nun  den  günstigsten  Fall  an,  dal)  diese  Urkunde 
wirklich,   wie  sie  ausgibt,  dem  Johannitermeister  Konrad  von 
Braunsberg  vorlag  und  von  diesem  am  2L  Januar  1385  besiegelt 
wurde,  so  müssen  wir  folgerichtig  schließen,   daß  im  Johanniter- 
l^use  bereits  im  Jahre   1385    drei  Memorialbücher  vorhanden 
waren,  nämlich  das  Erste  Lateinische,  das  Große  Deutsche  und 
^Kleine  Deutsche  Memorial.    Allein  diese  drei  Memorialbücher 
hatten  im  Jahre  1385,  wie  wir  bei  der  Entstehungsweise  der  Hand- 
^hhften  nachgewiesen  haben  (s.  oben  17-22)  eine  viel  einfachere, 
iinverfänglichere  Gestalt  als  um  das  Jahr  1390i  dem  Tode£yahr 
Konrads  von  Braunsberg.    Wenn  darum  Nü^olaus  von  Löwen 
erst  um  das  Jahr  1390  die  bereits  angeblich  im  Jahre  1385 
Ausgestellte  Urkunde  des  Johannitermeisters  dem  nun  völlig  ver- 
änderten Großen  Deutschen  Memorial  als  autentische  Beglaubigung 
beifügte,  so  schrieb  er  zwar  eine  echte  Urkunde  ab,  ihr  Inhalt 
aber  war  nicht   Tür    den  überarbeiteten  Text  berechnet.    Das 
Verfahren  Nikolaus  von  Löwens  ging   darum  unter  allen  Um- 
ständen darauf  hinaus,  andere  zu  täuschen. 

Wer  femer  glauben  wollte  —  und  dies  war  die  allgemein 
gültige  Ansicht  bis  heute  —  diese  Urkunde  stelle  die  Wahrheit 
der  in  den  Urkundenbüchern  enthaltenen  ÜberUeferung  außer 
Zweifel,  wurde  sich  sehr  im  Irrtum  befinden.  Denn  die  Urkunde 
druckt  sich  über  Wahrheit  oder  Unwahrheit  der  Urkundenbücher 
überhaupt  nicht  aus.  Der  in  der  Einleitung  stehende  Satz,  die 
Uii^undeiibücher  enthalten  aUe  die  löffe,  alse  mr  \VLora^di  n^m 


260 

Braunsberg]   vernommen   und  gehOret  haut   i-oh   erbern  persontit 

[Nikolaus  von  Löwen?]  besagt  keineswegs,  dal3  der  Johanniter- 
meister  auch  Einsicht  in  die  Urkundenbiicher  genommen  und 
ihren  Inhalt  einer  Prüfung  unterzogen  hat,  um-sowenigei-  als  ihm 
voD  Nikolaus  von  Löwen  die  fertig  geschriebene  Urkunde 
unterbreitet  wurde,  die  er  als  .lohannitermeister  nur  zu  besiegeln 
brauchte.  Denn  diese  Urkunde  ist  von  Nikolaus  von  Löwen  selber 
und  zwar  im  Schrifteliarakter  seiner  Autobiographie  gesL-h  rieben, 
wie  jedermann  sich  dun.-li  Vergleich  der  beiden  beigegebenen 
Schriftlafeln  [Nr.  l  u.  12]  überzeugen  kann. 

Nikolaus  von  Löwen  beabsichligle  auch  nicht  in  erster  Linie 
die  Wahrheit  des  Inhalts  der  Memorialbücher  bestätigt  zu  er- 
halten, es  genügte  ihm  vielmehr,  dieselben  sorgsam  verwahrt  zu 
wissen,  so  dali  kein  Bruder  ohne  Wissen  des  Küsters  sie  hätte  be- 
nutzen oder  gar  entwenden  können.  Darum  sollte  auch  die  Ober- 
aufsicht über  diese  Memorialbücher  den  drei  Pflegern  überant- 
wortet sein,  welche  mit  aller  Sorgfalt  sehen  svllent  und  ijeUuirr- 
lich  tvarnemmen,  daz  die  drii  memoriale  hiicher  ihm  hnse  zii  ,iem 
Gninenwerde  von  niemanne  in  delteiner  iriae  niemei-  gntfnret  trenUnt. 
Zu  einer  solchen  Urkunde  konnte  demnach  Konrad  von  Brauns- 
berg unbesorgt  und  ohne  weiteres  seine  Zustimmung  geben. 

Viel  größere  Wahrseheinhchkeit  spricht  jedoch  dafür,  dall 
diese  Urkunde  dem  Johannitermeister  niemals  vorlas  und  dal! 
sie  Nikolaus  von  Löwen  nicht  nur  eigenhändig  geschrieben,  son- 
dern auch  selbst  mit  dem  Siegel  Konrads  von  Bmunsberg  be- 
siegelt hat,  das  alles  jedoch  erst  zu  der  Zeil,  als  die  Urkunden- 
biicher in  den  neunziger  Jahren  ihre  eingreifende  Veränderung  er- 
fuhren. Dabei  müssen  wir  dann  annehTiien,  daß  Nikolaus  von 
Löwen  die  Urkunde  willkürlich  zurückdatiert  hat.  In  den  Besitz 
des  Siegels  zu  gelangen,  mochte  Nikolaus  von  Löwen  niuht  schwer 
fallen,  da  der  .lohannitermeister  zeitweise  im  .lohanniterhausp  zum 
tirünenwörth  wohnte  und  Hof  lüelt. 

Mag  dem  nun  sein  wie  ihm  will,  auf  alle  Fülle  ist  diese 
Urkunde  weit  davon  entfernt,  die  Wahrheit  der  in  den  Memorial- 
büchcrn  enthaltenen  Krziihlungen  zu  bekräftigen,  nur  ein  deut- 
lidipr  Beweis  für  die  besonderen  Zwecke,  welche  Nikolaus  von 
Löwen  damit  zu  erreichen  strebte. 


251 

Auch  in  anderen  Punkten  treiTen  wir  Nikolaus  von  Löwen 
als  Urkundenschreiber  tätig.  Schon  die  allererste  und  wichtigste 
Urkunde,  auf  der  die  ganze  Konstitution  des  Hauses  zum  Grünen- 
wörth  aufgebaut  ist,  der  Pflegerbrief  vom  Jahre  1371,  entstammt 
seiner  Feder.    Und  als  die  Einrichtungen  des  Hauses,  wie  sie 
durch  den  Pflegerbrief  getroffen  wurden,  von  allen  Seiten  heftig 
angegriffen  wurden  und  in  die  Brüche  zu  gehen  schienen,  da 
schreibt  Nikolaus  von  Löwen  abermals  eine  Urkunde,  den  Pfleger- 
eid vom  Jahre  1393,  in  welchem  er  sich  aufs  innigste  mit  den 
Pflegern  zum  Kampfe  gegen  jeden  verbindet,  der  es  in  Zukunft 
wagen  würde,  sich  über  die  von  Rulmann  dem  Hause  gegebenen 
Statuten  hinwegzusetzen. 

Pflegerbrief,  Pflegereid  und  Bestätigungsurkunde  der  drei 
Memorialbücher  werfen  somit  neues  Licht  auf  das  Bestreben 
Nikolaus  von  Löwens,  die  Ordnung  des  Hauses  aufrecht  zu  er- 
halten, wie  sie  ihm  Rubnann,  der  Stifter,  gegeben  hatte. 

Welchen  Anteil  Nikolaus  von  Löwen  an  einer  anderen  Reihe 
von  Urkunden  hat,  die  er  zu  gunsten  seines  ersten  Meisters,  des 
Heinrich  Blankhart  von  Löwen,  in  betreff  der  St  Jakobsmesse 
aufsetzen  Ueß,  haben  wir  schon  oben  gesehen.  Im  Anschlüsse 
daran  ist  auch  die  Stiftungsurkunde  der  Luitgard  von  Löwen  über 
zwei  Ewiglichter  (11*21)  von  Nikolaus  von  Löwen  eigenhändig 
geschrieben;  ebenso  finden  wir  seine  Hand  in  einer  Urkunde  von 
1381  September  30,  worin  der  Komtur  Heinrich  von  Wolfach  und 
der  Konvent  des  Johanniterhauses  der  Stadt  Straßburg  gegenüber 
sich  verpflichten,  auf  alle  weiteren  Ablässe  und  Kollekten  zu 
gunsten  ihres  von  Konrad  von  Braunsberg  gestifteten  Spitals  zu 
verzichten,  i) 

Im  Zusammenhange  damit  mag  es  angebracht  sein,  die 
Arbeitsweise  Nikolaus  von  Löwens  noch  etwas  näher  zu  be- 
leuchten. Ich  beabsichtige  jedoch  keineswegs,  die  Frage  er- 
schöpfend zu  behandebi;  ich  möchte  nur  in  kurzen  Zügen  den 
Weg  weisen,  den  die  philologische  Untersuchung  zu  gehen  hal>en 
wird.  Will  man  die  sprachlichen  Eigentümlichkeiten  Nikolaus  von 
Löwens  bestimmen,  dann  muß  man  von  den  Teilen  ausgehen,  bei 
denen  er  durchaus  selbständig  arbeitet;  das  sind  aber  in  erster 


<)  TgL  StnSborger  U-B.  VIJ,  580. 


25S 

Linie  die  von  ihm  geschriebenen  Urkunden  und  die  noch  zaW- 
reicheren  DorsualnoLizen,  Kin  sfilbstündiges  Werk  Nikolaus  von 
Lüweiis  ist  so  dein  11  die  Chronik  des  Johanuiterhauses,  die  Einlei- 
tungen zu  den  verschiedenen  llrkundenbüchern,  in  letzter  Linie  diu 
Rubriken,  bei  denen  sicli  jedoch  schon  der  Einlluü  der  Traktat« 
geltend  macht 

W'enn  wir  ferner  den  sprachlich  grammatikalischen  Maltslab 
an  den  Text  der  verschieden  überlieferten  Traktate  anlegen,  so 
lassen  sich  dieselben  in  drei  große  Kategorien  scheiden-  Die  erste 
Kategorie  bilden  die  Vorlagen  Nikolaus  von  Löwens.  Dahin 
gehören  das  Sendschreiben  in  Hs.  E  987  (Schmidt,  Tauler  22011.); 
die  Neun  Felsenvorlage,  soweit  sie  noch  bei  Schmidt,  Taoler  2l6tT. 
und  in  den  ergänzten  Stellen  seiner  Neun  Felsenausgabe  erhalten 
ist,  und  schließlich  das  Zwei-Mannenbuch  indem  von  Lauchert 
herausgegebenen  Text,  in  die  zweite  Kategorie  gehören  sümtltclie 
Traktate  der  Memori  albiicher,  während  die  dritte  Kategorie 
von  den  sog.  Autographen:  Neun  Felsen,  Vier-Jahre  und  Fünf- 
Mannenbuch,  gebildet  wird,  in  denen  die  Eigentümlichkeiten  der 
ersten  Kategorie  jedoch  in  gesteigertem  Maße  wiederkehren.  Eine 
Vergieichung  de.s  drei  Spaltentextes  von  den  Yier-Jahren  und  dem 
Fiinf-Mannenbuch  (191  ff.)  wird  dies  am  klarsten  machen.  In  der 
Vokalisation  wechseln  gerne  die  Vokale  vor  allem  in  den  Endsilben 
ron:  ran;  kabba:  hahhe;  schriba:  nchribbe:  schribbu  usw.  Dahin 
gehört  auch  die  Regellosigkeit  in  den  übergeschriebenen  Vokalen 
und  die  Verdoppelung  derselben.  Die  reinste  Willkür  herrseht 
(erner  in  der  Verwendung  der  Konsonanten,  wo  Media  und  Tenuis 
regellos  wechseln:  mit:  mid;  mcker  mente:  stgker  mente;  fan:  von: 
für:  lir;  kräng,  kraue,  cranc  usw.  .Auf  der  gleichen  Willkür  be- 
ruht die  Verdopi^elung  der  Konsonanten.  Im  Satzbau  wird  da:* 
einfache  Verbum  durch  das  Partizipium  umschrieben,  der  Haupt- 
satz zum  Nebensatz  gemacht  mit  der  plmnpen  Einleitung;  wissen!, 
ir  s'illeid  irissemie  sin  und  anderer  Phrasen.  Oft  finden  sich  ab- 
gebrochene Konstruktionen,  ein  Übergang  vom  erzählenden  in  den 
llespräch^ton;  besonders  auiriUlig  ist  die  Häufung  der  Synonyma 
und  der  Flickwörter,  wovon  der  mitgeteilte  Text  Beispiele  in 
Menge  bietet.  Auf  Absichtlichkeit  lallt  auch  die  Trennung  von 
zusammengehörenden  Worten  schliellen  wie  sncker  mente^).    Die 


293 

oben  b^roGhenen  Eigentümlichkeiten  lassen  sich  ebenfalls  am 
Text  der  Briefe  nachweisen,  wie  eine  Vergleichung  von  110*23  ff. 
mit  76*Sf9ir.  and  überhaupt  alle  jene  Texte  zeigen,  welche  zwei 
oder  mehrmals  in  den  verschiedenen  Memorialbüchern  wieder- 
kehren.   Ein    gutes  Hilfsmittel,  der  Arbeitsweise  Nikolaus  von 
Löwens  auf  die  Spur  zu  kommen,  bilden  weiterhin  die  in  den 
Antographen  vorkommenden  Korrekturen.     So  wird  man  z.  B» 
in  dem  Satze:  und  gedenkent  lieban  bruder  gedetJeent,  was  üch 
deir  liebe  milte  getrüwe  got  gutes  in  diesen  gegenwartigen  ziten 
serdichen  zitan  geton  hat ...   die  kursivgesetzten,  in  der  Hand- 
schrift getilgten  Worte  schwerlich  aul  einen  bloßen  Schreibfehler 
zurückführen  können. 

Der  allgemeinen  Sitte  der  Zeit  entsprechend  wird  Nikolaus 
von  Löwen  seine  Entwürfe  zunächst  in  Wachs  geschrieben  haben^ 
am  sie  von  da  auf  Pergament  oder  Papier  zu  übertragen,  wenig- 
stms  betont  er  diese  Arbeitsweise  bei  Rulmann  ausdrücklich 
(20*6  u.  a.).  Daneben  benützte  Nikolaus  von  Löwen  für  seine 
Konzepte  Papierblätter  in  Oktavformat,  wovon  das  beigegebene 
Faksimile  Nr.  3  eine  Probe  bietet.  Es  ist  dasselbe  Papierformat» 
auf  das  die  sog.  Autographen  der  Neun  Felsen  und  der  Vier-Jahre 
geschrieben  sind. 


7.  Einwände  und  ihre  Losnng. 

Mit  Recht  kann  man  die  Frage  aufwerfen,  wie  es  möglich 
war,  daß  die  Johanniterbrüder,  die  Pfleger  des  Hauses,  der  Jo- 
hannitermeister  in  deutschen  Landen,  Hesso  Schlegelholz,  von 
Nikolaus  von  Löwen  so  getäuscht  werden  konnten.  Das  ist  leicht 
zu  verstehen,  wenn  man  den  Entwicklungsgang  verfolgt  den  die 
Fiktkm  Nikolaus  von  Löwens  genommen  hat  Einmal  schloit  sie 
an  Traktate  an,  die  vermöge  ihrer  lebendigen  Darstellungsform 
zur  Täuschung  anderer  wie  geschaffen  waren  und  bis  heute  fi'ir 
Erzählongen  wirUicher  Erlebnisse  gehalten  wurden. 

Sodann  ist  Nikolaus  von  Löwen  der  einzige,  der  als  Ver- 
mittler zwischen  Rulmann  und  den  Johanniterbrüdem  auftritt; 
aof  seine  Angaben  allein  waren  darum  die  Brüder  angewiesen, 
die  sie  «onehmen  maßten  und  um  so  leichter  annehmen  konnten^ 
alii  IfikcAMs  von  Löwen  alle  B^ebenheiten  entwe&er  not  ^^qsh 


tlinzuii  der  Johaimiter  in  GrOnenwörth  setzte  oder  erst  in  die 
letzten  Lebensjahre  Rnlmanns,  wo  dieser,  schwer  erkrankt,  der 
aus^chlielilicheo  Pflege  Nikolaus  Ttm  Löwens  sidi  ofrenta  Was 
konnten  die  Brüder  einwoideii,  wenn  Nikolaus  von  Löwen,  dtt 
amtliche  Schreiber  Rnlmamis,  ihnen  etwa  8-10  Jahre  nadi  Rnl- 
mann?  Tod  Schriften  zeigte,  die  dieser  angeblidi  vor  seinem  Tod 
auf  Wachstafeln  schrieb,  um  sie  von  Nikolaus  von  Löwen  auf 
Pergament  übertr^oi  zu  lassen? 

Weiterhin  ist  wohl  zu  bet^Mtcfaten,  daß  Nikolaus  vmi  Löwen 
mit  i^einer  Fiktion  nicht  mit  einem  Schlage  tot  die  Brüder  tut, 
sondern  sie  denselben  Weg  gehen  ließ,  deu  er  selbst  an  der  Hand 
der  vorliegenden  Traktate  g^angen  war:  anbngaid  von  den 
kleinsten  Anfängen  bis  zu  d&i  vollendeten  Fülscbungen  im  Biief- 

t'UCll. 

Und  sollte  Nikolaus  von  Löwen  nicht  woiigstais  äiügß  Brü- 
der jiefunden  haben,  welche  von  demselben  Geiste  beseelt,  wie 
er,  den  Ruhm  des  Hauses  aut  jede  Weise  zu  vermehrea  tnudi- 
leten  und  jene  Ordnung  nicht  angetastet  wissen  wolltm,  die  Rol- 


255 

vor  dreißig  Jahren  bei  der  Gründung  des  Hauses  mitgewirkt 
haben,  Meister  und  Pfleger,  schon  lange  tot,  eine  Nachprüfung  des 
Inhaltes  also  auch  dem  neuen  Meister  nicht  leicht  möglich,  umso- 
mehr  als  das  Meistermemorial  keinen  andern  praktischen  Zweck 
verfolgte  als  den,  jede  Abänderung  der  Statuten  des  Hauses  von 
vornherein  auszuschließen. 

Noch  eine  andere  Frage  fordert  Beantwortung:  Welches  sind 
<iie  der  Fiktion  zu  Grunde  liegenden  lüstorischen  Elemente? 

Unbeschadet  der  These,  daß  Nikolaus  von  Löwen  allein  der 
Interpolator  wie  Verfasser  der  Memorialbücher  ist,  kann  die  ge- 
stellte Frage  verschiedentlich  beantwortet  werden.    Es  kann  voll 
und  ganz  zugestanden  werden,  daß  Rulmann  ein  „Gottesfreund" 
var,  insofern  er  tatsäclüich  die  Scliriften  besaß  und  las,  welche 
Nikolaus   von  Löwen  später  seiner  Fälschung  zu  Grunde  legte. 
i)agegen  ist  völlig  ausgeschlossen,  daß  Rulmann  sich  selber  als 
nGottesfreund'*  ausgegeben  und  jene  Rolle  gespielt  hat,  die  ihm 
iii  den  Memorialbüchern  zugewiesen  ist.   Auch  der  Annahme  steht 
'Nichts  im  Wege,  daß  Rulmann  durch  seinen  Schreiber  Nikolaus 
^on  Löwen    den    einen  oder    andern  Traktat   hat   abschreiben 
^^ssen;  ausgeschlossen  ist  dagegen,  daß  Rulmann  irgend  einen  der 
'Traktate  selber  schrieb,  fremde  Vorlagen  selbständig  erweiterte 
^d  sie,  wie  Nikolaus  von  Löwen  sagt,  vermischte  mit  sinen  in- 
"^^^mistigen  hitzigen  zügeleiten  minneworten. 

Wenn  Nikolaus  von  Löwen  sodann  die  Zeit  der  Abfassung 
^er  meisten  Schriften  in  die  Krankheitstage  Rulmanns  verlegt, 
^o  mochten  gerade  diese  mystischen  Traktate  Rulmann  in  der 
*^iigwierigen  Kranklieit  Trost  gewähren,  umso  melir,  als  er  von 
Olaubenszweifeln  und  Todesfurcht  gequält  und  gepeinigt  war. 
^ie  Angabe,  daß  den  Johanniterbrüdem  das  Meisterbuch  und 
^ünf-Mannenbuch  von  „den  Gottesfreunden"  direkt  zugesandt 
>Vurde,  kann  darauf  hindeuten,  daß  solche  Scliriften  den  Brüdern 
Von  Grünenwörth  für  ihre  neue  Bibliothek  geschenksweise  über- 
lassen wurden.  Eine  solche  Bücherschenkung  ist  uns  von  dem 
Komtur  Heinrich  von  Wolfach  ausdrücklich  bezeugt  >) ;  nicht  um- 

*)  1386,  Hai  S7  :  Bruder  Konrad  yon  Braansberg  bestätig  aof  dem  Generalkapitel 
^  Heimbaeh  die  dnrch  Brader  Heinrich  ron  Wolfacb,  Komtur  des  Hauses  zum  QrOnen« 
W<lrtlL|    g«i«  Hmw6   gemacbte  Schenkung  yon  Bachern.     Heinrich  von  WolCach  hatte 
^orfstnfta,   «r  kftbe  diese  Bacher  zur  Zelt  seiner  Versetzung  xou  Ix^Yrax^  u%ß\k 


nst  beloni  Nikolaus  von  Löwen  auch  an  verschiedenen  Stellen. 

tli  die  Anfertigung  der  Memorialbiicher  einer  „rrommen  Süf- 
ing"  ihre  Entstehung  verdanke.  Er  hatte  also  die  Ausgaben  filr 
'ergament,  Papier  und  Farbe  von  anderer  Seite  (von  den  Pfle- 
jem?)  stiftungsweise  vergütet  erhalten. 

An  mystischen  Traktaten  war  auch  die  frühere  Biblioilifk 
der  Johanniter  sehr  reichhaltig.  So  nennt  Schmidt,  Tauler  S.  6  = 
„Eine  Schrift  des  Nikolaus  von  Basel:  De  adventu  Cliristi"  1326 
[1356?].  —  Ebenda  S.  82  Anmerkung  1:  „Von  diesen  Regeln  (ABC 
des  Meisters)  finden  sicli  Abschriften  in  verschiedenen  Codd.  der 
StraÜburger  Bibliothek  z. B.  000.6.133,4°:  Cod.  B.  146  in  12».  beide 
aus  der  ehemaligen  Johanniter-BiWiothek  mit  dem  Anfang:  Dwe 
ober  zile  lerte  ein  gnodenricher  bewerler  goltesfriint,  ein  leige, 
rlnen  hohen  meisler  der  heiligen  geschritt"  Es  war  also  darin 
keine  Rede  von  dem  (.iottesfreund,  Rulmann  Merswins  heimlichem 
tiesellen.  —  Ebenda  S.  46  Anmerkung  3:  eine  allegorisch  mysti- 
sche Auslegung  des  Auszugs  aus  Ägypten  i^von  Marcus  von  Lindau : 
Bleistiftnotiz  am  Randel  Ms.  aus  dem  14.  Jahrb.  ehemalige  Johan- 
niler-Bibliolhek.  E  987.  16".  —  Ebenda  S.  180  Anmerkung  3:  „drei 
Handschriften  der  Neun  Felsen,  wovon  die  älteste  auf  Perg.  IP. 
die  Nummer  D  t81  trug"  Ferner  führt  der  von  Weislinger  an?<- 
Katalo"  1  ber  die  Handscl  r  ften  und  B  \  er  der  Johanniler- 
k  au  hrc  14       ne  grobe  \i  zahl  von  mystische« 

1  aUa  pn    hte  n       en         deut    I  e     auf     De  größten  Mystiket 
V.  e  Bernl  arJ    M  ertu    Magnu     Su  o   Taul  r    L  kliard,  Rui*l'ri>c:^ 

0  b    g  a       9  a  E  gon  um       tg  b  ae  n     en  HU  h    n    ind  aiifit-iihlt ;  H.E: 

n            no           nsnuB  nliu                  n  dui«  pirMS  -luestioi»-     "" 

B  0     Th    n       do     B   p      BJi     ec  Dil     ut  u  n »           n       a  tatuni  do  profectii  ^^^"' 

g          un     e  n      bu    Bus     an          u  to  n  trtt    a    in  dv  doctrina    cor^^^ ' 

n   K    ha  d         de    pM   a            qu                au  an                    sutniiDCS  du  mint  c^^^^' 

Ja                        s^ls                nuu  po             ü       lia^bl    1:|66.    proi^^*"'* 

na                         n             ba      pap  k  a         Slralthuis-  (H.  MB"^^''" 

ab                               A          e      R     U  le      Ua  d   Nikolaus    T^.n    l,.iir<^- ■"'■ 
/                 n     f    tbe              debit          n    lir    H   n      h         o     Wolfa<A,  commemC   *« 

I       G        n        if     l          d         a  i  Hb.           ii  ffemrwe.»  n^f       ''■^ 

flt      e  g     a  k      p       n          nseU        h  l       G  u  mwfxde   ftctkliclii-        -'' 
bib  n>e     nl     an  z        nd 

aa                        mnpon  h                      Od.  Hiorolrmilaiii  ArKW- 


267 

und  anderer  sind  hier  handschriftlich  vertreten.  Leider  gibt  der 
Katalog  nur  den  kurzen  Titel,  nicht  den  Inhalt  der  Handschrift, 
noch  deren  Entstehungszeit  und  Herkunft  an. 

Als  Bücher  Ruhnanns  sind  am  Ende  des  Handschriftenkatalogs 
S.56  aufgezählt: 

3ulmanni  Merswini,  Fundatoris  Domus  Viridis 
Insulae,  scripta.  Teutonice.  M.  f.  /=  Großes  Deutsches  Memo^ 
rial?]. 

Eiusd.  Scripta  quaedam  ex  Teutonico  in  Latinum  translata. 
Praemittitur  iis  brevis  Narratio  de  Fundatione,  Renovatione  et 
Incremento  laudatae  Domus.  M.  f.  [=  Lateinisches  Memorial?], 
Eiusd.  Tract     Von  den  nien  Felsen.  M.  4.  /-  Autographf. 
Eiusd.  Tr.  de  Egressu  spirituali  ex  Aegypto.  Teutonice.  M.  12. 
Eiusd.  Narratio  quid  sibi  evenerit  in  Vigilia  Nativitatis  Christi 
1356.  Teutonice.  M.  12.  /=  Sendschreiben]. 

Ein  Buch,  welches  seit  von  unsers  Herren  Christus  Liden, 
das  er  hat  gelitten  in  der  Zit,  und  von  siner  Herschaft,  die  er 
hat  in  der  EwikeiL  M.  4"^). 

Sonderbar  ist,  daß  dabei  die  übrigen  Memorialbücher,  vor 
^em  das  Briefbuch  fehlt    Waren  diese  damals  nicht  mehr  in 
der  Johaniterbibliothek  vorhanden,  oder  als  Schriften  Rulmanns 
Und  des  Gottesfreundes  in  Vergessenheit  geraten  ?  Dagegen  finden 
3ich  unter  den  Handschriften  einige  myätische  Schriften,  die  viel- 
leicht analog  dem  Zwei-Mannenbuch  und  dem  Sendschreiben  an 
X^auler  die  Vorlage  zu  den  in  den  Memorialbüchem  gesammelten 
X^raktaten  bildeten.  So  unter  der  Rubrik :  A  92,  2 :  Hübesche  rede 
K'cm   zwein  weltlichen  gesellen^   wie  die   zu  gotte  gezogen  wurdent 
[^Traktat  von  den  zwei  fünfzehnjährigen  Knaben?).  —  B  84,   4: 
jtVacUUus  quidam  mystici,  Germanice.  —  B  134i  2:  Die  lehre  des 
^9%4igiers.  —  B  134i  4:    Lere,  die  ein  gut  frünt  dem  andern  ge- 
^ckriben.  —  B  138 :  Die  wiisti  und  der  usgang  des  tolcks  ton  Israhel 
Egypto.  —  B  146,  11:  Der  geistlich  sende  brieff.  —  B  146.  15 : 
'e  und  underweisung  der  minnenden  sede  von  dem  namen  Jesus 
(y^  154*35:  Gedicht  auf  Jesu  Namen).  —  C  18.  15:  Visio  cuiiM- 


*)  Nicht  alle  diese  Schriften  sind  such  Ton  XikoUus  tod  Löwen  auf  Ruimann 
'^itdgeftthrt  worden,  es  muß  also  noch  andere  gefeben  haben,  die  ihrem  Eintrai; 
SQiiriii  voB  »"i— —  Iterstammen  soJJten. 


258 

dam  IleremUae  continens  tu  u  aUereationem  corporis  et  amme. 
canniHice  (vgl.  47*5).  —  C  21, 15 :  Traäatua  de  $piritiuäi6us  ateen- 
aiouihm.  —  D  108,  U:  Epistola  cutuadam  prioria  Carthuaiani  de 
anniveraariis  et  alUs  »pirüiK^ima  beneficüa  praestMtdia  (vgl  6*4)> 
—  1>  HO:  Joh.  Eiteschenbroech  Omatua  apiritualia  deeponaatiomt ; 
ex  teuiovica  iranatatua  a  Gerhardo  Magno  da  Datentria  dt.  4. 

Unter  diesen  Schriften  mochte  aacb  der  Bücherbestand  sein, 
der  nach  dem  Tode  Rulmanns  in  das  Eigentum  der  Johanniter 
überging  —  Tür  Nikolaus  von  Löwen  also  AnknüpCungspnnkte 
genug  für  seine  Zwecke,  die  er  verfo^te.  Alle  wräteren  Gedanken 
durfte  Nikolaus  von  Löwen  nur  dem  Text  der  anonymen  my- 
stischen Traktate  entnehmen,  so  daß  Zeile  fOr  Zeile  in  der  schrift- 
stellerischen Arbeitsweise  Nikolaus  von  Löwens  —  die  historischen 
Partien  ausgenommen  —  tatsächlich  durch  Parallelstellen  aus  den 
Traktaten  mit  Leichtigkeit  zu  belegen  wären. 

Die  Fiktionen  Nikolaus  von  Löwens  sind  aldo  keineswegs  so 
grollartig  angelegt  und  ausgedacht,  wie  man  anzunehmen  gewohnt 
ist.    Sie  sind  mehr  hervorgegangen  aus  dem  unbestimmten  Drange 


259 

ist  Vielmehr  dürfte  schon  ein  BUck  in  das  Register  des  7.  Bandes 
des  Straßburger  Urkundenbuchs  jeden  überzeugen,  daß  eher  an 
Katharina  Merswin,  Priorin  von  St  Marx  zu  Straßburg,  wo  die 
Mystik  eine  große  Pflege  gefunden  hat,  zu  denken  ist.   Dafür  daß 
Gertrud    von   Bietenheim   im  Besitze    mystischer  Traktate   war, 
spricht    nur   der  Eintrag    am   Schlüsse    des  Zwei-Mannenbuchs 
(Hs.  H),  vorausgesetzt,  daß  er   nicht   eine  freie  Erfindung  Niko- 
laus von  Löwens  ist.   Vornehme  FamiUen  aber  im  Besitze  solcher 
Erbauungsschriften    zu    sehen,    ist    nichts    Auffallendes.     Jeden- 
falls hat  das  Laienelement  im  Mittelalter  einen  größeren  Anteil 
^n  allen  religiösen  Strömungen  genommen,  als  man  gewöhnlich 
annimmt;  und  gerade  reiche  Familien  mochten  es  sich  als  Ehre 
anrechnen,,  im  Besitze  schön  geschriebener  Erbauungsschriften  zu 
Sein.  Ebenso  wenig  spricht  für  die  besondere  Pflege  des  mystischen 
I^«€bens  in  der  Familie  Merswin  die  jüngst  publizierte  päpstUche 
ATergünstigung*)  der  absolutio  plenaria  in  mortis  articulo,  d.  h.  die 
ATergünstigung,  womach  Rulmann  Merswin  und  seine  Frau  Gertrud, 
Jakob  Merswin  und  seine  Frau  Agnes  und  Kuntzo  Merswin  und 
^^ine  Frau  Katharina  sich  im  Todesfalle  von  jedem  beliebigen 
I^riester  die  Generalabsolution  erteilen  lassen  können,  da  solcher 
Bittschriften  von  vornehmen  FamiUen  zu  hunderten  in  den  päpst- 
lichen Supplikenregistern  des  14.  Jahrhunderts  erhalten  sind.  Wenn 
^ich  nun  darunter  auch  die  Familie  Merswin  befindet,  die  gewiß 
^  Straßburg  eine  große  Rolle  gespielt  hat,  so  entspricht  dies  der 
Oewohnheit  der  damaligen  Zeit,  ist  also  nichts  Außergewöhnliches 
^ehr.«) 


1)  Vgl.  Kotho,  die  kirchl.  Zustande  Straßbur^^K  S.  125. 

*)  Schließlich  wird  man  bei  den  Fiktionen  Nikolaus  von  LOwens  lebhaft  an 
<)«iie  mittelalterlichen  Historiographen  erinnert,  die  ihre  Zeitgeschichte  aus  den  klas- 
^t^chen  Schriftstellern  ausschrieben  und  mehr  oder  minder  gut  auf  ihre  Zeitrerhält- 
^iss«  zustatrten,  oder  an  die  Verfertiger  der  zahlreichen  BriofbQcher,  in  denen  dem 
^Ußeru  Anschein  nach  alles  in  historischer  Farbe  schillert,  während  bei  näherem  Zu- 
^ohcn  das  meiste  reine  Fiktion  ist.  Einen  Einblick  iu  diese  Verhältnisse  bietet  die 
^^ktoratsrede  ron  Professor  B  r  e  s  s  1  a  u  :    Aufgabe  mittelalterlicher  Quellenforschung. 


IV 

Schlussergebnis.  | 

Die  Üichtuug  des  Nikolaus  von  Löwen  und  ihre  Erklämvg- 

Entst«lmng  und  Zweck  der  Dichtung.  Charakter  Nikol  ^ns 

von  Löwen».     Charakter  Kulmann  Merswins. 

Die  Kreuz-  und  Querzüge  auf  dem  Wege  unserer  lln  •*'" 
sucliung  führen  uns  zu  folgenden  unumstößlichen  Resultaten  =^ 

1.  Die  Memorialbiicher  des  Hauses  zum  Grünenwörth  -*^ef" 
mitteln  uns  allein  die  Kenntnis  vom  geheimen  Gottesfreund  "" 
Oberland  und  seiner  intimen  Beziehung  zu  dessen  Freund  F^»'- 
mann  Merswin,  dem  Stifter  von  Grünenwörth. 

2.  Diese  Memorialbiicher  sind  insgesamt  erst  nach  Rulma-  *"'* 
Tod  angelegt  worden. 

3.  Sie  verfolgen  deutlich  den  /.weck,  die  Stiftung  des  Joh,  *"" 
niterhauses  zu  verherrlichen  und  die  dem  Hause  durch  Rulm^*"° 
gegebene  Ordnung  gegenüber  den  mannijifachslen  Anfechtua.^^'' 
aufrecht  zu  erhalten  und  sicherzustellen. 

4.  Um  dieses  Ziel  zu  erreichen,  erfahren  die  in  den  Memori*J- 
büchern  ausgesprochenen  Gedanken  eine  Entwicklung,  die  v«n 
achwankenden  und  allgemeinen  Andeutungen  ausgehend  von  Stufe 
zu  Slufe  sich  erweitern,  klären  und  verlieren.  Dabei  sind  de"'- 
lieh  zwei  Fcrioddii  zu  untersf;lieideii: 

ai  die  Zeit  von  1382-1385C[*):  Anlegung  der  drei  Meinoriaf- 
biicher  in  ihrer  ursprünglichen  Gestalt; 

In  die  Zeit  von  1390-1400:  Umwandlung  dieser  Memoriül- 
bücher,  Anletjung  der  Pflegermemoriale.  des  Meistermemo- 
rials und  de.>  Hriefiiuchä. 


261 

5.  Diese  Entwicklung  erfolgt  auf  Grund  verschiedener,  ano- 
nymer, mystischer  Traktate,  deren  Verfasser,  Entstehungsort  und 
Entstehungszeit  unbekannt  sind. 

6.  Nur  derjenige  kann  Urheber  dieser  sich  stetig  entwickelnden 
Gedanken  sein,  der  die  Memorialbücher  angelegt  hat. 

7.  Als  Verfasser  der  Memorialbücher  erweist  sich  aber  ein 
Johanniterbruder,  der  in  inniger  Beziehung  zu  Heinrich  Blankhart 
'Von  Löwen  sowie  zu  Rulmann  Merswin  stand. 

8.  Dieser  eine  Verfasser  kann  nur  Nikolaus  von  Löwen 
^ein,  dessen  Autorschaft  über  alle  Zweifel  erhaben  ist. 

Zum  ersten  haben  wir  in  Nikolaus  von  Löwen  einen  geübten 
•Schreiber  vor  uns.  Als  zwanzigjäliriger  junger  Mann  kam  er 
^u  einem  Kaufmann  Heinrieh  Blankhart  von  Löwen,  dessen 
•ausführlich  in  den  Memorialbüchern  gedacht  ist,  und  diente  ihm 
sieben  Jahre  als  Schreiber.  Darauf  trat  er  als  Schreiber  in  Rul- 
mann Merswins  Dienste,  wurde  Priester  und  erster  Konventual  des 
Ton  Rulmann  gegründeten  Johanniterhauses.  Sodann  schreibt  er 
seine  eigene  Lebensbeschreibung  in  das  Briefbuch  wie  in  etliche 
andere  Bücher,  damit  man  seiner  im  Johanniterhause  zum  Grünen- 
^örth  nicht  vergäße.  Was  hätte  das  alles  für  einen  Zweck,  wenn 
«r  an  den  ürkundenbüchern  keinen  Anteil  hätte? 

Von  allen  Brüdern  sodann  ist  in  den  Memorialbüchern  allein 
l^ikolaus  von  Löwen  genannt  im  Bunde  mit  zwei  andern,  welche 
^s  „die  ersten  Johanniterpriester"  bezeichnet  werden  i).  Von  diesen 
ersten  Priestern  heißt  es  ausdrückUch,  daß  sie  die  ersten  Memo- 
rialbücher  geschrieben  liätten;  darunter  war  also  sicherlich  Niko- 
laus von  Löwen. 

Nikolaus  von  Löwen  ist  ferner  in  den  Memorialbüchern  an  ver- 
schiedenenen  Stellen  als  Schreiber  in  der  ersten  Person  eingeführt, 
an  verschiedenen  anderen  in  der  dritten  Person. 

Nikolaus  von  Löwen  ist  der  einzige,  der  schon  vor  der 
tjnüidung  von  Grünenwörth  näheres  über  den  angeblichen  Gottes- 
freund und  dessen  Gesellschaft  durch  Ruhnann  Merswin  erfahren  hat 


M  AnffiUliger  Weise  spricht  er  nie  davon,  wolclies  vorher  seine  Mitgonossen 
^s  MWeltpriester**  waren.  Hatte  vielleicht  Rulmann  Qberhaupt  keine  KapUne  für 
«rine  fMtiftoteii  Kaplaneien  erhalten?  Das  würde  die  Übertragung  der  Hofstitte 
JBom  Ortt&enwOcth  an  die  Johanniter  noch  begreiflicher  erscheinen  lasseik. 


Von  den  Johannitern  zu  Straßburg  ist  niemand  für  den  an- 
geblichen Gotlesfreund  mehr  begeisLert  wie  Nikolaus  von  Löwen, 
Er  will  sogar  in  seine  Gesellschaft  eintreten,  wird  aber  auf  spater 
vertröstet.  Andererseits  wird  vom  Gottesl'reund  niemand  mehr 
bevorzugt  als  Nikolaus  vnn  Löwen.  Er  allein  von  den  üriidera 
empfängt  vom  Gotlesfreund  mehrere  Briefe.  Und  unter  allen 
Briefen  ist  nur  ein  einziger,  der  an  den  Gotlestreund  gericlitet 
ist.  und  dieser  einzige  stammt  von  Nikolaus  von  Löwen.  Das 
allein  würde  schon  geniigen,  in  Nikolaus  von  Löwen  den  Ver- 
fasser des  Briefbuchs  und  der  damit  in  unlöslichem  Zusammen- 
hang stehenden  Memorialbüchei-  zu  erkennen.  Doch  der  Gotles- 
freund will  Nikolaus  von  Löwen  aucli  an  der  Verbreitung  seiner 
Schriften  und  an  der  Übermitllunjz  an  die  Johanniter  einen  lier- 
vorragenden  Anteil  nehmen  lassen.  Er  erhält  darum  den  Auftrag, 
das  Fiinf-Mannenbucli  abzuschreiben,  das  angebticlie  Original  zu  be- 
halten, die  Abschrift  dagegen  den  Brüdern  zu  übergeben.  Sodann 
ist  Nikolaus  von  Löwen  eifrig  bemüht,  die  Schriften  des  Gottes- 
freundes bei  andern  zu  verbreiten.  Als  er  sich  auimachte,  von 
dem  Prior  zu  Engelberg.  Johannes  von  Bolsenheim,  über  den 
Aufenthaltsort  der  Gottesfreunde  etwas  Näheres  zu  erfahren,  da 
r/ap  bri'ider  Claus  ron  IJifeii  demselben  lon  Bolsenheim  vU  kuiit- 
schuft,  hrtefe  tuul  ein  abegeschrift  der  Urkr  weltlicher  pfteyere  hi'ivk, 
in  dem  demelhen  'jottes  fründe  leben  geschriheit  slot  und  ■cU  etU- 
liehe  materiell  dis  ijegemcertigen  hi'iches  [des  Briefbuches]. 

Nikiilaus  von  Löwen  legt  vor  allem  im  Brief  buch,  das  zeit- 
lich am  spätesten  entstanden  ist,  aber  über  die  Gottesfreunde  am 
ansfülirliclisten  bericlitet,  grollen  Weri  darauf,  dal!  man  ihm  Glauben 
sijhenke.  Wie  oft  betont  er  nifht,  dali  er  all  sein  Wissen  von 
Rulmann  Merswin  habe  und  dieser  vum  Gottesfreund!  In  jedem 
Abschnitt  der  historischen  Partien  des  Urielbuchs  kehrt  die  Eormel 
wieder:  alse  es'  Riilman  Mertiirin  tiMi-r  seile  briider  Claiiseii  ron 
Löfen.  Er  ist  so  der  einzige,  der  näher  in  die  Geheimnisse  des 
Gotleslreundcri  und  dessen  Gesellschaft  eingeweiht  ist  und  die 
lingierte  Vermittlerrolle  spielt  zwischen  Rlerswin  und  den  Joban- 
niterhriidern  zu  Straliburg.  Er  weill  darum  auch  ganz  genau, 
dall  Rulmann  die  Schriften  des  Gottcst'rcundes  auf  Wachstafeb 
■jesehrieben,  dabei  Personen-  und  Ortsnamen  weggelassen  und 
die  Originale  verbrannte.     Und  \ven  v<m  den  Brüdern  hätte  Liiil- 


263 

mann  eher  beauftragen  können,  den  Text  der  Wachstafeln  auf 
Pergament  zu  übertragen  als  seinen  ehemaligen  Schreiber  Niko- 
laus von  Löwen? 

Als  geistiger  Urheber  der  Memorialbücher  wird  Nikolaus  von 
Löwen  auch  durch  den  Zweck  erwiesen,  den  dieselben  verfolgen. 
Denn  wer  von  den  Johanniterbrüdem  hätte  mehr  darauf  bedacht 
$ein  sollen,  Rulmanns  Leben  und  Wirken  zu  verherrlichen  als  ge- 
rade Nikolaus  von  Löwen  V    Und  wer  hätte  mehr  als  er  dafür 
hesorgt  sein  müssen,  daß  die  Statuten  des  Hauses  unverbrüchlich  ge- 
lialten  werden,  wo  er  doch  der  langjährige  Vertraute  Rulmanns 
"war.  wo  er  den  Pflegerbrief  und  dessen  Artikel  aufgesetzt  und 
«eigenhändig  geschrieben  hat?  So  ist  leicht  verständlieh  wie  überall 
^er  Grundton  hindurchklingt:  der  Johanniterorden  und  vor  allem 
<las  Johanniterhaus  zu   Straßburg   mit  seiner  Lebensweise  und 
meinen  Kegeln  verdient  den  Vorzug  vor  allen  andern  Orden  und 
Ordenshäusem.  Welchen  Dank  ist  man  darum  Rulmann  Merswin 
schuldig,  der  weder  Augustiner,  noch  Benediktiner,  noch  Zisterzienser, 
oder  Dominikaner,  sondern  allein  die  Johanniter  für  würdig  hielt, 
^6  Hofstätte  zum  Grünenwörth  zu  bewohnen !  Und  wieviel  mehr 
jnüssen  die  Johanniterbrüder  darnach  streben,  die  Ordnung  des 
Hauses  voll  und  ganz  einzuhalten,  da  Rulmann  nicht  aus  Will- 
J(ür  seine  Anordnungen  getroffen  hat,  sondern  den  innem  Ein- 
^precbungen  Gottes  folgend  und  dem  Rate  des  „großen  Gottes- 
Ireundes  im  Oberland''!    Solche  Gedankengänge  sind  doch  nur 
^verständlich,  wenn  sie  von  Nikolaus  von  Löwen  stammen,  dem 
geistigen  Urheber  der  Memorialbücher.    Will  man  dagegen  trotz 
dieser  durchschlagenden  Gründe  Nikolaus  von  Löwen  als  Ver- 
fasser ablehnen,  so  steht  man  vor  einem  unlösbaren  Rätsel. 

Die  Fiktionen  Nikolaus  von  Löwens  traten  nicht  mit  eüiem 
Schlage  ins  Leben.  Das  erste,  was  er  unternahm,  war,  die  Chronik 
des  Hauses  zu  schreiben  in  schlichter  und  einfacher  Sprache, 
jedoch  getragen  vom  Geiste  des  Christentums,  unter  dessen  Ein- 
fluß die  Ordnung,  welche  Rulmann  geschaffen,  als  Werk  des  hl. 
Geistes  dargestellt  wird.  Und  war  etwa  Nikolaus  von  Löwen  zu 
dieser  Auffassung  nicht  berechtigt?  Man  vergegenwärtige  sich  die 
traurigen  Zustände,  in  welchen  Grünenwörth  sich  befand,  bevor 
Rulmann  sich  seiner  annahm:  die  Gebäude  zerfallen,  die  Bene- 
diktiner von  Altdorf  unfäliig,  dem  völlig  damiederUegetvÖL^tv  YIXo^Xät 


264 

aufzuhelfen.  In  diese  zerrütteten  Zustünde  greift  Rulmann  nun  ein, 
ein  Praelitbau  entsteht  auf  dem  Gri'menwörth  und  neues  Leben  be- 
ginnt darin  zu  erblühen.  War  dieses  Werk  nicht  wert,  den  Werk- 
meister darob  zu  feiern?  Da»  willitommene  Mittel  dazu  gal>en  Nikti- 
lausvon  Löwens  verschiedene  asketische  Traktate,  die  als  FJrbgut 
der  Bibliothek  des  Hauses  gehörten,  mögeu  sie  nun  von  Nikolaus 
von  Löwen  selber  aus  den  Niederlanden  mitgebracht  oder  schenkungs- 
weise  von  Rulmann  und  andern  Wohltätern  dem  Hause  übergeben 
worden  sein.  In  ihrem  Aufbau  waren  diese  Traktate  ganz  eigen- 
artig, in  ihrer  Darstellungsform  ungemein  lebendig  und  anspre- 
chend. Die  einen  behandelten  das  Kämpfen  und  Ringen  des 
Menschen  mit  dem  Diesseits  und  Jenseits,  die  Parole  GottesUebe 
im  Gegensatz  zur  Weltliebe,  um  den  wahren  vom  Menschen- 
herzen heiß  erselmten  Frieden  in  der  ewigen  Ruhe  bei  Gott  zu 
finden,  ein  Ziel,  so  hocli,  dalJ  es  nur  mit  Hilfe  eines  Führers,  der 
selber  diesen  Weg  zuerst  gegangen,  zu  erreielien  ist.  Der  Name 
dieses  Führers  ist  ,,GoLtesfreund",  seine  Aufgabe,  andere  zu 
„Gottesfreunden"  zu  machen.  Andere  lYaktate  wieder  reden  in 
düsterem  Ton  von  den  Strafgerichten  Gottes,  welche  über  die 
Mpn?ehen  aller  Stünde  und  aller  Rerufsklassen  kommen,  wenn  sie 
nicht  dem  Beispiele  Gott  minncnder  Seelen  folgen,  sich  den  .,Gotte3- 
freunden  zu  Grunde  lassen."  Zu  diesen  Weltkindern  gehörte 
i^ulmann  Merswin  nicht.  Rulmann,  der  Stifter  von  Grünenwörtli, 
war  ein  Gottesfreund,  der  sicli  von  der  W'elUiebe  abwandle,  weither 
(T  in  den  Jugendjalircn  den  Tribut  bezahlt  hat.  dann  aber  ein 
Leben  der  Rulie.  Einkehr  und  der  Selbstheihgung  führte,  darum 
auch  des  himmlischen  Trostes  gewürdiget  wurde:  das  alle.-^  in 
der  Weise,  wie  die  asketisclien  Traktate  es  in  lebhaftesten  Farben 
beschreiben.  Dan  war  der  erste  Gedanke,  dei'  in  Xikolaus  von 
Liiwi^n  aufleuchtele,  als  er  diese  Traktate,  zuniichst  das  Zwi'i- 
Mannenbui-li  näher  besah.  Sie  waren  iiim  hüchsl  willkummen; 
sie  bedurften  keiner  grollen  Umarbcitunp,  sie  waren  sclion  fertii.', 
um  aus  ilinen  das  Bild  zu  entnehmen,  das  er  alsliald  von  dem 
Stifter  von  Grünenwörth  zu  zeiclinen  beginnt.  Wahre  Gentes- 
freunde,  so  verlangen  es  die  Traktate,  stehen  in  bestündigeni 
Verkehr  miteinander:  auch  Rulmann  tat  es.  Wahre  Gottesfreunde 
.'schreiben  einander  ihr  Leben  und  geben  es  einander  um  Gottes 
Werke  zu  preisen,  die  er  an  ihnen  getan  hat:  auch  Rulmann  tut 


265- 

dies.    Wahre  Gottesfreunde  sehreiben  Schriften  zum  Wohle  der 
MitmenscheDt  nennen  aber  keine  Namen:  auch  Ruknan  tut  dies. 
Was  Gottesfreunde   selbst  erlebt   und    in  ihren    eigenhändigen 
Lebensbeschreibungen  niedergelegt  haben,  das  verwahren  sie  sorg- 
faltig und  lassen  es  nach  ihrem  Tode  erst  finden,  da  .sie  bei  Leb- 
zeiten von  den  außerordentlichen  Gnadengaben   nicht  sprechen 
sollen:  auch  Rubnann  handelt  so.    Um  diesen  Zweck  zu  erreichen, 
bedurfte  es  nicht  langer  Überlegung  oder  künstlerischer   Umfor- 
mung der  Traktate,  Nikolaus  von  Löwen  durfte  nur  über  die  Trak- 
tate die  Rubrik  setzen:    Unter  den  hier  beschriebenen  und  auf- 
tretenden Personen  ist  „der  eine*'  Rulmann,  .,der  andere**  sein 
S^eheimer  Freund  vom  Oberland,  und  niemand  konnte  sich  melir 
ciieses  Gedankens  beim  Lesen  entschlagen. 

Allein  diese  Deutung  war  doch  zu  unbestimmt  und  brachte 
^^ikolaus  von  Löwen  vor  allem  in  Widerstreit. mit  dem  Bilde,  das 
^x  von  Rulmann  zu  zeichnen   beabsichtigte.    Denn  von  diesem 
-»-»einen"   waren   in  den  Traktaten   oit  Züge   erzählt,   welche  bei 
^^l)ig6r  Deutung  Rulmann   in  sclüefem  Lichte  hätten  erscheinen 
lassen.    Jetzt  wälilt  Nikolaus   von  Löwen  unter   den   Traktaten 
^iis,  jetzt  klären  und   vertiefen   sich   seine  Gedanken.    Er  geht 
^och  einen  Schritt  weiter  und  überträgt  die  Deutung  der  Ru- 
tipiken  durch  geschickte  Interpolation   in  den  Text  der  Traktate 
Selber.    Die  Vier-Jahre  erhalten  den  Namen  „Rulmann",  die  an- 
deren den  Zusatz:    der  Gottesfreund   vom  Oberland,  Bülmannes 
heimelicher  geselle.     Damit   war  Rulmann   zum  Gottesfreund   ge- 
stempelt, der  lebte  und  liandelte  wie  ein  wahrer  Gottesfreund. 

Da  kamen  andere,  weniger  erfreuliche  Zeiten  für  Grünen- 
wörth.  Die  Institutionen,  welche  Kulmann  dem  Johanniterhaus 
gegeben,  geraten  ins  Wanken.  Sie  erleiden  Widerspruch  vom 
Johannitermeister,  von  den  Pflegern,  von  den  Brüdern.  Nikolaus 
von  Löwen,  der  treue  Anhänger  Rulmanns  auch  nach  dessen 
Tode,  greift  abermals  zur  Feder,  arbeitet  die  drei  Urkunden- 
bächer  um,  gibt  jedem  Pfleger  und  dem  Johannitermeister  ein 
eigens  für  sie  bestimmtes  Memorial  in  die  Hände,  aus  dem  sie 
die  grolie  „Würdigkeit  der  Ilofstätte  zum  Grünenwr)rth"  erkeimen 
sollten,  um  die  Ordnung  des  Hauses  unangetastet  zu  lassen. 
Dazu  kamen  noch  die  kirchenpolitischen  Wirren  der  damaligen 
Zeit,  die  den  Unfrieden  unter  den  Brüdern  noch  acYvüTleiv,  ^\sv 


Leben  der  Einkelif  und  der  Abkehr  von  der  Welt  unmöglich 
machten.  Die  Pracht  des  Jolianniterlmuses  war  den  Straliburger 
Bürgern  ein  Dorn  im  Auge,  das  ieiclitfertige  Leben  der  Jolian- 
niterbrüder  ihnen  zam  Ärgernis.  Das  alles  muUte  Nikolaus  von 
Löwen  mitanschen.  und  um  diesen  MiDständen  zu  begegnen,  greift 
er  zu  den  Traktaten,  die  von  den  Plagen  Gfittes  redeten.  Auf 
sie  konnte  er  vor  allem  jetzt  um  die  .lalirliundert wende  die  Brüder 
verweisen,  wenn  sie  ni^/ht  unverbrüchlifli  festhalten  an  dem,  was 
Rulmann  auf  den  Rat  „des  Gotlesfreundes"  angeordnet  hat.  So 
entsteht  das  Rriefbuch,  das  auf  der  einen  Seite  Ruimanns  Ver- 
hallen bei  der  üriindung  und  dem  L'mbau  von  Grünen wörlli. 
wie  seinen  VerkeJjr  mit  dem  angeblichen  Gottesfreund  zu  be- 
gründen und  zu  reclitfertigen  sucitt,  auf  der  andern  Seite 
den  Mrüdern,  die  von  den  Fesseln,  die  Rutmann  ilmen  angelegt 
sich  befreien  wollten,  in  mahnenden  und  warnenden  Worten  zu 
Herxen  reden  will.  Barum  bildet  die  Schlußermahnung  des  Briet- 
buchs den  Seliwanengesang  Nikolaus  von  Liüwens,  wo  er  noch 
einmal  in  schweren  Worten  die  Mahnung  zur  Besserung  anschlägt, 
die  jetzt  so  not  tut,  wie  einst  in  den  Tagen  von  Ninive,  umso 
mehr,  da  Gott  bereits  vierzij;  Jahre  die  Bewohner  vonGrünenwörth 
strafe,  obwohl  alles  <fai-  wenig  verfangen,  diu  nit  ieman  merklich 
darabe  gebessert  habe.  Darum  sollen  die  Brüder  als  wahre  Jünger 
der  liottesfreunde  in  disen  hinderden  sürfflichen  ziten  alle  die  Briete 
lind  die  andern  Traktate  vornehmen,  darin  lesen,  einander  auf- 
muntern, damit  der  obere  aitefang  und  die  gute  geistliche  oräe- 
iiuiige  dix  hiises  si'i  dem  Griiticitirerde ....  ewiclich  gehanthabet 
und  auch  den  Nachkommen  „eingeimpft  und  eingepflanzt"  werde. 
.Mit  diesem  Gedanken  isl  Nikolaus  von  Löwen  wieder  an  dem 
i'unkle  anjiplanüt,  von  dem  er  aufigogangen  i^^t:  die  gute  ijeislUchf. 
ordeiiunge  des  Hauses  vor  allen  Anfeindungen  zu  bewahren.  Um 
.-ichlielilich  auch  denen  gerecht  zu  werden,  welche  an  die  Walu'- 
lieit  seiner  Erzählung  niclit  felsenfest  glauben  wollen,  betont  er. 
(iall  man  alles,  was  die  Urkundenbiiclier  enthalten,  wohl  nicht 
.-^o  f;luuhen  müsse,  wie  etwa  die  lil.  Schrill  und  die  christlichen 
(llauhcnssätze,  doch  seien  sie  nützÜch  und  verdienstlich,  da  in 
ilmen  niclits  enthalten  sei,  was  der  hl.  Schrift  und  dem  cbrist- 
lithen  Glauben  widerspr;i{-he,  denn  dodurch  volget  uns  auch  icmer 
/lertiide  i/ronse  fruht,  drr  irir  eiricliclie  manijeln  und  enbern  niiistettt, 


267 

obe  fiir  es  von  unahtsamkeit  verwerffen  und  nüt  glouben  wolleni 
(148*19).  Nikolaus  von  Löwen  fiihlte  also  selbst  die  Schwierig- 
keit, seinen  Angaben  volles  Vertrauen  zu  schenken  und  darum 
sucht  er  jede  kritische  Beurteilung  mit  dem  Hinblick  auf  ewigen 
Lohn  abzuweisen.  Für  sich  selbst  beansprucht  er  für  all  seine 
Mühe  nichts  anderes,  als  daß  die  Brüder  seiner  im  Gebete  ge- 
däeliten  und  seinen  Jahrtag  gewissenhaft  halten.  Das  verlange 
von  ihnen  die  Liebe  zu  den  Stiftern,  mit  denen  er  in  Ergebenheit 
und  Treue  in  Grünenwörth  aufgewachsen  sei  (157*24). 

In  dieser  Weise  gelang  es  Nikolaus  von  Löwen,  die  Statuten 
des  Hauses  aufrecht  zu  erli  alten  nicht  durcli  Gewalt,  sondern 
durch  die  Waffen  des  Geistes.  An  seinem  ehrlichen  Willen  und 
seiner  sittUchen  Größe  ist  nicht  zu  zweifeln.  Ein  großer  sittlicher 
Ernst  spricht  aus  allen  seinen  Worten,  besonders  wenn  er  seine 
Brüder  mahnt  und  warnt.  Aber  er  verwandte,  um  einen  guten 
-Zweck  zu  erreichen,  ein  schlechtes  Mittel,  in  der  Absicht,  andere 
TM  täuschen  und  in  die  Irre  zu  führen.  Zu  seiner  Entlastung 
kann  man  freihch  auf  die  allgemeine  Anschauung  der  damaUgen 
2eit  verweisen,  welche  sich  der  Verwerflichkeit  derartiger  Fik- 
ionen  nicht  bewußt  war. 

Soll  man  auf  Grund  der  Tatsachen  eine  Charakteristik  Rul- 
manns  bieten,  so  kann  man  mit  Nikolaus  von  Löwens  eigenen 
Worten  antworten:  niemand  wußte  bei  Lebzeiten,  daß  Rulmann 
-ein  so  begnadeter  Gottesfreund  war^).  Dieses  Urteil  behält  auch 
nach  seinem  Tode  volle  Geltung.  Rulmann  ist  kein  Betrüger, 
als  den  man  ihn  auf  Grund  der  Gottesfreundschriften  hinzustellen 
suchte,  denn  er  ist  an  ihrer  Abfassung  vollkommen  unbe- 
teiligt. Er  teilt  den  tiefen,  innerlichen  Glauben  des  ganzen 
Mittelalters,  der  sich  in  guten  Werken  und  frommen  Stiftungen 
auszuwirken  suchte.  So  nimmt  er  sich  Grünenwörths  an,  um  sich 
selber,  dem  kinderlosen  Manne,  ein  Heim  zu  schaffen  in  den  Tagen 
der  Krankheit  und  des  Alters  und  für  sich  eine  Grabstätte  zu 
bereiten»  an  welcher  für  sein  und  seiner  Angehörigen  Seelenheil 
gebetet  würde.  Mit  Elnergie  führt  er  sodann  den  Plan  durch, 
das  Haus  zum  Grünenwörth  zu  einem  Muster-Ordenshause  zu  ge- 
stalten, wo  neben  den  geistlichen  Ordensobem  auch  Laien  mit- 


')  Zar  Charakteristik  lassen  sich  nur  die  Stellen  '20*11;  1SV\%  ^Qti(«ii^wci. 


I 


2ßH 

zuredeo  liättcn.  Sciilaulieit,  Hürte  und  Rücksichtslosigkeit,  wie  sie 
nur  einem  Geldmann  eigen  sind,  mußten  aber  lielfen,  dieses  Ziel 
zu  erreiclien.  Aui'  der  anderen  Seite  ist  wieder  die  treue  An- 
hängliclikeit  Nikolaus  von  Lüwens  an  seinen  friilieren  Mebler 
ein  schöner  Zug,  der  auch  das  Ciiarakterbild  liulmanns  zu  ver- 
klären imstande  ist 

Mit  vorliejieuder  Unlerauciiung  ist  die  tiruiidlage  gesclialfen. 
aul"  der  allein  die  weitei'en  nocli  ungeUisten  Fragen  i-^rlolgreieh 
zu  beliandeln  sind.  Diese  Fragen  sind:  Woher  stammen  die 
Schriften,  welche  Nikolaus  von  Löwen  zu  seinen  Zwecken  he- 
nülzle?  Wann  sind  sie  entstanden  und  wer  ist  ilu-  Verlasser'^ 
Wie  war  iiire  ursprüngliche  Textgestalt  und  in  wie  weit  verän- 
derte Nikolaus  von  Löwen  diesen  Test-'  Werden  aber  diese Fraaen 
gelöst  werde»  können,  wo  wir  in  der  ErlDrschung  der  deutschen 
Mystik  über  die  ersten  Anlange  noch  kaum  hinausgekommen  sind? 
wo  vor  allem  die  lateinisch-asketische  Literatur  bislier  so  slief- 
raütlerlich  beliandelt  wurde  und  wir  selbst  von  den  größten 
Mystikern,  eiueni  Eckhard,  Suso  und  Tauler  noch  keine  einzige 
kritische  Ausgabe  haben?  .ledenfalls  genügt  nicht  das  zufüllige 
Auflinden  dieses'  oder  jenes  Traktates,  um  die  oben  aufüeworfenen 
Fragen  zu  lösen.  Ebenso  irri;;  wäre  es,  die  Uikundeubiiclier 
von  Grünenwörlli  aucli  in  /Cukunlt  noch  als  Ausgangspunkt  liir 
die  Textuntersucliungen  der  einzelnen  Traktate  zu  betrachten. 

Sehr  viel  Wahrscheinlichkeit  spricht  dnliir,  dalt  alle  Traktate, 
wie  sie  in  den  Memorialbiichern  vereinigt  shid,  ursprünglich  nur 
lateinisch  abgefaßt  waren,  und  dali  ihre  Heimat  die  Nieder- 
land eM    md   die  üeburt  statte  \ikolau    \on  L  uens 

I   1           I        I  Hl            I              II                 h     1       t        \       I      1 

I      Li      1          t      r  1    )    fl              K      h      k     »    k          I        I    E  nh     1     I      \ 

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o 


269 

Ihr  Inhalt  erinnert  in  manchen  Punkten  an  die  Reform- 
traktate des  14.  Jahrhunderts  vor  allem  in  der  Schilderung  der 
Mißstände,  die  damals  in  der  Christenheit  herrschten,  und  in  der 
Androhung  der  Plagen,  die  Gott  deswegen  über  die  Menschheit 
verhängen  wird.  Die  Verfasser  der  Reformtraktate  sind  uns  größten- 
teils noch  unbekannt,  wir  dürfen  demnach  auch  bei  diesen  mysti- 
schen Traktaten  nichts  Besseres  erwarten. 

Man  streiche  also  aus  den  Literaturgeschichten  den  Namen 
«Der  Gottesfreund  im  Oberland  und  dessen  Gesellschaft**!     Denn 
ein  Gottesfreund  ist  jeder,  der  von  ganzem  Herzen  nach  höherer 
Vollkommenheit  strebt  und  sich  in  der  Leitung  seiner  Seele  ver- 
trauensvoll einem  andern  erfahrenen  „Gottesfreunde**  hingibt,  der 
die  Weltliebe  immer  mehr  in  sich  zu  ertöten  sucht,  um  der  Gottes- 
liebe Platz    zu    schaffen.     „Gottesfreunde"   waren   sie   alle,    ein 
hl.  Augustinus,  Bernhard,  Albertus  Magnus,  Berthold  von  Regens- 
Wg,  Thomas  von  Aquin,  Bonaventura,  Suso,  Tauler  und  wie  sie 
^Ile  heißen,  weil  sie  alle  nach  höchster  Vollkommenheit  strebten 
^nd  auch  andere  in  Wort  und  Schrift  zur  Vollkommenheit  an- 
'^iteten.    Eine  „Gesellschaft  von  Gottesfreunden"  bildeten  all  die 
großen  Zentren,  in  welchen  die  deutsche  Mystik  ihre  höchste  Blüte 
Entfaltete:  die  Klöster  Adelliausen,  Unterlinden,  Töß,  DiessenhofeUt 
^etenbach,  Basel,  St.  Katliarinenthal,  Straßburg,  Wittichen  und 
^Jidere  mehr,  nicht  zu  gedenken  der  Schriften  niederdeutscher 
-^lystiker,  deren  Einfluß  auf  die  oberdeutsche  Mystik  noch  zu  wenig 
4^achtet  und  untersucht  ist. 


II.  Teil. 

Text-Beilagen. 


II.  Teil. 


Text-Beilagen 


Vorbemerkungen. 


Diu  Tü>tl.uil»götL  a«-  iiruUwi  Toila»  luilma  doli  Z«L-ck,  die  i'l.erlipferuiii,-  -li'r- 
■OEVuanntnti  (loUesfranDdBchiifivii  suiii  aritBnintla  nbocikliiiicb  and  oiiimhiilcb  Ki"di;[' 
lugvtion,  Sowglt  durum  Original tiaiiilficlirirti-n  in  Uctncht  kommBn.  micdv 
dnrou  Teit  ohu«  jndo  Xnderunit,  dlplatnntlgch  (»lUini  hiai  nbfudniakt.  In  modurntr 
Weiiii  wiirdo  Jiiitoeli  uln«  sliiii-  uuil  9«i-li{{0inltiu  lutvrpunktlou  an^irniiidt,  idibuiuii^u- 
gebnrige  älltinn  EusammKiigeio^o,  AbknrZnUKHn  aurgeUist,  H  in  «  transkribiert  iiml 
DDiKDtohrt;  dt  «urde  »U-tf  in  das  aufgelöst :  die  Bandschrin  «uhrdbt  bald  Alt. 
bald  dai.  Alle  Zusatie  des  HeiausgolieTE,  «lo  dl"  ÜborsnbrlRen  a.  a.,  und  alt  eolrb'' 
leicht  ertLeanbar  und  verfolgen  daa  Zweck,  duu  forkcber  in  das  TontAndniB  i1°i — 
Handsohrld  l«ictit  und  bequem  eloinTahreD. 

Für  dan  Druck  ins  GruDcii-lmutscbcu-tlemurials  wurdo  eine  dreifnebe  Buch&tabrtt— 
Erötl«  aii|f»andt.  In  irroü.T  SiUrilt  L^t  Oi^t  Jll.iM.i  T.il,  d.^.  i;ruiid-t"i-t  .!■  .  " 
Hfliid'^ilirifl.  BC'liiifkt:   iii  ml  l  tl  lt.- r  S.lirift  .li..>  T.il.'.   nul.lin  bui  .Ut  UniitdiidL.N^ 


I. 

Das  Grosse-Deutsche-Memorial 


Historische  Einleitnng. 

Dis  ist  ein  memoriale,  usser  was  Sachen  man  die  ewige  messe  in  sancte 
Jacobs  ere  tegeliche  schuldig  ist  zu  haltende  von  Heinrich  Blang- 
hartes  seligen  wegen  von  Lufen  eins  burgers  zu  Strasburg,  also  sich 
d&r  coyente  zum  Grünenwerde  verbunden  het  in  eime  besigelten  latine 
briefe. 

Diser  selbe  Heinrich  Blanghart  was  schuldig  einen  totslag  zu if.  Bla 
verbessernde  und  solte  in  bilgerins  wise  zu  sancte  Jacobe  in  Spangen  laut  haH  v< 
gefaren  sin  und  vil  anderre  swerer  besserunge  und  penitencien  geton  haben,    LSwe\ 
die  ime  des  erslagenen  mannes  frünt  und  möge  zu  süne  an  mütetent  und 
von  ime  haben  woltent.   do  er  nü  die  besserunge  ane  ving  und  uffe  der  bil- 
gerin  verte  untze  für  Avion  kam,  do  was  so  gros  unfride  und  krieg  indem 
lande,  das  er  nüt  fürbas  kummen  mohte.   und  des  bobestes  penitencier  einre 
dispensierte  mit  ime  und  mit  allen  andern  bilgerin,  die  in  den  ziten  uf  sancte 
Jacobs  yart  worent,  und  verwandelte  in  die  arbeit  und  den  kosten  in  andere 
werg  der  miltikeit  und  erbermede  und  schickete  sü  wider  heim. 

Nühette  der  selbe  Heinrich  Blanghart  von  Lofen  donochdem 
lieben  sancte  Jacobe  mit  dem  kosten,  alse  in  der  penitencier  hies  und  ime 
verwandelte  für  die  bilgerin  vart  und  für  die  ander  penitencie,  gar  gerne 
eine  iemer  werende  ewige  memorie  und  reverencie  erdoht  und  uf  gesät  mit 
zierlicheme  gesmeltzo  und  mit  ettewas  tegeliches  dienestes,  so  er  iemer  lobe- 
lichest  und  erlichest  hette  gekünnet  mit  allem  dem  Ornamente,  der  zu  dem 
gottes  dienste  gehuret  durch  bewegunge  des  volkes  zu  andehtigeme  mitte- 
lobe,  do  was  er  ein  einfaltiger  grober  leyge  rmd  vcrstunt  sich  nüt  umb  die 


1  D  zu^  kunstvoUer  Initiale  ausgemalt.   In  der  Mitte  der  hl.  Jakobus  mit  einem 
Stab  in  dar  rechten  Hand,  in  der  linken   eine  Muschel.     Rechts  und  links  dsTon  je 
ein  Tier  Jnit  lienschenkopf.     1—5  rot     1  *  1— -7  •  27  Schriftchat«.U«it  ^t,  ^  V«^^i\jL^  \\i 
4«n  ^  ^hrifWnfeJ  9),        20  femdfzef 

V 


g'itliclien  ainpt  der  cristenheit  noch  umb  Veinen  imderscheit  der  hocbgezil, 
die  durch  das  ior  geMlent,  in  Ata  d\e  pfafbeit  ie  zi'i  mole  sunder  urdeDonge 
halten  musseut  mit  dem  gottea  dienste,  uod  bat  eiDveltiklicha  die  brudere 
ziira  Grünenwerde,  das  sü  imo  einen  nuwen  altar  tetent  buwen  nnd 
wiben  in  sancte  Jacobs  ere,  su  nolte  er  in  zieren  und  ahto  pfnnt  ewiges  i 
geitä  darzü  machen,  das  man  alle  tage  ein  messe  darobe  spreche  von  sanct« 
Jacobe,  und  oueh  alle  ior  au  sime  liochgeüit  eine  singende  messe  tind  ett«- 
liche  sprechende  messen  darobe  hielte,  und  hotte  kein  veraton  von  eiginen 
ampten  oder  collecten  in  sancte  Jacobs  ere  zu  erdende  zu  zimelichen  ziten, 
wanne  das  er  sprach,  sine  meinunge  were,  das  er  gerne  eine  neigunge  machen  i' 
'  wolte  in  dem  volke  den  lieben  erwirdigon  |  apostelen  sancte  Jacobe  tegeliche 
zü  erende  und  au  zä  raffende  in  einre  geraeinen  kyrchen,  do  aller  meist 
roLkes  hin  wandelte. 

Nu  gebrast  irae  zites.  das  er  sine  meinunge  niit  selber  us  getragen 
mähte,  wanne  unser  herrc  greif  in  stnmppfelingen  an  mit  der  pestilencien 
des  gemeinen  sterbottes.  der  da  zü  zi1«ngar  gros  was.  und  in  dem  totbetl« 
do  hat  er  michbnider  Clausen  von  Löfen  angestberliche  und begirlicbe 
mit  gar  grosseme  erneste,  das  ich  ime  sancte  Jacobes  altar  und  die  selbe 
ewige  messe  vollefürte.  und  er  gehörete  gar  klegeliche  und  erbermekliche 
lind  gewan  grosse  consciencie  nnd  engestliche  vorbte  siner  seien  ande  duhte 
in,  er  mäste  gar  übel  gefaren,  das  er  die  messe  und  euch  den  altar  solange 
gesuraet  hetto.  und  er  gap  mir  hundert  und  sehtzigpfunt  barer  Strasburger 
Pfennige,  die  man  ime  usser  der  kisten  an  das  bette  bringen  moste,  donntte 
ich  ime  konffen  solle  ahte  pfunt  ewiges  gelts  und  irae  die  messe  und  «uch 
den  altar  noch  siner  meinunge  stiften  und  vcrtigen.  das  gl  ob  te  ich  tme  euch 
zc  timde  mit  willen  und  gehello  aller  brüdero  undpersonen,  die  in  den  ziten 
ziim  Grünen  werde  i'iberste  houbet  liite  nnd  pflege re  worent,  wanne  wir 
in  mit  gerne  «n  gel  leistet  woltent  lossen  in  solicher  sttTbender  not,  wie  wol 
sine  vorderunge  den  bn'idern  ottewas  widerwertig  und  untröstlich  was  und 
uuch  des  geltes  zü  lützel  einen  ewigeu  priester  domitte  zü  haltende  und  zü  - 
beköstigende,  das  onchdie  erber  frowo  Lükart  von  Li>fen,  sine  wittewe. 
mit  grosser  minm'n  und  erbermede  ane  sach,  do  er  so  gar  klegeliche  und 
angestber liehe  geburete  untze  in  sm  ende,  alles  nuwent  von  snmenisse  wogen 
der  ewigen  messen,  und  daiiimb  gap  su  noch  sime  todo  ahtzig  pfunt  Stras- 
hurger  pfennige  darzii  siner  seien  zu  helle,  durch  das  es  eine  volle  priester  . 
]ifrüiide  würde  von  zwölf  plunt  gelts,  und  die  brüdero  owikliche  deste  uie 
minne  hettent  und  dcstc  gebundener  werent  sine  begirde  und  meinunge  zii 
erfüllende  mit  einreteirelichenmeniorien  den  wirdigen  apostelen  sancte  Jacobe 
zii  ereude,  alse  ouch  diebrüdere  in  den  ziten  globetent  mit  henden  und  mit 
munde  eime  geswornen    nolarien  für  sieb   und  für  alle  Ire  nuchkunimen.  -■ 

li;    rip.:f  .11.-.-  -;t,rli..»    i:;!.    K..iiisNli"f''N.  Clir.uiik.-ii    .l.jr   il'uUclieii  Stidto  '*■ 
~.--2    l..;..:iit  zu   '/.■']]-   -'.        ID   AU  T.-isiii.'iilsviOMruvkLT  rfir  Hüiiiri.-b   Rlaiikliail  oi- 


damber  oach  ein  instrumente  gemäht  wart,  das  die  brüdere  donoch  tiber 
omitzehen  ior  geschriben  fnodent  in  dem  latine  Urkunde  buche,  und  wurdent 

1  Urkunde  von  1372  sept.  24  u.  okt.  14  (U-B.  7,  449).    Die  entscheidende,  später 
strittige    Stelle   lautot   im   Original    (Straßb.    Bezirksarch.    Hld85[14J):    nobligamus 
nos :  unam  missam  cottidianam  et   perpetuam  per   unum  fratrem  dicti  nostri  ordinis 
in  altari  per  nos    ex  parte  quoudam  Heinrici  dicti  Blanckbart  et  Luscbe  eins  rollet« 
prescriptorum  in  ecclesia  ipsius   domus    nostre    zu  dem  Gruneuwerde    construoto 
et  in  honorem  omnipotentis  dei  et  sancti  Jacob!  apostoli  consecrato  perpotuis  tempo- 
ribus    procuraro    celcbrari    et    cottidie    ac    perpetuo    spocialiter    officium    de    saucto 
Jacobo  apostolo  prcdicto  in  ipsa  missa  ut  sie  habenda    et  ceiebranda  legi,    si  et  in 
quantum  nos  et  ipsi  nostri  successores  per  institutionem  dicti  nostri  ordinis  et  cano- 
nieis  institutis  ac  noniinabilia  sollempuia  festa  accidenda  uon  impediremur  sine  dolo : 
si  vero  nos  et  nostri  successores  predicti  per  iustituciones  dicti  nostri  ordinis  ipsaque 
nominabilia  soUempnia  festa  ut  est  promissum  rite  et    notabilitor  impediremur,  quod 
officium  de  sancto  Jacobo  apostolo  in    missa  seu  nüssis  habendis    et  celebrandis    ut 
prescribitur  ad  plenum  peragi  et  legi  nou  possot,  quod  ex  tunc  ad  minus  una  specialis 
coUecta  de  eodem  sancto  Jacobo   apostolo    in   missa   seu   missis   eisdem   celebrandis 
ut  profatur  legatur  et  peragatur,  tarnen  si  non  obstont  nominabilia  sollempnia  festa, 
in  quibus  hoc  inhibetur  et  instituciones  dicti  nostri  ordinis,  de  quibus  est  premis3um. 
promittimus  eciam  ....  annuatim  et  perpetuo  in  festo  eiusdem  sancti  Jacobi  apostoli 
eidem  sancto  Jacobo  in  dicto    suo    altari    speciales    devotas    reverencias    et   honores 
offerre  et  exhibere  cum  missis  cantandis  et  legendis  secundum    ordinacionem    sancte 
apostoUce  sedis  et  cleri  et  iuxta  consuetudinem  nostri  ordinis  predicti.     Ut  autem  ipsa 
perpetua  missa  in  dicto  altari  in  modum  prout  prefatur  eo  sollempnius  et  promptius 
perpetuo  celebretur  et  peragatur  et  non  impediatur,  ob    id  nos  .  .  .  promittimus  per 
presentes  quartum  presbyterum    ipsius    nostri   ordinis    in    ipsa  domo    nostra    zu  dem 
Orünenwerde  spocialiter  teuere   et  habere  et   eidem  quarto  presbytero  in  victua- 
libus  et  aliis  suis  neccessariis  competenter  iuxta  consuotudinem  dicti    nostri    ordinis 
providere  ad  huiusmodi  perpetuam  missam  celebrandam  in  modum  ut  est  promissum." 
.  . .  Actum  quoad  commondatorem  et   couTontum  dicte  domus   ac  gubernatoros  dicte 
domus  zu  dem  Gruneuwerde  ac  Lnscham  proscriptos  8.  kal.  octobris ;  actum  rero 
quoad    gubernatoros    dicte     misse    2.  id.  octobris  1372.    —    Das    Original    hat    keine 
Siegel.     An  den  Siegeleins chnittuu    steht   von  NvL.s  Hand  der  Reihe  nach :  sigillum 
curie  Arg.    und   unten   daran  Er. ;    sigillum    fratris  Cunradi    de  Brünesberg  magistri ; 
fratris    Heinrici    de    Wolfach    commcndatoris ;    Heintzoois    Wetzel ;    Bülemannus 
Merswin;  Cünonis  Gurteier:   Wilhelmi  Gürtoler;   Fridericus  Büessenor.  —  Auf  der 
Rflckselte    steht  .von  NvL. :    „Die   ovrige   messe   in    sante  Jacobos    ere   von  Heinrich 
Blanchartcs    seligen  wegen  von  Lcfone  eines  burgers  zu  Strosburg.     darüber  sint  des 
huses  pflegere  ih  dem  Gruneuwerde  in  eime  besigelton  thützschen  bricfe  erwelet 
ond  gesetzet  an  der  ersten  pfieger  stat,  die  in  disomc  gogenwertigen  briefe  geschribon 
ttont.  1872.**     Diese  Dorsnalnotiz    kann    erst    nach    1388  april  4    geschrieben    sein, 
da  sie  auf  die  Urkunde   Ton  besagtem  Datum  hinweist  (U-B.  7,  679).  —  Von  obiger 
Stiftaiif  der  St.  Jakobsmesse  ist  nur  der  von  Komtur  Heinrich  ron  Wolfach  und  dem 
KonTeot   ron  €rrflnonwörth   ausgestellte  Revers    erhalten,   der  Stlttun^\>Ti«t  ^^VorwOo. 
▼Oft  LOwei»  iMfW.  »^er  Frau  Laitgard  nicht. 


alle  gemeinliche  mit  stroffeiider  conscieucien  in  sich  selber  geslai^en,  do  sii 
es  loaent,  wanne  sü  Ddt  diihte,  das  sü  es  nacli  sitire  Inte  gelialten  hetteDt 
oder  iemer  gehalten  würde  von  iren  nachkiimmen,  und  noraent  rot  darüber 
eins  gar  erbern  geistlichen  gelerten  iifafTen  kartiiser  ordens,  dem  sü  das  in- 
striimente  gobent  zn  lesende,  der  sprach:  sü  werent  schuldig  and  Terbundea 

,  noch  des  instrnmentes  lute  alle  tage  tegeliche  das  ampt  vgu  sancte  Jacobe 
nffe  sime  altar  lä  sprechende,  kein  hochgeiitlich  fest  us  genommen,  sider  es 
des  Stifters  iüngester  wille  gesin  were,  der  in  ouch  sin  gut  in  der  selben 
meinunge  uf  das  leste  gegeben  hettc  für  siae  u [gesatte  bässe  des  penitcnciers 

>  von  des  totslages  |  wegen,  es  w>.'re  denne,  das  es  der  vollefürer  bi  siner  con- 
scieucien declarierte  und  underscboidenlicbe  ordente,  alae  er  es  in  dem  be- 
ginne meinde,  doraitte  iu  onch  dnbte,  das  der  meinunge  des  Stifters  gnüg 
beschehe,  das  mühtent  die  brüdere  mit  guter  consciencieu  wol  halten,  darumb 
SD  habeich  der  vorgenante  brüder  Clans  von  Lüfen,  vollefürer  derselben 
messen,  eine  tofele  mit  eiere  tegelichun  ordenunge  in  die  sacriatje  gehenckel. 
die  oucli  hjonoch  geschriben  stot,  wie  man  sich  noch  ie  der  zit  durch  das 
ior  darinne  halten  sol,  so  ichs  aller  bescheidenlichest  in  miner  cen seien cieu 
uf  das  mittelste  en:ügen  und  geletsten  mühte  mit  rote  des  selben  gelerteii 
pfafTen,  der  mir  die  tofele  lialf  machen  us  disen  gegen wertigen  wort«n.  diu 
er  von  minem  munde  horte,  und  umb  das  die  ordenunge  denbrädem  owik- 
liebe  deste  gegenwertiger  si  und  niemer  vergessen  werde,  si>  ist  dise  memorie 
unde  buch  das  Instrumente  und  die  tofele  zu  tütsch  und  zu  latine  ettwie 
manigenthalben  geschriben  in  dise  dru  urliünde  bücber  und  in  ettelicbe  ajidere 
bucher,  das  man  deste  dicker  daran  {remanet  werde,  das  nieman  kein  nn- 
wissen  noch  unzimelicbeitentschvildigenmüge;  wanne  die  artikele  des  Instru- 
mentes nf  das  aller  libteste  und  zimelicbesto  in  diser  ordenunge  begritfi'n 
sint,  alse  ichs  hrüder  Claus  von  Löfen  vollefürer  liabe  genommen  ull'v 
mine  sele  durch  der  brüdere  friden  willen,  das  sü  desto  me  minne  ÜLibent. 
die  selbe  ordenunge  zuhaltende  uno  urdrutz  und abelessikeit,  wanne  sü  und 
alle  ire  nachkummen  sich  in  dem  Instrumente  mit  gelübde  darzü  verbunden  .' 
hant  und  sü  ewikliche  schuldig  sint  zu  haltende  und  sü  billiche  gerne  halten 
Si'illent  dem  lieben  sancte  Jacobe  zu  eren  und  ouch  darmitto  zu  erfüllende  die 
begirdo  des  vorgonanten  Heinrich  Blanghartos  seligen  von  Löfeii 
und  Lü'kart  sinrefrowen,  die  disem  liuse  zum  Grünenwerdo  medeuue 
dritzenhundert  guldin  wert  hi  lebendem  libe  usser  der  hant  gobent  und  ouch  : 
vil  anderre  früutschaft  den  brüdeni  totent,  darumb  man  ir  ouch  ewikliche 
schuldig  ist  zu  gedenckende  undgot  tegeliche  für  ire  seien  zu  bittende  gelrü- 
weliche  und  ernestlicbe.    unser  herre  gebe  in  die  ewige  rüwe.    Amen, 


Hbrih-ii-  Dis  ist  eine  tofele,  wie  man  die  ewige  messe  in  sancte  Jacobs  ere  toge- 

ifet  .-Kl-  lii'he  schuldig  ist  zuhaltende  von  Heinrich  Blangharts  seligen  wegen  ' 
Itihoi"-    von  Li'ifen  eins  burgers  zu  Strasburg,  alse  es  sin  vollefürer  gemeinet  het 
i>ie«sr.     in  dem  beginne  der  vertigunge  des  besigelten  briefes,  der  darüber  geV^rl. 


f 


Item  alle  hochgezitliche  feste  durch  das  ior,  so  es  totnm  duplex  ist, 
endarf  man  weder  ampt  noch  collecte  von  sancte  Jacobe  nf  sime  altar  nnt 
sprechen. 

Item  alle  Sonnentage  durch  das  ior  ist  man  gebunden  eine  collecte  von 
5  sancte  Jacobe  nf  sime  altar  zu  sprechende,  so  es  nüt  totum  duplex  ist. 

Item  alle  hochgezitlichen  tage  der  heiligen  semiduplex  und  von  nun 
letzten  ist  man  schuldig  eine  collecte  von  sancte  Jacobe  |  uf  sime  altar  zu  2^ 
sprechende  und  nüt  me. 

Item  alle  ior  an  sancte  Jacobs  tag  ist  man  schuldig  und  verbunden 
o  eine  messe  zu  singende  und  etteliche  zu  sprechende  uf  sime  altar,  das  euch 
Heinrich  Blanghart  der  Stifter  und  sin  vollefürer  indem  beginne  und 
in  dem  ende  mit  sunderre  begirde  emestlicbe  gemeinet  haut. 

Item  in  allen  octaven  durch  das  ior  ist  man  schuldig  tegelichen  eine 
collecte  von  sancte  Jacobe  uf  sime  altar  zu  sprechende,  so  es  nüt  totum  du- 
o  plex  ist  alse  zu  winahten,  zu  ostem  und  zu  pfingesten. 

Item  durch  die  gantze  vaste  darf  man  tages  nüt  me  denne  eine  collecte 
von  sancte  Jacobe  uf  sime  altar  sprechen,  waune  die  tegelichen  ampt  der 
cristenheit  an  in  selber  löbelich  und  andehtig  sint,  die  billiche  alle  andere 
gestiftete  ampt  ersetzent. 
o  Item  an  der  mitwochen,  an  dem  fritage  und  an  dem  samestage  in  den 

vier  frone  vasten  und  alle  hochgezitlichen  vigilien,  die  an  in  selber  sunder 
eigene  ampt  haut,  darf  man  nüt  denne  eine  collecte  von  sancte  Jacobe  uf 
sime  altare  sprechen. 

Item  alle  tage  tegeliche  durch  das  iar,  so  es  ferien  sint  und  hochgezit 
5   der  heiligen  von  drigen  letzen,  ist  man  schuldig  und  gebunden  das  ampt 
von  sancte  Jacobe  uf  sime  altare  zu  sprechende,  usgeuommen  die  vaste  und 
die  vier  frone  vasten  uud  die  hochgezitlichen  vigilien. 


Dis  ist  die  ordenunge  und  anderuuge  der  ahtzig  pfunde  Strazburger  Stifti 
Pfennige,  die  der  vorgeschriben  Heinrich  Blanchart  von  L6fene  der  1 
0  und  Lückart  sine  eliche  fr5we gesundes  libes  einhellecliche  vor  gerihte  in  gard 
eime  gemeinen  selgerete  briefe  under  anderme  irme  selgerete  besattent  unserm  JJhi 
spittol  zu  dem  Grünen  werde,  der  euch  mit  anderme  gebuwe  verändert 
wart  zu  den  ziten  und  in  die  wise  also  hienoch  geschriben  stot. 

Item  dez  iores  do  man  zalte  von  gottes  gebürte  drüzehenhundert  ior 
sehtzig  und  siben  ior,  do  Büleman  Merswin,  unser  Stifter,  den  alten  i$i 
gebn  zu  dem  Orünenwerde  ane  ving  zu  ernuwende,  do  buwete  er  5ch 
eine  nnwe  cappelle  in  ereder  eilftusent  megede  uf  derselben  stat,  do  nuder 
beslossene  kor  stot  nz  neiswaz  götteliches  urkündes,  alse  er  und  andere 
gottes  fründe  in  den  selben  ziten  meindent. 


f> 


88  D  einibebe  InitUle.  28--8.3  rot  34—12*4  Schriftchtfakter  Hr.  10. 
37  DiMs  JUpelle  wurde  1367  dot.  25  foweiht.  Vgl.  unten  die  Chronik  des  jQhiAnit«&- 
buttM,  Kapital,  i* 


8- 

Item  Tor  der  selljen  eilf  tusent  megedo  «appelle  baweta  Peter  Ton 

Eeiser^berg  ^in  bas  den  growea  münchen  von  sante  Bemhardes  orden 

zu  P  e  r  i  s  in  den  zitea  alse  sü  h.ir  zii  dem  Grüneawerde  warbeot  dez  iore- 

es      do  man  zalte  von  gottes  gebiirte  drüzehcnhundert  ior  sehtaig  und  nän  ior, 

3*  nnder  dorn  selben  huse  bawete  Riilemau  Merswin  den  ersten  spjttal  |  mit 

rotebrüder  Ciinrates  von  Brnnsperg,  dez  obersten  meisters  intatschfii 

iFinden  sante  Jobans  orden,  in  dem  selben  ersten  iore,  do  er  dis  hos  zu  dem 

Grünenwerde  in  genomen  and  enpfangen  bette  nnd  man  ouch  zalte  TOu 

71     gottes  gebürte  driizehenhundert  ior  sibenzig  nnd  ein  ior. 

Item  diseme  selben  ersten  spittal  nnd  ouch  den  dürftigen  gap  der  vor-  t 
genante  Heinricli  Blanchnrtvon  Löfeiie  und  Lückart,  sine  elich" 
früwe,  für  diu  vorgescbribenen  abtzig  pfände  Strazbargerpfennige  vier  pfiiot 
ewigea  geltes  bi  lebendeme  Übe  iiz  der  hsnt,  die  alle  ior  ierlich  zu  eime  erbe 


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Zinsen  sol  Andres  Claman  der  moler,  die  halben  zu  winnahten  nnd  die 
andern  halben  zu  sünigehten,  von  dem  hose  nnd  hofestat,  in  dem  er  sitzet 
und  gelegen  ist  uf  dem  graben  züStrazburg  nebent  Heintzen  seligen  hus 
YonTümenheim  einsite,  und  ander  site  nebent  Hen  sei  ins  hus  von 
Rynöwe. 

Item  dise  selben  vier  pfunt  ewiges  geltes  öch  der  egenante  Heinrich 
Bl  an  Chart  von  LOfene  mit  zwein  und  sibentzig  pfänden  Strazburger 
Pfennigen  selber  köfte  umbe  Wulfolin  Berlin  einem  burger  zu  Straz- 
bürg,  alse  der  koufbrief  seit,  der  ime  darüber  gemäht  wart  under  der  stette  13'i 
von  Strazburg  groz  ingesigel,  den  er  uns  öch  gap  in  dem  dotbette  mit  ^<'^- 
anderme  baren  gelte,  daz  zu  der  ewigen  messen  in  sante  Jacobes  eren  ge- 
horte, also dovoi" geschriben  stot  und  brüder  Claus  von  Lofene,  sin  exe- 
cutor,  von  ime  enpfing  umbe  sant  Gallen  tage  der  aller  nehsten  vorgeschri- 
benen  daten,  alse  er  öch  verschiet  und  starp. 

Item  dis  selbe  bare  gelt  leite  Büleman  Merswin,  unser  Stifter,  an 
den  gebu  der  kirchen  und  dez  lange  urganges  umbe  den  garten  zu  einer 
gemeinen  tröstlichen  ergetzunge,  die  man  tegeliche  nützen  und  niessen  mag, 
wir  und  alle  unsere  nochkommen  begirlicher  und  ergetzenlicher  denne  vil 
andere  koste  liplicher  spisen  oder  kleidungen,  durch  daz  nieman  geklagen 
möge,  daz  er  dez  selben  geltes  nüt  niesse  oder  genossen  habe ;  wenne  der 
gang  sunderliche  der  naturen  ein  grosser  behelf  und  ufonthalt  ist  aller  brudere 
nnd  Personen,  die  ein  abgescheiden  innig  behutsam  leben  minnent  nnd 
meinent  und  gerne  wellent  alles  weltlichen  kumbers  lidig  sin,  alse  öch  dis 
hus  zu  dem  Grünenwerde  vongotte  und  von  sinen  fründen,  den  Stiftern, 
ane  gesehen  und  gemeinet  ist. 

Item  diser  selbe  erste  spittal,  der  eilf  tusent  megde  capelle  und  der 
von  Peris  hns  wart  alles  wider  abe  gebrochen  noch  dez  vorgenanten  Hein- 
rich Blanchartes  vonLöfene  tode,  in  den  ziten  do  man  den  beslos- 
senen  kor  ane  ving  zu  buwende  dez  iores  do  man  zalte  von  gottes  geburte 
drnzehenhundert  ior  sübentzig  und  siben  ior.  und  die  dürftigen  lies  man  j^^; 
alle  uz  sterben  und  meinde  niemer  keinen  spittol  me  zu  haltende  zu  dem 
Grünen  wer  de.  und  darumbe  so  |  ordente  die  egenante  Lückart  von  3b 
Lofene  die  vier  pfunt  ewiges  geltes  mit  rote  der  bewertesten  lerer  den 
brndem  züpietancien  ufdie  iorgezit  sin  und  ir  und  sinerdohter  unddohter- 
man  Iiienoch  geschriben : 

Item  zu  dem  ersten  sol  ein  pfunt  vallen  den  brüdern  uf  den  tisch  zu 
pietancien  alle  ior  an  sante  Jocobes  dag,  so  man  die  messen  von  sante  Jocobe 
nf  sime  altare  singet  und  sprichet  in  der  ordenunge  dovor  geschriben. 


die  über  die  selben  vier  phunt  goltes  gohorent,  der  eine  ist  dütz,  besigolt  mit  der 
stette  inaigel  zö  Strosburg;  der  andere  ist  latine,  bosigelt  an  des  küsters  gerihte  zu 
Stroftbmng,  do  ooch  dirre  gegenwertige  brief  gegeben  wart,  und  iigent  euch  beide  bi 
des  eoiiTaiites  briefen  zft  dem  Grünenwcrdo.*" 

4   Üb«r    4ie    genannten    Besitzrerhältnisse    Tgl.    U-B.  l^^oi^^^   uu^   Ka\m..  \. 
1  ywr.      d'9  J?ine  darOber  ausgesteUte  llrliLxiudQ  i«t  mc\it\^«>us»v\.. 


Item  iJai  änae»  piont  soi  d^F'S^Srailern  z^  pietancien  nf  den  tiscb 
Valien  zii  iorgezit  der  vorgeachribeDen  ewigen  inesseD  Stifter  Heinrich 
1371      Blanchart  von  L'M'ene,  der  starb  umbü  sante  tiallen  tag  quinto  idoj 
t*.  11    octobris. 

Item  liax  dirte  pfunt  sol  i'icb  den  brudern  iii  pietancien  dienen  zä  ior- 

138^      gmitdez  vorgenanteu  Heinridi  Ulanchartes  fn'we  Lückart  von  Ix'ifeDe, 

ui.  HD    die  starp  an  sant  Benihardes  tag  XIII.  kallpndas  aagasti. 

r  Item  darnoch  sdllent  x  Schillinge  von  dem  Herden  pfände  den  briidern 

I  zii  pietancien  werden  zu  iorgezit  fröwe  Lysen,  de/.  egenant«u  Heiutien 

P  von  Lijfene  döhter,  die  starp  dez  vierden  tageä  in  dem  mertaen.  i 

Item  die  bindersten    i  scbillinge  süllent  den  bnidern  zti  pietancien 

werden  zii  iorgedt  Jecfcelin  Talers,  derselben  Lysen  Heinrich  Blan- 

cbartea  von  V'feni;  dohtcrraan,  der  starp  umb  sante  Micbels  tag  ijuiutu 

Ikallendas  octobris. 
Item  noch  dez  ersten  spittals  nndergang  und  abebrach  vier  ior  wart  i 
andervrerbe  ein  nuwer  spitlal  liie  zu  dem  Grunenwerde  gebuwen  darcli 
erbere  weltliche  lüte  mit  stüre  and  helfe  doz  obersten  meisters  dovor  genant 
1381      in  dem  iore  do  man  zaito  von  gotz  gebiirte  driizchenhandert  ior  ahtzig  umi 
ein  ior,  in  dem  man  tegeliche  die  werg  der  erbermede  übet  und  arme  dürf- 
tigen darinne  spiset,  daz  iVh  die  erste  meinonge  nnd  iüngester  wille  dtz  -• 
vörgeschribenHeintzen  von  LöfeneundLiickart  sinerelichen  fn'wen 
in  irre gift gewesen  ist,  alse  ichbrüder  Clfiwes  von  Li'fene,  ir  eieeuior. 
wol  weis  nnd  mir  von  in  beiden  us  göteme  getruwende  uf  mine  conscii'nrie 
befollien  wart,  daz  mich  üch  zu  diseme  schribende  getrnngen  het. 

Item  die  vorgeschribenen  vier  plant  geltes  siillent  den  egenanten  pie-  -' 
tancien  nnd  iorgeziten  niemer  gedienen,  denne  nnwent  zu  den  ziten  obe 
iemer  zii  dem  Grünen  werde  kein  spittal  oder  dürftige  sinde  wurde,  alse 
er  in  dem  anefange  vier  ior  ostüre  stunt,  das  aber  liarnoch  geschehen  mi'ihte. 


tili..  ..iu.  •: 

:    iiuirlfi   ..iiiMlvin   Hli...     Hani   Udiiticu^.  Hbuc 

liliart 

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laiu  |....r]».tuain  inissH.H  in  Im«   .....■.■k.sin   in   :ilui 

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r.mtiilil   SU  et  iua  bui' 

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,)><'<'inlil<.r  kMHw   1 1  lllir.  A.\  .luo  luniiiiam. 

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1  antu  allaru  1>..at.'  vir- 

V-iiLis  -Mali« 

«l  iiniiiu  antu  nUar«  al)"itolonini.  liiu  scimlta. 

-    -  . 

Jxi  Rand  ton  »j'/Urrf 

Ihind:    l: 

Jfi."..      Siu     i^t    ijocli    als    lelmiid     liUMiift    1 

:lSi;    II 

iiäri    li    (L-B.  7.  .-.»ei. 

l-l  ,l.-kL.|iii 

■rak'r  wi,.  -in..   Kfo»   Ly.v  «itJ.iu  al~  v,.ist. 

^rlM.,i 

..TWähnt  l:i71   supr.  ii 

|i;.B.7,4:l 

1).          Ib   Hl-    Spitalstionluiif:    -.TfulL-iu    Jiircl 

1   Kuiir 

a.l   111   di^r  Mv?<h-   Uli.! 

ilfsscii  Fin 

>i    Bt-rtlm   rt..t/.-l    iliir-li  Siiftuiifsurknüa.;    v..ii 

,    l:JSl 

iiiai  ii  II--H.T.  .-.;«- 

IM.^    Aiiiiiv 

.■r>ar    liat    fib«r    d^-..-    Stift«r    ilie    bei.k»    Ki 

iitnV 

:     .;JÜ.    Ai>ril.  -2.   k»l.: 

..l.iit   Cniiii 

ii]u~    zii    im  MuKile    .ronfnitcr    iiij!.t.;r    et    fuii 

datur 

Iiii.;i)italis    iio-itri.     hi.; 

-..puhii-.    \ 

.011    -i-tlhTur  llanil  l.fip'ffigt :    in  lat.Ti-  ifi"i>c 

li.i^lii 

laW.'    -      ]i.  nktulHT. 

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ijit  .imniim   H,.tita  W.-U-^iin   fumlatrii  liii-t-itn! 

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j  OS  vor  •'.cb  goätiliohoD  ist)  inrnz  'mh  dise  cirdouunge  der  ogeuanten 
ckart  von  L<>feDe  noch  ires  maiiDea  tode  geroteu  wart  von  den  alter 
sten  lerem,  snnderltchelbniderJohana  von  Schaftolzheim,  der  von  4' 
'den  und  von  geschrift  ein  richsinniger  wol  wissender  lerer  und  lesemeiator 
'esen  ist  s^nte  Augnstinas  orden  und  vil  ior  ein  vicftrie  and  peaitsDtner 
bischofes  zö  Strazbnrg.  der  gab  ir  disen  rot  aller  meist,  also  daz  die 
iDSchaft  der  vier  pfände  geltes  eime  spittal  z&  dem  Grünennerde 
dich  bliben  solte  den  armen  dürftigen  zd  dienste  cocb  dez  gebers  erste 
Irde  und  iüngester  wille. 

Item  DZ  solicher  ordennnge  und  rate  der  lerer  het  die  vorgenaate  Ld- 
irt  Ton  LTifene  den  besigelten  selgeretebriefbevolhen  und  in  gegeben 
spittols  Stifter,  nmbe  daz  er  and  alle  sine  nochkammen  and  weliche 
'.telmeister  sinde  werdent  oderdezspittals  zudem  Grünen  werde  iemer 
flegen  söllent,  sä  sigent  geistlicb  oder  weltlich,  nn  nnd  Jiaraoch  ewiciicbe 
>i  wissent  den  nr^pmng  der  vier  pfunde  geltes,  and  daz  sä  oacb  dise 
enuDge  bantbabent,  ahe  sü  bievor  and  assewendig  af  dem  selgerete  briefe 
L  is  dem  selbücbe  gnscbriben  stot.  doch  sallent  die  selben  vier  pftmt 
t«3  brüder  Claawes  von  Li'ifene  dienen,  also  laii^e  er  lebet,  und 
h  sime  tode  dem  spittal  nnd  den  dürftigen  zu  dem  Grünenwerde 
den  nnd  dienen  in  aller  diser  vorgeschribenen  ordetinngen. 

Item  dis  selben  spittels  Stifter  and  meister  aad  alle  sine  nochkomen 
it  r>ch  einen  besigelten  tütschen  brief  in  bendes  von  der  egenanten  Lü-  JS83 
irte  wegen  von  L<'ifene  über  zwei  ewige  liehter  nnd  über  ettelich  >"A^  1^- 
■ezit,  stiftete  die  selbe  Lückart  von  L<'jfene  selbe  dirte;  and  sol  daz 
I  lieht  vor  unser  fröwen  altar  hangen,  und  daz  ander  vor  sante  Jacobes 
r  in  anserre  kircben  zu  dem  Grünenwerde.  dozu  gcbörent  dri  pfnnt 
ges  geltes,  die  man  alle  ior  zinset,  dio  halben  zu  winnahten  nnd  die 
em  halben  zu  süntgibten,  von  dem  grossen  bofe  nnd  bösem  gelegen  nf 
bofestat  gegen  der  badestaben  über;  wordent  mit  sebtzig  pfänden  Straz- 
ger  Pfennigen  gekoaft  umbe  Johans  Kölbelin  and  omb  jancfrüwe 
eden  sine  swester,  Uietsche  Ei'ilbelinB  seligen  kint,  eins  borgers 


3  Johann  rnn  ijchälTalsbgiin  tU  „lector  ordinie  liereniitarum  1.  Ausuatini"  er- 
int  in  einer  Urkunde  ran  1356  ukt.  31  (U-B.  5, 337).  NUiaras  Ober  ihn  feat- 
sUan,  iit  niebt  gelnoKen.  Von  ihm  stammt  auch  die  Obertoacunc  der  Neen-FelaeD 
Uteinlache  ja  der  üs.  C.  16  Über  diese  Donualootiz  i.  oben  8*13  IT  mT- 
*  korr.  aus  tdben  biiehe  ii  a.  30  ig].  IJ-B.  7,  r>gs  (28  u.  37)  das  antniirllchera 
!*t  dar  Urkunde  lautet:  1382.  Hin  12:  Bruder  Heinrich  lon  WalCach,  komtur, 
dt«  brader  dea  liaaKei  zum  ärllDenwärth  lu  Strutburf,  verpflichten  lieh  nr 
rhaltsnc  iweier  enigen  lichter.  lon  denen  das  eine  Tor  dem  St.  Jacobaallar,  dai 
n  Tor  dem  Xnttai^ottessltar  breonan  soll,  das  ontara  itittete  ala  laeifttUa 
■ick  Dod  Oae  Tprbhren  Trau  Lückart,  Heinrich  Blancbartes  laL  «itwe,  da«  lotitu« 
I,  gam.  Löbo-DinliD,  der  ^nannten  t.  Uwsq  dienerin,  nud  Brida,  Clam  Oartnur« 
loakt«'.  dM  Uoator  erhUt  datOr  3  6  awifen  Kaltes,  die  die  «fUtaAnnaL  w& 
TOD  Jobuta  Cdibelia    and  daswn   uhwettei  Qiade  vkaiA  bi!M». 


12" 

zü  Strazbnrg.  dise  sdtieu  liehter  uud  ouch  die  iorgezit  hantbaben  sol  ein 
ieglicli  Epittuimcister  oder  pflpger  dez  spittals  zii  dem  Qruiienwerde  bi 
den  peneii,  die  in  dem  besigelten  briefe  nnderscheidenliche  beret  sint  oiid 
oaeli  zu  hinderste  in  dem  kleinen  nrkiinde  buche  geachriben  stüut. 


4b  Der  aller  ersta  ursprang  und  auevang  unsere  kircben  und  dez  alMu 

gebawes  zu  dem  Grünenwerde  beschacb  der  heügen  trivaltikeit  zu  eren 

]160      umbe  die  zit,  also  man  zalte  von  goltes  gebürto  i'ilfhnndert  ior  nnd  fiinfiig 

ior,  durch  den  erwirdigen  wolgeboren  weltlichen  berren  hem  marschalt 

'enm-     Wem  her  von  Hüneburg,  der  dozumiile  gar  ein  wunderlicher  barster 

lfm       und  niitericb  waz  und  ein  vigent  dirre  stette  zu  Strozburg,   und  reit  uITp  ' 

tuburg.  Sil  und  kriegele  mit  ir  und  sehedigete  sii.  wo  er  mobte.  und  in  diseme  kriegi' 

wirckete  der  milte  erb  arm  hertzige  got  sine  gnödenricben  werg  mit  ime  nucb 

ettelicber  wise,  a!se  er  tet  mit  dem  lieben  sante  Pauwelse ;  und  gab  ime  einen 

kreftigen  ker  von  allen  Sünden  niid  mähte  nsser  eime  grimmen   wolfe  fin 

senftmCitig  schof,  daz  er  sin  leben  wart  bessernde;  und  versiinde  sieb  mii  ' 

gotte  nnd  mit  diser  stat  and  wart  ir  beder  frünt.  und  ving  do  aae  dis  closter 

zu  stiftende  und  /.ü  buwende  der  beiigen  trivaltikeit  zu  lobe,  dozü  ime  die 


Oeti^ii  ui  aaat«  (irar"i«>>  tag  i^«"  1iellig«u  boLasfiiii   138S.     ¥.-.  i\eet\n:  der  komtui. 
du  konrent  und  die  |)tlager  äat  h«DEea :   Claoa  Zaru   tnin.  Lappe,  ritter,  der  Utgre; 


itl*r;    Knnrsd    T.b    dur    Mesfldo. 

bflrfiT    tu   Slrasubnr?.  —  < 

l'KVf.   H«Kirk.ari-h.  Str: 

1.^1..  Hl:C<«IHI.      -   Ili..   rrkuu.lv 

i-l   L-aiiz   vni,   Ai-f  Hand   Svl 

b-asolirlBbcn.      Auf    il,r 

(tni'liM.it..    b..Hiiil..ü    .i,-li    k^'ii.^ 

irLuii'bziiiig™    N'ii1jii-n.     i 

AiiMivui>areiiilfng    üln'i 

■  J..bai.ii    K„lb..|ii.    finil.l    <irh    1, 

iili'i     d.-iii    ^U.  Juli    IT.  tjil 

,..bii;  fnii.jr  J11I1S11110S 

K.Mbdiu.    .■..nv.i.ti.ali.    Imiu-    .bi 

iiuiis    atiu"    dnmiiii    14^1.  1 

seVultus.-      Ui.'  Zalil    1 

H-Jl  i-t  Uli-   14^1;  k..in(?i.it. 

l>-.-.  — I  +  -14K 

tiiiS,:britlcbiirakt.T  1«L-..vrbric-l".i 

1.          D  ,„i  luitiak.  1  ern-ud 

9  IliiiiL'bur^.   ciiiti   Vm\ 

iniiD'.'  in   iUt  G"uiviiii1p  1«)-m'Ii)ii' 

im.  lif-,tand  scboii   aritaui  '1 

]->.  .luUrliNndiTt';.    [las 

.  Gt'si'lib'i'bt  A»T  von   HniiL'biirj:  b 

.'sal!  das  Erbiiiarscliallamt  .! 

1ll^lurN~    Slialiliur^'.      \ 

.'!.'l.    ilarflh<'i:    !<»'<    Itr-icb<]nii<1    l^: 

l-.all-Uthriiig.Mi    111.   411;.    n 

KIimII-'I     v.,11   KiiublnHi 

:    Ua->    t"'!')''!!!'   Kiii-b    lull    Slrslll 

.iir^    1.    Vi«.       itä~    .tuiilvr,. 

vnii   (liüuonwo.tli   bat 

di'ii  Eintrug:    .J.iniinr   7.   VII.  i.l 

us:    NMambmi    .,„„d    .insu 

aimi.  -luiHT  iidiii«  .li 

■■  <tii.i  roiiliiiüil  ;i>niiver.|iriu   n-b-l 

.rare,  iiviaifftur  aniiiv<Tsarii 

n.il.Uis  ,■!.■    Bii"r.>.i    .1. 

Miiiii    bLc    ^.imlli    hiT    Mar-,'hal.l 

r  (V,rnli.T   d<-    Him-butp.   1 

13* 

von  Strozburg  zu  sture  gobent  die  hofestat  und  alle  die  almende,  die  ietweder 
Site  darbi  und  darambe  lag  von  sante  Margreden  closter  untze  harüber  uf 
die  Brusch.  und  daz  waz  in  den  ziten  allessament  ein  wilder  hegehter  wert» 
fool  barsten  und  wiltb<Me,  darumb  es  genennet  wart  und  noch  heisset  der 
Grünewert,  alse  zwene  ahtzig ierige priestere  von  sante Benedicten  orden 
seitent,  die  eltesten  und  die  erbersten,  die  bi  des  nochgonden  Stifters  Bü  le- 
rn an  Merswines  ziten  zu  Altdorf  worent,  alse  sü  ez  von  iren  vordem 
hortent.  der  selbe  erste  Stifter,  her  marschalk  Wernher  von  Hune- 
burg,  och  begraben  lit  in  der  selben  unsere  kirchen  under  dem  hindersten 
glasevenster  vor  der  borkirchen  indewendig  an  der  alten  muren,  die  in  den 
covente  stosset  gegen  der  stuben  und  dem  dormenter,  do  nu  die  frowen 
stöle  stont.  do  stnnt  hievor  ein  erlich  erbebet  grap  mit  zweien  sercken,  den 
einen  sarg  über  den  andern  uffe  vier  stein  ine  sülen  gesetzet  und  in  die  mure 
^eveltzet,  zierliche  und  adelliche  noch  altfrenescher  wise,  wenne  er  och  uf 
daz  zil  diser  nehsten  nochgeschribenen  daten  bl  zweien  hundert  ioren  dar 
begraben  wart;  und  sine  woflen  in  eime  swibogene  obe  dem  grabe  gemolet 
stundent:  ein  geteilter  schilt  mit  zweien  velden,  daz  ober  velt  swartz  und 
daz  nnder  goltfargel ;  und  in  dem  obem  swartzen  velde  ein  wisser  swanes 
bals,  alse  die  date  siner  begrebode  uf  dem  grabe  gelesen  wart  biBüleman 
Blerswines,  des  nachgondeu  Stifters  ziten,  do  er  dis  selbe  closter  zu  dem 
Grünenwerde  von  den  von  A 1 1 d o r f  kofto  und  in  nam  und  den  geba 
ane  ving  zu  emuwende  und  zu  verändernde  und  dez  selben  grabes  sercke  zu 
alter  steinen  mähte  und  in  den  |  swibogen  für  die  woffen  von  Hüneburg  5^ 
die  urstende  onsers  herren  Jhesu  Christi  molete  sub  anno  domini  MCCCLXYI.  ^^^^ 
und  daz  heiige  grab  uf  der  selben  stat  donoch  gehalten  wart  manig  ior, 
antze  daz  die  frowen  stüle  dar  gemäht  wurdent,  alse  ettelichen  den  ersten 
and  den  eltesten  covente  brüdern  des  selben  huses  sante  Johans  ordens  wol 
angedehtig  ist,  sunderliche  brüder  Clawes  Lappen,  bnider  Heintzen 
von  Andelo  und  bruder  Clawes  von  Lofene,  die  dez  selben  grabes 
künde  hattent  und  es  vil  gesehen  hant,  obe  sü  zu  dem  ordene  koment.  dis 
erwirdigen  ersten  Stifters  hörn  marschalk  Wernher s  vonHüuebarg 
gedehtnisse  man  uf  diser  hofestat  zu  dem  Grüneuwerde  billiche  niemer 


14  aUfrenescher !  28  Nikolaus  Zorn  gen.  Läpp  erscheint  im  Auuirersar  unter 
dem  Eintrag:  «11.  Mai.  o.  id.:  Ob.  frater  Nicolaus  Zorn  dictus  Läpp  conventualis  huius 
domos  a<*.  d.  1404,  qui  dedit  rcdditus  18  seh.  hie  sepultus.**  Späterer  Zusatz:  in 
la'tere  circa  choruin.  Heinrich  Ton  Andlau :  ^«Febr.  4.  II.  non. :  Ob.  frater  Heinricus 
Je  Andelow  conTentaalis  huius  domus,  qui  fundavit  duas  missas  perpetuas  in  nostra 
ecelesia  ante  ingressum  ordinis.  bic  »epultus.**  Am  Rand:  1398.  Die  hier  genannte 
Xeßstiftung  ist  rom  4.  August  1378  beurkundet  (U-B.  7,534).  Gr.  Perg.  Bezirksarch. 
Straßb.  H  1386(1).  Auf  die  Rückseite  des  Originals  schrieb  NvL. :  «In  diseme  b riefe 
haut  wir  uns  Torbunden  zwo  ewige  messen  zA  haben  von  bruder  Heintzen  wegen  ron 
AaMo  und  Ton  fro  Nesen  wegen,  die  sine  eliche  frowe  waz,  nnd  heisset  die  sohste 
und  die  sibende  messe.**     Die  Frau  Heinrichs  von  Andlau  Ist  noch  1S9^  k^iVV  %^  vcgl 

0).        n  gcitfargd!        S2  hofefat! 


14' 

vergossen  sul.  und  umbe  daz  wir  sin  doste  diclter  vermanet  werdont  fcöru- 
lichi>  one  vil  mittels  und  laiigseiines  erfarendes  dnrcb  dise  geschrifi,  die  mit 
menglich  geleseo  kan  oder  tou  urdratze  gelesen  mag:  so  sint  sine  woH'eii. 
schilt  und  beim,  andersite  dis  blattes  ond  in  dem  kleinen  nrkünde  buche  Diid 
in  etlichen  andern  biicherngemolet.  nnd  werp  '>ch  ziralich  und  billich,  gebe  . 
got  ieman  minne.  daz  er  die  selben  sinewofTen  von  Hün^barg  i'>cb  molete 
in  die  kirche  uf  die  selbe  stat,  do  er  begraben  lit.  also  dovorgeschribenstot. 
odpr  uf  ein  andere  gemeine  ane  gesibtige  stat  aller  mengalichenie  zii  einie 
andehtigeme  gcbesserlicheme  gegenwarffe;  wenne  es  ist  zii  gloübende  li 
diser  gnodenricben  ersten  Stiftungen  and  bi  sime  audehtigeme  emsthafUi  i« 
kere,  hievor  und  in  den  urkünda  bücbern  geschriben,  daz  er  ein  grosser 
gottes  fnint  gewesen  sige,  in  dez  gemeinsame  wir  billiche  gerne  sin  süllent. 
Gut  losse  DDS  sin  und  aller  siner  nz  crweltcn  lieben  Made  owei'liche  geoiessen. 
Amen. 


iiemnlte-^  Wa|i|it'n  des  Werner  von   llüaehars. 


G^  Dis  ist  der  drier  Urkunde  biicher  eins,  das  andere,  ond  ist  gliche  gTfi» 

^l  jgj  an  niüdele  dem  ersten  latine  buche,  in  dis  selbe  gegenwertige  andere  bü*li 
iiorioh^^^  znsBmene  f^eschriben  alle  dietätscbenbüchere,  dieSülman  Merswin 
selige,  unser  lieber  Stifter,  unlange  vor  sime  tude  den  brüdern  in  vab^ 
schrf ip  von  vil  uiirakeln  und  Tongriissomiberiiatiirlichen  fr''ii)ii?den  wundpni,  -' 
die  gut  mit  ettolicheii  ?inen  l'ninden  gewürket^  het,  alse  dem  vorgenauteii 
Ri"i  I  man  Hersw  in  c  zu  eime  esemplare  von  Ob  er  laut  berabe  geschriben 
Wiirt  in  sime  ersten  anefange,  do  er  begmide  sin  leben  zu  bessernde  und  dfr 
weite  urlub  z   gebende 

Item  d  thh  d         dbht  tsch  gescliribeii  di*'  - 

drii-  materie  d  1dm  nsclien  und  von  dem 

mei:-ler  mit  I  b         1  d  t      b     li         1  tine  gescbriben  stjui 

and  in  dem  d   t       1  I  d         g  t  gelossen. 

It.-in  d         11      1   t    b    l        t  t    I     g  1    I  t  von  «orte  zu  «\>rif 

di>m  (.TSlcn  1  t      I     I    ,       j,      m      1  Ib  „     inten  drier  inat^riMi. 

wenne  das  die  drie  artikelcktiscUikeii,  gelmvsame  und  armat  aller  geistliclie: 
iTgebi'Ui^r  lüte  geliibede  oueh  darinne  stont  zu  aller  nebest  noch  unser- 
Ordens  regele  undo  mit  in  dem  ersten  latino  bucin'. 

Item  dise  diii  Urkunde  biiuher  sidlent  ewiklicbe  bliben  in  dem   vcriie- 
nantf  huse  /.»  dem  üriinen werde  und  ligen  an  eiiire  gemeinen  stul  zii   ■ 
t'ime  ewigen  meraoriale,  alsn  düs  nieman  keine  eigenscbaft  darane  h;ibeii 


15* 

welle,  darüber  hant  die  drie  weltlichen  leyen  and  pflegere  einen  besigelten 
brief  von  dem  obersten  meistere  des  ordens  in  tatschen  landen,  der  hie  ane 
Yohet  und  alsas  sprichet: 

Wir  brüder  Conrat  von  ßransberg,  meister  in  tatschen  landen 

5  sancte  Johans  ordens  des  heiligen  spitoles  von  Jherasalem,  bekennent  in  diseme 
briefe,  das  mit  onserme  willen  and  wissende  zu  latine  and  zu  tatsch  in  dru 
buch  geschriben  ist  alle  die  loffe,  alse  wir  veraommen  and  geboret  hant  von 
erbem  personen,  wie  das  hus  zu  dem  Grünenwerde  in  dem  aller  ersten 
Ursprünge  von  alter  ist  bar  kämmen;   donoch  der  Stifter  leben  und  vil 

10  anderre  gebesserlichen  materlen,  durch  die  es  ist  ernuwert  worden ;  and 
euch  alle  meinungen  und  wisen,  alse  es  noch  vil  anderungen  unserme  ordeno 
gegeben  wart,  dobi  wir  euch  selber  gegenwertig  worent  und  es  enpfingent. 
and  darumb  wollent  wir,  das  dise  selben  drü  bücher  zu  eime  ewigen  memo- 
riale  in  dem  vorgenanten  huse  zu  dem  Grünenwerde  bliben  sollent  in 

15  geheltnisse  und  besorgunge  eines  küstcrs,  der  sii  an  einer  gemeinen  stat  sol 
haben  ligende,  die  allen  brüderen  des  selben  huses  erloubet  sige ;  den  wir 
euch  gebietent  bi  der  togent  und  kraft  der  heiligen  gehorsame,  das  kein 
bruder  nü  oder  harnoch  sich  der  selben  drier  memoriale  bücher  niemer  under- 
winde  oder  ane  genemme  eigenschaft  darane  zu  habende,   wer  sü  gerne 

10  lesen  oder  brachen  wil,  der  sol  sü  donoch  zu  stunt  dem  küster  wider  ent- 
wurten  nfdie  selbe  gemeine  stat  zu  einre  steten  vermanungen  an  diegnoden- 
riehen  werg  gottes  und  sinre  fründe,  die  dis  selben  huses  wirdikeit  ewikliche 
bezagen  sollent^  umb  das  es  in  deste  grossem  eren  und  in  eime  deste  lobe- 
liebem  gottes  dienste  von  allen  brüdern  des  vorgenanten  unsers  ordens 

!ö  ewikliche  gehalten  werde,  darzü  euch  die  drie  weltlichen  pflegere:  her 
Claus  Lappe  ritter,  her  Heintzeman  Wetzel  ritter,  Cünrat  zu 


4  Schönes  laitiale  W.  Die  ganze  Urkundo  von  4 — 16 '10  umrahmt  und  mit  dem 
Wappon  Rulmanu  Meiswins  und  der  Johanniter  geziert.  In  folgendem  sind  in  Kursiv- 
schrift die  Lescarten  der  Originalurkunde  (Erzhischöfl.  Archiv  Froiburg  i.  B.)  wieder- 
gegeben: Cünrat  Brunsperg  Vmizschen  o  sante  spittoU  Jheruselem 
6  daz  thuiz  8  erberen  duz  9  kommen  10  gebesaerlicher  11  alle 
die         12    oeh     enphingent         18    darumhe     daz  15    besorungef     einre 

16  die  den  br.     huses  ist  am  Rand   angefügt,    die  Originalurk.  hat  daftlr  conventes 

17  daz  IS  nu  21  entwiirten  22  icurdikeit  ewekliche  23  daz  grosse- 
ren lobdicheren  24  dieneste  brüdej-en  2'>  ewekliche  26  Clawes  Heime- 
man  26  Nikolaus  Zorn  gen.  Lappe,  rittor.  erscheint  als  Ptleger  urkundlicli 
zum  erstenmal  1378  aug.  4  (U-B.  7,  534).  Das  Anniversar  verzeichnet  seine  und  seiner 
Fraa  Jahrzeit  nntor  dem  18.  März.  15.  kal:  ^obiit.  Xicolaus  Zorn  dictus  Läpp  miles 
et  Ennelina  Stürmerin  uxor  eius,  qui  dederunt  rjdditus  16  ß.  et  quattuor  cappo- 
uam.  nie  sepultorum"  (ohne  Jahreszahl).  Am  7.  September  1377  stiftet  er  und  seine 
Frau,  eine  and  zwar  die  fünfte  PriestcrpfrOnde  in  das  Johanniterhaus  —  die  4  ersten 
waren  Yon  Merswin  gestiftet.  ~  (U-B.  7,  .522).  —  1392  nov.  13  stiftet  er  för  seine 
rentorbene  Fran  u.  seinen  Sohn  ein  Seelger&te  (U-B.  7,  752).  —  Heinrich  \V<itx^\, 
rittor,  ersehet  als  Pfleger  erstmals  1372  Juli  14  (U-B.  7,  445).    t!:V><äT  %^\\i^  *^v!\\«iiV\k\i% 


16* 


der  Megede  uid  alle  ire  nochkuinmen  mit  flisse  sehen  S'Mlent  aad  gelro- 
weliche  warnemmen,  dai  die  vorgenanten  drü  momoriale  bücher  dem  hase 
zii  dem  GriTiieii  werde  von  niemanne  in  deheiner  wise  niemer  entfiirel 
werdent,  wenne  wir  sii  oncli  des  nichtig  machent  mit  volleme  gewalte,  so 
wir  !D  darüber  gebent  mit  dtseme  gegenwertigen  briefe,  den  sä  üch  ewiklich? 
in  irre  gewalt  haben  aölJent.  des  zii  Urkunde  hant  wir,  der  vorgenaute  brüder 
ConratronJiransperg,  meiatcr  in  tiitscheo  landen,  nnser  ingesig«! 
haran  gehenckct  und  wart  gegeben  bq  der  lieben  heiligen  jnngfroweu  sant 
Agnes  tag  in  dem  iore,  do  men  zalte  vcn  gottes  gebürte  dritzehenhnndert 
ior  abtzig  und  fünf  iure.  ii 


*u  GrOüenwOrth  tgl.  U-B.  7,518(19),  l)ei  liiniverftwointrag  Untet:  .36.  Okt  oWil 
iluminni    Boinricas   Wettnl  mUc»   tutor  huius  lionius,   >iui    aedit  reddituc    i.  libi. 

Iilv  ■Dpultun."  \h  rarstorben  wird  «r  urwllint  13Sliiiul4  (l'-B.  T,  640).  Du 
NAlmro  nbor  di-xn  boiduu  uod  doa  drltiua  Pflvgei:  Knnnd  lu  dec  Uegde,  dur  am- 
uiili  13S1  nni  »  als  fnesur  encboüit  (L'-B.  7,568)  and  iiu<:h  am  I.Juli  UOe  all 
-i-omniol-aiis  lu  domu  ilirta  «fl  doiu  G  r  ii  n  e  o  k  «  r  rt  u"  pininnt  ist,  bIbIio  Straßbiirjfur 
l'.R.   Bi1.  VU  im  Kujistur  uotjr  ilcn  eiiinehion  Xamaa. 

I    nackkomiHen  h    aeetUiA»         T    Cünriä     thüixtchen  &    h-irimt 

»inte  Jgnestn  9  xaltte  dräUthen  l(J  ior.  Da  tiriglnal  nt  gvu,  iiin 
NtL'il  Band  geiichriatieD,  ntit  duin  erhaltsnen  Siege)  Konradg  tou  Braiiniberg.  Auf 
der  RnetseitB  von  andsrer  Hand:  „Iteni  ein  brieff,  wia  1>rAd<ir CSniat  Ton  Bn'iDipiut 
infUtpr  In  titacliBn  laodon  wil,  du»  diu  drj  1i>l''li  Jin  dun)  Bescliriljen  stot  d"r  sliffKr 


Erster  Teil 

In  dem  nammen  unsers  lieben  herren  Jhesu  Christi  ist  hie  in  t* 
guter  fnihtbringender  gebesserlicher  meinunge  versamelt  und  nam-  Forwsrt 
haftikliche  iolytulieret  und  verzeichent  alle  die  tütscben  biichere,       m. 
die   unsere   gnodenrichen   stiftere,  RülemBn   Merswin  selige    '"*«'*■ 

■■  und  der  liebe  silnderlicbe  verborgene  gottes  frünt  in  Öberlant, 
sin  beimelicher  geselle,  beide  geschriben  hant  von  vil  mirackelen 
und  von  grossen  ilbemattirlicben  frömeden  wunderen,  die  got  mit 
in  selber  und  mit  anderen  gnodenrichen  erlühteten  menschen 
gewürcket  het,  die  si  wol  bekantent  und  in  heimeUch  worenL  dirre 

>  selben  biicher  sol  billicbe  nä  und  harnoch  uf  diser  bovestat  zß 
dem  Grünenwerde  niemer  vergessen  werden,  alle  brüdere 
unde  alle  personen  »illent  mit  grosser  dangberkeit  ewekliche  daran 
gedencken  und  dobi  merken  und  verston  die  lobeliche  wirdikeit 
und  den  trösilichen fruhtberen  anstadel  dis  huses  zu  dem  Grünen- 

■  werde,  und  das  die  ernuwerunge  ein  sünderlich  userweit  gnoden- 
rich  werg  gottes  ist,  durch  das  vil  menschen  söllent  grösliche 
begebet  und  begnodet  werden  und  ewiges  lebendes  versiuberl, 
die  es  alleine  glouben  wellent  und  minne  darzü  haben  mit  de- 
mütiger beglrde  und  mit  langmütiger  volle  hertender  uslidunge 
die  werg  und  die  goben  gottes,  wie  sü  danne  ie  zu  mole  vallent 
sur  oder  süsse,  also  euch  dise  selben  büchere  alle  wisent  und 
lerent  und  esempel  gent  eime  ieglichen  menschen  noch  sinre 
neiglichheit  und  conplexiunen,  in  weler  wise  er  ioch  von  gotte 
getriben  und  vermanet  wurt  oder  ut  was  grotes  sin  leben  stot 

Item  zii  dem  ersten  ist  in  latine  ziisamene  in  ein  buch  ge-    LtOtüH- 
schriben  alle  die  urki'mde  und  mirackele,  domitte  dls  selbe  hus  zu     «eft«* 
dem  Grünenwerde  iat  ernuwert  worden,  und  öeh  wie  es  in  **"m*^ 
dem  aller  ersten  Ursprünge  gestiftet  wart,  und  was  grosser  manig- 
valt^er  &Y)meder  trücke  sider  daruf  gefallen  sint. 

Item  donoch  ein  briei,  den  der  liebe  gottes  frünt  in  Öber- 
lant harabe  sante  den  weltlichen  piiestern,  die  zu  dem  aller 
ersten  nwle  hie  inne  zu  dem  Grünenwerde  wonetent  unde  die 
kyrehe  besungent  sab  anno  domini  millesimo  CCC°  LXIX«.  iseg 


Item  das  buch,  in  dem  die  6berste  zile  yeschriben  stol,  das 

der  liebe  ^ottes  frünt  in  Oberlant  mit  dem  selben  briefe  den 
weltlichen  [»riestern  harabe  sante,  warme  er  selber  der  leye  was. 
der  den  t;ro35eii  meister  der  heiligen  geschrift  wisele  und  lerte, 
das  er  kam  uf  den  weg  der  worheit  und  ein  erlühteter  uber- 
naliirücher  begnodeter  gottes  fnint  wart,  alse  das  selbe  biich  seit, 
das  wir  ^ich  zu  tütsehe  haut  von  worle  zu  worte  noch  dem  laüne. 

Item  donoch  das  buch,  das  unser  lieber  Stifter  Rüleman 
Merswiii  noch   sime   tode  mit  sin  selbeü  gesuhrift  und  under 
ßime  eigenen   ingesigele  lies  hinder  iine  gescliriben  vinden  von  " 
den  ersten  vier  ioren  sines  ane  vohenden  lebendes,  alse  er  sich 
von  der  weite  zii  gotte  kerte. 

Item  die  hinderste  stroflunge  und  rnmtliche  wamunge,  die 
uns  der  selbe  Rüleman  Merswin  nüt  lange  vor  sime  tode  us 
göttelicheme  tribende  in  eine  wahs  tovele  schreip.  i< 

Item  das  nest  mit  den  siben  blutten  vogelen,  das  uns  der 
liebe  gottes  Irünt  in  überlanl  glitih  einre  liguren  schreip,  die 
ime  in  einre  visiunen  zu  Lothringen  geoffenboret  wart 

Item  zu  aller  nebest  noch  diser  visiunen  ist  geschriben  eine 
tovele,  die  dn  wiset  kürtzliche  ufTe  alle  dlae  nialerien,  in  der  die  ■'■< 
■  brüdere  stillent|'vermanel  werden  an  die  gnodenrichen  werg  gottes 
und  sime  erlühtelen  tVünde,  durch  die  dis  hus  emiiwert  ist,  unii 
si  darinno  versamelt. 

Item  der   fünf  manne   leben,   das  uns  der  selbe  gottes  fninl 
in  Oberlant  i)Ui:h  schreij)  zii  cime  gebe^sserliclien  exemplar  von  -■ 
sin  selbes  loben  und  von  aller  sinre  bnidcr  leben,  die  do  obenan 
bi  einander  wnnent  in  einre  geselleschafl. 

Item  das  buch  von  den  zweyen  menschen,  under  den  .selben 
zweyen  der  liebe  gntte-;  Irunt  in  Oberlant  einre  fiewerfcn  i:-t, 
dem  die  biren,  das  bliilige  tiidiclin,  das  sihnne  vingerlin  wart  "■ 
und  die  andern  grossen  mirackelen  alle  widcrfurent  in  den  ersten 
fünf  inren  sine.-  anefanges.  alse  er  es  selber  ges:liriben  gap 
unseriue  lieben  stiflere  Riileman  Merswine,  der  ime  doge^ene 
widerumb  ge.schriben  muste  geben  das  vorgenante  buch  von  den 
vier  iiiren  sines  anevanges.  und  das  selbe  buch  vim  den  zweyen  ■■'■ 
mensi:bcn,  dir  IVml  iore  des  egenanten  lieben  frünt  gottes  anefani; 


19* 

in  Oberlant,  hant  wir  in  gAter  texste  gescbrift  zu  tiltsche  ge- 
schriben  in  eime  sandoni  büchelin,  das  Bülmans  was,  das  er  selber 
schriben  tet  nocb  dem  eiemplar,  das  iipe  gegeben  wart  von  sine  beimelicheii 
gesellen,  dem  lieben gottes  fninde  in  Oberlant,  dovor  nnd  hieDoch  dicke 

-'<  ^nennet,  and  stot  onch  in  dem  hindersten  teile  dis  gegenwertigen  tatschen 
büchea.  und  darzü  ist  es  io  dem  ersten  buche  1 1 1 1  gantz  und  gerwe  von 
worle  zii  worLe  zu  latine  geschriben  glich  als  da?  trttsch  seit, 
wie  die  selben  zwey  menschen  in  lere  wis  mitteinander  retteat 
von  aller  hande    gebresten,  domitte    die  kristenheit    umbe  get, 

D  nocbdem  do  si  einander  ir  leben  geofTenbortent,  der  liebe  früDt 
gottes  in  Oberlant  von  sinen  fünf  ioren  und  der  ander  von 
sinen  sibentzehen  ioren,  in  deme  irae  zii  iiingest  die  grosse  trüg- 
nisse  und  untruwe  wider  fiir  von  dem  valschen  einsidele.  nü 
möhte  ieman  wenen,  das  es  Riileman  Merswin  were  gesin, 

>  dem  also  beschach  von  dem  valschen  einsidele,  und  das  enist 
ODch  iljl  Rüleman  Merswin  des  lieben  rrünt  gottes  in  Ober- 
lant beimelicher  geselle  selbe,  und  das  men  der  selben  menschen 
underscheil  an  dem  oammen  kiinne  wissen  und  verston,  danimb ' 
ist  in  dem  latine  bAche  der  mensche  mit  den  fänf  ioren,  unser 

0  lieber  frünl,  genennet  der  jüngere,  und  der  ander  mensche  mit 
den  sibentzehen  ioren  ist  genennet  der  elter. 

Item  das  buch  von  den  nun  veilsen  ist  ouch  zii  latine  ge- 
schriben bi  disen  egenanten  versamelten  büchem  von  worte  zu 
worte  glich,  als  wir  es  ouch  in  tütsch  hant;  wanne  die  selben 

■■.  bilde  alle  geoffenboret  wurdent  Rülmanne  Merswine,  unserme 
stiltere,  und  öch  der  biicher  eins  ist,  äaa  er  schriben  müste,  alse 
die  date  und  die  minnerieben  wort  der  vier  iore  sines  ane  vo- 
henden  lebendes  hellent,  das  er  sich  des  schribendes  von  grunde- 
loser  demütikeit  der  selben  vier  iore  so  grösliche  werte  zu  glicher 

(I  wise,  alse  ouch  in  dem  anevange  der  nun  veilse  geschriben  stot 

Item  alsus  seit  das  latine  bAch  von  allen  disen  vorgenanten  Ofot»«»- 
biicbcm  und  vohet  hie  an  ein  ander  buch  zA  tütsche.     in  dem  ^^**'f^*' 
sint  geschriben  die  überigen  bücher  der  egenanten  unserre  zweyer 
stiftere,  die  not  in  dem  latine  buche  geschriben  stont  und  siinder- 

ä  liehe  8o  schreip  der  liebe  gottes  frünt  in  Oberlant  Rülemanne, 
unserme  stiftere,  gar  vil  büchere  in  sime  ersten  anevange,  d:)  er 
sidi  der  weite  abe  tet  die  selben  bücher  Rüleman  von  grosser 


demütUteit  wol  drisaig  ior  Rar  heimcUcAe  und  verbörgenliche  ^emelt. 
das  er  si  niemanne  olVenboren  wolle,  und  wol  n(?r  ior  vor  aiine 
todc  (tu  engetorste  it  sii  von  cimsoiencii'ii  niil  wol  ine  lengei' 
verheleo  und  sinen  ebenmenschen  und  ouch  die  brudere  der 
1  unoden  und  der  fruhte  beröben  und  dchreip  si  |  do  erst  mit  sin 
selbes  hant  in  waha.  er  enwolte  aber  etteliche  stette  und  per- 
sonen  nut  darinne  nennen  und  verbrante  i'ich  do  zu  stunt  die 
exemplar,  die  ime  gesendet  wurdent,  durch  das  er  noch  nieman 
vermeldet  würde  in  den  biicheren;  wanne  er  sich  mit  grossem 
Bisse  häte  und  sin  leben  verbarg  mit  eime  frolichen  lihtvertigen  ) 
usseweodigen  hisllichen  wandele  vor  allen  menschen,  das  nieman 
solle  merken  noch  verston,  das  er  ein  solicher  ua  genomener 
gnodenricher  erhihtetei-  siinderlieher  heimeücher  grosser  gottes 
fpi'int  were,  alse  es  befunden  wart  noch  sime  tnde  in  dem  vor- 
genanten buche  von  den  vier  ioren  sines  anefanges.  « 

Item  mi  sint  die  selben  ti'ilschen  büohere  alle  von  ersl  hie 
■genennet  und  namhaftikliche  intytuheret  und  donoch  ie  eins 
noch  dem  andern  von  worte  zii  worte  gantz  unde  gerwe  ge- 
schriben  und  mit  der  zale  gezeichent,  wo  men  iegliehes  bäch 
vindet  noch  nrdpnun^e  a)s  von  ersl  nf  den  nammcn  lüe  ^ale  ge-  -' 
schriben  stot,  also  stel  si  ouch  donoch  an  allen  biederen  eines 
iegliL-hen  büches,  wie  vil  es  ioch  bletler  hei  von  dem  anevange 
unlze  zii  ende  us.  und  ist  ÖL'h  keine  ander  materie  in  dem 
latine  nOLih  hie  in  diseme  gegenwcrtigen  tiilsflien  bliche  geschriben, 
wenne  aileine  nuwent  die  biiehere  und  nialerien,  die  durch  unsere  -'■ 
/wene  vor^enaiilen  liehen  süllere  bar  kummen  sint,  und  si  von 
ir  seilte:^  leben  und  ubunge  fieschriben  hanl  und  (»uch  von  den 
Sil iider heben  crhihtelen  ^oltes  Ininden,  die  si  wul  bekantent: 

1.  Itein  das  buch  von  den    zwcycii  jungen   l'unfzehen  ierigen 
knaben,  eins  edcleii  ritlers  siiii  und  eins  riehen  koulmannes  suii,  '' 
der  selbe  oui-li  mit  Kitlüinannc  Merswine  dis  buses  zii  dem 
ii  ninenwerdc   stiller    und    Iriiut    gewesen    ist,    abe    dicke   in 
disen  beiden  biichern  erzalcl  und  K^'^cil  ist. 

2-  ilein  das  buch  von  tlcra  ycvaiigcn  ritler.  mit  dem  gol  sn 
•jap   vil  trostlicheP  ubenialin-licber  luirackeln  wurkcte    in  der  gi-  ■' 
vengnisse  und  ouch  darnoch  untzc  in  ^in  oudc. 


21* 

3.  Item  das  bäch  von  einre  heiligeD  closenerin,  hies  Ursula, 
die   got    80  gröslicben   übete    mit  übernatürlicbeme  frömedeme 
lidende  unde  ouch  donoch  bcg(ri)ele  mit  noch  grössere  fröiden- 
richer  übematürlicber  genoden. 
'•>  4.  Item  das  buch  von  zweyen  heiligen  closterfrowen  in  Peyer- 

lant,  den  an  der  vastnaht  die  roten  rosen  schappel  nf  irm 
hAbetern  funden  wurdent  in  eime  grossen  i)bematürlichen  zuge. 
5.  Item  das  bäch  von  der  geistlichen  siegen,  die  dem  lieben 
gottes  fründe  in  Öberlant  in  eime  slolTe  geofTenbaret  wart 
0  Q.  Item  das   buch    von    einre  geistlichen  leitern,    wie    der 

mensche  von  dem  heiUgen  geiste  wurt  geleret  uf  gon  von  einre 
tugent  zii  der  andern. 

?■  Uem  das  buch  von  dem  fünckelin  in  der  seien,  das  der 
heilige  geist  noch  vil  grosser  bekorunge  tut  wahssen  in  eime 
ö  iegelichen  got    minnenden    menschen    also  lange,  untze  das  zu 
iiingest  ein  gros  inbrünstig  hitzig  niinnen  filr  darus  wurt. 

ii.  Item  eine  letze,  wart  eime  jungen  brüder  gegeben  in  eime 
orden,  wie  er  leren  solte  alle  untugent  über  winden. 

9-  Item  das  bäch  von  eime  eiginwilligen  weltwisen  manne, 
'■»  der  von  eime  heiligen  waltpriester  gewiset  wart  uf  demütige  ge- 

horsami 

10-  Item  das  buch  von  einre  olTenbarunge,  die  dem  lieben 
gottes  fründe  in  Öberlant  in  einre  kristnaht  geoffenboret  wart 
in  den  raten,  do  die  grossen  erschröckenlichen  ertbidemen  alte 

'&  koment  anno  domini  millesimo  C1CC°  LVI.  ist 

11.  Item  die  materie  von  eime  jungen  weltlichen  wol  ge- 
fründen  manne,  wie  der  von  grosseme  göttelicbeme  tribende  in 
der  tatschen  herren  ordeu  kam  und  priester  wart 

12.  Item  die  tovcle,  die  der  liebe  frünt  gottes  in  Öberlant  s*> 
*"  dicke  bar  and  in  ander  lant  gesendet  het  dem  gemeinen  volke 

ziü  einre  wamnngen  ie  zu  den  ziten,  so  unser  herre  die  weit 
pflogete;  and  seit  von  eime  gar  kurtzen  gebette  und  nützlicher 
betrahtongen,  wie  sich  ein  ieglicher  mensche  halten  sol  morgens 
und  obendes,  der  gerne  sin  leben  bessern  welle. 


I  Mmatirtidur  kort,  ans  iütmalärlki^it         U  htüifft  g*i*t  doppelt  (c- 


Item  alle  lüse  votgtiiiaiiten  tiitschen  büclu-r  liel  der  liebe 
Oberiender  selber  gesehriben  und  herabe  gesendet  RiiUmanin: 
Merswine,  unaerme  stillere,  alse  hievor  besebeiden  isL 

Nil  het  Riilemaii  Merswin  oueh  biieher  gesrhribon,  der 
ein  teil  hienoeb  gesehriben  stont.  aber  was  er  schreip  oder  * 
Bchriben  mäste,  das  het  er  also  gar  verborgen  uuder  andere 
materien  und  het  elteliclie  geschrift  andern  gottes  [runden  und 
lerem  zu  geleit  und  in  ire  biiehere  vermüsuhet  von  grosser  gründe- 
loser  demi'ilikeil  wegen,  das  er  wolle  von  allen  menschen  unbp- 
kant  sin  und  von  niemanne  erhaben.  '* 

13-  Item  das  baner  buchelin.  in  dem  die  wort  und  die  sione 
hellent  glich  allen  den  demiitigen  minnenrichen  werten,  die  der 
liebe  Stifter  Rüleman  Merswin  sellier  gesehriben  het  von  den 
vier  ioren  sines  anefanges  und  ("ich  anderswo ;  und  ist  eine  emest- 
hafte  warnende  lere  allen  güliiert^iigen  einvalligen  menschen,  wie  '^ 
si  sicli  sf'iUent  hüten  vor  dem  valschen  Iryen  menschen. 

14.  Item  das  buch  von  den  dryen  durchbnichen  und  von  eirac 
gnodenrichen  gelerten  prallen,  der  meister  Ktkeharten.  den 
grossen  lerer,  stroffete  umb  sine  bebende  hohe  lere,  die  er  pflag 
zi'i  tiinde  vor  dem  gemeinen  groben  volke,  und  ettelicbe  andere  '-o 
jiiite  nialerie,  die  Riileman  Merswin  selber  schreip  und  si 
ouch  vermiischete  mit  sincn  inbrünstigen  hitzigen  zu  geleiten  minne 
Worten. 

15.  Item  dif  siben  wcr^'  der  erhermcde,  die  unser  iiebiT 
lierre  geistliche  wircket  in  eime  ie:jlielieii  mensclien,  alse  dicke  ■'■ 
i-r  in  wirdikli^lie  enptbhel  in  dem  heiligen  saeramente.  die  schreip 
Kniemail  Merswin  us  eines  jiiristcrL  bfn/h  und  verbarg  darin 
sine  hit/ige  inbniiislige  bcgirlii-he  ineiiiun.üc,  das  die  wort  gemerri'l 
wurdent,  dif  er  simc  elienmenscheii  von  minnen  wol  jiundi'  uinl 

si  doch  von  demiitikeit  gegen  niemannc  woltetdTenliehe  us  sprechen.  ■" 
und  ist  ouch  ein  iegelich  wcrg  der  erbi'rrncde  hewerct  mit  der 
heiligen  spnu-he  und  ouch  dii-  siben  gobcn  des  heiligen  gcistes 
dar/.n  gesehriben  usser  eime  anderen  biiihe,  das  die  bewerten 
lerer  gemäht  haut,  darus  ouch  hie  zii  gesehriben  ist,  wie  ^Wh 
der  mensche  bereiten  sol,  das  er  mi'igc  wirdikliihe  enptohen  das  ■■ 
heilige  saeramente,  durch  das  got  mit   ime   mnge   gewurken   die 


23* 

Tgenanten  siben  werg  der  orbermede  noch  aller-  wise,  also  si 
enoch  an  disetne  gegenwertigen  buche  geschriben  stont. 

U>.  Item  das  tifich  von  der  fi'irkonieoen  gnoden  und  von  der 
rdienlichen  gnoden,  in  dem  ouch  geschriben  stot  die  siben  goben 
s  heiligen  geisles  in  einre  anderen  wise,  dozü  der  liebe  Stifter 
i'ileman  Merswin  von  gotte  betwungen  wart,  das  er  das  selbe 
!(;h  schriben  miiste  in  sime  aller  hindersten  siechetagen  der 
ossen  geswulst,  des  er  öch  zii  hant  darnoch  starp.  und  do  er  isi 
:h  dis  sc-liribendes  usser  grosser  demtilikeit  werete  und  sine 
iliohe  grosse  krangheit  fi'irbot,  domitte  er  sieh  des  acliribendes 
rne  entslageii  hetle,  do  wart  innerliche  von  gotte  zii  ime  ge- 
rochen: was  ime  die  krangheit  sines  lil)es  schatte,  gol  üesse 
le  doch  das  houbet  gesunt  und  starg,  und  er  endorfte  es  ouch 
le  selber  nüt  zii  le^en,  er  solte  es  in  das  brunlftf  Itüchelin 
briben  und  die  ere  gölte  geben  und  das  werg  zu  legen  brüder 
ihanse  von  Rnsebrüch,  dem  lieben  heiligen  waltpriestere 
Brobant,  domitte  ouc-h  dise  selbe  materie  angefangen  und  be- 
iffen  ist.  dis|veriach  der  hebe  Knleman  Merswin  in  sinre  9' 
adersten  krangheit  ülfenhche  vorettelichen  brüderen,  und  enwolte 
ch  vormoles  kein  solich  gnodenrich  werg  us  rehter  grundeloser 
mütikeit  von  ime  selber  nie  veriehen.  doch  wart  er  dovor 
rtzliehe  in  den  hindersten  zilen  sines  lebendes  ouch  von  gotte 
Iriben  und  vermanet,  das  er  müste  den  brüderen  sagen  und 
ch  geschriben  geben  ettewie  vil  tröstlicher  werte  und  über- 
türlicher  gnodenricher  werke  von  ime  selber,  domitte  die  brü- 
re  sollent  getröstet  und  gesterket  werden  in  eime  zA  nemenden 
besserlichen  lebende,  alse  ir  das  meiste  teil  in  dem  latine  bCiche 
schriben  stont. 

1 7-  Item  zu  iüngest  noch  der  egenanten  hindersten  materiell,  di  do 
t  von  der  färkammeDen  gnoden  Dod  von  der  verdienlichen  gnoden,  ist 
:h  in  tütsch  geschribea  die  drä  buch  von  den  nun  reitsen,  von  den  iwein 
luchen  und  von  dem  meister  mit  dem  a.  b.  c,  icgeliches  mit  einre  vor- 
iden  sünderlingea  tofelen  nnd  nawen  ane  TohendeD  zaie,  die  ofein  iegelich 
}itel  noderscheidenliche  wiset. 


aat  Riutur.         28 — 3J   wurJu   erst  geschrieben  oacti  ftAleniMO^ 


■AUilr. 


•24' 

9''  Item.    DU  hebent  die  tutschen  büclier  lue  aue  uiid  ttint  alle 

ttmrt  iio;;h  einander  geschrüieii  in  dis  gegenwertige  büeii  noch  orde- 
ßuiige,  a!se  die  nammen  Iiievur  zii  aller  neheste  inlytulierel  sinl 
Dnd  men  sol  alUwegent  in  den  nell'en  hücheren  ifrston  in  dem 
JSiderlender  RiUeman  Meiiuiines  namme,  und  bi  dem  obtr-  '' 
lender  sinea  h«imelich«n  gesellen  namme,  des  lieben  frünl 
gottes  in  Überlant,  wo  und  u-ie  diclv  e-v  iergent  in  allen  diu« 
bücheren  und  malerten  geschriben  aiot. 

oktal  f.  1. 

Item  das  erste  buch  ist  vor  den  zweyen  iungen  knaben  und  '' 
seit,  wie  der  liebe  Oberlender  eins  riehen  koufniannes  siin 
was,  der  in  mit  ime  fürte  in  fromede  larit  und  in  koitlmans  schaU 
lei'ete.  also  ouch  in  dem  latinen  buche  die  materie  und  die  arti- 
kelc  mit  kurtzen  Worten  begriffen  sint,  wie  er  sich  gesellete  zil 
eines  wol  gebomen  edlen  ritters  aun,  der  Ach  in  sime  altere  was  '-' 
fünfzehen  ierig,  also  der  texst  seit  von  puncte  zu  puncte,  der  hie 
ane  vobet  und  alsus  sprichet: 

— -So''  ^»  i)a«ehach  lü  einuD  litea,  da«  shdui^  junge  liiubvii  icul  iif  Ire  Mabuluiu  Im 

alt  gax  nuhe   iu  i^inre  stat  bi  elnanilur  seseKseD   ivornnt.    und  ti  norent   lulltuiDfiniln 
f«r    piH«    (wnallon    und    wnrunt    (rar    hnlt    oiimnder    ....    gedruckt    bei   SchmÜI,   -' 
trikuhi'f  von   Ha$d  79—101.    Schlug:  lisrumli  so  >ol  meii   i-ar  billirlii-  uad  garac 

lewari'ii   ^nUi^s   früuden    liuiuiuliditi  sin.     Darauf  ZuaiiU  Xiholaut   von  Löuetu; 

Wie  es  nii  der  sohnnen  edelen  iiingfrowen  ergienp,  des  kouf- 
manncs  frundin,  do  seit  von  allen  disen  bi'icberen  keins  nüt  von;  • 
aber  er  sclireip  es  mit  sin  selbes  bant  der  aller  ersten  priester 
eime  /u  dem  (  runenw  erde  m  eime  briefe   der  seit  du   d      «ii 

II  f  1        1    k    t  L   I  l  ht  I    t       1  d         k     f 


do  sprach  si  widerumbe  zä  iuio :  und  sol  das  wor  sin,  so  wil  ich  mich  doch  daruinb 
ndt  Ton  dir  scheiden,  und  also  du  die  m&ter  hest  genoraen,  so  wil  ich  iren  sun 
nenunen,  und  se  do  alles  min  kleiueter  und  ^ip  os  dareh  mines  gemahelen  willen, 
und  donoch  ubete  si  sich  nun  jor  in  allen  tagenden  und  för  do  us  der  zit  in  solicher 
5    andaht,  das  er  sich  fersibt,  si  sige  nö  vor  gotte  öin  gros  heilige. 

2. 

Dis  ist  das  buch  von  dem  gevangen  ritter,  des  der  liebe  fnint 
gottes  in  Oberlant  kuntschafl  hette  und  ouch  sin  heimelicher 
rotgebe  was  in  geistlichen  sachen,  nochdem  do  ime  die  über- 

10  natürliche  gotteliche  gnode  wart  und  us  der  gevengnisse  kam. 
des  selben  gevangenen  ritters  leben  und  alle  die  grossen  tröstlichen 
mirackele,  di  got  mit  ime  wirke te  in  der  gevengnisse^  und  dar- 
noch  nun  ior,  das  schreip  der  liebe  gottes  frünt  in  Oberlant 
RülemanMerswine,  unserme  stiftere,  sime  lieben  heimelichen 

15  gesellen,  von  worte  zii  worte,  alse  dis  buch  seit,  das  hie  ane 
vohet  und  alsus  sprichet: 

Viel  lieber  boimolicher  fruut  in  gotte  I     ich  lo  dicb    in  der  worheito  wissende   tJO^-^iö** 
sin,  das  alle  dise  ding  rehte  also  boschchen  sint,  also  du  si  hie  in  disomo  btichtriln' 
feschriben  rindest,  das  ich  dir  mit  Rüprehte  mime  knehte  sendende  bin. 

^0  Xa  Tohet  dis  bucholin  also  a.ie,    das  os  beschach  zu    einen    ziton,    das    zwenc 

iango  edel  knehte,  die  do  wol  uf  iro  zwontzig  ior  alt  woront,  das  die  einander  gar 
holt  wardent,  und  wurdout  gar  usscr  müssen  gute  gesellen  mitteinandor  ....  gt' 
dmelri  bei  Schmidt,  iVr/y.  139—186.  ScMusa:  Nu  vil  lieber  und  aller  liobestor 
heimelicher  frünt  miner,  du  solt  wissende  sin,  das  icb  dir  gescbriben  habe  von  deu 

So  nän  ioren  dis  got  minnonden  ritters  loben,  wie  er  dise  nun  ior  vertriben  bot,  das 
stot  alles  an  diseme  buchelin  gescbriben,  das  ich  ouch  selber  gescbriben  habe,  also 
ich  es  selber  Ton  diseme  got  minnendeu  ritter  gesehen  und  geboret  ha*)e.  und 
hammb  vil  lieber  beimelicber  frunt  minor,  so  habe  ich  dir  dis  bucbolin  usser  gotte- 
licher  minnen  hinabe  gesendet,  wanne  du    ein    anvobender   mensche    noch    bist    und 

^0  euch  hei  und  iung  in  der  genodon  bist,  obe  es  bescbehu.  das  dir  ut  von  solichen 
stehen  wurde  furkummende,  das  got  mit  dir  würkende  wurde,  alse  diseme  got  miu- 
nenden  ritter  gar  kürtzlicbe  bcschchen  ist,  so  kündest  du  dich  desto  bas  dernocb 
ferihten.  und  ist  es,  das  ich  üt  me  von  diseme  got  minnonden  ritter  befindende 
worde,  !comme  ich  denne  selber  zu  dir  binabe,  so  wiU    ich    dir   es    mit  dem    munde 

'^  sagen;  were  as  aber  das  ich  nüt  hinabe  zu  dir  kummen  muhte,  so  wil  ich  dir  es 
aber  scbriben.  Nu  vil  lieber  heimelicher  frünt  miner,  du  solt  wissendo  sin,  das  alle 
dise  ding  unser  liebe  frowe  an  irme  lieben  kinde  zu  brobt  bot,  also  das  ires  lieben 
kindes  minne  in  in  verflossen  ist,  also  das  si  eins  mitteinandor  worden  sint,  alse 
verre  es  mügelichent  ist. 


17 — 19  Zosatz  NvL.s?     Der  Traktat  begann  wabrscheinlich    mit  den  Worten; 
€8  haehaeh  su  einen  ziten,        28  U^et-  am  Rand.        35  ich  vor  nüt   m\t  tq\ax 
«inceseliobdn. 


3. 

Dis  ist  ^ar  ein  tmstlich  exemplar  allen  menschen,  die  du 
sint  in  der  ^imssen  gnodenrichen  Übungen  der  unluteren  heko-  ■■ 
rungen,  durch  die  unser  herre  sine  aller  Uebeslen  frünt  übet,  also 
diser  liehen  heiligen,  closenerin  Ursula  beschach  und  einre  wol 
f^efründin  dchonen  riehen   iunglrowen,  hies  Adelheit,  die  il«- 
selben  closenerin    heimeliche  gespüe  und    iüngerin   was,  und  ir 
beider  leben  ges(:hriben   gobent  in  welscher  sproche  dem  liebe»  i' 
yottes  fn'inde    in  OberlanL,  der   es  donouh  zu  tütsche  lierabe 
sehreip  sitiie  st'mderlichen   heimelichen  fnmde  Uüleinan  Mer- 
swine,  unserme  lieben  getruwen  stillere,     der  selbe  Rüleman 
es  den  hrüderen  zu  dem  Grünen  werde   mit  sin  selbes  hant 
in  eine  waha  loFele  sehrelp  des  iores,  do  men  zalete  von  gottes  '' 
j^ebürLe  dritzehenhundert    sLbentzig  und   süben   iare,  und  voliet 
hie  ane  und  sprichet  alsus: 

Üis  Ut  von  L-rsulon  elara  hailisnu  ulaxBoerU  teb«ii. 

Ilo  die  TtürUeheii  ior  «It  «iü.  do  wis  b[  gir  eiuu  icliine  InngfrowB  and  woa<H 


<  3li:i—391.    Se/ilu 


Disor  zwtMfior  iinchgesrlinhener  lieili:.;er  ulüsterlrnwen  leben 
s(-brei[)  der  liehe  ;ii>lles  Irünt  in  ' )  li  e  r  1  a  n  t  heralie  un:7(.'rmi,'  ■ 
lieben  .Stifter  liiilemanne  Merswine  zu  eime  gebesperliihen 
tnistlichen  exemplar.  der  selbe  Rtitemiin  Merswin  es  den 
briulern  zu  dem  (ininenwcrde  mit  ain  selbes  hant  in  eine 
wahs  tofele  schreip  des  iores,  do  men  zalete  von  gotles  gebürte 
drilzelienhunderl  sibentzig  und  alUc  iure.  ' 


^mblti 

efroHe 

D  iuae 

worent,  dia 

sich 

g»r 

are  iboteiit 

mit  singendu 

und  mitlesende 

und  iDi 

vU  eL 

n.»ltigo 

Die  gabHtt« 

uo 

1  it 

d«]i   seihen 

liten  noren 

iwo  gar  .  acta  (ine 

rithe   w 

Ol  g«fr 

nd<   lu 

gttOWOIl    il 

dar 

selben  stat  und 

Horent  «ol 

iffe  dritieliijn  ior 

jJt  .  . 

.  unediml.    Schluss.-    o 

a  di 

■r    i 

ro   lii    aamone  dar   was 

sibentiehaii    ior, 

iUt  dl 

diH« 

KU    Im 

LgiU  frowc 

in 

Jisan 

e  <:]ostet  « 

reut  seain. 

as  alles  ir  leben 

noch  y 

rsHigen 

blibeu 

waa  und  u 

sjusn 

iiüt 

vuu  In  befu 

den  hetto  . 

.  .   nQ  besehich 

es,  d»s 

diaa  I* 

0  bailiion  Troweii 

nocli 

den 

oren  drü  und  zwentiiK  iar  in 

der  zit 

b]ib,^n 

II   zu 

erüig  L.,r  in 

diseme  cloitete. 

aber  in 

dou  liiDderato 

zite>i  der 

drü 

md 

iH«nUig  ioro 

dia  »olbo 

it  läbatent  aii  In 

üTussem 

a  rridan  uail 

ürBHt  allB 

zit  f 

'.Ikh 

und   wo]  ? 

nifit  aiitio  i 

n  Iren  tot. 

5. 
Dis  ist  die  geistliche  stege.  die  dem  lieben  gottes  früDde  in 
Oberlant  in  eime  slolle  geolTenboret  wart,  alse  er  selber  seile 
eime  andern  grossen  gotles  fn'inde,  der  in  do  frogete  noch  eime 
für  sieb  gonden  wege,  in  dem  iubil  iore  do  men  genRome  TAr, 
in  dem  iore  do  man  zalte  von  goltes  geburte  dritzehenbundeift  ^W 
und  fünftzig  ior. 

Zweue  gottes   friinde,  die  baidu  einauder  gar  liap  hettunt  kiimant  zu  einen  zitau    69b — 
IN   -taioone,  noch   dum  do  su   wol  |in|  eilt  iiirca  ainandar  lipliche  nia  goseboii.  hattent. 

I  und  sü  vorent  unch  do  «ol  utle  zwuntiig  taga  und  nabt  bigenandet  und  vrurdent  do 
iKÜscbent  gar  lil  mitteinandoi  radeiida  und  allo  ira  heiniolitheit  oinandur  olFaobaruudo, 
wanne  au  gar  Bei  einauder  gettnwatout.  und  uoth  lil  und  langer  rudu  sprach  eint« 
lü  dam  andern ;  lieber  frünt  gnttes  und  di^r  luiiie,  ich  bitta  dich  uaiar  güttalicher 
minnen,  das  du  mir  sagest  von  einru  Sachen,  die  ich  dich  fragen  wil  ....  gedruckt 

ö  Ui  Jundt,  Rubnan  119—136.  Schlias;  nii  dai  liubi^r  frünt  gottes  und  dtT  niine, 
nü  habe  ich  dir  uuch  gAseit,  aUu  ich  dir  gelobet  habe,  war  mir  und  wie  niir  doiü 
lebolfeu  wart,  also  das  ich  Ottawas  zu  g^ttelicher  niinnan  mit  binra  grundeloaen 
erbermedu  kiiuiiuen  hin.  und  dns  bat  gaton  die  lieba  luinnerln  sancto  Marie  Magda- 
lena,    iiü  beHChach    as  an  dem    ein    und    zwontiigaiiton  tage,   das  disa  Üaban  gottes 

It  (ründu   urlop  lü  samene  noment  und  von  einander  sclii'ident. 

6. 
Dis  ist  von  der  geistlichen  leiteren,  wie  der  mensche  von 
dem  heiligen  geiste  wurt  geleret  uf  gon  von  einre  tugent  zu  der 
anderen,  von  dirre  selben  leiteren  |  der  liebe  gottes  frünt  in  0  b  e  r  -  7  t"" 
'>  lant  eime  anderen  seile  in  einen  pfingesten,  also  sii  mitteinander 
redende  wurdent  von  den  schedelichen  süntlichen  löifTen  der 
criälenheit  und  ouch  von  zweyger  leye  got  minnender  menschen. 

la  dem  lue  do   man^  lalte  von  gottes  gehiiita  ^ritzahenbundert  ior  un$  dbeu       135' 
and  fänniig  ior,  dar  aalben  pflngssten  da  rettont  zweno  grosea  gattas  fruade  gar  vil   TTh — 1 


mittelniinder  von   den  frümailoii  iviindürlirhen  »untllch 

•Ibs  bi  ml  fii  itor    criituubBlt  rvnd«  i) 

ntaalfVDlllklicbu  us  uniier  hurra  richel. 

mul«  lulxel  nianseheii    war  trplleat  aeo 

und  vll  in  ditra  rüde  «uroni  rexiii,  do   «pracb    der   fiac  ilsu«;    oh  liet 

nAt  (rAmadn  iincb  wunder,  da»  i>9  got  in  der  crtiteuhelt  riebet,  wenne  nicn  io  i 

gsgcnwurUgDn   litan    »S*b   gu   sliÜDinle  lätiel  cot  minnvndcr   nionsrhen   rindet. 


urdent  oiich  dobl  gedoncki'Dde,  "if 
'iDiedeii  HUchan,  de«  ouch  ^r  ili>'i- 
1  du  dl<i!   iwene  gottos  fründe  Innp 


sh  dai 


H  rn 


I  ut 


Doch    I 


moinoit  ....  a*dittckl  M  Jundt,   Bl^l^m^  137—146.     Sehhu:     Ach    rtl  UebH 

FrAnt  gutta«,  e»  int  ril  lihto  lA  dl<«inc   molu  fonbe,   wir  mAient  ril  litats  lA  nl  <i'  1 
cetiuTiire  uud  trostc-R  niltulnnndcr  pihcliut  hm.     wir  sullunt  uiib  «idoi  heim  nwubrn, 
iodermmi  «il  ninru  ji-solloschafl. 


Das  fi'mckelin  in  der  seien,  das  der  heilige  geist  nach  vil 
grosser  Ijekorungen  tut  wahssen  in  eime  iegelichen  got  minnenden  ' 
metisclieu  alse  lange,  untze  das  zu  iüngest  ein  gros  inbrünstig 
hitzig  minnen  fi'ir  darus  wurt. 

'  Kb  hanchath   oiiie  nit,  don  iti»   iiingvr  brAder  wart  gunde  tu  oiine   iieillgen    al^ 

vitlor  und  wart  mit  Ime  nHloiid«  und  «pnali  nlaua  »1  ine ;  ril  liaber  nttsr,  icb 
hltt«  ich,  dx  ir  rt  dnrch  pit  tünt  und  mir  rlner  bogv  nellant  sotirurtcn,  die  itli  i' 
deh  froEon  wil  .  .  .  .  untdi*rt.  Sehlut»;  lieber  sAu,  ntt  lo  dich  u^  in  ranle  p- 
iiAgsn,  irannu  winBoiit,  dt»  mit  >A  fulnubrndo  Ut,  das  illn  creahiren  beide  in  dt  nnd 
in  «wilioit  mit  vulle  »a^n  liitijdeiit  vuti  den  ni»ni(:voUigeii  pruasan  vcrburjr^n  »orrti.u. 
alKe  Hii  d<^r  hiiilie:»  ^int  in  hIuuii  und  mit  Kinun  frnndoii  wurckondv  Ist.  hiruiiib 
vll  llubur  siin,  hi  iiIpi  disu  gesclirift.  disc  rede,  alsn  ich  su  mit  dir  p^ret  iiabc.  iini)  '-' 
nlm  Uli  nüt  von  mir:  wanni'  »iüsi'at.  iili  bin  sin  niil  f:esin,  der  beilige  feitt  der  hat 

liriof  lind   wihrip  in  s«llHir  alu'  an  fin  kleineM   brith"lin,   das  du   L-nwi^j  geliben   mihi, 
wu  du  triini'tt   reht  r,A  bind':,   und  bebep  du  dlHnn  Itrinf  und   nbe  dicb   und  lern  lastr 
in  dlii>:uiu  brii'fi.'.     und  ist  es.   das  du  du^fi  knuimcst.  alKn  des  du   wurst  sonuninieii   ' 
in  disH  nciisu«    riiOn'    >.ns«u    iibi-riiiiturliihi..   iniiiiin   di'n  liüili^fn   (seistss  —  lieber  «un. 

kbüiidi^,      nii   li''lii'T  suii.  L's   niBic  r.it  >in,   du>  du  »id-^r  lit'liu  Eaiigc-.'.     also   nam  der 
iuDg..   lirüdiT  7.11   rlitn  »Itvniti'r    Iir1"|>    und    naiii    »Intn  briuf  und  daiickuti-    ime    \aA 
und   biit  in   mit   grinMiin-  uriii'-l*,  das  ur  »in  nulU  gedi-iitkun  und   p>t  für  In  bitltp-  ■ 
viiilt.!  das   Mii   |.'lii;ii  g.'be>.siTt   nurdi',    »unn«    vi  lii^tto    iin  paiiitpn    viill«n,    alif.-.    rh 


Item  eine  letze,  wart  eime  iungen  brndere  gegeben  in  eime 
urden,  wie  er  leren  aolle  alle  untugent  iiber  winden.  '■ 


Dis  iBt  gar  eine  yAte  lotse,  alse  sü  eimo  iungcn  bruder  in  eime  orden  von  aimo   87<^— 89* 
elter  gegeben  wart,  xü  dem  er  ging   und  sprach:     lieber    vatter,   ich  besserte  gerne 
min  leben  und  ich  bitte  ucb,  das  ir  mir  durch  gottes  willen  wellent  roten  und  eine 
letse  geben,  domite  ich  ane  vohe  nnd  geleret  werde,   was  ich  tun  sol,   also  das  ich 

5  ih  eime  guten  Tollokomenen  leben  kämmen  m5ge.  do  sprach  der  alte :  ach  lieber 
ran,  nu  wissest,  das  es  nüt  g&t  ist  mit  geswindon  werten  us  xü  sprechende  .... 
UHidiert.  SMum:  nu  tU  lieber  sun,  d.se  letxe,  die  ich  dir  hie  geschrieben  habe  mit 
der  helfe  gottes,  do  bist  do  nüt  alleino  inne  gemeinet,  do  sint  euch  andere  menschen 
inne  gemeinet,  die  euch  dinne  lerende  werdont.     wanne    ich  ein  alter    man  bin  und 

10  nüt  lange  in  dirre  zit  bliben  sol,  darumb  so  habe  ich  ouch  niinne,  das  ich  diso  letze 
hinder  mir  losse.  harumb  vi!  lieber  sun,  so  bitte  ich  dich  bi  gehorsam me,  das  du  bi 
mime  lebende  nieman  tod  mir  sagest  und  ouch  diso  letze  ussor  latine  zA  tütsche 
scbribest.  wer  sü  danne  bedorfende  wnrt,  er  sige  pfafTe  oder  leye,  dem  lieh  sü  also, 
das  ich  nüt  darmitto  vermeldet  werde,    nd  lieber  sun,  nü  tu  wol  und  halt  dich  under 

lö  den  brüderen  demütikliche  und  senftmütiklicho  und  sist  ein  süsser  bröder,  also  das 
du  den  anderen  brüderen  keine  bürde  sigest. 

Diso  letze  wart  gegeben  und  geschriben,  do  mon  zalto  ?on  gottes  gebürte  dritzehen 
hundert  ior  und  riertzig  ior  und  fünf  iore.  134& 


Q 


0 


9. 
Item  von  eime  eiginwilligen  weltwisen  manne,  der  von  eime 
heiligen  waltpriestere  gewiset  wart  uffe  demütige  gehorsamme. 

Dis  ist  von  eimo  guten  heiligen  waltpriestere,    wie  der  eineu  weltwisen    oigin-   89* — 96* 
willigen  wol  redenden  man  wiseto  und  zoch  zu    rehter  gattclicher  worheit,  dobi  alle 
^thertzige  got  minnende    menschen    mit    ernesto  mugcnt  warnemmen   und  bekennen, 

2o  wie  gar  sorglich  und  schedelich  eiginwillikeit  und  nngelossenheit  ist  ....  nnediert, 
Schiust:  ach  lieber  mensche,  wissest,  das  ich  nüt  alse  vil  worte  mit  dir  geret  hotte, 
wenne  das  ich  geloube,  das  ich  dich  in  dlrro  zit  nüt  me  sehen  sol.  und  ich  bitte 
dich  nnd  mano  dich  der  grundelosen  orbcrmedo  gottes  und  alse  hoho,  also  ich  dich 
gemanon  mag,  das  du  alle  diso  wort,  di  ich  ietzo  lange  zit  mit  dir  geret  habe,  nüt 

So  Ton  mir  nemmest,  und  nim  sü  alleine  von  gotto,  usscr  der  minnen  quollen  alles  göt 
fliessonde  ist.  unde  globo  mir  ouch,  das  du  es  niemer  wellest  von  mir  gesagen  und 
mich  ouch  nüt  vermeldest,  wer  ich  si.  do  sprach  der  sinneliche  eigin- 
willige  mensche:  ach  lieber  herre,  ich  wil  üch  gerne  globen,  das  ich  üch  niemer 
Tormelde  noch  diso  minnesammen  wort,  die  ir  in  so  grossen  truwen  lange  zit  zu  mir 

^'i  gesprochen  hani.  niemer  von  üch  gesage.  doch  so  bitte  ich  üch  ernstliche  von 
grosser  gottelicher  minnen,  das  ir  mir  erloubent,  das  ich  diso  selben  guten  wort 
möge  abe  schriben,  wenne  ich  sü  alle  gar  wol  in  den  sinnen  behebet  habe  und  ich 
wil  sü  ouch  mit  uwerme  urlobe  in  der  meinungen  scliriben,  das  ich  min  leben  dernoch 
mit  der  helfe  gottes  umbe  keren  und  besseren  wil  und  ouch  das  ich  es  minen  genossen 

^0   and  minen  gesellen  zjigen  und  sagen  wil. 

Dosprach  der  liebe  waltpriostor:    es    ist  mir  licp    und  ich    orloube 
dir  gerne,  dat  du  es  abe  schribest,  also  das  es  nioman  befinde :  wanne  bofünde  men 


o**    -'  wOk^/       S8  urifferme! 


i)t  TOn  mir.  ich  tinic«  iu  ein  andur  IftDt.  <1»  leb  u[ 
liio.  nJnti  niiu  ävr  sioDBlii'hs  Tuntuafligi;  «iilradei 
hsiligBQ  «»ItpriMter  iinil  lohiet  von  im«  des  totes, 
dritiehoDhunilsrt  liir  drUaig  iiu'l  shta  iot,  und  heusi 
Vttd  darumb  lüt  ei  nutilirh  uail  gilt.  d>«  me 
Sanie  lebs  nuih  Imio  rot«  oaa  algiii«ililkril  und 
arnsiitlii'bD  hi'itc  vor  inDniemlüp^n  sliinrlicboii  uiinaUiirfljpia  bshsiiden  «arten,  dotmi 


tant  irero  uud  bUbs  bl  olite 
lUAU  urlkip  TOD  dam  1i«b^n 
meD  (glBtc  TOn  jullsi  rtburdi 
liin  It^bon  ^r  erünliclie. 
■Olga  Jon  irottvt  trüpdan  nnl 
»    nien   «[eh  mit  nllonn-  llisii' 


10. 
Dis  ist  die  offeiiljoruiige,  die  dem  lieben  gottes  friiiide  in  i 
Oberlant  in  einre  kristnaht  geoffenbiiret  wart  in  den  zilen,  do 
die  grossen  erschröckenliclie  erlbideine  alle  koment 

I*  Dl«  gewulUg«  kruft  'In  vatturn,   dia   wiKholt  des  tiAneB,  diu   minDf   du»   lipilljci"' 

t^slatw  müsu  um  imtar  liurUw  uiiit  iiilsit  sule  mit  kraft  be«ili«n.     Amen. 

K<  hosebMli  in  der  lieben  krlütnsht  das  «viben  iar««,  do  men  iil<>te  rvn  gnti»  I 
gsbiLTt«  dHtiebenhiindut  lai  (ünftiig  und  leht  lar.  das  eiiiti  iTsatom.  ain  manacUa. 
in  dui  iclban  a&lit  ulfe  dia  tiilttamabt  groBjar  knuigbalt  au  ain  »olbe><  natura  gttitr 
nart.  und  dar  »alba  mansth«  stant  u(  i-uu  sinen  knowan  und  aatte  *iph  in  dar  bBlbnn 
mejniuigen  nidor,  das  or  du'  naturcn  mit  dum  salbuu  g>iganiit«itlgeu  grooan  hocbfoilt 
lä  helS«  lEummen  nnlto  und  aprach :  ash  min  gut  und  min  harra,  ^tai  ieb  dicli  i' 
gabitten  ....  tdiert  bei  Sehmidt,  Nvit.  lf(7—20a.   StM»»»:    das  wir  unsar  lob« 


11. 
Dis  ist  fiar  (Jrie  ^nniiuiirichf  lnnvi'^t'iiliilii'  inaterie.  wio  ein 
junger  weltlicher  wol  gefnirider  man  in  tritscliciiherron  ordpri  kam  - 
und  prieater  wart  us  ^nUelichemc  Iribondo  und  ourh  us  rotfi 
eines  erlülUeten  wolfieborncn  |irieritri'd  sines  nehe^ten  moges,  ai^o 
es  der  liebe  s^otLe^  fnint  in  Oberianl  Rnloinaiine,  unseniit' 
.'itiitere,  herabe  sehrci|i. 


.Dh  (.»cÄ-'lin  rf»,T  0 


,  ileiii  bi-iili'jn:  gesemlet  r 


<h,    B,:stU'   g.fiil. 


147 — ItS.  SMum:  der  iiingeling  naiii  alles  siu  git  und  i&p  es  &llos  den  tütacheu 
herreo.  und  lü  dtuiit.  do  «r  rlarin  kam.  da  bat  er.  das  mea  io  terra  In  ein  taätt 
eloatar  gaadan  solte.  also  ^n;  dirre  jüngeliD[  zu  und  bat,  das  mui  ia  lerste,  wiuns 
er  bette  groEse  mlunä  danj.  da»  er  pricster  würde,  also  half  men  ima  uucb  dariA, 
das  IT  priostar  wirt.  iIkd  wart  «r  eiii  grosser  heiliger  lottes  [rüat,  mit  dem  got 
.  auch  lil   iibematdrllcbDr  wercke  rur  itlmo  todu  nürckiad^  nart. 


12. 
Dis  ist  eine  tofele  des  lieben  frünt  gotteä  in  Oberlant  und 
seit,  wie  sich  ein  iegelicher  mensche  üben  sni  »bendes  und  mirgens, 
"  der  gerne  sin  leben  bessern  wil  und  ewickliehe  behalten  werden, 
und  vohet  alsus  ane  und  spricbet: 

Alle  die  mcDschsD.  die  von  güttelicher  piiniiea  oder  ran  vorhlea  der  erBchröcken-  1( 
Uchen    pfloKen  dii   fegen nerti gen   st^rbottae  doiü   gotribeu    oder   rarmanet   wordent, 
du  «u  sich  begerent  und  meinent  lü  bessernde  und  gerne  ein  Dune  güttelieb  leben 

i5  loltent  anu  ruhen,  den  i^t  g&r  atziimolo  nütze  und  gut,  das  aü  alle  meinen,  so  m 
tni  Too  dem  bette  u!  Stent,  eich  mit  eime  geeunultan  gemiite  lü  in  selber  kerent  .  .  . 
tiod  süUent  also  sprechen  : 

Ach  min  herre  und  min  got,  dis  böse  siintlicbe  werg  wil  ich  durch  dinen 
■TilleB  niidan  und  lossen  ....  edieH    b«i  Schmidt,  NvB.  202—204.  '  SeUiaa   drt 

'0  Gtbettt:  r^rgip  mir  hüte  alle  miae  sünden.  wenne  sii  mich  ruwent  und  gantEcn  niUen 
tab«.  dsB  leb  si  mit  diner  bclffe  ninmer  me  getfin  wil. 

UMaix  (NvL^af)  Dia  vorgeschribeno  kurtze  gebet  und  nützliche  betrabtunge 
wart  einem  weltlichen  natüilichon  man  gelerst  und  nndorwiiet  lun  eime  heiligen  er- 
Idhtoten   gettea  frunde  in  den  ziten.  do   men  gen   Bame  für  und  men    onch  gar    sero 

5  tiate  atarp  und  »il  sorglicher  pflogen  in  der  cristenheit  worent  bi  den  dritiehon- 
bnndart  und  fünFtiig  ieren  ton  gottes  gobürte.  wanne  des  aelbeu  woltlichen  mannes 
Semüte  iraa  alse  gar  zersttovret  und  lerspreltet  in  weltlichen  natüilicheu  Bachen,  dos 
ime  die  g6tt«liche  geistliche  Hag  nnsmoglich  und  urdrützig  «otent,  daa  ar  weder 
bettau  noch  nüt  gutes  tun  weite  noch  enmJhte.  das  ime  Sure  würde  oder  wider  sine 

0  natore  was:  und  darumb  under  want  er  eich  die  gebettes  durch  der  kurlie  und  Uht« 
willen,  und  do  er  oa  anlange  getreip.  do  wart  er  alse  gar  grealichii  dardurcta  he- 
gnodet  und  begebet,  das  gut  so  grosse  wunder  durch  in  und  mit  ime  wnrckate,  das 
lin  bihter  grösUche  ron  in»-  gebessert  wart  und  in  bat,  das  er  in  dis  gebet  Uesse 
abe  sehribeD.  das  er  es  sinen  guten  [runden  gebe  lü  lerende,   das  aü  sich  sin  onch 

S  udcr  wündsnt  nnd  derron  gebessert  wiirdent.  in  der  selben  wias  und  münunge  hat 
et  ODcb  eia  begnodeter  übernatürlicher  gottes  frünt  vnr  ril  loten  Tun  Terren  landen 
kar  geachifben  nnd  geaendet  le  li  den  ziten,  ne  iinsor  hene  die  criatenheit  mit 
stsriH>tt«Q  oder  ndt  anderen  erschr5ckenllchen  pflogen  ane  greif,  und  iat  noch  nie 
ijgeaüiehtt   nnd   dumahtikUohe    verkündet   worden   noch   das    lieben  got   minnenden 

0  Msdei  baglrde  und  msinnnge.  darnnib'  het  er  es  nü  aber'  ds  grosser  göttelicbet 
nlmiaD  bar  Tarbotachaftet  und  begoret,   das  es  der  gemeinde  mit   emeate  Terkündot 


warda  iu  dUun  soKuuwoittfan  lü^Uvkra  illfan  und   onehrnclioiillchini  iterbatton  di> 

»in  und  ihttigoBtaii  Inr«  »il  rfiiro  eetruwaii  rrflutllcliBii  «ininnr',  doTon  si'b  menn- 
Iluh  ki-ro  run  tätllchun  piündDit  niul  sieh  «rsobo  in  doti  «iüen  jottoi  nort  dl«t 
knrtxou  giiodonriv^un  oidtuun^,  dl»  ninmui  tabludursn  noch  Kdrreu  nug  an  aiiu« 
toffonchaii  wcrcko,  sinr«  llptic^ban  nsrnninii,  niicli  An  l(stni<i  g;DU»s  dieneaU,  andehUpr 
ttfltnbtuugo  odur  gabetbi,  dn<A  »ti^h  dor  ni»iiBi-hH  i^uosunt  bat  (iiter  iicliuldif  l«t  inn 
crlBt«nllRhu[  ordiinung«,  von  galgbeda  oder  von  (ruIioU-a :  wttien  ns  nA  gar  uotdurflie 
t«t  In  diBBn  si'irglichen  HBndelbfrnn  enehrScki>i>licHi.'n  xiton.  dis  sirb  t>ia  iafnllcli 
Bienaolio  varsorKo  und  lianra  ifi  dani  nuaneatan  mit  nino  gAtiHi  güttallcben  fürutiii. 
amb  dwt  iiieniiin  iu  oiniR  Hollolien  eab'in  ituUe  vi-rH-nrlcnet  woiile  uatl  unbenut  in 
doa  owtEun  tut  tiiii.  dtnimb  töllant  alle  msnti'licn  hlllicbc  nilnne  bletu  hslieo,  ei' 
waltllch.  wie  vitde  oder  nlo  roilogsen  sü  laeli  ininri  iilul.  natleat  iti  »llting  il1< 
gvbiit  und  diao  bntritbtuDfD  an  sli^li  uninmnn  nnd  üben  allo  Mk«  niorptn*  and  obnndc-, 
in  «urt  Tnn  gotto  dnrdiircli  rofubon  oln  itCilar  anafmig,  «in  Iwanar'  mMn]  luid  aib  Doi'li 


rucin.   >luti1   II 


.  8*11.  n 


13. 
DU    ist  das    baner   biichelin,    und   ^\-ariiet  alle  gnthertzige 
menschen  gar  eigenlUelie  mit  groaaeme  emeste,  wie  sü  sich  hüten 
söUeat  vor  alleme  vaUchen  rote. 

!■  Alle  dla  inentrhan,  die  pirae  dam  bildn  cdttt  nuob>ol|roDt  mit  guitieiiie  anmte  !' 

und  mit  oiDie   rustoii  guublon   criateii  ^aubvn.   den  titt   in  diien    aür^ichan  [«cu- 


i/rdriirkl  bei  Jimll,  Lex  ttmü  äH:-. 


-402  Sckl-if 
iiribon  dia«  vi 
II  S'itti.-.   dD-t   e 


14. 

Diö  ist  (ias  biiuh  von  dtMi  ilriini  (lurc)ibri'ieliGn  und  von  eirae 

wol   f^clcretPü  richi^n   plallen,   der   alle   iiatrirlii;he  lipliche  li'isle 

vprsnhle   und   docli    noch    pinrn    mutwilligen    meintinge    in  allen 


33* 

■eaturen  keinen  vollekomenen  lust  noch  genujjede  nie  vinden 
mde  untze  nouli  sinen  fünf  und  zwentzig  ioren,  das  er  sich  mit 
■neste  wart  zii|gotte  kereiide  und  ein  begnodeler  erlühteter  iii^ 
idehliger  priester  wart,  do  vant  er  alreat  rehte  geniigede  und 
tntzen  vollekomenen  friden  und  fröide  in  dein  heihgen  geiste, 
irus  er  meister  Eckeharten,  den  grosten lerer,  strolTete  undgrös- 
;he  geljpsserte,  alse  dis  buch  seit,  das  Rüleniau  Merswin, 
iser  lieber  Stifter,  mit  sin  selbes  hant  den  brüderen  zi\  einre 
^besserlichen  lere  in  wahs  schreip  und  hie  ane  vohet  und  alsus 
»riebet: 

Ks  sint  drii;  fruguu,  iu  dup  uUes  das  begiiffou  ist.  das  einiu  aac  vohsudan  msnsclieii  n  |l>— ]]< 
■1  oimo  zi'i  U'Miiiuenden  niuiischKii  und  einio  vollekomoaen  moiisuhcn  lü  gebürgt,  die 
ito  fruB"!  ist  ...  .  edürt  bei  Jundl,  lUstoire  du  jianüiciame  poptilair4  215 — 2SQ. 
Idnaa:  ner  diu  bncliiiUn  liset  iiiid  es  mit  geiwe  untze  und«  us  wol  vsrstui,  iu 
«in  ^wor  ZHkhtiu,  daH  er  noch  niit  eiu  iure  nmnsvhe  i«t.  hanimb  so  mag  oh 
nie  leseu  ein  aii-^  vulieiider  uiensuhe  und  uucTi  oin  lü  neinmauder  ai<!nsehe,  nnib 
«  Sil  darioiii;  Ktiidier''n  und  lareu  BÜllenC.  also  lauge  iinil  aUe  t|]  nutze  an  dio 
,    ila'^   Sil  «■■  mit  der  li''lirc  eutles  golvroilt  labont. 

15. 
Dis  sint  die  siben  werg  der  erbermede,  die  unser  lieber  herre 
listliche  wi'irket  mit  eime  iegeliehen  menschen,  alse  dicke  er  in 
irdikliclic  cnpt'ohet  in  dem  heiligen  sacramente.  die  schreip 
üleraan  us  eins  Juristen  bleich  und  verbarg  darin  sine  hitzige 
brünstige  begirliche  meinunge,  das  die  wort  gemerret  wurdent, 
e  er  sime  ebenmensehen  von  minnon  wol  gunde  und  sü  doch 
iB  demütikcit  gegen  niemanne  wolle  ölTenliche  us  sprechen,  und 
t  ouch  ein  iegelich  werg  der  erbermede  beweret  mit  der  heiligeD|  1 19'' 
rüche  und  ouch  die  siben  gohcn  des  heiligen  geistes  darzü  ge- 
hriben  usser  eime  anderen  buche,  das  die  bewereten  lerer  ge- 
abt  hant;  darus  ouch  hiezii  gesc-hriben  ist,  wie  sich  der  mensche 
Teilen  sol,  das  er  möge  wijrdeklich  enpfolien  das  heilige  sacra- 
enle,  durch  das  got  mit  ime  möge  gewurkea  die  vorgenanten 
beo  werg  der  erbermede  noch  aller  wise,  alse  sü  hienoch  an 
seme  gegenwertigen  bijche  geschriben  stont,  das  alsus  ane  vohet 
id  sprichet: 

Dil  lint  dis  »iban  werg  der  otbermede,  die  unser  herre  nÜTkondc   und  übende  ijgb — lai 
■it  dt»    menBcheii.     von  diseu    aiben   worclcen   so   hchenliat   er   in  die   sein  die 
•«n  (obeo  dm   heiligen    geistes  ....  uneditrt.     Sekhti:   wanne  got   Tollsbrfngot 


16. 

Dis  ist  das  buch  von  der  iürkomenen  gnoden  und  von  der 
verdienlichen  gnoden,  in  dem  oueh  gescliriben  stot  die  siben  jtoben 
des  heiligen  geisle*  in  einre  anderen  wise,  dozü  der  Hebe  Stifter, 
Rüleiuan  Merswin,  von  gotte  bebvungen  wart,  das  er  dis  j 
selbe  blich  schriben  müste  in  sime  aller  hindersten  siecheLaßeii 
der  grossen  geswulst,  des  er  oucli  ziihant  darnoch  starp.  und  do 
er  sich  dis  schribendes  usser  grosser  demiitikeit  weretc  und  sinf 
lipliche  grosse  krangheil  für  bot,  domitte  c.v  sich  des  schribendes 
gerne  entslapen  hette,  do  wart  inuerliclie  von  gölte  zu  ime  ge-  m 
sprnchen:  was  ime  die  krangheit  sines  libes  schatte,  got  Hesse 
ime  doch  das  houbet  gesunt  und  starg,  und  er  endorfle  es  oueli 
ime  selber  nüt  /.n  legen,  er  solle  es  in  das  bnmlouC  biichelin 
schriben  und  die  ere  gölte  geben  und  das  werg  zu  legen  bnider 
Johanse  von  Riisebnich.  dem  Heben  heiligen  waltpriestere  u 
nB  aUdm  ou  de  elbe  matene  ane  gefangen  und 
begr    e  und  a   u      p     h 


iJtp 


uaser  dem   ■n^fangi' 


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36» 

in  ria^  zu  I«aendu  und  d&>  erat«  cippitsl  lanite  loban,  so  niöbte  diDDe  (K)t  ntt 
feloBseii.  er  hällTo  ime  färbu  zfi  dar  fröUchiH  jnbUiBrendan  genodeu.  nad  «o  m 
Ilse  lange  darloae  VLndelnde  •rürde  in  groaiar  damütlger  gelauenhelt,  notie  du  lü 
ime  got  Wider  nema,  bUbe  er  denne  Teste   und  stete   in   rahtet  seborsunikait   nntia 

•  as  llt  würde,  so  bülffe  or  ime  fürbasier  iG  einie  gu  grügsecre,  arnürdlfeire  gnodeii 
die  da  beisset  irmilt  das  gaiBtes.  ni^lre  mensche  bie  iane  feite  und  »tote  bllbe  und 
sä  litte  mit  eima  kiiDon  lerwe^DQa  gemüte,  alge  liaio  ilsa  ea  got  biben  «olta,  lo 
uttte  er  in  danna  Ton  diser  BToaser  innfit  In  grosse  übenisturliclie  frStde.  die  über 
alle  meDsehlictae  slnna  werent  und  alle  bertzan  aüt  betnhtan  knndeDt.     du  tat  dt* 

)  rierta  cappittele  dis  büchellns  and  baisaat  die  lübenda  foba  das  heiligen  gelltai. 
di>  tnne  warda  er  oacb  Temtande  lUe  undcncbelde,  vu  lA  tAnde  nud  ti  losieode 
wera  in  natiirllcben  und  übornatilrKchon  sieben,  winna  ime  imrt  danne  gegeben,  das 
ar  sieb  mag  in  keran,  wenne  er  wil,  nnd  mag  renton  in  dur  beluiellcbalt  ilsollcbe 
«Ott,  die  alle  unsere  sinne  iJber  trelTent  und  in  nnrentantlicbe  tst.  und  dirre  Denioben 

'  eins  das  ist  vor  gotto  llfbor  und  Herder  dinna  toicnt  andere  manscben,  die  noch 
utieicendig  *int  und  klcheude  blibeut  an  dirre  aiginwiUlgan  visen  und  docb  gflM 
erbtre  moQschan  lehinant  und  beisseat  und  auch  gSttelieh  sint. 


Zweiter  Teil. 

Hie  Tohet  anderwerbe  ane  drie  tofelen  mit  iren  ma-   I 

io  terien. 

Die  erste  s«it  tod  den  buche  mit  den  niiii  veilsen ;  die  andere  von  dem 
buche  der  zweier  menschen  i  die  dirte  von  des  metsters  buch  mit  der  übersten 
ulen  der  drie  und  iwentiig  büstaben  des  abecees. 

Dise  selben  dm  hnndersten  bücher  irnrdent  nüt  gemeinet  zä  schribende 

'■i  in  kein  dirre  sweyer  tntschen  memoriale  bücber,  alse  oncb  die  mbehcke  seit 
lü  alter  vorderst  in  dem  kloinen  tütschen  buche,  aber  dnrch  das  ir  von 
nnahtsamkeit  deste  minre  vei^esset  werde  and  onch  nüt  verlom  werdent 
nnd  den  brödem  ander  zogen  von  ns  Übendes  wegen,  sn  ist  ane  gesehen,  das 
me  leyen  denne  pfaffen  sint  in  des  lieben  sancte  Johans  orden,  wanne  er 

c  nffe  ritterschaft  gestiftet  ist  der  cristenhett  zii  eime  schirme,  nnd  sünderlicbe 
dis  bos  indem  Grönenwerde  ns  g^ttolicher  fürsihtikeit  ist  emnwert 
worden  z&  eime  flabthnse  gütbertziger  menschen,  in  dem  noch  tU  leyen 
mühtent  wonende  werden,  die  nnt  Istine  knnnent,  den  doch  die  tatschen 
bncher  gar  nütze  nnd  tröstlich  sint,  also  das  die  pfaffen  nnd  die  leyen  von 

19-3S-18  rot.  H  blau.  Zum  Texte  Tgl.  U'Ü.i  u.  33'S9.  S7  vtroguitt! 
tifiülUfmf*!  88  Cberdio  Natilicbkeit  deutscher  BOcber  tgl. Traktat  10  (Schmidt, 
XtB.  199);  «aber  solicbe  büchelin,  slse  dis  bücbelin  ist,  und  euch  mdor  tütactae 
b&cbar,  dia  onch  in  dirre  mosse  sint  und  euch  nüt  wider  <lio  bailige  geiebtift  sint. 


allen  disen  materiell  besletigut  und  gesterket  werdeut  m  miaDou  und  in 
lüversiht.  domitte  sä  in  selber  gemeinsamen t  und  fruhtb^r  macheut  die  bnider- 
liclie  trawe  und  geselleschaft  der  würdigen  patronen  and  d<?r  minnenricbeD 
erlühteten  stifter  nnd  der  grossen  gorioden  dirre  heiligen  hovestat  and  alles 
das  gut.  das  got  in  zit  und  in  ewikeit  mit  solicben  sinen  frnnden,  nnseres 
getruwon  vetteren,  In  übern atürlicbvr  wJse  ie  gewurkete,  alse  zii  tatinc  und 
zu  tütsche  in  disen  drien  gemeinen  meinoriale  biicberen  geschriben  stot. 
die  selben  mat^rien  onch  alle  darumb  alsus  hie  versamelt  siut  in  der  meinon^«, 
d       '  d     b  "d  d    11     p  "   d  m  G    'n      w     d       r    lit 

tetklldtgg        rtg         t  l       t        mbmb       dhbe 


k 


t  te     h 


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w        t 

In     1  h 

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t  d        pp  tt  I    d     b    h 

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B  dis          te     tofl 

11    li     g           t      d      mh  f 

kl   h       tyt  1  ret 

d  mt  d         1 

S 

h    t    d        11        1    d         1 

II    bitte 

t  1   h     cappttei 

d    1   h  g     h   b       tt.         g 

k      t7     d       1      g 

I    It  in  das 

t 

pp  tt  I     t  d            d    d      m 

p     h  t         pro 

lg          dt 

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n      t     d        w          ]      I 

Item  das 

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d    tgl             h          d 
1              1    b     1    1 

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37* 

14.  Item  das  vierteebende  cappittel  Geit,  wie  got  Ua^fet  von  deD  be- 
gehsrten. 

]  5.  IteiD  das  füDftzehenste  cappittel  seit,  wie  got  klaget  von  den  fceisero 
and  IcÖDigeD. 
^  ll(.  Item  daa  sehtzehenste  cappittel  seit,  wie  got  claget  tod  den  her- 

tzogen. 

17.  Item  das  sibentzebensto  cappitel  seit,  wie  got  claget  von  dm  edeln 
lütcn  und  von  den  rittern. 

1 8.  Item  das  ahtzehenste  cappittel  seit,  wie  got  claget  von  den  bürgern 
11)  nnde  von  den  konflDten. 

19.  Item  daa  näotzehenste  cappittel  seit,  wie  got  claget  von  den  ant- 
werken. 

20.  Item  das  zwentzigeste  cappittel  seit,  wie  got  claget  von  den  gebaren. 

21.  Item  das  ein  und  iwentzigeste  cappittel  seit,  wie  got  klaget  von 
i'i  den  wiben. 

22.  Item  das  zwey  nnd  zwentzigeste  cappittel  seit,  wie  got  klaget  Ton 
der  heiligen  e. 

23.  llem  das  drü  nnd  zwentzigeste  cappittel  ist  die  vorrede,  dem  man 
spricbet  ein  prologos,  and  seit  von  eime  hohen  berge  mit  nun  velsen,  ie 

-0  cinre  obe  dem  andern,  and  welre  leye  menschen  nf  eime  iegelicben  veilse 
mit  snnderbeite  wandelent. 

24.  Item  das  vier  nnd  zwentzigeste  cappittel  seit  von  den  menschen, 
die  do  wandelent  of  dero  nidersten  ersten  veilse;  nnd  seit  onch  von  aime 
garne,  das  indewendig  des  selben  ersten  veilses  über  alles  ertrich  gespreitet  ist. 

-'>  25.  Item  das  fünf  nnd  zventzigeste  cappitt«!  seit  von  den  menschen, 

die  do  wandelent  uf  dem  anderen  veilse. 

26.  Item  das  sehs  nnd  zwentzigeste  cappitel  seit  von  den  menschen, 
die  do  wandelent  nf  dem  dirten  veilse. 

27.  Item  das  siben  nnd  zwentzigeste  cappitel  seit  lon  den  menschen, 
-<u  die  do  wandelent  nf  dem  vierden  veilse.  |  '  ] 

28.  Item  das  ahte  nnd  zwentzigeste  cappittel  seit  von  den  manschen, 
die  do  wwdelent  af  dem  fünften  veilse. 

29.  Item  das  nun  nnd  zwentzigeste  cappittel  seit  von  den  menschen, 
die  do  wandelent  nf  dem  sehsten  veilae. 

>->  30.  Item  das  drissigeste  cappittel  seit  von  den  menschen,  die  do  wan- 

delest uf  dem  sibenden  veilse. 

31.  Item  das  ein  und  drissigeste  cappitel  seit  von  den  menschen,  die 
do  wandelent  «f  dem  abtesten  veilse. 

32.  Item  das  swey  nnd  drissigeste  cappittel  seit  von  den  menschen,  die 
tu  do  waadelent  nf  dem  nnnden  veilse,  af  dem  onch  der  nrspmog  blickende  ist 

33.  Item  das  drd  nnd  drissigeste  cappittel  seit,  wie  der  vorgenante 
>  wart  betwoogen  von  gotte,  das  er  selber  muste  in  den  nrsprnng 


Nu  neme  war  tm  üfftli^Ür  mauelu,  Air  dia  MtAgea^t^ene  hith 
von  den  min  veüaen  lesen  ivelU  und  vor  gelesen  habe  die  vier  ior,  alse  BiU- 
man  Mersuin,  unser  lieber  alifUr,  von  ime  selber  sehribel  den  anenan^ 
iins  lebendes,  so  mag  er  wot  merekea  und  i/entsliche  sunder  allen  eiPit^ 
gloubenf  das  got  diät  niin  veiUe  auch  durch  in  gesdtriben  het,  wannt  sä 
uol  miUeinander  coneordierent  und  beide  gliche  hetlent  andemütigen  nvrtoi, 
an  inbrünstiger  minnen  und  an  übernatürlicken  grossen  Kunderliehen  tcerektn 
und  gaben  golUs  und  auch  beide  mitteinander  geschriben  wurdent  in  dt» 
eilen,  do  Riilman  wm  gölte  betuiungen  wart  bücher  eä  schribende,  alse  die 
daten  sagent,  die  beide  gliche  sinechent  in  disen  zweyijen  biichern,  den  niin  i 
veilsen  und  den  vitr  toreti  Rüleman  Meraicines  anecang.  Kenne  in  ir 
iegelieheme  ai'tnderliche  geschriben  slot,  das  es  roUebroht  würde  des  iores,  </« 
men  lalle  von  gotles  gebürle  dritzehenhunderl  ior  fi'infzig  und  ziiey  iort. 


'  Item  dns  erste  capitel  ist  die  vorrede,  dem  [men]  sprichst  ein  prologa.^, 

und  seit  von  dem  nutze  dirre  warnenden  lere- 


Allu    ( 


mit   alma   gras'sea  guitZDn   aij    fiigendati    ui'nesto,   waunr   Ir  sitUont  dfti    wiatca :  wei 
dar  «Hiten   aloD8('lIl^   mre.   dnt  dit  bbob  mit  Arne  fMen  ^nUva  sinoitD  lUct  «dar 
hürut  luafin  ran  TartiRa  lui  untw  en^t  i»,   er  mfie  sin  Ivbon  besietii,    er  «alle  daniu 
Nlber  trefcallcho   nad  mbtwUlskllFtia  In  üwu  ndudeo  blibeti.  iit  »ber  er  (In  (Ol  i 
eri«ton  men»oho  und  liPt  «in  luben  geboaicrt  und  ""Ito  sieh  gorne  <il  gotte  tSgou.  ili" 


Biid.^  kinr 


,  .ioi-  . 


L-eleiut,  niin,; 

t  »r  dvr  luru   war  mit  ■ 

■Xüw  iTf<il?,;iii1i'ii  rnir-^re:   -t  wurt  goI,^r<; 

din  ruht"  ^tru 

■SS.  ist.  di.i  du  iif  SBl  m 

siinu  iirsiirunfi^     iiiuu  viudut  gar  littz^'l  n 

in  disf'n  zitei 

n,  li-^unt  Sil  dis  h\K\i  111 

iid  iirmtiit  der  Ivru  mit  i'imc  rpbtun  ><m- 

sii  N«lt™t  «1. 

1  hetindan  mul  ■nudi  b-^wi 

sBt  nerdou.   na  sii   noch  ck-b'mt  iiiid  .va~ 

invl    iiiul    wi 
<»  iiut   nrt.;  -■ 

IS    dur  ImftBii    siiit,  dun 
li...   n.ht..  ^iro.-..?  liiLiniii,. 

ii»8    Sil  B.-fangHn  siiil   und  goirrut  werd 
Mt.  dii-  dii  uf  (tat  IN  irino  Hrsprutigu.    .ii- 

e 


59* 

büih,  (Us  ■Uen  criatau  memcliaii  wol  ifi  lehörat  ztl  leitmda;  ar  si  wie  adodii  er  wall«, 
et  ist  im  nütze  lü  lesende :  ar  si  wie  beilig  oder  wie  «ullakoneo  ar  d,  ea  tat  tma 
euch  ane  schade  lA  lesende. 

Die  erste  rodo  iat.  wie  eiu  monsche   betwunsen    wart  lon   gutta,   du   er   dis 
i   buch  schriben  müsta. 

Die  ander  rede  ist,   wie  diseiu  menachaD  frömeda  bilde   wordent   tot   lahebet. 
Dia  dirte  rede  ist,   das   disen    measchea   wart   goloBsen   sehen   und  hören  dar 
cristenhelte  gebreste. 

Dia  Tierde  rede  Ist,  das  disen  insniehen  wart  gülaeseD  sahen  ein  lar  imwelicber 
0  frosser  hoher  berg  mit  aun  failsen,  und  wandelteat  uf  isdem  Tsilse  eiisteu  menschen, 
und  ist  ie  ein  «ails  oba  dem  andern  untie  uffa  den  beri. 

Item  das  ander  capitel  seit,  wie  eioem  raenscheo  gar  vil  dbernatörlicber 
frt'iineder  wunder  wnrdent  gelossen  sehea,  nitd  «ie  er  onch  betwongen  wart 
dis  buch  Ton  den  nun  veilseu  lä  schribende. 

i  In  dem  naninicn  unser:  lieben  herren  Jhesu  Christi    mfiasont  alle    unsere  werg  li 

i»lla  enden  und  rolle  broht  ^va^deD. 

Es  beschsch  In  einen  ziten  in  eliiie  adveatfln  >nr  dem  haeh[Olit«  unsars  lieben 
herren  geburt  an  einer  morgen  stunden  trüge,  daz  ein  mansche  wart  rarmanet,  das 
er  gar  geswinde  gölte  gon  an   sine  heimeliche  atat.  an  die   stat,   do  sine  gowonhait 

:ii  «ai  he  im  all  che  lü  bettende Sehlusa  Hl,  192*;  dis  buch  wart  ane  gefangen  zu  schribende 

in  der  vanten  in  dem  iare,  du  nieii  zalte  vDn  gottes  gabürte  tusent  iar  nnd  viardehalp 
hundert  iar  and  iwey   lar. 

NIaman  bedarf  noch  easul  frogen.  wor  der  mensche  si,  durch  den  got  dia  buch 
gescbriben  hat;    wenne  dicra   luenscho  getruwet  der  g.'iti  gottus  gar  nel,   daa    sü   in 

!S  behüten  und  beschirmen  sf>l.  das  es  bi  sLme  lebende  uienier  cveature  befinden  sei. 
und  wer  an  diseme  buche  lesen  wil,  der  hebe  vnmau  an  lü  lesende  und  leee  es  iintze 
SQ  das  ende  us,  er  rcrstot  ander  dur  sinno  niit  ruhte  nel,  die  an  diseme  buche 
geschrlben  stout.  und  wer  denne  der  menscho  ist.  der  dia  buch  von  lomaa  (ui  uQti 
an  das  ende  ua  liaot  oder  höret  lesen,  bessert  der  nieusehe  sin  leben  uilit  von  dirre 

10  Däticn  warnenden  lere,  die  got  selber  gesant  het  durch  eine  arme  ereiture :  wer  der 
mensche  ist  und  sin  laben  hieran  uüt  bessernde  ii^t,  der  mng  wo]  erschracken  und 
lärhtende  sin,  das  got  werde  attowas  rallendes  liber  in  rerhengende  beide  bie  in  der 
lit  and  demech  eweklicho.  das  wie  uns  vor  dirra  niitien  warnenden  lere  unser  laben 
wol  bessemda  werdent,  das  helfe  uns  die  kraft  des  ratters  und  die  wishait  des  sbnes 

5    and  dia  minno   dca  hailigeii  geistus.      Amen.  {  I 


Dia  ist  die  ander  tofele  dis  hindersten  teiles,  in  der  die  capitele  ?on      Zt 
den  twayen  menschen  alle  von  erst  hie  genennet  sint  und  namhaftikliche   Mm 

•  Ä 

doieh  i«t  de*  annoD  menschen,  dnreh  den  got  dlsa  warnende  lere  gpecbribban  hat* 
(SehaiUt  S.  147).    Weitere  Abweichungen  siehe  nnt«n  bei  dem  Iat.  Texte  der  Mann- 


Intftulieret  und  mitderzftlegbzeichent;  die  selbe  zak  dar  noch  an  allebletUir 

eins  iegeliclicn  capilfils  aiinderliche  geschribon  stot,  es  si  karte  oder  laiK. 

1.  Item  das  Qrsto  capitel  seit,  wie  der  liebe  gottes  fnint  in  Oberiaut, 
Rüleman  Merswines  geselle  ansors  Stifters,  in  diser  materien  geiienil«t    ' 
ist  der  iiiugor  und  die  ersten  fünf  ior  sioes  an  e  v  oh  enden  lebendes  offenbowt» 
eime  andern  menscheti,  der  in  diser  selben  materien  gonennei  ist  d^r  eitere. 

'i.  Item  das  ander  capitel  seit  von  des  andern  menschen  lebon.  der 
genennet  ist  der  eitere,  wie  er  sibentzehen  ior  nmb  lief  rot  frogende  and  tu 
lest  betrogen  wart  von  eime  valschen  eiasidele.  i' 

:{,  Item  das  dirto  capitel  ist  die  erste  froge  von  binderrede,  alse  der 
elter  den  iüngern  frugete. 

4.  Item  das  vierde  capitel  ist  die  ander  froge  von  nndangberkeit  unser» 
herren  liden. 

5  Item  das  fiinfte  capitel  ist  die  dirto  froge  von  vollekummener  minnp.  i 

()  Item  das  sehsti  trapitel  ist  die  vierde  froge,  wie  einem  menseben 
beschibt  von  dorn  inevange,  das  er  gotte  dienen  wit. 

7  Item  das  snbende  capitel  ist  die  fünfte  froge,  wie  es  eines  weltlichen 
men<ich''n  sele  ergat  ~o  er  stirbet, 

a  Item  das  ahte^-te  capitel  ist  die  selisto  fruge  von  bredige  hörende.  ; 

9  Item  das  iiiinde  capitel  ist  die  <iibende  froge  von  einre  siinden,  heiss*t 
unknschikeit 

m  Item  das  zthende  capitel  ist  die  ablest**  froge,  warumb  giMteliclie 
gnodn  dem  monschpn  under  zogen  wurt. 

11  Item  da',  cilfte  tipitel  ist  die  niinde  froge,  wie  gar  wenig  ereii  ■; 
dem  heiligt  11  "-arramente  erbotten  wart. 

12  Ittm  das  ivi  Ifte  (apitel  i<!t  die  zohendc  froge,  warumb  so  liit.tfl 
lerer  me  bn'digeiit  von  der  erbermi'de  gottes. 

13.  Item  das  dritzehcnste  capitel  ist  die  eill'te  froge  von  dem  under- 
sclieide  eines  verniinftigen  menschen  iind  eines  gelossene  menschen. 


Das  erste  capitel  seit,  wie  der  liebe  gottcs  frünt  in  ülii>rlaiit  uniii'r 
discn  zweyen  menschen  der  eine  gewesen  ist,  dem  die  birou,  das  bluti^f 
tnchclin.  das  schöne  vingerliii  wart  und  die  andern  grossen  niiruckeln  alK' 
wider  furent  in  den  er.'ti'U  fünf  ioren  sines  ane  vohenden  lebendes,  do  er  sich 
von  der  weite  xii  gutti'  ki-rete.  alsi'  er  es  selber  gescbriben  jrap  unsermc  "■ 
liebni  Stifter  ttiileman  Merswinc.  der  ime  dagi'gene  widerumb  miistf 


XII.   f»iltv  iin'iii 


geschriben  geben  alle  die  übernatürlichen  gnodenrichen  werg,  die  got  mit 
dem  selben  Rülman  Merswine  vürkete  in  den  ersten  vier  ioren  sines 
anevanges,  alse  er  sich  von  der  weite  zu  gotte  kerete.  und  amb  das  men 
den  miderscheit  dirre  zweyer  menschen  künue  wissen  and  gemerckeu,  dammb 

5  so  ist  der  liebe  gottes  frünt  in  Öberlant,  Bulman  Merswines  nnsers 
Stifters  heimelicher  geselle,  genennet  in  disem  buche  der  jünger,  und  der 
ander  mensche  ist  genennet  der  elter,  der  dem  lungeren,  dem  vorgenanten 
lieben  gottes  fründe  in  Öberlant,  widerumb  seite  von  sime  lebende,  wie 
er  sibentzehen  ior  was  umb  gelouffen  in  sime  eiginen  willen  von  walde  zu 

10  walde  rotes  frogende  und  zu  iüngest  betrogen  wart  von  eim  valschen  einsidele. 

Alsns  ofifenboretent  dise  zwey  menschen,  der  lungere  und  der  eitere, 

einander  ir  leben  und  rettent  onch  donoch  vil  gebesserlicher  materien  und 

Worte  in  frogender  wise  miteinander  von  maniger  leye.  sache  und  gebresten 

der  cristenheite.  und  allewegent  der  eitere  mit  den  sibenzehen  ioren  frogete, 

U  so  entwurtete  der  iüngere  mit  den  fünf  ioren,  Rüleman  Merswins  heime- 
licher geselle,  der  liebe  frünt  gottes  in  Öberlant,  und  vohet  alsus  ane: 

In  i^ottes  nammeu.     Amcu.     Es  beschach  uf  ciue  zit,  dasein  mensche   Ä«/^- 19:)*— 220* 
man  Merswine»  unsers  Stifters  heimelicher  gegelle,  der   in  diseme  hiiche  ge- 
nennet  ist  der  iüngere^  an  oinre  morgen    stunden  grar  frugo,    alse  er   sin   ernestlich 

20  gebet  pflag  zu  tunde  grosser  krangbeit  an  sin  selbes  nature  befant ;  und  er  stunt  uf 
von  sime  gebette  und  wolte  zu  helfe  sinro  naturen  sich  ergon,  und  ging  cnweg  uf 
eine  stresse  und  sach.  wie  ein  mensche  kam  gegen  inie  gondo,  der  in  disem  buche 
genennet  ist  der  eitere^  dos  er  vor  langen  ziten  mit  grosser  begirde  begerot  hett? 
zu  sehende  und  ouch  ettcwas  heimelicher  werte    mit  inie  zu    redende,     und  do  dise 

2.5  zwey  menschen,  der  iüngere  und  der  eitere,  zu  samenc  koment,  do  umb  vingent  sü 
Ton  reliter  fruide  einander  gar  früntliche  mit  den  armen,  und  sprach  der  eUere 
z-i  dem  iüngeren:  ach  lieber  frunt  gottes,  du  solt  das  wissende  sin,  das  ich  habe 
befunden,  das  min  hertze  in  mime  libe  vert  spilende  von  rehter  frnden  abe  dinor 
gegen  wertikeit.  —  Do    sprach  der    iüngere,  R  nie  mann  es  geselle^  widerumbo  zu 

30  dem  eiteren:  ach  lieber  frünt  gottes,  du  solt  das  wissende  sin,  das  ich  vor  langen 
ziten  mit  grosser  begirde  begeret  habe  ....  ediert  hei  Schmidt,  NvB.  205 — 277 
Schluss  Bl.  228^:  nü  der  lieber  frünt,  es  ist  zit,  das  wir  goiit  und  urlop  einander  gebende 
sint.  nü  Uebe.*  irünt,  der  g'ittoliche  fiide  der  si  ewikliche  mit  dir.  und  in  dem 
selben    worto,   do    umb    viengent   dise    zwey    menschen    gar  früntliche    einander  und 

^5  Qoment  urlup  zu  samene  und  gingcnt  do  gar  goswinde  mit  gar  betrubeton  hertzen 
von  eioander.  und  do  sü  alsus  einander  liesseut,  das  det  iren  naturen  alse  we,  das 
sü  sin  gar  kräng  wurdent.  darumb  liessent  sü  doch  nüt  abe,  sü  koment  darnoch  nie 
me  zu  samono,  es  were  denne,  das  sü  iren  eben  menschen  in  grossen  n'»teu  be- 
kantent,  so  koment  sü  zu  samene  und  hettent  keine  andere  |  rede  mit  einander,  wenne    229* 

'0    wie  sü  gelugetcnt,  wie  sü  geteteut,  das   sü  irme    eben    menschen,    es    were    lipliche 


17  Mit  In  gottes  namen  amen  beginnt  den  Traktat  die  Hs.  H  (Lauchert. 
Des  Gottesfreimdes  im  Oberland  [Rulmann  Me  swin's]  Buch  von  den  zwei  Mannen), 
welche  NtL.  als  Vorlage  benutzt  und  seinen  Zwecken  entsprechend  interpoU^tt  W\.. 
Dl0^A  Y»4»»«Ali^^0iien  sind  hier,  sowie  42*32  ff.,  kursiv  gedrwcVt. 


oder  BritUIdic,   *ö   lialtu   )niiiieJit>     *Ibu«    h»   dlrru   iwaier   r 
ilaa  nit  all»  guraht«  galnsKiiuv  aooliTulfei  werduitt.  di«  holfe  i 


Die  dirte  matme  dis  liindtrsten  teiles  ist  dea  metsters  bikb  mit  dem 
a.  b.  c.  der  drie  nnd  zwetitzi^ biisUben.  das  dei  liebe gottes  frünt  in  Ober-  0 
lant.  Riilman  Merswins  geselle,  des  selben  meisters  geistlicher  snc  und 
getmwer  rotgebe,  in  eimebapire  mit  sm  sflbeshautgescbribenherabesHiit« 
und  oach  gar  eine  gDodenricbe  besserliche  missive,  einen  sendebrief,  d"ii 
brüdem  zit  dem  Grünenwerde  in  den  ziten,  do  die  weltlichen  priesWrf 
die  kirche  besnngent  und  regiertent  us  beni'unoDge  nnd  gnnste  des  bobestes,  U 
vor  dem  es  in  erworben  wart  des  iares,  do  men  zalte  tok  gottes  geburte 
dritzehonhnndert  iar  sehtzig  nnd  nun  iar. 

Die  selbe  missire  und  oacb  eine  bredige  vun  dem  heiligen  sacrameate 
ist  hie  under  wegen  gelossoii,  wenne  sn  geschriben  stont  in  dem  irviii.  ca- 
pitele  des  andern  kleinen  tutscben  memoriale  bikhes.  und  vohet  hie  ane  li 
eine  tufele,  in  der  die  capi  tele  Ton  desselben  vürgenantan  meist«rs  leben  oud 
Übungen  alle  von  erst  hie  geneunet  sint  und  namhaftiküche  int}tnlii!ret  ani 
mit  derzalegezeichent;  dieselbe  zaledarnoch  an  alle  blettere  eins  lege  licb«n 
capitels  si'inderliche  geschriben  stut,  es  sige  knrtz  oder  lang. 

1.  Item  das  erste  oapitel  seit  den  anevang  des  selben  büches,  wieder  i> 
liebe  gottes  fn'int  in  Öbarlaut,  Riilmans  geselle,  der  hegnodete  Iw 
was,  der  us  gMtelielieme  tribene  wid  drissig  milen  weges  ffir  zii  diseme  selben 
meistere  der  hi-iligon  geschrift  und  in  bat  nmb  eine  hohe  vernünftige  bre- 
digc,  die  der  mcister  uuch  zu  bant  danioch  tet  von  vier  und  zwentzig  stürtieii 
(■iiiä  Tollekum nieneu  lehi'ndes  .  .  ,  gedrwcktbei  Schmidt:  Ntkotauti  von  Basfl.  '-' 
Bericht  von  der  Bekehrung  laiilers.    Der  Anfang  des  Traktates  Bl.  i'^'''' 


irirli..,.  man.  der  Ufbf  güHfi  fr-inl  in  Oebrrlant.  k'ilnian  Mer/iri, 

I    »lifter»  geselle,  v-.mir.      uml   .t   i>:ir1   />!   ili »ili.ii   in   .luni    slaff«  cniin 

...  L-..n    In    .11.:    sl,l(.    .!■.    .l.L-    M:-\-^l-r    w^u   ....    ÄcA/twn    /(/,  :ill2b -,     „i, 


iT,.l,  .l.-r    inun.    H"linans  geselle:    Yi.-h' 
.  Rh  Im  ans  <ieselle.  m-  .lariio.li  siirntli  • 


43* 

litt,  er  inöhta  keine  rfiwe  haben,  er  erbeittete  kuoio  das  taias.  nud  do  ei  tag  wirt, 
do  schreip  er  zu  atunt  nlder  biadoi  steh  dem  priol  nnd  den  biÄdem  allen  einen 
brief.  nad  achrelp  in  eile  ding,  wie  der  meistei  bi  ime  weis  geain,  nnd  schraip  in 
allf  die  wert,  wie  er  mit  ime  geret  hette. 

Xn  das  wir  alle  dem  lioplichen  minnenrichen  bilde  uniera  lieben  benen  Jheau 
niristi  nochrolgende  werdeat,  darzA  helfe  uns  die  ewige  wortaelt     Amen. 


Dritter  Teil. 


Dis  ist  ein  eiemplar  der  grossen  grandelosen  gute  and  erbennede  gottea, 

)  das  bilUche  alle  sonder  reissen  soL  zu  eime  geworeo  mwen,  nnd  dobi  sä 
OQch  mögent  geleret  werden,  wie  sil  sich  halten  sällent  noch  der  bekerden, 
alse  ein  alter  gnodeuricher  erldhteter  heiliger  brnder  in  eime  closter  lerete 
einen  inngen  sandigen  priester,  hies  broder  Walther,  dem  ein  grosser 
starker  nnbetrogener  kreftiger  rawe  wart  amb  alle  sine  snode  darch  das 

>  wirdigeliden  ODsersherren  ineinrekarfritag  nahtzü  mettin.  dis  selbe  exem- 
plare  wart  ODch  Bnlman  Herswine,  anserme  Stifter,  ID  siroe  ersten  kere 
herabe  gescbriben  von  sime  heimelicben  gesellen,  dem  lieben  gottes  Mnde 
in  Öberlant 

Es  beschach  in  einen  liten,   das  ein  iunger  bcüdei   in  eime  claeter    was,   und  263*—! 

*>  der  selbe  brüder  was  gia  (reroU  lebuades  in  maniger  hunde  siinde,  do  er  iune  beBecket 
waa.  nd  beschach  es,  das  dirre  selbe  sündige  brAder  in  einer  kirrritag  naht  i!\ 
mettin  wart  gonde  ....  unedifrt.  Ziviegegpfäeh  emtehen  Hnem  älteren  vnd Jüngeren 
Bruder,  der  von  dem  dlteren  auf  den  Wrg  de?-  VoUkommenheU  geleitet  leerdtn 
mU.    BL  367*  heUet  t»:   leb  wil  dir  sagen,  lieber  sun,  ich  habe  ein  bücheliu,  das 

'd  habe  leb  cesdcht  usser  der  heiligen  gescfaritt,  und  ist  es  des  da  ut  hedacfst,  su  ateh 
In  die  bücbelin  nnd  ergetze  dich  biemitte  ....  BI.  267*>: 

Nfi  iet  dis  daa  büchelin,   das  hienech  gescbriben  stet,  das  selbe  bücbelin,  das 
jer   alte   brfider  dem    iungen  brüder  bi    sime  lebende  gap ;   und   TOhet   dis  büchelin 

'd  Unser   herre    sprichet,    das    riebe    gottes    ist    in    üch.      unde    wenne    es   denuu 

beaehibt,  daa  der  mensehe  dem  Heische  urlop  git  und  gotte  ungeneget  in  selicber 
vIm,  tlie  hlenoch  gescbriben  stet,  so  «issest,  das  du  denne  siner  gegen wertiheit. 
dner  idknlitt  sichetlieher  gevar  wurat,  deune  obe  du  es  mit  dinen  lipUcben  ougen 
seheit  ....  SdäuM  BI.  S72* :  und  das    ist  oneh    der   zarte    sief,    ven  dem   unser 

e  herre  iprichet  an  der  minne  buche,  se  die  sele  also  entslolfet :  ich  besweer  äeh, 
dai  tr  *i  iht  weekent. 

8  In  dem  dritten  Teil,   den  Nachtrügen,   sind   die  Traktate   in   der  Hs.  nicht 
Mahr   gw^hLt.  '  Aaeb  sind   sie   in  dem  Inhaltsrerzalcbnisae  £3*31    nicht   tnt^BWnA. 


Dis  ist  gar  eioe  DÜtzltche  letze  allen  den,  der  sieb  got  mit  sunderheite 
ane  genninraen  het,  das  er  sü  füren  nnd  leiten  wil  die  neheren  aichereu  ge- 
rehten  wege  ettewas  noch  irme  »erroageiide  inie  noch  durch  manigfaltig 
verborgen  heinielich  liden  innerlicher  and  usserlicher  fn'meder  bekorangen-  ■ 
diae  selbe  letze  mit  dem  gobette,  das  dovor  stot.  wart  gegeben  einre  erbiren 
iiingfrawen  von  irma  bihter,  den  selben  bihter  K  ü  1  m  a  n ,  unser  Stifter,  gK«- 
liche  roinnete  nnd  vil  sinre  heimelicheite  wnste ;  nnd  rohet  das  gebet  1011 
erste  alsus  ane : 
i'  0  liurro  Jbusa  Cbristü,  min  eiiiigeGtuG  Uup  und  loin  uscmiilter  ü^tnivur  «eiiiil"''   '' 

lind  anurtc,  d«[i  ich  erkum  bilu  fbr  nll«  cresturiiu  :ii  uima  AuniUren  herti^  liube  .  ■■  • 
juiohiim  Oebtit  fäkrtdtf  Traktat  Bl  27Bb  fori ;  Arhliehi^  to hier,  dis  rurgoschritx'ii« 
gabot  udur  des  günh  eüUent  ii  diuko  sprocbou  lA  uwurine  Kenuholn  und  lidtie  J)ir<ii 
Christo  lind  sfilliat  lich  Imn  domltli>  «tetoliliche  iif  oppfuroti  1b  slnen  «illon  — 
Se/lliu$;  acb  Hebe  tnlne  dDbtnr,  und  also  kmnt  all»  strite  und  riinii.';o  dar  bekDruupn  i' 
trAllcrhi'  imd  ritUrliche  iis  lidnn  und  hbnr  niiideu,  so  vcrdont  U  karttlieli*  'i" 
tippri'rri'  ffeüenliebet  mAiisthn  und  idn  k(im-r  fniiuniiT  rlttoc,  tlom  dl«  Bia  mitt  {e(ii>'>i> 
u(  dvin  blinxUcbnii  faDAi  Toii  sllnn  nnEHleo  und  hoilifun.     Am'n. 

3. 

Dis  ist  ein  andehtig  gut  gebet  und  ermanange  tüd  dem  lidende  las^'^  -' 
herreil,  nützliche  and  rmbtber  allen  den  menseben,  die  es  tegeliche  äbeo 
und  betten  welli'nt  mit  bogirlicheme  berfzeii.  mit  gnttelicher  meiiiungt'  und 
misacv.1l  irre  Sünde» ;  die  m^'^gcnt  vil  grosser  gnuden  vim  der  milten  gruiiJ«" 
Inseo  erbermedu  gottes  dardurch  erwerben  und  enpfuhen  und  sunder  nll^" 
zwifel  eweküche  niessen.  - 


gi)ttes,  schreip  der 


vor  den  vcrscliuldeten   kiinftigon  p 
srliihtete  lerer  brnder  Johans  Tanv 


•Irkliciie    ist    do'iii 


tancte  Dominicas  orden  eime  sime  lieben  frnnde  in  den  liten,  do  die 
«n  erschn'ickeu liehen  ertbidemen  alle  koment  des  jores,  do  man  zalte 
lüttes  geborte  dritzahenbnndert  ior  ttntiif;  nnd  seba  iare,  i*55 

0  »Mo  tncnschiin  ii«inent  mit   ernest«   un<l    mit   littem  den    Tnrbtsn    nar   und  27:!'*— £74 
int  -den  grossnii  zürn  uitil  die  langen  TerschiiWeten  pflosen  der  gerohttkolt  sottsB, 
1  diseino  Ure  swerlirlin    ulTc  die    nelt  gi>Tatleii    ünt.    denno    üii    In    Til  bnndert 

io  ^Tieleot  ....  tdiert  bei  Jiindt,  ha  ami»  40S — 405.  Sckbiti:  Dia  grande- 
arbarnihertiikeit  gi>tt^4  die  müsse  unn  sin  eine  Inbcndig«  nfenthiitunte  in  daiii 
t  cri^tanom  geloiiben.      .\nien. 

Schluss. 

Welle  nii  ieman  gerne  dise  materien  lesen 

Und  in  der  selben  menschen  zalo  wesen, 

Die  stMlent  sich  regieren  irme  bilde  noch 

Von  tngent  zu  tagent  libcr  alle  grete  hoch, 

Su  mögent  sü  ir  wol  ewekliclie  geniessen. 

Die  rede  wellent  wir  enden  nnd  besliessen 

Hit  diseme  noch  gonden  guten  getihte 

Und  doch  nnt  vergessen  dirre  vorderen  geschihte. 

Wir  lerent  dobi  darch  alle  nntngende  brechen, 

Dario  wir  oach  dis  gebet  dicke  söUent  sprechen 

Zii  lobe  and  zü  eren  der  eilenden  not, 

Die  von  onserme  herreu  hienuch  geschriben  stot. 

Wie  gros  onch  were  siner  betrnbeten  müter  hertzo  leit, 

Das  wert  wnl  eines  teiles  in  diseme  gebette  geaeit, 

Alse  wir  es  hie  wellent  kiirtzliche  ane  rohen. 

Von  gotte  siMlent  wir  alle  gaben  dangberliche  enpfohen, 

Alse  er  durch  unsern  willen  pinltche  het  gelitten, 

Nu  süllent  wir  in  alsas  ernestliche  manen  and  bitten 

Und  ouch  etteliche  der  löbelicliesten  heiligen  zu  ime, 

Das  anser  gebet  gegrüsset  werde  durch  ire  stime : 

So  mäs  es  got  deste  gnedeklicher  von  ans  erhören, 

üf  sine  gnode  wir  uns  alsas  darzü  wellent  erhören. 

0  erbannhertziger  lieber  milter  herre  Jhesns  Erist,  275' 

Wanne  du  das  gewore  nnschnldige  lamp  bist 
SehluM  des  Gedichtes.- 

Dei  belfent  ans  ir  lieben  heiligen  alle  bitten 
ÜDa«n)  hMTen  Jhesam  Christum,  die  grandelose  gäte, 
Dh  er  nns  vor  alleme  anheile  ewekliche  behüte.     Amen. 


'"  Anno  domini  MCCCLXXXX  an  sunuentage  vor  saut  Liieien  farft. 

'I  sciliett  tereio  idtis  decembris,  da  »Carp  der  erw^'irdige  gtiaüieke  kern  unter 
getruwer  Datier  und  vtnorger  brüder  Ciinrat  von  Brunsperg,  mtisttr  i« 
tütacktn  landen  aant  Johana  ordms;  und  het  den  orden  geregiert  in  dem 
meistei'  ambakle  driatig  ior  flisseclich  und  erneatlich  mit  grossen  truwen, 
wanne  er  hatte  grosse  goUes  vorkte  und  vil  nalürlteher  wi»heit  und  wo-' 
erbern  personen  und  gottes  frünäen  gümüg  und  holl,  des  er  billich  nii  gt- 
niesBen  sot  gegen  allen  briidem  und  awestern  de»  Ordens,  daz  sri  unsem  herren 
dtste  JHaaedieher  für  in  biUent,  als  si'i  schuldig  sint  ee  fände  und  sunderikh 
die  briider  zi'i  dem  Grimenwerde,  den  er  vil  truuen  und  minnen  bt-  n 
%eiset  hei  mit  grosser  sliire  und  helfe,  als  elteliehe  ire  bi'ieher  und  briefe  leo! 
misetil. 


Nachtrag. 

Dis  ist  ein  tofele,  hört  bi  ein  gemeltze  von  dem  jÜDgesUn  geriht«, « 
unser  herre  nrteilet  alle  kiinne  Her  menschen,  einen  ieglichen  noch  sime  <e 
dienende. 

Maria  wanne  du  die  müter  gottes  bist, 
So  gcniche  mit  saut  Johans  Baptist 
Von  uns  keren  dins  kindes  zorn, 
^0  die  eiigele  blosent  daz  honi ; 
Stont  nf  ir  toten  zu  gerillte, 
Ir  mi'issent  fiir  gottes  angesilite 


iri'iiitL'ug    luiitvt :    _lo.  \K-J.  -1.  id.  |l:i!«J|:   iil>iit   ruimraliilis  ■lI>lnjnu^ 
US  >l  u  It  r  11  riK  [><;  ri; .  iiiu^ist-'r  niiliiiis  llo^tl'i  |>i:r  Almiianiaui,  in  ''iiiii 


SMtUS: 

Daz  welle  die  gute  gottea  nns  allec  geben 
Maria,  die  mäter  und  niaget,  uns  daz  erwerbe. 
ÄmeD,  sprecbent  alle  begirliche  anderwerbe. 


Dia  ist  eine  tofele  von  dem  sterbenden  menschen,  hüret  zu  einer  ga-  278*' 
«n  figuren,  wie  die  tnfele  kriegent  nmbe  die  sele,  die  frant  nmbe  daz 
jid  die  wnrme  nmbe  den  lip' 

Die  weit  mohte  billich  tmren 

Von  dem  anblicke  diser  flgnren, 

In  der  do  lendet  alles  unser  werben 

Und  bezeicbent  das  künftige  sterben, 

Das  wir  alle  müssen  dulden, 

Jederman  nocb  sinen  schulden. 

Wenne  aber  knmme  die  stände, 

Daz  ist  anknnt  worhaftem  mnnde. 

Der  jnnga  aise  balde  stirbet  als  der  alte, 

Nieman  sich  selber  darnz  schalte, 

Uengelich  wache  und  sige  bereit 

Tages  nnd  nahtes  mit  fürsihtekeit. 

So  der  dot  knmme  nnd  ane  kloppfe, 

Daz  danne  not  nnser  gemercke  stoppfe 

Besessenheit  dez  giltes,  ere  oder  knnst, 

Wollust  dez  libes  und  der  fründe  gunst. 

Onch  sige  iederman  siner  fünf  sinne  behüt 

Und  erwele  küschekeit,  gehorsame  und  armüt, 

Daz  ist  die  gewarsamste  fürsihtekeit  und  die  meiste 

Zu  ervolgende  fride  and  fröade  in  dem  heiigen  geiste. 
Sekltua: 

Ämeii,  Amen,  Amen  sige  dristnnt  geseit 

Zu  lobe  nnd  zu  eren  der  heiigen  trivaltekeit.     Amen. 


n. 

Das  zweite  ..Übiigg-ebliebcue  Latein-Bucb"*. 

Eialeitung. 

'  A!se  m"i  dise  aehste  nucbgoiid«  rubrike  seit,  wie  dis  latiue  bikü  wu 

den  Büii  vdlsen  eltewas  missehillet  dem  tütscbeo  an  abe  gebrochenen  wniion 
und  zu  gDloiten  gloseii  us  der  geschriit,  darnnibist  es  onch  über  blibeo  üid 
anderwerbe  in  das  grosKS  latine  memoriale  büi:h  des  buaes  zu  dem  Gri- 
nenwerde  geschribün  tob  wurte  Zii  Worte  glich  dem  lütsrbea.  alse  «  i 
ns  dem  heiligen  geisto  kummen  ist  ncd  sü  Bülman  Mers  win,  der  Stifter 
des  selben  linses,  schriben  müsto,  wanne  er  von  gotto  darifi  belwnügen  «»rt. 
alse  ein  iegelich  mensche  sunder  allen  2wifel  wul  gloaben  nnd  wissen  Diig> 
wer  SU  liset  nnd  vor  gelesen  het  die  vier  ior  sins  anefanges,  waoce  sn  wo! 
mitte  in  an  der  coiicordierent  und  gliche  hellent  an  demütigen  wortcn,  an  In-  I* 
brünstiger  minne  nnd  an  übernatürlichen  grossen  wunderlichen  werckcn  wi 
jtnben  enttes;  und  durh  bpifi"  mitteinander  gpschriben  wurdent  in  den  üiteu. 
■In  Kulman  Merswin,  desJiuscs  Stifter,  vtingulte  betwungeii  wart  buch« 
m  schrillende,  nlse  die  daten  sagunt,  die  beide  glich  üprcchent  in  Ji^ti 
zweygen  biichern,  den  nun  veilsen  und  den  vier  ioren  Külniau  Mer-  l' 
s  w  in  es  anofang:  wanne  in  ir  iegflichumo  siindiTÜche gescbriben  sliit,  il*' 
es  vDlleljrnlit  würde,  dfs  iores  do  man  zalte  von  giittes  gebürte  dritzchi'ti 
buiidiTi  iiir  liint'tzig  und  zwey  iur.  und  dis  gegenwertige  liber  blibene  lati»" 
liiicli  villi  dt'U  nun  veilsen  und  iiin'h  ein  «■■inplar  mit  ahtc  sext^nien  vnu 
der  oniuwerunge  und  der  Stifter  leben  und  den  andern  materien.  die  A-^  '" 
buses  würdikeit  bewerent,  ist  den  drien  widtlielirn  ptlegern  beii'iini't  aw\  ^•" 
meinet,  das  sü  die  us  lihen  niiV^iit  erbern  giitli.^rtKisen  gelerten  liiteii  iini'^' 
f..riii.'.  die  y.n  aller  liiiiderst  in  diseni  biirbc  und  oudi  in  dem  andern  i'i 
tut-fli  geschrilien  stet  dureli  der  leygeii  willen,  die  mit  latine  kiiiineiii. 

Des  ersten  Stifters  hern  ninrschalk  Wcrnhers  von  H  ün  ebur:,' J^'  ■' 
edeln  wulgrbornen  herren  woffcn   sint  zu  ende  dis  bücbcs  an  daz  bimlftäie 
bret  gemidi't  zu  eime  ewigen  inemnrialo  und  gedehtnisse  aller  unserre  iieil'- 
kiinien,  umbe  dir/,  erder  erste  anebap  gewesen  ist  des  tiiiidamentes  und  des  alif" 


«> 


gebnwes  nf  die  ode  ruhe  wilde  hofestst,  fonl  hegehter  bürsten  und  wiltböme, 
danimb  es  in  den  selben  alten  ziten  wart  genennet  und  nocb  beisset  der 
Granewert  des  selben  ersten  Stifters  vonHaneburg  begrebede  st<>t  öcb 
zd  aller  nebst  vor  den  woffen  zu  ende  dis  bdcbes  nnd  in  den  Urkunde  bu- 
cbem  gescbriben,  zu  welen  ziten  nnd  an  weler  stat  und  in  welen  eren  er 
begraben  wart  nnd  noch  begraben  lit  in  dem  alten  gebuwe  zu  dem  Grn- 
neuwerde,  durch  daz  sin  niemer  vergessen  werde  von  allen  busbrudem 
und  hofesehssen  des  Grünenwerde s. 


Hü  quatuor  sextemi  de  novem  rupibns  cum  aliis  sequentibus  roateriis  ]^ 

o  et  capitnlis  fnerunt  una  particulamm  pertinencinm  in  latinam  memorialem 
libmm,  in  quo  coadunate  sunt  omnes  materie  tractantes  sea  testimonium 
perhibentes,  qualiter  scilicet  domus  hec  Viridis-Insule  a  prineipio  sui  hucns- 
que  est  deducta  et  renovata.  Et  quia  über  harum  novem  rupium  in  verbis 
non  ex  toto  cum  wlgari  tbeutonico  concordat,  prout  eadem  verba  a  sui  prin- 

^  cipio  a  spiritu  sancto  processemnt,  id Circo  eedem  materie  sie  mansemnt  re- 
manentes  et  extra  stantes  et  iterato  de  novo  directe  secundnm  vulgare  theu- 
tonicom  in  prenominatum  primnm  seüicet  memorialem  librum  snntinnotate; 
capitula  tamen  omnia  libri  eiusdem  de  novem  rupibus  in  utraque  parte  con- 
cordant  in  materia  et  in  significacione,  hoc  dempto  quod  aüquaUter  discor- 

-o  dant  in  verbis,  idcirco  quia  exemplar  presentis  Ubri  cum  aliquibus  incidenti- 
bus  applicitum  est  ad  sacram  scipturam,  prout  bonestus  et  devotus  lector 
bone  nfiemorie  frater  Jobannes  de  Schaftoltzheim,  ordinis  fratrum 
heremitamm  sancti  Augustini,  fieri  procuravit  et  in  librariam  eiusdem  ordi- 
nis in  Argentina  poni  fecit. 

Attendat  quivis  bomo  qui  presentem  librum,  qui  intitulatur  de  novem 
rupibus,  legere  voluerit  et  qui  perprius  legit  quatuor  annos  sicut  Bülm^n- 
nus  Merswin,  noster  dilectus fundator,  de  seipso  scribit exordium scilicet 
vite  sne,  bene  potest  intelügere  et  penitus  dubio  semoto  credere,  quod  deus 
bunc  librum  de  novem  rupibus  per  ipsum  Bülmannum  scribi  fecit,  quia 

^  bene  ad  invicem  concordant  d  ambo  equaliter  sonant  in  humüibus  sciücet 
verbis,  in  ferventissimo  et  vehementlssimo  amore  et  in  supematuraUbus  mag- 
nis  et  mirabiübus  operibns  et  donis  dei,  et  quia  eciam  bü  duo  libri  in  simul 
conscripti fuerunt  in  tempore  illo  quo  Bülmannus  Merswin  a  deo  coactus 
foit  ad  scribendum  libros,  piout  date  eorundem  duorum  librorum  dicunt, 

^     qne  ambe  equale  tempus  narrant  in  hiis  duobus  libris,  scilicet  de  uovem 
rupibns  et  de  quatuor  annis  Rülmanni  Merswin,  quia  in  unoquoque 
eomm  singnlariter  scribitur,  quod  conpletus  et  perfectus  fuerit  illo  anno  quo 
nnmerabatur  a  nativitate  domini  annus  mülesimus  trecentesimus  quinquage-      1352 
simns  secundus. 


to 


1    rrl.  l»*3-5  4    siehe    unten    C:Vö    und    oben    14*4,5  9-24    rot.     H 

IkQnstlerisch  ansfetflhrto  Initiale ;  in  der  Mitte  ein  Meerschweinchen  als  Wappen  Rnl- 
inaaii  Merswins,  rechts  und  links  Ungetiere.         14  vgl.  48**2  22  Ohor  Johann  ^qti. 

s<.kftffiniaii«im  g.  ii*8         25-39  7gL  oben  48*9  ff.     A  blauo  InVüaVo, 


Hauptteil. 


Die  Neaa-Felsen. 

'  Inripii   jirologiis   in    librum,    qui    intyLulatur  d« 

novcm  rupibus. 

\\\\Il iilmannug  Mersicin,  fundotornosltr,  instrumetitum dei fort 
oporttbat  eoaetus  hoc  icribere,  sicut  pU  est  creäendum  per  quam  plura  ei 
diversa  lestimonia,  qtte  in  presenli  libro  sunt  prtstripia. 

0  vos  «inneä  christiani  ascuUate  snllerler  et  attetidite  uum 
quodam  graodi  inlegralique  amativo  zelo  premimenti  prophetice 
doctrine  et  scilote  quod  quicuaqiie  homo  cliristianus  cum  reelo  et 
integro  seno  legerit  vel  audierit  ab  inicin  usque  ad  linem  huni: 
librum,  oportebit  illum  emendare  vitam  suam,  nisi  velit  contunia-  ' 
(.'iter  suis  propriis  peccalis  succ-umbere  ....  gUiehlauUnd  dtm  A-ulrttim 

üS'ie— 39*11 Schiiiss:  et  erat  unaqueque  rujies  gpadatim  situ 

9U[ier  aliam  ab  imo  usque  ad  sunmum. 

2»  Incipit  alter  prologus. 

In  Bonlne  d'iuiini  nottri  Jliesu  Cluiitt)  cnnctB  open  uostn  oportana  perficec«   ' 
uierciamur.     Facluin  fult  quudaiu   tomporB   iu    adventu  duiniul   uite   antJrlbitcin   di» 
ijiiiji  iii  aurura,  >|iiai1  qiiid.iui  hoiii»    pruMioiiitus  a  duniiiio   vvh.uuujitei    rH|.ec-iit.  ^ulliii 

sMiüimii  oratiiiiib  tubk-uliim  ....  SeMaXii  hl.3b;  Kt  diiit  li  o :  0  ililocW  nii. 

faciamiis  Uiiam  rurbnnun  et  tnrhor'inu»  piiupusiti  iixerucioiivin.    K  es  |mi  iis  i  n  diviiu' 
.1^1111    tompus   i:S9i<t  obüdiiiidi  Miiittu  triiiitati  äd  ä<;ribanduiii  ODiDiii,  quv  Ijlii  nstiU"!   -' 


:ji'  ExiiÜcit  prolo<;u:5.  SequiLiir  execucin  primi  libri  visin- 
niiiii  mirabilium  iu  forma  piscium,  iiarvum  numerum  ele^tfiruin 
iiiterpretaticium.     Capilulum  jirimiim. 


„Hif  h,-l  dit  f,.r,;dd. 


51" 

Sequitur  visio  alia  in  qua  patefacta  sunt  homini  abhomina- 

bilia  reiundi   crimina  et  pericula  multa    et  quam  periculosus  sit 

iam  mundi  Status  et  quam  miserabiliter  perierit  omnis  ordo  chri- 

stiauitatis  et  corrupta  sit  via  iusticie  et  veritatis  eciam  in  spiritua- 

'  libus  religionibus. 

Responsia    diviiia:   apeh    oculus   tuDS  et  vide    nbi   sIs.   eodam  inamoDto 

lidit    SU  proeul  iilde    supaTeleratuDi    in    profunda   tallti   ad    radlcem   montia   elc«Ui 

....  Schlu»!  111.6*:   llotaa   dixit:   o  amantiseiine  dniuine,   ego  neqaaquam   hils 

passum   contradiceni,    nud  et    hoo    potu,    ut  sis    illis    mlBOricorB    ot    prcsUbOis  aupor 

'   nequkift  eorum. 

E»  folgen  18  Kupittt  dm  Bägtnbuch»  mit  folgmden  Biibrikm: 

6»  Consequenter  fit  querimonia  a  domino  de  modernis  sum- 
mis  pontificibus.    Cap,  I. 

6**  Consequenter  querimonia   fit  a  domino   de  cardinalibus 
■'  inordinate  viventibus.     Cap.  II. 

7*  Consequenter  ista  querimonia  est  de  modernis  episcopis 
et  pigris  curam  carnis  proficientibus.    Cap.  III. 

7^  Hec  consequens  querimonia  domini  est  de  modernis  abba- 
tibus  ambiciosis,  sua  elaustra  periculis  exponentibus.  Cap.  DU. 
I  8'  Consequenter  sequitur  querela  domini  de  mendicantibus 

et  de  eorum  periculosis  transgressionibus.    Cap.  V. 

8'*  Consequenter  domini  querimonia  est  de  doctoribus  ewan- 
gelizantibus  non  sincere  veritatem  in  suis  sermonibus  sicut  intel- 
ligunt.    Cap.  VI. 
•  g**  Hec  consequens  querimonia  est  de  monialibus  inordinate 

in  suis  claustris  viventibus.     Cap.  VII. 


l--'i  Snlimidt,  NF.  15:  Hie  het  diese  redd»  ein  ende;  vnd  das  hitnoch  etat 
ftttkrlbbtn,  da»  tat,  tei«  diesen  menschen  learl  gelosen  sthhen  der  eristenhtiU 
fftbresle  und  u>it  gar  sereticht  e»  alol  in  diesen  dien  itmbe  dtt  cristtnheit  und 
tt'.e  gar  zärgangen  »int  aüe  ordenuiige  in  der  erislenkeile,  btddt  geisMüAe  orde- 
tumgt  und  öeh  velHiche  ordenungt.  Dieser  Rubrik  enUpricht  in  A  oben  3S*26. 
e-10  Schmidt,  NF.  16  z.  3-lS.  11  Sie  «ntxpTechep  Schmidt,  NF.  19-64.  Im 
TolgeDdeD  liod  darnach  die  überschritten  ron  Cod.  E  152  viedvrg:eK«beii.  In  A  bildet 
da*  Ra««ibach  Kapitel  5-^2  mit  den  Rubrikeu  oben  3S'30-37'17.  Du  Bog.  Anto- 
(repb  hat  XU  Unrecht  hiai  keinailai  Rabriken.  12  Dise  nacligtachrQ}eat  rtdäe 
i$t  WHi  d*n  bäbteten.  14  Dtst  noehgesehribtn»  redd*  iet  non  den  kardenottn^ 
It  Ditt  naeMgnehriben*  rede  ist  von  den  bisehoffen.  18  Diete  nochgtschribene 
red*  iet  mm  den  eptlen  und  ebtiediinen.  äO  Dise  nochgeschribene  rede  ist  eon 
2i  Diet  noehgesehribene  redt  iet  von  den  Urem.         Sä  Dim 


10»  Consequenter  sequilur  querimonia  de  elericis  el  sauer- 
dotibiis  inier  inundanum  populum  vitairi  camalem  ducenttbus. 
Cap.  V!ll. 

10''  Nunc  consequenter  sequitur  querimonia  de  be^inis  minus 
ydoneys.     Cap.  IX. 

11»  Consequenter  sequitur  querimonia  de  beghardis  et  sil- 
vanis  fralribua  et  discoÜs  inordinate  viventibus.     Cap.  X. 

1 1""  Cnnseqiienter  sequilur  querimonia  de  imperatoribus  el 
regibuä  plus  regnum  mundi  quam  dei  querenübus.     Cap.  XI. 

12"  Consequenter  sequitur  querimonia  de  dueibua  el  comi-  ' 
tibus    toto  corde    lerrena  sapientibus    et  pro   hiis  pugnantibns. 
Cap.  XII. 

12**  Isla  consequens  querela  est  de  miUtibus  et  populis  el 
nobiübus  servis  qui  pocius  mundo  quam  deo  servire  videantur. 
Cap.  XIII.  1 

12''  Hec  consequens  querimonia  est  de  eivibus  et  mercatori- 
bus  se  invicem  t'raudantibus,     Cap.  Xllll. 

14"*  Consequenter  querimonia  domtni  est  de  mechanicis  aua 
Opera  sophistice  operantibus.     (.Ia|i.  XV. 

14»  Hec   consequens   querela    est   de   rusticis    et   villants  et  - 
eorum   fiarciosa   proterva   et   indominabili   nequicia   et  dolositate. 
Ca|..  XVI. 

14''  Consequens  ista  querimonia  es)  de  modernis  supt'rbis 
luxuriatis  mulieribus  pompaliee  et  meretricaliler  incedentilnis- 
Ca|i.  XVII, 

17"  Hec  consequens  querimonia  est  de  legitimis  coniugibus 
Ihorum  inconlarainatum  non  servantibus.     Cap.  XVIII. 

Dei-  ffchlxf^  ditMt  Kt<l-ileh  lil.-J<i^  Uutlrt :   li  ,■  -  p  u  ji  ~  j .,  il  i  v  i  im  ■  ii,-.iiia.iiiaiiL 


1    hhc    ,V'hije.'.-lirlh.;u-    i-fh-    i^l    ro,i    den     ireVlichc^,    ph^ifftn.  i    l)i-t 

Hoi-hyschrilviu   i-i-ihlr  i.'t  ruii  ileii  heiigiiti\eii.         ij   /*/.■•(■  iiocliiieg-:hrilieiie  redt  /■' 
roll  lim   bp;igrh'-i-lfii  dri'   iiiiiii'hrii.  ••    l'ht    iinchieMhrib'-iie  rrde    ift  roii  ilf" 

ktij^v.i     ■■„'!  k.hi:gn:  In   H!"«    •mchgcxcki-lheiie    rol.-    i.^l    r.m    den   l,f,:.^t.i. 

1 :;    Ili^r    ii'-i-liiiivlirilieif    reilf    i«l    üvi    den    ■■deUii    hih-    und    r.m   ilrn    rit'erii. 
\-;  Ili>"  ,iachii<-''-hi-ilf<i  '-'dr  ixt  r..„  den  h.irger,.  und  von  den  l.\fl.ile>,.  \-  Di*- 

iiocl'iienclirdxne  rede  Ul    r,<-ii  •/•■n  niilicereheii.  -1«   />/<-'  noehtjeachi-iht'ine  re-le 

!kI     lon    de.i    •jelinren.  -l::    l>i"-    n'-cligexcliiibenn--    re-ldi'    hf    ron    dm    icH'en. 

■J',   J)/a,'  ,iorh.i,'H-hr:h.'ue  red.-  M   lon  der  he'hge  .-. 


quam  Bit,  tnnc  tu>  nsi;   noi  rolantu  i«t   biv   in   tompore 

26''  Explicil  über  de  querimoniis. 

Incipit  prologus  in  librum  de  novem  nipibus. 

Hoc  quid  nunc  per  gnltiHiii  ilei  incipere  iaUndiinus  Ülud  ett.  quilitar  homiai 
«dUDKUs  erat  mona  kltuB  iucdub  et  terribilis  rtUt,  qui  coDtinebat  in  i«  norom  am- 
jilaa  nipei  unam  aapsr  aliaiii  gndallm  Bitam,  io  qnibna  ruptbua  babltabant  bomlnsi. 
Nunc  ctuidem  proaequitut  iatentum  do  prima  rupe  dicena  sie:  nemo  perrenlr«  proral 
diiliia   poterit  ad  deuiu,    quin    nrinani    babiiorit   habitaciODeni  in  prima   lupe; 

>  tacneu  qui  hie  in  tompora  fldnclallter  täeo  liborare  rellet,  ut  Bue  «nlme 
plari  uri^nile  printiplum  poeset.  illuiu  valde  mafrnanliDuiii  fore  oporteret  et  inper- 
tenitum.  Bimulqua  w  aBcaadeiü  Decasaa  baboiot  Bupar  iBtaa  novem  ropes  denac 
cenderet  iii  sublim ioreiii  ubi  cupioae  erudiri  poMet  dirioitus  quouique  tatsndi  dt- 
lieret.      hie  rero    nobiliter    ageret,    qui    bo    eiponere    mortis  periculo    dod  trepldareti 

'  qui  iM  et  ad  asTeDdendnm  super  hunc  altuni  petroanni  luontem  cum  dlfSeUl 
diipiiiieret,  ut  omne«  inlmicos  in  tempore  hoc  mala  triamphars  in  Chriato 
coronani  oteme  mllicie  aicipuro  et  ad  regnum  etamum    perrenirv. 


2ß'>  Explicit  pmlogus. 

iDcIplt  llber  de  IX.  mpibns. 

Respanslg  dirina  diiit:    oci:e  dico  tibi  quod   eipedirc 


impliuB  oportet  do  ST*- 


31>  De  descripcione  seu  speculacione  secunde  rupis  et  eius- 
dem  babitatoribus  incnits.  Capitulum  5e:^unduni. 

32*  Sequitur  capitulum  tercium  de  descripcione  seu  specula- 
j  cione  rupis  tercie  et  de  eius  iocolis  habitaatibus  in  ea. 

32''  Consequenter  sequitur  capitulum  quartum  de  descripcione 
seu  speculacione  quarte  rupis. 

3  eiplicit-17  perrenirel  Scbmidt,  NF.  64  i.  SS-G^  i.  "> ;  Biete  redie  lut  Ate 
«Mfe  and  dat  imr  nü  wMent  redden,  das  tut,  mt  ditttn  maigeken  wturt  ffttottH 
«Um  tii%  grtuatliek*  groter  uUtr  kohtr  herg  ....  Hb.  .4  hat  entsprachoBd  i  d  e  r  ■  t 
die  Kabrik  doB  i'i.  KipitelB  (.17*18),  und  fihrt  dann  mit  dem  Teit  fort:  Dirr«  amdtr 
preicgii  aeit,  wie  diaen  mttieehen  wart  gdossen  «lAm  ein  grwcdicktr  grotter  witer 
koker  berg..,.  lS/i9  »plicit— rupibunl  fehlt  bei  Sehnidt.  B«.  A  hat  dafftr  die 
Babrik  dM  Sl.  Kapitals:  s.  obeo  37*ä3.  SO-54'll  die  Nenn-FelMo-Virion  siehe 
bti  Schmidt,  NF. A5i.S-lie.  Danach  (ebe  ich  die  rolgenden  Rubriken,  «eiche 
ia  Hl.  .i   den    Eahrikea   der   KaplUI   ih-ii   entaprecben   |3T*S5-40).  3!    Hie 

itt  dimt  tnlt  nid»  ton  diemia  ertttn  fdm  em  emk,  tmd  Mbent  himotA  omm 
Mi  nddmd*  wm  dm  mauehet,  die  itffe  dtmm*  mnit%-M  felm  wommtd*  limt. 
S4  Se  Iket  üete  attdere  r*dde  nm  dieweme  andertn  (ehe  ein  mde,  mnd  ketbmt 
kkmdi  MM  lü  ttddmde  com  den  menedkm,  die  uff»  demme  dirOen  fdae 
»Ht.  ae  Hie  het  die*«  dirUte  rtide  nm  difem*  dir^ten  ftit»  rtn 
'.  MMtKt  nin  kitnoeh  mm*  nl  rtddmtde  rm  d$H  mwMotow,  die  xffi 


54" 

33^  Consequenter  sequitur  descripcio  seu  speculacio  quinte 
rupis  et  statua  incolarum  eius.  Capitulum  quintum. 

Si'"  Consequenter  sequitur  descripcio  seu  speculacio  rupis 
sexte  et  de  eiiis  incolis.     Capitulum  ppxtiim. 

S5*  Consequenter  sequitur  descripcio  septime  rupis  et  spe-  ■ 
culacio  de  eius  habitatoribus  et  incolis.     Capitulum    septimum. 

36"  Consequenter  sequitur  descripcio  rupis  oclave  et  eius 
speculacio  cum  suis  incolis  et  habitatoribus.  Capitulum  oc- 
tavum. 

37»  Consequenter  sequitur  descripcio    seu    speculacio  none  '' 
rupis  et  de  eins  incolis  et  liabitatoribus.     Capitulum  nonura. 

40''  Consequenter  sequitur  quomodo  hie  homo  a  deo  coactus 
est  eitiam  in  suum  introire  (ontale  prineipium.  Capitulum  de- 
eimum. 

44^  Viso  de  fontali  principio  nunc  transeamus  ad   finalem  '' 
recapilulacionem  premissoruni. 

Homo  diilt:  cUc  niibi  banc  fiinruin  pUciiim  et  intsrpielaeiaDeiu  eius.  Ui- 
»liantiu  difiui:  aumiiuld.  IntoUi^B  qae  tibi  tiuisliKarsTi  in  alf)  et  rntuodi>  luonle 
ibi  supra?  V[disU  uciam  Buiaitiu  {ilcaa  j>ii>cibus  uiagul'>  ut  pufis  i»  uinnte,    qai  n 


1  llif  het  ilip-f  /ierile  reilJ^'  ein  emh',  die  -lo  hef  ye.'i'il  '-.m  ■le:»nif  fienln' 
fthe,  ,u.-l  hchhenl  wi  hkn^h  'inne  ::)  redflen.l,-  v>.n  den  meH«ehen,  die  :!■' 
iivnnende  shif    »//V  de,„„,e  fiinfthen  feUt.  :l    llie  hei  die."/  fünfüie  redde  v„« 

'//•'M-iiie  f'iiifl/ieii  frlxr  ein  ende,  und  helibenl  hienocli  itnne  Z'i  itddf>ide  i"»  dt« 
me,i,<ehen,    die    d:    „ffe    demn-e    wh>-le,<    feW    „-m-neade    sinl.  :,    llie  hl  d>.'i 

KfhftC  rede  vo-i  <liwme  xe/i^fen  fei','  ein  einde,  und  lieliel  n>i  hieiKjrh  .ine.  :■• 
redtmlc  rm,  den   „le.i^rhen,  die  <iffe  deme  füllend,-,,  fehe  mme.ide.  f!„l.  '.  Ihr 

hei  dise  g,\lieiidf  rede  von  di^emr  ».ihenden  feUr  ein  ende,  und  hebet  n>i  liien-ek 
nne  ;</  i-.-dende  ciin  den  men^ehni,  die  d-i  tconende  niiil  iiffe  deine  tihslen  (A^t. 
Jil  llir  hef  die  a/isle  if'f  roii  di'^eine  <i)i«tfn  feUe  ein  ende,  und  h-bel  hieno-li 
•nie.  2"  redende  f-i  d.:n  men'Chen,  die  da  iiff,-  deine  utiiiden  feixe  tc-iiendf  'inl, 
do  der  ..(■.■</"-"'ij)  nffrbUekende  i.tt.  \-i  S,liiiii,ii,   SK.  I-J:;/1J:1   .\iiiii,.rkinii; :   Di-'^ 

hiiuleiri'e  rede  iai,  wi«  dir/'s  inen.'ehp  roii  gol  belicimyen  wart,  d-iz  er  ■■'elhir 
iniifle  nehen  in   den    inv/irunii ;    .mt-iiik-lii   in    H-.  A  <A..:i,   :i7'll.  ir.-iO    lii.-: 

.liiiiilmiis  /iv.rcliNifirig..  ri,cr.ftirilt  M\\l  li.  i  ^s.  Iinii.lt  ^.  1  In  /.  IT/IS,  ...boi.so   in    H-.  .1, 

~/indil  .-..-(imi.JI.  S.   I4(i  /.  1--lHi   ■^'■\<M-. 


mei  ipsius  intoncione  st  smora  usque  in  tlnem  fit«.  Cunque  bic  libat  esset  Hnitu^, 
impIsTit  domiDUB,  quod  proinieerat:  himc  hominani  enim  coUptais&rant  st  tun  do- 
lent«r  ttibulaTorat  qnod  aun  ent  luodus,  iiiBDp«r  consustiB  coBBalacionlbos  apiritua- 
libus  et  iatemis  ^udlis  prorsDa  spoliarerBt  et  rBliqait  honiiaeu  nadum  inopeni  »t 
•   uiiseruni  et  in  terris  dagentani. 

Hie  hämo  jncepit  hunc  librum  in  tbeutunica  aciiber«  in  leiuaio.  Datom  mao 
diimiDi   niillesltDii  CCC°  quinquagetiino  secnndo  et  CDnBDtnmatuE  e^t. 

Na  Ullas  studeat  eiiploraie  hniic  bouiinem,  qui  istiim  libnim  diriDitui  edidlt,. 
quia  bic  hämo  sperat,  ut  iacainiitiiB  legaDtibus  aunuente  deo  tnaalbit.  Itam  qnl- 
cuuque  bunc  librum  integre  vult  intelligere  studeat  Uloni  a  principio  usque^ad  üaem 
attante  peclegere  et  sie  poterit  in  ou  eipedicius  proflverc. 

Explieit  über  de  nOTem  rupibns. 


2. 
Drei  Nachtragskapitel. 

Item  octogesimnm  seitam  capitnlam  est  deeima  hnios  libiiKapi 

>  materia  et  est  aensDS  sab  brevibus  conprebeasos  ex  libro  theotonico,  qni  2  Ki 
tractat  de  daobus  ia^enibas  qniDdecim  annoram  pueris,  in  qao  scriptam  con- 
tiuetur,  qn(iiDodo dilectus dei  amicns  in  snperioribDS  partibas,  Büleraauni 
Merswin  nostri  fundatoris  familiaris  coUega  et  socins,  inveDtatem  suam 
livendo  dftdniit,  qaomodo  pater  ipsins  eam  secum  duiit  ad  remotas  et  alienas 

I  patrias  docens  eam  uiercimonia  eiercere,  et  qaomodo  pust  molta  animobene- 
placitaet  volaptates  anumgrande  miraculam  sibi  evenit:  qnedam  enirn  crnx 
lignea  iDcliaavit  se  inferins  versna  eom,  dum  orando  coram  eo  gena  flecterei 
propter  eandem  eciam  causam  abrenonciavit  liceociatiTe  secolo  et  ooi&ibns 
creataris  et  omnibos  volaptatibna  nature,  sicnt  Über  tiactat,  cnias  senaos  et 

>  materia  bic  incipit  diceDS : 

TemporibQS  enirn  illis  qaibns  dei  amicns  in  snperioribaa  parübos  Bnle- 
mannoHerswin  amica  familiaritate  comunctus  iavenls  paer  qoindecim 
Tidelicit  annonim  foit,  tnnc  pater  ipsias  ad  remotas  eam  partes  dniit  et  do- 
cait  enm  in  mercimoDÜs  se  eiekere.    Nobilis  aatem  militis  filias  eiasdem 

I  etatia  scilicet  qaindeciro  anDornm  factns  est  eios  socins.  Idem  aotem  miles 
Slinm  saoro  predictnm  doiit  ad  seculnm,  ad  hastlndia  scilicet  et  tomeamenta, 
in  qaibas  homines  armnrnm  commaniter  se  solent  occapare.  Dam  aotem 
ÜAetD  dno  invenes  econtra  in  locam  nativitatis  reversi  sont  ad  invicem,  ma- 
^am  et  valde  familiärem  amicicism  ad  invicem  babnenint  diligentes  se 

•  matno  et  fldeles  sibi  invicem  existentes.   Amicabili  igitor  Bocietate  sie  dn- 


K-JS  rgl.  Schmidt  S.  U7  i.  1  ff.  iiiid    .il.oii    :t9-iO.;l.-|.         14  S.'.  rot.    Di"sas 
Kapital  iat   du   86.  das   tiroUeti    Lateinlacliun    Menii>rial>    und    gibt  dau   luhalt  das 


l5«* 

rante  qnatuor  annis  et  multum  proäcieut«  acoidit,  nt  pater  et  mater  merrs- 
toris  predictri  morerentor,  ssbstiinciam  rernm  etboiiornm  iQßDitam  sibi  relir- 
qnentes,  inUntom  qnod  abreDniiciaTit  IucHh  merciniouioram  et  eitait«*  fsctns 
>  est  totalis  et  integer  atnicos  |  ßUi  nobilis  predicti  «t  sotias.  Ceperattt  aDt«iii 
iidem  dnü  iuvenes  eitunc  ad  bastladia  et  tornGanienla  et  ad  alia  iu  qnibo» 
grentiles  li<inuD«s  se  solent  eiercere  eqaitare  et  extQUc  cari  et  precipai  apud 
Robiles  niQUeres  bab«ri  ea  de  caasa,  qnia  ipsi  eas  sepe  aaper  fontes  inrita- 
bant  ot  in  ortos  roagnas  delicias  eis  preparantes. 

Nee  dfl  eipensis  sie  factis  cnrabant,  qaia  anibu  valde  dirites  erant 
tenporalia  matta  p'^sidentes.  Da«  aatem  valde  spcciuso  Tir^af^spredareet  i 
nobiles  .eos  daos  aniniü  «t  cordi»  diligere  cepeniiit  et  in  tantum  so  amavomnt, 
qnod  qaafi  corda  ipsoram  inTicem  penlere  ceperont,  inteccio  tanen  omnimn 
qnataar  non  ad  peccata  Ben  vicia,  sed  ad  bonores  erat.  Nobilis  tarnen  prediftn.« 
statim  cum  amicis  virginis  sibi  prodilecte  convenit  eamque  babuit  in  uxorem, 
eo  quod  eqaalis  nobilitatis  erant  et  generositatta ;  mercator  aatom  predictas  i 
DOQ  putait  cam  amicis  predicte  vlrginis  sibi  predilecte  onvenire,  nt  aibi 
eam  in  iixorem  acciperet,  eo  qnod  sibi  iu  genualogia  et  nobilitate  tneqnalis 
erat,    Virgo  tarnen  prodicla  sibi  predilecta  tsnto  tempore  et  tociens  cnm 
matre  su&  lücuta  est,  quud  amici  predicte  virginis  voluntatem  suam  in  hoc 
et  ad  boc  dedemnt,  at  eam  ia  ninrem  faaberet,  et  diem  assignaTenint  in  qaa  ■: 
tractatns  de  sponsalibns  haberi  deboret  et  oos  oodem  die  more  tnatrimoniBli 
ad  iiiTicem  ooninngere  vel  copulare.    De  boc  aatem  mercatvr  predictas  raldr 
gaodebat  et  iiiTitabat  omnes  socios  snos  de  sero,  qnod  d^  mane  aecoin  id 
spoDsalia  prnmittenda  ire  deberent.    Consuetn-Io  aut^'m  ciiisdem  meroatori; 
erat,  quod  a.  inventnte  sna  cum  magno  conatn  mortem  dumiiii  nostri  Jhfsa  .' 
Cliristi  cettidie   invocabat  necnuii    et    conpassionem  beate  Marie  virginis. 
eami|ue  rogabat,  nt  filius  suns  et  ipsa  sibi  vitam  adoptarent  secundam  volun- 
tatem snam  magis  beneplacitam  sive  in  Itge  niatrimoniali  si^e  extra  matri- 
monium;  eciam  quamcumque  vitam  sciret,  quam  ab  eo  Üben ter  habere  vel lent. 
illam  sibi  libenter  assumero  vellet,  sive  sibi  plaeeret  sive  diapliceret,  sive  ■• 
eciam  malum  sive  bonum  exinde  deberet  assequi.   Et  antequum  a  tali  vita 
deo  et  beate  Marie  beneplacita  vellet  discfdero,  perprius  mortem  snstinere 
vellet  ad  honorem   passionis  et  coiipassionis  domini  nostri  Jhesu  Christi  et 
dili'cte  matris  sue.    Et  dam  idem  iuvenis  votum  predictom  novissima  noct« 
anti:  festa  sua  sponsalia  celebraiida  iterum  more  suo  sulito  in   camera  sd3  " 
lum  una    candela    accensa    coram  lignea    cruce  prusoqneretnr,    inspiciens 
crucem  vidit,   quod  eadem  crnx  lignea,  martyrii  Christi  jinago,  se  quasi 
ad   ipsum   appodiando    inclinavit   et    ad    ipsum    valdc  dalci   et  Icni    voce 
disit:  surge  et  derolinque  seculum  et  recipe  crucem  soper  te  et  seqoerf 
mi*.     Continao  autom  elevavit  se  predicta  crncis  yniago  et  nullus  sermo  ' 
amplius  est  habitus.     Hec  autem  verba  crucis  ad  eura  facta  adeo  in  corde 
Silo  luerunt  dukia,  quod  virginis  predicto  sibi  desponsande  et  tocins  socoli 


57- 

eUitns  «st.  Haue  utem  facto  ideni  iirrenii  kbrM)iuiei»Tit  { bore  deepoo-  47'* 
iMioDia  tracUnde  amieisqiu  virpnis  desponsande  dbi,  at  dici  wasit  qwd 
■poBsalia  tnctiada  effectnm  proseqDi  Dunposseat  leüs  aaten  sie  sehabea- 
tibvs  nabjlis  pndictu  eins  socios  in  traDsmarinis  partibus  iu»  füret  et 
nrers»  ent  et  niles  factos  et  magnifice  Talde  in  omnibns  aecilaribns  Dago- .. 
eüa  profecit  et  cansis  et  in  onmi  secnlari  seDBoali  sapiencia  pradeBiüa  Tel 
astacia  et  decidit  quam  mnltipliciter  extra  Dataralem  amorem  det  et  amiei- 
ciam  in  baios  secaii  vicia  irrampendo. 

Econtra  antem  bic  mercator  predictns  eins  socios  magis  et  quam  for- 
tinime  in  dai  amore  profecit  et  in  omnibos  Tirtntibns,  in  tantam  qnod  in 
breribas  annis  ratde  deo  carns  et f amiliaria  amicas  factns  fbit,  in  qno  rtdess 
magna  et  sapemataralia  g^andivea  et  occalta  opera  operatna  est;  ab  inbotia 
eoim  aliqaantalDm  secnm  crevit  timor  doiniui  et  memoria  passionia  domini 
DOetriJbüse Christi,  Con3eqnent«r  eciam  in  eodem  libro  theatonico  acriptum 
reperitnr,  qnot  adversitatas  et  obprobria  hie  predilectns  mercatot  a  milite 
prödicto  de  transmarinis  partihns  novitei  reverso,  eins  tarnen  perprint  socio, 
pasaoa  fnerit,  anteqoam  dei  misericordia  preyeniente  ad  hoc  enndem  railitem 
perdoxit,  nt  a  peccatis  suis  eonverteretar.  Bxtraneos  eciam  et  alianos  et 
delectabilis  senno  est,  qnomodo  idem  mercator  dyabolnni  ad  hoc  coegit,  at 
sibi  diceret  omnia  grandia,  graTla  et  occalta  peccata  et  defectns,  qatbos 
niles  predictns  perpleias  easet,  proat  idem  miles  posteamst  confessu)  eat 
nee  negare  potoit  nee  scivit  et  magnam  contricionem  soper  hninsmodi  pec- 
eate  in  poster am  haboit  et  graciosnidei  amicnsfactas  est;  beata  enim  virgo 
ad  hoc  eom  ioTit,  sicnt  in  eodem  libro  theatonico  plenios  scriptum  inTeDitair. 

(^liter  eidem  speciose  et  oobtli  virgini  sponse  tt  amice  predicti  mer- 
catoris  incceeserit,  noo  est  scriptum  in  aliqno  librornm  predictomra.  Ideni 
tvnen  mercator  mann  sna  propria  scripait  nni  sacerdotnm,  qai  primo  Viri- 
d^-Iaaalam  inhabitavernnt  qoandam  litteram,  in  qaa  eontinebator,  qOod 
eadem  nobilis  vii^pvat  hocbrevi  tempore  com  soo  confeasors  ordinavit,  nt 
mitteret  pro  predieto  mercatore  sno  amico,  nt  veniret  ad  quandam  domam, 
in  qna  et  ipsa  Tirgo  presenciabter  erat.  Qnando  vero  in  eandem  domnm 
mereatur  predictca  veDit,  valde  territna  fnit,  dam  eam  Tidit.  Ipsa  aatem 
lacrimaatibiia  ocilis  enm  allocota  est  dicens:  Ach  predileete,  die  miehi  ai 
contra  te  aliqno  mode  unqnam  feci,  qnod  taliter  me  derelinqneredeereriati? 
Asdieaa  uitem  mercator  predictoa  verba  hniaamudi  lacrimatos  est  dioans: 
NoB  tan  firfgo,  aed  me  deaponsavi  alteri,  qoe  longe  specLosior,  kinge  nobi- 
üor  «t  dieior,  qiam  tm  «tis,  est ;  et  bec  est  dilecta  mater  deL  Ipaa  aatem 
Kontra  enm  allocnta  est  dicens :  et  si  aunt  vcra,  qne  dicie,  attamen  a  te  noio 
iiridi  vsl  discrepare,  et  ncat  t&  te  deaponsasti  enm  matre  dei.  ita  et  ego 
Mb  om  fiUo  eina  |  despoiuabo,  et  ndpe  omnia  elmodla  mM  *t  da  ea  amore  4S' 
■m  tptoA  Uli  dai.  Post  hoc  antem  Ttrgo  predicta  noTem  annii  sa  in  om- 
BÜMi  Tkivtilma  axerenit  et  tnne  migrarit  a  secnlo  in  tali  deroeione  qnod 
ipenti  4jaoi  nme  eoram  deo  magna  sit  aancta, 


Hviasmudi  igitur  ettaUa  solaciösa  lUToa  elit^ä  «emphria  et  super- 
tiaturalia  et  magna  miracuUi  societati  Viridis-Insule  mnltipüciter  et  mnlto- 
uiens  in  quatnortlecim  primiB  anitis  ab  illo  gracioso  mercatore  et  dei  amieo 
pro  prinrlpio  scripta  sunt  in  libris  et  litteris,  qiii  primitas  in  tabnia  presenlis 
libri  nominati  et  iatylnlati  snnt,  qne  quideiD  tabula  directive  informat,  qm  : 
ordinacione  iidem  libri  i'ollecti  sint,  et  in  quibuä  loris  udb  qiieque  mauria 
scripta  reperiatiir. 


tpitcl  f7  Octogesimuniseptimiim  capitulnm  tractat  de  nltimis  litteris 

missivia,  qaas  predilectus  dei  aaiiciis  in  snperioribus  partibus  hac  iiiforins 
transmisit  Bülmanno  Mcrsnin  et  fratribiis  Viridis- In snte.  i 

Hoc  eciatn  idem  nltimum  capitulnm  ammonet  et  avisat  omnes  Viridis- 
Insule  fratres  et  pcrsonas,  quud  aibi ipsis  illam  magnam  graciam  loncessam 
iien  amittant  cum  ingralitndino,  unde  plagari  et  vindicari  tempi>ralit«r  et 
eleniaiiter  possent. 
HTJi^n  Sub  anno  igitur  domiui  millesimo  trecentesimo  septnagesimo  nono  et  \ 

sequenti  anno  sciliwt  LXXX",  quandoscisma  eccleaie  et  romane  aedis  ortum 
est  de  duobus  pro  papatn  contendentibua,  Urbauo  ariliret  et  ClemeDt«m  se 
iioroinante,  haicdei  amico  m-cnon  et  aliisdei  amicisin  communi  mudo  valde' 
magna  aünea  supematuralia  miracula  et  nrirabilla  multocieus  successive 
eqiiali  fonna  et  nniformi  modo  revelata  sunt,  sicut  ipse  idem  mercator  Bäl-  i 
manno  Herswin  et  fratribns  Viridis-Iiisnle  in  altiraa  suo  äuriptare 
litt«ra  scripsit  de  snspensionibus  plagarnm  dei  et  de  tribulacionibus.  inqiii- 
bus  ec'<'lcsia  dei  prouiim  est  et  multis  annis  foit  in  tremendo  tinwri'  aiit« 
colestem  patrem.  Consnlit  eciani  idem  tnercator  ibidem  cum  magno  conatu 
vi  studio  omnilius  suis  amicis,  quod  in  istis  ultimis  periculosis  temporibns  .' 
Mulla  nocte  unquam  lectnm  intrare  deberent  iiisi  com  tali  sincera  et  inno- 
CButi  consciencia  sicut  vel  in  qua  libenter  velieiit  de  hac  vita  inigrare  et 
sepalcliram  ingredi. 

Duonim  igitur  tuuilaturum  vita.  forum  libri  et  littere  de  diversis  matv 
riis  sunl,  ut  prescriptum  est:  omnes  tarnen  libri  concordaut  in  unum  sensum,  i' 
videlicct  quam  aliena  via  per  multiplices  magnas  passionales  temptacione; 
domiiiiis  no:it(-r  suos  electos  dedocit  secundimi  qnod  in  sua  eterna  sapiencin 
discernit.  qui'l  unicuiqu<'  attinet  vel  Dcccssarium  est.  Que  ouinia  nobi^  dt" 
bellt  pss"  doctriiiii  i^t  qoomodo  iios  (i>nero  et  sustiiiere  debeamus  in  omni  e« 
'liioii  iLiiljis  accidet  al)  iiitrii  vel  ab  extra,  sieut  eciam  amborum  intj.'ncio  lau  ■"' 
in  iimitabili  scriptura  predicta. 

l'redik'Cti  igitur  fratres  et  persone,  qui  vel  que  nimc  vd  in  posterum 

-ts''   UM[)u;im  inltieoisto  rongreigabimiiii.  magiianim  graciarum  prcdictirum  non 

■iitis  immemores  ncc  ingrati.  ut  vobis  eternum  fructuni  afferant.     Et  cum 

magna  Kradarnm  actione  considerate  et  extra  coi  vostrum  cum  frequeiiti  et  m 

^tabili  latidc  nunquam  cadere  obliviscendo  perinittite  grande  subsidium  i-t 


boDiuD  adTenta^iam  et  6deles  advocatos  et  intercessores,  quos  in  eterna  vita 
babetis  coraiD  celesti  patre  in  istis  daobnE  curis  et  sanctJs  fandatoribas  vobis 
Gdelibas  et  amicabilibas  patribas,  qoe  omnia  vos  roerito  etemaliter  in  omoi 
adfersitate  coDsolari  et  confortare  debent,  qaod  onDquam  dyabolnm  relnata- 

'i  ram  Testram  permittatis  leviter  tus  in  pace  vestra  disgregare  vel  destroere 
et  ilUns  magne  gracie  capacitate  priTari.  Stndete  eciam  qnod  omnipotentis 
et  eteme  trinitatis  domum  in  tali  honore  teneatis  et  tali  fidelitate  eam  tnc- 
tetis,  ut  non  inctdatis  id  ingratitadinem  et  in  iDdignacionem  dignornm  et 
ma^ificorum  bonim  patronoroin  et  eitra  commanitatem  et  familiaritatem 

n  hornin  predilectorum  et  aanctorum  fnndatornm  et  dilect«  bic  con^^regate  soe 
societatis,  propter  qaod  eciam  etemaliter  possetis  plagas  anstinere  et  in 
tempore  isto  moleslah  cam  defectibus  et  nniltiplicibns  corpuralibus  nec«HSi- 
tatibus  et  temporalibns  bonis  privari,  sicat  alüs  ordlnibns  vestris  predecesso- 
ribns  vei  vos  precedentibns  alias  factam  est  in  loco  isto  Viridia-Insnle.  Omni- 

I  potens  eterna  trinitas  saperlandabilis  et  landandns  digims  patronus,  qni  Tel 
qae  novi  bnins  edificii  et  hnins  honeste  aociotatis  principiam  fait  et  initlDin, 
potestatem  babuat  et  posse  medii  et  tlnis  haias  etemaliter  secondnm  snam 
landem  et  nostrani  necessitatem.     Amen. 


OctogesiiDDin  octavooi  capitolum  tractat  de- vita  sea  moä'is Kapitd  8 

ut  vivendi  nntua  nigri  monachi  de  ordine  sancti  Itenedirtl,  qni  in  primis  anti- 
qais  temporibns  habitavit  in  loco  Viridis-lnsule,  postquam  idem  locus  regi- 
mini  monacbornm  de  Äitdorf  fnit  commandatus,  sicut  unus prescriptoriim 
dnonuB  antiquorum  sacerdotum  de  Altdorf  eiusdem  ordinis  sancti  Benedict! 
Dni  Jobannitarnm  commoranti  iD  Viridi-lnsala  dedit  in  scrtptis  in  uctava 

!.-.  beati  Stepbani  anno  a  nativitate  domtni  miUesimo  trecentesimo  octnagesimo      1S8S 
qointo  ad  maiorem  noticiam  et  testificacionem,  quod  locus  Viridis-lnsule  in 
magna  sanctitate  ab  antiquo  usque  ad  teinpora  ista  dednctus  est  et  inhabi- 
tatns,  pront  eciam  idem  duo  antiqui  octogenarii  sacerdutes  de  Altdorf 
per  antea  dicnnt  et  testificantur  nono  capitulo  bnius  presentjs  libri,  et  sie 

10  describitur; 

Frater  Burgbardus  hamilimus  et  oraninm  infimus  fra- 
tri  NLcbolao  salutem. 

Dignnm  duii  vestre  caritati  manifestare,  qne  revelata  sunt  miclii  a 
senioribns  nosth  monasterii  de  persona  subscripta  qnam  noverunt  et  vide- 

lö  ront    Fnit  in  eo  monasterio  sancte  Trinitatis  monachus  qnidain  de  ordine 
sancti  Benedicti  nomine  Üdalricns,  vir  simplei  et  rectos  ac  timens  denm, 
qo)  bababat  cellam  [  constructam  sibi  in  ecclesia  sancte  Trinitatis,  in  qua  49' 
vacabst  ontionibas,  vigilüs,  ieianeis  et  obsecracionibns  serviena  domino  die 
noctaqne.  Habebst  antem  de  consaetudine  oportnno  tempore  intrare  civitatem 

i<i  et  par  prins  orabat  psalteriom  ante  ingressnm  civitatis,  nt  dens  defenderet 

IV-^iO   rot         SR  Tgl.   1:1*5         i^    p.'nidiit   i>l    ilfts  9.  üipiMl    dvr  Cliraiiik 


«um  a  visu  et  anäitu  et  actiODe  maie  rei  in  qna  posset  mac-nlari.  Item  con- 
stietudo  fuit  iit  eo  monastt^rio  saiicte  TrinitatLs,  itt  homiues  a  demonibus 
possessi  odducerentnr  at  liberureatur  per  sufFragia  sanctoruni.  Contlgit  igi- 
Inr  iiDR  die  quud  adductus  est  homo  veiatua  a  multis  demonibus,  et  sac«rdas 
um  pro  tempore  destinatiia  fuerat  ad  i^oQuirandiim  homines  eiportavit  saiii>  I 
tuarium  ibidem  et  i'oniurarit  honiiuem  multis  oracionib'is.  MuHi  aut« 
liomiDes  afTueriiiit  ad  hoc  npaa.  Predictus  quoque  frnter  l'datricu«  latebtt 
clausus  in  <'«lla  siia  onmibas  ignnraittibus  multnm  orans  deam  pro  homioe 
male  Teiato,  ut  überaretur.  Demon  tlamabat  de  homiiie  ad  sacerdoteoi  qui 
•«niuracioneä  legebat  sie  dicens:  (.'onitir&ciones  tue  et  oraciones  tue  miDinie  lu 
me  raiitarbant;  in  suporiori  (.-«IIa  est  quidam  clausus  cuius  oratiooes  me 
intendunt  ubique,  el  ea  propter  oportet  me  ab  homiBe  eiire.  Et  statim  ei- 
pulsus  est,  inmundus  spiritas  ab  liomiDe  et  liberatus  ext  Uulta  bana  opers- 
tus  est  predii-tua  Üdalrictis  qua  nota  sunt  de<>  et  latent  homines.  Et  post- 
quam  mi^avit  a  seculo,  sepultns  est  retro  altare  saucte  Tricitatis  extra  muroj  l*< 
<:bori  scilicet  ante  fcssata  civitatis  iut«r  peribolum  seu  transitam  tsE  pervium 
saeiislie,  que  post  idero  tempus  edificata  est  cum  alio  doto  edificio,  sicul 
prescriptum  est  in  sexto  capitiilo  presentis  libri,  qui  adbiic  snperest  et  manct 
in  etemum. 


Schluss. 

Dis  gegenwerttgc  buch  von  den  nun  veilsen  und  noch  ein  buch  mit  ■:'• 
abto  sexteriien  in  discr  forme  und  grosse  ist  die  ernuweraoge  und  der  Stifter 
leben  und  die  andern  materien,  die  von  erst  usser  dem  tutsche  zi'i  latine  ge- 
scbriben  wurdent  und  über  blibent  an  den  drien  urlii'inde  biichern  deshuses 
zu  dem  tirünenwerde  von  sacbe  wegen,  alse  die  roltrii;ke  seit,  dieziivi'r- 
derst  inir  iegelicheme  geschriben  stot  mit  eimo  florierten  H.  - 

Dise  selben  :wp_v  ersten  über  blibene  latine  bncber  sint  bem' met  und  ge- 
meinet allen  gotfirhtigen  gelerten  personen,  die  gerne  latine  lesent  DDdniit 
minne  hant  zu  tiitschen  biichern  und  oucb  gerne  die  weit  fluhent  und  ir  leben 
bessertent:  den  sol  man  sii  liiien  zii  welber  zit  es  die  drie  weltlichen  pflegere  oder 
andere  erbero  güthertzige  liile  begerent  und  vorderut  an  den  coramendure  oder 
an  sintn  statlnlter  der  an  d  c  bri  lere  den  lie  sdben  buchere  hefolbcn  wer- 
den!, düiuliabent  ettlithi  crberep  r  ^nonlr  alm  sen  gegeben  und  die  selben 
biidierebeli  stigotund^emaht  inscle(,ercte^  wüe  ne  schaden  des  eiventes. 
'  umb  das  die  dne  weltlichen  pfl  gere  i  nth  gewalt  iirnbei  haben  s  llent  sii 
US  YAi  liliende  «  unl  weihen  Inten  mi  truwent  dis  es  nutze  sige  und  frnht  ■: 
bringe  noch  dem  ahe  es  n-s  dem  heiligen  geiste  durch  die  erlnhteten  ge- 
boren gl  tt  s  frinde  ge  rdent  und  g  meinet  ist  und    ch  dise  iy.e\  überbli- 


6!- 

Imim  latine  bächer  sageot,  dio  do  concordiwent  and  glich«  hellent  in  M»a 
den  maUrien,  aUe  es  die  Tor^sehribeneD  drte  weHJiehsn  p&eg«re  zi  tatsch» 
gescbriben  haut  ir  iegelicher  in  eime  ssadem  buche,  dad  ine  und  allen 
sinen nochknniineii der  selben  pficj^rigen  lüdem  Grönenwerde  ewiklicbe 

:>  tä  griiüret  und  bliben  sol.  die  selben  drie  weltlichen  pflegere  oaeh  alle  üt 
besorget  sülleiit  sin,  das  in  die  zwey  nber  blibene  laüne  büeher  widemab  ' 
geantwortet  werdent,  alse  dicke  so  sn  ir  eins  oder  beide  nd  oder  harnach  in 
solicherwiseieraernsgelihent.  dammb  wanne  sä  «il  übte  nüt  alle  latine  Ter- 
stont,  90  ist  dnrch  tren  willen  dise  ordennnge  zu  tntscb  bie  gescbriben  nsd 

Kl  onch  in  das  ander  latine  bßch,  dobi  an  dise  bncber  beide  bekennen  mügent 
und  gevordem  knnnent,  so  anwellect,  and  snoncbmit  desto  grössere  mione 
bewarent  nnd  behätent  zu  eime  gebesse rlichen  exemplar  aller  gutwilliger 
gelerter  Inte  and  das  sq  dnrcb  die  materien  gemanet  werdent  an  die  gnm- 
delose  erbermede  gottes,  wie  mit  so  gar  manigeme  frömedem  farwnrffe  er 

iä  ona  alle  gerne  begobeto  nnd  begnadete  nnd  ewiklicbe  behielte,  vil  liht«wat- 
dent  eltliche  dardnrcb  gezogen  zä  eime  gi)ttelichen  bekanlen  lebende,  nffe 
das  oueh  dise  selben  bncber  fandiert  sint ;  wanne  sn  sagent  den  aoefang  nnd 
die  ordennnge  nnd  allelüiffe  des  bnses  zudem  Qrnnenwerde,  wie  es  von 
alter  bar  ist  kummen  in  grosser  gnodenricher  wirdikeit  ie  ns  eime  stamme 

!«  in  den  andern  von  dem  aller  ersten  arsprnnge  nnt/.e  in  sancte  Johann  orden, 
nnd  geaüftet  dnrch  die  erlnbteten  frnnde  gottes  zu  eime  flahtbnse  nffe  dri« 
weltliche  pflegere,  die  es  haben  nnd  tragen  sdllent  in  der  rerbriefeton  ge- 
schribenen  ordenonge  alse  drie  nnterstiitzete  pfiler.  weihe  onch  iemer  darza 
»rwelet  werdent,  die  mügent  es  von  gotte  för  eine  sondere  gobe  nemmen, 

i'>  der  sä  nnt  nnahtsam  sin  9r>llent  von  der  frnhte  wegen,  die  in  one  allen 
iwifel  ewiklicbe  dardnrcb  volgende  wnrt,  des  sü  nrknndes  rebte  gnüg  ge~ 
schriben  rindent  in  disen  gegenwertigen  bücbern,  das  onch  andere  gar 
schin liebe  zeichen  gar  mergliche  wisent,  wellent  wir  irwamemmen  nnd  mit 
Tersameltem  gennte  and  besehe idenheit  ane  sehen,  wie  die  Stifter  SO  gar  in- 

^0  gezogene  verborgene  beimelicbet'nindB  gottes  worent,  nbemalnrlicb  begobet. 
Tol  inbrünstiger  minnender  inbilierendor  früiden  mit  eime  steten  inflosse 
and  forsmacke  göttelicbes  niessendes  nnd  innerliches  frfjidenriches  trostes 
und  himelscber  fürküstonge  über  alle  sinnelicbe  natürliche  vemnnft,  in  dem 
in  gewönlicbe  gar  vil  lüstlicher  frümeder  wander  geuffenboret  wnrdent.  von 

U  allen  den  selben  überaaturlicben  iubüierenden  fri'iden  und  bevintlicheme  löst- 
licheme  fruidenrichen  tröste  sü  sieb  ns  keren  müstent  vil  iore  imd  zitlicben 
kttsiber  nnd  gescbeffede  haben  müstent  mit  der  weite  nnd  mit  weltlichen 
sachra  nnd  mit  maniger  widerwertiger  üsserlicber  verbildnnge,  ebe  sü  das 
hna  nnd  die  hofestat  zu  dem  Orünenwerde  ie  möhtent  erwerben,  gebnven 

10  snd  beBetsaa  in  die  gött«|liche  ordenonge,  alse  in  zu  erkennende  gegeben  i 
wart,  in  dem  as  öch  stnnt  und  voUebroht  wart,  ebe  sü  ns  der  zit  schiedent, 
das  in  eine  eilende  swere  pine  und  äbnnge  was,  in  der  sn  sich  nnt  gerne 
gelitt«D  bettent  junb  allen  woUnst  nnd  ere  und  gut,  das  alle  die  weit  ge- 


C2* 

leisten  mag,  were  es  rüt  ein  sÜDderlich  werg  gottes  gesin,  daa  er  voniu 
haben  wolte  nud  $in  müste,  alse  si'i  wüI  befnndent  iu  grossen  mirackeln  und 
iu  grusseme  tracke  und  getrenge  der  nataren. 

Nu  mag  maa  ouch  noch  me  arküodes  mercken  and  verston  dis  gutUs 
warckes,  so  man  aoo  siht  den  schi'men  grossen  liistlicheu  gebn  des  hnses  und   ■ 
die  erlicbe  kostliche  gezierde  der  kyrchen  und  des  gottes  dienstes,  der  su  gar 
kilrtzliche  uf  ging  und  zu  nam  in  dem  ersten  auefatige  mit  anderre  lipUcher 
iiotdarft,  in  der  es  got  so  gar  v<'<lleklicbe  und  ge u ab tsatnik liebe  versorget^ 
and  versach  and  es  onch  ewikliche  verseben  wil,  alse  lange  ein  erber  geisilich 
leben  darinne  gehalten  wnrt,  und  die  drie  pfleget,  die  man  nennen  mag  irit  i' 
pfilur,  in  rehten  giMtelichen  trawen  vestikliche  darnnder  stonda  bUbent.  aber 
211  welber  zit  ir  einre  iemer  entwichet  and  abe  vellet  von  nrdratze  oder  ven 
widerdriesse  nod  nüt  in  fnintlicber  minaesammer  einmiitikeit  der  bn'ider 
gestet  nacb  der  Stifter  meinnnge,  so  ist  zu  vörht-ende,  das  der  gebu  und  das 
fandameut  der  selben  geistlichen  erberkeit  ond  ernestlicher  behätsamkeit  al-  i' 
zilmole  zerst'iret  und  zerfallende  werde,  alse  me  bescliehen  ist  und  noch  vil 
geschiht  iu  allen  klöstern  und  biisern  des  selben  sancte  Juhans  erden  und 
aller  iVdene  und  geistlicher  sammenunge,  alse  man  wul  priifeii  und  mercken 
mag  in  dem  mittele  und  in  dem  ende,  die  leider  gar  ungelich  sint  nnd  nn- 
gelich  gerotent  werden  irme  ersten  anefango  in  demutiger  gehursame,  in  ■:' 
einvaltiger  luterkeit,  in  gewilliger  armüt  and  in  den  andern  tagenden,  die 
zu  eime  geurdenten  geistlichen  lebende  gebörent  und  sünderliche  in  disen 
lündersten  ziten  iiUer  meist  hüser  und  klnster  verderben!  und  zergont,  die 
mit  weltliches  anderstandes  noch  getrnwes  zusehendes  hant,  darns  onch  dise 
pflegerige  von  den  fründen  gottes  ane  gi.'seben  w;irt  in  aller  wise  und  orde-  . 
nunge,  also  hievur  geschriben  stot  und  di^r  brief  seit,  danunb  s^Mlent  die  piie- 
gere  durch  got  alles  glimppfes  voren  und  den  urden  noch  des  selben  huses 
bnidere  mit  trengen  noch  besworen  mit  keinre  fr''imeder  unzimelicher  vorde- 
ruiige,  das  ir  brief  nüt  inne  bet,  durch  das  sü  ewickliche  in  früntschaftfu 
und  in  miniien  der  bnidere  blibent.  in  keinrc  andern  wise  mag  die  selbe  erde-  '■ 
nange  und  die  behiitsammu  erbcro  geselleschaft  biis  geston  liplichc  nud 
geistliche:  wanne  woltent  die  pficgere  sich  vaste  stnissen  nnd  onfrnntlichp 
gebiiren  und  dt'n  orden  vil  bekumbern  und  bpsneren  mit  unredelich-.'r  vurde- 
runge  und  anesproehe.  do  sit  nüt  reUt  zu  heitent:  so  mabtent  sü  in  seltner 
grossen  ungclimpf,   das  der  ordcn  deste  ungewilliger   und  widerspeniger  ■■' 
n  urde  die  schuldigen  artickele  des  besigelteu  briefes  m  haltende,  dnrus '  imih 
danne  ents|irünge  und  uf  stünde  nit  und  blost  nnd  zweygunge  und  manigericy 
unfride  und  vieiitliche  afset;!e,  die  den  andebtigen  erlichen  gottesdienst  nl- 
züniole  zerst-'<rende  würde,  das  sin  das  lius  lipliclie  und  geistliche  v'rderben 
uiiiste.  diivon  die  almchtige  ewige  heilige  trivaltikeit.  Maria  die  wirdii'e  >■' 
muti'r  gottes,   die  hohen  himelfürsten  s^nictc  Jobans   Ijaptisl   und  suiicie 
.lijlians  Kttaiigelist  und  alle  lieben  eiigele,  die  li'ibelicbeii  gnodenricben  p^- 


ß:J* 

Ironen  nnd  erÜchen  hasttsiren,  ^smehet  nod  enteret  wiirdent,  das  von  in 
oiemer  nogerochen  noch  nDgepflnget  blibe.  die  ^ndelose  erbermede  Dosers 
lieben  herren  habe  es  in  irre  hüte  und  für  kämme  es  ewikÜcb  vor  alleme 
nngevelle  lipUche  and  geistlicbe.  Amen- 


Dis  sint  die  wotFen  dez  erwtrdigen  weltlichen  berren,  hern  marachalk 
Wernhers  von  Hiineburg,  derdaz  doster  zu  dem  Griioenwerde 
in  den  alten  aller  ersten  ziten  ane  vin^  und  von  nawem  nt  faiidierte  and 
stiftete  der  beiigen  trifaltikeit  zu  eren.  der  selbe  erste  Stifter  von  Hüaebari; 
ücb  begraben  lit  in  derselben  kirchen  zu  dem  Grjnenwerde  nnder  dem 

I  hindersten  glase  venster  vor  der  borkirchen  innewendig  an  der  alten  maren, 
die  in  den  convente  stosset  gegen  der  stnben  nnd  dem  dormenter.  nnd  waz 
ein  erlich  erbebet  grab  mit  eime  wissen  swanen  halse  in  eime  gohalbierten 
scbilte,  swartz  nnd  goltvar  darüber  gemolet,  nf  der  seltwn  stat,  do  nn  die 
fröwen  stüle  stont  and  dar  gemäht  wardent  bi  Büteman  Herswines 

I  ziten,  dez  andern  nocbgonden  Stifters,  der  <'>ch  den  selben  alten  gebu  ane  ving 
zu  emnwende  und  zd  verändernde  sab  anno  domini  UCCCLXVI,  also  die 
Urkunde  bächer  sagent,  sonderliche  dsz  aller  erste  vorgonde  blat  in  dem 
tatschen  orkünde  buche,  an  daz  selbe  erste  blat  '>ch  andersite  gemolet  itt 
dise  gegenwertigen  woCTen  des  obegenanten  ersten  Stifters  von  Hünebarg 

■  li  eime  ewigen  memoriale,  nmbe  daz  siner  gedehtnisse  niemer  vergessen 
werde,  wenne  es  ist  zu  gb^bende  bi  der  selben  gnodennchen  ersten  Stiftungen 
and  bi  sime  andehtigem  ernsthaften  kere  in  dem  ersten  cappitele  der  emn- 
wemnge  geschriben,  daz  er  ein  grosser  gottes  frünt  gewesen  sige,  in  dez 
gemeinsame  wir  billiche  gerne  sin  snllent.  Got  loss«  ans  sin  and  aller  siner 

>  nz  erweiten  lieben  frnnde  ewecliche  geniessen.     Amen. 


Wappei  4«  Werter  v«d   Hinebai^. 


.">-ä5  SehrifwhBttkf;  Nr.  10,  X.ui 
IS  d4rDnt«t  kvin  <Ui>  lir:ßt:  J'vati^cb--.  M-^u 
ittaden  seia         iS  ifl.   II'II. 


III. 

Das  Brief'buch. 


'  Dis    isl   da?,  lirief  iii'ichclin,  in   dem  vertiammeU 

sint  alle  die  mi*?syven,  die  der  liebe  verborgene 
gottes  fi-iint  inOberlant,  RiitcmanMerswinps  unsers 
Stifters  Müligen  lieimelicher  gp.selle,  ie  zi'i  mole  herabe 
geschriben  bet  den  prie-^tern  und  per^onen  zudem  ' 
(irdnenwerde  vonden  wercken  ^ottes  und  ettelicber 
frtimeder  offen  horunse  und  von  mani.izer  loige  ue- 
scliibt  iri's  und  oiicb  unscrs  ^ebuwf.-;,  wie  .sicli  die 
vi'rlnrren  liant  sider  der  zil,  daz  dis  lius  zn  dem 
CrtMHMiwcrdi'  warl  /  ü  dem  ersten  an  y  cianjzeii  zii  it-  ; 
iiuweiidr,  iilsn  e.-'  drr  vor^(>nanU'  Küleman  Mer^win 
von  den  von  AI  tdnrf  enpl'an^en  uTid  in  genoinen  lit'tte 
und  !■<  inil  sineii  wi^ltliclien  priestern  begatte,  liie 
darin  /u^cnt  uiui  ilii>  kircbo  aiic  fingeiit  zn  be>-ii)- 
;zeiidr  an  santc  I.u.n   tage  anmi  dnmiiii  M"  ccc"  iwj.  !■ 


II. 'I 


disi'i 


;..scbr 


und  /M   Intsdi 
liuitcn  husi'S  m   dem  (.Im  i 
Inriliyi'sli'n    .-jirin'',     (üü    in 
ncbnrrnt.     und  sint  vil   worl 


diHTO    ;. 


■crliL'i't 


Lind  ini^sivi'H  sint  cLlii-bc  zu  latiin' 
iii'  drii  nrkiindi'  bnt'bcr  d(;z  vnrLii- 
■nwrrdc,  doch  nnwcnt  die  not- 
'züiniillc  /ii  den  selben  inati-rii'ii 
und  sinne  nndervve;ien  blibe[),  dii'  - 
lüelii'    i;anlv:  i-iesebribcn   stunt    noch 


deouDge  der  materien,  alse  sü  noch  enander  gehörent  und  eine 
die  andere  wiset;  wie  doch  etliche  briefe  werdent  vorstonde, 
;  vil  bhte  zii  hinderste  koment  und  noch  der  daten  jünger 
it,  abe  den  nieman  irren  sol  in  vürwitziger  zwifelunge,  wenne 
sint  uf  daz  aUer  mercklicheste  noch  enander  geordent  mit 
"satze,  durch  daz  die  sinne  aller  menglich  verston  kümie  nu 
d  hamoch  ewicliche. 

Item  der  liebe  gottes  fpünt  in  Oberlant  mit  siner  geselle- G»«A»c**« 
b^  die  in  unsern  drien  Urkunde  büchern  zu  latine  und  zü'^*^^"'***- 
3ch  geschriben  stont  und  genennet  sint  die  fünf  manne,  vingent   '^ 
h  iren  gebu  an  unlange  vor  dem  beginne  unsers  gebuwes  zii 
m  Grünenwerde   und  der  vorgeschribenen  daten,    also  es 
ilman  Merswin  selber  seile  brüder  Clausen  von  Lüfen, 
i  wile  er  noch  denne  ein  weltlich  priesler  waz,  und  keine  bere- 
nge  beschehen  waz  mit  den  Johansern   von  dez  Grünen- 
3rdes  wegen,  daz  sü  darzü  kummen  soltent  und  dem  orden 
z  hus  von  Külman  Merswin  in  gegeben  solle  werden. 

Item   die   vorgenanlen   fi'inf    manne  worent  zu  den  selben     nre 
ea  seßhaft  bi  enander  in  einer  slat  zu  Oherlanden,  und  waz    *'*'**'■ 
nüt  fridelieh  noch  Irösllich,  daz  su  under  dem  gemeinen  volke    '"**"** 
wonunge  haben  soltent,  und  koment  es  mit  ernsüichem  ge- 
lte an  got,  daz  er  in  zii  verstonde  gebe,  wo  er  wolle,  daz  sü 
:  wonunge  machen  soltent,  do  sü  sich  aller  lidigest  und  abge- 
leidenlichest  gehalten  möhtent    do  wart  in  eins  nahtes  von 
Itc  geoffenbaret  und  zfi  verstonde  gegeben,  also  RiUman  Mer- 
fin  brüder  I  Clause  von  Löfen  seile,  daz  sü  soltent  irme  ]•> 
artzeo  hündelin  de/,  morgens  volgen  und  noch  gon,  wo  ez  hine 
Ige;  so  soltenl  sü  wol  bewiset  werden,  wo  sü  got  wonende 
ben  wolle  mit  irre  husere. 

Ilem  dez  morgens  volgetenl  sü  der  oßenborunge  und  dem 
iprechende  gottes  und  gingent  dem  swartzen  hündelin  noch 
CT  daz  vell  uzhin  durch  stock  und  durch  sluden  und  durch 
ißer  und  durch  graben,  wenne  es  bleip  nüt  uf  keiner  rehten 
ofien,  und  do  daz  hündelin  etwie  verre  kam,  do  stont  es  eine 
le  stille  bi  einer  grollen  stat  des  erschrockent  sich  die  fünl 
Lies  fründe  gar  übele,  alseRälmann  Merswin  seile,  wanne 


6  got  Dichb'tglich  Tom  Sehraibar  aingengt- 


Sil  vorhtenl,  daz  si'i  bi  der  selben  slat  ire  wutiunge  haben  miislenU 
dnzi'i  si  keine  miniie  haltent;  wenne  alles  ir  leben  waz  gekert 
mit  gantzer  begirde   uf  innikeit  und    einikeit   und  lidige  abge-    , 
scheidenheit  von  allen  creaturen,   also   ir   raiunenriches   schriben 
wo!  wtset  und  gezügnilie  gil  manigvaltecliuhe.  ^ 

Item  donoch  gar  zühanl  ging  daz  swartze  händelin  fürba?., 
und  die  fünf  gotles  fründe  volgetent  ime  noch  aber  durch  slog 
und  durch  studen,  unlz  daz  si'i  komenl  uf  einen  barg,  ist  gelegen 
in  dez  hertzogen  laut  von  Osterich,  dobi  keine  stat  gelegen 
ist  inneweiidig  zweien  raüen.  under  dem  selben  berge  IlülJel  m  '" 
schöner  liistlicher  burne,  alse  R  i'i  1  m  a  ii  M  e  r  s  w  i  n  seite.  di 
atunt  daz  swarlze  iiündelin  stille  und  schar  in  daz  erlrich  und 
wintzeite  und  bal  gar  vaste  und  sprang  uf  die  goltes  frundt 
elwie  dicke,  dobi  sii  wol  mercketent,  daz  got  die  selbe  hofestal 
ineinde,  uf  der  aü  ir  woniinge  haben  soltent.  '■ 

Ilem  donoch  gingent  si'i  zu  rote,  wie  in  die  hofestat  werden 
mnhte  von  dem  herren  des  selben  landes,  und  komenl  dez  mit 
iren  guten  fpündeu  i'iberein,  daz  si'i  einen  erbern  botten  uz  sanleiii 
zfl  dem  herren;  der  wart  underwegeu  gefangen,  und  do  er  ein 
gantz  ior  in  der  gefengniDe  gelag,  alse  Riilman  Mers  win  seite,  -' 
do  wart  er  erst  lidig  und  erwarb  in  die  hofestat;  und  do  vingeiit 
ouch  die  rinif  gottes  l'riinde  zu  ^Lunl  un  uf  der  selben  hofeslal  /m 
buwende,  und  do  hu  wnl  tusent  guldin  an  den  hu  geleitent,  do 
wart  so  gro^  unfride  in  dem  lande,  daz  sii  nit  fiirhaz  me  gebuwen 
nn'.htenl;  und  bleip  vil  iore  also  nlonde,  daz  sin  die  lieben  gulles  -■ 
l'n'inde  kein  ahte  me  hettent,  und  sich  ziimole  daruf  vcrtrnstetent 
nnd  es  uz  den  sinnen  slügenl  und  kein  gedeucken  me  darnoih 
hettcnl  in  gantzer  gclolienhcit. 

■'  Item  dum  ich  hesi.'Iiach  es  bi  hobest  (Ircgnri  iis  /iteii  vor  iler 

zisnia,   scilicet   anno  ilumini    m".  cci".  Ixxvij,   daz  der    viirgynanl  ■ 

'  gottes  fn'int.  Hulinaiiries  liciiindiclKM-  geselle,  der  Icige,  luid  sini'i' 
priester einer,  ilcrjni'iste,  miistontzüdem  selben bdbesLeGregorii' 
varen  gen  Fl o nie  nnd  inüsU^nL  ime  siigen,  waz  in  von  sinen  wegen 
geotl'eLibort  warl,  alse  ei'  selber  lierabe  si-hreip  It  ulinannf 
Merswine  und  iiiiider  f.Maii.-=erL  von  Lnfene.  und  (io  s\\  ' 
.u^en  limne  komenl.  do  fm^'rtf  der  Icvge  iimh  einie  Hnmer,  den 


67* 

er  lange  dovor  bekaot  bette,  und  fundent  in  noch  do  lebende,  der 
selbe  Römer  eopSog  diso  lieben  zwene  gotz  Iriinde  gar  fri^Üicbe 
und  wohe  über  al  nit  enbem,  sä  müstent  mit  irme  gesinde  und 
mit  iren  pferden  und  wagen  bi  ime  zu  berbergen  sin,  also  lange 

5  sü  zu  Rome  zu  schaffende  hattent,  und  erbot  es  in  gar  wol  und 
hofierte  in  gröslich  mit  erlicher  koste. 

Item  donoch  sprach  der  Römer  zu  dem  leigen,  Rülmannes 
gesellen;  es  nimmet  mich  etwaz  frömde,  daz  du  nu  zu  dinen  alten 
tagen  so  verre  landes  harin  zu  hofe  gefaren  bist,  es  müs  gar 

0  redelicbe  sache  meinen,  do  sprach  der  leige:  daz  ist  wor,  wir 
miissent  xür  unsem  heiigen  vatter  von  gar  ernstlicher  sache 
wegen,  do  sprach  der  Römer:  ich  sol  üch  wol  für  in  bringen, 
wenne  ich  bin  ime  gar  heimlich  und  iße  dicke  vor  ime.  und  er 
schuf,  daz  sä  der  hobest  an  dem  dirten  tage  gar  müßeclicb  ver- 

ö  hören  wolte,  wenne  der  Römer  hatte  dem  bobeste  gar  vil  gutes 
von  disen  zweien  lieben  gottes  fründen  gesell,  daz  er  meinde 
alle  andere  sachen  uf  züslahende,  umb  daz  er  su  alleine  ver- 
hören möhte. 

Item  also  koment  dise  zwene  lieben  gottes  fründe  des  dirten 

8*  tages  vür  den  hobest  Gregoriummit  hellTe  dez  Römers;  und  der 
jnriste  rette  zu  ime  in  latine,  und  der  leye  in  welsch,  wenne  er 
nit  latine  künde,  und  sprochent  under  vil  anderre  umbrede: 
heiiger  vatter.  do  sint  alse  gar  vil  großer  süntlicher  gebreaten 
in  der  kristenheit  uf  gestanden  von  aller  könne  menschen,  domitte 

i»  man  gotte  grösUche  erzürnet,  do  soltent  ir  ettewaz  zu  gedencken, 
daz  sii  abe  leit  und  geheuert  wurde,  do  sprach  der  hobest:  do 
kan  ich  nüt  zu  getün.  do  seitent  ime  die  zwene  lieben  gottes 
fründe  von  sin  selbes  heimelichen  gebresten,  alse  es  in  mit 
guten  Wortzeichen   von  gotte  geoffenbart  wart,  und  sprocbent: 

äo  wlBent  heiiger  vatter  vür  wor,  legent  ir  uwers  selbes  gebresten 
nit  abe  mit  gantzer  beüerunge,  so  sterbent  ir  dis  iores.  also 
öch  bescbach. 

Item  do  der  hobest  dise  stroffende  rede  von  in  gehorte,  daz 
siL  umea  eigenen  gebresten  rürtent,  do  wart  er  gar  ußer  moßen 

^  raste  zcvoig.  do  sprocbent  die  zwene  lieben  gottes  fründe:  heiiger 
vatter,  iiement  uns  gefangen,  und  künnent  wir  üch  nit  gute  wort- 
zeieben  gesagen,  so  tötest  uns  und  tünt  ußer  uns,  waz  ir  wellent 

An   ;«iiranh    -Akt    hnhf>sl    ahc^T    aar    rrimMfhi^:    lutoonl    nn.    uinT.  AW. 


woweiclien  aint.  und  do  su  ime  die  worzeichen  gorieilenl,  lio 
.«tiint  der  hobest  uf  von  sime  stüle  utid  umbe  ving  sii  gar  fniol- 
21'  liehe  und  gab  in  daz  beze  an  den  |  munt  mit  groüen  fKiudai, 
und  sprach  zil  dem  leigen :  wir  siiüenl  mit  enander  welseh  reden, 
sider  du  nit  latine  kanst.  und  under  vil  andern  minnenriclien  ' 
Worten,  die  er  lange  mit  in  rette,  do  sprach  der  hobest  zii  den 
zweien  gottes  fründen:  kundent  ir  dem  keiser  i^ch  aisoliche 
Wortzeichen  gesagen,  daz  were  der  cristenheile  gar  zflmole  ntitzlidi 
und  gut 

Item  donocii  bat  der  hobest  dise  zwene  liehen  gottes  Iründe.  H 
daz  Sil  do  bi  ime  soltent  hüben  zii  Rome,  so  wolte  er  sü  ve^ 
seilen  an  aller  irre  lipüchen  notdurft;  darzü  wolle  er  in  gutes 
gadg  geben  und  öeh  irme  rote  in  allen  sachen  volgen,  do  sprocheut 
die  zwene  lieben  gottes  fründe-.  heiiger  vatler,  erloubent  uns  wider 
heim  zii  farende,  wir  weüent  alle  zit  gehoi^am  sin  herwider  »i  " 
üeh  zu  kummende,  so  ir  es  begerent;  wenne  wir  enraeinent  nodi 
enwellenl  kein  irdensch  gut  und  sint  ("jch  darumb  ni'it  Iiar  xü 
üch  kummen,  wir  meinent  gottes  ere  und  der  cristenheile  ewi^e 
selikeit  obe  allen  geben  diser  zit,  die  zergenglieh  sinL 

Ilem  do  frngpte  sii  der  hiebest,  wn  Ir  heimfile  were.  do  " 
sprochent  die  zwone  liehen  gottes  friiiidc:  wir  sint  lange  selihatl 
ge:>in  in  einer  ^'tat,  die  sii  ime  nantent.  daz  wunderte  do  den 
hobest  grosliclie,  daz  sulii;he  gottes  Iründe  under  dem  gemeiiieii 
Volke  wonen  solteiiL.  do  seitcnt  sü  ime  aher  alle  ding,  die  liievnr 
geschriheii  stont,  wie  sit  daz  5warL:<e  hiindelin  in  gnttelicher  - 
oirenhorunge  IVirte  durch  sLoi;  und  durch  studen  zu  eime  berge, 
uf  dem  Sil  tuscnl  Tilidin  vor  zitcn  verbiiwen  hettent.  und  halterit 
es  geloljeii  also  bliben,  da/  sn  nül  nie  darzii  gelun  kundciit  nocli 
enrn'ihlent.  do  wulte  in  der  l)id)esL  flu  histuni  und  ander  iievelk' 
und  vil  gutf's  darzii  /.•■  stiiro  liahen  gi-ben;  daz  versprochent  su  ■ 
und  woltenl  sin  nit.  darabe  wart  der  hid)est  grasliche  j;e- 
bellert  und  gab  in  gar  gute  briefe  mit  gemeinem  rote  der  kardi- 
nale, durch  die  seihen  briele  ir  gebu  in  den  selben  ziten  votbralit 
wart  i^ar  gnodenrichliche,  also  hieuoeli  gesehriben  slot  in  einer 
missivon,  die  der  selbe  leige.  Hiilemannes  geselle,  dem  cummen- 
diire  zii  dem  Gn'nienwerde  lierabe  schreip. 

Item  do  nu  dise  liehen  zwene  gnltes  rrunde  ire  sache  gerililel 
hattcnt   mil  dem  hoheste  und   von  f{ome  scheiden  woUent,  d^ 


69f 

\volte  SU  der  Romer,  ir  wurt,  bi  dem  su  zu  herbergen  worent, 
keinen  kosten  loßen  bezalen,  di  sü  bi  ime  verzert  hettent,  und 
schenckete  e.s  in  alziimole,  und  gap  darzü  dem  leigen  ein  gar 
gut  zeltende  pfert,  und  behüp  er  den  wagen,  ufTe  dem  su  dar 

5  kummen  worent,  und  sprach:  daz  sanfte  gonde  pfert  were  ime 
vil  gemechelicher  zu  ritende  über  daz  hohe  gebirge  wenne  der 
wagen,  umbe  daz  er  ein  alter  swaeher  man  w^az.  nu  waz  der 
bebest  darnach  der  göttelichen  botschaft  unahtsam  und  volgete 
ir  nut,  und  starp  in  dem  selben  iore,  also  ime  die  zwene  gottes 

0   fründe   geprofitiget   hattent,    scilicet    circa  Letare    anno   domini     ^^^ 
W  ccc'  Ixxviij.  '^^  ^^ 

*  *  5MB. 

Item  der  selbe  leige  und  gottes  frünt,  Büleman  Merswins  unsers  3^ 
Stifters  geselle,  schreip  den  brüdem  zu  dein  Grünen  werde  mit  siu  ^^\\^e&  EinUU%Mg 
eigener  hant  an  Tier  bogene  bappires  sin  und  siner  brüder  leben,  daz  wir 

5  nennent  daz  buch  von  den  fünf  mannen,  die  selbe  geschrift,  dez  lieben  gottes 
fründes  eigene  hant,  man  billlich  halten  sei  in  großer  wirdikeit  ghch  eime 
heiltume,  also  och  me  bienoch  geschriben  stot.  dammbe  sint  die  selben  vier 
bogene,  dez  frünt  gottes  hant,  zu  aller  nehst  hienoch  geordent  und  in  ge- 
bunden in  aller  der  gestalt  und  forme  unverändert,  zu  glicher  wise  alse  es 

0  Bnpreht,  des  lieben  frünt  gottes  diener,  selber  brohte  Büleman  Mers- 
wine,  unserme  Stifter  zu  dem  Grünenwerde,  der  es  den  brüdem  gap 
mit  einer  missiven,  die  och  hienoch  vor  dem  buche  geschriben  stot,  in  den 
pfingesten  anno  domini  M^  ccc^  Ixxvij.  J^577 

Dis  ist  eino^abegeschrift  einer  missiven,  die  der  liebe    BegUit- 
5   gottes  frünt  in  Oberlant  herabe  sante  den  brüdem  zu  dorn      ^^*^f 
Grünenwerde  mit  dem  buche  von  den  fünf  mannen,  daz  hie- 
noch geschriben  stot  mit  sin  selbes  hant. 

In  Cristo  Jhesu  usser  sime  azflüssigen  minne  quellenden  herzen  so 
müßeut  gegrüsset  sin  mine  vil  lieben  brüder  zu  dem  Grünen  werde.  Mir 
0  hat  Büleman  ne,  min  heimelicher  frünti  geschriben,  also  daz  mich  die  jungen 
brüder  gebetten  habent,  also  daz  in  ettewaz  gutes  geschriben  werde,  na  vil 
lieben  brüder,  ich  künde  mich  nu  zümole  nit  beßers  verston,  wan  dnz  ich 
üch  schriben  snlte  unser  brüder  leben;  und  dis  habe  ich  ouchgeton  und  habe 
üch  gesant  ein  teil  unser  lieben  brüder  leben ;  wanne  wißent,  und  solte  ich 
h  üch  von  Worte  zu  worte  alles  ir  leben  geschriben  haben,  so  globe  ich,  daz 
ich  es  käme  an  ein  gantzes  meßebüch  geschriben  mohte  haben,  und  wißent, 
daz  ich  üch  der  brüder  leben  geschriben  habe,  do  habe  ich  inne  gemeinet : 
ond  wer  es,  daz  es  beschehe,  daz  uwer  brüder  eime  alsoliche  gnode  wurde, 


11   VIU  stellt  über  Rasur  17  8.  unten   Tl'tiS  ff.         ^4-'i"»  tö\,. 


also  daz  er  übern&türllche  von  dem  heilgeu  geiste  begnodet  nnd  berüret 
Würde :  weleme  bnlder  daz  under  üch  beschehc,  der  mühte  danne  wol  ette- 
wax  lere  in  nnser  brüder  leben  ßnden,  alsu  daz  er  sieb  deste  baz  darnocb 
geritten  Isniide ;  wanne  willent,  lieben  bnider,  daz  got  sine  friinde  gar  on- 
gelic'b  in  fürende  and  ziehende  ist,  wanne  er  in  siner  ewigen  wisheit  gar  <fü1  '. 
bekennende  ist,  naz  oime  ieglichen  meuscben  mit  sanderheit  zu  gebürende 
ist.  vil  Heben  bruder,  icb  bette  üch  gar  gerne  alle  ding  in  ntrer  sprocbu 
geschriben.  alse  ich  Tich  wol  künde  und  wolte  es  geton  liaben,  also  vergas 
es  mir  gar  vil.  und  habe  uwer  sproche  und  unser  sprocbe  underenander  g»- 
scUribeu,  nnd  darzü  so  ist  die  geanbrift  gar  übele  zi\  lesende:  der  «'S  uocli  k 
scbribeu  sol,  der  miis  dor  sinne  wamemen,  mir  waz  not,  ich  suhreip  alle 
dise  ding  in  fünf  dagen,  wan  ich  miiste  Rüprebt  hinweg  senden.  lieb«n 
brüder,  and  ist  es  nu,  daz  ir  dise  ding  nit  wul  küiment  gelesen  nnd  noch 
nwerme  dütsche  anderwerbe  abe  geschribeu,  so  bofelbent  oz  brüder  Nyco- 
lause  de  L<'ifene,  daz  er  es  abe  schribe.  unddarnnibe  so  habe  ich  inöch  i5 
3^  gebetten  nnd  habe  es  |  ime  ernstliche  geschriben  und  habe  es  mime  heime- 
lichen  fründe  i'ich  befolhen. 

Lieben  bnider.  mir  hat  R  ü  p  r  e  h  t  onser  lieber  botte  gesett.  daz  er  an 
B  2S  anBer  lieben  früwen  dage  in  dirre  vasten  ond  noch  zweno  dage  darzü.  die 
drie  tage  alle  tage,  des  coromendiir  bredie  horte;  nnd  horte  "ch  alle  awar  ä« 
m°l3en,  bedo  singende  and  lesende,  nnd  es  gefellet  ime  allossament  gar  nller 
moDen  wnl,  wanne  daz  eine,  das  wib  nnd  man,  jung  nnd  alt,  arm  nnd  rieh 
gar  vil  in  dem  köre  waz,  daz  zt'i  manigen  ziten  der  kor  rehte  fiNI  waz,  alsu 
daz  in  wunder  hatte,  wie  die  brüder  getotent  «der  wie  ir  keiner  iemer  sius 
bertzen  möbte  war  gencmmen.  und  willent,  und  ist  daz  also,  so  gelvllet  ei  '.-' 
mir  nit  wul,  und  ist  mir  leit  und  ist  lieh,  den  jnngen  briidern,  gar  s<>rgliclie. 

Und  wident,  und  bette  ich  alsu  vil  dis  irdenschen  giites.  also  ich  hatte 
vor  drigen  iuren,  ich  gebi>  es  dar,  daz  der  heiligen  driveltikeit  und  sant 
Johansen  sin  bu  vollebroht  wurde,  R  ü  p  r  e  h  t  der  sprichet,  es  si  also  vaät 
uf  gemäht,  und  or  getruwe  zügotte,  der  zwei  hundert  guldin  hette.  erbn-bl>'  i' 
die  maren  wul  zii  und  daz  dach  darul'.  also  daz  man  wol  danne  sünge  anJ 
lese  dinne,  s<i  kerne  ib.'niie  daz  ander  innewendige  von  zit  zu  zit  wol.  und 
wer  es  also,  so  hat  mii^h  wundt^r,  wie  es  ergangen  ist,  daz  man  es  bit  also 
stiin.  ir  jungen  lirüder,  ir  solteiit  dar/.ü  reden,  daz  es  ufkemo,  daz  wer  uth 
gut :  und  ir  soltent  durzu  hclITeu  steine  nnd  boltz  tragen,  waz  man  zu  der  ' 
kirihen  be-trirlte,  wanne  willent,  wie  alt  daz  unser  liruder  sint,  so  wir  bu- 
went,  so  helffmt  sü.  so  ez  sü  an  der  zit  nüt  sumet. 

Lieben  bnider,  ich  rote  üch  ulter  gelidien  truwen:  alles  daz  ich  iich 
geschriben  von  allen  unsern  brüdern  habe,  daz  irdaz  gentuwerm  kommen- 
dür  von  gehorsame  wegen  in  sine  haut  und  lont  es  in  besehen,    sprirhet  er  t 
denne.  ez  sige  imi'  liep,  daz  ir  es  babent,  und  git  es  üch  wider,  so  «erneut 
es  von  gotte  und  vini  siner  haut  in  gehorsame  widerumlie ;  und  wer  »'S  ab.-r. 


71* 

laz  dar  comendur  spreche,  ir  süllent  ez  nüt  haben,  so  süllent  ir  es  ime  in 
gehorsame  öch  losseD.  also  snllent  ir  io  allen  dingen  gehorsam  sin,  es  td 
1er  natnren  we  oder  wol;  and  daz  ist  i3ch  reht  nnd  ist  5ch  ein  rot  dez 
aeilgen  geistes. 

Ach  lieben  brüder,  ich  rote  öch,  daz  ir  in  disen  s&i^lichen  ziten  allezit 
{swarnet  sint  nnd  wer  ez,  daz  es  beschehe,  daz  gnt  verhengende  vorde  al- 
»tiche  swere  Sachen,  do  uz  ir  üch  oit  wol  gerihten  künden^  so  lont  ir  üch 
'A  gTDiidä  dinne  nwernie  commendiire,  and  wie  daz  er  üch  heißet,  daz  ir  üch 
lalten  süllent,  do  tnne  süllent  ir  ime  gehorsam  siu :  dünt  ir  dez  nüt,  so  wis- 
lent,  so  mÖbte  üch  der  düfel  wol  verirrende  werden  nnd  eine  verirrete  con- 
liencie  machen.  Na  lieben  brüder,  die  kraft  dez  vatters,  die  wisheit  det 
lones,  die  minne  des  heiigen  geistes  si  in  zit  und  in  ewikeit  ewiclich  mit 
ich.   Amen. 

Lieben  brüder,  ich  beger  an  üch,  daz  ir  got  vür  mich  hittent  nnd  vnr 
die  unser  brnder ;  wanne  wißent,  sint  wir  nüt  mit  dem  übe  bi  üch,  so  sint 
SIT  aber  mit  unser  minnen  vil  bi  üch. 

Datnm  circa  festam  penthecostes  anno  domini  W  ccc'*  liivij. 

Hie  TOhent  ane  die  vierbogene,  dazbüch,  vondemdo 
'or  geseit  ist,  alse  es  der  liebe  gottes  frünt  mit  sin  selbes 
'igener  hant  den  Johansern  zu  dem  Grünenwerde  geschri- 
een het  von  dem  lebende  sin  nnd  siner  geselleschsft  in 
)berlant 

Darauf, folgt  in  besofiderm  He flrJien,  jetzt  BI.  4"— 11°  indtaive,  das 
Fänf- Mannmbuch  mit  dem  Anfang:  In  Cristu  Jesn  minan  vil  lieban 
»rüder  ....  gedrvckt  bei  Schmidt,  Gotteafr.  79 — 119  und  Schmidt,  NvB. 
102 — 138.  Auf  der  leisten  freien  SeiU  dieses  Büchleins  (BI.  11'-)  fährt 
larauf  NvL.  weiter: 

Dis  ist  daz  bäcb,  daz  nnser  lieber  vatter,  der  grosse  heilige  gottes  ] 
rünt  in  öberlant,  Büleman  Merswines  nnsers  lieben  Stifters 
leligen  heimelicher  geselle,  mit  sin  selbes  hant  selber  geschribon  het  Ton 
lUer  siner  brüder  leben,  nnder  den  er  der  fünfte  gewesen  ist,  der  zu  hün- 
lerat  in  diseme  buche  geschriben  stot.  nnd  wie  wol  dis  buch  dicke  nnd  vil 
ibe  geschriben  ist,  nnd  wir  es  onch  selber  zwivaltekliche  zu  thützsche  nnd 
tu  latine  mit  texte  geschrift  in  zweigen  wol  gebondenen  guten  bücberen  ge- 
«hribenhant,  noch  danne  so  soldisgegenwertige  bappirine  buch,  sin  selbes 
feschrift,  nf  diaer  hofestat  zu  dem  Grünenwerde  ewekliche  bliben  nnd 
;»T  erwnrd^liche  gehalten  werden  glich  eime  grossen  heiltäme  zA  eime 
iwigcn  nrknnde,  dobi  wir  nnd  alle  nnsere  nochkommen  ewekliche  gemanet 
rndant  an  die  frnhtbere  grosse  gnode  und  würdtkeit  dis  hases  zu  dem  Q  r  ü- 
leowerde  nnd  an  die  getmwen  fnrsprechen,  die  wir  an  in  vor  gotte  in 


IS-tS    nt,    itebt   a.m    Schluase   der   Seit«  3 


26    vgl.  SohriftU-tiiV  Si, 


himmele  haut;  wanne  sii  hie  nf  prtriehe  unsere  liehen  si'inderlichen  fründe 
nnd  vettere  gewesen  siut  in  gnttelicher  minnen  Qiid  in  bruderlicher  tränen, 
dariis  sii  ans  dis  buch  and  vil  anderre  giiter  gebesserlicher  eiemplftr  in 
lere  dicke  gesehribon  hant,  der  wir  bilUohe  niemer  vergessen  »Mlent;  s» 
mag  mi3  grosse  ieraerwerende  ewige  fraht  dardorch  Tolgen,  obe  wir  selkt  '■ 
wöllent.  oacb  stot  in  diseme  ge^enwertigeu  bappirincn  buche  ettewie  tU 
heimelicher  rede  nnd  artickele,  die  in  keime  buche  niorgent  anderswa  ge- 
schriben  aint,  wenne  sü  niemanne  in  gohi'rent,  denne  alleine  nnwent  dem 
hüse  und  den  b rüderen  hie  zil  dem  Grünen  werde;  und  were  ouch  nnt 
gi't,  d&i  sä  ieman  Rnders  lese,  der  nüt  zu  dem  hnse  geh-'>ret.  es  het  oach  ii 
der  liebe  fniut  gottes  in  Überlant.  unser  getrawer  vatter,  nüt  al»i  gf- 
meinet.  unil  er  befalcli  es  ouch  sünderliche  mit  grosseme  emeste  in  eine 
briefe.  da£  men  dis  gegenwertige  buch  abe  solte  schriben  and  die  selben  hei- 
niülidien  artickele  alle  nsse  Hesse,  also  da!  Bii  niemanno  fr^mede*  iii  lesende 
Huriieiit.  !■' 


Dis  ist  eio  missive  dez  lieben  Irniit  gottes,  kam  in  den  ziten.  Brie. 
do  wir  den  beschlossenen  kor  ane  gevangen  hattent  mit  vil  wider       '* 
drießes,  der  uf  den  gebu  viel,  wenne  es  uz  natürlicher  neiglicheit 
beschach  one  rot  dez  heiigen  geisles,  alse  die  Urkunde  bücher 
sagenU    dise  selbe  missive  seit  drie  sinne: 

Der  erste  sin,  wie  er  und  Riipreht,  sin  dienet,  rietent,  dazwir 
die  kirche  soltent  haben  umb  gekert;  des  woltc  aber  die  heiige 
trivaltikpitnüt,  alse  er  indiser  nehston  nochgonden  missiven  ander- 
werbe schribet  und  diseii  gegenwertigen  ersten  rot  widerruffet 

Der  ander  sin  diser  ersten  missiven  seit,  wie  die  ptalheiL  und 
der  rot  und  daz  gemeine  volg  in  Oberlant  den  gebu  der  lieben 
{lOttes  fründe  so  gar  begirliche  gehullent  mit  gemeiner  stiimne. 

Der  dirte  sin  seit  von  etlicher  offenborunge,  wie  der  liebe 
frünt  gottej!  in  Überlaut  und  Külman  Mcrswin,  unser  stiller, 
betwungen  wurdent  mit  grossem  lidende  we  und  getrenge  zu  der 
stiftunge  dez  Grünenwerdes.  und  vohet  die  missive  aJsus  an 
und  sprichet  zn  dem  commendi'ire,  der  hies  do  zu  mnle  briider 
Heinrich  von  WolwasciL 

Lieber  fnint,  ir  habcot  mir  ^r  vil  geschriben  v«n  nwers  gebawes 
wegen,  do  viOent,  daz  es  mich  etwaz  fniuide  hat,  also  <laz  ir  wol  drü  ior  in 
großen  uurüwen  siat  gesta  na J  aUe  gar  entsetzet  in  owerme  gebnwe  wurden 
sint;  and  der  üch  vil  gutes  gebe,  daz  ir  es  verbowen  sullent,  ir  werent  sin 
ait  gar  fro.  nu  vil  heber  fnint,  dis  het  mich  etwaz  gar  eine  frümde  sache 
an  ücb,  also  daz  ir  mir  dise  ding  nit  vur  vil  zites  verscbriben  bant,  wanne 
ich  ücli  mit  der  belffe  gottes  wol  zu  stnnt  darnz  geholfen  hette,  wanne  ich 
bekenne  Bülman  wol  in  der  geluüenheit,  wie  daz  ir  es  gebnwen  hettent, 
daz  er  sich  wol  darinne  geloDen  kande  haben,  wanne  ich  daz  wol  weis,  daz 
er  üch  gar  liep  bat ;  wenne  er  scbreip  mir  in  den  selben  ziten,  do  er  üch  daz 
gut  ander  die  erde  leite,  daz  wol  ij<=  gntdin  kostete,  «laz  der  selbe  geba  wider 
allen  sinen  willen  were,  und  det  es  üch  duch  zu  liebe ;  wenne  er  sach  wol, 
daz  ir  gar  sere  danif  getriben  worent,  daz  ir  gerne  einen  oawen  schonen 
kor  gehebt  battent.  hammbe  so  det  Eulman  den  anefang  von  sime  gute 
on  allen  lot  üch  zu  hebe;  liarambe  so  zihe  niemanden  andern  mit.  waz  b<^ 
■cheben  ist,  dazbefelhent  gotte,  ond  vohent  nn rehte  indem  nammen gottes 
ein  nnwea  ane  und  gont  na  wislich  darmitte  nmbe  and  nement  werglüte 
darsA;  weder  weg  denne  der  beste  ist,  dem  volgent.  aber  wißent,  daz  mir 
Bftpreht  dise  vart  geseit  het,  also  daz  ir  and  Rülmas  oa  zu  binderste  bi 
enander  worent,  und  hatte  B  ü  I  m  a  n  n  einen  nnwen  sin  in  dem  bnwe  gedoht, 
do  hattent  ir  üch  einen  nowen  singedohL  nnd  Biilman  derseitefiüprebte 

I   die  Uer  In  p-tiB^r  .Scbrift  ^''^drucklen   ri;.-r><-hrifti:[i   sin4  iu  ilvr  Hsadi^hrirt 


beide  nwera  sin  andsinen  sin  and  fronte  in,  weler  sin  ime  aller  bastgeti«Li.<. 
do  sprach  Büpreht:  icb  wil  mich daruuch besitmeo,  wenaeicb  nnkurtzM 
her  widemmb  müs,  so  wil  icb  es  üch  sagen,  and  so  icb  heimkomme,  so  wil 
ich  öch  rot  ilarnnibe  haben,  nn  wiHent,  do  Eüpreht  lü  mir  kam.  do  saits  er 
mir  Ton  disen  zweien  sinnen  nnd  frogete  mich,  weler  sia  mir  aller  hast  ge-  > 
fiele,  do  sprach  ich:  vil  lieber  Rupreht,  dn  weist  doch  wol,  daz  ich  min  zit 
nit  vil  mit  gebawe  vertriben  habe,  hammb  so  bitte  ich  dich,  daz  da  mir 
■  wellest  sagen,  weler  sin  dich  der  wegesle  nnd  der  beste  ]  danket,  do  sprach 
B  ü  p  r  e  h  t :  so  habe  ich  mich  allen  den  weg  do  heraf  bar  bedoht  und  doncki^t 
mich  dez  commcndiires  sin  gar  verre  der  nutzeste  nnd  der  beste,  wanne  du  li 
werdent  zwo  appetsiten,  do  iime  man  wol  machet  cappell'.'ii  nnd  eine  sacti- 
stige,  nnd  waz  man  bedarf,  do  bet  man  wtt  gnüg.  und  wart  "ch  uochdauu^ 
ein  witer  schöner  kor;  und  sprach  do:  solle  ich  disa  vart  wider  abe  vareu, 
ich  riete  in  allen  trnwen,  also  dax  mau  die  kircbe  ambe  kerte,  uud  dax  dete 
man  dia  summers,  UJid  mabte  man  deime  den  kor  und  daz  andere  damocb  iS 
gar  müQeclich:  nnd  man  raahte  gar  wo]  in  der  nowen  kirchen  ein  kleines 
beslofieiis  k>'<rlin,  dn  die  bn'idere  friden  iiine  hatlent,  nntze  daz  es  gerne 
gebnwea  wnrde.  un  ril  lieber  fnint,  ui!ihte  E  ä  p  r  e  h  t  dise  vart  hinabe  sin,  so 
hette  ich  üch  dts  nit  geschriben.  ichhettees  Büpreht  mit  dem  ninndege- 
loDen  sagen,  nn  vil  lieber  frünt,  nement  werglüte  hiezü,  und  mag  man  es  -A 
dis  snmmers  zubringen,  daz  man  diokirche  mag  umb  gekeren,  so  vohent  es 
in  dorn  nammen  gottes  ane,  so  tniwe  ich  zu  gotte,  daz  üch  danoe  der  täfel 
in  diser  Sachen  zi'i  friden  müs  loßen. 

Der  ander  sin.  im  lieber  friint,  ich  knn  mit  wi.'l  gelolien,  ich  mülti'  i'f'n 
■Vh  schriben,  wie  es  nris  goiide  wil  worden  mit  unserme  nuweii  gebuw.'.  Av  ;■ 
lolle  ich  lieh  willen,  do  Rupreht  diso  vart  doiiidenan  waz,  do  wart  uns  freseit, 
daz  unser  biscliof  in  einer  stat  were,  die  do  wol  .\iij  mil'^ii  hortes  lanires 
weges  von  ui[S  wiz  und  wart  uns  gusi^it  di?  er  eine  huge  zit  in  der  -^tat 
w  Üe'.in  dottuidentunaer  bnidcr  mit  uübiii  rtte  d-iz  »irRi  prc  litt  s  ii  t 
bellen  s  Ittrit  unl  »ir  zmnt  di  d  v  r  lern  b  be  te  «er  iit  gesin  i 
-oltent  wir  le^  bibtste-^  briefe  zu  uiia  ueiDin  und  txllent  riten  zu  dem  b 
sibof  und  '.oltent  in  die  bnete  I  Iten  le-nn  und  solteiLt  in  dmiiebi  ten  dai 
(r  (s  diir'b  t,  t  woltt  tun  alsi  er  die  bri  te  geh  rt  hette  b  r  un  «  Ite 
loten  li/  wir  -■  ■»  It  ni  .jno  vthPn  aK  1i  i  ri  le  -at,  nt  odtr  e  f  )t  iii 
latJin  \hi  <-ton  io  let  der  bischof  dKogn  irnntlKh  unl  al  e  gir  n  iiine 
luhe  uni  aKo  gar  fndich  darzu  il  e  ei  gduu  ni  bti  und  vprach  1  ^ir 
i  rnatliche  zu  un'»  ir  sull  nt  willen  ich  ged  in  kt  un  i  gl  be  ps  h  reht  n  1 
und  i\si  aderblist  <b  «"Ib  r  ane  ges'htn  het  nnd  licsaiut  ir  e  lei  i 
iKo  at  n  und  nut  mit  j^t  I  «.nie  ernste  dar/u  detent  bo  ^toube  ich  la/  i 
^rollc  sundutit  nt  dis  w  rt  und  noch  gar  mI  mc  miniientlich  rviort  retl* 
1  r  Ij  ih  f  /u  mii)  und  gaji  uns  io  briefo  an  gute  pfaffeii  in  dtr  stil  al 
Uz  niisdie  rjt  n  s  Itenl  «le  l(m\olkeindi  tit  (erkundet  wurl  uul 
^lhun^  rh  ein  II  ir  t  du  I  n  nt  d  r  stette  il  fir  nt  wir  Wider  heim 
und  sa„''t(nt  in  p  ii  br  iirn    >iie  uns  krli    hol  gtt  n  liett       il      wiirdiii 

/le/  II  Ite  1       I  lg 


wir  zu  rote,  daz  wir  alle  mittenander  in  die  stat  faren  soltent;  also  botent 
uns  die  drie  brudere,  die  selben  die  do  gerne  binabe  zu  ucb  knmmen  werent, 
daz  wir  sü  soltent  loßen  mit  uns  varen.  also  farent  wir  alle  mitenander 
dar  und  koment  an  eime  fritage  zu  obende  in  die  stai  an  dem  sammestage 

5  frage  do  gingent  wir  zu  den  pfaffen,  zu  den  uns  der  biscbof  gesant  bette, 
und  ließent  die  unser  bobest  briefe  lesen,  do  totent  die  pfaffen  ucb  gar 
frontlicbe  darzü  und  waz  ir  rot  zu  stunt,  daz  man  die  briefe  morndes  fruge 
zu  allen  kantzelen  lesen  solte,  so  der  lüte  allermeist  in  der  kircben  werent, 
und  solte  sü  danne  gemeinliche  frogen,  obe  es  si  gut  dubte,  daz  man  es 

10  ane  finge,  oder  ob  es  sü  besser  dubte,  daz  mau  es  ließe  also  ston.   also 
wart  ein  großer  geschrei  iu  den  kircben,  wanne  |  die  lüte  schruwent  mit  1 3* 
einer  gemeinen  stimmen :  man  sol  es  ane  yohen,  wir  wellent  darzü  tun, 
waz  wir  s6llent      nu  an  dem  mendage  früge  wart  do  gingent  wir  vür 
den  rot  von  der  stat  und  botent  den  rot,  daz  sü  uns  rietent  und  och,  ob 

15  es  ir  wille  were,  daz  wir  ane  vingent,  oder  daz  wir  ez  lenger  ließent  also 
ston.  do  sprochent  sü  mit  großeme  ernste :  wir  rotent  es  üch  und  ist  och 
unser  guter  wille,  daz  ir  nüt  lont,  ir  vohent  es  an,  so  ir  iemer  aller  erste 
m5gent,  und  darzd  so  wellent  wir  üch  roten  und  belffen.  do  vordertent  wir 
do  an  den  rot  und  sprochent,  were  es  daz  unfride  in  daz  laut  kome,  obe 

So  daz  sn  uns  danne  woltent  lüte  uf  daz  hus  geben,  die  es  wertent.  do  sprach 
der  roi:  do  lont  uns  umbe  beroten,  also  gingent  wir  vür  die  düre;  do 
hießent  sü  uns  zu  stunt  wider  in  gon  und  sprochent  do:  vil  lieben  herren, 
wir  enwissent  nüt,  waz  got  gutes  in  disen  dingen  meinende  ist,  wenne  wir 
engedenckent  keine  sache  nie  so  gut,  die  arm  und  rieh  so  gar  sere  meinende 

2^  were  and  sich  so  groslicb  frowende  were  alse  in  dirre  sachen ;  und  wißent, 
daz  wir  ikh  zu  rote  sint  worden,  daz  wir  üch  von  der  stette  wegen  wellent 
geben  einen  guten  brief,  wenne  ez  beschehe,  daz  unfride  wurde,  daz  wir  üch 
denne  wellent  lütes  gnüg  uf  daz  hus  geben,  die  ez  wol  erweren  mügent ; 
und  darzü  so  wellent  wir  üch  och  von  der  stette  wegen  ein  gut  hus  zu  stüre 

30  geben»  wenne  ez  beschehe,  daz  unfride  wurde,  daz  ir  danne  hie  nidenan  bi 
ans  in  der  stat  werent;  und  so  ir  och  sns  etwaz  in  der  stat  haut  zu  tünde, 
so  werent  ir  5ch  darinne  zu  herbergen.  nu  do  dis  beschach,  do  noment  wir 
zu  dem  rote  urlop  und  dancketent  in  vaste  und  gingent  do  zu  dem  pfaffen, 
der  unser  alter  guter  frünt  ist  gesin.    und  do  wir  eßen  woltent  gon,  do 

35  koment  vil  knehte  in  gonde  und  trügent  vil  kannen  mit  wine  und  starcke 
große  zübere  mit  gar  guten  großen  vischen,  die  uns  die  stat  gar  erlichen 
schanckte.  nu  do  wir  goßent,  do  furent  wir  wider  heim,  und  an  dem  zistage 
frage  warty  do  koment  die  drie  brudere,  die  selben  die  gerne  hinabe  zu  üch 
komen  woltent  sin,  und  sü  besammeltent  unsere  brüder  alle  und  sprochent 

40  gar  demuteeliche  zu  unsem  brüdern :  sider  daz  es  got  selber  also  gefüget 
bei,  das  ir  dis  volle  buwen  wellent,  und  och  ein  tum  dar  uz  wurt,  do  man 
singende  and  lesende  wurt :  so  wellent  wir  üch  ußer  aller  gottelicher  minnen 
bitten,  daz  ir  ans  lont  uwere  brudere  sin ;  harumb  so  wellent  wir  ußer  got- 
Ucher  minnen  ußer  der  haut  geben  beide  unser  üb  und  unser  gut,  es  sige 

45  ligende  oder  farende,  wo  wir  eshabent,  daz  wellent  wir  \vc\i^^\)^u  ^iW^^'^^ 


-Ut  n  n^^cr  ban     und  da  zu  s    we  lent  «fr  SS 

in      ende  s  nt,  daz   r  m     den  e  gcnan  g  te  n  d  e  w     bant   n  h  n  emer  ge 

h  tten  we    nt  daz  r  keine  s  rge  Da  li  e  bo  t  d    Sen   dann  tte  haben    na 

0  lent  d  e  erbe  t  du  m  tte  haben  und  well  nt  ez    cb  wu  versorgen     und 

we  e  g    er  w     ^  egen  s  nt    d  e     ds  »      zu  geh    ent    a  so  daz    r  se  b 

'    prechent   ]  e  g  te    g  h    ent  un    w     zu    de      D  o    man  nnt  verk  Sm 

«ee   berzny  rre   nd    nn  egensntdewe  en  w    z   barerae  gute  bringen 

a  s    dai  man  denne  daz  g  t  h  e  n    b  nutze     e  k    ten    und  darzu  b   ngen 

wnwoui         dnz  sammene,  d  w    n  b  na       stnnt  uLter  de  bau 

geben  ne  e       a  so  Atu  man  d  m  tt    bu«e  und  s    an  eg      wo  ez  notdürftig 

i,  und  dar?     o    p  o    en  su     h    und  »e  es  uw     v    e     o  wo  tent  w     dn 

nd     ~tat    aren  a  odaz  r  lui   nawen   Bupreh   en    ugebent.  so  w  ten 

n  r  begehen    we  man  de  dnt,  zisaneue  b   hte    und  daz  mag  man  d 

anntnier   u  d  d    w  n  ers  kume  z   br  ngen  also  da  man  e  ns  ande  o  summe 

V   le  lawe   ia   es  g    »    be  e  t  werd     da   man  da   gez  eben  mag    wann 

s       an  do  buven  s   n      man  n    b        ste  ne  h  wen    s    mts  man     g*« 

d     T I   anles  und  Ita  g  ut  den  b    g  kuu  mu  u  d      b  v  I  anders    dax  m^n 

1       eda  f    und  do  daz  d       d  e  b    de    ge  ettent  und  no  h  ga    t     warte 

e  d    WD  d     t  w     zu    ote   also  daz  w     e     n  vo    go    e  nnt  getu  stent  ve 

agen    w  r  n     te  t    u  nem  u    a  so    int  s     nnse  e  b    de  e  wo  den     na 

1  eber  I    nt,  besehen    w  e  got  e  n  wunde       st  m  s  n  u  wercken    der  s  h 

ime  zu  gründe  lot  wenne  es  st  v  i  o  e    daz  w    w     uff   tnsent  gu  d  u  an 

d  sen  berg  ve  buwen  bettent  und  hattent  e    a  so  ga      e  ges  bu  und  gotte 

e  ga   z    g  und    geßndiw     ntme  darno  h  gedohtent    btrnmh 

ul  ^  beul         na  he  aeww  nne  n 

d  e  g  tti    fee 

baz  ^  <n  nn  t  dann    an 

1  n      n     n  e  tr  me 

b  g  d  n  ke    daz  er     h  no  b 
u  um       nu       lent     wies 
d     IccnsatD    nsu 
e  wa        I      Id        r  s     en 


i 


1 


den 


a  so  daz   me  b 
b  "len  g     h 
n  z     n  b    enan 


jrehoTtoDt,  man  fände  klöstere  gar  gnäg:  rehte  zä  gUcher  wiae  also  T«r- 
wnrffmt  wir  ficb  dtsen  tröm  und  worent  sin  g»r  ahümole  anahtaam,   also 
hwcbach  es  darnoch  lä  den  nehsten  ninnahten  in  der  selben  lieben  |  heiligwi   ]  4^ 
kristnabt  nf  die  mitternaht,  alEo  daz  wir  beide,  er  do  nidenan  nnd  ich  hie 

!,  obenan  beide  glich,  in  der  nalnren  in  ein  alsolich  lidende  getrenge  nnd  «e 
komeat,  dsz  wir  bede  wondent  in  todea  not  sin.  and  in  disem  selben  liden- 
den  we  do  befnndent  wir  ein  solicbe  offenbortinge  mit  alsolicben  worxetchen, 
daz  es  wol  zu  glonbeode  waz,  also  daz  wir  müstent  ein  kloster  zu  Stroz- 
bnrg  machen,  alsns  so  ist  dar  Grünewert  barkummen  mit  alsolichen 

ID  Wortzeichen,  die  anspre  oben  lieh  sint.  uDd  wiDent  vit  lieber  min  frnnt  daz 
icbgeimwe  andgloube,  daz  got  den  Qrünewert  mit  Sonderheit  meinende 
si  und  daz  er  noch  gar  ein  großes  wolgefallendes  ding  dms  machen  wil,  obe 
daz  er  es  an  nnserme  eigenen  willen  haben  mag. 

Gegeben  an  mendage  vor  sant  Hargreden  tag  anno  domini  H'*  ccc"  Iiktü.     .  .- 


'»  Item  dise  nochgonde  missive  schreip  der  liebe  frünt  i^ottes  fi«!" 

Rülemanne  Merswine,  unserme  Stifter,  zuhaut  uf  den  vor  ge- 
schribeaeD  brief,  und  ist  die  oßeaborunge,  wie  der  kor  und  die 
sacristige  und  der  nuwe  gebu  in  der  kirchen  geordent  sint,  alse  es 
die  beiige  trivaltilceit  mit  guten  Wortzeichen  haben  wolle  und  den 

so  Topgonden  rot  des  ersten  briefes  widersprichet,  alsus  sprechende: 

Til  lieber  snoderbarer  heimlicher  trünt  miner,  ich  b  dich  wiDen,  daz 

es  beschach  in  der  naht  dez  lieben  aante  Jacobes,  daz  ich  etwaz  nnruwig    iul! 

waz,  also  diiz  mir  der  selben  gantzen  naht  nüt  volles  eine  stunde  zu  slof- 

fende  wart,    und  gegen  dem  tage  wart  do  leite  ich  mich  an  daz  bette  und 

!d  wolte  versuchen,  obe  daz  mir  eine  rüwe  werden  raöbti-.  also  beschach  es. 
daz  mir  die  engen  von  rehter  müde  wurdent  zu  gonde ;  and  do  ich  also  lag 
and  schlief  nüt  rehte  und  wachete  öch  nit  rchte,  do  waz  mir,  wie  daz  ich 
sehe  vor  mir  Stoa  eine  gar  3ch''>ne  lustliche  persona,  ncd  wau  die  gekleidet 
rehte  alse  ein  ewangelier  in  gar  schöneme  snewisseme  ^egerwede,   and  waz 

10  sin  antlit  fürfar  glenzendo  liehtfar  rot.  nnd  do  ich  daz  sach,  do  mähte 
ich  ein  krntze  vur  mich  und  sprach  mit  dem  selben:  ich  beswere  dich  bi 
der  beiigen  trivaltikeit,  also  daz  du  mir  wellest  s^en  on  allen  schaden, 
wer  dn  bist  oder  waz  du  wilL  do  waz  mir  rehte,  wie  daz  er  spreche :  dn  best 
nht«,  daz  dn  mich  alsns  besworen  hast  bi  der  heiigen  ewigen  algeweltigen 

'G  triTaltüceit,  wanne  ich  hie  von  iren  wegen  bin ;  nnd  bin  ein  engel,  ir  hotte, 
Bnd  Bol  dirkdoden  nnd  sagen,  also  daz  dn  unrehte  geton  hast,  dazdahiuabe 
td  Stroibntg.geschribenhest,  also  daz  es  din  wille  sige,  daz  man  der  ewigen 
dgeweltigen  trivaltikeit  iren  tempel,  ir  altes  hns,  verändern  nnd  nmb  keren 
»SO»;  do  solt  dn  wiGen,  daz  sol  ich  dir  künden  and  sagen  also,  daz  dn  nüt 

0  oilost,  so  der  selbe  hotte  kommet,  daz  dn  danne  zu  stnnt  mit  ime  wider  abe 
tAStroibsrg  schribeatdimebeimelichenfründe,  nnd  schrip  alsns :  das  man 
dar  klawwaltimn  nwiirnn  drivaltilreit   im  altn  kirchn  nnmntnAnTl  \lA»i.  viVa 


78* 

'  I  mag  sü  wol  beOerti  one  umbokeren,  also  ilaz  mnu  >li«  neben tmartm  die  nag 
man  wol  brechen,  das  der  unwo  kor  darzü  dienende  wart;  und  onch  die  eltei« 
mag  man  wu!  abe  brechen  nnd  beßern  nnd  andera  setzen,  nnd  wuzii  nsn 
minne  hat  xii  wihende,  daz  mag  man  i'icb  tun  ane  den  fronalter,  den  s<jl 
man  wtdornmbe  wihen  in  aller  wiso  rehte  hIsu  er  Tonnols  gewihet  ist,  viwv  i 
den  selben  fronalter  mag  man  wol  aha  brechen  nnd  beraz  ufter  dem  winck«!» 
setzen  alse  verre  alse  man  wil,  also  daz  er  iich  wul  zu  dem  nnwcn  kiire  die- 
nende wurt,  waz  molk-n  men  singende  wnrt  one  die  Irone  meBe,  daz  man 
die  darobe  iresiugen  mi'ge :  und  so  man  denno  den  selben  altar  uz  dem  win- 
ekele  getiit,  denne  so  mag  man  den  selben  winckel  u'ol  machen  zil  eime  geruü  lo 
gademe,  aber  daz  man  do  inne  machen  solle  einen  alter  nud  sul  den  wiheD 
in  sante Michels  ere  nnd  in  aller  engele  ere.  nu  sodirre  winckel  gcuummtn 
wnrt,  noch  danno  so  wurt  der  alge weltigen  heiigen  dri»alüteit  kirche  gröB« 
danne  sii  vor  waz,  waune  d'i  wart  tiz  gonde  der  k<;r  und  daz  gerwe  gadem. 
and  dovon  so  wurt  die  kirche  vaste  gewitert.  nu  solt  in  aber  me  wiQea,  li 
daz  die  algeweltigu  heiige  ewige  drivaltikeit  wil,  alse  der  nuwe  gebo  ange- 
fangen ist,  daz  der  giintz  und  gerwe  für  sich  s^Mle  gon  und  man  in  sol 
lüßen  gantz  also  ston  lii  erwirdikeit  der  lieben  großen  hohen  hcilge»  dea 
beiden  santu  Jobannesen,  und  den  selben  nnwen  fronalter,  deu  man  do  ma- 
chende nnrt,  und  den  kor  und  daz  nnwe  gebuweze  alles  mitenauder  wih>'n  m 
in  ere  der  lieben  großen  heiligen,  der  beder  sante  Johannese ;  and  daniie  so 
wurt  nch  nuwe  gracie,  nnwer  appelos  noch  me  do  danne  vor.  and  wiBesI 
daz  in  dem  nawen  geboweze  in  dem  liurde  Tor  hundert  ioren  gros  heiltam 
vorborgen  iit.  nnd  de  ist  nch  in  kurtzpn  iiten  in  zclien  ioren  menschen  be- 
graben, die  do  nolie  bi  di'Ui  niiwvn  fronalti-r  ligende  werdeiit,  der  menschen  ;> 
sini  mit  sundi-rlieite  drü  daruuder  gcsin  hie  in  der  zit  alse  reine  juncfri''Men 
libes  nnd  lebendes,  also  daz  sii  vi>r  gottc  nu  sint  und  süllent  besitzen  der 
megde  loii  iemer  ewidicli.  nii  die  altare.  die  in  dem  nuwen  gebuweze  uiiJ 
in  dem  alten  gebuwen  werdent  stonde,  die  mag  man  si'tzen  »nd  wihen,  wie 
der  commcndiire  wil  und  sine  brudcrc,  aber  iilso,  daz  der  hohen  liimelscben  '< 
kiitiigin  ein  sch'<ner  alter  werde  nohe  dobi,  also  d'>  er  vur  stuut,  alsu  sn  nun 
er  nohe  bi  der  drivaltikeit  altar  stunde  werden. 

Nu  zu  liinderste  do  wart  zu  mir  ges|iriichen :  nu  so!  ich  nu  zuuu'le  iiil 
mi-  zu  dir  reden  wanne  daz  eine,  daz  ich  dir  sagen  sul.  ;ilso  daz  du  und  au- 
dere  menschen  diser  dinge  desto  baz  gtoubt-u  sülb'nt.  baruuib  so  sul  ich  dir  ■■■ 
gute  norzeicheu  geben,  und  die  Wortzeichen  die  sinlalsus;  so  soll  du  wilivu. 
zu  stuut  so  du  nuwenl  von  dem  beltc  kumniest.  so  lüge  zu  dir  selben,  so  solt 
du  bevinden.  dazilu  vordime  herzen  beviudest  eine  grosse  geswoUenc  bloter* 

'   vordime  hcraen  stonde,  und  müst  i  ,  nch  die  selbe  bioterc  also  lange  habe» 
ariUi-  an  die  zit,  daz  du  einen  briid'  uider  abe  geschribest  von  dirre  seihen  >' 
Sache  wegen  und  niit  anders :  und  zu  wurtzciclieu  wennc  es  nuwout  bescbiht. 
da/,  du  den  brief  gt-schribest,  so  sol  dir  die  bloteru  on  alles  we  zu  stont  zer- 
(,'Mii.    und  du  solt  noch  me  zu  worzeicheii  haben,   und  daz  ist  liaz  du  soll 


79* 

wißen,  den  kneht,  den  da  dise  vart  zu  Strozbarg  mit  der  nüt  guten  botschaft 
gesanthest,  do  soltdu  wißen,  daz  der  selbe  kneht  sithar  zu  Hetze  istgesin 
nnd  kämmet  nuherwider;  undkummet  an  fritage  zu  naht  an  sant  Germanas  juli  3 
tag  and  bringet  dir  briefe,  und  stot  an  den  briefen  also,  so  du  aller  erste 
mäht,  daz  du  denne  selber  zu  Motze  faren  müst.  und  dis  lo  dir  zwei  gute 
worzeichen  sin ;  und  wenne  du  bevindest,  daz  in  beden  reht  ist,  so  los  öch 
danne  nüt,  du  schickest  dez  andern  tages  an  sant  Feters  tag  disen  selben  auffuat 
kneht  mit  dem  briefe  hinabe  züStrozburg  dime  heimelichen  frunde. 

Na  yil  lieber  heimelicber  frunt  miner,  ich  lo  dich  in  der  worheit  wißen 
also,  daz  alle  dise  ding  in  der  rede  und  in  den  Wortzeichen  rehte  in  aller 
wise  beschehen  sint,  rehte  also  ich  dir  sü  hie  verschriben  habe,  harumbe 
yil  lieber  heimelicber  frunt  miner,  so  lüge,  wie  daz  du  nu  getüst ;  wanne 
wißest,  waz  ich  dir  nu  gine  vart  von  uwers  buwes  wegen  mit  diseme  selben 
knehte  schreip,  daz  widerrüif  ich  nu  alzümole.  und  beschehe  es  nu,  daz 
man  dich  aber  rotes  wurde  irogende  von  dez  gebuwes  wegen,  so  solt  du  mit 
nute  anders  roten,  danne  an  diseme  briefe  stot.  R  ü  l  m  a  n,  du  solt  wißen, 
daz  Rüpreht  dirretage  eins  bi  mir  waz,  und  ich  seite  ime  disen  sin  von  dez 
gebuwes  wegen ;  do  sprach  er,  daz  were  uf  den  alten  sin,  daz  geviele  mir  noch 
baz  danne  kein  ander  sin,  und  kostet  uch  über  vier  hundert  guldin  minre 
danne  der  ander  weg.  do  sprach  ich :  warumbe  mähtest  du  do,  daz  ich  hi- 
nabe schreip  den  andern  sin?  do  sprach  Rüpreht^  du  hattest  ime  geseit 
also,  daz  unser  herre  der  meister  und  der  comendüre  und  den  brüdem  allen 
der  erste  weg  nüt  wol  gefiel ;  und  harumbe  so  frogete  er  mich  und  leite  mir 
di  andern  zwene  sinne  für  und  frogete  mich  rotes ;  do  riet  ich,  daz  er  mich 
frogete.  Rülman,  man  sprichet:  visiungen  densige  nüt  allewegent  wol 
zu  getruwende,  und  daz  ist  och  wor ;  aber  die  visiunen,  die  alsoliche  ding 
sageüt,  die  wol  an  in  selber  gut  mugent  sin  und  danne  och  mit  alsolichen 
guten  Wortzeichen,  den  mag  man  wol  glouben.  und  daz  weist  du  selber  wol, 
daz  wir  daz  beide  von  dez  selben  gotzhuses  wegen  rehte  wol  befnndent,  und 
wie  wider  und  wie  swere  es  uns  waz,  so  wnrdent  wir  doch  betwungen,  daz 
es  doch  müste  sin. 

Gegeben  an  sant  Peters  tag  sinre  lidigungen,  anno  domini  M®  ccc° 
ixivij. 


Item  dis  ist  eine  figure  dez  huses  und  der  brüdere  zu  dem  15^ 
Grünenwerde,  die  dem  lieben  gottes  frunde  geoffenbart  wart  in       5. 
der  stal  zu  Lutringen  von  eime  neste  mit  siben  blutten  vögeln,   Brück 
do  er  uf  siner  Metzer  vart  waz,  also  die  vorgonde  missive  wiset. 
in  den  selben  ziten  worent  der  brüder  nüt  rae  danne  siben;  dez 
waz  einre  vast  siech  und  starp  damoch  kürtzlieh.   dovor  unlange 
worent  zwene  brüdere  von  dem  Grünenwerde  kummen  in 


OÄ  ^-^s^^^^g^f        37  vorgende? 


eu* 

andere  conveiiLe,  ein  vierLzig  ierigtT  priester  und  ein  ahlzehen 
ieriger  dyauone,  wenne  der  brüdore  worent  voiinols  in  dem  selben 
iore  ni'me  gewesen,  do  ("ich  die  visiune  geschriben  wart  den 
iiberigen  aiben  brüdeni  in  eiroe  fnintlicben  briefe  alsus  sprechende: 
Mine  vil  lieben  brüdere,   ich  lojle  ücb  wiOen,  daz  es  m  diser  vart  be-    ö 

'  si:helieii  ist.  abo  •.]»'/.  es  bescbacb  in  der  nabt  der  lieben  eilf  tosest  megde, 
ilez  selben  morgens  an  dem  tage  ila  wart  mir  ein  tri'm  trriinende.  und  vu 
daz  rehte,  alse  üb  es  eine  yisiune  wore  gesin.  ond  waz  der  tn'm  also,  du 
mir  waz,  wie  daz  ich  were  uf  einte  gar  hoben  berge,  nnd  wie  daz  ich  vi 
disome  selben  bei^e  sehende  were  ein  gar  großes  uest,  nnd  wie  daz  in  dem  n) 
neste  ligende  werent  siben  große  JQDge  vogole,  und  wie  die  "ich  noth  nnl 
Bog  werent  worden,  nnd  bettent  alle  gliche  krnmbe  snebele,  also  obe  eii  als 
edete  vögele  werent,  aber  si'i  worent  ait  der  farwen  gar  ungelicb  gevenret: 
aber  wie  daz  ieder  Togel  varwe  hatt«,  noch  danne  so  hatte  er  ein  willes 
crütze  in  sinre  varwen.  aber  under  diaen  vögeln  einre,  der  gröste  von  libf  !■ 
ander  in  waz,  der  hatte  snnder  itianiger  hande  manigvaltige  farwe;  naunä 
mir  waz,  wie  daz  er  die  farwen  alle  hatte ;  und  also  vil  so  der  farwen  wa;,  bo 
hatte  er  doch  in  ieder  varwen  ein  sauJer  wisses  krütee.  and  obe  disenie 
neste  do  waz  mir,  wie  daz  ich  sehe  fliegende  und  swebende  einen  gar  großeD 
berlicben  schönen  adelar,  und  er  flr^g  ettewaz  hohe  obe  dem  neste  alles  umb  ü 
und  nmb  nmbe  daz  nest,  und  waz  herabo  in  daz  nest  redende,  nnd  waz  mir, 
wie  daz  er  sprechende  were :  ir  vil  lieben  jungen  brüdere,  ir  süllent  streckeo 
und  fliicken  uwer  gevidure  and  siillent  leren  uf  mir  noch  fliegen ;  aber  icb 
meine  mit,  duz  ir  iisser  dem  neste  llicgt-nt,  obe  daz  ir  wol  gevidert  wiTdeiii. 
aber  der  grölte  vof;cl  ander  in,  der  selbe  vngel,  der  do  alse  manigvaliiire  ■."■ 
farwe  an  inie  bette,  da/,  waz  mir,  wie  daz  ich  den  sehe  gonde  binuf  uf  doi 
ncstes  ln'piiete,  und  sprang'  und  fli'ig  uf  riber  daz  nest  gegi.-n  dem  adelar  wi.-l 
eins  mannes  hühete:  und  also  ilicko,  alse  er  daz  versiichete,  also  dicke  viel 
er  !,'ar  swerliebf  hcrwi.ler  abe  in  daz  liest,  nnd  Siicli  denne  iiber  sich  ul 
ettewaz  Iriirerlicb  den  buhüii  adolar  ani".  aber  die  andern  vogel.  wenne  ilot  -'■> 
ad.ilar  liber  in  fliegende  waz.  so  sohont  sii  gar  einlaltec liehe  und  gar  gut- 
liclif'  über  sirli  ut*  d^m  adelar  noch,   aber  ein  vogel  under  in  der  waz  -.-tte- 

'  WM  kräng  triirijr  ;ini  zusehende,  nnd  lag  zu  ptisendo.  alse|Kolte  er  ster^eu- 
nn  «az  mir,  wie  d;i/.  di-r  grolie  schöne  lierlichc  adeler  ulswingende  were,  und 
flng  abo  hoih  ul,  alsndaz  es  ane  ziisidiende  waz,  alse  were  er  untze  an  Am  '•'■ 
hiniel  kumuicn,  und  üe  sich  iln  gar  geswiiidi.'  berwidt-r  abe  und  fl.'g  du 
aber  ob  d'^m  ne.ste  nnib  und  uinbi'  swubi'iidi',  relite  alsu  vi>r,  und  waz  du 
abiT  s|irechendo:  mim'  vil  liebfii  briidere,  liiitent  ikh.  daz  ücb  nit  besclielie 
alse  dem  brndnr  be^rlH-hni  ist,  diT  du  ■'icli  hii'  bi  nth  in  diseme  neste  waz 
und  der  do.  l-  zit,  u/,  geflogi^n  ist  uu.i  uz  disemi;  nt.'Ste  geflogen  ist  und  disen  i-' 
b'Tg  abe  liie  nidenan  in  daz  w^ller  gevallen  ist,  und  sehcnt.  wie  daz  er 
in  dem  waliere  lit  mit  sineii  tlügeln  zu  lluttii.hcnde  nnii  zu  slahende.  rebt" 
alse  ob  er  ertrinken  niulie. 


81* 

Nn  vil  lieben  brudere,  ich  loße  üch  wifien,  do  mir  dis  getr5mde  und  ich 
lo  wider  zu  mir  selber  geloßen  wart,  do  ich  damoch  gedenckende  wart,  do 
iraz  mir  der  trom  etwaz  frömde ;  aber  doch  so  viel  mir  wol  ettewaz  in,  daz 
eh  gedohte,  es  mohte  üch  wol  ettewaz  ane  gon.  so  gedohte  ich  denne  wide- 
HDibe,  wie  mohte  dazgesin,  Bülman  der  het  dir  doch  in  diseme  iore  ver- 
jchriben,  daz  der  brudere  nune  soltent  sin ;  wie  mohte  es  danne  gesin,  daz 
iQwent  sibene  dams  worden  soltent  sin?  also  sagete  ich  disen  selben  tröm 
lerren  J  o  h  a  n  s  e  unseim  nuwen  brüder  and  bat  in,  daz  er  sich  mit  gotte  be- 
lebte, ob  daz  wir  üt  knndent  vinden,  wen  dirre  tröm  ane  ginge,  also  frogete 
ch  herren  J  o  h  a  n  s  e  dez  andern  tages,  obe  daz  er  nt  darnoch  gedoht  hette ; 
lo  sprach  er:  io,  ich  habe  gedoht,  dovon  der  große  schone  herliche  adelar, 
ier  hoch  fliegende  adeler,  ob  in  alsas  üog,  wen  ez  denne  anders  sulte  ane  gon 
lenne  unsere  lieben  brudere  zu  dem  Grünenwerde,  do  sprach  ich:  ich 
labe  Mch  also  gedoht,  wanne  eins  daz  wolte  mich  irren,  daz  waz,  daz  mir 
Sülman  in  disem  iore  geschriben  het,  daz  der  brudere  zu  dem  Granen-> 
¥erde  nüne  werent.  do  sprach  her  Johans:  es  beschiht  in  eime  iore  et- 
wentiQ  vil  dinges ;  es  sige  gegangen,  wie  got  welle,  noch  denne  schat  ez  nit, 
nan  schribe  es  in.  get  ez  si  denne  ane,  so  nement  sü  es  von  gotte ;  get  ez 
}i  danne  nit  ane,  so  ist  noch  danne  nit  vil  daran  verlorn,  herumbe  vil  lieben 
)rüdere,  get  üch  dirre  trom  dirre  visinnen  nüt  ane,  so  befelhent  es  gotte  and 
rerbürnent  dis  briefelin  und  sint  sin  danne  massig. 

Gegeben  in  Latringen  an  der  lieben  sant  Gecilien  der  hochgelobten 

angfrowen  tag  in  dem  Ixxvij  iore  und  drützehenhundertigesieme  iore,  ^977 

nov,  22 

Item  dis  ist  eine  Widerrede  dez  lieben  frünt  gottes  von  drier      4. 

brudere  wegen,  die  zii  siner  geselleschaft  koment  in  den  ziten,  do  ^^^''^^^ 

jü  iren  gebu  meindent  zu  vollefürende,  alse  der  vorgonde  vierde 

brief  seit,  daz  er  uns  der  selben  brudere  baz  gegünnet  hette  denne 

ime  selber,  daz  in  zu  haut  damoch  berö  und  ime  leit  were  gesin ; 

Mranne  ez  sich  nit  vant  noch  sime  wone  und  noch  iren  werten, 

sdse  er  nu  anderwerbe  schribet  dem  commendüre  in  eime  großen 

briefe  under  vil  andern  worten  von  dez  obersten  meisters  wegen 

ilsus  sprechende: 

Vil  lieber  commendüre,  ir  süllent  wißen :  die  drio  nuwen  brüder,  die  1 6^ 
lo  zu  uns  komen  sint,  daz  die  nüt  daz  halbe  hant,  daz  sü  wondent  haben, 
and  wer  mir  nu  gar  leit,  daz  sü  zu  üch  hinabe  kummen  werent,  wanne 
VOL  sint  ettewaz  einrihtig  und  eigenwillig,  die  uwere  lieben  jungen  brudere 
Qüt  wol  gelitten  kandent  haben  und  vil  lihte  ir  selber ;  und  wißent,  daz  sü 
onsere  brudere  alse  gar  wisliche  und  alse  gar  gütliche  habent  uz  gelitten, 


18  am  vor  vor  gotte  getil^        23  das  kursiv  godruckto  gpiltorer  Zusats  fon 
demselbeii  Schreiber. 


I  82* 

also  daz  BÖ  alle  drie  sider  der  liehtmeße  bi  uns  si^ent  gesin  und  liant  sich 
gedeiDi'iUget  nnd  scboldig  gegeben,  daz  sü  wiil  bekennent,  daz  sii  eigenwil- 
lige meascheii  sint;  and  haut  uns  gebetten,  daz  wir  sä  also  io  irmu  tiind« 
loGeut  bliben.  wanue  dciine  ire  giiure  lidig  worden  siut,  und  wir  den  gebn 
Yüllebringent,  danite  so  siillent  sä  sich  zit  grunde  in  allen  dingen  loßen. 

'7S  Gegeben  an  dem  fritdMge  noch  sante  Veltins  dag  anno  domini  H°  ccc" 

■■  IS   ijniij. 


Dis  ist  der  aller  erste  brief,  den  der  Hebe  gotles  frünt  in 
Ob  er  t  an  t  den  briniern  zu  dem  Griinenwerde  ie  gesante  mi! 
dem  bliche  von  dem  meister,  der  die  oberste  zile  des  abeces  von  m 
ime  gelert  wart,  nochdem  do  der  selbe  meister  eine  bredie  geton 
helle  von  xxiiij  stücken  eins  volkomenden  lebendes,  daz  selbe 
buch  und  i')eh  der  brief  komenl  in  den  ziten,  do  die  weltlichen 
priestere  die  kirehe  zu  dem  Gninenwerde  besungent  uud  re- 
giertem und  von  dem  römschen  stüle  darin  geselzet  wurdenl  mit  '* 
einer  bliginen  pullen  des  Bobestes.  und  vnhet  des  lieben  gottes 
fri'indes  missive  alsus  ane  und  strichet: 

In  nnserm  lieben  lierren  Jhesu  Christo  so  sint  gegrilflet  ir  lieben  vet- 
tere Qud  brudere  zä  dem  Grünenwerde 

Dis  Yiüclielin  daz  sendet  man  öch,  and  enpfohet  es  vnn  der  hant  goH«9  -" 
und  zweite  guldiu;  du  siillent  ir  einen  güldin  geben,  daz  man  üch  dis  bi'i- 
cbelin  zu  rehte  schribe,  den  andern  güldin  süHeut  ir  haben  zii  einer  pie- 
tancicn.  ich  hutte  üch  gerne  daz  alte  biiclielin  gesant,  su  ist  es  wol  halbes 
einer  solichen  l'rijmden  sproebeu,  die  ir  nit  gelesen  kundent,  und  ich  iibete 
mich  selber  darane  vier  tage  und  naht,  urabe  daz  ich  ez  üch  gescbribe  in  -' 
uwerre  Elsafier  sproche. 

Kq  mine  lieben  briidere,  ich  bcgore  an  üch,  daz  ir  den  dnt  unscrs 
herreu  weüeut  ereu ;  und  lerent,  daz  ir  einmiilig  werdent,  und  haltent  üch 
in  aller  briiderlicher  cristenlicher  minnen  und  in  gi'ttelicher  traweu  mit 
groÄseine  ernste  zfisameiie ;  wanne  wisseiit,  alse  es  nii  stut,  su  tut  es  allen  ■■" 
den  n»t,  die  clito  got  minnent  oder  meinem,  und  ncmeut  ein  h<'<bet  üuder 
lieh  ziL  einie  zile,  weler  daz  ist:  wenno  mir  liet  Biilman  geschriben,  es 
sige  vor  dem  Uobeste  gerilitct.  und  wenne  es  nu  gerwe  geribtet  wurt.  so 
ist  üch  zii  n'tcnde.  daz  ir  uweren  eigenen  willen  einem  h'ibet"  an  gottes  stat 
gar  ilemiiteeliche  nf  gebende  sint  iu  allen  Sachen  gehorsam  zu  sinde.  uad  "' 
entslahent  üch  «lanne  aller  creaturen.  alse  verre  ir  mügent;  wanne  wiGent 
alsc  t.'Ä  groii"  übern atiirli che  verborgene  gottes  fründe  ane  sehende  sint,  so 
habent  sü  alles  neiswas  verborgens  in  in  und  lontesdooh  nit  gerwe  beraz; 
'   nnd  ist  mir  wol,  wie  ander  cristenheit  gar  sere  übele  |  vürhtent ;  nnd  ir^ 


•> 


83* 

meinmige  ist,  sü  tu  danne  anders  danne  sü  noch  tat»  so  mug  m  wol  in 
kartzen  ioren  darzu  komen :  ein  mensche  sige  wie  wise  er  in  der  natnren 
welle,  noch  denne  kan  er  nit  wißen,  wie  oder  wohin  er  fliehen  solle,  es 
sige  danne  ein  mensche,  dem  daz  übemattirliche  lieht  luhtende  ist.  lieben 
bradere,  ich  getmwe,  daz  ir  guthertzige  menschen  sint,  die  do  gerne  tetent 
den  willen  gottes,  do  ir  es  wastent. 

Nu  ir  lieben  brudere,  ir  sullent  demütecliche  und  getnltecliche  und 
gelessenlich  beitende  and  wartende  sin  der  hohen  liehtrichen  ubematorlichen 
gnoden  gottes,  and  ir  sallent  sich  sin  gar  alzömole  anwirdig  dancken,  also 
es  och  an  ime  selber  wer  ist ;  wanne  wissent,  wardent  ir  große  begirde  noch 
einer  solichen  hohen  wirdekeit  habende,  were  es  denne,  daz  got  sine  barm- 
hertzikeit  ond  awere  güthertzikeit  warde  ane  sehende  and  üch  worde  onver- 
dienet  die  große  gnode  gebende,  also  er  sü  sante  Paalas  gap,  wardent  ir 
danne  och  die  starken  streiche,  die  geischeln  gottes,  in  maniger  bände  weg 
ond  wisen  lidende,  also  er  st  damochliden  mäste:  so  ist  nüt  zt  gionbende, 
daz  nwer  keinre  blibe,  es  ist  zu  yorhtende,  daz  ir  alle  gotte  abe  gingeni  und 
doYon,  lieben  bradere,  so  ist  ach  zu  rotende,  daz  ir  nat  noch  einer  solichen 
großen  geben  begerende  sint,  es  si  denne,  daz  ir  ach  e  lerent  wol  liden ;  ond 
doTon  so  ist  ach  aßer  gottelicber  minnen  zu  rotende,  wanne  ach  bekorange 
in  nwer  fleisch  ane  fallende  ist,  oder  in  nwere  sinpeliche  vemanft,  oder  in 
welen  weg  oder  wisen  ach  die  bekorangen  ane  vallende  sint,  so  widerstont 
den  snnden;  wil  üch  denne  got  also  in  den  bekorangen  haben,  so  ist  es 
gnode,  die  von  gotte  kämmet,  do  vil  menschen  darch  kämmen  massent. 
aber  ir  massent  es  demütecliche  and  getnltecliche  leren  liden  und  darzü  one 
alles  wammbe,  wanne  got  alleine  zu  eren.  lieben  bradere,  lerent  ach  dch 
setzen  nnd  weren  aller  bildelicher  invelle,  alsolicher  infeile :  da  soltest  gon 
in  einen  walt,  oder  da  soltest  dis  tun  oder  daz  tun ;  alsoliche  manigraltige 
iafelle  die  kamment  gar  dicke  von  der  nataren  und  von  dem  tafele,  daz  sa 
üch  hinderent  and  vermittelent  und  berobent  großer  gnoden.  und  wißent, 
wo  ein  mensche  ist,  daz  nüt  gewores  liehtes  hat,  der  stoßet  sich  gar  dicke 
an  die  natnre  ond  an  den  tüfel.  und  dovon,  lieben  brüdere,  so  setzent  üch 
of  eine  stetikeit,  of  einer  stat  zu  blibeode,  die  stat  si,  wo  si  welle,  ehte  sü 
g6ttelich  ist 

Lieben  brudere,  nu  haltent  üch  frideliche  bi  enander,  ond  keinre  ergere 
sich  ab  dem  andern,  und  ist  daz  einre  von  nataren  dez  lafbes  zu  vil  an  ime 
hat,  daz  er  dovon  firölicbe  geberde  an  ime  hat,  die  ehte  one  grosse  Sünde 
sint,  dammbe  so  sol  sich  ein  anderer  nit  ergeren,  der  selbe  der  do  von  na- 
taren der  erden  zu  vil  an  ime  hat  und  swermütig  ist,  er  sol  alle  ding  keren 
zfl  dem  besten  ond  sol  gedenken :  er  mag  vil  lihte  ambe  got  erworben  haben 
die  frülicheit,  die  er  in  ime  het,  daz  mag  von  jubelierende  dar  kummen.  so 
sol  sich  der  Iroliche  öch  nit  ergem  abe  dem  swermütigen ;  er  sol  gedenken : 
er  mag  gar  rehte  tön,  er  mag  vil  lihte  in  siner  meinangen  haben  daromb, 
dax  golnia  gftten  tag  gewan,  darombe  so  welle  er  sich  5ch  ernstliche  halten. 
iJao  lerant,  lieben  bradere,  in  disen  Sachen  ond  in  allen  alsolichen  Sachen, 

44  mOm  «liif«flirt. 


1?^  daz  ir  alle  ding  lereot  zu  dem  bestec  k»ren,T^90  das  we  ding;  gut  In 

werden  t. 

Ach  lieben  brüdere,  ich  habe  gedoht,  nod  were  es  der  wille  gottos.  S" 
I  wolle  ich,  daz  ir  noch  mea  schlich  er  art  atse  nol  kdodent  spüren,  ahe  «in 

^H    TDgelhuDt  Duchhundesnrt  kan;  nnrdent  ir  daane  nmb  ücb  suchend«,  vilUht«    '' 
^^1   wurdent  ir  ettewaz    nildes  nohe  bi   nch  spürende,     die   zit  ist  noch  uit 
I  knmmeo,  daz  man  Tiffenliche  reden  sol.  der  oren  habe  zu  hörende,  der  hJre. 

Gegeben  an  dem  meadage  vor  nnser  fn'jwen  dage  der  UehtmeOe  in 
-3B9'  ^em  jare,  do  man  zalte  Ton  gotz  gebarte  drüzehenhundert  ior  sehtzig  und 
»,  29    niin  jore.  '" 

*Nu  meinde  der  vorgenanLe  erlühlete  gottes  frünt  in  dez  vogel- 
hundes  spüre  und  in  dem  wilden  daz  verburgene  heilig  leben 
Riülman  Merswines,  unsors  Stifters  zu  dem  Griinenwerde 
aines  heimelichen  gesellen,  alse  er  es  om-h  mit  sin  selbes  haut 
m  bappire  geschribeti  hatte  und  noch  sime  tode  funden  wart  mit  '^ 
sime  eigenen  silberinen  ingesigele  mit  eime  riemen  daran  gehencket 
umbe  sante  Margreden  dag,  also  i^ch  der  selbe  Rülman  Mers- 
win  versehiet.  und  die  Urkunde  bücher  sa^jent  scilicet  anno  do- 
[362     mini  M".  ccc".  buucij. 


Dis  ist  die  uz  gerci-hente  hinderste  zil  wigariter  daz  (^me,  -" 
in  dem  die  cristenheit  vil  iore  gestanden  ist  in  grossen  swenckeii 
und  in  zitternder  vorhlen  vor  dem  himelsehen  vatter,  der  do 
lanjie  zit  daruf  geneiget  ist  gewesen  und  willen   hette  sinen  ein- 
gebornen    sun    durch    alle    die   weit   zu    rei-hende    mit    soliehen 
grossen  orsehrockenlichen   pflogen,  dovon  daz   meiste   teil   alles  -^ 
Volkes  verdorben  miiste  sin  und  gar  wenig  lütes  lebendig  blibeii 
mag,  so  die  selben  pflogen  kummen,  von  der  wegen  der  mute  er- 
barmlierlzige  gol  sich  gar  dicke  het  gelolien  erbitten  ie  zu  mole 
umb  einen  uf^ilag,  die  oucb  nu  alle  vitr  und  uz  sint,  daz  un^  die 
pllogen  umb  geben  haut  und  uns  uf  lienr   halse  ligent,  alse  Axv  ■'"' 
brieie  sagent,  die  hienoch  gesdiriben  slont  und  von  den  heime- 
liclicn    verborgenen   l'ninden    gottes    kummen    sint    uns   zu   einr'e 
fürsihligen  Warnungen,  und  daz  sint  nch  fünf  die  aller  hindersten 
briefe,  die   der  liebe  gottes  fnint  unscrme  sUfter  Rülemanne 
Merswine  und  dem  eommendüre  ie  geschreip   one  einen  brief.  ■' 
der  zu  aller  nohst  noch  disen  fünf  briefen  geschriben  stot,   den 
i'ich  der  liebe  gottes  frünt  dem    cnmmendüre  sehreip   von  dez 
obersten  meisters  wegen  zu  hant,  do  er  wider  heimkam  von  dem 


göttelichen  tage,  den  er  selbe  drizehenste  in  dem  wilden  gebirge 

uf  die  Ostern  leistete. 

Die  erste  pflöge  und  die  sörglicheste,  die  uns  nit  alleine 
lipliche  übel  kummet  sunder  oueh  geistliche  an  der  seien,  wanne 
■'  Sil  dem  glouben  gar  nohe  romet  und  voret,  an  dem  alle  unser 
selikeit  gelegen  ist,  dez  Öch  aller  minnest  ieman  abten  oder 
schetzen  wU,  wie  gar  grolter  sorglicher  unlidelicber  gebreste  in 
zit  und  in  ewikeit  von  diser  selben  ersten  pflogen  uf  stonde  möhte 
werden,  daz  do  ist  die  missehellunge  der  cristenheit,  in  der  alle 

i'i  wisbeit  der  naturen,   der  gescbrift  und  der  gnoden  dez  beiigen 
geistes  versigen  und  alse  gar  verlöschen  und  vergangen  ist,  daz 
alle  meister  der  gejschrift  und  wisheit  der  pfafTen  verirret  sint  IS' 
und  sich  nüt  gerihten  künnent  usser  diser  zweier  bebesten  unge- 
licbeit,  daz  sü  der  cristenheit  zii  einmütikeit  hiilfFent  und  dem 

■''  römschen  sti'ile  zu  friden.  dis  mag  ein  ieglicb  mensche  in  sin 
selbes  sinnelicbeit  wol  mercken  und  verston,  daz  es"  ist  eine  ver- 
hengniße  von  gotte.  alse  öch  er  sinen  fründen  ofTenborte  bi  ho- 
best Gregor  ius  ziten.  dru  ior  vor  dem  beginne  der  zweier  be- 
beste ürban  und  Clemens  do  kam  ein  brief,  in  dem  wart  dem 

-u  commendüre  geschriben  under  andern  werten  alsus: 

Vil  lieber  fruiit,  ich  kan  nit  wol  geloßen,  ich  müs  uch  schriben,  dai 
ich  von  vil  gottes  fründen  vernamen  han  und  örh  von  ir  ein  teil  selber  ge- 
hört habe,  daz  gar  sere  etwaz  zu  viJrhtciide  sige,  alsu  daz  die  roüter  der 
heiigen  kirchen  wol  in  gar  gros  getrenge  kämmen  m'ge,  es  sige  danne,  daz 

ti  die  grondelose  erbermde  nnscrs  lieben  herren  über  wunden  werde  von  sinen 
lieben  fründen,  also  daz  es  uf  geschlagen  werde;  und  beachibt  üch  daz  nüt, 
daz  es  vnr  sich  gonde  wnrt,  so  wifient,  daz  alsoliche  große  irrunge  in  die 
möter  der  heilgea  kirchen  wnrde  fallende,  daz  es  wol  bescheben  m<'ihte,  daz 
maolg  güthertzig  mensche,  daz  noch  oiie  lieht  ist,  sich  wol  daran  stoßen 

'ji;  möhte  und  in  große  irrange  vallen.  daninil)  vil  lieber  frünt,  so  rüfFent  die 
fründe  nnsers  herren  ans,  also  daz  sü  bittent  die  grandelose  erbermede  umbe 
einen  nfslag;  wanne  wiBent,  welre  mensche  die  valschen  b'mffe  in  dirre  ge- 
genwertigen  zit  ans  sehende  ist,  so  siht  er  wol,  daz  es  gar  sorgliche  in  der 
lit  stot;  nnd  ist  daz  vaste  der  hübter  schalt,  wanne  die  hübet,  si  sigent  geist- 

33  Uch  oder  weltlich,  an  den  es  stot,  die  slnt  verre  daz  meiste  ti'il  mit  großeme 
grite  imd  mit  großer  hochfart  über  laden;  ich  wil  geswigen  der  sünden,  die 
in  dem  fleische  verborgen  ist  et  cetera. 

Dirre  brief  wart  geben  amb  sant  Oergendag  dez  jores,  de  man  zalte     '"'' 
von  gotx  geborte  drniebenhnndert  sibentzig  und  fünf  jore.  ^I""^  ^^ 


Und  n:)cb  dis  vorgeschribenen  tn^fes  zfk  kunft  vier  iore,  ^o 
'■  hobest  Gregoriua  und  kaiser  Karle,  die  Kwei  obersten  houliel 
der  cristenheit,  beide  gesturbent,  do  komeiit  aber  die  heimelicben 
«"liibteten  goLtes  fründe  in  gros  getrenge,  und  wart  in  vnn  gotu^ 
geolTenborl  vil  großer  erschröckenlioher  pflogen,  die  man  in  deii  ^ 
ziten  wartende  waz  alles  von  unaerre  grossen  si'inde  wegen,  darus 
aber  under  andern  Worten  dem  eommendiire  in  warnender  wise 
alsus  gescbriben  wart: 

Nu  vU  lieber  commeiidüre,  ich  loße  lich  wiOea,  es  ist  wol  na  etWM  lu 
förhtenda,  daz  es  vil  sorglicher  io  der  tit  stände,  verre  si^rglichur,  deone  es  i! 
dise  weltwiscD  sinnelichen  menschon  in  aller  irre  sinnelicben  vemnoft  tu- 
Btan  künnent,  es  sigent  iucb  große  pfaffen  oder  wise  li'igeo. 

Nu  lieber  cotnmendur,  ez  ist  ietzenan  nnser  herre  der  meister,  der  iId 
gK  Biz&mole  ein  weltwiser  richsinniger  herre  ist,  der  do  große  sorge  h>L 
wie  daz  es  goDde  sol  werden,  dovoo  won  er  nuzümole  höbtes  nüt  enhet.  u 
du  wissent,  vil  lieber  commendür,  daK  6s  ettelichen  meLschen,  die  man  wol 
vindet,  die  do  in  gotte  riebsinnige  menscbeu  siut,  den  es  do  gar  eiue  kleine 
aorge  oder  vorbta  ist  wider  der  sorge  oder  vorhte,  do  sii  wol  drii  ior  inne 
^  sint  gesin  oder  me,  and  [  danü  so  ist  nu  alle  zit  zu  vi'irbtende,  daz  die  zit 
der  pflogen  gar  nohe  »ige  nnd  gar  herte  werde  darvilr  zu  bittende,   aber  ich  iV 
getrüsle  mich,  daz  ich  es  von  der  gnodeo  gottes  wol  bekennen  bin,  dax  wir 
einen  gniilcn  niilttm  erbarmhertzignii  berreti  hahent,  da^  uns  nu  gar  not  ist. 
und  ich  belienne  in  wol,  daz  er  sich  zu  vil  ziteu  het  geloGen  erbitten,  alsu 
daz  ein  ufslag  beschach.  also  sfillent  wir  gotte  wol  getruwen,  aud  wellcnt 
wir  ans  üt  bcüera,  daz  es  aber  wol  bescheheii  mag;  wan  solle  es  vür  sich  j. 
gon    so  möhte  es  der  gr'isten  pflogen  eine  werdcu    <}{•'  sit  No6<i  ziteo  ie  he- 
schacl       an  1  e  ploge  mag  also  gro      er  leu    laz  n  eman  [s  J    n  w  «  er  st    Ie 
s  ch  laruz    err  hten  k    ine    als     iaz    1  e  n    nfch  i    v  n  rehter  vorl  te    i 
renie    v  rd  nt     vi   1  eher  commenl  r    he  sngent  n  eman  darv  a    wan 
nn  er  fcrufi  r  herre  unl  unser  t,  t  ier  mahtc  J    n  is   iei  großen  propheten 
V  1  z    e        I  gel  er    un  1    st  e      b  r    laz   r  m  t   eman  1  e  on  re  1  n  w  ellput 
la         gent   r  wol  m  t  R    Imi     t        wa    der  w    s    ch    or  dr  n    oron     ol 
etwaz  h   von    aber  unserm  herre    d  m  mo  stpr  d    o    z    sageale    daz  weis 
ch  nut  im  lall   ich  z        1         i    ch  got  do  g  t  z    t  nde    laz  tui  t   wan 
er  hat  od  daz  als  v  1    orl  te      d    or^e    als       uwent  larumb     laz     r  nuz 
n  ole      t  h  btes  enbet 

\u  \  I  I  ober  1  erre  c  mmen  i  r  nuz  mole  sltmrlileni      m 
hc  mol  clpf  fr  nt     n  s  rae  br  "fe  verschnben    laz  un  erl  erre  derme   te  und 
ir  m  t   me  rettent    a!      d      Blmanmr    ehr  ben  solle  und  m  ch  b  tt«n 
soU    al     la     c!  e    lu    I  t,ot  tot   n   I     b  beleießez    m  n  selbes  rede 


87* 

faimtieii,  wolÜD  daz  wer,  daz  woltent  sü  gern  tun ;  möhte  aber  das  von  in 
beden  oit  sin,  daz  ich  denne  nnsern  herren  den  meister  nnderwegen  ließe 
und  den  commendur  allein  Hesse  zu  mir  knmmen,  daz  er  mir  mit  dem  munde 
alle  ding  gesagen  mohte  von  nnsers  herren  dez  meisters  wegen ;  and  wer  es 
och,  daz  ich  daz  nüt  entete,  so  mohte  es  wol  beschehen,  diaz  der  commendur 
zd  ettelicher  zit  wurde  uz  farende  mit  willen  unsers  herren  dez  meisters  und 
das  er  nüt  erwinden  solte,  er  kerne  denne  zu  unser  geselleschaft  unser  bruder. 
lieber  commendur,  daz  het  mich  gar  ein  große  fremde  sache  an  üch,  nüt  an 
onserm  herren  dem  meister,  an  üch,  dovon  ir  die  gescbrift  künnent  und  ein 
wiser,  ein  lerer  uf  dem  stül  sint  und  ir  nu  erst  wellent  uz  faren  zu  den  crea« 
turen  ettewaz  zu  bevindende.  lieber  commendur,  ich  verbau  es  üch ;  wan  es 
ist  mir  ein  zeichen,  daz  ir  dez  rehten  inkeres  noch  nie  rehte  versnchtent; 
wan  kein  uzgang,  so  klein  er  ist,  er  beruhet  iemer  etwaz  eins  nohem  in- 
ganges; wan  der  wutt  der  ist  bi  uns  und  ist  uns  noher,  denne  wir  uns  selber 
«nt  doYon  lieber  commendüre,  blibent  bi  üch  selber  ontz  an  die  zit,  das 
üch  got  selber  us  tribet ;  wan  wissent,  lieber  commendur,  es  ist  noch  nüt  die 
zit,  daz  wir  uns  süllent  offenbaren,  und  wissent,  vil  lieber  commendüre, 
und  beschehe  es,  daz  dise  grossen  pflogen  wurdent  anvohende,  so  ist  zu 
glouben,  daz  die  verborgen  heimlichen  gottes  frünt  alle  hervür  usser  iren 
hülen  slieffen  müstent  und  müstent  in  die  cristenheit  geteilt  werden;  und  be-  1 9^ 
schiht  och  daz,  wie  daz  ich  sin  nüt  wirdig  bin,  so  sol  ich  doch  offenliche  zu 
dem  Grünenwerde  kummen;  und  beschiht  daz  darumb,  daz  ich  Kül- 
man,  minen  heimlichen  frünt,  do  habe,  daz  wir  in  und  ander,  die  wir  be- 
kennende sint,  zu  gezügniße  nement  zu  uns. 

Vil  lieber  commendur,  alse  gar  sorglich  als  es  nu  in  der  zit  stat,  so  ist 
üch  und  allen  unsem  guten  fründen  wol  zu  rotende,  daz  wir  vür  uns  selber 
sehent  und  zu  uns  selber  lügent,  alz  soltent  wir  sterben,  daz  wißent,  daz 
het  B Ulm  an  und  ich  mit  drien  unsem  brüdem  vor  etwie  vil  zites  geton, 
und  haut  uns  in  allen  Sachen  also  gerihtet,  also  daz  wir  alle  naht  an  unser 
bette  gont,  daz  wir  nüt  wissent,  wan  soltent  wir  in  unser  g^abe  gon.  lieber 
commendüre,  sit  daz  ir  sprechent,  daz  unser  herre  der  meister  sine  Sachen 
och  gerne  an  uns  ziehen  wil  und  gerne  unsers  rotes  volgen  wil,  so  ratent 
wir  ime  usser  gottelicher  minne  und  uz  aller  cristenlicher  truwe,  das  er  sich 
in  allen  sinen  Sachen  rihte,  also  solte  er  des  iores  sterben. 

Wissent,  lieber  commendüre,  daz  wir  unserme  herren  och  ratent:  wil 
er  sich  alsus  rihten  und  sine  hüser  siner  bruder  besorgen  mit  helf  lipliches 
gutes,  so  ratent  wir  ime  usser  g6ttelicher  minne,  also  daz  er  nüt  alleine 
aiisehe  den  hüsern  zu  helfende,  er  sol  ansehen  die  bruder,  die  do  in  den 
hüsem  sint ;  haltent  sich  die  go tlich  und  ordenlich,  es  sint  pfaffen  oder  leigen, 
den  sol  er  helffen ;  er  enbedarf  nüt  als  gar  vil  sorge  haben  umb  die  hüser, 
die  er  het;  man  fünde  hüser  gnüg,  fünde  man  götliche  gehorsame  bruder 
darin* 


18  «M  einfefagt  in  Schriftcharakter   des    sog.  Antographs         20  kfiiMi  V»tx. 
int  hSUmm        as  mit  nMch  dtm  eingefflgt,  SchriftchftrakteT  de«  kutocn:^^. 


Vit  lieber  commenddr,  ir  Büllent  wiDeD,  du  Bfllman  min  hslmiietier 

front  nad  ich  vor  av  ioren  in  großen  sweren  triicken  stnt  gesin,  also  >L&z  nir 
gar  dicke  wonden  in  dodes  ni'ite  sin  von  dez  GruDODwerdes  wcffeti'.  «an 
nD3  bescbach  beden  zu  maDigen  ziten  in  tromen,  in  risian,  nf  eine  zh  rebt« 
glicb.  und  waz  daz  also,  daz  nns  dafate,  wie  daz  were,  ikz  got  woito.  dai  f 
wir  ime  soltent  machen  ein  nuwes  gottes  hus  einer  nuwen  kirchea  nud 
soltent  lügten,  da/,  sii  hesnngcn  wnrde.  lieher  commendür,  oii  was  ich  in  i]«d 
ziten vil  z»  Strozbnrg,  und  wenne es heachach,  daz  ich  nnd  Bülmanin- 
samen  koment  und  wir  der  selben  Sachen  gedenckende  wnrdent,  so  spra- 
cfaent  wir  züsamen :  waz  sol  dis  dinges  sin,  wem  wer  es  aber  nfitzeV  wer  es  i 
nüt  weger,  daz  man  armen  lüten  hiilfie,  denne  daz  man  düster  machet?  man 
vindet  cli'ster  gTiüg,  fiinde  mau  gute  bnider  gnüg  darin,  nnd  so  wir  dis 
alsus  mittenander  gerettent,  so  giengent  wir  deuoe  von  enander  und  schlä- 
gent  es  rehte  von  uns  nnd  tribent  es  az  den  sinen.  und  so  es  denne  got 
aber  wolte,  so  beschach  es  denne  aber,  daz  wir  aber  bede  glich  in  der  na-  i 
toren  getracket  wurdent,  also  daz  wir  sin  kräng  wurdent.  a!so  litient  wir 
uns  wül  uf  zwei  ior,  also  daz  wir  ans  nie  woltent  versprechen  dis  zil  timit. 
also  boschach  darnoch  gar  kürtzlich,  daz  üiilman  and  ich  wir  bede  aber 
bede  glich  gedracket  wnrdent,  also  daz  wir  bede  rehte  lam  wurdent.  also  daz 
wir  nicrgent  knmmen  möbtent.  do  wart  uns  beden  in  einer  vision  beden  t 
l'J^  glich  geben  zu  '  verstonde,  die  wile  daz  wir  bede  leben  soltent,  so  müstent 
wir  also  lam  sin,  wir  t^ebent  denne  nuseru  willen  darin,  nnd  zu  stnut  su 
wir  nuwent  nnsern  willen  darin  gegebent,  so  solttnt  wir  daz  zii  eime  Wort- 
zeichen haben,  also  daz  wir  denne  bede  mitenander  gesunt  uf  eine  stant 
»Orden  werent.  und  daz  besciiach  iVh  zu  stunt,  do  wir  nnsern  willen  darin  .; 
gegiibent,  zu  stunt  do  worent  wir  gesunt  nnd  gerech  worden,  nu  vi]  lieber 
comoiendiir,  also  ist  der  Gri'inenwerd  in  grollen  mirackeln  und  in  großen 
swereii  tnickcn  zu  gegangen,  daz  icli  gh'be,  daz  fich  Bulmau  wenig  di>von 
geseit  habe. 

■^'S  Gegeben  an  dem  fritdage  noch  sant  Veitins  tage,   in  dem  Ixiviiij  jore  x- 

'■■  ''*    und  iln'dzelieiihunderliijesteine  iore. 


l'riil  viii  ;;rulier  angest  und  not  und  ersi^limckenliirlief  gru- 
■  welii-her  kiinltiirer  niche,  so  den  lieben  goUeri  frunden  in  disen 
vnrgeschriben  drien  vorlitsamen  ioren  und  lunder:iLen  ziten  gei'ireii- 
biiret  wart  und  sii  legeliuho  wartende  worenl,  so  koment  ir  ehlewe  ■ 
überein  und  wurdent  zii  rnle,  daz  si'i  woUcnt  einhelleclithe  von 
minnen  und  von  groller  Iruwe  und  von  sunderlicher  erbermede 
viir  die  cri^tcnlieit  ijiUen  und  einen  ufslag  von  gotte  erwerben; 
nnd  mahtenl  einen  dag  und  sammeUenl  sich  in  eiine  grollen  hohen 
wilden  geliirge    und  In^ent   un.-ii'rme   lieben   herren   mit   fli:jsigem  '' 


89* 

ebette  obe  nun  tage  lang,  und  do  die  bette  geschach,  und  der 
ag  verging,  do  schreip  aber  der  eine  liebe  gottes  frünt  dem 
Dmmendüre,  waz  in  zu  entwurte  von  gotte  worden  waz  und 
priehet  der  brief  alsus: 

Lieber  früat,  ich  loße  üch  wißen,  daz  ich  bin  gesin  in  eime  gar  wilden 
roßen  hohen  gebirge,  do  ein  vil  kleines  kappellelin  in  einen  stein  gehuwen 
it  und  ein  vil  kleines  huselin  dran  gebnwen  ist,  and  do  ein  priester  mit 
ireien  jungen  brüdern  inne  wonende  ist.  und  nf  diso  selbe  stat  do  koment 
iben  gar  große  heimeliche  gottes  fründe  züsamene  an  sante  Gertruten  dag.  ^^^^^  ^^ 
ad  bi  disen  lieben  gottes  fründen  bin  ich  gesin  alse  ein  unwirdiger  uzwürf- 
)liDg,  aber  von  irre  großen  demütikeit  wegen  so  woltent  sü  nüt  enbem 
ocb  abe  gesin,  ich  müste  bi  in  sin  und  müste  boren  und  sehen  und  befinden 
lle  ire  heimlicheit;  und  dirre  lieben  gottes  fründe  der  worent  drie  prie- 
tere.  nu  vil  lieber  frünt,  solte  ich  üch  alle  die  großen  mirackele  der 
rossen  wundere,  die  do  beschohent,  solte  ich  üch  von  den  allen  schriben,  so 
lohte  sin  gar  alzümole  alzii  vil  werden ;  aber  ich  habe  sü  mime  lieben  hei- 
lelichen  fründe  gar  vil  geschriben.  doch  so  wil  ich  üch  von  eime  stücke 
iner  mirackelen  schriben,  und  daz  ist  och  der  grosten  stücke  eins  ander  in 
llen,  und  ist  och  etwaz  notdürftig  üch  zu  schribende.  und  ist  daz  sache, 
az  ich  üch  zu  ettelichen  ziten  ettewaz  me  uf  den  selben  sin  geschriben  habe. 

Lieber  frünt,  ir  suUent  wissende  sin,  daz  dise  lieben  gottes  fründe  got 
lit  gar  großeme  ernste  obe  logent  und  in  mit  großeme  ernste  bittende  wo- 
dni  vür  daz  große  gruweliche  wetter,  des  ;  man  alle  zit  wartende  waz,  und  20^ 
ottent  got  bede  tag  und  naht  alles  umb  einen  ufslag.  und  in  disen  dingen 
is  gebettes  worent  dise  lieben  gottes  fründe  von  sante  Gertraten  dag  untze 
n  unsere  lieben  fruwen  dag.  nn  waz  dirre  lieben  gottes  fründe  gewonheit,  mdrz  25 
az  sü  alle  tage  noch  dem  mitteme  tage,  so  sü  geßen  hettent,  pflogent  zu 
onde  von  dem  huse  in  den  walt;  wan  do  waz  ein  geseße  bi  einem  sch&nen 
amen,  do  waz  ir  gewonheit,  daz  sü  do  nider  bi  enander  sossent  und  rettent 
0  mit  einander  von  den  dingen,  darumbe  sü  dar  kummen  worent  und  wart 
ch  do  ie  einre  noch  dem  andern  gefroget,  obe  ieman  üt  von  der  Sachen  wegen 
ur  kämmen  were.  also  befundcnt  die  lieben  gottes  fründe  von  der  Sachen 
ie  nüt  untze  an  unsere  lieben  frowen  dag  noch  dem  imbisse.  also  do  sü 
her  koment  in  den  walt  und  also  bi  enander  sitzende  wurdent  und  irre 
achen  gedenckende  wurdent,  so  horent  sü,  wie  ein  gar  großes  windes  getose 
nrch  den  walt  her  kummet  gruweliche  brochtzende.  und  in  dem  selben  do 
rart  och  domit  die  aller  gröste  grawelicheste  dickeste  vinstemiße,  also  daz 
rir  überal  nüt  gesehen  m6btent  dise  ding  die  worent  gar  ungehüre,  also 
az  wir  alle  wol  merckende  worent,  daz  es  von  den  Übeln  geisten  waz.  also 
rorent  doch  die  lieben  gottes  fründe  also  gar  demütig,  also  daz  sich  sin 
einre  wolte  under  winden  die  übelen  geiste  zu  beswerende,  also  daz  sü  ir 
idig  worden  werent.   welen  man  ane  kam  und  in  bat,  daz  er  es  tun  solte, 


19  s^rÜkmde        40  doch  zweimal,  einmal  getilgt. 


der  spracb,  daz  amA 

virdig.   also  befalbont  si  es  alle  in  einer  demütigen  geU-ßecMl 
gotte,  daz  er  det<^,  wa2  er  wolte.    alse  liessent  sü  die  Übeln  geiste  regnierai 
mit  dlrre  großen  ungehüren  dicken  vinsterniße  wol  af  eine  gantzo  sliutde. 
und  do  daz  zerging,  do  zu  stunt  wart  do  beschach  es,  daz  eine  gar  ge-    i 
swinde  kloro  schöne  later  heiter  liebt  wart  dai  lutere  liaLt  die  klore  sanoe 
gBT  Taste  iiberlübtende  waz,  also  daz  unsere  liplicben  oagen  den  klcrsn 
schin  knme  erliden  mrihlent.   und  in  diseme  kloren  latem  lieht«  do  brach 
eine  gar  ußer  muBen  süsse  niigesibtige  stimme  nz ;  die  stimme  also  waz.  '1(i- 
von  nnsiT  aller  nature  gar  große  kraft  enpfing.   und  wir  hortent  mit  aosere  i 
liplichen  gebärde,  daz  die  süße  stimme  sprach:  ir  vil  lieben  frnnde  goties. 
fride  si  mit  ücb,  and  ir  süUent  niit  erscbrecken  noch  üch  frirbten,  wenne 
ich  bin  ein  gcsanter  enget  niid  ein  botte  von  der  beugen  hohen  ewigen  dri- 
valtikeit,  nnd  sni  üch  kaut  tnn  und  tun  ücb  öch  knnt,  also  d&z  die  »]• 
mehtige  drivaltikeit  nwer  bette  erhöret  bat,  und  hui  üch  geben  ein  gant»'!  i 
ior  den  ufslag  dez  großen  gruwelicben  wetters,  daz  dn  über  alle  die  velt 
gangen  solto  sin ;  und  ich  sul  üch  ouch  gobteten  und  gebüte  es  üch  oncli 
von  der  heiigen  drivaltikeit  wegen,  daz  ir  noch  diseme  iore  nüt  me  ron 
diser  seihen  Sachen  wegen  süllent  bitten,  wanne  der  vatter  wil  es  denue 
alleine  in  siner  baut  stunde  haben ;  nenne  so  es  beschiht,  daz  der  ratter  be-  i 
kennende  wert,  daz  es  zit  worden  ist,  so  wil  er  denne  sinen  snn  durch  alle 
die  weit  rechen;  nnd  daz  wuri  i'ch  daiine  der  cristenheite  gut  sinde,  wanD« 
dio  cristenbeit  die  wurt  sich  danne  von  großer  not  und  aogest  nnd  forbte 
bessernde  werden,   nnd  daz  waz  i'cb  daz  binderste  wort,    nnd  do  lü  stunt 
do  zerj-'ing  öch  dio  schöne  heitere  liebte  geaihte,  nnd  wart  öch  do  die  sanm  ■: 
wider  schinende  rehte  also  vormols. 
'  Nu  vi!  lieber  frünt,  ir  sallent  wissende  |  sin,  daz  ich  üch  dise  ding  ge- 

schriben  habe,  daz  habe  ich  ußer  göttelicher  minnen  und  ußer  cristenlicber 
brüderlicher  truwen  geton,  alse  ich  ücb  in  gotte  wul  getruwende  bin.    und 
harumb  so  bitte  ich  ücbußergöttelicberminnen.  dazirniemanhievon  sagent  ■■'■ 
es  sjgent  danne  alsolicbe  menschen,  den  ir  in  gotte  wol  getruwende  sint 

Lieber  fnint,  üch  wart  dio  erre  fart  geschriben,  also  daz  uns  allen  wol 
zu  rotende  were.  daz  wir  unser  leben  soltent  anvoheu  zu  rihtende  und  im 
besorgemie  und  also  soltent  leren  leben,  also  daz  wir  darof  möhtent  sterben, 
lieber  frünt.  waz  daz  dozumole  zu  rötende,  alse  ich  es  denne  dise  vart  ver-  ■ 
nomen  und  befunden  habe,  su  ist  es  nuzümole  noch  gar  vil  baz  und  me  zu 
rotende,  danne  es  dozumole  iviu.  Und  lieber  früut,  ich  rote  üch  ußer  götte- 
licher  minnen,  und  ist  daz  ir  dehelnen  frünt  hant,  der  do  mit  der  weit«; 
Fachen  und  mit  diseme  irdonschen  gute  vil  zu  tünde  bet,  daz  ir  dem  heime- 
Itchen  rutent,  also  daz  er  sich  mit  der  weite  rihte  und  sine  sele  besorgende  >■ 
si  und  daz  ane  vobonde  si,  also  daz  es  zu  dem  leugesten  dts  iores  bcschebea 
sige;  wie  es  danne  goude  wurde,  so  lebte  der  mensclie  deste  me  one  soi^« 
und  one  schrecken  und  lebete  nu  iu  der  zit  sicherlicbe.  und  mag  dem  menseben 
nüt  geschaden.  und  wer  es  loch,  daz  usser  diseu  dingen  nüt  wurde,  und  gut 
sine  ebermde  wurde  öugendo  imd  waiA«  tüude,  also  er  den  von  Ninivü  i 


91' 

det:  beschehe  öcb  daz,  dammbe  so  hette  der  mensche  nät  verlorD,  or  hett« 
gewnnnen. 

Gegeben  an  ilem  samestdage  noch  den  oaterdage  dez  iores,  do  man      '^ 
lalte  M^.  ccc".  sibenzig  und  nun  jore.  "/"'^ 


Und  do  alsus  der  himeUche  vatter  sinen  fründen  abe  seile       9. 
und    Sil    misselrosle,    daz  sü   noch   dem   ii>re  dis    ufslages  niit  *"'"" 
me  bttteQ  dnrfTent  und  ouch  bi  gehorsame  mit  me  bitten  getors- 
tent,  also  dirre  vorgeschriben  nehste  brief  seit,  do  noch  kam  es  die 
liebe  erbarmhertzige    gnodeariche  milte  müter  Maria,   die  aller 

10  oberste  küniditi  himelriches  und  erteriehes,  selber  an  den  himel- 
schen  vatter  dez  winnaht  obendes,  do  man  zalle  von  gotz  ge- 
bürle  driizehenhundert  sibenzig  und  min  jare,   ebe  der  vorge-     1S7 
schriben  uislag  uz  kam,  und  bat  in  mit  ernste  viir  die  cristen- 
heit,  daz  er  die  künftige  pflüge  noch  drü  ior  ulslüge  und  ir  so 

•''  lange  zit  gebe;  des  sü  der  himelsche  vatter  von  irre  demütigen 
ernsthaften  bete  wegen  geweren  mnste,  wenne  er  ir  nüt  versagen 
mag,  aber  er  wolte,  daz  donoeh  zi'i  den  künftigen  ostern  dri- 
zehen  der  heimeliehen  erli'ihteten  verborgenen  gottes  fründe  ke- 
ment  in  daz  hohe  wilde  gebirge  uf  die  selbe  stat,  do  vormols  zu 

'•*>  den  nehsten  vergangenen  ostem  ir  ehtewe  woran  jjesin  und  ein^ 
ior  den  uFslag  erwurbent.  und  wie  es  ouch  den  selben  drizehen 
gottes  fpünden  in  übernatürlicher  wise  mit  guten  Wortzeichen 
verkündet  und  geofTenbaret  wart,  daz  su  versammelt  wurdent  und 
in  daz  hohe  wilde  gebirge  fürent,  daz  seil  dirre  nehsle  nochgonde 

-■•  brief,  der  von  den  selben  drizehen  gottes  fründen  eime  herabe  ge- 
sendet wart  Rülman  Merswine,  unserme  Stifter,  alsus  spre- 
chende : 

Yil  lieber  sanderlicher  faeimelicher  friint  miiiro,  ich  lo  dich  wiBen,  daz 
esbeachehen  ist  na  zu  neliste  zu  ninnahtcn  in  derheilgeo  cristnaht,  daz  ich 

10  noch  der  mettin  an  I  dem  tage  waz  ettewaz  kräng  worden,  and  ich  leite  mich    21' 
also  nider  nnd  wolte  gerne  ettewaz  rüwen.   und  do  ich  also  lag,  do  gingest 
mir  vor  rehter  krangbeit  die  ongen  zu  also,  daz  ich  doch  weder  rebt  schlief 
Doch  rebt  enwachete.   und  do  in  demselben  wart,  do  waz  mir,  wie  daz  eine 
summa  zfl  mir  sprechende  were :  da  sult  nit  loßen,  da  solt  dich  daruf  rifaten, 

i.>  also  das  -ia  nit  loQest,  dn  knmmest  und  sigest  an  dem  hohen  dtmrestage  zu 

6-S7  itt  nicht   rot  Eescfariobon    wie  dio   sunstJEen  f!bar«chrifl«u,   sondara  nur 


n&lit  SD  der  selben  stat,  do  da  vernent  selb  ahteste  were,  do  nnrsl  da  nn 

selb  drizehenste  hin  bniDiaeDde  werilea ;  and  wissest,  ebe  daz  die  zit  kummet. 
daz  da  varende  warst,  sn  snlt  da  e  vil  ^liter  woneichea  bevindende  werden. 
Lieber  frijot,  du  solt  wiDende  sin,  daz  mir  dise  vermanaii^e  in  dem 
Hula?  sluffo  wart  viir  gehebet  iu  der  heiigen  cristnaht  and  in  sant  Steins  naht  und  j 
in  sant  Juhans  naht;  und  beschach  daz  die  drje  naht  alles  glich  In  eime 
dinge,  rehte  gliches  an  dem  tage  nf  gonde.  na  solt  du  wissende  sin,  daz  es 
beschach,  daz  unser  her  Johans  an  sant  Jü hanstage  noch  dem mitteme  tage 
zil  mir  kam  and  wart  mit  mir  redende,  and  seite  mir  rehte  alle  ding,  wie 
daz  imedise  drie  morgen  alle  morgen  in  dem  sloffe  viirgehebet  waz  worden,  ]i 
also  daz  er  mit  mir  vareo  solte  an  die  stat,  do  ich  vernent  selb  abtesto  wsz, 
du  solte  ich  noch  hure  selb  drizehenste  hin  kämmen,  und  do  mir  her  Jo- 
han  s  diz  geselle,  do  sprach  er  mit  ernste  in  trogender  wisc,  ohe  daz  ich  üt 
hievun  waste,  waz  es  were.  do  sprach  ich:  herre  Johans,  lont  es  also  bübee 
antz  an  die  zit,  daz  wir  merre  Wortzeichen  befindeut,  wanne  allen  Visionen  i 
den  ist  nüt  wol  ku  gloubeude.  also  beschach  es  darnoch  in  den  vier  wachen. 
daz  mir  ein  groGer  gottes  fnint,  derdo  wonet  in  der  herren  lant  ?ou  Meig- 
lon  den  ich  wol  bekennende  bin  der  schreip  mir  rehte  ghchs  daz -^elb  selbe 
rehte  ein  ding  and  tr  gete  mich  ch  mit  gro^seme  ernste  and  bat  inKh,  dai 
ich  ime  nete  nnd  ime  durch  got  widerumbe  acbribe  ob  daz  es  gut  were  ' 
dai  er  uf  die  «(elbe  zit  dar  solte  varen  oder  weger  were  daz  er  hie  solte 
blibeu  wanne  in  nntdahte  daz  er  wirdig  were  zu  alsohchen  großen  gölte« 
frnnden  zu  varende  al^u  habe  ich  ime  widerambe  geschriben  in  vil  worten 
er  solle  es  mit  nute  1  Ben  er  stille  m  aller  «ise  varen  alse  er  verminet 
VI  rden  j'^t  nu  "^olt  du  ch  wissende  sin  di  tielben  gottes  frunde  iie  do 
vernent  ch  nf  leni  g  ttelithen  tage  w  »reut  daz  mii  der  ein  teil  ler^chnbdi 
hibont  ou(h  vm  der  selben  saihen  wegen  \\m  es  in  dir  kämmen  ist  und 
alse  e>  in  vorkuii  iet  vi  rdi  n  ist  d  iz  ist  lUessimment  eins  also  gl  übe  ich 
und  getruwe  daz  wir  die  au  dem  h<  hen  dunrestagc  za  naht  do  bi  eoander 
«iillint  <tin  und  ^nllent  d>  bi  enanler  bliben  Icn  karrntag  den  ostertbenl 
und  l  n  oiterdag  und  an  lern  mfndit.e  Inige  so  werdent  wir  von  enaiider 
'•cheidendi.  dn  s  It  wißonde  siii  weunc  wir  nu  alle  zn^tmene  kumment  u 
Mntdiai  \  rb  lg  neng  ttes  fruiile  alle  )lse  gargr  &  daz  michdez  dun^ket 
diz  ich  ein  reht  ru^wurtldiiig  under  in  allen  bin  ich  1  s^r  dich  luchwi  i 
la^  die  i«eno  \i\  lieben  golt  s  Ininde  v  n  Lngern  hiruz  /i  mir  ki  nimm  S 
'int  die  seibin  zw  ne  In  d^'U  iih  \  r  drihg  lorcn  gewesen  bin  und  ich  dr 
-l''  üuih  ettewenne  m1  I*  n  m  ge  eit  habe     wifiest    die  komeiit  zu  mir  au  Jer 

riiar  S  Ikbin  uugfr  Hin  sint  Agathen  dag  und  su  sint  in  dermsen  zu  nur  kuin 
meii  tlsu  diz  si  mit  mii  var  n  'ulkut  und  di/  ist  iii  uch  verkunkt  s 
iit  1  nu  ch  in  IkIht  gott  s  tiuiit  zu  mii  kumni  n  d  r  do  an  burgir  \  D 
(j   n  u  w  t  uKi  r  d  r  stat  ist  d  n  ich  mit  bckant  habe    und  d  r  k-im  z  i  mir 

uar  14  All  <aut  ^c1tlns  tig  und  der  hi.t  mir  ch  gute  Wortzeichen  gc^cit  tr  htt  mr 
vil  dmgisg  Eilt  ttiedai  imt  V  rkundet  worden  ist  alsodaztr    chmitmr 

(;,'  Hill'//  Hilf  liiisur         •1\  nüie  losseii  iwl  KHsiir. 


e 


93* 

Taren  s&lle;  er  bet  mir  geseit,  daz  er  wol  hnndert  tnsent  gnldin  w«rt  bette, 
dei  er  alles  lidig  worden  ist;  nnd  bet  es  allea  durch  got  geben,  nnd  dammb 
■0  lidet  er  großen  nnwert  zAGenewe  in  der  stst.  aber  got  der  wircket  also 
grosse  nbematnrlicbe  werg  in  ime  und  mit  ime,  dovon  er  selber  nit  wol  ge- 
sagen  kan,  wanne  sn  über  alle  sinne  sint.  da  solt  wissende  sin,  dai  nocb 
nieinan  nnder  allen  disen  großen  gottea  Fronden  wissen  kan,  wai  got  hiemitte 
meinende  ist,  also  daz  er  wil,  daz  ir  drizehene  an  dem  hohen  danrestage  id 
obende  alle  do  bi  enander  sällent  sin.  na  nimet  mich  etwaz  fremde,  waz 
got  mitte  meinende  ist,  daz  er  wil,  daz  ich  varen  sol,  nnd  er  wol  weis,  daz 
ich  Yon  des  riten  wegen  kräng  worden  bin  und  ich  den  alle  tage  noch  mit- 
teme  tage  nnd  zil  mittemaht  mit  froste  and  mit  hitze  habende  bin.  and 
dand  so  solt  dn  wißende  sin,  daz  es  bescbach  dez  großen  hocbgezites  dez 
iwölften  tages  noch  disen  winnabten,  do  ich  in  der  hohen  meßen  gar  knrti-  ^iMiuai 
liebe  zii  dem  alter  solte  gon  ond  daz  beiige  sacramente  enpfohen  solte, 
do  kam  an  mich  daz  große  alte  we  de^  grossen  alten  trackes,  der  mir 
darcb  alle  mine  natare  ging,  nnd  dnncket  mich  wol,  wie  es  rehte  der  selben 
träcke,  der  selben  krangbeite  eine  were,  die  do  dir  nnd  mir  vil  sA  kämmen 
ist,  also  daz  es  in  drißig  ioren  dicke  beschehen  ist,  also  daz  wir  dez  tmckes 
der  krangbeit  in  aller  anserre  nataren  nf  eine  cit  nnd  nf  eine  stunde  wir 
bede  gelich  gewar  wardent;  ond  rchte  alse  eime  boscfaach,  glicher  wise  also 
bescbscb  oach  dem  andern,  barambe  vil  lielwr  heimelicher  fnint  minre,  so 
bitte  ich  dich,  daz  dn  mir  mit  diseme  betten  wellest  schriben,  obe  dir  nf 
den  zw61flen  tag  nt  wider  Taren  ist,  oder  obe  es  dir  nüt  beschehen  isi  ond 
ist  aber,  daz  ez  dir  onch  beschehen  ist,  so  schrip  mir  die  stunde  und  dib 
wise,  alse  er  dir  beschach.  und  ist  es  dir  öcb  beschehen,  so  bist  du  in  der 
nitnren  kräng,  und  tä  dir  selber  rehte ;  und  da  ensoit  nnt  Tasten,  wenne  du 
nüt  gevasten  mähst  da  solt  ouch  wißen,  daz  ich  kräng  in  der  nataren 
worden  bin,  ond  het  doch  got  über  mich  Terbenget,  daz  er  wil,  daz  ich 
vor  disen  ostem  in  großer  krangbeite  varen  müs;  aber  sider  das  es  got 
selber  also  haben  wil,  waz  ich  danne  nit  vermag,  so  vermag  aber  er  es  wol, 
also  der  liebe  sant  Panlns  sprach:  ich  vermag  alle  ding  in  dem,  der  mich 
do  sterckeL  barambe,  wie  daz  got  die  ding  füget  and  sü  also  haben  wil,  do 
sol  nieman  inne  verzagen,  man  sol  in  gehorsame  alles  TÜr  sieb  gon. 

Gegeben  an  sant  Peters  dag,  als  er  gestälet  wart  dez  iores,  d«  man      ^^a 
zalte  von  gotz  geburto  drizeheuhnndert  nnd  ahtzig  iore.  .^^ 

♦  *  • 

Wie  au  diae  selben  lieben  drizebene  gottes  Iründe  von  diseme  22* 
tage  schiedeat  und  waz  in  geofTenbart  wart  und  wes  so  sich  ver-      la 
tHnden  und  versprechea  müstent,  daz  wart  Rülmanne,  unsenn  Btdmt 
Stifter,  TOD  sime  heimelichen  &iinde  geschriben  alsus  sprechende: 

Vil  lieber  heimelicher  frünt  minor,  du  solt  wißende  sin,  daz  die  lieben 
gottes  frAnde  alle  drizebene  nf  den  mitten  dag  of  eine  stunde  züsamene  ko- 
meot  an  dem  hohen  dnnrestage,  and  koment  züsamene  an  die  selbe  stat,  do  mBn 
irir  onflh  vament  worent.   nnd  wart  die  karMtan  naht  mä  sax  zt^^^ü« 


tifiistü  vertribon,  und  d'ju  t»g  mit  dum  groüoti  b^ilgou  ambahto  antzt>  mittag 
mit  grollemc  eniate  lertribvii,  and  ^iugent  onch  alle  drizelion  £ü  dam  altar 
und  ünpÖiigeiit  daz  boilge  sacramento.  und  noch  dem  mittumo  tagt»  wart, 
do  ffir  pin  wenig  gpßon  hettcut,  do  gingont  wir  abwr  ¥Ür  den  walt  aii  dii' 
stat,  do  wir  onch  »erneut  wurent.  nu  woreiit  wir  TOrbin  überoin  knmmun,  ; 
daz  wir  uns  den  tiifol  nütüeSont  irren,  nlse  or  verneut  det,  niid  solle  iu  niu 
priästor  bi  der  beilgeu  drivaltikuit  bosworcn ;  also  viul  dii'  ios  of  doii  liobmi 
priester  nnsera  hoswurt.  im  do  wir  also  bi  eiiander  sifcjendo  wordt^nt  und 
mitt'naudcr  rcdeudo  woront,  sn  sehuiit  wir  mit  uusern  li[dicb«>n  ougou,  wio 
daz  nßur  dem  waldu  heruz  große  bünieude  ki^rt^oii  koment,  und  dea  kertzeii  i 
giug  jiDcb  gar  vil  herlicher  froweu  in  gar  k{istlicbom  guldimo  gowaiidc; 
und  do  sä  Dohe  zu  nns  koment,  do  sprochout  sü  zu  aus  mit  gar  bhideu  ui- 
d(irg»schlagonen  ougen  mit  gar  eiiirt^  demütigen  geberden  und  sprocbi-nt 
alsns:  ir  liobon  brüdere,  sint  gegrüßot,  and  ir  sülleut  wißon,  dai  wir  onch 
'iä  nch  gcäant  sint,  also  daz  wir  onch  nvem  tag  uwors  gesprocbes  Tcrhfirpu  i 
süllent.  do  sprach  der  liebe  prio^t^r,  an  den  ez  gesetzet  waz,  daz  er  sii  be- 
sworen  soltv,  der  sprach:  es  ist  nät  zu  gloabonde,  daz  ir  in  deheioe  wise  bi 
Dnsorme  tage  sin  süllent,  und  ich  buswuro  üch  von  der  brnder  alter  wegen 
and  gnbiite  üch  von  der  heilgon  drivaltikeit  wigen,  also  daz  ir  zA  stunt  »n- 
wvg  vareut  nnd  in  den  grant  der  bellen  varent  und  uns  hie  alzümole  nuge-  >> 
irret  lofient.  also  füreiit  sü  do  ?ü  sinnt  in  eiino  gar  großen  »indes  get''»' 
von  uns.  damoch  boschach  es  zu  stunt,  daz  ein  gar  heiters  übernatnrlich«« 
liebt  kam,  also  daz  wir  den  schiu  kume  erliden  mi'ihtent.  und  indem  schinv 
do  brach  nz  eine  gar  ahumole  süBe  stimme,  und  die  stimme  die  waz  nng"- 
sihtig,  und  sprocbciit  die  wort  in  einer  gar  alzümulen  siilier  stimmen:  ir  vil  ; 
lieben  heimclichen  fründe  uns<'rf  berreii  Jbesus  Cristus,  ir  süllent  nit  it- 
■Schrecken,  wanne  ich  bin  einbette  zii  lich  gesant  von  der  hoben,  der  i^roßi-ii 
aller  obersten  künigin  himelriches  und  erteriches  und  aller  creatarin  künigiii. 
also  dai;  ich  ücb  binden  sol,  also  daz  die  liebe  müter  gottes  an  den  ewigen 
himi'iscben  valter kumiiien  ist  nnd  hat  an  im  erworben  und  zi'ibroht:  und  ist  :i 

2''  es  ebti>  also,  daz  ir  allr  driy.i'bene.  die  hie  sint,  wellent  von  minnen|tüii  und 
stete  hab"n,  also  es  an  diseme  briefo  geschriben  stot,  und  wellent  ir  ei  tiin. 
.so  sol  diiz^rulle  weiter  lier  grossen  pflofien  dni  ioruf  grsla^en  sin.  also  wart 
der  brief  under  uns  gelolloii  valleu,  und  spracli  die  stimme ;  nement  den  briet, 
als  ir  woliiarinne  beende  werdeiit,  waz  diTbimelsche  vattiT  von  üch  habi'ii  -i 
wil,  und  do  beretcnt  üeh  umbi'  mitzi'  an  di'ii  ilirtm  tag,  iin«!  daz  ist  d.T 

i'5  hi'ilgr-  osterdag,  und  kumnienl  d.'inic  uf  den  mitti'ii  dag  hernider  und  briii- 
gi'ut  den  brief  mit  lieh,  »"nin^  iih  di'n  briid'  «ider  mit  mir  fureu  sol,  wi'iiiu' 
ir  wiTiii'ut  ''ch  deiine  i'in  gros  mirack'de,  cnii  nffart  de?,  briofes,  sehende 
werdi'-u;  und  |i>si-rLt  den  brief  in  widre  b;)iide  sproolie  daz  ir  wellent,  daz  e 
vindent  ir  alli'S  dinne;  und  wil  irman  nnd<T  ücb  disen  brief  an  sdirib<'n,  daz 
mag  er  tun;  und  kummi'iit  uf  die  zit  als  iicb  gesugiit  ist.  und  ^agent  mir 
deniLe,  wi'z  ir  üeh  beroti'n  liabetit.  und  do  i(t  stunt,  do  va.?.  die  süsse  redi' 
in  der  grolien  In^iter^'  us  und  \vax  alles  enw.'g.  und  do  mmeiit  wir  den  brief 
zii  uns  und  losfnt  in  in  uelscher  spreche,  und  daz  waz  gut  zu  verstimde:  t 


d5* 

do  losent  wir  in  do  in  tötscber  sproche,  das  wai  och  gut  zA  Terstonde ;  do 
wart  er  do  zd  laüne  gelesen,  daz  waz  aber  gut  zi\  verstonde ;  do  botent  wir 
dohem  Jo banse,  obedai  er  in  in  abrabemscber  spracbe  kunde  gelesen  nnd 
in  knnde  verston,  daz  det  er  nnd  spracb :  wellent  ir,  so  bant  wir  wortzei- 
ebens  rebte  gnäg,  wanne  ich  habe  in  in  abrehemscher  sprocbe  gelesen,  do 
ist  er  OQcb  gut  zu  verstonde  inne.  also  blibent  wir  bi  enander  sitzende  nnd 
wordent  mitenander  redende,  do  bescbacb  ez,  daz  der  hnswnrt  wart  nmbe 
frogende,  wie  uns  der  brief  gefiele,  do  sprochent  wir  alle  mitenander  nsser 
eime  watenden  gnmde  yod  hitziger  minnen:  der  brief  gefellet  nns  nOer 
mofien  wol,  und  wellent  gerne  von  Interre  minnen  gehorsam  sin,  alse  der 
brief  saget,  und  wellent  daz  gerne  tun  nntze  in  nnsern  dot. 

Vil  heimelicher  lieber  frunt  minre,  da  solt  wiOen,  daz  ich  den  selben  • 
brief  habe  selber  abe  geschriben  zu  tatscher  spreche  rebte  von  werte  zu  werte, 
rehte  glicbes  also  ginre  stant   and  den  brief  den  solt  da  beslossen  vinden 
in  disem  briefe.   so  hat  her  Johans  ans  oach  einen  in  welsch  gesohriben. 

Na  solt  da  wißende  sin,  daz  ich  dir  habe  geschriben,  wie  daz  wir  den 
karfridag  nnd  naht  vertribent  na  an  dem  oster  obende  wart,  do  sprochent 
die  priestere  alle  meße  aod  gobent  och  den  leigen  daz  heiige  sacramente. 
and  do  noch  dem  eßende  wart,  do  gingent  wir  aber  alle  drizehene  an  anser 
stat  für  den  walt  and  soßent  do  bi  enander  and  hattont  vil  rede  mitenander, 
and  soßent  alle  bi  enander,  ondzedaz  es  rehte  obent  wart  dogingdo  ieder- 
man  an  sine  heimlicheit  an  sin  gebet,  and  do  es  mitternaht  wart,  do  ko- 
ment  wir  do  aber  alle  zusamene  and  noment  do  ansem  herren  az  dem  grabe 
and  hattent  do  ansere  mettin  in  großer  andaht,  and  sn  werte  antze  tage, 
and  do  yingent  do  die  priestere  meße  an  zu  habene  and  gobent  den  leigen 
oach  daz  heiige  sacramente.  na  diso  ding  die  verzogent  sich  also  spote,  daz 
wir  käme  |  ein  wenig  geßen  muhtent  vor  dem  mitteme  tage,  and  do  wir  23^ 
goßent,  do  gingent  wir  aber  alle  drizehene  an  anser  stat  yar  den  walt  and 
noment  den  brief  mit  ans.  and  so  wir  also  bi  enander  sitzende  sint,  so 
kämmet  aber  ein  geswindes  heiters  lieht  and  ambe  schein  ans.  nnd  in  dem 
liebte,  do  brach  aber  die  süße  stimme  az,  die  wir  doch  nienan  sohent,  and 
sprach  die  süsse  stimme  alsas :  ir  vil  lieben  heimelichen  fründe,  ich  bin  hie, 
dse  ich  ach  gelobet  habe ;  und  ich  sei  üch  frogen,  obe  daz  ir  üch  beroten 
habent  nnd  tun  wellent  noch  dem  briefe,  der  ach  gesant  ist  lieber  frünt, 
do  wißest,  daz  wir  do  alle  mitenander  mit  einre  großen  hitzigen  minnenden 
begirde  mit  mande  and  mit  herzen  sprechende  worent:  wir  wellent  dem 
bimelschen  ewigen  vatter  gerne  gehorsam  sin  and  wir  wellent  nüt  alleine 
die  drü  ior  sine  gefangene  sin,  wir  wellent  ime  geloben,  also  daz  wir  alles 
anser  leben  insinre  gefengniße  sin  wellent,  and  wellent  den  brief  mit  großer 
begirde  gerne  stete  halten,  der  ans  do  gesendet  ist  do  sprach  die  ange- 
sihtige  stimme:  sider  ir  dis  nu  tun  wellent,  so  heiße  ich  ach,  daz  ir  na  ein 
flir  maehent  nnd  werffent  den  brief  in  daz  für,  so  werdent  ir  ein  gros  mira* 
ekele  sehende  werden,    also  worent  wir  gehorsam  nnd  gingent  dar  and 


41  tm  Ter  ein  eingeschoben        4S  für  Abergeschrlebeu  «lVi^i   «^V|^Ai^  biricf . 


mahtent  eiu  für  und  warffent  den  brlef  obenan  in  die  hi^itere  flamme  in 
fäna;  aber  der  brief  der  enbrante  nüt  und  üo  sprach  die  nnge^ibtigi' 
stimme:  ir  lieben fründo,  sidor  daz  ir  nndem  ewigen  liimelschon  rattere  p^ 
horsam  welli>nt  sin,  alsc  der  hrit^f  saget,  do  ir  abugeschnft  gnilg  von  babaot. 
I  so  gcsegene  üch  na  die  algeweltige  ewige  Icraft  dez  vatters.    and  in  dem    -, 

Worte  do  bescbach  es,  daz  wir  alle  mit  unsem  liplichen  ongen  wnrdent  se- 
hende, alao  daz  die  heitere  flamme  des  fi'iros  von  der  mali^rio  der.  holt^es  sieb 
uf  erhiip  nnd  den  brief  dinm;,  aud  in  der  hitzigen  heitern  Üammeo  der  briaf 
Duverbrant  bleip  und  in  dem  füre  alles  uffarende  waz;  and  ie  höher  daz  for 
nf  ffir,  ie  heiturre  nnd  llehter  daz  für  wart  uud  da  daz  für  also  hnbe  kam,  ^, 
daz  niis  dnhte,  daz  es  obenan  untze  an  die  lüfte  Icammen  were,  do  beschafh 
es,  daz  wir  alle  mit  uiisorn  liplichen  ongeu  sehende  woreut,  also  daz  sieb 
dar  himel  uf  dot  und  ein  gar  heiterer  hihtender  bligschos  as  dem  himele  füi 
und  nam  unser  für,  daz  wir  de  gemäht  helteut,  do  der  brief  inne  lag:  üo 
Dam  <laz  ^ber  für  nnser  für  und  versbnt  ez  in  sich,  und  du  tet  sich  der  , 
bimel  wider  zä,  nnd  soheut  do  nnd  bortent  do  nüt  me.  lieber  fnint,  also 
beschach  es  damoch.  daz  wir  an  dem  oster  mendage  zu  stnnt  müstent  of 
brechen  nnd  miisten  von  en ander  faren.  nnd  miiste  iedennan  varen,  do  er  hin 
horte,  and  müste  besehen,  daz  er  stete  hielte,  alse  er  gelobet  hatte. 

Lieber  heimelichor  fmnt  miner,  duhest  mir  wol  nflfe  zwei  ior  vilbrieft  j, 
gesant,  nnd  hast  mich  alles  gebetten,  dahte  es  mich  der  wille  gottes,  daz  ich 
dir  daune  nrlop  gebe  alleine  alle  zit  zii  sinde  and  mit  niemau  nüt  zä  tünde 
hattest  and  aller  crestaren  muhtest  lidig  ston.    and  dine  meioange  ist  nät 
anders,  wannodaziin  zu  vil  fr'ilicheite  und  crgetznnRe  niidtrostes  mitdineit 
2.1''  junge»  briidern  hast  1  in  irre  fjegenwertikmt.    nu  hast  du  mir  mit  groliume  ., 
ernste  aber  nuzümole  in  dirre  vasten  geschriben  aber  daz  selbe,    nu  vil 
lieber  heimelicher  frünt  miner,  dn  sihsi  nn  wol  und  merckest  «ol,  wie  An 
es  umb  mich  stot  und  wie  daz  es  der  ewige  vatter  nu  bahou  wil,  also  da; 
ich  von  minnen  dem  briefe  gehorsam  sol  sin.  siderdaz  ich  nu  gehorsam  \i>n 
Lnterre  minnen  gerne  wil  sin,  lieber  frünt.  so  miisichdin  und  aller  creaturen  ;;, 
miissig  und  lidig  ston  und  miis  alleine  warten,  waz  der  ewige  vatter  vi.>n  mir 
haben  wil.    barnrnh  so  raügent  wir  nn  alse  es  noch  stot  mit  unserre  beder 
gegcnwertikeit  nüt  mo  zusamenu  kummoii,  so  eiimaht  du  mir,  noch  ich  dir 
mit  me  früntUche  briefe  geschriben.    barumb  lieber  fnint,    bevilhe  rehie 
alle  ding  goite  und  lidi<.'e  dich   und  miissige  dich  nu  von  allen   ullerlitheii   ; 
dingen,  daz  ist  nu  wol  min  rot  und  min  wille.    nnd  vil  lyeber  heimelichfr 
min  frünt,  sider  daz  belunden  ist.  daz  es  di'S  ewigen  vatters  wille  ist,  da; 
man  sieh  ime  gefangen  git.  soensolichnuLdi  enwil  nitmedowider  sin,  dal  du 
dich  ime  ■■ch  gefangen  gi.'^t:  unii  ist  i'>ch  nu  wol  min  guter  wille.  also  daz  dn 
nu  nchdin  leben  nu  ottewazvürbalier  veränderst,  aber  in  alsolicher  wise  alse  ,, 
dn  meinest,  daz  du  dich  gerne  wollest  in  beslielien  und  dich  alzümide  vou 
dinen  briidern  wollest  tun,  daz  duncket  mich  iVh  nüt  giit;  und  ich  erl''b« 
dir  esiVh  nul,  nannedu  enhast  noch  keine  übernatürliche  gezügiiifie,  waune 


dai  dn  nnwent  ettewaz  forlite  bast,  d&z  dn  zfl  tÜ  trostos  h&st  mit  der  gegea- 
«ertikeit  diner  jim^en  brndere,  hanimb  vil  liebar  heimelicher  frunt  miner, 
so  wil  icb  dir  nn  sagen,  waz  icb  dir  du  sage  nBer  gütlicher  miiinen  und  dir 
ODcb  nrlop  dozü  gibe,  so  rote  ich  dir  also,  sider  daz  da  von  diner  Sachen 

j  w^en  nät  snnders  enweist  wanne  daz  eine,  daz  da  f5rlitest,  also  daz  du  zii 
vil  trostes  nnd  ergetznnge  in  dinen  brndem  nimmest,  harambe,  vil  lieber 
frünt,  so  rote  icb  dir  nnd  heiße  dich  and  gibe  dir  öcb  nrlop  dozj,  also  daz 
da  nffe  daz  mittel  fallest  nnd  dich  noch  nüt  also  gar  Tun  dinen  brädera 
scheidest,  wanne  sn  noch  tang  in  der  natnron  and  in  der  gnoden  unt.   ha- 

I  nimb  tU  lieber  frunt,  so  rote  ich  dir  and  ist  es  also,  daz  deheine  kammere 
nohe  an  der  kirchen  gelegen  ist,  also  daz  man  zu  eime  altar  oder  me  ge- 
sehen mag,  die  nim  und  gip  alle  dine  kammern  nnd  stnbe  darambe.  nnd 
bammb  so  habe  ich  dir  gesendet  xxTiij  güldin,  so  hast  dn  Büpreht  ge- 
halten iTJ  gnldin,  die  nim  i'ich  nnd  heis  dir  machen  ein  stdbelin  and  daz  da 

,  bedarft.  wissest,  ich  hatte  dir  me  zu  letze  gesant,  wenne  daz  mich  dis«  vart 
gar  Taste  entblösset  bet.  nnd  wenne  dir  also  vi!  gemaches  gemäht  wnrt  nnd 
darin  kämmest,  danne  so  rote  ich  dir  nsser  göttelicher  minnen,  also  das  dn  dich 
me  fügest  zu  dem  heiigen  sacramente,  danne  dn  noch  täst  da  seit  nnsera 
herren  an  der  mittewochen  nnd  an  dem  fritage  zä  dem  snnnentage  enpfoben, 

I   and  die  selben  drie  tage  so  solt  dn  dinne  bliben  nnd  dinne  essen  nnd  mit 
nieman  keine  rede  haben ;  die  andern  ti^e  so  halt  mit  den  brüdem  eine  ge- 
müne  wise.   aber  der  irisen  ensolt  dn  nit  halten,  alse  der  erden  gevonheit 
hett  noch  dam  nabtmole  collaciezötrinckende;  daz  |  gebürt  dir  nnt  zd,  wanne  2- 
dn  sin  TOr  in  ioren  entwonet  bettest,   die  brndere  haltent  ir  swigen  aber 

I  tisch,  die  gewonheit  halt  mit  den  brüdem.  and  halt  dich  na  in  diser  wisen 
in  disem  tünde  also  lange  nntze  an  die  zit,  daz  da  oder  ieman  TOn  dinen 
w^en  in  einer  nbematärlichen  wisen  befindent,  daz  got  dich  gerwe  be- 
sloBen  wil  haben,  danne  so  ist  gut  zu  Tolgende ;  bescbibt  öch  dai,  so  mäht 
da  dich  danne  wol  gerwe  in  besließen.  nn  tu  lieber  belmelicher  frünt  minre, 

I  were  es  nn  also,  daz  da  eine  kammere  and  ein  stnbelin  an  der  kircben  ge- 
bnwen  fnndest,  dammb  so  gib  alles  din  hos  mit  allen  sime  gebnwe  and 
nim  danne  die  xitüj  gnldin,  die  ich  dir  gesaut  habe,  nnd  Buprehtes  XTJ 
gnldin  <^ch  darzü  and  gip  sn  alle  dem  commendüre  and  den  brüdem  zu  letze, 
daz  sä  nnser  gedenckent,  nnd  gib  in  die  gnldin  in  der  wise,  also  daz  sä  an 

>  die  kircbe  Terbawen  werdent;  nnd  hette  ich  me,  ich  bette  wol  minne  dozü 
gehebet,  daz  ich  me  gesant  hatte,  wanne  mich  erbarmet  die  kircbe,  daz  sü 
also  gar  wüste  nngebnwen  ston  sol;  wanne  mir  min  botto  in  dirre  Tasten 
geseit  het,  die  nawe  kircbe  die  stände  noch  rebte  also  eine  schüre  nnd 
spricbet:  die  mnren  ilie  sirit  noch  nüt  glat  reine  Terworffen,  so  ist  noch 

'  k^iue  büuc  obenan  an  der  kirchen,  so  ist  die  kirche  nuwe  nnd  alt,  der  bert 
noch  zu  estrichende. 

Na  TÜ  lieber  heimelicher  nsserwelter  frünt,  got  der  gesegene  dich,  and 
gedencke  min,  alse  ich  dir  wol  getmwe,  wenne  wir  nit  wissen  mügent  noch 
getmwen  mügent,  also  daz  wir  in  dirre  lit  mit  naserrebeder  gegenwertikeit 

-.  T,u»..^o  ^Äaamo»,  komen  mi^ent,  es  were  denne  a\ao,  äai  «atwaft^^B» 


(•/iri!  4 


noch  diaen  drten  ioreo,  daz  alsoliche  ding  bescbebende  wnrdeat,  also  es  die 

lieben  gottes  fniode  rötende  sint  von  keime  wissende ;  do  wissent  sii  nnt  Ton, 
daz  wissen  daz  gebort  dem  ewigen  vatter  zii.  lieber  friiot.  and  were  es  du 
es  beschelie,  also  es  die  gottes  frunde  rotent,  so  m''bte  es  danne  wol  W- 
schohen  also,  daz  wir  noch  disen  drien  iorcn  gar  vil  bi  enander  nod  mit  : 
enaniler  wurdent  wonende,  aber  daz  snllent  wir  gotte  befelhen  and  süllent 
wir  sin  müßig  und  lidig  ston,  alse  der  brief  seit,  ßülinan,  beimeÜclier 
fnint  miner,  also  es  nu  stot,  so  müs  ich  liern  JobaDse  gehorsam  sin,  abe 
da  wol  an  dem  briefe  gebi'irt  best,  banunbe  sc  bitte  ich  dick  also,  daz  do 
mir  arlop  gebest  nad  mich  der  gehorsame  wellest  erloüen,  wanne  wir  zwen«  i 
mit  dem  übe  noch  mit  brieten  mit  nie  züsamene  bomen  mugent.  harambp 
so  erloQe  <'>cb  icb  dich  diner  gehorsame  und  rote  dir  also,  daz  da  dinea  com- 
mondüre  neinmest  and  ime  an  gottes  stat  gehorsam  sigest.  und  dis  babe 
ich  dem  commendüre  gescbriben  nod  habe  in  gebetton,  daz  er  dine  gehorsame 
welle  nemen.  lieber  heiuielicher  fnint,  na  lidige  dicb  and  massige  dich  und  t 
entslauh  dich  aller  creatareu  und  hüte  dich  vor  alleo  den  dingen,  die  dir 
aEi;erltche  bilde  in  tragea  m'>gent,  es  sigent  briefe  oder  irdensch  gut;  bet 
dir  daz  ieman  bevolben,  daz  bevilch  dem  commenddre  oder  wi^mme  es  zu  ge- 
hört; und  du  bist  noch  pfieger  doz  hases,  dez  tiln  dicb  üch  abe  and  bit.daz 
man  einen  andern  an  dine  stat  uemme  und  dich  aller  uBcrllcher  dinge  er-  : 
'  loDent,  nnd  dich  in  allen  usserlicben  sacben  balteut,  rebte  alse  obe  |  da  dot 
werest.  vil  lieber  fnint,  wilt  du  dem  g>ttllcben  briefe  etwaz  noch  volgen. 
der  do  nnder  die  frunde  gottes  wart  geloüen  vallen,  des  du  öch  eine  abege- 
schriftbest,  wiltdn  dem  briefe  ettewaz  noch  volgen,  also  daz  dir  zu  gehört,  so 
halt  dicb  inuerlicbe  und  liileclicbe  und  abgescbeideiilicbe  aller  creatur''n  unii  : 
w«rte  gottes  alleiiie.  daz  wissest,  daz  müssHit  wir  alle  tira-  nu  got  der  jn- 
segi.<ne  dicli  und  müsse  din  pllegen  in  zit  und  in  ewikeit.    Amen. 

(Jegeben  an  saut  Ambrosien  dag  in  dem  Ixxk  ioro  unddrülzehm  hiin- 
derleatein  iore. 

Uini  (iie  !ilt('goschritt  viui  dem  selben  giiltelii/lieii  lieralie  ^le-  ■ 
tall     ie     I  '  I         d      d'     if  ehp      fr'  de  g  tte        1  et  h>  ii 


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• 

geben  und  noch  den  drien  ioren  alles  ires  lebendes,  und  ob  es  beschehe,  daz 
es  also  gonde  wurde,  daz  noch  den  drien  ioren  der  heiige  geist  sü  verma- 
nende  wurde  also,  daz  sn  also  in  irre  stille  soltent  bliben,  oder  umb  und  umb 
in  die  weit  zu  farende.  do  ieglicher  hioe  wurde  vermanet:  nu  wellent  die 

')  drizehene  lieben  frande  dis  von  minnen  gerne  t&n  und  stete  haben,  so  sol 
es  die  dru  ior  uf  geslagen  sin,  also  daz  das  grosse  wetter  der  großen  pflogen 
uf  geslagen  si.  aber  in  disen  selben  drien  ioren  so  wil  der  himelsche  vatter 
nüt  abe  Ion,  er  welle  die  cristenheit  ane  griffen  in  nianiger  bände  wise,  also 
er  dohar  vil  iore  geton  het ;  und  wil  ez  e  me,  denne  minre  tun,  also  daz  er 

0  besiht,  obe  sich  die  kristenheit  in  den  drien  joren  üt  beßern  welle,  beßert 
sich  denne  die  weit  nüt,  so  stet  aber  die  weit  in  eime  i^me,  in  einer  zittern- 
der Yorhte  vor  dem  himelschen  vatter.  nu  der  himelsche  ewige  vatter  der 
wil  also,  daz  sich  diso  drizehen  heimelichen  fründe  dise  dru  ior  also  ge- 
vangen  und  in  besloßen  gent,  also  daz  sü  ir  swigen  süUent  halten  und  mit 

5   niemanne  keine  rede  dise  dru  ior  süllent  haben  und  süllent  sich  alles  dez 
nbe  tun  daz  bilde  oder  ußewendigen  kumber  bringen  möge,  es  sige  loch  in 
welre  hande  weg  es  welle,  daz  sol  alles  abe  sin ;  und  süllent  anders  nüt  zu 
tünde  haben,  wenne  daz  sü  süllent  warten, ,  waz  in  sü  gesprochen  wurt,  alse  25' 
der  prophete  sprach :  ich  sitze  hie  und  warte,  waz  got  in  mich  sprechen 

!0  welle,  also  süllent  sü  dise  drü  ior  dez  ewigen  vatters  gefangenen  sin  und 
süllent  mit  niemanne  keine  rede  haben  denne  an  dem  zistdage  noch  der 
noneo,  so  es  mittag  wurt,  und  an  dem  dunrestage  och  also,  und  daz  süllent 
sü  in  der  meinunge  tun,  obe  daz  es  beschehe,  daz  ir  eime  üt  breste,  daz  zu 
sinre  natürlichen  notdurft  gehorte,  daz  mohte  er  vordem ;  und  ehe  es  euch 

15  beschehe,  daz  irme  ebenmenschen  rotes  üt  gebreste,  der  ein  solicher  mensche 
were,  der  einen  got  geloßenen  grünt  hette  und  gerne  alzdmole  ein  innewen- 
diger  mensche  wurde :  und  den  mügent  sü  och  wol  die  zwene  halben  tage 
verh/tren  und  nüt  me,  und  mogent  die  sehs  werg  der  ebermde  mit  in  üben, 
und  die  leigen,  die  under  üch  sint,  die  süllent  an  dem  sunnendage  und  an 

;o  der  mittewoche  und  an  dem  fritage  zu  dem  alter  gon  und  süllent  daz  heiige 
sacramente  enpfohen ;  und  were  es  ouch,  daz  an  den  andern  tagen  denheime 
ein  gros  hochgezit  gefiele,  der  danne  minne  hat,  der  mag  och  wol  zu  gon ; 
und  wele  leigen  under  üch  sint,  der  do  deheine  wonungo  bi  deheime  priester 
habe,  welre  leige  daz  ist,  der  sol  lügen  und  besehen,  also  daz  er  nüt  enloße, 

;5  er  kumme  dise  drü  ior  zu  dirre  priester  eime  und  habe  sine  wonunge  bi  ime, 
aber  one  rede  mit  enander  zu  habende,  es  were  denne  zu  bihtende  oder  zu 
der  meßen  zu  helffende. 


Item   alle   die   vorgeschribenen    robericken    und  Seh 
dise  aller  nehste  nochgonde  ernstliche  vermanunge*''*"^ 
0  hant  die  brüdere  zu  dem  Grünenwerde  sante  Johans 
Orden  hie  zügeschriben  und  geordent,  umbedazman 


31  dtnkäm$!        40-100*5  rot» 


100* 

den  sin  und  meinunge  der  lieben  jiottez  fründe  und 
diser  gegenwertigen  briefe  und  materien  desle  eigi'ii- 
(icher  verstan  und  genierken  ki'inne  nu  und  hienocb 
ewicliche.  und  vohet  die  vermanunge  alsus  ane  und 
sprichet:  i 

Ach  nu  mercke  menglicli  und  neme  mit  üiße  war  bi  allen 
dÜleii  vorgeschriben  gri)ßen  wundern  und  übernatürlichen  mira- 
fkeln  lind  zeichen,  wie  jiar  lange  uns  der  himelsche  vatter  ver- 
tragen hct  die  grolle  unere,  die  sime  eingebornen  süne  tegelteli 
von  der  eristeriheit  in  allen  sünden  erbotten  wurt.  daz  er  vi'irbaz  i 
me  nit  lengor  wil  gestatten  noch  ungerochen  Ion.  und  wie  wiil 
er  sinre  lieben  müter  Marien,  der  himelschen  künigin,  nüt  ver- 
sagen niöhte,  er  wolle  sn  dis  hindersten  ziles  und  ufslages  öch 
gewern,  so  müstent  es  doch  die  reinen  lutem  unschuldigen  herzen, 
die  lieben  drizehene  verborgenen  übernatürlichen  sunderlichen  ' 
Fn'utde  gottes,  gar  sure  eramen  und  sich  dem  himelschen  ratter 
vür  uns  zu  bulle  und  zu  belierunge  in  gefengnilte  geben  und  in 
besließen  und  aller  creaturen  lidig  ston,  alse  lange  daz  zil  dirre 

!5''  drier  iore  werte,  die  do  uz  gingent  des  löbelichen  wirdi  [  gen  hoch- 
gezites  luiserre  lieben  fröwen,   alse  ir  daz  ewige  wort   verkündet  - 
wart  mit  dem  enjielsclien  grülie  dez  hochwirdi^en  gottes  hotten  satile 

i      (jahrieles  in  dem  jore,  do  man   zalte  von   gotz   gebürte   M°  cic" 
'-''  und  IxxxiiJ  iore. 

Und  bi  diser  selben  hindersten  bete  der  lieben  müter  Marien 
und  bi  der  erren  dovor,  so  die  ahte  lieben  erlühtelen  jiottc^  - 
li'iinde  totent  in  dem  hohen  wilden  gebirge,  den  cVh  bi  gehorsame 
geholten  wart  nüt  vüi'haz  me  zu  bittende,  so  ist  zu  giftbende. 
daz  der  liimelsL-he  vatt<T  nüt  me  darvür  gebelteii  wil  sin  oni' 
i-ine  gemeine  unhelrogene  gantze  belierunge  aller  menschen  glich 
den  von  Nynive,  den  unser  herre  öch  gar  iiruwelich  Iriew  '' 
durch  den  prophelen  Jone,  der  in  von  gottes  wegen  verkündete 
daz  die  slat  Nynive  in  vierlzij  tagen  solte  uniler  goii  und 
umbe  jiekerl  werden,  do  gioublenl  su  dem  iiro|ilielen  und  lielient 
;dje  viin  allen  sünden  und  beliertenl  ir  leben  uememhi-hen  und 
iibetenl  sich  strenglich«^  mit  eime  geworen  demutigen  unbetiofienen 
i'uwigen  kere  und  mit  einre  gemenicn  penitencien  und  \a»l(n, 
die  der  künig  zi'i  Nynive  gebot  vihen  imd  lülen  über  alle 
<!if  ülal,  die  rio  wa/.  driev  la^esvelde  lauij;.    und  unser  lieber  herre 


101* 

sach  an  mit  siner  erbermde  ire  große  demütige  beßerunge  mid 
iren  emsthalten  geworen  ruwen  und  ire  strenge  penitencie  und 
gehorte  iren  gemeinen  klegelichen  ruf,  so  vihe  und  lüte  uf  zu 
ime  schruwent,  und  gewerte  sü  irre  bette  und  lies  sü  genesen, 

•^  daz  si  nil  verdurbent  noch  den  Worten  Jone  dez  propheten. 
also  het  öch  uns  der  erbarmhertzige  milte  got  in  viertzig  ioren 
gar  dicke  getröwen  und  öch  in  maniger  leige  wise  angegriffen 
mit  großen  sterbotten,  mit  ertbidemen,  mit  vil  urlüges  und  blüt- 
vergießendes,  noch  denne  öch  von  eime  unbekanten  frömden  j;iö- 

10  betlosen  volke,  die  alles  tütsche  lant  und  die  gemeine  weit  von 
gottes  verhengniße  twungent  und  durchehtetent  one  alle  sache 
und  redeliche  ansproche,  und  öch  mit  gruwelichen  ungestümen 
winden  und  waßern,  domitte  er  uns  vil  gewarnet  und  gemanet 
het  uz  großer  vetterlicher  truwe  und  in  rehte  früntlicher  liebe, 

5  wanne  wir  ime  so  gar  sure  worden  sint  und  uns  so  türe  geköft 
het  und  so  friliche  erlöset  mit  sime  kostbern  wirdigen  tode  und 
mit  sime  manigvaltigen  bittern  strengen  lidende  und  blütver- 
gießende,  daz  er  uns  nit  gerne  herteclich  piniget  und  uns  noch 
ungerner  ewicliche  verdampnet,  also  verre  wir  mit  unserme  un- 

0  geordenten  verruchten  süntlichen  lebende  sine  heiige  götteliche 
strenge  gerehtikeit  nüt  uf  uns  ladent  und  in  nötigent  und  tren- 
gent  zu  hertikeit  und  zu  röche,  daz  doch  wider  sine  gütige  rain- 
nenriche  edele  senftmütige  nature  ist,  die  er  grösliche  müs  ver- 
andern und   umb  keren,   sol  er  hertecliche  mit  uns  zürnen  und 

5  uns  sine  strenge  gerehtikeit  erzöugen;  wanne  er  uns  gar  lange 
gebeitet  hat  und  öch  in  der  jüngsten  zit  ist,  daz  |  er  eine  gantze  26* 
unbetrogene  beßerunge  von  uns  allen  haben  wil.    und  in  welem 
lande  oder  in  welen  menschen  die  beßerunge   nüt  beschiht,  die 
mügent  sieh  versehen  und  wartende  sin  eins  großen  gruwelichen 

0  ungehüren  erschröckenlichen  wetters  noch  den  briefen  und  großen 
mirackeln,  die  zu  eime  worzeichen  hievor  geschriben  stont  und 
öch  dez  gezügniße  gent,  daz  der  almebtige  ewige  erbarmhertzige 
got  und  sine  wirdige  gnodenriche  müter  Maria  unser  gnüg  gerne 
schondent  und  uns   minsamcliche  zugent  one  grinmie  strangheit 

^  und  ungestüme  hertekeit  zu  rehter  ordenunge  und  zu  eime  ver- 
dienlichea  gnodenriehen  lebende,  durch  vil  manigerleige  wamunge, 
80  Aü  uns  in  vierzig  ioren  dicke  getröwen  haut  mit  gar  ußer 
— o^«  li^wii^u^jjj  minnesamen  stroffe  rüteu,  und  Aoc\v  %^t  ^^\vv% 


102* 

verfangen  liat    da/  acHi^iui  mwgficlf  ctarab*"  gebeßeit  habe 

und  meinel  da?  unser  rolie  blintheit  diP  di  i-.t  aller  pflogen 
vurderunRe  und  veilenunge  la/  \vir  die  wunder  und  die  werg 
oOttes  mit  \Lir  pflogen  weilent  lian  und  su  alles  den  creaturen 
zu  legen  m  vur»  itp'iger  wi-^e  daz  wir  -.preihent  ts  m  der  de  ' 
ineolen  wurcken  de/  liimeK  louF  der  --terne  regnicren  und  det 
lufte-i  nature  in  weler  leige  wi'-e  uns  denne  got  le  ane  gnffel 
und  manet  ■>>  werdenl  wir  doch  alles  von  zit  zu  /iL  le  bu&er 
und  le  boser  und  le  uf=iet7ipep  und  le  sundiger  m  allen  argen 
listen    domitte  wir  die  weig  goltes  den  creaturen  ?u  legent  und  '" 

u  alles  schet/enl  nodi  unfern  us-^ew endigen  sinnen  ?  i  eime  ge- 
meinen gewonlidien  1  lle  alse  uns  denne  le  711  mole  die  nalure 
in  treit  und  vergellent  alles  unseis  manigvaitigen  grollen  gebresten 

lomitte  ftir  verschuldent  da/  uns  t,ot  iflngfn  m  ig  in  sjlicber 
wise  laz  wir  doch  gai  gerinf,e  alitent  un  1  kleine  wegent  dl 
mmb  -5)  mus  got  etLewa/  nuwtr  lunde  erdeoLken  dannne  mai 
sine  almelitikeit  frkeuneu  miige  und  sm  ere  sLlunljer  werde  iinl 
sin  namnie  in  allem  lobe  erhübet  und  erwinie  lieh  an  gerufTd 
und  alle  hochfartige  herzen  gedemutiget  und  mit  zitternder  lorhle 
under  sii  p  eewilt  geV  u(,ft  la/  u  m  werient  kren  tekfnnen!  ' 
lind  vor  iUr,tn  I  ahm  U  mit  et\oU(  n  le  aller  smie  iboLte  \\  in 
\Ul  disi  V  rgesLhnben  Irufe  it,cnt  uu  I  ouch  „e  llenl  arl  hui 
( tlelichtn  discn  seil  pu  ^i  lt(s  Ir  in  Ich  in  eiiire  crisUialit    le    nr 

10  man  /ilLc  v»n  pOt/  .duitc   Iri/d  ciil  un  Itrt  i  inl/i^  un  1  -lel 

11  o  1  t  / 1  qI  ubeiide  1 1/  er  oli  I  e  i  He  tiiibekante  fr  m  1 
( r  ein  rktnhcK    |  II  >g  11    ubcr  un     \irlii  iven  ie   werde     lie    I 

11       I    I    tlle  mens  Idiclu   \i  rnunll     In/  nieman      )Wis  er  isl  iti 

I  r  It       hl    in    intuitn     lei      itli    hm/    ^iiil  len   k  mm    und 

\Ml    II    1 1  r-      \w   „tlr(sl(.i  iL       kl    \3n     \M/   sxtlm     / 

/    L III I      I     w  in     t  t    niergent  wtrdeiil 

mt  11  1  L      I  i    Ml  !  ites  iho    ir 

inii  li  1 1 II  \(.i     mlL     la/  SU  n  iL  w   lli.  il 

lit  I      inL  1)       1(1  itiiu      III I  lariimt 

1  I  (1  Le     r     I  eu  wclhnt  im  I  giw   1   i 

I II     eil    un  I    \  11     leii   ewi^rn    I  t   iinl 

ili  fu      he      ill  nL     ill  im    \on   siin  iui 

III     ml    !(       «  II       ^  ttes   crfulhn  n  il 

Ml  i       II  I  l     I  I         I     11     allen    dm  en 


km  iinet  (  1  r  \\a/  1 

dr\  ir 

kinn  n   \mlenle    r 

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M.1I  1  n  l(t  in  in       1 

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103» 

rihten,  also  daz  sü  keins  nahtes  niemer  an  ir  bette  slolTen  kumment, 
wenne  mit  einre  solichen  latem  lidigen  unschuldigen  wolgeordenten 
fridelichen  conciencien  in  aller  wise,  alse  sü  gerne  woltent  gon 
in  ir  grap,  also  oueh  der  lieben  drizehenen  gottes  gefangenen  rot 
ist  und  in  ettelichen  briefen  hievor  geschriben  stot,  die  von  in 
kummen  sint,  den  billich  wol  zä  gloubende  und  zu  volgende  ist 
und  welre  mensche  alsus  noch  irme  rote  lebet  und  sich  in  dise 
wise  haltet,  daz  in  got  bereit  und  gewarnet  vindet,  zu  weler  zit 
und  in  weler  wise  er  denne  kummet  mit  sinre  vetterliehen  stroffe 
'  rüten,  dem  schadent  keinreleige  pflogen,  wenne  unser  herre  wil 
i')ch  eins  solichen  menschen  understant  sin  und  ufenthalt  und 
wil  in  behüten  und  beschirmen  in  zit  und  in  ewikeit  vor  allem 
ungefelle  libes  und  seien,    daz  widervare  uns  allen.    Amen. 


Disen  brief  schreip  der  liebe  gottes  frünt  dem  commendüre 

'  in  warnender  wise  in  dem  ersten  anfange  der  zisma  und  ge- 
spannes  der  zweier  bebeste  Urbanus  und  Clemens  noch  der 
ersten  offenborunge,  die  dem  selben  gottes  Iründe  selb  abteste  uf 
die  ostem  in  dem  wilden  gebirge  bescbach  mit  der  ungehüren 
dicken  vinstemiße  einer  gantzen  stunden  lang,  also  dovor  in  einer 

V  siner  missiven  geschriben  stot : 

Vil  lieber  Irnnl,  herre  commeDdür,  ir  sülleot  UDserio  berren  dem  meister 
Icnnt  tun,  daz  er  30l  wiQeD,  die  fiiof  güldin,  die  er  von  mioDen  baruf  santc, 
daz  die  gar  großen  gottes  frunden  worden  sint.  nnd  habe  in  'ich  nfier  grolter 
minnen  befolhen,  also  daz  sü  sin  milgroQeme  ernste  siillent  gedencken,  nnd 

:,  weite  ont,  daz  er  vür  die  fünf  güldin  fünf  bnndert  güldin  bette,  daz  es  nüt 
t>e3chehen  were.  vil  lieber  commendür,  als  ir  wol  wiOent,  wie  daz  ich  ücb 
noch  disen  ostern  verscbreip,  wie  daz  wir  von  enander  schiedent  also :  wer 
es,  daz  sü  mir  dis  meigen  vurscbribent  also,  daz  ich  zd  Borne  zA  dem  ho- 
best« solte  varen,  daz  solte  ich  in  gehorsam  geton  haben ;  do  wiOent,  do 

j  ist  nüt  1 1  ns  worden  und  bin  sin  lidig  worden,  und  wisseat,  daz  mir  die  selben  27' 
ril  Uebw  gottes  Mnt  verschriben  hant  also,  daz  einem  under  den  selben 
gottes  Aräaden  in  einem  großen  Dbematürlichen  mirackel  ulr  komen  ist 
also,  du  gar  große  irnmge  in  großem  lidende  in  vil  menschen  in  der  cristen- 
heit  sAIle  nf  stände  werden,  nnd  sol  daz  bescheben  von  der  zweier  bebeste 

,  w^en.  dnd  dariA  so  laße  ich  üch  wißen,  daz  ich  selber  in  gar  kortzen 
Uten  Teninmmen  und  gebart  habe  von  geistlichen  wol  gelcrten  personen 
mid  ^  TOD  weltlichen  pfaffen  also,  daz  die  gar  sere  vaste  widerwertlg 
enundnr  «int.  wan  ir  ein  teile  haltAnt  n\ch  an  den  nnwon  >\<'iWf^\.  suiVt^XmA 


Komtur 


sicli  eiu  teii  an  doii  alten  Lobest,  und  darzii  so  lasse  ich  üoh  wilien,  dsi 
ich  öeh  selber  in  kurtzen  ziten  von  eime  rehte  großen  berren.  »on  einu 
tii inprob stt-,  vemummen  han  also,  daz  er  mir  selber  in  oicier  hi'imlicheit  seite. 
daz  man  in  gar  knrtzen  ziten  vil  botschaft  von  bobest  Clemens  snite  bv- 
fin<len  and  oacb  alsolich  ding  wnrt  kündende,  daz  man  wol  sol  gewar  wer-  : 
den,  also  daz  bobest  C 1  e  m  i'  ü  s  vor  gottL-  ein  gerehtiT  hobest  ist.  vil  lieber 
conimendürc,  und  ist  daz  also,  daz  diso  ding  bcscbeheut,  so  ist  oacb  deiiD'- 
wol  zu gctruweiide,  wennedaz  es  bobest  Urbanus  gewar  wurt,  dazerdennv 
zö  stnnt  öch  botschaft  hamz  sendende  wnrt.  und  mag  denne  gar  hortf  red* 
mit  in  beden  werden,  vil  lieber  commondüre,  und  ist  es  "'ch,  daz  got  di?"  i 
diüg  über  die  kristeDheitverhengende  wurt,  so  süllent  ir  wiflen,  daz  esdenm.' 
wol  beschehen  mng  daz  denne  kein  so  weltwiser  man   d«r  in  der  rit  ist  dei' 


m     Ib 


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105 

unwen  e  wol  ettewaz  in  der  geschrift  gezugniße  haben  mag;  wan  der  sin 
war  nimet,  der  vindet  sin  rehte  gnüg.  und  dovon  vil  lieber  commendür,  so 
ist  es  gut,  alse  üch  got  die  große  gnade  getan  het,  also  daz  ir  ofifenlich  sin 
lere  nffe  dem  stdl  getün  mdgent,  hammb  so  gedencke  ich,  daz  ir  na  ettewaz 
schuldig  sint  die  cristenheit  zu  warnende. 

Geben  in  dem  M9  ccc°  Ixxix.  iar,  an  dem  ersten  dage  dez  broch-      ^^^ 
mondes.  J**ni  1 


Dis   ist  der  aller  hinderste  briei,  den  der  liebe  gottes  frunt      -^^* 


10 


herabe  schreip  dem  coramendüre  zu  dem  ürünen werde  zu 
entwurte  sins  briefes,  den  er  ime  dovor  gesehriben  bette  von 
dez  obersten  meisters  wegen  in  tiitschen  landen  briider  C Un- 
rates von  Brunsperg  in  den  ziten,  alse  die  vorgesehriben 
drizehen  gottes  fründe  sich  drü  ior  in  beschliessen*  müstent,  alse  in 
uf  die  Ostern  in  dem  wilden  gebirge  von  gölte  in  großen  mira- 

^^  ekeln  verkündet  wart,  do  öeh  der  gespan  und  zisma  zwüschent 
den  zweien  bebsten  Urbanus  und  Clemens  ein  gantzes  ior 
gesin  waz  und  gewert  bette:  in  disem  selben  briefe  rötet  der 
liebe  gottes  frünt  dem  vorgenanten  obersten  meister  mit  orde- 
nunge  von  dem  meister  ampt  zu  werbende  von  sorglicher  ande- 

•ö  runge  wegen  aller  löuffe,  daz  er  ime  doch  vormols  gar  dicke  wi- 
der roten  het,  nüt  von  dem  ampt  zu  werbende  in  vil  briefen,  die 
er  ouch  dem  commendüre  von  des  meisters  wegen  schreip: 

Vil  lieber  herre  der  commendüre,  ich  habe  uwern  brief  enpfangen  und 
habe  in  von  der  gnaden  gottes  wol  verstanden,    und  ir  habent  mir  nu  in 

ih  uwerm  briefe  verschriben  also,  daz  es  üch  gar  sere  erbarmet,  also  daz  ich 
üch  nut  enbotten  habe  von  unsers  herren  dez  meisters  wegen,  alse  ir  nu  zu 
nehste  yerschribent,  also  daz  man  ime  enbieten  solte  und  ime  roten  solte, 
noch  dem  als  ez  nu  in  der  zit  stot,  obe  es  ime  weger  were|von  dem  am-  28* 
bähte  zu  werbende  oder  darbi  zu  blibende :  do  süllent  ir  wissende  sin,  und 

{0  hettent  ir  mir  dise  ding  in  der  faston  also  verschriben  mit  alsolichen  volle- 
komenen  ernsthaften  werten,  alse  ir  nu  geton  habent,  so  wißent,  so  mohte 
es  nüt  beschehen  sin,  üch  müste  ein  entwurte  wider  abe  verschriben  sin. 
nu  wie  es  in  disen  dingen  ergangen  ist,  es  sol  noch  gut  rot  werden,  nu  vil 
lieber  herre  commendüre,  sit  daz  ir  nü  jungest  und  och  Rülman  mit  alse 

\h  gar  großem  ernste  in  vil  werten  gesehriben  habent  noch  rote  unserm  herren 
dem  meister,  herre  commendüre,  es  mag  uf  drü  ior  sin  oder  me,  daz  och 
hamf  verschriben  wart  noch  rote  unserm  herren  dem  meistere ;  nu  do  stunt 
OQcb  in  dem  selben  briefe,  wie  daz  ime  ein  geistlich  man  vil  gutes  gotteliches 
dinges  geroten  bette,  daz  uns  alles  gar  wol  gefiel,  untze  an  den  einen  rot, 

to  d*«  «^  ^**  ^"  "'**T  er  solte  tun  und  werben  alles  daz  et  m<>\i\ft,  ^"m.  «t  nqvl 


Komtwi* 


106* 

dem  ambahte  kerne,  daz  wider  rietent  wirdozümole  mit  ernste,  und  wazdas 
Sache,  daz  nns  doziimole  in  dem  selben  briofe  haruf  verschriben  wart,  i\t  vere 
one  alles  sia  werben  and  alles  sin  ziUän  rehte  von  gotte  raeister  wordeu. 
also  do  wart  in  dem  selben  zite  wider  abe  geschriben,  daz  wir  es  wider  rietent, 
und  «prt'Chent  also  *  waz  gut  zusamene  gefüget  bette  daz  äol  der  mensche 
t  L  bt    1   b      h  d       b  mm    d  bbtm       b      ghb 

bbb       bmt  istbtl       d  mbrrndmmte 

bw  td  dmmbbt        gidnn 

ilmhtd        d        twl  dfct        g  dth         ff 

dgg         tgtl  tlml  bUm  ted 

d  bwtw  lg  tog         d  glhesst, 

mbo  Idlb  ttgtwdd  bO 

d  d  thtflU         tgd         d        tm  dt 


f  tm 

dazdmh         mlblg  d  in 

mm    d  hdd  rtntUn         m 

daz     bd  rt    11  bnd        d 

gilt,  bnf        1         dfgt  hd 

d  bdaz  hd       bbdbtt  h 

bd  IbhhdwdUhl 

1      da  md      all      Ogttlbro 

Ita     bdhb     tm        mtd  Ibgtb 

mb    d  t    b   t    t  t    d  1  m  b 


t  t 


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tg    U  m     m  t«      li 
w  d  mmb  hn 

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d    ß       U       nl 
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1            pacb 

107* 

liehen  fremden  nngöttelichen  wisen  und  loaffe,  alse  es  na  in  der  zit  siat,  der 
mag  wol  erschrecken  abe  allen  ambahten,  wanne  er  mag  wol  mercken  and 
ane  sehende  sin,  daz  man  nat  wol  gegen  gotte  noch  gegen  der  weite  gestern 
mag,  wanne  die  andertone  die  sint  nat  me  gehorsam,  also  sä  soltent  es  be- 
ü  schiht  wol  zu  ettelichen  ziten,  so  in  ire  6bertone  beroten  and  beholffen  mit 
irdenscheme  gp&te  sigent,  so  sint  öch  sü  oach  af  die  zit  oach  wol  noch  den 
oagen  gehorsam ;  aber  wenne  daz  as  kommet,  und  man  in  nüt  fürbaßer  me 
hilffet,  so  ist  die  früntschaft  and  die  gehorsame  zu  stant  az,  wenne  verre 
flaz  merre  teil  der  lüte,  also  es  na  in  der  kristenheit  stot,  so  ist  ir  leben  gar 

10  Taste  gekert  af  ere  and  afifegrit  und  uffe  unküschekeit,  und  barus  so  springet 
och  ungehorsamkeit  und  hocbfart  und  andere  untügende. 

Herre  cömmendure,  irsüllent  wißendesin,  daz  alledise  wort  derjariste 
one  alles  frogen  von  ime  selber  redende  waz.  herre  commendür,  wißent  do 
wir  also  bi  enander  soßent,  do  sprach  ich:  lieben  brüdere,  wie  went  ir  nn 

15  roten?  were  es  na,  daz  es  also  beschehe,  daz  mau  unsorn  herren  den 
meister  dez  ambahtes  nüt  erloßen  wolte,  wie  solte  er  danne  tun  ?  do  koment 
wir  einhellecliche  äberein,  daz  ime  denne  wol  zu  rötende  were  also,  so  er 
ein  gros  cappittele  bette,  daz  er  denne  den  pflegern  allen  seito  and  spreche: 
ir  sdllent  wissen,  daz  .mir  nüt  me  wol  fuget  zu  ritende ;  and  sider  daz  man 

20  mich  nüt  von  dem  ambahte  loßon  wil,  so  wil  ich  mich  nu  rehte  niderloßen 
und  wil  mich  setzen  in  ein  hus ;  wer  mich  haben  wil,  der  suche  mich,  wanne 
ich  habe  mich  |  vaste  und  yil  gearbeitet,  daz  ich  ettewaz  kräng  und  alt  29^ 
worden  bin,  also  daz  ich  nüt  me  riten  wil. 

Herre  commendüre,  ir  habent  ouch  gescbriben,  man  süUe  üch  roten, 

t:i  waz  üch  zu  tunde  sige  von  dirre  zweier  bebeste  wegen,  wenne  ir  yersehent 
üch,  daz  ir  and  andere  pfafheit  kürtzlicbe  angelanget  süUent  werden,  lieber 
commendüre,  wer  kan  dozü  geroten,  ebedaz  anlangen  geschibt?  wenne  daz 
anlangen  beschiht,  so  sint  ir  verbunden  zu  dem  ordon ;  so  getruwe  ich  der 
orden  süUe  tun  noch  wiseme  rote,  dem  orden  müssent  ir  gehorsam  sin. 

lo  lieber  commendüre,  ir  woltent  ouch  gerne  wißen,  wie  daz  wir  uns  in  den 
selben  Sachen  halten  woltent.  daz  wissent,  daz  bedorfifent  ir  nüt,  wanne 
uwer  sacbe  und  unser  sache  die  ist  in  der  wise  nüt  gliche,  wanne  ir  ver- 
bunden ander  den  orden  sint,  dez  wir  nüt  sint;  wir  sint  verbunden  ander 
den  bischof,  der  trenget  uns  nüt,  er  tut  in  der  sachen,  alse  wir  wellent.  dar- 

ib  zu  so  habent  wir  vil  friheite  von  dem  bobeste,  der  do  dot  ist,  daz  vil  karde- 
nale  besigelt  hant 

Herre  commendüre,  Kulm  an  der  het  mir  ouch  mit  ernste  dise  vart 
vil  von  onserm  herren  dem  meister  gescbriben,  und  ich  habe  ime  dise  vart 
nüt  nberal  gescbriben,  wanne  ich  ime  g^r  kürtzlicbe  alles  daz  gescbriben 

lo  habe,  daz  ich  solte.  harumb  so  ir  disen  brief  wol  gelesent,  so  lesent  in  danne 
och  ime«  hene  commendür,  ir  süllent  wißen,  daz  wir  vor  disen  pfingesten 
hörn  Johanse  und  mir  gnüg  gebuwen  habent,  und  habent  willen,  daz 
die  kohe  mefie  an  dem  pfingestage  her  Johans  singende  wart  und  wart 

'eh  getUgrt        4ii  ror  die  ist  wir  «eU\«t. 


!0H* 

i'ich  mir  iinsL'rii  lifben  licrren  gehon ;  und  wenne  ilie  meQv  uz  kummei,  >u 
wenicnt  lieiinu  dio  brüdiTe  alle  mit  uns  ns  gonde  und  werdent  uns  in  be- 
sließendi).  haratnbe  vil  lieber  herr«  commendriro,  so  bittent  wir  üch,  <lai 
ir  mit  ernste  mit  allen  nwern  brüdern  unser  und  unsere  hrüdere  «i-lleai 
gedenuken.  ' 

1380  Gegeben  an  dum  fritdage  vor  sante  Jergeiitag  in  dem   lixs  iore  und 

irÜ  211   dridzthrn  livndertigesteme  iorr. 


Dis  ist  ein  missive  sehrei|>  der  liebe  goltes  fnint  in  (Iber- 
laiit  dem  commendüre  in  ripii  ziten,  do  er  uz  grosser  besesseii- 
heit  einen  gewulbelen  kor  one  götliehen  rot  angefangen  helle  und  i' 
wider  abgebrochen,  und  daz  l'uudamenl  ulSer  dem  gründe  (letolben 
warl,  lind  Ach  do  man  den  ersten  alten  sjjittal  buwete  und  wider 
abe  brach  und  och  nieinde  der  i'df  tusent  megde  cappelle  ab  zii- 
brechende,  usser  diser  selben  raissiven  sint  zwene  sinne  vorge- 
achrihen  in  dis  gegenwerlige  briefbiichelin.  ' 

Der  eine  sin  isl,  wie  imo  und  Riilemari  in  sante  Dyoiii- 
sius  naht  gUcblicbe  in  eime  tr^me  viir  kam,  daz  aü  ein  kloster 
zn  Strazburg  machen  soltent,  darus  öch  der  Grüoewert  er- 
nuwet  worden  ist  und  anderwerbe  gebuwen. 

Dop  andfr  sin,  der  örh  in  alten  bi'icliern    von  dem  nme  c<'-  ■ 
-cliiiliin     lot    I-.L  \on  dun  kiinlti-ni  -ril^n    (trtnr-t     t  r  In  il    i 
kir(hni     da  is  iriit  \oii   \il  ^olU-'   IriinUn    \nr  k\m    un  1  „i     d 
w  irl      dl  tr  sdbui  missiMO   inefin     -judiet  aNus 

Mm  V  1  lnber  frinit  in  „otte  und  vil  liele    h  rre  der  (  mmeiidur     i  li 

I  ■■  I  li  « i|l  n  iai  m  r  m  n  vil  li  1  er  indtrl  r  h  imeli  ber  trunt  1\  ii  1 
man  oesibrilten  het  mit  Ki  prebt  mmn  lieben  b  tten  und  bat  mir  v  a 
iimiii  wegen  ilsuv  gesibriben  iw  uh  inith  bin  wdgsfr  wm  mig  uni 
i  t  tu  it  il/  u  h  die  ^'Dle  duniitige  t,n  ie  w  rden  ]ft  als  di/.  ir  di 
te  llenbtit  iti  id  iith  wa/  lon  dez  ine_eliiin(n  nuwen  kires  we'in  U 
II  I  n  il  IuIlu  «ellent  lieber  fnint  mit  Uili-nt  es  \ur  ubele  naii  n  ii 
/i  1  rbttiii  du  <li  eile  n  r;,  ane^efaiigen  wait  m,  rot  dez  hedgffl 
gii  u  unl  1  t  11  z  I  ghul  11 1  du  v-  in  n*  re  nituren  mit  ettem?  \tT 
Il  fi-ditr  st  ll/ii  it  lorra  1  cbet  «a/  »her  1  cb  nuw  nt  in  s^liclwr  wi  ii 
il  \w  ir  uth  geroettlitbt  bdtteiit  j,r  Kell  heg  zierdt  von  eime  holirben 
\  r  di>  indere  gei'.tliclif  tut  bilenl  -nit  \)1  lieber  fnint  nu  sull*ni 
ir  d  tii  Hd(>n  du  ir  c  nut  ill  nie  ig  nt  ir  bibent  m  disen  s  rgli  lieo 
/itdi  letzi  \i\  in    1    li    II    elb  ii     i  lien    n  iil     rdcu  n  unl  et  «tnrii 

II  thdtttthel   t    biniml        1  in     h     iltoundgant    i  ch  h  1    diz  ir 


109* 

lidig  sint;  wan  ir  süllent  wißen,  daz  ich  selber  mit  minen  liplichen  ogen 
gesehen  han  daz  in  yil  landen  and  in  vil  stetten,  daz  ie  ein  kloster  an  ge- 
bnwe  köstlicher  mnnster  and  gar  köstlicher  k5re  ie  eins  aber  daz  ander  haben 
wolte,  also  daz  eins  dem  andern  nnt  vertragen  wolte.  and  darzü  ist  za 
0  Torhtende,  daz  solicher  gebawe  yil  beschehen  sige  one  rot  dez  heilg.en  geistes. 
yil  lieber  frant,  ir  sallent  wissen,  daz  ich  es  in  drissig  ioren  in  yil  landen 
und  stetten  gesehen  habe,  daz  got  dise  selben  blindelingen  werg  selber  ge- 
rochen het,  and  habe  selber  gesehen  große  mnnstere  mit  gar  dicken  maren, 
do  gar  kostliche  gewölbe  inne  gebawen  and  gemäht  worent,  also  daz  mir 

10  die  Itite  seitent,  die  es  selber  gesehen  hettent,  daz  sich  die  großen  starcken 
monster  maren  yon  dem  kostlichen  gewölbe  schiedent  and  wantent  in  dem 
ertbideme,  also  daz  alle  die  kostlichen  gezierde  and  daz  köstliche  gew61be 
gar  and  gantz  alzamole  herabe  af  daz  ertrich  yiel  and  darzü  gar  großen 
schaden  dotent,  and  blibent  doch  die  mnnster  maren  stonde ;  aber  men  yer- 

15  sach  sich,  daz  man  doch  nüt  me  daraf  gemaren  möhte.  na  sallent  ir  wißen, 
daz  ich  selber  in  ettelichen  stetten  gesehen  habe,  daz  zwei  münster  in  einer 
stat  gar  nohe  bi  enander  standent ;  and  daz  eine  münster  mit  steinwercke 
gewolbet  waz,  and  daz  ander  münster  mit  hültzinen  tilen  ane  die  bone  ge- 
machet waz :  and  daz  eine  münster  mit  dem  sweren  steininen  köstlicheme 

so  gewölbe  waz  gar  alzümole  herabe  äffe  die  erde  gefallen,  and  daz  andere 
münster  mit  der  hültzinen  bünen  bleip  gantz  stonde,  also  were  ime  nie  leit 
beschehen  yon  keime  ertbideme.  darambe  lieber  frünt,  so  rote  ich  ach 
asser  göttelicher  minnen,  waz  ir  na  buwende  werdent,  es  si  weler  hande  ez 
welle,  also  gar  sorgliche  es  na  in  der  zit  stot,  daz  ir  danne  kein  steinin  ge- 

lo  wölbe  machende  sint  and  waz  ir  machende  werdent,  do  machent  die  bünen 
mit  reinen  tilen.  and  wer  es  danne,  daz  es  got  fügende  warde,  daz  ertbideme 
kement,  so  tete  ime  daz  schütteln  nit  also  we,  als  es  dem  gewölbe  tut,  die 
do  mit  den  sweren  steininen  lasten  überladen  sigent. 

Na  yil  lieber  frünt,  ichkannit  wolgelossen,  ich  müsse  üch  asser  götte- 

10  lieber  minnen  sagen  yon  eime  tröme,  der  mir  trömete  in  der  naht  anser 

lieben  fröwen  in  der  yasten.   wissent,  do  es  ettewaz  in  die  naht  waz,  do  ^wtf»:«?  2S 
waz  ich  müde  and  gar  slofferig  and  leite  mich  alsas  an  daz  bette  and  wart 
och  zu  stant  gar  sere  sloffende.   and  in  dem  herten  |  schlöffe  do  beschach  .30^ 
es,  daz  mir  in  eime  rehten  tröme  trömende  wart,  wie  ich  bi  Bülemanne 

to  zu  dem  Grünenwerde  were,  and  wie  er  mich  fürte  in  eine  kappelle,  die 
do  nnwe  gebawen  ist  yor  der  großen  münster  düren.  and  waz  mir,  wie  man 
durch  die  cappelle  ginge  in  daz  grosse  münster,  and  wie  ich  in  diser  kap- 
pellen sehe  zwene  gar  schöne  altare  stonde,  and  wie  ich  den  einen  alter 
rehte  fool  fröwen  bilde  sehe  stonde,  and  hattent  alle  gar  snewisse  lühtende 

10  kleider  ane,  wanne  daz  es  ettewaz  waz  an  zusehende  also  werent  die  sne- 
wissen  kleider  mit  fürroten  blütes  troppfen  vermenget,  and  hattent  alle  gar 
schöne  rote  rosen  sehappel  af  iren  höabtern;  and  waz  mir  rehte,  wie  daz 
asser  iren  aotlitten  lühtende  were  ein  also  gar  schöner  darchlühtender 
glentrander  glantz,  also  daz  ich  den  schin  gar  käme  erliden  möhte.  na  waz 

is^  ipir  «ri*  M>ii  in  A\Mf  selben  cappellen  äffe  dem  andern  altai^  ^«\i<^  ^^tl  ^\^ 


110* 


rehte  foul  manne  bilde  stoude,  und  woi-ent  Ire  kleider  gar  osser  moßen  fürfu 
rot,  DDd  irc  antut  woront  ücb  also  gar  glestig  lühteude  sch<''De  ane  züseheuilp, 
daz  icb  den  glentzendeiJ  schin  oncb  gar  käme  erliden  m<'-hte.  und  do  ii:b 
alsDS  in  diser  kappellea  knuweode  waz,  do  waz  mir,  wie  daz  ich  nmbe  mich 
nnd  über  mich  seheu>ie  were,  oiid  ich  sach  die  cappella  von  nndenaa  der  -. 
erden  irntz  obenan  au  die  bune  umbe  nnd  atnbe  f'M  dur  scbünen  dorchlab- 
tenden  glentzenden  bilde,  die  alle  worent  singende  einen  solieben  herlichen 
lobesang  mit  einer  also  gar  lüstlichen  süssen  laten  stimme,  daz  ich  sin  er- 
wathete,  nnd  do  icb  zu  mir  selber  kam,  do  stund  icb  gesniude  nf  von  dem 
bette  und  viel  nffe  mine  knii  und  gedobte.  waz  trömes  mag  dig  sin  gewesen,  w 
also  wart  mir  zu  stnnt  in  die  sinne  vallende,  daz  die  eine  parte,  die  frviweu 
bilde  mit  den  rot«n  rosen  scbappeln  uffe  Iren  hobtern,  dnhle  mich  eiu 
Urkunde  sin  von  der  eilf  tusent  megile  wegen ;  aber  die  ander  parte  in  d«ii 
fürroten  kleidern,  d^r  msinunge  wolte  mir  uut  wol  in  gon,  danne  daz  icb  ge- 
dabte  an  vil  der  niarteler  geselleschaft ;  aber  n*ele  ez  mit  snnderbtiite  wercut.  i' 
daz  wolte  mir  nit  also  gar  geswiude  in  vallen.  als  es  det  tou  den  eilftoseni 
megeden;  also  bevalcb  icb  esgotte.  vi]  lieber  frünt.  ich  los  üch  wissen,  daz 
icli  anders  nit  weis,  wennedaz  dia  eingerehter  tn'im  istgeain,  nnd  sprichet 
man  doch,  trümen  den  sige  nüt  wol  z&  glonbende.  nnd  ist  oncb  wor,  weaoe 
sü  hant  dicke  betrogen ;  aber  doch  so  ist  ez  in  der  alten  e  und  oach  in  der  ■:« 
nuwen  e  beschehfn,  daz  vil  götes  dingcs  in  sloffenden  bilden  vAr  gehebet 
wart,  der  docb  vil  einen  vürgang  gewunnent. 

Nd  vil  lieber  frdnt,  icb  müs  ücb  noch  me  sagen  von  trümen,  wanne 
R  ü  1  e  m  a  n  der  ist  also  rebte  blüde.  daz  ich  gedencke,  daz  er  ücb  noch  nie  reht" 
i,'c=L'iti',  wii>  diT  öriLii.-wiTt  iiiT  si  kumm^-n.  im  süllfnt  ir  wissi^n,  da;  !'■ 
oi>-'i-  ;<  Kiilman  und  mir  uns  bi'id'*n  j-'Uch  in  der  naht  dcz  liebt-n  santt-  Dyonisiu; 
i'icli  iu  v\m<-  riditim  sloffi'nd'^n  U>'m<-  tn^mcnde-waz,  also  daz  wir  si>ltcntb>l- 
"nandiT  hi>)ffi-ii  und  solt^'nt  liigiin,  daz  wir  zu  Strozburg  ^du  klosUT  g'- 
raabtuut:  abiT  Aw  saclu'U,  wie  fs  »'Tdi^n  soltf,  daz  loßi-  icb  undiTiivgi'H. 
wi'nnc  siü  wurdi>  a.\7.\\  vil  zu  schriln^ndi'.  nocb  dist-me  tri'>mL'  wart  ich  in  ■■' 
zvhcn  tug'-u  hinabr  zu  Knlmannr  fanaidi;,  und  icb  frogeti^  in  zu  stiiiii. 
|lb^■  inii-  in  kurt?,"n  zit-^n  üt  fn'imi'di'S  getWimi't  ivi're.  do  sprach  lt:  io,  uii  1 
liiib  an  und  s.'it.'  mir  y\itv  glicb-'s  d.'n  Sidlirn  tr.'xn  in  diT  svlb.-n  zit.  ;il.- ■ 
mir  [(■■scbidii-n  w.a.  alsd  daz  \\ai-  du  nidi'uan  zu  Strosburg  und  mir  lii- 
iilcnaii  in  eiti'T  naht  bi-di'u  glich  i'iii  tn'im  g--tr<'imtit  wa;(.  also  "ir  nu  vnr-  ■ 
iiiiil>  /,ii  maiiiL-'i'H  ziti'U  bi  ».■namb-r  won^nt  gi'Sin  und  dickt;  und  vil  gfiKilii 
SO**  hatli-ut,  daz  c-^  u:is  nirna  wol  s''liid,  daz  man  nuwu  klöstun-  machen  suh'. 
und  vcrwurlb-ut  vs  gar  in  unsern  sinnen,  und  uiisit  mi^inungi'  waz  al;o: 
liiinl.'  man  |..Tsoncn,  dii-  in  clMStcri'  ^'i'hwtrnt,  man  fiindi'  kl'istere  gar  gnup- 
r'lil'  Lri'lnjliiT  iiis.'  also  vcrwurflimt  wir  ■lucb  dis^'Q  tr^m  und  won-nt  sing^tr  ■" 
alziniiuli'  uuabtsam.  also  bi-schacb  ■■s  darnncb  zii  dt-n  ni^bstfn  winuabi''". 
in  d.T  si'Jbi'ii  li.'l.iu  b<'il!ri-[i  kristnaht  uttV  di^'  mittiirnabt  also,  daz  wir  bi'id". 
!■[■  ilu  iiiiii'itaii  und  iL')]  Xiw  "bi^iian  b''J.-  L'lifl!,  in  diT  naturen  in  t-in  solith 


111* 

lidende  getrenge  und  we  koment,  daz  wir  bede  wondent,  daz  wir  in  todes 
not  werent.  nnd  in  disem  selben  lidenden  we  do  befandent  wir  eine  also- 
liehe  offenboronge  mit  alsolichen  Wortzeichen,  daz  es  wol  zu  glonbende  waz, 
also  daz  wir  mustent  zu  Strozbnrg  ein  kluster  machen,   alsns  so  ist  der 

o  Grünewert  herkommen  mit  alsolichen  Wortzeichen,  die  nnsprechenlich 
sint  es  were  noch  gar  billich,  daz  nieman  kein  solich  worg  ane  finge,  er 
befände  danne  über  natnro  sichere  ofifenborunge. 

Ir  vingent  uch  einen  spittal  ane  mit  rote  and  geheisse  uwers  herren 
dez  meisters;  kam  der  selbe  rot  oßer  dem  heiigen  geiste,  daz  weis  got  wol. 

0  und  disen  selben  spittal  habent  ir  ooch  gar  nnd  gantz  gelossen  undergon ; 
wie  wol  daz  unsere  ebenmenschen  genomen  habent,  daz  weis  öch  got  wol. 
nn  ist  mir  5ch  dise  vart  geschriben,  and  ist  es  daz  ich  es  rote,  so  woltent 
ir  die  cappelle  loßen  gar  and  gantz  andergon  and  woltent  den  altar  in  die 
kirche  setzen  nnd  woltent  in  wihen  in  ere  der  eilftasent  megde.  na  wissent, 

5  die  cappelle  gar  and  gantz  loßen  andergon,  daz  ist  obe  got  wil  min  rot  nüt ; 
tünt  ir  es  oach  darüber,  so  wil  ich  sin  anschaldig  sin ;  wanne  wissent,  daz 
es  sorglich  ist  gewihete  kirchen  oder  kappellen  gerwe  lossen  andergon,  es 
were  denne  daz  man  die  wihete  wolte  an  eine  andere  stat  ziehen,  do  sü  bas 
und  ordenlicher  lege,    noch  denne  so  solte  man  es  nüt  tan  one  arlop  der 

0  heiigen  kirchen ;  and  were  och  rot  von  dem  heiigen  geiste  dobi,  so  were  es 
och  desto  sicherer. 

Nn  vil  lieber  frünt,  ichloßeüch  wißen,  daz  mir  Bülman  einen  großen 
brief  gesant  hat,  and  aßer  diseme  selben  briefe  habe  ich  ein  kleines  briefelin 
gesnitten  nnd  habe  es  üch  in  diseme  briefe  beslossen  gesendet,    and  in  di- 

5  seme  briefelin  stot  geschriben  zwene  sinne  dez  gebuwes :  der  erste  sin,  wie 
esBüleman  meinde  zubawende;  der  ander  sin,  wie  ir  es  mcindent  zübn- 
wende,  vil  lieber  frünt,  ir  süUent  wißen,  daz  mir  awer  anefang  dez  kores 
also  gar  missevellet,  and  ehe  ich  wolte,  daz  irin  nochvürbaßer  afmachetent, 
vil  e  so  wolte  ich  volgen  awerm  nuwen  sinne  des  gebawes,  also  awer 

10  meinange  in  dem  briefelin  stot.  aber  eins  wil  ich  üch  roten,  daz  ir  die 
cappelle  mit  nute  zu  einre  sacristigen  machent,  wanne  die  maren  sint  zu 
kräng  darza.  wellent  ir  awern  geba  haben,  so  were  min  rot  wol,  daz  ir  die 
cappelle  also  gantz  abe  brechent  und  sü  sattent  vür  die  münster  türe ;  nnd  do 
die  cappelle  stot,  daz  ir  do  mahtent  eine  sacr istige  mit  starcken  maren,  also 

\s  ir  sü  denne  haben  woltent.  aber  vil  lieber  frünt,  and  solte  ich  üch  roten 
nnd  woltent  ir  5ch  danne  rotes  volgen,  so  get6rste  ich  üch  wol  aßer  gotte- 
lieber  minnen  geroten,  also  Rülemannesratin  dem  briefelin  geschriben 
stat  von  dez  gebawes  wegen ;  wanne  sin  rot  gefeilet  mir  noch  verre  bas  danne 
awer  sin  dez  gebawes.   und  daz  getorste  ich  oach  wol  geroten,  and  ist  och 

10  gut  za  rotende,  wanne  es  ist  zu  globende,  |  daz  der  geba  gotte  and  der  weite  3 1^ 
wol  gefallende  wurde,   und  solte  och  der  geba  drühundert  güldin  oder  vier- 
hundert  güldin  me  kosten  denne  uwer  gebu,  daz  wer  wol  behalten ;  und  ge- 
tirstent  wir  gotte  wol  getrawen,  so  ist  er  wol  so  riebe,  daz  er  es  gar  wol 


6  Tor  er  ist  ob  gotil^        1 1  och  eingefügt        dB  wanne  %yx^\xa»^^  «v\v«i«\  ^E^>3t\^^. 


l\2* 

li^zaleu  solle ;  oiid  dürfte  er  darüber  etus  bürgen,  so  wolle  ich  gerne  sin  bürgt 
werden,  und  ich  gebnbe,  w<^r  der  gebn  in  disen  weg  ane  gefangen,  alse  « 
in  den  andern  weg  ane  gefangen  ist.  er  were  ietzentan  gantz  and  gar  ge- 
huwen.  wenne  wissent,  vil  lieber  frunt,  daz  ich  getrnwe  und  gloube,  dai 
got  den  Grnnenwert  mit  snnderheit  meinende  sige  nnd  dazferj  nocbgxr  i 
ein  großes  gotte  wolgefallendes  ding  damz  machen  wil,  obe  daz  er  es  an 
uDserme  eigenen  willen  haben  mag. 

Nn  hat  mir  Riilman  geschriben,  daz  ir  zd  disen  ostern  sebs priestere 
gewinnende  wcrdent  und  zwene  schülere;  und  ist  es,  daz  es  got  also  fägen 
und  haben  wil,  doz  eine  aache  vür  sichgondo  wart,  alse  Riilman  wol  weis  lo 
und  ich  ime  verschriben  habe,  so  gewinnent  ir  noch  drter  priestere  me,  die 
ir  gar  nsaer  moUen  gern  habende  werdent  nnd  ("ich  darzii  ein  solich  gros 
irdenscb  giit  mit  in  hringent,  daiabe  ir  ettewaz  erschrecken  möhtont.   wil 
daz  got  also  haben  und  tiigen,  so  wardent  nwer  <'itf  crütze.  die  gewihet  werent. 
tind  habent  ir  denne  noch  zwene.  daz  nwer  drizehene  werdent,  und  daz  were  |.^ 
denne  ein  convente.    und  wie  gros  irdensch  gut,  daz  ir  gewinnent,  also  gar 
si'irgliche  es  nn  in  der  zit  stot,  so  wer  es  schadeber,  daz  ir  me  danne  drizeliea 
brüdere  liettent.  und  wißent,  und  were  es  ordennnge,  dai  man  es  mit  briefon 
versichern  mi'hte.  daz  niemer  bnider  me  do  warde  danne  drizehen  brudere, 
und  die  oach  one  eigenschaft  lebetent,  alse  ir  na  tünt,  daz  wero  wol  zd  gloD-  so 
bende.  das  es  gottes  wille  gar  wol  were. 

Na  Tillieber f rünt,  wellent  ir  disen  gcba  ane  vohen,  so  vohent  in  onch 
frölicfa  an  in  ere  der  hellgen  drivaltikeit,  und  brechent  disen  sommer  die 
steine  von  dem  nnwen  köre  uf  nnd  verrnnrent  sü  wider  an  die  lange  mare, 
und  das  tünt  ir  disen  summer  wol  mit  gar  kleineme  giite;  sogetmwo  ich  zu  ■:'■ 
irotte,  wir  süllent  in  diseme  snmmere  wol  bevinden,  wie  es  got  fügen  wil  in 
kiisen  Sachen,    nu  hernmbe  so  were  mir  gar  liep  und  duhte  mich  ^ch  gar 
gut,  daz  man  disen  gebu  ziistunt  ane  finge,  wenne  der  gebu  wart  gar  vil 
weger  danne  uwer  gebu ;  wanne  wie  es  liarnoch  goiide  wurde,  so  hatte  mau 
ifmer  daz  vor,  da/,  man  einen  schonen  kor  und  eine  große  wite  kiiche  gewunne.  ■■'> 
und  mit  disem  selben  gebuwe  so  wurde  man  vor  gotte  und  vor  der  weite  der 
appellen  lid  g    nu  vil  lieber  frunt    tut  so  wol  and  nement  nwere  br 
d<ro  e  u  teil  zu  uch    die  irf,eme haut   und  oueh  hero  Heinnc  h  W    tzel 
Ulli  legent  in  distn  briet  vur  und  wtrdent  / 1   r  te    wie  ir  tm  wellent  m  t 
liseme  gebuwe     und  waz  ir  / 1  r  te  w  rlent    da/  sagent  hi  1    manne 
wtnne  der  s  1  mii   es  mitRuprehte  her  wider  uf  schriben     wenne     li 
hal  R  K    lern  in  gebctten    ist  es  da/  ir  len  gelu  wellent  ane  lihen    daz  er 
iennt  n  t  1  «se  er  kere  siih  heruz    dis  er  d    h  o  te  tut,  nnd  daz  er    icl 
r  U.  und  helffe   al  o  m1  ime  g  t  zu  tunde  git     wellent  ir  aber  den  gebn  n  t 
lue  foht  1     S(    wil  ich  ime  schriben    daz  er  s  n  |  lanne  gar  nnd  gantz  h  1  g  i 
tande    f  iget  es  denne  got  so  stände  ich  sin  w  1  lidig 

Ach  vil  lieber  frunt   ich  kan  nit  wil  geloflen    ich  muße  ucli  ettewaz 
ine  'ichnben  und  ist  daz  sacbe    daz  ich  lon  vil  gjttes  Irunden  vemummeii 


habe  und  oach  von  ir  ein  teil  selber  gebort  habe,  daz  gar  sere  ettewaz  zd 
fTirhtende  sige,  also  daz  die  müter  der  heiigen  kirchen  wol.in  gar  gros  ge- 
trenge  knmmen  möge,  es  sige  denne,  daz  die  grondelose  erbermde  nnsers 
lieben  herren  überwunden  werde  von  sinen  lieben  frunden,  also  daz  es  uf  ge- 

5  slagen  werde,  und  wissent,  beschiht  euch  daz  nüt  und  daz  es  für  sich  gonde 
wurt,  so  wißent,  daz  alsoliche  grosse  irrunge  in  der  müter  der  heiigen  kirchen 
wurde  fallende,  also  daz  danne  wol  beschehen  mohte,  daz  manig  güthertzig 
mensche,  daz  noch  one  lieht  ist,  sich  wol  daran  stoßen  mohte  und  in  große 
irrunge  fallen  mohte.   und  harumb,  vil  lieber  frünt,  so  ruffent  die  fründe 

0  unsers  herren  ane,  also  daz  sü  bittent  die  grundelose  erbermede  unsers 
herren  umb  einen  ufslag ;  und  ruffent  ouch  die  lüte  an  uwer  bredigen  ane, 
daz  sü  mit  ernste  bittent  vür  eine  sache;  und  nüt  sagent  die  sache,  wenne 
der  weite  ist  nüt  me  zu  getruwende.  und  wißent,  wer  der  mensche  ist,  der 
inaehende  ist  und  die  valschen  loaffe  der  zit  ane  sehende  ist,  so  siht  er  wol, 

o  daz  es  gar  sorgliche  in  der  zit  stonde  ist.  und  ist  daz  vaste  sache  der  h6u- 
beter,  wanne  die  höbet,  sü  sigent  geistlich  oder  weltlich,  an  den  es  stot,  die 
sint  yerre  daz  meiste  teil  mit  großeme  grite  und  mit  großer  hochfart  über- 
laden ;  ich  wil  geswigen  der  sünden,  die  in  dem  fleische  verborgen  ist, 
et  cetera. 

0  Vil  lieber  frünt,  mir  hat  R  ü  p  r  e  h  t  geseit,  da  er  in  der  tasten  von 

Strozburg  für,  da  hattent  ir  untze  uf  den  selben  dage  alle  tage  gebre- 
diget;  und  seite  ime  Rüleman,  daz  ir  willen  hetteut,  daz  ir  es  alsus  die 
gantze  vaste  uzhin  triben  und  tun  woltent.  nu  wissent,  das  es  ein  großes 
werg  und  ein  gutes  gotteliches  werg  ist  und  mir  gar  lieb  an  üch  ist  und  es 

5  üch  gar  wol  gan ;  und  ist  üch  usser  gtHlicher  minnen  wol  zu  rotende,  also 
daz  ir  üch  fürbasser  in  dem  gottes  worte  übende  sigent  und  üch  es  nieman 
lant  nemen,  got  der  nemo  es  üch  danne  selber,  und  wer  es,  daz  es  beschehe, 
daz  der  tüfol  und  uwer  selbes  nature  üch  daran  woltent  irren  und  in  üch 
sprechende  wnrdent:  waz  hilfet  din  bredigen  oder  weme  ist  es  nütze,  du 

0  befindest  nit,  daz  sich  ieman  darvon  beßernde  ist  —  ach  vil  lieber  frünt,  in 
alsolichen  bekorungen  und  och  in  andern  manig valtigen  bekorungen,  der  gar 
vil  ist  in  manigvaltiger  wisen,  ir  nit  alleine,  ouch  andere  menschen,  die  gar 
vil  invallendes  habent  von  dem  tüfel  und  von  ir  selbes  unerstorben  eigen- 
williger treger  naturen,  da  wir  doch  frefelliche  durch  alle  bekorunge  müßent 

15  und  och  durch  liden  müßent,  ehe  daz  es  darzü  kummet,  daz  wir  über  die 
sinne  gefürt  werdent. 

Ach  vil  lieber  frünt,  vergent  mir,  ich  forhte,  daz  ich  mir  ettewaz  en- 
gangen  bin,  also  daz  ich  armer  sünder  üch  alse  gar  vil  geschriben  habe, 
wan  ir  süllent  wissende  sin,  do  ich  über  disen  brief  zu  schribende  kam,  da 

0  weis  ich  nüt,  wie  mir  beschach,  wanne  das  ich  wol  weis,  daz  ich  |  arbeit  32^ 
müste  haben,  wie  daz  ich  von  dem  schriben  kam,  alse  gar  vil  sinne  warent 
mir  alles  zd  stont  in  fallende,  daz  ich  wol  bekennende  bin,  daz  ich  armer 


11  uwer  flbergeschrieben  Qber  arsprOngliches  den         IH  geti*uu>eiide  «t^^tru- 
vende  korr.        86  ^  über  arsprünglichem  üch         :^9  do  £lY>qt  \iTv&v^^ai%>i<^V^m  das. 


Sünder  gar  alzümole  nnwirdif  bin.    henimbe  vil  lieber  fränt,  so  bitte  Id 
üch,  daz  ir  got  mit  ernste  viir  mich  bittent 
I  [Jeben  an  iav.  iieben  sant  Gergen  daj,  anno  domini  M"  ccc"  liivij. 


Dis  iRt  eine  bedecküte  atrotfange,  scbreip  der  liebe  gotles  friiut  dem 
commendüre  amb  sin  angestberes  ungelossenes  missetruwen,  so  er  hotte  io 
dem  anefange  der  zweier  ]<'ibelicben  heiigen  sante  Jofaansen  geba,  also  der 
selbe  gottes  fn'mt  in  dem  commendüre  wol  bekaote.  nnd  ist  der  sin  siner 
missiven  mit  eime  stamppfen  anefange  and  ende  alsns  sprccbende : 

Ein  wäre  fOttes  Wkrt  snu  gevan^u  ntter  croGer  ;ätlli;Uer  eehorUDio  uuil  in  groUvr 
doKii'itiGur  geloSEDhiiit  und  In  sroDoin  Eatrunande  guttc.  nu  ist  wal  ili  floabsiidg,  1 
imi  wer  Ol  beschflheii,  bIsu  diu  ea  eithsr  ull«  lit  in  dam  stata  «er  ttoad«  lilibeo. 
so  nii'ihM  vol  sider  bor  norb  gar  vi]  ine  iinch  ^oBer  pölUther  vors  uf  gangen  «in. 
d4a  CS  nncli  beschuhen  iit.  abur  nmb  die  lalasetruniinEi^.  die  aither  uf  gestatidvii 
i>t.  haramb  »o  lot  as  got  gou.  alse  ns  uu  gang  hat.  wanne  in  dum  woE  getrDMeiide 
gott«,  da  ist  gros  raaDlgraltig  gAt  Inne  liuslnDon  liplicb  und  geistlich,  und  diu  iii  1 
in  Til  «schau  lü  mauigDii  ElU-n  gar  noi  befnnden.  und  as  l*t  nät  iR  glonhende,  dni 
fot  kala  DiinUHndH   oiilt.«  glitte  wo)   gctcunendu   herlx^  wedur  liplichu   nuch  gi^iGUirtiu 


Dis  ist  ein  minnenriche  demntige  entschntdignnge,  amb  waz  sacbe  der 
liebo  ^ottea  fnmt  briider  Clauscn  von  Li''fene  mit  me  schreip  mxb  -. 
schrillen  wolto,  und  manet  in  zu  großer  dangberkoit  und  zii  gehorsamkeil 
in  diser  liindersten  missivon  alsns  sprechende: 


115* 

sehribe.  und  hiemitto  Iftnt  i'ich  öcb  nu  gBugen  und  kerent  üch  z&  gotte  ond  aint 
demüteclicb  and  gotte  gar  geloßenlich  mit  großer  dangberkeit  nnd  mit  großem  wol- 
getruwen  wartende  der  gnoden  gottes.  und  sint  gehorsam  uweru  übertönen,  es  sige 
uwor  natoren  wie  wider  es  wolle^  unserm  lieben  herren  Bach,  der  sime  himelsohen 
5  vatter  gehorsam  ist  gesin  untz  in  den  dot.  na  tunt  wol,  der  ewige  fride  der  si  mit 
üch.     Amen. 

Nu  nit  habont  es  vür  übele,  wan  ich  üch    uu  nümo  sehribe  noch    nieman,   es 

sige  dan  redoliche  notdurft ;  und  ir  bodürffent  sin  5ch  von  der  gnaden  gottes  nüme, 

wanne  ir  nu  wol  bi  üch  rates  gnug  habende  sint,    und  darzu    so  habent  ir   öch  wol 

.0    ettewaz  zit  stüre  in  der  heiigen  geschrift.     nu  begere  ich  mit  ernste,  daz  ir  got  Yur 

mich  bitteut. 

Geben  an  dez  lieben  sant  Gergeu  dag  anno  domini  M°  cee°  IxxviJ. 


1377 


Dis  kloine  sexstemelin  bappires  mit  den  abte  blettern  ist  daz  selb  selbe  32^ 
buch  Bülman  Merswines  nnsers  Stifters  eigene  haut,  alse  er  es  selber  Vier  Jahre 

5  schreip  nnd  schriben  mnste  von  den  ersten  vier  ioren  sines  ane  vobeoden 
lebendes  nz  gehorsame  gottes  und  sines  heimelichen  gesellen,  dez  lieben 
frünt  gottes  inOberlant,  alse  es  die  brudere  sante  Johans  orden  fandest 
noch  Rnlemannes  tode  hinder  ime  geschriben  ligende  in  eime  beslossen 
kensterlin  nnd  sin  eigen  silberin  ingesigel  ussewendig  an  dem  coopertorio 

0  hangende  nmbe    sant  Marien  Magdalenen  dag  anno  domini  M^  ccc^  Ixxxij.     1382 
der  selbe  gottes  frunt  in  ÖberlantBülemanneMerswine,  nnserme 
Stifter,  dogegene  widernmb  geschriben  gap  den  anefang  sins  lebendes,  alse 
wir  es  zu  tutsch  und  zu  latine  in  den  drien  Urkunde  büchern  geschriben 
hant,  wie  gar  fromdecliche  in  yil  großen  mirackeln  er  och  von  gotte  die 

5  ersten  fünf  ior  durch  yil  lustliches  trostea  und  euch  durch  mannigvaltige 
swere  bekomnge  und  widerwertikeit  von  innan  und  von  ussan  gezogen  und 
gefurt  wart;  und  die  selben  fünf  ior  dez  lieben  frünt  gottes  anefang  ist  in- 
tytelieret  und  genennet  in  den  Urkunde  büchern  daz  buch  von  den  zweien 
menschen,  und  wie  wol  dis  gegenwertige  buch,  Bülemannes  unsers  Stifters 

0  leben,  nnd  ouch  daz  yorgonde  buch  der  fünf  manne  leben  zu  tütsch  nnd  zu 
latine  in  den  drien  Urkunde  bnchem  und  in  andern  büchern  manigyaltecliche 
geschriben  sint,  noch  danne  so  soUent  dise  zwei  bappirine  büchere,  der  erste 
stam  nnd  Ursprung,  ire  eigene  hant  und  ir  selbes  geschrift,  uf  diser  hofestat 
zu  dem  Orünenwerde  blibon  und  gar  erwirdeclich  gehalten  werden  glich 

15  eime  heiltüme,  in  der  selben  meinunge  sü  öchindis  briefbüchelin  gebunden 
sint  zu  eime  ewigen  Urkunde,  dobi  wir  und  alle  unsere  nochkomen  desto  me 
minne  gewinnen t  zu  allen  den  andern  iren  materien,  dodurch  wir  billiche 
süUent  vermanet  werden,  daz  wir  uns  der  selben  fründe  gottes,  unsere  lieben 
Stifter,  bruderliche  minne  und  gemeinsame  desto  fruhtberer  machent  mit 

40  rehter  dangberkeit,  daz  wir  durch  sü  uf  einer  solichen  gnodenrichen  heiigen 


die  ganze  Seite  32^,  in  roter  Schritt         ^S  \«\.  "iV^'i.. 


116» 

hofestat  voB  gotte  versammelt  sint  und  m  ir  zäle  gehüreot  nod  mit  ui  s<>lleiit 
mesaeo  die  fmht  irs  gn o de d riehen  Terdienendes  in  glichem?  teile  iemtr 
ewicliche.  ob  wir  selber  wellont  uns  sin  enpfenglich  machen  mit  glonben 
und  mianenund  mit  de mil tigern  erfüigende  ingaotzer  züversitit  irsgetrawen 
giMlichen  rotes  und  irs  minnesameu  früntiiclieii  sdiribondes,  alse  uns  dise 
gegenwertige  briefe  und  die  Urkunde  biichere  manigvaltilclichi'  bewiseiit  in 
allen  materien. 

Onch  mag  ein  iogUcb  mensche  wol  mercken  uml  sonder  allen  zwitvl 
gentzltche  gilben  bi  den  minnekoseudeii  werten  Rülman  Merswins 
onsers  Stifters  leben,  alsa  dicke  es  iemen  liset  und  vcr  gelesen  het  i>d«  i 
lesende  wart  daz  buch  von  den  nun  reilsen,  daz  der  selbe  Rülman  Mer- 
s  n  i  n  i'ich  geschriben  bet  nnd  schriben  müste  von  gntlicber  betwnngnilie 
und  von  insprechende  dez  beiigen  geistes,  in  der  selben  meinunge  ••eh  daz 
selb  biicli  von  den  niin  veilsen  zu  tutsch  und  zu  latine  in  die  dm  Urkunde 
biicLer  gescbriben  ist,  wanne  sü  bede  mitenander  concordjerent  und  gliihe  i 
hellent  an  demiicigon  werten,  an  inbrünstiger  minne,  an  liberuaturlicheu 
grossen  wunderlichen  werken  nnd  goben  gottes,  nnd  üch  bede  mitenander 
gescbriben  wurdent  in  den  ziten,  do  Riilman  Jlerswin,  n as er  stifte r,  toii 
gotte  betwungen  wart  bucher  zu  schribende  alse  die  daten  sag^ut,  die  bede 
glich  sprechont  in  disen  zneienbucborn  den  nun  velsen  und  den  vier  loren  " 
Bülman  Morswines  anefang  wenne  in  ir  leglicheme  sunderhche  ge- 
scbriben stot,  daz  es  volbroht  warde  de£  lores  do  man  zalte  vuDgotzgebnrt« 
M"  ccc"  fünfzig  und  zwei  ior 

Darauf  folgen    m    fi/eiem    H'flchm     }tt  I  BI  4       -h-    Tro 

Jahre   Ihdmaniia:    Allen  d  n     i  k  lut  get  i  qeUwkt  If'   ■^elimidl 

GoUesfi:  :,»l-7i;. 


üis  ist  dii!  vurrede,  dem  mau  si^ricbot  ein  i»rol.,g\ir, 
mit  der  tu  fehl  erzalende  un<i  und  ersehe  Ldenli  e  he  neuii^u.K- 
I  vier  und  zwentzig  cappittele  in  dem  Memoriale  buche  eins 
obersten  mo  isters  sant  Johans  orden  in  tütscheii  landen  :i 
und  diT  drier  weit)  if  her  pf  leger  dez  liuses  v.w  dem  Üniu^n- 
wer.le,  alse  ir  ieglicher  besun  dc-r  eiu.s  in  siner  ge  walt  het 
und  alle  ir  luichkummen  haben  süllent  iiu  und  herni.>i'b 
ewiclich.  uml  sint  die  matorion  und  cappittele  dpr  selben 
tufeln  hie  in  discine  gege n wi^rtigen  buche  ungesc hri beii  : 
b  1  i b e n ,  u in b c  d a z  s ü  in  den  d r i e n  Urkunde  b ü c b e r n  z u  t  li t s c li 
und  zu  lattnc  gar  eigcntlirb  gescbriben  sint.  alsu  oucb 
diseri-rolügusseit,  der  hie  anevnhetund  alsns  sprächet; 
DJs  memoriale  buch  ist  und  sol  sin  eins  ieglicheu  obersten  meister* 
und  priores  in  tiitschcu  landen  sante  Johans  orden,  weler  es  dcnne  ie  '"  *' 


1.17!* 

ziteD  wart  oder  sin  stathalter  ist  tinddaz  meister  ampt  besitzen,  und  regieren 
sol  na  andharnoch  ewiclicb,  wenne  es  ist  ein  exemplar  and:  ein  abegeschrift 
eigentliche  von  worte  zu  worte  des  memoriales  der  drier  weltlicber  pflegere, 
also  ir  ieglicber  besnnder  eins  het  in  siner  gewalt,  wie  daz  hos  zu  dem 
Grünenwerde  von  alter  bar  ist  kämmen  ie  uz  eime  stamme  in  den  andern 
von  dem  aller  ersten  Ursprünge  untze  in  sante  Jobans  orden,  kdrtzlicbe 
genomen  uz  den  drien  Urkunde  bücbem,  die  zu  latine  und  zu  dutscbe  in 
dem  selben  hase  zu  dem  Grünenwerde  sint,  und  sü  der  erwirdige  geist- 
liche berre  brüder  CünratvonBrunspergzuderzit  meister  and  prior 
in  eime  sundem  briefe  under  sime  eigenen  ingesigele  bestetiget  and  bi 
heiiger  gehorsame  verbanden  het  ewidiche  dobi  zu  blibende  in  besorgeunge 
and  beheltniße  eins  küsters.  and  dis  gegenwertige  buch  und  der  drier 
pflegere  bücher  concordierent  und  hellent  glich  mitenander  in.  allen  materien, 
die  aller  notdurftigest  sint  zu  wissende  eime  obersten  meister  und  den  drien 
weltlichen  pflegern  und  die  aller  meist  gezugniße  und  Urkunde  gent  der 
großen  gnodenrichen  wirdikeit  dez  selben  huses  zu  dem  Grünen  wer  de. 
daz  bant  etliche  erbere  weltliche  personen  in  selgeretes  wise  alsas  ge- 
frummet  der  almehtigen  ewigen  hohen  drivaltikeit,  Marien  der.  lieben 
müter  gotes,  den  zweien  hohen  himelfnrsten  sante  Jobans  Baptisten, 
sant  Johans-Ewangelisten  und  allen  engein,  den  wirdigen  lobelichen 
Patronen  zu  lobe  und  zu  eren  und  irme  huse  zu  eime  behutsamen  ufenthalte 
in  aller  der  wirdikeit  und  ordennnge,  alse  es  uz  dem  heiigen  geiste  in  großen 
mirackeln  durch  die  fruntgottes  ane  gehaben  undgemoinet  ist,  und  snnder- 
liche  daz  ein  ieglicber  meister  oder  stathalter  nu  und  hamoch  ewicliche 
durch  dis  gegenwertige  buch  vermant  werde,  wes  sich  der  orden  verbanden 
and  versprochen  het  gegen  den  drien  weltlichen  pflegern  von  dez  selben 
Grüne nwerdes  wegen  und  daz  er  uch  desto  me  truwen  and  gnode  darzü 
gewinne,  so  er  in  den  materien  mercket  und  verstot  die  gnodenriche  almeb- 
tikeit  der  patronen  und  der  Stifter  heilig  leben,  daz  6ch  hienoch  eins  teils 
g^r  kürtzlich  geschriben  stot.  die  selben  patronen  und  Stifter  gerne  wellent 
und  wol  vermügent  eime  ieglichen  menschen  sunder  allen  zwifel  in  zit  und 
in  ewikeit  große  gnode  erwerben  und  tusentfeltikliche  gedanken,  |  waz  in  zu  41 
lobe  and  zu  eren  guter  übunge  und  andehtiges  dienstes  beschiht  und  umbe 
daz  man  die  materien  dis  gegenwertigen  büches  alle  deste  eigenlicher  und 
kürtzlicher  verstände,  so  sint  die  sinne  in  einer  vorgonden  tofeln  alle  vor 
intytolieret  und  genennet  ieglicber  sanderliche  mit  der  zale  gezeichent,  wo 
man  ein  ieglich  cappittele  vinde,  daz  man  gerne  haben  wil ;  und  vobet  die 
tofele  alsus  ane : 

1 .  Item  die  erste  m  a  t  e  r  i  e  ist  die  ernuwerunge,  von  der  och  daz 
erste  cappittel  seit,  wie  die  lieben  Stifter  bede  glich  mit  großen  mirackeln  und 
mit  g^ten  Wortzeichen  von  gotte  getwnngen  vnirdent,  daz  sü  sich  müstent 


4 

1   öder  Bin  stathalter  ist   später    eingeschoben,    ähnlich    dem  Schriftcharakter 
des  Autographs         11    besorgeunge  l        24   oder  stathalter   elugefa^        %^  '^^. 

^n  der  Hs.  stehen  römische  Zahlen  in  B.otacVvr\tt  &m  ^^AXi^«. 


HB» 

daz  hnses  zil  dem  Örunenwerde  nnderwinden,  nnd  seit  nch,  wie  es  von 

alter  her  ist  komen  and  wie  es  in  dem  aller  ersten  arsprnnge  gestiftet  wart. 

2.  Item  daz  ander  cappittel  seit,  wie  daz  selb?  hns  in  den  ersten  alten 
ziteD  geregieret  wart  von  dem  ordene  canonici  regalares. 

3.  Item  daz  dirto  cappittel  seit,  wie  der  Grünewert  donocli  den 
swartzen  mimchen  von  sant  Benedicten  orden  wart,  nnd  in  welen  eren  es 
die  von  Altdorf  bieltent. 

4.  Itom  daz  iiij.  cappittel  seit,  in  weler  ineiniinKe  und  wenne  Kai- 
man Merswin  den  Grünen  wert  nmb  die  von  Ä 1 1 d o r f  konfle  nnd  in 
zii  dem  ersten  anÜeng  zu  bawende.  i 

5.  Item  liaz  fiinfte  cappittel  seit,  wie  der  Grünowcrt  noch  vil 
man igT altiger  andernngo  zu  iüngest  nz  g<Mtelicher  fürsilitikeit  dez  lieben 
saute  Johans  orden  gegeben  wart 

6.  Item  daz  sehste  cappittel  seit  von  der  gitodeu  and  gun.ate  dez  obersten 
meisters.   und  ist  öch  der  jjantze  brief  mit  alier  herodnnge,  wie  der  orden   i 
daz  has  ewecliche  halten  sol  in  banthabange  drier  weltlicher  pflegere.  den 
es  bcvollien  ist  and  den  selben  brief  in  handes  hant. 

7.  Item  daz  vij.  cappittel  ist  ein  abegescbrift  in  dütsche  geachriben 
von  der  bUginen  boUen,  domitte  der  aller  oberste  meister  zfi  ßodeis  aber 
mer  den  vorgennuten  brief  und  alle  berednnge  bestätiget  het.  : 

8.  item  daz  viij.  cappittel  seit  von  den  wercken  doz  heiigen  geistes 
nnd  ist  die  oSeubornnge  mit  den  großen  miracketn,  darch  die  der  kor.  die 
sacrystie  nnd  der  nnwe  gebn  gebnwen  und  gewihet  wart. 

!).  Item  daz  vüij.  cappittel  seit,  wenne  und  uz  weler  meinungc  der 
spittal  iiebawon  wart.  : 

10.  Item  daz  x.  cappittel  seit,  us  weler  inuinunge  der  k'isiliche  lan^f 

gang  umbe  den  gartuu  und  iillo  die  andern  Instlichen  gebuwe  gemäht  wurdcnt. 

'  11.  Item  da/,  xj.  cappittel  seit  von  der  gezüguiüe  und  beweruiige  aller 

der  Turgonanteu  cappitele,  die  du  sagent.  wie  der  Grünewert  von  alter 

bar  ist  kummen  und  gestiftet  worden. 

1 2.  Item  daz  xij.  cappittel  seit  von  allen  manigvaltigen  grollen  lidcnden 
tnicken,  die  von  anegenge  sint  uf  daz  hns  zudem  Grunenwerde  gefallen. 

i:i.  Item  daz  xiij.  cappittel  seit  von  dem  ende  und  ouch  etlewai  vifu 
dem  gnodenrichen  lustlichen  wandel  des  lieben  Stifters  Kulm  an  Mer- 
swini'!-. 

14.  Ilem  daz  xiiij.  cappittel  ist  die  ander  materic  und  daz  buch, 
daz  man  hinder  Külman  Merswin  dem  Stifter  geschriben  vant  von  den 
vier  iuren  sins  ane  vohendcii  Icbendt's.  daz  selb  S'.'lbe  buch,  sine  eigene  liam. 
diT  aller  erst  urprung,  in  vier  kleinen  b<'>gclin  papires  zu  aller  nehst  hieviT 
in  disen  gegenwertigen  sexstcrnen  gebunden  ist.  itnd  seit  daz  selbe  cappittel  >' 
von  dem  ersten  iore,  in  dem  er  aller  k-Mniannes  schätz  und  aller  Instlicher 
geselk-scliaft  urlop  gap  liiterlicbe  durch  got. 

I .").  Item  da)!  .xv.  cappittel  ist  daz  ander  ior  und  daz  dirte,  in  den 
der  selbf  Rulman  so  gar  vil  grolier  übernatürlicher  unreiner  wiister  1"^ 
k-iningfii  uiJii  uuch  andiT  mmugvaltii;  we  liden  miiste.  * 


119* 

16.  Item  daz  zvj.  cappittel  ist  daz  vierde  ior,  in  dem  der  selbe  B Al- 
ma n  alles  iidendes  ergetzet  wart  mit  gar  vil  großer  abematurlicher  fröoden- 
richer  jnbilierender  gnoden. 

17.  Item  daz  zvij.  cappittel  istdiedirte  materie  und  seit  von  der 
5  fünf  manDe  leben ;  daz  selb  selbe  buch  dez  lieben  front  gottes  g^eschrift  nnd 

eigene  hant,  dez  nnwent  vier  bogene  bappires  sint,  ist  mittein  in  den  aller 
ersten  sexstemen  dis  gegenwertiges  büches  hievor  gebnnden.  und  seit  daz 
erste  cappittel  von  dem  ersten  brüdere,  wie  sich  der  ahtzehen  ior  so  gröz- 
liche  übete  in  dem  liden  nnsers  herren  one  allen  übernatürlichen  befint- 
10  liehen  trost 

18.  Item  daz  xviij.  cappittel  ist  von  dem  andern  manne,  wie  der  ein 
lidender  e  man  waz  and  ein  erlühteter  gnodenricher  priester  wart. 

19.  Item  daz  xviiij.  cappittel  seit  von  dem  dirten  manne,  wie  er  ein 
wol  gelerter  übermütiger  weltwiser  jnriste  und  tümberre  waz  und  ein  gnoden- 

15  richer  erlühteter  demütiger  priester  wart. 

20.  Item  daz  xx.  cappittel  seit  von  dem  vierden,  wie  der  ein  Jude  waz 
und  in  großen  mirackeln  zu  cristenem  glouben  kam  und  ein  erlühteter  be- 
gnodeter  priester  wart. 

21.  Item  daz  xxj.  cappittel  seit  von  Cünrate  irme  koche,  wie  der  ob 

>o  eime  hafen  mit  müse  bi  dem  füre  von  ime  selber  kam  und  verzogen  wart.  {   42^ 

22.  Item  daz  xx^.  cappittel  seit  von  Büprehte  irme  getruwen 
diener,  der  och  ein  lieber  gottes  frünt  gewesen  ist. 

23.  Item  daz  xxiij.  cappittel  seit,  wie  der  liebe  gottes  frünt  in  Öber- 
lant,  Bülman  Merswines  dez  Stifters heimelicher  geselle,  zu hinderste 

13  von  sin  selbes  loben  gar  kürtzliche  schribet  und  euch  der  fünf  manne 
einre  ist. 

24.  Item  daz  xxiiij.  cappittel  ist  der  brief  dez  obersten  meisters  in 
tütschen  landen  sante  Johans  orden,  so  er  den  drien  weltlichen  pflegem 
gegeben  het  über  die  drü  Urkunde  bücher,  die  sü  domitte  hanthaben  süllent 

(0  ewicliche  do  zu  blibende. 

25.  Dis  ist  daz  xxv.  cappittele  und  daz  hinderste,  alse  Pfl^ff^'- 
es   in  der  drier   weltlicher   pflegere   memoriale   buch   ge-  »w^»»ofiW 
schriben  stet  und  nüt  in  dez  meisters  buch  noch  in  keime 
andern  buche,  wenne  in  den  zweien  überblibenen  latinen 

\b  büchern,  von  den  es  ouch  seit,  in  welcr  wise  sü  die  pflegere 
mügent  uz  lihen,  und  in  weller  minnen  und  früntlicheit 
sich  5cb  die  pflegere  halten  süllent  gegen  dem  ordene 
und  gegen  den  brüdern  zu  dem  Grünenwerde,  durch  daz  sü 
in   g6ttelicher    minnesamer   einmütikeit    ewicliche   deste 

[Q  baz  blibeni 

Item  dise  vorgenanten  zwei  bücher  wurdent  von  erste  ußer  dem  tütsche 
zd  latiiie  geschriben  und  blibent  über  an  den  drien  Urkunde  buchem  dez 

er  srotilgtem  seit         dl -40  rot. 


»•7     ^«#.    AK, 


12«* 

hnses  £ii dem  ßriiuoDwerde  von  sacbe  »egmi,  alse  di«  robericke  Sfit,  die 
lü  vArderate  in  ir  iegücheme  geschriben  stot  mit  eime  florierten  H. 

Dise  selben  zwei  ersten  überblibene  latiuen  biichere  sini  lten>'iinet  und 
gemeinet  =^  dem  T^xte  60*26~6.H*-i ;  mit  folgende»  Abweichungen:  statt 
61*9  hie'IO  buch]  in  die  zwei  iätintn  bucher  zu  aller  liinderste  geschriben   i 
13  umb  daz    23  philer  eins  gezirabers. 


Dis  ist  eine  missivc,  schreip  der  liebe  gotte,-'  frünt  deiil 
commendüre  bi  hobest  Gregorius  ziten  ein  iop  vor  der  zisnia 
uiid  dem  gespane  der  zweiger  bebeste  ürbaiius  und  Clemens, 
do  er  und  der  iuriste  von  gotk^  mit  giiteii  Urkunden  vermanet  " 
wurdsQt,  daz  si'i  zii  dem  selben  bobeste  Gregor io  faren  müslent, 
alse  hie  vor  in  dem  anef'ango  dis  brief  bdchelins  geschriben  stoL 
und  seit  dise  raiäsive  von  eime  nuwen  miraekel  in  Oberlanden, 
daz  die  liite  wiues  und  komes  vil  hattent  und  doch  gebresteut 
liden  miislent,  darumbe  die  zweiie  gotles  (runde,  der  leyge  und  i 
der  inriste,  nüt  zere  gelles  gnüg  uf  bringen  tndhtent  zu  der  seihen 
Romefart,  und  her  Johann,  ir  nuwer  briWer,  Rüpprehten 
meinde  zu  sendende  mit  smen  briefen  zu  Moyseb  smera  briider 
und  /ii  '^usiniKTi  -mir  swi  Kr  du  judi  n  wnrdil  un  1  gro  i 
bt_iril(  luttiiitmil  illi  H  irm<  gt^ldili  -dbe  dris-ue-tf  kn-ldi 
/i    wirdenili,  als«    disi    mi-^ui    -i  it  liKu,  auctohuidi 

^il  lieber  fiiint  loli  lo  ikh  «ilkn  il-iz  frot  nu  in  dl^en  iiberlan  leii 
ein  niiwi  rairickel  tvircktnde  ist  wan  h  i<i'-ciit  daz  ich  e>  nut  mo  gedeuckendi 
lim  il-c  (s  Uli  gdt  »an  tti--pnt  Kz  die  liite  irin  ri<he  =int  wui  wi-seut 
-1  hibtiit  ffir  u"ir  mulleu  mI  kimic'-  mil  wines  abir  alles  daz  andors  / 
dem  munsthen  gehiri  dez  Iiab  iit  si  gir  groliPii  e  hrf^itnii  belo  die  friiiidc 
g'itlcs  und  iiuih  aller  liande  mpiisduii  und  i^t  h/  -iache  alsi>  Uz  numiii 
kiin  II  liar  n  i)kuni?hat  diniitt  irkirn  dei  MingfUiniren  mag  hjruii  t 
\i\  iiebir  Iruiil  -l  _,d  lukn  uh,  0  iz  ith  e-  (tar  kume  ziibringui  niii^re  daz 
ith  dii.  K  gidlm  uibrmgm  miige  d  iiriitti  nii  zu  d  in  bobe^te  taieii  "iill  iit 
wi'-sent  noth  hii  '■  >  ^preditiit  In  drie  bnider,  lit  ■•elben  briidtr  die  b 
gernf.  lieiabe  zu  udi  wirtiit  und  ^preUieiit  iKo  da/  su  mit  nute  in  dem 
rat  sint  da/ »ir  uz  siillent  lareu  es -igediiiiie  da?  «ir  zu  dein  miniit'-wn 
C  galdm  ziisamiii  brüht  habeiit  und  li'^  irehellent  in  unser  brudtr  ille  uud 
■•fr  (lunt  e/  m_'i  »egu  «ir  Inben  /u  iil  Im  ini-gebrc-te  dis  rede  nim 
liPi  1  ilirtns  unapr  i  n«(.i  br  i  ier  in  auh  und  uart^nr  »-ere  diruf  gelnb  ii 
li/     1     III-  '■nlti    littui     h/  "ir  inn   Hi  in     ht  ^Iteiit  liiipn    -iN     hz   r 


1J21* 

sülte  faren  zu  Moyses  sime  brüder  nnd  zu  Susannen  sinecswester  mit 
briefen,  die  er  gen  wolie,  also  daz  sü  die  zl  goldin  dar  soltent  geben  zu  der 
ferie  zu  sture,  und  er  wüste  wol  also  er  iü  schriben  wolte,  daz  sü  es  gar 
gerne  tetent,  wanne  sü  große  minne  zu  cristeneme  glouben  hattent;  und 
sprach :  in  gebristet  nüt  me,  wan  daz  sü  sich  noch  nüt  in  die  armüt  mügent 
geben,  also  daz  sü.  noch  dem  brote  mügent  gegen,  und  ire  meinunge  die  ist 
also,  das  man  in  muhte  erwerben,  daz  man  in  gar  zümole  blos  ire  notdurft 
Hesse,  so  woltent  si  und  ire  kint  und  ire  kindes  kint,  also  daz  ir  wol  u£fe 
drissig  personen  wurdent,  die  alle  cristen  wurdent.  nu  begert  her  Johans 
nit  me,  gebe  es  uns  got  zu  tünde,  daz  wir  es  dem  bobeste  vürleitent,  und 
sprichet,  villihte  wurde  es  got  durch  den  bebest  fügende,  also  daz  der  hobest 
dem  keiser  schribende  wurde,  also  daz  er  die  sache  liesse  durch  gan.  nu  vil 
lieber  frünt,  ich  laße  üch  och  wißen,  |  daz  in  kurtzen  ziten  ein  priester  zu  uns  44^ 
komn^en  ist  und  hat  uns  gesaget,  daz  er  von  R  o  m  e  kummen  ist,  und  hat 
uns  geseit,  daz  der  hobest  noch  nüt  zu  B  o  m  e  in  kummen  ist,  und  er  lege 
aber  nohe  dobi  in  eime  kastellelin  zu  K  a  r  n  e  t  a.  und  er  het  uns  och  geseit, 
daz  zwischent  dem  bobeste  und  den  von  B  o  m  e  grosse  rede  sige,  also  daz 
man  sich  zu  Bome  versiht,  daz  der  hobest  gar  sicherliche  zu  Letare  zu 
Bo  m  e  infaren  sol,  und  sol  man  die  rose  mit  frouden  umb  füren,  obe  dise  ding 
wor  sint  oder  nüt,  daz  wissent  wir  nit.  nu  wie  disen  dingen  sige,  so  sint 
unser  brüder  alle  daruf  gefallen,  also  daz  sü  ratent  und  gut  duncket,  also 
daz  wir  bliben  süllent  untz  ostern,  und  denne  so  habe  sich  der  hobest  knme 
etwaz  gesetzet,  und  si  euch  dan  daz  wetter  etwaz  besser  worden,  also  sint 
*wir  zu  rate  worden,  daz  wir  rehte  wellent  bliben  untze  zu  der  urstende. 
und  bin  ich  doch  in  mime  höhte  und  in  aller  miner  naturen  ettewaz 
kräng,  und  dis  sol  ich  gerne  liden,  wan  der  große  herre  der  hat  in  diser 
zit  euch  gelitten ;  und  ich  versihe  mich,  daz  ich  zu  keiner  natürlichen  krafb 
kummen  mag,  ich  kumme  dan  e  uz  dem  huse  uffe  die  vart.  und  daz  selbe 
gloube  ich,  daz  B  ü  1  m  a  n  euch  die  wile  in  der  naturen  kräng  müs  sin ;  ha- 
rumb  yU  lieber  frünt,  so  bitte  ich  üch  usser  gütlicher  minnen  also,  daz  ir 
zu  B  Ulm  a  n  sehent  und  lügent,  daz  er  dise  zit  nit  zu  vil  faste,  wanne  wissent, 
ich  künde  sider  aller  heiigen  dag  noch  nie  darzü  kummen,  daz  ich  so  vil 
kraft  in  mir  finden  künde,  daz  ich  einen  dag  gedorste  gefasten.    . 

Nu  vil  lieber  frünt,  ir  süllent  wissen,  daz  unser  brüder  und  och  die 
drie  brüder,  die  do  gerne  zu  üch  werent,  zu  ettelichen  ziten  des  tages  bi 
enander  sitzent  und  haut  von  guten  dingen  rede  mitenander.  nu  ist  es  wol 
zu  drien  molen  beschehen,  daz  wir  von  uwerme  gebuwe  uwers  kores  geden- 
ckende  wurdent,  und  meindcnt,  ez  mohte  eine  fromde  sache  gesin,  daz  man 
den  gebu  nit  vollebrehte,  also  daz  die  brüder  in  der  Sachen  zu  friden  kummen 
mohtent.  und  hiezü  warent  die  drie  brudere  aller  meist  redende,  die  selben, 
(Ue  da  gerne  zu  üch  werent.  nu  weis  ich  nuzümole  nieman,  der  üch  bas 
gebelffen  mohte  dan  si ;  und  habe  wol  zu  zweien  knolen  daruf  geret,  obe  got 
Weite  ät  asser  in  wircken,  und  sprach  alsus :  sü  bnwetent  gerne,  so  hant  sü 
es  nit,  so  findent  sü  uch  nit  zu  lebende  one  iren  schaden ;  und  sprach : 

2S  worden]  varden!  kon-.  aus  raren! 


wusto  ich  hie  ieman,  der  os  dnrch  got  wolle  ti'iii  und  s\  in  wolle  liiieu  on« 
iren  schaden,  do  wolle  ich  gerne  liiirge  vor  sin  und  wolle  geloben  dez  aller 
ersten,  so  man  kom  nn'ihte  verk^ffen,  daz  ich  es  denne  gerne  wolle  wider 
geben,  ir  sillient  wissen,  wenne  ich  dise  rede  det,  so  swigent  die  ilrf 
briidere  und  rettent  ein  wort  niitdarzü,  und  si  woreotdocb  wo  1  bekennende,  i 
daz  ich  es  nCFe  sii  redende  waz.  harnmb  vil  lieber  frunt,  ao  tdnt  es  darch 
got  und  gedenckent  harzü  and  tünt,  wie  daz  ir  miigent,  und  ahlent.  dai  dii 
snnimers  nnwent  eltewaz  ein  unefang  beschehe  fiirbas  zumachende;  anJ 
beschebe  daz,  so  getniwo  ich  zu  gotle,  gol  der  solle  dan  wol  belSeo.  du  es 
danne  volbraht  wurde.  i» 

1377  Geben  an  dorn  fritage  der  fronfasten  in  der  Tasten  in  dem  Ixivij  Jon 

In  12   mid  drüliehtnhundertigesteme  iore. 
45*  Der  liebe  jjotles  fnlnt,  unser  goLruwer  vatler  in  Oberlant. 

hei  gar  begirliclie  und  minnesamkliche  uz  güteme  getruwentle  und 
in  c'infaltigcmc  miniienrichemc  gloiiben  in  etteliehen  discii  gesteo-  '' 
wenigen  brielen  gar  vil  geschriben  von  drien  welüiclien  prieslem 
iler  wise  und  meinunge  ime  gar  wol  gefiel,  die  ire  iiuwe  briidere 
worenl  und  gerne  bi  uns  zd  dem  ürünenwerde  kummen 
woltent  sin,  daz  sich  gar  ziihant  damoch  anders  erzöugele,  alse 
hievür  gesebriben  stot  zii  aller  uehst  noch  der  visiunen,  die  dem  '-■ 
lieben  goUes  fründe  in  der  eilf  tusent  megede  naht  zu  Lulringsn 
in  pime  slnlTe  für  kam  von  pimfi  neste  mit  aiben  blulten  voircin 
glicli  finiT  riunrcii  dez  huscs  und  der  bnnlerc  /.n  dein  liniufn- 
w  p  r  d  e. 


Üis  is[  i'ine  iiii^^ive,  sclir('i|i  der  liclx'  Kultes  rriiiit  in  (Hut-  - 
laut  subauiindninini  Mccd.xiij  dem  erbern gelerten gol  meineiult'ii 
lesemi'istere  hnider  Jnhansen  von  Scliaftolzbetm  :>ante 
Aiigustirni,-'  orden,  der  •»■h  |ieniteneif'r  und  vicarie  vi]  iure  gewesen 
ist  in  gei^lliolien  saelien  in  dem  bistnme  zu  Stmzjjurg:  uml 
er  hatte  eltewaz  eirie  zu  laste  slnifTeiidi'  nnfrideÜdu-  eii'j.:  om-  ■ 
cii.'ritzie,  lue  in  irrete  der  ubeniaUirliehen  liehtriehen  .unoden  de/ 
lHtili;.;en  gcistes,  alse  dise  missive  .-icil,  und  oeh  der  liebe  gottc-- 
IninL  in  darinnc  visel  ulVe  demutiu'e  pitte  wol  getrnwende  :jp- 
lolienlit'it,  alsus  s|in'c]iende: 

Herrc  der  lesenii'ister,  do  un^ier  hi^rre  und  unser  gut  ull'e  diseroe  ellenJen   :■ 
'Ttriclic'  in  menschlicher  n:itureii  wimcnde  wa/,  do  rette  gol  iler  heiÜL-eJst 


123* 

die  worheit  dareh  Kayfas,  der  ein  sünder  waz ;  also  mag  er  och  wol  darch 
mich  armen  sonder  reden,  waz  er  wil,  and  tun,  wie  er  wil.  herre  der  lese- 
meister,  got  der  het  üch  vil  dinges  dnrch  mich  sin  armes  gezöwelin  an  eime 
hriefe  geschriben,  so  hant  ir  öch  ane  gesehen  an  eime  buchelin  fönf  iore 

o  mins  anefohenden  lebendes,  nnd  in  disen  beden  soltent  ir  wol  ettewaz  ge- 
mercket  haben,  na  hant  ir  mir  aber  geschriben,  ich  sülle  üch  aber  me 
schriben.  na  wil  ich  üch  mit  kartzen  anbedecketen  Worten  schribea,  als  es 
got  gebende  ist,  rehte  also  es  ist.  und  ir  süUent  daz  wissende  sin,  daz  ir 
eine  concienzie  hant,  die  ettewaz  in  üch  selber  der  gnoden  ettewaz  irrende 

10  herte  ist.  and  wißent,  daz  es  sache  ist,  daz  die  liehtriche  gnode  des  heiigen 
geistes  awer  sele  and  awer  hertze  noch  nit  darch  schinen  hant.  and  dis 
sollent  ir  nat  erschrecken,  wanne  wolte  got,  daz  wir  biderber  lüte  yil  hettent, 
es  stünde  desto  baz  ambe  die  kristenheit.  ir  wissent  doch  wol,  daz  unser 
herre  sprach :  in  mins  vatter  riebe  ist  maniger  bände  wonange.   herre  der 

lo  lesemeister,  wissent  daz  vor  wor,  weler  mensche  gern  hette  die  liehtriche 
gnode  des  heiigen  geistes,  dem  wart  si  befintliche  hie  in  der  zit  nüt;  die 
Sache  ist,  gerne  wellen  haben  also  ander  gottes  fründe,  daz  ist  ettewaz  ge- 
müschet  mit  ettewaz  hoffart,  das  der  übele  geist  eime  menschen,  daz  noch 
nüt  liehtes  het,  in  biosende  ist,  daz  der  mensche  nüt  gemercken  kan ;  wanne 

20  gerne  wellen  haben  eine  soliche  grosse  übernatürliche  gobe,  daz  mag  gar 
käme  beschehen  |  one  ettewaz  geistlicher  hoffart;  so  ist  die  liehtriche  gnode  45^ 
des  heiigen  geistes  also  gar  hei,  and  mus  ein  alse  gar  reines  leres  fas  haben 
one  alle  materie,  do  er  in  sol ;  wol  beschach  es  sant  Paawelse,  dem  wart  die 
gnode  anverdienet,  aber  er  müste  es  darnoch  wol  erarnen ;  daz  bedörtte  do 

>5  zdmole  die  anefohende  cristenheit  gar  wol.  aber  alse  es  na  in  disen  gegen- 
wertigen ziten  stot,  so  ist  es  gar  eine  fromde  sacbe;  wanne  got  der  meinet, 
wir  habent  na  die  heiige  geschrift  zu  helffe,  do  us  wir  alle  ding  wol  bewiset 
werdent,  obe  wir  selber  wellent  herre  der  lesemeister,  sol  das  lieht  des 
heiigen  geistes  ein  menschen  übernatürlich  in  lühtende  werden,  so  müs  der 

(0  heiige  geist  ein  menschen  in  voller  demüt  finden,  und  daz  sich  der  mensche 
alzümole  gotte  zu  gründe  gelossen  habe,  also  daz  er  mit  ime  in  zit  und  in 
ewikeit  du,  waz  er  wil,  und  nüme  also  der  mensche  wil.  und  der  heiige  geist 
mos  eine  wolgeordente  gefridete  gotte  wol  getruwende  concienzie  vinden, 
do  er  in  wil.   herre  der  lesemeister,  were  ein  wiser  biderber  milter  tugent- 

(5  hafter  herre  in  dirre  zergenglichen  zit  und  hette  der  herre  zwene  gliche 
biderbe  diener,  aber  der  eine  diener  der  hiesche  dem  herren  zu  ettelichen 
ziten  Ion  amb  sin  dienst,  der  herre  spreche  zu  dem  andern  diener:  sage  mir, 
lieber  diener,  wannan  von  bittest  du  mich  nit  also  din  geselle  and  heischest 
mir  öch  Ion  amb  din  dienst?   so  solte  der  ander  diener  sprechen:  lieber 

10  herre,  ir  sollent  daz  wissende  sin  vür  wor,  daz  ich  üch  alse  gar  sere  liep 
habende  bin  nnd  üch  alse  gar  sere  minnende  und  meinende  bin  ond  üch  also 
gar  wol  getrowende  bin,  daz  ich  keines  lones  von  üch  begerende  bin ;  nnd 
ich  wil  awer  eigen  sin,  waz  ir  mit  mir  dünt,  daz  ist  mir  liep,  ond  waz  ir 
heLssenii  d^  sol  ich  dun  von  rehter  liebe  one  alles  warombe.  no  der,  wie 

i?.  Anm  nti  I««   A»sf  4\ise  zwono  die  gliche  biderbe  sint,  noch  denne  ma^  es  wvt» 


124* 

gesiD,  ist  dar  herre  bIu  nisc^r  herre,  er  nimet  den  üineii  an  sinen  heimlitheu 
rut  nnd  lot  den  andern  dusse  ston. 

Herre  der  lesemeister.  ir  haut  mir  i'ich  g<?schriben,  ich  sdll?  üch  roU<ji> 
wie  ir  lich  halten  aiiUent  in  der  golubedo  aniiiiies  in  geistücbeme  orden.  ir 
snUent  daz  wiflende  sin,  daz  ich  lieh  von  der  gnoden  gottes  wol  bekennende  :> 
bin.  DDd  ffer  ich  denne  als  ir  und  wer  ictzcntan  an  uwer  stat  nnd  wer  outo 
all  disen  hütigen  dag  burknmmen  alse  ir,  so  wissent  daz,  so  wolte  ich  al^a 
in  der  gehorsam  blibcu,  alse  ir  nu  siut,  aber  ich  wolte  micli  gotte  alse  ser« 
ich  kunde  and  möhte  loGen,  nud  volte  ime  demiitec liebe  in  aller  wise  «ol 
getrnwende  sin-,  nnd  wer  es  denne,  daz  es  besi^hehe,  das  mich  der  beiige  10 
geist  übernatürlich  nirende  wurde  nud  in  lübtende  wurde,  der  solle  micb 
denne  wol  bewisen,  waz  ich  tim  solte  und  daz  ich  daraü  ich  in  gehorsame 
blibe,  herre  der  lesenieister,  bact  ir  bncber  oderpfennige  oder  welerhande 
daz  ist,  das  mügent  ir  wul  beheben  mit  nrlobe  uwerra  oberdon:  and  danü 
snilent  ir  gotte  behaben  und  nit  üch,  also  daz  ir  got  in  der  sacheu  meinende  u 
werent,  ehe  es  bescbobe,  das  es  anders  wurde  gunde,  also  üch  noch  zä  ette- 
liehen  ziten  bescheben  mag,  das  ir  denne  got  zii  einen  eren  wollen  habeu 
>  und  <'>cta  brachen :  nnd  ddnt  |  ir  ourh  dis  in  dirre  meinungeu,  so  habent  'Vh 
keine  stroffunge  darumbe  me  und  sint  niwig  in  der  sachon. 

Herre  der  lesemeister,  ir  hantmir  iVh  geschriben,  ich  siiUe  üch  roten,  a 
übe  es  gut  wöre,  füre  unser  herre  der  bisobof  zu  KTiUo,  obe  ir  mit  ime 
sülteut  varen  oder  nüt.   wissent,  daz  ye  ist  mislicb,  ob  er  do  hiscbof  wart 
oder  nnt;  were  es  aber,  daz  ez  beschehe,  so  wissent,  als  ich  dennoch  weis. 
so  were  üch  sorgliche  zii  rötende  i\\  farende  oder  zn  blibende ;  und  die  sache 
'\'v  ist,  der  üch  rötet  zu  blilionde.  so  ist  dez  herrm  ding  also  gestült.  da/  ; 
es  also  an  ist  zii  sehende,  das  er  zii  Kölle  gar  wol  biderbe  lüt*  bedi'irffendf 
wurde,  die  er  bekennende  were:  der  uch  denne  rötet  zii  farende.  so  ist  zu 
firhtende,  daz  es  üch  schedelich  sige;  wanne  beschehe  es,  das  der  herre  zu 
Ki'-lle  keuie.  so  miiste  er  gar  vil  grosser  sorge  und  erbeit lange  zit habende 
sin.  ebe  daz  er  dozö  kerne,  daz  er  sich  etwaz  zu  ruwen  gesatte,  und  m^hW  :i 
wol  kummen.  er  müste  irrosse  ^■rbeit  mit  kriegende  habende  sin,  obe  daz  er 
ifmer  darzü  kummen  mi'dite.  daz  rr  zu  ettewaz  rüweu  kerne,    wer  i.-s  aber, 
duz  e.-;  beschehe.  daz  er  zu  KMle  wolte,  so  lont  nit,  ir  schribeut  mir;  ;■' 
M'il  ich  mit  ernste  jrot  bitten,  si  es  sin  » ille,  daz  er  mir  i»  bekeuueixie  geb<-. 
■  ibe  duz  ir  varen  oder  iiliben  sülleiit;  wanne  wissent  duz  vür  wor,  daz  unser  :. 
herre  vim  Ötrazbiirg  ettewaz  werbende  ist  gesin  noch  dem  bistum  zu 
K-'iUe.  daz  wilkut.  daz  waz  nit  ■■in  werg  noch  ein  rot  dez  heiigen  geiste?, 
uaune  wißwit,  es  waz  ein  werg  und  ein  rot  der  Übeln  bösen  geiste;  wauiie 
wissent,  iii^htent  sü  es  noch  zu  bringen,  sü  deteut  alles  ir  vermugeu  darzii. 
daz  so  es  zu  brehteitt.    und  willent,  daz  dis  idnie  mensche  in  einer  vigoreii  f 
vor  wart  gehi'bet.  uud  der  mensche  bat  got  mit  grosseme  ernste  ander»  er 
wer  vor  ette«ie  ril  zites  liiscliol'/ii  Külle  worden. 


125* 

Herre der lesemeister, wißent, mir istKüntzelin,  nwer bihte san, aber 
gar  swerliche  in  einer  fignren  vür  gebebet  und  wissent  das,  daz  ich  wol  weis, 
daz  ir  ime  sinen  brief  noch  nüt  gelesen  habent,  wanne  er  ist  zu  K olle, 
ond  bitte  nch,  daz  ir  es  durch  got  dünt  und  sinen  brief  wol  besließent,  untze 

5  daz  er  kämmet,  daz  in  nieman  anders  lese,  es  wer  anders  gar  schedelicb, 
dovon  sin  namme  daran  stot ;  und  wißent,  daz  sine  Sachen  yil  größer  sint 
den  ir  wißent,  wanne  ich  godar  üch  vor  gotte  von  sinen  heimelichen  grossen 
Sachen  nüt  geschriben ;  aber  ich  habe  süRül manne  mime  heimelichen 
frnnde  geschriben,  aber  er  getar  ir  och  nüt  gesagen ;  und  wissent  daz,  und 

jo  hette  er  nit  genoßen  sins  biderben  vatters,  daz  zu  gloubende  ist,  daz  er  bi 
gotte  sige,  und  euch  sins  biderben  braders,  der  noch  in  der  zit  ist,  ime 
werent  soliche  ding  widerfaren,  der  er  ewicliche  engolten  müste  haben; 
wanne  wissent,  er  het  einen  brdder,  den  got  gar  liep  het;  und  wißent,  und 
ginge  mir  sin  vetter  abe,  daz  in  got  zu  ime  neme,  so  weis  ich  noch  anders 

13  nüt,  wanne  daz  ich  in  wolte  nemen  zu  eime  beimelichen  fründe. 

Herre  der  leseraeister,  mir  hetEülemanne  gar  mit  grosseme  ernste 
geschriben  und  yon  uwern  wegen  gebetten,  were  es  gottes  wille,  daz  ich 
mich  üch  offenbarte,  daz  ir  heimeliche  mit  mir  gereden  möhtent  daz  wissent, 
mohte  daz  gesin,  do  hette  ich  große  minne  zu,  daz  ich  es  gerne  dete ;  wissent 

!0  aber,  es  mag  nit  sin,  und  lont  ez  gotte ;  wanne  wißent,  daz  es  vil  me  denne 
zwentzig  ior  ist  gesin,  daz  ich  vor  gotte  mich  |  nie  keime  menschen  getorste  46^ 
geofifenboren  denne  eime  alleine ;  und  wenne  mir  got  einen  nimet,  so  nimme 
ich  einen  andern,   der  iemerwerende  ewige  fride  si  mit  üch.   Amen. 
Ich  beger  groslich  an  üch,  daz  ir  got  vür  mich  bittent. 

« 

5  Item    dis    ist   oin    fornui,     in     woler    mcinunge    die    drie    weit-  Pflegereid 

liehen  pflegere^esworn  haut  und  uufürbaz  rae  oin  ieglich  pflege  r 
sweren  sol  alle  stücke  in  dem  pflegere  briefe  zu  hanthabende 
nochsimebestenvermügende. 

Wir  Claus  Zorn,  dem    man    sprichet  Lappe,  ritter,    der    oltoro,  J  o  h a n  s 

0  TonKageneckc,  ritter,  und  Claus  Junge,  edclkneht,  pflegere  dez  huses  zu 
dem  Grünenwerde  zii  Strozburg  sante  Johans  orden,  hant  ane  gesehen  die 
sweren  trücke  und  ano  stusse  und  manigerleige  uffelle  und  widerdriesses,  so  daz  selbe 
hns  und  die  pflegere,  unsere  vordem,  von  der  meistorschaft  des  ordens  und  och 
Ton  den  gewaltigesten  der  stette  zii  Strazburg  liden  mnstent  noch  tode  der  stiftere 

15  und  der  aller  ersten  pflegere  hern  Heintzoman  Wetzols  ritter,  Rulman  Mer- 
s w i n e 8  und  Johans  Merswines,  wenne  sü  mit  vil  fromdem  gesüche  ernstliche 
ane  gefohten  und  getrenget  wurdent  wider  ottelicho  puntcn  (I)  und  artickole  irs  be- 
sigelten  pfleger  briefes,  die  man  in  gerne  hette  abe  getrungen  und  darin  gebrochen, 
des  sich  die  pflegere   unsere  vordem    vestecliche  weroteut   mit  der    vürnemesten  be- 

10  wertesten  lerer  rot,  die  sü  darumbe  frogetent  und  von  in  nnderwiset  wurdent,  daz 
Sil  TOD  gottes  wegen  und  bi  consciencien   schuldig  werent  den  briof  zA  hanthabende 

26-28  rot.  Tgl.  Schrifttafel  Nr.  2.  Die  Originalurkunde  hat  folgende  ab- 
wdehtade   Lesetrten:  31    Strazburg        34   Strbzburg    sHfftere        36  Mersuaiix^ 

ien    ir$8. 


128* 

hl  illur  liui  btraduiiiH,  alaii  »r  Hii  «ü  kiiinmen  wäre  und  In  dia  Htirtar  laiirilgiil 
liuttonl.  du  anl  onndlclis  nllin  pH«gL'rn  eine  ninihtig«  iniinaiifa  sin  lü  TÜrkumninid'' 
alW  künftig«  affnlla  und  »ns  etm».  dureb  du  di«  vre  gottei  und  «iner  «rluhlolcn 
.fn^nda  boilrdo  nnd  tnniDunge  fUnto  laierlictier  mfolgat  «erda  iii  dteer  pHstaii«  nW' 
all»  oblusiltttil.  dirninbo  ilnt  wie  dio  TDrea«ebribpn*a  dric  K«u'M>bs«DM  DDcbfouJoii 
ptlnsere  da«  Bin  nfi  Well  oh«  llbcreia  kuinnen  nnd  tu  rnU  itardMi,  «lawol  kein  e)l 
undaneheid«iilichn  in  dHUi  briofD  boret  ist,  au  dnnckat  uii>  intk  uütie  und  nctdiitfli; 
»in  dunh  dur  •arlie«<'heldeneD  Türkumnienhelt  wllleu,  du  «io  («dich  pSopi.'  nii  inii! 
harnni^h  OHsdich  «noren  roI  alle  «tüeke,  din  in  dem  anlbpn  pflnfor  hristo  btfnff'n 
slnt.  ti  buithibeuda  noch  simo  baiteu  Taimuggnda  iinu  <inon  •chodau :  and  >i>l  M  '' 
ileni  curainendiice  und  dem  bnio  mtnn  du  be>tc  und  da«  wairtstn  in  allen  «afben. 
die  ad  ane  gunt  nuc.b  «incr  betten  TontantninBo  ungorerliche  bi  dorn  salben  aide.  iiiiib<! 
daa  man  «oUthemo  KOTral)»  mit  dottc  lieisornu  ^inipfa  und  buitrbnidiinhoit  nuV 
wideniun  und  ab«  geaagen  in  aller  iinaimnlsliclier  rordeninge  und  belo,  din  iridvi  d'i 
bi'liif  iliit,  doraittu  dl»  gut«  nrdennng«  und  d«r  stiticr  gAilelli'be  niuLnangn  m''>bl''  '' 
ab*  gnn  und  ientürot  wcrdou,  dni  nlr  twecllche  turbüton  sdliiut  dur  hallgon  tdialteli-'i'' 
Knrlen  der  wirdlgan  mütar  gotl«\  uud  dou  andern  IcVbeUcheo  liiuherrrTa  und  patma» 
>ii  eruu  noi'li  alten  nniierma  Tonuugond«.  das  dec  brief  in  allen  slna  krofcmi  unn^r- 
ändert  Mihi',  aliie  wir  di"  iibr.'  geschrlbanrn  iiflegere  Clana  Lappe.  Jobani  ">i' 
Kagunarko  nud  Clane  Junge  anogondoi  tu  dem  oritou  mulu  geawum  baut. de:  ■' 
tä  arkündu  but  unior  [«glieher  slii  eigen  Ingeiigul  guhfln<^kct  an  diaen  hri«[,  in 
gogubun  wart  an  aont  Jobauf  Haplisbin  ob^ut  tA  siineplitoii  In  dem  Joro.  dn  aui 
«alte  ton  gotJ  gebdrtfl  druifhenhundeit  jnr  mmlilg   und  drd  jnni.  •  |   |m.  17»] 


l)is  i-;t  üiii  abge^^hrilt  einer  misäiveii  bnider  Clause?  vmi 
L'>\'cuf,  die  er  norli  etteliehen  vorgondeii  missiven  sclireip  Jen  ^ 
lieln'ii  golLes  fninde  in  "berlant.  cije  er  in  den  orden  kam 
iiinl  ein  weltlich  priester  iincli  do  waz,  ii:^;  soliohcnie  groliem 
i.'fLi-an:je,  da/  in  diihto,  er  wolle  alle  widenverlikeit  und  hinder- 
iiilie  viu'kiunmen  in  rehter  i^nUeliclier  minne  und  meiii\ingi'ii: 
daiiini!)!'  in  der  selbe  liebe  goUes  friint  iiiiiinesamcliclie  strolTel 
in  dei'  enlwurte  sincr  missiven  liie  mit-h  vollende,  und  scheUi'i 
in    viir   riiun   unerlulitclen    uiigclollenon   zii   sorg ve! [igen    briider. 


127* 

ake  ouch  sin  angestber  schriben  bezüget,  daz  hie  ane  vohet  und 

geschriben  wart  in  den  ziten,  alse  die  Johanser  daz  hus  z6 

dem  Grünenwerde  von  Rülemanne  Merswine  enpfangen 

und   ingenomen  hattent    sab    anno    domini  W  ccc^  Ixxj,  alsus     iS7i 

sprechende : 

In  nnserm  lieben  herren  Jhesa  Christo  sint  gegrußet,  lieber  nserwelter 
getrawer  yatter.  ach  lieber  getrnwer  frnnt,  ir  hant  mich  ettewaz  gar  übele 
erschrecket  nnd  rehte  angest  gemäht,  daz  ir  mir  alse  gar  ernstliche  ge- 
schriben hant,  daz  ich  üch  mine  meinnnge  und  minen  sin  aber  schriben  sol, 
den  ich  üch  vor  mit  so  großeme  fliße  nnd  ernste  so  dicke  geschriben  habe, 
und  ich  getmwe  och,  daz  ir  in  vil  baz  verstont,  denne  ich  in  ach  iemer  ge- 
schriben kan ;  wenne  mine  erste  meinnnge,  die  ich  von  anegenge  gehebet 
han,  nnd  nffe  der  ich  och  alle  zit  stete  bliben  wil  mit  der  helfife  gottes,  daz 
ist  die  meinnnge,  daz  ich  gerne  nnd  gewillecliche  tan  wil  mit  rehteme  großeme 
friden  alles  daz,  das  ir  mich  heißent,  es  sige  loch,  waz  es  welle,  nnd  gebe 
nch  got  loch  daz  zii  tünde,  daz  ir  mich  hießent  dez  vihes  hüten  nf  dem  velde 
oder  dez  gelich,  wie  versmehet  oder  wie  verworffen  oder  wie  widerzeme  es 
loch  miner  natnren  iemer  were,  des  wolte  ich  üch  alles  gehorsam  sin  gerne 
mit  allen  dem,  daz  ich  vor  krangheit  iemer  vermohte.  wenne  werlich  so  ich 
rehte  gedenke  hinder  mich  and  vür  mich  nnd  der  weite  15f  und  wisen  und 
onch  min  selbes  krangheit  zu  gründe  ansihe,  so  enkan  ich  noch  engetar 
nsser  mir  selber  nüt  erkiesen  noch  erwelen,  noch  ich  enweis  mich  war  keren, 
do  ich  noch  miner  meinungen  und  begirden  innerlichen  friden  vinden  künne, 
wanne  in  dem  alleine,  daz  ich  mich  gotte  nnd  üch  in  allen  Sachen  zu  gmnde 
loße.  wenne  ich  wurde  in  mir  selber  dicke  alse  gar  trostelos  und  angestber 
nnd  alse  gar  groslich  getrenget,  daz  ich  mich  selber  niergeut  mitte  getrosten 
kan  noch  enmag  wenne  alleine  mit  den  briefen,  die  ich  üch  geschriben  habe, 
und  snnderliche  mit  den  drien,  die'  ir  mir  bar  widerumbe  gesant  hant.  wenne 
ich  die  lise  und  darane  gedencke,  daz  ich  mich  üch  von  anegenge  alse  gar 
Interliche  und  einfaltecliche  in  siebter  gottelicher  meinnnge  an  gottes  stat 
nf  gegeben  habe,  nnd  ich  ouch  daz  stetecliche  vinde  in  mir  zu  nemende,  sicher 
so  wurde  ich  von  gründe  mins  herzen  getröstet  und  erfröwet  in  gantzer 
guter  zöversiht,  daz  ir  mich  gelossen  nüt  enmogent  noch  engetürrent,  daz 
ich  wolte,  daz  ir  die  selben  drie  briefe  noch  hettent;  wenne  ich  zwifele  nit 
darane,  werent  sü  üch  och  alse  gegenwertig  alse  mir,  ir  werent  mir  von 
rebter  gotlicher  minne  nnd  erbermde  vil  desto  gerner  beholffen,  wanne  ich 
ander  gotte  in  aller  diser  zit  nieman  baz  getruwe  danne  üch.  nnd  ich  sol 
vnd  mag  mich  sin  billiche  fröwen,  daz  ir  mich  alsus  an  gott-es  stat  uf  genomen 
hant,  nnd  ir  nu  von  gottes  wegen  gebunden  und  schuldig  sint  mich  zu  ver- 
sorgende nnd  zu  versehende  noch  gottes  lobe,  und  ich  gloube  sicher,  daz 
anaer  lieber  herre  ettewaz  sunders  werckes  darinne  meine,  daz  er  mich  in 
so  wunderlicher  frömder  wisen  in  uwere  minne  nnd  truwe  gefuget  hat,  daz 


•n  ist  oucA  getilgt. 


128* 

'  ich  mich  üch  so  gar  lidecliche  und  wol  goloßen  mag  in  allen  dingen : '  and 
habe  doch  vi\  knntscbaft  gehebet  zu  maDigetiie  großen  gottes  friinde.  uixl 
ich  möhte  mich  ir  keime  me  geloßen,  wie  yil  sii  minnen  zu  mir  haitenu 
nenne  mich  dimcket,  unser  herro  wolte,  daz  ir  lich  no.  mit  mir  nbeu  aai 
liden  müssent.  < 

Und  wissont  werliche,  bette  ich  nüt  alse  gar  große  züversibt  zä  ücb 
me  danne  zii  allen  Johansern,  so  vörhte  ich  sicher,  mir  worde  grislich» 
leidende  nu  vurbaz  me  zu  dem  Grvinen  werde  zu  wonende  nöch  minpr 
innerlichen  begirden  ond  meinangen,  als  ich  lich  dicke  geschriben  hab«; 
wanne  es  geratet  vil  buffeodes  uod  üch  ettewaz  manigvaltikeit  der  litte  zu  ii 
uns  werdende  von  doz  appelosea  wegen,  den  die  Johanneser  broht  bani- 
nnd  ich  wene,  es  werde  L'rüsliche  zu  nemende  von  tage  zii  tage,  daz  mir  sicher 
ettewenne  gar  swere  und  oufridelich  gesin  were;  aber  nu  gerötet  sich  mine 
natnre  darinne  liden  nnd  ettewaz  gar  großes  Instes  and  ergetznngo  darinne 
nemen,  das  ich  mich  sin  gar  libele  erschricke  nnd  T<'>rbte,  daz  ich  zu  tüngest  i 
ziimole  darinne  verblendet  und  «her  wunden  werde,  daz  ich  min  innerliches 
triben  verliere  and  zörnole  anahtsam  werde  furbafier  z\\  kämmende  and  zu 
werbende,  ach  Heber  minuesamer  getruwer  vatter,  na  weis  ich  sicher  nit 
w-ol,  waz  ich  licb  verschriben  sol  von  der  Johanser  wegen,  wie  sü  mir 
gefallent,  wenne  ich  getrawe,  ir  wißent  iron  Wandel  und  alle  ire  wisen  Terre  ^ 
baz  denne  ich.  darzii  so  schribct  üch  onch  min  vatter  ßülman  also  vil  ir 
Yon  iren  wegen  begerent;  nnd  getrawe  ouch,  er  künne  üch  alles  min  leben 
und  waz  ir  von  minen  wegen  zii  wißende  begerent  vil  haz  und  eitrenlicher 
<cliriben  sicher  denne  ich  selber 

D    h  ß    t  h     t  d  b  th  faltige  priesl«re  j 

b  t    J  I  d  d  t         I  1    be.  und  get'ellet 


t    I 


d    mt 


xn  te 

h  gar  ungewr.nlicl) 
g  matc  über  alter 

d 

ine  zit  singeut 
g    winde  noch  der 

i 

gar  wenig  niwen 
m     hertze  ytiewai 

t    1 

1  so  ivil  idi  mich 

1  b 

il  und  ir  mir  « 

t,  U 

h  it  un.s^r;  lius.'s 

ii 

g  vellet  mir  saiüo 

g  ieman  mtssi^- 

1 
d 

1,      wenig  priester 

fechorsami^  gobfii 

t       r  mit  lustliclier 

1 

ölte,  deune  dai 

t 
1 

nie  wirdig.  Ja; 
idigen  liegirilfU 
h  gewar  w.tJi'h. 

129* 

daz  ich  keinerhande  merglich  triben  oder  neignnge  von  innan  darzü  habe, 
wenne  es  ist  alles  neiswas  anders  großes  innerliches  tribendes  und  heischendes 
in  mir,  nnd  ich  kan  doch  nit  wißen,  waz  es  ist  oder  waz  got  yon  mir  haben 
wil,  wanne  daz  ich  es  nf  in  und  nffen  üch  wnrffe  und  mich  mit  üch  gegen 

5  ime  entschuldige  und  behilfife. 

Und  wißent,  so  ich  loch  wol  ander|wilent  ettewaz  natürlicher  neigongen  48^ 
zu  irme  orden  gewinne  von  großer  minne  und  liebe,  die  ich  habe  zu  unserre 
gnodenrichen  heiigen  hofestat  und  och  zu  den  erbern  personen,  die  ietzentan 
bi  uns  sint,  so  Teilet  es  mir  doch  also  gar  swinde  abe  und  kummet  der  aller 

LO  groste  widerslag  in  mich,  so  ich  die  gemeinde  ires  Ordens  ane  sihe  und  (>ch 
höre  sagen,  daz  sü  also  gar  zümole  weltlich  sint,  und  sünderliche  so  ich  sü 
sihe  vor  mir  gonde  und  ritende  uffe  hohen  meiden  also  gar  weltliche  und 
verlessenlich  mit  kurtzen  kleidem  und  mit  langen  meßem :  uffe  mine  truwe, 
so  grnwelt  mir  also  gar  usser  messen  sere  darabe,  daz  rehte  alle  mine  nature 

15  erzittert  und  beweget  wurt,  daz  mir  min  sin  in  keinen  weg  darzü  stet 

Lieber  usserwelter  getruwer  vatter,  also  ir  mir  geschribent  hant,  daz 
ir  mir  nit  enrotent,  daz  ich  ein  Johanser  werde,  man  versichere  und  ver- 
sorge mich  denne  vorhin,  daz  ich  niemer  kein  ambaht  gewinne,  do  wissent, 
wenne  daz  bescbiht,  daz  mich  got  in  eime  orden  haben  wil,  alse  vil  ich  es 

10  denne  mit  uwerm  willen  getün  mag,  so  wil  ich  mich  rehte  luterliche  und 
einfaltecliche  darin  geben  on  alle  gedinge ;  wanne  solte  ich  üt  vorhin  uz- 
dingen,  do  bette  ich  zümole  keinen  friden  inne.  und  mich  duncket  öch  nüt, 
daz  ich  es  mit  gotte  und  mit  rehte  getün  möhte.  und  geschehe  es  loch  wol, 
daz  man  mir  vil  solicher  friheit  und  gnoden  umb  sü  erwürbe,  so  hette  ich 

\h  doch  nüt  großen  glouben  daran,  daz  man  mir  sü  die  lenge  liesse,  wenne  man 
hette  mir  balde  soliche  concienzie  in  gestoßen,  woltent  sü  mir  sü  loch  nüt 
mit  gewalt  nemmen,  daz  ich  sü  selber  uf  loßende  wurde. 

Wissent  5ch  lieber  vatter,  daz  mir  die  artickele  alle  gar  wol  gefallent, 
der  sich  die  Johanser  gegen  uns  verbunden  und  versprochen  hant.   und 

10  sunderlich  der  artickel,  daz  sü  nnserm  buse  keinen  brüder  geben  noch 
nemen  s6llent  one  der  drier  pflegen  willen  und  wissende,  sicher  der  ist  gut 
und  gefellet  mir  rehte  woU  aber  durch  miner  personen  willen  so  fröwet  er 
mich  nit  vil  und  habe  gar  wenig  züversiht  darzü,  und  ich  liesse  mich  öch 
gar  hertzekliche  note  darane  one  uwem  rot ;  wanne  wissent,  ich  habe  von  in 

\h  selber  vemomen,  daz  sü  alse  gar  großen  gebresten  habent  an  priestern,  daz 
ich  in  eime  zwivel  bin,  unser  hns  werde  sin  harnoch  ouch  engeltende.  wenne 
leider,  wie  wol  und  wie  kreftecliche  man  alle  geistliche  ding  ordent  und 
verbindet,  so  nimmet  es  doch  alles  von  tage  zu  tage  me  abe,  wenne  es  zu  nimet. 
und  darumbe  wie  wol  man  mich  denne  villihte  liesse  gemessen  mines  vatter 

iO  Bülemannes,  die  wile  erlebet,  daz  man  mich  nüt  versaute  noch  mir  kein 
ambaht  engebe,  so  were  ich  doch  noch  sime  tode  unsicher,  man  wurde  mich 
versMidende  nnd  ambahter  gebende,  were  ehte  ich  in  zu  solichen  Sachen  in 
keinen  weg  nütze,  und  ich  förhte  öch,  daz  ich  gar  vil  us  wandeln  müße  under 


spranirlicliem  so        30  ?or  hu8$  ist  brudet*  ^^^. 


dnz  weltliche  Tolg,  daz  da  ist  widsr  nwem  rot  nnd  wider  mme  iBnewendige 

moitiaD^e ;  wenne  es  ist  zii  Ti'irtitende,  daz  man  nit  tu  me  a!se  getrowe  pfle- 
gere  vinde,  die  daz  hos  in  also  ffroßen  göltelichen  trawpn  minuent  nnJ 
meinent  iiuub  aller  wisc  und  meinange,  alse  es  in  dlseme  anefang^  nf  gesetzet 
ondgeordeut  ist,  alsu  es  minyatter  Rülmuan  and  -'cb  her  Heintzemac  : 
Wetzel  mit  grossemc  äisse  und  ernste  gerne  versehont  und  versorgeteot 
in  aller  g&ttelicher  ordeamige,  wo  aü  kuudent  oder  mrihtent.  uod  alse  lange 
die  iwene  lebent,  so  mag  mit  wol  kein  gebreste  darin  gefallen,  es  blibe  i» 
48^  guter  g<'>tli<.'her  eren  und  or<lenange,  nenne  man  sol  sn  billicbe  me  fiirhteO' 
und  vor  oagen  haben  wenue  keine  pflegere,  die  iemer  me  noch  in  in  n 
kumment.  wonne  so  die  zwene  abe  gnnt,  so  ist  onch  denne  gri'isUche  la 
forhteude  die  gute  andehtige  gi'.tliche  ordenange  und  meinange,  die  wir 
ietzentane  gerne  ane  flngeat  nnd  <jch  eines  teiles  ane  gefangen  haut,  die  werde 
i'ich  abe  gonde  von  tage  zii  tage  iemer  daz  meiste  teil,  unser  hetre  welle  es 
denne  mit  siner  gnodon  nf  enthalten  und  versehen,  weone  es  were  wol  billich.  i: 
daz  anser  hns  in  diseme  nawen  anefange  iüblen  solle  an  geistlicher  orde- 
nange liber  alle  andere  Johansor  hüsere,  daz  menglicb  darin  iomern  solte, 
die  ehte  gut  Interliche  meindeut,  darambe  es  noch  alse  lidig  und  anbeladen 
ist  mit  sctiulde  and  manange  großen  kumber  alse  die  andern  hüsere  gemein- 
üche.  noohdanne  sii-her  su  aint  gar  wenig  prieatere  in  sante  Johans  ürden,  i 
die  sünderliche  gnode  oder  minne  zd  unserme  hnse  haut  nnd  bi  ans  begerent 
zu  sinde.  und  wiß^nt,  von  aller  erst,  do  de  Johaniier  ane  vingent  z  uns 
zu  werbende,  do  worent  wol  etteliche  under  n  d  e  du  raeindent  ■m  hettent 
große  minne  darzü,  and  dotent  oucb  wul  dargl  h  daz  s  gerne  b  an 
werent  gesin;  aber  do  es  geriet  ernst  werden  und  uz  g  tragen  wa  d  v  pI 
es  in  abe.  und  suiiderliche  /wene  Johan  er  de  erz  ugetpnt  den  aller 
gr'isten  eruest  und  minne  mit  usserliiber  w  se  and  Worten  und  k  mei  t  e 
alse  gar  dicke  and  vil  an  uns  mit  großer  ern  tl  1  er  bette  duv  n  w  r  all 
gar  vaste  beweget  wurdent  und  in  kume  gebulfie  t  daz  su  z  uns  kernen 
und  Sil  wnrdcnt  doch  alse  gar  balde  bekorU  da?  su  zu  ''tnnt  w  der  on  un 
wnrbent  mitgros«''me  iTiiste  daz  ich  dovon  aber  i  e  ne  w  vel  u  d  e  me 
großen  argwone  bin  da/  wir  niemer  me  7  fr  ie  no  h  z  v  llekumm  ne 
atetilioit  kumment  nanne  Ale  wol  einer  m  nne  d  z  gew  net  und  d  r  b 
hekort  «nrt  ii;  sn  imi'  wilfr  abe  velitt  o  mig  er  w  1  dar  o  ne  1  u 
wanne  o«  i^it  also  I  iret  di?  man  iiioman  darz  trengen  nocl  tw  g  1 
er  habe  denne  gns  e  inimip  darzi  und  cl  1  rhte  iiz  d  h  m  m  gl  h 
in  b  li  he  wiae  ktine  bik  runt;e  niemcr  u/  1  den  ku  nt  lo  m  e  alle 
negcnt  ein  anderuiigo  and  ctn  blitan  in  un  n  1  e  w  le  w  r  e  u  ol  i 
uzsi-btn  habpnt  unl  dar>(n  gewcncken  m  ig  t  o  we  1  ebervatter  «  i  eu 
1  h  I  in  n  ih  mm.  und  m  ig  alters  hilp  n  b  ol  v  1  re  geleben  n  1 
ebt  i,  •!  Uz  I  b  kit  werden  sul  und  daruml  k  nde  cb  all  u  s  1  ad  n  u  I 
el  r  iteii  viirkumni  n  und  \Br  rgen  Ic7  were  i  1  s  eher  uOer  ro  11  n  not 
Inrltig 

Aih  iillenv,4tiT  hcrtzeheber  getrmviir      tt  r         sp  t       der  daz       n 
■•j//i  i;  ih'ii  himhr^ten  brit-f  santpnt,  den  ich  mipl  n^     u     a  tp  Nj  lau     i  g 


131* 

habe  ich  mieh  iemer  sit  bedoht  nüt  grosseme  ernste  und  habe  onsern  lieben 
herren  nnd  yU  siner  heiigen  sider  g^  dicke  gebetten  ond  ane  gerüifet  mit 
groBeme  flisse  nnd  ernste,  daz  sü  mich  durch  tich  nnder  wisent  eines  ane* 
fanges  noch  dem  aller  liebsten  willen  gottes ;  und  ich  enkan  noch  nnt  anders 

5  in  mir  vinden,  daz  ich  ut  asser  mir  selber  gewelen  knnne  oder  getdrre  oder 
ach  mit  worheite  geschriben  künne,  wozu  mir  der  sin  stände,  wanne  alleine, 
daz  die  grosse  begirde,  die  ich  von  anegenge  habe  gehebet  zu  uwere  ge- 
selleschaft,  daz  die  noch  nie  nüt  gewesen  ist  an  grosse  wider  dem,  alse  sü 
nuzumole  ist  in  mir.   und  sü  nimmet  öch  alle  zit  gar  gr6sliche  zA  sicher- 

0  liehen,  und  ich  habe  och  also  rehte  grossen  innerlichen  iomer  darnoch,  daz 
mich  dunket,  daz  ich  untze  { an  minen  dot  gerne  wolte  mangeln  alles  des,  49^ 
daz  mine  nature  iemer  enbem  m6hte  untze  an  die  bloße  notdurft,  und  möhte 
ich  loch  mine  nature  hine  bringen  mit  wasser  und  brote,  sicher  domitte  wolte 
ich  mich  rehte  hertzecliche  gerne  lossen  genügen  und  wolte  euch  gerne 

15  steine  und  mist  tragen  und  dez  glich,  also  vil  ich  iemer  in  der  naturen  er- 
zügen  muhte,  daz  ich  min  leben  bi  uwerre  geselleschaft  süssen  solte ;  wanne 
mir  lühtet  alles  neiswaz  in  und  duncket  mich,  daz  ich  bi  in  sicherer  und 
baz  behüt  were  noch  miner  innerlichen  begirden  und  meinunge,  danne  iergent 
anderswo,  noch  dem  alse  ir  mir  selber  geschribent  haut,   und  wißent,  m6hte 

20  ich  es  heimeliche  geton  haben  one  uwer  wißende,  ich  hette  uwem  brudem 
einen  sünderlichen  brief  geschriben  usser  also  grosser  minnen  und  ernste, 
alse  ich  iemer  erzüget  mohte  haben,  daz  sü  min  gut  fürsprechewerentgesin 
an  üch,  wie  sü  mir  leider  unbekant  sint.  wenne  sicher  ich  zwifele  darane 
nnt,  bekantent  sü  alle  mine  meinunge  und  daz  stete  verborgene  triben,  daz 

5  ich  alle  zit  in  mir  habe,  dem  ich  doch  leider  nüt  envolge  noch  gevolgen  kan 
one  rot  und  helfe  gottes  und  siner  fründe,  sü  mohtent  es  von  rehter  götte- 
licher  minne  und  erbermede  nüt  gelossen,  sü  müstent  üch  mit  ernste  viir 
mich  bitten,  o  we  I  und  darumbe,  hertzelieber  ußerwelter  getruwer  vatter, 
so  erent  die  große  minne  und  erbermede  unsers  lieben  herren  Jhesu  Christi 

0  und  sinen  minnesamen  eilenden  dot  nnd  kumment  es  ouch  mit  ernstlicher 
bette  an  in ;  und  duncket  üch  danne,  daz  es  sin  lop  und  sin  ere  sige  nnd 
nüt  g^6sliche  wider  sinen  willen  von  miner  grossen  unwirdikeit  wegen,  o  we^ 
80  versmohent  nit  mich  armen  sünder  luterliche  durch  got  und  lont  mich 
der  aller  minneste  sin  von  uwerm  gesinde ;  werliche  darumbe  wil  ich  gerne 

5  liden  alles  daz,  das  daruf  vellet,  und  waz  ich  iemer  geliden  kan  und  mag ; 
wanne  ich  bekenne  und  weis  wol,  daz  ich  sin  zümole  unwirdig  bin.  und  die 
ewige  oberste  worheit  ist  öch  min  gezüge,  daz  ich  mine  natore  nüt  darinne 
suche  noch  meine,  und  do  hette  ich  üch  wol  gar  vil  von  zu  sagende,  daz  ir 
fil  lihte  selber  wol  mercken  mügent. 

10  Lieber  getruwer  vatter,  nu  v6rhte  ich,  es  sige  üch  villihte  untröstlich, 

daz  ir  mich  von  mime  vatter  B  ü  1  e  m  a  n  scheiden  soltent ;  o  we,  lieber  vatter, 
bristet  es  niergent  anders  ane,  und  wissent  ir  ehte  keine  andere  Ursache, 
darumbe  ir  mich  nit  gerne  hinuf  nement,  wenne  nuwent  von  mines  vatter 


ist  ich  geülgt        30  tpol  eingefügt. 


1»2* 

Bülemannea  wegen,  so  wissent,  ist  eadanoe  nwer  willennd  rotent  ir  mir 

es,  so  wll  ich  rebte  gerne  bi  ime  bliben  und  mit  ime  wooeo  in  miner  alten 
wise,  däi  ich  den  orden  mit  an  inicb  nimme,  und  läget  es  denne  onser  lieber 
berre  dozwisuhent,  daz-  ich  in  nberlebende  wurde,  daz  ich  ioch  da.nne  dar~ 
nofh  zu  uwere  geseliescbaft  knramen  mühte,  aber  wie  liep  mir  min  vatter  ; 
Bü  lern  an  ist  and  wie  rehto  m'ito  ich  in  über  in  gebe  and  von  ime  schied»! 
darcb  keins  zitlichen  gutes  oder  lastes  willen,  so  wolle  ich  in  doch  gerne  in 
der  wise  min  halp  über  geben  and  von  ime  scheiden.  Dod  ich  getruw«  Tich.  er 
litte  sich  gerne  darinne  gotte  zu  eren  und  durch  miner  ewigen  selikeit  willen, 
wolte  ehte  mich  got  bi  ücb  haben,  dos  ich  doch  gar  alzümole  anwirdig  bin.  ü 

Ach  minueclicher  lieber  vattur,  na  habe  ich  ücfa  mineu  sin  nnd  mint: 
meinnuge  aber  geschriben,  so  ich  aller  eigenlichest  kaa  nnd  mag :  aber  icti 
habe  ücb  vor  etteweniiu  me  gebetten  and  bitte  os  üch  üch  aber  mit  allen 
dem  äisse  und  ernste  so  ich  ii^.uier  kau  und  mag,  daz  ir  erent  die  gramle- 
49b  lose  erbermde  j  nnsers  lieben  herren  und  sin  heiiges  wirdiges  verdienen,  daz  1: 
ir  mir  alleine  rotent,  waz  üch  dancket,  daz  gottes  lop  nnd  ore  sige  und  sin 
aller  Uebäler  wille.  daz  getmwe  ich  oach,  daz  ir  daz  vor  atlea  dingen 
meineiit  an  mir  und  in  allen  nwerm  tnude;  sicberliche  und  in  der  worheit 
daz  ist  iVh  mine  aller  höhste  hegirde  nnd  moiuange,  daz  bekennet  gt>t  wuj. 
dem  nüt  verborgen  ist.  nnd  dammbe  so  tiint  es  laterliche  durch  got  and  -i 
nüt  ensehent^ane  miner  nataren  lost  und  rihtent  üch  nüt  noch  minen  do- 
rehten  nnvurnünftigeii  sinnen  und  wisen,  sonder  alleiae  uz  uwerme  aad 
anderre  gottes  fründe  rote  also,  daz  ich  nüt  in  der  klüttei'er  walt  kumme. 
daz  aol  ücb  got  in  ewikeit  mit  ime  selber  rilich  bezalen,  alse  siner  milten 
gute  wol  zu  getruwynde  ist.    Amen.  :: 


iLera  dis  i,<t  eine  entwurte,  die  tter  liebe  gottes  friint  in 
Oberlaiit  herwider  abe  sclireip  brüder  Clause  von  Lnfeni' 
ge^ieii  dor  vnrgniideii  missiven  alsiis  entwurtende  in  :^lPOtVender 
wi.-e: 

[><.m\m-  Nycular,  min  vil  li^'bor  iu  gotte  us:-..TivelttT  fniiit  miucr.  ir 
siiUcnt  wilicii,  du/  icli  uwerii  brief  babi>-  enplangeu,  und  habe  in  wn  der 
iriioili'  gr.tti'.s  rtiil  vt.TStandcii.  und  wissent,  daz  ich  üch  hie  schribe  uawfnt 
Villi  iloi  ;irticki'liL  fiii  eTLtivurtc,  der  selben  artickelo,  die  do  not^iart'tij.'  sint. 

Und  KU  di'm  iTätcn,  io  habcnt  ir  mir  geschriben  mit  vil  Worten :  undtT 
den  wnrten  su  stoi,  daz  ir  wnltcut.  daz  ich  drie  hriefu  hatte,  die  ir  habi'nt: 
und  hetti'  ich  dii^,  so  zwifidnt  ir  nüt,  ich  were  iich  von  güttelicher  minu^'n 
und  erb.'rmede  vil  de:!te  gcrnur  bidiolflen  und  «ere  deste  besorgeter  von 
uworiL  w.'t'cn  und  iibetv  midi  ''>ch  dcst^'  gi'willecliclier  mit  üch.  domini' 
Nvchie,  di*  ?iMt  "ort.  und  "vre  ich  i-iii  nionscbe  der  üch  niissetruwcte. 
Sil  h"lleiil  die  nort  also,  daz  ir  mir  missetruwent:  domino  Nyclae.  uuii  i 
w've  Vf.  daz  üt  in  ücb  werc  daz  ich  nüt  gloubc.  so  tribeiit  es  usser  üch  uml 
fli'id  ime  ividcr.  alse  man  i-'ic^i  ™i'"(  >:*'^<i^n  VUivMM^i'n  weren  sol :   waniif 


1 33* 

wissent  in  der  rehten  worheit,  daz  ir  alsoliche  frünt  ingfttlicher  minDeuhie 
obenan  habende  sint,  die  sich  wol  nsser  göttelicher  minnen  in  den  dot  dnrch 
nwern  willen  gebent. 

Domine  Nycolae,  ir  habent  mir  vil  gescbriben,  daz  ir  üchgotte  uid 

5  sinen  franden  einfeltecliche  zu  gmnde  geloßen  habent.  wissent,  die  selben 
wort  die  habe  ich  aber  unsem  brudem  geseit,  und  es  gefellet  in  alzümole 
Qsser  moßen  wol.  und  ir  süUent  wissen,  daz  wir  ach  alle  minnent  und 
meinent  in  rehter  cristenlicher  brüderlicher  trnwe,  und  daz  selbe  getmwent 
wir  ach  öch  alzümole  wol,  and  getmwent  üch  och  wol,  daz  ir  ein  fester 

10  steter  man  snllent  bliben. 

Domine  Njcolae,  so  habent  ir  mir  geschriben  von  den  Johansem 
also,  daz  ir  drie  bi  ach  habent,  die  üch  rehte  wol  gefallende  sigent.  wissent, 
mir  hat  Rülman  öch  von  in  geschriben  and  hat  mir  sü  mit  nammen  ge- 
nant and  sprichet,  das  es  güthertzige  priester  sigent.  na  bekenne  ich  nnwent 

15  einen,  herren  Jocoben,  der  wonete  etwenne  züSaltze,  and  ich  habe 

ettewenne  sine  sermone  gehöret,  daz  er  mir  wol  gefiel ;  and  hat  er  sithar  vür 

sich  gangen,  so  mag  er  na  ein  begaodeter  man  sId,  der  üch  noch  anbekaht  ist 

Domine  Nyclae,  du  sprechent  ir,  daz  lützel  priestere  in  sante  Johans 

Orden  si.   daz  redent  Ir  and  wissent  es  vür  keine  worheit  nüt.   domine 

20  N  i  c  1  a  e ,  ich  sage  üch  der  Johanser  orden  der  ist  gros  and  wit  in  der 
cristenheit,  daz  wol  an  manigen  enden  ettewaz  gutherziger  priester  mag 
gesin,  daz  üch  |  anbekant  ist.   ich  wil  üch  sagen,  ich  bekenne  in  anserme  50^ 
lande  drie  priestere  dez  ordens,  daz  gar  güthertzige  süsse  priestere  sint,  und 
ich  habe  öch  ettewaz  mit  in  geret  zu  üch  zu  kammende,  so  ist  es  in  ettewaz 

>o  wider  also  verre  in  frömde  lant  zu  farende,  aber  sü  sprechent,  hies  es  sü  ire 
meisterschaft,  sü  werent  gerne  gehorsam. 

Domine  Njcolae,  so  sprechent  ir  öch,  irwerdent  zu  ettelichen  ziten 
hünderslagen,  so  ir  die  Johanser  in  also  weltlicher  wisen,  in  kartzen 
kleidem  äffe  hengesten  sigent  sehende,   domine  Nycolae,  züment  nüt, 

\0  daz  ich  mit  üch  reden  wil;  so  sollent  ir  wissende  sin,  daz  ir  noch  nit  er- 
worben habent,  daz  alle  ding  gut  in  üch  werdent.  and  daz  ist  öch  sache, 
daz  ir  noch  nüt  befanden  habent  dez  übernatürlichen  gnodenrichen  liehtes 
des  vil  heiigen  geistes.  domine  N  y  c  o  1  a  e ,  ich  rote  üch  asser  göttelicher 
minne,  daz  ir  üch  werent  der  infallenden  sinnelichen  gedencke,  and  lerent 

ih  trotten  alle  infallende  gedencke,  die  üch  in  den  sinnen  bekümberent,  demü- 
teclich  ander  nwer  fasse  and  gont  für  sich,  also  ir  ane  gefangen  hant,  und 
lont  üch  gotte  and  getmwent  gotte  and  sinen  fründen  one  awere  sorgvelti- 
keit  nnd  lerent  vür  üch  und  lüterliche  gon  also  ein  kint,  so  getmwe  ich  der 
gute  gottes,  daz  ir  noch  in  kartzen  ziten  süUent  befinden  alsoliche  wunder, 

10  die  üch  noch  gar  frömde  und  alzümole  unbekant  sint.  und  hiezü  mag  nieman 
kommeni  er  gange  denne  e  die  wege  und  über  die  stege  von  einer  tugent 
zd  der  andern  und  breche  mit  der  helffe  gottes  durch  sine  nature  mit  rehter 
grtossenheit  sins  eigenen  willen. 

Domine  Nicolae,  nu  sprechent  ir  öch,  die  Johanser  die  habent  ire 

4&  nuiBiMi  imd  iro  zit  uf  enander,  daz  ir  nit  wol  zu  uwerm  \!L«tVa.«CL  V^mT^«^^ 


mö^ni  daz  wissent,  Bingen  nnd  lasen  die  zit,  du  ist  g&r  ein  fhibtber 
ding,  wauoe  es  ist  giiode,  dar  es  vou  gebotto  and  nsser  gohorsamv  tdl. 
domine  Niclae,  nut  wenent,  da?,  nwer  selbes  inkera  besser  aige  dannr 
singen  me^se  oder  die  zit;  uwer  inkeren  ist  wol  gjt,  so  ir  massig  sint  nni) 
DÜt  anders  taabent  zu  titnde.  domine  N  i  u  1  a  e ,  üch  were  wol  zu  rotende,  dai  . 
ir  lerteut  und  wernement  der  obern  zilen  der  ixiij  bucbstaben,  die  l«tze,  die 
dem  meister  geben  wart,  du  inn''  soitent  ir  studieren  and  lernen,  Aai  samxt: 
Vieh  nüt  au  awerm  gssange.  und  ir  mübtent  wol  do  leroen.  daz  der  vi! 
lieilge  güiat  zii  üch  in  wurde  kerende;  der  inker  were  lich  denne  nutzer  urn! 
weger  nud  wurdout  uach  me  gelernet,  danno  daz  ir  mit  uwerra  selbes  ia-  n 
körende  in  hundert  ioren  gelernt  möbtent  werden. 

Domine  Nicolae,  na  habent  ir  mir  öch  gescbriben,  und  wer  eä,  du 
ir  einen  ordcn  an  ücb  solteut  aemen,  so  kandi.'ut  ir  nnt  wol  friden  dinu^ 
haben,  daz  ir  mit  keiner  verbüntnilie  darin  kemeat  do  wißent,  do  habent 
ir  reht,  und  ist  ^'icb  g<'itiich.  und  es  waz  <'ch  mine  meinnuge  nüt;  mint  i; 
meiDunge  die  ist,  daz  ez  Küleman  so  sicheren  und  versorgen  solle  one 
uwer  wissende  nnd  uwer  lütnn ;  und  ich  habe  ime  Ach  geschriben,  wie  nT  ime 
tun  sol,  30  es  darzii  kummet. 

Domine  Nicolae,  nu habent  ir  mir  iich  geschriben.  daz  die  artirkele 
der  Terbüntniße  ücb  wol  gefallent.   daz  süllent  ir  wißen,  daz  mir  Gülmau  i> 
die  gantze  abgeschrift  gesant  het ;  nnd  die  habe  ich  allen  nnsern  briideni 
UDserre  geselleschaft  gelesen  und  gefellet  mir  und  den  brüdem  allen  gu 
alzümola  usser  mosson  wol.    nnd  die  abgeschrift  die  wellent  wir  behalten, 
wanne  i's  gefelli't  uns  alsc  wol,  dnz  wir  uns  viTsi-bunt,  daz  wir  oQi'h  den 
50''  Orden  wcUeiit  an  uns  neraon.  aber  wißent,  |  es  ist  alles  also  gar  gros  uiifride  f 
in  unsrrmc  landf.  rlaz  »vir  nofh  nii'  getorsteut  ane  gevobon  zu  buwende. 
domine  Siilan,  nu  sprecbcnt  ir  oucb  die  artickele  der  verbüutnisse  diege- 
fallent  üch  wol,  aber  doüli  so  fri'iwut  es  ücb  zu  uwerrc  personen  nüt,  und  ir 
habent  <icb  wenig  züversibt  darzii  und  ir  liessent  ouch  ücb  gar  hertzeclicbe 
imte  daram:  one  rot.   domine  Niclae,  dis  sint  alles  die  sinnelicben  infal-  : 
loude  sorgvidtigOD  one  zii  gründe  b'Otto  g'.-lossene  gedeucke,  und  hie  tute  ucii 
aber  not.  daz  ir  lernetent  in  den  xxüj  biichstabun.    der  oren  habe  zu  h^reniie. 
dvr  lii'iro  ! 

Üumiiii'  Nicla".  nu  siilleiitir wissende  sin,  wazdo  zudem  Grüniiu- 
werde  ane  gelungen  wart,  daz  wart  allessament  mit  rote  dez  heiligen  geistrf  i 
aue  gefangen ;  sider  er  nu  der  aui'haber  ist  gesin.  so  süUeiit  wir  ime  oui:b 
daz  mittel  und  daz  ende  loHende  sin  und  süllent  in  lossen  dur  sorger  sin: 
und  wie  er  es  besorget,  bede  mit  lüten  und  mit  gute,  .daz  sol  uns  gar  billii'hf 
wol  gefallen ;  und  wie  er  sin  hus  besorget,  dez  süllent  wir  billiohe  miissig 
und  ledig  ston.  duniine  Niclae.  gedenckent  und  beselieiit  selber,  wie  gar  >' 
wunderlicbe  und  wie  gar  in  fremden  sadien  bat  got  die  gelossenen  gon  eine 
zit  mit  den  weltlichen  pfaffen,  eine  zit  mit  sante  Augastinus  ordcn.  eine 
zit  mit  saute  liernbartes  orden,  i'ine  zit  mit  sante  Dominicus  ordcn  brt- 


135* 

äifgor;  und  dis  lies  got  alles  hiDder  sich  goD  in  gax  kleinen  fWimden 
awben,  dt«  uns  nät  gar  wol  bekant  worent;  aber  zA  stnot  do  die  Johinser 
dar  koment,  do  man  ad  nnwent  gebären  wolte,  die  waz  got  meinende,  and 
daz  ging  onch  zä  stnnt  dar  nnd  ging  ans  dar  noch  allen  onsem  willen. 

5  Domine  Nyclae,  nnd  daz  die  Johansei  alse  grosse  gnode  und 
appelos  dar  broht  habent,  des  süllent  wir  nns  billich  früwende  sin  dnrch  vit 
ein&higer  Creatoren  willen,  die  unser  ebenmensclien  slnt,  and  snUent  ge- 
wiUeclich  nnd  gerne  liden  ettewaz  nnräwe  von  minnen  dnrch  irre  ewigen 
selikeit  willen,   domine  Niclae,  wißent,  alse  ich  habe  gehurt,  so  weis  ich 

<*  debeinen  ordeo  in  der  cristenheit,  der  me  fribeit«  habe  denne  der  Johanser 
orden.  ist  nnder  in  nnkmt  gewahssen,  alse  es  denne  na  in  der  zit  stot,  solte 
man  daz  onkmt  in  andern  ürdenen  nz  Jetten,  so  mäste  manvil  arbeit  haben; 
dis  mnssent  wir  mit  erbermde  ane  sehende  sin  nnd  mässent  uns  darinne  Ter- 
blenden. 

6  Domine  Niclae,  daz  iröcb  nn  sprechent,  sige  es,  daz  ir  einJohanser 
werdent,  so  wnrdent  sn  üch  machen  ns  gonde,  nnd  daz  were  wider  nch  nnd 
onch  minen  rot  sagent  mir,  wer  wil  nch  machen  nz  gon,  nnd  siht  man  ehte 
an  nch,  daz  ir  es  gar  nöte  tünt  nnd  öch  gar  swere  ist?  nnd  were  es  aber, 
daz  es  bescbehe,  so  solte  es  nch  B  ü  I  m  a  n  gar  wol  vor  sin. 

»  Domine  Niclae,  ist  es  nn,  daz  ir  ein  Johanser  werdent,  so  getmwe 

ich  der  gute  gottes  nnt,  daz  er  nns  Bnlman  nfier  der  zit  nemrae,  e  daz 
wir  bie  obenan  üch  Johanser  werdent.  so  daz  beschiht,  wanne  nch  danne 
Bfilman  abe  ginge  nnd  in  got  haben  wolte,  werent  ir  denne  ein  Johanser 
nnd  hattent  ir  danne  minne  zu  nns  zil  knmmende,  so  bettent  wir  nmb  üch, 

!ä  dai  man  äcb  ans  ein  ior  lAhe.  gefiele  es  nch  denne  wol,  so  blibent  ir  alle- 
wegent  bi  ans,  and  do  hettent  unser  brüder  üch  groiJe  minne  zA.  aber  ir 
snUsnt  wiDen,  nnd  ist  es,  daz  es  beschebe,  ir  müstent  me  arbeit  haben  mit 
singende  ond  mit  lesende,  danne  ir  zu  dem  Grünen  werde  habent,  wanne 
nosere  brndere  sint  vaste  daruf  geribtet;  nnd  dovon  so  lont  neb  die  nbeln 

So  gdste  die  gnodenrJcben  giHtlicben  ambaht  nnt  leiden. 

Domine  Niclae,  ir  habent  mir  onch  vil  worte  von  manigfaltigen 
dingen  gescbriben,  also  daz  ir  vil  sorge  in  üch  babent  und  meinent,  ir  sint 
noch  inng,  nnd  wil  es  got  alters  halben,  so  mngent  ir  noch  vil  |  iore  geleben,  ä 
und  danunbe  SO  sprecbent  ir,  kundent  ir  nnd  mühtent  ir  allen  künftigen 

3ä  schaden  und  gebresten  vürkummeo,  dez  werent  ir  notdarftig,  nnd  sprecbent 
oncb,  daz  ir  do  inne  nnt  anders  meinende  sint  danne  gottes  lop  nnd  ere: 
domine  Nicolae,  dise  sorge  nnd  Ach  andere  manigv^tige  gedencke,  die 
äcb  in  Mleade  sint  in  gar  vi]  manigvaltiger  wisen,  daz  sällent  ir  wissen, 
daz  ir  schuldig  sint,  daz  ir  üch  ir  müBent  leren  weren ;  wanne  wissent,  das 

*"  es  got  nit  ist.  es  slgünt  die  nbelen  geiste,  die  nch  hinderent  gerne,  waone  sä 
ti^rbtent,  daz  ir  zu  eime  bohern  nohem  lebende  knmment,  daz  were  in  danne 
gM  scbedelich.  and  bamnibe  so  ist  nch  aber  wol  zu  ratende  nüer  gütlicher 
minnen,  daz  ir  alle  manigvaltikeit  and  alle  sorgveltigen  gedencke  abe  lont 
und  öch  werent  und  dcb  gotte  lont  nnd  nwer  bertze  in  friden  stellent,  das 

*■•  dnr  hniliTA  irelst  zii  dch  komen  mag  Dnd  bi  nch  wonen  mag.   ii  w\saMi.< 


18fi* 

daz  selber  wnl,  daz  der  heÜge  geist  iu  kein  hertze  IminroeD  mag  und  <'<cb 
keine  blibende  statdo  haben  mag.  er  linde  denne  ein  leres  hertz<i,  also  lere, 
daz  die  sorge  alTe  gut  geworffen  hat  und  gotte  sich  lofle,  beide  tu  zit  and  in 
ewikeit  domioo  Nicolae,  loroent  ir  dis,  so  wil  got  nwer  sui^er  sin  aui 
wil  Lieh  versorgen,  beide  in  zit  and  in  ewikeit. 

Domine  Nicola»,  na  babent  ir  mir  och  mit  grossem  ernste  nnd  mit 
gar  vil  Worten  gestbribeo,  me  gros  tribeu  nnd  ernst  ir  dozu  habent,  daz  ir 
gerne  hie  obenan  bi  ans  worent,  und  ir  meinent  oacli  und  hettent  ir  getörsL 
ir  hettent  ansern  bnidem  un?erre  geselleschaft  heiraeliche  einen  sandeni 
brief  gesant  umbe  daz,  daz  in  deste  ernster  weregesin.  domine  Nicola»,  i 
nn  süUent  ir  wissende  sin,  daz  ich  disen  selben  brief,  den  ir  mir  naziimole 
gosant  habent,  daz  wissent,  daz  ich  den  selben  brief  gantz  nnd  gar  allen 
uusera  brudem  vorgelesen  habe ;  und  wiüeut,  daz  wir  nüt  geloabent,  daz  ir 
so  große  minue  mügcnt  haben  zii  nns  zu  klimmende,  wir  habent  alle  grÖDer 
minno,  daz  wir  üch  noch  gerner  sehent ;  aber  es  mag  nnzümole  nit  sin  vor  i. 
dem  großen  anfriden,  den  wir  in  unserme  lande  habende  siut,  und  euch  dai 
wir  noch  nüt  ane  gefangen  babent  zu  bawende  und  ooch  noch  keinen  orden 
an  uns  habent,  do  wir  große  minne  zu  dem  lieben  sante  Johanse  habende 
sint ;  und  ich  getraue,  obe  dis  alles  beschiht,  daz  ir  den  orden  selber  an  üch 
genommen  hant,  daz  ir  den  orden  nnd  ir  wisen  et.tewaz  geleret  und  geiibet  ;< 
habtut,  wurde  ez  denne  got  fugende,  daz  ir  zu  ans  kement,  so  wnrdent  ir 
nns  deate  baz  fügende,  domine  Nicolae,  ich  schreip  lich,  daz  ir  kein 
Johanser  soltent  werden,  ir  hettent  denne  e  ein  gantzes  halbes  ior  vorbio 
versuchet ;  und  so  daz  os  kerne,  so  soltent  ir  mir  danne  nwer  meinnnge  schriben. 
lomine  W  ol  ii>  nu  süllent  ir  wissen  le  <iin  djz  i  b  mit  gr  Üeme  (.rn^st  ' 
uvere  '.acbe  unsern  br  lern  und  ouüb  an  lern  verborgenen  gottes  frundfu 
\urgeleit  habe  und  bat  sn  mit  gar  groOemt  ernste  laz  iu  es  an  g  t  kernet  t 
ind  in  betent  were  es  sin  wille  diz  or  in  gebe  in  ettelicber  wl^en  zu  ver 
stonie  in  welor  wise  er  uch  haben  wolte  obe  daz  ir  ein  Johans  r  werden 
s  Itfiit  oder  b  ir  knger  beiten  s  Itent  )der  tbe  laz  ir  also  soltent  eiu 
«clth  1   priost  r  bliben     Et  Citera 

i-  irbis  ist  nul  me  von  di-er  imtetieii  itlenliclie  z  i  schnbende 
Mdiiie  dl/  man  eine  -lo!  der  erl  ilUeten  geworen  ;;  tteo  fnnd 
rot  liaben   \n   allen    machen   und   in   oiich  gerne   sol    \o]ge!i   und 


Dis  i:!t  die  meinnnge  dcz  lieben  goUet  friint,  die  er  bn'ider 
Clau.scn  von  Lufene  under  andern  worlen  zu  entwurte  wider 
yelireip  siiicr  klage,  daz  er  zii  vil  /ü  gerihle  gon  miiste,  daz  nüt 
villi  gotle  an.LZüscIien  wart,  daz  priestere  zu  dem  Griinenwerde 
soUoiil  mit  der  weite   und   mit  zitlichen  sacben   bekiimbert  sin-  '' 


137* 

Domine  Nicola,  yil  lieber  brdder  und  Mnt  miner,  ich  lasse  nch 
Fißen,  daz  es  got  nn  gefäget  hat,  also  daz  ich  alter  krancker  man  und  nnser 
bruder  einer,  der  do  ein  joriste  waz,  also  daz  wir  bede,  so  es  na  wetter  wart, 
za  dem  bobeste  faren  müssent,  wo  wir  in  findent.   harumb  so  bitte  ich  nch, 

5    daz  ir  unser  gedenckent  and  5ch  der  andern  anser  brader. 

Na  vil  lieber  brüder,  na  habent  ir  mir  gar  einen  grossen  brief  von 

uwers  commendürs  wegen  geschriben,  da  ich  vil  von  mäste  wideramb  schriben. 

Na  habent  ir  mir  5ch  von  awers  selbes  wegen  briefe  gesant,  da  ich 

ach  nazdmol  nüt  vil  von  geschriben  mag,  wan  ich  nazümole  vil  zu  schri*- 

0  bende  hatte,  als  ir  wol  wißent,  and  darzü  noch  ettewaz  kräng  bin.  aber 
doch  in  awem  briefen  da  stat  nüt  inne  geschriben,  dez  man  üt  bedürfe 
dan  von  zweien  Sachen,  die  eine  sache  die  ist,  daz  ir  vil  erbeit  habent  ge- 
hebet mit  gerihte,  bede  mit  weltlicheme  and  mit  geistlicheme,  and  daz  üch 
daz  sere  gottes  hinderte,   und  daz  wissent,  daz  ist  mir  leit,  daz  es  der  com- 

5  mendür  dut,  wanne  der  Grünewert  wart  nit  also  ane  gefangen,  daz  die 
priestere,  die  dinne  wonen  soltent,  das  die  sültent  mit  weltlichen  Sachen  ambe 
gon.  aber  wie  dis  ist,  so  habe  ich  mime  heimelichen  fründe  geschriben,  das 
er  alles  sin  vermügen  dazu  tu  and  besorge,  daz  es  an  üch  and  öch  an  den 
andern  nüme  beschehe. 

0  Gegeben  an  dem  früage  noch  Invocavit  anno  domini  M*  ce&*  loMonj. 


Item  dise  vorgeschribenen  lieben  fründe  gottes  sint  öch  dez 
huses  und  der  brüdere  zu  dem  Grünen  werde  stiftere  und 
vettere  und  sünderliche  fründe  gesin  in  allen  göttelichen  truwen, 
und   hant  in  und  öch  ettelichen   andern    erwirdigen  personen, 

25  geistlichen  und  weltlichen,  in  der  stat  züStrazburg  vil  gnoden- 
richer  minnesamer  briefe  geschriben  dicke  in  solicher  heimelicher 
Verborgenheit,  daz  bi  aller  diser  kuntsame  nie  mensche  gemercken 
oder  erfaren  künde,  wer  sü  sint,  oder  in  weler  gegene  sü  wonent 
one  allein  Rülman  Merswin,  unser  Stifter,  der  öch  ir  heime- 

80  lieber  frünt  waz  und  alle  ire  briefe  von  Rüprehte,  irme  heime- 
Uchen  botten,  enpfing  und  sü  fürbaz  entwurtete  und  gap,  welen 
personen  sü  danne  geschriben  warent  und  zu  gehortent 

Item  derselbe  Rülman  Merswin,  unser  Stifter,  hette  öch 
einen  simdern  heimelichen  botten  hie  zu  Strozburg,  mit  dem 

35  er  ime  widerumb  sante  alle  die  briefe,  dieser  ime  selber  schreip 
oder  die  ime  befolhen  wurdent  von  den  brüdem  oder  von  andern 
erbem  lüten.  die  selben  beiden  botten  und  öch  Rülman  dicke  und 
-1 j._  Wortzeichen  gobent  mit  sunderm  tvüsX<^tiiÖL<^  'vcl.  ^^x 


kirchen,  daz  es  elLeb'che  orüdere  wol  hortrait  und  mercketent 
und  iren  sehellen  an  dem  vi'irgange  solient;  aber  der  zweier 
botlen  peraoQe  künde  in  nie  zii  sehende  werden,  wie  dicke 
aü  Loch  mit  fi'irsalze  ulTe  sü  spiehetent  und  wartetent,  so  sü  ir 
»  Zukunft  vor  wol  wustenl.] 

Item  es  beschaeh  i')th  zu  einen  ziten,  ilaz  etteliohe  erbere 
löte  von  Strozburg  us  fürent,  daz  sii  riie  selben  gottes  (runde 
meindent  zii  suchende,  wanne  in  gar  vil  gnoden  durch  sü  be- 
schehen  waz  in  irme  fruntlichen  aehribende.  und  under  vil  ander» 
briider  hiiseren  und  gottes  fründen,  die  su  uite  der  selben  verle  i 
visitiertent  und  gesohent,  do  koment  an  t'ich  zu  disen  selben  gottes 
fründen  und  logent  über  naht  bi  in  und  hatlenl  vil  worte  mit  in 
um!  gemertrke-tent  noch  befundenl  nie,  daz  sü  es  worenl,  die  sii 
do  süchetcnt.  und  koment  har  wider  heim,  daz  sii  in  verborgen 
und  unbekaat  blibenU  dis  seite  Riilman  Morswin  brüder '■ 
(Mausen  von  Löfene  in  den  ziten,  do  der  oberster  meisler 
bröder  Cünrat  von  Brunsperg  sii  ouch  meinde  den  tom- 
mendure  tun  suchen,  also  hievor  in  dez  selben  frünt  gottes  misslvec 
eine  geschriben  stot. 

Item  nn  wart  öch  Rüleman  Merswin   an  sime  dotbette  -i 
gebetten,  daz  er  den  bnidern  zu  dem  Grünen  wer  de  sines  hotten 
nammen    willen  ließe,    mit  dem   er   rfiine  heimelichen    gesellen   in 
Oberiant  alle  sine  briel'e  ^tisant  hette,  daz  wir  doch  neh  unsere 
notdurft  mit  dem  selben  hotten  geschriben  muhtent,   ebe   er  uns 
wurde  abe  gonde.  do  sprach  Rüleman,  daz  der  selbe  sin  heime-  ■ 
lieber  botte  jiar  kürtzliche  dovor  in  der  selben  zit  gestorben  wem 
alsiis  lict  uns  got  sine  und  ouch  unsern  lieben  frünt  under  zogen, 
(iaz  wir  in  imch  sü   uns  sider  Uülmun  Herswines   tnde  nie 
iint  geschribent,  nncli  von   in  vernemen  kundent.     und  daz   mag 
unsere  grolle   unwinhkcit   meinen    und   sache   sin,   daz   wir   ire:-  ■■ 
^zuteil  ii'iltclichen  getruwen  rotes  so  ;!ar  wenig  gevolget  hant  und 
irre  mfinuTigen  so  utiahtber  gewesen  sint. 

Item  alsus  hant  wir  uns  mit  unahtsamkeit  gesumet  dez 
iileyges  demütiger  gehorsame  in  dem  ervolgende  ires  mhmesamen 
schribendes  imd  sint  der  goben  gottes  und  siner  erlühteten  frnnde  ■' 
grolie  truwp  nüt  dangber  gestn,  darumb  uns  nu  die  türe  ires 
früntlichen  minnesamen  rotes  zübeslnlien  ist  und  dez  brütegümes 
mangehi  mij.ssenl  in  niani^or  trnsUicher  hoffenunge,  die  wir  dicke 


139* 

gehabet  hant,  so  wir  uns  botschaft  von  in  versohent  und  war- 
tende worent,  also  öch  den  dorehten  megeden  beschach  umb  ire 
slafheit  und  unahtsamkeit  der  zükunft  des  brutegömes,  daz  sü 
Ire  ampellen  götteliches  ernstes  und  ilissiger  beh&tsamkeit  liessent 

o  verlöschen. 

Item  do  nu  alsus  unsere  amppellen  verloschent  und  der 
brutegöm  di  türe  zu  beslos  und  zu  spote  wart,  daz  Rülman 
Merswin,  unser  lieber  Stifter,  uz  diser  zit  fiir,  do  hättent  wir 
gerne  oley  gebettelt  und  santent   uz  zwene  gar  erbere  hotten, 

0  einen  gott  minnenden  ritter  und  euch  einen  erbem  jungen  burger, 
der  öch  got  meinde,  daz  sü  die  selben  gottes  fründe  unsere  ge- 
truwen  vettere  suchen  soltent.  do  wart  uns  oley  verseit,  alse 
öch  den  dorehten  megeden  beschach,  wenne  die  selben  zwene 
erbere  hotten    übetent  sich  uz  großer  minender    begirde   vier 

5  Wochen  mit  suchende  und  mit  forschende  und  mit  frogende  us 
aller  diser  vorgeschribenen  kuntsame  und  fundent  ir  nüt| 

Item  donoch  beschach  es  dez  summers  anno  domini  M^  ccc^ 
kxxix  daz  etteliche  erbere  personen,  pfafTen  und  leigen,  fröwen 
und  man,  zu  Friburg  in  Brisichöwe,  die  der  selben  gottes 

0  firunde  leben,  daz  buch  von  den  fünf  mannen,  dicke  dovor  gelesen 
und  gehört  hettent,  die  verkuntent  uns,  daz  in  gar  sicherliche 
in  gantzer  worheit  vürkomen  und  geseit  were  worden,  daz  her 
Johannes  von  Bolsenheim,  prior  zu  Engelberg  sante 
Benedicten  orden,  den  selben  unsem  heben  vettern  und  gottes 

o  fründen  gar  heimeUch  were  und  dicke  und  vil  zu  in  wandelte 
und  gewönüche  in  irre  kirchen  messe  spreche  und  von  ir  iegli- 
cheme  sunderliche  zu  Friburg  geseit  hette  alle  kuntsame  zu 
glicher  wise,  also  in  der  fünf  manne  buch  von  irme  lebende  ge- 
schriben  stot. 

^0  Item  uffe  dise  vorgeschf iben  rede  brüder  C 1  a  u  s  v  o  n  L  ö  f  e  n  e     ^^ 

öch  uz  für  des  vorgeschriben  iores  umbe  sant  Bartholomeus  dag   ^^ 
mit  gemeineme  rote  dez  commendüres  und  der  brüdere  und  meinde 
sü  zu  suchende,    aber  do  er  zu  dem  von  Bolsenheim  kam, 
do  vant  es  sich  gar  vil  anders,  wenne  die  erbern  lüte  zu  Fri- 

^  barg  von  ime  verstanden  und  geseit  hattent.  doch  gap  brüder 
Claus  von  Löfen  dem  selben  von  Bolsenheim  vil  kantschaft, 
briefe  and  ein  abegeschrift  der  drier  weltlicher  pflegere  buch,  in 
A —  j^  ««lu^Q  gottes  fründe  leben  geschriben  a\ol>  \äA  ^öct  ^\\.^- 


liebe  materien  dis  gegeawertigen  biiches,  die  den  selben  von 
Bolsenheim  aller  eigenlichest  in  kuntsame  ufTe  sü  wisen  möbte, 
wenne  gar  vil  erber  goltes  fründe  zu  ime  wandeltent  von  \ü 
gegenen  dez  selben  landes,  alse  er  selber  seile  brilder  Clausen 
von  Lolene.  ^ 

Item  alsus  erbot  sieb  der  erbere  herre  von  Bolsenheim 
uz  groller  minnen  zii  diser  sachen  und  gelobete  brüder  Clausen 
von  Lofene,  daz  er  mit  sin  selbes  libe  die  lieben  gottes  fründe 
llissecliche  und  ernstliche  suchen  wolle  noch  aller  kuntsame,  die 
ime  waz  geschriben  geben,  und  het  ir  ouch  nüt  funden,  alse  i" 
er  sitbar  elwie  dicke  geschriben  het  brüder  Clausen  von 
Lofene,  wie  gar  getruweliche  er  sich  in  der  selben  sacbe  ge- 
arbeitet und  geübeL  habe  und  sieb  noch  fürbaz  meinde  darinne 
zii  übende,  und  ist  doch  alles  mit  darus  worden. 

Item  also  nu   dovor  geschriben   stot  in  aller  der  nehsten  i' 
missiven  noch  der  fünf  manne  leben,  unsers  vatter  geschrift  und 
eigene  hant,  wie  der  selbe  unser  vatter  und  der  juriste,  die  zwene 
lieben  gottes  fründe,  zu  irme  bisehofe  fürent  mit  dez   bobestes 
briefen,  die  sü  selber  zu  Bome  inpetrieret  hattent,  in  eine  slat 
von  irre  heimüte  xiij  milen  weges,  do  duncket  uns,  wie  es  Klinge-  *" 
nnwe  were;    wenne  der  bischof  von  Kostcnze   in  den  selben 
ziten  do  jielegen  waz  und  lange  zit  darnach  in  der  selben  slat 
zu  Kliniieiiöwe  lag,   alse   öch   die  vorgenant  missivc  seil,     nu 
ist   von    Friburi;    in  (Ihtenlanl   xiij   milen   weges   unlze   gen 
Kliiigennwe,  dnbi  uns  nch  duncket  und  dicke  gemütmoUel  und  •''■ 
gesclielzel  hant,  daz  sü  neiswo  in  der  selben  gegene  in  Obte- 
a  hiiit  mngent  woncn  und  sellhafl  sin  mit  irre  heimüte.  i 

Iteiu  nu  wart  es  gol  lügende  sub  anno  dumini  M"  c-uc"  lxxx\, 
daz  dtT  iiller  erste  commendüre  brüder  Heinrich  von  \V  ollacli. 
der  'teil  eine  sache  waz  etlehcher  diser  missiven  und  briefe,  dio  ■'■" 
ime  von  dem  goltes  fründe.  unserme  vatter,  geschriben  wurdent, 
und  alle_kuiitsamc  und  gelegenheit  aller  hast  gewiliet  solte  haben, 
der  5elb(^  commendüre  slunt  umbe  die  vorgescliriben  date  nie 
denne  ein  gantz  iur  in  dem  huse  und  convente  zu  Fribiirii  in 
nhteUint  nüi  siner  woimnge  und  künde  ouch  die  lieben  goltes  ■■ 
iriinde  nnt  linden,  und  belle  diicli  vil  minnen  und  begirdcn  sü  zii 


141* 

suchende,  wenne  er  ires  rotes  gar  wol  bedörit  hette  von  sunder- 
licheme  großeme  getrenge,  in  dem  er  dozümole  waz.  und  ist  zu 
gloubende,  daz  got  nüt  wil,  daz  wir  me  von  in  getröstet  söUent 
werden  hie  in  zit  von  unserre  großen  unwirdikeit  wegen,  daz 

s  wir  der  grossen  goben  und  gnoden  nüt  alse  ahtber  und  dangber 
gewesen  sint,  also  wir  billiche  geton  solteot  haben,  also  öch  dovor 
in  dem  vierden  cappitele  diser  materien  geschriben  ist 

Item  alsus  durffent   wir  unverbildet  sin   die   lieben   gottes 
fründe  und  irre  heimüte  hie  in  zit  me  zu  suchende,  wenne  sü 

0  got  wol  verbergen  kan,  daz  sü  mit  menschlichen  sinnen  noch 
mit  natürlicher  wisheit  nüt  zu  vindende  sint.  wir  süUent  sü  nu 
vürbaz  me  suchen  und  ouch  finden  in  dem  ewigen  lebende  mit 
ervolgende  ires  minnesamen  guten  rotes,  daz  wir  got  lobent  mit 
steter  dangberkeit,  daz  er  uns  durch  sü  uf  einer  solichen  heiligen 

^  hofestat  versammelt  het,  die  got  selber  minnet  und  meinet,  alse 
er  wol  schinberliche  erzöuget  het  mit  gar  guten  Urkunden  und 
Wortzeichen,  die  hievor  in  disem  gegenwertigen  buche  und  ouch 
anderswo  manigvaltecliche  geschriben  sint. 

Item  öch  ist  der  lieben  gottes  fründe  rot  in  irme  minne- 

to  samen  firüntlichen  schribende,  daz  wir  got  lobent  und  ime  dangber 
sint,  daz  er  uns  nu  in  disen  hindersten  ziten  und  sörgUchen 
löuffen  so  gar  getruweliche  versorget  und  versehen  het  in  einer 
MdeUcher  geselleschaft  mit  bescheidener  erberer  notdurft  eßendes 
und  trinckendes  und  kleidunge  und  herberge  mit  alleme  gemache 

i5  und  lustUcheme  gebuwe  zu  eime  behutsamen  ufenthalte  libes 
und  seien,  geistes  und  naturen,  in  aller  handelunge  one  schede- 
liche verbildunge  der  fünf  sinne,  die  uns  gehindern  und  geirren 
mügent  an  göttelicheme  zükere  oder  an  gnodenrichen  gegen- 
würffen  und  inflüssen  dez  heiligen  geistes,  obe  wir  selber  wellent 

^0  uns  die  gnode  gottes  fruhtber  und  enpfenglich  machen  mit  lidiger 
abgescheidenheit  alles  kumbers  der  weite  und  anhangendes  der 
creaturen,  daz  ouch  die  lieben  gottes  fründe  in  irme  schribende 
mit  großeme  ernste  und  mit  sunderre  meinunge  aller  meist  von 
uns  begerent. 

^5  Item   zu   ervolgende    die   gnodenrichen    inflüße  dez   heiigen 

geistes  und  den  rot  der  lieben  gottes  fründe,  so  müßent  wir  uns 

7    Tgl.  oben  188*20  ff.  11    sii   eingefügt,   Schriftcharakter  des    sog.  Auto- 

t'dangher  sint  zweimal,  einmal  rot  d\iTc\ifttt\c\keTi. 


7.fi  der  vorgeschribenen  lidigen  abegest^heidenbeit  öcb  halten  ia 
getpuwer  brüderlicbep  einmiitikeit.  in  demütiger  gehorsame  one 

alle  eigenschaft  und  schuhen  alle  W!be9  personen,  wie  heilig  so 
loch  sint  oder  schinent,  und  die  weit  und  alles  ir  gewerbe  miden, 
so  wir  aller  meiste  mögent.  daz  wir  nüt  uzgont  in  die  stat  noch  5 
under  die  menige  one  redeliehe  notdurft,  oder  aber  daz  wir  in 
gehorsame  uzgoa  müßent  oder  andere  usserUche  werg  tun,  die  an 
53^  in  selber  nüt  sünde  sint;  wenne  die  werg  die  in  gehor|Same  ge- 
schehent,  die  sint  aller  verdienlichest  und  truhtberest,  daz  haltet 
cristengli'ibe  und  seit  die  heiige  geschrift  und  die  lieben  gottes  i" 
fründe,  unsere  getruwen  vettere  und  Stifter. 

Hern  die  fruhtberen  gnodcnrichen  goben  gottes  manigerleige 
IJdender  widerwertikeit  innerliches  und  usserhche^s  truckes  und 
gelrenges,  geistes  und  naluren,  und  lipliche  krangheit  und  siech- 
lagen des  libes  und  alle  bekorungen,  und  wie  uns  got  selber  i* 
üben  und  bereiten  wil  in  nemmende  und  in  gebende,  in  darbende 
und  in  habende,  in  sure  und  süüe,  in  liebe  und  in  leide,  da2 
siülent  wir  alles  gar  dangberllche  von  gotte  enpfohen  and  ge- 
willecdich  und  gerne  liden  sime  heiigen  wirdigen  Uden  zu  eren 
in  glichstonder  bewegunge  unsers  gemütes.  dai^  ist  uns  ouch  gar  i" 
vil  verdiciilieher  und  fruhtlierpr  werino  uiitiore  aiigenonieiien 
iibungen  und  eigene  ufsetzc,  alse  die  lieben  gottes  fründe  meinoiit 
und  OS  selber  ervolget  haut  und  es  ncli  uns  uz  grolier  guttelii-lier 
minuen  rotent  in  ettelichen  disen  vnrgescliribenen  briefen,  und 
siiiiderlieliü  in  dem  vorjiondcii  buche  von  den  funf  mannen,  in  -■ 
dem  der  Hebe  golles  f'rünt  zu  hindorste  von  ime  selber  ^chribet 
und  ourh  iiris  ilic  utireini'  bekorunge  di,T  unluterkeit  jiar  gr'ps- 
liclmi  nimct,  wio  uar  viTdiciiUch  und  Iruhtbi're  eine  gnodonriehe 
.üiibc  piittes  sü  ist,  idsf  er  und  sine  brnderc  in  dein  gnodeiiriciien 
licliti'  ihv,  heilgen  geistes  dicke  wnl  befunden  baut  und  in  /u  ■" 
(■rk<>nneiid('  wart  gegeben,  darumlif  sü  oucli  die  selbe  bekorunge 
<lf'r  unluterkeit  genif  liden  wclU'ut  und  (nicb  liden  miissent  unue 
in  iri'ii  dnt  mit  dem  lieben  sanle  l'auwi'lse,  den  er  itvh  in  der 
selben  matericri  '/.\[  eime  eNeiii(>lar  alcgicret  und  /m  gezügiiisse 
leitet   und   nennet,  "  '■ 

Itciii  dii:  selbe  vori^eiianli'  lidiiide  gl^Ues  gnbo  und  frulitberc 
jinmii  iiriebe  iiliuiiyc  nch  r.uk'man  Mersvvin,  unser  lieber  slitler, 
///  ili'ii  tTsUv   vier  ioreii  sui-  /.wV-cvcs  uuil  aneianged  manigvallec- 


143* 

liebe  befallt  und  durchliden  müste  in  vil  frömder  unreiner  wisen 
und  wüster  bekorungen  und  oueh  den  brudern  zA  iüngest  uf  daz 
aller  leste  kürtzliche  vor  sime  tode  zA  einer  letze  schreip  und 
schriben  muste,   wenne   er  vongotte  innerlich  darzö  getriben 

5  wart  eines  sunnendages  zu  tercien  zit,  do  er  unsem  herren  in 
dem  heiigen  sacramente  enpfangen  bette,  und  ime  öch  die  brüdere 
in  großer  minnender  erbermde  in  fielent  und  sü  uz  grosseme  mitte- 
lidende  ane  sach,  und  mit  munde  und  mit  hertzen  got  begirlich 
anrufte  in  klage  wise,  mnbe  daz  die  brüdere  alse  gar  unerlühtet 

0  ußewendig  noch  do  worent  und  doch  guthertzige  einfaltige  brüdere 
worent,  die  gerne  den  willen  gottes  erfolgetent 

Item  zu  diser  vorgeschribenen  klage  wart  Rülemanne  von 
gotte  in  der  sinnelichen  Vernunft  alsus  geentwurtet  und  zuge- 
sprochen: wie  wol  die   brüdere  einfaltiges  lebendes  und  gutes 

ö  willen  werent,  so  gebreste  in  doch  noch  gar  vil  abe  zulegende, 
daz  sü  mit  naturen  und  mit  eigeme  willen  beseßen  hettent,  ebe 
in  daz  lieht  der  übernatürlichen  gnoden  des  heiigen  geistes  be- 
vintliche  werden  möhte.  darumbe  öch  Rüleman  die  brüdere 
in  diser  hindersten  letze  minnesamklich  stroßet  und  sü  früntliche 

0  manet  und  wiset  uffe  demütikeit,  ufle  senftmütikeit,  zu  getultiger 
gelossenheit  in  aller  widerwertiger  bekorungen  und  zu  einmütekeit, 
ein  ieglich  brüder  in  dem  mittele,  daz  er  nüt  zu  vil  sorheUig 
sige  noch  zu  vil  lihtvertig ;  und  sprichet  denne  in  der  selben  hin- 
derjsten  letze,  daz  es  wol  ettewaz  zu  glöbende  sige,  daz  uns  daz  54^ 

iö  übernatürliche  lieht  des  heiigen  geistes  nüt  wol  erlühten  müge 
one  liden,  daz  uns  got  selber  zusendet;  daz  ist  öch  sicherer 
wenne  die  angenomenen  eigenen  Übungen  und  Uden,  in  dem  man 
wol  möhte  von  dem  tüfele  betrogen  werden,  obe  man  sü  zu 
eigenwillecliche  besitzen  wolte  wider  ordenunge  und  bescheiden- 

*o  heit,  die  wir  von  gotte  haut;  und  seit  wie  ime  selber  dez  glich 
beschach  in  sime  ersten  kere,  wie  doch  er  sich  nüt  offenlich 
nennen  wil. 

Item  dis  ist  die  gnode  gottes  sure  und  süße,  die  Rülman 
Merswin,  unser  lieber  Stifter  und  frünt  gottes,  den  brüdern  zu 

^  •  eime  exemplar  in  der  hindersten  letze  und  früntUcher  vermanunge 
mit  bedecketen  worten  von  ime  selber  alsus  schreip :    wißent, 


aus  inkere. 


^^ 


144* 

lieben  briidere,  daz  ich  einen  menschen  bekenne,  der  noch  in  der 
zit  iebel,  dem  ich  ouch  alse  wol  gloube  alse  mir  selb  selber. 
in  dem  got  groläe  wunderliche  werg  in  grosseme  lidende  vor  vU 
ioren  gewircket  bei,  alse  ich  selber  von  ime  vernummen  und 
verstanden  habe,  do  wissent,  lieben  briidere,  daz  ime  got  vor  ^ 
vil  ioren  znsante  gros  gruwelich  swere  lideii,  daz  er  über  in 
verhing  in  vil  manigvaltigen  groben  bekorungen  alles  mit  un- 
glouben  also,  daz  er  alle  zit  wonde,  er  miiste  ein  ewiger  helle- 
brant  sin.  ime  wart  die  heilge  geschrift  vurgehebet,  die  er  doi;h 
nie  gelerte.  do  inne  wart  ime  gezöuget  vil  worle,  die  do  wider  m 
enander  hullent,  daz  er  grolie  widerwertikeit  in  der  heihgen  ge- 
scbrift  gewan.  und  ime  viel  in,  daz  mit  darane  were;  und  alles 
daz  sü  seit  von  cristenem  glouben  uml  von  allen  saeramenlen, 
daz  were  alles  nüt  zi'i  gloubende:  also  gewan  er  zu  allen  eristenen 
wercken  und  ordenungen  keinen  eristenen  glouben  me.  und  von  ij 
disem  grossen  lidenden  we  dirre  manigvaltigen  bekorungen  und 
ungelouben.  daz  douh  vil  groüer  und  swerer  w-az,  wenne  man 
gesagen  mag  oder  sol,  do  enmöhte  er  nieman  von  gesagen  noch 
geklagen  und  miiste  sich  vil  zites  darinne  liden  one  allen  bevint- 
lichen  behelf  von  gotle  nofh  von  allen  creaturen,  darzü  dnhte  -'' 
in  ni-h,  er  miiste  ein  ewiger  hellcbrant  sin. 

Item  diser  selbe  mensche  Rii  Im  an  Merswin,  unser  Stifter, 
wie  doch  er  sich  nüt  nennen  wolte    untze  imcb   sime  tode,   aUo 
ü(.-h  sin  anevang  der  vier  iure,  um  selbes  haut  und  gc^^clirilt,  he- 
weret  und  diser  materien  glidiet,  wie  daz  er  gntte  hette  einen  -' 
rehten  eit  geriwtirn,  daz  er  keine  grolie  swere   Sünde   uiemer  nie 
wolte  iietfin,  de:?  gab  er  unser  liebe  Irnwe  zii  bürgen,   daz  er 
stete   wolle   darane    bliiien.     also    vant  dirre  mensche,  HiiimaiL 
Mersw'in.  andcr:^  nüt  in  ime.  wanne  wit.' daz  in  dubte,  daz  er  ein 
ewiger    hellcbrant    miiste   sin.    sn    wolte    er   duch    darumbe    mit  ■" 
birrhcn.   daz   er   i;otte   gelnliel   und    ge.'^wnrn    helte.     in    lii^cim' 
mani:.;v;dli.LJcme  lidende  der  bekorungen  und  dcz  grellen  ungelnulien 
"iiz  er  also  lantie,  unlzo  daz  er  sin  gar  kräng  wart  und  in  dulilc, 
er  iniistc  sin    -=tcr!ien.     und   do  die   zit  kam,   alse   es    got  liabcii 
Wolle,  do  wart  iino  liebt    yesnnt    u/   dem  lieilgen   geiste.   daz  er  ■' 
die  |ieil:,;e  Licseliriii  wail   vei'stonde  in  eime  übernatürlichen  lielit- 


U5* 

riehen  crislenen  glouben,  und  do  merckete  er  zd  stunt  wol,  daz 
ime  vormols  die  geschpiit  one  daz  gewore  lieht  wart  vor  gehebet; 
and  do  wart  sin  gloube,  zäversiht  und  minne  alse  grö^  daz  er 
in  ime  befant  fride  und  fröude  und  solichen  starckeo  cristenen 

-i  glouben,  daz  in  duhte,  ez  wer  ein  gewor  wißen  in  iiäe,  daz  er 
got  anrüile  und  sprach:  were  es  sin  wille,  daz  er  es  denne  ime 
abe  neme,  ime  were  der  gloube  lieber  daiine  ein  wissen,    und  er 
wart  donoch  in  eime  iore  in  aller  siner  natufen|also  stai^,  al^e  54^ 
bette  er  nie  wewes  noch  lidendes  befunden,    und  wie  vü  öber- 

<*  natürlicher  fröudenricher  gnoden  er  donoch  beiant,  daz  ist  un- 
segelich  und  unsprechlich. 

Item  aber  noch  dem  jore  do  kam  aber  got  mit  siner  sunder- 
beren  gnoden  in  eine  ander  wise  zö  unserm  lieben  Stifter  Rül- 
man  Merswine,  genennet  in  den  vier  ioren  sins  ersten  anfanges 

>  und  nüt  in  diser  hindersten  letze,  die  selbe  gnode  er  6ch  niemanne 
git  denne  den  er  ettewaz  rehte  wol  getruwet  und  die  er  öch  zä 
den  groöen  heiligen  martelem  setzen  wil.  die  selbe  verdienliche 
gnode,  die  er  diseme  selben  menschen,  Rülman  Merswine 
unserme  Stifter,  anderwerbe  gap,  daz  waz  soliche  grolle  unmess^ 

0  bekorunge  in  gar  vil  maniger  bände  wüster  wise,  die  do  alle  ufle 
ketzerige  troffent,  daz  es  gar  schade  were,  daz  man  mit  under- 
scbeide  seile,  wie  er  in  aller  wise  angefohten  wart  in  unluterkeit, 
die  do  solle  zu  ketzerige  treffen;  wenne  er  müste  in  den  unge- 
nanten wüsten  bilden  der  grossen  gruweliehen  ketzerliehen  be- 

^  korungen  nzliden  alle  die  creaturen  redelich  und  unredelich,  die 
in  der  zit  sint,  und  darzü  die  er  nüt  bekante,  die  wurdent  ime 
zu  bekennende  gegeben ;  er  müste  usliden  man  und  wip  und  daz 
vihe  und  die  lier  in  dem  walde  und  daz  loup  uf  den  bömen  und 
daz  gras  uf  der  erden,  die  gemoleten  bilde  an  den  wenden:  dis 

'*>  müste  er  alles  in  großer  swerer  bitterer  martel  der  großen  un- 
htttirre  bekorungen  lange  und  vil  zites  usliden  one  allen  bevint- 
lichen  behelf  von  gotte  noch  von  allen  creaturen  in  zit  noch  in 
ewikeit.  und  er  wart  sin  alse  gar  kräng,  daz  er  alle  zit  vorhte, 
das  er  sin  sterben  müste  und  darzü  in  die  ewige  helle  faren; 

'  EBid  vant  mt  anders  in  ime,  wanne  daz  er  gölte  gelobet  und  ge- 
swom  hatte  hi  eime  eide,  daz  er  niemer  keine  große  sünde  ge- 
dete,  daz  wolle  er  oucb  stete  haben  und  solle  er  dariunbe  sti^b«^. 


Item  lind  rto  diser  mensphe,  Rülman  Merawin  unser 
lieber  Stifter,  vil  zites  und  lange  in  diseme  großen  Hdende  düre 
manigvaltigen  großen  unreinen  liekorungen  waz  gesin  und  sin 
gar  aßer  moUen  kräng  waz  worden,  do  es  do  den  erbarmhertzigen 
got  zit  duhte.  do  nam  er  es  irae  gantK  und  gar  abe,  als  ob  es 
nie  wurden  were;  und  inahte  in  öch  zti  stunt  alse  gar  starg  in 
aller  siner  naturen,  alse  ob  er  nie  kein  liden  gehebt  bette,  und 
waz  er  damoch  ouch  [ibernatürliehes  groltes  Criden  und  fröuden 
von  der  gnodeü  dez  heiigen  geistes  über  die  natura  befanU  daz 
isl  unsegelich  und  unsprechenlieh  und  über  aller  menschen  sinne;  ' 
und  daz  het  öch  me  danne  driliig  ior  gewcrl  und  bevindet  "ch 
dez  selben  übernatürlichen  l'riden  und  fröuden  noch  alle  läge 
tegelifhe  in  manigvaltiger  lustlicher  übernatürlicher  fröudenricher 
wise.  daz  er  sit  moles  keinerleige  bekorunge  in  ime  nie  befant 
noch  gewar  wart;  doch  het  er  in  drillig  inren  zu  manigen  ziten  i 
gar  j^roße  swere  tnicke  in  siner  naturen  gehebet  und  jielitleD. 
55"  aber  er  bevanl  dargegene  in  ime  selber  alse  [gar  vil  übernatür- 
liches friden  und  fröuden,  daz  er  alles  wewes  dez  liii^hamen  vergas, 
und  het  dis  mich  vil  iore  also  getriben.  daz  er  der  gempinde  der 
welle  noL'h  gar  unbekant  i^^t.  -' 

Item  dise  aller  nehsleii  voi-gonden  sehs  <:a|ipiltele  sint  ge- 
nomen  ulier  diT  hinderstcn  i'rüntlichen  vennanungen  und  miniie- 
samen  sin itl'ui igen  und  letze,  die  zu  laline  und  zu  tütsch  in  den 
Urkunde  hitchern  gesrhriben  wlot  au  einer  materien  ungeteUet  und 
nül  gerapitcliei'et;  und  ist  in  dem  iatinen  Urkunde  büehe  daz  nun  -' 
und  zwenlzigesle  capjiitele  und  die  vierde  materie,  und  in  dem 
lutschen  Urkunde  iiüi-he  daz  ahtzehenste  cappittele  und  die  dirtf 
mult'rie,  eigentlich  von  wnrie  zu  Worte,  aise  so  Rülmun  Mer- 
swiii,  uuMT  lieber  stiller,  mil  siner  eigenen  hant  den  brüiiern 
u^  :jrni;er  gntleiichci-  niinnon  scUier  dclireip  in  eine  walis  tofele  ■" 
und  es  öch  sduibcii  nn'i^te,  waiine  er  von  fintte  innerliche  dar- 
zi'i  getriben  und  gelwungf'ri  wuri  unih  unsere  Hoben  Irnwen  daL; 
^'      dci-  Hehtmesse  unno  doniini  M"  cci"  Ixxxij. 

Item  diser  .ürolicn  rndilbereii  gnod«^n  und  goben  goUes.  durdi 
die  alsus  dis  bus  zu  dem  (i  rTinenwerde  und  ouch  wir  gezwiuet  ■' 
siTil  und  durch   die  suiLdcrIicben   verbnrgenen  Iründe  gotles  er- 


zogen  und  zu  solicher  großer  iemerwerender  fruhtberkeii  gerüffet 
sintf  daz  soltent  wir  billich  gar  gros  und  abtber  schätzen,  alse  es 
öch  in  der  worheit  ist  in  disen  hindersten  sörglich^i  ziteh  und 
frömden  erschröckenlichen  löuffen,  und  wir  soltent  tiin,  alse  Maria, 

5  die  wirdige  müter  gottes,  und  die  lieben  jungem  geton  haut,  do 
in  die  tröstliehe  menscheit  unsers  herren  under  zogen  wart  und 
er  an  dem  heiigen  crütze  verschiet,  do  noment  söi-do'  erst  Vür 
sich  in  rehter  bekanter  dangberkeit  alle  sin  lere  und  alles  sin 
leben  und  alle  sine  minnenrichen  tröstlichen  wort,  die  er  dicke  in 

ö  glichnilien  und  in  parabelen  mit  in  rette,  der  selben  worte  sü  dozA- 
mole  nüt  alle  verstundent  noch  ir  ein  teil  nüt  vil  ahtetent,  die  ift 
doch  noch  unsers  herren  tode  gar  tröstlich  und  ergetzenlicb 
worent  und  sü  dicke  vür  sich  noment  und  vil  großer  lere  und 
hrühte  darus  zugent,  die  selbe  fruht  und  lere  sü  ouch  hinder  in 

^  geschriben  haut  gelassen  allen .  iren  nochkomenen  zä  helfTe,  durch 
die  ouch  kristener  gloube  bestetiget  ist  und  iemer  ewiclich  do- 
mitte  gehanthabet  sol  werden. 

Item  alsus  söUent  wir  uns  den  lieben  jungern  unsers  herren 
und   siner   wlrdigen   müter  nochformieren  und   ire   minnenriche 

0  wise  noch  unserme  vermügende  ouch  halten,  und  sider  uns  got 
sine  und  öch  unsere  fründe  under  zogen  het,  der  junger  wir  ge- 
wesen sint  und  ewiclich  gerne  sin  söllent,  so  süllent  wir  doch 
in  rehter  dangberkeit  dise  gegenwertigen  briefe  und  alle  ire  ma- 
terien,  die  sü  uns  us  großer  minnen  geschriben  hant  geloßen, 

'5  dicke  vür  uns  nemen  und  sü  lesen  und  uns  darmitte  ergetzen, 
und  ie  ein  brüder  den  andern  dardurch  ermündem  und  ermanen, 
wie  gnodenrichliche  wir  von  gotte  durch  sü  versamelt  und  ver- 
sehen sint  lipliche  und  geistliche,  durch  daz  der  erbere  anefang 
und  die  gute  geistliche  ordenunge  dis  huses  zu  dem  Grünen- 

^  werde  noch  irre  meinungen  mit  solicher  vermanungen  und  er- 
münderunge  bestetiget  |  und  ewicliche  gehanthabet  werde  und  in  55^ 
unsere  nochkomen  geymppfet  und  gepflantzet  werde;  wenne  es 
ist  zu  gloubende,  wele  zit  wir  der  gnoden  und  der  geben  gottes 
miahtsam  und  undangber  sinde  werdent,  got  werde  sü  uns  alzü- 

^  mole  under  ziehende,  daz  wir  ir  in  zit  und  in  ewikeit  darben  und 

,    maii9^  mussent  und  öch  langwirig  gros  swer  vegefür  darumbe 


:#> 


^  'miifißt^  k»rr:  üas  wei^t 


W 


i46r 

liden,  daz  wir  die  gnode  ^ottes  bo  gar  unwerlücli  uiider  aosere 

füsse  gelreLten  liabeiit. 

Uem  wie  wul  nu  daz  leben  unsers  horreii  und  der  aposlelun 
lere  und  die  heÜge  geschrilt  und  der  (.-anomsierten  heiligen  leben 
unser  le^elicher  sleter  gegeuwurf  sol  sin  in  alK-n  znkeren  mit 
starcketue  vesten  glouben  obe  allen  andern  bildern  und  exempleii, 
wenne  sii  sint  daz  feste  Tundament  und  der  erste  gewarsameste 
eiclierate  stani  unsers  ewigen  heiles  libes  und  seien,  nochdanne 
SD  sint  wir  mit  sunderheit  in  disen  materien  von  den  siincier- 
lichen  tründen  gotles  gemeinel  und  durcU  sii  gezogen,  darumtie  i 
9il  uns  biUiche  gar  geneiae  sin  siillent  in  groHer  erwirdikeit.  al*e 
eine  sünderliche  >!rolle  milte  barinhertzige  gobe  gottes,  die  in 
disen  hinderslen  sorglichen  ziten  wol  /.ü  minnende  ist,  daz  wir 
sii  nijt  verwerlTen  noch  verniiten  süllenL  mit  unahlsamkeil;  wenne 
wie  wol  wir  von  geholtes  wegen  nül  schuldig  sint  zu  geloulieode  i 
wenne  unser  crbtenen  glouben  und  die  heiige  geschrill,  nochdeniie 
ist  es  gar  niilzliüh  und  verdieniich,  daz  wir  üch  soliche  s^iite 
ding  gelouhent,  die  der  heiligen  geschiilt  concordierent  und  mitle- 
helleul  und  nül  wider  den  glouben  sint.  dodureh  volgel  uns  ouob 
iemerwerende  f!rolk'  fruht,  der  wir  cwicliche  mangeln  uml  enlicin  - 
ini'isteiit,  oln'  wir  es  von  unahLi^amkcit  verweHI'en  und  riul  glouben 
wollcnt, 


llem  des  selli(;n  ^liih  Ijosiliaili  o.i  suh  annu  doinini  M"  t-cc' 
Ixxj,  <la/  hriidpr  (lliiwes  von  I-nlenc  in  eime  sineni  briclo 
uiiilcr  andern  worleii  den  selben  lit'heii  iinili-a  Irünl  in  Hburlanl  - 
mit  :^riil)emi'  llisst'  und  i'rnsl'^  bat  viu'  einen  woltliclieii  man. 
daz  er  dem  <'tlolL(rln:  ei'iistiiclio  vermaniiii:^!'  schribe  zu  besscrurrji' 
>im-<  l(;l"MLdi-s,  wenne  er  gar  ;;iri.i;  waz  norh  irdenseheine  uulc 
und  mit  allenir  tlisst?  donneli  slalte.  darumh  sin  hertze  :^ar  vaslr 
liekumberl  \vu/.  mit  witswetlükeit  /.illirlirs  Gewerbes  und  wflt- 
lii-liiis  kumliers,  und  hetle  iloch  vil  strulfendos  und  grollen  uii- 
iViden  in  sincr  dMn-ieiicien.  do  suhreip  der  selbe  liebe  gottes 
tVinil  /M  anlwartt'  herwideruinb  ulsus: 

Di.miiir  N>cul;ii.',  niSH'ijt,  •\ay.  i.li  uimt  IvginW  gt^riie  wolU>  erlull.'t 
li.iii:  .liil.ciCJKU'li  mir  id.-  .iuii,  ili.iifii  tum  zii  Üalulonie  solU'iit  liuwii, 
ttr.ijTii',  w'w  ich  1^-  an.'  ving.  sm  wM  r.s  mir  mit  7ai  liiwuien  g>.>u,  un'l  •■>  vn^r" 
inif  ■'"■li  jitit  ^'iit,  \\'-\\\v  All'  VW''  sw-i  M"j<;U\w*  luwi-nt  dariiiit  bi/sivi-e'i 


140* 

and  gemeret  wurde,  wenne  er  dem  schribende  nüt  glonbete  noch  envolgete 
und  sin  nnahtsam  were. 

Der  selbe  weltliche  man  darnoch  gar  kurtzliche  starp,  alse 
ouch  der  liebe  gottes  frünt  vormoles  in  parabelen  herabe  schreip 
und  es  brüder  Clausen  vonLöfene  und  des  selben  weltlichen 
mannes  wip  propheciete,  wenne  er  sü  ouch  darinne  meinde.  und 
sante  ir  dez  zu  Urkunde  ein  silberin  messer,  domitte  sü  abe 
sniden  solle  alle  überflrißikeit  dez  zitlichen  gutes  und  dez  welt- 
lichen kumbers  und  anhanges  der  creaturen.  der  selben  |  prophe-  56* 
eien  sii  öch  volgete  und  kerte  sich  von  aller  unlidikeit  der  weite 
mit  grosser  beüerunge  und  lebete  olf  ior  noch  irs  mannes  tode 
und  nam  do  ein  gnodenrich  selig  ende,  cristenlich  und  beschei- 
denlich  in  grosser  andaht  und  vemunlt;  sü  müste  anders  ftch 
in  den  selben  ziten  alse  ir  man  gröpliche  gestorben  sin  noch  dez 
lieben  frünt  gottes  meinunge,  alse  sin  prophecie  dozümole ,  seile. 

Der  oren  habe,  der  höre! 


Dis  ist  des  heiigen  geistes  minne  glünsendeu  ganeisterlins  schürebrant,  Schüre' 
wart  geschriben  zweien  got  minnenden  erbern  jungen  jungfröwen  under  brand 
ahtzeben  ioren  ....  gedruckt  hei  Strauch,  Schärebrand.    Ein  Traktat  aus 

:o  dem  Kreise  der  Strassburger  Gottesfreunde  (Festgabe  der  germanistischen 
Abteilung  der  47,  Versammlung  deutscher  Philologen  u.  Schulmänner  in 
Halle  zur  Begrüssung  dar  gebraucht).  Die  Reihenfolge  im  Briefbuch  gegen- 
über dem  Drucke  von  Strauch  ist  Abschnitt :  1^54,57—60,  63,  66,  67, 
73 — 81,  55,   56,  65.    Darauf  folgende  drei  historischen  Abschnitte  (bei 

Ih  Strauch  61,  62,  64): 

Aimo  domini  M^ccc^  Ixvij  in  den  ziten,  do  unser kloster  zudem  ersten      1367 
ane  gefangen  wart  zu  emuwende,  do  waz  ich  in  eime  walde  bi  Winter*- 
tur,  heißet  der  Berenberg,  bi  gar  erbem  priestem  eins  ordens,  heißent 
die  Steiger,   under  den  waz  ein  gar  sünderlicher  großer  begnodeter  gottes 

SO  frünt,  dem  got  vil  großer  heimlicboit  offenbarte,  der  waz  der  selben  brüdere 
Stifter  and  oberste  prior  und  prelate  und  wolle  ir  keime  gestatten,  daz  er 
üt  beseße  mit  eigenschaft  von  kleidern  oder  von  kleinotem.  und  in  welicheme 
er  merckete  keinre  leige  neiglicheit  oder  ufsehendes  zu  keime  sime  kleide 
0derklein6ter,  es  werent  rocke  oder  schapperone,  gürtele  oder  meßere,  büche- 

8o  lin  oder  beilgelin,  oder  des  gelich  von  aller  leige  klütterotte  und  gewerde, 
daz  jonge  lüte  gerne  hant,  daz  nam  er  ime  zu  stunt  und  gap  es  eime  andern, 
alflo  gar  fli9S6clich  hüte  er  ir  vor  aller  eigenschaft,  daz  ich  selber  sach,  wenne 
ich  wol  xviti  Wochen  bi  in  und  mit  in  wonete  und  wandeWie  m\nü<^  ^^^isXA'dcc^ 


,71»  geDant  unsere  '  früweii  zelie  lu  ilem  Berburgu,  die  wile  Leb  nocb  do  eiii 
iv6ltlicfa  3clii\lor  waz  aiid  weuig  godüht  hetti',  \iai  oller  mir  oder  uz  udsitiii^ 
hnaa  werden  solle. 

Diser  selbe  erlüliteto  heiige  gottos  frünt  rette  in  den  selben  zileu  gar 
7il  mit  mir  in  friiutlicber  minnesamer  wanionge  von  der  eigensthaft.  wie 
gar  ein  sot^lich  schadeber  mittel  es  were  allen  geistlichen  persoiieu.  and 
wie  gar  onsicher  gü  sint  ewiges  lebendes,  die  in  geistlichem  schlne  and  in 
bewerten  f<rdenen  in  aunderheit  eigeuschaftbabeut  nnd  mit  hertzon  besitiient. 
nud  niider  andern  werten  sprach  er  mit  großeme  ernste  zq  mir:  ime  were 
Til  tröstlicher  und  lieber,  daz  üiner  briidere  einer  mit  eime  wibe  verfi'-lc  uml  i 
kint  mit  ir  niahte,  waiuie  daz  er  keinre  leige  eigenschaft  in  snuderbeit 
haben  solte,  wie  doch  nulnterkeit  eine  sanderliche  große  swere  lesterücb'- 
dotsiiude  ist  lidigen  weltlichen  persoiicn,  und  ist  noch  vil  großer  nnd  schenl- 
licher  gewihten  geistlichen  priestem ;  darüber  er  in  sirae  hertzeu  schetzete,  dai 
eigenschaft  aller  swerest  and  süi^lichest  were.  derglich  er  tet  in  sinen  i 
Worten,  nud  waz  doch  gar  behiit,  daz  er  nit  vil  eurette,  er  hette  danue  ge- 
zügnißo  des  heiigen  geiates  oder  der  lieilgen  gostbrift.  wanne  er  in  d« 
gnaden  nnd  in  der  gesrbrift  vil  liehtricheä  nnderscbcides  wnate  nud  bekant« 
nnd  ein  gelerter  bewerter  groUer  gottes  frünt  waz.  dem  man  gar  wol  ge- 
tmwen  und  gilben  miihte  and  allen  sime  rote  volgen  in  gantzer  sicherbpit  di 

lu  aolicher  getrawer  fnintlicher  minnen  nnd  meiiiangen  <<ch  unsur« 
lieben  stiftere,  die  heiigen  großen  gottes  fründe,  uns  vil  nnd  dicke  mit  großem« 
ernste  alle  eigenschaft  widerroten  nnd  abo  gesprochen  haut,  daz  nnser  keinre 
von  riihter  «njrestherkeit  in  siner  conriencien  neiglicheit  dar^ö  hab-ii  «'ifcr 
gewinnen  mag,  su  wir  ireii  begirlidien  minuendeii  ernst  ansehfut  uii^i  b>-  r 
dunukent  und  die  schadebere  hlndeinilte  und  mittele,  die  su  gehalti-u  liant 
von  der  eigensrhaft,  und  ich  bi'gere  in  gitntzeii  truwcn  nnd  uz  lulerre  ^•tt«- 
lieber  minnen  lii'h'Vh  alle  snuderbeit  und  eigi-nsdiaft  zu  leidende  und  tiiii'b 
und  ndi  zii  warnende  und  ßiasecliche  /ü  verbiitcnde  vor  allen  stondt-n  si- 
bresten:  so  der  bnitegnm  sine  brut  wurt  zu  bnse  furend-',  da/  denne  daz  :■ 
brunlol't  kleit  irre  conciencicn  gantz  und  nnverniosigot  aige.  daz  sii  ut  mit 
den  dorehten  megeden  vur  der  ti'in'U  blibcit  miisse  und  uz  geslolten  werde 
von  der  zale  der  iizerwelteii  fniiide  fjottes.  dio  hie  in  zit  ein  geordent  geiät- 
lich  leben  Übes  und  gemut'-s  luiniit-nricliliche  gehalten  baut,  wenue  uu.-tr 
herrc  spriihi;t  in  dem  heiigen  cwang'dio:  mit  alle,  die  di>  sprecheui;  Low  ■ 
berre,  kumment  in  daz  liimelricb,  sunder  der  do  liU  den  willen  miiis  vatT.r. 
der  in  den  himelii  ist.  rehte  alü')  ob  er  s|>rei-be ;  mit  alle,  die  du  kuttcii  iini 
wilen  oder  geistlii-hen  ?<'hiu  trageut,  kumment  in  daz  himelrich.  sunder  <li- 
dii  ervolgent  mit  lebende  dozii  ir  regele  sn  bindet  and  ir  geistlicher  si.'liiii 
von  iissan  erz-'^uget,  die  werdent  ewiclii'h  bebalten,  unser  lieber  herre  Jitus  i ' 
Chri^tuij  gemeinsame  unsi  in  der  selben  iizenvelten  behaltenen  zale  und  iDacli<:> 
'  uns  mit  in  teiliiaftig  und  cnpl'englidi  alles  ■riites  und  ewiger  fr-'iudcn.  Aiiwii. 

Diuaiifdie  Uubrik  (bn  Strmtrli  Ahschnill  Sli: 

1   v-ir  hl  i-1   hi  u-iiL-i  \'   -Irr  heilf/en  /  (J>  hfilgm  !         i-1   Am  -.lii'-- 


Dis  Turgeschribene  gegenwertige  bädjeün.  genant  des  beitgeii  goistes 
minue  gliiosendeD  ganelsterlins  schürebrant,  het  cürriifierat  nnd  probieret 
der  erninljge geistUcht)  vattorbnider  ^la.us  vou  Bluveldea  santoFnui- 
ciseoa  ordeo.  der  selbe  voi^.lBloTeldei)  oach  diae,  nehst^a  drie  nochge- 
i  scbribene  re^elen  daraü.  schreip  der  vorgeachribeaen  zweien  jungen  cloreiin 
einre,  die  ime  öcfa  dts  selbe  bücbelin  gap  zu  lesende,  dnrch  daz  aä  sich  deate 
sicherlicfaer  niöhte  darane  gelossen  nnd  aich  danioch  gehalten  durch  alles 
ir  leben;  und  vobent  die  drie  regelen  alsDS  ane,  alse  er  s^  der  jungen  cloreiin 
mit  sin  selbes  hant  schreib. 

Die  erete  regele  des  von  Blovelden  .  . . .  Striaueh,  Abschnitt:  82, 
83,  84,  6$-72,  85,  68. 


Dis  sintfyguren,  also  sii  in  dez  obersten  meisters  me-  Mtbt» 
moriale  buch  von  des  Grünenwerdes  stiftunge  gemoltt  «'»morUn 
aint,  nmbe  daz  es  ime  desto  lüstlicher  und  ahtberer  sige 
dic^e  sich  darinne  lü  ergötzende  and  die  materien  id 
lesende  dorcb  der  gerümeten  Sprüche  willen,  di  bi  ieglicher 
gemoleten  figaren  blo  and  rot  geschriben  stont  noch  diser 
ordennnge  alsns  sprechende; 


Sonder  gnode  ist  den  beschert, 
Die  dicke  scböwent  disen  Grünen  wert. 
Sine  stiftunge  süllent  sü  eren 
Getrnweliche  one  abekeren. 

Processi  e. 
Hit  processien  wellent  wir  gon 
Den  Grünenwert  16belicb  underston. 

Inneromeonge  desGriiuwerdes. 
Der  Orünewert  wart  hie  iu  gegeben 
Den  Jobansem  of  ein  geordent  leben 
Von  dem  Stifter,  Büleman  Merswin  genant. 
In  dez  meistei'3  von  Brunsperg  hant. 

Des  Ordens  woffen. 
Dis  ist  der  Jobanneser  wofFen  kleit. 
Billich  süllent  sü  sin  gemeit 
Der  gnoden  hienoch  geschriben, 
Wie  in  der  Grüne  wert  ist  blibon.  | 


D i e  Tat r o n e n. 

Die  heiig  trivaltikcit  umi  Maria  (i^ttos  miüter. 
Sant  Johans  Baptist  udiI  Ewaoglist  vil  gdter 
Sint  iiiz  ürünenwerdes  nberste  patroneD. 
Dio  billii'he  siillent  erea  alle  personen. 

Crucifij. 
Cliri^tus  3D  dem  cnize  dio  marter  leit, 
Marien  iümer  ir  bertie  versneit. 
Hat  inittcliddn  Johuns  Ewan^liM 
Hie  gegenwertig  gcmulet  ist 
Mit  andern  liistliclien  G^ren 
Zit  behelfTe  mensclilicher  naturen. 
Die  mag  sich  darinno  ergetzen 
In  kiinftikeit  dargfgeno  setzen. 
Dag  aii  as  allen  suodi'ii  tretti^ 
Und  übe  sich  in  diseme  gohirtte. 
Das  man  mag  sprechen  tegeüch 
Uit  mnigoni  hertten  klegelich. 
Als  es  geschriben  stot  bie  bi, 
Umbe  dnz  dis  buch  deste  hantgerer  si, 
Darinne  steteclich  werde  bedoht. 
liT  andaht  sipe  viilb'broht 


Der  h 
Heil  r 


dedich  si>l  halten, 
all  mag  uns  ^imde  daruz  diessen. 
Gut  lusse  uns  sin  ewiciiche  geniollen 
Alsv  uiiserii  vordem  ist  bpsdichen. 
Amen  wir  billiclie  siMleiit  alle  iehcn. 


Jhes 


uf  s 


n  ü  t  e 


Mit  iindaht  man  hie  sol  .'^ch>'>\u'n 
Das  liitU-r  liden  uns<TL'  IV.weii 
l'ud  irs  Hüben  kiiides  elieiideii  iint 
Jbesum  mit  sineii  füiit'  wiLn>len  rnt 
Dil;  Mf  b  liaiit  bpfiiil/ct  den  ü  r  i'i  u  e 
Abo  man  in  <li;>Mii  budie  wol  ervi 


1);^ 


:   V, 


IT.  ;uu.  beiltrer  ^'<-ist  iilgowaltiL; 
;ii]it-nt  .ij.<  eine  bildv  lirivaitig, 
G  r  ii  n  (■  11  w  e  r  d  e  s  ühcrste  piitronen 
im«  wespiide  dri«  pürsuneii, 
»ii-  billidi  Milli'iit  .:n'ii 
uns  v^M  sim.li'ii  k.Tfii. 


153f 

So  werdent  wir  der  gnoden  inne 
Und  teilhaftig  der  grosaen  minne, 
Die  got  zu  dem  Granen  wer  de  hei, 
Also  der  engel  die  botschaft  det 
Dem  gottes  fronde  in  Öberlant 
Der  heiigen  drivaltikeit  wol  bekant, 
Also  daz  ahte  capittel  bezaget, 
Hievor  geschriben  und  nüt  lüget. 
Got  uns  siner  gnoden  günne. 
Amen  sprechent  alle  gelönbige  künne. 

Die  visione. 

Der  engel  dem  gottes  fründe  tut  offenbor, 
Wie  man  buwen  sol  den  beslossen  kor 
Und  wihen  in  beder  sant  Johans  ere 
Noch  der  heiigen  trivaltikeit  lere, 
Also  er  ime  in  der  Visionen  gebot. 
Die  hievor  eigenlich  geschriben  stot 
Mit  guten  worzeichen  sunder  mittel 
Unzwifellicb  in  dem  ahtsten  cappittel. 

Daz  iüngeste  gerihte. 

Künftig  ist  daz  iüngste  gerihte, 

Daz  dis  leben  wnrt  zu  nibte, 

Und  die  seien  enpfohent  iren  Ion, 

Noch  dem  ire  libe  haut  geton. 

Denne  wurt  sich  der  selikeit  meren, 

Die  nu  halteut  den  Grünenwert  in  eren.  74' 


Dis  ist  ein  vürsihtige  warnunge  aller  menschen,  daz  Offdicht 
man  sinen  ruwen  und  besserunge  zu  lange  sol  sparen 
l  sich  sumen  der  erbermede  gottes  und  siner  wirdigen 
ter  und  aller  engele  und  heiigen  helffe  und  gegen- 
rtikeit  in  sterbender  not,  so  uns  die  bösen  geiste  werdent 
chreckende  mit  vil  ungehüren  bilden  und  vürwürffen. 
i  die  müter  Maria  iren  sunJhesum  soltovür  ans  bitten 
^  zougende  ire  megetlichen  brüste,  und  der  sun  sime 
fleischen  vatter  ir  bette  soltevürbaz  uftragen  mit  z5u- 
ide  sine  wunden,  die  er  an  dem  heiigen  crüze  von  minnen 
*  ans  erlitten  het. 


«^'7-37  rot. 


Dis  ist  eine  niitelicbe  fern  tau  imge,  wie  wir  siilknl  werben. 
Gegen  gütte,  daz  wir  in  gnoden  sicherlicfae  mügeiit  sterLeti 
und  die  frnbt  sines  verdienendes  in  uns  iin.t  lont  verderben. 
SehliitK  lieg  OtiUehUn  Hl.  75^. 

Dovor  ans  got  alle  in  sime  schirme  behüte 
DoTch  sin«  iemerwerendo  ewige  vett«rliche  gute. 
Amen  wir  süllent  sprechen  mit  erbabeaem  gemüte. 


Dis  ist  eine  aiissivB,  schreip  der  liebe  gottesfrünt  in  Oberlantbnider 
Clausen  von  Lnfene,  and  seit  von  der  füpf  manne  buch,  wie  erdaz  snitc 
abe  schriben.  H 


Domi 


■  Nil 


ir  lirildür. 


e  irit  IV 


)ii.  dH 


beiuielichnr  fiunt  und  ich  d^s  üboraio  koaiiuuu  woreat,  daz  «ir  nül  uib  briofe 
Bchribeu  soltvnt,  es  warn  iliiana  emHiUicho  [iitlalicha  sMche.  alM  solirtip  ich  bnt 
anogondss  diser  hsUa  oineii  brief:  diu  duhto  iu  riHlhto  mit  alte  smatt.  du  leb 
lau  dDirumbe  nchrlbon  ta\\f,  aad  or  srhrvlp  mir  diser  «elbsa  fasten  liai-nideTiimb«:  li 
i«b  bAtte  gebrochen,  «r  wulte  fluch  breeben  und  wnlto  mir  oiirh  icbriben.  nnd  achieib 
mir  onch  utta*M  rnn  otnaiHichim  «««hon.  und  nndsr  andsraii  «arten  so  schreip  ei 
mir  alan,  dai  iiiioh  die  jauRoo  brAdiTH  %atti  ilaWiit  hitt«a.  ilto  du  In  «ttevu  r'iU' 
(Mohribon  wunle.  alsa  lloa  ich  «i  aln  lanpi  xit  slio  stoti :  do  di«  At  tcTlet  nobro, 
du  ich  Rfiprelit  unwer  inlta  sandAn,  dn  tIbI  mir  einnE  »Abu«  glr  eniMtllcb«  in,  ) 
da£  Ich  nüt    >><i]te  losisii,    tdi   soll«  d«ti  Inn^n  briidaroii    atteiru   icbribeo   nnism 


suliribcii  i 


Jlie.sus  siisscr  iiiiinmB  sige  alb'U  den  kaut  geton 
Die  Jhfsti  tn  eri^n  widleiit  andern  kumber  Km 
lint?.e  sii  freh^r-:nt,  wa?,  wirdikeit  an  Jhesu  lit 
In  .Ibeiu  wui-t  hl  Inihtber  die  selbe  zif. 


155* 

Schluss  des  Gedichtes  Bl,  80^  : 

Dra  and  drissig  ior  het  Jhesus  in  widerwertikeit  gestritten. 
Vierdehalphnndert  gelide  Jhesn  hant  alle  tclt  ans  gelitten. 
Us  solicher  andabt  ist  dise  zalo  Jheso  z\\  eren  erdoht 
5  Yierdehalphundert  Jhesus  nammen  sinen  geliden  yollebroht. 

Dis  sint  der  weltlichen  pfleger  namen,  der  doteu  und    Pß^^ 
der  lebenden,     nad   also  dicke  ein  nawer  pfleger  gekosen 
.  nnd  erweit  wart,  den  sol  man   zu  stunt  biezü  scbriben  an 
dez  stat,  der  denneabe  gegangen  ist  zu  eime  ewigen  memo- 
10  riale  allerp fleger,  die  iegewesen  sintindembase  zudem 
Grünenwerde,  sider  ez  sant  Jobans  orden  gegeben  wart  in 
gegenwertikeit  brüder  Cnnrates  von  Brunsperg,  dez  selben 
sante  Jobans  Ordens  i^berste  meister  in  tütscben  landen, 
der  es  von  dem  Stifter  enpfing  und  in  nam  dez  sannendages, 
15  dem  man  spricbet  Judica,  scilicet  decimo  kallendas  aprilis  ^^^23 
anno  domini  M'^  ccc®  Ixx  primo.  | 

Item  RiilemanMerswin,  stifber  und  anevobender  pfleger.  81^ 

Item  ber  Heintzeman  Wetzel,  ritter. 
Item  Jobans  Merswin,  burggrofe  zu  Strazbarg. 
10  Item  her  Claus  Zorn,  dem  man  spricbet  Lappe,  ritter,  an  Jobans 

M  e  r  s  w  i  n  s  stat. 

Item  Cünrat  zu  der  Megede,  Stifter  dez  spittals,  an  Rüleman 
Merswines  stat. 

Item    her   Claus    Zorn    von    Billach    an   ber   Heintzeman 
5   Wetz  eis  stat. 

Item  Claus  Junge  an  Cunratz  zu  der  Megede  stat. 
Item  ber  Jobans  von  Kagenecke,  dez  bischofes  bofemeister  zu 
Strazburg,  an  her  Claus  Zornes  von  Bülach  stat. 

Item  Pauwelin  Mosung  an  bem  Ciauwes  Lappen  stat. 
0  Item  Adam  Lnselin  an  Pauwelin  Mosunges  stat. 


Dis  ist  eine  abgeschrift  einer  missiven,  also  die  drige  weltlichen  pflegere  82^ 
des  buses  zu  dem  Grünenwerde  dem  obersten  meister  in  tützschen  landen    Meister* 
sant  Jobans  orden  schribent  mit  dem  buche,  daz  sü  imme  gobent  von  dez  tnemorial 
selben  buses  ordenunge  und  stiftunge,  also  in  disem  gegenwertigen  buche    ^^Jl' 
\b  der  prologus  und  die  totel  von  xxiiij.  capitteln  hievor  geschriben  stot  zu 
aller  nebst  noch  dem  kleinen  sexsternlin  Rülman  Merswins,  unßers 
Stifters,  leben  und  eigen  hant. 


6-1  Cf  rot,  am  Schlüsse  der  Seito  »U^         30  Bl.  81»  ist  zum  Teil,  Bl.  81^  gaiu 
imbeichiiebeii         35  Tgl.  116*27  ff. 


-iU>s«i. 


(Inedigai  burrH,  um  Ut  sti  tr(*lUcb  und  üul  i'ich  (to,  du  ii  bin  disn  silc  in 
tulxairlK'n  Und«»  bi  uii*  wnni'n  uMlant  uud  dei  or^uns  uiBiater  «wdea  Biut.  (ut  pl< 
üi;h  Kin  «TO  und  u*»t  iwliibeit  iil  iuU«briDftinde  in  kllen  iwch«a  leraei  »nitlirh. 
uiror  gnodKi  aul  Acb  «Umiii,  du  ohmi  ordau»  hnK  lA  d«ii  [tTÜnoD  «er  de  iim  ^ 
duu  mmdorlkhan  frundan  gotti  in  grolkr  beilikeit  und  in  ^Ati-r  orborküt  mit  ^«nnu 
lodalUbou  urkAndsn  loalinat  Ut  nordun.  aUo  di«  erwärdtcen  sciitiinlun  heiT*n.  tat 
CAnrat  lon  UiiinabotK  uud  etoC«  Friderieb  tuu  ZAlio.  itv^rc  Tvntrac. 
dlv  ^aloKonbidl  onl  wuttoiit  uuil  icb  [TUHe  miaoK  dsnA  liittMit:  «»i  bt  iran  ilus 
du  <-alhu  buü  dum  nrdnn  tu»  den  »tifteru  in  refubitn  nart.  also  uns  gvichribsn  iil  II 
(«gAbeii  uuGvr  iagjlcbnm  suaiierllch  ein  MeniDriiJ  bfleh,  tri»  «t  roa  (oUe  und  •(in 
■InBD  rriinduu  vaamiavt  und  icDiirdeat  ist.  di«  ne\he  meinange  und  ordeuung>^  vir  iioh 
ueb  hi'T  Hundent  In  «inn  miDderD  bi'icho,  lUi  wir  ücb  Kchunktial  xi'i  uwer  uaRtn  \iti- 
■chsn  und  Kurdikoiti  umb  diui  ir  und  «IIa  uwere  noobkunian  i^ch  dio  galcgeoboit 
nli&ent  und  nilniiB  danA  gi'viiinniit  Ih  letruHur  roniarxuoge  und  In  vniger  ttclir  1 
kUDdiain :  du  mag  Arfa  got  und  alnn  inirdifa  inAtoi  wal  gedtnvkui.  uud  wir  hItMid 
Uiiiu  gooda.  du  it  dtsc  lohunks  uül  wvllsnt  rgnmoh«n.  und  baJUgd  äis  hflcb  oooli 
urdiiiiaago  dur  illar  ontan  tulmrikoa,  win  dut  onto  tnsisMr  borCunrtd  vonBrani- 
birg  Ai'h  «iu  incmuriKl  hatu  und  h«b«n  wultu  glich  discui  Bulben  bfi.h  du  dn  h 
illaa  In  dar  nAweds  uiit  «Im  aaUidTttit  wm,  sk  sti  nA  fiirbu  nio  nutdärfüg  imd«  i 
«urt,  durcb  du  dur  nioi«t(irfoh>A  da»  ordon*  uiamei  usgingr  und  vergesse  fciDduA 
und  gnlnfaübslt  dai  bnaot  iQ  d«Di  iJrli ne n «t erd e.,  dlv  ir  und  u«ere  nochkoBeB 
ei^  Imh  fniblbar  inaehnn  BOtlent  mit  gotruirer  haut{habungn  in  aller  der  ordenunga.  all 
(11  dl"   «tilTler  und  uwera  iurdp^rn   gnmpint  habi-iil,    und    ir  iii  di^  in   nipm  irial  biltlm 


Anno  domini  M"  cci:"  wxix  an  iiiJttcwnihc  in  ricr  )i(iii^e.-leii 
:^c|jorri  icli  bn'iiler  (.llawos  von  l.ötenf. 

\)o  iih  lier  selbe  bruder  Clauwo^  vim  Löfene  ^woiilzig 
ilt  way,  worden,  do  kam  ich  nnder  die  Ifichlonbe  \i>r  dem 
>\i'\-    /,it    Heinrich    lllaniiiiai'l    vim    Liifpne   an    sancte   ■ 

iiTK',-^    |{a|ili-li'ii    tji^e   7S1    siniigititeu    iiiinu  domiiii  M"  ct.-c"  lix 

\va/,  de-  S(hi-i)jür  und  diende  imi'   siJjen  jnr. 

Anno   domini  M"  tr."  IxvJ   an   sam-te  Lux  oben  des  lieilijH'ii 
(ififliyieii  kam  ich  zö  dem  l.ln'iiienu'«'Pde  mit  RüK-mamii' 
■swin.  tleiii  stiller,  nnd  warl  p|iyst<der  frewihpt  in  der  frone-   ■ 
■w   vor  wirnthlcn  de.-^  seihen  iores  sahhato  quo  cantatur  .A'eni 
dcridiv.    dovor  <lis  nelie^ten  sunncnlaiifis  „üaudeU'  in  doniino- 


^illrL 


157* 

Donoch  zu  phingesten  wart  ich  ewangelier  gewihet  sabbato     ii 
quo  cantatur  ^Caritas  dei''  anno  domini  M^  ccc^  Ixvij.  donoch  m  ^^^ 
dem  herbes le  des  selben  iores  sabbato  quo    cantatur    „Venite 
adorenaus"  wart  ich  zu  priestere  gewihet  und  sprach  ouch  min   »^p 
o  erste  messe  zu  den  Kartüsern  des  anderen  tages,  scilicet  xiij. 
kalendas  octobris,  und  waz  daz  der  fünkehenste  sunnentag  quo 
cantatur  „Inclina  domine  aurem  tuam*^ 

Anno  domini  M^  ccc^  Ixxj   an  sancte  Johans  Baptisten  tage     ^- 
zu  sünigihlen  kam  ich  in  den  orden  und  wart  ein  Johanser.    und  ^^^ 
10  vormoies  waz  ich  ein  weltlich  priester  gesin  vier  ior  uffe  der 
hofestat  zu  dem  Grunenwerde  bi  Rülenaanne  Merswine, 
dem  Stifter  des  selben  huses. 

Alsus  habe  ich  der  vorgenante  brüder  Clawes  von  Löfene 

US  begirlicher  minnen  die  löflfe  mines  harkommenen  states  kürtz- 

»  ■  •  ■ 

15  liehe  geschriben  hie  in  dis  gegenwertige  buch  und  in  etteliche 
andere  buchere  zu  eime  memoriale,  do  bi  min  gegen  gotte  ge- 
truweliche  gedoht  werde  von  allen  brüderen  und  personen,  die 
nu'und  harnoch  iemer  söllent  wonen  uf  diser  gnodenrichen  hote- 
stat  zu  dem  Grünenwerde,  umbe  daz  ich  in  ewekliche  deste 

50  gegenwertiger  sige  in  iren  memorien  mit  minnenricheme  erneste 
für  mich  zu  bittende  in  allen  iren  andehtigen  zu  keren,  daz  be^ 
gere  ich  mit  sunderre  grosser  begirden,  und  ouch  daz  man  min 
iorgezit  eigentliche  schribe  und  alle  ior  getruweliche  begange  uf 
den  tag,  alse  es  gevellet  und  ich  us  diser  zit  scheide:  dozü  alle 

15  brüdere  und  personen  billiche  gölteliche  minne  und  brüderliche 
trüwe  bewegen  sol  diser  stiftunge  und  6ch  den  Stiftern  zu  liebe, 
mit  den  ich  alsus  zu  dem  aller  meisten  har  kommen  bin  in 
grosser  minnen  und  truwe,  die  ich  zu  der  stiftunge  gehebet  habe 
noch  allen  minem  vermügende. 


29  Am  Schlüsse  steht  von  späterer  Hand:  ^Aiino  1402  die  3.  aprilis  obiit 
iste  fr.  Nicolaus  de  Lovanio,  priinus  conventualis  huius  donius  ad  Viridem-Insulamf 
ibidem   sepaltus    sab  lapide  AA  Fratrum.**     Ita  über  vitae    sub  dicta   die  3<^  aprilis. 


Das  Pflegermemorial. 


Der  aller  erst  Ursprung  and  auefang  der  kirchen  und  des  alteu  gebuwes 
11^  dum  ör  iiuonwenly  geschach  der  lioiligeii  drivaltJkeit  zii  creii  danh 
V  den  erwirdigen  woltlicben  herreii,  herm  marsohalck  Wernher  von  Hünen- 
bnrg,  ah  hienocb  in  dem  ersten  cappiltel  von  der  oniawerung  f^escbriben 
stat.  der  selb  erst  stifFter  onch  begraben  lit  in  der  selben  kirchen  under  ' 
dem  taindersten  glase  venster  vor  der  borkirchen  inddewendig  an  der  attea 
maren,  die  in  den  hoff  stosset  gegen  der  conventstaben  und  dem  donnenter, 
'\i<  ni;  die  frowen  stüle  st"i]t.  do  stund  bievi>r  ein  t*rlich  erhebet  ^rab  mil 
üweii'U  s.'M'ckyn.  den  einen  sarck  tiber  den  andern  uff  vier  steinin  sülen  ge- 
setzt und  in  die  mare  gefeltzet  zierlich  und  »delioh  nacb  altfninsclier  wise.  i 
wann  er  nuch  nobe  bi  zweihundert  joreii  ilar  begraben  wart  uff  das  zile  diser 
nehsten  uaehgescbriben  daten;  und  sine  woFTen  in  einem  zwibogeue  ob  dem 
gralie  gemolet  stundent:  ein  geteilter  schilt  mit  zweien  velden.  das  r.bet 
velt  snartz  nnd  das  under  velt  gelr,  und  in  dem  Tiliern  swarlzen  velde  ein 
kn'^ger  mit  einem  wissen  swanhalse,  also  die  date  siner  begrebde  uff  dem  i 
grabe  iielesen  wart  bi  Kulman  Merswins.  des  stiffters,  nochgonden  ziten. 
diF  er  ilis  selbe  closter  zn  dem  (irün  en  «erde  von  den  von  Alt  dorff 
k.mffte  und  innam  und  den  gebuw  anfing  ^u  ernuneiidi'  und  zu  verandermh' 
und  •li-i  sdben  grabes  särcko  zu  altar  steinen  machte  und  in  den  Kwibogen 
l'iir  die  nidfen  von  Uimenbnrg  ''ie  urstend  unsors  herren  Jliesu  Oristi  i' 
nmlete  im  jorc  M'Ntc"  Ixvj:  und  das  heilig  grab  uff  der  selben  statt  darnach 
nianig  ior  gebalten  wart,  untz  das  die  fronen  stVile  dar  gcmacbt  wurdent. 
als  ediclieii  den  ersten  und  eltsten  eonventb rudern  des  selben  hu^es  sani 
J.>b:ins  Ordens  «ol  ingedechtig  ist,  sunderlicb  bnider  Claus  I.appc.  Imider 


r, 


159* 

Heiiitz  vonAndelo  nnd  bruder  Clans  von  Lefene,  die  des  selben 

grabes  künde  hatten  und  es  vil  gesehen  hant,  e  ai  zu  dem  orden  koment. 

Diß  erwirdigen  herren  marschalk  Wernhers  von  Hünenbnrg 

gedechtniß  man  uff  der  bofstat  zürn  .Grünenworde  biUich  niemer  vergessen 

so],  dann  es  ist  zu  gloubend  bi  diser  gnadenrichen  ersten  stifitung  nnd  bi 

sinem  emsthafftigen  kere  hienach  geschriben,  das  er  ein  grosser  gotsfnindt 

gewesen  sye,  des  wir  wol  geniessen  mogent 

*  • 
*  ♦ 

Dis  ist  von  den  Memoriale  bücberu. 

• 

Diser  memoriale  bücher  hat  der  oberst  meister  in  dutscben  landen  sant 

0  Johans  ordens  onch  eins,  und  ist  das  vierde,  glich  sprechend  in  allen  Worten 
und  materien  disem  gegenwurtigen  buche  und  den  andern  zweien  sinen 
glichen,  die  den  drien  weltlichen  pflegem  zügehoront,  wann  das  die  erst 
vorgonde  geschrift  ein  ander  forme  hat  und  dem  obersten  meister  seit,  als 
hienoch  zu  aller  nehst,  als  dise  ordenung  apfohet,  geschriben  stet 

o  Diß  memoriale  buch  ist  und  sol  sin  eins  jeglichen  Abersten  roeisters 

nnd  priors  in  dütschen  landen  sant  Johans  ordens,  welicher  es  dann  ie  zu 
ziten  wurt  und  das  meister  ampt  besitzen  und  regieren  sol.  Stimmt  überein 
mü  S.  iiÖ*3P-iI7*55  beschiht,  mit  Ausnahme  117*12  drier  pflegerej 
drier  weltlicher  Pfleger    117*23  anegehabenj  angesehefi   117*24  oder  etat- 

0    Halter  fehlt. 

Nach  beschiht  folgt  jedoch:  Und  umb  das  den  erbern  personen,  die 
also  diß  werck  in  giiter  gütlicher  meinung  geordent  hant,  ir  begirde  und 
minne  erfüllet  werde  und  irer  meinung  genüg  beschee,  so  soUent  die  drie 
weltlichen  pfleger,  die  dann  zii  ziten  sint,  also  dick  ein  nnwer  meister  zu 

o  dutscben  landen  sant  Johans  ordens  gesetzt  wurt,  im  verkünden  und  in 
manen  mit  briefen  oder  in  ander  wise,  als  dann  die  louffe  sich  heischent  und 
sagent,  das  er  das  selbe  memoriale  buch  fordere  und  zu  im  neme  von  des 
abgestorben  meisters  sines  vorfaren  gesinde  oder  nßrichter  aller  siner  Sachen, 
das  ist  onch  ein  bliplicher  steter  zünemender  uffenthalt  und  behebnng  des 

0  löblichen  erlichen  gotzdiensts,  als  er  zum  ersten  angefangen  wart  in  dem 
hnse  zum  Grünenwer|de,  das  er  desto  minner  mag  abgon  nnd  nidergeleit 
werden,  dodurch  onch  der  orden  nnd  die  drie  weltlichen  pfleger  ewiglich  in 
doste  fridesammer  einmütikeit  nnd  früntschaft  miteinander  blibent,  das  si 
ietweder  site  einander  desto  minner  getrengen  mogent  mit  keiner  nnred- 

5  lieber  anspräche  oder  nnzimlicher  fordemng  in  zanckender  zepfelnder  wise, 
80  si  ansehen t  nnd  in  disen  glich  sprechenden  memoriale  büchem  geschriben 
findent  den  nnderscheit  aller  bereddung,  wie  es  got  und  sin  fninde  und  unser 
vordem  in  den  ersten  alten  ziten  in  aller  ordennng  so  gar  nß  grosser  gewar- 
sammer  fürsichtikeit  gestiftet  und  erhebt  hant  nß  rat  des  heiigen  geistes, 

0   also  alle  dise  nachg^schribenen  materien  gar  merglich  wisent  nnd  sagent, 


8   rot,   diese    Cborschrift  fohlt  6        0   dieeer  dreien   G         13  geschrfftj 
rubrik  G         18  mit  D  stiinint  in  den  Lesoarten  >\  G         :U  v«V.  Vt^'^i^  fL. 


160* 

der  nir  billich  iiit  unalitsain  sin  s<>Ucut,  umb  das  uir  <!er  fnichte  e«'^ic)i 
von  ^tt  enpfobeniSe  und  niessendc  werdeuL  das  günne  uns  der  vatter  md 
der  8Ün  und  der  heilige  geist.  Jie  allmehtigo  ewige  drivaltikeit,  derhochgt- 
lobte  aller  oberste  haüberr  uDd  patron.  Amen. 


Allen  menschten,  die  cristen  iiammun  liNnt, 
Sol  in  disem  buch  werden  bekaot. 
Welicbe  des  himels  walten  allernicist: 
Got  vatter,  siin  und  heiiger  geist, 
Maria,  die  uns  Jhesum  Christnm  gebai'. 
Sant  Michel  und  aller  engel  schar; 
Kein  gn'isstT  darnach  in  hiinel  ist 
Dann  unser  vatier  Johans  Baptist 
Und  oach  Johans,  dtr  hochfliegend  adeler. 
Die  sint  die  «irdigsten  himel  biirger 
Und  ooi;h  des  Griinenwerds  patroneu, 
Des  billich  sieh  frowent  alle  pei'sonen. 
Die  den  Grünenwerd  meinent  in  tmwen. 
In  grossen  mirackelii  ist  die  kircb  gebuwen, 
Als  das  abtat  cappittel  kAutlich  seit, 
Hieoach  geschriben  mit  geworem  nnderscheit. 
FrQcfatbar  ans  das  wälle  got  machen 
Und  sMiclich  enden  all  iinspr  sarhen. 
Der  hüilge  geist,  genant  Hamen. 
Hie  /.w  tiM^  allen  belfl'e.  Amen. 


ni^isLdii;  k'st  andüruri;j  und  rmwe  stil1lu!i;i  i!es  dotier s  zu  dem  - 
(I  rniiou  werd  mil  allen  lüulleii,  wii.'  e^  vuii  aller  liar  ist  komca 
if  Uli  eiin  stamm  in  den  andern  von  dem  allei-  ersten  urspruiiü 
imlz  in  sanl  .InhaiiH  imlcn.  kiirt/lit-ti  .nerionimeii  iili  den  drieii 
urkund  liuiliern,  dii'  7.i\  dnlscli  nm\  /m  laliii  in  dem  selben  hiist^ 
zii  dein  iinmen  wcrd  sint  nndcr  dos  nberslen  nieislers  geltoll 
inid  veibuntnill  ewiiJJieli  du  /.w  bliben  in  licsorüunf;  und  gelieil- 
iiill  eins  .usters.  inid  sint  diser  .LieiJCTiwiirLiücn  biiciier  ouih  dru 
eif[entlieb  vmi  wurt  /ti  worl  uliob  sprerhendc  in  allen  inalttriin. 
dii-  aller  notdiirlti^isl  sin!   y.i\  wissend  dnii  ilrion  welllichen  iilleLieni 


des  vorgenanlen  huses  zum  Grunenwerd  und  die  aller  meist 
gezügniß  und  urkund  gebent  der  grossen  gnkderichen  wirdikeil 
des  selben  huses.  upd  sol  ir  ieglicher  sunderÜch  eins  bi  im  |iaben 
in  siner  gewalt  zu  eim  anggdenckigen  memoriale,  also  lang  er 

o  lebt  und  pfleger  ist.  das  hant  etlich  erber  personen  in  selgerets 
wise  also  gefrummet  der  heiigen  drivaltikeit,  Marien  der  lieben 
müter  gottes,  den  zweien  hohen  himelfürsten  sant  Johans  Bap- 
tisten, sant  Johans  Ewangelisten  und  allen  engein,  den  wirdigeri 
löblichen  patrpnen,  zu) lobe  und  2;ii  e^en^  und  irem  huse  zu   eim 

o  behutsamen  uffenthalt  in  aller  der  wirdikeit  und  ordenung,  als  es 
uß  dem  heiigen  geist  in  grossen  mirackeln  durch  die  frönd  gottes 
angehaben  und  gemeint  ist  mit  solicher  gedinge :  also  dick  der 
selben  drier  weltlichen  pfleger  einer  abgot  und  stirbel,  so  sollen 
die  überigen  zwen  uff  ir  consciencie  und  bi  irem  eide .  des  selben 

^  abgestorbenen  pflegers  memoriale  buch  von  sinen  erben  fordern 
und  schaffen,  das  es  sinem  nachfcomen  werde,  der  an  siner  statt 
geursasset  und  zii  pfleger  gekosen  wurt,  durch  das  die  drie  welt- 
lichen pfleger  und  all  ir  nachkomen  nii  und  hernach  ewiglich 
dest  me  minne  hant  pfleger  zu  sin  und  sich  deste  gerner  übent 

^^  durch  aller  vorgenanter  patronen  willen  löblich  das  selb  ir  huß 
zum  Grünen  werde  zu  hanthaben  nach  des  briefs  lut  und  sage, 
den  si  von  dem  selben  orden  darüber  hant  und  hienach  in  dem 
sehsten  capittel  der  ernuwerung  geschriben  stat.  Und  umb  das 
man  die  materien  diß  gegenwertigen  büchs  all,  dest  eigentlicher 

2o  und  kurtzlicher  verstände,  so  sint  die  sinne  in  einer  vorgonden 
tofeln  all  vor  intituliert  und  genennt,  ieglicher  sinn  sunderiich, 
und  mit  der  zal  gezeichent,  wo  man  ein  ieglich  capittel  finde,  das 
man  gern  haben  wil;  und  fohet  die  tofel  alsuß  ane: 

1 .  Item  die  e  r  s  t  m  a  t  e  r  i  e  ist  die  ernuwerung,  von  der  ouch  das  erst     Inhalt 
SO  eapittel  seit,/wi6  die  lieben  stiffter  beide  glicl^,  mit  grossen  mirackeln  und 

mit  guten  Wortzeichen  von  gotte  getwungen  wurdent,  das  si  sich  müstent 
des  huses  zum  Grunenwerd  underwinden.  und  seit  ouch,  wie  es  von  alter 
her  ist  komen  und  wie  es  in  dem  aller  ersten  Ursprünge  gestifftet  wart. 

2.  Item  das  ander  capittel  seit,  wie  das  selb  huß  in  den  ersten  alten 
)5   ziten  geregiert  wart  von  dem  orden  canonici  reguläres. 


5  Tgl.  117*17  12  vgl.  15y24  ff.         28  im  6.  Kapitol  der  Chronik  171*19  ff. 

25  Tgl.  117*35  ff.         29  Tgl.  117"39-119*:30 ;   dieses  luhaltsTerzeichnis  gibt  auch  G 
in  etwas  abweichendem,  Terkfirtztem  Texte. 


3.  Item  (las  dritt  capittel  seit,  tvie  der  tiriinewerdt  damacb  d<^n 
swartzeu  tnÜDchen  Tun  sant  Benedicten  orden  wart,  nod  in  welicliea  eren  «-■ 
die  von  A  Itdorff  bielten. 

4.  It«m  das  vierd  capittel  seit,  in  wolicber  meinung  und  wenn  Biil- 
in»n  Mcrsn'in  den  Grüne iiwerdt  amb  dio  von  AI  tdorff  konSte  lunl   - 
in  zürn  ersten  anfing  zii  buwende. 

5.  lt«ni  das  fünfh  tapitt«!  seit,  nie  der  6  r  ü  n  e  w  o  r  d  t  nach  vi!  manig- 
fultiger  andening  lü  jüngst  aß  gi>tlicb<:r  fürsicbtikeit  des  lieben  sant  Jobui 
orden  geben  wart. 

ß.  Item  das  sekste  i;apittel  seit  vun  der  g7ia<1en  nndgunst  des  C'berst«D  u 
meislors  nnd  ist  onch  der  gantz  brieff  mit  aller  bereddang,  wie  der  nrden 
das  hnli  ewiglich  ballen  sol  in  bantbabang  drier  weltlicher  pfleger,  den  >^ 
befolben  ist  und  den  selben  brieS  in  hendes  hant. 

T.  Item  das  sübead  capittel  ist  ein  abgeschrift  in  dütsch  gescbriben 
von  der  blyeuen  ballen,  damit  der  aller  öberst  moister  zu  Rodis  über  niet  n 
den  rorgenanten  brieff  nnd  all  bereddang  bcstetigt  hat. 

H.  Item  das  ahtst  capittel  seit  von  den  wercken  des  heiigen  geistes  and 
ist  die  oSenbarnng  mit  den  grossen  mirackeln,  durch  die  der  ctior,  die  sa- 
crastie  und  der  nuwe  gpbuw  gebawen  und  gewihet  wart. 

^.  Item  das  nimde  capittel  seit.  Kenn  und  uG   welher  metnnng  der  i 
spittal  gebuwen  wart. 

1 0.  Item  das  zehend  capittel  seit,  nH  wellier  meinung  der  costlich 
lang  gang  umb  den  garten  und  all  die  andern  lastlicben  gebnwe  gemacht 
wnrdent. 

11.  Item  das  eiiflt  capittel    seit  von  der  geziigniß  und  bowerung  alier  ; 
der  vorgenanten  capittele,  die  do  sagent,  wie  der  Grüuewerdt  \oi\  alUr 
ist  har  komen  und  gestifftet  worden. 

12.  Item  das  zwülflf  tapittet  seit  von  allen  maiiigfaltigen  grossen 
lideniien  tnii'ken,  die  von  angonge  sint  uff  das  büß  znm  Grünen wi^rde 
L'et'ulloii. 

1  :t.  Item  das  drizeliend  cappittel  seit  von  dem  endo  und  ouch  ettwiis 
von  dem  gnadenrieben  Instlichou  uamWl  <lcs  lieben  stiffters  Rülm.iu 
II"  r  s  w  i  n  ^, 

lt.  Item  dai?  vier/.ehend  <.';ipitti'l   ist  die  iinder  matiTio  und  das 
hin'ii.  das  man  hlnder  ßülman  .Morswin.  dem  stiffter.  gescbriben  faudi   . 
von  den  vier  joron  sin,-!  anrtihentlen  Icbens;  und  seit  diÜ  capittel   von  dem 
ersten  jor.  in  dem  er  aller  kiaift'raansuliat/  nnd  aller  lustlicber  f,'eselbchafri 
urbili  gab  luterlich  durch  got. 

lö.  Item  das  fünfzphend  capittid  ist  lUis  ander  inid  da.s  dritt  jor,  in 
den  der  solh  Riilman  sn  vil  grosser  libernatorlicber  unreiner  HÜster  bek"-  ,- 
rnni,'  und  mitrh  ander  nmnigt'ullig  we  lidon  miiste. 

IR.  Iteiri  das  sebtzeli'-nd  capittel  ist  das  vierd  jor.  in  dem  dt-r  ;eli> 
Ulli  iniin  allt-s  liden?  ersrolzl  wm%  mit  vil  grosser  übernatilrliclier  l'n'iudeii- 
ri.-b.T  iuliilieremler  ^'nadou. 

VI    //,>•„  ,!,!•  13.  O'ir.lA   ',.!}>    ,m  d''«   '■•■l    Cnluian   M>- r^chwt  i«.'.  u. 


163* 

17.  Item  das  sübenzehend  capittel  ist  die  dritt  matter ie,  und  seit 
TOD  der  fÜDff  mannen  leben,  ander  den  sich  der  erst  acbtzeheu  ior  grußlich 
ubete  in  dem  liden  onsers  berren  on  allen  befintlicben  trost 

18.  Item  das  achtzehend  capittel  seit  von  dem  andern  manne,  wie  der 
ein  lidender  eman  was  und  ein  erlübteter  gnadenricber  priester  wart. 

1 9.  Item  das  nüntzebend  capittel  seit  von  dem  dritten  manne,  wie  er 
ein  wol  gelerter  übermütiger  weltlicher  jnriste  und  tumherr  was  und  ein 
gnadenricber  erlühteter  demütiger  priester  wart 

20.  Item  das  zwentzigst  capittel  seit  von  dem  vierden,  wie  der  ein 
judde  was  und  in  grossen  mirackeln  zu  cristem  glonben  kam  nnd  ein  erlüh- 
teter begnadeter  priester  wart 

2 1 .  Item  das  ein  nnd  zwentzigste  capittel  seit  von  C ü  nr at,  irem  koch,  wie 
der  ob  einem  hafen  mit  müse  bi  dem  füre  von  im  selber  kam  nnd  verzückt  wart 

22.  Item  das  zwei  nnd  zwentzigst  capittel  seit  von  Büpreht,  iremge- 
trnwen  diener,  der  oacb  ein  gotts  fründt  gewesen  ist 

23.  Item  das  drü  nnd  zwentzigst  capittel  seit,  wie  der  liebe  gotts 
fründt  in  Öberlant,  Bülman  Merswins  des  stiffters  heimlicher  gesell, 
zu  hinderst  von  sin  selbs  leben  gar  kurtzlich  schribet  und  euch  der  fünff 
manne  einer  ist 

24.  Item  das  vier  und  zwentzigst  capittel  ist  der  brief  des  obersten 
meisters  in  dütschen  landen  sant  Johans  ordens,  so  er  den  drien  weltlichen 
pflegern  gegeben  hat  über  die  drü  urkundbncher,  die  si  damit  hanthaben 
sollent  ewiglichen,  do  zu  hüben. 

25.  Item  das  fünf  und  zwentzigst  capittel  ist  ein  abgeschrift  zu  dütsch 
geschriben  uß  dem  besigelten  latinin  briefe  über  die  ewige  meß  in  sant 
Jacobs  ere  von  Heinrich  Blanghartz  seligen  wegen  von  Lofen,  eins 
bargers  zu  Straspurg. 

26.  Item  das  sehs  und  zwentzigst  capittel  ist  ein  abgeschrift  des  dütschen 
besigelten  briefs der  drier weltlichen pfleger des huses  zum  Grünenwerde, 
wie  si  euch  zu  pflegern  erkosen  wurdent  über  dieselbe  ewige  messe. 

27.  Item  das  süben  und  zwentzigst  capitel  seit  von  zweien  überblibenden 
latinin  büchem,  die  euch  in  dem  huse  zum  Grünenwerd  sint,  und  die 
dri  weltlichen  pfleger  si  ußlihen  mogent  gelerten  lüten,  die  ir  begerent,  do 
si  truwent,  das  es  nütz  sye  und  frucht  bringe. 

28.  Item  das  acht  und  zwentzigst  capittel  ist  ein  tofel,  wie  mau  sant 
Jacobs  meß  halten  sol. 

29.  Item  das  nun  und  zwentzigst  capitel  ist  ein  form,  in  welicher 
meinung  die  drie  weltlichen  pfleger  gesworen  hant  nnd  fürbaß  jeglicher 
pfleger  sweren  sol. 


87  nach  dorn  '29.  Kapitel  fOgt  (i  |Cap.  :)0)  bui :  „Item  ein  memwial,  worin  die 
ursaeh  und  urtprunff  der  Stiftung  der  ewigen  mef  zu  eren  Si.  Jacob  angezogen 
wird,  (Cftp.  31] :  Item  wie  das  gelt  für  dise  ewige  meß  heicendst  ist  worden, 
Adi  Schlosse  fngt  Götxmann  noch  bei :  ..Dis  ist  «Ins  register  aller  capitlen  des 
teutschen  momorial  oder  iirkund  buchs.** 

W 


ronik  Das  ersle  capilelseit,  wie  dio  lieben  zwene  stiffUr 

Kapiifi -^^  ubernatiirliclier  wise  von   gotte  bet'vniigent   wnrdent, 

dashus  zii  dem  Grünen  werde  zä  ernawende,  nud  wie«s 

von  aller  ist  harkommen  und   in  dem   iirprun^e  '^e- 

sliffteL  worden.  • 

Dis  ist  dio  ernuwi^niiige  des  linses  und  der  wonunge  zd  dem  G  rii  n  en- 
werde  und  seit,  wie  es  anderwerbe  von  nuwem  uff  angefangen  nnd  erfaebel 
ist  worden  vüh  gotte  mit  vil  nrkündes  and  mit  manigvaHigan  grossen  Wort- 
zeichen durch  den  lieben  sünderlichen  erlüchteten  gottes  frtint  Bülmaa 
Merswin  seligen,  fandatur  und  anebeber  des  selben  buses,  von  giMlii-her  v 
betwingnisse.  wanne  in  gotte  durch  man igviiltige  grosse  swere  trücke  über- 
natürliche in  grossen  mirackeln  und  offen  borungen  dicke  und  vit  darzii  ec- 
maoetc  and  treib,  das  er  ime  solte  ein  nawe  gottes  hus  mit  einer  fcirctien  aoe 
votaen  zu  buwende  in  der  stat  zA  Stroßburg  and  oucb  schaffen,  das 
gottesdienest  mit  singende  und  mit  lesende  von  erbem  priesteren  dartnue  i 
begangen  würde:  das  er  doch  vil  zites  underwegen  Hell  nnd  es  niit  bald« 
glouben  wolte,  ontza  das  er  und  ein  andere  grosser  gottes  trünt  in  Ob  er- 
laut, sin  heimelicher  geselle,  beide  gliche  mit  guten  worti^eichmi  darzd 
betwnngen  wurdent  in  einer  kristnacht  mit  solichem  grossen  sweren  lidendvu 
we  und  übernatürlichem e  getrenge,  das  sü  beide  wondent  in  todea  not  siu.  ; 
in  solicher  wise  sie  onch  vormolen  dicke  gar  swerlicbe  getrucket  und  ge- 
trejiget  wurde nt,  Rülnian  M  erswin  hie  nidenan  züStroUburg.  und 
sin  geselle  in  sinre  heimüte  do  obenan ;  nnd  in  solichem  glichem  we  und  tu 
gl  ich  form  igen  übe  nwlür  liehen  sweren  truckeu  uud  oucb  in  gliclit-n  ir-unieii 
und  visiunen  sy  beide  in  einre  wise  zu  manigen  zitten  darzü  vermanet  uu'i  .: 
getribben  nurdent,  des  sy  doch  alliss  nüt  achten  woltent  usser  gnissi-r  li-- 
mi'itiki'it  und  oucb  nsser  dem,  das  sy  daclite,  nie  gutter  nol  gtlmui'Ut'i 
schi'uier  cli'ister  genug  «erent  in  der  cristenheit  und  mon  aber  gar  nenii' 
gut  myniii'nder  amieclitigiT  gi'itlichfr  personen  finde,  die  darin  gehiTUi'ni. 


1   Dl"  hl   r/r.K  n-fl   viipiltd  \).     lii.-.o  ^.iir'-.irtiy  ru-i-ihrift. 


f;..-,„i,,r>l}  !,>>,},{.    I) 


165* 

nnd  schetzetent  also  in  irme  grnnde,  das  es  vil  besser  and  weger  were,  daz 
man  mit  sollicbem  grossen  cosien  armen  lütten  zu  helffe  kerne  nnd  inir.not- 
durfft  besserte,  das  sy  hnngers  nüt  verdnrbent,  denne  das  man  nuwe  closter 
domit  buwete.  in  sollicber  meynang  gobent  sy  sieb  gar  kume  darin  und 
Tingent  es  gar  note  an.  aber  in  diser  cristnacbt  wurdent  sy  beide  glicb 
recbte  lam,  und  befnndent  oucb  beide  in  derselben  cristnacbt  in  einer  über- 
natürlicben  wise,  das  es  got  von  in  baben  wolte  und  sin  müste ;  und  wart 
in  oueli  von  gotte  zu  eyme  wortzeicben  gegeben,  das  sy  niemer  soltent  gerecht 
werden  nochabe  stette  mögen  kommen,  sy  underwindent  sich  sin  dan  [das]  zii 
tünde  in  dem  willen,  und  zu  merre  krafift  und  Urkunde  dis  Wortzeichens, 
das  es  in  deste  glouplicber  were  und  nit  dar  zwifeln  dörffent,  so  wtirdent 
sy  an  stette  widder  gerecht  und  gesunt,  do  sy  sieb  nuwent  mit  gantzem 
willen  dorin  gobent,  das  sie  es  tun  woltent  zu  glicher  wise  also  in  vormoles 
in  der  cristnacbt  von  gotte  zu  verstonde  wart  gegeben,  und  vingent  euch 
do  erst  zu  stunt  ane  zu  vorsehende  und  züfrogende  umb  eine  hovestat.  und 
noch  vil  manigerleige  kumbers  und  werbendes,  so  sy  hettent  umb  etteliche 
hovestette  ussewendig  der  ringmuren  zu  Stroßburg,  und  doch  nit  kundent 
übereinkommen  noch  wissen,  wie  es  got  meinde  oder  weihe  hovestat  er 
haben  wolte,  do  wurbent  sie  züiüngest  umb  die  wonunge  zudem  Grünen- 
werde, das  dozümole  ein  alt  verdorben  zerfallen  closter  was,  und  ein  heilige 
andechtige  hovestat,  die  got  mit  sunderheite  meinde  und  liep  hette,  also 
dise  nochgonde  rede  wol  beweret  und  bezüget,  die  do  seit  von  dem  Ursprünge 
nnd  von  dem  ende  alle  die  werg,  die  got  domitte  gewürcket  het.   Sit  das 

es  zu  dem  allerersten  mole  gestiftet  w^art,  das  nü  in  disen  gegen- 
wertigen  zitten  by  den  zw^eyhundert  joren  ist,  do  wolte  got  sine 
werg  würeken  und  sine  erbarmhertzige  gnode  unverdienet  giessen 
in  den  weltlichen  herren,  Herren  marschalg  Wernher  von  Hüne- 
burg, der  dozümole  gar  ein  wunderlicher  barster  und  wuterich 
was  und  ein  vigent  disser  stette  zu  Stroßburg;  und  reit  uffe 
sy  und  kriegete  mit  ir  und  schedigete  sy,  wo  er  möchte,  und 
in  (lisem  kriege  do  würckete  der  milte  erbarmhertzige  got  sine 
gnodenrichen  werg  mit  ime  noch  ettelicher  wise,  also  er  tet  mit 
dem  lieben  sancte  Paulus,  und  gab  ime  einen  kreftigen  ker  von 
allen  sünden  und  machte  usser  eime  grymmen  wolffe  ein  senfll- 
mülig  schoff,  das  er  sin  leben  wart  bessernde,  und  versünde  sich 
mit  gotte  und  mit  disser  stat  und  wart  ir  beider  fnint,  und  ving 
do  an  dis  closter  zu  stifftende  und  zu  buwende  der  heiligen  dri- 
valtikeit  zu  lobe,  dozu  ime  die  vonStroHburg  zu  sture  gobent 


:\  nit  hungerB  D        8  gerech  D,  £        11  dar]  daran  D,  E        12  nuwent 
sieh  I)         19  die J  diese  K        23   und  dem  D        :):>   schoff Jlemhdin  D        vgl. 

ISTiff. 


Iß«' 

die  hoveslat  und  alle  die  almeiide,  die  ielweder  ^ittc  daibi  uiul 
darumt)  lag  von  saiiete  Margreden  closter  untze  haniber  ulT  die 
Brüsrlie.  und  das  was  in  den  zitU'n  aUessamenl  ein  wilder 
hegechler  werl.  vol  hi'irsten  und  wilgbönie,  darhar  es  ilan  ouch 
heis»!t  der  (irünewerl.  und  die  kii-clie  wart  jzewihel  in  ere  > 
der  heili^ea  drivalLikeit  des  frilage^  in  den  osteren  achte  ta^e 
noch  dein  karl'ritage,  und  ist  zi\  glonbende,  das  es  bescliehe  in 
luteire  andechtiger  meinunge  dem  würdigen  lidende  and  der  fro- 
lictien  urstende  unsers  lii'ben  herren  zu  sunderlitheine  lobe  üs 
solicber  begirde.  das  die  kirwihe  alle  ior  jerliche  deste  anoileii-  i' 
richer  und  allen  menschen  deste  fniclitbarer  wurde. 

''  Das  ander  capittel  seit,  wie  dasselbe  hus  in  den 
ersten  alten  zitten  gerogieret  wart  von  dem  orden 
canoniL'i  ret;ulares. 

DonoL'h  wart  dis  closter  xü  dem  Urünenwerde  geoppfert  i 
und  bevolhen  dem  orden  canonici  reguläres,    die  hielten  es  zii 
dem  ersten  gar  in  grossen  eren  und  besattent  es  mit  gar  seligen 
begnodelen  andechtigen  priestem.  die  es  gar  löbeUche  und  heilek- 
liche  besungent  mit  ^Tosser  andacht;  darzü  es  ouch  got  Fiigete, 
das  in  den  selben  zitten  ein  i-ardinatc  von  dem  riimesi-lien  ImlTe  - 
baruH  in    tiUsi'he   landl   kam   und   gr.-i'hickct   wart    in    botsehant 
der  heiligen  kirchen  mit  vullemc  gi'walte  de:<  liolii'sles.  und  wüid 
dis   closter   der  visitierende  und  ansehende  die  andacbt    uml  ili^' 
heilikeit   der    kirchen    und   .Jen    eniesL    und    die    lulere    :j.itli.lie 
meinunge   der   iirie^lere   untl   den   grossen   erliciien   hmjhj-^eliipli.'ii  - 
nauien    der    heiligen    drivaltikeil,    de^    wriniiu'en    patroneii.    umt 
gaf  discme  i-lusl,er  die  lülkirelie  zii  di^ni  allen  >anete  PehT   luil 

'  dem  kiri'lifii.-ittze  lunl  mit  aller  ei^enl-rlialll  und    zuüelimde  'lir 
nid>;e  und   allei'  gcn'eile,  da^  die  dienen   solt(;Mt  den  |irie,-teni  /.'i 
irre    lifilichen    Mi>ldiiili.     und   ^ii\]'    ouch    dazu    us    beliesiliiln-n.'   ■ 
j:ew^d[e  dem   tein|>el  di.  ;'..Uhiises  r|,T  licili.üen  drivallikeit  zu  .■i-m 


167* 

appelos  ungesummet  one  alle  zale,  also  vil  sin  gewalt  erzügen 
möchte  noch  eins  iegelichen  menschen  begirde  und  enpfenglicheit, 
der  disen  selben  tempel  zii  dem  Grünenwerde  mit  andacht 
visitieret  und  gnode  darinne  suchet  ierliche  ufT  den  achtesten 
ö  tag  der  vorgeschribenen  alten  kirchwihen,  also  derselbe  grosse 
appelos  alle  ior  vellet  und  in  der  cardinal  geleidt  het  namhafük- 
liche  uff  den  fritag  viertzehen  tage  noch  dem  karfritage.  und 
also    lange    die    lieben    ersten    priestere    canonici  reguläres    in 

göttelicher  mynnen  blibent  und  den  Grün  en  wer  dt  der  heiligen 

> 

0  drivaltikeit  zu  lobe  in  eren  hieltent,  do  versorgete  si  ouch  got, 
das  sie  wol  furent  und  genüg  heltent  und  riebe  wurden t.  aber 
damoch  gar  kürtzliche  do  ire  nochkommen  den  ernest  unde  die 
andacht  abeliessent  und  got  lüterliche  nüt  me  enmeindent  und 
des   gnodenrichen  tempels  unahtsam  wurdent,  do  ließ  ouch  sy 

o  got  und  underzoch  in  sine  getruwe  helffe  und  sine  riehen  miltten 
goben,  das  sie  geriettent  verderben  und  an  zitlicheme  gute  mangel 
haben  und  gar  arm  werden,  und  alse  sy  got  vor  in  irme  ersten 
ernste  versach  frömedekliche,  das  in  die  kirche  zu  dem  alten 
sant  Peter  wart  durch  den  cardinal:  also  schuff  er  donoch  gar 

0  vil  frömedeklicher  durch  den  bischoff  von  Stroßburg,  das  sy 
in  Widder  genomen  wart,  wanne  er  sich  ir  underwant  und  in- 
corporierte  sie  sancte  Katterinen  capelle  in  unserre  frouwen 
münster. 

Das  dir#tecapitel  seit,  wie  der  Grunewert  donoch  s.Ka^ 
5  den  swartzen  münchenvon  sancte  Benedicten  orden 
wart,  und  in  welen   eren   es  die  von  Altorff  hieltent 
Und  do  die  canonici  reguläres  das  closter  zu  dem  Grünen- 
werde wol  hundert  jor  in  irre  gewalt  hettent  gehebet,  do  hettent 
sie  ime  sine  gütter  verseret  und  versetzet  und   vil   sins  eigens 
0  verkoulft  und  es  gar  arm  gemacht    und  die  hintersten  priester, 
die   noch   den   hundert   ioren   von   den    canonici    reguläres   des 
Grünenwerdes  waltetent,  die  worent  also  gar  verdorben  und 
arm  worden,  das  sie  ime  weder  geroten  noch  gehelffen  me  kundent. 


11  da«  sy  (/enüg  hettent  und  rieh  wurden  I)  12  gar  fehlt  D         Vi  me 

lüterlich  D          17   gar   fehlt  D          18    fr.vers,!)  22  vgl.  Straßb.  U-B.  11,  23 

36  und  -  hidtent  fehlt  G         20  verseret  und  fehlt  I)  32  gar  fehlt  D         33  me 
fehlt  D. 


168* 

und  iioment  waiiete  li<'neiUcteti  ordeti  an  sieli  und  wurdeut  swarUc 
miini.he  und  gobent  das  closter  zu  dem  Gn'iDeiiwerde  den 
von  AUdorff,  das  sie  ime  solteiit  wider  liellTen  zu  rechler  goUe- 
licher  ordenuiige,  aber  sie  biclten  es  oiich  uiil  in  gar  vil  grosser 
eren;  si  visitiertem  es  alle  ior  einest  zi'i  den  zweien  tdrwihen  ^ 
noch  den  oatern  und  noment  dag  oppfer  und  besattent  es  mit 
eitne  geselligen  priester  irs  ordens.  der  hielt  dicke  und  viele 
iiar  ude  gesellesoballt  von  pfalTeu  und  von  leigen,  die  gar  vi! 
uufure  begingent  ulf  disser  gnndenrichen  lieiiigen  gel  mannenden 
hovestat  glith  also  in  einer  tafernen.  unde  do  es  die  von  Alt-  i« 
dortf  ouch  wol  ulT  hundert  ior  geregieret  betten  in  sollicber 
unacbtsamer  rutbelosikeit  und  zerfallen  und  verwüistet  was,  und 
die  heilige  andechtige  kin:he  stunt  ellendekliche  und  öde  also 
eine  scbiire  alle  zit  vol  alter  vasse  one  allen  gottesdienest,  wanne 
das  ie  zu  hochgezitten  eine  messe  darinne  gesprochen  wart  und  '^ 
etwenne  ouch  in  der  wuchen, 


■I  ,  Das  vierde  capittel  seit,  iu  weler  meinuiige  nnii 
weiine  HiUman  Merswin  denGriinenwerl  umb  die  von 
Alldorff  knuffte   und  es  zu   dem   ersten   anevin«  xn 

liuwende.  - 

i)  I    iiu   dl  M    _no  leiiiitiie   lin\tBtat    und  kirtlii    -o    \d  /  II 

d-^e  .11  tUnidikli  lie  unbt  iingen  ^e-liii  len  wd'-  und  <1li  ^ebii 
alli  r-anitnt  \  i-'te  giiiet  /cilallen  und  /ergon  do  wolt«,  doch  !» 
hnligt  ilniechLige  diuiltiktit  /n  iiiii{,e^t  iicn  tempel  eren  um! 
'-IM  ere  ernuwen  und  lurbuiit-tii  IuhIi  den  <(;cnanteii  Rnlmiii 
Mit-win    d(r  di-i   -dbe  Imvestil  koullte   umb   die  lurnn    \oii 

\lt  I  irll  -  mcii  l.en(>di(,t<n  oiden  und  \m^  sit  oui  li  iu  /u  er 
nuwi  nd(  u— -ei  -■ni  -olbe-  ^iiti  und  \\  nl  die  alt«  kmhe  ei 
h  h(  I  und  mit  i  im{  niiwdi  ticlu  un  1  gdpern  -ehe— -eit  und 
mit  emu  --te  I  III  I  ik(ii  turnt  Mntulctl  und  die  alleie  xerruiki  I 
du  li  iiit  1(1  \\i  li  in  lri\altik(,it  iltd  un  1  ( inc  nuwe  captlie  in 
d  1    I  illUii  Mit   lupoide  tie  ^ebinvi  n    du    do    wuidont  giwihet  /ii 


169* 

iem  ersten  mole  ah  sancte  Katheriuea  tag  des  iores,  do  man     ^^^ 

salte  von  gottes.  geburte  dritzehenhundert  sehtzig  und  siben  iore.  ^^'  ^^ 
Aisas  het  die  almechtige  ewige  drivalükeifc,  der  gnodenriche  minneklicfae 
dleruberste  hochgelobtester  patrone,  dise  lieben  Stifter,  sine  oserwelten  ge- 
lorsamen  front,  durch  vil  grosser  swerer  trncke  zu  diseme  buwe  getwungen 
md  in  ouch  in  übernatürlicher  wise  mit  gütten  Wortzeichen  zu  rerstoncle 
gegeben,  das  es  sol  sin  ein  huß  der  flucht  allen  den  erbercn  güthertzigen 
nannespersonen,  sie  sigent  pfaffen  oder  leyen,  rittet»  oder  knechte,  die  in 
^6ttelicher  meinnng  die  weit  begerent  zu  fliehende  uQd  ir  leben  zu  bessernde: 
lie  mügent  darinne  enthalten  sin  und  iren  pfennig  zeron  erberliche  und  ein- 
altikliche  zu  den  zweien  molzitten  mit  eime  züchtigen  zimelichen  beschei- 
lenen  wandele,  doch  das  des  huses  priester  und  die  heimeschen  brüdere  nit 
ron  in  gehindert  noch  geirret  werden  noch  in  keinreleye  wise  besweiet  noch 
,'eschediget  mit  unordenunge  oder  mit  überflissigcme  unzimelichen  costen. 

Item  das  fünffte  capitel  seit,  wie  das  hus  zu  dem  ^.Kapiu 
jrrünenwerde  noch  vil  manigvaltiger  anderunge  zu 
üngest  US  göttelicher  fürsichtikeit  des  lieben  sancte 
fohans  orden  gegeben  wart. 

Und  nach  vil  mannigvaltigen  löiflen  und  anderungen,  die  zu 
len  selben  zilten  noch  einander  in  demselben  huse  zu  dem 
jrrünenwerde  beschohent  mit  weltlichen  priestern,  die  do  an- 
ringent  darzii  ze  werbende  und  darinne  zu  wonende,  donoch  die 
\ugustiner,  donoch  die  growen  müniche  von  sancte  Bernhardes 
)rden  mit  vil  grosses  wolgeziertes  heiltumes,  donoch  die  brediger 
ron  sant  Dominicus  orden,  die  alle  harumb  wurbent  ie  eine  parte 
loch  der  andern  und  es  gerne  gehebet  hettent,  und  das  an  gar 
deinen  frömeden  dingen  ie  zümole  entslug  und  wider  abeging, 
10  sy  ud  das  hinderste  darumb  geredt  hettent  und  alle  artikele 
ier  beredungen  mit  irre  meisterscheffte  urlop  und  gehelle  be- 
etzetent  und  verschribent  und  übereine  kommen  worent ;  und  wenne 
33  ie  eine  parte  noch  der  anderen  mit  vil  kummers  kume  dozu 
irochte,  das  men  es  in  irren  grossen  capitelen  bestettigen  und 

7  allen  den]  allen  D  14  costen  oder  andern  heswerungen  D  21  rfo 
'ohlt  P  22  Nach  wonende  fügt  Götzmann  in  G  bei ;  d<in  laut  dessen,  was  Wuder 
Nikolaus  von  Löffene,  einer  von  den  ersten  brüderen  des  orden  St,  Johann 
utgt,  tcie  zu  lesen  in  dem  teutschen  Memorial  buch  pag.  [P]  und  in  dem 
Bruderschaflsbuch  mit  F  bezeichnet  hin  den  sub  lUtera  C,  daß  er  vier  jähr  als 
^Micher  priesier  in  dem  haits  zum  GW,  bei  Bulman  Merechwein  dem 
4iffUr  gewohnt  bis  aufs  Jahr  1371  . . .  /'  26  das  je  zu  ziten  gar  an  Jdeinen 
'     *   mUHiug  D    und  das]  und  doch  E    zur  Sache  t«\.  \d4*4(^%. 


170* 

beaigeleii  sulle  und  men  keinen  hinderslag  nocli  abegang  inc  daran 
iiemcrken  kunile,  noch  danne  so  viele  iemer  etwas  gar  geiiiger 
frömder  Sachen  darin  y.n  eime  zeichen,  das  es  die  almechtigp 
beilige  (Irivaltikeit  mit  meinde  und  es  widerwendig  machte:  also 
bekümberten  und  arheitetent  sich  die  pai-ten  alle  vergebene,  und  i 
ging  ie  eine  us,  die  ander  in  ungeton,  das  ir  keine  niit  furgaiiges 
mochte  haben  untze  zu  iiingest,  das  die  Johanser  dorumb  wurbenl, 
die  ouch  got  do  haben  wolle,  also  er  wol  erzeugeLe  mit  gewo- 
reme  inerglicfieme  urkünde,  die  dem  liebeu  fniade  in  Oberlaudt  g«- 
ntTeiiboret  wardent,  ahe  erBülmau  Merswine,  sime  ^seilen,  in heime-  \- 
licheit  harabe  sctireip ;  und  mich  in  dem,  das  es  so  gar  richtikhche 
und  einTaltikliche  mit  kurtzen  wortten  zuging  und  verendi^el 
wart  nne  aller  leige  jxespan  und  liindemisse,  zu  stunl  du  sie 
nuwenl  darumb  redende  wurdcnl  und  man  sie  verhören  wulU'- 
und  ist  zu  ^oubende,  das  die  heilige  drivaltikeit  das  weltliche  i 
voig  darinne  gomeinL  habe,  umb  das  es  sol  sin  ein  hus  der  flucht, 
das  es  ouch  denne  si  aller  rneo^eliches  get'iig,  ob  ieraaniie  die 
gnode  wurde  von  ritteni  oder  von  knechten  oder  von  andern 
erbern  bürgern,  das  sie  ir  leben  gerne  bessern  woltent  und  die 
weit  lliehen,  das  daniie  ire  nalure  deste  myure  ersi;hrei?ken  und  ■■' 
^i\\\i\\i'\\  d'ii'ITc  ijdci'  wiilei'qui'llc  haben  ah  zu  vil  stnmgheil  uiui 
verworllcnhcit,  und  es  in  nucli  deste  ziinüliclKT  sigj^c  vor  der 
weite,  (liis  CS  in  die  weit  dcsti'  ininrc  verkeren  muge,  und  nm  h 
keim:  ^ehani  ilni'IVcnt  liahen,  um!)  das  es  ist  ein  endelicher  eiliclu-r 
Ici.izen  nrdori,  .üestilTtct  ulVe  rittersi'iiailt,  in  dun  vil  WDlgebunuT  - 
liniiiimer  (tnrlolicher  liiiiden'  v<mi  erbenue  ge-iiehle  von  iilter  liar 
.Lieweseii  sini  und  noch  ist.  w;nme  der  vnrgenante  H  itltiuiii 
Mcrswin  und  sin  liBimelitlier  geselle  in  i'liiirliiudt.  'iii;  lielien  l'üIIt^ 
iViiiidi'  uiul  biilltcTc.  lind  nucli  aridiTe  erbere  |iersonen,  die  in  ilcii 
/Wim  desselben  huses  -ewiilti;.;  WOfcnt  und  an  in  slundt  und  t-  ■ 
mit  Iruwen  ineindeut,  die  beLlciid  uIh"  ^ar  weni^  niynnen  zu  dfii 
|ieisoneM  in  samte  .lnbiins  nrden  iiMd  misse  viijleiit  in  sn  ümsse- 
liehr  an  iime  wandele  iiinl  \\ureiil,  in  also  jiar  widdcr/eme  in 
iiTiie  siTiiir.  <la- -ie  da<  vesteklielir   in  shb  satlcnl  imd   oueb  ■jeiil/- 


r\* 


171 

liehe  meindent:  ehe  sie  iren  willen  iemer  darin  woltent  gegeben, 

das  der  Grünewert  den  Johanseren  wurde,  so  woltent  sie  e 

vil    lieber  erwelen,    das    er   verbrante.     in   derselben   meinunge 

woltent  sie  ouch  vil  ziles  nie  keine  rede  von  in  darumb  hören. 

ö  aber  die  almeehtige  ewige  drivaltikeit  meinde  alleine  die  Johanser 

und  wolte  sie  do  haben  für  alle  andere,  das  in  billiche  ein  grosser 

trost  und  ein  dangneme  gobe  von  gotte  sol  sin,  die  sie  binde  zu 

grosser  mynnen,   das   sy   den  Grünenwert   ewikliche  in  deste 

grössern  eren  haltend  mit   erberen   personen   und   mit  eime  er- 

10  hohen  löbehchen  gottesdienste.    us  sollicher  grosser  fürsiechtikeit 

and  ouch  us  rote  der  übernatürlichen  heimelicheu  fründe  gottes  in  Ober- 
landt,   het  der   liebe  stiü'ter   Rülman  Merswin  dem   ordene 

das  hus  zu   dem  Grünenwerde   ufTgegeben  in  gegen wertikeit 

des  entwürdigen  geistlichen  Herren,  brnder  C Unrates  vonBruns- 

15  berg  meister  in  tütschen  landen,  der  es  von  ime  enpfmg  und 

ufTnam  des  sunnentages  dem  man  sprichet  Judica,  scilicet  decimo 

kalendas  aprilis,  in  dem  jore  do   man  zalte  von  gottes  geburte 

dritzehenhundert  sybentzich  und  ein  iore. 


1372 
märz  23 


Das  sechste  capitel  seit  von  der  gnoden  u n d  <?•  Äaj»i<«i 
io  gunste  des  obersten  meisters,  und  ist  ouch  der 
gantzeb rieft' mit  aller  beredung e,  wieder  orden  das 
hus  ewikliche  halten  sol  in  hanthabunge  drier  welt- 
licher pfleger,  den  es  bevolhen  ist  und  denselben 
brieff  in  henden  haut. 
i5  Der  vorgenante  bruder  Cünradt  von  Brunsberg  donoch 

so  vil  mynnen  zu  dem  Grünen  wer  de  gewan,  das  er  sin 
wonunge  dorinne  erwelete  und  ime  vaste  zu  helile  kam  und  es 
gar  getruweliche  versorgete  und  grösliche  stürete  an  liplicher 
notdurfll  und  gap  ouch  dem  egenannten  Rülman  Merswin 
Jo  einen  brieff  widderumb  under  sins  priorates  ingesigel  und  under 
etteliciier  pflegere  und  hüsere  ingesigel  in  der  oberen  palien,  wie 
sich  der  orden  verbunden  het  dis  hus  ewikUche  zu  haltende,  und 
mit  sundern  vürwortten,  das  es  sol  sin  ein  hus  der  lluclit  alse 
dovor  bescheiden  ist,  wie  es  got  gemeinet  het.     zu  demselben 


2  M>  -  erwden  J  »ij  tcclten  e  ei'wden  D        4  darumh  von  in  E         11  ursprQng- 
lich  konnte  gestanden  haben    und  ouch   um  rote  der  fründe  tjctfes         1'  do  man 

JJ8  vgl.  170'16,  169*7. 


artikule  nuch  der  Hebe  stifUer  Riilman  Mcrsuin  us  gütteiicher 
oilenborunge  und  von  insprechende  des  heUigen  geistes  allermGist 
fliK3P8  liette,  wie  er  wol  versorget  wurde,  das  er  niemer  abe- 
ginge;  darumb  so  sint  drie  weltliche  leyen  darüber  zii  pfleger 
gesi'tzet,  die  denselben  brieiT  in  henden  hanl,  die  i'uch  alleweget  ' 
jieursosset  si^lent  werden,  alse  dicke  ir  einre  stirbet,  durub  das 
sie  dozi'i  warnemment  mit  üissiger  hüte  und  versorgeiit  by  de» 
peilen,  die  darüber  gemacht  sint,  das  die  artickel  sjehalten  werdeni 
und  der  briell'  ewiküclie  in  allen  sinen  kretlten  blibe,  dei-  eigent- 
lidif  nnd  gantz  vim  worte  zi"!  worte  ua  dem  besigelten  brielle  " 
ge^hnben  i-^U  alsu^  apre  liendo 

WirbrnilerCimratv  nBrunapei^saiitJobans  irdens  des  heiligen  spitals 
T  n  Jherusakin  nieibter  in  allen  tuschen  landen  tniit  kont  allen  den,  die 
disen  brief  sehPDt  oder  h  lent  lesen  <]az  mr  ange'^eheii  hant  siinder  frnnt- 
Sihaft  hebe  nnd  begirde  sj  der    |  erber  wolbescheiden  man  Ki'il  man  Mer-  li 

V  1 D  burger  zu  btraf bürg  dem  gakn  gotte  nnd  dem  gaten  lierren  saot 
Jibause  nnd  miTem  orden  en  uget  bat  nnd  daicb  sinre  sinre  rorden  and 
sinre  uoLhlLnramen  seien  hede^  willen  Interliche  and  unveltekliclie  dnrcb  ^  [ 
g< t  geben  hat  das  l1  ister  nnd  aar  has  za  dem  Grtinenwerde,  gelten bi 
Strazbnrg  ussewendicii  der  mnren  mit  kirchen,  buseni  garten  nnd  allem  i 
begnlTe  und  lugeborden  und  ch  fünfzig  pbnnt  jerliches  geltos  Strasburger 
pb  nmnge  d  mitte  er  das  \  i^  nante  Hoster  und*,  hns  gestiftet  nnde  gem- 
l'-nft  )nt  als  1  t>  *'  b  inbilit  uni  d  n  t  wi  uii  ernie  orden  lüitsin- 
f.  II  le  uiile  mit  K  eiid    d    e  \eKli  lieii  t,ebilt  n  »erd       und  umli  da?,  sinre 

I  itn  m  ji  un^e  \  llet  n  n  riie  geutzlithe  und  d/  c  thrher  lieiist,  lob     anii  ; 
(ip  le  te  1  lliklii-hei  /unemnendL    \    ■^.o  sint  wir  mit  ime  uberein  knmmeii 
Irr    )    l1  ^    ein  btiitn  p  intin  i  n  I  art  keleii    die  \\i    cb  gelobont  for  uns 

I  I  in  ei  1  Ik  inmene  I  iiteii  truwen  i  lli  liebe  /i  vollefurende  umi 
1 !     r>  r    I    nUl     u  balt(.mlt 

It      e    t       laz    I  r  ^urg  nnil  Rnlem  tu  Mei'.Min    her  II  ei  ntzp-  .^ 

II  11  U  i  I  ui  II  hin  MersHin  li  r  /u  im  darzu  g"ni>nimfii 
I  I  k  1  t  II  iit  lern  \  rg  nuit<n  hu  c  gttruHelicbe  leroten  un<l 
I   1   11  11     1    il     I II  per  lev  biii  i  al-t     «elre  kuiutur    desselben  buses 

I  r         ti  n    I  Ml    I  i  n   ilkn  luiiltrn  uii  1  meiatervchtfte  des  (irdens  ''eb 

I  1  i  I  u  Nu  t    )  I  lij^i  t  od  r  lis  bn'ies  gut     1/  es  nu  het  oder  bernwii    : 

M  1    n  I    lg    iiiMi  imet    \       r  K  nait  1  (  1  1   In  i  r  n    li  kein  meist^r- 

!    I      I        M-i  1     n  ei      iln      i     ni     it     I  r )i  rn  U  kammeiit.  snil,.m 


kein  des  huses  eigen,  dz  es  na  het  oder  hernoch  gewinnen  mag,  nüt  ver- 
setzen, yerkumberen,  verköffen  oder  verenderen  one  der  vorgenanten  drier 
phleger  ond  ir  nocfakomen  gonst,  wissende  and  willen ;  wer  öch,  dz  keinre- 
hande  jding  hiewider  beschehe,  das  sei  kreftelos  sin  and  keine  kraft  haben. 

5  derselbe  kometore,  der  des  hases  gut  innimmet,  sol  öch  alle  jor  vor  den  vor- 
genanten drien  phlegereu  and  vor  den  brdderen  rechenange  tun  and  gentzliche 
bewisen  alles  daz,  dz  er  ingenommen  and  asgegeben  het  von  desselben  huses 
güteren ;  und  wenne  men  5ch  entfande  und  gewar  wurde,  dz  er  unendeliche 
mit  des  huses  guteren  umbe  gegangen  were  oder  dz  hus  zu  schaden  brecht 

0  hatte,  den  sol  die  meisterschaft  noch  des  Ordens  gewonheit  darumbe  stroffen 
und  och  denne  darvon  tun  und  es  eime  anderen  befelhen  mit  rote  der  bru- 
deren  desselben  huses  zu  dem  Grunenwerde,  dersy  duncket  der  nutzeste 
und  der  wegeste  sin  bi  irme  orden  und  bi  irrem  crutze  und  uf  ire  couciencie, 
wo  SU  in  vindent  in  demselben  huso  oder  uswendich  in  eime  anderen  huse. 

5  Wer  es  och,  daz  got  eime  weltlichen  manne  die  gnode  gebe,  er  were 

ritter  oder  kneht,  phaffe  oder  leyge,  dz  er  sin  loben  besseren  wollte  und  in 
demselben  huse  begerte  ze  wonende  bi  den  brnderen,  welre  denne  die  vor- 
genanten drie  phleger  duhte,  daz  es  demselben  huse  gegen  gotte  nutze  were 
bi  irme  eyde,  den  sal  man  do  halten  zu  dische  und  zu  bette  alse  einen  bruder 

;o  of  eine  zyt  in  zu  versuchende,  obe  er  dem  huse  fdgliche  sige  oder  nüt,  oder 
sinen  lebetagen,  obe  es  sygdt  duncket;  doch  sol  er  dem  huse  alse  vil  geben, 
daz  men  in  one  schaden  halten  möge,  und  welre  weltliche  man  willen  bette 
sinen  lebetagen  do  zu  wonende,  den  sol  men  verbinden  mit  briefen  orden- 
liche und  bescheidenliche  zu  lebende  und  vor  dem  ordene  und  dem  kometure, 

5  der  ein  oberster  des  huses  ist,  reht  zu  gebende  und  zu  nemmende  von  allen 
eachen  alse  ein  bruder.  und  welre  weltliche  man  iemer  darkeme,  er  were 
phaffe  oder  leyge,  der  dem  kometure  und  dem  meisten  teile  der  brüdere 
desselben  hases  misseviele  und  unfuglich  were,  so  soltent  sü  es  den  vorgenanten 
drien  phlegeren  oder  iren  nochkomen  sagen,  und  die  soltent  denne  schuldich 

0  sin,  dz  sü  in  heissent  enweg  gon. 

Bian  sol  öch  keinen  bruder  noch  leygen  entphohen  in  dz  vorgenant  hus, 
er  sige  danne  zwentzig  jor  alt  oder  mer. 

Wanne  och  wir  gemanet  wurdent  von  den  vorgenanten  drien  phlegeren 
oder  von  dem  merren  teil,  so  söllent  wir  dargeben  alse  manigen  priester 

5  nnsers  ordens,  alse  sü  begerent  und  daz  hus  erziehen  mag  und  nütme,  welle 
sü  wellent,  der  es  ehte  gerne  tut  und  minne  darzu  het  und  och  nüt  kometure 
noch  priol  enist  oder  ein  anbahtman,  an  dem  ein  hus  gentzliche  stot. 

Und  söllent  öch  wir  noch  unser  nochkomen  derkeinen  niemer  dannan 
geschicken  über  der  drier  phleger  oder  der  merre  teil  wissende  und  wille. 

0  Were  es  aber,  daz  ir  keinre  missetete  wider  sinen  orden  in  welen  weg 

dz  were,  den  sol  und  mag  ein  meisterschaft  in  demselben  huse  stroffen  und 
besseren  noch  des  ordens  reht  und  gewonheit. 

Were  es  öch,  daz  sich  kein  bruder  alse  vaste  vergesse  und  verschultete, 
daz  es  dem  orden  nüt  füglich  were,  daz  er  do  verbliben  solte,  den  mag  ein 

-  10  nieisterschaf ! 


inetKUrscliaft  daaoaD  scbickeu  nnd  einen  anduren  brador  an  des  stat  wider 
schicken,  den  die  vot^enanten  drie  pllcger  oder  der  meire  teil  begerent  oud 
der  es  von  minnen  gerne  tiin  wil. 

Wir  enwellent  ocli  mit.  daz  kein  Bruder  des  ordens  daz  voi^nnant  im» 
in  kwnem  weg  mit  keimehande  gastunge  bekiimbere  oder  naioüasig  macli*   • 
nber  iren  gi'itea  willen ;  welich  hrüder  i'icb  dz  frereliche  überginge  und  diu 
und  unsem  nachkommen  oder  sime  kometare  verkündet  wurde,  den  sollent 
wir  oder  sin  kumeture  darambe  strotVen  noch  des  ordens  rebt 

Ks  sol  Bocb  wir  noch  unsere  noihkommrme  noch  kein  Dieistenrtaafi 
noch  der  tirden  keinen  »fsatz  uf  daz  vorgeiiant  Uns  legen  noch  setzten  tn  u 
keinem  we^;  were  es  och,  daz  der  orden  einen  ufsatz  uf  alle  hnser  tüle» 
müsie  von  des  bobcstes  oder  des  keisers  gebot,  noch  dnnue  sollen  wirof  du 
vorgenant  bas  mit  legen  noch  setzen. 

Och  sol  daz  Torgenant  bus  jerlich  ze  respons  geben  ober  nier  sechs 
golden  und  nüt  me.  und  s.Mlent  och  dz  furbasaer  mit  besweren  mit  keime  i: 
respons. 

Wer  es  üch,  duz  got  mit  welle,  daz  wir  oder  unse  nochkommen  oder 
keinrQ  unsers  ordens  brüder  dirre  vorgenanten  stucke  and  artikele  iemer  keis 
gbh        dbgg        Id  g        t     pfleg      d     ire  nocbkomene 

wrtwdt       nd        doddmrrtl  nnd      n  nianent  eineD  '. 
mt        dda  nitndmh         t  1er  schaffen,  du 

diigbs.twdiu  m  man  d  darnoch  ge  d  dete  er  das  nül, 
s(  inng  nt         b     t,  n      d      kund  n  etm   k  m  t  D  rolt7.hein  nnd 

1         n         Iffd  tihtrh  Idrton  w^rde  iu 

d    i  I      t  t  1  t  d        irgenanten  drie  : 

Ifit'i  tld  Ik  dl    Iff  re  aiiegriffen  di.^ 

1  illl^tl  d  t,tlig  hiVent.  die  mit 

It       t       tgltJ  Itm       g         g       It  und  die  liatieu 

i  ^       It    1      I     g         t      d      d     b    ste  und  der  ar- 

klJII  g  fctllbrtdder  gekeret  were,  " 

11  I  hk  m         d  d      b      ir  mit  schirmen 

K  bll  Itd  I  nmhtt         bebeston.  kel- 

I      k  I    k  I        g      1    1       d  Itl  che.   ketn  lani- 

t     I     1  It        I   1,  It     1     ^         h    t    t  tte    d     1    ides.  wanne  uir 

I  IUI  Itd  I  d       tte  wir  oder  un^nr  8 

hk  I  t         1         I    ü  dl    rnoL'h  in  keinen 

II    (,        J  J  1    d      b     b  ht  Uent  die  vnrge- 

1      )ll         1  (,        *■     I  '     •>  <i  wider  (.'cbetnlic 

t  t  I    II     1         t       I  1  b       >"    «Q  hetteni. 

I    d  I    1       i        I H  g  b    g  t  llent  die  under>-ii  " 

I  I       t  t  k  Im  b       ne  .-yde.  der  su 

I       k       1      1  I  I       1      d  genanten  iwew 

I  I  1  II.  I  tk     d     t      I   llg       den  einen  dirlen 

)  I  11  t         1  1      ter  ist  desselben 

i  t   I  t  ili  IL  dirtcn  pflrger  ; 


175* 

erkiesen;  und  welen  danne  die  Torgenanteu  pfleger  oder  der  merre  teil  ander  in 
bi  irme  eyde,  alse  dovor  geschriben  ist,  einhellekliche  erkiesent,  der  sol  mit 
den  vorgenanten  zweygen  pflegeren  des  huses  pfleger  sin  und  dem  sol  men 
och  danne  yerbanden  sin  alle  die  stucken  und  punten,  die  dovor  geschriben 
sint,  veste  und  stete  zu  haltende  one  alle  geverde.  und  alle  disse  vorgeschri- 
benen  stucke  und  punten  gelobent  wir  bi  guten  truwen  für  uns  und  für  alle 
unser  nochkommene  ewekliche,  veste/  stete  und  unzerbrochenlich  zu  haltende, 
und  heissent  och  und  gebietent  allen  pflegeren  und  bruderon  unsers  Ordens, 
die  nu  sint  oder  hernoch  kommen  soUeut,  bi  der  tugent  und  kraft  der  heiligen 
gehorsamkoit,  daz  sü  alle  stucke,  punten  und  artikele,  die  hievor  stont  ge- 
schriben, veste  und  stete  haltent  und  dowider  sich  nüt  setzent  noch  tünt  in 
keinem  weg,  heimelich  noch  offenliche,  mit  werten  noch  mit  werken,  by  in 
selber  oder  ieman  anders  von  iren  wegen  one  alle  geverde. 

Und  zu  Urkunde  aller  dirre  vorgeschribon  dinge,  daz  die  veste,  stette 
unde  unverbrochen  blibent,  so  haut  wir  der  egcnante  brnder  Günratvon 
Brunsperg,  meister,  unsers  pnorates  ingesigel und  och  diso  nochgeschriben 
cometure,  pfleger  und  bruder,  mit  der  rote  wir  och  alle  die, ding  geton  hant: 
Friderich  von  Zolre  zu  Yilingeu,  Wernher  von  Eptingen  zu 
Basele,  Wilhelm  von  Girsperg  züColmar,  Johans  von  Gra- 
stein  zu  Doroltzhein,  Cünrat  von  Sulzmatte  zu  Sultze,  Wern- 
her Schurer  zä  Sletstat,  commenture,  ir  ingesigel  und  och  die  nachge- 
schribene  convente  der  huser  zu  Doroltzheim,  zu  Colmar,  zu  Binowe 
und  zu  Sletstat  derselben  convent  und  huser  ingesigel  gehenket  an  disen  brief. 

Wir  die  vprgenanten  pflegere,  b rudere  und  convent  bekennent,  daz 
alle  dise  vorgenanten  ding  mit  unsrem  rote,  gunst  und  willen  beschehen 
sint  und  verbinden  uns  och  und  gelobent  für  uns  und  unsere  nochkommen 
und  den  orden  gemeinlich  alle  dise  vorgenanten  ding  veste  und  stete  zu 
haltende  und  niemer  dowider  zu  tünde  one  geverde. 

Und  des  zu  Urkunde,  so  hant  wir  die  vorgenanten  pfleger  unser  eigen 
ingesigel,  und  wir  die  vorgenanten  convent  der  vorgenanten  huser  ingesigel 
zu  des  egenanten  unsers  herren  des  meisters  priorates  ingesigel  gehenket 
an  dessen  brief,  der  geben  wart  uf  den  zwelften  abent  nach  dem  heiligen 
wienacht  tag,  do  man  zalte  von  gottes  gehurt  druzehen  hundert  sibentzig 
and  ein  jar. 

Item  das  sibende  capitel  ist  ein  abegeschrifft  in  7.Äa/i 
tCitsche  geschriben  von  der  bliginen  bullen,  domitte 
der  aller  oberste  meister   zu  Rodeiz   über  mer   den 
vorgenanten  brieff  und  alle  beredunge  bestetiget  het. 


35   In    der    folgenden    1.    Spalte    ist    dor    Text    der    Urkunde    nach    Schmidt, 

Qottesfr.  46  wiedergegeben,    in    der   2.  nach  dem    lateinischen  Original  (Bezirksarch. 

Straßbarg  H  1853  [4]).   Bleibnlle  an  Hanfschnnr.    Auf  dem  Umbug  links :  Carfreejta; 

rechts :  Begfistrajta,     Auf  der  RGckselte  befindet  sich  keine  von  NvL.  geschriebene 

Dgabe.         35/36  m  tütaehe  geschriben  fehlt  E,  ¥. 


Kunt  si  allen  den,  die  disse  ge^ii- 
wertige  confirmacie  werdent  sehende 
uder  hörende,  das  ans  bnlder  Bay- 
mnnt  Berengarii,  von  gottus 
gnoden  ein  demütiger  nteister  ond 
ein  hfltter  der  armen  cristt  des  hei- 
ligen spitals  saiK-te  Johaiis  zii  Jhe- 
ras&Iem,  und  unserme  i^onveate  zn 
R  0  d  ei s  ist  nuwelingen  fiirgeleit  und 
hant  gehi'iri>t,  wie  der  besclieidene 
man  Eiilmaii  Merswin.  ein  bur- 
ger  zu  Strolibnrg,  babe  gegeben 
nnserme  ordeoe  onikticbo  das  has 
and  die  tirebe  zd  dem  Gninen- 
werde.  das  durcb  in  von  nuweme 
off  gostifftet  ist  uml  gelten  in  der 
vorstatzii  Stroßbiirg,  mit  sichern 
gnttem  nnd  giilten,  die  z&  demselben 
hase  und  kirche  wartent  und  geViront, 
zi'i  sinre  tind  zu  sinre  vorderen  sele 
heil  mit  versicherten  wisen.  gedingen 
und  beredungen,  und  darnmb  sü  sint 
wir  gebetten,  das  wir  die  vorgenante 
gift  daiigbpvlirli  li,ilH.Tit  iin.l  »nls»- 

fellekli.':.'      ■  ■..  I,  ■■■■-  !■■■     .<  .:■  :■ 


i>rdi-iii;vi.u  Kulm^iniic  : 
iiauii.'iitbfLtTtriiit  luriln-litiT 


1..1    I 


.d].:i 


geivtreste  und  biipiiolisEi'.  iirici  ivir 
gabietent  alh'ii  unseren  bniderpn,  den 
gegenwcTligeu  und  liiMi  kiinlTtigeii, 
von  warf  states,  griites  oder  nanrniejis 
Sil!  sint,  bj  di-r  tujrtüil  und  kralTt  der 
belügen  geliorsamc  vestel(iii-h>.'  und 
tnie.-tlifbe,  das  siewiiider  di^^'t  vn- 


Nüvcrint  universi  et  singuti  pre- 
sentem  confinnationein  visnri  et  »ndi- 
turi,  quod  cum  ad  andientiam  mtsln 
fratris  Itaymundi  Berengarii, 
dei  gratia  sacre  domos  hoapitalts  i 
santi  Jobannis  Jerosolimitani  m^- 
ätri  bumiüs  et  panperum  Christi  cii- 
stodis,  etnostri  conventos  Bodi  do- 
mos eiusdem  noviter  sit  perductom, 
quoniam  discretus  vir  Bnlmann)  li 
Merswin  civis  Argentineusis 
doTDum  CTim  pcclesia  dicta  sü  dem 
Grüen  Wert[!]  per  eum  de  nom 
fundatam  sitam  iu  bnrgo  civitatis 
Ärgentinensis  cum  certis  bonis  ) 
et  redditibns  ad  ipsam  domom  et  et- 
ulesiam  spectantjbus  et  pertinentibus 
in  sae  et  parentnm  snornm  animarom 
snlntaro  lemediun)  cortJs  modo ionoi 
pactis  et  uondiciouibns  dicte  nostr«  : 
domui  et  religioni  per  imperpetaun 
contalit  et  donavit  sicque  uobis  prop- 
torea  supplicatum,  ut  donacionem  pre- 
dlrtam  bab'^rcdignaremur  gratamflT 

;  - :    1  ■■:i;i!i  gratia  fotilirniare; 

1  !■!■■■  :itioaem  harn-  audisn- 

ij    ■      lnDiitionem  premissnui 

'  11' i.imbabentes  et  gratam 

I    I  ■■  :  liiKitu  consilio  eam  aui-  ■■ 

iiiit.i-i-  ].^  ■iiiiiuTn  si  et  prout  '/t  '■if 
uiuJu  furma  pactis  et  condiciimJbiif 
quibiis  pernorainatuui  Külinauum 
fu(t-,i  Pst  (liete  uustce  domui  et  reli- 
gioni et  i-uii'-össa  de  nostra  curta 
scieutia  et  speciali  gratia  perpi'tiii:! 
teuiporibus  ralifii'amns,  e midi iga ran.-, 
apnibamiis  ai'  etiam  cunfirmamiii 
mandantp?s  iiniversis  et  singulis;  frJ- 
tribiis  dnmus  nnstre  prespulibu*  ei  ' 
fiituris  ciiinscunque  statns.  gradus 
\A  wnililionis  extiterinl  sub  vinnit 
sante  iibedientie  firmitor  et  districte, 
ne  ninlra  ]irfdictas  nostras  ratifica- 
tioni'Di.  einologati*inemapröbiitioneni  ''■ 


177* 

genante  unser  confinnacie  and  be-  |  et  confirmationem  aliqaatenns  facera 
stetignnge  in  keinre  wise  niemer  ge-  vel  venire  presamat,  qninymo  effica- 
tdnt  oder  sich  vermessent  dowidder  citer  perpetno  eas  servent  In  caios 
zn  tdnde,  sonder  sy  sillent  sy  ewik-     rey  testimoninm  bulla  nostra  comu- 

:>   liehe  in  krefiften  halten,   dirre  dinge      nys  plcnnbea  presentibas  est  appensa. 
zä  gezngnisse  so  ist  unsere  gemeine  j  I^ata  Bodi  dievicesimameosisocto* 
bügine  bulle  an  dissen  gegenwertigen  i  bris  anno  incarnationis  domini  mil-      1371 
brieff  gehencket.    Gegeben  zu  Ro-      lesimo  trecentesimo  septuagesimo.        ckt.  20 
d  e  i  s  des  zwentzigesten  tages  in  dem 

0  anderen  herfostmonate,  dem  man  spri* 
chet  october,  in  dem  jore  do  man 
zalte  Ton  gottes  geburte  dritzehen- 
hundert  und  sibentzich  jare. 

Item  das  achteste  capitel  seit  von  den  werken  desd^JEa/irM 

>  heiligen  geistes  und  ist  die  offenborunge  mit  den  grossen 
mirakeln,  durch  die  derchore,  die  sacristige  und  der 
nuwe  gebu  gebuwen  und  gewihet  wart. 

Disen  vorgeschribenen  brieff  besinnete  und  besorgete  usser 
Rülman  Merswines,  des  Stifters,  begirde  und  meinunge  der 

>  vorgenante  bruder  Cünradt  von  Brunsberg,  meisten  in 
tütschen  landen,  selber  mit  grosser  fürsiechtikeit  und  mit  langeme 
furrote  gar  wolbedochtikliche  ufT  das  aller  götlieheste  und  blipli- 
cheste,  do  in  duchte  in  aller  siner  bescheidenheit,  das  es  nüt 

were  widder  gotliche   ere  und    widder    gesetzede    des    ordens. 

'^  Donoch  sendete  der  stiffter  Rülman  Merswin  des  selben brieffes ein abe- 
geschrifft  den  lieben  gottesfrunden  in  Oberlant,  die  hienoch  geschriben 
stont  in  dem  bdche  von  den  fünff  mannen,  nnder  den  ir  einre  ein  gross 
raeister  pfaffe  und  ioriste  gewesen  ist,  one  der  rot  Bülmann  Merswin 
keinre  leige  sache  gerne  enden  wolie ;  und  die  schribent  ime  herwiderumbot 

0  das  in  die  artikelo  des  brieffes  alle  gar  wol  gevielent  und  sie  gar  gottelich 
und  gerecht  dachte ;  daruff  sie  euch  zu  Urkunde  dieselbe  abegeschrifft  bi  in 
behübent  zu  eime  ewigen  memoriale.  Us  sollicher  flissiger  fiirsieehtikeit 
und  mit  rote  der  erlüchteten  gottes  friinde  und  ettelicher  gelerter  Juristen 
nnder  in,  sint  die  artikele  des  brielTes  alle  in  sollicher  bescheiden- 

5  heil  begriHen  und  gemacht,  :das  sie  der  orden  mit  guter  con- 

sciencioi  wol  halten  mag  one  alle  übertrettunge  irre  regelen  und 

Statuten.  Unde  die  drie  weitlichen  ptlegere  mngeut  euch  selber  wol  mercken 
und  verstau  by  den  grossen  gotteUchen  offenborungen  und  mirakeln  dis 
gegenwertigen  aclitcston  capitels,  das  in  die  heilige  drivaltikeit,  die  liebe 


8  BO  gfjf^ben  E        14  die  Überschrift  lautot«  urrtprQnglicb :  seit  trie  der  chfft'e, . . 
Sri  Ysl-  134*21  fr.         S9  acht$st€n  fehlt  £. 

Ricaer  II,  VI 


!7BT 

müt«r  ^ottes  nml  ülledisse  noch ges ch ri benen  gnixlnn rieben  patronen  taaiir 
zwifel  nol  gedanken  nnd  gelonen  im'igent  and  wellent,  nbe  sie  keiore  leie 
knmber  und  unmüsse  iemer  gchabent  von  iros  gotzhoäes  ivi>gen  zd  dem 
Grünpii  werde,  es  zQ  hanthabande  und  zu  bewsrende  in  aller  ^i>tteli«hM 
ordeoDUge  and  nieynange  der  lieben  erlüchteten  gott^  frunde  und  stiffter»  < 
noch  lote  und  sage  dez  vorgcnanten  briefiäs.  den  sie  uach  ewikliche  in  allen 
einen  krefften  unverändert  in  irre  gewalC  behaben  and  bebütten  Eollent  ui 
onch  flissekliche  warnemen,  das  die  artikele  alle  gehalten  werdent  bi  den 
penen,  die  darüber  gemacht  sint  and  in  demselben  bricff  geschriben  stonL 
das  ist  denne  ein  veste  fandament  and  gäte  stüre  demselben  hase.  das  ts  ;* 
gar  grüslich  mag  werden  zünemende  an  erberen  götlicben  personen  und  an 
aller  genubtsame  lipliche  und  geistliche,  wanne  was  ia  demselben  huse 
zu  deme  Grünenwerde  by  des  lieben  stilTters  Rülinaii  Mer- 
swins  zitten  ie  wart  anegefangen  da-*  ist  ale^ament  kommen  u> 
rote  d  z  he  I  gen  ge  tes  w  o  wurdent  ou  h  e  tel  che  d  d  u 
der  tand  und  e  hebe  d  e  g  n  e  de  noch  haben  w 
das  g  n  ouch  7  tunt  w  dder  a  e  nd  he  e  k  nen  f  gan 
und  SU  de  0  wa      e    comra  nin  e  un    d  e  b  udere      d 

e  ben  z    en  gar  gro  lic  e  da  ufT  getr  bben    da       e  gerne  e  n 
seh  nen  he  hcl  en  ge  v  Ibe  en    ho    he  en    gehebe    de    s  e  ou  h 

n  d  m      hov      a    k     t!  che  ane    nßpn      nd  da    fundamen  e  e 


IM  P        d 

d  d  e     c  n  u  d 

bleouJar  nebe 

e  n  d 

a  d 


RülmanMerswin  gedochte  ouch  einen  nuwen  sin.  disse  beiden 
sinne  ert>.nttent  sie  dem  lieben  gottesfronde  in  Öberlant  l)i  Ruprecht 
sime  diener;in  Totfrogender  wise,  weler  sinn  im  allerbast  geviele.  do  riet 
er  nnd.ojicii  SnprecXt  und  go][>en^  iren  willen  donn,  das  man  solte 

5  die  alte  kirche  Terandem  und  nmbeiceren.  des  wolte  aber  die  almecbtige 
ewige  drivahikeit  nnt,  alse  demselben  lieben  gottesfrdnde  In  Öberiant 
geoffenboret  wart  nff^  des  lieben  sancte  Jooobes  tag  in  dem  iore,  do  man 
zalte  von  gottes'  geborte  dritzehen  bundert  jor  and  siben  und  sybentzich  iore» 
dieselbe  offenboronge  er  ouch  berabe  scbreip  dem  vorgeDanten  Rülman 

0  Merswin,  Stifter  des  huses  zu  dem  Grünenwerde,  sime  beimelicben 

gesellen,  in  eime  brieffe,  der  onch  von  werte  zu  worte  eigenlicbe  nnd  gantz 

hienocb  geschriben   stet  und  denselben  ersten  rot  widermffet  und  alsus 

sprichet.  '      ' 

Es   folgt   der   Brief  Nr.  2  S.  77*   mit  folgefiden   Lesearten:    77*24   wart 

5  fehlt  D,  E  25  obe  dazjdaz  D  2o/26  also  - zitgonde  J also  wurden  mir  die  ougen 
Vfm  rechttr  müde  zugon  D,  E  27  wie  ich  1)  28  waz  gekleidet  D  32  also 
fehlt  D  33  oder]  und  D  wie  er  H  36  also  fehlt  D  daz  du  hinahe  -  37  hest 
fehlt  1),  fi  39  also  fehlt  D  78*1  nehentmuren  wöl  mag  brechen  D  2  ouch 
fehlt  D         10  machen- gademe]  bruchen  zu  einer  sacrastien  D     machen  z.  einer 

iO  sacr.  E  13  «o  fehlt  I)  20  gebüwe  sol  man  alles  miteinander  I>,  E  22  noch 
meJmeJ)  24  <io  fehlt  D,  E  25  do  fehlt  D  26  die  hie  in  der  zit . . .  uorent 
D.  E  29  gebutcen  fehlt  D,  E  33  ich  sol  nuzemol  I)  35  «ö  fehlt  D  86  die 
fehlt  D         87    nuwent   fohlt   D         39  vor   d.  herzen  fohlt  D,    E  41    nuweut 

fehlt  D         43   zu    fehlt  D     und   daz]  das  D         79*3    und   kämmet   fehlt   D,    E 

U  11  rehie  fehlt  D  12  wie  du  D,  E  \A  es  nu ]  es  V,  Y.  16  Bülman- 
2ö  frogete  fehlt  D,  K  31  doch  fehlt  D,  E  Geben  an  sant  Pet&rs  tag  m  dem 
iore  do  .man  zdlte  von  gottes  gebürte'  drüzehenhundert  sübentzig  und  süben 
ior  d;  E.     Darauf: 

Alsus  ist  die  alt  kirch  und  der  nuwe  chor  und  alle  ding 

>o  eigentlich  gemacht  und  geordent  nach  disem  briefe  recht  in  aller  wise, 

als  es  der  engel  von  der  heiigen  drivaltikeit  wegen  verkundteuii^  offenbarte 
dem  lieben  erlüchteten  gots  friinde  in  Öberlant,  wann  alleine  das  der 

heiigen  drivaltikeit  altar  an  siner  ersten  alten  stat  unverändert 
und  unveruckt  ist  stonde  blibeu  zu  disem  hindersten  nuwen  ge- 
'5  buwe  und  ouch  zu  dem  ersten,  do  die  alt  kirch  erhehert  und  ge- 
bessert wart;  das  wir  billich  von  gott  nemen  söllent,  das.  er  es 
durch  den  heiigen  geist  also  wiirckte  und  haben  wolt.  und  die 
überigen  altare,,  die  der  engel  dem  commentür  und  den  brüdem 
erloubte  zu  setzen  und  zu  wihen  nach  irem  willen,  do  stet  einer 


*.  '. .    )  > .    •     .  •      -*.     •      .  ••-^j         ... 

1   vgl.  Brief  1,  3,  13         7  vgl.  77*21  AT.         11  ouch  fehlt  D     eigenliche  u.  g, 
fehlt  1)  12  stotjist-  E        29  der  Brief  sowie  der  Schluß  des  8.  und  d«.s  ^ .  ^^- 

pitel  fehlt  bei  Schmidt        34  zu  -  36  erstem  fehlt  G. 


1S77 
juli  2!> 


180* 

in  dem  lUten  gebuw  ussewendig  zu  aller  nebsl  in  dem  chore. 
und  ist  gewibet  in  ere  des  heiligeo  criilzes  und  des  wirdi|:en 
lidens  unseps  hepren;  die  andern  zwen  altare  stont  in  dem  nuwen 
tiebuwe  ussewendig  vor  dem  chore.  und  der  eine  zu  der  rechleu 
silen,  als  man  zu  der  chorUiren  ingeU  ist  gewihet  in  ere  sant  i 
Jacobä  Zebedei,  sant  Peters,  sant  Paulas  und  aller  apost^  und 
der  lieben  saut  Marien  Magdalenen;  und  der  ander  altar  zu  der 
lincken  siten  nebent  der  chortilren  ist  gewihet  in  ere  der  eilff- 
tusenl  megde,  für  das  in  ir  capelle  wider  abgebrochen  wart,  und 
uuch  in  ere  sant  Kallierinen,  sant  Agnesen,  sant  Margredeo  und  vt 
aller  jungfrowen.  diser  nuwe  gebuw,  chor  und  kirehe,  die  sacra- 
BÜe,  unser  li^>en  irowen  altar  und  die  drie  überigen  alter  worden 
all  vollbracht  und  ouch  gewihet  in  der  vorgest;hribeoen  wbe  und 
verkCmdung  des  engeis  an  der  zweier  heiigen  uposlelntag  Simonis 

tSjs      und  Jude,   do  man   zaite   von   gottes  geburl  drizelienhundert  si-  '; 

'J.  SU    bentzig  und  echt  jore. 

Kapiid         Item  dis  |9.]   capittel   seit,  wenne  und  us   weler 
meinunge  der  spitai  gebuwen  und  gewihet  wart 

L'nd  nach  aller  diser  geschieht  (In  gesehach.  das  ein  erberer 
wt'lliidier  burgir  zu  Strasiiurg  sich  diT  weit  etLwas  abetet  und  - 
;.eriiil  vil  /.ü  den  Johanserii  wundein  utV  die  gnade,  als  der 
(inin'ewerdt  angesehen  und  geordent  ist  snliehen  menschen  /.ü 
eirn  lluchthuse  und  die  mittelliche  glicheit  des  lieben  sant  .lohans 
Ordens,  der  niemant  zu  strenge  noch  unerlich  ist,  er  sye  loch  in 
vva^  States  nder  adels  er  wolle,  das  bewegte  und  zooh  denselben  ' 
liurger  und  sin  dich  huKfrow,  das  si  beide  einhelliclieh  meinten 
ir  li'hi'Ti  y.ii  bi':^sern  und  der  weit  urloh  /.ii  ^jebende.  um!  solient 
i>u<:h  an.  ila^  der  orden  :.;e.-;[ifTtet  isL  ulI  die  werck  der  erberrade 
und  s|>illnk'  halten  snllcnl  in  allen  iren  i:onvcnlen,  wo  si  es  it- 
/liiieii  inögent,  darulT  oui-h  ir  reiiel  gebület  einem  icglichen  bn'tder,  ■■■ 
das  IT  Kflniwe  sye  sinen  lien-en  den  armen  siechen,  wann  c- 
diT  vierd  arljikel  isl.  ilen  alle  die  j^elohen  müssont,  die  siili  zii 
disem  heüüen  niden  verliinderit.  darus  fiewunnen  oueh  dieselben 
/.\\<-\  einte  rninne  und  i^inade  einen  .-^pittal  zu  machen  utT  di^er 
^niidenrichen  Imlstatl  ziun  Uriinenwerd   und   baten  den  com-   '■ 

::  ii».-<e<-^  hilxtt    I  11    iV's,;-  .fll»'   r,  i;.   'li   dem  Jm-e  ih  K  IT   .ii( 


mentür  imd  die  brüder  sovil  und  so  lange  mit  solichem  grossen 
fliß  und  ernst,  das  man  in  nit  versagen  künde,  man  mAst  irer 
minne  genäg  sin;  und  der  convent  enpfing  si  in  die  grosse  brü- 
dersehafil  mit  libe   und  gute,   das  si  uffopferten  gott  und  siner 

h  wirdigen  mäter  und  dem  lieben  sant  Johansen  lidderlieh  uß  der 
haut,  die  sehs  werek  der  erber mde  damit  zu  übende  und  arme 
dürfitigen  damit  zu  halten  und  zu  spisen  nach  des  Ordens  Sitten 
und  gewonheit;  und  gelobten  ouch  damit  luter  und  küsc^  zA  sin 
untz  in  iren  tot  und  all  beide  on  libes  erben  zi^  sterbende,  wann 

0  in  ouch  got  vormals  nie  kein  libes  frucht  verlihen  hett,  das  otieh 
die  bruder  aller  meist  darzü  zwang,  das  si  von  eonsciencie  irer 
minne  und  meinung  nit  gedorsten  widerston;  und  werent  sin  doch 
gar  vil  lieber  liddig  gewesen  von  Zufalles  wegen  frowen  personen, 
die  si  nit  gern  bi  in  betten  ufT  der  hofstat  wonende,    us  sollicher 

i&  begirden  vingent  dise  zwei  elüte  an  gott  zu  lobe  den  spittal  zu 
buwende  mit  stüre  und  hiliT  des  erwirdigen  geistlichen  herren 
bruder  Cünratz  von  Brunsberg,  meister  in  dütschen  landen 
do  vorgenant,  wann  er  ouch  groß  minn  dazu  hatt,  lunb  das  es 
ist  die  erst  und  öberst  sach,  damit  der  orden  in  dem  Ursprung  u^ 

to  dem  heiigen  geist  zu  Jherusalem  angehebt  und  gestifllet  wart. 
In  solicher  wise  wart  der  spittal  zum  Grünenwerd  gebuwen 
und  die  capell  gewihet  in  ere  des  heiigen  sacramentz  und  der 
lieben  frowen  sant  Elisabethen  von  Margburg  und  der 
heiigen  jungfrowen  sant  Marthen  und  aller  lieben  heiligen  des 

^ft  nechsten  tages  nach  dem  Palmtage,  videlicet  secundo  kalendas 
aprilis,  do  man  zait  von  gotts  gehurt  drizehenhundert  achtzig 
und  zwei  jore. 

Item   das   zehente   capittel  seit,    us  weler    mey-iö.Ä 
nunge  der  köstliche  lange  gang  umb  den  garten  und 
0  alle  die  anderen  lustlichen  gebuwe  gemacht  wurdent 

Nu  mercke  mengelich  und  nemme  mit  flisse  war,  wie  gar 
eriich  die  hochgelobete  drivaltikeit  den  Grünenwert  gezieret 
het  mit  dem  wol  geordenten  gebuwe  unde  dozü  grösliche  be* 
gobet  mit  göttelicher  gnoden  zu  eime  erberen  behutsamen  uffent- 


4  mH  fftite  E        6  9wedich§  damit  E        9  oR  beidt  fehlt  E    8twhend§] 
Uibmdi  E        19  die  oberste  E        22  und  ouch  m  ere  der  Kjm^gfr.  £        24  und 
-  •  l.  Ä.  E        26  m  dem  jm^  do  E    vgl.  lOnb«.        'i^  i^.  VY?>«.. 


192" 

halte  Kbes  und  seien  in  aller  notiiurlll,  wanne  der  liebe  sliftfr 
Rtjinian  Merswin  us  grosser  s'"')lte''*^'''er  mynnen  und  mei- 
nungen  den  boumgarten  zierle  und  machte  mit  dem  küstlichea 
nrgange  ufr  das  .aller  tröstlicheäte,  so  er  in  siner  sinnelitihkeil 
künde  erdencken.  mit  lustliehen  burnen  und  Wassergraben,  ilies-  ' 
sende  und  qwellende,  der  ein  teil  widder  verworlTen  wupdent,  mit 
natürlichen  badestubben  und  mil  alleme  anderme  gemache,  suro- 
merhuse,  slubben  und  kammeren,  do  sich  die  bnidere  inne  Tim- 
gent  ergetzen  und  ergun  unde  aller  irer  Upliphec  notdurlTt  pllegen 
one  schedeliehe  ■verbildunge  irre  fünll'  synne,  durch  das  ir  con-  u 
seiende  in  desto  mynre  erloube  und  gestalle  ussewendige  kurtze- 
wile  und  ergetzunge  zu  suchende;  wanne  er  bi  sinen  zitten  den 
brtideren  zii  dem  Grünenwerde  usser  grosser  naynnen  dicke 
emeitliche  geroten  het  mit  munde,  tmd  sin  heber  h^imelicber  geselk- 
iu  Öberlant  mit  vil  myiinesamer  briefe,  zii  einniiitikeit  und  zii  schu-  v. 
hende  alle  wibes  persunen  und  mit  stmderheit  niemer  usser  dem 
covente  zu  kommende  one  grosse  notdürftige  redeliche  sac-he 
oder  das  sie  gehorsame  darzü  twinge.  und  sie  totent  ouch  beide 
allen  iren  llis,  das  sie  gerne  erworben  hettent  von  der  meister- 
schalTt  des  ordens,  das  die  j>riester  zu  dem  Gninen wenie  ? 
soSlent  sin  verbündt;»  gewesen  inne  zu  lilibcnde:  do  bokante  die 
meislerschalVt,  das  as  nit  blii^litli  were  noch  mil  fHdden  ^fstmi 
iiiöchle,  man  werde  es  gröslirhe  beneidende  und  hindfn'edendc. 
da^;  man  iüiiiaii  zu  solichen  runderen  wisen  verbinde,  die  d(r 
nrdt'Ti  gi'nieinliclie  nit  enlliiiltel.  und  ist  gelossen  zii  eins  icur-  : 
lii-hcn  Lriidei-ö  beselieidcnheil  und  conscioncjie,  das  er  inne  bhlilir 
uor-li  dri'  liehen  ^oltcs  t'nuidt'  rot,  dor  meinuii'je  i>uch  mil  snnder- 
liril  ircwrsi'ri  i.-l,  lias  kein  prii'stcr  zfi  dem  üriincnwerde  luil 
/  ]  tDii'lf  >nl  liaifcn  mit  kfiiiru  zitlii.lien  dingen  niicli  mil  wt-ll- 
Üilieinc  gf:^<lu'll'edr.  das  sie  verljüdcn  rnnge  oder  in  ein  saiiie 
pJl^'ie  iisziiRonde  uiidor  da^  weltliche  volg;  ire  hertzen  und  alle 
Ire  sinne  siillent  allfine  hektimbcfL  sin  mit  dem  gutteliclien  am- 
liailit{',  iii<7.i[  sie  verordnet,  jiewiliet  und  sieunient  aint.  ouch  helle 
dersi'ihe  vurgenante  liebe  slilVliT  Külman  Merswin  so  vil 
■grosser  mynnen  zu  den  bn'idern,   das  in  duehle,   das   ire    gegen-   ; 


183f 

wertikeit  sinre  paturen  zu  lusüich  wer.e;  und  zwey  jorevor  sim^ 
tode  do  unterzoch  er  im  selber  den  lust  und  tet  sich  von  in  und 
buwete  ein  sunder  wönunge  nohe  by  der  kirchen,  durch  das  iechte 
er  de^te  faiihre  sache  hette  vü  harüs  zu  gonde  durch  messe  hö^ 
5  rendes  willen  und  indewendig  messe  gehören  möchte  nAdjß  tag 
und  nacht  stelikliche  alleine  darinne  bliben  möchte,  und  do  e^ 
sich  viertzehen  wachen  alsus  abgescheidenliche  darinne  geübete 
one  alle  ergelzunge  und  trost  der  bnidere  und  aller  menschen; 
(lo  wolte  er  den  bruderen  ouch  gerne  einikeit  und  abescheideh- 

0  heit  liehen,  das  sie  deste  me  mynne  gewinnent  inne  zu  blibende, 
und  berdfifti)  sie  ns  gOttelicher  offenbornDge  und  seile  in,  das  er.  von  gottQ 
darzü  betwangen  were,  das  er  in  sagen  müste,  also  das  er  ia,  demselben 
viertzehen  wachen  me  übernatiirlicher  grosser  fruidenriche  g'noden  and  tru? 
stes  befintliche  von  gotte  befinde,  wanne  er  vormoles  by  allen  sinen  ta^n 

5  ie  befant.  und  was  doch  wol  drissig  jor  ein  grosser  gnodenricher  erlüchteter 
mensche  gesin  alle  zyt  voll  friden  und  froiden,  mit  dem  got  vil  grosser  dber- 
natarlich  fromeder  wunder  wiirckete,  also  hienoch  geschriben  stot  etwas  von 
sime  lebende. 

Itemdis   [11.]   capittel  seit  von   der  gezugnüsso  \xi\diLKapi(4 

>o  bewerange  aller  der  vorgeschribenon  capittele,  die  do 
sagent,  wie  der  Grünenwerd  von  alter  ist  herkommen  und 
gestiftet  worden. 

Nu  ist  diß  von  der  bcwerang,  wie  derGrünewerdtin  allen  louflfen 
as  dem  aller  ersten  Ursprünge  von  alter  her  komen  ist,  als  hievor  geschriben 

!5  stat.  das  hantgeseitzwen  achtzig  jerige  priester  von  sant  Benedicten  orden, 
die  eltsten  and  die  erbersten,  die  bi  des  stiffters  Rülman  Merswins 
ziten  zu  Altdorf f  worent,  als  si  es  von  iren  vordem  horten,  and  darzü  haut 
onch  die  aller  ersten  priester  und  brüdere  von  sant  Johans  orden,  die  noch 
den  von  Altdorff  zu  dem  Grünenwerde  koment,  under  den  etlicher  von 

0  eim  leien  ufi  mit  dem  huse  zu  priesterlichem  ampt  und  zu  dem  orden  ge- 
zogen wart  und  eilff  jor  vorhin  uf  der  hofstatt  zum  Grünenwerde  ge* 
wesen  was  und  gewonet  hette,  e  der  Johanser  orden  darkam.  und  umb  das 
die  ere  gottes  and  sine  gnadenrichen  werck  und  der  gute  götlich  anefang 
der  erbem  gesellschafft  deste  minner  abgange  and  zerstört  werde  von  uusern 

s  nachkomen,  and  ouch  das  si  deste  me  minne  darzu  gewinnent  und  sich  der 
gnaden  dest  enpfenglicher  machent,  und  das  der  heiigen  hofstat  zum  Grü- 
nen wer  de  ewiglich  deste  me  eren  erbotten  werde  und  onch  das  der  gute 
gottes  and  ouch  siner  lieplichen  neigung,  die  er  zu  demselben  huse  hat, 
niemcr  vergessen  werde,  darumb  haut  dieselben  ersten  priester  von  sant 

ä  buwett  im  selber  D  echi£  fehlt  D  11  in,  er  wer  von  gotl  hezwutugen  D 
14  befintUehe  fehlt  D  19  Überschrift  nach  £  Diß  ust  von  dem  eilffUn,  ca- 
pädD         25  Tgl.  13*5        28  Tgl.  13*26         29  und  deren  !l)         V^4  darvitnb  %o^^ 


184» 

JobsttB  orden  die  gritlichoD  nrkande  and  Wortzeichen  und  all  die  tüolTe,  d^nil 
diti  haß  ernnwert  ffarden  Ist,  oucb  iti  diü  buch  gescbriben  eigeotlicb  aod  in 
all«r  ffiso,  als  äi  von  anegengi'  ^egenwnrticlich  dabi  worent  und  es  seilet 
sobüut,  merckten  nnd  ?ers_tundent,  nnd  tracb  dio  briefe  Seiten,  die  der  lietw 
»orgeDant  gotts  fnint  in  Oberlant  zu  manigen  ziten  herabe  gescbribeD  '• 
hatte  dsn  brädem  zu  tröste,  wann  er  behaute  Bülman  Merswin,  »neu 
beimlichcD  gesellen,  den  lieben  stiffter,  in  solicher  grosser  demütikeit.  das  *r 
im  nit  getruwete,  das  er  iemer  geseite  Toa  den  Russen  wundara  nnd  werctao, 
die  gott  darcb  si  beide  mit  dem  Gninenwerd  gewiirckl  bette,  die  doch  nit 
alle  gescbriben  sint.  nnd  hellent  die  wort  in  sinen  briefen,  wie  das  er  in  k 
grosser  Zuversicht  sye,  das  got  etwas  kiinfftigs  grosses  gnadenricbs  wertks 
wdrcken  wMte  mit  dem  Grünen  werde,  das  der  böse  geist  gern  hindert« 
mit  sinen  manigfaltigcn  fn'mden  listen,  domit  er  dasselb  hall  von  ane^DE: 
in  vil  wisen  gehindert  hat,  das  billich  alle  bräder  and  personen  steroken 
und  bestetigen  sol.  die  iemer  do  w<)nen  oder  dar  wandeln  s'illen,  dassidest*  li 
minner  erschreckeut  und  schühent  oder  abtrünnig  werdent  mit  wancksl- 
mälikeit,  übe  got  ir  keinen  durch  ettliche  trücke  and  getrenge  von  innen 
oder  von  nssen  übende  oder  bereitende  würde,  wann  alle  gute  g'jtlichewerrt 
dnrcU  liden  und  manigfaltige  grosse  swere  trücke  müssent  beweret  werde». 
inen  were  anders  nit  zfi  getruwonde.  '-'- 

iapit«!  Item  dis  fl2.J  cappittel  seit  von  allen  den  maiüg- 
valtigen  grossen  Udenden  trücken,  die  von  anegenge 
s i n  t  u f f  d a B  hui!  zu  dem  (j r n n e uw e r d e  ^ e la  11  e n. 

In  soliclier  vur^eauhriboiicr  lideiider  wise  derallmeuhtiaeewigi' 
got  vil  siner  werek  gewiirckt  Kai  mit  dem  Grünenwerde  und  ■. 
mit  allem  dem,  das  darzii  getnirt  uud  damit  her  ist  komen  in 
gniTitlicher  beworung  durch  vii  grosser  swercr  frümder  tnicke  und 
anstnsse.  in  dem  er  doeii  7.\\  iedem  inole  in  den  gn'iäten  ni'iton 
und  hühsten  swcncken  im  sin  ^nade  erznigte  mit  getruwer  väller- 
lichur  ubürnaliirlicher  helH',  sn  im  all  Zuversicht  entweich  und  im  :■ 
all  natürlich  sinnliche  wisheil  verseile,  nnd  sunderlirh  beschach 
es  in  den  ziten,  do  das  groll  wasser  uher  lanl  lielT  und  richsetr, 
/■V7J  do  man  zaite  von  gotles  gehurt  drizchen hundert  si'ibentzig  und 
an.  H  yjp,.  jQj.g  jn  jß,,  awülften  nacht  Ejnplianie  umb  die  zehend  stundi', 
das  von  iiberiger  ungestümer  ci-atlt  und  gmsse  des  wassers  und 
•  lucli  viin  swen,'  de,-;  lautes  fVinffhundert  vierteil  rocken,  die  dem 
obersten  meisler  des  nniens   unlani^e  davor   an  schulden    worfiit 

IJ     ./,„■    >,n-n.'    V.  II     '■11'    die    V.  U    ,illi,-!>-J  trlir/,,- f  \<  13     "-(-' 


186* 

worden  und  ufT  dem  huse  ob  dem  donnenter  in  sinen  slossen 
logent  und  das  huß  bi  dem  wasser  also  gar  überludent  und  be- 
swertent,  das  die  mure  in  das  wasser  viel  und  das  fundament 
▼on  ungehürem  grossem  getrenge  sich  heruU  über  das  ertrieh 
wandte  und  zu  öberst  gelag;  und  viel  der  dormenter  und  das  huU 
nidder  der  muren  noch  mit  solichem  gruwelichem  erschrocken- 
iichem  gebrechte,  das  meniglich  möcht  verzagen;  also  gar  gruse- 
lich  und  mit  grosser  craiTl  zersprungent  die  brustböume,  die  treme 
imd  das  gesperre  und  aller  gebuwe  miteinander,  die  bünen  und 
die  wende,  und  ouch  starcke  nuwe  kisten,  spanbett,  sideln  und 
kensterlin  bi  den  priestem  in  den  kammem,  deren  sehs  des  Or- 
dens logent  in  iren  betten  in  dem  ersten  hertsten  slofTe  und  ver- 
fieient  domit  und  blibent  darunder  ligende  mit  einem  hinlichen 
eilenden  weinenden  geschreie  etlicher  me  dann  zweier  stunden 
lang,  das  si  niemant  finden  künde  noch  gewinnen  möchte;  also  gar 
tieir  und  swerlich  worent  si  in  dem  gerere  und  under  dem  ge- 
treme  versuncken  und  verfallen,  und  was  der  swere  groß  huQe 
kornes  allzumole  ufT  si  gerisen,  in  dem  si  allein  on  alle  ander 
not  billich  erstickt  und  verdorben  sin  solten.  und  behüte  si  doch 
got  gnediclich  in  übernatürlicher  wise,  das  ir  keinem  nie  leit  ge* 
schach  an  übe  noch  an  geliddern  one  allein  eim  fromden  priester 
des  Ordens;  der  lag  bi  inen  ufT  dem  dormenter  in  gasts  wise  und 
was  ein  commentür  zu  Obern  Sulz  bi  Gebwyler,  dem  wart 
ein  fi'iß  geqwetscht  und  ein  wenig  versert,  des  er  doch  gar  schier 
genaß. 

Damach  beschach  es  aber  umb  sant  michelstag,  do  man  zalt  iS75 
von  gotts  geburt  drizehenhundert  sübentzig  und  fünfT  jore,  das  **^''  ^ 
ein  gesellschafl  mit  gewalt  in  das  laut  kam.  den  sprach  man 
Engeilender  und  was  ein  gesammelt  mutwillig  volck  on  houbt, 
die  kein  ursach  betten  jemant  zu  schedigen,  wann  das  got  die 
cristenheit  durch  si  plogen  wolt.  und  von  grosser  not  und  vorcht, 
in  der  die  stat  und  das  gantz  landt  dozümol  was  von  der  Engel- 


4  ungehüretnj  unmessigem,  gniufeticheme  K  ß  erschrockenUchem  geUrfchte/ 
mtgehureme,  grossem^  gebroeheize  und  ersehrocketüichenie  gekt'^cheUe  E  8  und 
fehlt  E  zei'kwMent  und  zersprungent  E  G  hat  die  ganze  Erzählung  gokarzt 
11  deren] der  do  Y,  IT  und  darzu  E  20  nie] me  £  26  (ies  iores  do 
£,  Cr  28  gewcU  her  m  die  landt  E  20  rgl.  zur  Sache  KöDigahofen,  Chro- 
nikM  der  deutsehen  St&dte  9,  815         31  angnt  und  not  E. 


186* 

lentier  wegen,  so  zerzerrle  man  yai'  vil  hüser  in  (Jen  vorstellen 
und  brach  in  die  decher  und  die  vordersten  wende  abe,  die  zii 
der  innern  stat  und  gegen  die  ringrauren  gekert  waren,  und 
das.-elb  verfallen  hüll  uf  dem  waaser  zum  Grünenwerde  woll 
die  3tat  verbrant  haben,  e  daon  es  nach  dem  vaJIe  wider  ge- 
buwen  wart,  umb  das  die  Engellender  sich  nit  darinn  enl- 
hallen  sollen  wider  die  stat  zii  vechtende.  und  der  rat  salzt  es 
ou  h  umb  und       ib  llnedbdenn 


und    md 


g    d      bea 


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und  d     am    e    e        ne 

Q  ga     h  h     nd 

D  n  m     ües^    dd  ua 

n    etz  n    und  ü  be     das 
ng  ad     d      0  d  n     und  •« 


187* 

kondent  die  ringmure  ^dadurch  zu  fürende,  als  si  dozämol  dachte; 
und  do  si  in  demselben  fürsatz.  den  gebuw  untz  an  den  garten 
brächten  und  etwas  darin  gefaren  worent  und  abgebrochen  hebten 
wol  uff  fiinfeig  schuhe,  und  do  sieh  die  bruder  des  garten  und 
des  lustlichen  ganges  gar  vertröstet  betten  und  nit  anders  wis- 
seien,  wann  das  in  die  stat  zu  irem  gebuw  haben  wolle,  und 
da  ir  wercklüte  sollen  anfohen  zu  graben,  do  fürkam  es  die  all- 
mechtige  ewige  drivallikeil  und  gab  dem  werckmeister  und  dem 
rate  einen  andern  sinn,  das  si  mit  dem  graben  uß  baß  von  den 
Johansern  fürent  wider  das  wasser  one  der  brüder:  werben  und 
wissen;  und  bleip  in  der  gart  unzerfüret  und  wärt  in  darzü  durch 
uß  von  vom  an  dem  lichofe  untze  zu  hinderst  gewitert  me  dann 
Ix  schuhe,  das  geschetzt  w^art  für  eins  völligen  ackers  breite  und 
lenge,  das  die  stat  dem  Grünenwerde  zugab  gegen  sant  Mar- 
greden closter  in  koufTs  wise  umb  viertzig  pfunt  Straspurger  pfen-* 
hige,  das  ouch  nach  allen  löuffen  niemant  anders  kan  gesch^tzen 
noch  geachlen  wann   für  ein  götlich  werck  des  heiligen  geistesi. 

Item  das  dritzehenste  capitel  seit  von  dein  ende is.Kapita 
und  ouch  ettewas  von  dem  gnodenrichen  lustlichem 
wandele  des  lieben  stiffters  Rülman  Merswines. 

In  bemmelicher  vorgeschribener  manigvaltiger  frömeder  wisen 
het  unser  lieber  herre  das  hus  zu  dem  Grünenwerde  dicke 
gelossen  swattichen  und  swancken  und  vil  grosser  frömder  Irücke 
daruff  Valien,  die  nüt  alle  zu  schribende  noch  uszüsprechende  sint. 
und  hielt  es  doch  allewegent  mit  sinre  almechtikeit  uff  vor  allen 
sweren  sorglichen  vellen  und  undergengen  zu  eime  zeichen,  das 
er  es  mit  sunderheit  in  allen  truwen  meinet  und  es  ewikliehe 
hanthaben  und  versorgen  wil  in  allen  liplichen  und  geistliehen 
Sachen,  alse  lange  die  brüdere  und  die  zufallende  gesellensc4ialt 
und  personen  nu   und  harnoch  in   luterliche   und   einmütikliche 


1  knndtni-  der  stette  und  aller  wenglich,  arm  tmd  rieh  gtfüglicher  teere  E 
9  garjgatitz  und  gei-we  allzumöle  E  (o  und-7  graben]  und  zu  denselben 
zUen,  do  ire  grehere  soUent  anegevangen  haben  dadurch  zu  grabende  E  8  ewige] 
keüge  £  9  rote  uf  dieselbe  stunde  E  11  gantz  unzerfüret  E  12  aller' 
hmderste  13  eins  groi^n  voUichen  E  16  ouch  fehlt  E  17  noch  geachtm 
fehlt  E  götlich  fehlt  E  18  der  Wortlaut  des  13.  Kapitels  iu  G  ist  nicht  mehr 
mit  Sicherheit  zu  erkennen,  da  Outzmann  den  Text  zcrstackelt  hat  '  .23  swattichen 
und  fehlt  D     frömder  fohlt  D. 


ins» 

minnen  und  (nKfieirv^ÄIffiA"  wU  eime  riehen  gfllten  getruweode 

und  sin  !op  und  sin  ere  begereii  und  ertbigende  und  one  alle 
eigentachaiVt  zu  lebende  noch  ires  urdens  regule;  also  ouch  das 
seliie  hus  in  dem  Ursprünge  erhebet  und  gemeinet  wart  hy  des 
lieben  stifVters  zitten,  des  getrnwen  erlüehteteu  gotles  fnindes  ' 
R  Ulm  an  Merswines,  der  do  aneving  mit  geswulst  zu  serweniie 
und  zii  siechende  des  jores,  do  man  zaite  von  gottes  geburtie 

l3S:i     dritzehen  hundert  iore  achtzig  und  zwey  jore  in  der  selben  vasten 
und  umb  die  osteren,     und  kranckele  von  tag  zu  tage  ie  me 

"'■  so    untze  an  den  mendag   ni>ch  I-'etri  et  Pauli ;  do  gap  man  ime  den  " 
iüngeslen  touff,  das  heilige  oley.  in  grosser  krangheite,  die  ouch 
gar  grösliehe  an  ime  zünam  untze  an  den  l'ritag  vor  sant  Mar- 

Ji  11    greten  tag,  scilicet  Iranslaeio  sancti  BenedictL    do  was  er  ouch 
alse  gar  von  allen  sinen  kreften  kommen,  das  er  sich  nit  me 

'i>  1^   envermochte.     und   des  sunnentages  danoch  do  gelag  ime  das  " 
gespreche,  das  er  nit  vollekummekHche  nie  gereden  mödita;  rmd 
lag  also  untze  an  den  sehsten  tag  stetekliche  cnitzewise  in  grosser 
unmacht  und  sterbender  not  glich  eime  hienzugge  mit  gütter  inde- 
wendiger  vernunfTt;  aber  die  usflern  sinne  und  alles  lipliches  essen 
WB'^  ime  die  hi'mdersten  seh?  tage    znmole  vergangen,   wanne  ■*'  -* 
vi!  das  maii  ime  tages  ein  kleines  ziiekerlin   mit   ein    wenig   ^•'- 
brantes  huiirewassers  inllössete.    in  disser  grosser  krangheit  unil 
in  sterbender  not  leit  er  sich  giir  getuUiklicIie  und  senl'tmötikiic.hp 
iuV  in    one  alle  unüestiimc  ;^üherde  untze  an  den  t'ritag  noch  sunt  Mar- 
gredcn    tag   crastino  Alexü,   scilicet   quinto   decimo    kal.    auiiuaü.  - 
dn  ver.:!i!iied  er  in  der  singenden  nonen.  und  was  sin  ende  etlewa? 
streii'ii'  und  herte  und  schein  ouch  dozü  gelossen  sin  von  alleme 
giitlelirlicmc  t^niilintÜchcmc  tr^isle.  und  ime  wart  ouch  der  tot  gar 
siirc,  also  er  nuch  us  gullclichcr   mynne   dicke  ^inisliehe   liegcrtp 
dem  lidende  und  dem  tode  unsers   lieben  herren   ettewas   noch-   ■ 
züvolgende,  al:^e  unser  herre  Grintus  noch  langewerendem  lidende 
(lez  l'rila^es  zu  nunc  zyt  an  dem  heilige  crütze  slarp;  wanne  er 
was  gar  allziimole  ein  •rotmyniiender  übernatürlicher    erliichteter 

^•.-„■■„df  a».l  IVhh  |i  ;  .(-.i  J..,r.-  1.  Iilt  !■  f  htiiiiltr'   ime  ]  I.U'i'l.-rt    \<     li.-r- 


189* 

gottes  frundt,  alle  zyt  vol  jubdes  und  vol  hitziger  inbrünstiger 
göttelicher  mynnen  eins  lieplichen  frölichen  gebesserlichen  wan» 
dels,  mit  dem  got  gar  vil  grosser  übernatürlicher  frömeder  wercke 
würckende  was;  und  ftirte  in  den  ruwen  weg  und  die  lidende 

5  Strosse  und  leite  ufT  in  das  crütze  manigvaltiges  grosses  über- 
natürliches firömedes  lidendes  von  überswenckigen  manigvaltigeii 
grossen  übersinnelichen  bekorungen,  die  er  von  ynnan  liden  müste 
und  ouch  von  ussan  durch  vil  grosser  swerer  trücke  und  natür- 
lichem lidenden  we,  des  in  doch  der  milte  erbarmhertzige  got 

0  darnoch  dicke  und  vil  gar  riliche  und  vollekumenliche  ergetzete 
mit  sollichen  grossen  überswenckigai  froidenrichen  freuden,  die 
alle  menschliche  synne  übertreffent  und  sie  mit  aller  synneUcher 
vemunfft  und  natürelicher  wißheit  begriffen  noch  verston  nit  en- 
mögent    und  vormoles  ehe  er  zu  disser  grossen  übernatürlichen 

5  gnoden  kam^  do  was  er  ein  münsser  und  pflag  dez  wehssels 
und  anderre  maniger  leye  kouf&nanschatz,  doch  allewegent  mit 
grosser  gottes  forchte  und  mit  einre  stroiTender  consciencie,  und 
künde  gar  wol  mit  der  weite  und  was  gar  lüstUch  und  frölich 
von  naturen,  das  in  mengelich  liep  und  wert  hette  und  gerne  mit 

0  ime  wandelte,  das  ouch  ime  in  den  zitten  gar  lüstlich  was.  und 
er  hatte  von  erst  gar  eine  junge  schöne  wolgefründte  lüstliche 
huUfrouwe;  und  do  er  unlange  by  ir  gesin  was,  do  starp  sie, 
und  do  nam  er  eine  andere,  eins  frummen  ritters  dochter.  und 
do  er  alse  lange  by  der  gesas  und  die  heilige  e  noch  cristenlicher 

5  ordenunge  mit  ir  gehielt  on  alle  frucht,  untz  das  er  viertzig  jor 
alt  worden  was,  und  ime  doch  gotte  von  der  ersten  frouwen 
noch  von  der  lesten  nie  kein  kint  verlihen  wolte,  do  kerte  er 
sich  mit  gantzeme  ernste  zu  gotte  und  ließ  abe  von  alleme  gewinne 
und  koa£fmanschatze  nnd  gap  der  weite  und  aller  luistlicher  und  natür- 

;o  lieber  gesellenschaft  verwegenliche  einen  gantzen  nrlöp,  und  verzeich  sich 
ouch  eliches  rechtes  und  fürte  donoch  untz  in  sinen  tot  ein  luter 
kusche  leben  mit  willen  und  gehelle  sinre  hußfrouwen,  die  ouch 
ein  erberre.  einfaltige  cristine  frouwe  was  one  vil  liechtriches 
underscheides  des  heiligen  geistes.     abe  diseme  aller  ersten  kere  be- 


1  ¥nd  hitzijer  D  vgl.  188*1»  5  grosses  fohlt  1>  1.  vftfi  innen  und 
mssen  Odin.  .ni:&MU  I>  11  grossen  froidenrichen  fehlt  ])  la  nit  begriffen 
noch  verstün  mögent  I)       22  unhnge  /  nit  lange  1)        £%  tcm'dtn  «rm  }  «rart  ^. 


Schach  imu  gar  we  in  sinre  naturen ;  aber  der  milU  gut  unpfing  in  lü  stniit 
in  dem  ailererstou  nffgebende  sines  eigenen  willeo  gar  erbarmherliiklirhp 
DQd  begobete  in  gär  rilicho  mit  siner  übeinatürlictien  gütteücben  gnodeo, 
nnd  fürte  in  die  ersten  vier  ior  durch  manigvaltig  groß  liden  gax  frümede 
verborgene  wage,  dieselben  vier  jore  hyenoch  in  dem  nehsten  capitel  an*  i 
Tobent  and  von  norte  zit  worte  eigenliche  noch  einander  geschnben  siat 
UBser  demselben  büchelin,  das  man  binder  ime  gesthriben  fandt,  du  er  ge- 
starp,  und  es  mit  sin  selbes  bant  an  bappire  gescbriben  hätte  nnd  onch  zd 
nrliande  sin  eigen  silberen  ingesigel  mit  eime  riemen  hatte  seibor  daran 
gebencket,  wanne  er  in  übernatürlicher  wisen  von  gotte  dozii  betnnngsn  u 
wart  nnd  os  euch  tiiu  müste  by  gehorsame  sins  hoimelichen  gesellen,  des 
lieben  frünt  gottes  in  Oberlant  der  es  ime  gebot  zu  schribende,  warn» 
er  sich  ime  an  allen  saclien  an  gottes  stat  zii  gniodo  gelossen  bette,  und 
noch  dissen  selben  ersten  vier  ioren  eins  anefanges  lebet«  er  driasigk  ior 
nff  ertriche  in  solicheme  grosseme  nnsprecheniicheme  friden  nnd  übernaldr-  U 
liehen  früiden,  die  er  von  der  guoden  des  heiligen  geistes  alle  tage  lege! iche 
bofant  in  gar  vil  frAmder  lüstlicher  iubilierender  wiso.  und  do  er  us 
disser  zit  für,  do  was  er  stbentzich  und  vier  ior  alt;  und  sine 
eliche  frouwe,  die  hinderste  frouwe  Gertrudi  von  Bielen- 
heim,  die  starp  zwöllf  iore  vor  sime  tode  an  des  lieben  sancle  Ni-  ** 
claus  tage  in  dem  iore,  do  man  zalte  von  gottes  geburte  dritzehen- 
hundert  iop  und  sibentzich  ior. 


191 


Diß  ist  das  Tiertzoheud 
capittel  und  ist  das  büchf 
das  man  hiuder  R  ü  1  m  a  n 
M  e  r  s  w  i  n  graschriben  fandt. 


.5  In     ffottos     naminoQ. 

Amen.  Alle  lieben  cristen 
menschen  sullent  wissen 
für  wor,  das  es  boschach 
dns    iorcs,    do    man   zalte 

\0  Ton  gottes  gebürt  drizohen- 
hundert  Tiertzig  und  süben 
ior.  do  ich  K  ü  1  m  a  n 
M  e  r  s  w  i  n  aller  kouffman- 
schafft  und    allem    gewinn 

lo  urlob  gab,  domit  ich  pflag 
umb  zu  gonde,  und  darzu 
aller  natürlicher  lüstlicher 
geselschafft.  und  di(3  tett 
ich  grar  verwegenlich  durch 

)0    got    in    einer    «ünfaltigen 
meinung,   das    ich    meinte 
min    sünde    zu    büssonde.   = 
und  do  ich  in  disem  aller 
ersten    kere    minen    eigen 

)5  frieu  willen  gotte  also  gar 
Terwcgenlich  und  einfaltig- 
lich  ergabf  darabe  beschach 
miner  natnren  in  der  erst 
gar  we,  wann    mir  ettwas 


Item  das  Tiertzehensto 
capitel  ist  die  ander  ma- 
terie  nnd  das  buch,  das 
man  hinder  K  ü  1  m  a  u 
M  0  r  s  w  i  n  e  ,  dem  stitTter, 
geschriben  fant  under  sin 
selbes  ingesigel  von  den 
Tier  iuren  sins  ane  Tohi.*nden 
lebendes,  und  seit  dis  selbe 
capitel  von  dem  ersten  iore, 
in  dem  er  aller  kouffmau- 
schatz  und  aller  lüstlicher 
geselleschaft  urlob  gap  lu- 
terliche  durch  got. 

In  gottes  namen. 
xVmuu.  Alle  lieben  cristine 
menschen  sullent  wissen 
für  wor,  das  es  beschach 
desselben  jures,  do  man 
zalte  von  gotts  ge)>urto 
dritzehen  hundert  jore  vier- 
tzig  und  süben  jore,  daü 
ich  B  ü  1  e  m  a  n  M  o  r  s  w  i  n 
aller  kofmanschatz  und  allen 
dem  gewinne  urlop  gab, 
domitte  ich  pflag  umb  z  t 
gonte,  und  darzu  aller  na- 
türlicher lüstlicher  geselle- 
schaft. und  dis  tet  ich 
gar  Torwegen tli che  durch 
gott  in  einer  gar  einfaltig*>n 
nieinungen,  daÜ  ich  meinte 
mine  sünde  zu  bussende, 
und  do  ich  in  disem  aller 
ersten  kere  minen  eigenen 
frien  willen  gotte  alse  gar 
Torwegeuliche  und  einfal- 
teclich  ergab,  darab  be- 
schach miner  nature  in  der 


Allen  den    si  künt  ge*.      Fier- 
ton,  die  dis  büchelin  lesent    J'ohre 
oder  herentlSsen.  was  heran      Mul" 
geschribben   stot,    das    e^     nUiHS 
also  ist  und  luter  worheit 
ist.    und  das  behebe  ich  bi 
der  güngenston  ferthe.  also 
ich  usser  der  zit  gcscheiden 
bin.    und  zu  eime  gerehten 
geworen  worzeihen,  so  sol 
men  finden  hangende   min 
eigin    ingesigel    an    eime 
riemen  au  diesemo  büchelin. 

In  gottes  uammon. 
Amen.  Alle  liebe  cristnn 
menschen,  ir  sullent  Tir 
wor  wissende  sin,  das  es 
beschach  also  des  selben 
jores  do  man  zallete  Tan 
gottes  gehurt  M  ccc  jor  xl  1347 
jor  und  vij  jor,  do  beschach 
es  in  dem  selben  jore  also, 
das  ich  Küleman  Mer- 
8  w  i  n  aller  ki^fmanschaft 
und  allen  dem  gewinne  urlop 
gab,  do  mitte  ich  pflag  umbe 
zu  gonde  und  dar  zu  aller 
nattürlicher  lüstlicher  ge- 
selleschaft. und  dis  det 
ich  durch  got  gar  für  we- 
genliche  in  einer  gar  ein- 
feltigen  meinongen,  also  das 
ich  meindo,  das  ich  wolte 
mine  sündo  büsen.  nü  do 
ich  diesen  aller  ersten  ker 
also  gar  für  wegenliche  und 
also  gar  einfeltik liehe  mit 
mime  eigin    friggen  willen 


1  Die  erste  Spalte  gibt  den  Text  von  D  wieder,  die  zweite  von  E,  (ilie  Tbcr- 
schriften  jedoch  nach  Schmidt,  Gottesfr.  56  ff.),  die  dritte  den  Text  des  sog.  Aut»- 
graphs  im  Briefbuche.  Die  Obergeschri ebenen  Buchstaben  sind  darin  nicht  mit  Sicher- 
hoit  zu  unterscheiden.  Der  Buchstabe  über  r  gleicht  rielfach  eher  einem  a  als  o,  über 
e  ist  V  geschrieben.  Bei  der  Wiedergabe  ist  nur  r  in  u  transkribiert.  Interpunktion 
findet  sich  in  der  Vorlage  nicht. 


<ral    mit    «ellürhem   liuf  ^ 


totU    älfSp.    TW   i 


wgl  »ebea  uneben  rindlcic- 

lii-h  iu  lÜJteo  diii(«D  KU  «e- 


BUlmuf*  VM  tut  Martins 
luebt  lUoin  iq  iiiiii«in 
gmon  (unde  uad  wolt  et- 


do 


»iitl  mir  got  »werlich  in 
min  itedoncke  dot  ÜW  lo- 
nondsn  neJt  imtraii  und  ir 
hlwbeit,  nnd  wia  ai  lonut 
nud  «in  »üritlidi  hittet  end 
u  glbl.  irad  ich  gedatht 
ooch  dsmit  *n  du  (loS 
pi  da  irir  go  E«ton  ho  t 
und    >o   rriMie    mitin«   i 


irb  vol  leben  vuch»u  «is- 
valtecliclie  in  di<ea  diuffeo 
nu  ftin,  äa  wut  iab 
eine   obendea    lulanc   «or 


.ant  Martins  oactit  allaioe 
in  mi»iiten  giLrbjii  ^int«  und 
n  «Ito  ECüK'^tMwat  pibottot 

ubuilonanden  Heltfl  untrairc 
Dud  ire  falscheil,  ani  wia 
»ie  iQuM  und  *ie  tür(licb 
l>itt<ir  ende  ile  pt.  uud 
ich  gedobte  ouch  domitte 
an  du  fiome  gut,  das  mtr 
i;  tt  («tan  het  nnd  so  (    ß 


der  iralte  Ibit  «»1  wa«  (»■   I 

dn  ich  vol  uffs  I  w««fcM 
eioMtiklicbo      in      di 
dlbiBii  wa«  ;eün.  dii 
dia  lit  sar  uobo  uS?  lut  <* 
Hatdlns  dag.   du  beichact 
e^.  das  ivb  aUeia«  an  et 
ubbend«     warl     c«nd« 
Diinie    giiWa     <uid    wo 
gorn«      ettona«      e«btitel  H 
habben,      und  da  lEb  tiw 
ag,   dl'  wurdent  mii  tu 
til  ^deiik-!  in  fallende  ani 
urart  mir  gat  swetUcbt  »> 
rallmde     der     aak>«Uiindt>   ^ 
Kcltu  uatrüire  und  in  tii- 
h       aad  «     die  wel     at 
und  iria  gar  aei  liehe  b  tM 


h    ^te  K  d      k 


e       B    Ij      B 
b      a  g  f  D 


n  da   g         g       du 


r     n  d         g  b  bb 

ft  te     u      loa  er         Ud- 

d  a     11    U       u 


L  nd  KM  d    ii  ll      bJ 


i  -K     ^rk)    DUO  lu 
bau  g        r 

;;  U  bb      ha  nd 

>ili"  |:r<'«i!  und  mliie  Vli 


19S* 


5  Bumete  zit  -  und  ich  wart 
ouch  minen  eigen  willen  gar 
scro  hassen,  wann  ich  mich 
gor  ser  damit  verschuldet 
hotte  -  do  wart  ein  grosser 

10  starckor  ruwo  in  mir  ufston 
amb  all  mine  Terlome  Ter- 
sumcte  zit.  und  in  disen 
gedencken  sach  ich  uff  zfi 
himol  und  rüffte  die  grunde- 

15  lose  erbermdtt  gottes  mit 
grossem  ernst  und  eim  ru- 
wigen  hertzen  an  und  gab 
ouch  in  dem  selben  gotte 
aber  uff  minen  frien  eigenen 

SO  willen  und  gelobte  ouch 
darzä  was  mir  werden  mocht 
Ton  barem  gut,  das  ich  das 
alles  durch  got  geben  wolt. 
und  do  ich  also  einfaltic- 

2o  lieh  in  disen  gedonckon  und 
in  disem  willen  in  dem 
garten  gonde  was,  do  kam 
gar  ein  geswindes  gehes 
clores    lieht   und   umbfing 

80  mich  und  fürt  mich  ob  der 
erden  swebende  ettwie  dick 
den  garten  umh  und  umb . . . 


85 


40 


45 


▼ersnmete  zit,  do  wart  ein 
groser  starcker  mwe  in  mir 
ufstonde  umb  alle  mine  ver- 
lorne Tersümeto  zit.  und 
ich  wart  ouch  minen  eigen 
willen  gar  sere  hassende, 
wanne  ich  mich  gar  sere 
domitto  verschuldet  hette. 
und  in  disen  gedencken 
do  sach  ich  uff  zu  himmele 
und  rufte  die  grundelose 
erbermdo  gottes  mit  grosom 
emsto  und  mit  einem  großen 
ruwigen  hertzen  an  und 
gab  och  in  disem e  selben 
gotte  aber  uf  minen  frigen 
eigen  willen  und  gelobte 
ouch  darzu,  was  mir  werden 
mohte  von  barem  gute,  daß 
ich  das  alles  durch  gott 
geben  wolto.  und  do  ich 
also  einfaltoclicho  in  disen 
gedencken  und  in  diseme 
willen  in  dem  garten  gonde 
waß,  do  kam  gar  ein  ge- 
swindes gehes  clores  lieht 
und  umbviug  mich  und  fürte 
mich  obe  der  erden  swe- 
bende ettewie  dicke  den 
garten  umb  und  umb  .... 


Kleder  II. 


mlnne  anne  sach  die  er  hie 
in  dem   eilende   in   ment- 
licher   natturen   hatte,    so 
ich  den  mine  deine  minne 
und   minne  f&r   sumet   zit 
anne    [sah!]  und  das   dan 
gegen  dem  sinen  also  gar 
nüt  was,  nfl  do  mir  diese 
gedenke  und  noch   gar  111 
me  in  gefallen  worent,  do 
wrdent  diese  gedenke  also 
starg,  also  das  ein  starker 
groscr  rftwe    wart   in   mir 
uf  stonde  umbe  all«)  mine 
für   lome    vir    sümete    zit 
und  wart  ich  Seh  do  minen 
eigin  willen  gar  sere  has- 
sende, in  dem  selben  eigin 
willen   ich   mich  gar   sere 
rir  schAldet  und  rir  sumet 
hatte,     und    do  ich   alsus 
in  diesen  gedenken  in  mime 
garten  gonde  was,  do  wart 
ich  uf  zi\  himmel  sehhende 
und    wart    die    grändelose 
ürbermode  gottes  mit  gro- 
seme  emeste  und  mit  eime 
grosen  ruwigen  herzen  anne 
rufende  und  gab  och  in  dem 
selben  gotte  abber  uf  minen 
eigin    friggen    willen    und 
gelobbete  och  dar  z&  was 
mir  werden  miüthe  ran  barme 
gute,  das  ich  das  alles  durch 
got  gebben  weite,    und  do 
ich   also    einfeltikliche    in 
diesen    gedenken    und    in 
diesen  willen  in  dem  garten 
gundo  was,  do  beschach  es, 
das  ein  gar  geswindes  gehes 
clores  lieht  kam  und  umbe 
fing  mich   und  wart  genü- 
men  und  wart  gefüret  den 
garton  obbo  der  erden  sweb- 
bende  etthewie  digke  den 
garten  umbe  und  umbe. 


KapiUl        DiD  ist  ins  fiioffiBhenda 
ospittel. 


iiarnfttb  Je  an  dem 
]ures  und  d  5  dnttan  d 
dom  wiLs  die  übe  fut,  dsE 

ilem  iore  J  man  uütu 
voll  jotts  jBburt  riJOheu 
hiuiiisrt  und  TaaSüg  n 
den    »elben    zno  e  eo 


bekoraDK«ii  n  alaa  tuai 
EOrhande  unie  ner  wise 
die  ^ar  acb  d   i  li   wo  ent 


das     mit       B         WIM 
iiK'ii'lila  Sil     da.  d        a 
und  ilcc  Si  d        aÜB« 


capittol  int  das  andor  ior 
□nd  du  dirte,  in  dsa  der- 
calbe  rorsenanta  Rfll. 
IQ  a  n  M  a  r  6  w  i  11  io  ear  vil 
^osser  ubemati>tliL-bor  un 
0  De      «ush.      büke  ungen 


t  tt«  goburlo  dril- 
1  liundert  und  uulfEig 
n  disuu  beu  ine  eti 
d     wu    ke      Bo   ea 


al  Ucheu  uaiumaD  udk 
ouiteo  ubers  nne  ohan 
g  oUan  bskaruiigea  m  alss 


und    dB    li    ? 


nas    diE      nba      jot      du 
man  lu  B  o  m  e  ti^     d  dia- 
sen  a    b»D   iwe;«a      na    It 
d     »pd  set  mit  nii  a  qsb 
SUnde    ES   Ernso  usber  nit- 
tur     be   werg  wclcecd      o 
fitr  ET  aama  liddande   and 
»0  ent  alaolli  he  w    ^  u  t    0 
alsoU  eben    siassii     u  be 
■  niie  eben  bekDnincen  and 
also  ga     groae   DUEenanta        \ 
bek  moEen  in  al      gi   tl 

»   E      u       V,  d        il 


«rbermde  »n  mm  grosse 
krancktaeit  nnd  kam  mii 
zu  h«1ir  mit  gotichen  gros- 
seu  ubernatüilirbeD  fröi- 
den.  das  icb  ulT  stunt  al- 
les UdenE  TsrgaB,  als  ob 
ieb  nie  utzt  gelitten  hett. 


II    allor 
erelftig 


imd  Btarck, 

krtnckhcit  befanden    hett. 

>  und  wiut  auch  die  gi'it- 
liebe  gnade  also  starck  in 
mir,  das  mich  duchte.  das 
ich  in  dar  liahtrichen 
giindaa  ainen   jeden   men- 

I  scbea  nol  bekuot«,  nio 
es  aiub  in  itündc,  euch 
wart  ich  ron  gott  be- 
iwangea,  wie  nüt  icbea  tett, 
das  ich  mCist  bücbline 
schrlbea  minem  ebenen 
menschen  zfi  helffe. 


Darna<:ta  des  lierten 
jarss,  do  sach  unter  berre 
mit  Einer  giosBea  (rnnds- 
losen  aiberniede  an  mina 
^al3e  )irang:beit  und  kam 
mir  zu  helfe  mit  alBfliichai 

großer  libarnatiirlicber 
früudanrichar  fröuduu.  <lag 
ich  lu  stunt  allus  dos  we- 
HBB  und  iidendes  rergas, 
alse  ob  ich  ie  lit  »(Dlitten 
hatte,  and  wart  ich  in 
aller  oiinner  uaturen  slse 
gar  krefUg  und  starg,  alse 
ob  leb  nie  krangheit  noch 
«ewes  befunden  hett«.  und 
wart  auch  die  übematür- 
liehe  lieb  triebe  güttlicbe 
guode  alse  gu  Btaig  in 
mir.  daB  mich  duhte,  daU 
itb  in  der  licfatricben  gno- 
den  einen  jegliehen  man- 
schen wohl  bekante.  wie  es 
umb  in  stünde.  Ouch  wart 
ich  'on  gotte    betwungen, 

müste  ich  docb  bücholin 
GChriben  mime  eben  men- 
schen zu  helSe. 


wie  daa  ich    in    der    lieht 

rieben  gettelichen    gnodan 

wul  etthowaa  »ebbende  «M, 

Hie  daa  es  nmbe  in  stunde. 

lu  diesem«  Barden  jore  do 

wart  ich  ?au  gotte  betwo- 

gou  und  wie  nette  daa  ich 

es    deC,   so    mlata   ich  es 

doch  dilti   und   müste   bü- 

cbelin       schribbon      mime 

ebben   menscben  zu  helfe. 

und  brAdtr  des   htati   tum 

mlie  iü  dAUeh  und  >ü  latm 

dee  t^btn  htaea  m  der  mrmunji,  dat 

39  Diese  Paranthese  fehlt  Schmidt,  Oottesfr.  69,  Zeile  3  tou  oben  (hat  Schmidt 
ils  Bb«i«eb«n?)  Ebenso  feblt  sie  samt  der  igi'T  folgenden  in  0.  Dagegen  haben 
beide  Panntheun  D,  E,  F.  Bai  dar  orsten  (193*39)  ist  der  Text  tou  D  in  Omnde 
«j—i.   k.(  X»  »weiten  (197*7)  der  Text  bei  Scbmidt,  Oottesfr.  7!  anm. 


groten  ktanckeit  war  und 
kam  mir  üch  ifi  stAnt  mit 
b1  sollicher  gros  er  neb  er 
nattiirlichar  frJdan  richer 
frcdo  zu  helfe,  also  das  icb 
zi  Btünt  alles  des  wees  und 
liddeudes  vir  gas,  also  obba 
das  icb  ie  ut  gelitten  bette. 
und  wsrt  Seh  in  aller  miner 
nattflran  also  gar  aliA  molo 
creftig  nnd  starg  also  obbs 
das  icb  nie  kianckeit  noch 
woes  befunden  hatte,  nnd 
wart  äoh  die  neberaattür- 
liche  lielitriche  gettelicbe 
niinnenriche  gnode  also  gar 
fül  starg  in  mir,  also  das 
es  beschach  in  mir,  nanne 


IM» 

(i'n  ir^/IicA«r  imhi^iJi,  der  ii  li»H  und  i/ucH  diät  g/i/emcurtin*«  ritr  iiir  lint  <,dtr 
häfM,  der  man  gtnfzlkh  mindtr  gteifrl  tn'A  i/tiiben  und  teüten,  da»  e»  Atr 
büehir  tiiu  isf.  doxi'i  Ritlman  Mt rnitin  imwtm^ftt  wart;  wan  si  mal  mit- 
einaivifr  amrordintnt  iind  beide  glieh  htBeHt  a»  ilfmütigtn  tearltn.  an  nA'vi' 
Uigtr  mmnr  und  an  ^äberitatärlic/itH  grmaen  tFtHdtrlickm  wercken  und  ffobr» 
Ifatleii,  und  auch  Mdt  mit  elnandn-  gaehvilim  leurdmt  in  dm  zitt»,  d»  Rttl- 
matt  Um'iiioin  tum  gilt  beiieuHum  varl,  bäthir  «il  aehribrn,  aU  du  dattn 
aagenl,  di»  hfidf  ylleh  »prtchtM  in  ditfn  nmim  bAck*m,  dm  niin  erUen  mtd 
dige»  i/rjffHivurlifftH  tim-  jartn,  Biilm'"t  MtrtH'inii  attfang,  umihh  in  ir 
ieifilchtm  »iindtrlieh  gmchriba%  »tat,  dtu  tu  ruOifacM  wtird*,  do  man  xaUr  ton  1 
fjotles   gfburi   drizthm  hundert   fAnffeig  «mJ  zwei  iort. 

li&  rohrnl  hie  ividrr  an  Bülman  Meraipin»  de»  ali/ptns  iror',  als  m 
«i  mit  ain  atUieg  Kant  naeh  »inrm  todi-  hiHder  >'••)  HfS  gnrbribr»  finden,  uJJnu 
tpytc/'endr  ; 

Oucb  btfamit  kh.  das  die  drio  creffta  flaubo  =  Schmidt,  Gotteafr.  6S,  Z.  4.   I 
. . .  Vui  sUen  dieiea  ctoBati 
viidoilicheu    werken     nu 
djomn  sJIun  müthe  ich  nil 


. . .  Voa  ulloa  düen  grDG0D 
wunderlicliBi 


lO?«* 


lieber  heimmoUicher  früt(!) 

miner  das  bAcbelin  do  anne 

geschribben   stot  fünf  jor 

mins  anne  fanges,  und  gip 

du  mir  geschribben   diese 

fier  jor   dins  anne  fangos. 

Das  selbe  buchelin  wir  die  vargenanten  ]>rie8iere  und  hrudere  sancte  Johans 

Ordens  zu  dütsche  und  zu  latine  geschriben  hant  in  die  dry  urkündehucher  des 

huses  zu  dem  Oritnenwerde^   und  ist  das  biich  von   den  zweygen  mannen, 

0    und  aeäy  wie  dieseme  selben  menschen   in  Oberlanden,  des  egenanten  RüU 

manne s  heimdicher  frunt,  in  übernatürlichen   liehtrichen  zugen   wurdent  ge* 

geben  sin  gare  vol  schöner  lüsüicher  bieren,  ein  über  aUe  mosse  schone  vingerlin, 

ein  Uütig  tiUhelin,   und  ouch  das  er  die  heilige  geschrifft  drissig  wochen  lang 

alse  wci  verstände  wart  und  in  guter  gramatica  gesprechen  künde,   cUse  ob  er 

5    aüe  sine  tage  in  den  höhesten  schulen  gestudieret  hette,   und  anderre  grosser 

wunder  vU,  die  ime  aüe  in  übernatürlicher  wise  beschohent  in  den  ersten  fünff 

joren  sins  anefanges,     ouch   w<ut  er  der  gnodenriche  erlüchtete  leige,   der  den 

grossen  meister  der  heüigen  geschrifft  stroffete  und  in  lerewise  vil  gebesserlicher 

wortie  mit  ime  redte,  in  den   er  vaste  sinen  heimelichen  verborgenen  gebresten 

*0    rurte,  nochdeme  er  do  gar  eine  vemünfftige  bredige  geton   hette  von  vier  und 

zwentzich  stücken  eines  vöUekumenen   lebendes,   also  das  buchelin  seit,   das  zu 

futsche  und  zu  latine  ouch  in  die  drey  urkündehucher  geschriben  ist,  in  dem  die 

oberste  eile  mit  den  xxiii  buchstaben   des   abecees  stot,   die  desselben   meisters 

kindiehe  letze  was  eins  nuwen  anefanges,   dardurch  er  geleret  wart,   das  er  zu 

25   eiin4  erlüchteten  gnodenrichen  hohen  leben  kam, 

Schluss  der  Vier  Jahre: 


Do  ich  von  den  ersten 
ioren  mins  anfangs  gar  uß 
geschreib,  als  ich  tfin  must 

''0   bi  gehorsam,  das  mir  doch 

gar  wider  was,    do  vorcht 

ich,    das   man    mir    würde 

die    dinge    zulegen,    die 

gottes  sint.    und  uß  einem 

•15  demütigen  gründe  bat  ich 
minen  heimlichen  frünt  zu 
manigen  ziten  mit  grossem 


Do  ich  nu  von  den  er- 
sten vier  joren  mines  ano- 
vanges  gerwo  uß  geschreip 
also  ich  tun  muste  bi  ge- 
horsame, daß  mir  doch 
gar  alzumole  wider  waß, 
do  noch  vorhte  ich,  das 
man  mir  würde  die  ding 
zulegende,  die  gottes  sint. 
und  usser  eime  demütigen 
gründe    do    bat  ich  minen 


Nu  sol  men  wissen,  das 
mir  diese  ding  von  diesen 
iier  joren  van  mir  selber 
zu  schribende  gar  alzu 
molo  Widder  was  und 
müste  es  doch  fau  geher- 
sam dun.  abber  ich  ging 
minen  heimmelliche  frünt 
an  und  bat  zu  mannigen 
ziten  mit  groseme  erneste, 
das    er    mir    ürlop    gebbe. 


9  vgl.  18*28  ff.  u.  39*36  ff.  12  gare] geren  D,  E  18  am  Rand:  Taulers 
histari  D  20  do  fehlt  D  hohe  vernünftige  £  25  D  u.  £  leiten  den  Text 
wieder  ein :  Nu  vohet  Bülmans  redde  iHder  an,  wie  er  zu  demselben  menschen 
dem  gnodenrichen  erlüchteten  leien,  einem  heimlichen  fründe,  alsus  sprach :  das 
wer  mir  gar  ewere.  Das  sog.  Autograph  f^hrt  ohne  Paranthesen  nach  anne  fanges 
197*«  «mHmt  mit:  do  sproch  ich,  das  wer  mir  gar  siwer  -==  ScVvisa^V  Q^s^^^'^^-'V^ 

.  21 7 Vi  ff. 


hoiinlichcD  [riint  lu 


ilis 


le  für  brande.   naJ 
.     icb     nilt    aabil 


■  mir  iirlop  gebe,  das 
verbraate.  uuJ  do 
is  Ecbribfo  siss  pc 
«ftli,  däb  icli  dotb 
jsl  meiiids,    du  >rut 


daß  ich  von  disson  liPr 
jornn  lis^se  uho  Kescbri- 
b«n   bllbeu,    dnn   niHa    sA 


ilurrh  iiiicb  gDsrhahont. 
ilo  eolts  ich  iiiamar  nie 
mit  hotwungoD   weidmi  lu 


mi-iiineiide.  ich  det  es  nsscr 
eiiae  domütigsa  gründe, 
waiiue   icb  was  fäctbeoJ«.    J 

lii  Icgsnde,  die  gottwi  siut. 
qA  do  «H  mir  alsiF  ^r 
»Ware  WBS.  do  «»rl  mir 
eA  für  ^tODda  ^bbeu  i1b<i,  II' 
das  ii:b  lan  diesen  Her  joten 
bSII«  aUo  loseu  ^sebribvn 

.  solte  dar  nncb  ilts  1i 
Kicbar  «in .  Win  AI  ätet 
icl)  noch  diesen  Bor  joran 
in  der  lit  blibea  «oltc, 
was  dan  aocb  dieasa  A^i 
joran  basebehhe,  wrllei  J(> 
■lande  irerg  das  «ereut, 
si  «Brent  gros  oder  kieinn». 


da';    i 


ilan 


'  ,!.■  :.-h   dos  (ür  «/,',„( 


199* 


Dis  ist  das  XTij.  ca- 
ttel  und  ist  [die]  dritt 
aterie  Ton  den  fünfT  man- 
IQ  in  Ob  er  laut  und  seit 
ß  capitel  von  dem  ersten 
inne. 


Item  die  dirte  materie 
des  geffenwortigon  memo- 
riales  ist  das  buch  von  den 
fünf  mannen,  so  der  liobe 
gottes  frünt  in  Oberlant, 
des  vorgeschribenen  Stifters 
Buleman  Merswinos 
heimelicher  geselle  und 
mittestifter,  den  brudem  zu 
dem  Gr&noQwerde  us 
gottelicher  minnen  zu  eime 
gebesserlichem  cxemplar 
schreip  ron  bette  wegen 
derselben  brudere,  die  in 
alle  gemeinliche  botent  in 
eime  fründlichen  sende- 
briefe,  das  er  in  ettewas 
gebessorliches  schribe.  do 
schreip  er  in  mit  sin  sel- 
bes band  disselbe  buch 
umbe  die  pfingsten  in  dem 
jore,  do  man  zalte  von 
gottes  geburte  dritzehen 
hundert  jor  sibentzig  und 
siben  jorc.  und  es  seite 
von  sin  selbes  leben  und 
von  aller  sinor  brudere 
leben,  die  uf  dieselbe  zit 
in  einer  geselleschaft  mit 
ime  wouetent.  und  ist  wol 
ein  sunderbar  merklich  Ur- 
kunde der  grosen  gnoden- 
richen  wirdekeit  des  vorge- 
nautcu  huses  zu  dem  G  r  u- 
uenwerde,  das  billiche 
alle  die  bewegen  und  manen 
soll,  die  uu  oder  hamach 
kundsamo  oder  wandolunge 
in  das  selbe  hus  iemcr  ge- 
winnont,  das  sie  in  selber 
die  gnade  doste  fruhtberer 
und  enpfenglicher  machent 
und   in    ein   steter   gegen- 


6 
Manne 
Buch 

17.KapU 


1377 


Mnehjift    der   2.  Spalte  lag   auch    Schmidt,    Gottesfr.  79    toc;  «b^nao   ^\i<^^  %\ft 


warf  Riff«  in  allst  diml 
berkeit,   doron   irs   mlDQ 

saiilior  hotsDUUE«  iinil  lu 
•eitiht  durstdlMD  sCifter 
und  &ÜDdo  totMs  und  dt 
KDudeorictKin  Lailfec  hovo 
stst  ict  hooh  Eolobtao  wir 
dican  paUonaa  evacliclisii 
(eiiie.ssvnde,     «eile 


dUniit  oder  t 


e  litiUchu 


.  linükhetiilnkiJ: 

leige  wiie   iamer   uns   la- 

TClltt  dun   sslbeu  linsa  lu 

tuude  TOD  gnodea  od  er  durch 

liplicliMi  a&ruuet  rlIIisi 


[    der   II 


st  diii  capittol  und  >i 


wie  ürit  der  tchtgoheb 
übaM  in  dem  labende  ui 


20 1"^ 


das  XTÜj*.  ca- 
seit  Ton  dem 
iDe   in   0  b  e  r- 


iribet  er  von 
bruder,  der  ist 
esin,  und  seit 
1er  selbe  emau 
le  joQg  woran t, 
rir  miteinander 
ad  er  was  von 
ischen  gut  gar 
rie  jung  er  was, 
ch  gegen  armen 
It... 

r  also  sehe  im 
genade  zu  sinon 
gon  uß. 


von  dorn  xix. 
;  seit  Ton  dorn 
ine    in    0  b  o  r- 


te  br&der,  den 
,  der  ist  uff 
dn  tumherr  ge- 
er  hatte  darz& 
«•he  und  was 
irol  gelert  l 


Item  das  achtzehente  ca- 
pitel  seit  Yon  dem  anderen, 
wie  der  ein  lidender  eman 
was  und  ein  erlüchteter 
gnoddnricher  priester  wart. 

Hie  schreibet  er  Ton 
dem  andern  bruder,  der 
ist  ein  eman  gesin  und  seit 
alsus :  do  derselbe  eman 
und  ich  bede  jung  worent, 
do  worent  wir  miteinander 
gesellen,  und  er  was  von 
disem  irdenschen  gute  gar 
rieh,  und  wie  jung  er  was, 
so  was  er  doch  gegen  armen 
lüten  gar  milte  .... 

Schltiss:  alse  sehe  ime  die 
gütliche  gnode  zu  den  lip- 
lichen  ogen  uß. 


/ 


/ 


/ 


Itum  das  xix.  capitel 
seit  von  dem  dritten  manne, 
wie  er  oin  wolgelerter  über- 
mütiger woltwiser  juriste 
und  tumherre  was  und  ein 

gnodeuricher  erlüchteter 
demutiger     priester    wart. 

Der  dirte  bruder,  den 
wir  habent,  der  ist  uf  eime 
Stift  ein  tumherre  gesin 
und  er  hetto  darzu  eine 
gute  kirche  und  was  in 
den   rehton    gar    wol    ge- 


18.  KapUd 


Nä  ran  dem  andern 
uuserme  bruder.  dawissent, 
das  der  ein  e  man  ist  ge« 
sin.  und  do  der  selbe  e  man 
er  und  ich  bedde  junc 
worant,  da  wora  wir  mitt- 
enander gesellan.  und  er 
was  Tan  dieseme  irdenschen 
göta  gar  riebe,  und  wie 
jung  er  was,  so  was  er 
doch  gegen  armen  lütan 
gar  milte  ... 

Schluas:  also  sohhe 
imme  die  getteliche  gnode 
zfi  den  liplichan  <Sgan  U3. 
ach  liban  bruder,  ir  süllant 
üch  nüt  orgom,  das  ich  üch 
Tan  dieseme  bruder  also  vil 
geschribban  habba,  wanne 
wissaut,  ich  habbe  es  dar 
umbe  getan,  das  ir  deste 
bas  süllant  leren  bekennen 
und  merken,  das  got  grose 
wuder  wrkendo  ist  in  aller 
haude  menschen,  die  in 
eht  minnen  und  meinen 
welleut. 


19.  Kapitd 


\ 


Nfi  Yon  dem  dirtheu 
br&der,  dan  wir  habbant. 
da  süUent  ir  wissan,  das 
das  dar  ein  düme  harre  z& 
einar  a^t  \%\»  i^vti^  "osl^ 
QT  \iattA  ^ax  %l)i  «Joi^  1^^ik 


und  ein  guter  juriste,  und 
er  mu  ld  dem  gsmrito  «t- 
<ru  hachtrngDud  . . . 

Schlusa:  Nu  wiirt  oc 
niah  dei  gnadüa,  dio  Im 
«b  tbcb  sescbacb,  nie  ino 
nncedultig  sundar  dliit  ein 
lAulr  dsniütifter  acnStmA- 
Ukof  gadulligor  lunn,  in 
dam  bUb  diu;  gat  mirdont. 


Kapitfl       V  B         TOD  dem  i 


lert  und  eiu  gut  ji 
udd  ei  was  in  dem  ^ 
attuwaa  hocbtrafeudo  .  . . 

Srkim»:  Nu  bsschnch 
BB  nrjfli  dar  pioden,  die 
im«  obe  dem  tische  irurt, 
äaS  er  nocli  der  eit  nie 
uio  ungodultig  wart,  und 
nart  aliamole  viii  eüs^ef 
dumOtiecr  seanoifitlEer 
gudalügei  man,  in  dani 
alle  iliug  gilt  wurde nt 


Item  dai  n  cap 
I  tT  D  dem  VI  den  mal 
wie  d         n    ude  va    und 


kirclie  und  was  in  jure  ool  (9- 


en  noch   il«c    fDodaD,   dif 
im  DIU    obbe    dorn    diEschi 

nie  nDietüItis  Kort  tid 
sime  nii^Dde  goheret  Kirt 
uud  yiäxt  aliA  mole  ein  ! 
BUuBai  demütiger  aeaftmü- 
tlfur  ^tultirer  man  in  iem 
alle  dln(  (At  irrdnat. 


natiaen  e   üb  n  kam  und 
In  htete    begD  d   i 


d  hrih  al         da 


^il   bD  dem 

ntden 

n    nne   brd 
b           d 

d 

S               d 

*.   F 

ü  Udo             es 

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uu     d    m 

in 

n    u   et  U     uu 

di   b  d 


203* 


Nu  wissent  lieben  bru- 
dere  ron  Cimradten  unserm 

5  koch,  der  ist  fünff  rore  in 
einem  streniT^n  leben  bi 
ans  gesin  und  hat  ouch 
grosse  minne  z&  dem  heiigen 
sacrament.     nü    des    aller 

0  ersten  jores,  do  er  zu  uns 
kam,  do  befunden  wir 
grosso  minne  in  im,  die  er 
hett  zu  dem  heilgon  sacra- 
ment alsOf  das  er  es  gern 

5  dick  hett  gehebt,  und  er 
bezwang  ans  mit  siner 
grossen  minne,  das  wir  es 
im  all  sondage  musten  ge- 
ben   nach  des  lieben  sant 

0  Augustinus  rot.  nu  wis- 
sent,  das  es  beschach  in 
dem  nechsten  advent,  do 
man  zalte  Ton  gottes  ge- 
burt    drizeheuhundert    sü- 

5  benzig  und  sehs  jore,  eins 
morgens,  do  die  bruder  in 
der  capellen  worent . . . 


Schliiss  :  lieben  bruder 
15  diß  8j  üch  geseit  von  uu- 
serm  koch,  des  spise  wir 
lieber  essent  dann  eins  an- 
dern, und  wen  er  uns 
nit  kochen  mag,  so  kochen 
0    wir  aber  ans  selber. 


Diß  ist  Ton  dem  xxii. 
capittel  und  seit  ron  R  li- 
diener. 


bi  dem  füre  von  ime  selber 
kam  und  verzogen  wart. 

Nu  vil  lieben  bruder, 
nu  loß  ich  üch  wissen 
von  C  u  u  r  a  d  e  unsermo 
koch.  Do  wissent,  daß 
der  fünff  jor  bi  uns  ist 
gesin  und  ist  gar  in  eime 
strengen  übenden  lobenden 
gesin  und  het  uch  grose 
minne  zu  dem  heiigen  sa- 
cramente.  nu  des  aller 
ersten  jores,  do  er  zu  uns 
kam,  do  befindcnt  wir  alle 
grosse  minne  in  ime,  die 
er  hotte  zu  dem  hoilgen 
sacramente,  alse  daß  er 
das  heilige  sacramente  gar 
gerne  dicke  und  vil  gebebt 
hette.  also  twang  er  uns 
mit  simc  großen  minnen, 
daß  wir  ime  alle  sunen- 
dago  geben  müstout  noch 
des  lieben  sante  Augustinus 
rot.  nu  vil  lieben  brudere 
nu  süllent  ir  wissen,  daß  os 
beschach  in  diesem  neh- 
sten  advente  des  jores  do 
man  zalte  von  gottes  gc- 
burte  drizehen  hundert  jor 
sübentzig  und  sechs  jore 
eines  morgens  do  die  brudere 
in  der  capellen  worent . .  . 

Schluss:  lieben  bru- 
dere, diß  sie  üch  gesoit 
von  unserm  lieben  koche, 
des  spise  mir  lieber  essent 
denne  von  cinie  andern, 
und  wenne  er  uns  nüt  ko- 
chen mag,  so  kochcnt  wir 
aber  selber. 

Item  das  zweiundzwen- 
tzigeste  capitel  seit  von 
Buprechte  irme  diener, 


Nö  fil  lieban  br&der, 
nu  loso  ich  üch  wissan 
van  küuradde  unserme 
koche,  da  wissant,  das  der 
fünf  jor  bi  uns  ist  gesin 
und  ist  gar  in  eime  stren- 
gen uebenden  lebbende  ge- 
sin und  hatte  öch  gar 
grose  minne  zu  dem  hoil- 
ligen  sagker  mente  gottes 
lichome.  nu  das  aller  er- 
sten jores,  do  er  zu  uns 
kam,  do  befände  wir  also 
gar  grose  minne  in  Imme 
zu  dem  heüligen  sacker 
mente,  also  das  er  das 
sagker  mente  gar  gerne 
gar  digke  und  gar  fU  gerne 
gehabbet  hatte,  also  twang 
er  uns  mit  siner  grosen 
minnan,  das  wir  imme  alle 
sünnendage  gebban  müstent 
noch  des  lieban  sant  Ago- 
stinus  rot.  nu  fil  lieban 
brAder  nu  süllant  ir  yrissan, 
das  es  beschach  in  die- 
seme  nohesten  addeventen 
eins  morgens,  do  die  bruder 
in  der  kapcUan  warcnt .  .  . 


Schluss:  lieben  bruder 
dis  si  üch  geseit  van  un- 
serme lieben  koche ,  des 
spise  wir  lieber  essent, 
dan  van  eime  andern,  und 
wanne  er  uns-  nüt  kochen 
mag,  so  koche  wir  abber 
selber. 


1376 


22.  Ka 


Sil  licban  brridet.  s^» 
baut  vir  iloun  Rü  p  r  u  cht 
uusern  dieaer  iiiiJ  itciuiftr, 
dg[  uiiD  duB  buD  und  xllos 
du  wir  biiDt  venurKSt. 
mit  dorn  buit  wir  ifi  «t- 
lisban  ilun  utwu  reduu 
aad  sprocIiSDt:  Jisbur  Ku- 
t>r«v)it,  <rla  kumt  es,  iIhi 
du  alt  nlu  hüliff  bist  •!■ 
unier  kucb  .  . . 


Sahbuui:  ilnq  dki  icb 
lü  gut  gatiatre.  ar  tj»  nick 

in  also  srossur  eTitLicher 
tcavau  als  lich  ««Iber  aod 
iik  gütllctaiu  miuia  me  diiiii 


dar  DDcb   ii'ia  lUbor  (ottes 

Nu  rll  llabBU  brüdere, 
SD  liabint  Mir  deunc  un- 
siica  ril  liabou  diouei  und 
runnrfor,  dot  iius  di.s  buK 
uud  alias  das  wir  h«nt  ver- 
h.irtoudo  lil.  mit  diesomo 
s'j  habeot  wii  lu  ottulichen 
iltan  attvwas  bübscburmde 
lind  sprechvut  m  im»  :  lia- 
bei  Ruprec  bt,  wie  kua- 
uiat  OK,  dofi  du  nüt  al^u 
bfliliKbUtaUuiiaer  koeb ... 

Üdilusa;  slio  ilafi  inli 
m  EuttP  fietruwB,  ar  lica 
Docb  «iare  nia»  ein  lieber 
gattes  ridnt,  wanna  er 
uieinet  uds  in  also  groEser 
güttelicber  tniwon  alsa  sii^h 
selber     und    in      BÖUictaar 


.  I    ,1...  . 


ki'brilii:.    s..    iiiM 

r.n<b  «n  idi   ui 

dM..|[|iilil;iirt^^in 


.    Kü- 


Nu    Til 

p  r  e  b  t  iiaavni  tU  liabu  i 
dioiiar  uud  für  sorger,  in 
UDB  das  bas  und  alles  das 
wir  baut  rir  sorgende  iil. 
mil  dieaome  io  habb»  irii 
ii'i  ettbelicbar  lit  ettenu  K 
bübeecber  redda  UDd  >pi«- 


ifi 


Riip 


es,    das  du   nüt   5cb   also 
beiUJEbist  al»  uuaaikocb  !   I 

Sdilutt:  also  das  itli 
lO  gotla  EOtrüwo,  er  u 
iiocb  siuer  wiii  ein  liebar 

meinaet  nni  in  alno  gmer  i 
gsttalishei  trfiwan  alau  aiib 
sei  her    und    In    gettelicbel 


205' 


. . .  und  ich  gloabe^  hett 
man  zu  den  xiten  za  s&nt 
o  Paulus  gesprochen  als  man 
zu  dem  lieben  sant  Johan- 
sen  baptisten  sprach,  er 
hett  euch  dieselben  demü- 
tigen wort  gesprochen :  ich 

0  bin  es  nüt,  ich  bin  nit  wir- 
dig,  das  ich  im  sin  schfihe 
ryemen  anruren  solte.  ach 
lieben  brudor  es  stet  jetzunt 
also  sorglich  in  der   weit, 

5  das  ich  gar  übel  getruwe. 
und     wissent,     werent    ir 

mich  bekennende,  ich 
schribe    üch    nützt,     und 
davon  lieben    brüder,    was 

0  ich  üch  schribe,  das  no- 
ment  nit  Ton  mir  armen 
Sünder,  einer  armen  un- 
wirdigen  creaturen ,  ir 
süUent  es  nemon  Ton  gotte 

^  in  dem  alles  gAt  beslossen 
ist.  und  ich  kom  gar 
kumo  darzu  und  es  muß 
doch  sin,  das  ich  von  mir 
selber  schribe  und  ich  lasse 

0  üch  mit  kurtzen  Worten 
wissen  .  .  .  und  mir  lieber 
were  man  befinde  es  nach 
minem  tode. 


mit  gar  kurtzen  wortten 
von  mir  selber  dchriben  . . . 
. . .  und  ich  bin  gloubende, 
hette  man  zu  denselben 
ziten  za  sante  Pawelse  ge- 
sprochen, alse  man  za  dem 
lieben  sant  Johannes  bapti- 
sten sprach,  er  hette  üch 
dieselbe  demütigen  wort 
gesprochen:  ich  bin  sin 
nüt,  ich  bin  nüt  würdig, 
daü  ich  ime  sinen  schuch- 
riemen  anrOren  solte.  ach 
minne  ril  lieben  brüdere, 
es  stet  ietzentano  also  gar 
sorgliche  in  der  weite,  daß 
ich  gar  alzumole  übele  go- 
truwonde  bin.  wenne  wis- 
sent,  und  werent  ir  mich 
bekennende,  ich  schribe 
üch  nüt.  und  dovon  lie- 
ben brQdore,  was  ich  üch 
schribe,  daß  nemont  nüt 
von  mir  armen  sünder, 
siner  armen  unwürdigen 
creaturen,  ir  sullent  es  ne- 
men  von  gotte,  in  dem 
alles  gut  bosloßen  ist. 
nu  minen  vil  lieben  brü- 
dere, ich  kume  gar  kume 
darzu  und  es  muß  doch 
sin,  daß  ich  üch  von  mir 
selber  schribe  und  ich  losse 
üch  mit  kurtzen  werten 
wissen  . .  .  wanne  mir  lie- 
ber were,  man  befinde  es 
noch  mime  dote. 


kfirtzen  worien  van  mir 
selber  schribban  . . . 
. . .  und  ich  bin  glöbende 
and  hatte  men  in  den  sel- 
ben ziten  zu  sant  Piwelse 
gesprochan  also  man  zu 
dem  lieban  sant  Johannes 
badisten  sprach,  er  hatte 
6ch  die  selban  demütigen 
wart  gesprochan  und  hatte 
uch  gesprochan:  ich  bin 
sin  nüt,  ich  bin  nüt  wrdig 
das  ich  imme  sinan  schuch 
rieman  anne  rüren  sülte. 
ach  mina  fil  lieban  brüder, 
ich  getrüwe  iezentan  der 
weite  also  gar  sercliche  es 
nü  stot  so  getrüwe  ich  ir 
uüt  wol,  wanne  wissent, 
und  werent  ir  mich  beken- 
nende ich  schribbe  üch  nüt. 
und  do  van  lieban  brüder, 
was  ich  üch  schribbe,  das 
nemment  nüt  van  mir  ar- 
men sünder  siner  armen 
unwrdigeu  creaturen ,  ir 
sülIent  es  nemmen  van 
gotte,  in  dem  alles  gut 
beschlossen  ist.  nü  mina 
vil  lieban  brüder,  ich  kume 
gar  kume  dar  zu  und  es 
müs  doch  sin,  das  ich  van 
mir  solbar  schriba.  nü  vil 
lieban  brüder,  so  lose  ich 
üch  mit  kürzen  werten 
wissan  . . .  wanne  mir  liebar 
wer  man  befünde  es  noch 
mime  dode. 

Wanue  lieban  brüder, 
ich  lose  üch  wissan  und 
ist  es  gottes  wille,  das  min 
heimmelicher  frünt  lenger 
in  der  zit  bliben  sol  d&n 
ich,  so  wissent,  so  werdent 
ir    dau    erst    befinde    yan 


Acli  liebsn  bcüilero  it- 
ijiia«nt  gut  sinei  tmnda- 
\>>e«u  ccbBTUido  . . . 

Schills».-  »anii  ir  =iül- 
luat  wiaseo,  hatt  äu  liebu 
aaiil  P>iiluB  ult  Imfnaden, 
WBH      fruchtbKTHr      gnadeu 


I  beko- 


ruDEBii  findet,  sr  butt  e 
siDWi  brAdani  uie  «Jau  eüea 
OTDUCht;  wan  er  bat  to: 
(«t  wo)  Eehürt,  dai  e 
siirach:  Paula,  laß   dir  p<] 


Ach  liobon  brüdsio  ar- 
ijianeat  giilt  siner  giuud«- 
louei]  erbenuedti  .  .  . 

brudore  ir  sälleat  wissea 
und  battu  dar  liube  saut 
Pauliit  nut  befundou,  «aa 
(ruc^btbaier  gnodcn  man  iii 
dur  groniiD  bnkOiungoD  ba- 

btüdem  aiu  alan  ifiane  fe- 


i'"l«ii.      ilnriLur'h 


■rolie  tii  w"rle  «l^!  mm 
iebban  . . .  Schmidi  liFr. 
S.  113  Ziilf  2U  r-n  ,^» 
bu  S.  116  Zcilf  X  r-m 
unf'-it-'  uuti  an  fünf  ende 
•iei  i'ritUnhBlt  feilet 
wt<la.  und  wer  es  das  es 
batcbobbtt,  nn  mütha  ti 
«iil  beecbohhoD,  das  ich 
in      ufHur    laut     künienda 


lusea  urbi>nuedu  ■ . . 

SeUtus:  wmn  liob 
bn'ider  ir  siillant  «issui  u 

velf.    ndt    bdfrmdea.    ■ 

iler  cro«au  bekoTaael^  m 
nudflt,  1^  bätta  OS  <iD 
brSderu  aio  also  HnEs  j 
malit.  waiina  der  liebe  u 
Piirell  der  lutta  Tan  pfil 


t'   llAbtoii 


LMllt,. 


S.lirlier  ^'n>.siT  iiiiraikol  und  -'■LL'.--frli(-|ier  eiempel  uii.l  tW>stlLclw 
yutiT  uiatwfi'.'ii  st.nil  gar  vil  üj  ilrii  drii/ii  uikuudbiicliern  ^ü  dulsili  und  i;; 
i.Ltin,  Jiiruli  .list'  ilru  i,'i'fjfiiwuitk-en  meiniiriale  gesdiribi'U  sint.  bi  Upii  iilU'u 
mau  Will  nitTcki  II  nia;,'  iiii>l  gewov«  jri'züu'iiili  haben  der  iriiiidenriihon  H-irdi- 
ki'it  ile.«  liu:-üs  ziiin  Gniiion  WBriU,  darumli  es  biUicIi  in  alleü  oreii  lü 
lialti'LL  ist  VII  allen  ilon.  di.'  '/^  in  dclu'iii.Tl'^i  wise  oder  State  lipliib  i"l"r 
!,'eistlii-li  ieiiHT  ri'u-i'Tfd  iviTiiiTit  mlei-  diiriiiiie  woneii  uder  dar  ivandelen  s-l- 
Icnt,  diin-li  das  si  i'utjifcrii.'-lirlii^n  werdt-ut  zu  kumeude  iu  die  ^ale  aller 
di-iT  v(iri:i->'liriiii*iK'ii  Ujcnielti'n  nbcriiatiirJii.lird  iThicliteten  fründe  mltfi  in 


207* 

ewikeit.   darzd  helfe  uns  allen  die  allmeclitige  ewige  heilige  drivaltigkeit, 
got  der  vater,  got  der  sün  und  got  der  heilige  geist.   amen.   amen. 


Diß  ist  von  dem  xxiiij.  capittel  und  seit  von  dem  briefe^^.^op»^ 
des  obersten  meisters  in  dütschen  landen. 

Wir  brüder  Cünrat  von  Brunsberg  =  15*4-16*10. 


Das  XXV.  capittel  ist  ein  dütsch  abgeschrifft  des  \?itiji'2b.Kapitd 
sehen  briefs  über  die  ewige  messe  in  sant  Jakobs  ere. 

In  gottes  nammen.  amen,  allen  den  sye  kunt  geton,  die  disen  brieff 
ansehent  oder  hörent  lesen,  das  wir  brüder  Heinrich  von  Wolfach, 
commentnr,  und  der  convent  des  hnses  zu  den  Grünenwerde  .  .  .  . 

Übersetzung  der  Urkunde  von  1372  sept,  24  u.  od,  14,  Strassburger 
Bezirksarchiv  Or,Perg,  H1385  (14),  (Strassb.  U,'B.  7,  449),  Vgl,  zur 
Sache  5*  anm,  1, 


Das  xxvi.  cappittel  ist  ein  abgeschrifft  des  dütschen 26, Kapitel 
L.-,  briefes  der  drier  weltlichen  pflegere. 

Allen  den  sye  knnt  getan,  die  disen  brieff  iemer  ansehent  oder  hörent 
lesen,  als  die  erbem  geistlichen  herren  der  commentür  and  der  convent  des 
huses  zum  Grünenwerde....  Abschrift  der  Urkunde  von  1388  april  4, 
(U'B.  7,  679)  des  Inhaltes:  Die  Pfleger  der  St  Jacobsmesse  Wilhelm 
iQ  Gürteler,  Claus  Bühssener  und  Claus  Smalryeme  wählen  mit 
berufung  auf  den  latStiffcungsbrief  dieser  Messe  Claus  Zorn  gen.  Lappe, 
ritter,  den  altem,  Claas  Zorn  von  Bulach,  ritter,  und  Konrad  zu  der 
M  e  g  e  d  e  zu  Pfleger  der  Jakobsmesse. 

Geben  des  nehsten  samstages  nach  dem  heiigen  ostertage  in  dem  iore, 
2,5  do  man  zalte  von  gottes  gebürte  1388. 

Die  Urkunde  ist  nicht  in  Original  erhalten. 


Das  xxvii.  capittel  seit  von  zweien  überblibenden  IdLÜnin 27, Kapitel 
bü ehern,  die  euch  zum  Grünenwerde  sint. 

Die  vorgemelten  zwei  bücher  wurdent  von  erst  uß  dem  latine  zu  dütsch 
^0  geschriben  und  blibent  über  an  den  drien  Urkunde  büchem  des  huses  zum 
Grünenwerde  von  sache  wegen  als  die  rubrike  seit,  die  zu  vorderst  in  ir 
ieglichem  geschriben  stat  mit  einem  florierten  H. 


1  dreivaUikeit,  Amen  E,  (i  3  Item  dis  ist  der  brieff  des  obersten  meisters 
in  tütschen  landen  sante  Johans  ordens,  so  er  den  drien  weltlichen  pflegem  ge- 
geben het  über  die  drü  urkundbüchei',  die  sie  domitte  ?tant?Mben  soUent  ewigliche 
m  dem  huse  zu  dem  Gr unenwerdo  zu  blibende  £        6  das   25-28  Kapitel 


t^U\*^    V 


208* 

Dieaelbeu  zwei  ersten  übeTblibendäE  latiain  büchur  ^  G0*26  (tgl. 
119*iJ)  mit  folgtnden  Äbiceiehnngtn :  61*5  sol.  Do  ist  dis  gegenwurtigi' 
buch  derselben  eins,  doch  stet  ettffie  vil  materien  me  in  den  swei  latiniL 
büchem  denn  in  disendriendütschen  die  selben...  61*9-10beide]  in  die  zwei 
laünin  biiuher  zu  aller  hinderst  geschriben.  dabi  aü  die  pflegere  =  ]2ü'ä. 
Gl*13  nmbdaa^  120*ß  23  pfilar  eines  geziinbers^^  120*6  27  andere 
acliinliche,  ebenso  B  30  begobet  und  begnodet,  ebenso  B  43  umb  allen  den. 
tbenao  B  62*1 9  kan  nnd  mag  35  selber  snglimpf  gar  grossen  40  maria 
die  mAter  gottes. 


Knfiii'l  Difl  ist,  wie   man  dis  ewige  messe  in  s; 

teglicb  scbaldig  ist  zuhaltende. 

Item  alle  hochzitlich  fest  dnrch  das  jor  -=  7*1-2". 


KapHA  Das  xxii.  cappittel  seil  von  dem  aide,  deD  die  weltlicb«n 

pflegere  swerent. 

Wir  Claus  Zorn,  dorn  man  spriclit  Lappe....  Abaehriß  der  ur-  i 
kund«  oon  1393  juni  23.    Bezirksarehie  Sirassburg  Or.  Per g.  H 1353  (6). 
Vgl.  die  Absehriß  im  Brießueh  Bl.  46''  (12.'i*30-136*a3)  und  die  beigt- 
gtbene  Schriftlaftt  Nr.  2. 


einrieb  Rlangharti 
rbundeii    liatin  tim 


KKuinM  Diß  seit,  us  wa:^  sai:b.-ii  mau  die  e' 

fre  t^i  glich  schuldig  ist  zii  li  alten  voi 
seligen  wegen,  alsder  couvent  sich 
besigflten  latiiiiii  brifu. 

Heinrich  Blangliart    was    s.hiildig    einen    tutslag    zu    verbl■^■ 

senide ^   :i*ii-li*HS  mil  fohiexdi'.n  i^searlen:  V,*\ü   hieuoch  ]  hinvor 

fi*2:i  in-  24  bücher  J  in  dii;drüurkuud  biicbcr  und  in  dise  driipfleger  biicher  j 
6*:n  und  billicb  halten  sÜllcn  WA  seligi^n  v.  L.Men />/ii(    US  unsor  h^rr 
Jhi'SUä  Chri.ilus  gebi'  inon  die  li'nuTw-n/nd"  oni^'^'  ruwc.    Amen. 


.1  IMiMiacli  folfiet,  Hie  si'iicli  gelt  i^owemlet  in. 

L'isiT  vorgcichribenen  messen  bar  gelt,  das  der  egenant  Hein  ricii 
1! Ulli!-' hart  selige  von  L''feno  und  Liikart  sin  eliche  hußfrowe  d;ir^" 
gnbeiil  dem  tit.'ilif,'cn  appoäteJn  «int  Jacob  zii  oreii,  domit  man  sult  gektiuiVt 
haben  zw'ilff  pfumit  ewiges  geltz  einen  ewigen  priester  satit  Jolians  urdfcs. 
dnmit  i.ü  enthaltende,  d-  duchte  ßulman  Mers win,   des  hiises  stiffior 


209* 

Grrünenwcrde,  das  es  der  gemeine  aller  unser  nachkomenden 
r  und  notdarfftiger  were  and  onch  ergetzenlicher  und  köstlicher, 
dasselbe  bar  gelt  leite  an  den  gebnw  der  kircben  nnd  des  langen 

umb  den  garten  denn  an  dehein  ander  eigen,  das  wart  im  oncb 
ten  von  allen  brüdern  gefolget  und  siner  consciencien  befolhen, 
ein  erluchteter  übernatürlicher  grosser  gottes  fründt  gewesen  ist,  nnd 

gotte  zu  demselben  gebuw  getriben  und  ermanet  wart  mit  guten 
D  Urkunden,  als  manigfalticlich  davor  geschriben  stat  von  der  er- 
^e  des  huses  zu  dem  Grünenwerde  und  von  sinem  heiligen  lebende 
)T  verborgenen  heimlichen  gesellschaft  in  Oberlant.  Darumb 
och  ensol  niemant  klagen,  das  er  desselben  geltes  nit  niesse  oder 
isen  habe,  wann  der  urgang  sunderlich  der  naturen  ein  grosser  be- 

sunderlicher  notdurfftiger  uffenthalt  ist  aller  brüder  und  personen, 
bgescheiden  innig  behutsam  leben  minnent  und  meinent  und  gern 
lies  weltlichen  kumbers  liddig  sin,  als  ouch  das  büß  zu  dem  Gru- 
de von  gotte  und  von  sinen  frunden,  der  vorgeschribenen  stifkeren, 
n  und  gemeinet  ist.  Amen.  Amen. 


ß  seit,  wie  man  weltlich  priester  oder  ander  personen 
halten  in  coste  oder  sust. 

n  wer  es  ouch,  das  got  einem  weltlichen  manne  die  genade  gebe, 
'itter  oder  kneht,  pfafif  oder  leie,  das  er  sin  leben  bessern  wolt  und 
Iben  hnse  begerte  zu  wonen  bi  den  brüdern, ....  AbschnUU  des 
iefes  S.  173*15-30  u.  173*83-37. 

b  soliche  ordenung  hat  der  stiffter  Rülman  Merswin  gotte  und 
ansen  und  unserm  orden  durch  siner  seien  heiles  willen  luterlich 
tt  gegeben  das  closter  und  das  huß  zu  dem  Grünenwerde  mit 
hüsern  mit  iren  zügehorden  und  ouch  fünffzig  pfundt  gelts,  domit 
oster  gewiddemt  hat,  also  das  gottes  dienst  von  unserm  orden  do 
m  gehalten  werde,  als  das  der  stifftungsbrieff  eigentlichen  wiset, 
i  nit  wiset,  das  iemand,  er  sie  weltlich  odder  geistlich,  dehein 
do  haben  sülle.  Amen. 

gl.  9'15ff. 


-  T.  \\ 


IT. 

Das  erweiterte  Pflegermemorial. 


^ota.  Des  iures,  do  rasa  lalte  tod  gottes  gebnil  XIII'  tivij  ior.  d» 
Baleman  Heiswin  dds  huD  zum  Grüneuwerde  mit  siner  zagolx'irde 
ao  sich  brobt  bette  and  es  daimuLb  iiut  aaot  Jubäns  ardea  geben  hatte,  also 
er  zu  derselben  uit  den  alten  gebu  zu  dem  Grünenwerde  aneving  in 
ernüwende,  do  buwete  ar  ocb  ein  nnwe  capello  in  ere  der  xj  tosend  megede 
af  der  stat.  do  nun  der  beaclilossene  kur  stft 

Item  vor  derselben  ij  tnsent  mpgede  capelle  bowete  Peter  toji 
Kaisersperg  ein  hnß  den  gronen  munihen  von  sant  Bemhardes  orden 
■m  reris  .io  man  zaltf  XHFKi\  iir  alse  mi  m  den  ziten  zudem  Gruiieii- 
wur.le  ttiirbi^nt. 

Und  undcr  deiiiselbon  hui»,  bunfto  Kulmari  Morsivin  ^leu  ersten 
spittiil  mit  mte  des  von  Itrunsperg  xu  den  ziteu  meistor  sant  Jobaii> 
ordens  in  tütsclieii  landen  in  dorn  ersten  iore,  also  er  das  bull  zu  ilm 
Uriincn  werde  dem  «>rd('ii  :^aut  Ji>Lans  gegeben  bat,  und  man  <<c]\  zu  ikr 
üt  zalte  XIIF  hij  ior.  i 

Item  (loroselben  t-rst«n  spittal  und  den  dürftigen  darinnen  gab  H*'iii- 
rii'li  lUankbard  vmtl  L^ifen  und  I-iik;ird.  sin  bußlrowe,  iiij  ff  gelt;: 
wurdeiit  daniacb  zu  l'ünffe  inrgezitcn  gemai'bl. 

Item  disi.T  erste  s|iittiil,  der  xj  tiisent  niejjedc  capelle  und  iler  v"tJ 
l'iTis  liull  «art  alles  wider  abegcbrotbi-n  noch  des  gynanlen  Heinrich  - 
lilanrbartes  loile.  'U  man  den  beschlossenen  chore  aneving  zu  hnw^nilv 
dis  iört's  iils  man  zaltc  XIII''  Ixxvij  ior:  und  die  diirfl'tigen  Hesse  nian  alle 
uHsterben  und  meinte  jiimmi;r  ki*in  spitlal  nie  zuhaltende  ',!U  dem  Gruiieu- 

Item  noch  iles  ersten  spittals  undergang  und  abbrucb  vier  i-r  ff»r  . 


211* 

bnwen  von  CüntzelznrMegede  und  sine hanßfrow  mit  sture  und  helfife 
des  obgemeldeten  herren  von  Brunsperg,  meister  sant  Johans  ordens,  in 
dem  ior  do  man  zalte  XIIP  Ixzxj  ior.  138 


Erster  Teil. 

Im  ersten  Teü,  der  Chronik,  ist  in  Cap,  9  [vgl.  oben  180*17] 
>   nach  dem  Datum  181*27  eingeschoben: 

Dis  ist  eine  regele  mit   eime  vorgonden  briefe  des  obersten    Sjhu 

meisters  in  tütschen  landen,  mit  weler  ordenunge  man  die  dürf-  ^*^*** 

tigen   in  disen   selben    spittol  zu  dem   Grünenwerde   nemen 

söl.     Disen  selben  brief  der  dürftigen  bihter  in  hendes  Jiet  alsus 

^  sprechende: 

Wir  bmder  Hesse  Slegelholtz,  meister  in  tatschen  landen  und 
comendure  zuLangowe  sante  Johanns  orden,  hant  anegesehen  die  gate 
gottliche  meinunge  der  erwirdigen  geistlichen  herren  bruder  Gunratz  von 
Brunsperg,  unsers  forfahren,  daruß  er  mit  etlicher  weltlicher  lüte  sture 

^  einen  spittel  gebuwen  het  in  unsers  ordens  huß  zu  dem  Grünenwerde 
zu  Straßburg,  darinne  man  der  erbermde  werg  üben  sol  und  sovil  armer 
dürütigen  spisen  und  versehen  sol,  alse  man  mit  dem  almusen  erzügen  mag, 
das  darzu  gehört :  die  armesten  und  die  elendesten,  die  aller  minnest  zitliches 
gefelles  oder  ufenthaltes  von  in  selben  oder  von  ieman  anders  haben  mügent 

0  und  euch  erbere  gott  meinende  personen  sint.  das  bestetigent  wir  der  vor- 
genant bruder  Hesse  Slegelholtz  mit  disem  gegenwertigen  briefe  und 
wellent,  daß  ein  commendure  desselben  huses,  oder  weleme  des  spittals  pflege 
befolen  wart,  versorgen  und  versehen  soll  in  aller  ordenunge  dis  almusens, 
das  got  luterliche  gemeinet  werde  und  och  nieman  von  uns  geklagen  müge, 

5  das  er  ungeeret  blibe.  darumbe  sol  ein  spittal  meister,  oder  welem  es  vom 
comendure  bevolen  würt,  ane  schriben  alle  die  dürftigen,  die  in  den  spital 
werbent  und  erber  lüte  für  sie  bittent.  und  wenne  ein  sieche  in  dem  spital 
gestirbet,  daß  eine  statt  ledig  wirt :  so  soll  ein  spittal  meister  oder  welem  es 
bevolen  würt  die  angeschribenen  dürftigen  alle  gesehen,  und  welre  dürftige 

0  in  düncket  bi  siner  conciencien,  daß  er  des  almusens  aller  notdürftigest 
sige  und  och  nüt  zumole  ein  ligering  sige  und  ein  zu  swerer  überlast  des 
gesindes  und  der  andern  dürftigen,  den  soll  er  nemen  on  alle  ufgesihte 
keinerhande  gefalles  oder  ungefelles  oder  iemans  gunst  oder  Ungunst  zu  be- 
holende, das  gebietent  wir  bi  tngent  und  kraft  der  heiigen  gehorsame,  des 

6  zu  Urkunde  hant  wir  unser  eigen  ingesiegel  gehencket  an  diesen  brief,  der 


Sl  nAo.1i  obigen  chronistischen  Bemerkungen    folgt  die  Chronik  in  13  Ka^itoln. 


gegeben  wart  des  nebsten  tages  noch  sant«  Joboims  Baptisten  tage  za  sdd«- 
toi      gihien  in  demjore,  do  man  lalt«  von  gotz  geburte  vieriehen  bundert  jähr 

"'  '^^    und  ein  jor. 


fce  lier  Ois  sint  die  werg  der  erbermde,  die  unser  herre  Jeans  Christas  an  dem 

VT .  jüngsten  tage  vordert  von  allen  menschen,  nnd  si  lobet  an  den  uCerwelten  > 
zu  der  rehten  hant  für  alle  andere  übunge:  vasten.  wachen,  betten  und  ander 
kestignnge  des  libes,  alse  sant  Mattheiis  schrtbet  in  dem  25.  capitt«le  sins 
ewangelies,  daS  er  zn  in  sprichet :  „KumenC  ir  gebenedeiten  mins  vatters, 
besitzent  das  rieb,  das  üch  bereitet  ist  von  anegenge  der  weite,  wanne  mich 
hungerte,  do  gobent  ir  mir  essen ;  mich  durste,  do  gobent  ir  mir  trincken;  ii 
ich  was  eilende,  do  herbergetent  ir  mich;  ich  was  nackent,  do  kleidetent  ir 
mich;  ich  was  siech,  so  sohont  ir  mich;  ich  was  in  eimekerc^er,  do  koment 
ir  zn  mir  and  trostent  mich,  fürwor  sage  ich  üch,  alse  dicke  ir  diu  totent 
eimo  dem  miunesten  von  diesen  minen  brädem.  so  totent  ir  mir  es." 

Hiewider  stroffet  er  die  verdammeten  zu  der  lincken  hant  und  verwisset  ii 
ir  sümenisse  der  wercke  der  erbermde  für  alle  andere  ire  gebresten  d«r 
süben  höbet  Sünden,  so  er  zn  in  sprichet:  „Gont  ir  verflucheten  hin  in  das 
ewige  für,  das  bereitet  ist  dem  tüfel  und  stnen  engein,  wanne  mich  hungerte 
nnd  ir  gobent  mir  nnt  essen  ;  mich  darste  nnd  ir  gobent  mir  nüt  trinckeiu 
ich  was  eilende  und  ir  herbergetent  mich  nüt;  ich  was  nackent  und  ir  « 
kleidetent  mich  nüt ;  ich  was  siech  und  in  eime  kerker  und  ir  gesohent  mich 
nüt,  fürwor  sage  ich  üch,  also  lange  ir  dis  nüt  totent  eime  von  dispm  dfm 
miunesten,  so  totent  ir  es  och  mir  iiut.'"  und  dise  gont  in  die  ewijri'  pi«''- 
aber  die  gcrehten  in  das  ewige  leben. 

Dis  sint  die  wort  des  worhaften  mund^s  uusers  lieben  horren  J1k';u  ;■ 
Cliristi  und  des  beiigen  ewangeües  santi  Mattbei,  dobi  ein  ieglich  cristeii 
mcn^ctie  sunder  zwifcl  gilben  und  wissen  mag.  so  ans  die  erbermde  gotK> 
ersibinen  an  unsenn  ende  und  an  dem  jungesten  tag,  so  miissent  wir barm- 
hert/.ig  sin  d<'n  eilenden  und  den  armen,  den  hungericlu'n  und  den  durstigen. 
den  siei'beu  und  den  gefangenen,  darnf  üch  der  erste  und  der  rd>erste  spittal  ■■'' 
in  dem  hi-ilgen  lande  zu  Jhi^rusiilem  sante  Johans  ordon  nnd  alle  spittal* 
und  elende  herbergen  in  der  cristenln'it  gwtil'iet  sint.  daß  sich  nioman  eui- 
si-biildigen  mag,  ervindo  ii'mer  zn  spisende  und  ?.u  trenckende  und  erberimie 
an  ine  zu  übend.',    urnl  sunderliib  ist  geordent  in  dem  spittal  zu  dem  ürii- 
uenwerdi'.  dal!  man  U;\iinnH  luTbergen  und  versehen  sol  eine  zale  armer  ; 
dürftigen,  alse  viel  man  erziehen  mag  mit  dem  almusen.   daß  darzu  geli'TT: 
die  ärmsten  und  die  ellendeslen.  die  aller  minnest  zitliches  govrll'-j  ud'i 
ufeiithaltes  vnn  in  .selber  oder  vnn  ieman  anders  haben  mtigeiit  und  ■'■tli 
erbend  gi.t  meim'nde  personen  sint.   und  umbe  daß  d^s  zarten  min  neue  liclieu 
.Ihi'^us  durch  tin«  urnicn  iliirftigi^ii  in  aller  lurinigo  und  handclunge  Je.-!"  '■■■ 
li|ilnlicr  und  iiiiniii's;imccliclifr  -.'i'narti't  und   L'ojiliogeu  müge  werden.  Ab'- 


213* 

er  selber  sprichet  in  dem  heilgen  ewangelio:  ,,was  ir  dem  minnesten  tant  in 
minem  namen,  das  hant  ir  mir  geton'',  so  ist  gemeinet  von  der  meister- 
schaft  sante  Johans  ordeus  und  och  von  den  Stiftern  des  spittals  zu  dem 
Granenwert,  daß  man  anegondes  nut  zu  vil  ligender  betterisen  in  den- 
selben spittal  nemen  sol,  die  dem  gesinde  za  swere  and  za  ardratzig  sin 
mohtent,  das  sa  anwarsch,  angedoltig  and  minneloß  mache  gegen  den  an- 
dern siechen,  die  ohne  daß  tageliche  betterisig  and  anfletig  werdent  wider- 
zeme  der  natoren.  der  spitalmeistor  sol  das  fürkommen,  versorgen  and  ver- 
sehen noch  des  vorgeschribenen  briefes  lute  and  sage,  also  och  in  demselben 
spittal  ein  tofelle  hanget  and  za  vorderste  in  dem  bruderschaft  buche  ge- 
schriben  stat.  in  disen  Sachen  and  in  allen  Sachen  soll  Jhesns  alleine  anser 
gegen  warf  sin  on  alles  waramb,  wenne  er  ist  der  beste  teil  and  das  erste 
gut,  den  wir  oach  minnen  und  meinen  süUent  für  alle  zitliche  gefalle,  so 
folget  uns  appelos  der  sünden  und  ein  gnädig  urteil  an  unserm  ende  und 
an  dem  jüngsten  tage  und  ewig  leben,  das  erwerbe  uns  Maria,  sine  liebe 
würdige  mutter,  und  alle  Übe  heiigen.  Amen. 


Nach  den  Vier-Jahren  Rulmann  Merswins  und  vor  dem 
Fünf-Mannenbuch  ist  als  „dritte  Materie'^  die  sogenannte  „hin- 
derste  stroffunge^'  Rulmann  Merswins  eingeschaltet: 

Dis  cappittel  ist  die  dirtte  materie   und   seit  mit      ^'' 
eime   vorgonden  prologo   von   der  hindersten   strof-  ♦^«*'»"*V 
fungen  und  Warnungen,  die  derselbe  Rulman  Merswin 
US  götlichem  tribeiide  den   brüdern  schriben  muste. 

Dis  ist  ein  liepliche  strolTunge  und  ein  gelruwe  warnunge, 
die  der  liebe  Stifter  Rulman  Merswin  den  brüdern  zu  dem 
Grünenwerde  unlange  vor  sime  tode  zu  eime  früntlichen  sele- 
gerete  zu  letze  lies,  wanne  er  ouch  von  gotte  größlich  darzu  ver- 
manet  wart  eines  sünnentages,  do  er  den  heiigen  fronUchamen 
in  dem  würdigen  sacramente  empfangen  helte.  zu  derselben  zit 
worent  ouch  der  brüdere  nüt  me  denne  zehene,  alle  von  einfal- 
tiger gebürscher  geburt.  und  ist  zu  gloubende,  daß  er  selber  was 
der  lidende  mensche,  den  er  inen  zu  eime  exemplar  in  dise  min- 
nentliche  warnunge  gesetzet  het  bi  derselben  Warnungen  und 
bi  vil  andern  sinen  worten  wol  zu  verstonde  ist,  daß  die  heiige 
drivaltikeit  allen  brüderen  zu  dem  Grünenwerde  ewegliche 
gerne  wil  grosse  gnode  tun,  ehe  sü  selber  wellent  und  es  nüt 
verlierent  mit  irme  eigenen  willen,  alse  öch  der  liebe  gottesfrünt 


19  Tgl.  18*13. 


S14» 

in  Öberlanl  dicke  herah  geschriben  hett  und  sünderliche  in 
eime  tütschen  bui;he  von  sime  und  sinre  briidere  leben  und  das 
heissel  das  buch  von  den  fünf  mannen ;  und  stot  hienoch  geschriben 
in  disem  gegenwerligen  buche  und  in  dem  latinen  buche  und  t'nh 
in  eime  bappire,  das  er  mit  sin  selbes  haut  gesthriben  het,  in  dem 
er  öch  die  bn'idere  zu  dem  Grünenwerde  gar  gräßliche  manet, 
dali  sü  sullent  gotte  dangbar  sin  umbe  das  gro^ise  gut,  das  er  inen 
geton  hei,  beide  lipheh  und  geistlieh,  und  erzelet  die  fHdelJche 
geselleschaft,  den  schönen  gebu,  die  lustlichen  kammern,  das  gute 
essen  und  trincken  und  alle  notturft,  die  ein  jeglich  bruder  mit  ' 
sunderheit  het  gar  vollecliehe,  alse  vil  er  vor  gotle  getar  ge- 
brucheu.  und  sprit-het  denne  zu  jungest  gar  mit  grossem  ernste, 
welre  brtider  zu  dem  Grünenwerde  aller  dirre  goben  und 
gnoden  gotte  nit  gar  gröbliche  dankber  ist,  der  habe  gar  wenig 
göttlicher  minnen  und  müge  sich  sin  war  gröbliche  erschrecken,  > 
in  solicher  wise  hant  die  zwene  Üben  gnodenrichen  stiflere  den 
brüdera  zu  dem  Grünenwerde  dicke  gar  vil  guter  tröstlicher 
worte  geschriben  und  geseit,  dovon  su  und  alle  ire  nochkommen 
ewecUche  mügent  gebessert  werden,  alse  dicke  sü  es  lesent  oder 
hörent  und  darane  ;jeilenkent  und  sundorlJche  in  diser  gegenwcr-  -' 
tigen  hindcTslen  letze  d«!s  liclicn  slil'ters  Rüimati  Mer^wiiic?. 
die  hie  anevtihet  und  iilsus  s|irii.-het: 

Es  bescharh  eins  süucut.ige:-  zu  tcrcien  zit,  du  icii  unsern  liobeu  lierrni 
in  ilem  htilgen  sacr;imente  empfangen  hetti',  das  itli  in  miuer  iiataren  (■«- 
was  kran^lieit  lievaut.  da  satte  ich  micli  nider  und  WDlte  gerne  cttenas  gt-  ;■ 
bettet  haben  und  ettewas  gntes  gedenken,  also  ich  nocli  miner  gewonhcit 
pllige  zu  tunde  und  nuch  alse  ei  denne  gott  gebende  ist.  aber  ni-'  ich  dei 
■  'der  was  ieh  anevinj,'  »der  ivunocli  ich  frediditi>  (kI.t  war  ich  mich  kerti\  ;  > 
half  i-s  alles  mit.  und  ich  enmuhte  mii  h  nit  or"(ir->ii.  mir  viul  alles  uiiscrr.» 
brilliere  gegeawertikeit  in  die  sinnalithe  verniuifi.  und  was  der  iiifall  et«ai  ::■ 
sivere,  also  das  iili  die  tinidero  etteivas  mit  erhermde  aiiesaeh.  uii'l  "^i^ 
der  infall  und  ilie  erbertiiede  in  mir  als<i.  das  mich  gar  scr  erb^irm'le  imd 
mich  uuch  ettewas  fruinii^  an  d''m  miltt-n  erbariiihertzigen  gotte  hPtte.  dal> 
die  brüdere  in.i.-h  alse  gar  wenig  iniiewHidiges  liebtrs  noch  überiiatürlieho 
trostes  dw  heiigen  geistcs  belindeiit  und  noch  gar  junge  einvaltige  lin'ider-'  i' 
sint  und  gerne  tetent,  was  si  wnstent  oder  bekantcnt,  das  gat  were  und  nuch 
alles  ussonendige  menschen  sint.  und  in  diseu  gedenk-'U  wart  mir  alse  gar 
ernst,  das  ich  mit  nmu<l"  und  mit  hert'/.en  ussolirigende  und  ussprei-hende 
wart  also;  ach  barHiliert/.iger  milt"r  gotl,  nu  b"k>>nne.>tdu  doch  alle  hertz.>n  «A 


216* 

und  dn  weist  ouch  wol,  das  dise  bradere  sint  ein  einfaltig  gebürsch  gesammelt 
volk  alse  oncb  dine  jüngere  worent,  und  du  den  doch  hilffe,  das  in  der  heilig 
geist  nbematnrliche  wart  also,  das  su  gar  verwegentliche  and  fröliche  wnrdent 
nslöfende  und  mit  übernatürlichen  zügen  nsrüfende  und  sprechende  von  dime 
namen,  also  das  din  name  in  allen  landen  gekündet  wart,  und  do  ich  in 
diser  rede  nnd  in  disen  gedenken  eine  gute  zit  was  and  nüt  me  waste,  was 
ich  darza  reden  solte,  do  wart  mir  in  die  sinneliche  vernanft  zagesprochen 
also,  das  ich  wissen  solte:  ich  seite  wol  wor  daran,  alse  es  na  in  der  zit 
stot,  so  sint  die  brüdere  noch  einvaltig  and  assewendig,  den  noch  yü  bristet 
abe  za  legende,  obe  in  das  liecht  übornatürlichen  gnaden  des  heiigen  geistes 
werden  mag,  wanne  die  brüdere  hant  noch  nüt  ein  gantzes  widerstritten  in 
in  gehebet,  also  das  si  besehent  and  besorgent,  das  si  aller  untagende  qaitt 
wordent  and  alle  tagende  daras  geboren  wurdent,  and  hant  och  nit  wider- 
standen antze  an  das  blot;  in  disen  Sachen  bristet  den  bradem  etwas  vil 
an ;  wanne  sol  in  die  übernatürliche  gnode  des  heiigen  geistes  bevintliche 
werden,  so  müssent  sü  sich  noch  vaste  nmbkeren  and  stritten  and  maß  ein 
jegelich  brader  sin  selbes  mit  sunderheite  warneraen,  waruf  er  von  nataren 
geneiget  si  oder  wes  er  sich  von  sin  selbes  angenommenheit  anderwanden 
habe,  darof  er  blibet  in  sime  eigenen  willen ;  das  muß  er  abelossen  mit  rote 
des,  dem  er  sich  gelossen  het.  wanne  alse  es  na  in  der  zit  stot,  so  were  es 
fremde  dem  menschen,  den  heiigen  geist  in  übernatürlicher  wise  za  sen> 
dende  anverdienet  und  nnverstritten,  obe  das  er  alle  untagende  überwunden 
bette,  aber  gotte  dem  sint  alle  guten  ding  mügelich  zu  tunde.  und  dovon  were 
es,  das  er  von  sinre  frien  gute  einen  menschen  anverdienet  und  unerstritten 
e  erlüchtete  und  ime  den  heiigen  geist  übernatürliche  e  sante,  so  muste  er  es 
doch  darnoch  erstritten  und  gar  sure  erarnen,  also  unser  herre  dem  lieben 
sant  Pauwelse  det  und  ouch  andern  menschen  goton  het,  die  darnoch  untz 
an  iren  tod  in  grosseme  lidenden  müstent  sin  und  och  in  grosseme  lidende 
darumb  sterben  müstent.  harumb  vil  lieben  bradere  alse  gar  sorgliche  alse 
es  na  in  der  zit  stot,  so  ist  uns  allen  ussor  göttlicher  minnen  und  usser  cristen- 
licher  brüderlicher  truwe  wol  zu  rotende,  das  wir  nu  abetunt  den  alten  usse^- 
wendigen  menschen  und  nu  mit  der  helffe  gottes  lerent,  das  wir  nuwe  inwendige 
menschen  werdent,  do  inne  wir  mohtent  befinden  die  tugent  volkomener  demü- 
tikeit  und  volkomene  senftraütige  getultige  gelossenheit  in  aller  widerwerdiger 
bekorungen.  darza  ist  ouch  einmütikeit  der  brüdere  ein  gute  tugent,  das  si 
onderenander  also  lerent  leben  ein  jeglich  bruder  in  dem  mittel,  das  er  nit 
also  gar  sarheilig  schine  noch  zu  vil  frolich  und  lihtvertig  in  sime  wandel,  domit 
er  den  andern  ein  bürde  sige,  darabe  man  sich  ergern  möhte.  und  die  brüdere 
sollent  ouch  leren  die  geben  gottes  froliche  empfohen  und  dankberliche  liden, 
es  si  inewendig  getrenge  von  bekorungen  oder  ussewendig  we  in  der  nataren, 
wenne  die  abangen,  die  wir  selber  an  uns  nement,  der  dinst  soll  bescheiden 
sin.  darumb  het  uns  gott  unser  vernünftige  bescheidenheit  verlühen,  domitte 
wir  sdllent  farsehen,  das  uns  der  tüfel  nit  betrige.  aber  die  abangen,  die 
uns  gott  gibt  oder  zusendet,  die  süllent  wir  gerne  von  gotte  nemmen  und  liden, 
es  sige  loch  weler  hande  es  welle ;  wann  er  git  nieman  nit,  denne  das  er 


216' 

wul  getragen  mag.  uud  es  ist  wol  ettewas  zu  gloabende,  sd  am  tläs  übtr 
uatürliche  liebt  des  heilten  geistes  erlilbten.  das  mag  nit  wol  anders  tagaa 
danne  durch  lideu,  das  uns  got  selber  zusendet;  wenne  wisseiit  vil  lieben 
brudere,  das  ich  einen  menschen  bekenne,  der  noch  in  der  zil  lebet,  dem  ich 
ourb  also  wol  gloabe  alse  mir  selb  selber,  in  dem  gott  grosse  wanderllche  > 
werg  in  grosseme  lidende  vor  vil  joron  gewiirket  het,  alse  ich  selber  von  ime 
vemummen  und  verstanden  habe,  du  wissent,  liehe  brüder,  das  ime  gott  vui 
vil  joren  zasante  groß  gmwelicb  swer  liden,  das  er  über  in  verhiDg  in  vil 
manigTaltigen  giossen  bekoraugon  alles  mit  nogelonben,  also  das  er  alle 
zit  wonte  er  miiste  ein  ewiger  hellenbrant  sin.  ime  wart  die  heiige  geschrift  i 
fürgehebt,  die  er  doch  nie  gelerte.  do  inne  wart  ime  gazüget  vil  worte,  di« 
do  wider  enander  bdllent,  das  er  gruse  widerwertikeit  in  der  heiigen  ge- 
scbrift  gewan.  und  ime  vil  in,  das  nüt  daran  were,  uud  alles  das  si  seit 
von  cristenem  glühen  und  von  allen  sacramenton,  das  were  alles  nit  zn  gli'-- 
bende.  alse  gewan  er  zu  allen  cristeliclien  werken  and  ordenungen  keintu  i 
gh'ben  me.  und  von  disem  grosseme  lidenden  we  dirre  utanigvaltigeD  beko- 
rungen  und  unglouben,  das  doch  vil  grösser  und  swerer  was  doone  mau 
gesagen  mag  oder  sol,  do  enm^hte  er  nieman  von  gesagen  nuch  geklagen 
und  miiste  sich  vil  zites  darinno  liJen  'ju  allen  befintlichen  behelf  von  gotte 
noch  von  allen  creaturen.  dariu  duchte  in  ouch,  er  müste  ein  ewiger  helle-  ; 
brant  sin-  dirre  selbe  mensch  hette  gott  einen  rehteu  eid  gesworen,  das 
er  keine  grosse  swere  aünde  niamerme  wolte  getnn,  des  gab  er  unser  lieben 
früwen  zu  bürgen,  das  er  stete  wolte  daran  bliben.  also  bevant  dirre  mensche 
anders  nit  in  ime,  wenne  wie  des  in  duhte,  das  er  ein  ewiger  hellebrant 
miistp  sin,  so  ivolte  vt  doch  darumb  nüt  breche,  d;is  er  gotte  gelobt  nnd  gc-  . 
Bworon  lii'ttf.  in  diseme  manigvaitigeu  lidenJo  der  bekorungen  uud  des 
grossen  ungl'iben  was  er  also  lange,  untzo  daic  er  sin  gar  kräng  wart  uml 
in  duhte.  er  müste  sin  storbvu.  und  do  die  zit  kam,  alse  es  gott  haben  wollü. 
do  Hart  ime  lieht  gesaut  usscr  dem  heilgeu  geiste,  das  er  die  heiige  geschrifi 
wart  verstünde  iu  eime  übernalürlicben  liebtricheii  cristhcben  glonben,  daa  ■ 
in  dubte.  es  were  ein  gewor  wissen  in  ime,  das  er  got  anriifte  und  sprach, 
wert'  eä  sin  wille,  das  er  ts  imi!  dannu  iibeueme,  ime  were  der  glouiie 
Uebi.T  denn«  ein  wisst-n,  und  it  wart  diiriiuch  iu  i'ime  joro  iu  aller  siurf 
uaturen  alse  stark,  als  hetti;  er  iiif  wcttr^j  uipch  liiloiide.s  befunden.  uiiJ 
wie  vil  uberuatiirlicher  fr"'dwiriehur  gundun  er  doiinch  befaut,  das  ist  uiisi.-  :: 
gpüch  und  unsprwhenUuh.  aber  noch  dym  jure,  d"  kam  aber  gutt  mit 
siner  sunderberen  gnoden  in  einer  anderen  wise,  dii'selbe  guode  er  •>uili 
niemanue  git  danne  den  er  ettuwaü  rehtc  wol  getruwet  und  die  er  lucli 
zu  den  groaen  h"ilgen  marteleni  s^'tzen  wil.  dieselbe  verdieuUche  guodi-. 
die  er  disem  soll'cji  m'^nschi'!!  audt-rwerbe  gab,  das  war  ein  soliche  gn'ss«  < 
anmessige  hekuriiniri'  in  ,u'ar  vil  maniger  haude  wuster  wisen.  die  do  alle 
nf  ketzerige  truflViit,  d;is  e^  gar  sib^id"  wt're,  das  mau  mit  nndorscheide  soitc. 


217* 

wie  er  in  aller  wise  angefohten  wart  in  anlaterkeit,  die  do  solte  zu  ketzerige 
tre£fen,  wenne  er  moste  in  den  angenanten  wüsten  bilden  der  grosen  gra- 
welichen ketzerlichen  bekorangen  asliden  alle  die  creataren  redeliche  and 
onredeliche,  die  in  der  zit  sint,  and  darza,  die  er  nit  bekante,  die  wardent 
ime  za  bekennende  geben,  er  mnste  asliden  man  and  wip  and  das  vihe  and 
die  tier  in  dem  walde  and  das  loab  af  den  boamen  and  das  gras  af  der 
erden,  die  gemoleten  bilder  an  den  wenden:  das  müste  er  alles  in  groser  swerer 
bitterer  martel  der  bösen  anlateren  bekorangen  lange  and  vil  zites  asliden 
on  allen  bevintlichen  behelf  von  got  noch  von  allen  creataren  in  zit  noch 
in  ewikeit.  and  er  wart  sin  also  gar  kräng,  das  er  alle  zit  vorhte,  das  er  za 
stant  sterben  müste  and  darza  in  die  ewige  helle  varen,  and  fant  nit  anders 
in  ime,  wanne  das  er  gott  gesworen  and  gelobet  bette  bi  eime  eide,  das  er 
niemer  keine  grosse  sünde  getete,  das  wolte  er  oach  stete  haben  and  solte 
er  och  darnmb  sterbeu.  and  do  er  vil  zites  und  lange  in  diseme  grossen 
lidende  der  manigvaltigen  grossen  unreinen  bekorangen  was  gesin  und  sin 
gar  asser  messen  kräng  was  worden,  do  es  do  den  erbarmhertzigen  got  zit 
dahte,  do  nam  er  es  ime  gantz  und  gar  abe,  alse  ob  es  nie  worden  were 
und  mähte  in  euch. zu  stant  alse  gar  starg  in  aller  siner  naturen,  alse  ob  er 
nie  kein  liden  gehebet  bette,  nnd  was  er  ouch  damoch  übernatarliches  grosses 
friden  and  frowden  von  der  gnode  des  heiigen  geistes  aber  die  natare  be- 
fant,  das  ist  unsegelich  und  ansprechenlich  und  aber  aller  menschen  sinne ; 
and  das  het  ouch  me  denne  drissig  jore  gewert  und  befindet  ouch  desselben 
nbernaturlichen  friden  und  frowden  noch  alle  tage  tagelich  in  manigvaltiger 
lastlicher  übernatürlicher  froadenricher  wise,  das  er  sitmoles  keinreleige  be- 
kornnge  in  ime  nie  befant  noch  gewar  wart,  doch  bette  er  in  drissig  joren 
zu  mauigen  ziten  gar  grosse  swere  trücke  in  siner  naturen  gehebt  and  ge- 
litten, aber  er  befant  dargegene  in  ime  selber  alse  gar  vil  übernatürliches 
friden  and  frowden,  das  er  alles  wewes  des  lichamen  vergas,  und  hette  dis 
onch  vil  jore  alse  getriben,  das  er  der  gemeinde  der  weite  noch  gar  nnbe- 
kant  ist. 

Dis  schreip  der  liebe  stiftere  Rülman  Merswin  den  brü- 

deren  zu  dem  Grünenwerde  mit  sin  selbes  hant  in  eine  wahs 

tovele  umbe  die  liehtmesse  desselben  jores,  alse  er  ouch  us  der     ^^^^ 

zit   schieL    und  het  es  ouch  alles  selber  ervolget,  alse  das  vor-   f^^*  ^ 

genante  büchelin  von  den  vier  joren  sines  lebendes  wol  bewiset 

in  dem  er  sieh  noch  dem  tode  het  öffentliche  genennet,  das  er 

doch  von    rehter  grundeloser  demütikeit    in    dirre    zit  keinem 

menschen  nie  wolte  so  eigentliche  kunt  getan  on  alleine  nuwent 

einre  personen,  sime  heimelichen  gesellen  dem  lieben  gottes  frunde 

in  Oberlant,  dem  do  alse  vil  frömder  wunder  widerfurent  in 

den  ersten  fünf  joren  sins  anevanges,  der  ouch  ist  derselbe  leige 


14  Tgl.  uc*i. 


gesin,  der  den  grossen  meister  der  heügen  geschrifl  slroiTete  und 
in  lere  wise  vi!  gebesserlicher  worle  mit  ime  rette,  in  dem  er 
vaste  sinen  heiraelichen  verborgenen  gebreslen  rürte,  noch  dem 
do  er  gar  eine  hohe  vernünftige  bredige  getet  von  vier  und 
zwentzig  stücken  eines  vollekonunenen  schoweriden  lebendes,  alse 
das  biicheliii  seit,  in  dem  die  oberste  zile  des  Abeces  stot,  die 
desselben  meisters  kintlii-he  letze  was  eines  nuwen  anevanges, 
dadurch  er  gelerl  wart,  das  er  zu  eime  übernatürlichen  erluhteten 
gnodenrichen  lebende  kam. 


.Vuc/i    ilem    Filtif-MaHtienbiir/i    (lUU'Jl'.)    folgt  als  ilistoiischei  i 
Nnchwort  ; 

„Diese  vorgeachribene  lieben  rpiimle  ^  137*21  (f.  -  140'10 
fundent  mit  folgende»  charaktet-isl tacken  Legrarten: 

137*21  !tem/eW(  vor  jedem  Abschnitt  in  E,  F    27  aller  diser 
kuntsame  J  allen  disen  wurtten  und  in  allen  iren  büchem  und  ^ 
briefen    29  unserjdes  huses  zu  dem   Grünenwerde     138'5 
wustent,  daz  sü  bntschaft  bringen  oder   enweg  tragen    soltent, 
lü  (li>5  -  ]c*  stfil  j  al.-^f  Rnleman  Merswi  n  seil  ettelii'hem  bnnler 
zii  (icm  (.inini'nwerdf  E,  !■'     32  irrer  ininnen  und  meinmiüeii 
13Sl'li.i  burger  Jedelkntilit     14  mint^nder  ]  miniKiiiriche     lU  ili::t,-r-  - 
kunt~=:ime  |  kuiiLsume  irre  eigenen  brielen   nml   bin-her     2iJ  iLb 
viirgeüdirilieiie    Ijiich     21  uns,   den   lirüdern   zu    dem    Uriinen- 
Wiirdt     37  i'llegere  |]Mth-14n*l   bndies  ||)lleyei- Imeli.  ilaru.-^  di# 
gegenwpiiige  Ijucli   gwcliriben   isl    und   auch   elteliclie   derscllieii 
gniti'.s  t'ründo  brief'e   usser   dem  Lriei'ljiichelin   zu  tleni  (ininrn-  ■ 
werde  K.  F     14(1  4  bnider  Cl;uiseii  |demsell.eii  E.  b"     7  biiidcr 
Clans  V.  l,-i|Vne  p'lilt. 

14(1  10  nuri,   tinidenl  yV//  </er    Tfxt   i<;-if.-r : 

Wie  diike  sn  nucli  in  vil  \vi:ieii  ge^ueliot  sitit,  so  ist  nlwf 
mil  iliiriis  worden,  weiüie  si  gntt  wcl  verbergen  kann,  das  su  mit 
riiensehliehen  sinnen  noch  mit  natürlichei-  wishcil  nüt  zu  vindt'ii 
<int.  wir  so|lt>nl  si  nn  liirbas  nie  suchen  und  oiich  linden  in 
dem  ewigen  lohende  mit  ervolgende  ires  mirmesamen  guten  ruie^, 
alse    ii'e    luiehcr    uns    mLUiigvaller|i<;he    bcwisent    und    oiuh    irc 


219* 

tröstlichen  briefe  sagent,  die  alle  zusammen  geschriben  sint  in 
eime  briefbüchelin  zu  dem  Grünenwerde. 

Aller  diser  grossen  fruhtberen  gnoden  und  goben  gottes  :r= 
146*34-148*22  Schluss,  mit  folgenden  Abweichungen:  146*36  und- 

6  erzogen  fehlt    147*23  dise  gegenw.  briefe  und  alle  ire  materien  ] 
all  ire  briefe  und  materien    31  eweciiche  beste tiget  und  gehant- 
habet    148*14  verwerffen  noch  vernüten  ]  versmehen  noch  ver- 
werffen    15  wir  von  cristeniicher  ordenunge  und  von  gottes  geböte. 
Nach  148*22  ist  als  Schluss  beigefügt: 

0  Die  almechtige  ewige  heiige  drivaltikeit,  der  wirdige  hoch- 

gelobete  aller  oberste  patrone,  het  sine  alte  hovestatt  zu  dem 
Grünenwerde  wol  und  vestecUch  fundieret  mit  grossen  löbe- 
Uchen  zeichen,  alse  in  den  Urkunde  büchern  und  hie  in  disem 
gegenwertigen  buche  und  öch  in  dem  briefbüchelin  manigvaltec- 

5  liehen  geschriben  stot,  domitle  er  ouch  sinen  userwelteu 
heben  fründen  und  Stiftern  hette  geoffenbaret  und  schinberliche 
kund  geton,  das  er  dieselbe  hovestatt  mit  sunderheit  minnet  und 
meinet  und  mit  grosser  miltekeit  darzu  geneiget  ist,  also  ouch 
hiebi  ein  jegelicher  mensche  selber  wol  merken  und  verston  mag, 

0  der  do  wil  ansehen  und  für  sich  nemen  den  schönen  grossen 
lustlichen  gebu  des  huses  und  die  erliche  köstliche  gezirde  der 
kirchen  und  des  gottesdienstes,  der  so  kürzlichen  ufging  und  zu- 
nam  in  dem  ersten  anevange  mit  anderer  üblichen  notturft,  in 
der  gott  die  brüdere  und  peraonen  sogar  voUecliche  und  genug- 

5  samentUche  versorge te  und  versach  und  das  hus  und  die  personen 
ouch  eweciiche  versorgen  und  versehen  wil,  alse  lang  ein  erber 
geistlich  leben  darinne  gehalten  wurt,  des  wir  ein  gut  getruwen 
bilUche  süUent  haben,  und  vil  grosser  frühte  und  tröstlicher  goben 
und  gnoden  libes  und  seien  in  zit  und  in  ewikeit  sich  sünderliche 

0  versehen  mügent  in  guter  hoffenunge  und  in  gantzer  zuversiht 
alle  die  personen,  die  in  göttlicher  minnen  und  in  getruwer  brüder- 
licher früntschaft  derselben  hovestatt  kuntschalt  haut  oder  iemer 
daruf  wonende  werdent  in  geistlicher  behutsamkeit,  alse  vestec- 
liche  zu  getruwende  ist  den  aller  obersten  wirdigesten  patronen 

5  im  himmelriche,  der  allmechtigen  ewigen  drivaltikeit,  Marien  der 
wirdigen  muter  gottes,  den  hochgelobten  himelfürsten  sant  Johanns 
Baptist  und  sante  Johanns  Evangelist  und  allen  lieben  engein,  die 
— h  — -^  geworer  Urkunde  in  redeliehen  guten  viotUwÄÄXi  ^>afcT 


220* 

hovestatt  zu  dem  Uriiueo werde  husherren  und  patronen  sini, 
alse  hievor  ein  oftenbarunge  gesühribeii  atot  des  lieben  frünl  gottes 
in  Oberlant.  unser  üeber  herre  Jhesus  Christus  losse  uns  iie- 
niessen  diser  heiigen  hovestatt  und  siner  grossen  rainnen,  die  er 
dozu  hell  und  aller  sinre  userwelten  lieben  heil[j;en  und  CrüDde,  ' 
das  wir  durch  a\  ervol^ent  aplos  aller  siinden,  ein  luter  \thea 
und  ein  gnedi^  urteil  an  unserm  ende  und  an  dem  jüngeslen  tage 
und  ge:nein3arae  mit    in   zu  liabemle   in   ewigen  frouden.     Amea 

Niich   dein   BeniaHgungshHrf'  Konrads  fin   Brattnsbeiy 
(1385)  und  dem  l'pfgereid  (Vi9:i),  folgt  ah  Scldussbemerkung:  i 

Alle  dise  vorj;eschribenen  materien  von  der  Stiftungen  und 
der  Stifter  leben  des  huses  zu  dem  Grunenwerde  sint  ge- 
schriben  ug  der  drier  weiUiclier  pflegei-e  Mentoriale  büther.  der- 
selben memoriale  si'i  ouch  eins  geben  hant  herrn  Hessen  Siegel- 
holz, dem  (Jbersten  meisler  in  tiitschen  landen  sanle  Johanns  i 
orden,  und  allen  sinen  nachkumen;  und  ist  das  vierte  memoriale 
dieser  selben  materien  von  des  Grünenwerdes  ernuwerunge 
und  gestifteter  ordnunge,  köstlich  gemf)let  mit  etteüchen  andech- 
tigen  figuren  zu  handgerer  ergetziinge  der  sinnelicheit  und  dpr 
iialuren  in  gi'ln.'sserliclien  gouenwurllün  iler  aiidfelitigfii  vc'r:ii;i-  ■ 
neiiden  bilde. 

Ou;.'li    schribent    die   dric   w('llli''hen   pllegcre   dem    übersleii 
'  meirtter  mit  sime  Memnriale  eini'n  brief,  do  er  von  Rodis  Iht- 
uber  koinen  was  in  diser  l'orm  alsus  sprechendet 

riisprii  gi-ivillig'-miieiist  i'nbiefoti  wir  iiw>Tri  gnaden  bevor  —  I  Sfi*  1  -  -j,'!-  ■ 


l)is  i-t  ein  sunder  |in>lü'.;us  und  ;uievaiig  mit  roler  ^isi-hnll 
in  lies  yher,<l(.'n  iiieislers  M(.'iiiorial(d)ui-h  zunelist  dovor  geiiafil 
'  doeli  fttewas  anders  denne  der  [irolngus  in  der  drier  wcltliclier 
pHegtT  Memririaie.  da^  ouch  eine  nibcrike  i:>t: 

D\i  U..mnrjal.'  buch  ist  und  sull  sin  eins  icglioh^u  "ber>ti'ii  m<\i\..::-- 
uiid  [iriores  in  tiitschpii  liuiden  saiiti'  Jobiiiiiis  ordi'iis  —  15',i*]j-  li!ii'4 
(vgl.  lUl^ülifT.V 


Zweiter  Teil. 

Dis  istdie  minre  brdderschaft  saute  Johans  orden  mit  dergnoden  ^*y^' 
und  appelose,  den  die  bebeste  dem  orden  in  soldes  wisen  gegeben  hant  l^.^^^ 
irem  costen  zu  stnre,  den  sn  haben  müssent  mit  ritter  and  knehten  iren 
dienern  die  cristenheit  zn  beschirmende  vor  abervalle  der  beiden,  dnrch 
soliches  schirmes  willen  gcnt  die  bebeste  eime  ieglichen  menschen  dise 
nochgeschriben  gnode  nnd  appelos,  der  sich  in  göttlicher  minnen  und  in 
brüderlicher  tmwen  mit  gelübete  verbindet  zu  demselben  orden  sinen  nutz 
zn  fnrdernde  nnd  sinen  schaden  zn  wendende  on  iren  schaden  ungeverliche, 
alse  onch  zu  R  o  d  e  i  s  über  roer  ritter  nnd  knehte  zu  den  heiigen  sweren 
müssent  nnd  alle,  die  derselben  brüderschaft  begerent,  alse  ein  erwürdiger 
comendure  zuKlingenowe  und  zu  Bubekon,  genannt bruderWern her 
Scharer,  mit  sin  selbes  munde seite bruder  Ciauwes  von  Löfene,  eime 
convente  bruder  zu  dem  Grünenwerde  zu  Straßburg  desselben  sante 
Johanns  orden,  in  den  ziten,  do  ime  die  brüderschaft  wart  bevolhen  anzu- 
schribende. 

Dise  gelübede  soll  ein  priester  desselben  ordens,  dem  die  bruderschaflFt 
bevolhen  würt  von  in  enpfohen  demütecliche  uflf  iren  Ivnüwen  und  soll  in 
das  krüze  an  sinem  mantel  bieten  zu  küssende  zu  eime  zeichen  brüderlicher 
gemeinsame  in  got  ewecliche;  und  soll  südenne  in  das  buch  schriben  under 
den  buchstaben,  an  dem  ir  namme  anevohet  noch  ordenunge  der  obersten 
zilen  des  abeces,  die  gantz  noch  enander  an  alle  bletter  des  brüderschaft 
büches  geteilt  und  geschriben  ist  und  endet  mit  dem  V,  wenne  selten  kein 
name  beginnet  an  dem  Q^  an  demX^  an  dem  Feder  an  demZ,  darnmbsint 
sü  an  diser  ordenunge  underwegen  hüben. 

Alle  menschen,  die  sich  alsus  gebrüderent  und  gemeinsament  in  sante 
Johannsorden  mit  solicher  geliibede  und  mit  eime  jerlicheu  opfere  nnd  ettewas 
nrkündes  besetzent  noch  irme  tode,  kleider  oder  kleinster,  barschaft  oder 
gewerde,  sovil  ir  minne  und  vermügende  sü  underwiset  und  zu  tunde  git; 
derselben  gedehtnüsse  begot  man  alle  fronfasten  mit  vigilien  nnd  mit  sele- 
messen  vier  stnnt  in  dem  jore  und  werdent  och  teilhaft  alles  des  gutes,  so 
in  dem  ordene  geschiht  durch  die  gemeine  cristenheit  und  och  des  appeloses, 
der  hienoch  geschriben  ist  usser  den  pullen  und  Privilegien,  die  in  dem 
latinen  Urkunde  buche  zu  dem  Grünenwerde  von  worte  zu  worte  eigen- 
lichen  und  gantz  geschriben  stont. 

Dise  selben  vorgenanten  bullen  und  Privilegien  in  dem  latinen  Urkunde- 
buche  wurdent  geschriben  usser  dem  registro  des  erwürdigen  geistlichen 
herren bruder Cunrades  von  Brunsperg,  meister  in tütschen landen  sante 
Johanns  ordens,  der  alle  bullen  und  Privilegien  in  sime  gebiete  dem  tütschen 
priorate  versamelte  und  in  sin  buch  tet  schriben  zu  allen  capittelen,  die  er 
gewönlichejores  hielt  zu  Heimbach  in  Spirer  bistom,  darus  och  der  teilber 
appelos  und  der  anevang  mit  der  bebesten  namen  einer  jeglichen  bullen  hir- 
noch  alsus  geschriben  und  geordnet  ist: 


Bobeat  Honorias  der  dirte  vergit  den  siebenden  teil  gesetzet«r  bullen 
allen  den,  ttio  den  brüdem  sante  Johanns  orden  mit  irem  zitlicben  gnte  bs- 
holfen  sint . . , . 


irone  Bi  den  woffen  bekennet  man  eines  jeglichen  heiren  adel,  wirdekeit 

Haunes  ^^^  jj^j,^  bürge  and  lant.  alse  het  Seh  die  almehtige  heiige  driTaltikeit  ir  ■ 
altes  hns  zo  dem  Qraueuwerde  mit  iren  sohinberen  woffen  gewürdiget 
nnd  ir  selber  geeigeut  and  ire  eigenschaft  kuntlich  gemäht  allen  mettscbec 
mit  driatniit  lirien  bezeichnnngen  der  heiigen  drivaltikeit  in  inbildimge  d«r 
hetlgen  drien  namen :  vatt«r,  san  und  hetlger  geist,  die  in  allen  gebettea  in 
cristenheit  tegliche  geeret  nnd  angemfCent  werdeut  in 

Der  Stiftungen  dtsselben  base'i  za  dem  Granenfferde  sintdrie  der 
aller  erste  alte  gebu  der  nawe  beschlossene  thor  mit  sinir  zngehurden  tmd 
aer  spittat  mit  sime  begriffe  das  ist  eine  bezeichnunge  des  Tätters  Teremet 
mit  dem  snn«  nnd  mit  dem  heilgen  goiste 

Der  pdtrouen  zu  dem  Gruuenworde  smt    cb  dne    die  heilge  dri-  it 
valtiheit   las  beiige  aacramente  und  die  zvrene  sante  Johannse  der  Baptint 
und  der  Evangelist    das  ist  die  andere bezeuhnnnge  des  sanes  vcreinetmit 
dem  «atter  und  mit  dem  heilgen  geistc 

Das  heilge  sacramente  stet  !k\i  an  drion  stetten  zu  dem  Grünen 
werde   nfi  dur  heilgen  drivaltikeit  altar  in  dem  cbore  und  in  dem  spittal   't 
das  ist  die  dirte  bezeichnunge  dos  heiligen  geistes  vereinet  mit  dem  TaUer 


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ffesLlirib  np  Ine  drn  iltigc  ^tiftunjt  »  hungen  und  n 
r  um  I  t  be-theheu  dnrth  diu  fruiit  gottes  uuge\irliLl  ■■u  u 
liirl  iikeii  und  naineinen  MjliLhe  m  inuiigL  diriiiiii>  l\  lia 
tiri  kiintlicU  scluiiber  werg  \  r  heilgen  drnaltikeit  und  em 
rrt  iiiit^n  almLlitikeit  und  in  mniiienrichi'n dematigfU  neig 
*eii  V  '■II  het  m  irem  igti  en  alten  hu'^e  zu  dem  Grumi 
I  ellier  urKunle  jjenug  g  gel  en  hit  und  git  mit  di  Tg.  ei 
rdunungcii  und  h  in  fliiil  runjre  des  sehsten  cij  itt<  1  u 
i)i  in  IV  ihiltL  li  h    I     iig  t  unl  vcit  unl  merange  i  s  ip 


■PI   I 


1  II 


I  j  rzak    inte  J  h  i 
1    htii  en  g  li  jit      ] 


223* 

ein  convente  brador  za  Bodeis  über  mer  tet  in  rime  schribeu  einem  ge- 
lerten  meister  pfaffen,  der  des  Ordens  sünderlicher  frünt  und  diener  lange 
zit  gewesen  ist ... . 

* 

In  unserem  lieben  herren  Jesu  Christo  so  sind  gegrußet  ir  lieben  ns-  l^aJctat 
5  erweiten  kinder  gottes.  ach  ir  lieben  gottes  minnerin  nemment  uwers  hertzen 
und  des  gottlichen  insprechendes  mit  fliße  and  mit  ernste  war,  das  ir  nüt  ver- 
furet  und  verblendet  werdent  mit  der  Creatoren  nnd  in  uweren  eigenen  na- 
tnren.  and  wellent  ir  gerne  werden  innerliche  spontziererin  und  heimliche 
minnekoserin  des  minnesamen  ewigen  küniges,  unsers  lieben  herren  Jhesu 
0  Christi,  so  mnssent  ir  üch  aller  creatnren  gäntzliche  entschlagen  und  za  mole 
nrlop  geben,  alse  verre  ir  iemer  mügent  vor  rehter  redelicher  notdarft.  und 
müssent  üch  ime  alleine  in  allen  Sachen  zu  gründe  lossen  on  all  creaturen 
behelf....  Schiusa  Bl.  150^:  „lieben  aserwelton  gottes  kinder,  na  lerent 
bi  minen  gebresten  uwren  gebresten  bekennen  and  ablegen,  and  nement 
5  aller  diser  werte  mit  ernste  war  and  mit  miner  wercke  laterliche  durch  got, 
wenne  ich  habe  si  gestudiret  us  dem  buche  alles  mines  gebresten  üch  zu 
einer  minnesamen  warnunge  und  yermanungü ....  das  wir  des  [ewigen  lebens] 
mit  undangberkeit  und  mit  keinreleige  untugent  oder  gebresten  niemer  ver- 
lierent,  das  helfe  uns  got  und  die  liebe  Maria  und  alle  liebe  heilgen.  Amen. 


Es  sol  eiu  iedor    pflcgor    schweren    clnüii    oid    zu    gut    doiii    aliuechtiGren,    dem     Ffltger 
hcrrou  coinmentur  und  dorn  hus  zum  Orunon  werde    get.ea    und  günstig  zu    sein, 
des  heru  comonturs  und  des  hauses  nutz  und  frommen  zu  befordern  und  zu  werben, 
dessolbigcn  schaden  zu  warnen  und   wenden,  sovor  ime  milglich. 

Do  auch  lo  zu  zoiton  eiu  commontur  ine  erfordern  und  beschicken  wird  (wo 
nicht  verhiuderlicho  Ursachen '  vorhanden)  soll  er  gehorsamlich  erscheinen  und  nlsdan 
neben  andern  seinen  mitpflegern  (was  durch  den  herrn  commentur  proponirt)  statlich 
und  mit  allem  flois  helfen  erwogen  und  beratschlagen. 

Weiter  so  sollen  sie,  die  pflegere.  ingemein  und  in  Sonderheit  alle  des  hauses 
rermClgon  auch  jilrlich  cinkommen  und  gefeil,  iren  barschaft,  klcinoder  und  do/- 
gleichen  one  redliche  Ursachen  niemand  eröffnen  noch  anzeigen,  sondern  das  selbig 
soviel  ime  dessen  zu  wissen  ist,  oder  si  ieder  zeit,  os  sei  bei  rcchnungeu  oder  son^t. 
erfahren,  in  geheim  und  verschwigen  beh.alten. 

Es  soUen  auch  die  pflegere  (neben  und  mit  einem  commentur  oder  stathalter 
und  sundorlich  in  deren  abwcsen)  uflf  den  schatfncr  und  ander  gesiud  des  gleichen 
die  ganze  haushaltung,  soril  ihnen  nach  gelegenheit  iederzeit  müglich,  achtung  haben, 
domit  durch  die  selbigen  dem  herni  commentur  erbarlich  ufrocht  und  getrewlich  ge- 
dienet werde. 


4  Bl.  140*- 150^  folgt  ein  aszetischer  Traktat,  der  viele  ÄhnUchkeit  mit  dem 
SchürebraDd  {i%\,  149*)  aufweist.  20-324*13  sind  in  späterer  Zeit  entstandene 
Nachtrftgsbestinimnngen  zum  Pflegorbrief. 


2U< 

l>a  ancb  (ie,  diu  giflefu,  et«r&s  errOrso,  im  dam  hun  cd  schaden  rtlches 
o<l«r  geUnEFn  niOcht,  solleu  ila  denen  einea  eonunantur  Tor  treQirlich.  ben^bwi, 
damit  dolii'.bain   schad«»  bsi  giitai  lelt  mn^e  rnrkoniQti  xsrdeii. 

Im  Tall  lieh  niii^h  einig  iiniiiL.  noli  oder  derfleich^n  in  rllgodarhtein  hau«  lu 
trüge  zwisi:hen  dem  L-oinmeiitur  und  üem  ge^laJl.  und  der  comaieiitur  iolicli«  ilnn 
I>fiefen]  uifirecht  oder  sie  dsiien  Enast  in  erTahrunp  ktmen,  üü  «ollan  hie  dis  -ivH' 
nlEvn  pa.-tolen  fUt  sirli  und  einen  (omoientac  errnrdem  nich  Dotdurft  TerbOrcu  und 
nach  einKonnniunem  lierieht  mit  beitam  flill  undetatan  die  Parteien  gOtlieb  lu  clulten 
und  Tvtra^n  und  In  allweg  sotII  mOglieh  daran  sein,  das  saleh  spen  and  was  hi>ui'1<ii 
deoi  baiia  lu  un[llmpt  reichen  luOcbt,  durch  Eebütlicb  erbare  mittel  hint*!"f^  ""^ 
■lieht  ftuierhalb  ia  hauses  neitldüg  ausgespreit  werden  und  sich  in  dem  allen  lunJ 
iraa  lonsten  dem  hause  lu  fut  kamen  mag)  beweisen  nud  enoigen.  nie  ehieu  W.ntn 
rnn  adel  und  getreten  iiflegem  nuBtat  und  geliEIrt  uu   ^evecd. 


V. 

Das  erste  „Übriggebliebene  Latein-Buch". 

1. 

Kapitel  13—25. 

Das  13.  capitel  des  lateinischen  Memorials  redet  von  einem  13.  KapUa 
Sendschreiben,  so  der  viel  geliebte  freund  gottes  im  Oberland 
denen  weltlichen  priesteren  zudem  Grünenwert,  bevor  es  dem 
St  Johannis  orden  übergeben  wore,  geschrieben,  und  überschickte 
ihnen  zugleich  das  nächst  hierunten  beschribene  buch,  welches 
handien  tut  von  bekehrung  eines  magisters  in  der  heiligen  schrift, 
in  welchem  buch  das  Abc  oder  Alphabet  der  23  buchstaben  be- 
schiiben  steht,  diser  brief  ist  uns  zugeschickt  worden  samt 
dem  erstgemelten  buch  zur  zeit,  da  die  weltliche  priester  die  kirch 
zum  Grünenwert  verseheten  mit  singen  und  betten,  und 
lautet  dis  Sendschreiben  wie  folgt: 

Denen  in  Christ«  Jesu  geliebten  Tatteren  und  brüderen  das  hanses  zum    BtgUit- 
Grflnenwert  heil,  fried  und  freud.   das  gegenwärtige  buch  wird  euch  ""^f**" 

zugeschickt =  Brief  Üi.  5  (82'18£f.)   Schlma:  ...geben  am  montag  ' 

■ach  der  reinigung  Maria  im  jähr  des  herm  1-369.  f^^  g 

Was  oben  der  gute  freund  im  Oberland  von  entdecken, 
von  nachforschen,  von  etwas  wildes  entdecken  reden  thut,  deutet 
er  biemit  auf  den  heimlichen  großen  und  übernatürlichen  freund 
gottes,  R  u  1  ma  nMerschwein  unsern  vielgeliebten  Stifter,  dessen 
heiliger  lebenswandel  damals  denen   priesteren  zum  Grünen- 


J  Kap.  1-13  (?)  aatliielt   die  Chronik,   Tgl.  164'  ff.  .  Du  KuniTiedrackta   sind 
in  pmmith«Ma  b<dcB[Agto   eiUatamde  BemnibniiBen  Qabnuniu.     DisHlben  dnd  ma 
n  «ie  tOr  naur«  Zwecke  wicbtii  achieosit.        i  t^.  1T*80      '  16  t|1. 


226* 

wert  noch  nicht  bekant  wäre,  und  sein  freunt  im  Oberland, 
der  das  obeschribene  sendsiihreiben  an  sie  geschriben,  wollte, 
dali  sie  thütten  nachforschen,  umb  denselben  zu  enldeL^ken  und  \>e- 
kant  mit  ihm  zu  werden;  dan  er  selbst  wollte  ihnen  in  disem 
Sendschreiben  ihn  mcht  entdecken  und  bekant  machen.  • 

Bister-  Das   14-  lapitel   des   lateinischen   Metnoriah   erzellt,   wie  der 

iueh  vielgeliebte  freiinl  gotles  im  Oberland  einen  raagister  in  der 
gotLsgelehrtheit  ersuchte,  er  sollte  ein  hoch  gestudierte  predig 
thiin:  so  er  auch  gleich  gethan  von  24  punkten  eines  volkomeoen 
lebens.     dieser  treünt  gottes  schreibt  wie  folgt:  " 

iinmon  gjttus.     Amun.      Im    jähr    druBuliBnhuaJBrt  viortiif    snchs    «ire   in 
«iuur  eanisien  stntl  ein   magiMar,  Aec  ia   selbiger  stfttt  fmiigie    und  eia  froDuD  in- 
ikntt  hatta:  nnd  das  Tiilk  iha  gern  barta  prodiEnn,   so   datl  man  rial  stund  «alt  toi    | 
dieEem  piediKfli'  rodotq,  dessen  rulim    Baub    bis   >u    oiuem   seTiGsan   weltlich«!   witt    \ 
Tun  dUer  atett  ■'ntlogen  käme,     düar  weltlicha  wurde    drd   a*eht   nacheinuidBr  In  ^ 
(cblaiT  ennabut.  daU  ec  tiii^iilieii  lolt«  in  diu«  «toU.  dUon  predige;  baron  prcdipu- 
w  glengo  ulBo  blu  in  dlte  )>tntt.   bd    geitni  30  stund    von    iela«i  wuliuuag   untlnivi 
waru.     ei-  kumc  in  di^ei  itatt,  wo  di»er  ma^litac  wäre.  tn.  ruheta  aui  und  bat»  i^     . 
wohl  ttkulT  mabl  hOtoa  predlgsn.     diser   weltliche   SKlie   lu    >sinem   guist,   daß  dUu 
macitttt  van  Batui  ein  liebtelsher  suirtmatiEar  lla«bT4[sUDdlger  und  iu  der  bolUpa  ^ 
Sfhrift  Koluhflwr  man   n-Äro,  alltr  «icil«   rioJ  im   p-isl  ^rJvichtOl    miy   .l-rrn  hel.t  r'"'«- 


Kapitel 


1346 


n«llll< 


i..„    /(«s^i  ft'.iVÄ«  i-i.«  (Jfv    liHvhr-in.1    r.fil.r^  . 


-,.lu,i;fd         Das  \h.  ca]>il(:l  i/i  -/-'w  h.it,-u>i^rh.-n  Meih 


■i  S./i,».\il :   Sa-l:- 


,  hifynit^'-h.'H   M.-m:riül. 


,;ni<r!„;i    Memorud. 


227? 
Das  18.  capitel  in  dem  IcUeinischen  Memorial,  18,Kapite. 

Nan  herr  magister,  wie  es  mit  euch  stehet,  ist  nicht  mehr  nOtigf  daß  ich  euch 
weitors  unterrichte  ....  Schmidt j  a.  a.  o.  S  26. 

Das  19.  capitel  im  lateinischen  Memorial,  19.  Kapitel 

>   .  Auf  dis  schickte  der  magistcr  nach  dem  weltlichen  seiupm  freunt :  da  er  käme 

erzeilte  er  ihm,  was  ihm  widerfahren  ....  Schmidt,  a.  a,  o.  S.  28. 

Das  20.  capitel  in  dem  lateinischen. 

Also  ist  der  magister  auf  besümten  tag  komen   und  fangte    seine    predig   also  20.  Kapi^ 
an :   Vielgeliebte  kinder  ....  Schmidt,  a.  a.  o.  S.  35. 

m 

)  Das  21.  capitel  in  dem  lateinischen  Meinoriat   haltet   in  s\Q\i  21.  Kapitel 

ein  andere  predig  dises  mag  isters,  so  er  auf  den  sonntag  Judica 
gethan,  in  welcher  er  ein  förchterliche  erscheinung  von  den  peinen 
des  fegfeüers  erzeilt  hat,  die  er  selber  gehabt. 

Nach  disem  wurde  diser  magistor    ron   dorn  weltlichon    ersucht,    daß    er    ihme 
S    ein  gemeine  predig  sollte  thuu  ....  Schmidt,  a.  a.  o.  S.  45. 

Das  22.  capitel  im  lateinischen  handelt  von  einer  predig,  so  ^^- Kapitel 
oftgemelter  magister  gethan  von  dem  heiligen  sacrament  des  al- 
tars,  v\relche  der  obangezogene  weltliche,  des  magisters  geistlicher 
söhn,  ratgeber  und  getreuer  freünt  gottes  im  Oberland,  einem 
0  weltlichen  priester  zum  Grünenwert  abgeschriben  überschickt 
ein  halbjahr  nach  ankunlft  und  Übersendung  dises  gegenwärtigen 
buchs  mit  dem  abc  oder  aiphabet  der  23  buchstaben.  und  fangt 
er  dise  predig  an  wie  folgt: 

Geliebte  kinder!  das  ovaugeli  dos  heitigen  tags  ist,  das  unser  lieber  herr  sagte 
S    den  Juden ....  fehlt  bei  Schmidt  (vgl.  42*13). 

Das  23.  capitel  im  lateinischen  haltet  in  sich   ein  predig,   so  ^3.  Kapitel 
der  nembUche  magister  ihren  fünff  eingeschlossenen  jungfrauwen 
gehalten  hat  und  ihnen  gezeigt,  worin  das  wahre  leben  der  ein- 
samen und  eingeschlossenen  jungfrawen  bestehe,  damit  sie  sicher 
>  und  näher  zu  gott  können  kommen. 

Text  bei  Schmidt,  a.  a.  o.  S,  54. 


6  Grötzmaun    bemerkt:     „Diso    ganze  predig  betiiidet  sich  in  dem  lateinischen 

•memorial  am  19.  Bl.  in    der  S.Linien,   alwo  du  si  losen  kanst.     und  vielleicht  auch 

unter  seinen  getruckten  predigen,   so  in   unserer  bibliothek,  getrackt  zu  B  a  8  e  1 .  im 

'Jahr  1522,  a]wo  auch  das  obgemelte  Abc  stehet  anfang   des   buchs.'*     Ähnliche  Zu- 

folgenden  Kapiteln. 


228* 

Kapiid  Das  24.  capitel  im  lateinischen  Memorial  handlet  von  des 
magisters  seligem  end,  und  wie  er  nach  seinem  tod  dem  well- 
lichen seinem  freünl  und  freünt  goltes  ersehinen: 

£9  Ist  EU  wbssoD,  das  varKeaiBltei  uisgistar ....  Schmidt,  a.  a.  o.  S.  Sl.  ScAlim: 
um  uibreoheBden  tag  ib»r  echribo   ec   alaob&ld  dein  {'riar  uad  ord«iut>i[ldei«n  auiu    i 
briuIT  und  «riallta  ihnen,  via  der  mtijniCer  ihm  erachieDsn  und  kbs  ar  mit  ihm  rerc^ 
dtinit  Hir  dem  liebr«ici>en  eiaoipel    uiissrB    hsrrn  Jesu  llliritti    OBcIlf'jlgaa   mdcbWll. 
Eo  halfa  lins  Bsins  ewija  «»hrhoit.    AniöD. 

Kapitfi         Das    2b-  capitel   in  dem   laieinischefi   Memorial    handlet   von 
einer  vorred  von  dem  lebenslauf  der  ersten  vier  jähren  Rulmim  " 
Merschweins,  unseres  Stifters,  wie  er  es  selbst  schriftlici!  nach 
seinem  tod  hinterlassen  von  anfan^  seines  lebens: 

Dises  buch  wird  einigerweis  betitlet  das  leben  der  zweien 
Stifteren  des  hauses  zum  Grünen  wert,  es  ist  ein  besondere 
hoche  gnad,  kraft  deren  das  haus  ist  gestift  und  gehandhabt  '' 
worden,  und  dis  soU  ein  andächtige  hewegursach  sein  allen  brü- 
deren  und  personen,  die  nun  und  künitighin  in  disem  haus  wohnen 
werden,  daß  sie  ernstlieh  und  wUüglich  trachten  und  hoOen  aolleo, 
durch  die  Stifter  sich  in  ihrem  leben  za  besseren  und  große 
fruchte  von  ihnen  zu  empfantjen,  waii  sie  nur  wollen  solihe  - 
discm  haus  widerlalircnc  .unadcn  mit  dankbarkeit  ansehen  und 
erkennen  und  fieilii^;  nachsirmen.  wie  üutl  mit  wunder  diii^  dises 
liau.-j  be:-'na(ii;j;t,  und  wie  helli.ü  disfr  zweier  sliftereii  leben  :Je- 
wesen.  wie  liie  bcfde  durch  vielfülliiie  uud  i^nille  anlechlungen 
uTiil  Icidt'ii  von  einer  Übung  zur  anderen  wiinderharlich  von  gnit  ■' 
^find  .i;eliihrt  worden  zu  einer  übernatürlichen  und  früliehen  er- 
kantiHis  gi.ties,  wiiraus  der  ;;aiitzeii  cri^tenheit  viel  gutes  eiil- 
sprunyon.  wie  en  lian  lies<lirielieii  wird  in  eini,L'eTi  büiheivn  in 
üerTieiii  leiilsili.  wolclic  the  lii^edc  nbgemelle  Stifter  ans  liebe 
gollcs  sclb.st  liesrliribfii.  sii'  haheii  vi(d  bn^en  iiapier  und  aiih  ■ 
briel'  ^csi-hiibcn  /Min  besten  des  n;irhsteii.^;  sie  haben  au-h 
vuM  -nit  bi'felil  :jeli;ilH  einige  zn  sihreibeii  ah  benantlirli  und 
snnilcrlii-ii  das  liinli  vini  den  zwei  m:iiinorn  auf  teuLsch  .üeseliriben. 


i'itil  ^ein  hfimlirli/T 


f  229* 

dises  buch  handlet  von  dem  lieben  heimlichen  freunt  goltes  im       2 
Oberland   und  sagt,  wie  disera  in  einer  übernatürlichen  ver-  ^"'"'** 
Zuckung  der  büßen  voll  der  küstlichen  biren  Isl  vom  himel  geben       " 
worden,    item   ein   kostbarer    ring   und   ein   blut   getunktes   tuch. 

6  auch  ist  ihm  in  einer  Verzückung  ein  solche  gelertheit  eingegossen 
worden,  die  er  30  wochen  behalten  hat,  dali  er  die  ganze  beilige 
schrifl  wohl  verstanden,  als  hätte  er  sein  lebtag  in  den  hohen 
schulen  gestudiert  dise  gelertheit  aber  hat  er  nach  30  wochen 
widerumb  verloren,  oder  besser  zu  sagen  ist  ihm  wider  von  gott 

10  hinweggenommen  worden,  noch  andere  ding,  Wunderding,  sind 
ihm  widerfahren  in  den  ersten  fünf  jähren  seiner  bekerung,  die 
er  selbst  eiijem  freunt  gottes  geoffenbaret,  und  diser  freunt  gottes 
hat  ihm  hingegen  erzelt,  was  ihm  inert  17  jähren  widerfahren, 
wie  daß  er  nemblich  dise  lange  zeit  in  großer  unruhe  von  einem 

U  wald  in  den  andern  geloffen,  und  wie  er  endlich  von  einem  ein- 
siedler  betrogen  worden,  der  ihn  gesucht  von  dem  weg  der  Wahr- 
heit abzuTühren  und  in  fall  zu  bringen,  wan  ihn  golt  nicht  gnädig 
bewahrt  und  behietet  hätte,  eben  dis  buch  handlet  auch  von  Y*""' 
dembüchlin,  so  Rulman  Merschweio,  unser  vielgeliebter  vatter, 

M  selbst  geschriben  und  sein  silbernes  pittschaft  mit  einem  riimen 
daran  gehenkt,  und  dis  büchlin  nach  seinem  tod  ist  gefunden 
worden  vom  anfong  seines  lebens  handlend,  wie  nemblich  er, 
Rulman  Merschwein,  in  den  ersten  vier  johren  von  einer 
Übung   oder  anfechtung  zur    anderen    ist    gefuhrt    worden  und 

!fi  Ton  seiner  übernatürlichen  und  unaussprechlichen  gnadenreichen 
herzeosfrölichkeit.  er  hat  auch  bei  verlust  seiner  seel  vor  seinem 
tod  bekennt,  das  alles  wahr  seie,  so  darin  geschriben  und  be- 
schriben  stehet,    und  fangt  er  an  zu   erzelen  und  schriben  wie 


18  Nich  hältt  fügt  GOtziuana  bei :  _Iiisa  ub^uante  «uüdardiug  tob  danca  koit- 
babren  bire....  lelnd  dem  heimeUcbea  freOnt  uiisers  atiftters  RulmiD  in  Ober- 
Ikod  wldarfthten ;  ubd  saind  «ie  zu  leOen  n&cb  &llen  umnUailea  Mar  oaten  in  dem 
89.  cspitel.  und  ist  eben  diaer  heimlicho  freunt  Im  Obeilknd  eioer  der  z«e«D 
ubineTD,  TOD  welobeD  da«  bucli  von  den  inaon  m&Deren  bandlet.  daS  der  iwaito 
man  unser  ttiStci  Kuliiiau  MmscliHein  aeyu.  Ut  gantz  geu)i\  und  nicht  zu 
xtetyfäUn.  in  diseni  3tl.  ripital  wird  der  htiimalirbti  friiuat  Gottes  in  Oberland 
dar  jniigera,  der  andura  uian  üiilnian  aber  dar  ältere  ganeDst.'  Dia  kurair  ge- 
letitan  Worte    stabon   ober    KianrL    teI.  19-|6  31    Tgl.  Itll'l,   11.^*13.      Uameiat 

Kultuanrjä         iü  Sidm.-Mei-»v>.  ZuaaU  GbtxvAaimx'f 


ipittl 


230» 

ier-  Darauf  folgen   die  Vier-Jahre   nach  dem   Text  des  deutschen 

*'"■*  Pflegermemorials  (S.  191*(r.)  mit  folgenden  Überschriften:  ,.ltem 
'•-^8,  ((jjg  vierzehnte  eapilel  ist  die  andere  matery  und  sa^t  von  deneD 
ersten  viere  Jahren  des  Ruleman  Merschweins,  so  er  selbst 
geschriben  und  zwar  besDnders  von  dem  ersten  jähr  seiner  be-  ' 
kehrun;^.  —  Item  das  fünlfeehnte  capitel  sagt  von  dem  anderen  lUiiJ 
drillen  jalir  seiner  bekehrung.  —  Item  das  sechszehnte  eapitel  sagt 
von  dem  vierten  jähr  seiner  bekelirunji. 

Es  fehlen  jedoch  die  2  Parenthesen  195*39  a.  197*7. 


Kapitel  29—31. 

^1         Es  geschähe  anf  oin  sonntag  umb  die  stand  der  tertz,  da  ich  das  b«i-  it 
lige  sacrament  des  früDleichoams  Jesu  Christi  empfangen  hatte,  daß  icli 
schwach  wnrde.    dammb  setzte  ich  mich  aiiler  and  wollte  gero  betten  odtr 
etwas  geistliches  betrachten,  wie  ich  pflegte  zu  thnn.    aber  was  ich  nnr 
thatte  nnd  wie  ich  mich  nnr  zq  disem  schicken  wollte,  kOnte  ich  nicht  zn- 
wegen  bringen  noch  betten  noch  betrachten,  wie  ich  sonst  pflegte  lo  thna  ii 
nnd  such  dem  gott  mir  vermittlest  seiner  gnad  pflegte  einiageben;  ans«n 
brüder  woren  mir  alsu  stark  im  sinn  und  gedanken,  daß  ich  sie  nicht  köute 
aaOschlageii.    und  dii'  gedanken  von  ihueu  woren  von  einer  sach.   dio  nur 
schwer  und  leidücli  vorkäme,  su  dafi  ich  wegen  diser  sach,  so  mir  vonibii-'n 
imsinnwyre,  ein  mitleiden  mit  ilinentruce....  stimmt  inhall!  ich  imV^J^f  •;'■>'-  :■ 
:>lß*3. 

Vielgeliebte  brüder.  Ich  kenne  einen  menschen,  der  noch  bei  leln'Q 
ist,  dessen  worlen  ich  wohl  glauben  zustelle  als  meinem  eigenen  wurt,  au 
welchem  gott  große  niiratkel  und  wunder  gewirkt  hat  vor  vielen  jähren,  w 
ich  selbst  vernommen,  aber  gott  [hatj  erschrOckliches  schweres  leiden  ül^i  ;■ 
ihn  lassen  kommen  in  vielfültijren  großen  anfeebtnngen  absomierlich  wiAr 
den  glauben,  so  dall  er  oft  si'hier  veringt  und  meinte,  er  wurde  verdaniljt.- 
^  bis  .s.  i;u*:\<>. 

Durcli  di:sen  weltlichen,  [lulman  Mcrr^tihwei  ns  lieimliciieii 
.u'esell  und  l'ri'unl,  hat  .snit  Juden  nnd  heiden  auf  ein  wundciiiaii' 


231* 

weis  zum  cristlichen  glauben  bekert  und  auch  die  cristen  von 
ihren  sünden  zur  büß.  disem  weltlichen  hat  auch  gott  wunderbar 
ding  geoffenbaret  in  der  weinaeht  im  jähr  1356,  wie  solches  in 
einem  teutsch  geschribenen  büchlen  zu  sehen,  welches  auch  handien 
thut  von  allen  mänglen  der  gantzen  cristenheit,  [welche  gott]  wird 
lassen  komen,  wan  kein  besserung  solte  erfolgen,  in  einem 
anderen  büchlen  wird  auch  schön  beschriben,  wie  diser  weltliche 
freunt  gottes  in  seiner  jugent  gelebt,  da  diser  noch  ein  knab 
von  15  jähr  wäre,  hat  ihn  sein  vatter  in  frembde  land  geschickt 
die  handelschaft  zu  erlernen  ....  übereinstimmend  mit  dem  lat. 
Text  5o*20'57*43.  Schluss:  ....  ist  andächtig  von  der  weit  ver- 
schieden und  so  wohl  gestorben,  daß  zu  hoflen,  sie  seie  nun  vor 
gott  ein  große  heilige. 

Praedilecti  igitur  fratres  et  persone  etc.  Dahero  viel  gelitte 
brüder  ....   Übersetzung  des  lateinischen  Textes  o8*37'ö9*18. 

* 

Das  30.  capitel  im  lateinischen  so   in  dem  kleinen  teutschen  30.  Ka 
mit  C  gezeichnet  nicht  befindlich  handlet  von  einem  Vogelnest,   in 
welchem    sieben    annoch   ungefederte  jungen   vögel   waren   und 

4  Nach  büchlen  fügt  Götzmann  bei :  ^welches  bei  der  ciistorei  befindlich,  dessen 
erste  blätter  in  die  helfte  und  das  erste  pergamentene  blatt  am  eck  oben  bis  in  die 
mitte  herunter  von  den  schaben  zerfressen,  und  fangt  also  an :  Xoli  timere  etc. 
Genesis  46  t.  8.**  Die  sechste  linien  fangt  also  an  „also  es  statt  geschriben**. 
14  Gotzmann  leitet  diesen  Abschnitt  ein  mit  den  Worten:  „In  dem  29.  capitel  des 
lateinischen  Memorials,  welches  buch  in  folio  mit  einem  A  bezeichnet  und  in  der 
custorei  befindlich,  ist  annoch  hiehero  zu  setzen  und  würdig  zu  lesen  ein  ermahnung 
an  die  brüder  zum  Grünen  wort,  so  am  end  des  *29.  steht,  fangt  also  au:  Prä- 
dilecti  igitur  fratres  .  .  .**  15  S.  261  bemerkt  Gotzmann  mit  Bezug  auf  dieses  29.  Ka- 

pitel :  „Es  ist  annoch  anzumerken,  daß  einige  bücher  von  dem  lieben  freünt  gottes 
im  Oberland  dem  Rulman  Merschwein  unserm  stiffter  zugeschickt  worden^ 
von  welchen  das  lateinische  memorial  oder  urkundbuch  am  end  des  29.  capitels  meldung 
tut  und  in  der  custorey  nicht  befindlich,  die  er  selbste  geschriben.  und  seind  folgende 
(und  befinden  sich  auf  teutsch  in  dem  großen  urkund  buch  mit  BJ :  Igniculus  ani- 
mae  im  buch  B  fol. . .  .  Üb.  7.  Spiritualis  et  misticus  gradus  in  buch  B  lib,  6, 
Captns  miles  in  buch  B  fol. . . .  lib,  2,  Spiritualis  et  mistica  scala  in  buch  B 
Üb,  5,  Duae  claustrales  quibus  in  carnisbrevio  supematurali  modo  super  capita 
rubea  rosarum  serta  reperta  sunt  im  buch  B  fol. . . .  lib.  4,  Ürstda  clausa  im 
buch  B  fol, ...  lib.  3.  NB.  in  äisem  buch  B  findest  noch  sehäne  Sachen.*^  Das 
kursiv  Gedruckte  sind  sp&tere  Zasatze,  die  Götzmann  erst  beifügte,  als  er  das  Große 
deutsche  Memorial   (mit  B   bezeichnet)   aufgefunden   hatte.     Die  Foliozahl   ist  nicht 

ttn»«»AhAn  16    Vgl.  18*16. 


3S2" 

solches  in  eim  gesiebt  dem  lieben  friint  gottes  im  Oberland 
vorkomen,  wodurch  die  brüder  zum  Grünenwerde  vorsjeslelli 
und  bedeutet  wurden. 
einest         Dis   ist   die  Vorbildung  des  hauses   und    der  brüdere  zum 
Grünenwerd,  welche  dem  freunt  gottes  im  Oberland  im  scblat  ■ 
als  ein  gesiebt  vorkomen,  zur  zeit  als  nicht  mehr  als  siben  brüder 
da  waren,  under  weihen  einer  töLlich  krank  läge  und  bald  her- 
noch  gestfjrben.    zuvor  waren  neun  brüdor,  aber  kurz  vor  disem 
gesiht  seind  zwei  brüder  in  ein  ander  oi-denaeonvent  pausen,  bliben 
also  nur  noch  siben;   einer  von  disen  zween   wäre   ein   vierzig  " 
jähriger  prieater,  der  zweite  ein  achtzehen  jähriger  mensch  und 
wäre  ein  evangelier  (oder  diauonus)  und  so  wurde  dan  dises  ge- 
siebt den  überigen  siben  briidern  in  einem  freunlhchen  brief  kund 
gemacht  wie  folgt: 

Aller  liebste  brüder,  ihr  aolt  wissen,  daü  ich  für  dises  mahl  in  der  nacht  i: 
der  elf  tansend  juDgfraQwen  am  inorgeo  gegen  tag  einen  tranm  gehabt  gleich 
einer  erscheinnng  auf  dise  weis,  memblicb  es  dankte  mich,  als  wäre  ich  auf 

einem  hohen  berg  and  sähe  alda  ein  großes  vogelnest ^=  Brief  nr.  3 

(bl)*5  ff.).   Schluss:  Geben  in  Lothringen  aaf  st.  Cecilientag  im  jähr  1377. 


Kapitel  Das  31-  cajiilel  im  luteiniscken   handlet  von   einer   auf  einor  - 

talel  gesdiribenen  ermanuni;  an  die   brüder   ::iim  (i riinenivert , 
u-elclie  laffd  annocli  i»  der  custorei  hefindlu-h;  und  lautet  auf  Uitfin 
ge.tchiiben  also: 
Er-  0  uariiiriimi  et  perdilecti  fratres  aspiciamuä  omnes  unaniiniler 

'*"""■''  cum  magna  gratiarum  actione  Dei  opera  grati'isa  et  suorum  eli!-  - 
Ctorum  singulariter  amicorum.  per  quos  divina  disponenle  et  co- 
'iperanle  pietate  liaeu  domus  est  rennvata  et  urdini  data  et  n>.- 
in  eadem  congregati  in  bonore  sanctae  Trinilatis  et  individuae 
Uiiilatis  et  sanctae  Mariae,  cnolestis  rcginae.  .sancti.loanniäl3a|itislae 
et  saiicti  .lohannis  Kvanjielistae.  sancti  Mii-hae]i,f  et  omiiium  an-  ■ 
gelorum,  qui  in  magnis  iniratuhs  et  (.'um  tarn  itutabilibiis  et  ratio- 
nabilibus  testimoniis  el  signis  huius  tem|iü  patroni  facti  sunt,  ia 
his  aulem  iniracuüs  el  signis  etiam  hene  el  perceptibiliter  cognilum 
el  .si^ituni  est,  quia  ma:jiiae  roliquiae  hii-  conditi  sunt  et  multorum 


IM* 

illiimmatorum  Dei  amiconiin  Corpora  in  loco  isto  sepulta  sunt, 
quorum  animae  coram  Oeo  in  coelesti  palatio  cum  omnibus  san- 
ctis  aetemale  gaudlum  possidebunt  Praedictae  igitur  magnae 
coelestis  turbae  et  multorum  magnificorum  patronorum,  in  quorum 
etiam  honore  aliqua  altaria  stngulariter  consecrata  sunt  ex  electione 
fratrum,  memores  stmus,  cum  quo  et  gratiosa  superexcellens 
dignitas  praeseutis  templi  auginentata  est.  Huius  autem  tarn  so- 
lemnis  negotii  cum  frequenti  laude  et  cum  intenta  devotione  aeter- 
oaliter  nunquam  obliviscamur,  scilicet  quia  tales  amlcos  et  ad- 
vocatoa  babemus,  qui  nos  tarn  lideüter  amant  et  recommendatos 
habent  et  in  aetemitate  quotidie  pro  nobis  Deum  interpellant  et 
desiderium  omnis  boni  pro  nobis  gerunt.  Et  confidere  bene  pos- 
sumus  cum  bona  spe,  dubio  procul  moto,  ab  eis  magnis  gratiis 
dotari  et  in  eorum  societatem  pervenire  et  plenissime  aeternaliter 
gaudiis  sempitemis  perfrui,  si  tamen  praedictorum  gaudiorum  nos 
capacea  et  fructuosos,  quantum  in  nobis  est,  fecerimus  fratemali 
onanimitate  cum  voluntaria  obedientia  et  cum  humili  et  patienti 
longanimitate  necnon  constanti  abdicatione  in  omni  tentatione  et 
adversitatibus  interioris  et  exterioris  passionis,  perturbationis  vel 
oppressionia,  sicut  nos  multoties  percepimus  a  nostris  dilectia  et 
illuminatis  fimdatoribus  et  etiam  saepius  poterimus  admoneri  in 
libris  consolatorüs  atque  litteris,  quos  ipsi  nobis  ex  magno  divi- 
nali  amore  cautorio  imo  tarn  frequenter  scripserunt,  et  singulariter 
dilecti  nostri  patris  Rulmani  Merschwin  caritativa  et  devota 
reprehensio  et  fidelissima  praemonitio  cordi  nostro  assidue  debeat 
esse  praesto  et  Ulabens,  quae  nobis  in  una  tabula  lecta  et  data 
erat  dominica  scilicet  qua  in  ecclesia  Dei  cantabatur  „Laetare".  et 
eodem  anno  crastino  sancti  Alexii  XV.  kal.  Augusti  migravit  ab  lasi 
hoc  saeculo  nequam  ad  pausandum  cum  dilecto  suo  sponso  ju^«  i 
Christo  in  aetemum,  scilicet  anno  domini  miüesimo  trecenlesimo 
octogesimo  secundo. 

Item  praedilectus  fundator  huius  loci  Ruimanus  Mer- 
schwin praedictus  et  eins  venerabilis  uxor  domina  Gertrudis, 
filia  domiDi  Reinboldi  de  Butenheim  militis  Argentinensis, 
tradidenmt  extra  manus  ordini  sancti  Joannis  Hierosolymitani 
baoc  domum  Viridis-Iosulae  in  presentia  venerabilis  et  reUgiosi 


domini  i'ratriä  üunradi  deBrunsperg,  eiusdem  ürdinia  magistri 
in  Allemania,  qui  eundetn  locum  ab  dsdem  conjugibus  recepit  do- 
raloica  qua  canlabatur  iii  ecelesia  dei  „Judica"  decimo  kalendas 
apriiis  anno  domini  miiesimo  trecentesimo  septuagesimo  primo. 

Ilem  post  hoc  annis  Septem  revolulis  ediäcabatur  chorus  cum  * 
areubus  et  ecdesia  ante  chorum,  quae  etiam  cum  choro  est  eoii- 
secrata  in  laude  et  honore  sanctorum  patrononim  praeseriptoruio 
scilicet   s.  Johanais   Baptistae   et   saiicli   Joaniiis   blvangelistae  lu 
die  sanctorum  apostolorum  Simonis  et  Judae  anno  domini  13T8. 
etiam  omnia  altaria  fuerunt  renovata   et  alio  modo  posita  et  si-  i* 
tuata  et  quodlibet  de  novo  alia  vice  consecratum  excepto  altari 
sanctae  Trinitatis  et  individuae  Cnilalis,  qiiod  adhuc  stat  in  suo 
veleri  loco  iinmutatum  et  non  a  loco   transpositum  seu  trans- 
latum.     ex  quo  ordlne  et  quali  intentione  omnia  Lsta  sunt  facta 
habetur  scriptum  in  quibusdam  nostris  lüjris,  qui  libro  scripio  is 
ostendunt  omnia  facla.   quae   cum   domo    isla   sunt    peracta   vel 
operata,  quomodo  et  quando  quolibet  tempore  renovata  sunt  el 
permutata  per  multiplices  iribulatiooes  et  pressureis  non  parvas 
ab  ülo  tempore,  quo  primitus   isla   domus   ab   initio   fundata  el 
aedificata    a  reverendo    dominu    saeeulari    domino   Wernhero  " 
dictd  Mariiclialk  de  Huncburf!  usque  ad  iUa  tempura.  quiLmj 
aediiii-atum  est  liospitale,  el  U:-que  ad   illud  tempus.  qud  capella 
l>raediuli  hosjiitalis  e^^t  consecrata  in  honore  sacrosancti  citrpnri-- 
et  .-sanguinis  domini   no.sLri  Jesu  Christi,   etiam   in   honore  beatiie 
Elisabeth    viduac.  rtris  ün^ariac  liliae,  et  sanclae  Martliae -^ 
viryini^,  Christi  hn,-ipitiic,  el  in  hunnre  omnium  Sanclurum  el  iu^to- 
iLini  lifiilnriini  crastina    die  l'aliLiarum   scilicct   ^ecando   lalfiida- 
,  aprili:;  aimu  dMUijui   Vd^2. 


Kapilcl  39. 

I;i^  3;i.  (.'apitol  liii  hilpii/i.-clin,.  w,  (■()  •1,111  trnts,l,>'n  . 
■Ii  ist  t'in  ^^e^pr^ih  zwiscJion  ilt's  lluiman  ^Icrricl 
iihen    l'reuiil    im    Oliorland    wohnhaft    und    tinfm 


•235*. 

3n  freunt  gottes  von  ihrem  eigenen  leben,  welches  gespräeh 
Iman  Merschweins  heimlicher  freunt  selbst  gesehriben  und 
1  Rulman  Merschwein  schriftlich  zugeschickt.  In  diesem 
präch  wird  dieser  gemelte  heimliche  freunt  und  freunt  gottes 
jünger,  und  der  ander  der  älter  genant. 

Es  waren  zwei  brQder  und  freOnt  im  Elsas,    der  oino  wäre  in  der  weit  wohl       Zwei 
eines  ^iäcklichen  Stands  und  geebret.  doch  wäre  sein  lebenswandel  dem  anderen  Mannen- 
kant,  bis  daß  sie  uugefohr  zusumon    komen    und    einander    ihren    lebenslauf   er-       buch 

da  sprach  der  jüngere  zu  dem  älteren  also:    da    ich    noch    ein   jQngling   von 

tzig  Jahren  wäre,  hatte  mich  die  liebe  zur  weit  eingenommen  und  trüge  ein  lieb 

iner  schönen  Jungfrau,  doch  mit  ehren,     aber  mein  hertz    dachte    mehr   an    sie, 

)B  hätte  sollen :    ich  finge  einmal  an,  die  blindheiten    diser  liebe    zu    betrachten 

wohin  die  sach  endlich  ziohlet«.     da  sagte  ich  bei  mir :  was  ist  dise  Jungfrau  ? 

lebt  sie  und  ziehet  schön  daher,  morgen  wird  sie  begraben  und  wird  mit  fußen 
(tten  wie  kot.  und  was  ist  die  Schönheit,  die  hoQt  dem  jungen  hertzen  gefeilt, 
ren  aber  tod  und  der  buler  betrübt  V  wäre  es  nicht  besser,  wan  der  mensch  sein 

zu  Jesus  Christus  dem  jungfräulichen  söhn  gottes  tätte  wenden  als  zu  einem 
»liehen  menschen  ?  ja  gewißlich,  da  dünkte  sich  bei  mir  Selbsten,  wann  einer 
Jungfrau  suchen  wollte,  die  all  zeit  leben,  die  all  zeit  rein  und  schön  bleiben 
dem  liebsten  all  zeit  gefallen  tätte,  wo  wird  er  ein  solche  finden  als  in  und  an 
3?  wer  dessen  gestalt  und  Schönheit  betrachtet,  wird  nicht  sündigen,  und  wer 
3  liebt,  der  wird  ewig  leben  und  das  ewige  leben  besitzen,  dann  die  Schönheit 
'  person  macht  einen  nicht  glückseelig;  liebt  er  sie  ungebührlich,  so  wird  er 
ckt;  verlast  er  sie,  so  wird  er  betrübt;  erkennt  er  sie,  so  wird  er  verwundet 
wird  ewig  gestraft  und  gepeinigt,  in  disen  gedanken  sagte  ich  zu  mir:  fliehe 
die  weit  und  ihre  bogierlichkeiten,  allen  fleischlichen  lust  und  aller  weit  falsche 
[fkeit  und  gnad  und  hingegen  umarme  die  bildnus  des  gekreützigten  jungfräu- 
tn  Jesu :    dan  nichts  süseres    und    annemlicheres    als    diser.     dises   jungfräuliche 

kan  dir  in  deinen  trübsalen  ein  trost  sein,  und  so  du  dich  mit  disem  vermehlest, 
rirst  du  dein  verlohrene  zeit  widerumb  gewinnen  und  ersetzen  können ;  du  wirst 

Jugend  widerumb  erneueren  oder  wirst  vielleicht  völlige  nachlassung  deiner 
en  erhalten  oder  wenigstens  die  verdiente  straff  mindern,     ich    sagte  weiters  zu 

warum  wolltest  du  mit  deinem  gut  ein  person  bereichern  und  dich  selbsten 
Gtmon?  auf  dis  hab  ich  allem  abgesagt,  alles  verlassen,  allen  geschafften  und 
ttume  abschid  geben  und  angefangen  mich  selbsten  oft  zu  bestrafen,  richten  und 
len  über  das,  das  ich  in  der  weit  so  übel  gelebt....  Schluss:  der  fried  gottes 
mit  dir.  es  ist  zeit,  ich  will  nun  heimgehn,  und  wans  gott  füget,  so  komen 
wiederumb   zusammen. 

Darauf  geht  Götzmann  zur  deutschen  Vorlage  des  Grossen^Deutschen^Me' 
ials  über  =  Schmidt  NcB.  221  Zeile  12  van  oben  „da  ich  wohl  auf  20  Jahre 


5  Ober  der  ander  steht  Rulman  6  vgl.  1 8*28  u.  41*1 7  ff.  40  Nach  Kap.  89 
irkt  GOtzmann :  „Dise  obbeschribene  lebeusbescbreibung  ist  die  beschreibanif 
ebenswandel  des  Rnlman  Merschweines  heimlichen  freünts  im  Oberland, 
^'»>  jünger  genent  «ird,  der   sein  lebenswandel   seinem  (i^tlSLt  KuVTA.«kTk.  %«S^^«^ 


«It  wnrdsi. ■    £»  fehlen  dontoth  In  K  rf.V  Slflk  bfi  Schmidt  S.  220  ZtOf  II 

itim  oben:  uA  Aei . . .  bi»  S.  221  Zeile  12  ton  oben:  dir  atgaa.  O  britifft  iorauf 
nach  der  äMtUehtn   Vbrlaffe  dat  40.  KapUA  ganz,  41 — &1  im  Atiazi^. 

enellt  hat.  uml  ist  <lisi>  beacfaieibuai  aus  dem  Istoinischan  Uamoti4]  mit  A.  baieirlacl 
sm  99.  rspit«!  seiugoii.  Rulman  h&t  Ihiii  hlngerea  aatsr  dem  D&nten  des  UUriD 
ftucb  B«iti  lob«DBWiDdel  enellt,  wiu  bisrnnten  fal,  160  folft:  abei  dUe  basclireiboiit 
Ut  AUS  dem  teOtscboD  mit  B  treieichnot  binden  in  der  uiderou  totfel  am  imitw 
Mpital  lol.  IT  geiogan.  Kulman  sogt:  ,Da  icb  wohl  aar  30  j&br  alt  nardsn...* 
Als  Grund,  wurum  OOtimanti '  auf  einmal  lu  B  flb«r;elit.  gibt  ei  an:  „Wvil  du 
tateinieche  ein  Oberaetxung  aus  dem  t«atsebeu  buch  B  ist.  au  ist  nicht  lu  m- 
Kundora,  vraa  eiui^  umbstAnd  änderst  ettalt  irsiden,  Danimb  anter  das  tefiticlH  n: 
[o£ou,  SD  nlrlit  rehluu  kan.  weil  es  ein  Abaohrlft  dei  oritloals  Ut.^  Diet«  Ht' 
h»uptaD(«u  Bind  jedoch  uiiiiobtif. 


VI. 

Urkunden. 


1. 

1363  Jnm  7.  Heimbach. 

Provinzialstatuten  des  JohanDiterordens. 

Wir  bnider  Cünrat  von  Bransperg  sant  Johanns ordens,  des  heil- 
ligeD  spitales  von  Jhemsalem  meyster  in  allen  tütschem  lande,  tnin  knnt  ge- 
meiDlich  allen  bröderen  önaers  ordens  j  |  in  dnsrem  priorat,  daz  wir  in  dem 
jare  nnsers  herren  1363  jar  nf  den  vij  tag  brachmaDOlz,  do  hielten  wir  ein 
geneTalc&pittelzeHeyDbach||mltallenphlegerengemeiDlidivonOberlant 
nnd  Siderlant,  mit  dien  wir  eintrechteklicli  ze  rate  wurden  dnrch  linsers 
Ordens  besten  willen  alzolicher  ordenüag  und  gesetzede,  die  hienach  geschriben 
atant  nnd  die  Seh  vonnales  ze  Thorolzbeim  indemgeneral  capittel  vora[?] 
62  iaren  ge&st  worden,  dise  selben  statnten  gemeinlich  alle  phleger  in  dem 
capittel  zeUeynbacb  gelobten  vestlich  ond  ernstlich  ze  baltenne  bi  irem 
orden  nnd  bi  irem  crütze  und  och  forbas  von  iren  conventzbrüderen  schaffen 
gehalten  werden  mit  gätem  and  gantzem  flisse  nnverbrochen. 

Ao  dem  ersten  ist  gebotten  nnd  gesetzet,  das  alle  phleger  sich  darzä 
flissen,  die  in  ir  hüseren  priester  haben  siilint  nach  ir  zal  and  die  öch  dar 
gewidemot  sint,  daz  sn  3ch  die  haben  nach  vermiigen  ir  böser,  durch  dz  der 
orden  dovon  keinen  schaden  enphahe;  und  dz  üch  die  phlegere,  die  priestere 
ond  die  anderen  brüdere,  die  sü  ander  in  babent,  fiisseklich  and  ernstlich  zd 
gottes  dienst«  halten  und  twingen  und  dz  sii  üch  zu  allen  ir  geziten  gen  nnd 
sten  ond  dams  nicht  komen  ane  nrlob  ir  ubrosten;  nnd  dz  Üch  dn  kUhe  be- 
lachtet si  nach  guter  and  alter  gewonheit  des  ordens. 

Es  ensnlin  <^ch  die  priester  ir  bar  nät  lenger  tragen,  wan  dz  man  inen 
dn  orlepli  wol  geaechen  müg ;  und  ir  blatten  sdlint  sin  geistlicli  und  pheflicb. 
und  die  leiten  sölint  tragen  einen  baltzen  zweiier  vinger  bieit  and  dz  har 
nidwendig  dien  oren  nicht  lenger  danne  einer  hende  breit. 


238* 

B       i  Qt     li  fa  b     m   all   plil  g     an  1  b    li       w  pp  a  tn^ 

und  d   d       pb  i  m  t  d  m    f  l  g    i     L  pf  n  n  ht  I  ng  d  nne    m 

In   !    g  nnd   w  g     b     t 

Oh  Iknbd  kucg  alln  !i  nat  t  ag  n  wao  Duh 
d  1  g  w  h  and  li  bw  ndig  k  n  n  ff  n  d  kn  pfl  teo  nk  t 
tg  db         miau  knnht  knpBt        dann 

an  m  t  m     m        d       lob  ^  n 

Öh  Iknbd  nn  tmantel  n  hl  Wu  trag  n  d  im  in 
bndb  tndwndgd  kn»  mid  bd  m  ntel  n  d  n  a  b^l 
da     d       ud     h  d    kapp  n        an    A  k   u  kn  pfl   n   bt  1   b  n 

0  b  u  1  k  n  pfl  {,  >ch  brud  f  k  n  tnnk  t  b  n  n  t  <« 
□ocb  t  nk  n  und  1  k  n  bnid  ak  ttwndl  nnlbn  m 
m  nd  d     d      tatth  It 

E  ilnt  bd  lipn  dd  w  mbes  h  d  d  b  d  un  ten 
ang       d     fdkn  hn     ndwnn     1        kmntnd      tett«  od 

in  dnh  hdlbnkldbudbkldneh 

mtallhnkld     n     1       g     tlhtwlg     m 

öhlntu  dnwta       tg  m  ntol       ta  h     und 

k   n    h    It     g  w  uh  t  u  d      bt  un  d  n 

E  1  1  k  n  n  t  brul  w  J  kn  ht  no  h  ph  t  bab  n  ui 
s  n        mm    d        n  1  b 

En  nmndo  1  nnbdnnhtulbgbn  gand  be 
lant    k       brüd        lunra  n       bwndgkn  *amb      h       b 

te  bm         n        an 

")  1       1     t  I  II      1  11    f  3  1 

I  1       a   I      1    ]       i  I      t      1   1    d       1 


1 


l 


I    t    1 


b  ill  g     j   1   b    n 
11      g  11  n      1 


l     ].       Ip    d 
1    t  l        1    b  üb 


ptt  1  l 


239* 

Würden  mit  der  gemeinen  phleger  rat  und  verhengnisse,  des  sn  öch  gemein- 
lich in  dem  vorgenanten  capittel  ir  besigelten  brive  über  sich  gaben  vest 
nnd  stete  ze  haltenne.  nnd  des  zu  einem  waren  Urkunde,  so  bant  wir  mit 
der  gemeinen  pbleger  rat  des  vorgenanten  capittels  ünsers  priorates  inge- 
5  sigel  offenlicb  an  disen  brief  gebenket,  der  geben  wart  in  dem  jare  und 
uf  den  tag  alz  vorgescbriben  ist. 

Or.  Perg.  Bezirksarcb.  Straß  bürg.  (H  1363).  Auf  demUmbug  rechts: 
Cor.*;  links  R*.  Auf  der  Rückseite  gleichzeitig:  Statuta  de  anno  63®  facta 
in  Heymbach. 

2. 

0    1366  August  17. 

Bischof  johann  von  Strassburg  gestattet  RulmanMer- 
swin,  den  Gottesdienst  zu  Gr.ünenwörth  12  Jahre  lang  durch 
Weltpriester  versehen  zu  lassen. 

In  nomine  domini  Amen.     Johannes  dei  et  apostolice  sedis  gracia  epi- 

5  scopus  Argentinensis  universis  Christi  fidelibus  subscriptorum  noticiam  et 
salutem.  Commissi  nobis  pastoralis  officii  debitum  et  sollicitudo  requirit,  ut 
ad  statum  et  profectum  ecclesiarum  et  |  { monasteriorum  nobis  subjectorum, 
ne  in  bono  deficiant,  quantum  possibile  fuerit,  oculos  dirigamus  et  ad  ea 
precipue,  que  divini  cultus  augmentum  in  eis  efßciunt,  maiori  quo  possumus 

10  sollicitudinis  studio  intendamus,  ne  { |  minuatur  nostris  temporibus  sed  pocius 
augcatur. 

Cum  itaque  ut  diligenti  inquisicione  premissa  conperiraus  monasterium 
dictum  zu  dem  Grünenwerde,  situm  in  suburbio  civitatis  Argentinensis, 
in  eins  primordio  ordinis  canonicorum  regularium,  postea  monasterio  in 

>5  Altorfe  ordinis  sancti  Benedicti  nostre  dyocesis  apostolica  auctoritate  ex 
causis  legittimis  et  certis  unitum,  in  quo  cultus  divinus  olim  laudabiliter 
floruit,  hospitalitas  servabatur  et  viguit  obsorvancia  regularis,  sit  facultatibus 
et  possessionibus  penitus  destitutum  et  ad  talem  ac  tantam  penuriam  et 
paupertatem  devenerit,  quod  in  eo  persone  reguläres  pro  divino  cultu  ibidem 

10  peragendo  de  cetero  non  habentur  nee  habebantur  iam  multis  annis  et  tem- 
poribus retroactis,  sicque  in  eodem  monasterio  personarum  efficiente  deffectu 
cultus  non  habebatur  divinus  nee  habetur,  sicut  debet  et  exigit  institucio  et 
religio  monasterii  antodicti,  eo  quod  idem  monasterium  caret  facultatibus 
pro  personis  huiusmodi   sustentaudis ;  cumque  eciam  monasterium  in  Al- 

b  torfe  principale  predictum,  caipretactura  monasterium  in  Grünen  werde 
unitum  dinoscitur,  pro  tempore  presenti  tantum  facultatibus  non  habundet, 
quod  utrimque  pro  divino  cultu  peragendo  sicut  debet  personas  necessarias 
ponere  valeat  et  eisdem  in  vite  necessariis  providere,  nee  eciam  de  aliis 
monasteriis  eiusdem  ordinis  et  religionis  seu  eciam  religionis  et  ordinis  alio- 

0  nun  infra  civitatem  vel  dyocesim  nostram  aut  eciam  aliunde  persone  possint 
haberi  pro  divino  cultu  in  antedicto  monasterio  in  Grünenwerde  per- 
agendo ex  80  maxime,  quod  pro  alendis  et  sustentandis  personis  huiusmodi 
^;-*;  «^^««i-^jü  jjQH  suppetunt  facultates ;  cumque  insupet  R^lm^XitiL'^^ 


240* 

dictQS  Mer^win,  civia  Ärgeutintiüsis,  bomo  devotns,  pia  deiociüns 
motaa  doffectnm  caltus  divüii  in  prefato  mouasteriu  nt  premittitar  existeDtein 
pio  proposito  desideret  rolevare  et  certos  redditus  et  possessionea  ac  tot  et 
tttiitos  de  bonis  sibi  a  deo  coUatis  depatsre  pro  tot  praspiteria  habitos  seca* 
laris,  qui  pro  divino  caltu  in  dicto  moDastario  in  Qrünenwerde  per*  i-, 
agendo  saßiciant  et  diTinam  caltnm  in  oo  sablatam  resamere  etcottidtepor- 
agore  valeaut,  sicnt  reqnirit  institncio  monasterii  predicti,  et  nobiü  sappli- 
carit  hnmiliter,  nt  ejas  propoaito  boDo  in  hac  parte  farere  sibiqoe  id  saltem 
ad  tempus  certum  et  presbiteria  predictis  pro  divini  cnltiis  aagmento  pre- 
aertiiD  dicta  eiigente  aecessitato  ordinariaanctoritaCR  concedere  dignareniitr:  if 
igitiir  nrgentibas  et  nus  ad  hoc  moventibns  causis  necössariis  snpratactis,  aa 
qaoqae  dt'inceps  la  dicto  monasterio  cuitos  diviuns  deficiat  sicat  priiis,  io- 
stantitiDS  eciam  ad  hoc  oh  causaa  premissas  abhate  et  conrenta  monasterii 
in  Altorfe  aotedicti,  et  de  eorundem  abbatia  et  conventDS  eipresso  bene- 
placito  et  cousensa  dicti  Bnlmanni  pio  propositu  aonaentes,  iuria  c<^m-  \f 
mauis  saffnlti  anffragio,  eidem  Bülmanno  ad  spadnm  dnodecim  aQnorani, 
domtaxat  incboandorDm  a  tempore  date  presenciam,  at  in  dicto  monasterio 
pro  diviDO  culta  inibi  dictis  duodecim  dorantibas  aimis  peragondo  preilii- 
t«ro3  legales  et  ydoneos  habitns  secnJaris,  vite  probate  et  conTersaciouii 
honesta  iiostra  aactoritate  ponere  valeat,  ordinaria  auctoritate  deliberate  ttl  ii 
Bi  certa  sciencia  concessimiis  et  indiilsimQS,  uoncedimus  ot  preseDtibns  in- 
dnlgenaa.  Qaibas  qnideiti  presbiteris  idam  Bälmannus  bonls  sais propriis 
absqae  contribncione  dicti  monasterii  in  vite  neceasariis  pro  eoram  sasten- 
tacione  et  aliis  pront  opus  fnerit  providebit;  concedentes  et  indalgentes  in- 
super  eisdem  presliiteris,  quod  spacio  dictorum  duodecim  annorum  duranU'  ■!'■ 
inl'ra  ^cpta  ipsius  nioiiasterii  et  in  attineutibus  edilkiis  ad  ipsam  mona?ie- 
sli-riuni  pertineiitibus  se  recipere  et  ibidem  iiiorari  valeant  iiecnon  diviiii 
oflicia  uoi-turiia  pariter  et  diiirua  statutiä  t^'ui|<i.>ribus  in  ipso  monasterio  per- 
agtru  i-C  licite  c •.■Ivb rar-.',  ila  tarnen  qu^^d  ideiii  liulmannus  et  eius  csecu- 
tn res  per  ipsuin  depiitati  in  bac  parti.:  videlicet  Heiitzemaunos  dietos  :■' 
Wetzel  inileset  J.iliniines  Merswin  civis  Artreiitiu  euses  seu.dii.to 
Kuliiiaimu  ;iat  alteni  dictoruai  executorum  defuiicti',  ille,  quem  a)ii  duo 
sii|iiT?tites  in  liiciiiii  luiic  ili^fiiiicti  eli^ir^Tiiil,  quu.s  ad  jirovidendum  dielij 
piesliitiTis  nc  iv.liliiibii-  .-I  p.issessiuiiilnis  ]irii  ».'i-rundem  presliiieroruiii  fU- 
st,'in;n:iuiif  di.>putaüs  de|iiit:ivit,  dictum  moiiadiLTiuiii  uteiiis  edifuia  ad  iii^um  :■ 
p"rtini.>(iiJa  in  Inma  sCructura  jier  ,-;p;»'ium  dirt^rum  duodecim  Mrinriiiu  'i- 
liebuiil  ciiiiscrvare.  VA  quasi  himiilc  l■xpell^as  ^va  imiieiisas  prn  slnictura  iiu" 
iia^t'-rii  ei  eiu^  i'dilici((ruin  predictorimi  l'eccrint.  lapsn  dictoniia  iluml^'i;!!! 
anaoriim  ■i|iaeiM,  aliUas  t't  omwiitu^  iiinriasteni  in  Altorfe  autedicta  eui-.m 
lliiliiiiiiirm  vel  eins  esi'i'iit-.iribus  iiredittis  m'U  cloctis  ab  eis  in  lt>Cüiii  ili'-  '' 
luiiut'iriiTri  restiueri'  di^bebunt  iutt^graliter  et  in  tnto,  super  quibus  nuii]"ni 
■■xiM'iiMs  S'^u  imjii'iisi.-;  ot  faruin  sunmia  iuranieiitn  Riilman  iii  prefati  vel 
i'iiis  i/Xi'r-iitLirnm  iireilLr-("iuiii  sr'U  olettorum  ;i\i  eis  in  lucum  diduncuirnin. 
alK.|Up'  yr-Uv  Ihth'  alia  >landiim  i-j-it  el  riederiJuni.  Ae  liiiito  dictorum  duj- 
dvim  aiiimruLE)  .-juiciii  i;  ii  1  iiianniis  antudiiiiis  eins<iue  e  xec  uto  res  ante  Jicli  '■ 


241* 

rel  ab  eis  electi,  nt  premittitur,  yoI  eciam  presbiteri  in  ipso  positi  per  eum, 
it  prescribitur,  in  sepedicto  monasterio  in  Grünenwerde  et  eins  attinen- 
;ibn3  edificiis  vel  pertinenciis  aliis,  nil  iuris  occasione  concessionis  et  indul- 
^encie  prescripte  sibi  potemnt  qnomodolibet  vendicare,  sed  postqaam  ez- 
)ense  sen  impense  pro  strnctnra  eiosdem  monasterii  et  eins  edificioram  facte 
)er  eos  predictos  abbatem  et  conventam  monasterii  in  Altorf  antedicti, 
)idem  Rülmanno  vel  eins  ezecatoribns  ad  hoc  deputatis  per  oam  pre- 
(criptis  restitnte  fuerint  et  plenarie  persolnte,  eztnnc  nisi  nova  concessio 
rel  indalgencia  per  sedem  apostolicam  aut  per  nosmetipsos  vel  nostros  snc- 
;essores  facta  faerit  in  premissis,  presbiteri  in  ipso  monasterio  positi  per 
iülmannum  antedictnm  ad  requisicionem  abbatis  et  conventas  predicto- 
vm  cedere  et  ipsum  monasterinm  et  eins  edificia  omnino  vacua  dimittere  de- 
)ebnnt  et  abinde  recedere,  contradictione  eornm  et  alioram  qnoramcumqne 
laalibet  qniescente. 

In  qnorum  omninm  evidens  testimoniam  sigillum  nostrum  episcopale 
ina  cum  sigillis  abbatis  et  conventns  monasterii  in  Altorf e  predictoram 
Inximns  appendendnm.  Nos  vero  abbas  et  conventas  monasterii  in  Al- 
iorfe  antedicti,  quiapremissa  omnia  et  singala  de  unanimi  nostri  consensn 
)t  beneplacito  processerunt  et  per  predictnm  dominum  nostnun . .  episcopum 
egittime  et  ex  caosis  necessariis  premissis  ad  nostri  eciam  instanciam  nt  pre- 
icribitur  facta  noscnntar,  igitur  in  testimoniam  et  evidenciam  eciam  omniam 
)reniissoram  sigilla  nostri  abbatis  et  conventas  predictoram  presentibns  da- 
:imus  appendenda.  Datam  anno  millesimo  trecentesimo  sexagesimo  sexto, 
lecima  septima  die  mensis  augasti. 

Straßh.V-B,  5,563,  Or,  Bezirkaarch,  Strasshurg  (H 1352).  Auf  der 
Rückseite  von  der  Hand NüL.:  1366.  D irre  brief  seit,  daz  Hüleman  Mer- 
iwine  horrn  Hointzeman  Wetzel  und  Johans  Merswiue  von 
>i8chof  Johanse  züStrosbarg  und  von  dem  appete  and  convente  zu 
lltdorf  erloubet  wart  daz  gotzhus  zu  Grünenwerde  mit  weltlichen 
>riesteren  us  irme  kosten  zu  versehende  und  zu  versorgende  und  gottes 
lienest  darinne  zu  haltende  xii  joro  lang  alse :  waz  sü  in  den  zwölf  ioren 
m  demselben  gotzhuse  vebuwetent,  daz  solte  in  der  appet  und  der  convente 
:ü  Altdorf  widorkeren  und  bezalen  und  irme  eide  darumbe  geloubent, 
foltent  ehte  sü  daz  closter  von  in  wider  haben,  doch  ist  Buleman  Mer- 
iwin  sint  moles  einen  anderen  beredungen  und  eines  ewigen  kouffes  mit 
n  überkommen,  der  disen  gegenwertigen  brief  tötet  und  kreftelos  machet 

• 

3. 

1374  April  7. 

Heinrich  von  Wolfach,  Komtur,  die  Brüder  und  Pfleger 
;am  Grünenwörth  verpflichten  sich  die  Bestimmungen  zu 
»rffillen,  welche  Konrad  von  Braunsberg  bei  derlncorpo- 
ation  der  Kirche  zu  Hugsweier  getroffen  hat. 

Wir  brader  Heinrich  von  Wolfach,  commendor,  ande  diebradere 
femeynliche  des  hnses  zum  Grünen  wer  de  zu  Strazbargb  sante  Johans 

Bieder  II.  \^ 


242* 

Ordens  des  heiligen  hospitalesTon  Jherasalem,  und  wir  Clav  es  Lappe 
und  Heintzeman  Wetze  1,  rittere,  und  Raleman  Merswio,  pfleger« 
des  selben  bases,  tont  knnt  allen  Inten,  die  dissin  briaf  sehen  sollent  nder 
hören  lesen:  Als  der  erwirdege  geistliche  herre,  bruder  Cunrad  yon 
Brunsperg,  des  vorgenanten  ordens  meister  zu  tutschen  landen,  durch  : 
gottes  und  smider  liebe  und  gonst  willen,  sü  er  het  zn  dem  egfenanten] 
hnse  zum  Grunanwerde,  dem  selben  huse  gesehaffet  und  gesthicket  liel 
die  kirclie  zu  Hugeswilre  und  sine  raeynunge  und  begerde  iat.  daz  man 
soliche  nutze,  so  ierüche  von  der  sotben  Itirchen  komment  und  \allent,  deD 
brndern  des  selben  hnses,  of  daä  sy  sich  on  eigenschaTt  halten  mögen,  geb^n  n 
und  reichen  solle  yn  ze  stüro  zu  ir  notdorft;  da  ist  unsir  guter  «ille  noA 
Tirheißen  uns  onch,  so  wie  der  vorg[eDante]  meiste?  das  ordeat  nnd  Siißei 
mit  sinem  brieve,  das  wir  das  also  halten  sollen  ungeverlich.  nnd  gleben 
ODch  vor  uns  und  unsir  nachkommen  bi  guten  truwen  das  vaste  nnda  stete  it 
halten  on  al  geverde  und  argeliste.  Und  des  zu  orkunde.  so  han  ich  bruder  n 
Heinrich  commendur  Turg[enant]  myn  eigen  ingesigel,  und  wir  die  TOrg 
[enanten]  brndere  gemeinUcho  des  vorgfonanteu]  nnsers  huses  ingesigel, 
mid  wir  die  vurgfenanten]  pflegero  des  Uuses  zum  Grunenwerde  TOrg[e- 
uant]  unsir  yclicher  sin  eigen  ingesigel  an  dissin  hrief  gehangen,  der  ge- 
geben wart  in  dem  jare  nnsers  faerren  tnsent  dryhondert  sybintzig  nndevier  'J 
jare  of  den  nee^ten  fritag  nach  sante  Amhrosy  tage  des  heiligen  blschofes. 
Or.  Erü).  Archiv  Fi-eiburg  i.  Br.  (Johanniter).  Siegel  des  Claus  Lappe 
erhalten.  Auf  der  Rückseite  von  der  Hand  Nikolaus  von  Löwtns :  ein  or- 
denungf,  so  die  pfleger  und  die  brndere  halten  sollent;  von  der  Hand  des 
urhumleHschrdbers ;  evn  brief  der  brudere  und  dw  phlcgore  dt?s  liüs  zum  : 
G  r  (i  11  •'  11  n  e  r  d  K  von  der  urdeuunji',  dy  inyu  hiere  in  dem  selven  huäc  ire- 
urdciil  hi't.  'h\s  sy  die  st-'de  und  veste  lialten  sollen  ;  ron  dritter  ha nd :  diiJir 
brii'lV  Ki'scit  bü  der  comentur,  bn'ider  und  pfleger  des  huses  ztim  Griiiicii- 
nerde  sich  IV'rbimdiai  liant  von  d'T  kirt'lii'n  wegen  zii  H  ugeliwiler,  ^la^ 
sü  dp.T  i.rdi-iiuni;  ivi?lieiit  fri'niig  doii,  dii>  du  der  selben  kircheii  halp  ti^r  : 
Cümnt  von  liruu^iMTU'.  uieister  sant  Johans  ordens.  uff  gesetzi'i  lut 


-'.m.  iratri'-.  niilitc-  Ari,'iTiliii.'Lisv-,  tilii  .4  lior.'a.'S.|U.iiMlaiii  IK'iirid  .ie  J!:ilii- 
■jni.  i  ivis  Ai',jenliii.'Lisi>.  iinnil  ulini  dii  {n>  atti'Oil.Mis  i|iii.a  in  U,-:..  ~,-ii  o't)- 
"Unminni  :Saiii  t"rnni  in  >iiliiirbii>  civitllli^  ArguiuiiR'iisis  iulra  liiiii(>'-|iHr- 
uliii' etclt'sie  sam  ti  l'i'iri-.hiiiiiTi?  Ai;,'eutinfnsi!i  situ.ito.  quem  t'ratrwPri' 
im.-itratciisis  nriiiiii^  |i'iiiii'i\iiit  jn-r  liinijuni  tenipus  et  tonebant  dicti  fratP'; 
lc(Mlol'i'i-i'riiiiti|uiid  rion  iii,-i  ilu^',  iiunruiti  uiiiis  iH'ulunialterius  violentt'iestr,'' 
■r:ii.  irin,-iJi.M,T,Lin  t-i  V''*!"'''""-'  '''ilt"-  diviiiii?  totalili-r  vel  ((uasi  (iflec.'iaii> 


243* 

in  eodem,  dictum  locnm,  cnius  edißcia  lignea  faerant  et  qnasi  destnicta,  a 
fratribna  timc  in  dicto  loco  eiisteatibns  de-  licentia  saperioris  ipsomm  com- 
paravit  ac  noTa  edificia  ibidem  constitnit  et  eidem  loco  per  sastentationem  c«n- 
grnamquiDquepresbyterorumsecularinm.qaiibidemproipsinscivisetparentnm 

,  ac  progenitoram  SQorom  animariiiii  salute  et  divini  cnltos  augmento  celebra- 
rent  diviaa,  aanoos  perpetnos  redditus  de  snis  bonis  proprits  assignavit  et 
ipsos  quinqae  presbyteros  inibi  posait  ant  institai  procnrasae  dinoscitar, 
jure  patroDatDS  in  ipso  loco  sibi  et  suis  heredibns  reseirato,  in  premissis 
Omnibus  loci  ordinarii  accedente  eonsensu.    Et  qnia  decanns,  thesanrarins 

I  et  capitalnm  predicte  ecctesio  sancti  Petri  prodictom  cenobinm  aitum  esse 
in  soa  parrociiia  asscrnntes,  se  at  premissa  non  fierent  mnlttpliciter  oppo- 
nebant,  idem  civis  timens,  ne  hninimudi  picni  opus  posset  aliter  in  ejus 
vita  propter  senectatem  ipsins  feliciter  conservari,  infrascriptis  cooditionibns 
per  dictos  decanam,  thesanrarium  et  capitnlnm  ordinatis  consensit  invitns, 

>  Tidelicet :  qnod  in  eodem  loco  non  recipientnr  nisi  fandator  dicti  loci  et  filü 
ipsins  ac  nxoram  eomm  et  patronurnm  et  presbyterornm  einsclem  loci  Cor- 
pora ad  ecclesiasticam  sepultaram,  et  tertia  pars  omninm  bonomtn,  qne 
contingeret  dicto  loco  etpersonis  inibi  degentibns  legari,  cedepet  in  ntilita-' 
tem  ecclesie  parrochialis  predicte,  et  qnod  hninstnodi  qainnarios  prebyt«- 

1  roram  camerns  non  aagmentaretur  ibidem,  ipsiqae  presbyteri  tenerentnr 
JDrare  ad  sancta  Dei  evangelia  so  contra  conditioiies  easdem  pretextn  privi- 
legioram  quornmcainque  etiam  apostolicomm  nllo  unqnam  tempore  non  ve- 
nire: com  antem  Pater  Sanctissime  couditiunes  biiinsmodi  in  divini  cnltas 
diminutiooem  et  contra  libertatem,  qaä  dictus  locus  gandere  antiqnitns  con- 

•  snevit  rednndare  noscantnr,  bumiliter  sapplicant  tales,  qaatcnas  premissa 
circa  dictum  locum  per  dictum  civem  pie  facta  dictis  conditionibns  eiceptis 
dignemini  ex  corta  scientia  auctoritate  apostolica  confirmare  et  dictas  con- 
ditiones  tollere  hoc  eicepto  qnod  dicta  parrochialis  ecciesia  ab  eodem  loco 
suam  qnartam  babeat  sicnt  alle  parrocbiales  ecclesie  a  mendicantibus,  et 

I  nichilominas  de  nberiori  gratia  concedere,  qnod  idem  locus  libera  sepnltnra 
et  aliis  libertatibus  gaudere  Taleat  et  inibi  alii  presbyteri  ultra  dictom  nu- 
tnemm  quinarinm,  dummodo  ipsi  loco  ceiti  redditus  pro  congma  SQStentatione 
ipsornm  assignentar,  institui  valeant,  quacnmque  institntione  apostolica  vel 
alia  in  contrarium  edita  non  obstantibns  cum  clausulis  oportunis.  —  Non  est 

i  jusla,  quia  pars  tangitur,  std  per  eanceüeriam  commiftatur  in  parttbtu  Ö. 
Et  guod  trameal  sine  alia  leettone.    Fiat  Q. 

Dai  apnd  VillamnoTam  Avinion.  dioceeis  14.  kal.  julii  anno  aecnndo. 
Vatik.  Archiv  Bom:  Suppl.  25,  151".   Am  Rande:  ex(tra)  commissio. 


Glossar. 


A. 

abegOD :  gotte  abegun  von  üott  ab- 
lassen   83*16. 

abege3chriftll7»3.134*2Iff.  abe- 
schreiben  gfil,  95*13- 

abetan:  siclider  weit  abetnn  H)'37- 
18ü*20. 

abgescheideaheit  Loalrtnntmg  66*4. 
141*31.  142*1.  eicliallerlidi- 
gpstnndabeescheidenlichest  halten 

ablassikeit  NachliUniijkeU  lUil'ä. 
abraheraschor,  in  -  siiroclic  '.ir)*J.  5. 
aWrunnit,'  werden  IMJ'lfi. 
accolite  i:)<l*;iw. 
adelar  Adler  Mi*2it  li'. 
Adelheil  i;ii's. 
adventaHinni  ä'J*]. 
advent  ;!;i*lT.  :,ii*lfi. 
S.Apues  lf*ll*lii. 
alegievL'n  abfahren  14.1*:!4. 
illiniiiidc  l(;r.*l. 
AlilorJ',IlfneililitiuBrkloster.ÄT..l/ois- 

heim   13*7.21.  i;4*12.   118*7.1). 

1 ,1^*  I  7.1  '■.2';i.:i.  1  (m*2(1.  I  il8*:j. 

1  l.lii.2T,  iy:i*27,2'.i.23»*25ff. 

iiH'i'i    niöncUe    vi>n  13*j.  53*2:1, 

2S.     br.  Burghard  59*31. 
alter.  über-  gon  12H*2S,:iO. 


aUtrenesch,  nocU-wise  aüfränk-keh, 
aUertumlieh  13*1-).  altfr^niseh 
158*10. 

altvatter  28*18,34. 

ahovil  za  schribende  7r<*3<<.  es 
mühte  sin  gar  alzümole  alzuiil 
werden  89* Iß,  sin  wurde  alid- 
vil  ZD  schribende  1  IU*30  a.öfttrs. 

ambaht  105*je,21,28.  106*1,9, 
23.33.  HI7*2,  16,  20.  129*18, 
41.  42.  ampt.  götliche  Go««- 
ilieiisl.Horhavit  4*1, '.(.  i'i'i;,  güi- 
liclier  amljaht  ]35*:ii>,  Is2',i2. 
anbahtiiian  173*37. 

ammeistiT  lNli*H). 

anipel  13'.i*4.  >\. 

Aniilaw.Hi-inrichvon-.k'mTvnibrilJer 
Tiin  (irünenwiJrlh  >-  Xi'^e  1J*2'.I. 
I.i9*l, 

aiiegrilTen,  die  msteahc-n  '.i'.i'S, 
1*12*7. 

niiehap  i'rh^her  4''*2S,  aui'hiil"'r 
I34*:ii;.  i'uiidator  und  aiuOi-biT 
nu^lii. 

üiigenummeulieit  21j*lS. 

ailgcrilber  voll  Besonjnis  r2T'l.  2.'i. 

auhang  der  ertatureii  1 49*'.'. 

aiikomea  s.  komen. 

anliingeu,  wiW.  Inf.  iii7'2T.  'li- 
angelangL't  werdpn  1117*2*1. 


245' 


anmuten  hegehrtn,  verlangen  3*9. 
anrüffeo,  die  f runde  unseres  herren 

1 1  ^*^.     die  lüte  an  den  bredigen 

113*11. 
anspreche,  one  redeliche  ohne  red' 

liehen  Grund  101*12. 
anstadel  17*14. 

an(e)stos  125*32.  126*3,  184*28. 
anvohender  mensche  25*29.  33*1 1, 

16  usiv. 
appelos    78*22.     128*11.    135*6. 

22 1*2, 6,31. 222*32.    ungesum- 

meter  167*1, 6.     teilber  22 1*40. 

gesumeter  222*33.      der  Sünden 

213*14.  220*6. 
appetsite    Nebenachiff    der   Kirche 

74*11. 
appodiare  56*38. 
arbeit  haben  mit  singende  und  lesen 

135*27.       erbeit  haben  mit  ge- 

rihte  137*13. 
argwon  130*32. 
armut,  kenschheit,  gehorsam  14*31. 

47*25.  62*20.  121*5.  124*4. 
artikel     Abeehnüt     6*25.     24*13. 

72*7,  14.  125*57.   129*28,  30. 

132*33.    134*19,  27.    169*29. 

172*1,  8.   174*18,  29.  175*10. 

177*30,  34.  178*8.  180*32. 
artzenige  102*35. 
Augustinerorden      1 1*5.     1 34*42. 

Augustiner    1 69*2  3.      Augusti- 
nus, hl.  20.3*20. 
Avion  (Avignon)  3*11. 

B. 

Babilonie,  tum  zu  148*35. 

baddestubben  182*7. 

baltzen  Tonsur  237*23. 

baner,  Christi  32*22.    banerbüche- 

lin  32*16. 
Basel,  malermeister:   Herman   46* 
•     anm.  14.      komtnr:  Werner  von 

"-*= "•5*18. 


bedeckete  stroffunge  1 1 4*4.  mit  be- 
decketen  werten  143*36. 

befinden:  also  das  es  nieman  befinde, 
wer  es  geschriben  29*42.  32*35. 
39*25. 

begharden  37*1.  52*6. 

beginen  36*41.  52*4. 

behelf  Hilfe,  Schutz^  one  allen  be- 
vintlichenbehelf  144*19. 145*32. 
216*19.  217*9.  228*12. 

beheltniß  Gewahream  117*12. 

beheren  sich  stolz  über  etwas  er- 
heben 72*22. 

behutsamkeit,  geistliche  219*33. 

bejetzen,  bejäzen  Ja  sagen  169*30. 

bekorunge  Versuchung  21*14.  26*5. 
28*15.44*5,15.  58*31. 83*19ff. 
113*31,34.  116*26.  118*43. 
132*42.  142*15j  27,  31.  143*2, 

21.  144*7,16,32.  145*20ffi. 
146*14.162*40.  189*7.  194*7, 

22.  206*19,27.  215*35,  40. 
216*9,  16,41.  217*3,8,  15,24. 
bekoret  werden  130*30,  34. 

Benedictinerorden  162*2.  167*25. 

168*1,  27.  183*25. 
Beerenberg,  kloster  bei  Winterthur 

8*13  anm.     149*28.  150*1. 
Berengar,     Baimund,     Johanniter- 

meister  176*4. 
berg,    hoher  80*9.  232*18.  s.  ge- 

birge. 
Berlin,  Wölfelin,  Straßb.  bürger  9*8. 
Bernhardes    orden    8*2.     134*43. 

169*23.  210*8. 
besinnen  ausdenken  177*J8. 
besorgeunge  117*11. 
besserungc  3*8,  10.       unbetrogene 

besserunge  101*27,  28.  sin  le- 
ben bessern  21*34.  28*36,  37. 

29*2,39.   30*4,21.   31*10,14. 

38*19,21.  39*29,31,83.  60*28. 

100*34.102*37.1 1S*30.165*36. 

169*9. 173*16.180*27.228*19. 

sich  bessern  90*24. 99*10. 


246' 

liehe    gobessort    werdoQ    GS"31. 

214*19. 
bflsessenlieit  VerbUnduiiy.  Halislar- 

rigkeit  108*9,29. 
besessen heit,  heilung  von  50"3ff. 
besworon  77*31,  34.  89*41.  94*7, 

16,18. 
bette   Bitte,  Fürbitie  89*1.  100*4. 

hiniierste  bete  100*24  usw. 
bctterise  Kranke  213*4;  botteriaig 

hetüägerig  2 1 3*7. 
betwungeD,T0iigott2  3*6,23.32*20. 

34*5.  38*9.  39*4,  13.  48*7,13- 

49*33.   50*3/4.  73*15.  11C*I9. 

IIT'  +  I.    11)1*31.    164*2,   19. 

183*12.190*10.196*7.198*16. 

TOD  götlicher  betwilogniße  scbri- 

beo  116*12.  164*11. 
Beyerland  2 1*5-    Pe)'gerlant26*37. 
beio  an  den    mnnt  am  tat.  pacein, 

dtti  Friedenskuß  geben  68*3. 
biderbe  123*36  »ato.      borbiderbe, 

unttdlieh  106*40. 
ßieteahcin.   kr.    Molsheitn,    Gertmd 

von-,   toi-liter  li'iiikiliiä    v.ni    H- 

UMi*19.  2.(3*34. 
liildu  llt':!5-   usserlicliobildu9fi*i7. 

ussnwondige  bilde  99*ir>-       mi- 

gehcn-o  Uldi'  153*32.       in  sluf- 

feiid"!!  liildi'ii  viirliisbon  llii*21- 

(Cemoletc    liildi'    :in    Jen  "t>niit.'n 

!4.-.*29,   J17*7.       fr.'iwen  bildu 

l(19*3;i,    11(1*11-     manne  biUe 

llii'i-  bililoHHiiT      iiivelle 

bihti'f    Utirhlvttler    JI*Lis.     :!l':i:(. 

ttihui  51111  ]  JtJ"l. 
liil-i'iMi  l'il'je)-  il"!:!.     in  bilfcrins 

i\j-  ;■;.  Iiil(;i!ri[iv;irt;i*l  1.1^. 
l^i-ilh.i  7  l'LJTIV.  1M7*:14.  121*21  11. 
biUi'i].    Mir  >\'w    iTiwtHiheil    -s--*;(^ 

liliirikliiirr,  Htinrich.  s,  LilHvi], 
blalh.  TuHXHr  2.i7*22. 


lUenkelin,  Johann  4*19  anm.  3*13 

bligine     palle     82*16.      118*19. 

162*15.  lT5*3(i.  177*7- 
bligscboa,   heiterer   läbtender   slm. 

Blitt  96*13. 
bUndelinc:  bündelinge  wer^   nkh- 

lige  Werke  109*7. 
blitzen  subat.  Inf.  130*37. 
blo  Mau  151*17. 
blost,  nit  nnd  bl.  62*37. 
blotero,  geawollene  7S*3s.  39,  42. 
BloTolJfü.  Claus  von-.  Franziskaner 

v.Blaufelden  (?)  151*3.  10. 
binde,    alse   rehte    zaghaft    Tfi'.IO. 

94*12.  110*24. 
blat:   blatte  »ogele  nackt,   uugefit- 

dert  79*37.  122*22. 
blütestropfen  109*41- 
blütvorgieflen  subst.  Inf.  ioi*8,  17. 
bobest  Papst  74*30-  74*38.  75*S 

82*16,   33.     103*34.     106*35. 

107*25,     35.    120*9.    121*10. 

140*14.  iiifi*22.   i:j*r-'.  Tl. 

-IlonuriQS  III.  222*1. 

—  Ktemens  58^17.  sjT.t.  IH:i*lii. 
liU*4,<i.  105*l(i.  liir,*37.12ii*:'. 

—  Urban  5S*17.    S.i*l'.t.    Mli'hl. 
ll)4*w.  lfl.-)*lti.  l(i'l*:l<;,  l'Jii*','- 

-(iR.gor  r,r,*: 


ß.> 


*2.  12' 
eiibe 


,  1  1. 


r.-lwh^i 


Juliiiiiiins  vnn-,  priur  '/.u  Kiig" 
139*2:1, :j;i.;i(;.  ]4ic'2,i;. 

b.irbul.Tbo  unrrdlwh  s,  IivIitL-. 
btirkirclii:    F.mpurf     1 3''l(i.     (i:i 


liottü:  einen  erbaren  -  us:feiiiieii  f,  d"  i-i, 
ein  gesantcr  engi.'l  und  ein  l"it;-' 
9(i*i3.  94*27. 

Ijuumgarte  lfi2*3. 

Draljaut.    Urobant    23*17.  2i;'2il, 


.  34'1 


.  19 


247 


•7* 


BrauDsberg,  Konrad  von-,  Johanniter- 
meister  5*1  anm.  8*6.  15*4flf. 
46*3.  7:^*19.  105*11.  117*9. 
138*17.151*31.155*12.156*8, 
18.171*14,25.172*12.175*15. 
177*20.  181*17.  190*22  anm. 
207*5.210*12.21 1*2,13.220*9. 
221*37.  234*1.  237*1. 

bredige:  hohe  vernünftige  42*23. 
bredie  horon  40*20.  70*20.  die 
lüte  an  den  predigen  warnen 
104*12  s.  anriiffen,  bredigen 
113*21,  29. 

brief:  des  gottesfreundes  24*27. 
28*28,  29,  30,  34.  brief  schrei- 
ben 43*3.  57*28.  58*4,  8.  vom 
himmel  herabgefallener  brief 
98*30. 

Briefbach  s.  Memoriale. 

brochtzen  prasseln,  Lärm  machen 
89*36. 

bruder,  alter  in  eime  closter  43*12. 

brüderschaft,  grosse  181*3.  minre 
221*lff. 

Bmderschaftsbnch  s.  Memoriale. 

brunlöf  büchelin ,  brütlouf-  23*14. 
34*13,  19.  brunloft  kleit  iTocÄ- 
zeitskleid  150*31. 

brüst:  megetliche  brüste  153*34. 

brustböm  185*8. 

bruteg<5m  1 50*30.  dez  brütegumes 
mangeln  138*37.  zükunft  des 
brütegumes  139*3. 

Bubikon,  kt,  Zürich,  komtor:  Werner 
Schurer  221*11. 

büchelin  zum  ausleihen  28*28.  bü- 
chelin  usser  der  hl.  geschrift  su- 
chen 43*25.  büchline  s^hri- 
ben  dem  ebenmenschen  zu  helffe 
195*24.  196*7. 

Böchssener,  Friedrich  5*1  anmerk. 
Claus  207*20. 

Bolach  s.  Zom-Bulach. 

l)ürge  112*1.  122*2.  zu  bürgen 
sreben  144*27.  216*22. 


Burghardus,  frater  59*31. 

burgreht  174*34. 

burne,  schöner  lustlicher  66*9. 
182*5.  ein  geseße  bi  einem 
schonen  burnen  89*28.  super 
fontes  invitare  56*7. 

büßen,  der  229*3. 

D.  T. 

taferne  Wirtshaus  168*10. 

tag  (dag):  einen  dag  machen  88*39. 
heimkommen  vom  gottelichen  tage 
84*38.  uf  dem  gottelichen  tage 
sin  92*26.  den  tag  mit  grossem 
ernste  vertriben  94*1.  nie  gu- 
ten tag  gewinnen  83*43. 

tageweide  einen  Tag  lang  100*38. 

Daler  (Taler),  Jekelin  gen.  ^  Eli- 
sabeth v.  Löwen  8*  1 3  anm.  1 0*1 2, 

dangneme  gobe  eine  mit  Dank  an- 
zunehmende Gabe  171*7. 

Tauweler,  br.  Johannes  44*38. 

teilen :  in  die  cristenheit  geteilt  wer- 
den 87*20.  gedeilet  werden  an 
fünf  ende  der  cristenheit  206*5. 

telben  graben:  ußer  dem  gründe  ge* 
tolben  108*11.  178*24. 

demütikeit  Demut  22*9.  von  de- 
mütikeit  nit  öffenlich  ussprechen 
22*30.  23*9,  21.  33*26.  34*8 
usw. 

zütercienzit  143*5.2 14*23. 230*10. 

Deutschherrenorden  21*28.  30*25. 
31*1. 

til:  tilen,  hültzine5rö«,Dw/el09*18, 
26. 

tod:  in  todes  not  sin  77*6.  88*3. 
111*1.  164*20.  den  tod  un- 
sers  herrn  eren  82*27  usw. 

tofele  Tafel  6*15, 19,  22,  39.  18*20. 
21*29.  23*33.  31*8.  35*19. 
36*16.  39*36.  42*16.  46*14. 
47*5.  58*4. 1 1 6*28,  35. 1 1 7*35. 
161*26,  28.  163*35.  213*10. 
232*21. 


24S* 

St.Dommicu3ordeDi:i4*4;f.  ir.'j»25. 

dorebt:  dorelite  üDTernunftigä  wise 

.  i:(2*:i2  dorehte  raegsde  3.  me- 
gede. 

dormentor  donnilorium,  SchlafBoal 
!5>i*7.  185*1,  5,22. 

Doraltzheim  Dorlisheitn,^iederdsaß, 
komtur  1 74"2:).  Johan  von  Gra- 
stein  175*20.  tonvent  175'22. 
generalcapite!  2;(T*tü. 

dorren  vtrdorrgn,  dürre  uerdm: 
dorrendo  werden  von  vorht  8fi*28. 

totslag  ;(*(i.  li'io.  2(i«*2:i. 

tonff:  der  jüngeste  toaft  die  leUU 
Oiluwj  IHS'l  1. 

tram  Balken;  die  treme  183*8. 

trengen:  getrenget  werden  77*5 
12  7*2fi  s.  tmcken  u,  getrenge. 

tribeu  subHlnf.:  innarUches  tribou 
l2N*l(i.  I2i)*l,  2,  daz  Btete 
verborgene  tri ben  13]*24.  gros 
triben  1 36*7.  aa  g6llicbem  tri- 
b6nde213'2.'J.  Tun  gottedarzi'i 
getriben  143*4.  I4C*:1]  s.  be- 
tw  liegen. 


dci  drei:  dristunt  47*2!i.       dru  ior 

ss'ic.  l't.  ]('.4*2[. 

7ii'2h.    7:i*2i>.    Hil^is.    sii'.lJ. 

truwe :  uz  cristenlicber  triiwe  raten 

^•■■•iU.    1M*I4,    ',f4*;i:i.    ii:i*:i.s. 

S7*^(:(.  1HI'2.S,  l(Hi*21.     in  reh- 

'.iS*l.  ."r.  +ilff.   l(Hi*i:i.    lii,l'i;i. 

ter  üristenlicberbrüderliebertrawf 

'M:.       drie   sinne    7:i*-7  9.       tu 

i;i:i*h  ustr. 

.irieii  miiifn  I2J'':17.       dri«  tage 

tüchelin,  blutiges  !li7*i:i.  22;i'4. 

'.i7*2ii.     driplaEoalle1age7l)*2li. 

tikhloube  I5(!'2!i. 

drie  uaht  alle  nabt  'ri*i-<.T2r,'i:: 

1u(el47*r,.  71  +  1(1.  74-22.   s.l'J-. 

ilrie  in'irgmi  :ille  murj;™  ii-J'lii. 

:u.  '.i4*r..  1  i:i'2.s.  :y.i.  u.!':;-- 

ilrii'  tngftweido  Hili*:iN.     die  ilrii 

l',t4':S7.2l2*ls.2)r.'4,(.     dya- 

bni(l<T.^    j:,'*-l.    ir,':i^.     Tf,''27. 

bolus  ."i'.i*4, 

^I"24  ,    ;<:(,     ST*2S,      12(i*;il. 

'friuienbeim,  Heiiilze  sei.  von  'i*'i. 

IUI  *.!.".,  411,     |L''J*4.1i;.        drie 

tfirapriibst  Iii4*:i. 

an'ii.-i'licu  7^''2c;.     drin  ]iriost(ire 

läurchtirocb:  dag  biich  von  deinirriii 

Mi*|r(.l  I2*i  l.ljs':i-',.|:!:r-j:i. 

durrbbnicbi'n  22*17.  :l2-.i7ff. 

driEJchiinai-r  |;i:i*l2.     drißbri«- 

darpbehlen  verfolge»  lui'll. 

l'o  lJT"2-s.  :U.  l;!2-,i:.. 

dnrcbliden,  die  bi'korangc   11  :!•■■■' 

trink^^inlicii  'J:!«'!  l. 

I4:i*i  s,  uzliden. 

drifi?!^'    K't  2iiM.    üJMil,     li:i*is. 

darnebt  ikliclie      volUtiimiig,    ;if1rf\i 

nMI*U.  21"*20,  25.  .'JliStiind 
220*1  7.  30  Wochen  229*ß,S. 
drissig  meilen  43*22.  ;So  per- 
aonen  12l*ü. 
trost:  one  allen  befiotlicben  trost 
ll»*HI.  Ifi3*3,  188'2S  s.  be- 
belf.  za  vil  trostes  miteinander 
gebabt  haben  28*t  1.       trostelos 

tKim  Traum  7t;*29ff.  77"2.  «ii'7. 
8.  81*1  IT.  88*4. 1  lJ8*i  7. 1 0*i*:(ü, 
34.  llO'Uitl  lli4*24.  232*lt;. 
trümen  sige  nüt  zil  gloDb«ide 
110*111  9.  Tisian. 

tröwon,  triew,  getr'Nwen  droht» 
100*311.  101*7. 

trnc :  trücke,  fn'mede  1 7  *2  9.  tmtl; 
der  naturen  (12*3.  in  groUmi 
sweren  trückeu  sin  8fl*2.  88*2>i. 
daz  große  alte  we  dez  grossen 
alten truckes  <J3*]."),  17. 118*3:: 
1 2ü*32.U2*13.146'1 6.162*2«, 
164*11.24.  169*5.  184*17,19. 
22.27.  IS7*23.  1  fi^i*«.  217*211. 
in  iIlt  naturen  getruckeC  wcrien 


torneje  Tumür  44"l5.       tornea- 

menta  55*31.  56*j. 
^yacon  80*2. 

E. 

Eckehard,    meister    22*18.    33*G. 
•eigen  willen  77*13.  82*34.  112*7. 

213*37.     eigennillige  menschen 

»1*36,  82*2.       eigenwillige  na- 

tare    1 13*33-  eiginwillikeit 

29*25.  30*6. 
«igenschaft  Etgentum,  Besitz.-  one 

eigenachaft  leben  112*20.  142*3. 

149*32ff.  150*5.  188*3. 
«inniütig  «erden  82*28.       elnmüti- 

keit:  in  giittelicher,  minnesamer 

119*30  ««f. 
«inrihtig  a^mwUlig  81*36. 
«iosidel,  Talscher  19*13,  15.  40*10. 

41*10.  229*15. 
£Usabeth    von    Harburg    1 8 1  *23. 

234*25. 
Elsaß    235*6.        Ehiasser   sproche 

82*26. 
«man  163*5. 
«ndelich rAUicAj  zHiief-^n^l70*24, 

26  s.  nnendelich. 
engel  179*31,  38.  180*14. 
Eagelberg,  prior:  Johannes  von  Bol- 

senheim  139*23. 
Engellender    185*1^0,   32.    186*6, 

10,  21. 
entblüssen  97*16. 
eatslabeu :  sich  der  creaturea  entsl. 

82*36.  223*10  s.  nrlop  geben, 
«ntwonen:  skh  entwöhnen  97*24. 
«ntinirt :  zu  entwnr  te  von  gotte  werden 

89*3. 
enweren:    enwert   werden    6wot*6( 

leerden,    aus  dem   rechtmäßigen 

Bteitzeveriri^ten  werden  \H*20. 
Eptingen,  kt.  Baiel-Land,  Werner 

Ton-,  komtnr  sn  Basel  175*18. 


349> 

erarnen,  gar  sure  triSten,  erkaufen 

100*16.  123*24.  215*26. 
erb  ermede  E!rbarmen,  Barmherzigkeit 

32*34.  40*28.  43*9.  44*24,  36. 

61*14.  63*2.85*25,  31.  113*3. 

10.    114*28.    131*29.    132*15. 

WSW.     wei^  der  «rbermede  3*15. 

10*19.  22*24,31.  23*1.33*20, 

27,   33,    36.   99*28.     180*28. 

181*6.  211*16.  212*4,  16.     es 

erbarmet  mich  gar  sere  105*25. 
erbitten,  sich  lassen  -  84*27. 
erde :  der  erden  zu  vil  an  sich  baben 

8:i*:t8. 
er^eren  ärgern  H:i*34  ff. 
orgetznnge  Vergnügen,  UiUerhaitung 

97*6. 
ernstlich :     sich    ematliche    halten 

83*43. 
erscheinnng  nach  dem  tode  228*3. 6. 
ertbideme  Erdbeben  21*24.  30*12. 

45*2.  101*8.  109*12,22,26. 
ervolgen:    befolgen   mit  ervolgende 

aller  gebotte  102*21. 
erwinden  ablassen,  aufhören  87*7. 
estrichen  den  Fußboden  mit  •Steinm 

belegen  97*41. 
ewangelier  Diakon  77*29.    157*1. 

232*12. 
e warte  ^rtesiw  44*11. 
eiempet  17*22.  148*6.  206*34. 
exouiplar    18*25.   20*7.  26*4,  32. 

43*1 5.48*1 9.58*1. 6 1*1 2. 72*3. 

I 17*2. 143*34. 143*35. 199*12. 

213*32. 

G. 

Gabriel  100*22. 
gadem  a.  gerwegadem. 
ganeistcrlin      FBnkchen      1 49*1 7. 

151*2. 
gare,  gere  Sehooa  197*12. 
Gartener,  Clans,  und  dessen  tochter : 

Brida  11*24  anm. 


gastUDge  Bewirtung  \'i'5. 

geberde  Benehmen,  IVesen  83*36. 
;f4*13.  18.S*-24. 

gebirgs :  in  eime  gar  wilden  großen 
hohen  Sii'ß.  31*19, -J*.  Ii)0*26. 
lli:J*l8.  I05*U. 

geboren  =  gebitron  lich  benehmen 
■l'l!),  3;{. 

gehrechte,  gebrochetz  Gelöse  löä*7. 

gehresto  Gebrechen,  Fehler  Ö5*T. 
lö(l*:'9.223*H,l(;,l.S.  212*16. 
gar  großen  gebresten  haben 
I20'2fi.  den  gebreslen  viir- 
kuinmen  13j*:(j.  der  kristeu- 
heitgebresten  1 11*«.  at)*«.  41*13. 
^■1*1-5  anra.  fi7*23.  231*5. 
von  sines  heimelichen  gehresteo 
sagen  67*28.  einen  gebrestou 
rüren  117*34.  197*H).  218*3. 

gebrochetz  s.  gebrecht. 

geba:ln3tlichergehnl  62*23.1 81*30 
uuo. 

geh^TSck  bäuerisch  213*31.  21j*l. 

geliiiweze  Gebäude  71^*21',  2!2,  28. 

^eiiniii?:  iiitiiih'inic  siiiiiclu'b"  g^'- 
•i'-tnkr     i:!3*:)4.    .•.:,.     [:S-X*-M>. 


gel'aiigwi:  sidi  (lfm  h.  vatiT  gi'liiii- 
gcH  sebtn  '.ni*;(s,  3',i.  '.ts*4.'i, 
Jpt^Ii.vaU'rs  gefangtue  sin  SiU^'l'K 
i|"iii  !i,  vatter  in  iroibiigiiillt!  gubun 


gelulrüt.  gMVi4t/.et  ' 

'■itfih/'  i:i*u, 

gemolizi-  -  gem.ilze,  sem.iM 
-H'.*I4. 

Ij'e^criM'iTii'r  wi.-rJHti 
^'■•L.'1'tiuiiri'  GKjfnxIoi 

(litu"    f,'ybcSM'rlii ! 

i4rj',i,l4>"r,,  1 

!.-eil  47'ji- 
Oeim^v  GeiiiKt  ;i2*l].  ii.i'- 
gOffCh  W''rJi;!J i/erailr,  iir.'ii ■• 

Ml"!*--.  12.  iü.  ircsiitiT  v,ii 
treiyr  Al'fall,  Schuld  !''■>    1 

(.■II, 

L'.'L',.nV,.,]..   Khi<l, 

-,,'A»V;'/-/a- 

(!«rilit:    /M    gi'rihl.'     ir-li 

/.'•Jiid-hi(lllii;l   1  T ' 

ilingestL'  gerihlL!  4''.'l  4. 

;'.S 

"''i*-.'r'  i'i^*'i(i 

■j\'H:iHi  fiüln,,  nif'loi'iltt» 

.: 

gehorsam  21*2o,  29*21.   I3'<*34. 

142*2. 1 75*10. 1 76*44.  238*44. 

211*34    M.  öfters        gebor*anii- 

keit  35*4. 
geischel:  geische!  gottes  83*14. 
hl.  geist  21*11,14.  22*32.    23*4. 

27*33.  28*14,24,26,31.  33*5, 

20,38.    34*3.    3ä'fi.  lU.    48*11. 

60*36.    70*].    71*3,4.    72*32. 

73*4.     8r.*10.     9<t*2.     ll>8*31. 

109*2.      111*9,  20.      116*13. 

117*22.    118*21.     12i*31,  36. 

123*10,  16,22ff.     124*10,37. 

133*33.134*35.135*45.1 36*lfl. 

141*29,35.  143*17,25.  144*35. 

146*0.  149*17.  150*17.  151*1. 

159*39.160*23.161*11.162*17. 

172*2.     178*1.1.2:1.     17!l*37. 

1 81*20.187*1 7.189*34.1 90*16. 

217*20.214*35.215*2,  111,  15, 

2],  25. 
geist:  die  Übeln  geiste  8'.t*3;t,  41. 

90*3.    124*38.     135*29,    4(1. 

i.i:!';!!,  |S4*I2  s.  tüM. 
yi'liissiMibeit    fJüttiTi/i'hpuheif    :\-,". 

)iii-3s.    •Mi'-l.  1  14*111.  122M.i. 

V-V^''^■2.  U:i'2l,21.-."il,    ^iil-i) 

giiti;eiosfi'ivrii,'ruiithab.i|i  :<'.<'-l'-. 

gplpssenlich.    gel'>l>Hiil;L*li     ■'.l'--, 

I  iri*i?  s.  lassen, 
ü-fraabel  2.-.*3. 


g«rwegadem  Anidtidungsraum   des 

Prietten,  SakrüUi  78*10,  14. 
geschrei  in  der  kirchen  75*11. 
geschrifti  hl.  3.  schrift. 
geselle:   gar  gilte  gesellen   24*20. 

25*22,  201*1 2,     geselliger  prie- 

ster  168*7. 
geseße  Platz  zum  Sitzen  89*->H. 
gesiht:  heitere  lichte  gesiUte  00*25 

s.  Vision, 
gesinde  211*32.   2i;J*5.  223*;i4. 

224*5. 
gespan    Slreä,    Schisma     105*15. 

170*13. 
gesperre      Gebälk,      Sparrenwerk 

lß8*29.  185*9. 
gesprecbe  188*16. 
gesnnt :  gesant  nf  eine  stont  werden 

88*24  s.  ger^ch. 
geswnUt    Geschteulat,    Waaaeraucht 

23*8.  :t4*7.  188*6. 
getitse:windeaget&B  89*35.  04*21. 
getreme  Gebälk  185*16. 
getrenge,  getrange   Gedränge,    Be- 

drängung   73*15.  8.)*24,  86*4. 

108*21.111*1.113*2,3.126*27. 

14I*2. 142*14.  Iß4*20. 1  84*17. 

18-5*4.  215*40  s.  trucken. 
gewant:  vil  herlicher  früwen  in  küst- 
lichem galdime  gewande  04*1 1  s. 

frönen  bilde  unter  bilde. 
gewencken  «•■«<;*«»,  icartiert  130*31). 
gewerde    Werlgegen^ände    140*35. 

221*28. 
^ezowelin,  gezowe  Werkzeug  28*27. 

.•)2*31.  123*3. 
;ezügni3s:ziigezügaiGoneiDeQS7*24 

usw. 
^ft  Gabe,  Schenkung  176*24,  211. 
jirig  148*28. 
■lirsberg  kr.  Koimar,  Wilhelm  Ton-, 

komtnr  zn  Koimar  17  5*)  9. 
flestig  Mhtend  glänzend  leuchtend 


■251» 

^\m^{  AngemeasetAeit,  auf  versöhn- 
liehe Weise  62*27.  126*13- 

glosen  03  der  gescbrift  48*3. 

gloQbeGIflMfte  85*5. 119*17.121*4. 
144*13,  1.").  145*1,  4.  147*16. 
148*16.163*10.202*19.216*14. 

gliinsen  glimmett:  minne  glünsend 
149*17.  151*2. 

gnode  83*8.  119*3.  145*17  ff., 
162*44.  194*45.  216*30  und 
Öfters. 

gottesfriiQd,gottesfründe7*39.9*24. 


14*: 
18*2: 


13,  ■ 


15 


18*<: 


11*13.  22*7.  24*23. 
25*17.27*14.28*4.  311*5.31*5. 
34*21,41*27.46*7.57*11.58*3. 
60*36.  61*21.  62*25.  63*23. 
65*36.  66*7.  67*2.  68*7.  69*9. 
70*4.  73*12.  77*22.  82*37. 
84*31.  85*18.  86*4.  87*19. 
88*33.89*2.9 1'5.92*1 7. 93*36. 
08*31.  100*15.  102*23. 103*4. 
104*21.105*13.108*22.112*43. 
117*23,119*22.120*26.123*17. 
126*3.  128*2.  131*26,  132*23. 
133*.).  136*26.  137*2).  138*7. 
139*11. 140*3.  141*19.142*10. 
146*36.147*21.148*10.149*29. 
150*4.  150*6.  159*6.  161*1  1. 
103*15.  109*4.  177*33.  178*-'i. 
182*27.  188*5.  180*1.  200*6. 
204*1.  206*42.  200*6.  220*5. 
222*24.220*10.232*20,233*1. 
gottesfreand  im  Oberlant  17*5. 
18*2.  10*1.  21*9.  22*2.  24*7. 
25*8. 20*1 1.27*13.30*1 0.3 1*S. 
40*4,41*5.42*5.43*16.  55*17. 
58*9.64*3.65*8.  66*30.  «8*35. 
09*12.     71*10.    72*11.    73*1. 


■*15. 


81*; 


84*11.  103*14.  105*8.  10S*K. 
114*4.  115*17.  119*5.  120*7. 
122*13.126*26.1 32*26.136*36. 
138*23.140*31.148*25.  149*4. 
153*5.  154*8.  163*17.  104*17. 


ITii'y.  lTl'1-2.  ITT'iG.  17i)*2. 

1  H-i'  1 4. 1 84*5. 1 90*1 2. 1 »«'22. 

l'.tT*10,  !'Jfl»5.20-i«28.213*37. 

■ilT*:i'J.  22II*2.  225*2.227*19. 

■ilüi'j.  L':t2'l.  2.14*^1.  235*411 

aiim. 
goltfar  gel  goldfarbig   gtlb  13*18. 

ft;t*i:i. 
gracie  7s*2-2. 
gramaticä  l'iT'l  4. 
grap:  in  unser  grabo  g>m  HT*;iu. 

tirasteiü.  Jolinn  von-,  kumtur  y.n  l)'H- 

lisheira  17.)*2it. 
grat:iiberallegrete4.)"l4.  !7(;'42. 
gnt  Geiz,  Habgier  Hri*M;.  lOT'lO, 

11:1*17. 
grot  3.  grat  17fi"42. 
gnint :  iisser  eime  wiitenden  g^rnnde 

95*11  zu  grnüde  lossen  a.  Jossen. 
ÖrSiieuwiirth;J"4,4*4,  27.  .)*1  anm. 

ii*;t4.    7*3fi.    «*3.    11*2+  anm. 

12*i>.  13*5.  14*35.  Ij'H.  lli*3. 

17*11.     lS*:t.     L'(i*;f.'.     ■H'"l'i. 

iih-14.      :i.-|':il.     :iil*!t,     4:;*',*, 

4'l*l(i.4s*4.41i'2.5;*J7.  ■'.«•■J. 

r.ii*i  i.(;ii*:!4.i!l*4.r.:ni.  lU'd. 

(ir.'lj.    i;ii'!:i,     7l*-J(i.    7J'',i. 


'.»Mii. 


213*4.  213*26.  214'6.  217*3t 

218*16.2i9*12.2Z0*1.221*13. 

222*6.  323*21.  225*3.  226*1. 

227*20.226*1 4.232*2. 239*12. 
gTnveXa  grauen  i2ft*14. 
bi  iter  güngeristoii  lehrte  ^att  jöDg- 

sten  1SH*7, 
gürtel  149"34.  17N'22, 
Gürtel  er 

— KuQo  5*1  anm. 
—Wilhelm  3*1  anm.  2ii7*l'o. 
gut    Besitztum,  Eif/enluin:    an  lit- 

licheme  gute  mangel  bähen  1  fl  7  *1 «. 

irdenschgütiiis*  1 7, 7ii*27. 76*'i>. 

«7*36.  !l(l*3!t.  98*17.  H}f,*n 

Hi7*(l.  112*13,    IG.       u߫r  ilM 

bant  geben  üb  nni]  gut  75*4S. 

76*1,  9. 
gut;  daz  alle  ding  gut  in  licb  "«r- 

dont  133*31.  2(i2*]i>. 
giUbertzikeit  K:i*i2.       giltherliig» 

priestcr  133*14,  21,  23  vsir. 

H. 

hafen  l'o/*/'.- hafen  niitmiise  ll'.i'J" 

1(13*13,  2112*44. 
bals;  uf  dem  halse  ligen  s4*:Hi. 
hantger  =  bantgar  handlich,  gfiSll» 

barster  Krieger  12*li.  lU5*2s. 

bastluiiia  5,5*31.  56*5, 

begeht:   liegehter  wert  eon  Hed'« 

iimyi'beH   13*3.   1  Hli*4, 
lifiden  221*4,  2:l(i*3(i. 
heilekiicliF-      auf     fromm,-      ^Vfif 

lieilgelin  kltine  Uetiquien.  Ilrilin"'- 

hddrhi-iii  U'.i*:i5. 
lieiitiini   Heiligtum,  Rpiiqm 


23. 


Heimbacb,  Speirer  bistum,  Upilel 
zu  -  221*4(1.  237*5.  liK 

heimlich  vertraulich,  geheim,  rtr- 
liuri/en  I7''.t.  L'ti'i.       heinn^lictie 


en  41*24.       beiiolich 

lempkpate  67*13  ti.öf' 

m«lichflit2T*21. 80*13. 

04*3. 

ia*6ö*i0.  140*20,  27. 

64*22. 

it.lnf.  Verlangen  Xi^*'!. 

in  den  gnint  der  hellen 

•2ü.    14r.*;U.  217*11. 

44*rt,21,30.  21G*10, 

1.-  184*10.  106*4.  sie 
mit  gemeiner  stimme 
wider  enander  hnlten 

2ir,*l2.  mitUhellen 
gehellen  176*20. 

*2a. 

man,   muler  i 


.  Basel 


BrÄreicA  78*23.  97*40. 
iwerm  bertzen  kommen 
leres  hertze  1:t6*2. 
u  Himithen,  Versekei- 
IS. 

eben  menschen  za  bilfe 
H*38.  42*1  usw. 
disen  hindersten   ziten 

Verläumdung  4(1*1  J. 
an  182*23. 

heimtilckixher  Schlag, 
I7fl*l.  hünderslagen 
(3*28. 

blibent  daraader  ligende 
hinlichen  eilenden  wei- 
ischreie  185*14. 
ig  minncn  für   21*16. 
9*17iww. 

^«rilag  4*1,  7,  hoch- 
fest fi*7. 

im  gemäte  hochmütig 

Sofiiwaasm  49*8. 


hoabetiboDbetgesnnt  23*13. 34*12. 

der bübterseböU 85*34.  I13*l.>, 

16.      böbetlosBS    Volk     i(il*!>. 

185*29. 
hnle  Höhte  87*20. 
liilllen  3.  bellen. 
hiindelin,    swarties    65*27,31,34. 

6ß*6,  12.   68*25. 
Häneborg,  Werner  von-,  marscball 

I2".i.  13*8.  48*2.).  4»*:t. 63*11. 

158*3.  159*3.165*27.  234*20. 

die  woffcn  von  -  i:i*23.    14*3. 

I  5S*20. 
hüorewassser,  gebranntes   Hühner- 

auppe  188*22. 
hurst  Gebüsch  49*1.  160*4, 
haswnrt  Hauswirt  94*8.  9ö*7, 

i.  J. 

St.  Jacobas  3*2  ff.  4*5.  fi*i   anm, 

6*6  ff.  7*1  ff.  9*11,  37.    11*25. 

77*22.  LG:J*26ff.  179*7.180*6. 

208*31.207*7,  19.  2118*10,  I!i, 

20.       berr  Jacobe  133*15. 
Jbernsaleni,  apital  von  1 5*5.  1 76*7. 

181*20.  237*2.  212*31. 
impfen:  gpympfet  147*32. 
inbesliellen      einsehließen      96*41. 

97*28,  29.     100*18.     1115*13. 

108*2. 
inbildang  HineinbUdung  222*s. 
incorporieren  167*22. 
ingang  Einkehr  in  sich  selber  87*13, 
ingesigel,  silberine   84*16.   I9ii*0. 
inker  87*12.  134*3  um: 
iDpetrieren  140*19. 

iprechen,  göttliches  233*6  usw. 
instramente  =  orkonde  5*1.0*5.  22, 

,  30. 
intytolieren     betädn     17*3.     24*3. 

36*10.     40*1.     42*17.     58*5. 

115*28.  117*36.  161*20. 
Johanse,  nnser  brdder  81*8.  92*8. 

95*3.  98*8.  1 07*42,43. 120*1 7. 

121*9. 


254' 

JolianneE  Eapt.  a.  Johannes  Ewair- 
gelisl  44*:il.  «2*41.  T8'I!(,2]. 
114'().  152*:!.  153*  [4.  Jo- 
hannes Baptist  46*1  S.  70*2». 
T2*ait.  1IT*1&.136*18.I60*12. 
lfil*7.  n2*i7.  181»5.  2U5*G. 
219*36.222*16.232'29,23;i*W. 
Johannes  Ewang.  1 1 7*20. 1 32*i). 
I  OD*  i:).lßl*S.2lil*:i7. 222*17. 
2H2*:!i).  ■y.i-i'H. 

Johanser  Johaimiler  1;15*2,  5,  lo. 
1T<I*7.  IS<1*2I.  2:i.  18:1*32. 

iöiner,  innerJiehBr  131*10.  ir)2*4. 
ioBiKTa  jammern  130*17. 

Jonas  H(i*3ii.  li)0*31.  11)1*5. 

irmiige:  in  der  cristenheite  103*33. 
irrunge  der  bebeste  1 04*34.  ir- 
mnge  in  der  kirche  1 1 3*i>. 

Jubeljahr  34*2 1  s.  RomfaUrt.  iabd- 
lahrt  l',)4*I2. 

jubeliren  «3*40. 

Jude  119*16.  120*19.  lß:t*10. 
■JO^'lT,  24.  230*30. 

,jiiirurriiu>>eii,    fmgi;sfltlu>=t-ii'>    J-.'T"' 


('.  K. 


.  i.ii.- 


Krl(r.T.4.trR.lVli,TV.i)r    v     lli;-;i^J. 

K';ll^iT,l^eisPr(ls■'7.  I 'i  |  *  |  ■-!,  1  T  1*1  J. 
■rl:        küisct  lv.'.rl  JV,  mi'-J, 


kalg  Kalk  7r.*lT. 

kammere  ii7*10,  30. 

canonici  reguläres   118*4.  161*35. 

l(lf;*14,  18.   107*8,27,  31. 
canonisierto  hl.  148*4, 
kanzel:  zu  allen  kaotzelen  lesen  Tj'S. 
kappe    Kutit,    lianUl    der    Gtin- 

liehen  238*1. 
kapella    109*35ff.    111*13,  SlC 

112*32.       kappellelin  89'«. 
capittele,  ein  gros  107*18.  lßa'32. 

gecapitelieret  140*25. 
kardenal  08*32,  107*33.   166*20. 

107*6,  10. 
karfritag  43*15.  21. 
kartnser:  ein  golerter  pfaffe-urdcos 

r.*4.  l.'.7*ö. 
St.  Katharina  l8o*io, 
Kayfas  123*1. 
keiser  s.  kaiser. 
kensterlin     Sekränkekeit ,     Wani- 

Bchränkehen  115*19.  185*11. 
ker  Umkehr,  Sinnesänderung:  ersMr 

IUI'. (4.  k.  von  di-n  siiudru 
lUM  t,  !(ij*:i3.  eniithaft-rt. 
)("!!.  113*22.  ir,'.(*(i.  mileirut 
geivuren  dtmiitigpn  unbelM-rM^n 
ruwigen  k.  |cni*;!.i.  k,  Vi-n^l-r 
Well  7.Ü  gntt  lN*rj, 

keron :  Bicli  ron  der  weit  ii\  ir"ti'' 
kereii:i:l*3,4(l*3.''i.41'rl.l4'.i*l". 
alli:  diug  kereii  zu  läoni  \"iW\ 
s3'3-..  s4^1. 

I>>irt;fii.  biiniuiido  iU^lti. 

k"-<iiL"iiiigi;dBslibfi3  Aos/m/fij:;  IH''. 

ki'l/i>rie!  zu  ketwrige  tretl'"li  of? 
Krlzevfi,  odtr  unmliiHkhe  H's'- 
iiist    hiiiaUilaufen    i4,"i'''J  I.  -■' 

ki">('ii.  frkicäen  eni-iiliku    ITI'"'      i 

ITm.j.  ' 

killt:    lutiTlicli.-  gini  iilsfi  Ulli  kill      | 


255' 


ie  müter  der  heiigen  kir- 

5*23,  28Mm\ 

tz  166*28. 

66*10.  167*5.  168*5. 

ndres,  der  raoler  8*  1 3  anm. 

8*26.        klebende   bliben 

urtze  129*13,  133*28. 
25*3.149*32,34.221*27. 
9.       clenodia  57*40. 

ve  Klingnau,  kt,  Aargau 
0,23,  25.  komtur:  Wer- 
liurer  221*11. 


51*5,  8. 


clorer  büchelin 


iÄ7aw5Mmn2 1*1.26*9, 18. 
walt  nach  Schmidt,  Hist, 
reh,  Mundart  200^:  Grüb- 
%ld,   132*23. 

nach  Schmidt:  Kleinigkeit 
ringem  Wert,  Wohl  hesser: 
Zeug  149*35. 

r  rock  mit  Knöpfen  ver- 
238*5. 

uffe  mino  knü  110*10  ustv, 
Johannes  u.  dessen  schwe- 
Gredo  11*30.  Dietsche, 
.  bürger  1 1 *3 1 . 

trinken  Trunk  nach  dem 
essen  97*23. 

In  124*21  flF. 
\[eßgehet  4*9. 

Fohanniterkonvent  175*22. 
::  Wilhelm  von  Girsperg 
9. 

»ie  koment  es  an  uns  mit 
ernstlicher  bette  130*28. 
te  komen  136*27. 

zu  Grünen  wörth  60*30. 
.  70*39.  71*1,8.  73*17. 
.78*30.79*22.81*30,33. 
,  37.     85*20.     86*7,  9  flf . 


97*33.  98*12,14,18.  103*14, 
21  ff.  105*9,  22  ff.  108*9,  24  ff. 
114*5ff.  120*8.  126*11.  137*7, 
14.  138*17.  139*32.  140*32. 
172*33ff.  173*24,27,36.  174*7, 
8,21,44.  178*18,26,37.  179*38. 
180*35.  186*17.  207*10,  17. 
21  1*22,26.  223*21  ff.  238*13ff. 

concordieren  übereinstimmen  38*6. 

48*10.  61*1.   116*15.    148*18. 

117*13.  196*4. 
confirmacio  176*2.  177*1. 
QQi\^\QTi\\mBe8chaffenheit,Art  1 7*2  3. 
Konrad  s.  Kunrad. 
consciencie,  concicucie  4*20.   6*1, 

11,13,17,27.     10*23.     20*3. 

71*10.    103*3.    122*30.  123*9, 

33.    125*41.    129*26.    148*32. 

150*24,  31.     161*14.    173*13. 

177*35.    181*11.    182*10,  26. 

189*17.  209*5.  211*30. 

Konstanz,  bischof  140*21. 
coopertorium  JöwcÄc^cÄ:^/  115*19. 
kor,   chor   von  Grünen  wörth   7*38. 

9*29.      70*22.      72*2.     73*32. 

74*13.    77*17.    78*2,  7,14,20. 

108*10, 29ff.  111*27. 112*24ff. 

114*32.118*22.121*37.153*13. 

162*18.     178*20,  33.    179*29. 

180*11.  210*6,21.  222*12,20. 

234*5.        kurlin  74*17. 

corrigieren  151*2. 

kouffraanschatz       Kaufmannschaft, 

Handel,GeschäfliCy2''.MAS^*\ßy 

29.  191*11,23. 

kräng:  sin  gar  kräng  werden  41*37. 
88*16.  144*33.  145*33.146*4. 
217*10,16.  216*27.  ettewaz 
kräng  werden  91*30.  107*22. 
137*10.  in  der  naturen  kräng 
93*26,27.121*25,29.  imhr)bte 
kräng  121*25. 

krangheit  127'^19,  21.  195*5.  kr. 
an   siner  nature  30*17.  4l**><^ 


256« 


2l-t*2j.       in  gruiler  kr,  varen 

kristnaht,  offenbarang  in  der  2 1*23. 
:)0*ll,  15.  77*3,  4.  JIO'42. 
fll'29.  102'23.  164*19.  165*5, 
«,  14.  2.1!*.1. 

cristeaheit :  der  cristeiüieit  gur  s«k 
nbele  TÖhrteD  a2*3fl.  »lir  die 
er.  bitten  9l*i:),  die  er.  war- 
nen 10,")"^.  die  er.  ist  f'il  aller 
uDtügende  1i><;*I3msm'. 

bröger  Kräht  \:>>i'l'>. 

knitze:  ich  machte  ein  kr.  für  mich 
77*31.        crütiewise  188*17. 

k-nnig  IOC.*:!«).  174*33. 

Knnrad,  der  koch  119*19.  !f;3*12. 
202*43.  203*4. 

Küntzelin  rjö*l. 

karfürsten  li)ß*4o. 

kurtiowile  VnterhaUung,  Vergnügen 
lK-i*i  I. 

kntte  l.-iO*3S, 

L. 

l.impi\\f  Ltniguau,  Si-h,rei::  kdiiitiir 

21  i'rj, 
iHritfrM.'  I74M:!. 
U|T  ..  Ä.rn. 
la^st'ii:  ^ngriin(lulall('n(li'lJviil  i  ii'2'J:. 

■^■J*:.,  1-J:i*;(l,   I27*-J4.    i;t:i*r.. 

I;ir,ii,i',ni*i;!.i!i(;*.ii.:i-j;i''i2. 

-•ii^li    Ji-.m;iii(li'ii    liissni    ■^]  .7*1? ir. 

siHi  p.tLp  liilicrr  I24*i(.  Ki:.*44. 

\M\':i.       sich  ^öl.^ilMi  in  allen 

iiini,'<'ii  I2S*|.  ;{.      jii  mir  selber 

g"Ki|i"n    Wfrilen   M'u.        hiinlor 


!•  li.'iii.'(r  [i' btrenL'ei' und  io  sürg'liuhf: 


Icfti:  giiT  iibeli'  y.u  lefcadc  Tii*)m 


letze  tectio,  Ltlu-e,  Geachtm  21*17. 

28*39.29*1,4,7.44*1,1;.  97'1j. 

97*33.  134*6.   143*3.  2i:i'2T. 

214*21.  22fi'3Ü. 
lichof     BegräbniapUUz,      Friedhof 

178*2J.  187*12. 
lideo,  frümedes  21*3  u.  öfters. 
lidig  ledig,  losgilösl   vom  IrdUtkrn 

liiligwordei)89*42. 93*2.1 'I3'.lfl. 

10i)*l.  181*13.  2ü9*lj.      alltr 

creataren  Udig  ston  !l*>*23,  31. 

98*7.      100*18.      U2'40.  41. 

134*40,       sich   lidigen  in;'35. 

98*15,  25. 
M'Biii  GnadenlicHd99hl,Gtiatea>i:\*\. 

83*30. 142*30. 1 43*1  7. 1 44*35. 

22G*21.     216*2,  29.    214*34. 

mensche  one  lieht  85*29.  li:(*H. 

123*18.        schi'ine    jnlpr    heiter 

\\i\\\,LiehterBeheinungbti  Msimten 

90*r>£f.  •)4*22.  95*3".    193*28. 
liehtfarrot  77*30. 
ligering  ein  Kranker,  der  -iaa  Bett 


i,'"'ri"liti,  Adnin.  plleger  vni)  ilniiien- 

\vur(b  l.-,.-,*:iti. 
I.nthringen      (Lutriugfni      l-'l-^, 

71l-:lcl,  122*21.  232'! 'J, 
louf.    loiffc.    löuffe.    h'iffi;:    smiilichf 

l'iifie  der  crist-mlitit  ".  ■Vinlieh'S 

io:i'2o.  i0(;*;(2.  io7'i.  i  i  s'i i. 

l27*-i(l.  141*21.147*4,  |>;'fl'i, 
ls:s'23.  ISJ-L 
Lüwi'ii  jti  UrabaiU 
—  Nikülans  vun  -,  JuhaiiriitiTbni.i-r 
zu  i.lrQrn'mvMrth  4'IT.  i:'l4- 
^-i:;  imm.  9*12.  lii'22  M'l-. 
iii'jii,  ."i;i'':12.  e."i*i:i,  iif,";.i, 
Tii*|4.1  i4*2o,|  211*24,  l.rj'JT. 
i:tii'37.  i:f^i*ln.i:(9*:(o,  ijuM. 


.  U'.i 


,  Kl 4*1 


257^ 


159*1.    169*22    anm.    218*26. 

221*12. 
— Heinrich Blanghart von-  3*2.  3*6. 

4*19  anm.  5*1  anm.  6*33.  7*11. 

8*11,  13  anm.    9*6.     10*2,  21. 

1 56*30.1 63*26.208*20.2  1 0*1 7. 

cv)  Loitgard  4*3 1 .  5*1  anm.  6*34. 

7*30.  8*1 1,13  anm.  9*32.10*7. 

11*2,  10.     208*30.     210*17. 

tochter:  Elisabeth  (Lysa)  vod  -  ^^ 

Jekelin  gen.  Daler  8*1 3  anm.  1 0*9, 

12. 
Infi:  des  loftes  zu  vil  an  sich  haben 

zuviel  Heilerkeit,  Äusgegossenheit 

besitzen  83*35. 
lügen:  zu  im  selber  lügen  106*15. 
lügener:  zu  eime  1.  machen  86*31. 

M. 

man:  weltlicher  man  1 48*26. 149*3, 

6  usw,  s.  mensche, 
mannenbilde  s.  bilde. 
Mannenbuch:      Zwei  -  Mannenbuch 

14*26.    18*28.    23*31.    35*22. 

39*36.115*28.  197*9.  228*13, 

3 3.  2  3  5*6  flf.    Fünf'Mannenhuch 

18*24.  115*30.119*5.  139*20, 

28.     140*16.     142*25.     154*9. 

163*1.      177*27.      199*-206*. 

214*3. 
manod  =  Monat  174*22,  25. 
Margburg  Marburg,  Elisabeth   von 

181*23. 
St.  Margred  180*10. 
Maria,    Mutter    Gottes    24*21,  34. 

25*2,  37.  30*22.44*30.46*17. 

47*3.    56*26,  32,  34.    57*23, 

37,  39.  62*40.   78*31.  89*26, 

33.  91*9.  94*28/29.  98*37,  41. 

100*13,24.     101*31.    117*18. 

126*17.    144*27.    147*4,  19. 

152*2,8,31.153*30,33.156*16. 

160*9.    161*6.    178*1.    181*5. 

208*9.213*15.219*35.223*19. 

232*29. 


Maria  Magdalena  27*28.  44*32. 
180*7. 

hl.  markeler  145*17.  216*39. 

S.  Martha  181*24.  234*25. 

Megede,  Konrad  zu  der-  oj  Bertha 
Wetzel  10*18  anm.  11*24  anm. 
15*26.  155*21,  26.  207*22. 
211*1. 

megde  11.000  Jungfrauen  80*6. 
110*13,  16.  111*14.  168*32. 
180*8.  232*16.  Kapelle  der 
11,000  Jungfrauen  in  Griinemv, 
7*37.8*1.9*26.108*13.210*5, 
7,  19.  dorehte  megede  139*2, 
13.  150*32.  der  megde  Ion  be- 
sitzen 78*28. 

meide  Hengst,  \yaUach  129*12. 

Meiglonil/ai/awei;  in  der  herren  lant 
von  Meiglon  92*17. 

meister:  meister  der  hl.  geschrift 
18*4.42*23,30.85*12.197*18, 
23.  218*1.  225*6.  226*7.  Met- 
sterbuch  14*27.  18*1  flf.  23*32. 
35*22.  42*4  AT.  82*10  flf.  225*5. 
227*22.  oberster  [Johanniter] 
meister,  in  der  Anrede :  herre  der 
meister  10*17.  15*2.  79*22. 
81*31.  84*38.  86*13flf.  87*31. 
103*21.  104*25.  105*26,  36, 
37  flf.  105*11,  22.  107*15,  38. 
111*8.  118*14,  19.  119*27. 
151*12.  155*13,  32ff.  159*9flr. 
160*30.  162*10,  15.  163*20. 
171*20.175*37.184*37.207*4. 
21 1*6.  meisterschaft  133*26. 
172*34  flf.  173*10,  41.  174*1, 
9.  182*19,  22.  213*2.  meister 
werden  106*3. 

memoriale  Gedächtnis,  Gedenkbuch, 
Handbüchlein  3*1.  14*36. 15*13. 
48*27.  63*20.  155*9.  157*16. 
161*4.    177*32.  Memorial- 

bücher des  Johannüerhauses: 
6*23.14*11,16.  15*6 ff.  35*25. 
36*7.  49*4.  60*23.  63*17,  V^. 


\'\ 


258* 

r>4*l7.  r.5'!».  72'17.  73*4. 
84*18.  115*23,28,31,  116*6, 
14,  3«.  117*7.  110*29,  42. 
14fi*24. 1 59*9. 1 60*2«.  1 63*22. 
1S6'41.  197"H,  12.  206*35. 
2n7'3i).2(iH*25.2 19*1 3.222*31. 
Orußia  DnttKhea  Memoria  3*1- 
47*3».  H>*:i2.  Kleines Dmtaeha 
Mmorial  12*4.  14*4,  2«.  29. 
3.1*26.  42*15.  I4li*27,  UtiDe 
urlttindB  buch  5*2.  14*17,27,  3(», 
33.  17*25.  19*19,31,34,  24*13. 
48*4.  49*10.  146*2.->.  214*4. 
221*3»,  33.  dberblibene  Utine 
büchar  48'I8/19.  60*26.37. 
«1*«,  lU.  119*34.  163*31. 
207*27.  208*1,3,5.  Pfkgtr- 
mamoriaU  öl*3.  117*3,13. 
119*32. 139*37.156*1  I.l.'i9"l2. 
161*15.  206*36.  208*4,25. 
2IH*23.220*13.  Mtiaitmumo- 
mi  72*1 6,30.  116*29ff.  119*33. 
151*12.  1G5'33.  156*13,  24. 
15fl*9fl[.  22f)*l4,  Hi.  23,  27. 
briidersclial't  buch  s'  I  ^i  aiini, 
iriLi'üjamn. l;ki*iii."J2  l'lit, 21 
liriefbiichclin  1  ir.*:):.-  i2ii*i:(. 
2IS*2."..  2]'.i''2,  U  s.  selburh- 

memorio.i'iii.  4'3h. 11*21,  iri7'2ii. 

menseb":  valscher  frjfe  miiiistbe 
22'  1 1;.    ein  inupwi'iidigiT  mensch 


tmsiii:  TiiessL'  hüren  I.-i:i'4.  tiipssp 
ballHi  ]L?s-2S.  i:(;(*4.-|ff.  s.  uber 
alter  p'O,        mi.'llcbüth  rili':ir,. 

incDer,  laTiL'f- 12'.i*:i.  llit'.U-  sil- 
bchri  inesstT  senden  1-!'.'*T. 

Mcrsivin 

—  üulmaiiii    l'l'.i  anm.     ri*i  aum, 

:':r...H'."-i.  lu  iiom,  '.ri.'i.  rri'i, 
I4*iv  17-4.  IS'--.  i:i*.'.  -jd-.ti. 


:!■)'.-.. 


■^■^.  Jir 


41*2.  42*6.  43*16.  44*7.  48*fi, 
49*26.  50*3.  .->5*I7.  58*111. 
63*1 4.64*3.65*13.66*1 0.6T", 
68*35.  69*12.  71*29.  73*14. 
76*30.  77*15.  79*16.  Hl'i. 
82*32.  84*13.  86*32.  87*2!. 
8«"1.  91*26.  93*38.  98*7. 
104*24.1 0J*34.I07'37.I08*ie. 
109*34.  110*24.1  11*22.112*1*. 
1 1 3*22. 1 1 4*2 3. 1 1 5* 1 4. 1 16"J. 
118*8.  119*1.  121*29.  12ä*b. 
1 25*35. 1 27*3. 1 28*2 1 . 1 29*40, 
130*5.  131*41.  132*1- 133*IS, 
134*16.136*19. 137*29.138*15. 
139*7. 142*37. 143*12. 141*23- 
146*13. 146*1.151*30.154*11 
155*36.156*34.157*1 1.158*16. 
162*4,163*17.  164*9.  16ft*li*. 
169*22  aDüi.  170*10.  171'rJ 
172*1,  176*11. 177*19.178'U. 
179*1.  182*2.  183*26.  164*6. 
187*20.  188*5.  iaü*22inm 
191*3.  194*5.  196*3.  197*11. 
19H*7,  204*28, 208*33,  209*24 

2l>;*]S.22ri''l',l.22S*l(i.22!i*r', 
IHanui,  23(1*4.  23:!'24--J;i4M" 

—  Joltami,  pfleger  von  Grüiituwüril! 

12.jMi;-     l.".r,-iii,  211,    17-J';il. 

2411*31. 
MpIz  in  Lofliringen    7li*2.  :>,  IT  t.. 

Met-iP  varen. 
St.  Midiaiil  7-1-12.  ii;(t"io.2:rJ*.tii 
niiiiiiekdsoriu  223*'.i,      trottes miiiii"- 

rm223'ö.  minnpglüusunUii'l" 
luiriilCD]  I  1*211.  17*6.  |si+.ll,2ii*.i" 

x^-'-i:.  i)+*3'i.  \\:^'^-l.  lon-' 
litl*;n. 1113*32. iii,-,'i  4.1  i:i*-i 


1 1^ 


\v 


12 


;2*1.S. 163*1(1, l'U'l-' 
(I2*17.  23(1*24, 


259* 


misebellen  nicht  Übereifutimmen  48*2 

s.  hellen,     missehellnnge  der  cri- 

stenheit     Uneinigkeit^    2^iespalt 

85*9. 
missetrosten  einen  schlechten  Trost 

geben,  entmutigeti  91*6. 
missetruwen :   angestberes   nngelos- 

seDes  missetruwen  1 1 4*5  m.  öfters. 
mist  tragen  131*15. 
misthuffe  32*29,32. 
mittel:    äffe   daz    mittel  vallen  die 

rechte  Mitte  einhalten  97*8. 
mitteliden^uft«^.  In/".  Mitleiden  \  43*8. 

152*9  usw. 
mittelob  Anteilnahme  am  Lobe  3*22. 
möge  Verwandter  3*9. 
Mosung,  Paul,  pfleger  von  Grünen- 

wörth  155*29,  30. 
Moyses  120*1m.  121*1. 
mnnsser  Münzer  189*15. 
münster  109*3  ff.  111*33. 
mos,  hafen  mit  -  119*20.   163*13. 

202*44. 
müssig    sin    entledigt   sein    81*21. 

sich  müssigen  von  allen  ußerlichen 

dingen  sich  loslösen  96*35.  98*1 5 

usw,  s.  lidig. 

N. 

nature:  wider  sine  nature  31*29. 
in  siner  naturen  starg  145*8. 
146*6.195*12.216*34.217*18. 
naturen  kräng  s.  kräng.  es  tu 
der  naturen  we  oder  wol  71*3.  es 
sige  der  naturen  wie  wider  es 
welle  1 1 5*4.  iung  in  der  na- 
turen und  in  der  gnoden  97*9. 
natürlich :  natürliches  lustes 
128*41.  132*21.  natürliche 
wisheit  s.  wisheit.  us  natür- 
licher neiglicheit  aus  natürlicher 
Neigung  178*23  «.  öfters, 

neigonge  4*10. 

neiswas  Terborgenes  irgend  etwas 
V^i^hM^aänes  82*38. 


nemmen:  nüt  von  mir  nemmen  29*30. 
nennen:  sich  nüt  nennen   143*31. 

1 44*23  u«tt?. 
nest  80*10,  s.  Vogelnest. 
Neun-Felsen  14*26.  19*22.23*31. 

35*21.   36*15ff.    38*1  ff.   48*2, 

15,19.     49*9.     50*ff.     60*20. 

116*11,14,20.195*40.   196*8. 
Niderlant,  Johanniterbalei  237*6. 
Niderlender  24*5. 
Ninive  90*45.  100*30,32.37. 
nochformieren  147*19. 
Noe  86*26. 
notar  4*40. 

0. 

Oberland      14*22.     26*2.     34*20. 

65*19.  71*22.   73*11.    120*13, 

22.    138*23.    196*22.    197*10. 

199*4.       201*3,  36.       202*18. 

204*27.  209*10,8.  Gottesfreund. 

Oberlant,  balei  237*5.       Ober- 
lender  24*5,11. 
oborton,  oberdon   Obngkeit   107*5. 

124*14. 
oberste  zile  das  Alphabet  1 8*  1  usw., 

s.  Meisterbuch, 
offenbaren:  leben  offenbaren  19*10. 

41*11.        niemanne   offenbaren 

20*2.     125*22.  offenborung 

21*22.    58*20.    65*24.    73*13. 

77*7,17.65*24.111*3,7.118*22. 

162*18.164*12.172*1.  177*38. 

183*11. 
Öhtelant  Üchtland  104*26. 
oley  Oel:  sumen  dez  oleyges  1 38*34. 

oley  betteln  1 39*9.       das  hl.  oley 

die  hl,  Oelung  188*11. 
ume  Angst,  Schrecken  84*20.      die 

weit   stet   in    eime  ome  99*11. 

buch  von  dem  öme  108*20. 
ordinancien    238*42. 
der  oren  habe  zu  hörende,  der  höre 

84*7.  134*32.  149*16. 


W 


orlepli  23T*:i2, 
oruament  :i*'2 1 . 

Oestaricb,  das  hertzogeii  laut  tod  - 

GG*9. 
oatire  ohne  Stül^it,  ohne  Iteglerung 

QUgu :  Auge  zu  den  ougen  uGsefaen 
21)1*211.  es  gohön  die  engen 
liber  24*:)2.  vun  rehter  müde 
wurdoDt  mir  die  ougeti  ziigüiide 

Jngen  vor  Au'/rn  liringeti,  zfigen 
!H)»4..i. 


P. 

palie,   i'iberi!  Balei  tie»  Johanniter- 

orden»  1  71*31. 
p&pste  s.  bobest. 
parabel  IJT'lii. 
parte  ParUi  169*:(1. 
patroDo  des  Johannüerltautt»  ül)*!). 

(■.■i*4i)ff.  i,i2*I.  l->2*:iii.  ir,o*4. 

I  '>.  ici  -',i,-J(i.    \i:i-.-2<;.   h;!i-i. 


!■   l'.-n.ily,icii>r.    Ilnrldr 


&.  l'.'t-r  Is.i   i;, 
l'vyz.'rlun  >.  [i^.y.iliiiH, 

VlI.Hi.  -il.ihr.'  sii';ij. 

l'/lt'/ir  iks  Johiiiinilerlniufi-s    I 


6Ü*29,:U.    «1*2,  J,  22.    6>*lll, 

26,27,29,36.  I«T*1Ö.  UO'Jl. 

117*14,26.   118*16.    lia*28. 

35. 1 25*25fif.  1 30"2,1 0. 1 29*31. 

155*fiff.  I59'12.  160*;U.  lei* 

Kiff.     162*12.     163"21,29fl. 

171*22ff.    172*4ff.     IT;)*;iff. 

177*37.    2(17*15,    2il8*5,l3. 

22(1*1(1,22,2«.  22:t*20ff.     pfie- 

gprie  12r.*4. 
pflöge,  pflogen i'/aye,pia^rt2l*a>. 

;li'i:),  25.  ;J!*38.  4+';i7.45*5. 

.)S*22.    öit*11.  84*25ff.  S6*5. 

211.27.   87*18.    91*14.    34*33. 

9S*35,4i.    9!l*fi.    102*2.4.14. 

2G,35.  103*10.  IS.'i'Sl.      pls- 

gari  58*13. 
pietancie    PiUms,    reiehiiehere  Keil 

!)*:U.  m'l,  2;"!.  82*22. 
pittscliaft  Petschaft,  SUgü  229*2ü. 
plogon  s.  pflogen. 
predie  tuo  82*11.  197*20.  218*4. 

22r,*n.       Prediger  bGren  predi- 

yi'ii  ■J2(;'n).  I'i.       di.-  I'rriligfr 

vini  i.  Daiüiiiicus  urdcii  in-r^:., 
liriestci-pfrümk,  HiUie  einer-   i*'H. 

ynM.  prior  4rl^'2.  l  +  'r:;i.  [:,'y\'\. 


vrroi>/,>':fii'„„li'.>'<:.-->.\-'. 


ll|.■t^.■l|.■n:  g-.pv.'i-.  in   l-:Vjt. 


'(■liL'n  nii'liex:  sini'U  san  ilunli  all'' 

,]:■■  uvjt  riviirii  srj-i.  turn- 


261* 


riehen     28*3,  6.         graweliche 

künftige  röche  88*32.        unge- 

roclien  Ion  100*11» 
rechenunge  tun  173*6. 
rede:  mit  nieman  keine  rede  haben 

97*21.  99*15,  21.       one  rede 

mit  enander  zu  habende  99*36. 
redelich  vernünftig:  redeliche  not- 

durft    114*30.     115*8.    142*6. 

rehte  redeliche  notdurft  223*11. 

redeliche  sache  182*17  =  emest- 

liche  Sache  154*13,  17. 
regnieren  subst.  Inf.  102*6. 
ze  respons  geben  als  Entgelt  geben 

174*14,  16. 
revereneie  3*19. 
richsen  regieren  184*32. 
richsinnig  86*14,  17. 
richten:  einrichten:  unser  leben  rihten 

90*33.       sich  in    allen    Sachen 

rihten  87*29,  34,  36.      104*27. 

sich  mit  der  weit  rihten  90*40. 
rim  Vers:  in  rime  schriben  223*1. 

gerümete  Sprüche  151*16. 
Binowe  Rheinau  1 75*22.     Henselin 

von  -  9*5. 
riten   reiten:  von  des  riten  wegen 

kräng  93*10.  107*19,23. 
Kodeis    (Kodiz)    118*19.    162*15. 

175*37.  176*9.177*8.  220*23. 

221*9.  223*1. 
Eome  Born,  Fahrt  der  Gottesfreunde 

fifltcÄ  Jf?om  66*36.  67*5.   68*11, 

38.103*28.106*29,36.120*17. 

r21*14ff.    140*19.       Romfahrt 

im    Jubeljahr     27*15.     31*24. 

194*12.       rorascher  stül  82*15. 

85*15.     romescher  hoff  166*20. 

E6mer  66*36.  67*2,  7, 12, 15, 20. 

69*1. 
romen  nach  etwas  zielen,  trachten 

85*5. 
ToiRat:  rot  nemen  i?a//ra^^,  nach 

dem  Roie  jemandes  handeln  usw, 

^*3,  1'^     8*6.    9*33.    11*2,10. 


22*8,33.  32*19.  33*29.  40*9. 
41*10.  79*15,24.  125*39. 
176*34.  irme  rote  volgen  in 
allen  Sachen  68*13.  87*32.  den 
rot  widerrufen  73*9.  77*20.  one 
rot  73*4, 33. 108*10  onerotdez 
hl.geistes  s.hl.geist.  zu  rote  wer- 
den 121*24. 126*6.  roten  usser 
gottelicher  minnen  87*33,  37. 
90*30,37.  97*3,17.  106*21. 
109*22,30.  111*36.  113*25. 
133*33.  135*42.  215*30. 

ruchelosikeit  168*12. 

Kalmann  s.  Merswin. 

Ruprecht  der  angebliche  Diener  des 
Gottesfreundes  25*19.  69*20. 
70*12.  73*6,37.  74*2.  76*12. 
79*17.  97*13.  108*26.  112*36. 
113*20.119*21.120*17.137*30. 
154*20.  163*14.  179*2,4.  203* 
42.  204*4,10. 

rüren:  rüronde  sin  124*11  sinen 
gebresten  ruren  s.  gebresten. 

Rüsebrüch,  br.  Johannes  von  -  23*1 6. 
34*15,  20. 

rüstern  räuspern  137*38. 

s. 

sacrameot,    das    hl.  -  des    Altars 

22*26,  36.    33*22,  31.    40*26. 

42*13.  93*14.  94*3.95*18,  26. 

97*18.    99*30.     108*1.     143*6. 

181*22.203*8ff.  230*1 0.227*1 7. 

222*16,  19.    213*29.    214*24. 

sacramente  alle  sieben  Sakramente 

144*13.  216*14. 
sacristei,    sacristye,    sacristige    von 

Grünenwörth      60*17.      74*11. 

77*17.1  ll*31ff.  118*23.162*19. 

180*11. 
sagen:  nieman  sagen,  nüt vermeldet 

werden    29*12,  14,  32.    86*29. 

90*30. 
Sattel:  sinen  sattel  erweren  106*15. 


262* 

scbHAtbet  seh&üiek  112*17, 
:?chaftolzbeiai  Srhiiffotaheim,  Johann 

VOH-  l\'-i.  i\)'22.  \-12*2~. 
scfaappel  KopfbedtcUung  roseii  echap- 

pel  -Jl*«.  lt)9*42.  110*12. 

schapperone  SAa/ju/ieF"  I41)*:U. 

schenke  Otaehtnk  ijG'lT. 

schin  Sc/mn:  dea kloren  schin  knmo 
erliden  'hi'H.  •t4*'>:i,  liPVl*4r.. 
1 1  ü*:i,  geistlicher  schin  äußeres 
AuftrtUn  läO'7,  38,  39. 

3chisma,üi3ma58*lß.ß(j*:t().85''l3, 
IH.  I():!*l5.  iOö'ir».  I2i)*8. 

achoff,  sonftmnttiif  -  lfi.'(*;(3, 

schüpe  Kittel,  Kleid,  Waina  2;18*1+. 

schriben:  zu  rehto  schribon  82*22. 
lebi^n  gescbriben  geben  2r)*25. 
2i)*Ui.  mit  rao  früntliche  briefe 
schriben  !iii*:(4.  ll.>"7.  1.j4*12. 
hinder  in  geschribi>n  lassen  147*15, 
24  s.  finden  lassen. 

schrien :  sie  achruwen  mit  einer  ge- 
meinen stimmen  7.5*12. 

lil.  Mlirift.  1,'o^i'hnft   V-'.*-i:..    is':i, 

A\v-i\.  ><:y'\[>.  ]■!.  s7*',i.  iitrri. 

1  iri'HI,ri:(*2r.l4-J"li).U4'l  I. 
.ir..l4.'.''2.14«*4.|ii.is.l,'5i)'-17, 


äcbii.  g.'snal)pltc  2:!s'-l. 

scbub-m  6W(ei( /mfifH .■  sibulieii  iill" 

H'ilics  iiersiuien    1  H-'-l,    iTii'iJl, 

isl:*i:>.  is4-iii. 

srblirf'lirinit     Tih'l    >'hiti     tvaktats 

.■'diiircr,  \ViTiiiT  -,  kitiTitiii-  tw  Si'lilctl- 
^imit  ITv:?l       kmiitur  y,n  Kling- 

H'liiittclli  .«(/'.^  l„l.   |(.i.*-J7. 
-i'h'     Kmli     Toli-n'iKch,    Aimiceraiir 
^    I :;    ;iNiii.    11 '  I  7-        selrgerete 


aennoii:Eiae5ernionegeh''reii:i:i*ltl 

s.  predie, 

serwen  achuaeh  utrden  iSs'il. 

sidel  Sifz,  Stuhl  lS3*Ht. 

siecbetag  Krankhtit  2:i"7.  .i4*i<. 
den  armen  siechen  1K[|*:11, 

sinn,  dienotdarfugstensiliuei<4'i;t, 
2<i.  i\:,*f,.  den  siu  desto  eigen- 
lieber  verstan  luo*l.  iber 
mensch),  sinne  :t.~>*^>.  aber  di^ 
sinne  gufiirt  werden  l  i:f*:i<;. 

sinnolich  s.  wishoit ;  s.  Vernunft. 

sinnelicheit  Sinnliehkeil  S.i'lii. 
Ifi2*4.  weltricher  sinnelicber 
man  100*44. 

sitzen:  bienander  silxen  äri'21i.  :14. 
f»4*H.  Ü5*ii,20.  1»IG'27.  107*14. 
12l*:ili. 

siafheit  «eWa/fAsü,  Trägheit  i:m*;t. 

Slegelholtz,Heaäe21 1*1 1  ff. 220*14. 

Sletstat  Schltttsladt  1 75*2:i.  kam- 
tnr:  Werner  Schnrer  I7ö*2l. 

slioffen  nehhlpfm  87*2o. 

A.)i:    iiffciiliiiruiit,'    i'"   -^'■'ff"    -I'" 

lJ:12*ö,  zarter    sliil'    i'\'M. 

äl.>ffcrigsr/(?.V7ri;/lllir.l'J.    sclili.l 

mit   TL'btc   und  «'a.h^t»    -'it  iii' 

rebti!  77*i!7.  ;il*:i2. 
Siiialrivmc.  Claus  i?iiT*'Jii. 
-iMli.'l;  knoiilio  sni4Mi.  -rM. 


lurgvi'Uiti'il  iiiiiistli'-he-  /"'-i 
1  ;i:i*.i7  sorpvi'ltigcrliniii'-;'  i 
iiiiitibftt  Retllade  IS.V  ]«. 


^^piehi'ii  ■sp-'ilieii  l;(s"  l. 


263^ 


.      IG,  27.      11*7,  12,  13,  19,  21. 

12*2.  108*12. 11 1*8  ff.  118*25. 

162*21.180*18,29,34.  181*15, 

21.    210*12,16,19,23,25,26. 

211*8ff.    212*34.   213*3,5,10. 

222*13,20.  234*22. 
Sprüche  der  heiligen  22*32.  33*28. 
spuntziererin  im  guten  Sinne:  Braut 

223*8. 
spüren :  noch  hundesart  spüren  H4*5. 
stallen    nach  etwas  trachten:  noch 

irdenschem  gute  stalen  148*28. 
stallekneht  128*44. 
stam:    ie   ns   eime  stamme  in  den 

andern  61*19.    117*5.   160*27. 
Stechmesser  238*24. 
Steiger,  die  149*29. 
stein werck  Steine,  Steinbau  109*17. 
sterbot  das  Sterben    4*15.   31*13. 

31*38.  32*1.  101*7. 
stetikeit  83*32.  130*33. 
stettmeister  186*16. 
stimme  bei    Visionen:  ußer  mossen 

süsse  ungesihtige  stimme  90*9  ff. 

91*34.    94*24,  25.    95*31,  32, 

41.  96*2.  110*8. 
durch  stock  und  durch  studen  65*32. 

66*7.  68*26. 
stoltzheit  108*32. 
ston :  es  stot  gar  sorgliche  in  der  zit 

85*33.    104*32.    205*14.        es 

stünde  baz  umbe  die  kristenheit 

123*13  s.  zit. 
strangheitiS^röw^e;  101*34. 170*21. 
Straßburg  3*3.  4*22, 34.  6*4 1 .  8*1 3 

anm.  9*10.  12*10.  13*1.  76*34, 

41.  77*9,37,41.  79*1,8.  8S*8. 

108*18.     110*28,34.     111*4. 

113*21.125*31.125*34.137*25, 

34.  138*7.163*27.  164*14,22. 

165*17.    165*29,38.     172*16, 

20.176*12,17.  180*20. 186*lff. 

187*6.211*16.221*13.    Brüsch 

13*3.166*3.     münster  156*30. 

St.   if«*>»erinenkapelle    167*22. 


Laurentiuskirche  8*13  anm.  Alt- 
StPeter  166*27.167*19.  eilende 
bilgerin  herberge  8*13  anm.  spi- 
tai  z.  Swederich  8*  1 3  anm.  grö- 
ßeres spital  8*  1 3anm.  Augustiner 
49*23.  Dütsche  herren  186*27. 
Karmeliterkloster  8*  1 3  anm.  Kar- 
täuser 8*13  anm.  Margreden 
klostor  13*2.  166*2.  187*14. 
bistum  122*29.  bischof  167*20. 
unser  herre  von  Strazburg  1 24*36. 
b.  Johann  2  3  9*  1 1 , 1 4  ff.  b.  peni- 
tencier:  J.  y.  Schäffolsheim  11*5. 
b.  bofmeister:  Job.  v.  Kagenecke 
155*27. 
stroffon  mit  tadelnden  Worten  zu- 
rechtiveisen,  strafen  22*19.  33*6. 
126*30.132*28.143*19.148*31. 
186*17.197*18.212*15.218*1. 
stroffunge,  hinderste  1 8*  1 3. 1 1 4*4. 
124*19.  146*23.213*18,21,24. 
233*25.  stroffo  rüten  101*38. 
103*9. 

strüssen  sträuben  62*32. 

stül:  lerer  uf  dem  stül  87*1 0.  105*4. 

stumpf  unvollendet,  abgebrochen 
stumppferanefangl  1 4*8.  stümp- 
pfelingen  plötzlich  4*15. 

stutz Ä^Ä  Sturz:  geher stutz  32*10. 
Snltz  Obersulz    133*15.      komtur: 

Konrad    von    Snlzmatt   175*20. 

185*23. 

Sulzmatt,  Konrad  von  -,  komtur  zu 
Sultze  175*20. 

sumen  versäumen  1 38*34.  sich  sumen 
der  erbermede  gottes  1 53*29  msu?. 
sumenisse  4*33  u.  öfters, 

sumerhas  182*7. 

Sünde:  sünde,  die  in  dem  fleische 
verborgen  ist  85*37.  1 13*18. 

snr  oder  süsse  17*21.  gar  sure 
werden  101*15.  sarheilig  /In- 
sterfromm  143*22.  215*37. 

Susanna  120*19.  121*K 


2tl4' 


swaiic:  in  grusseii  swenken  stellen 

84*21.  I84*2fl. 
swattichen  scAitan^-CTi  187*23. 
swereu :  zu  den  heilgen  sweren  22 1  *9. 

ait    sweren     144*26.     U5*:JG. 

2lfi*21.  217*12. 
awermiitig  83*:J8,  41. 
awert:  daswoUUche  swert,  die  Krone 

1(14*17. 
swibnge  Schiriboyeii  I7H*;14. 
symonie  iii(i*4i. 

tj. 

oben  :  sich  üben  im  getaüichen  Leben 
25*4.  27*1.  57*41.  100*.15. 
119*9.  128*4.  i:i2*38.  I3il*l4. 

140*l3.142*ir>.l52"lG.ir.l*li*. 
163*:J.  l«:i*T.  184*18.  200*22, 
3ä.  angenommene    übangen 

142*21.  14;i*27,  215*41,  43 
u.  öfters. 

nberswenckig  übermäßiff  189*S,  11. 

uffal,  nfFellc  SHirkinii/.  ZufiiU  \1r^' 


sich  afgebi)ii  ;ui  yuHes^tat  i^tm^i 

224'!  II. 

S.  luSSl'll, 

uriyeii>-ani:      uiiffelull(.-iier 

üfg''-iM -hl  fi,i'rl.:-=aml.ril,li  HCl,  sM'l: 

12r.*:i2.  s.  kiesen. 

IUI  ;ilk>  iifgfsililö  21  r:(2. 

niigHliiiilii'n,       1111g  kinbi'ü 

iitiiiii  ,'l'i//';;/i',   Sfihiinti:  vientlLi'hi^ 

l',U*27.    21li-l),  ITÜ. 

iifsi^ixc  112'. IS.  1-iii-jii.  irrni, 

s.  lii'kiiriiiig. 

1  1. 

iinp'iif^'rt  /"(■  i;nnegi't  »'>/■ 

llfl'-.itÄilli:.'         IWunhuiw/,         <li-h.,l 

i.r.ii. 

Isi.'l'J, 

tiin;i'iilli'f.'i?t  lililii'ti  iv:,  ■>. 

ill-l,iir     Aiißchal.     H  +  'jii,     S.-/:12. 

l'llgi'l'lL  filijoni:  jriJt[y<  Itii 

Mi'J  t.^t;,  sii*,!-;,  ■.■i'i?  l.  IUI* Mi. 

Tn^iTii  !i2^':i.i. 

unlcrul  ii^ji.'lti'n  ('/('/(//'V'n  1 

1  l.i'M.    ulVlaliHi(;T"17.s:,*2.L 

unkiisiJiikcil  4i\*-2'2.  liiT*! 

ririiii.lir.lW-iilitiiiLTiirLl.risn;i*,li;, 

uiiliaik('it  IU..vl„-ifti'iii<i'i  1  ( 

1.11-7.  1  1. 

UDlut.Tkcit,  1+2*27.    ir.i''! 

iiiiilil'iin-u:  die  riisc  inii  t'r'-uil(=ti  ninli- 

kiOTiii^'. 

liir.'ii  IJI  '11'. 

\niimiilll  Dlunnnrhi  t.-.s'l- 

iiiilii'dockt ;  mit  uiilü'iiL'ckL'tou  ivurtL-n 

UIlliiHtSB  Nör^..    r»/'((/,.    1  : 

uubekant    sin    22*9.    133*17,  22. 

146*21).  196*28.  217*29. 
unbesnngen    atme    den    eorsefirifti- 

mäßigenGesangbeimGoÜesdiaut, 

ohne  Gottesdienst  108*22. 
nnderscheid:    Unlerweisunij   üecht- 

riches  nnderscheid  des  lil,  geisu;! 

189*34. 
miderstan      utitemehmt»      ITS'UI 

unterstützen  151*26. 
sich  underwindon  auf  sieh  nthmtn 

113*1.  154*25.  Ißl'.t-J.  165*9. 

167*21. 
nnderziehen,    nndeno^en    eiilziehtn 

138*27.    147*7.  3.1.    Iti7*l.i. 

183*2. 
nnendelich  nicht  zueerUiuig  173*^. 
unerlnhtet  I2fi*32.  143*9  imt. 
anfletig  roh,  taust  2  1 3*7. 
unfride  im  lande  75*19,  2  7,  30, 
anfi^re    schlechiea  Betragen,    Unfug 

168*9. 
•aa^^tnaehreddich  89*38  «.BfUrs, 
nnirMimpf    iitii/Hinpf,     iin:'emlMf* 


nnrdwig  77*22.       in  gtoSm  uarü- 

■  wen  sin  73*21. 
nDSegelich  n.  ansprecbenlicb  143*11. 

146*10.  ■>16*.'iö.  217*21. 
nnsmcglich   ohne   Lust,    ohne   Ge- 
schmack 31*28, 
anverdienet:  niiTerdienet  die  gnade 

geben  83*13.  215*22,  24. 
nDTermosiget  ohne  Flecken  150*31. 
nnwirdig:  aMmote  onwirdig  83*9. 
.     87*21.    9(1*1.    114*1.    128*43. 

131*36.  132*10. 
onwürscb  unwälig  213*5. 
nrdrntz  Verdrossenheit,  Mißbehagen, 

Überdruß  fi*29.  14*3.  62*12. 

nrdnitzig  31*28.  213*5. 
argang    Gang,    Wanddgang    !)*  1 6 . 

182*4.  209*4,  12. 
nrknnde :  gottelicbea  arkündes  7*38. 

zu  eime  ewigen  Urkunde  71*38. 

1 1 5*36  s.  memorial.     mit  guten 

nrknaden  vennanet  werden  1 2  0*  1 0 

s.  woTzeicben. 
nrlop  geben  der  weit  14*24.  97*4, 

7.     98*10.     118*42.      162*38. 

180*27.    189*29.    191*13,25. 

223*1  Os.abetun,entalagen.    mit 

dem  nrlobe  gottes  mit  Zustimmung 

Gottes  106*22.     zii  dem  roteur- 

lopiieiBiD  Abschied  nehmenl  ii*^^. 
nrlüge  Krieg,  Fehde  101*8. 
arssissenereetgen:  geursobssete  pfle- 

gere  126*5.  161*17.  172*6. 
nrstende     unsers     berren     13*24. 

158*20.  166*9. 
Ursula  21*1.  26*7,18,23. 
Dzbrechen  d.  reden  106*29. 
uzdingen  129*21. 
nbren  87*6,  10.  120*33.  s.  Taren 
Qzflässig:  ozflüssiges  minne  qnellen- 

dea  beixe  69*28. 
iiqraog87*13  DZgon  135*16.142*5, 

7.  182*31. 

1  61*36.       sieb  beim  kenn 
28*28. 


nzliden,    die    bekomngen    44*16. 

81*38.     130*37.      146*25.  27. 

2J7*3,  8.     nslidonge  17*1». 
ußrichter  159*28. 
Dzewendig:     nßewendige     brüdere 

143*10.  214*37.  215*9,  32.  s. 

meuscben. 
nztrBgen:Dzgetragenvrerden  106*34, 

35. 
Dswandeln  under  dai  weltUcbe  Tolg 

129*43. 
nzwürfeling,    unwird^er    Auswurf 

89*10.     ein  rebter  azwürffeling 

92*34. 


TartdCT'G(K(es/Veitnde73*37.74*l3, 
17,  26.  79*13.  80*5.  90*32, 
35.  92*21  ff.  97*15.  1«6*17. 
107*37,38.  111*12.121*3.28. 
enweg  varen  94*20.  von  enander 
varen  96*18.  heim  varen  68*  1 5. 
74*43.  75*37.  in  die  atat  varen 
75*1.  76*12,  in  daz  gebirge 
varen  91*24.  in  die  weit  varen 
99*4.  in  frümde  lant  varen 
133*25.  zu  bofe  varen  67*9. 
zum  raeister  varen  42*22.  zu 
dem  bobeste  varen  120*11,30. 
137*4,  zum  biscbofe  varen 
140*18.  zu  Köllefaren  124*21. 
uf  der  Metzer  vart  79*37.  zii 
Moyses  faren  121*1.  gen  Borne 
varen  66*33.  103*28.  zu  Enl- 
manvaren  76*37.  vartzäStraO- 
bnrg  79*1,  8. 

fas:  diegnode mos einalsegBT reines 
leres  fas  haben  123*22. 

fasten  93*26.  121*31. 

vegeför  147*36.   148*37.  227*13. 

verbergen :  sin  leben  vBrbergen2  0*1 0. 

verbilden  entslelien  182*30.  ver- 
bildimge  der  fünf  sinne  Entstel- 
lung, jyäbimg  141*27.  182*10. 

verblenden  128*16.  las'Vi. 


verbrennen  'iil*7. 
Terbontnill  I34*U.  li>ii'3i. 
vpn'alleD,   mit  eime  wibe  «iW»  ver- 

TerhengDilS  von  gott  Zu/as»M<7K  ,i*  1 7 . 

vermitteln :     seritreuai,     hindernd 

sU'isehe»  etwas  treten:  dsK  hertze 

wird  mir  vermittelt  128*:i;i. 
vernüteu  HS*14. 
«emanft:  sinneliche  Vernunft  8:)*20. 

si*  11.1 04*1  a.iori'rsi.u.l"!:!. 

i»it*i2.  214'aij,  -Jis*:. 
Veronika  IS^'ae, 
sich  verrihten  lurecMfimien  86*28. 
verseren  scMdigtn  167*29. 
verswigen:  leben  verswigeu  bliben 

27*fi. 
verwurffenheit  17(1*22. 
verzogen,  vennckl  werden  ll'J*'2ci. 

l«;i*i:(.    2113*2.        verZQckung 

22S»*2,5. 
Vier-Jahre  Balmanns  IS'll,  SS. 

I«*27.  20*15.  22*U.  :J8*2,  11. 


1^1 


liruri.  Hiht.  lilfkhinx  Is' 
72-. in.  7ii'':!4.  I22'2:t 


r..NuirgHi,.M«,.|-.liMl 


'''1\.  liiiiJ.TttiiiiJ^-i'iilin.k'ii 
l'ii.  l'.ir.M),  imiii  vi.idi.l 
111^'     fToMniliniHi.l..     in"ii-.cln.|i 


sr  giiüg,"ffin3em 

gi'itliche  gehorsame  bräder  dam 

87*41.  ~  8S*12.      fünde  mai 

Personen,  die  in  elöstere  gehortatil, 

man    finde   klelere    gar  ^ng 

]  lo*:jK. 
vin  gerl  in /Tinyirriny,  Verlobun^m^ 

]fi*;)ii.  4u*;j:i.  ia7*i2. 
vinsterniße  8Vl*;i7.  !t(l*4.  103*l!i. 
Tisch,  groBezübere  mitvische  75*.'tfi. 
visiun  18*18.  56*42.  SO'.t.  m": 

81*20.   88*20.  88*4.     I22'20. 

I.>;i'll.HJ.  Iii4*25.  2.12*6,13. 

visiangen  (visionen)   ist  aöt  td 

gloabeude  79*2."i.  92*1«. 
visitieren  I38'll.  Ififi*23.  Ifii'l. 

l(iH*5. 
flamen  =  hl.  geist  I  (iO*23. 
floriertes    H.   geinaüea    H.    1 2')'2. 

20  7*32. 
äotticibni  /fatfei-N  80*42. 
fl^sin  80*12.     dasgeviderefläcfcto 

80*23. 
flnlilliu?     :t,-.*:!l>.      '■,1*21.     \'\''''- 

I7(j''|i;.   !7l'':l;(.   lSsll'2-1. 
vü^ülhunt  84*.-i.l2. 
Vogelnest  231*17.  232*1''. 
Tille:    luiiiiT    dpm    gemeiuL-u    vult- 

woiii'ii  (■iri*2ii.  ('1^*2:1. 
vdllnfiirer  Teatainenrsroll-'trerk-n-  •' 


!ii 


MMn 


vnriiiiii :  lesen  \uii  Tiirn;iii  an  t>iiK'' 
i'ndruj  :is'"i;i.  .lti'2'i.  L'-'. 

I-Viliiirt;  in  nhti^ukiit  I4ii"24.  ■■> 
tVidt' :  7.U  friden  kummoii  I  2  I  '-^f- 
vr,i-Hi  "uhil.  l„f.:  niie  all^s  1r"i:^r, 

Von  im  selber  TfAvn  I(i7-|-i. 
irr.|i..hi>it  '.h;*2+. 

I'r."  mdo  :  es  nimmel  miiU  l'r.'.nnif  i'i"' 

usir.     IVÖmdo  Sache  u.  «iji- "-T'^ 

I2T"42,      l'n'imdi-'spriirh"  -»J'-J. 

fniiialtiLr    7s*4.(;.  !li.2ö.        i't""* 


267^ 


fronfasten  221*29. 

hl.  fronlicham  213*28  s.  Sakrament 

frowenbilde  s.  bilde. 

irämmen  stiften  117*18.  161*6. 

füglich  passend,    nützlich    173*20. 

unfüglich   173*28.     nüt  füglich 

173*44. 

fürfar  glenzend  77*30.  110*1. 
vürgang  Fo/-^Är/«;  Erfolg  110*22. 
13s*2. 

Türheben,  die  hl.  geschrift  144*9. 
145*2  s.  hl.  Schrift. 

vürkummen  sorgendverhäten  1 3  5*3  5. 
usic.     vürkummenheit  126*8. 

fürküstunge  Verkostung  61*33. 

fürrot  feuerrot  1 09*4 1 .  11 0*  1 4. 

fürsichtikeit  Vorsehung,  Vorbedacht' 
:fawA-«n59*39.  171*10.177*21, 
32.  uß  gotlicher  fürsichtikeit 
162*8.  169*17. 

fürsmack  gotteliches  niessendes  Vor- 
geschmack 61*32. 

TÜrwort  Verabredung,  Bedingung  : 
mit  sonderen  vürwortten  171*33. 

fürwurf  Gegenstand  ei*\  4.  153*32. 

w. 

wahs:  in  -  schriben  14*19.  20*6. 
33*9.  wahstovele  18*15.  26*15, 
34.  146*30.  217*32. 

Tvalt:  gon  in  einen  walt  83*26. 
89*28,  34.  vür  den  walt  gon 
94*4.  95*20,28.    229*15. 

waltpriester  21*20.  23*16.  29*21, 
22,41.  30*3.  34*15,19. 

"Walther,  klosterbrader  4  3*13. 

wambesch  Kleidungsstück  238*14, 
23. 

warnemen:  der  sinne  warnemen 
70*11.  154*24.  sin  selbes  war- 
nemen 215*17. 

—vmende  lere  39*30.  44*37  s.  letze. 


warmnbe:  one  alles  warambe  83*25. 

123*44.  213*12. 
mit  Wasser  und  brot  131*13. 
we  oder  wol  71*3. 
we:  wewes  befinden  145*9.  146*18. 

217*28. 
werben  werben,  streben  130*23,  31, 

34. 
werc:  f romede  (übernatürliche)  wercke 

wirken  93*4.   184*8, 11.  189*3. 

194*19.216*5.     ette  waz  sunders 

werckesmeinenl27*42vgl.l  12*5. 
werglüte    73*35.     74*20.     187*7. 

worckmeister  187*8. 
welsch:  welsch  reden  67*21.  68*4. 

in  welcher  sproche  26*1 0. 94*45. 
weit :  der  übellonenden  weit  antra  we 

192*17  u.  öfters, 
weltwis  s.  wis. 
wetter:   großes  graweliches   wetter 

89*23.    90*16.   94*33.    98*41. 

99*6.  101*30. 
Wetzel,  Heintzemann,  ritter,  pfleger 

von  Grünen wörth  5*1  anm.  11*24 

anm    15*26.    112*33.   125*35 

130*5.     155*18,24.     172*30. 

240*30.  Bertha  W.  10*18  anm. 
widerdrieß  Verdruß  73*2.  125*32. 
widerquelle      haben       Widertcülen 

170*21. 
Widerrede  Widerspruch  81*24. 
widerslag  Rückschlag  129*10. 
widerstritten  subst,  Inf,  Widerstand 

215*11. 
widerzeme    mißfällig,    tvidertcärtig 

127*17.  170*33.  213*8. 
wile    Schleier:    kutten   und   wilen 

150*38. 
wilgbom    Weiden:  wiltbome   13*4. 

49*1.  166*4. 
winden :  die  muren  wantent  in  dem 

ertbideme  109*11. 
winnahten  s.  kristnaht. 
Winterthur  149*27. 
wintzeln  66*13. 


[.Vlräekait,    würdekeit:     des    böses 

15*23.    17*13.   71*39.    83*11. 

117*16.  161*2.  206*38. 
iris:  wettwia  21*1 9, 29*20,22.  s:i*2. 

86*11,14.    1Ü2*2T.     !04*12. 

27.     natärlicbe  wisheit  I4l*ll. 

18-i*31. 189*13.  21«'31. 
^  vi3sen:dai  wissen  gebärt  dem  cwigoD 

vater   zii   88*3.       gewor  wiüön 

]46"ä,  7.  216*31,33. 
witeni  eneeitem  78*1  5. 
WittJchen  b.  Wdfach,  kloster  H*  1  ^ 

witsweifflkeit  Vmkertchveifen,  Aits- 

gegoaaenheit  14K*3(l. 
die  woffen  des  t.  Hnuebnrg  48*2(i. 

63*5.  15fi*l2.20.     vonGränen- 

wQrth  222*4ff. 
Wolfach,  Heinrich  von -,  komtur  5*1 

anm.  ll*24aom.  73*18.  UO'29- 

207"'J. 
wort:  rehteyon  wort«  tu  Worte  9S*I3. 

117*3.  U6*28. 
wnrt'/eichi'i).      worzeichen       Wahr- 

ztkhtii  Il7*2^l.:l7.  liS*|,s,   77*7, 

HM'.I.  7«*3(;.41.4:l.  7l»*fl,  Kl, 

!!■*.  SM*23.  '.11*22,  112*3,  l.j.42. 

•i:i*2(i.  n5*-l.  11)1*3(1.  111';(.5. 

1  17*41. 137*3S.14l*l7.ir,3*lH. 

irw';tl,   i(U*M.is.    Hir.'f^.iii. 
Kllfd.  I>i4''l.  I!il*l(i.  L'r.i*:;s. 


Kaie:  mit  der  zale  gBit^ic!iiii>t  2»'  1 


zelten :  gilt  zeltendes  {ifart  «'»  F 
dag  gut  im  SettriU  gvhl  «'.t*l. 

zere  gelt  12ii*Hi, 

zerstrüwen:  mit  zerstri^wekn  gemiit> 
128*28. 

Mnerrm  zerreijSm  186*1. 

zisma  s.  schisma. 

zit:  es3t«tserclicheinderzit  .il*l-r> 
anm.  S6*lo.  87*25.  alss  M  DB 
in  der  zit  atot  l  «S*2H.  1 07*l.  9, 
109*24.112*]  7.11 3*ir..l23'26, 
1 35*n .  2 15*20, 29.  s."rglicli» 
z.  32*21.  71*5. 108':ili.  14S*i:i. 
die  nzgerechente,  biaderste  til 
84*20.  88*34.  141*21.  147*.!. 
zit  vertriben  192*34.  rerlorsne 
Torsamete  zit  193*5, 11. 

Zolre,  Friderich  Ton  -,  in  ViUineei) 

Zbrii-Lapp,  Claus  -,  konventbroiifr 
von  Gränenwörth  11*24  ^aa. 
13*28.158*24.  ritter.  .^  Siine- 
line  Störmer,  pAegor  von  Gidnaii- 

wörtb    1.i*2(;.    ]2S'l?!l.    ]-2'\'y>. 

Zorii-Bnlacb,  Clans,  pfleger  von  'irü- 
uenwOrth    ir),-)*24,   2s.  -JnT'L'i 

zornijf:  vaste  zornig  werden  iiT*:l.'i. 

zückerlin  1S8'21. 

Zug,  II  bernatiir!  icher  Vri-Hd-m 
21*7.   ni7*M.  215*4. 

zikker.  gi'ttelicher  Einkdir  !41'-'' 
142*;(>i,    14s*,-,,      andehti^T  ■■ 


■ordf  1 


21. 


CMsrhri-if/VH :   im  äelb'f 

r-n  2:!'i4.  :u*i;i, 
kütnen;  mit  me  miW- 


^1     .41 

4- ,11« 


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^iMiic  <i  Xi'-^y  pl(»J*%  -\-;T/|t-  p^i^.Sr  .**r*t*:  »H.^-««!.^*^*?  *^P" 


Bl.   9a   dos   socjc^ruinntorj    Noun  Foisen  Autogra[)hs 
[Hs.  J.]       clor  Sclirift  der  Vier-Jahro  Ruimanns. 


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Regresten  -Werke 

1  Verlage  der  Wagner'schec  Universitätö-Buchhandlimg 
in  Innsbruck. 


tgesta  Hal)sbDrglca,  Regesten  der  Grafen  von  Habsburg 
und  der  Herzage  von  Österreich  aus  dem  Hause  Habs- 
burf;.  Herausgegeben  mit  Unterstützung  der  kaiserL  Akademie 
der  Wissenschufien  utid  des  k.  k.  Ministeriums  für  Kultus  und 
Unterricht  vom  Institut  für  Usterreichische  Geschichtsforschung 
unier  Leitung  von  Oswald  Redlich. 

I,  Abteilung:  „Die  Regesten  der  Grafen  von  Habsburg  bis  1281", 
bearheiiet  von  Haroid  Steinacker.    1905.  M.  10. — 

Ihmer,  J.  F.  Regesta  Imperii  ).  Die  Regesten  des  Kaiserreichs 
unter  den  Karolingern  751 — 918.  Nach  Joh.  Friedr.  Böhmer 
neu  bearbeitet  von  Engelbert  Muhlbacher.  II.  Auflage. 
I.   Band.     1.  u.  2.  Abteilung.     1904.  M.  31.80 

—  Regesta  Imperii  II.  Die  Regesten  des  Kaiserreichs  unter 
den  Herrschern  aus  dem  Sachsischen  Hause  919 — 1024.  Nach 
Joh.  Friedr.  Böhmer  neu  bearbeitet  von  Emil  von  Otten- 
thal.   1.  Lieferung.   1893.  M.  9.34 

—  Regesta  Imperii  V.  Die  Regesten  des  Kaiserreichs  der 
spateren  Staufischen  Periode  1198—  1272.  Aus  dem  Nachlasse 
Joh.  Friedr.  Böhmer's  neu  herausgegeben  und  ergänzt  von 
Jul.  Ficker  und  Ed.  Winkelmann.  4  Abteilungen.  1881 
bis   1901.  M.   102,30 

—  Regesta  Imperii  VL  Die  Regesten  des  Kaiserreichs  unter 
Rudolf,  Adolf,  Albrecht,  Heinrich  VII.  1273 — 1313-  Nach  der 
Neubearbeitung  und  dem  Nachlasse  J.  F.  Böhmer's  herausgegeben 
und  ergünzi  von  Oswald  Redlich.  I.Abteilung.  1898.  M.  22. — 

■ —  Regesia  Imperii  VI!!.  Die  Regesien  des  Kaiserreichs  unter 
Kaiser  Karl  IV.  1346  —  1378.  Aus  dem  Nachlasse  Joh.  Friedr. 
Böhmer's  herausgegeben  und  ergänzt  von  Dr.  Alf.  Huber. 
1877-  M.  30. — 

igesia  Imperii  XI-  Die  Urkunden  Kaiser  Sigmunds  (1410 — 1437)- 
Verzeichnet  von  Wilhelm  Altmann.     2  Bände.   1896 — 1900. 

M.  61.40 

dditamentum  primum  ad  Regesta  ImperüVIlL  Erstes  Er- 
gänzuugsheft  zu  den  Regesten  des  Kaiserreichs  unter  Kaiser 
Karl  IV.   1346—1378.  Von  Alfons  Huber.   1889.         M.  6.— 

Jditamentum  tertium  ad  Regesia  Imperii  1314  —  134 7. 
Drines  ErgOnzungsheft  zu  den  Regesten  Kaiser  Ludwigs  des  ^em 
seiner   Zeit 


I 


BOhiner,J. F. Regesta Archiepi'scoporuin  Maguntineos 

KegCfiica  zur  Geschichte  der  Mainzer  Erzbischöfe   von  Bonifsiiiit 

bis  Araold  von  Selehofcn  742; — '5 '4-  ^*"  Benützung  des  Nach- 
lasses von  Job,  Fried r.  Böhmer  bearbeiiet  und  herausgegeben 
von  Com.  Will.     I.  u.  11,  Band.   1877,   1886.  M.  53.60 

Regesta  Eplscoporam  Con^ttaiitlensium.  Rcgesteii  zur  Geschichie 

der  Bischöfe  von  Konstanz  von  Bubuktis  bis  Thomas  Berlower 
517—1496-  Herausgegeben  von  der  Badi sehen  historischen  Kom- 
tnission,  bearbeitet  von  Paul  Ladewig,  Theodor  Müller, 
Alexander  CartelHeri  und  Dr.   Karl  Rieder.      1.  Bd.  uaJ 

11.  Bd.    I.  bis  6.  Ug.    1886—1902.  M.  45.- 

Begestcii  der  Markgrafen  roa  Baden  nnd  Hachbcre;  1050— 15U. 

Herausgegeben  von  der  Badischen  historischen  Kommission,  bear- 
beitet von  Heinrich  Witte.  1.,  II.  und  111.  Band.  1.  bis  ^,  Lfg.  ' 
189-2 — 1904,  M.  6Ö.80 


150S.  Herausgegeben 
jnter  Leitung  voo 
h  u.  Jak.  Wüle. 


Begesten  der  PfalzgraCen  am  Rhein  1314- 

von    der    Badischen   historischen 

Ed.  Winkelmann,  bearbeitet  von  Ad. 

I.  Band.   1894.  M. 

Urkunden-Regesten  aus  den  ehemaligenArchiven  de 
Kaiser  Josef  II.  aufgehobenen  Klüsler  Böhmen 
Dr.  A.  Schubert.    1901.  M. 

UrKlin<ii'll-l{o;;r«.teii   .m^  Ji:in   Si.idi.i  r.- lu  v    m   S  t  c  r  ;■  1  n - 


]tl■c:e^liI    Iti-mii    [[icro-ol.viiiitnin 

'..MXCN'fl— MCCXCl,,.     i'.^.rt. 


ididit     Reinhold     RöhrJ.lu 


Additiiiiieiitiim  ;id  Ul^l- 
MCCX<:i)  c.lidJi  RcJii 

nennisk\.  [>r.    i;.     Knc 

liino.-cntii    VI  S.   1'. 


,  Reyni  Hii 
')ia   Rühri, 


cm  cutis  Vi  L-i 
■üb  Rc^im[iiL-r..,. 


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